Zum Inhalt springen


Comic Blog


Sonntag, 22. Januar 2012

Assassins Creed 3 - Accipiter

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 17:11

Assassins Creed 3 - AccipiterEin Krieg, der sich über die Jahrhunderte zieht: Assassinen und Templer sind auf der Suche nach geheimnisvollen Artefakten. Durch die Recherche in den langen Ahnenreihen der jeweiligen Kriegerkasten versucht jede Seite in den gesammelten Erinnerungen Hinweise auf deren Verbleib zu finden. Doch manchmal kreuzen sich diese Erinnerungen und neuerliche Kämpfe sind unausweichlich. Desmond Niles ist einem Ankh, einem ägyptischen Henkelkreuz, mit ungewöhnlichen Eigenschaften auf der Spur. Dieses Artefakt besitzt technische Eigenarten, die selbst in der technologisch weit entwickelten Gegenwart immer noch unerreicht sind. Über eine Holographietechnik vermag es Nachrichten aufzuzeichnen. Die Informationen, die Desmond darüber zu erlangen vermag, sind von größter Wichtigkeit.

Eric Corbeyran schließt die Zeitreisetrilogie ab. Ein deutlicher Vergangenheitsanteil im dritten Teil bietet einen großen Blick auf die Abenteuer vergangener Zeiten. Kostüme, historische Schlachten, Intrigen, Liebe: Hier schöpft Eric Corbeyran aus dem Vollen. Bevor der Held Desmond Niles aber wieder ins Zentrum der Geschichte rückt, verfolgt der Leser zunächst der Figur des Jonatahn Hawk auf seiner Zeitreise. Römer kämpfen gegen Alemannen. Ein geheimes Treffen soll das Ende der Kämpfe besiegeln. Corbeyran hat die Handlung zu diesem Zeitpunkt derart verschachtelt, dass eine Kenntnis der ersten beiden Bände nicht nur ein Muss ist, sondern auch mit hoher Aufmerksamkeit gelesen werden will.

Spannungsgeladener noch ist der Handlungsstrang um Desmond Niles, der sich nicht nur in der Gegenwart verteidigen muss, sondern gerade in der Hochzeit des alten Rom die zentralen Ereignisse der Trilogie von Assassins Creed, der Videospieleumsetzung, erlebt. Eric Corbeyran lässt das andere Ich von Desmond Niles, Aquilus, den Assassinen aus der Vergangenheit, zwar etwas überraschend abtreten, macht damit aber gleichzeitig den Weg für einen neuen Handlungsstrang frei. Corbeyran lässt sozusagen die eine Flamme erlöschen, um im gleichen Atemzeug eine neue zu schüren. So reißt der Spannungsfaden zu keinem Zeitpunkt der Handlung ab.

Djillali Defali die atmosphärisch dichten Bilder aus der Vergangenheit mit viel Geschick und Sinn für eine Mischung aus alten und neuen Optiken. Wer alte Sandalenfilme und auch neuere Umsetzungen im Stile von Gladiator mag, wird diese Sequenzen mögen. Durch die Farbgebung eines Alexis Sentenac präsentiert sich römischer Alltag, Architektur und Lebensgefühl. In dunklen Nächten erhellen Öllampen die prächtigen Innenräume mit den kunstvollen Wänden und Böden, entscheiden sich Leben und Tod im Kampf Mann gegen Mann.

Einen kleinen Fehltritt, wenn man es so nennen will, begeht Corbeyran: Aquilus, der Assassine, der so behände ans Werk geht, mit akrobatischem Geschick, wird gestellt und gefangen, da er ein recht untypisches, auch unvorsichtiges Verhalten an den Tag legt, dass in dieser Situation nicht nachvollziehbar erscheint. Dafür macht Defali umso mehr aus dieser Szene. Immerhin entsteht so ein weiteres Anziehen der Spannungsschraube.

Ist diese Trilogie sehr in Richtung Rom orientiert, gibt die Schlussszene einen kleinen Hinweis, in welches ferne Land und in welche Epoche es beim nächsten Mal gehen mag. Corbeyran und Defali wissen sich ihre stimmungsvollen Umgebungen mit treffsicherer Hand auszusuchen.

Ein ausdrucksstarker Abschluss der Trilogie, in dem Corbeyran genau dosiert an der Spannungsschraube dreht. Freunde historischer Szenarien kommen sehr auf ihre Kosten, Fans des Spiels werden hier noch neue Seiten entdecken. Die Kenntnis der beiden Vorläuferbände ist Pflicht. :-)

Assassins Creed 3, Accipiter: Bei Amazon bestellen

Stichwörter: none

Donnerstag, 29. Dezember 2011

CHEW 3 - Eiskalt serviert

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:32

CHEW - Bulle mit Biss! 3 - Eiskalt serviertTony Chu, mit der Gabe gesegnet, aus dem Geschmack von Essbarem herauslesen zu können, wie die letzten Lebensabschnitte desjenigen oder derjenigen ausgesehen haben, hat nun auch eine Prise Glück. Er hat eine Freundin. Endlich. Und sie verzeiht ihm sogar die kleinen Probleme, die mit dieser Beziehung einher gehen. Überaus problematisch wird es schließlich doch. Niemand darf es wagen, diese Beziehung zu gefährden. Niemand darf es wagen, seine Freundin direkt zu bedrohen. Aber einer findet sich ja immer. So hat der Mann, der die Waffe auf Chus Freundin richtet, bereits sein eigenes Todesurteil unterschrieben. Er weiß es nur noch nicht.

John Layman geht den Beginn des dritten Teils von Chew, dem Bullen mit Biss, mit ein wenig mehr Ruhe an, sieht man einmal von der wegweisenden Einleitung ab. Eiskalt serviert er schließlich den Fortgang der Geschichte, der sich eines alten Bekannten aus dem zweiten Teil annimmt. Chu ist nicht nur gezwungen Undercover zu operieren, er muss sich auch mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, die ihm in seiner Beziehung doch noch ein Bein stellen könnte.

Layman kann nicht leugnen eine Erzählweise zu besitzen, die stilistisch jener eines Quentin Tarantino nahe kommt. Zwei Bilder, die als Hommage auf Reservoir Dogs und Pulp Fiction abzielen, zeigen, dass sich Layman dieses Umstandes sehr wohl bewusst ist. Damit ist gleichzeitig auch klar, wer seinen Spaß an diesem ungewöhnlichen Comic-Thriller haben kann. Die Ausgangssituation, das weltweite Verbot des Verzehrs von Hühnchen (und Hähnchen selbstverständlich) zusammen mit dem außergewöhnlichen begabten Polizisten Chu, dem eine Variante eines Terminators (in Form eines anderen Cops) zur Seite gestellt wird, bietet derartig viel Potential, so dass nur der Erfindungsreichtum Laymans dem ein Ende bereiten könnte. Betrachtet man sich jedoch die einzelnen Kapitel, auch den vorausschauenden Aufbau, dürfte dieses noch sehr lange auf sich warten lassen.

Der Beginn von Kapitel 5 ist nicht nur eine Beleg für die Fähigkeiten des Zeichners Rob Guillory, sondern auch für eine gelungene Seitenkomposition, die gänzlich ohne Worte auskommt. Wie jeder gute Held hat auch Chu seinen Supergegner, der hier ausgerechnet ein Exkollege ist, der dieselben Fähigkeiten wie Chu besitzt. So wird ein Mahl zu einer Reise in die Erinnerungen eines anderen Ichs sehr intensiv dargestellt, bevor die Szenerie, man muss sagen typisch amerikanisch, in das Tohuwabohu eines Familienfestes expandiert.

Rob Guillory hat diesen Zeichenstil nicht erfunden: Wer auch nur mal einen Blick in Cartoons geworfen hat, in alte mit dem rosaroten Panther, auch die Trickfilmzeiten, Sequenzen, in denen die Formen eher krumm, schmal und aufgebläht waren und sind, der wird einen ungefähren Eindruck von Guillorys Arbeit haben. Ganz gleich wie groß eine Struktur ist, so hat sie doch stets etwas Zerbrechliches an sich. Wird ihm genügend Raum eingeräumt, gibt die Szene etwas Humoriges, entsteht wie im Familienfest zu sehen, eine richtig kleine Show. Guillory hat zwar in dieser Episode auch einige rasante Szenen zu zeichnen, doch im Schwerpunkt kann er sein Können in einer krimilastigen und manchmal recht soap-orientierten Erzhlung unter Beweis stellen.

Der dritte Teil konzentriert sich sehr gut auf seine Hauptcharaktere und bindet diese strikt in die fortlaufende Handlung ein: John Layman zeigt, dass jeder zur Zielscheibe werden kann. Ganz (wie) nebenbei baut er seinen Tony Chu weiter aus und verleiht ihm mehr Tiefgang, als man es in einer solchen Produktion erwartet hätte. Sehr unterhaltsam erzählt, ungewöhnlich, mit frischem Humor, der mitreißt. :-)

CHEW, Bulle mit Biss! 3, Eiskalt serviert: Bei Amazon bestellen

Stichwörter: none

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Blutprinzessin

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 19:06

BlutprinzessinDie junge Frau wollte ausspannen, sich erholen. Nach ihren letzten Arbeiten, immer an Brennpunkten, immer in Krisengebieten, ist sie erschöpft, ausgebrannt, leer. Ein Aufenthalt im kubanischen Dschungel, ohne jegliche Ablenkung, soll Abhilfe schaffen. Doch bereits binnen kurzem sind Stille und Nichtstun ebenso erdrückend wie so mancher Kugelhagel, dem sie sich ausgesetzt sah. Ivory Pearl, so der Name der ungewöhnlichen jungen Frau, versucht sich abzulenken. Sie fotografiert die Natur. Eines Tages wird sie Zeuge einer Jagd und entdeckt einen Mann, der zusammen mit einem kleinen Mädchen im Busch lebt. Als er ihr verbietet, Fotos von dem Mädchen zu machen, wird Ivory nicht zum ersten Mal stutzig.

Starke Charaktere: In diesem Comic-Thriller, adaptiert von Doug Headline nach einem Roman von Jean-Patrick Manchette, sind die einzelnen Figuren regelrecht gegeneinander positioniert. Im übertragenen Sinne: Mit gesenkten Köpfen, bereit, um aufeinander zuzurennen. Jean-Patrick Manchette hat sehr interessante Hauptfiguren kreiert. In Zeiten des Kalten Krieges agieren die Sturköpfe hinter den Kulissen. Selbst jene Staaten, die vordergründig Verbündete sind, gönnen einander nichts. Machtkämpfe sind in der Politik und in verschiedenen Systemen ebenso an der Tagesordnung wie in den Hinterzimmern der organisierten Kriminalität. Und manchmal arbeitet man übergreifend Hand in Hand.

Haken schlagen: Privates lässt sich für die Charaktere, allen voran Robert Messenger, Ivory Pearl, Maurer und Negra, kaum vom Beruf trennen. Letztere ist zwar zu jung, um schon einen Beruf auszuüben, eine Aufgabe hat sie dennoch. Messenger, very british, ein Relikt des Zweiten Weltkrieges, der seine Fähigkeiten in den Kalten Krieg hinüber rettet und mehr durch Zufall ein junges Mädchen zu einer Erbin aufbaut. Diese, Ivory Pearl, wird eine starke junge Frau, eine Art Prototyp jener Frauen, die unsere Zeit heutzutage voraussetzt. Maurer und Negra, Beschützer und Köder erinnern zunächst an ein Duo, das im Urwald verloren ging, bis sich zeigt, was wirklich dahinter steckt.

Jean-Patrick Manchette (und natürlich Doug Headline) kostet die Zeitspanne der Hauptgeschichte von 1950 bis 1956 vollkommen aus. Der Unterschied zu Thrillern, die in der Gegenwart spielen, ist offenkundig. Der Zweite Weltkrieg hat seine Spuren hinterlassen. Brennpunkte in Asien wirken viel versteckter als heutzutage. Der Beruf des Kriegsberichterstatters oder Kriegsfotografen hat hier nicht nur etwas abenteuerliches, es rangiert auch in einer Kategorie mit Künstlern, besser Lebenskünstlern. Manchette erschafft mit Ivory Pearl eine Frau, die sich ohne Wenn und Aber ihrem Leben bis zur Erschöpfung hingibt.

Die grafische Umsetzung der Geschichte von Max Cabanes, der für seine Arbeit den Prix PolarEncontre 2010 erhielt, weiß insbesondere durch die Darstellung der Gefühle ihrer Charaktere zu überzeugen. Gleich der Auftakt gibt einen Vorgeschmack auf die kunstvolle Optik, die Cabanes einzusetzen versteht: Zwei Killer stehen sich gegenüber. Eine Lüge steht im Raum. Keiner verzieht eine Miene. Sie ziehen nur ihre Waffen, Pistole und Machete. Dieses Grundgefühl, er oder ich, ist das unterschwellige Thema der Handlung. In einer Welt, in der bereits ein siebenjhriges Kind zum Spielball wird, zählt ein Erwachsener erst recht nicht.

Cabanes will Platz für seine Bilder und nutzt jedes Fleckchen auf der Seite aus, in drei, vier, manchmal fünf Reihen. Möglichst viele Blickwinkel zerren die ernsten Gefühle der Figuren ans Licht. Echte Heiterkeit, Freude ist selten. Cabanes errichtet neben den Szenen im kubanischen Dschungel eine sehr realistisch gezeichnete Welt der 50er Jahre. Gauner, Gangster und Geheimagenten sind vornehm gekleidet. Verhandelt wird in feinen Büros und auf Partys, aber es wird auch munter gemordet. Die Optik ist kühl. Heller und rasanter geraten die umfangreichen Sequenzen auf Kuba, wenn der Dschungel des Kalten Krieges auf den echten Dschungel trifft.

Cabanes legt sich nicht auf eine Strichstärke fest. Zuweilen geraten seine Zeichnungen sehr fein, dann wieder werden Schatten oder Außenlinien sehr grob gesetzt. Die Farbgebung generiert Atmosphäre. Sie ist reduziert, nicht immer mit dem gleichen Realismus eingesetzt wie die Zeichnung. In der Zivilisation ist eher von Abstraktion zu sprechen, während die grüne Hölle treffender koloriert ist und hier auch gerne Farbstimmungen, wie sie in Dämmerungen anzutreffen sind, ausgereizt werden.

Eine dichte Thrillerhandlung, die allein schon durch ihre Charaktere interessant ist, schließlich aber in eine gnadenlose Jagd mündet, in der es für alle Beteiligten nur ums berleben geht. Ist der Auslöser der Geschichte vergleichsweise klein, setzt er dennoch die berühmte Lawine in Gang, die sher schnell unaufhaltsam wird. Nach einer packenden Romanvorlage von Jean-Patrick Manchette, nicht weniger spannend als Comic-Thriller und überaus stimmig illustriert von Max Cabanes. :-)

Blutprinzessin: Bei Amazon bestellen
Oder bei Schreiber und Leser.

Stichwörter: none

Donnerstag, 08. Dezember 2011

Kaplan & Masson 1 - Die Chaostheorie

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:06

Kaplan & Masson 1 - Die ChaostheorieAls die Enola Gay, das amerikanische Bomberflugzeug, seine Atombome über der japanischen Stadt Hiroshima abwarf, war man sich der Zerstörung bewusst. Die Folgen dieser Explosion, auch jener des nachfolgenden Abwurfs über Nagasaki, haben einige wichtige Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kernphysik nachhaltig erschüttert. Niemals wollten sie Menschen durch ihre Arbeiten töten. So bildet sich ein Kern aus Wissenschaftlern heraus, die eine Initiative gegen diesen Wahnsinn ins Leben rufen wollen. Der Gedanke: Wenn sich einige der intelligentesten Köpfe zusammenfinden und ihre Standpunkte vor den politischen Vertretern dieser Welt darlegen, diese vielleicht sogar überzeugen können, könnte eine Wende eingeleitet werden, die aus dem Kalten Krieg herausführt.

Nathan Masson, selbst Physiker, erkennt die Brisanz dieses Plans erst, als ein Bekannter ihn nach dem Selbstmord des führenden Kopfes der Initiative, Alfred Bernstein, bittet, ihm zu helfen. Kurz darauf schaltet sich auch Etienne Kaplan, Colonel des französischen Geheimdienstes, in den Fall ein, denn als ein weiterer Anschlag geschieht, steht es außer Frage, dass im Falle Bernsteins von Selbstmord keine Rede mehr sein kann.

Didier Convard kennt sich als Autor mit kniffligen und rtselhaften Thrillern aus (Das geheime Dreieck). Zusammen mit Jean-Christophe Thibert (Zeichner) erzählt er eine Geschichte aus der Frühphase des Kalten Krieges. Convard bedient sich hierbei der realen Kulisse. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges werden übernommen. Ehemals real existierende Wissenschaftler werden nachgeahmt und sind durch ihre jeweilige Beschreibung erkennbar. So steht Alfred Bernstein für Albert Einstein (der allerdings ein vollkommen anderes Schicksal erlitt, als der hier gezeigte Atomphysiker).

Die 50er Jahre erwachen zu neuem Leben: Didier Convard bringt die Entschleunigung in den Thriller zurück. Ganz gleich ob Roman, Film, auch Comic, moderne Thriller nutzen die Geschwindigkeit der heutigen Zeit. Informationen jagen voran, Fahrzeuge brechen Geschwindigkeitsrekorde. Hoch spezialisierte Technik stellt den menschlichen Akteur zuweilen ins Abseits. Nathan Masson und Etienne Kaplan müssen planen, nachdenken, vorausschauen, manchmal sind sie auch den Ereignissen ausgeliefert. Es ist eine andere Zeit, in der Convard den Thriller wie ein Schachspiel anlegen und Zug um Zug erzählen kann.

Feine Hauptfiguren: Kaplan und Masson haben sicherlich ihren Charme, werden von Convard aber in der Balance zum Rest der Handlung gehalten. Schön ist die Herausarbeitung von Masson, dem es nicht gelingt, seiner Sekretärin zu widerstehen. Kaplan ist hingegen ein Lino Ventura in seiner Rolle als Polizist, sehr professionell, vielleicht besser aussehend. Jean-Christophe Thibert spielt als Illustrator mit dieser Epoche, mit all den wunderschönen Dingen, die diese Zeit zu bieten hatte.

Das Paris jener Tage ist bis heute beinahe zeitlos, die Ausstattung von Räumen (sehr liebevoll inszeniert), der Verkehr auf den Straßen: Polizisten, die mit der Isetta anrücken, eine halsbrecherische Fahrt auf einer Vespa mit Beiwagen. Ein Unternehmer mit Hypochondrie nimmt optisch eine Figur wie Dr. No vorweg (nur in einem anderem Zusammenhang). Thibert zeichnet mit einer exakten Linie, ahmt nichts nach. Wenn er einen Gegenstand zeichnet, dann hat dieser auch genauso ausgesehen. Mit dieser klaren Linie gelingen ihm sogar glänzende Charakterköpfe. Die Kolorierung kommt mit einer Schattierung aus, aber mehr braucht es für diesen haargenauen Aufbau auch nicht.

Ein richtig toller Thriller-Blick in die 50er Jahre: Eine spannende Geschichte, in der Didier Convard den Leser manchesmal etwas mehr wissen lässt als die Hauptfiguren. Eine phantastisch gelungene Illustration, sehr präzise, fast ein kleines Fenster in die Vergangenheit von Jean-Christophe Thibert. Aufregung und Charme, eine kleine Hommage an die Thriller eines großen französischen Kinos, eine große Hommage an eine Welt im Wandel. :-)

Kaplan & Masson 1, Die Chaostheorie: Bei Amazon bestellen

Stichwörter: none

Samstag, 03. Dezember 2011

BLACKJACK 2 - Laura

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 16:23

BLACKJACK 2 - LauraDas Geld ist weg. Geklaut. Für ein paar kleine Jungen war es auch nicht die richtige Aufgabe. Kleine Jungen sollten kein Geld transportieren. Kein Wunder also, dass es geklaut wurde. Aber die kleinen Jungen in diesen Tagen, in den 1930er Jahren, wollen sich ihren Platz in dieser Welt auch erobern. Und so fassen sie einen Plan. Wenn dieses Geld verschwunden ist, dann müssen sie es sich woanders zurückholen, im Austausch sozusagen, damit ihnen Toto Moreno, der Gangster, der ihnen eine Chance gab, vergibt. Alfonso, der heimlich Anführer der kleinen Gruppe, beschafft sich sogar eine Pistole und bringt alle damit in Teufelsküche.

Steve Cuzor erzählt die Geschichte um Alfonso, Peanuts, Vitto und Kröte fort. Die Vereinigten Staaten sind im Wandel, Chicago ist ein Hort des Verbrechens. Der neue Präsident Herbert Hoover gibt seinem Chefermittler J. Edgar Hoover, dem Direktor des FBI, den Auftrag, Scarface zu schnappen. Der berüchtigte Gangster Al Capone wird zur Chefsache. Die Übersicht über diese Gangsterjagd haben die Jungen nicht. Sie wissen, dass die Welt, in der sie leben, gefährlich ist. Für ihr Problem suchen sie eine einfache Lösung. Leider schlittern sie dadurch noch tiefer in den Schlamassel.

Cuzor, der hier Autor und Zeichner gleichermaßen ist, zieht die unsichtbare Schlinge um seine vier kleinen Helden immer enger. Als Leser, der über alle Details Bescheid weiß, fühlt man mit, möchte zeitweilig warnen und natürlich entwickelt man eine Vorliebe für die eine oder andere Figur, allen voran Peanuts, der durch Ängstlichkeit und Ungeschicklichkeit stets vom Regen in die Traufe taumelt. In Cuzors Bildern werden die schwarzweißen Ansichten jener Tage lebendig, ein wenig mit dem Flair der Geschichten um Huckleberry Finn und Tom Sawyer..

Ovale Kindergesichter mit großen Augen und ausdrucksstarken Schneidezähnen, gekleidet wie kleine Erwachsene: Schwungvolle Striche bilden diese Figuren nach, sparsam gestrichelt in den Schattenflächen. Pausbäckig stehen sie vor dem Betrachter, mal ängstlich, mal energisch, mal nachdenklich. Die Erwachsenen, sicherlich individueller gestaltet, verblassen vor diesen Akteuren, von denen Steve Cuzor nicht nur mit viel Herz erzählt, sondern sie auch mit ebenso viel Energie zeichnet. Laura, der Untertitel der zweiten der vier Folgen der kleinen Reihe, ist die gleichaltrige Herzdame Alfonsos. Ihr Blick ist längst erwachsen. Als Charakter wird sie immer wieder getroffen, bis nichts, so scheint es, ihren über Jahre gewachsenen Panzer noch aufbrechen oder erschüttern kann.

BLACKJACK hat in keiner Weise etwas von einer lustigen Abenteuergeschichte. Da die Erwachsenen mit so großer Leichtigkeit in dieser Zeit sterben, die Polizei bei der Aufklärung der Morde machtlos zu sein scheint (oder bei entsprechender Bezahlung wegschaut), wissen die Jungen ganz genau, dass ihr Leben erst recht nichts gilt. Atmosphärisch finden sich Cineasten hier auf den Spuren eines Es war einmal in Amerika wieder. Einige Gangster stechen optisch hervor und fesseln den Leser, manche Szenen sind sehr dicht inszeniert und fast surreal ausgeleuchtet. Von Szene zu Szene entkernt Cuzor dieses alte Chicago, bis am Ende kein Erwachsener mehr schuldlos dasteht.

Wer Kriminalgeschichten mag, Jugendabenteuergeschichten, die sich nicht mit falscher Heiterkeit aufhalten oder suggerieren, dass doch noch alles gut wird, vor allem aber einen spannenden Blick in die Ära vor rund 80 Jahren werfen möchte, könnte hier mit dieser liebevoll erzählten und illustrierten Geschichte richtig liegen. :-)

BLACKJACK 2, Laura: Bei Amazon bestellen

Stichwörter: none

Freitag, 25. November 2011

SMOKE CITY 2

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 15:35

Smoke City 2Eben noch lief alles zur Zufriedenheit, plötzlich spielt das alles keine Rolle mehr. Die Bande wurde verraten, der Coup ist aufgeflogen. Jeder einzelne der Gang findet sich auf einem Stuhl in einem Büro der Polizei wieder. Einige begegnen den Polizisten in der Vernehmung mit Arroganz. Andere resignieren ganz offen. Keiner hatte mit diesem Ausgang des Coups gerechnet. Derweil ist draußen einer von ihnen noch unterwegs und bringt die Angelegenheit zu Ende. Cole Valentine begegnet dem Auftraggeber Mr. Law jedoch mit Misstrauen. Zu Recht, denn da er derjenige ist, der den Rest der Bande an die Polizei ausgeliefert hat, weiß er nur zu gut, wie wichtig eine Absicherung bei solchen Arrangements ist. Lebenswichtig.

Im zweiten und abschließenden Teil von Smoke City verzahnen sich die Elemente aus Thriller und Gruselgeschichte noch mehr ineinander. Die beiden Autoren Benjamin Carre und Mathieu Mariolle haben eine Mixtur entwickelt, in der sich Aspekte von Metropolis finden, Reservoir Dogs, ein wenig Mumie und Spuren des Exorzisten. Es ist eine sehr gefällige Mischung, manchmal auch surreal, wie diese düstere Stadt, die auch eine Kleinigkeit der Dunkelheit einer Welt wie in Dark City mitbringt.

Gerade letzter Eindruck wird von dem Charakter des Mr. Law gestützt, im mumifizierten Aussehen von John Malkovich auftretend. Er ist böser Geist, mieser Unternehmer, Gangster, Hexenmeister, auch Mumie, wenn man will, in Personalunion. Er ist die Figur für Überraschungen, von der nie so recht gesagt werden kann, ob es nun mit ihr zu Ende ist oder nicht. Vergleicht man Mr. Law mit Star Wars (nein, der Vergleich hinkt nicht), finden sich Parallelen zu jenen Szenarien, als der Imperator nach seinem offiziellen Tod in Roman und Comic zurückkehrte. (Wer beides kennt, Comic hier wie dort, wird die Parallele sofort erkennen. Allen anderen soll nicht zuviel verraten werden.)

Benjamin Carre, der auch als Zeichner und Kolorist diesen Band betreut, zeichnet in einer Art, die Fotorealismus vortäuscht und sogar Anklänge von 3D-Optik, also konstruierten Objekten, mit sich bringt. Gleichzeitig wird der Film Noir heraufbeschworen, natürlich nicht in Schwarzweiß, dennoch finden sich die Bildkompositionen wie auch die Theatralik, die den damaligen Inszenierungen innewohnte. Fritz Langs Metropolis war höchst inspirierend für die Stadt, während Malkovich nicht allein Pate für Mr. Law war. Vielmehr könnte hier auch Murnaus Nosferatu Anreize gegeben haben.

Klar ist hier schon, wie atmosphärisch die Optik dieses Zweiteilers ist. Interessant ist schließlich noch der Dämon im Hintergrund, der wie eine vorsichtige Verbeugung vor den Kreaturen eines H.P. Lovecraft wirkt. Uralt, schlafend, mit Tentakeln bewehrt und hinter einer Maske schlafend. Das Design der Maske erinnert an Serienmonster aus jüngeren Horroserien, ist aber vergleichsweise harmlos und deshalb auch umso einprägsamer, da es sich wie ein Stilbruch vom Rest der Gestaltung abhebt.

Sehr spannend und wunderbar in sich geschlossen. Eine gelungene Mixtur verschiedener Genre-Richtungen, sehr fein illustriert, durchweg mit düsterer Stimmung erzählt. Und wer weiß? Vielleicht kommt die Gang noch einmal zusammen. :-)

Smoke City 2: Bei Amazon bestellen

Stichwörter: none

Mittwoch, 02. November 2011

Assassins Creed 2 - Aquilus

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:34

Assassins Creed 2 - AquilusDer Kampf der Römer gegen die Barbaren hat einen für die kampferprobte Weltmacht unerwarteten Ausgang genommen: Die Römer haben die Schlacht verloren. Nun setzen einige Krieger auf dem Schlachtfeld bei den noch wenigen Überlebenden den Todesstoß an. Doch ein Mann, dessen Tod man bereits sicher wähnte, wird schwer verletzt zwischen all den Leichen gefunden. Wieder daheim hat der Mann mit dem Namen Aquilus nur einen Gedanken: Rache. Wer könnte ihn verraten haben? Im Schutze der Nacht schleicht er sich über die Dächer und dringt in ein Schlafgemach ein. Der überraschte Mann hat keine Wahl: Er gibt den Verräter preis.

Mächtige Artefakte: Sie sind das Etappenziel hin zur Beherrschung der Menschheit. Ihr Name: Edensplitter. In den Gegenwartsbeschreibungen des vorliegenden zweiten Bandes der Trilogie könnte, hätte nicht Eric Corbeyran die Handlung geschrieben, auch ein Regisseur wie Luc Besson (z.B. Nikita oder Das fünfte Element) das Zepter geführt haben. Während Desmond, in einer Apparatur sitzend in der Vergangenheit forscht, auf der Suche weiteren Informationen, die bei der Beschaffung der Artefakte nützlich sein können, geht die Jagd draußen weiter.

Der Handlung in der Vergangenheit, genauer im Römischen Reich, kommt eine weitaus größere Bedeutung zu als noch im ersten Band. Aquilus, wie das andere Ich von Desmond in dieser Zeitspanne heißt, erhält nicht nur neue Hilfsmittel bei seiner Suche, der Leser darf auch einen Abstecher in sein Zuhause machen. Es ist ein Moment der Ruhe, der nicht lange dauert. Eric Corbeyran zeigt nmlich, dass die Ausflüge von Desmond in der Gegenwart Folgen haben.

Die kühle Architektur aus dem ersten Band ist der Natur und einer rasanten Verfolgungsjagd gewichen. Nachtszenen, in denen der Assassine, der Attentäter, in seinem eigentlichen Element ist, beherrschen einen großen Teil der vorliegenden Handlung. Das römische Szenaro, jene Abschnitte, die von der Vergangenheit des Aquilus erzählen, reizt hierbei diesmal ganz besonders, da sich hier mehr Gefühl findet, als in den Sequenzen, die in der Gegenwart handeln. Die Figur des Aquilus ist deutlich mehr eingebettet und mit Hintergrundgeschichte versehen als jene des Desmond, der letztlich nur nacherleben und nichts mehr ändern kann.

Alles Technische, auch Gebäude werden mit großer Sorgfalt abgebildet, präzise, mit dem Auge eines Kulissenbauers. Hier könnte Zeichner Djillali Defali durchaus Vergleichen zu modernen Storyboards standhalten, in denen bereits jede noch so kleine Kamerafahrt exakt vorgegeben ist. Und Film ist das Stichwort: Sicherlich ist ein Computerspiel die Vorlage und die Macher des Comics hatten bestimmten Vorgaben zu folgen, die Einflüsse jüngerer Sehgewohnheiten auf der Kinoleinwand lassen sich jedoch sehr gut an den sehr strukturiert aufgebauten Bilderfolgen ablesen.

Die Gesichter, die von Djillali Defali entworfen werden, sind nicht ganz so individuell, wie sich die restlichen Bestandteile der Illustrationen darstellen. Mitunter könnten Gesichtsausdrücke mehr Nuancen aufweisen, denn emotional geht es in weiten Teilen der Handlung auch zur Sache. Ansonsten würde diese kleine Schwäche kaum auffallen.

Desmond Niles hat seine Rolle innerhalb des geheimen Krieges angenommen: Längst ist er kein Neuling mehr. Autor Eric Corbeyran hat die Geschwindigkeit der Geschichte einerseits angezogen, andererseits durch eine Verringerung von Handlungsorten auch verdichtet. Eine filmisch gestaltete Bildfolge von Djillali Defali macht aus dem zweiten Teil der Trilogie spannendes Action-Kintopp im Comic-Format. :-)

Assassins Creed 2, Aquilus: Bei Amazon bestellen

Stichwörter: none

Assassins Creed 1 - Desmond

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:32

Assassins Creed 1 - DesmondAquilus reitet langsam zum römischen Lager. Zwar erklärt er, eine Nachricht für General Gracchus zu haben, doch so recht glauben, will ihm niemand. Der Assassine wird dennoch zum römischen Heerführer vorgelassen. Die Bewachung ist streng, Schwerter sind direkt auf seinen Kopf gerichtet. Der General hat sich seine eigene Meinung zu dem Mann gebildet, der sich kühl und beherrscht gibt und nicht zu begreifen scheint, in welcher Gefahr er sich befindet. Im nächsten Augenblick spielt die Situation keine Rolle mehr. Ein roter Vorhang zieht sich zu. Ein Mann kehrt in die Gegenwart zurück. Diese Szene ereignete sich in ferner Vergangenheit und ist bloß noch eine Erinnerung. Wenn auch eine von großer Intensität.

Mr. Niles, der Mann, dem es gelingt, mit seinen Erinnerungen derartig weit abzuschweifen, liegt im Dämmerzustand auf einer unbequemen Unterlage und hört nicht, wie sich einige Menschen um seine körperliche Zukunft Gedanken machen. Kurz: Ob sie ihn noch brauchen können oder besser entsorgen und sich ein neues, besseres Versuchsobjekt suchen. Das Leben von Mr. Niles hängt am seidenen Faden und diesmal ist es keine Erinnerung.

Menschen mit Verbindung zur Vergangenheit: Ihr Wissen ist kostbar, nur haben sie selbst nichts davon. Desmond Niles ist ohne es zu wollen in einen zwischen Templern und Assassinen hineingeraten. Die Auseinandersetzung spielt sich seit Jahrhunderten hinter den Kulissen der gesellschaftlichen Ereignisse ab. Der Reiz der Geschichte entsteht durch den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Im Labor wird Desmond stets aufs Neue in die Vergangenheit geschickt, nicht einmal nur in eine Epoche, nein, gleich in mehrere und an wechselnde Orte. Auf den ersten Blick mag das ein wenig verwirrend sein, da Eric Corbeyran, der Autor, nur zögerlich das Geheimnis um die Zeitsprünge lüftet.

Die Assassinen: Desmond, der zwar in der Gegenwart als Barkeeper arbeitet, gehört dennoch dieser uralten Sekte an. Die Erinnerungen, die hier abgerufen werden, sind spektakulär, sicherlich auch modern gezeigt, wie es sich für die Darstellung von Action heutzutage gehört, aber sie sind bei weitem nicht so überbordend, wie es sich ebenfalls eingebürgert hat. So findet das Auge in den feinen Zeichnungen von Djillali Defali genügend Halt, auch um den Gesamteindruck gebührend zu genießen.

Der Strich von Djillali Defali trägt einer modernen Optik Rechnung, ist sehr realistisch und hätte auch in Zusammenarbeit mit bekannteren Thriller-Autoren wie Christophe Bec (Prometheus) eingesetzt werden können. Die Hintergründe in der Gegenwartsdarstellung sind sparsamer gezeichnet. Kühle Architektur lässt Raum für die Intrigen im Vordergrund. Wärmer werden die Bilder in der Bar, in der nächtlichen Stadt, aber auch besonders in der Vergangenheit, die durch Farbe und Ausstattung jeweils eine sehr schöne und intensive Atmosphäre verströmen.

Obwohl ein Spiel die Vorlage des Comics bildet, ist keinerlei Kenntnis desselben notwendig. Nach und nach erschließt sich ein Geheimnis in diesem ersten Band einer Trilogie, aber nicht vollends, denn durch die rückwärts gerichteten Zeitsprünge erweitern die neuen Informationen das Rätsel noch. Wer es mystisch, mysteriös und mit einer ordentlichen Portion Action sowie einer Prise Science Fiction versehen mag, der sollte einen Blick in diese toll illustrierte Geschichte werfen. :-)

Assassins Creed 1, Desmond: Bei Amazon bestellen

Stichwörter: none

Donnerstag, 27. Oktober 2011

THE WALKING DEAD 14 - In der Falle

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:36

THE WALKING DEAD 14 - In der FalleDouglas hat den Glauben an sich verloren, an seine Idee eines Neuanfangs. Die abgeschottete Sicherheit hat nicht funktioniert. Die Gefahr kam von innen. Seine Frau ist tot. Douglas ist froh, dass es wenigstens einen Rick Grimes gibt, dem es gelingt, die Menschen um sich herum zu motivieren und anzuleiten. Douglas selbst will nicht mehr. Die Stimmung innerhalb der Gemeinschaft ist nach den Vorfällen der letzten Zeit allgemein nicht gut. Es fehlt an Hoffnung. Kleine Erfolge sind nicht in Sicht. Und die allseits vermittelte Sicherheit, das zeigt sich allzu bald, ist trügerisch. Die Zäune wurden zwar mit viel Elan errichtet, doch dafür wurde umso weniger Sachkenntnis angewendet. Und die Untoten warten bloß auf ihre Gelegenheit.

Robert Kirkman räumt auf! Nicht auf Anfang, aber auch nicht auf Los! Robert Kirkman, der Autor von THE WALKING DEAD schließt wieder eine Runde ab. Die Helden, die der Leser bisher verfolgen durfte, kamen zuletzt in einer kleinen Siedlung an. Strikt abgeschirmt von außen, war es für die Neulinge in dieser Gruppe eine große Umstellung. Das Leben sollte auf einmal friedlich sein (war es natürlich nicht), es sollte Normalität einziehen (auf eine gewisse Art tat es das), doch so richtig konnte die alte Welt nicht mehr beschworen werden. Zu viel war geschehen. Die Neulinge in der Siedlung unterlagen einer ständigen Nervosität, hervorgerufen durch ein lang erlerntes (und berechtigtes) Misstrauen.

Nun ist es also wieder so weit! Nach einigen Menscheleien, auch Schwierigkeiten aus der alten Welt, denen man nun nicht mehr mit alten Verfahrensweisen begegnen kann, melden sich die Monster der neuen Welt mit alle Gewalt zurück. Die kleine Siedlung wird von Robert Kirkman an den Rand des Untergangs getrieben. Eine Autorenaufgabe ist der sorgsame Aufbau von Charakteren und die anschließende, meist versuchte Vernichtung derselben. Die Figuren, allen voran Rick Grimes, der ehemalige Polizist, oder Michonne, die Frau mit dem Samuraischwert, wehren sich inzwischen gegen ihren Untergang. Aber Kirkman wäre nicht Kirkman, würde den Leser nicht bis zum Schluss darüber im Unklaren lassen, ob es ein hoffnungsvolles Ende gibt oder eben nicht.

Charlie Adlard kann den Zusammenbruch nach einer relativ kurzen Einleitung starten. Nicht nur die Untoten, sondern auch der ganz normale Jahresablauf fordert seinen Tribut. Der Winter steht vor der Tür. Schneeflocken fallen. In der mittlerweile versierten Schwarzweiß-Optik entspinnen sich einige menschliche Dramen, die durch ihre Erzählung nicht weniger spannend sind als das Aufeinanderprallen von Menschen und Untoten in den letzten beiden Dritteln des vorliegenden 14. Bandes.

Adlard legt den Schwerpunkt der Arbeit auf die Charaktere. Hintergründe spielen hierbei eine untergeordnete Rolle. Innerhalb von Räumen wirken Schatten, geben ein wenig Tiefe. Ein Möbelstück sorgt für Räumlichkeit. Außen sind es nur wenige Details, die helfen, eine Perspektive aufzubauen. Der Leser gewinnt sehr schnell den Eindruck, überall nahebei zu sein. Frontal, seitlich, von schräg oben oder auch aus einem versteckten Blickwinkel, der dem Leser suggeriert, er sei heimlich dabei. Inmitten der Kämpfe gibt es häufiger einen gnädigen Abstand auf das ebenso gnädige Schwarzweiß.

Das Aussehen der Untoten, eigentlich einmal ein Blickmagnet, gerät deutlich in den Hintergrund. Die Blicke der Akteure sind viel wichtiger geworden. Sie haben Angst, sie treffen Entscheidungen, auch unbarmherzige. Das ist szenisch packend, rasant und messerscharf eingefangen. Manche Sequenzen sind ein Atemanhalter. Einzig die Texte, wenn auch gering gesetzt in solchen Momenten, bremsen das Umblättern aus. Am Ende geht es um Alles oder Nichts. Die Bildfolge insgesamt wäre auch als Stummfilm lesbar (und verständlich).

Und wieder ist alles offen: Robert Kirkman hat den Trick hinbekommen, jedes Ende völlig lose im Raum stehen zu lassen. Sich auszumalen, wie es weitergeht, ist unmöglich. Nachdem wieder ein Handlungsstrang besiegelt scheint, kann der Leser nur auf den nächsten Band warten, um zu sehen, die Überlebenden den Winter überstehen werden. Eine geniale 14. Episode, aber nichts für Leser, die mit dem Horror-Genre nichts anfangen können. :-)

THE WALKING DEAD 14, In der Falle: Bei Amazon bestellen

Stichwörter: none

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Schmetterlingsnetzwerk 2 - Herr Mond

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 10:46

Schmetterlingsnetzwerk 2 - Herr MondEustache und Mücke haben überlebt. Wie hoch der Glücksfaktor dieses Entkommens war, zeigt sich bei ihrer Flucht und dem anschließenden Versteckspiel. Der Feind scheint seine Augen und Ohren überall zu haben. Ihr Überleben kann nur gelingen, falls sie die Stadt verlassen können. Je besser die finanzielle Lage für solch eine Flucht ist, umso besser ist es auch. Nur haben Eustache und Mücke dieses Geld nicht. Wie gut, dass sie Diebe sind. Und genau das ist ihr Problem, denn gegen die Brutalität und Skrupellosigkeit ihrer Gegner haben sie keine Chance. Zunächst jedenfalls.

Der zweite Teil von Schmetterlingsnetzwerk lebt von einer noch besseren Darstellung seiner Charaktere. Die beiden Diebe Eustache und Mücke sowie die Prostituierte Zibeline sind sehr unterschiedliche Figuren. Sie sind keineswegs eine eingeschworene Gemeinschaft. Liebe wird nicht erwidert, noch scheint Dankbarkeit ein Grund für Zuneigung zu sein. Für Mücke ist die fremde Frau einfach nur ein Störfaktor. Der lange Dieb (Eustache) und der zwergwüchsige Dieb (Mücke) besitzen außerdem eine vollkommen andere Gefühlslage. Besticht Eustache noch durch einen gewissen Optimismus, hat Mücke sich eher mehr als weniger dem Schwermut (zuweilen auch dem Alkohol) ergeben.

Eric Corbeyran und Cecil teilen sich die Autorenschaft an dieser Reihe, die in eine Zeit entführt, die optisch vor dem Ersten Weltkrieg angesiedelt ist. Kleine Nachrichtenplakate künden außerdem von einem drohenden Grenzkrieg. Die Stadt mit ihrem güldenen Licht ist der heimliche Nebendarsteller. Immer glänzt sie metallen, erstrahlt kupferfarben, wie die kleine Schwester von Metropolis, kein urbaner Dschungel, mehr ein Schloss mit tausend Schlössern. Diese Umgebung verheißt eine gewisse Magie. Doch so schön sie ausschaut, so lauert doch hinter diesen prächtigen Kulissen etwas sehr, sehr Böses.

Eric Corbeyran und Cecil haben ihre Helden in einen Kriminalfall geschickt, der sie mit der Herstellung von Snuff-Videos in Verbindung kommen ließ, will man die moderne Bezeichnung dieser düsteren Legende nutzen, da hier natürlich noch die guten alten Filmrollen zum Einsatz kommen (noch dazu als Stummfilm). Im Ergebnis bleibt es jedoch das Gleiche: Zur Unterhaltung zahlender Kunden wird Folter und Mord an Frauen auf Film gebannt. Es ist eine Welt, die in ihrer Düsternis auch einem Autoren wie James Ellroy eingefallen sein könnte. In dieser Welt existiert keine weiße Weste, auch bei der Polizei nicht.

In dieser Welt, die gegen den Strich dieser Düsternis gestaltet ist, die optisch mehr die Heiterkeit eines Verneschen Abenteuers besitzt, existieren nur wenige Lichtblicke, die meist durch Aufopferung zustande kommen. Mitgefühl und Beistand sind noch nicht tot. Aber sie sind schwer zu finden, denn wer andere beschützt, riskiert hier sein Leben. Diese Aussage irritiert umso mehr, da die Figuren einen leichten Knuffigkeitsfaktor besitzen. Nicht nur der kleine Mücke, auch der Drahtzieher im Hintergrund strahlen diese Tendenz aus. DerBaron, der eigentliche Feind der beiden Diebe, könnte, hätte er weiße Haare, sogleich als Weihnachtsmann auftreten. Es ist dieses Sich-Entziehen gängiger Klischees, das bewusste Entgegenstellen unerwarteter Bilder, die die Spannung im zweiten Teil untermauern.

Sehr finster, noch spannender als der erste Teil mit zwei ausgezeichneten Hauptfiguren, einer ungewöhnlichen Freundschaft vor einer tollen Kulisse. Sehr gut. :-)

Schmetterlingsnetzwerk 2, Herr Mond: Bei Amazon bestellen

Stichwörter: none