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Comic Blog


Samstag, 19. Juli 2008

Juan Solo 1 - Sohn einer Hündin

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 17:07

Juan Solo 1 - Sohn einer HündinJuan Solo, bei der Geburt gestraft, mit Milde zunächst bedacht, hält sich an die letzten Worte seines Ziehvaters: Bring ihm das Sprechen bei, und alle werden dich respektieren. Gemeint ist die Pistole, die der kleinwüchsige Mann namens Halbliter in einer Stoffpuppe versteckt hielt. Nun ist sie das einzige Erbe Juans in dieser erbarmungslosen Welt, in der ein Mensch für einen Nickel getötet wird.
An dieser Stelle stirbt mit der furchtbaren Kindheit Juans auch das Mitleid des Lesers für diese Figur, denn die Pistole wird sein Freund. Das Kind, geboren mit einem Schwanz, wird viel ertragen, um seinen Weg zu gehen, aber er wird auch gnadenlos zu- und um sich schlagen und jeden vernichten, der ihm im Weg ist.

Juan kennt kein Mitleid und er vergisst nichts. Er vergewaltigt, er mordet, hintergeht, ohne mit der Wimper zu zucken. Der Mensch, den alle wegen seiner Fehlbildung am rückwärtigen Teil seines Körpers als Missgeburt, als Monster ansahen, ist zu noch etwas viel schlimmerem als einem Monster geworden. Langsam bildet sich ein Muster heraus. Kurz bevor seine Gegner vernichtet werden, hat er es geschafft, dass sie ihn respektieren – obwohl das ein Zustand ist, der ihm schlichtweg am Arsch vorbeigeht.

Die Geschichte von Juan Solo ist kein sauberer Thriller, in dem ein paar Jungs die harten Kerle markieren, ein bißchen Blut fließt und einige Köpfe explodieren. Hier wird Gewalt nicht zum Spaßfaktor, wie es ein Tarantino praktiziert, wenn er einen brennenden Typen mit einer Kanone über die Ladentheke springen lässt. Wenn hier ein Kopf im wahrsten Sinne des Wortes auf einem Silbertablett serviert wird, dann ist das blutiger Ernst und – anders kann der Autor Alexandro Jodorowsky das nicht gewollt haben – ein mögliches Lachen bleibt einem im Halse stecken.

Juan ist kein Killer wie Torpedo, dafür ist und bleibt die Geschichte zu ernst. Juans spätere Kumpane sollten auch trotz ihres merkwürdigen Aussehens und ihrer Namen nicht mit Sidekicks verwechselt werden. Obwohl die Mörderbande seine Kreativität bei der Tötung einer alten Frau lobt, ist hier auch kein Platz für Spaß – und das ist das wichtige, das Jodorowsky seiner Figur in dieser ersten Geschichte mitgibt – Juan mag Spaß daran haben, aber er zeigt ihn nicht. Natürlich präsentiert er das Ergebnis seiner Arbeit mit einem gewissen Stolz, auch Arroganz, und sein Einfallsreichtum in der Perfektionierung seiner Taten erreicht einen hohen Ekelgrad, aber Zeichner Georges Bess zaubert zu keiner Zeit ein Lächeln darüber in dieses schmale Gesicht.

Es könnte ein Comic sein, wie so mancher andere auch, würde Bess nicht diesen erschreckenden Realismus in seine Bilder legen. Es zeigt ein Südamerika, wie es der interessierte Leser aus vielen – negativen – Berichten und Geschichten her kennt. Es ist weit jenseits eines Entwicklungslandes. Es riecht nach Kuba und Kommunismus. Es stinkt nach Militärjunta. Es klingt nach Salsa, Slums und Schlamm. Sex bewegt sich jenseits lächerlicher Feuchtgebiete, ist Geschäft, dummes Spiel, Entspannung und Zahlungsmittel. Der Tod ist ein persönliches Drama. Was anderswo, nur ein paar Meter weiter, geschieht, ist uninteressant.
Gleich von den Nachrichtenbildern in den Comic: Bess vermischt das, was wir kennen und hörten, die Demonstrationen, die Jagden von Killerbrigaden auf Kinder, die Suche nach Nahrung auf den Müllhalden, alles Miese und Schlechte mit dem, was ein Mensch sich noch ausdenken kann. Herauskommt eine südamerikanische in heißschwül rotgelbes Licht getauchte Hölle auf Erden.

Völlig entgegengesetzt dazu beginnt die Geschichte mit einer Kreuzigung. Der Mann, der ein erbarmungsloser Killer war, lässt sich von Dorfbewohnern kreuzigen und mit einer Dornenkrone krönen. Entgegen jener Rituale, wie sie alljährlich auf den Philippinen stattfinden, lässt sich der Mann nicht aus Liebe zu Gott oder dem echten Jesus ans Kreuz schlagen. Es ist Hass, der ihn antreibt. Dort oben, in der gleißenden Sonne hängend, beschimpft er sein Schicksal, verhöhnt er Gott und schaut schließlich zurück.
Als Leser mag man rätseln, wie der Killer, den Jodorowsky schildert, später zu einem Menschen werden kann, den die Dorfbewohner als heiligen Menschen bezeichnen. Vielleicht spielt Jodorowsky hier auch wenig mit der Bibel, macht aus Saulus einen Paulus.

Juan dient einem Mann, der seine eigene Tochter begehrte. Die Servierung des Kopfes auf einem Silbertablett, der Ziehvater, der im Tode heim in den Schoß der Kirche zurückkehrt – und diese gleich mit in die Luft jagt. (Und – aber das ist wirklich sehr waghalsig interpretiert – Paulus schreibt selber über Gott: Als letztem von allen erscheint er auch mir, dem Unerwarteten, der Missgeburt.)
Die übertriebene, wie auch eine Art getriebene Christianisierung hängt hier beständig als Thema in der Luft. Gerade gegen Ende, wenn man glaubt, dass diese Vermutung nur ein Hirngespinst war, drängt sich dieser Gedanke ausgerechnet beim Anblick eines Schlafzimmers wieder auf.

Eine grafische und erzählerische Granate, ein Schlag ins Gesicht des Lesers. Man muss diese unterkühlte, distanzierte Erzählweise, der sich auch ein Gabriel García Marquez bedient, nicht mögen, aber faszinieren kann sie allemal. Juan Solo geht seinen Weg unbeirrt. Alles um ihn herum ist Werkzeug, selbst sein eigener Körper. Eine eiskalte Figur, aber auch eine tragische Figur. Bricht das Mitleid auch nach dem ersten Schuss weg, ist es Jodorowskys erzählerischem Geschick zu verdanken, dass man sich zwischenzeitlich fragen muss, ob Solo nicht doch etwas Mitgefühl verdient. – Ein brillanter Thriller, aber sicherlich nicht für jeden Leser. :-)

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Dienstag, 10. Juni 2008

Max Friedman - Sin Ilusión

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 13:06

Max Friedman - Sin IlusiónEndlich hat Max Friedman seinen Freund gefunden. Aber er kommt zu spät, denn soeben wird der Sarg mit den sterblichen Überresten des Gesuchten vernagelt. Schweißgebadet erwacht Friedman in seinem Hotelzimmer. Er atmet noch schwer wegen der Eindrücke des Traums, da klopft die Seguridad an seine Tür. Zimmerdurchsuchung!
Lopez, ein alter Bekannter und inzwischen hochrangiger Offizier der Seguridad, sondiert die Lage. Was will Max Friedman hier? Die Antwort, die Suche nach Guido Treves, scheint Lopez nicht zu behagen.

Ich hab die Nase voll! Ja, es reicht mir! Morgen reise ich ab!

Friedmans Empörung über diese neuerlichen Schikanen hält nicht lange vor. Überwachungen, Verfolgungen und weitere Mordanschläge spornen Friedman wider alle Vernunft an, seine Suche zu einem Ende mit Ergebnis zu bringen, ganz gleich, wie dieses Ergebnis auch ausfallen mag.

Aus der Sicht eines Außenstehenden war es ein seltsamer Konflikt, damals im Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939. Halb Europa schien sich einmischen zu müssen in das ideologische Wirrwarr, in dem es letztlich doch nur um die Macht ging. Dieser Krieg oder einzelne Begebenheiten erlangten in mancherlei Hinsicht auch traurige Berühmtheit. Beispiele hierfür sind das monumentale Bild Guernica von Pablo Picasso oder auch Wem die Stunde schlägt von Ernest Hemingway.
Es mag an Spanien liegen, aber stets scheint dieser Krieg auch etwas Romantisches auszuströmen, was aber auch an der Romantisierung der ideologischen Auseinandersetzung liegen mag – die in der Realität freilich ganz anders aussah.

In der letzten Episode von Vittorio Giardinos Figur Max Friedman aus dieser Zeit, hat eben dieser Friedman das Interesse an dieser Auseinandersetzung vollkommen verloren. Es gilt nur noch, den verlorenen Freund zu finden. Je mehr Steine ihm dabei in den Weg gelegt werden – oder im Klartext, je öfter man ihn umzubringen versucht – desto unnachgiebiger verfolgt er dieses Ziel.
Dabei ist Friedman alles andere als ein Held. Er ist ein Vater, ein Beobachter mit Scharfblick, ein aufrechter Mann, der das Glück hat, dass ihm von vielerlei Seiten Respekt entgegengebracht wird, nicht zuletzt wegen seines berechnenden Mutes.

Dem Leser bleibt keine Zeit, um sich mit Max Friedman anzufreunden. Die Geschichte beginnt mit einem Alptraum, der einem Sprung ins kalte Wasser gleicht. Nach eigener Aussage von Vittorio Giardiono ist Sin Ilusión der Abschluss einer Trilogie, die zehn Jahre zu ihrer Vollendung gebraucht hat. Selbst Leser der ersten Ausgaben werden schon vergessen haben, was zuletzt geschah. – Und man muss es auch nicht wissen.
Ein Mann sucht seinen Freund in den Kriegswirren des Spanischen Bürgerkriegs. - Mehr muss man zum Einstieg nicht wissen.

Doch es bleibt schwer, sich mit Max Friedman anzufreunden, denn ebenso wie die Geschichte kühl und sezierend erzählt wird, ist auch Friedman eher distanziert, sachlich, leidenschaftslos. Nur in wenigen Augenblicken, wenn er sich ganz offensichtlich um seine Mitmenschen sorgt, bröckelt diese inszenierte Fassade ab und ein ganz normaler Mensch kommt zu Vorschein. Das sind die Momente, die genügen, um eine gewisse Faszination im Leser zu wecken. Am Ende, wenn er seine Tochter wieder sieht, versteht man ihn schließlich und weiß, dass diese Kühle der beste Schutz in einem Krieg voller Widersprüche ist.

Mit dem gleichen Blick, mit dem Max Friedman seiner Umwelt begegnet, zeichnet Giardino auch diese Episode. Vor der Kulisse eines alten Barcelona – das man leider nicht allzu häufig mit markanten Punkten zu Gesicht bekommt – entwickelt sich eine Optik und eine Atmosphäre, die sehr dem Dritten Mann ähnelt. Manchmal entsteht das Flair eines Kammerspiels, dann wieder wirkt es in den Straßen und auf der Anhöhe über der Stadt sehr weit, während sich kurz darauf die Lage – optisch – in Kaffeehausatmosphäre entspannt.
Textlich jedoch hebt Giardino diese Entspanntheit mit einer Nachricht über die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Deutschland wieder auf. So hängt nicht nur mit den Geschehnissen in Spanien ein Damoklesschwert über Friedman, sondern mit dem bald hereinbrechenden Zweiten Weltkrieg ganz besonders.

Obwohl die Bilder auch eine gewisse Ruhe, eine Objektivität ausstrahlen, ist die Bedrohung immer spürbar. Mal sind es der Schutt von zerstörten Gebäuden, gekenterte Schiffe im Hafen oder Uniformen an der Straßenecke, die die Normalität des Alltags stören. So wird der Leser unmerklich mitgezogen, wird er zu einem stillen Beobachter, der sich der Situation bis zum bitteren Ende nicht mehr entziehen kann.

Eine Zeitgemälde aus Spaniens dunklen Tagen, eine Geschichte von Krieg und Intrigen, von einer Suche, einer im Keim erstickten Liebe, mit einem Ende, das mit nur einer Seite erklärt, wofür das Leben – insbesondere das von Max Friedman – dann doch lohnt. Für Freunde realistischer Geschichten in Comics besonders empfehlenswert. :-)

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Dienstag, 27. Mai 2008

Will Eisner’s The Spirit Archive 15

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 19:13

Will Eisner’s The Spirit Archive 15Der Spirit macht einen Ausflug. Man könnte sagen, er wird für ein Picknick zwangsrekrutiert. Zuerst wehrt er sich dagegen. Doch mit fortschreitender Aktivität wie kuscheln, schwimmen, faulenzen oder Softball spielen, vergisst er so langsam den Alltag. Derweil passt Streifenpolizist Klink auf Crusher, einen Gehilfen des Kraken, auf. – Aufpassen? Na, Sam Klink hat dazu seine ganz eigene Auffassung.
Der Krake? Wie kann er geschnappt werden? Crusher könnte ein guter Köder sein. Nachdem der Spirit Crusher nach seinem falschen Ausbruch unter einer Treppe im Polizeigebäude wiedergefunden hat, steht einer Falle für den Kraken nichts mehr im Wege.

Als der Krake offensichtlich verstorben ist – der Umgang mit Handgranaten will gelernt sein – ist der Spirit kurzzeitig geblendet. Dies ist die Gelegenheit für seine Feinde, sich an ihm zu rächen oder aber durch den Tod des Spirits ein großes Tier in der Unterwelt zu werden. Allerdings wäre der Spirit nicht der Spirit, wenn er nicht auch eine ordentliche Portion Glück neben seinem Können als Detektiv – oder maskierter Held – verbuchen könnte.
Und so ist er zwar blind, aber mit einem guten Helfer wie Ebony an seiner Seite kann nichts mehr schief gehen. Na, so gut wie nichts jedenfalls.

Will Eisner - Man mag ihm als Leser zu Füßen liegen oder ihm mit Abneigung begegnen, seine Schaffenskraft hingegen ist so oder so bewundernswert. Alleine die 192 Seiten in der vorliegenden 15. Ausgabe von Will Eisner’s The Spirit Archive müssen erst einmal erdacht, geleistet und publiziert werden.

Was bin ich für ein toller Held!
Der Spirit hat durchaus die Fähigkeit zur Selbstkritik, ist doch dieser Ausspruch nicht ernst gemeint. Wieder einmal flog eine Handgranate, wieder einmal hat ihn der Krake ausgebootet. Der Spirit muss einerseits als Kind seiner Zeit angesehen werden, andererseits ist sein Humor zeitlos. Eine Figur wie Ebony, ein schwarzer Gehilfe, ist sicherlich so heutzutage nicht mehr denkbar und könnte ähnliche Proteste hervorrufen wie Tim im Kongo.

Der vorliegende zeitliche Ausschnitt aus Will Eisners Schaffen, 6. Juli bis 28. Dezember 1947, hatte seine ganz eigene erzählerische Kultur, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg besonders von den Vereinigten Staaten geprägt war. Es war die große Zeit von James Cagney, Humphrey Bogart, Edward G. Robinson, welche die Hollywoodsche Schwarze Serie mitprägten. Der Leinwandhumor eines Jerry Lewis, hier bereits auf geniale Art von Will Eisner vorweggenommen, könnte für den berühmten Komiker tatsächlich inspirierend gewesen sein. Die Albernheit, die gerade im Zusammenhang mit der Jagd auf den Kraken zutage tritt, findet sich später auch in der Fantomas-Trilogie mit Louis de Funès. Ein gutes Beispiel für Eisners Gespür für zeitlose Komik. (Ebenso wie er mit dem blinden Auftritt des Spirit die ewig wiederkehrenden Geschichten um blinde kriminalistische Aufklärer gehörig auf die Schippe nimmt.)

Eisner ist ein Meister des Anfangs. Die erste Seite einer Geschichte kann mit einem stets anderen Seitenaufbau aufwarten. Mal sind es mehrere Bilder, mal nur eines, dessen begleitender Text wie ein Hörspiel- oder Märchenauftakt wirkt. Immer wieder versteht es Eisner geschickt, die Neugier des Lesers zu schüren.
Die gelungensten Varianten dürften jene von Das Zeichen des Kraken, Mr. Bowsers Wahl und Aladins Lampe sein.

Besonders letztere Geschichte zeigt was grafisch und textlich herauskommen kann, wenn Eisner sich selbst vollkommen freie Bahn lässt. Der allseits bekannte Geist aus der Lampe mischt die Unterwelt auf. Ebony entgeht diesem Geist nur knapp – weil er zu ungeduldig ist. Wie gut Eisner auch mit Märcheninhalten spielen kann, zeigt er außerdem mit seinen Märchen für jugendliche Straftäter. Hänsel und Gretel wie auch das gute alte Aschenputtel werden von Eisner in die Welt des Spirit integriert.

Die Comics sind mit einem großen Sinn für den Cartoon und die Karikatur gezeichnet. Manchmal sind einzelne Figuren sehr überdreht, um sich im Gegensatz zur höchst realistischen Figur des Spirit abzusetzen. Dieser sieht zwar nicht aus wie eine groteske Figur, verhält sich aber munter so. So spielt Eisner auch hier fein mit Klischees und den Vorstellungen des Lesers, so lange, bis man als Leser nur noch lächelnd weiterblättern kann.

Bei dem einen oder anderen mag es dauern, bis der Spirit einen gefangen nimmt. Es bedarf auch einer gewissen Geduld – aus einer Zeit, als mit Geduld auch noch die Zeitung gelesen wurde – aber diese lässt sich angesichts der guten Unterhaltung schnell wieder erlernen. Komisch, auch niedlich, spannend und wieder komisch. Der Spirit passt auch nach so langer Zeit noch! :-)

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Mittwoch, 14. Mai 2008

Guy Ritchie’s Gamekeeper

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 16:51

Guy Ritchie\'s GamekeeperDer Mann dachte, er könne in Frieden leben. In den Bergen, in den Wäldern, allein mit sich und den Tieren. Falsch gedacht. Die Arbeit als Wildhüter in Schottland, fernab der tschetschenischen Heimat ist gut, aber sie ist nicht aus der Welt, obwohl ein Blick auf die zivilisationslosen grünen Hügel dieses Bild heraufbeschwören kann.
Diese Welt ist bunt, warm, anheimelnd, der Himmel strahlt in einem cyanfarbenen Blau. Tschetschenien war so anders, kalt, eisig, mit grauschwarzen Wäldern und vielen Gefahren, die von Männern mit Schusswaffen ausgingen. Diese Welt holt Brock, den Wildhüter, ein.

Guy Ritchie’s Gamekeeper gehört zu den Auftaktpublikationen von Virgin Comics, die sich einen prominenten Namen als Zugpferd auserkoren haben. Nach einer Fluggesellschaft, Plattenlabel und vielen anderen Geschäftszweigen verzweigen die neuen Unternehmungen in das Comic-Genre, in enger Zusammenarbeit mit dem indischen Markt.
Guy Ritchie, von manchen Mr. Madonna genannt, hatte die Idee zu dieser Geschichte. Geschrieben wurde sie von Andy Diggle, gezeichnet von Mukesh Singh.

Nun mag man als Leser die Nase rümpfen und sagen, dass ein solches Produkt doch sehr stark auf Kommerz ausgerichtet ist, eine Massenproduktion, die Speerspitze eines Vorstoßes auf ein Marktsegment, dem es zunehmend besser zu gehen scheint. Ein Segment, das erschlossen wird, weil man kommenden Kinoproduktionen das Etikett Comic-Verfilmung aufdrücken will.

Könnte man sagen. – Leider lässt sich diese Behauptung angesichts der Qualität dieser Produktion nicht aufrechterhalten. Insbesondere Mukesh Singh, Zeichner und Kolorist in einer Person, liefert eine sehenswerte Arbeit ab und kann die Qualität über die gesamte Länge hinweg halten.
Mukesh Singh gehört zu den Zeichnern, die schon mal die Bleistiftskizze stehen lassen, darüber tuschen, etwas wilder, nicht immer sklavisch exakt und dann zur Kolorierung den Computer einsetzen. Hierbei wird ein dem Marker ähnlicher Farbauftrag verwendet. Dieser ist auch nicht beständig deckend, häufig auch lasierend und hält sich ebenso wie die Tuschestriche (sofern es welche sind und dies nicht auch am Computer gemacht wurde, möglicherweise auch ein verstärkter Bleistiftstrich) nicht zur Gänze an Begrenzungen.

Das Besondere ist nicht die Machart, denn diese haben sich so manche Zeichner angewöhnt, weil sie optisch etwas hermacht und relativ zügig von der Hand geht.
Das Besondere ist die Konsequenz, mit der farbliche Grundstimmungen verwendet werden. Auf den ersten Seiten ist die Welt noch normal, aber das ändert sich schnell, als die Gewalt im Paradies Einzug hält. Tschetschenien war schwarzweiß. Schottland mittelblau, orange, lila, blutrot, blaugelb. Als es getan ist, die Mörder tot sind, wechselt das Farbspiel zu einer Dämmerung, eingetrübt, mit einem farblosen, blassen Eindruck.
Schottland liegt anschließend hinter dem Protagonisten. Das Ziel heißt Amsterdam. Aus amerikanisch-indischer Sicht eher exotisch, bringt die Stadt wieder neue Farbenspiele. Grünlich in einem Hundezwinger für Kampfhunde, fast klinisch.
Die Cover der Einzelausgaben dieses Sammelbandes, erstellt von John Cassaday, spielen genau mit diesen Farbexperimenten. Das beste Bild dürfte jenes in Grün sein. Brock steht inmitten eines Blättermeeres, selbst ein dunkelgrünes Schemen mit glühenden Augen.

In dieser Optik liegen große Möglichkeiten, auch für andere Geschichten. Die schwarzweißen wie auch die blauen Farbgebungen wissen am besten zu gefallen. Bei letzterer wird natürlich stark mit dem kontrastierenden Blut gespielt.

Insgesamt handelt es sich um eine Rachegeschichte. Eine Rache wurde nicht vollendet. Eine Flucht wurde angetreten, eine neue Heimat gefunden. Der unbekannte Feind tritt erneut in Erscheinung, eigentlich zufällig und ähnlich wie ein anderer Elitekämpfer berühmteren Namens findet auch Brock schließlich sein Ziel und verfolgt es unbeirrt, ohne eigene Folgen zu beachten. Brock hat nichts mehr zu verlieren.
Das klingt nicht neu, ist es auch nicht, aber die Optik macht aus dieser Geschichte eine nicht selten grausame, theatralische Thriller-Oper.

Ein Mann, eine Rache, viele Farbstimmungen. Grafisch opulent, spannend und dicht erzählt, mit guten Wechseln in den Schauplätzen, vom natürlichen (Ur)Wald in den urbanen Dschungel. Ein Top-Zeichner, Mukesh Singh, macht diesen Comic-Thriller zu einem Erlebnis. :-D

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Donnerstag, 24. April 2008

Torpedo 4 - Geld ist nicht alles

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:33

Torpedo 4 - Geld ist nicht allesDas Spiel ist nicht irgendein Spiel. Es ist das uramerikanische Spiel der Spiele: Baseball. Nichts ist amerikanischer und nichts kann ein Europäer weniger nachvollziehen als die amerikanische Begeisterung für Baseball. Sogar Torpedo ist dem Spiel verfallen – auf seine Art.
Torpedo und sein Gehilfe Rascal nehmen eine Bar auseinander. Während im Hintergrund eine Sportübertragung läuft, haben sich die beiden Killer ihre beste Baseballkleidung angezogen und statten einem widerspenstigen Kneipenwirt einen folgenschweren Besuch ab.

Torpedo einen Schurken zu nennen, wäre weit untertrieben. Der Archetyp eines völlig missratenen Menschen (bis auf einige wenige Ausnahmen) erlebt in dieser 4. Ausgabe der Reihe, wie es ist, wenn man selber auf der Abschussliste steht und nur haarscharf seinem Schicksal entkommt.

Der Killer hat mehrfach bewiesen, dass er ein heterosexueller Mann ist. In der ersten Geschichte Die Kehrseite des Goldstücks spielt Enrique Sánchez Abulí auf der Klaviatur der Urängste dieser Sorte Mann, einer Sorte, die sich außerdem noch für besonders männlich hält. Die Auflösung, die Pointe ist wieder typisch Abulí, so dass der Leser sich entscheiden kann, ob er Mitleid haben oder lachend zusammenbrechen soll.

Die Darstellung der Jazz-Musiker ist ein wenig stereotyp, sehr klischeehaft, aber Abulí und sein Zeichner Jordi Bernet sind weit davon entfernt, ein realistisches Bild der Zeit abzugeben. Außerdem ist Torpedo derart böse, gemein, zynisch, brutal, sadistisch und eigentlich alles, was ein Gangster in einer Person vereinen kann – nicht zwangsläufig muss – so dass man ihm als Leser auch nur alles erdenklich Schlechte wünschen kann. Aber irgendwie hat er dann das Quentchen Glück, um nicht immer ganz heil, so doch wenigstens nur angekratzt aus der jeweiligen Situation herauszukommen.

So manche Szene oder Geschichte in Torpedo erinnert zuweilen an Vorlagen aus Film oder Roman. So kann sich der Leser (in diesem Falle ich) auch diesmal nicht so ganz des Eindrucks erwehren, hier oder da die eine oder andere Anspielungen oder Hommage zu entdecken. In Die Friedenstaube schaffen Torpedo und sein Sidekick mit hinterhältigen Schießereien Klarheit. Leider sieht man hierbei keine Zeugen wegrennen, ansonsten wäre dies ein guter Hinweis auf Manche mögen’s heiß. Der Killer-Job, den die beiden Mörder auf der Hochhausbaustelle auf den Stahlträgern zu verrichten haben, erinnert in seiner komödienartigen Erzählweise an The Riveter (dt.: Donald, die Niete, 1940). Dort raubte Donald Duck mit seinen überaus schlechten Fähigkeiten als Nieter auf einer Hochhausbaustelle seinem Vorgesetzten Kater Karlo den letzten Nerv.

Die Anspielungen mögen vielleicht nicht stimmen, Tatsache ist auf jeden Fall, dass Abulí mit der gleichen Form der Slapstick spielt, die auch in alten Disney-Zeichentrickfilmen der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts zu finden ist. (In der Episode Wer hat Angst vorm bösen Wolf ist die Anspielung offensichtlich, denn Bernet verwendet sogar den bösen Wolf in der Form, wie er bei Disney hinter den drei kleinen Schweinchen hinterher war.)

Missverständnisse, Ausflüge in die Kindheit und Jugend von Torpedo sowie die Fähigkeit über die Fehler derer zu stolpern, die er gerade noch belächelt hat, das machen die Episoden in diesem Band aus. Abulís Fähigkeit, den Werdegang von Torpedo zu erzählen, wie auch die Fähigkeit von Bernet genau diese Kindheitstage in Szene zu setzen, machen aus den Erinnerungen ganz besondere kleine Episoden.

Bernet arbeitet gerne mit Gesichtsausdrücken, von denen ihm die Geschichten viele vorschreiben. Auch Torpedo schafft es nicht auf dem elektrischen Stuhl die Ruhe zu bewahren. Der große böse Wolf bereitet ihm ähnliche Angst, bis sie wieder hinter den zusammengekniffenen Clint Eastwood-Augen verschwindet. Arroganz prägt Torpedos Mimik für gewöhnlich, aber manchmal blitzt auch ein Wolf hindurch, eine Fratze, der nur noch lange Eckzähne fehlen, um einem gewissen Dracula-Darsteller zu ähneln.

Sehr unterschiedliche Abenteuer des fiesesten Halunken der Comic-Geschichte, mit einem sehr erwachsenen, aber auch beständig bitterbösen Humor erzählt, gewohnt gut gezeichnet und einmal, ein einziges Mal zeigt Torpedo diesen berühmten Funken Mitleid – der aber im Sinne nachfolgender Episoden nicht lange anhält. Eine pechschwarze Film noir-Wiederbelebung zwischen Comic-Seiten, auf seine Art einfach nur gut. :-D

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Dienstag, 22. April 2008

Bob Morane - Der Gelbe Schatten

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 14:08

Bob Morane - Der Gelbe SchattenWer ist der Mann im Hintergrund? Wer wagt es, Regierungen zu erpressen? Wer ist derjenige, der sich selbst Gelber Schatten nennt? Für Bob Morane wird die Antwort auf diese Frage bald überlebensnotwendig.
Es beginnt mit einem Mann auf einer Parkbank. Auf den ersten Blick scheint er zu schlafen. Die Polizisten, die ihn zu wecken versuchen, entdecken nicht nur seine scheinbare Leblosigkeit, sondern auch ein merkwürdiges Zeichen auf seiner Stirn. Der beiliegende Drohbrief wurde durch den Erpresser mit Der gelbe Schatten unterschrieben.

Bob Morane erinnert sich. Vor geraumer Zeit rettete er einem Mann namens Ming das Leben, indem er einen Armstumpf behandelte und den Fremden so vor dem Verbluten bewahrte. Die Nachforschungen gestalten sich schwierig. Gedungene Mörder, die Dacoiten, sind ihnen, Bob und seinem Freund Bill, immer wieder dicht auf den Fersen. Aber schließlich offenbart sich der Mann im Hintergrund, sicher darüber, immer einen Schritt voraus zu sein.

Das Verbrechergenie! Der wahnsinnige Mörder. Edgar Wallace kannte sie, Ian Fleming ließ sie erst recht gegen Mr. Bond antreten. Fantomas, Goldfinger, Dr. Mabuse und viele andere - Der Gelbe Schatten befindet sich in guter Gesellschaft. Allerdings dienen seine Motive nicht der persönlichen Bereicherung, jedenfalls nicht nur. Vordergründig hat der Gelbe Schatten das Wohl einer besseren Welt im Sinn. Leider geht er dafür über Leichen.

Zwei, die sich ihm in den Weg stellen, sind Bob Morane und sein Freund Bill Ballantine. Dieses Unterfangen ist jedoch alles andere als leicht. Denn ihr Gegner versteht es immer wieder, andere nach vorne zu schicken, an den Strippen zu ziehen, so dass es mitunter dauert, bevor Bob und Bill überhaupt sicher sein können, es mit dem Gelben Schatten zu tun zu haben.
Henri Vernes tanzt in diesen Augenblicken auf der Spannungsklaviatur meisterlich und spannt die Nerven des Lesers bis zur Elastizität von Drahtseilen an.
Das beste Beispiel für diese meisterliche Erzählweise ist die Geschichte um Bill Ballantines privaten Rachefeldzug gegen den Gelben Schatten.

Ballantine lässt sich auf ein aussichtsloses Unterfangen ein. Da er seinen Freund Bob tot glaubt, reist er allein nach Birma und macht sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Verbrecher hinter dem seltsamen Pseudonym.
Vernes lässt den guten Bill mit dem Kopf durch die Wand gehen, einiges einstecken und auch viel Glück haben. Es ist erfrischend und mutig von Vernes, dass er eine Geschichte fast ohne Bob Morane bestreitet und den Sidekick an die vorderste Front schickt.

Coria löst hier Vance als Zeichner ab. Stilistisch liegen die beiden Künstler nahe beieinander. Corias Figuren wirken jedoch etwas weicher, nicht so kantig und hart.
Corias Bilder wirken am besten mit Hintergründen, von denen es reichlich gibt dank vielfältiger Schauplätze, die ein Markenzeichen dieser Comic-Reihe sind. Somit reiht sich Bob Morane nahtlos in andere internationale Thriller-Serien ein. London im Regen, Hinterhöfe, das strahlende Paris, die Dschungel von Birma, Kämpfe in düsteren Gassen, Explosionen und Verfolgungsjagden durch finstere Tunnel, gehetzt von kleinwüchsigen Eingeborenen mit Giftpfeilen. Die Auswahl der Situationen ist vielfältig. Vernes Erfindungsreichtum stellt Coria vor immer neue Herausforderungen.

Das phantastische Element, auch ein Merkmal von Vernes Erzählungen, fehlt auch hier nicht, ist aber auch nicht so offensichtlich eingesetzt – obwohl der Gelbe Schatten alle Merkmale eines Superverbrechers trägt.
Einer der kuriosesten Gegenstände ist eine mechanische Hand, eine Art monströses eiskalten Händchen. Mit dieser Hand hat Bob Morane kein leichtes Spiel. Sie dient hier als Indiz für die unerschöpfliche kriminelle Energie, mit der Ming, der Gelbe Schatten, zu Werke geht.

Absolute spannungsgeladene Kurzweil rund um den Globus. Endlich hat Bill Ballantine, Bobs Freund, seinen sehr gelungenen Solo-Auftritt. Wer Abenteuer und Thriller in bester Inszenierung sucht, findet hier die richtige Unterhaltung. :-)

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Samstag, 12. April 2008

Whiteout 2 - Melt

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:19

Whiteout 2 - MeltDie Antarktis. Eine entmilitarisierte Zone. Eigentlich. Offiziell. Hinter so manchem Deckmantel, so mancher Tür, die angeblich zu einer Forschungseinrichtung führt, sieht es anders aus. In der Antarktis war der Krieg schon immer kalt.
Als US-Marshal Carrie Stetko ihren Urlaub in der Wärme Neuseelands genießt, ahnt sie noch nicht, wie schnell sie wieder im ewigen Eis unterwegs sein wird. Ihr neuer Fall ist nicht nur spektakulärer als der letzte, sondern er bringt ihr auch eine einzigartige Gelegenheit. Erledigt sie alles zur Zufriedenheit, kann sie runter von diesem verdammten Eisklumpen!

Die Antarktis ist eine fremde Welt, ein Stück außerirdischen Lebensraumes, allerdings ist die Definition von Lebensraum hier völlig anders zu interpretieren. Der Schwerpunkt liegt auf Raum und die Aufgabe, die Carrie in dieser eisigen Einöde zufällt, ist keine geringere als die, einige Atomsprengköpfe wiederzubeschaffen. Diesmal wartet nicht kriminalistische Kleinarbeit auf die resolute Polizistin, sondern eine handfeste Jagd, an deren Ende nicht nur skrupellose Verbrecher, sondern auch ehemalige Angehörige einer russischen Spezialeinheit warten.

Zieht man die Spannung in Betracht, mit der dieser Thriller aufwarten kann, dann geht es in der Tat heiß her. Insofern ist der Untertitel Melt gut gewählt.
War der erste Teil von Whiteout trotz seines entlegenen Szenarios nichts für klaustrophobische Gemüter, gehen Greg Rucka und Steve Lieber nun den entgegen gesetzten Weg und verlieren sich in der Weite der Antarktis.

Die weiten Flächen mögen gefahrlos wirken – sieht man einmal von den unendlich erscheinenden Flächen ab – doch in Wahrheit kann jeder Schritt den Tod bedeuten. Dies müssen auch die ehemaligen Speznaz-Kämpfer sehr schnell feststellen, die sich eigentlich als Herren der Lage wähnten. Dass diese Kämpfer aber auch von anderem Kaliber sind als einfache Mörder, auch das muss Carrie bald in ihr Tagebuch schreiben.

Greg Rucka spielt mit dem Genre. Besonders für Thriller-Freunde ist sehr schön, wie Rucka Altbewährtes neu mischt, Gegensätze aufbaut oder auch Bekanntes auf den Kopf stellt. Eine Beamtin im Rang eines US Marshals am Ende der Welt, eher klein, von ihrem Job angenervt, übernimmt die Ermittlungen in einem Fall, der internationale Ausmaße hat. Sie ist der Jäger. Das Wild sind schwer bewaffnete Soldaten, ausgebildete Kämpfer, die keine Skrupel haben, ihre eigenen Leute zu töten. Wie in einem Western ist das Land der zweite Gegner.
Unwillkürlich erinnert man sich als Leser vielleicht an Szenarien wie Der schwarze Falke oder Eisstation Zebra. In beiden Filmen spielt die Landschaft eine große Rolle. John Wayne ist zwar nicht Carrie, aber auch sie ist auf der Suche. Sie drang gemeinsam mit anderen Menschen in diese Lebensfeindliche Welt vor, am Ende geht sie allein ins Nirgendwo, wie ein Sheriff, der seine Aufgabe erfüllt hat und erst wieder gebraucht wird, wenn es Ärger gibt.

Altmeister Alistair MacLean schrieb die Vorlage für Eisstation Zebra, eine Agentenhatz an den Nordpol, wo ein russischer Spionagesatellit abgestürzt ist. Zieht man als Leser Parallelen zur Geschichte von Greg Rucka, ließe sich behaupten, dass Rucka in die Fußstapfen eines Großen tritt und das altmodische Thriller-Abenteuer zurückbringt. Dieses besitzt zwar Action, ist aber in erster Linie elegant inszeniert und erzählt.

Die Antarktis ist nicht schwarzweiß, aber sie dürfte dennoch eine Welt sein mit ganz eigenen Farbeindrücken. Wieder hatte Steve Lieber die Aufgabe diese Welt zu Papier zu bringen.
In feinen Einleitungen kommt, um es so auszudrücken, auch die Antarktis persönlich zu Wort, indem von ihrer Historie erzählt wird, genauer von den Momenten, in denen der Mensch versuchte sie zu erobern, sich an ihr zu messen. Fast wünschte man sich, der spannende Beginn um das Wettrennen zwischen Amundsen und Scott würde noch ausführlicher erzählt. – Vielleicht auch ein neuer Ansatz, um echte Geschichte noch interessanter zu machen.

Das wirklich Schöne – auch insgesamt – ist der Mut, mit dem Lieber zu Werke geht. Er schießt sich nicht auf eine bestimmte Technik ein. Er probiert weiter aus, so wie er es schon im ersten Teil tat. Auch der Erfolg hat ihn von dieser Vorgehensweise nicht abbringen können. Daher lässt sich auch nie sagen, was einen auf der nächsten Seite erwarten wird. Sind es Rasterfolien, feine Tuscheschraffuren oder grobe Pinselstriche, wurde mit dem Bleistift oder mit Kohle über die Zeichnung gerieben oder setzt er nun fette Schwarzflächen und rasante Bewegungsstriche ein. Steve Lieber zeichnet, wie es seiner Meinung nach gerade passt. Das Auge muss sich immer wieder neu einfinden – so wird die Zeichentechnik letztlich, wie es die Beleuchtung in einem Film erreichen kann, zum spannungssteigernden Element.

Auch in der Fortsetzung können sich Greg Rucka und Steve Lieber noch einmal steigern, indem sie das bisherige Konzept auf den Kopf stellen und ihre Arbeitsweise verfeinern. Kampf gegen die Elemente, gegen Terroristen, gegen sich selbst – Carrie Stetko dürfte eine der gelungensten Frauenfiguren im Thriller-Genre der letzten Jahre sein. :-)

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Mittwoch, 02. April 2008

Point Blank

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 19:47

Point BlankDer Tod macht keinen Spaß. Ganz besonders nicht, wenn man ihm in einem düsteren matschigen Hinterhof begegnet, kniend, mit dem Lauf einer Waffe am Kopf. Die Augen sind geschlossen, als der Schuss knallt. Warum soll man dem Tod sehenden Auges begegnen, wenn der Abgang schon so deprimierend ist?
Dabei hatte alles so einfach begonnen. Ein alter Freund wollte nur, dass Cole ihm den Rücken freihält. Lynch, ein Kumpel, mit einem Plan – und plötzlich mit Fähigkeiten ausgestattet, die so keinen Sinn zu machen scheinen. Warum hat Lynch seine Kräfte verstärken lassen? Wer ist so wichtig und gefährlich, dass Lynch auf ihn Jagd machen, ihn ausschalten muss?

Point Blank ist nicht nur der Name des vorliegenden Comics, sondern auch der eines Film-Klassikers mit Lee Marvin. Kompromisslosigkeit ist beiden Thrillern zueigen. Ähnlich wie Walker alias Lee Marvin folgt auch Cole Cash unbeirrt der Spur, angespornt einzig vom Rachegedanken. Wer verübte den Anschlag auf seinen Freund Lynch?

Ed Brubaker kennt sich in der alten Comic-Szene ebenso aus, wie er auch Anteil an den neuen Universen hat. Ein umfangreicher Informationsteil im Anhang des Comics beschreibt die Entstehung des Wildstorm-Universums, in der Superhelden existieren, die deutliche Anleihen an bekannten Charakteren genommen haben, aber auch eindeutig realistischer zu sein versuchen – ja, sogar ein wenig parodistischer.
Der Superheld ist zur Bedrohung geworden, auch bei Marvel und D.C., sicherlich eine Folge jener kleinen Revolution, die mit den stärker werdenden kleinen Labels der letzten Jahre einherging. Im vorliegenden Band schwebt diese Bedrohung immer über dieser düsteren Welt, sind Geheimdienste und dunkle Mächte am Werk.

Cole Cash will es nicht einsehen, aber auf seine Art ist er ein Spielball. Tao, das Supergehirn, jener hyperintelligente Psychopath, hat seine Fäden so geschickt gesponnen, dass Cole Cash nichts anderes machen kann, als darüber zu stolpern. Autor Ed Brubaker kennt sein Metier. Bei Superhelden wie auch Thrillern ist er Zuhause, wie er mit Captain America, aber auch Gotham Central oder Criminal beweisen konnte. Aber er kennt noch mehr. Denn je weiter die Figur Cole Cash sich in dieser Geschichte verliert, wird die Erinnerung an einen Mystery-Thriller wie Angel Heart wach.

Mehr soll nicht verraten werden, um die Pointe nicht vorwegzunehmen, aber das Schema der Geschichte ist ähnlich. Auch soll dieser Vergleich kein Vorwurf sein, denn die Grundidee trägt auch Point Blank und passt zu einer Rachegeschichte, die wohl zu den klassischsten Handlungen im amerikanischen Thriller-Genre gehört. Eine wichtige Besonderheit dieser Geschichte ist die Normalität, mit der über die Helden und die Schurken erzählt wird. Die kleine Bar, in der die Kostümierten verkehren und sich selbst irgendwie zum Narren machen wie auch der Gauner-Laden, in dem ehemalige Heldinnen wie Kenesha, die frühere Savant, auf der Suche nach einer schnellen Nummer sind. Diese Beispiele reißen den Helden auf menschliches Niveau herunter, sogar noch darunter, denn die Allmacht dieser Charaktere wird von selbigen letztlich mit Füßen getreten.

Für die grafische Umsetzung dieser Schmutzigkeit, dieser allgegenwärtigen Verkommenheit, dieser Hoffnungslosigkeit all dieser Underdogs wurde mit Colin Wilson eine perfekte Wahl getroffen. Mit der Jugend von Blueberry konnte er bereits Erfahrung mit Geschichten sammeln, die tough guys im Mittelpunkt des Geschehens haben. Wer den Zeichenstil von Wilson betrachtet, könnte dem Glauben verfallen, dass der Künstler mit dieser Art der Bilder zur jüngeren Generation gehört. Aber weit gefehlt. Wilson hat inzwischen nicht nur einige Lebensjahre gesammelt, sondern auch reichlich Erfahrung.
Wer die Bilder in ihrer Machart beschreiben möchte, könnte sie eine Mischung aus altem Jean Giraud und jungem Eduardo Risso nennen. Wilson könnte tatsächlich ein gestalterischer Erbe von Giraud sein. Seine Männer sind kernig, seine Frauen glatt und attraktiv. Aber da ist manchmal auch ein wenig Risso. Es sind geschwungene, leicht abstrahierte Ansichten, besonders dort, wo die Gesichter entweder grobschlächtiger oder einfacher sind, mit rasierten, sauberen Zügen.

Wilsons Grafiken benötigen keine aufwendige Kolorierung. Wieder einmal ist ein Rückschritt von jenen überbordenden Kolorierungen festzustellen, die sich im Zuge des Computers immer weiter gegenseitig übertrumpft haben. Grafik vor Geschichte schien es zu heißen. Inzwischen stehen Grafik und Geschichte häufig wieder gleichberechtigt nebeneinander. Eine glanzvolle Kolorierung erfolgt nur noch da, wo es Sinn macht. Hier gibt Janet Gale einer Gangster-Unterwelt ihr Licht und ihre Farben. Sie macht dies verhalten und gibt den Farben dort Gewicht, wo es gebraucht wird. Ein Schuss blitzt, Blut tropft rot auf einer grauen Wand, die Tiefe ist schwarz, gähnend, die Nacht eine stete Dämmerung, auf der kein Morgen folgen wird – mit einem Wort ist die Kolorierung atmosphärisch zu nennen. Es ist perfekt so, wie es ist.

Als Krönung finden sich im vorliegenden Band die Cover zu den Einzelausgaben einerseits von Wilson selbst, andererseits von Simon Bisley, dessen Bilder aus der gleichen Schule zu kommen scheinen wie die eines Glenn Fabry. Immer etwas anarchistisch, aber auch stets auf einem technisch perfekten Niveau.

Eine Gangstergeschichte mit einem knallharten Hauptcharakter, der einem ganz eigenen Ethos folgt: Man verarscht Cole Cash nicht. Wer es dennoch versucht, hat nur eine Strafe verdient. Brubaker und Wilson nehmen ihre Leser mit auf einen klassisch spannenden Thriller-Trip. So, wie es sich gehört! Cool. :-)

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Samstag, 22. März 2008

Preacher - Sie kamen nach Masada

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 20:53

Preacher 3 - Sie kamen nach MasadaJesse Custer reist nach Frankreich. Wenn man als Amerikaner nicht romantisch veranlagt ist, hat einem Frankreich wenig zu geben, aber Custer ist nicht in romantischer Mission unterwegs, obwohl ihn seine Freundin Tulip O’Hare begleitet. Custer hat nur ein Ziel. Er will seinen alten Freund Cassidy retten – einen Vampir.
Eine Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Diese beginnt mit Warten. Am Flughafen JFK geht nicht alles so reibungslos vonstatten. Als Custer sich die Zeit mit einem Drink vertreibt, hat er eine unerwartete Begegnung mit einem alten Kriegskameraden seines verstorbenen Vaters. Jetzt endlich, nach derart langer Zeit, erfährt er endlich mehr über den Mann, den er bereits als Kind verlor und von dem er bisher so gut wie nichts wusste.

Vietnam. Das ewige Trauma. Custers Vater gehörte zu einer der vielen kleinen Einheiten, die eines Tages auf Patrouille in den Busch ziehen. Sie finden ein Dorf. Leer. Der Vietcong hat es verlassen. Ein mieser Befehl zwingt drei Freunde in das Dorf. Es kommt, wie es kommen muss. Einer stirbt. Die Befehlshaber sind schuld. Manches erledigt sich von alleine, manches nicht. Es ist Krieg. Und niemals weiß man so genau, woher die Kugeln kommen.
So schlimm die Erinnerungen an die Vergangenheit des Vaters sind, wenn Custer dereinst von seinen Erlebnissen erzählt, wird er dem Grauen, was seinem Vater widerfuhr, in nichts nachstehen. Denn in Masada ist alles anders.

Starr hat die Organisation nicht mehr im Griff. Alles, buchstäblich alles, begonnen bei seiner eigenen Libido, scheint ihm immer mehr zu entgleiten. Genau zu diesem Zeitpunkt, als in den Kellergewölben der Festung ein besonders heikler Gast beherbergt wird, zusätzlich zu einem nicht alltäglichen Vampir, kündigt sich das Oberhaupt ihrer Bewegung. Jetzt endlich wird das gesamte Ausmaß der Verderbtheit und der Inzucht ihrer Bewegung sichtbar. Custers Eintreffen kommt dem Stich in ein Wespennest gleich und alles gerät aus den Fugen.

Sie kamen nach Masada fasst in der dritten Sammelausgabe von Preacher die Ereignisse um die Rettung von Cassidy, dem Vampir, zusammen. Zwei kleine Schlenker bringen außerdem auf einerseits furchtbare wie auch vergnügliche Weise Licht ins Dunkel der Vergangenheit.

Masada, die letzte Bastion der Hebräer gegen die römischen Invasoren, lautet auch der Name einer geheimen Einrichtung in Frankreich, wo unter dem Deckmantel einer verqueren religiösen Ansicht nur nach der ultimativen Macht gegriffen werden soll. Leider ist der künftige Messias ein debiler Idiot, dem die Inzucht die letzte Intelligenz und das letzte Quentchen Mitgefühl ausgetrieben hat.
Masada wird für Custer nicht nur zu einer Rettungsaktion, es wird zum Teil auch ein Blick in seine Vergangenheit. Viel länger, als er es selbst geglaubt hätte, wird er beobachtet. Seine Großmutter ist die Tante des derzeitigen Oberhaupts des Grals, jener merkwürdigen Geheimgesellschaft.

Es ist wieder einmal der überbordenden Phantasie und der komplexen Planung von Garth Ennis zu verdanken, dass Preacher so ungeheuer fesselt. Ennis versteht es in einer kleinen abgeschlossenen Episode (zu Beginn und zum Ende des Bandes) ebenso die Handlungsabschnitte in der richtigen Portionierung zu servieren wie in einem übergreifenden Handlungsbogen.
Vietnam, das amerikanische Trauma, wird hier in einer Episode dargestellt, die ebenso ein Oliver Stone in einem seiner Vietnam-Filme wie Platoon hätte verarbeiten können.
Dieser Abschnitt bringt denen, die mit derlei Geschichten vertraut sind, nicht viel neues, das ändert jedoch nichts an der Intensität der Handlung, die so oder ähnlich stattgefunden haben kann. Faszinierend auch der Auftritt des Duke, der seinerzeit mit seiner Rolle in The Green Berets, jener legendären Spezialeinheit, für ein eher gespaltenes Echo sorgte.

Masada steht im absoluten Gegensatz zu der in der Vietnam-Episode geschilderten Realität. Man könnte die gezeigte Handlung mit Monty Python trifft Quentin Tarantino überschreiben. Wer sich ein solches Zusammentreffen in Thema, Humor, Action und Handlung ausmalen kann, kommt der prallen und sehr skurrilen Geschichte sehr nahe.
Die Charaktere stützen die Geschichte.
Da ist der Killer, dem ein kleines anatomisches Anhängsel fehlt, und der deshalb Gott und die Welt dafür bestrafen möchte. Da trifft es sich, dass er einem Vampir begegnet, dessen Wunden heilen und der so unendlich oft und lange gequält werden kann.
Da ist der Sonderbeauftragte des Grals, Starr, der sich bis vor kurzem noch als normaler Mann wähnte und nun dabei ist, die Seiten zu wechseln.
Da ist ein gestürzter Engel und der Herr persönlich, beide eingeschüchtert von Custer, der mit seiner Fähigkeit, das alles befehlende Wort auszusprechen, für beide eine Bedrohung darstellt. Wann war Gott zuletzt auf der Flucht vor einem Menschen?

Zwischen wirklich blutiger Action trägt abgrundtiefer bitterböser Humor den Leser zur nächsten Szene, amüsiert, vielleicht auch schockiert, ungläubig lesend, vielleicht auch schallend lachend über so viel Absurdität, aber immer daran interessiert, wie es weitergehen mag.
Auf seine Art fasziniert Preacher, da sich die Geschichte in kein Korsett zwängen lässt. Die gute Zeichenkunst eines Steve Dillon und die Spitzen-Cover eines Glenn Fabry machen Preacher zu einer runden Sache.
:-)

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Dienstag, 18. März 2008

Rex Mundi 3 - Die verlorenen Könige

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 19:38

Rex Mundi 3 - Die verlorenen KönigeDer Arzt Julien Saunière verabschiedet seinen Bekannten, den Rabbi, am Bahnhof. Für den Mann ist es nicht mehr sicher in Paris. Saunière selbst wird von der Inquisition überwacht. Der Rabbi lässt den Arzt ungern alleine mit den Problemen zurück. Aber es ist besser so, denn auch die politische Situation verschlechtert sich.
Frankreich will alte Grenzen zurecht rücken und sich wieder das einverleiben, was ihm einmal im heutigen Einflussbereich des Emirates Cordoba in den angrenzenden Gebieten Navarra, Aragon und Kastilien gehörte. Von englischer Seite, von Lord Churchill, erhält Frankreich Zuspruch für diese Ideen – sofern man von französischer Seite die englischen Bemühungen und Expansionen in Arabien und der Levante toleriert. Schnell kommt der französische Lord Lorraine mit Churchill zu einer Einigung.

Von all dem ahnt Saunière zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Er ist viel mehr damit beschäftigt, Licht in das Dunkel verschiedener Nachforschungen zu bringen.
Symbolik, altertümliche Kunst, Legenden und Mathematik spielen eine wichtige Rolle bei der Spurensuche. Das Geheimnis des Heiligen Grals? Wie lautet es? Welche Rolle spielt die Politik in dieser Angelegenheit? Gehen am Ende das Geheimnis und die aktuellen politischen Ereignisse Hand in Hand?
Fest steht, dass verschiedene Templerfamilien die Familie von Lord Lorraine unterstützen. Saunières Neugier wird unerträglich. Und er wagt einen mutigen Schachzug. Indem er der Inquisition all sein Wissen offenbart, hofft er auf entsprechende Unterstützung durch den Klerus.

Als die Spur in die Katakomben führt, scheint die Marschrichtung klar zu sein, insbesondere nachdem ein alter Bekannter wieder in Erscheinung tritt. Aber Saunière täuscht sich. Ganz so einfach, wie er zunächst annahm, ist die Lösung dann doch nicht zu finden.

Rex Mundi - Wir schreiben das Jahr 1933. Die Welt ist anders als wir sie kennen, sie ist anders als unsere Geschichtsschreibung uns hinterlassen hat. Die Kirche ist ein wichtiger Machtfaktor in den christianisierten Reichen. An der Grenze Frankreichs beherrscht das Emirat Cordoba das uns bekannte Spanien. Portugal existiert nicht einmal als eigenständiger Staat. Frankreich, England, Preußen sind auf Kolonialisierung aus. Russland ist riesig. Die islamischen Staaten wie das Ottomanische Reich, das kalifat der Almohaden, das Sultanat der Abbasiden und das Reich der Safawiden teilen den vorderen Orient untereinander auf.

In diesen schwierigen Zeiten stößt der Arzt Julien Saunière auf ein Geheimnis, dass für ein neues Frankreich einen Wendepunkt herbeiführen könnte. Politik und Mystik, auch Religion genannt, werden ineinander aufgehen, sollte das Geheimnis ans Licht kommen. Damit nicht genug. Eine noch geheimnisvollere Macht geht im Hintergrund um, eine Macht mit echten magischen Fähigkeiten. Ein normaler Mann wie Saunière droht zwischen den einzelnen Machtblöcken zerrieben zu werden, wenn er nicht sehr klug und besonnen handelt.

Ein Autor wie Dan Brown kann sich angesichts der Vorstellungskraft von Arvid Nelson und Zeichner Eric J, den Erfindern von Rex Mundi warm anziehen. Hier liegt der Geschichte eine hochkomplex geschilderte Gesellschaft zugrunde. Diese Welt ist außerdem so groß, dass dem Erfindungsreichtum und dem dramatischen Geschick, insbesondere von Autor Nelson eigentlich kaum Grenzen gesetzt sind.
Die Vermischung realer geschichtlicher Figuren und Ereignisse mit dieser fiktiven Welt macht aus ihr einen äußerst faszinierenden Stoff.
Inquisition und politische Machthaber wirken nicht oft derart bedrohlich. Sieht man einmal von der Spur, die Saunière verfolgt ab, ist es allein ungeheuer spannend, die Winkelzüge von Herzog Lorraine zu verfolgen, wie er Stück für Stück sein Netz aufspannt, aus dem es für die Beteiligten letztlich kein Entkommen mehr gibt.

Eric J, Mitinitiator dieser Reihe, für dessen Umsetzung sich anscheinend auch Hollywood interessiert (Ein entsprechendes Interview fand im September 2006 statt. Eine Umsetzung könnte 2009 erscheinen. Johnny Depp würde in die Rolle von Julien Saunière passen. Man darf weiterhin gespannt sein. Im Laufe des Jahres dürfte dazu mehr zu erfahren sein. Infos werden sich bestimmt unter www.rexmundi.net, der Homepage zur Serie finden lassen.), wird im Verlauf des Bandes von den Zeichnern Jim Di Bartolo und Juan Perreyra abgelöst. Bartolo weiß hier eine Spur besser zu gefallen als Eric J (natürlich immer auch Geschmackssache), weil seine Charaktere etwas ausdrucksstärker aussehen. Auch Perreyra kann da nicht mithalten, obwohl er um verstärkten Realismus bemüht ist und seine Zeichnungen technisch ausgereift und schön sind. Ohne Vergleichsmöglichkeit zu Bartolo wäre er toll, im direkten Vergleich fängt er die Atmosphäre nicht so gut ein.

Was Perreyra allerdings im besten Sinne und für jeden erkennbar wunderbar gelingt, ist ein ungeheuer schönes Titelbild im Jugendstil, für das ein Künstler wie Alfons Mucha Pate gewesen sein könnte.

Mystische Spannung, politische Intrigen, ein Spiel mit der Zivilisation in einer parallelen Entwicklung zu der unseren, glänzend inszeniert von Arvid Nelson und Eric J. Eine Top-Serie, die jeden Thriller-Fan begeistern kann. :-)

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