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Comic Blog


Montag, 27. März 2006

Im Portrait: Barbara Lillge

Filed under: Die Künstler — Michael um 20:06

Barbara Lillge lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist freie Kinderbuchautorin und engagiert sich u.a. im Epilepsie-Elternverband.

Du hast eigentlich Sozialarbeit, Philosophie und Musikwissenschaften studiert und hast u. a. als Chorleiterin gearbeitet. Wie kamst Du dazu, Kindergeschichten zu schreiben?

Als mein erstes Kind geboren wurde, lernte ich in der Klinik eine Mutter mit Waldorf-Vergangenheit kennen. Sie hatte schon zwei ältere Jungen. Zu jedem Geburtstag unserer Kinder spielten wir Kasperletheater. Außerdem zu allen Festen und in den Sommerferien bei den Malklassen. Wir schrieben die Texte und manchmal die Musik selber. Mit den Kindern malten wir die Bühnenbilder.
Als die Kinder älter wurden spielten wir in deren Kindergärten und später in der Grundschule. Als Gernot 8 Jahre alt wurde und wir nach Bayern zogen, spielten Gernot, Dagmar und ich in der Nachbarschaft, Grundschule, Bibliothek, Geburtstagen, allen Feiertagen und später auch zu Gesundheitstagen.

Welche Kindergeschichten sind Deine Lieblingsgeschichten?

Sogenannte Geschichten, die das Leben schreibt. Wenn ich als Oma mit meinem (leider gerade verstorbenen Hund) Hannibal spazieren gehe und ungewöhnliche Geschehnisse mit Kindern erlebe. Aber natürlich auch wundersame Geschichten von lila Drachen und einer singenden Kobra auf Tournee durch die Welt.

Im nächsten Programm von Pau Pau wird eine Geschichte von Dir veröffentlicht, in der es um eine kleine Prinzessin und laut krächzende Raben geht. Wie findet bei Dir der Prozess der Ideenfindung statt?

Die Geschichten sind in mir und kommen raus, wenn mich jemand (am liebsten ein Kind) danach fragt. Manchmal sehe ich ein Problem, wie Übergewicht, und dann fließt eine Geschichte raus. Alle Geschichten haben die Länge eines Kasperletheaters, so sind sie in meinem Kopf. Jetzt habe ich angefangen, auch Erzählungen für Jugendliche zu schreiben. Das fällt mir aber schwerer, weil die Geschichte viel Researcharbeit erfordert und dann einige Begebenheiten ausgewählt werden müssen und in eine gestraffte Erzählung geschrieben werden müssen. So habe ich eine Zeitreise in die Hammurabizeit (ca. 1700 v. Chr.) geschrieben.

Welchen Anspruch hast Du an Deine Kindergeschichten?

Sie sollen einen „warmen“ Charakter haben, Kinder ernst nehmen, ein Problem lösen. Das Kind soll sich in der Geschichte geborgen fühlen.

Gibt es ein Projekt, dass Du unbedingt mal machen willst?

Ich würde gerne eine Reihe von Kinderbüchern über verschiedene gesundheitliche Probleme oder Behinderungen schreiben. Die Bücher sollten in Kindergärten und zu Hause vorgelesen werden, wenn eine genannte Behinderung oder chronische Erkrankung bei einem Kind erkennbar wird.
Gerade habe ich für ein Manga-Cartoon die Texte geliefert, so etwas würde mir auch Spaß machen.

Mehr Informationen gibt es unter:
www.epilepsie-elternverband.de

Quelle: Pau Pau Productions
Interview-Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung

Donnerstag, 16. März 2006

Der siebente Code

Filed under: Abenteuer,SciFi — Michael um 21:40

Yoko Tsuno 24 - Der siebente CodeDas in gefährlichen Abenteuern erprobte Team mit Yoko, Vic und Knut ist zum Amazonas aufgebrochen. Die drei folgen einer Einladung zu einem Schachturnier. Yoko ist außerdem in Begleitung ihrer Tochter Morgentau, die von ihrer Mutter auch sogleich ins nächste Abenteuer mitgerissen wird.
Dabei fängt alles so harmlos an. Sicherlich, Emilia, die Tochter ihres Piloten ist ein richtiger Tausendsassa und fliegt bereits mit 14 Jahren wie der Teufel. Klar, die Entführung von Vic und Knut stand auch nicht auf dem Plan. Auch die Gräfin, eine alte Bekannte von Yoko, ist in diesem Fall nur für eine Menge Ärger gut. Und Rasputin kann eine echte Nervensäge sein.

Als Yoko versucht, ihre Tochter wieder zu finden, schlittert sie immer tiefer in ein Abenteuer, mit dem sie in diesem Teil der Welt einfach nicht rechnen konnte. Tief im Dschungel befindet sich eine alte Fabrik, deren Zweck zunächst unbekannt ist. Je mehr Yoko und ihre Freunde jedoch erfahren, umso mehr wird deutlich, wie sehr ihr Abenteuer zu einem guten Ausgang gebracht werden muss, soll nicht eine riesige Katastrophe ihr aller Ende bedeuten.

Die Technik und überaus exakte Zeichnungen waren von jeher ein Markenzeichen der Serie. Roger Leloup ist ein herausragendes Beispiel für die frankobelgischen Comickünstler. Details werden hier keinem Zufall überlassen. Fahrzeuge jeglicher Art, Gebäude, Hintergründe, stets hinterlassen die Bilder einen filmischen Eindruck. Der optische Augenschmaus mischt sich bei Yoko Tsuno mit phantastischen Einflüssen, die stets mit großer Fingerfertigkeit in die Realität eingebunden werden. Seien es gruselige Elemente, Science Fiction oder auch Thriller-Anteile, immer verbindet sich die technische Raffinesse der Wirklichkeit mit den Ideen von Leloup aufs Trefflichste.
Für mich hat die Serie ein gleich bleibendes hohes Niveau und auch der vorliegende Band Der siebente Code reiht sich nahtlos in diese feine Comicserie ein.

Die Geschichten um Yoko Tsuno ziehen Elemente so heran, dass eine Handlung nie vorhersehbar wird. Was im 24. Band als Auftakt zu einem privat organisierten Schachturnier im Amazonasgebiet beginnt, wird alsbald zu einer Geschichte, die tief in die Vergangenheit greift und später phantastisch und beinahe apokalyptisch wird. Eine uralte Fabrik tief im Dschungel erhält durch die Handlung den Anschein eines verwunschenen Tempels und auf gewisse Weise haust in ihm auch ein furchtbarer Gott – ein Vergleich, der gar nicht so weit hergeholt ist. (Mehr soll nicht verraten werden, aber ein, zwei bestimmte Science Fiction Geschichten kennt, wird diesem Vergleich sofort zustimmen.)

Im Gegensatz zur Technik haben Leloups Figuren in der Yoko Tsuno Reihe stets etwas Puppenhaftes. Sie sind weit davon entfernt jenes übermenschliche Aussehen zu haben, was sich in vielen Comics seit zig Jahren findet. Ich finde sie sehr menschlich gelungen, obwohl sie etwas Künstliches haben. Künstlich heißt jedoch nicht, dass sie unsympathisch sind: Das Gegenteil ist der Fall. Ähnlich wie der Leser es zum Beispiel von Tim und Struppi her kennt, zieht Yoko Tsuno einen großen Teil des Charmes (den die Geschichten wahrhaftig besitzen) aus ihren wirklich liebevoll angelegten Charakteren. Selbst neue Figuren, wie die der draufgängerischen 14 Jahre alten Emilia, wachsen einem schnell ans Herz.
Die zeichnerische Darstellung der Menschen hat sich etwas verändert. Sie ist nicht mehr so glatt wie früher. Wer die Bilder aus den ersten Alben mit dem des aktuellen Bandes vergleicht, wird den Unterschied schnell sehen. Es ist immer noch Leloup, aber gereifter, man könnte auch sagen: Yoko ist erwachsen geworden. (Angesichts ihrer Tochter kein abwegiger Gedanke.)

In der Reihe findet sich immer ein, na, ich nenne es einmal Betthupferl. Das ist häufig etwas ganz Besonderes. In diesem Fall ist es der Zar. Das kleine Fluggerät, irdischen Ursprungs diesmal, erinnert an die technischen Errungenschaften des Volkes von Vinea. Vielleicht ist es Leloups eigene Hommage an sich selbst. Das ist natürlich reine Spekulation. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass Leloup bei Liebe zum Detail bestehender Technik sich immer noch die tollsten Vehikel selbst ausdenkt und diese so echt konzipiert, als hätten sie tatsächlich eine Werkshalle verlassen.

Spannung, Abenteuer, und das von der ersten Seite an, technische Finessen und eine Handlung, deren Verlauf nicht vorhersehbar ist: Comickultur vom Feinsten. Comicleser, was willst Du mehr? 😀

Montag, 27. Februar 2006

Eine seltsame Reise

Filed under: Mystery,SciFi,Superhelden — Michael um 21:32

Eine seltsame ReiseJames, auch Spike genannt, und Edward sind Brüder. Sie sind in einem Alter, in dem die Welt noch aus Träumen, Wundern und Monstern besteht. James, der Ältere, sieht viel Schlechtes in der Welt. Er baut eine Rakete, um von der Erde zu verschwinden. Edward hingegen hat eine Menge Unsinn im Kopf und spricht beizeiten schon einmal mit wilden Vögeln. In so mancher Hinsicht machen die beiden ihren Eltern ziemliche Sorgen.

Eines Nachts ertragen James und Edward ihre Ängste nicht mehr. Der schwarze Mann, die Ursache alles Bösen, muss endgültig ausgelöscht werden. Ihr nächtlicher Weg führt sie zu einem einsamen alten Haus. James erzählt Edward, es gäbe Gerüchte, dass Hexen dort einst Menschen gekocht hätten. Drinnen finden sie allerdings nur Joy, eine junge Punkerin, die sich dort versteckt hält. Ob sie den beiden Jungen nun glaubt oder nicht, Joy führt die Jungen in den Keller, wo vielleicht der schwarze Mann lebt. Die Tür fällt hinter ihnen ins Schloß, das Licht geht aus und eine wunderbare Reise beginnt.

Sie finden sich wieder in einer bunten abstrakten Welt, einer grauen, tristen und toten Welt. Ihre Wünsche, Hoffnungen und Ängste haben diesen Ort erschaffen. Mit fiesen Robotern, haushohen Teddybären, Blumen, die sich gegen das Pflücken wehren und einem Clown, dessen Tränen ganze Seen erzeugen können. Und selbst Joy mit ihrer verbitterten Seele wachsen die buntesten Flügel mit prachtvollen Federn.

Doch haben ihre Gedanken und Gefühle nicht nur diesen Ort erschaffen. Joy hat etwas mitgebracht, ein dunkles böses Abbild ihrer Selbst, das danach trachtet, sie alle zu töten. Dies ist der schwarze Mann, den es zu besiegen gilt. Die drei Kinder denken sich selbst zu Helden und erschaffen sich zusätzliche Hilfe. In dieser Welt ist alles möglich, auch der Kampf gegen die manifestierte Angst.

Die Geschichte lebt von wunderbaren Bildern in einer seltsamen Welt. Parallelen zu „Alice im Wunderland“ können gezogen werden, ist die Geschichte doch ähnlich gelagert.
Kinder stellen im Allgemeinen viele Fragen und ihre Phantasie ist, wird sie nicht zu sehr von außen beeinflusst, schier grenzenlos. Genau das äußert sich auch in der Geschichte. Allerdings ist es eine Geschichte voller Angst.
Kinder ziehen in dieser Welt umher wie lebende Leichnahme, Vögel schießen vom Himmel wie Bomben.

Am Ende siegen jedoch Zusammenhalt und Opferbereitschaft – und nicht zu vergessen: die Phantasie.

Bevor es falsch verstanden wird, es ist keine pessimistische Horrorgeschichte. Ganz im Gegenteil. Der Humor, der hier in kleinen Szenen zum Ausdruck kommt oder im Design von Figuren, ist ein Mittel gegen die Angst. Um was es hier in Wirklichkeit geht?
Wahrscheinlich sollte man nichts in Comics hineininterpretieren, doch hier kann eine Interpretation erfolgen, was für eine Comic-Geschichte ungewöhnlich ist. Wer nicht zwischen den Zeilen liest, wird trotzdem den Humor mögen, spätestens dann, wenn der Held mit Spider-Man-Maske und Boxershorts zum Einsatz kommt.

Ein absolut ungewöhnlicher Comic, sehens- und lesenswert von der ersten bis zur letzten Seite.

Dienstag, 07. Februar 2006

Im Portrait: Katharina Neeb

Filed under: Die Künstler — Michael um 22:38

Katharina NeebKatharina Neeb ist gelernte Schriftsetzerin. Sie lebt derzeit in Hamburg und arbeitet als Freelancerin im Bereich Grafik und Illustration.

Du hast ursprünglich Schriftsetzerin gelernt. Wie bist Du dazu gekommen?

Ursprünglich wollte ich an der Hochschule für Buchkunst in Leipzig studieren. Nachdem ich während der Schulzeit dort schonmal reingeschnuppert habe, war ich Feuer und Flamme für diese wunderbare Hochschule. Ich wollte unbedingt dort hin! Damals galt als Aufnahmebedingung aber, dass man eine Ausbildung im grafisch/ künstlerischen Gewerbe bzw. zumindest ein Jahrespraktikum in dem Bereich vorweisen musste.

Dazu kam, dass es auch meinen Eltern wichtig war, dass wir Kinder alle vor dem Studium eine abgeschlossene Lehre in der Tasche hatten. Ich entschied mich für eine Lehre im Printbereich und wollte zuerst Offset-Druckerin werden, aber dann hat mein Kunstlehrer mir den Rat gegeben, doch eher Schriftsetzerin zu lernen, da es besser zu mir passen würde. Den Beruf kannte ich vorher gar nicht . . . Ich hatte Glück und fand im Anschluss an mein Abitur einen Ausbildungsplatz bei einer angesehenen Druckerei in unserer Region. Ein weiters Glück war, dass ich einen klasse Ausbilder hatte. Von ihm habe ich sehr viel gelernt und die zweieinhalb Jahre Ausbildung waren eine tolle und schöne Zeit, die mich vor allem beruflich mehr geprägt haben als das spätere Studium. Das wiederum habe ich dann nicht in Leipzig, sondern in Hamburg absolviert. Aber das ist eine andere Geschichte.

Du arbeitest sehr gerne an Illustrationen für Kinderpublikationen. Was gefällt Dir daran besonders?

Sie sind schlichter, deutlicher und meinem Gemüt einfach sehr nahe.
Außerdem habe ich während meinen Aushilfstätigkeiten in Kindergärten immer wieder festgestellt, wie viel Spaß es mir macht in diesem Bereich zu gestalten und mir Geschichten auszudenken und zu sehen, wie sie aufgesaugt werden von den „Kleinen“. Abgesehen davon ist der Kinderpublikationsbereich einer der kreativsten Bereiche, in dem es keine Grenzen gibt (außer inhaltliche).

Gibt es ein Projekt, das Du für Dein Leben gerne mal machen möchtest? Wenn ja, was ist das für ein „Traumprojekt“?

JA, eine Kinderfibel und ein Buch für Kinder & Logopäden sowie ein begleitendes Buch zu Naturpädagogikprojekten.

Gibt es Zeichner oder Künstler, die Du als Vorbilder bezeichnen würdest?

Rautie, aus meiner alten Heimat Hanau. Er ist kein Vorbild, hat mich aber sehr inspiriert.

Quelle: Pau Pau Productions
Interview-Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung

Dienstag, 31. Januar 2006

Indianer weinen nicht

Filed under: Selbst gemacht,Superhelden — Michael um 16:54

Indianer weinen nichtUnd Helden auch nicht. Sie sind standhaft, tapfer und wacker, sie halten Strapazen aus, die jenseits des Menschenmöglichen sind. Zugegeben, meistens sind sie mit besonderen Fähigkeiten gesegnet: die Superhelden.
Was halten sie nicht alles aus: Zusammenstauchen, Verprügeln, Verbrennen, Runterfallen, wie aus Fontänen sprudelnd bluten, Ersticken, Ertrinken, Erschießen, in die Luft gesprengt zu werden, Verstrahlen und und und.

Wolverine ist ein Paradebeispiel. Seine Selbstheilungskräfte machen alles möglich. Selbst wenn seine Arme bis auf die Knochen verbrannt sind, er kommt wieder auf die Beine. Und er weint nie: Dafür säuft er. Wenn sich Wolverine betrinkt, weiß der Leser: Oh-oh, es ist was faul im Staate Marvel.
Batman, der zur Fraktion der Helden ohne besondere Kräfte gehört, ist trotzdem ein ähnlicher Kandidat. Ein Predator bearbeitet den dunklen Ritter, dass Bruce Wayne anschließend in einem Ganzkörpergipsverband zu Bette liegt. Aber er kommt wieder auf die Beine.

Egal, was es ist. Nie hört der Leser auch nur ein Jammerwort. Ja, es mag Ausreißer geben. Spidey knatscht mal ein bißchen herum. Auch der Juggernaut ist mal am Boden zerstört – oder er zerstört den Boden aus Frustration, was häufiger vorkommt. Aber: Tränen? Nix da! Seine Form des Weinens: Er macht per Faustschlag einfach etwas kaputt.

Und andere Helden? Die menschlichen Helden, die aus dem Leben gegriffen wurden. Die Agenten, die Soldaten, die Killer, die Cops, die Wahnsinnigen, die Kinder, die Wesen aus dem All, die Archäologen und und und. (Natürlich auch die Indianer.)
Die weinen auch nicht. – Und seien wir ehrlich, ein weinender Held im Comic wäre genauso, als würde man James Bond auf der Toilette zeigen.
Es gibt Körperfunktionen, die darf ein Held einfach nicht haben. Heldinnen natürlich auch nicht. Obwohl, es hier so ausschaut, dass bei Heldinnen Ausnahmen gemacht werden. Na, die Geschichte der Heldinnen ist eben eine Geschichte voller Missverständnisse.

Apropos Missverständnisse!
Im aktuellen Wolverine-Band (25) ist Elektra wieder obenauf. Eben diente sie noch Hydra als Handlangerin und war doch nur ein Maulwurf. Es dürfte interessant sein, irgendwann einmal zu erfahren, wie sie die Gehirnwäsche der Verbrecherorganisation überstehen konnte, wenn selbst Wolverine ihr erlag.
Comics können ja soooo unrealistisch sein! 😀
(Das Gemetzel um Gorgon ist teilweise ziemlich an der Grenze und hat mich doch recht erstaunt. Und dabei war es noch nicht einmal das Finale.)

Ansonsten kann ich zum aktuellen Wolvie-Band nur sagen: Wow! (Oder auf Deutsch: Wuff!)
Die abschließende Episode zu Seelendieb ist richtig feine japanische Fantasy. Beinahe gewinnt man den Eindruck einer Computerspielumsetzung. Das Zusammenspiel von Mana und Wolverine erinnert an eine Heldengruppe, die nur durch den präzisen Einsatz von Fertigkeiten gewinnen kann.
Ansonsten sind die gezeigten Dämonen mal eine völlig andere Form von Monstern und gerade im rasanten Kampfgeschehen toll umgesetzt. 🙂

Montag, 30. Januar 2006

Blueberry 42 – Der Schlächter von Cincinnati

Filed under: Abenteuer,Western — Michael um 19:10

Blueberry 42 - Der Schlächter von CincinnatiEs herrscht Bürgerkrieg. Im Sommer 1864 gehen die Nordstaaten gegen die Konförderation in die Offensive. Ein Mann könnte das Kriegsglück zugunsten der Südstaaten wenden. Sein Name: Richard Jordan Gatling.

Wie in jedem Krieg trägt auch die Waffenkunst in diesen Tagen neue furchtbare Früchte. Die ersten Ansätze von automatischen Waffen mit hoher Feuergeschwindigkeit haben grausame Erfolge erzielt. Eine dieser Erfindungen ist die berühmt (berüchtigte) Gatling-Gun. Als Gatling seine Erfindung dem Gouverneur von Indiana vorführt, ist man im Norden sehr interessiert und bedeutet ihm, sich an Washington zu wenden.

Leutnant Blueberry erfährt in Washington im Büro von Allan Pinkerton davon, dass auch noch andere Interessenten an der Gatling Gun existieren. Leider haben diese Interessenten nicht so zögerlich reagiert, wie es der Norden tat. Eine kleine Gruppe von Südstaatlern hat den Waffenentwickler in seine Gewalt gebracht. Blueberry, Baumhoffer, Grayson und Homer sollen den für den Norden so wichtigen Ingenieur befreien und zurückholen.
Leider gestaltet sich das trotz aller Vorsicht viel schwieriger, als Blueberry und seine Männer annehmen. Unter der Anleitung des brutalen Snake flüchtet die kleine Gruppe Südstaatler Richtung Mexiko. Snake, dessen Gesicht durch einen Schnitt gezeichnet ist, geht dabei über Leichen. Ein Leben, auch das eines Kindes, bedeutet ihm nichts.
Doch Snake und seine Männer sind nicht die einzigen Gefahren, mit denen sich Blueberry herumschlagen muss. Sobald er und seine Männer den Rio Grande überquert haben, geht der Ärger erst richtig los, denn nicht nur die Südstaatler haben hier ihr Lager aufgeschlagen.

Alsbald sind Mexikaner und Franzosen hinter ihnen her. Dabei sind sie dem entführten Mr. Gatling nur einen Fingerbreit näher gekommen.

Blueberry gehört in all seinen Ausprägungen zum Urgestein des Western-Comics. Ob als jugendlicher Leutnant, als einfacher Mister, als Marshall, stets erwarten den Leser abenteuerliche Geschichten, vor ernsthaften Hintergrund, mit verschmitztem Humor, mit Helden, mit finsteren aber auch skurrilen Gestalten.

Zu großer Bekanntheit brachten Blueberry natürlich das Team Jean-Michel Charlier und Jean Giraud, letzterer auch bekannt als Moebius.
Inzwischen haben Francois Corteggiani als Szenarist und Michel Blanc-Dumont als Zeichner das Ruder übernommen. In Sachen Farbe werden sie durch Claudine Blanc-Dumont unterstützt. Zweifellos haben die drei Künstler damit ein schweres Erbe übernommen. Ich finde allerdings, dass es ihnen durchaus gelingt, mit ihren Vorgängern in diesem Band Schritt zu halten.

Die Einleitung mit den Zeichnungen des amerikanischen Bürgerkrieges erinnern an die großen Schlachtengemälde, die aus und über diese Zeit existieren. Auch hier spiegeln die Bilder von Blanc-Dumont jene Mischung aus falschem Heldentum und Wahnsinn wider, die aus diesem Krieg erwuchs. Entsprechend ist der Aufhänger der Geschichte, die Jagd nach dem entführten Waffenschmied, bezeichnend. Beide Seiten sind bereit, alles zu riskieren, um einen Mann in die Hände zu bekommen, dessen Werk am Ende den Krieg entscheiden soll. Über wie viele Leichen der Sieg errungen wird, ist letztlich jeder Seite egal, Hauptsache, es handelt sich nicht um die eigenen Männer.
Diesen Aspekt, Mord und Totschlag, stellt Corteggiani an mehreren Stellen heraus. Sei es der Bürgerkrieg selbst, sei es die Lynchjustiz in einem kleinen unbedeutenden Ort, die gerade noch verhindert werden kann oder der Titel gebende Schlächter von Cincinnati, sie alle sind Ausprägungen ein- und derselben Medaille.
Obwohl das Leben in diesen Zeiten für jedermann eher furchtbar ist, wandelt Blueberry darin wie ein Abenteurer. Sein Charakter scheint kindlich, teils impulsiv, stets von sich überzeugt. Wohin das führen kann, zeigt Corteggiani auch. Blueberry war immer schon ein Tausendsassa, aber sein Verhalten brachte ihn auch sehr oft in Schwierigkeiten, so bleibt ihm hier am Ende auch nichts erspart.
So ist es erfreulich, dass sich die Geschichte über die Spannung hinaus in einem realistisch angelegten Rahmen bewegt.

Michel Blanc-Dumont versteht sein Handwerk, das steht absolut außer Frage. Die Zeichnungen sind exakt. Figuren, Gesichter, Haltungen und natürlich die Umgebung wie auch Landschaften sind gut getroffen.
Da er sich in weiten Teilen bemüht, den Stil eines Giraud nachzuahmen, muss er sich auch den kleinen Vorwurf gefallen lassen, dass er dessen Leichtigkeit des Strichs nicht zur Gänze erreicht. Was ihm jedoch gut gelingt, ist die Eigentümlichkeit der Geschichten, die Giraud durch die Gesichter bereits abbilden konnte. Blanc-Dumont greift diese Gesichter auf, schafft neue und Blueberry selbst ist in nahezu jeder Situation erkennbar. Blanc-Dumont hat ganz eindeutig seine Hausaufgaben gemacht und sich sehr gut auf diese Arbeit vorbereitet.

Die Bilder stützen die Geschichte sehr gut. Das besondere Farbenspiel alter Blueberry-Abenteuer findet sich hier nicht. Vielmehr wird auch hier mehr auf Realismus gesetzt. Ich finde nicht, dass es schadet. Blueberry hat sich mit seinen Machern weiterentwickelt und der Weg, den sie gehen, ist eine solide Arbeit, an der Abenteuer- wie auch Western-Fans ihre Freude haben werden. 😀

Freitag, 27. Januar 2006

Im Portrait: Claudia Zwecker

Filed under: Die Künstler — Michael um 20:39

Im Portrait: Claudia ZweckerClaudia Zwecker ist gelernte Schriftsetzerin und Diplom Designerin (FH). Sie wurde 1974 in Neuburg an der Donau geboren und lebt und arbeitet derzeit in Augsburg.

Was für eine Beziehung hast Du als Zeichnerin zu Deinen Figuren?

*grins* Ich muss gestehen, dass mir die eine oder andere meiner eigenen Kreationen, die ich „nur so zum Spass“ entworfen habe oder die aus einem „blöden Zufall heraus“ entstanden sind, durchaus sehr ans Herz gewachsen ist. Der Titelheld meiner Diplomarbeit Feuryon zum Beispiel, ist auch so eine Figur, die mir besonders am Herzen liegt. Wenn ich persönlich etwas als besonders gelungen empfinde kann ich schon eine sehr innige Beziehung zu meinen Figuren aufbauen. 🙂 Das liegt wohl auch wieder daran „wie gern“ ich diese Figur zeichne und sehe, ob mir das Erscheinungsbild gefällt. Prinzipiell muss ich bei meinen Arbeiten das Gefühl haben, ich kann hinter dem stehen was ich gemacht habe, es muss meinem Anspruch genügen und es muss stimmig sein zu dem jeweiligen Verwendungszweck oder Genre. Ich bin immer bemüht, das Beste abzuliefern – vielleicht so eine Art Perfektionswahn. Natürlich gibt es immer Arbeiten die sind besser als andere und es gibt Arbeiten die sind weniger gelungen … aber das ist, denke ich, persönliches Empfinden … soll jeder selbst entscheiden.

Welche Art von Charakteren zeichnest Du am liebsten?

Das ist ganz verschieden, mal so, mal so. Das beinhaltet knuffig, putzig, süss bis fantasymässig, skurril und düster. Wichtig ist, ich muss die Figur, den Charakter, wie auch immer der aussieht, gerne zeichnen und ich kann meine Phantasie dabei ausleben, auf welche Art auch immer … schwer zu verstehen, ich weiss. Es ist auch schwer zu beschreiben, da es sich ja dabei einfach um subjektive Empfindungen (die immer mal wieder wechseln) handelt! Aber ich kann zumindest sagen, dass meine favorites momentan selbst erfundene, bunte Fantasy-Figuren in allen möglichen Variationen sind, die eher in den Bereich „Kinder-/Jugendbuchillustration“ gehören. Ich brauche die Abwechslung, wer weiß, was danach kommt. Das sind meine persönlichen „Neigungen“ und die haben natürlich nichts mit „Auftragsarbeiten“ zu tun. Ich versuche das Beste zu geben und gehe auch gerne auf besondere Wünsche und Tipps ein und tausche mich auch gerne mit anderen aus, das birgt immer sehr viel kreatives Potential – man kann ja immer noch was dazulernen! Sollte die Frage aufkommen ob ich mich immer mit meinen Arbeiten identifizieren muss/kann oder mich darin wiedererkenne – nein, nicht ganz. Ich empfinde es nicht unbedingt als notwendig in der Erschaffung einer Figur immer sich selbst sehen oder einbringen zu können, obwohl sich das natürlich nicht immer vermeiden lässt (wenn man selbst der „Schöpfer“ ist). Ich empfinde es als sehr spannend, Charaktere zu entwerfen, die so ganz anders sind als ich selbst, die einen konträren Charakter haben und vielleicht sogar das genaue Gegenteil von dem wiederspiegeln, was ich persönlich empfinde oder vermitteln möchte. Ich versuche bei der Entwicklung eines Charakters so flexibel und vielseitig wie möglich zu bleiben und einfach Spass an der Arbeit zu haben – das trifft es, glaube ich am ehesten!

Bevorzugst Du eine bestimmte Technik?

Ich stehe noch auf „echte Handarbeit“ – nicht dass ich am Computer erstellte Illustrationen/Grafiken weniger schätze oder abwerte. Manchmal erfordert es einfach der jeweilige Verwendungszweck den Computer als „Zeichenwerkzeug“ zu nutzen, aber für mich persönlich haben handgezeichnete Illustrationen einfach mehr Charakter und strahlen durch die jeweilige Technik mehr Leben aus, ja bekommen sogar ein Eigenleben. „Handgemachte“ Zeichnungen haben ein „eigenes Erscheinungsbild“, vielleicht weil nicht alles so glatt und perfekt ist, als wenn es am Computer erstellt wird, denn auch diesem sind Grenzen gesetzt wo der Stift auf dem Papier mehr Freiheit hat! Persönlich arbeite ich am liebsten mit Bleistift, Zeichenfeder, Tuschen, farbigen Tinten (z. B. „ecoline“) und Aquarell. Aber ich bin durchaus experimentierfreudig …

Auf Deiner Webseite www.claudz.de kann man auch Modelle sehen, die Du angefertigt hast. Aus welchem Material sind die Modelle und wie schwierig ist es von der Zeichnung hin zum 3D-Modell?

Meine Modelle sind allesamt hauptsächlich aus „Fimo“ hergestellt – einer Art Knetmasse, die dann im Backofen aushärtet. Es lassen sich aber auch andere Materialien wie Holz oder Metall mit Fimo kombinieren bzw. hinzufügen, das ist notwendig, wenn es zu filigran wird. Von der Zeichnung zum 3D-Modell zu kommen empfinde ich persönlich nicht als „schwierig“, wenn man das so nennen will. Alles was man dazu benötigt ist eine gute Vorstellungsgabe, Geduld und etwas Fingerspitzengefühl.
Bei mir spielt sich sehr viel im Kopf ab und somit habe meist schon eine klare Vorstellung davon, wie die Zeichnung als dreidimensionale Figur auszusehen hat. Alles weitere ist dann eigentlich der „Kampf“ mit dem Material, da dies natürlich auch gewisse Grenzen hat. Im Prinzip habe ich zwei Vorgehensweisen: Die eine ist, die Zeichnung gibt den Charakter vor, daran halte ich mich und versuche ihn dann so genau wie möglich in eine dreidimensionale Form umzusetzen. Meistens begnüge ich mich als Vorlage für ein 3D-Modell mit einer „Frontalzeichnung“ und entscheide dann beim Modellieren nach dem optischen Eindruck wie die Figur dann z. B. im Profil aussieht und ob es mit der Zeichnung zusammenpasst bzw. übereinstimmt. Manchmal ist ein wenig experimentieren notwendig, je nach den gewünschten Formen.
Andererseits kommt es auch vor, dass der Arbeitsablauf andersherum von statten geht – ich habe nur eine vage Idee von einer Figur, komme aber zeichnerisch nicht weiter, dann beginne ich mit einem Modell und das Erscheinungsbild der Figur entsteht dann durch die Arbeit an dem Modell. Diese Art bietet mir wieder ganz andere kreative Möglichkeiten zum Ausprobieren, bringt mich auf neue Ideen und hilft mir dann später beim Zeichnen. Ein 3D-Modell dient beim Zeichnen eines Charakters als gute Vorlage, gerade wenn dieser Charakter in verschiedenen Aktionen auf dem Papier agieren soll, andersherum schafft die Umsetzung einer Zeichnung in ein 3D-Modell ein besseres Verständnis und Gespür für die Figur. Was aber nicht heißen soll, dass ich von jeder Zeichnung ein 3D-Modell anfertige, das ist doch sehr zeitintensiv und nicht immer unbedingt notwendig – außerdem ist es eine Platzfrage 😉

Quelle: Pau Pau Productions
Interview-Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung

Mittwoch, 25. Januar 2006

The Walking Dead

Filed under: Horror — Michael um 21:30

The Walking DeadRick ist Polizist. Sein letzter normaler Alltag endet mit einer Schießerei und einem komatösen Aufenthalt in einem Krankenhaus. Als er wieder erwacht, ist er allein und die Welt, so wie er sie gekannt hat, existiert nicht mehr.

Die Menschen sind fort – nun, ganz so richtig ist diese Aussage nicht, denn untote Zweibeiner, die einmal Menschen gewesen sind, vegetieren inmitten der zugrunde gerichteten Zivilisation. Es dauert eine Weile, bis Rick den Tatsachen ins Auge sehen kann. Eine freundliche Begegnung mit Morgan und seinem Sohn macht es möglich, dass er endlich einige Fakten über die Katastrophe erfährt.
Die Behörden hatten die Menschen dazu aufgerufen, in die großen Städte zu flüchten, wo eine bessere Verteidigung und Versorgung zu gewährleisten war. Rick greift nach dieser Hoffnung wie nach einem Strohhalm, glaubt er doch, dass seine Frau und sein Sohn sich nach Atlanta geflüchtet haben könnten.

Alleine macht er sich auf den Weg. Je näher er der Stadt kommt, umso mehr schwindet seine Hoffnung. Beinahe kommt er zu Tode. Aber er hat Glück im Unglück. Er findet seine Frau und seinen Sohn in einem Camp nahe der Stadt.
Doch damit fängt der eigentliche Kampf erst an.

Gute alte Zeit
Der Untertitel des ersten Bandes von The Walking Dead spricht Bände. Binnen weniger Wochen hat sich das Leben, wie es der gewöhnliche Sterbliche in den USA kannte, derart radikal gewandelt, dass es eine völlig neue Bedeutung erlangt. Die Wohngebiete liegen verlassen da, eine Grundversorgung wird nicht mehr gewährleistet und die Untoten schlurfen mittendrin herum und stellen für jedes Lebewesen eine Lebensgefahr dar. (Die Grundidee, dass Untote nur Menschen angreifen, findet sich hier nicht.) Kurzum, die gute alte Zeit hat sich endgültig verabschiedet.

Rick, dessen Erlebnisse im Mittelpunkt stehen, erlebt einen Alptraum ohnegleichen. Als Polizist, selbst in einer Kleinstadt, kennt er das Leben von einer härteren Seite als der normale Bürger. Trotzdem überfordert ihn die Situation, auf die er zunächst allein gestellt ist. Eine recht beeindruckende kleine Episode dreht sich um eine untote Frau, die im Straßengraben neben ihrem Fahrrad liegt. Ihr Körper ist nicht mehr in der Lage, sie zu bewegen, trotzdem verlangt er immer noch nach Nahrung. So grauenvoll das Bild auch ist, reißt es Rick andererseits menschlich auch vollkommen herunter. Am Ende schenkt er diesem Wesen Frieden, was ein wenig wie die Erlösung eines Vampirs wirkt (die vergleichsweise viel intelligenter und menschenähnlicher sind).

Eines der beeindruckendsten Bilder ist sicherlich jenes, das die Innenstadt von Atlanta zeigt. Untote stehen, liegen überall, blockieren die Straße rund um einen Panzer, dessen Fahrer irgendwie seine eigentliche Aufgabe vergessen hat. Krähen, die auf Beute hoffen, und Fliegen, die überall ihr Unwesen treiben, runden das grausliche Bild ab.
Robert Kirkman hat sich ein Weltuntergangsszenario ausgedacht, das in Teilen zwangsläufig bekannt erscheint, wenn einem die einschlägigen Filme, insbesondere eines George A. Romero, bekannt sind. Andererseits gibt es auch neue Aspekte zu entdecken, die gerade durch das Zusammenleben vollkommen normaler Menschen am Rande des Chaos erzählt werden.
Bezeichnend ist die Tatsache, dass auch in diesen Zeiten die Menschen ihre kleinlichen Dispute nicht ablegen können. Vorurteile, Eifersucht, Streit spielen immer mit und verhindern eine zur Gänze funktionierende Gemeinschaft.
Sicherlich regiert der Horror das Ganze, doch wie bei den filmischen Vorbildern ist es am Ende eine Bedrohung durch Raubtiere (die rein zufällig untoter menschlicher Natur sind).

Tony Moore hat Kirkmans Ideen im vorliegenden ersten Band, der die amerikanischen Originalausgaben 1-6 zusammenfasst, in bester Form in Szene gesetzt. Mit seinem zeichnerischen Stil könnte er sofort in Serien wie X-Men oder Batman einsteigen und er wäre wie dafür geschaffen.
Moore muss eine vergleichsweise ruhige Geschichte zeichnen. Sicherlich gibt es auch eine große Anzahl bedrohlicher und actionreicher Szenen, doch vieles stellt auch die menschliche Interaktion der kleinen Gruppe von Überlebenden dar. Gerade hier gefallen mir Moores Bilder ausgesprochen gut.

Auf Farbe wird in der Serie verzichtet. Moores Darstellung geht nicht in die Richtung eines Frank Miller, vielmehr sind die getuschten Szenen mit Graustufen unterlegt, dadurch erhält die Geschichte eine Art dokumentarischen Charakter und hebt sie auf ein Niveau, das über reinen Horror hinaus geht.

Mir hat der Band, der in einer sehr guten Aufmachung erscheint und im Anhang Interviews und Zusatzinfos mitbringt, sehr gut gefallen und ich kann ihn Fans des Genres sehr empfehlen. (Und wer derlei Geschichten bisher eher misstrauisch beäugt hat, könnte mit dieser spannenden Geschichte vielleicht eines besseren belehrt werden.) 🙂

Sonntag, 22. Januar 2006

Die Künstler: Dirk Schulz

Filed under: Die Künstler,SciFi — Michael um 21:46

Werke von Dirk SchulzComiczeichner Dirk Schulz kann bereits auf eine längere Karriere zurückblicken. Die Geschichten, an denen er arbeitete, erschienen u. a. in den Serien Indigo und Celtis. Auch als Cover-Illustrator der Romanreihe Perry Rhodan machte er sich einen Namen. Jüngst erschien Berlin 2323 (angesiedelt im für Indigo geschaffenen Universum), eine weitere Zusammenarbeit von ihm und Autor Robert Feldhoff.
Für den Comicblog beantwortete Dirk Schulz ein paar Fragen.

Comicblog: Das Artwork zu Berlin 2323 ist an Aufwand kaum zu überbieten. Wieso erfolgte eine Umstellung des Stils im Vergleich zu den bisherigen Indigo-Bänden, deren Ausführung doch sehr gelungen war?

Dirk Schulz: Wir wollten nach so viel Alben mal was Neues ausprobieren. Die Findung des Stils ist eigentlich so peu a peu entstanden, als wir für Carlsen an anderen Projekten gearbeitet haben. Daran habe ich so nach und nach dann Gefallen gefunden. Als wir noch einen normalen Indigo 9 geplant hatten, habe ich die ersten Seiten einmal in dem klassisch getuschten Stil ausprobiert und parallel mal die Version mit den Bleistiftoutlines und der gemalten Fläche. Als dann gemeinsam mit Carlsen das Projekt Berlin 2323 ins Programm genommen wurde, waren sich alle einig, dass wir da auf jeden Fall den gemalten Stil ausprobieren wollten.

Comicblog: Ganz ehrlich: Ist Robbie eine Anspielung auf einen anderen berühmten Comic-Hund?

Dirk Schulz: Ganz ehrlich: Nicht bewußt. Ich wurde aber schon einmal darauf angesprochen, dass Robbie sehr an Idefix erinnert. Das kann schon sein, denn Asterix ist der Comic, der mich in meiner Jugend am allermeisten beeindruckt und geprägt hat.

Comicblog: Science Fiction, Fantasy. Gibt es ein Genre oder ein Szenario, das Sie noch im Besonderen reizen würde?

Dirk Schulz: Ja. Ich würde gerne mal einen Krimi machen. Aber auch was historisches würde mich reizen. Ich habe ein Faible für historische Schiffe. Vielleicht was witziges a la Fluch der Karibik?

Comicblog: Angesichts der vielen Arbeit, die in Berlin 2323 steckt: Wird es noch einmal einen Band in dieser künstlerischen Ausführung geben?

Dirk Schulz: Das weiß ich noch nicht. Da warten wir erst einmal ab, ob sich ausländische Lizenznehmer dafür interessieren. Das kann dann schon sein. Aber selbst wenn nicht, ist im Moment durchaus so etwas wieder angedacht.

Comicblog: Obwohl Ihre Arbeiten selber bereits Vorbildcharakter haben: Gibt es noch Künstler, deren Arbeit sie schätzen und bewundern?

Dirk Schulz: Haufenweise. Es gibt Unmengen von Zeichnern, die ich bewundere. Loisel, Manara, Vatine, Varanda, Munuera, Barbucci, und und und. Zugegeben. Meist Franko Belgische. Aber auch viele Amerikaner sind großartig.

An dieser Stelle bedanke ich mich bei Herrn Schulz recht herzlich für die Beantwortung der Fragen. 🙂
Mehr Infos zu seinen Arbeiten finden sich unter www.indigo-online.de und www.berlin2323.com.

Samstag, 21. Januar 2006

Der dunkle Turm

Filed under: Mystery — Michael um 19:33

Der dunkle TurmHäufig ist es so, dass ein Comic den Weg auf die Leinwand findet oder ein Film in Comics fortgesetzt wird. Der Weg vom Roman zum Comic ist deutlich seltener.

Stephen King hat sich mit seiner Saga Der dunkle Turm (The Dark Tower) in sieben Bänden auch in den Fantasy-Himmel hineingeschrieben, nachdem er immer wieder Abstecher in andere Genres machte.
Die Geschichte ist eine außergewöhnliche Mischung aus Western, Mystery, Fantasy, Monstergeschichte, mit einer Prise Magie und und und. Genau eingrenzen lässt sich dieses Epos nicht, weshalb man es am besten in der Schublade Fantasy ablegt.

King ist bereits seit längerem für Experimente bekannt. Er geht auch gerne einmal neue publizistische Wege und hat Erfolg damit (vielleicht weil ihm sein Name vorauseilt). Die Geschichte um den Revolverhelden Roland ist ungewöhnlich, manchmal bizarr und schafft vor den Augen des Lesers stets eine Welt, die vertraut scheint und sich im nächsten Augenblick doch als etwas völlig anderes entpuppt. Ich finde, als Leser kann man die Saga um den Dunklen Turm nur mögen oder hassen. Wer es nur so gerade eben unterhaltsam findet, wird den ersten Band nicht einmal zum Ende lesen, geschweige alle sieben.

Nun erscheint bei Marvel Der dunkle Turm als Comic. Die Vorschaubilder sind eindrucksvoll geworden. Die Öde ist gut getroffen, ein wichtiges Element, da sie auf gewisse Weise auch ein Sinnbild von Rolands Stimmung ist, ebenso wie sie auch seinen Charakter formte. Schade, dass Marvel noch bis Februar 2007 benötigt, um die Serie auf den Markt zu bringen, andererseits ist es gut, dass King Marvel diese Zeit lässt, damit das Projekt mit der erforderlichen Präzision umgesetzt werden kann.
Das Warten dürfte sich lohnen. 🙂

Infos unter: www.marvel.com/king