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Comic Blog


Sonntag, 08. Oktober 2017

STAR WARS – POE DAMERON 2 – INMITTEN DES STURMS

Filed under: SciFi — Michael um 12:03

STAR WARS - POE DAMERON 2 - INMITTEN DES STURMSEin Verräter in den eigenen Reihen? Vielleicht sogar innerhalb der Schwarzen Staffel? Ihr Anführer, POE DAMERON, macht sich große Sorgen darüber, wer derjenige sein mag, der dem Agenten der Ersten Ordnung, TEREX, Geheimnisse des Widerstands übermittelt. Über die Frustration scheint zunächst ein Auftrag hinwegzuhelfen. Gemeinsam mit C-3PO soll er Daten über die Erste Ordnung beschaffen und einen Agenten des Widerstands zur Flucht verhelfen. Hätte POE DAMERON gewusst, wie C-3PO sein (!) Agentennetz organisiert hat, wäre die Planung des Einsatzes vielleicht ein wenig besser ausgefallen …

Autor CHARLES SOULE nimmt den Leser außerdem mit in die Vergangenheit. Wie konnte AGENT TEREX zu jenem erbitterten Feind des Widerstandes werden? Woher stammen all die Kontakte dieses grimmigen Gegners? CHARLES SOULE geht mit seiner Erzählung zurück in jene Zeit, als das Imperium fiel und plötzlich die Soldaten aus den Reihen der Sturmtruppen vor dem Nichts standen. Während einige die neue Freiheit genossen, wünschten sich andere, so wie TEREX, nichts sehnlicher zurück als eine Wiederauferstehung des Imperiums.

CHARLES SOULE kreiert den Agenten als Figur, die Ordnung benötigt, Ordnung von anderen einfordert und infolge von Missgunst und Verrat ringsum mit den Mitteln dieser Ordnung erbarmungslos zuschlägt. TEREX ist ein Comic-Charakter ohne inneren Zweifel. Die Beweggründe lassen ihn schließlich einen eigenen Weg einschlagen, als er sich erneut betrogen fühlt. POE DAMERON hat mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen. Er sucht nach neuem Vertrauen, obwohl er um den Verräter in den eigenen Reihen weiß. Freunde hat er allerdings genug, wie sich bald zeigt.

Auftritte von C-3PO und CAPTAIN PHASMA, einer weiteren recht geheimnisvollen Figur des neuen STAR-WARS-Universums runden die Geschichte ab. Besonders C-3PO, auf dem plötzlich viel mehr Verantwortung lastet und dem Ideen abverlangt werden, zeigt ungewöhnliche Seiten, die von dem ewigen Dolmetscher so nicht zu erwarten waren.

Die Spielorte und Ideen von CHARLES SOULE geben Zeichner PHIL NOTO interessante Aufgaben. Auf dem Ganovenstützpunkt wimmelt es von verschiedenartigen Kreaturen, deren äußeren Merkwürdigkeiten noch von den Konstruktionen von TEREX‘ Flotte getoppt werden. Zusammengebaut aus den Überresten anderer Raumschiffe kann jeder STAR-WARS-Fan in den zumeist Angriffsjägern alles mögliche entdecken. Die ungewöhnlichste Version, als reines Transportschiff konzipiert, taucht gleich zu Beginn auf, als TEREX und sein alter Kamerad ein Raumschiff aus dem Kopfgehäuse eines AT-ATs bauen.

Die glasklare Exaktheit von PHIL NOTOS erinnert an die Machart eines älteren Zeichentrickfilms: FEUER UND EIS. Thematisch völlig anders gelagert, wurde damals die Vorarbeit von Schauspielern geleistet, deren Aktionen und Äußerlichkeiten überzeichnet wurden, um so einen möglichst realistischen Effekt zu erzielen. (Oder wie zuletzt verglichen: Die Arbeitsweise des Zeichnerkollegen TONY HARRIS ist ebenfalls ähnlich.) Für jene, die mit diesen Vergleichen nicht vertraut sind: PHIL NOTO verwendet dünnste, fast schon architektonisch gezeichneten Linien. Farbflächen, nur geringst schattiert, grenzen Objekte und Hintergründe voneinander ab. Hierbei beweist PHIL NOTO ein tolles Auge für eine sehr atmosphärische Kolorierung.

CHARLES SOULE hat seine STAR-WARS-Hausaufgaben gemacht. Feine Charakterentwicklungen auf den Seiten von Freund und Feind, eine geradlinige Handlung und die richtige Dosierung von Action setzen die Abenteuer von POE DAMERON sehr schön fort. Klasse Lesefutter, stimmig in die bisherigen Ereignisse eingefügt. 🙂

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Dienstag, 19. September 2017

PREDATOR vs. JUDGE DREDD vs. ALIENS

Filed under: SciFi — Michael um 22:25

PREDATOR vs. JUDGE DREDD vs. ALIENSEin PREDATOR ist ein Jäger. Seine Beute ist grundsätzlich gefährlich, ansonsten würde einem PREDATOR die Jagd keinen Spaß bereiten. Meist ist ein PREDATOR seiner Beute dennoch überlegen. Technik schützt ihn in Form eines Tarnschildes. Verschiedene Schusswaffen, verwegen geschmiedete Messer und Speere sind perfekte Instrumente für eine erfolgreiche Jagd. Aber heute geht etwas schief. Diese Beute ist anders. Sie ist intelligent und besitzt tierische Instinkte. Und sie kehrt den üblichen Tanz um. Plötzlich wird der Jäger zum Gejagten …

Es gibt einige herausragende CROSSOVER, wo die Zusammenkunft verschiedener Charaktere einfach passt. TARZAN traf den PREDATOR ebenso wie BATMAN (Die Nacht des Jägers). Der gute JUDGE DREDD hatte schon mit dem PREDATOR sowie den ALIENS zu tun. In einer gut ausgewählten Umgebung funktionieren solche Kombinationen. In der MEGA-CITY ONE, jener Riesenstadt der Zukunft, in der sich hinter hohen Mauern Millionen und Abermillionen von Menschen in gigantischen Wohnblocks zusammendrängen, ist eine perfekte Kulisse für den Wahnsinn entstanden, in der auch PREDATORS und ALIENS Unterschlupf finden.

In der MEGA-CITY ONE sorgen die JUDGES für das Gesetz. Polizisten, Richter und Vollstrecker sind sie gleichermaßen und der härteste dieser futuristischen Cops ist JUDGE DREDD. Die Welt von JUDGE DREDD ist der unseren nicht unähnlich, es gibt nur sehr viel mehr Menschen und entsprechend gibt es auch sehr viel mehr Freaks. Wo also selbst der Tod in Form eines JUDGE DEATH umtriebig war, fallen Außerirdische kaum störend auf. Deshalb ist das CROSSOVER außerhalb der Stadt, in den verseuchten Landstrichen angesiedelt. Dort ist es etwas übersichtlicher, teils gefährlicher und es gibt natürlich mehr Verstecke.

In einem dieser Verstecke treibt eine Art DR. EVIL sein Unwesen, angereichert mit einer ordentlichen Dosis DR. MOREAU. Hier heißt der düstere Doktor, der sich selbst gentechnisch mit Insektenaugen veredelt hat, DR. NIELS REINSTÖT. Ein deutsch klingender Name in Verbindung mit einem Doktortitel macht sich bei amerikanischen Autoren im fantastischen und Science-Fiction-Genre immer gut für einen irren Wissenschaftler.

JOHN LAYMAN erzählt die Geschichte um die Kernfigur JUDGE DREDD mit der nötigen Verrücktheit, mit der sie von JOHN WAGNER (damaliger Autor) und CARLOS EZQUERRA (damaliger Zeichner) erfunden wurde. CHRIS MOONEYHAM hat hier den Zeichenstift übernommen. Er stellt die Figur schön rabiat dar, zeichnet mit dünnsten Strichen, skizzenhaft, über die Maßen fein. JUDGE DREDD, dessen Laune der Leser an der Kinnpartie, der einzigen unbedeckten Körperstelle, entschlüsseln kann, ist ein Rowdie, ein knallharter Action-Junkie, unrasiert, immer mit dem Kopf durch die Wand und sei die Situation noch so aussichtslos. Das Gesetz ist die Bibel, die ihn alles überstehen lässt.

CHRIS MOONEYHAM, in höchsten Tönen für vorherige Arbeiten gelobt (FIVE GHOSTS), kann sich hier vollends als Action-Zeichner etablieren. Er ist ein Absolvent der JOE KUBERT SCHOOL OF CARTOON AND GRAPHIC ART, ebenso wie ein CLIFF RATHBURN (THE WALKING DEAD). Mit dem strickten starken Strich eines Altmeisters wie dem verstorbenen JOE KUBERT, aber auch aus der gleichen Generation, eines JOHN BUSCEMA, hat CHRIS MOONEYHAM viel gemeinsam. Das ist nicht retro, sondern zeitlos, weil es eine, nicht nur für Comics, qualitativ hochwertige Arbeit ist. Im aktuelleren Vergleich arbeitet er mit ADAM KUBERT, einem von JOES Söhnen, auf Augenhöhe.

Neben den PREDATORS und den ALIENS darf eine Figur besonders schicksalhaft in das Geschehen eingreifen: ERZBISCHOF EMOJI. Dieser Charakter im weitesten Sinne ist eine der typischen Verrücktheiten, einer dieser Freaks aus dem JUDGE-DREDD-Universum, die das Abenteuer rund um den Zukunftspolizisten zu einem wortwörtlich irren Spaß machen. Erste Sahne und eines Spin-offs würdig!

Viel Anarchie, wie es sich für einen JUDGE-DREDD-Comic gehört. Viele PREDATORS und ALIENS, ein Haufen Mutanten und Spezial-ALIENS, abgefahrener Humor, starke Action. Hier haben sich drei Comic-Helden gesucht und gefunden. JOHN LAYMAN und CHRIS MOONEYHAM bringen drei Kracher zu einem Bombenvergnügen zusammen! 🙂

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LEBEN UND TOD 3 – ALIENS

Filed under: SciFi — Michael um 22:15

LEBEN UND TOD 3 - ALIENSDie Marines haben ihren früheren Enthusiasmus verloren. So lange sie gegen Menschen antraten, Gegenwehr für ihre Begriffe lächerlich war, behielten sie die Oberhand. Die ALIENS, die keine Angst kennen, die ohne zu verzagen, gegen den Feind anrennen und niemals aufgeben, haben die menschliche Arroganz gebrochen und eine völlig neue Art des Horrors im Kampf geschaffen. Angesichts der Verluste wäre ein Rückzug die bessere Wahl, aber Liebe kann eine starke Antriebskraft sein …

DAN ABNETT schickt so gut wie alle Beteiligten auf eine Selbstmordmission. Nicht umsonst lautet der Untertitel der dritten Episode von LEBEN UND TOD auf den Namen ALIENS. Die Menschen kämpfen an nahezu allen Fronten. Wer den Film ALIENS gesehen hat, jene Geschichte um ELLEN RIPLEY, mit der JAMES CAMERON das ALIEN-Franchise potenzierte, wird sich hier direkt zuhause fühlen. Denn DAN ABNETT spielt ganz genau wie im Original mit verfahrenen und aussichtslosen Situationen, die durch das Beimengen zwei weiterer Monsterfiguren dann doch sehr speziell werden.

Die bekannten INGENIEURE aus PROMETHEUS sowie der allseits beliebte PREDATOR geben sich ein Stelldichein. Auf höchst brachiale Weise, das versteht sich von selbst. Der PREDATOR jagt. Und der INGENIEUR, eigentlich darauf spezialisiert zu erschaffen und ganz eigene evolutionäre Sprünge zu kreieren, ist ebenfalls schwer bewaffnet und gnadenlos auf der Pirsch. Die Menschen mittendrin sind mit der nötigen Leidenschaft bei der Sache, können aber insgesamt nur hoffen mit halbwegs heiler Haut aus der Geschichte herauszukommen.

Als Zeichner ist MORITAT für Serien wie THE SPIRIT oder Arbeiten für das DC-Universum bekannt geworden. MORITAT zeichnet hier entsprechend der Geschwindigkeit einer Szene. Auflösung und Genauigkeit variieren mit dem Fokus einer Szene. Großaufnahmen, Ausschnitte werden gerne exakt illustriert. Wenn die Panik um sich greift, es hektischer wird, Szenen einen Übergang dokumentieren, wird es deutlich skizzenhafter.

Während des Titelbild noch ein Gemälde der üblich bekannten ALIENS zeigt (erstklassig gemalt von DAVID PALUMBO), müssen sich die Marines im Band selbst mit ein paar veränderten Kreaturen herumschlagen. Gemäß des Konzeptes, einige Charakteristika ihrer Geburtswirte zu übernehmen, haben diese ALIENS keine Klauen, sondern sind mit überdimensionalen Pranken ausgerüstet. Diese Veränderungen sind alles andere als eines der üblichen spannungssteigernden Mittel, vielmehr steckt eine Ursache dahinter, die zum Motor der Geschichte wird. Mehr wird nicht verraten.

Keine Pause: MORITAT muss Action oder Spannungsszenen zeichnen. DAN ABNETT hat auf kaum einer Seite darauf verzichtet. Das ist selten, auch in einem ALIENS-Abenteuer, die sich doch Ruhepausen gönnen, damit die Richtung eingegrenzt werden kann und die Hauptfiguren sich sortieren können. Hier ist der Start gleich brachial. Die Einstiegssequenz stellt gleich das Level der Geschichte klar und hält es für den Rest des Szenarios, schafft im letzten Viertel sogar noch Steigerungen, teils sogar mit ganzseitigen Bildern.

Knallt rein: Die dritte Folge von LEBEN UND TOD ist eine pure Comic-Achterbahnfahrt. Die Figuren hetzten, rennen, schießen in einem Wettlauf mit dem Tod. Die Reihen werden sehr ausgedünnt. Ein SciFi-Actionkracher, der Gefangenen auf seinem Weg zulässt. Eine konsequente Fortsetzung der ersten beiden Episoden, PREDATOR und PROMETHEUS. Heftig, aber atmosphärisch haargenau von Autor DAN ABNETT getroffen! 🙂

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Dienstag, 29. August 2017

DIE EISENDIVISIONEN 1 – DAS ROTE KOMMANDO

Filed under: SciFi — Michael um 14:58

DIE EISENDIVISIONEN 1 - DAS ROTE KOMMANDOLeutnant Tanja Jakwolewa stellt sich ihrem neuen Vorgesetzten gleich richtig vor. Ihr perfekter Flug manövriert die deutschen Abfangjäger aus. Ihre Zielgenauigkeit holt den Feind vom Himmel. Politkommissar Kirigin ist begeistert. Mit dieser Pilotin ist nicht nur ein neues Aushängeschild der Hoffnung gefunden, gleichzeitig wäre diese Frau tatsächlich fähig, eine der letzten Kampfmaschinen ans Ziel zu führen, dem Meka-Panzer Wilhelm Gustloff …

Die Weltgeschichte hat sich verändert. Der II. Weltkrieg endet nicht 1945, sondern die Kriegsparteien stehen sich weiter gegenüber. Die Techniken haben sich sogar radikal verändert. Der Leser verfolgt das Geschehen aus russischer Sicht. Die Rote Armee kämpft gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner. Deutschland bläst zum letzten Sturm auf Moskau. Das technische Drumherum hat verschiedene Anknüpfungspunkte.

Einerseits dürften sich Fans der MASCHINEN KRIEGER, einem japanischen Franchise aus den 1980ern, mit diesem Szenario anfreunden können. Andererseits dürften Science-Fiction-Fans und Freunde alternativer Szenarien hier einiges für sich entdecken. Mit THE RED STAR war die Rote Armee schon einmal im Zentrum einer fantastischen Zeitlinie. Und mit BATTLETECH finden sich zu DIE EISENDIVISIONEN ebenfalls Vorbilder aus den 1980ern, dort allerdings streng in der Zukunft platziert. Die Ähnlichkeiten zu mechanisierten Kampfläufern und entsprechenden Kampfanzügen sind nicht wegzudiskutieren.

Das Szenario funktioniert. Medial anders und früher haben sich schon Autoren wie PHILIP K. DICK (Buchvorlage zur Serie THE MAN IN THE HIGH CASTLE) oder ROBERT HARRIS (VATERLAND) mit alternativen Realitäten basierend auf Abweichungen des II. Weltkriegs beschäftigt. JEAN-LUC SALA, der Autor von DIE EISENDIVISIONEN ist mit der Zeitlinie (insgesamt bis 1948), die er sozusagen im Vorspann des Albums entwirft, in bester Gesellschaft. Durch die technischen Errungenschaften, natürlich der Zeit von 1946 weit voraus, dem Jahr der hier vorliegenden Handlung, fügt sich ein deutlicher Science-Fiction-Aspekt der Geschichte hinzu. JEAN-LUC SALA beschreitet so einen etwas leichteren, unterhaltsameren Weg als seine Romankollegen.

RONAN TOULHOAT, verantwortlich für die Zeichnungen und die Kolorierung, macht aus dem ersten Band von DIE EISENDIVISIONEN ein düsteres Geschehen. Es herrscht Winter, die Umgebung ist streng militärisch, mit grauen, ockerfarbenen Uniformen, eisengrauen Einheiten, auf metallischen zwei Beinen, teil sogar noch mehr. Blendende Farbtupfer bestehen aus martialischem Rot, Explosionen leuchten, Tageslicht strahlt aus Deckenluken in Hangars hinein, weiße schnurgerade Striche simulieren in Actionszenen hohe Geschwindigkeiten. Unschärfen und ungewöhnliche Blickwinkel sorgen für Moviefeeling.

Die Figuren sind leicht karikiert, etwas überzeichnet, so dass ihre jeweilige Charakteristik sich im Gesicht, in der Haltung, der grundsätzlichen Mimik abmalt. Jede Figur ist einprägsam dargestellt. Atmosphärisch ist die Mitte der 1940er Jahre im Kriegszustand sehr gut eingefangen. Hier wurde an alles gedacht, von der Mode, über Haarschnitte, bis hin zur Technik. Selbst die erdachten Weiterentwicklungen gliedern sich optimal in das Szenario ein: Soldaten in gepanzerten Kampfanzügen auf dafür eigens konstruierten Motorrädern. Das geht weit über einfache Speederbikes hinaus.

Finsteres Szenario, auf Augenhöhe mit den herausragenden Alternativweltszenarien aus Comic, Roman und Film. Wer das Genre mag, wird von den Ideen von JEAN-LUC SALA begeistert sein. Der finale Lauf ist beeindruckend rasant geraten, sehr tragisch. Hervorragend illustriert von RONAN TOULHOAT, der mit tollem Auge und Fingerspitzengefühl für die Kolorierung aufwarten kann. 🙂

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Samstag, 22. Juli 2017

ARCTICA 2

Filed under: SciFi — Michael um 16:07

ARCTICA 2 – DAS GEHEIMNIS AUF DEM MEERESGRUNDEs spricht plötzlich französisch. Binnen kürzester Zeit hat es sich die Sprache mittels einer Lernsoftware beigebracht. Körperlich betrachtet ist das kleine Mädchen ungefähr zwölf Jahre alt. Der technisch seiner Zeit überlegene Sarkophag, in dem sie gefunden wurde, wird auf 10.000 Jahre geschätzt. Aber das ist längst nicht alles. Das Mädchen hat eine Aufgabe. Nachdem sie zunächst ihre Umgebung beobachtet und herausgefunden hat, wem sie trauen kann, macht sie sich mit den beiden Erwachsenen, Mismy Renoir und dem Piloten Dakota, auf einen nicht gerade leichten Weg, ihre Mission zu erfüllen.

Was geschah vor 10.000 Jahren auf der Erde? Wie konnte eine derart hoch technisierte Zivilisation bislang unentdeckt bleiben? Warum wurde nicht bereits früher etwas gefunden? DANIEL PECQUEUR beantwortet diese Fragen nicht, noch nicht, aber er gibt Hinweise, denn die bisherigen Fundorte sind äußerst schwierig zu erreichen und angesichts ihrer Größe in großflächigen Räumen gleichzeitig die berühmte Nadel im Heuhaufen. Der Fund des kleinen Mädchens hätte ebenso gut nicht stattfinden können, besäße Dakota als Pilot nicht ein überaus scharfes Auge. Der zweite Teil von ARCTICA, mit dem Untertitel DAS GEHEIMNIS AUF DEM MEERESGRUND, ist ein durchweg abenteuerlicher Action-Science-Fiction-Reißer, der all das auf Papier bringt, was der Kino-, vielleicht auch der Serienfan filmisch seit langem vermisst.

Die konsequente Weiterentwicklung gegenwärtiger Strukturen und Techniken lässt das Szenario von ARCTICA sehr lebendig erscheinen. Technisch eindeutig weiter als bis zum heutigen Tag haben sich immer noch reichliche Errungenschaften, Vehikel und Abläufe erhalten, damit die Kluft zur Realität nicht zu groß und der Einstieg in diese Zukunftswelt leicht ist. Wie es das Kintopp häufig vormacht, bietet DANIEL PECQUEUR einen ständigen Wechsel der Schauplätze und so eine Menge Abwechslung und Möglichkeiten, die Geschichte auf sehr unterhaltsame Weise weiterzuführen. Von der Großstadt auf das Land, auf ein malerisches Hausboot, weiter auf das Mittelmeer und schließlich unter Wasser. Titelbild und Episodentitel verraten es schon.

Die Handlung startet nahtlos dort, wo sie in der ersten Folge endete, auf dem Land. Das mag dem Koloristen PIERRE SCHELLE farblich vielleicht etwas hausbacken gewesen sein, denn nur wenige Seiten später präsentiert er Szenen in prächtigen Sonnenuntergangsfarben. Plötzlich wird aus dem Urlaubsambiente ein fast brennendes Land. Das vermittelt einerseits ein friedliches Gefühl, andererseits auch Gefahr, wenn sich Dakota vor diesem flammenden Licht nach Westernart in den Sattel schwingt.

Die technischen Spielereien werden als Selbstverständlichkeit eingebaut und sind jedes Mal ein großartiger Hingucker, da jedes dieser Schmuckstücke ausgefeilt wie aus einem Magazin für technische Illustrationen dargestellt wird. Die Ausstattung in dieser Hinsicht ist preiswürdig, erinnert an andere Comic-Künstler auf diesem Niveau, an Vorgänger wie ROGER LELOUP oder VICTOR HUBINON, hinter denen sich BOYAN KOVACEVIC durch seine Präzision nahtlos einreiht. In der Unterwassersequenz kreiert er ein kleines Schmuckstück, organisch anmutend, ein wenig unheimlich, fast im Sinne von Gebrauchsdesignern, denen abgerundete Formen über alles gehen.

Dem Sonnenuntergang folgt die Nacht, die Geschwindigkeit steigt, BOYAN KOVACEVIC und PIERRE SCHELLE gestalten eine ausgefallene Verfolgungsjagd und wenig später vor der Kulisse eines strahlenden Mittelmeers einen bis dahin nie gesehenen Angriff aus der Luft. Einmal mehr zeigt sich, wie sehr die Künstler im Comic kreativ gleichauf mit den Machern des Kinos sind. Einmal mehr zeigt sich auch, dass hier auf Materialkosten keine Rücksicht genommen werden muss, Stuntmen werden nicht benötigt, so dass es hier richtig zünftig knallen kann. Artistisch, kurios, packend.

Auch der zweite Teil von ARCTICA vermag auf ganzer Länge überzeugen. Eine spannende Fortsetzung, besser noch als der Auftakt, mit Figuren, die langsam an Tiefe gewinnen und dadurch noch interessanter werden. Grafisch Top! Ein klasse Illustratorenduo aus Zeichner und Kolorist schaffen eine optisch echt wirkende Zukunft. Gleichauf mit Serien wie GOLDEN CITY oder TRAVIS. Für SciFi-Fans und Leser, die auf flotte technische Blockbuster stehen! 🙂

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Sonntag, 09. Juli 2017

STAR WARS – HAN SOLO

Filed under: SciFi — Michael um 17:51

STAR WARS - HAN SOLOREBELLION? Ja oder nein? HAN SOLO begreift sich selbst als Schmuggler und hat nach der Zerstörung des Todessterns den Rebellen den Rücken gekehrt. CHEWBACCA, Wookie und treuer Freund, bleibt an seiner Seite, ganz gleich, wie der Mensch sich entscheidet. Aber HAN SOLO wird seinem abgebrühten Ruf in der Schmugglerbranche nicht mehr gerecht. Immer öfter schlägt er Aufträge aus, passt ihm dieses oder jenes nicht. Han Solo wird, das bemerkt er selbst mit Unverständnis, allzu vorsichtig. Schlimmer ist jedoch das Gerücht, das langsam die Runde macht. Ein ängstlicher HAN SOLO ist kein wünschenswerter Handelspartner …

MARJORIE LIU nimmt sich der Frage an, was HAN SOLO zwischen EINE NEUE HOFFNUNG und DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK so alles veranstaltet hat. HAN SOLO ist unsicher geworden. Und was macht ein Mann, der unsicher geworden ist? Im Falle des Schmugglers auf dem schnellsten Schrotthaufen der Galaxis bedeutet das nichts anderes, als sich Hals über Kopf in ein Riesenabenteuer zu werfen. Und was könnte riesiger sein als das berüchtigte DRACHENLOCHRENNEN, sowieso als das älteste und gefährlichste Rennen verschrien. Natürlich hätte HAN SOLO dieses Rennen auch so geflogen (wäre er in der Lage gewesen, die Startgebühr aufzubringen), ganz nebenbei gibt es aber noch eine Mission zu erledigen.

REBELLION und Spaß? Zwei Faktoren, die so gar nicht zusammenpassen wollen. Wer HAN SOLOS Jubeln während des Angriffs auf den Todesstern gehört hat, wird diese Feststellung nicht unterschreiben. Autorin MARJORIE LIU hat sich dieses Charakterzuges angenommen und den Schmuggler und seinen Freund CHEWBACCA in eine irre Hatz geschickt, die es seit AUF DEM HIGHWAY IST DIE HÖLLE LOS so nicht mehr gegeben hat (das berühmte Rennen in DIE DUNKLE BEDROHUNG eingeschlossen).

Spaß beiseite. Für HAN SOLO ist das Rennen todernst. Für den Leser ist es ein leinwandtaugliches Erlebnis und seit der HAN-SOLO-Trilogie von A.C. CRISPIN sicherlich eines der besten Abenteuer um den verwegenen Piloten. Es rast zügig voran, es schüttet ein wahres Füllhorn an Außerirdischen über den Leser aus, das Imperium darf sich von seiner übelsten Seite zeigen und schlussendlich jagt der MILLENNIUM FALKE so prachtvoll durch das Szenario, wie es der Leser nicht einmal in DAS ERWACHEN DER MACHT erleben durfte.

Verantwortlich für die bestechend tollen Bilder sind MARK BROOKS und DEXTER VINES. Was die beiden hier abliefern, holt gestalterisch beinahe alles aus dem Thema heraus. Die Charaktere sind äußerlich nah an ihren Kinovorbildern, die Außerirdischen (nennen wir sie der Einfachheit halber so, obwohl die Erde hier keinerlei Rolle spielt) sind ein Augenschmaus und so vielfältig, wie der Leser es aus der CANTINA in MOS EISLEY oder aus JABBAS PALAST her kennt. Er darf sich sogar auf eine Variante von PRINZ XIZOR (SHADOWS OF THE EMPIRE), nämlich U’LL, eine weibliche Falleen, freuen.

Manche Ansichten sind einfach bombastisch geworden, posterwürdig. Ob außerhalb des MILLENNIUM FALKENS, aus einer Kameraperspektive, der es gelingt, das Raumschiff in rasendem Vorbeiflug einzufangen. Oder aus dem Cockpit heraus, aus der zweiten Reihe über HAN SOLOS Rücken hinweg. Unschärfe suggeriert manchmal Geschwindigkeit. CARRIE FISHER alias PRINZESSIN LEIA hat kaum jemals besser ausgesehen. Die STORMTROOPER waren selten forscher und perlweißer als hier. Kurzum: Grafisch grandios!

HAN SOLO: Seit dem Soloabenteuer rund um LANDO CALRISSIAN eine megatolle Show um den beliebtesten Leinwandschmuggler aller Zeiten (noch vor BANDIT). Im Sinne eines STAR-WARS-Abenteuers passt alles: Geschichte und Grafik. Außerdem fügt sich der in sich abgeschlossene Band sehr gut in die bestehenden Geschichten der Leinwandabenteuer ein. Ein glasklarer STAR-WARS-Tipp! 🙂

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Sonntag, 02. Juli 2017

NASH 2 – KAPITEL 3 + 4

Filed under: SciFi — Michael um 18:04

NASH 2 - KAPITEL 3 + 4Ausgerechnet ein kleines Mädchen namens Audrey hat Macht über Monster. Monster, denen ein kranker Geist die Bezeichnung ENGEL verliehen hat. Aber in der Welt von NASH, der nichts anderes beabsichtigt, als seine Tochter Audrey zu schützen, wimmelt es in der letzten Zeit von Monstern. Und nicht jedes ist sofort als solches zu erkennen. Das Abenteuer begann auf der Erde. Zuerst hatte NASH nur seine Tochter retten wollen. Nun muss er feststellen, dass seine Tochter Fähigkeiten besitzt, die ausreichen, um die gesamte Erde zu retten. Obwohl sich NASH erst beharrlich weigert, kann er einen SHOWDOWN IM WELTRAUM nicht verhindern.

JEAN-PIERRE PECAU schließt mit KAPITEL 3, DIE KÖNIGIN DER ENGEL, die erste Trilogie von NASH, dem ehemaligen Soldaten und nun aktiven Privatdetektiven, Söldner und, obwohl eher unfreiwillig, Personenschützer ab. DIE KÖNIGIN DER ENGEL ist niemand anderes als NASHS Tochter AUDREY. Mit ihr gestaltet JEAN-PIERRE PECAU einen dritten Akt, der in seiner Erzählweise auch einem Sci-Fi-Blockbuster gerecht würde. In einer Zukunft, in der man sich gerne an DAS FÜNFTE ELEMENT erinnert fühlt (nur ist die Welt hier noch nicht ganz so voll), strebt die Menschheit zu den Sternen, hat Mode zu den Akten gelegt und das Militär sucht immer noch nach ganz eigenen Lösungen aus dem Schlamassel.

Die ENGEL, eine spezielle Züchtung, annähernd menschlich, aber doch so weit entfernt, dass sie den Experimenten aus RESIDENT EVIL entsprungen sein könnten, treffen auf eine soldatische Eliteeinheit. Diese wiederum scheinen auf einen Abstecher von den STARSHIP TROOPERS herübergekommen zu sein. Heißt im Klartext: JEAN-PIERRE PECAU hat mit dieser Geschichte das Genre perfekt im Griff, kennt seine Elemente, treibt das Tempo mit der nötigen Tiefe dank familiärer Zwistigkeiten voran.

DAMOUR, der hier mit den Designvorgaben von VINCENT RUEDA arbeitet, setzt hier seinen harten, eindringlichen Zeichenstil fort. Bei wirken die Figuren stets ein wenig gemeiner, als sie wahrscheinlich sein sollen, aber im Prinzip hat hier so gut wie jeder einen Grund, sich irgendwie, ja, angepisst zu fühlen. Hinzu kommt eine sehr nüchterne, kühle Atmosphäre dieser Dystopie, einer wenig verheißungsvollen Zukunft, die optisch auf Funktionalität ausgelegt ist und allenfalls rein instinktive Freuden unterstützt und ansonsten keine Banalitäten mehr zulässt.

Dass diese Welt es bei aller Kälte noch etwas freundlicher zu sein vermag, beweist KAPITEL 4, der Auftakt eines weiteren Mehrteilers, mit dem Titel DIE WEISSE BRUDERSCHAFT. Georgien, Nordkaukasus, heißt NASHS neues Ziel. Von einer technisierten Umgebung geht es mitten hinein in eine nicht zu bändigende Wildnis. Kein Beton hält hier Einzug. Die Menschen leben in Blockhütten mitten in meterhohem Schnee und noch höheren Baumbeständen. Einsame Landstraßen durchschneiden schier endlose dunkle Wälder. NASH geht kaltschnäuzig und brutal in den nächsten Auftrag hinein.

Der vierte Teil gewinnt dieser Erde eine neue Facette ab. Science Fiction bietet diese Umgebung in Kleinigkeiten. Für NASH erscheinen diese Zukunftsergebnisse in Form von CHIMÄREN, Ergebnissen genetischer Experimente und Kreuzungen aus PITBULL und SCHWARZEM PANTHER. Darüber hinaus überspitzt die Ordnung dieser von JEAN-PIERRE PECAU erzählten Zukunft unsere derzeitige Gegenwart. Russische Spezialkräfte greifen einheimische Rebellen an. NASH gerät mit seiner Beute, einer jungen Frau, die er aus all dem rausschaffen soll, zwischen die Fronten. Was JEAN-PIERRE PECAU hier inszeniert, funktioniert in anderen Epochen versetzt ebenso, zum Beispiel als Western oder aber als einfacher Thriller. NASH ist hier beinahe eine Art TRANSPORTER.

Zwei Charaktere werden wider Willen zusammengeschweißt. DAMOUR darf sich in vielen Szenen auf die beiden unfreiwilligen Verbündeten, NASH und sein ursprüngliches Ziel SONIA, konzentrieren. DAMOUR gibt seinen Frauenbildern gerne sehr magere Gesichter, ein wenig ausgemergelt. Bei SONIA gibt er eine Portion Härte hinzu. In der Schneewüste kann DAMOUR keine grafischen Fehler begehen, nachdem er zuvor so viel Perfektion gezeigt hat. Gegen Ende des vierten Kapitels wird es noch einmal technischer und es gibt einen interessanten Ausblick auf den künftigen Luftverkehr, der gar nicht so leicht von der Hand zu weisen ist.

NASH ist kein einfacher Actionheld. Obwohl er sich bemüht, einer dieser harten Knochen zu sein, kommen immer wieder seine guten Seiten zum Vorschein. JEAN-PIERRE PECAU und DAMOUR haben einem sehr gut gestalteten Charakter, durchaus auch widersprüchlichen Figur das Comicleben geschenkt. Zusammen mit einer gut durchdachten Zukunftserde sind die beiden Folgekapitel im zweiten Band der Gesamtausgabe eine sehr feine Science-Fiction-Unterhaltung. 🙂

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Freitag, 19. Mai 2017

STAR WARS – POE DAMERON – SCHWARZE STAFFEL

Filed under: SciFi — Michael um 10:14

STAR WARS - POE DAMERON - SCHWARZE STAFFELDas IMPERIUM ist vernichtet. Seit 30 Jahren, seit der Zerstörung des zweiten Todessterns, herrscht ein relativer Friede in der Galaxis. Aber aus der Asche einer vergangenen Macht erhebt sich die ERSTE ORDNUNG. Bislang wird seitens der NEUEN REPUBLIK eine direkte Konfrontation vermieden. Aus diesem Grund organisiert Prinzessin Leia einen geheimen Widerstand, der abseits der offiziellen Kanäle. Poe Dameron, einer der besten zur Verfügung stehenden Piloten, gründet das Jagdgeschwader SCHWARZE STAFFEL und erhält fortan die extra gefährlichen Einsätze.

Bevor es zu den Ereignissen in DAS ERWACHEN DER MACHT kam, war es PRINZESSIN LEIAS großes Ziel, ihren Bruder LUKE SKYWALKER wiederzufinden. Helfen sollte ihr dabei der Forscher LOR SAN TEKKA. Angeblich verstorben, ist der alte Wissenschaftler nun lebendig in aktuellen Aufzeichnungen aufgetaucht. Sein Aufenthaltsort ist jedoch weiter unbekannt, allerdings hat man einen Teil seiner Reiseroute herausfinden können. Ein Ansatz und besser als nichts. POE DAMERON macht sich mit seinen eigens ausgewählten Staffelkameraden auf den Weg.

Die Geschichte, hier eine Zusammenfassung der ersten sechs US-Hefte aus der POE-DAMERON-Reihe unter dem Titel SCHWARZE STAFFEL, fügt sich gut ins bestehende STAR-WARS-Universum ein. Auf die Figur des LOR SAN TEKKA, im Film von MAX VON SYDOW dargestellt, wird hier nur ein kurzer Hinweis abgesetzt. Der sollte dem STAR-WARS-Fan aber genügen. Denn daraus entstehen Einsätze, die es in sich haben. Der erste Einsatz ist etwas merkwürdig. Natürlich kennt der Fan seltsame Kreaturen innerhalb des STAR-WARS-Universums, sehr seltsame sogar, aber hier entfaltet sich eine Art TWILIGHT-ZONE-Atmosphäre.

Etwas geerdeter geht es in der nachfolgenden Episode in einem Gefängnis zur Sache. Helden müssen sich an ihren Feinden messen lassen, entsprechend wurde POE DAMERON ein Agent der ERSTEN ORDNUNG gegenüber gestellt. TEREX, so der Name des Bösewichts, berichtet in erster Linie an CAPTAIN PHASMA, die Kommandantin in silberner Rüstung, die ihren kleinen Auftritt in DAS ERWACHEN DER MACHT hatte. Nimmt man das Auftreten von TEREX und sein Aussehen könnte ein junger VINCENT PRICE eine gute Wahl als Darsteller gewesen sein (schlägt man einmal das Pendel in die andere Richtung, von Comic in Richtung Film).

PHIL NOTO, der überaus exakt arbeitet, mit einer Mischung aus architektonischer Genauigkeit und der Verspieltheit eines Jugendstils, liefert hier außerdem ein klassisches Cover ab, indem er den Filmplakatstil von DREW STRUZAN aufgreift. Die sehr sauberen, sehr plastischen Grafiken von PHIL NOTO erinnern an die Technik von Kollege TONY HARRIS, der sich mit EX MACHINA in die Herzen der SciFi-Comic-Fans zeichnete. Präzise gesetzte Linien werden von einer Kolorierung unterstützt, die einen markerähnlichen Auftrag imitiert.

Nebenschauplätze: Die Droiden als solche sind die heimlichen Helden von STAR WARS und eines ihrer wichtigsten Merkmale. BB-8, eine der jüngeren Droidenkreationen, tritt hier im Team eher herkömmlicher Astromechs auf und meistert sein eigenes kleines Abenteuer. Und beweist gleichzeitig, wie gut Szenen (fast) ohne Dialoge funktionieren können.

Ein toller Einstand einer neuen STAR-WARS-Serie, auf der Figur des POE DAMERON fußend, der seinen ersten Auftritt in DAS ERWACHEN DER MACHT hatte. Ungeheuer präzise illustriert von PHIL NOTO, flott erzählt von CHARLES SOULE. Für Stammfans und erst für die neue STAR-WARS-Generation. Sehr schön. 🙂

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Donnerstag, 04. Mai 2017

LEBEN UND TOD 2 – PROMETHEUS

Filed under: SciFi — Michael um 16:30

LEBEN UND TOD 2 - PROMETHEUSFernab der Erde haben sich ein paar Marines an Bord eines Raumschiffs der Ingenieure retten können. Diese fremden Wesen agieren den Menschen gegenüber mit höchster Aggressivität und werden von ihnen gnadenlos bekämpft und ausgelöscht. Aus welchem Grund diese über zwei Meter hohen humanoiden Gestalten so agieren, ist den Menschen nicht bekannt. Die Marines verstecken sich nach der ersten Begegnung mit dem Piloten des Schiffes und suchen gleich nach der Landung auf einem unbekannten Planeten ihr Heil in der Flucht. Doch dadurch kommen sie vom Regen in die Traufe.

Der zweite Teil des Vierteilers LEBEN UND TOD, mit dem Untertitel PROMETHEUS, setzt die Ereignisse des Comic-Crossovers FEUER UND STEIN fort. Die Menschen haben sich inzwischen mit einem PREDATOR arrangiert, eine Allianz, die mitunter funktioniert, wenn es einen gemeinsamen Feind gibt. Dieser besteht hier aus gleich zwei Gegnern: ALIENS und INGENIEUREN. Mit beiden lässt sich nicht verhandeln.

DAN ABNETT, Autor des neuen Vierteilers, kennt den Stoff, die filmischen Vorlagen und lässt seine Figuren einmal mehr nach dem Warum, der merkwürdigen Feindseligkeit der INGENIEURE fragen. Im Gegensatz zum Film PROMETHEUS, in dem diese Außerirdischen das erste Mal auf die Menschen trafen, liefert er ein paar Lösungsansätze und formuliert diese, im Gegensatz zu Regisseur RIDLEY SCOTT, auch aus. Hier und da klingt es logisch und sicherlich haben Fans weltweit schon ähnliche Gedankengänge angestellt. Eine endgültige Antwort bleibt DAN ABNETT letztlich schuldig. Das wird dem Kino überlassen bleiben.

ANDREA MUTTI zeichnet in einem reduzierten Stil (früher MIKE MIGNOLA, noch zu FAFHRD-Zeiten), bietet ein feines Endergebnis, wie in leicht nachgezeichneten Fotovorlagen (die hier selbstverständlich nicht existierten). Die Bilder sind eine gute Mischung für Fans der Reihe in Film, Comic, Roman, Computerspiel, aber auch für Neueinsteiger oder solche, die sich nur auf die Comics beschränken. Je nach Blickwinkel werden Veränderungen auffallen. Das Design der Aliens hat sich geringfügig verändert und folgt damit den Vorgaben bisheriger Einsätze, in denen deutlich wurde, dass ein Aussehen durchaus vom Wirtskörper beeinflusst wird.

PREDATOR und INGENIEUR allerdings sind nicht diese körperlichen Fluktuationen unterworfen. Hier treffen zwei Giganten aufeinander. Angesichts dieser Konstellation würde man sich als Leser eine noch tiefer gehende Science-Fiction-Geschichte wünschen, in der es zu einem tatsächlichen Konflikt zwischen den beiden Spezies kommt, denn unterschiedlicher könnten Wesenheiten kaum sein, aber immerhin gibt es durch die ALIENS Berührungspunkte. INGENIEURE sind offensichtlich, wie es sich auch hier zeigt, für ihre Entstehung verantwortlich, PREDATORen haben gelernt, die Kreaturen für die Jagd zu züchten und auszusetzen.

LEBEN UND TOD 2, PROMETHEUS, überzeugt mit einer großartigen Atmosphäre, vergleichbar mit alten Abenteuergeschichten, in denen die Leute an entlegenen Ort stranden und sich mit dem Schiffbruch eher schlecht als recht arrangieren und wenn sie es halbwegs geschafft haben, Piraten oder Kannibalen auf den Plan treten und ihnen das Leben erneut schwer machen oder sogar eine Flucht verhindern. Beklemmend beschreibt das Szenario unter dem Strich am besten.

Klar, für Fans besonders gut und zum besseren Verständnis lesbar im Zusammenhang mit den übrigen Episoden, aber LEBEN UND TOD 2 lässt den Leser nahe an die Charaktere heran und verlässt sich eben nicht auf die übliche Action. Feine zweite Folge! 🙂

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Samstag, 15. April 2017

NASH – Band 1 – Kapitel 1 + 2

Filed under: SciFi — Michael um 16:54

NASH - Band 1 - Kapitel 1 +2NASH war Soldat in Mexiko. Der Krieg war brutal und hat Wunden hinterlassen. Solche, die nicht sichtbar sind , nagen immer noch an ihm. Seine Ehe ist dadurch gescheitert, seine Tochter muss sich damit abfinden, dass die Eltern verschiedene Wege gehen. Nash als Privatdetektiv, seine Exfrau Ethel als Stripperin. Dann geschieht etwas, weswegen die längst akzeptierte Konstellation ins Wanken gerät. Ethel und Nashs Tochter Audrey geraten ins Visier von Killern. Doch, warum? Die drängende Frage stellt Nash zunächst in den Hintergrund, denn zuallererst gilt es das Leben seiner gespaltenen Familie zu retten.

NASH ist ein geradliniger Science-Fiction-Thriller. Die Geschichte verzichtet auf allzu große Überdrehtheiten, arbeitet mit einem zukünftig Möglichen und zeichnet darüber hinaus eine handfeste Dystopie. Es ist kalt geworden in dieser Welt, öde und staubig. In den Halbwelten tummeln sich die Menschen zu ihrem Vergnügen, für kriminelle Handlungen und manchmal geht beides Hand in Hand. Offenbar wollen sich nicht alle mit diesen Gegebenheiten abfinden, denn eine Gruppe hat genetisch experimentiert, um eine grundlegende Veränderung herbeizuführen.

JEAN-PIERRE PECAU beschreibt eine Welt, die einfach nur schlimmer geworden ist. Voller, hoffnungsloser, mit neuem Wahn verseucht. Die originalen Comics entstanden vor rund 20 Jahren. Spezialsoldaten treten in besonderen Kampfanzügen an, in Rio de Janeiro leben inzwischen 10 Millionen Menschen. Weite Flüge springen kurz in den Orbit und wieder zurück in die Atmosphäre. Cloning und global politische Intrigen sind weitere Themen. In dieses Szenario hinein versetzt JEAN-PIERRE PECAU einen Kriegsveteranen, der alles riskiert, damit die beiden Menschen, die ihm das meiste bedeuten, am Leben bleiben.

Euro-Manga hieß eine Stilrichtung, die sich vor 20 Jahren kurz herauskristallisierte, das Kind musste schließlich einen Namen haben. Heutzutage spielt die Bezeichnung keine Rolle mehr, grafische Anleihen aus Asien bereichern den europäischen Comic in Stil und Form. DAMOUR, Zeichner von NASH, der mit seinem LE TESTAMENT DU DR M mit den schwarzweißen Dr.-Mabuse-Grusicals liebäugelte, versteht es ausgezeichnet, sich optisch in eine japanisch aussehende Dystopie einzuarbeiten. Unterstützt durch das Design von VINCENT RUEDA, der mit seiner Arbeit an der Comic-Umsetzung von ERBEN DES IMPERIUMS dabei war, entsteht eine Welt, deren Neubauten von Gigantomanie geprägt sind, während in kleinen Teilen, bei einer reicheren Elite, alte Gebäude vor der Zerstörung bewahrt wurden.

In der Gegenwart ist der Einsatz von Gewalt ein allgegenwärtiger Trumpf aller Seiten. NASH hat diese bittere Lektion in der Vergangenheit gelernt, in einer Auseinandersetzung mit Maya-Rebellen, einer Aktion, die zeitweilig kurze grelle Rückblicke beleuchtet wird. Obwohl vor 20 Jahren zum ersten Mal erschienen, dürfen sich Serienfans, Thrillerfreunde und natürlich Science-Fiction-Enthusiasten an der Reihe freuen, die in ihrer gesamten Machart erstaunlich aktuell daherkommt. Überraschende Wendungen, immer an der Seite von NASH erlebt, sorgen für Kurzweil und ein stetig steigendes Spannungslevel.

Die Strichtechnik von DAMOUR unterstreicht den harten, erwachsenen Charakter der Serie, die unterschwellig die Atmosphäre von 1970er Jahre Knallern transportiert, als CLINT EASTWOOD und CHARLES BRONSON auf den Kinoleinwänden Gesetz und Rache in die eigenen Hände nahmen. Und tatsächlich besitzt NASH diesen bärbeißigen, schmallippigen Zug um den Mund wie EASTWOOD, desweiteren mit modisch stachelig, wuscheliger Haarpracht, hoher Stirn und langem Mantel angetan, dessen Kragen stets hochgeschlagen ist. JEAN-PIERRE PECAU verpasst ihm durch seine Erzählung die nötige Tiefe und den Charakter, der durch die Sorge um seine Familie wie ein Fels in der Brandung wird.

Ein toller Science-Fiction-Thriller erster Güte, klasse erzählt von JEAN-PIERRE PECAU, zeitlos dargestellt durch DAMOUR und durch die auf ihrem Gebiet höchsten Comic-Künstler PIERRE SCHELLE und STEPHANE ROSA koloriert. Band 1 fasst die ersten beiden Alben der Reihe zusammen. SciFi-Fans, die im Genre Dystopien und Action den Vorzug geben, sollten einen langen Blick riskieren. 🙂

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