Donnerstag, 02. September 2010
Die Zeit wird knapp. Nüchtern und ohne jegliche Sentimentalität betrachtet werden nur wenige diese Tauchfahrt überleben. Die Fragen, die sich stellen: Wer wird zu den Überlebenden gehören? Und wie lange kann man diese Auswahl vor dem Rest der Mannschaft verborgen halten? Diejenigen, die sich zur Zeit nicht an Bord des U-Bootes aufhalten, plagen ganz andere Schwierigkeiten. Ihr Aufenthaltsort ist dunkel, kalt und unheimlich. Nur langsam erschließt sich ihnen die Bedeutung des unterirdischen Gewölbes. Sauerstoff haben sie im Gegensatz zu ihren Mannschaftskameraden mehr als genug. Auch müssen sie sich keine Gedanken darüber machen, vom Wasserdruck zerquetscht zu werden. Zum Problem wird das Wesen, das sie in der Finsternis verfolgt. Unerbittlich und grausam.
Besser: Xavier Dorison nimmt den Leser mit auf einen Höllentrip, der den ersten Teil deutlich übertrifft und mit sehr intensiver Atmosphäre zu überzeugen weiß. Wir erinnern uns. Auf einer uralten Spur stößt ein U-Boot in naher Zukunft in ozeanische Tiefen vor, in denen eigentlich noch niemand vorher gewesen sein dürfte. Der Fund eines U-Boots aus dem Zweiten Weltkrieg belehrt die Besatzung der USS Nebraska nicht nur eines Besseren, sie müssen auch noch feststellen, dass sie die Spur tatsächlich zu einer Art Kultstätte geführt hat. Oder ist es noch mehr als das?
Das ist die zentrale Frage, die wechselhaft beantwortet werden kann. Was ist es wirklich? Was ist Halluzination, was ist echt? Neben der immer wieder für den Leser auftauchenden Frage, welcher Schauspieler wurde denn hier als Vorlage für einen Charakter genommen (es gibt wieder viel zu entdecken), ist die Antwort darauf sehr schwierig. Obwohl es manchmal sehr eindeutig scheint. Da Autor Xavier Dorison die Geschichte auf drei Folgen angelegt hat, kann man sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht sicher sein, ob der Fortgang des SciFi-Horror-Thrillers diese Vermutungen bestätigt oder nicht. Bisher war Dorison immer für Überraschungen gut.
Dunkelheit, die Enge des U-Boots, das Unheimliche der Tiefsee und die Größe der unterseeischen Tempelanlage bestimmen das Aussehen des zweiten Teils von Heiligtum mit dem Untertitel Der Weg in den Abgrund. Die engen Räume des U-Bootes lassen keine Weitschweifigkeit zu. So ist die Wirkung dort jene eines Kammerspiels. Christophe Bec, der Künstler, stellt dieser Enge eine auf den ersten Blick einfache, dafür aber umso wirkungsvollere Kulisse gegenüber. Größe war seit jeher ein Merkmal von Tempelanlagen, schließlich symbolisierten sie auch die Größe eines Gottes (oder Götzen). Geht es danach, wohnt in den abgebildeten Hallen und Gängen, hinter den gigantischen Durchgängen etwas verdammt Großes.
Christophe Bec muss hier mit starken Kontrasten arbeiten. Licht und Schatten sind hart voneinander getrennt. In den Räumen und Kulissen ist kein Platz für Graustufen. Der unheimliche Effekt, sattsam bekannt aus zahlreichen Gruselstreifen in Kino und auch TV, greift auch auf diesen Seiten dank ausgewählter Perspektiven und zum Teil sehr raumgreifender Bilder. Dem gegenüber stehen Großaufnahmen von Mimiken, die den Schrecken verdeutlichen. Die Auslöser solcher Schrecken, Gewalttaten, hält Bec recht klein. Diese Geschichte bezieht ihren Horror nicht aus Blut.
Nicht nur die Handlung des zweiten Teils ist besser, auch die Zeichnungen wirken sicherer. Kinderkrankheiten scheinen ausgemerzt. Selbst in kleinen, sehr zerbrechlich wirkenden Bildern gelingt es Christophe Bec verstärkt an der Vorlage zum jeweiligen Charakter zu bleiben. Weiterhin lässt er sich nicht lumpen und lässt neben Bruce Willis, LL Cool J und Scott Glenn auch Schauspieler wie Matt LeBlanc und Liev Schreiber auftreten.
Eine Spitzenfortsetzung. Die Kenntnis des ersten Teils ist Pflicht. Mit dieser zweiten Episode wächst sich Heiligtum zum einem Thriller-Erlebnis aus. Man darf auf den abschließenden dritten Teil sehr gespannt sein.
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Sonntag, 29. August 2010
Ein kleiner Ausflug mit dem Motorrad. Yoko hat zwar keine Schwierigkeiten, ihrem Freund Knut zu folgen, doch ist seine Maschine deutlich höher motorisiert. Er ist kein schlechter Fahrer, aber er ist auch nicht sehr vorausschauend. Auf der Spitze des Hügels sind Bienenkästen aufgestellt. Im nächsten Moment fliegen die Bienen, die Kästen und Knut auf seinem Motorrad gleich mit. Da die Warnung an die nachfolgende Yoko beinahe zu spt erfolgt, kann sie den Bienen so gerade noch ausweichen. Die beiden machen sich trotz stacheliger Gegenwehr daran, das Malheur zu beheben und geraten prompt in ein kleines Abenteuer.
Wie alles begann: In den ersten Kurzgeschichten um Yoko Tsuno, veröffentlicht im Album Unter Hochspannung, finden sich bereits viele Elemente der späteren Gesamtreihe, die einen hohen Reiz der Serie ausmachen. Technik, auch technische Spielereien (ein leichtes Bond-Flair), ein gewisses Maß an unheimlicher Atmosphäre und viel Herz. Die japanische Elektronikerin Yoko Tsuno wird entsprechend vorgestellt. Bereits in der Geschichte Überfall in Dolby-Stereo kommt Yoko einem Kriminalfall auf die Spur.
Aus heutiger Sicht ist diese Geschichte auch ein kleines Zeitdokument, präsentiert Autor und Zeichner Roger Leloup doch auch das Straßenbild jener Zeit und einen Stand der Technik der einen Meilenstein auf dem langen Weg bis zur heutigen technologischen Spitze aufzeigt. So sind die Versuche der deutschen und österreichischen Post, Briefe mit Raketen über die Alpen zu befördern, aus aktueller Sicht eine kuriose Idee.
Unheimlicher wird es mit dem Fall Die Schöne und das Ungeheuer, der die Begegnung mit einer Art technischem Yeti mitten in der Großstadt erzählt. Die gruselige Unterstimmung findet sich in vielen von Leloups Geschichten. Teils hat er sie sehr stark in bekannten Umgebungen eingesetzt (wie in Die Orgel des Teufels), teils entführte er den Leser mit ihnen auch ins Weltall. Maschinenwesen lautet der Titel dieses Sammelbandes, der neben Unter Hochspannung (Kurzgeschichten, die rein irdisch angesiedelt sind) auch die beiden Geschichten Die Stadt der Verbannten und Ethera aus dem Vinea-Erzählraum enthält. Letztere verwenden ebenfalls die perfekte Mixtur aus Rätseln, Abenteuer, sehr viel Technik und auch Gruselstimmung, die mit aufsässigen und lebensbedrohenden Maschinenwesen ganz von alleine entsteht.
Optisch darf der Leser hier einen direkten Vergleich zwischen dem Anfangsstadium einer Comic-Figur und seinem späteren Aussehen anstellen. In den frühen Auftritten ist Yoko mehr Mädchen als Frau, auch comichafter angelegt. In der späteren Ausarbeitung legt Roger Leloup seine Heldin weiblicher an. Der Wandel zeigt sich bereits in der Kurzgeschichte Der Trick mit den Bienen. Aber da es hier um Maschinen geht, muss auch diese Stärke Leloups hervorgehoben werden. Die Maschinenwesen, Roboter, sind teilweise niedlich, teilweise auch Furcht einflößend.
In den Wesenheiten wählt Leloup ein leichteres Aussehen als bei seinen übrigen Maschinen und Konstruktionen. Leloup liebt eindeutige Gestaltungen. Ungeordnete, sehr verschnörkelte Konstruktionen findet man bei Leloup nicht. Er ist ein Pragmatiker, sieht seine Raumschiffe, Weltraumstationen immer auch vom Standpunkt eines Benutzers. Ein ordentlicher Aufbau, Stromlinienformen ziehen sich konzeptionell durch seine Entwürfe für alles, das mit der außerirdischen Kultur Vinea zu tun hat. Die glatten und exakten Zeichnungen sorgen auch für eine gute Lesbarkeit, das Auge findet Ruhepunkte im Aufbau, der Genuss stellt sich für den Leser ganz von selbst ein. Anders gesagt: Leloup ist von der alten Schule, immer noch eine der besten, die es im Comic gibt.
Einmal Erde, zweimal Vinea hin und zurück: Wer Fan von Yoko Tsuno ist, kommt an diesen Geschichten nicht vorbei. Neulinge können durch die Vinea-Geschichten etwas verwirrt sein. Der Lesegenuss ist binnen kurzem auf jeden Fall gegeben, denn Roger Leloup hat einen Klassiker gestaltet, dessen Einfallsreichtum und Ausarbeitung zu den besten seines Genres gehört.
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Dienstag, 24. August 2010
Die fünf Torpedobomber fliegen akkurat in Formation, als die ersten Schwierigkeiten auftauchen. Am Himmel sind merkwürdige blinkende Lichter zu sehen. Schon hat der Bomberverband die Orientierung verloren. Das nur wenig später aufsteigende Suchflugzeug empfängt noch eine Nachricht des Staffelkommandanten. Dieser warnt die Empfänger, ihnen nicht zu folgen, denn die sähen aus wie … Kaum reißt die Nachricht ab, als das Suchflugzeug auf des Rätsels Lösung stößt und selbst vom Himmel verschwindet. Aber nicht aus der Geschichte.
Heute. Eine Vielzahl von Flugzeugabstürzen rund um den Globus haben die gesamte Menschheit erschüttert. Nachrichtensendungen berichten, Experten haben sich an die Ursachenforschung gemacht. Eine Lösung für diese weltweit gleichzeitig auftretenden Katastrophen ist nicht in Sicht. Alle stellen nur Fragen, grübeln über Theorien, Antworten finden nur im Ausschlussverfahren statt. Derweil häufen sich weitere mysteriöse Ereignisse und lang gehütete Geheimnisse kommen ans Licht.
Christophe Bec hat eine interessante Verschwörungstheorie als Grundlage seiner Geschichte genutzt. Das Blue Beam Project ist ein mehrstufiger Plan zur Einung der Weltgemeinschaft unter eine einzige Glaubensrichtung. Verkürzt gesprochen. Mysteriöse Ereignisse und Naturkatastrophen werden als Vorboten gedeutet. Ein neuer Messias wird der Welt vorgestellt. Sendungen auf verschiedenen Wellenlängen sollen göttliche Botschaften vortäuschen und das Unterbewusste des Menschen erreichen. Schließlich werden Projektionen von außerirdischen Raumschiffen am Himmel dazu verwendet, um eine externe Bedrohung der Menschheit vorzuspiegeln.
Christophe Bec verwendet eine Verschwörungstheorie auf der Basis des 1996 verstorbenen Journalisten Serge Monast. Der Kanadier Monast entwickelte wohl in den frühen 90er Jahren Theorien über die Verschwörung zur Begründung einer neuen Weltordnung, herbeigeführt durch die NASA, National Aeronautics and Space Administration, und der UNO. (Mel Gibsons Charakter in Fletchers Visionen soll auf die reale Figur von Monast zurückgehen.) In der vorliegenden Ausgabe ereifert sich ein Schriftsteller namens Barnes in einem Fernsehinterview über das Blue Beam Project und stellt es ausführlich vor.
Bec arbeitet mit Versatzstücken, die scheinbar unzusammenhangslos erscheinen. Er nimmt nicht nur für seine Charaktere gerne reale Schauspieler als Vorlage, er verwendet auch reale Ereignisse und fügt sie passend in seine Geschichte ein. Es ist zweckmäßig, diese auch wiederzuerkennen. Im Auftakt stößt der an UFO-Mythologie interessierte Leser auf das Verschwinden einer Bomberstaffel im allseits bekannten Bermuda-Dreieck im Dezember 1945, zuzüglich des Verschwindens des später ausgeschickten Suchflugzeugs. Der berühmte Flug 19, fünf Flugzeuge des Typs TBF Avenger, inspirierte schon Steven Spielberg für seine Unheimlichen Begegnungen der Dritten Art.
Auf seine Art schafft Bec eine moderne Version einer Begegnung mit Aliens und die berühmte Frage, ob da sonst gar nichts mehr ist (außer uns), wird sogar eindrucksvoll beantwortet.
Optisch erwartet den Leser, wenn schon nicht ein Kino-Blockbuster, so doch wenigstens ein TV-Blockbuster im Stile von V. Christophe Bec lässt es sich nicht nehmen, selbst auf diesen SF-Klassiker aus den 80er Jahren hinzuweisen. Zitate finden sich auch mit der Wiederkehr der Titanic, der echten, wie auch mit einem feurigen Meteoritenhagel im Stile von Armageddon. Bec überlässt nichts dem Zufall. Er setzt auf klare Linien, was manchmal einen etwas hölzernen Eindruck in den Gesichtern der Akteure hinterlässt, in den sonstigen Darstellungen aber überhaupt nicht stört. Im Gegenteil entsteht hier ein stark dokumentarischer Eindruck. Farblich setzt Bec diese Linie fort. Die Bilder wirken, als habe Bec Fotografien in farblicher reduzierter Fassung in Comic-Bilder übersetzt.
Weiterhin sehr rätselhaft, aber immerhin wirft Christophe Bec dem Leser ein paar Lösungsansätze hin, während er aber noch selbst den aufmerksamsten Betrachter im Unklaren lässt, wie es nun ausgehen wird. Spannend. Die Kenntnis des ersten Teils ist ein Muss.
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Sonntag, 15. August 2010
Der Planet Terango: Noch immer sind Luc Orient und seine Freunde auf dem fremden Planeten. Nachdem sie den Einheimischen im Kampf gegen den Tyrannen Sectan geholfen haben, sind sie nun auf der Suche nach weiteren Verbündeten in der weiten Wildnis des urwüchsigen Planeten. An der Seite seines außerirdischen Freundes Galax-Ahj erkundet Orient die Buchten eines größeren Gewässers, als ein Unfall die Freunde zum Halten zwingt. Kurz darauf finden einen weiteren auf dem Planeten ansässigen Stamm, allerdings werden sie zunächst alles andere als freundlich begrüßt. Die Drachenmenschen legen sie herein. So hatte sich Luc Orient eine Kontaktaufnahme nicht vorgestellt. Wenig später findet er sich nicht nur in einem Befreiungskampf wieder. Für seine Freunde und ihn geht es um Leben oder Tod.
Greg und Eddy Paape schufen in der zweiten Hälfte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts einen Helden, der so ganz in die Erzähltradition jener Zeit passte. Das Universum war irgendwie hipp, bunt, ein wenig fifty-futuristisch. Vieles wirkte wie die Auswüchse von Barbarella. Es ist auch abseits anderer bekannter SF-Epen wie Storm, Trigan oder phantastischer Geschichten aus der Reihe Yoko Tsuno. Es wirkt kitschiger, ohne diese Beschreibung nun negativ zu verstehen. Vergleichweise könnte die SF-Serie Dani Futuro herangezogen werden, die wie Luc Orient im französischen Magazin Tintin erschien.
Die 60er und die 70er Jahre brachten gerade im Phantastik-Bereich eine Quietischi-Klicki-Bunti-Utopie unter die Leser, Ausläufer einer Zeitperiode, als die Fahrzeuge noch besonders bauchig und später mit Heckflossen ausgestattet waren. Es war die Zeit, als ein schöneres Wohnen mit Elementen von kugeligem und knallbuntem Plastik in Verbindung gebracht wurde. In dieser Atmosphäre entstanden diese Science-Fiction-Geschichten, deren Optik heutzutage manchmal belustigt, die dank Autoren wie Greg ebenso spannend waren wie aktuell erzählte Geschichten.
Luc Orient ließ, sofern er sich auf fernen Gestaden bewegte, natürlich optische Freiheiten, die ein versierter Zeichner wie Eddy Paape zu nutzen wusste. Fremdartige Vegetation und unheimliche Tiere, rauchende Landschaften waren eine perfekte Kulisse, um jugendliche Leser in andere Welten zu entführen. Kleidung, Erscheinungsformen intelligenter Wesen, seltsam einfach anmutende, aber enorm zerstörerische Waffen und grimmige Endgegner legten schon vor Jahrzehnten die Grundlage für Konzepte, die sich immer noch in allen Bereichen von Comic, Film, Unterhaltungsroman oder auch Computerspielen finden.
Keine Schwarzweißmalerei: Durch seinen Einsatz erwirbt sich Luc Orient das Vertrauen der Drachenmenschen. Auf Angriffslust folgt Freundschaft, nicht generell durch das gesamte Volk, aber immerhin: Das Böse gibt es nicht. Eddy Paape schafft eine Kreuzung zwischen Mensch und Gorilla. Auf der grauen Haut der muskulösen Wesen prangt ein bunter Drachenkamm von der Schädeldecke hinunter zum Nacken. Demgegenüber stehen geflügelte Kreaturen, ebenfalls intelligent, das Volk der Berge, das viel schlanker und andersfarbig daherkommt. Nimmt man die Menschen und ihre Freunde des Planeten Terango hinzu entsteht so ein vielfältiges Gemisch, mit dem Paape besonders in Action-Szenen sehr gut zu spielen vermag.
Klassische Abenteuer: Unterhaltung pur, sorgfältig erzählt, technisch versiert, Tiefgang wird hier nicht benötigt. Ein knalliges und völlig rundes Space Opera Abenteuer, mit allem was das Leserherz begehrt. Auch seit seinem ersten Auftritt 1967 gehört Luc Orient immer noch in die erste Liga der Comic-Reihen.
Zack Album 16, Luc Orient, Planet der Angst
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Montag, 26. Juli 2010
Ein Sturz durch die Baumkronen in einen fremden Dschungel ändert alles, selbst für Männer, die viele Schwierigkeiten gewöhnt sind. Obwohl Schwierigkeiten für Krieg arg untertrieben definiert sind. Drake hat viele Schwierigkeiten dieser Art erlebt. Doch das hier ist neu. In sehr kurzer Zeit muss Drake miterleben, wie die Männer um ihn herum von einem unbekannten Feind abgeschlachtet werden. Aber Drake gibt nicht auf. Und die Überraschung folgt auf dem Fuß. Es gibt nicht nur Jäger in diesem Dschungel. Noland, ein anderer Mensch, hat nicht nur bereits lange Zeit auf diesem fremden Planeten überlebt, ihm ist es auch gelungen, einen der Fremden zu töten.
Viel gebracht hat es ihm indes nicht. Immer noch muss er sich verborgen halten, denn wo dieser eine Feind herkam, von dort folgen ihm immer neue nach. Die beiden Männer, beide Soldaten zwar, sind sehr verschieden. Noland hat im Laufe der Jahre seine Erfahrungen gemacht. Der Sieg über den Feind ist zweitrangig, wenn das eigene Überleben nicht gesichert ist. Drake hingegen will sich nicht mit einer Opferrolle abfinden. Lieber will er sterben, als so dahinzuvegetieren wie Noland.
PREDATORS: Lange erwartet, nun endlich in den Kinos. Nach den Auftritten von Arnold Schwarzenegger und Danny Glover als Gegner des außerirdischen Jägers stürzen sich nun Lawrence Fishburne (Matrix) als Noland und Adrien Brody (Splice) als Royce in die Schlacht. Der vorliegende Comic-Band erzählt die Vorgeschichte dieser beiden Charaktere. Während Noland der ehemalige Soldat ist, verkörpert Royce den eiskalten und professionellen Killer.
Marc Andreyko erzählt Nolands Vorgeschichte und lässt ihn wie zufällig in die Handlung hineinspazieren. Am Beispiel von Drake, der Nebenfigur, erfährt der Leser binnen weniger Seiten, wie sich die Predatoren ihre Beute in ihr spezielles Jagdareal holen. Sie agieren nun nicht mehr wie in den ersten beiden Teilen (und den beiden AvP-Ablegern) auf der Erde, sondern dort, wo noch nie ein Mensch (oder fast keiner) vorher gewesen ist. Zeichner Guilherme Balbi stellt die Handlung in harten und kantigen Bildern dar. Seine Arbeit erinnert an einen Kollegen, Mel Rubi, der sich auch schon mit Aliens, Predatoren und auch Terminatoren beschäftigte.
Natürliche Auslese heißt es in der zweiten Episode dieses Bandes, der die Figur den Royce vorstellt. Zeichner Gabriel Guzman arbeitet feiner als sein Kollege Balbi und versucht auch optisch viel näher an Schauspieler Adrien Brody heranzukommen. Das gelingt ihm sehr häufig. Guzman kommt ebenfalls die Aufgabe zu, auf Predatoren verzichten zu müssen. Ähnlich wie einst Dutch ist Royce ein Söldner, aber auch ein Killer. Er wird bezahlt, um zu töten. Royce kennt kein Mitgefühl. Hier sterben Menschen am Fließband.
Blutig. Wie Autor Andreyko hat auch David Lapham die Aufgabe jemanden vorzustellen, der in höchstem Maße unsympathisch ist, eine Tötungsmaschine mehr nicht. Das ist kurzfristig interessant, was aus dieser Figur wird, will man eigentlich gar nicht wissen. Fast gönnt man es ihm, wenn es ihn erwischen würde. Lapham erzählt die Vorgeschichte zu dieser Figur konsequent bis zum Finale, von dem leider schon zu ahnen war, wie es sich abspielen wird.
Knallhart und brutal: Die Predatoren holen sich die schlimmsten Kämpfer und Killer als Beute von der Erde. In der zweiten Hälfte besonders gut gezeichnet, thematisch nur nicht jedermanns Sache. Für SciFi-Fans und Predatorenfreunde einen Blick wert.
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Link: Batman: Dead End (Immer noch eine kultige Kurzfilmbegegnung von Batman mit Aliens und Predatoren von Filmemacher Sandy Collora.)
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Freitag, 23. Juli 2010
Berlin, Frühjahr 1945. Die Rote Armee überrennt die deutsche Hauptstadt. Das Dritte Reich liegt in Trümmern. Der Gegner musste endlich in die Knie gezwungen werden. Aber einigen Russen geht es um viel mehr als das. Als die Soldaten in unterirdische Hallen eindringen und auf sumerische Schriftzeichen stoßen, ist das Erstaunen groß. Die seltsame Statue, die sich ihnen kurz darauf präsentiert, vollendet die Verwunderung und setzt eine fürchterliche Odyssee in Gang.
Im Jahre 2029: Die USS Nebraska, ein modernes us-amerikanisches U-Boot, gelangt an den Ort, an dem das russische U-Boot auf seiner Suche nach den Artefakten verschwand. Selbst nach so vielen Jahren ist die unterseeische Umgebung immer noch lebensgefährlich. Bald schon nimmt das Verhängnis seinen Lauf.
Xavier Dorison ist der Mann für das Phantastische. Aber Hier bewegt er sich stilsicher auf den Spuren eines Michael Chrichton (Sphere), eines Stephen Spielberg (Unheimliche Begegnung der dritten Art), Stephen King (Tommyknockers) und Brian de Palma (Mission to Mars). Hinzu kommen diverse U-Boot-Abenteuer, eine Spur Alien-Atmosphäre, ein wenig Russen-Mystik aus dem Zweiten Weltkrieg und gigantische Artefakte, die an vergangene südamerikanische Kulturen erinnern.
Der Aufbau der Geschichte ist sicherlich hier und dort inspiriert durch den Film, aber er kann auch Ähnlichkeiten zu anderen Comics nicht verhehlen. Die Atmosphäre, das Geheimnisvolle, das Mystische erinnert an Publikationen wie Der Schimpansenkomplex. Die erste Folge von Heiligtum mit dem Untertitel USS Nebraska nimmt sich sehr viel Zeit mit der Einleitung der gesamten Handlung. Wie immer bei solchen Geschichten lautet die quälende Frage: Wann gibt es endlich etwas Außerirdisches zu sehen?
Lange muss der Leser nicht warten. Ein geschickt gesetzter Appetizer sorgt für Neugier, bevor es aus dem Prolog, angesiedelt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, in die Neuzeit geht und ein modernes U-Boot in Tiefen vorstßt, in die kaum ein Mensch zuvor gewesen ist. Langsam entspinnt sich eine leise Gruselstimmung, Paranoia, bis die sprichwörtliche Bombe schließlich platzt.
Christophe Bec besetzt gerne Schauspieler. Die Gesichter, die hier auftauchen, machen aus diesem Wunsch kein Geheimnis: Jürgen Prochnow (als U-Boot-Kommandant), Scott Glenn (als U-Boot-Kommandant), Beau Bridges (als Sonar-Offizier), Bruce Willis und Nicolas Cage, Johnny Depp, William Hurt (mit dunklen Haaren und jünger) und einige, bei denen die Zuordnung etwas schwerer fällt. Nicht imemr ist die Ähnlichkeit offensichtlich. Manchmal verrutscht die Perspektive auch etwas, vielleicht dann, wenn keine entsprechende Vorlage zur Verfügung stand.
Dabei scheint er im Vorspann noch vermehrt auf eigene Kreationen gesetzt zu haben. Hier sind die Ergebnisse besser, allerdings auch aufwendiger. Die Technik, mit Bildern von Schauspielern als Vorlagen zu arbeiten, haben bereits andere Künstler verwendet. Der Effekt wirkt nur kurz, wenn er nicht zur Gänze durchgehalten werden kann. Wo Christophe Bec in jedem Fall punktet, ist seine Arbeit mit Räumen, wie auch mit Licht und Schatten. Gerade in den Unterwasserszenen, die länger hätten ausfallen können, ist die Wirkung immens und regt sehr die Phantasie an, denn es entsteht die quälende Frage: Wann gibt es noch mehr davon zu sehen?
Eine solide Erzählung von Xavier Dorison, der mit W.E.S.T. und Prophet bereits makellose Arbeiten ablieferte. Insgesamt gut gezeichnet, nicht immer sind alle Protagonisten vorteilhaft getroffen (aber beschweren wird sich von denen bestimmt niemand). Auf jeden Fall macht der Auftakt neugierig auf die Fortsetzung. Für SciFi-Fans einen Blick wert.
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Mittwoch, 30. Juni 2010
Die junge Frau hält sich versteckt. Doch wie lange kann das noch gut gehen? Leise verständigt sie sich ber Funk mit einem potentiellen Helfer und Retter. Doch der hat noch einen weiten Weg vor sich. Überall scheint es von Alien-Drohnen nur so zu wimmeln. Wie kann er da rechtzeitig bei ihr sein? Nicht nur Aliens sind eine Bedrohung auf dem Weg. Auch Menschen stehen ihm im Weg. Dabei sah es am Anfang nach einer einfachen Forschungsmission aus.
Der Krieg gegen die Aliens ist Vergangenheit. Dereinst wurde die Erde von den Aliens überrannt. Auch Bemühungen, die außerirdische Spezies mit eigens dressierten Aliens zu bekämpfen misslang. Nun da die Erde wieder den Menschen gehört, gibt es dennoch immer wieder Zusammentreffen von Mensch und Alien. Nekropolis handelt von einer dieser Begegnungen.
Aliens: Oder besser: Alien. Gibt es da sonst gar nichts mehr? Das ist nicht die Frage eines Mannes in seiner Lebensmitte, vielmehr die Frage der Menschheit, ob das Universum nicht doch noch etwas mit mehr Intelligenz hervorgebracht hat als die Aliens, vielleicht sogar mit mehr Intelligenz als die Menschen besitzen. Bislang war die Suche danach erfolglos. (Dem Wesen mit Elefantenrüssel geht man wohl demnächst erst auf den Grund.)
Aber endlich ist es immerhin in anderer Hinsicht soweit: Eine außerirdische Ruine wurde auf einem anderen Planeten gefunden. Leider, so hat es sich John Arcudi ausgedacht, sind die Schwingungen des Objekts alles andere als gesund für die Menschen in seiner nächsten Umgebung. Ähnlich wie die Menschen in Sphere hält der Wahnsinn Einzug. Großer Wahnsinn, denn hinter der menschlichen Maske hat sich das Böse breit gemacht, bereit, die außerirdischen Artefakte mit allen Mitteln zu verteidigen.
Die Aliens sind da! Arcudi hält sich nicht mit der Frage auf, wer die Außerirdischen waren. Eindeutig ist aber, dass sie über ihr Verschwinden hinaus noch Ärger machen. Die zweite Komponente ist das Alien. Die hoffnungslos unterlegenen menschlichen Helden sehen sich einer besonderen Spielart dieser Spezies gegenüber. Es mögen hier Ähnlichkeiten zu den königlichen Elitewachen bestehen. (Aliens 8 und 9, Reihe im Hethke Verlag). Die Zangen seitlich des Kopfes erinnern jedenfalls daran.
Grundsatz jedes Alien-Szenarios: Entkommen! Ebenfalls grundsätzlich: Die Chancen stehen schlecht. Wer wird überleben? Daraus beziehen die Geschichten um die Aliens ihre Spannung. John Arcudi dreht den Spieß herum, denn bevor es heraus geht, geht es erst einmal hinein auf eine Rettungsmission. Auch hier: Die Chancen stehen schlecht. Kurzum: Arcudi hat die Handlung fein verschachtelt und mit Hintergrundinformationen versehen, so dass die nötige Tiefe entsteht, während sich die Charaktere vordergründig um ihr Überleben bemühen.
Realistisch gezeichnet funktionieren Aliens am besten. Mit Zeichner Zach Howard ist ein Illustrator an der Arbeit, der sich mit Superhelden, Grusel, Phantastik allgemein auskennt und mit den hier abgelieferten Bildern eine sehr gute Wahl darstellt. Der grafische Stil ist kräftig, ein wenig Ed McGuinness, ein wenig Mike Wieringo und ein Schuss Berni Wrightson. Die Gestaltung erfolgt sehr offen, manchmal nur zwei bis drei Bilder auf einer Seite. Hin und wieder gibt es ein großes atmosphärisches Hintergrundbild mit einem oder zweien kleineren Handlungsbildern.
Durch die Farbgebung von Wes Dzioba besitzen die Bilder eine enorme Plastizität. Generell versucht Howard den Leser anzusehen, indem er die Protagonisten häufig herausschauen lässt. Das erinnert an Effekte von Zeichentrickfilmen, durch den ein Zuschauer ein Eckpunkt einer Szene wird, den Raum komplettiert. Dadurch kann selbst eine Dialogszene Action besitzen und wirkt sehr dynamisch.
Eine gelungene Aliens-Hatz: John Arcudi experimentiert wenig, dafür lässt er einige Fragen offen, die eine Grundlage für weitere Geschichten sein können. Spannend bis zum Schluss, mit einigen Überraschungen gespickt, hervorragend von Zach Howard gezeichnet, nicht immer blutarm.
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Links: zachhoward.com
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Montag, 07. Juni 2010
Hass ist der Antrieb. Irgendwann, vielleicht in der Gegenwart, vielleicht in der Vergangenheit, wird Nero wieder auf Spock treffen. Und dann wird der Romulaner seine Rache haben. Wenn Vulkan vor den Augen Spocks explodiert, wird der Zorn in Nero vielleicht begraben. Doch so einfach, wie Nero sich diese Tat vorstellt, ist es nicht. Vorerst kann Spock in der Zeit entkommen. Für Nero und seine Männer bleibt nur das Warten. Das endlose Warten in klingonischer Gefangenschaft.
Willkommen auf Rura Penthe! Eis bedeckt den Planeten. Nur wenige ist hier das Überleben vergönnt. Aber kaum jemand geht an die Oberfläche. Falls doch, ist es eine Bestrafung. Unter der Oberfläche befindet sich ein klingonisches Gefängnis. Jeder Aspekt für sich allein genommen ist eine Todesfalle. In dieser Kombination, unter der Aufsicht des Klingonen Koth, ist es die Hölle. Nero wartet. Stoisch lässt er alles über sich ergehen. Jede Folter, jede Erniedrigung, denn insgeheim weiß er: Seine Zeit wird kommen.
Die eigentliche Comic-Geschichte zum Neustart von Star Trek mag komplexer gewesen sein, dieser Teilabschnitt der Vorgeschichte ist noch versierter. Ein Bösewicht ist stets ein heimlicher Handlungsheld. Der jüngste Kinofilm hielt diesen ein wenig zu sehr im Hintergrund. Grund genug, sich einmal verstärkt mit dieser Figur zu befassen.
Roberto Orci und Alex Kurtzman geben die Geschichte vor, Mike Johnson und Tim Jones erledigen den Text. Viele Köche stellen hier einen vorzüglichen Brei her, um das Sprichwort einmal abzuwandeln. Nero muss warten. Zwar fliegen er und seine Mannschaft wie auch Spock in die Vergangenheit. Die Endpunkte sind allerdings verschieden. Die Romulaner, denen Nero und seine Männer angehören, geraten in die Fänge alter Klingonen, in einer Zeit (über die ein Worf ungern spricht), in der die Technik nicht modern, die Klingonen aber so kriegerisch wie immer sind.
Star-Trek-Fans können sich auf den Strafplaneten Rura Penthe freuen, von dem selbst Kirk und Pille nur mit Mühen entfliehen konnten (Star Trek VI). In einer Geschichte, die sehr auf den Charakter Neros eingeht, seine Entwicklung und seine Stärke aufzeigt, wächst Zeichner David Messina deutlich über sich hinaus und liefert Bildkompositionen ab, die die Messlatte für künftige Comics aus dem Star Trek Universum (auch aus seiner Feder) höher legt. Die Düsternis des romulanischen Hauptcharakters spiegelt sich in den Bildern wider. Sehr starke Kontraste zwischen Hell und Dunkel, beinahe theatralisch inszeniert, stehen einem ausdrucksstarkem SciFi-Szenario gegenüber.
Technisch perfekt wird das romulanische Zwischenspiel auf der klingonischen Gefängniswelt dargestellt. Fast wünscht man sich als Fan, der letzte Kinofilm hätte noch um ein paar erklärende Szenen aus dieser Geschichte bereichert werden können. Weitere hier gezeigte Szenen sind die I-Tüpfelchen. Auch hier werden Fans einiges erkennen, auch solches, das in der Chronologie der Star Trek Reihe manchmal in Vergessenheit gedrängt wurde.
Ein sehr gelungener Band mit wichtigen Informationen zum letzten Kinofilm, hervorragend mit viel Gefühl für dieses Universum erzählt und einem David Messina, der sich grafisch selbst übertrifft.
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Samstag, 01. Mai 2010
Vulkanier sind nicht für Small Talk bekannt. Leider ist der Vulkanier an Bord des Schiffes der einzige andere Mitreisende. Aber Saurianer sind hartnäckig. Und Spock hat auch gelernt, eine gewisse Höflichkeit zu zeigen. Nach und nach entwickelt sich ein Gespräch. Der Weg von Romulus zurück in das Gebiet der Föderation ist lang und nicht ungefährlich. Er führt durch die Neutrale Zone. Grund genug immerhin für den Saurianer, sich abzulenken. Öffnet sich Spock auch nicht im Gespräch, so sind doch die vielen Fragen Anregung genug, um so manche Erinnerungen wach zu rufen.
Es war einmal ein Captain namens Kirk. Es gibt Figuren, die können ohne die anderen nicht. Kirk, Spock, McCoy, das berühmte Trio aus Star Trek ist eines der Beispiele aus der Popkultur, die nicht nur bei vielen Menschen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben, sondern deren spätere Popularität dazu beitrug, ein regelrechtes Universum um die Enterprise herum zu errichten.
Den Fernsehserien folgten Kinofilme, Handlungsbögen wurden auf Romanserien ausgeweitet, Prequels, Sequels, Lückenfüller. Kurzum, die Fans von Star Trek hatten die Qual der Wahl. Nach einer Durststrecke kommt nun eine neue Sorte Material heran, die mit Fans schreiben für Fans überschrieben werden kann. Ein Ergebnis ist die vorliegende Geschichte von Scott und David Tipton, die einen sehr vielschichtigen Spock zeigt und sehr viele Stationen aus seinem Leben erzählt, Episoden zwischen den Episoden sozusagen.
Handlungsübergreifend befindet sich ein gealterter Spock auf einer Reise von Romulus zur Erde. Fans erinnern sich daran, dass in der Nächsten Generation einen Gastauftritt hatte und an der Seite von Captain Picard agierte. Die Reise wird auch eine Reise in die Erinnerungen, hin zu Wendepunkten und zu einigen bekannten Gesichtern.
Merken Sie sich diese Tage, Picard. Denn wenn sie enden, werden Sie ihrer nie wieder gewahr.
Fans dürfen sich auf Captain Christopher Pike freuen, ebenso auf Captain Picard. Christine Chapel hat einen Gastauftritt, sogar Lieutenant Saavik findet sich in einer Szene. Immer hadert Spock mit den beiden Hälften seines Charakters, dem Menschen und dem Vulkanier. Und so mancher hat Schwierigkeiten damit, mit seinen Gefühlen gegen Spocks Wände anzulaufen, die er um seine Gefühle herum errichtet hat. Nur in sehr kurzen Momenten gestattet sich Spock, seinen Gefühlen nachzugeben, jedoch nur für sich allein, ohne Zeugen.
Scott und David Tipton haben in den vergangenen Jahrzehnten gut aufgepasst und flechten kleine Abschnitte in Spocks Lebens, die sich nahtlos in das Star Trek Universum einfügen. In diesem vorliegenden Fall von einer reinen Handlung zu sprechen, wäre zu einfach. Es ist eine Charakterstudie von Spock, die viele Facetten offenlegt und vertieft. Der Grund der Reise, den die Tiptons hier zugrunde legen, ist außerordentlich gut gewählt und als Fan lässt sich nur unterstreichen, dass eine solche Stellungnahme zu dem Thema seit langem fehlte, ja, beinahe sträflich vernachlässigt wurde.
David Messina, inzwischen fest im Star Trek Universum angekommen, nach anderen phantastischen Ausflügen zu Vampiren (Angel) zeichnet möglichst exakt und nah an den filmischen Vorlagen. In einer Skizzensammlung im Anhang dieses Comic-Bandes wirken seine Bleistiftvorzeichnungen noch realistischer. Durch die Tuschung gehen Feinheiten verloren, die allerdings manchmal durch die Kolorierung des farbgebenden Trios Elena Casagrande, Federica Manfredi und Arianna Florean zurückgeholt werden.
Eine Episode voll wohltuender Melancholie, unabhängig des Science Fiction Universums, in der sie handelt, ist sie sehr menschlich erzählt, ruhig. Für Fans von Star Trek, die sich einigermaßen auskennen, ist diese Verbeugung vor einer der bekanntesten Filmfiguren sehr gut, alle anderen dürften wenigstens den Grundgedanken der Serie hierdurch erfassen können und werden neugierig auf mehr.
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Links: Homepage von David Messina, davidmessinart.blogspot.com
(Mit vielen Eindrücken seiner bisherigen Arbeiten.)
Homepage von Federica Manfredi, federicamanfredi.blogspot.com
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Samstag, 24. April 2010
Phileon ist ein kleiner … Nun, sicherlich ist er einem Mann nicht unähnlich. Sein Körperbau entspricht einem Menschen, wenn auch weitaus kleiner, aber sein Kopf … ist der eines Nashorns. Seltsamerweise scheint sich daran niemand zu stören. Denn auf dem riesigen Kreuzfahrtschiff, der Mekaton, wimmelt es nur so von seltsamen Gestalten. Jeden Tag findet eine neue Feier statt, alle verkleiden sich. Da fallen ein paar Menschen mit Tierköpfen gar nicht weiter auf. Phileon jedoch ist noch etwas anders. Er hat die Nase voll von der Feierei, der begrenzten Welt des Schiffes. Er will hinaus in die weite Welt, obwohl genau das bei Strafe verboten ist. Dennoch will er es riskieren, aber so ganz ohne Hilfe geht es nicht.
Nach einer Bruchlandung, verfolgt von den Sicherheitskräften des Schiffes, landet Phileon in der Obhut von Bruno und seiner Mutter. Während der kleine Bruno, der insgeheim die ganze Verkleiderei zu all den Festen auch satt hat, sich gerne um Phileon kümmert, begreift seine Mutter schnell die Konsequenzen, die daraus erwachsen können. Und tatsächlich scheint mit dieser Zusammenkunft ein Stein ins Rollen gekommen zu sein, der das Schicksal der gesamten Bevölkerung auf der Mekaton in neue Bahnen lenkt.
Ein futuristisches Abenteuermärchen. Autor und Zeichner Jean-Baptiste Andreae erzählt einfach. Das ist mutiger, als es sich vielleicht anhört. Eine in sich geschlossene Gesellschaft verdammt jeden, der sich von der Truppe entfernen will, jeden, der das Paradies verlassen möchte. Andreae zeigt dem Leser zuerst eine sehr verrückte Welt. Es entsteht der Eindruck einer Gemeinschaft, die munter auf ihren eigenen Untergang zuschippert. Kurz darauf wird dieser Eindruck durch eine Mischung aus Disney und Star Wars durchbrochen. Mit einer ähnlichen Phantasie, wie sie auch in den Zeichentrickabenteuern Titan A.E. und Der Schatzplanet zu finden ist, üppig in Form, Farbe und Erzählung baut Jean-Baptiste Andreae in drei Kapiteln eine Welt auf, die eigentlich schon untergegangen ist, ohne dass die wenigsten überhaupt davon wussten.
Eine Feier der Verlorenen, einer, der fliehen will. Das sind keine unbekannten Themen. Der disneyeske Umgang damit, vielleicht auch eine kleine erzählerische Nähe zum Schiff der Überlebenden aus WALL E, angereichert vielen eigenen Details macht etwas Neues daraus. Vom Schiff geht es ins ewige Eis, bevor die riesige fremde Stadt gefunden wird, in der die …
Das soll nicht verraten werden.
Grafisch ergeht sich Jean-Baptiste Andreae in großartiger Vielfalt. Da er sich selber keine Grenzen setzt ist alles möglich. Andreae zeichnet an der Grenze von Realismus und Karikatur. Einerseits verfährt er streng nach Vorbild, während auf der anderen Seite plötzlich Kreaturen erscheinen, die auch einem Wunderland entflohen sein können. Die Geschichte und auch die Bilder erfordern Aufmerksamkeit. Andreae liebt diese von ihm geschaffene Welt ganz offensichtlich, andernfalls wäre er nicht in der Lage, ihr eine solche Tiefe mit einer solchen Selbstverständlichkeit zu gestalten. Er zeichnet mit sehr feinen Außenlinien, die mehr Markierungslinien von Flächen sind. Der Farbauftrag erfolgt in schöner organischer Gouachefärbung, sehr vielschichtig, lasierend und insgesamt mit hohem Aufwand.
Eine sehr lebendige und bunte Welt, ein rasantes lustiges, wie auch spannendes Abenteuer mit einer Reihe von sehr unterschiedlichen Schauplätzen und ausgefallenen Charakteren. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist Die mechanische Welt tolle Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite.
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