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Comic Blog


Montag, 08. Mai 2006

MangaMagie V

Filed under: Meldungen — Michael um 20:53

Manga Magie 2006Die Bahnhofsbuchhandlungen Ludwig rufen auch 2006 wieder zum großen Manga-Zeichenwettbewerb auf. In Zusammenarbeit mit dem Magazin AnimaniA und mit der Unterstützung der Manga-Verlage Panini, Carlsen Comics, Egmont/Ehapa, Tokyopop, Heyne werden wieder junge Talente dazu aufgerufen, sich am Wettbewerb zu beteiligen.

Mitmachen darf jeder zwischen 12 und 19 Jahren.
Das Thema ist frei wählbar.
Der selbst gezeichnete Manga darf nicht länger sein als acht DinA4 Seiten.
Beiträge sind auf Papier einzureichen. (Altersnachweis nicht vergessen, Kopie des Personalausweises.)
Abgabeschluss (Poststempel): 31. August 2006.
Einzusenden an: LUDWIG.Presse u. Buch, Stichwort „MangaMagie V“, Hauptbahnhof, 50667 Köln

Mehr Infos gibt es unter www.animania.de im MangaMagie Forum!

Sonntag, 07. Mai 2006

Das verschollene Evangelium

Filed under: Mystery,Thriller — Michael um 17:01

Das geheime Dreieck 4 - Das verschollene EvangeliumDer Herr kehrte wieder und er lebte. Er sagte, er sei der Erste und der Letzte und wir sollten ihm glauben, denn er sei der Bruder des Lebens. Der, den man für tot am Kreuz hielt.
Der Heilige Vater im Vatikan leidet unter schweren Alpträumen. Trotzdem will er lieber Schmerzen erleiden, als noch mehr Medikamente zu nehmen, die seinen Verstand zusehends vernebeln. Sein engster Vertrauter, Kardinal De Guillio, weiß außerdem, dass viele andere Kardinäle es gerne sähen, wenn der Papst zugunsten eines Nachfolgers vorzeitig abdanken würde.

Inzwischen folgt Professor Didier Mosèle anderen Spuren. Immer noch erhält er von dem toten Francis Nachrichten, die ihm ein Unbekannter zukommen lässt. Damit nicht genug, seine Arbeitsstätte wurde in seiner Abwesenheit verwüstet. Ganz offensichtlich hat er mit seinen Nachforschungen in ein Wespennest gestochen und für gehörige Aufregung gesorgt. Seine Verfolger und Feinde gehen immer mehr Risiken ein und wagen sich stetig deutlicher an das Licht der Öffentlichkeit.

Didiers Freund Martin Hertz fühlt sich nun an dem Punkt angelangt, an dem er Didier enger als bisher vertrauen muss. Er beschließt, ihm das das geheime Testament zugänglich zu machen. Doch die Hüter des Bluts sind nicht weit. Bereits einmal haben sie einen Anschlag auf Hertz verübt, ohne Erfolg. Aber sie sind hartnäckig und nicht bereit aufzugeben. Plötzlich sind alle, die von dem Testament wissen, in größerer Gefahr als jemals zuvor.

Das geheime Dreieck ist ein perfekter Thriller für all jene, die Geschichten wie Illuminati, Sakrileg von Dan Brown oder auch Das geheime Abendmahl von Javier Sierra gelesen und gemocht haben. Wer sich allgemein gerne mit Geschichten beschäftigt, die geheimnisvolle Verwicklungen des Vatikans, alte Geheimbünde und urchristliche Themen zum Inhalt haben, wird hier einer sehr spannenden Handlung erliegen.
Denn Das geheime Dreieck wendet einen außerordentlich feinen Trick an. Es verflechtet die unterschiedlichsten zeitlichen Episoden miteinander und bildet so von Band zu Band ein Mosaik, das im Ganzen betrachtet, nach und nach ein wohl durchdachtes und großes Szenario ergibt.

Wie in den vorhergegangenen Folgen besticht auch Teil 4 durch einen Ausflug in die Vergangenheit. Hier geht es nun ins Jahr 1864. Das geheime Evangelium ist in Gefahr. Constant, der bisher für das Geheimnis des Evangeliums zuständig war und es bewahrte, wurde überfallen. Zwar konnte er das Geheimnis schützen, aber sein Verstand droht nun in den Wahnsinn abzugeiten.
Diese Episode, so klein sie auch ist, ist wunderbar eindringlich erzählt, weshalb sie entgegen ihrer Kürze trotzdem keinerlei Details vermissen lässt. Grafisch sagt sie mir etwas besser zu als die Hauptgeschichte um Professor Didier Mosèle. Nicht umsonst sind recht viele Zeichner an der Geschichte beteiligt, so dass sich die Episoden auch durch verschiedene Zeichenstile voneinander abgrenzen.

Anfänglich war ich über die Einfachheit der Zeichnungen ein wenig enttäuscht. Ähnlich wie bei Valerian und Veronique sind auch diese Zeichnungen sehr leicht zu Papier gebracht (wenn auch im genannten Beispiel die Tuscheausführung eine viel wichtigere Rolle spielt). Das geheime Dreieck ist jedoch ein gutes Beispiel für einen Thriller, bei der die Bilder die Geschichte transportieren, die einen eindeutigen Schwerpunkt des Projektes bildet. So gelesen, gewöhnte ich mich schnell an die Bilder. Noch erstaunlicher für mich, welch hohen Sympathiefaktor die Figuren im Verlauf der Geschichte entwickeln. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist dies ein ziemlicher Pluspunkt für die Erzählkunst von Autor Didier Convard, der es außerdem immer wieder schafft, nicht nur Cliffhanger in die Geschichte selbst, sondern auch einen besonderen Abschluss am Ende der Bände zu platzieren.

Für mich steigert der vierte Band die Spannung noch stärker. Die Fortsetzung ist fein erzählt, die Auflösung etwas durchsichtiger, doch ein Ende ist nicht erahnbar.
Abschließend sei noch André Juillard erwähnt, der wieder einmal ein sehr schönes Cover geschaffen hat und das geheime Zimmer von Martin Hertz aus einer schönen Perspektive zeigt.

Beide Daumen rauf! 😀

Dienstag, 02. Mai 2006

Asterix und die Normannen

Filed under: Cartoon — Michael um 17:08

Asterix und die NormannenDer Neffe von Majestix, dem Chef des kleinen gallischen Dorfes, welches sich den Expansionsplänen Cäsars widersetzt, soll bei den Unbeugsamen endlich lernen, was einen Mann ausmacht. Grautvornix, so der Name des jungen Mannes, ist ein arroganter Schnösel mit einer vorlauten Klappe, einem ziemlichen Temperament und einem äußerst schlechtem Musikgeschmack. Grautvornix hält nichts von den Erziehungsmethoden der gallischen Krieger Asterix und Obelix, die dem Jungen zeigen sollen, was einen gallischen Krieger ausmacht.
Als sie am Strand in der Ferne ein Drachenboot mit einer Horde Normannen an Bord ausmachen, ändert sich Grautvornix’ Haltung schlagartig. Von da an ist er nur noch hysterisch und von Angst erfüllt, denn die Normannen sind die schrecklichsten Krieger, die die Welt jemals gesehen hat.

Als Obelix erfährt, dass es sich bei diesen blonden Kriegern um blutrünstige Piraten handelt, springt er natürlich sofort ins Wasser, um diese bösen Buben zu vermöbeln. Doch er wird von Asterix zurückgerufen. Schwer enttäuscht folgt er seinem Freund in die Hütte des Häuptlings, wo erst einmal beraten wird, was zu tun ist. Grautvornix kann die Gallier davon überzeugen, ihn nach Lutetia zurückkehren zu lassen.
Leider erfahren normannische Späher auch von Grautvornix großer Angst. Denn einzig die Angst ist der Grund, warum die Normannen nach Gallien aufgebrochen sind. Endlich wollen sie einmal erfahren, wie dieses Gefühl der Angst ist und außerdem: Angst verleiht bekanntlich Flügel und wenn Normannen sonst schon alles können, müssen erst recht die Möglichkeiten des Fluges kennen.

Der arme Grautvornix, der von nun an im Zentrum ihres Interesses steht, erlebt einen Schrecken nach dem anderen. Ausgerechnet er, der vor lauter Angstbibbern nicht mehr weiter weiß, soll diesen hünenhaften Kriegern Angst machen?
Nach einer zünftigen Rauferei naht die Lösung von völlig unerwarteter Seite.

Asterix und die Normannen ist eines jener frühen Abenteuer der beiden so unterschiedlichen Gallier Asterix und Obelix, in denen ausgeklügelter Humor, treffliche Pointen und Klamauk ein richtiges Gagfeuerwerk abbrennen, bei dem auch heute noch kein Auge trocken bleibt.
Ein Witz geht hier zum nächsten über. Das mag das Aufeinandertreffen der Gallier mit den Normannen sein, das mögen die Römer sein, die sich wegen des Ungestüms eines Neulings unbedingt in den Kampf am Strand einmischen müssen oder Obelix, der später unbedingt Troubadix finden und zurückbringen muss, da dieser sich bereits auf dem Weg nach Lutetia befindet, weil er dort eine große Karriere als Musiker beginnen will. Autor René Goscinny zeigt, wie man selbst aus der gruseligen Tatsache, dass die Normannen aus den Schädeln ihrer Besiegten trinken, sich einen Spaß machen kann. Obelix’ Naivität ist ein Genuss. Einerseits nie darum verlegen, einem Gegner eines auf die Glocke zu geben, versagt die Kampfeslust beim Anblick eines traurigen Hündchens oder der Bitte eines Freundes. Zitat: Alle nützen meine Schwachheit aus.
Warum und wieso Goscinny so gut ist, zeigt sich in Vergleichen mit späteren Geschichten, die Uderzo alleine konzipiert, geschrieben und gezeichnet hat.

Selbstverständlich ist des Zeichners Albert Uderzos Talent über jeden Zweifel erhaben. Die Freundlichkeit (und auch Niedlichkeit), die selbst bei den bösesten Bösewichtern der Reihe zum Ausdruck kommt, sucht sicherlich ihresgleichen in artverwandten Comics. Und ohne die zeichnerischen Fähigkeiten wären Asterix und Obelix niemals das geworden, was sie heute sind.
In dieser älteren Variante, denn alle Charaktere haben auch ihre äußerlichen Entwicklungen durchlaufen, gefallen sie mir noch ein bißchen besser als heute, obwohl sie auf den einen oder anderen Betrachter vielleicht auch ein Stück altmodisch wirken. Aber sie waren auch ganz schlicht und einfach knuffig. Ich glaube allerdings, dass knuffig nicht mehr ganz so gefragt ist.

In diesen Tagen ist Asterix und die Normannen als Vorlage für den Zeichentrickfilm Asterix und die Wikinger verwendet worden. Dies ist sicherlich auch ein Beweis dafür, wie zeitlos der Humor von Asterix und Obelix immer noch ist.
😀

The Last Battle

Filed under: Abenteuer — Michael um 15:26

The Last Battle52 v. Chr. Cäsar befindet sich auf gallischem Boden und hat seine Legionen zu einer letzten entscheidenden Schlacht zusammengezogen. Er hat einen engen Belagerungsring um die befestigte Stadt Alesia gezogen. Nur ein gallisches Entsatzheer könnte noch eine Wende in diesen furchtbaren Krieg bringen.

Diese Befürchtung hat auch Cäsar. Und er weiß, dass es noch viele gallische Krieger gibt, die sich zu einem Heer zusammenschließen können. Aber er weiß auch, dass ein Heer nichts ist, ohne seine Befehlshaber. Eine Armee ohne Anführer ist wie eine Schlange ohne Kopf. Deshalb befiehlt er einem seiner fähigsten Soldaten, Caius Rodius, sich mit einigen Getreuen aufzumachen, um die noch fehlenden Anführer der Gallier zu töten. Ein Name ist dabei besonders wichtig: Cammius.
Dieser Gallier wurde einst von Rodius wie ein Sohn aufgezogen. Doch Cammius hat sich auf seine Wurzeln besonnen. Nun will er nichts mehr, als die Römer von gallischem Boden zu vertreiben. Schweren Herzens nimmt Rodius den Auftrag an, denn römische Interessen stellt er seit jeher über seine eigenen Anliegen.

Rodius und seine Mannen dringen in die gallischen Wälder vor. Der Kommandotrupp macht sich auf die Suche nach dem Todfeind. Nach vielen Schwierigkeiten und Kämpfen sind sie endlich am Ziel. Rodius hat geahnt, dass seine Aufgabe nicht leicht werden wird, dass er auch gegen seine Gefühle antreten wird, die er einst als Vater hatte. Rodius ahnte hingegen nicht, dass Verrat auch in den eigenen Reihen lauert.

The Last Battle ist endlich einmal wieder eines jener klassischen Abenteuer im alten Rom, wie es sie (leider) seit vielen Jahren nicht mehr gegeben hat. In jeweils kurzen Kapiteln wird vom Leben eines römischen Kriegers berichtet, wird vom Leben der Gallier aus der Sicht eines in römischer Gefangenschaft groß gewordenen jungen Mannes erzählt. Beide Männer folgen den gleichen Ehrbegriffen, ungeachtet ihrer Herkunft und sie halten diese Werte hoch, obwohl um sie herum alles zusammenzubrechen scheint.
Der Leser folgt ihnen in ihre Vergangenheit, er erlebt ihre Träume und ihre Sehnsüchte und er liest, wie sich schließlich alles zusammenfügt, es sich scheinbar einem vorherbestimmten Schicksal fügt. So folgt die Geschichte denn auch einigen dramatischen Gesetzmäßigkeiten, ohne jedoch allzu viel über den jeweils weiteren Hergang im Vorfeld zu verraten. Stets bleibt die Spannung auf einem sehr hohen Grad und gerade jene Leser, die das Thema mögen, sei es wegen alter Hollywood-Streifen wie Ben Hur, neuerer Blockbuster wie Gladiator oder Fernsehverfilmungen wie Julius Cäsar oder aus purem Interesse, werden diese Geschichte ebenso verschlingen wie ich.

Autor Tito Faraci vermischt geschickt die geschichtlichen Vorgaben mit fiktiven Ereignissen und bietet am Ende auch eine ganz einfache Erklärung dafür, warum es keinerlei Überlieferung davon gibt, so einfach, dass sie schlicht überzeugend ist. Faraci zeigt dem Leser ein römisches Kommandounternehmen, hier kommen die antiken Wildgänse, wenngleich auch ähnlich glücklos.
Warum nicht? lautet die Frage und ist gleichzeitig die Antwort. Attentäter hat es zu allen Zeiten gegeben, warum nicht auch Spezialkräfte, die hinter den feindlichen Linien agierten und dort ähnlich schwierige Aufgaben übernahmen. Faraci hat mit diesem kapitelartigen Aufbau des Comics, der immer kurze prägnante Episoden herausgreift, wie instinktiv nach meiner Meinung den richtigen Erzählstil für diese Geschichte gefunden.

Zeichner Daniel Brereton liefert im wahrsten Sinne des Wortes ein Kunststück ab. Hier wird von der Vorzeichnung bis zur kolorierten Fassung komplette Handarbeit abgeliefert. Teilweise sind noch Reste der Skizzen zu erkennen. Stilistisch hat es beinahe etwas von einer Reportagegrafik, von einem Maler, der mit ins Feld geschickt wurde, um die Ereignisse festzuhalten. Die Erzählweise passt hier in hervorragender Art zu den Bildern.
Die Kriege jener Zeit mit ihren Kämpfen Mann gegen Mann waren brutal und so erspart auch Brereton dem Leser nicht diverse Anblicke, wie sich solch ein Kampf gestalten konnte. Das hätte nicht unbedingt immer sein müssen, ist aber in Zeiten von Gladiator und einem gewollten Realismus in den Bildern wohl nicht mehr wegzudenken (dennoch erstaunlich, dass es aus dem Hause Disney kommt).

Am Ende bleibt in jedem Fall ein grandioses Comic-Ereignis, zeichnerisch prachtvoll, erzählerisch spannend, dass man jedem Comic-Fan ans Herz legen kann, der eine Mischung aus Action und Antike mag.

Asterix und die Wikinger

Filed under: Cartoon,Comics im Film — Michael um 13:16

Asterix und die WikingerWir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist besetzt . . . Ganz Gallien? Nein! Natürlich nicht, denn ein kleines Dorf unbeugsamer Gallier wehrt sich tapfer gegen den Übergriff Cäsars und hält den römischen Garnisonen ringsherum wacker stand. Diese Gallier haben nur davor Angst, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Hoch oben im Norden allerdings, da gibt es ein Volk, die Wikinger, das hat vor nichts und niemandem Angst. Das gefällt diesen Wikingern, die sich rühmen, sonst alles zu kennen, überhaupt nicht. Also soll eine Expedition diese Wissenslücke schließen.
Und so trifft Asterix auf die Wikinger.

Unter der Führung von Häuptling Maulaf brechen die Wikinger auf. Mit an Bord befinden sich der Seher Cryptograf, sein zwar starker, aber nicht sehr intelligenter Sohn Olaf und ein blinder Passagier: Abba, Maulafs Tochter.
Wie es der Zufall will ist in jenen Tagen ein junger Gallier namens Grautvornix im Dorf von Asterix und Obelix zu Besuch. Hier soll der junge Mann alles lernen, was einen Gallier ausmacht, denn die Zivilisation und die neueren Einflüsse in Lutetia haben Grautvornix allzu sehr verweichlicht. Doch Grautvornix ist nicht besonders lernbegierig. Wildschweine zu jagen ist seine Sache nicht und auch der Umgang mit Hinkelsteinen behagt ihm überhaupt nicht. Die neuesten Tänze sind schon eher nach seinem Geschmack. Die jungen Leute machen halt, was sie wollen.
Ähnliche Erfahrungen muss auch Maulaf machen. Seine Tochter Abba hält es für richtig, dass Frauen ebenso erfahren dürfen, was Angst ist. Wissen darf nicht nur von Männern gesammelt werden.

Unterdessen versagen Asterix und Obelix bei ihrer Wissensvermittlung. Grautvornix gibt den Unterricht auf, wird jedoch, da er sich selbst als der König der Angsthasen bezeichnet, alsbald von den Wikingern entführt, da sie in ihm einen Lehrmeister vermuten, der ihnen alles in Sachen Angst beibringen kann, besonders das Fliegen, denn Angst verleiht bekanntlich Flügel.
Wie sehr sie sich doch irren!

Asterix und Obelix machen sich auf, um den jungen Mann zu befreien, plagt sie doch auch ihr schlechtes Gewissen, da Grautvornix etwas so schlimmes zugestoßen ist. Der junge Mann allerdings trifft inzwischen auf Abba. Und wie das Leben so spielt, wenn zwei junge Leute sich treffen, kann daraus Liebe werden. Beinahe wäre alles bald wieder in bester Ordnung, wenn nicht der Seher Cryptograf noch ganz andere Pläne hätte.

Asterix und die Wikinger ist die filmische Umsetzung des neunten Bandes Asterix und die Normannen. Doch ein Asterix-Film fällt immer etwas anders aus als seine Comic-Vorlage(n), weshalb es hier auch einige neue Details zu entdecken gibt.
Die Vorlage erschien 1967, die deutschsprachige Ausgabe folgte erstmalig 1971. Im Kern blieb die Geschichte erhalten. Wurde auch die eine oder andere Szene an einen anderen Ort verlegt, findet sich vieles wieder, was Goscinny und Uderzo anlegten. Außerdem hielt Uderzo ein Auge auf den Herstellungsprozess des Films, ein Fakt, der ihnen vor Jahrzehnten bei der Verfilmung von Asterix, der Gallier noch verwehrt gewesen war.

Die Ausgabe zum Film erzählt die Handlung in herkömmlicher Form, unterstützt durch sehr viele Filmbilder, die nicht nur für Fans, sondern auch für Zeichentrickinteressierte zeigen, wie viel Arbeit in einem solchen abendfüllenden Zeichentrickfilm steckt. Die altbekannten Charaktere, angefangen bei Asterix, bis über die Nebenfiguren wie Grautvornix wurden von Uderzo persönlich abgesegnet und, falls notwendig, mit Korrekturen versehen. Charakterzeichnungen werden durch sehr schöne Hintergrundbilder ergänzt und erwecken die Welt der Gallier einmal mehr auf tolle Art und Weise um Leben.
Neue Figuren wie Abba, Olaf und Cryptograf modernisieren die Geschichte, geben ihr teilweise andere Richtungen, verlassen aber nie den Hauptpfad, den die Vorlage vorgegeben hat. Schön ist sicherlich, dass das altbekannte Dorf der Unbeugsamen verlassen wird und ein großer Abschnitt der Handlung in das Dorf der Wikinger verlagert wurde. Die Eiswelt einerseits und das große Versammlungshaus andererseits bilden einen feinen Kontrast. Die ausgewählten Bilder sind sehr schön auf den Text abgestimmt.

Wer die beiden Geschichten vergleicht, Filmhandlung und Comic, kann prima Vergleiche anstellen, wie sich eine Geschichte entwickeln kann, wie der zeitliche Blick sie verändern und auch erweitern kann. Neue Gags lösen ältere ab (z. B. eine Taube namens Essemess). Besonders beeindruckend sind die Bilderstudien, Bewegungsstudien und Umgebungsskizzen im Anhang. Hier kann der Leser einen kleinen Teil der umfangreichen Arbeiten am Film ablesen.

Für alle, die Asterix und die Normannen mochten, ist Asterix und die Wikinger eine schöne Ergänzung, die auch für sich alleine stehen kann, ohne dass der Leser das Original kennen muss.

Der Mann, der nicht sterben wollte

Filed under: Abenteuer,Cartoon,Thriller — Michael um 12:03

Spirou + Fantasio 46 - Der Mann, der nicht sterben wollteSpirou hat es nicht leicht. Gerade hetzt er sich ab, um pünktlich zu seinem Psychiater zu kommen, da muss er aus der Luft auch noch einen alten Mann vor einem herannahenden LKW retten. Dank erfährt er hierfür nicht.
Fantasio unterdessen freut sich auf einen einfachen Putztag im ehemaligen Haus seines Onkels Tanzafio. Der merkwürdige alte Mann, der sich unerlaubt Zutritt zum Haus verschafft, macht ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung. Und ehe Fantasio sich versieht, kreuzt auch noch sein Cousin Zantafio, das schwarze Schaf der Familie, auf und verwandelt die beschaulich geplante Zeit in ein neues Abenteuer:
Der Mann, der nicht sterben wollte.

Durch einen kleinen Schluck einer unbekannten Substanz gelingt es dem alten Mann, sich ein wenig in den vermissten Onkel Tanzafio zurückzuverwandeln. Unter Zwang erzählt er seine Geschichte. Vor vielen, vielen Jahren fand er das Geheimnis des ewigen Lebens in der geheimnisvollen Stadt Eldorado. Die Aussicht auf enorme Reichtümer veranlassen Zantafio und seine beiden schurkischen Getreuen, die einzige Wegbeschreibung nach Eldorado zu stehlen.

Eine Jagd beginnt. Sie führt Spirou, Fantasio und Tanzafio auf der Fährte von Zantafio quer über den Ozean nach Guaracha, einem fernen Land, in dem Zantafio auf seine verbrecherische Art bereits reichlich Erfahrung gesammelt hat.
Alle gemeinsam gelangen zwischen die Fronten eines Freiheitskampfes. Jeder nutzt auf seine Art den Vorteil aus, der ihm geboten wird. Während Spirou und Fantasio mit Ehrlichkeit Unterstützung erlangen, lügt und betrügt Zantafio, um seine neuen Freunde auf seine Seite zu ziehen.

In Eldorado treffen alle zusammen. Was eben noch den Anschein eines Bürgerkrieges hatte, wird zu einer phantastischen Reise in uralte Zeit. Und auch hier müssen die Abenteurer größte Vorsicht walten lassen, denn die vergangenen Wächter jener untergegangenen Kultur wollen die Freunde mit ihrer Beute nicht ziehen lassen.

Das 46. Abenteuer von Spirou und Fantasio: Der Mann, der nicht sterben wollte, von Jean David Morvan geschrieben und von José-Luis Munuera zeichnerisch in Szene gesetzt, übernimmt ein großes Erbe u. a. von Andre Franquin.
Wo in früheren Tagen Humor, kleine Seitenhiebe und auch purer Klamauk Trumpf waren, steht heute das Abenteuer an erster Stelle und übernimmt damit die Tradition neuerer Vorbilder wie Indiana Jones. Durch das Aufgreifen bereits bekannter Charaktere wie Tanzafio und Zantafio wird eine Brücke geschlagen zu alten Geschichten.

Die Rasanz der Szenen springt einem sofort ins Auge. In einer Stelle des Anhangs wird das Wort Storyboard erwähnt. Im Normalfall zeigt ein Storyboard eine filmische Abfolge von Bildern, um bereits im Vorfeld eines Filmes die Umsetzung eines Drehbuches zu veranschaulichen. Der Vergleich zum 46. Abenteuer könnte nicht besser sein, denn mit all seinen Perspektiven bietet Der Mann, der nicht sterben wollte bereits die perfekte Anleitung für einen abendfüllenden Zeichentrickfilm.
Für mich stellt sich nicht die Frage, ob dieser Band besser oder schlechter ist als seine vielen Vorgänger, dafür hat er eine ganz eigene Machart und hat (auch farblich) eine sehr gute Umsetzung erfahren. Ich habe die phantastische Atmosphäre sehr genossen und auch die etwas stärkere Ernsthaftigkeit sehr gemocht. Wahrscheinlich ist diese sehr eigenständige Erzählweise ein sehr besserer Weg als die Kopie der Erzählweise von Franquin und Greg.
Fans von Spirou + Fantasio müssen für sich selber entscheiden, ob sie dieser Geschichte eine Chance geben, die sie mehr als verdient hat.

Wie der Leser aus einem sehr schön aufbereiteten Anhang erfährt, kann Zantafio auf eine Entstehung vor 50 Jahren zurückblicken. Daneben sehen wir den Fantaschrauber wieder in Aktion und bekommen eine neue Variante des Turbots gezeigt. Schön sind auch die Einblicke hinter die Kulissen, die dem Leser mit Entwurfszeichnungen, verworfenen Szenen und der Entwicklung einer kompletten Seite dargeboten werden.

Ein rundum gelungener Band, der Spirou + Fantasio komplett in die Neuzeit transportiert. 😀

Mittwoch, 12. April 2006

HUSH

Filed under: Superhelden,Thriller — Michael um 15:30

Batman - HUSHEine ganz normale Nacht in Gotham City. Ein Kind wurde entführt. Das ruft den dunklen Ritter auf den Plan. Wie ein Gespenst dringt er in das Versteck der Kidnapper ein. Aber er hat die Rechnung ohne Croc gemacht. Der Krokodilmensch will den Fledermaus-Detektiv nicht entkommen lassen.

Der Verbrecherhatz folgt die Jagd auf eine seiner Verflossenen, mit der Batman vieles verbindet, nicht nur der nächtliche Tatendrang: Catwoman. Doch in dieser Nacht, in der er bereits einen harten Kampf hinter sich hat, schlüpft ihm die Katze durch die Finger. Stattdessen kommt es noch viel schlimmer für den maskierten Rächer: Er muss sich rächen lassen. Die Kavallerie erscheint in Form von Huntress, die beweist, dass sie in Sachen Handgreiflichkeit ihrem männlichen Pendant in nichts nachsteht.

Doch Batman ist auch ein Einzelgänger, der sich lieber auf sich selbst verlässt – nicht zuletzt weil er wie jeder andere den Verlust fürchtet.

Die Jagd auf Poison Ivy führt den Mitternachtsdetektiv und Catwoman nach Metropolis, in die Stadt der Lichter, in das genaue Gegenteil des so düsteren Gotham City. Hier erwartet Bruce ein starker Gegner. Die Herrin über die Pflanzen hat den Stählernen in ihren Bann gezogen. Batman muss gegen Superman antreten und greift zu schmutzigen Tricks.

Batman – Die neuen Abenteuer: HUSH fasst Frauen, Freunde und Feinde Batmans in einem Handlungsstrang zusammen und schafft damit ein wahres Actionfeuerwerk mit einer ordentlichen Portion Dramatik, sorgfältig abgeschmeckt mit einigen geheimnisvollen Vorkommnissen.
Autor Jeph Loeb hat hier wirklich alles (na, fast) aufgefahren, was in Batmans Welt Rang und Namen hat. Croc, Catwoman, Poison Ivy, Huntress, Lois Lane, Superman, Harley Quinn, Joker, Riddler, Scare Crow, Robin, um nur einige zu nennen. Loeb schickt Batman hier in seine ganz persönliche Geisterbahn.
Diese in düsteren Kapiteln angelegte Geschichte verlangt Batman alles ab, zeigt in auch in nicht sehr sympathischen Momenten. – Ich möchte behaupten, HUSH machte den neuen Allstar Batman erst möglich.
HUSH hält Batman den Spiegel vor. Und ich finde in diesem Band kaum eine Stelle, von der ich zweifelsfrei sagen könnte, dass Batman gefällt, was er sieht. Er hat vieles verloren durch seinen Rachefeldzug, seine Geliebte ist ausgerechnet eine Verbrecherin und fast kommt es so weit, dass er den Joker mit eigenen Händen tötet. Es zeigt Batman, der sich für Eventualitäten rüstet, die andere nie in Betracht ziehen würden. So erklärt sich der Kryptonit-Ring, den er besitzt, um ihn im Fall der Fälle gegen Superman einsetzen zu können.
Wie Batman sein Vertrauen verteilt, ist nicht ganz durchsichtig. Einerseits wappnet er sich gegen den stählernen Pfadfinder, andererseits holt er Selina Kyle der Liebe wegen in die Bat-Höhle.

Sei’s drum: Jeph Loeb weiß nicht nur spannend zu erzählen, sondern er kennt auch sämtliche Tricks und Kniffe des guten alten Cliffhangers, der den Leser zwingt, nach jedem Kapitel sogleich zum nächsten übergehen zu wollen.

Jim Lee ist auf seinem Gebiet ein herausragender Künstler und sicherlich ein Meister in der Anlage von düsteren Szenarien (von ihm würde ich gerne einmal eine Dracula-Interpretation sehen).
Sinnbilder zum Thema Düster sind hier sicherlich die Stadtansichten, die Hinterhöfe und Gassen und natürlich: die Bat-Höhle. Das Bild der Wagensammlung ist nicht nur eindrucksvoll in seinem Detailreichtum, sondern auch technisch perfekt. – Was nicht zuletzt auch Scott Williams (Tusche) und Alex Sinclair (Farben) zu verdanken ist.

Lees weitere Begabung findet sich in Actionszenen. Wer die Bewegungsabläufe verfolgt, der könnte zu der Ansicht gelangen, er habe es mit einem Storyboard zu einem nie gedrehten Film zu tun. Hier sei exemplarisch die Szenerie während der Opernaufführung erwähnt, in der Harley Quinn besonders hersticht.
In diesem Zusammenhang kann Lee sich als einzigen Vorwurf nur gefallen lassen, dass seine Figuren zu perfekt sind, aber diesen Vorwurf müssen sich viele Zeichner gefallen lassen. Deshalb geraten die einzelnen Charaktere einander oft zu ähnlich. Sei’s drum: Die Grafik bleibt trotzdem top!

Wer ein echtes Comic-Event sucht, in der sich Superhelden und Superbösewichter die Klinke in die Hand geben, ist mit HUSH gut beraten. 😀

Mittwoch, 05. April 2006

Vampire Boy – Die Auferstehung

Filed under: Mystery — Michael um 19:26

Vampire Boy 1 - Die AuferstehungBauarbeiten. Sonnenlicht fällt durch ein Loch im Asphalt, das seit 50 Jahren verschlossen war. Tief unten setzt sich eine Reaktion in Gang. Gewebe erneuert sich auf einem uralten Skelett. Wenig später flüchtet ein Junge aus dem Loch.

Ein Junge ohne Namen inmitten einer nordamerikanischen Großstadt, allein, aber nicht schwach. Nichts kann ihm etwas anhaben, die Sonne ist seine Verbündete und heilt jede Wunde, die ihm zugefügt wird. Sein langer Schlaf hat ihm einen riesengroßen Hunger beschert, einen Hunger, der so groß ist, dass er anderen auffällt. Obwohl äußerlich ein Kind, ist der Junge alt, sehr alt und sein endloser Hunger auf menschliche Nahrung ist nicht die einzige Besonderheit, die ihn auszeichnet.
Die Welt hat sich sehr verändert, aber sie ist so gefährlich wie eh und je. Auch diese Erfahrung macht er alsbald wieder. Doch die Welt ist auch nicht so schlecht, wie sie ihm zu Beginn erscheint.
Ein alter Indianer namens Gentle Bear hilft dem Jungen, nicht ganz uneigennützig, wie sich später herausstellt.

Vampire Boy – Die Auferstehung packt das Vampir-Genre auf erfrischende Weise an. Es entzaubert es einerseits, gibt ihr ungewöhnliche Hauptfiguren, andererseits bringt es neue Aspekte ein, die auf den ersten Blick ungewöhnlich sind, aber auch sehr ernsthaft und mit der nötigen Geduld erzählt werden.

Ein kleiner Junge, der mit der Erfahrung von 5000 Jahren ausgestattet ist, ist ein Vampir der außergewöhnlichen Art. Er besitzt ein wenig von der Schwermut, die bei Vampiren in den letzten Jahren nach dem Willen ihrer Autoren umgeht. Aber er ist auch nach wie vor ein Kind, das sich nach menschlicher Nähe sehnt, nachdem er seine eigene Familie viel zu früh verlor.
Einem Kind eine, nennen wir es beim Namen, eine bösartige Hure entgegen zu stellen, halte ich für eine beinahe geniale Idee. Ahmasi hat außer ihrer Sucht nach Lust (und Macht über die Männer) nichts Menschliches an sich, nicht einmal zu Lebzeiten.
Beide sind unsterblich, aber sie machen nichts daraus. Das ist, zusammen mit dem abgrundtiefen Hass aufeinander, die einzige Gemeinsamkeit, die die beiden haben. Der eine ist zu klein, die andere zu selbstsüchtig. Da die Handlung sich die erforderliche Zeit nimmt, werden die Charaktere sehr schön vorgestellt. Rückblicke zeigen kurze Momentaufnahmen aus dem Leben der beiden in vielen Jahrhunderten.

Die Handlung selbst ist ungewöhnlich spannend. Sie zeigt nicht nur das Leben eines Vampirs, sondern auch das eines kleinen Jungen in einer heutigen Großstadt. Hat ersterer eigentlich nichts zu fürchten, so sieht sich letzterer in dieser Welt einer riesigen Ansammlung von Gefahren gegenüber. Autor Carlos Trillo leistet hier mit seinen Beschreibungen ganze Arbeit, wenngleich es auch ein wenig trostlos ist. Die Rückblicke sollten ruhig etwas häufiger eingestreut sein – vielleicht auch, im Hinblick auf die ägyptische Herkunft des Jungen, weil ägyptische Szenarien immer schon etwas Geheimnisvolles in sich haben.
Trillo spricht im anschließenden Interview zum Ende des Bandes die Ironie an, mit der er die Realität beschreibt. Ich möchte behaupten, dass die Ironie nicht so überspitzt ist, wie sie sein könnte. Ein überaus genauer Blick auf das, was ist, ist es allemal.

Zeichner Eduardo Risso, der nicht zum ersten Mal mit Trillo zusammenarbeitet, beherrscht einen hervorragenden Minimalismus. Anders kann ich seinen Bildaufbau nicht beschreiben. Er entzieht sich der Details nicht, die ein Gegenstand oder eine Stadt haben kann, aber er beherrscht es geradezu perfekt, gerade so viel zu zeigen, dass das Auge des Lesers den nötigen Rest hinzu sieht. Einige Ansichten, wie etwa vom Stammesgebiet der Oglala aus, sind beeindruckend fein ausgearbeitet. Manchmal zeigt Risso kleine Nebenszenen wie einen Autounfall, der die Handlung zwar nicht vorantreibt, aber für Atmosphäre sorgt.
Rissos Darstellung der Charaktere ist sehr, sehr schön. Die Einfachheit ist einfach toll. Gentle Bear, der alte Indianer, Fever, die blinde Ladenbesitzerin, beides Nebenfiguren sind feine Beispiele für eine bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Geschichte.
Insgesamt würde Vampire Boy in Farbe nicht mehr so schön sein. Ich behaupte, Rissos feine Art zu zeichnen würde hierbei zu sehr in den Hintergrund treten. (Natürlich eine reine Spekulation, letztlich müsste das jeder Leser für sich selbst entscheiden.)

Der Auftakt der Geschichte lässt noch viele offene Fragen übrig. So ist die Entstehungsgeschichte des kleinen Vampirjungen immer noch rätselhaft. Die kurzen Ausblicke in die Vergangenheit bieten viele Möglichkeiten. Ich würde mich freuen, mehr darüber zu lesen, was der Junge über die Jahrhunderte hinweg noch alles erlebt hat. Am Ende lässt Carlos Trillo Gnade vor Recht ergehen und legt damit den Grundstein für eine wirklich gern erwartete Fortsetzung. Genre-Freunde werden an dieser schönen Variante des Vampirthemas ihre Freude haben. 😀

Samstag, 01. April 2006

Gefangener im Todeslager

Filed under: Superhelden — Michael um 13:15

Wolverine 27Polen 1942. Ein Konzentrationslager. Ein kleiner sehr behaarter Gefangener wird ein ums andere Mal getötet, stirbt aber nicht. Langsam aber sicher treibt dieser Mann den Leiter des Lagers in den Wahnsinn.

Wolvie ist alt, das wissen die Fans von Logan, Waffe X, oder wie immer man ihn nennen will. Deshalb wird es niemanden verwundern, dass er im Zweiten Weltkrieg bereits Wege gefunden hat, um den Feind zur Weißglut zu treiben. Als Gefangener Nummer Null ist Logan wie ein Geist.
Näher möchte ich gar nicht auf die Geschichte eingehen. Dazu ist sie auch allzu kurz und lebt von sich wiederholenden Szenen, die hier allerdings durchaus Sinn haben. Was mich an der Geschichte stört, ist Mark Millars Einfallslosigkeit: Schon wieder Zweiter Weltkrieg? Amerikanische Autoren geheimnissen ziemlich viel in dieses Zeitalter hinein. Das hat es zwar schon seit vielen Jahren gegeben und Indiana Jones trat in den 80ern eine zweite große Welle dazu los, aber irgendwann sollte es gut sein.

Hätte es nicht ein anderer Krieg sein können? Oder trauen sich die Amerikaner nicht an ihre Kriege heran? Was ist mit Vietnam, Schweinebucht, Panama, Afghanistan, Golfkriege und und und? Was ist mit afrikanischen oder südamerikanischen Terror-Regimen? Was ist mit Kambodscha?
Wann verwenden US-Autoren den Holocaust nicht mehr als Comic-Spielplatz?
Es sollte eigentlich an der Zeit sein. Sehen wir einmal von der Brutalität der Geschichte ab. (Ist die Szenerie auch sehr klein, der Leser sieht, was geschieht.) Was ist so faszinierend am Dritten Reich? Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich kann es nicht mehr sehen! (Und ich hoffe, dass auch Spielberg in Indy 4 die Finger davon lässt.) Wolverine hat eine besondere Beziehung zu Japan. Wäre es nicht eine Herausforderung gewesen, ihn mit den Greueln der Japaner gegen die Chinesen zu konfrontieren?

Einzig die Zeichnungen von Kaare Andrews zu Gefangener Nummer Null sind eine echte Überraschung und erinnern ein wenig an die Genialität von Mike Mignola.

X-23 wächst heran!
Die Entstehungsgeschichte von X-23 ist wesentlich gelungener geraten. Ein weiblicher Wolvie, eine Art Wolfskind, wird in einer geheimen Anlage herangezüchtet, um die ultimative Waffe zu werden.
Schauen wir einmal nicht zu genau auf die Szenen hinter den Kulissen: die bösen Wissenschaftler, die gemeinen Drahtzieher. All das kennt der Leser (oder auch der TV- wie auch der Kinozuschauer). Darüber hinaus sind die sonstigen Zutaten auch nicht die neuesten. Wer sich in alter Zeit mit Stephen Kings Feuerteufel beschäftigte, vielleicht auch mit Species, der wird die Situation des enorm talentierten Kindes kennen, das in einem Labor aufwächst oder durch ungewöhnliche Umstände auf die Welt kommt.

Man kann X-23 in der zweiten Folge von Verlorene Unschuld durchaus als ungewöhnliches Kind bezeichnen. Obwohl die Thematik nicht die neuste ist (und X-23 bereits eine Einführungsstory hatte – die erste Begegnung von ihr mit Wolvie), sind ihre ersten Lebenserfahrungen gelungen dargestellt. Ihre Übungen, die zaghaften Versuche einiger weniger Erwachsener ihr doch ein bißchen menschliche Wärme nahezu bringen, das wirkt.
Außerdem ist es von Zeichner Billy Tan wirklich schön in Szene gesetzt. Souverän, ohne Überraschungen freilich, aber handwerklich top.

Hier bin ich wirklich auf die Fortsetzung gespannt. 😀

Mittwoch, 29. März 2006

Sin City 5 – Familienbande

Filed under: Thriller — Michael um 21:43

Sin City 5 - FamilienbandeDwight McCarthy hat einen Auftrag, einen sehr persönlichen Auftrag: Rache. Mit der kleinen Japanerin Miho an seiner Seite wird dies eine der blutigsten Nächte, die Sin City jemals erlebt hat.

Alles beginnt mit einer anderen Rache. Nach vielen Jahren hat Don Magliozzi endlich erfahren, wer seine geliebte Nichte Andrea ermordete. Bruno, ein Killer, der sich inzwischen als Politiker einen Namen in Sin City gemacht hat, musste seine Missetat zum Bettgespräch machen. Ein großer Fehler, wie er bald beim Essen in einem seiner Lieblingsrestaurants feststellen muss.
Dieser Anschlag, dessen Fakten Dwight aus einer verlorenen Seele herauslockt, birgt ein Geheimnis, weshalb Dwight und Miho eine Falle aufstellen.

Die Falle schnappt alsbald zu und Miho zeigt einmal mehr, wozu sie in der Lage ist. Die kleine Japanerin ist einerseits attraktiv, andererseits ist sie im wahrsten Sinne des Wortes ein Todesengel. Dwight kann sich glücklich schätzen, sie an seiner Seite zu haben. Zwar hat Miho auch einen eigenen Willen, wie sie eindrucksvoll unter Beweis stellt, wenn man sie beleidigt, aber sie gehorcht, wenn es ihr angebracht erscheint und sie jemanden unter ihren Schutz gestellt hat.

Langsam aber sicher nähern sich Dwight und Miho ihrem Ziel. Im Sinne eines alten Filmtitels lässt sich sagen: Leichen pflastern ihren Weg. Die beiden Rächer schenken ihren Feinden nichts. Am Ende geht es um Familie und ein Mafiaboss muss erkennen, dass nicht nur Italiener den Wert einer Familie zu schätzen wissen.

Zurück in Sin City!
Rache ist ein häufiges Thema in Sin City, es schwingt wenigstens unterschwellig mit, wenn es nicht sogar absolut in den Mittelpunkt gestellt wird wie hier. Obwohl Frank Miller dieses Thema oft verwendet, wird es trotzdem nicht langweilig, da Miller seine Charaktere sehr sorgfältig gestaltet und auf diese Weise immer neue Wege beschreiten kann.

Dwight darf hier beweisen, dass er nicht nur der knallharte Typ ist, der sich an der Seite der Prostituierten eisenharte Gefechte mit Kriminellen liefert. Der Ausspruch Harte Schale, weicher Kern ist auf ihn absolut zutreffend. Wie er sich seine Informationen beschafft, wie er sich auch um Miho sorgt (obwohl sie das überhaupt nicht nötig hat), sein Verständnis für die Ursache der Vendetta, all das stellt ihn in bester Tradition eines Verbrechers und Gauners mit Herz dar.
Miho! Es fällt schwer, etwas über Miho zu schreiben. Miho spricht nicht, ihre Taten sprechen für sie. Selten, wirklich sehr selten, hat das Thriller-Genre eine derart brutale und gewalttätige Frau gesehen, die außerdem ihr Handwerk mit höchster Eleganz ausübt.
Und Miller wäre nicht Miller, würde er nicht mit seinen Figuren spielen. Im Gegensatz zu allen anderen, ganz besonders im Gegensatz zu ihrem Handwerk wird Miho in blütenreinem Weiß dargestellt. Für Miller muss sie ein Racheengel sein und niemand würde einem Racheengel einen Vorwurf über das machen, was ein Racheengel eben tun muss. Bei aller Artistik, die sie bei ihrer Arbeit an den Tag legt, verliert sie nie ein Wort. Das nährt die Idee des Racheengels, der absolut emotionslos seinen Auftrag ausführt, weil er von der Gerechtigkeit seines Handelns überzeugt ist.

Die Gegenspieler, die Miller kreiert, sind nicht eindimensional, sie haben durchaus Charakter. Aber sie sind immer sehr schlecht, jeder auf seine Art, der eine aus reiner Bosheit, der nächste vielleicht aus Verzweiflung. Miller spielt mit diesen Figuren. Er hetzt sie auch aufeinander und ich unterstelle ihm einfach einmal, dass er sich auch selbst davon überraschen lässt, was passieren wird.
Als Dwight dem kleinen Gangster Vito die Wahl lässt, ob dieser seinen Kumpanen umlegt oder selber durch die Hand Mihos stirbt, ist der Ausgang dieser kleinen Episode doch nicht so gewiss, wie es zunächst den Anschein hat. Es sind genau diese Kleinigkeiten, die Millers Geschichten ausmachen.

Grafisch sind wieder sehr schöne Einstellungen dabei – wenn man es so nennen kann, da der Begriff eher dem Film zugeordnet ist, aber mit etwas Glück werden wir diese Geschichte auch auf der Leinwand sehen.
Die Umgebung ist wieder einmal düster geraten. Es ist wieder Nacht in Sin City und der Leser gewinnt den Eindruck eines Settings aus der Zeit der schwarzen Serie. Dunkle Ecken, Abgründe, festungsähnliche Villen und monströse Gauner und Verbrecher. Der Mafiaboss sieht aus, wie es das Klischee will. Hager, teuflisch, gebückt. Er ist, um ihn mit Schauspielern zu vergleichen, kein Brando, eher ein magerer Davi. Zum Schluss fährt Dwight endlich den alten Cadillac, den er die ganze Zeit haben wollte. Damit schließt sich der Kreis von Millers Anspielungen, die hier in dieser Geschichte etwas offenkundiger zutage treten.

Ich habe die Geschichte sehr genossen. Sie beginnt langsam, fast freundlich, sogar mit einer Prise Humor. (Ich möchte behaupten, dass sich Miller hier selbst als Barkeeper karikiert.) Später driftet der Humor in Tarantino-Sphären ab. (Wer Kill Bill gesehen hat, wird verstehen, was ich meine.) Während der Zeit des Lesens war ich richtig gebannt und wollte mich auch durch nichts ablenken lassen. Besseres lässt sich kaum über eine Geschichte sagen: Sin City 5 – Familienbande fesselt einfach.
Thriller- und Miller-Fans kommen auch an dieser Geschichte nicht vorbei. 😀