Freitag, 27. Januar 2012
Die Gruppe von Kim Keller versucht nach ihren Absturz zurück zur Siedlung des Landungstrupps zu gelangen. Nur mit einem massiven Raupenfahrzeug ausgestattet, gestaltet sich die Reise langwierig und voller Gefahren. Die Landschaft mag überschaubar sein, die Tierwelt hingegen birgt stets neue Überraschungen und oft wirkt etwas harmlos, das sich kurz darauf als lebensgefährlicher Beutejäger entpuppt. Dennoch schien es für einen Spähertrupp zunächst wie jede andere Welt auch. Belebt, aber nicht von intelligenten Wesen bewohnt. Inzwischen ist für jeden einzelnen Menschen auf dem Planeten klar, dass es ein Geheimnis gibt.
Zunächst stand die Vermutung im Raum, jemand beobachte den Planeten und betreibe ausführliche Studien an den Tieren wie auch an den Menschen, die kurzer Zeit landeten. Kim Keller und ihre Freunde entdecken ein weiteres Rätsel. Wandmalereien und deutliche Spuren in einer Höhle weisen auf die Anwesenheit einer menschenähnlichen Spezies hin. Ob sie noch auf dem Planeten existiert? Ob die Malereien uralt oder neu sind? Niemand vermag das zu sagen. Von Kim unbemerkt machen sich die führenden Personen des Siedlungstrupps daran, eine Expedition auszurüsten, die den Nachbarplaneten erkunden soll. Denn eines ist sicher: Dort sitzen die rätselhaften Beobachter.
Leo macht es spannend: Der Autor und Zeichner der Reihe Antares macht es weiterhin furchtbar spannend. Die Reihe, inzwischen der dritte Zyklus um Kim Keller und ihre Abenteuer während der menschlichen Kolonisierung des Weltalls, erreicht hier einmal mehr den Punkt, an dem alles zu scheitern droht. Haben sich die fremden Intelligenzen in der vorhergehenden Zyklen beizeiten zu erkennen gegeben oder gab es wenigstens Hinweise auf eine Motivation der oder des Fremden, ist an dieser Stelle immer noch alles offen.
Mehr noch: Die Schwierigkeiten mit den religiösen Eiferern innerhalb der Siedlungsgruppe wachsen. Frauen sollen gnadenlos auf einen letzten Platz innerhalb der Gesellschaft verbannt werden. Moderne, tatkräftige Frauen wie Kim Keller stören hierbei nur, sind zu aufsässig und müssen sich wehren. Leo geht sogar einen Schritt weiter: Was wäre, wenn religiöse Fanatiker die Gelegenheit wahrnehmen könnten, als erste Kontakt zu einer außerirdischen Intelligenz aufzunehmen? In dieser hier vorliegenden Form geht er noch einen Schritt weiter, als eine Science-Fiction-Geschichte wie Contact getan hat.
Die Theorie: Außerirdische müssen eine sittlich klare Gesellschaftsform entwickelt haben, mit deutlicher Trennung von männlich und weiblich, Körper, Geist und Seele. Leo treibt die Dramatisierung innerhalb der Gruppe vollkommen auf die Spitze. Kim Keller, mit der Leo den Typus einer vollkommen emanzipierten Frau geschaffen hat, gerät innerhalb dieses Abenteuers zum ersten an die Grenzen ihrer Kräfte. Noch nie zuvor war sie durch die Entführung ihrer Tochter so stark belastet. Leo zeigt eine Frau, die Schwächen hat, diese aber immer zu verbergen sucht. Von allen Seiten wird ihr deshalb noch mehr aufgebürdet. Schließlich wird alles zuviel.
Leo zeichnet weiterhin mit dieser bewundernswerten Genauigkeit, Erfindungsgeist und einem Blick für das Wesentliche. Dies gelingt ihm in seinen Zeichnungen ebenso wie in seiner Erzählung. Kleine Gesten, Gesichtsausdrücke, Haltungen. Das Menschliche gewinnt hier vor der Kulisse eines fremden Welt die Oberhand, in jeder Beziehung. Und Leo zieht den Leser durch seine Bilder so nah an die Charaktere heran, dass die Fremdartigkeit der Umgebung zwar nicht aus dem Blick verloren wird, aber sich mehr am Rande der Wahrnehmung wiederfindet.
Sehr dicht, ungeheuer spannend durch toll entworfene Charaktere, die erst diese ungewöhnliche Dramatik möglich machen. Feine Science Fiction, für mich fraglos innerhalb des Comic-Mediums eine der besten ihrer Art. Die Kenntnis wenigstens der vorherigen Bände des Antares-Zyklus ist allerdings Pflicht.
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Freitag, 20. Januar 2012
Der perfekte Killer: Gezüchtet, trainiert, mit übermächtigen Fähigkeiten ausgestattet. Unbesiegbar. Ohne Gefühle. Eiskalt. Gefährlich. Und nicht zu lenken. Sein Schöpfer hatte eigentlich nur eines im Sinn: Geld verdienen. Seine Kreation sollte ihm den großen Wurf bescheren. Leider ging der Schuss wenig sprichwörtlich nach hinten los. Showman Killer wird der Mann für aussichtslose Fälle. Wenn nichts anderes mehr hilft, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, erst dann ist die Bereitschaft groß genug, auch wirklich jeden Preis für Showman Killers Dienste zu bezahlen.
Alejandro Jodorowsky zitiert sich mit der Kreation seines Showman Killers ein wenig selbst, erinnert diese übermenschliche Figur nicht nur an Frankensteins Monster (siehe auch Titelbild), sondern auch an den Metabaron. Aber es ist die Vermischung mit Aspekten einer Figur von Mary Shelley, die wieder neue Seiten in dieser sehr fantastischen Science Fiction erzeugt.
Alpträume: Agiert dieses sehr moderne Frankensteinmonster auch mit einem Blutdurst, der seinesgleichen sucht, ist er auch von einem Egoismus getrieben, der in diesem von Jodorowsky geschilderten Universum einzigartig ist, so nagt doch irgendwo tief in dieser Kreatur etwas an seinem Geist. Sobald Jodorowsky die Entstehung dieses Wesens erzählt hat, widmet er sich den Einsätzen dieses Söldners, doch zunächst begleitet der Leser den Showman in einen Traum, nicht weniger blutig als Showmans reales Leben, dennoch erschreckend genug, um das künstliche Wesen zu erschüttern. Solange Zeit ist. Denn bald schon naht Showmans Alltag.
In diesem Alltag, der in fremde Welten entführt, wie sie besonders einem Jodorowsky einzufallen scheinen, traumhaft wie alptraumhaft, hier sogar in leichter Verbeugung vor einem Wüstenplaneten, bleibt wieder einmal keine Zeit zum Luftholen. Vielleicht, bei genauer Betrachtung, zieht Jodorowsky eine religiöse Figur, Moses nicht unähnlich, durch den Kakao. Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, dass Jodorowsky religiösen Wahn thematisiert und aufs Korn nimmt. In jedem Fall tritt an vielen Stellen Jodorowskys abgrundtief schwarzer Humor zutage. Sicherlich gibt es auch andere Interpretationsmöglichkeiten.
Gewalt? Ja. Showman ist ein Killer, wird als solcher gezeugt und geboren. Gewalt, so könnte man sagen, ist sein zweiter Vorname. So fallen einige Darstellungen durch Nicolas Fructus auch entsprechend drastisch aus. Nicolas Fructus konnte hierzulande mit dem Mehrteiler Thorinth Fans finden. Bei Fructus ist jede Seite ein Gemälde, weniger eine Comic-Seite. Sicherlich beherrscht er die übliche Aufteilung und platziert seine Bilder, doch die Kolorierung erfolgt ungleich aufwändiger als in anderen, auch vergleichbaren Produktionen.
Showman, der die Fähigkeit zur Verwandlung besitzt, bietet einem Künstler wie Fructus ein ideales Betätigungsfeld. Besonders beeindruckend gerät die Sequenz, in der Showman die Gestalt eines Gottes annimmt, um ein ganzes Volk in den Krieg zu führen. Das ist dank der Malerei von Fructus mehr Kino als Comic. Das Auge bewegt die Bilder automatisch. Wer hat, lege entsprechend rasante Musik dazu ein. Heavy Metal oder ein Bombast-Soundtrack wären passend. Gleichzeitig mag dieser Beschreibungsansatz dazu dienen, dem Leser diese und ähnlich gelagerte Szenen vor Augen zu führen.
Bombastisch, wieder einmal, mit weniger scheint sich Alejandro Jodorowsky kaum noch zufrieden zu geben. In Nicolas Fructus hat er einen Künstler gefunden, der diese Ideen sehr schwermetallig umzusetzen vermag. Für Freunde beinharter SF und Fantasy empfehlenswert.
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Donnerstag, 12. Januar 2012
Unten auf dem Planeten werden Frauen gebraucht. Ohne sie wird die kleine Kolonie nicht überleben. Die blonde Frau hoch oben in einer Umlaufbahn über Betelgeuze, auf einem Kolonieschiff, weiß von den Vorkommnissen auf der Planetenoberfläche nichts. Sie wähnt sich allein. Als der junge Mann aus seiner Stasis erwacht, hat sie zwar jemanden, mit dem sie den Geheimnissen an Bord auf den Grund gehen kann, aber die Ergebnisse dieser Nachforschungen werden keine Hoffnungen wecken. Im Gegenteil: Allein im All, ohne die Möglichkeit Hilfe zu rufen oder auch nur irgendwie auf sich aufmerksam machen zu können, scheint es nur eine Prognose zu geben.
Wir sind nicht allein: Auch auf Betelgeuze muss die Menschheit die Erfahrung machen, dass bereits andere vor ihr dort eingetroffen sind. Mehr noch: Diesmal ist sie nicht erwünscht. Autor und Zeichner Leo setzt seine Science-Fiction-geschichte rund um das Leben der auf der Aldebaran geborenen Kim Keller fort und reist mit dem Leser in ein neues Sternensystem: Betelgeuze. Diese Gesamtausgabe fasst die fünf Alben des zweiten Zyklus zusammen.
Der neue Planet, der zur Kolonialisierung auserkoren wurde, ist auf den ersten Blick weniger paradiesisch als Aldebaran, aber immer noch ursprünglicher als die Erde, die unter einer Glocke von Schmutz und Abgasen zu ersticken droht. Der Aufbruch ins All ist eine Notwendigkeit und entspringt nicht einem unbedingten Herzenswunsch. Die Menschheit hat den Punkt zur Umkehr verpasst. Betelgeuze, der bislang noch keine Zivilisation sah, bietet große Wüstengebiete, gigantische begrünte Schluchten und riesige unterirdische Wasservorkommen. Doch die Kolonisation scheint schon zu Beginn zum Scheitern verurteilt worden zu sein, denn von den tausenden von Kolonisten haben nur wenige die Planetenoberfläche erreicht. Die meisten sind tot, auf ewig im All eingefroren.
Leo präsentiert dem Leser eine Zukunft, die hoffnungsvoll wirkt, aber auch einige Klippen, Abgründe und Steine auf dem Weg liegen hat. Wie schon in Aldebaran birgt jedes Paradies eine Schlange. Bald tauchen Zwänge auf, werden falsche Kompromisse geschlossen, die eine Veränderung zum Besseren verhindern oder sogar rückgängig machen. Leo gelingt durch die Schilderung der menschlichen Beziehungen und der Erforschung dieses neuen Planeten eine außerordentlich dichte Erzählung, die nicht mit Paukenschlägen daher kommt, sondern den Leser für die einzelnen Charaktere vereinnahmt und so mitreißt. Die Figur der Kim Keller ist ein Archetyp der emanzipierten Frau, ungewollt charismatisch, intelligent und sehr weiblich, wie ihr ihre Verehrer stets aufs Neue bestätigen.
Betelgeuze, im Land der tiefen Täler: Aus dem Weltraum sieht der Planet unwirtlich aus. Erst bei näherer Betrachtung enthüllt Leo tiefgrüne Schluchten, breite Flüsse und einen großen Tierreichtum. Leichte Strichführung, größtmöglicher Realismus in der Darstellung und eine ruhige, unaufdringliche, weil natürliche Farbgebung lassen Bilder und Gesamteindrücke entstehen, die an Momentaufnahmen erinnern. In den Raumschiffszenen mag der Vergleich zu Bildern, die in echter Umgebung entstanden sind, vielleicht etwas hinken, doch Leo gelingt der Fingerkniff diese Welt künstlerisch zu dokumentieren. Der Unterschied zwischen der Kühle des Alls, der beigefarbenen Wüsten, der grasgrünen Täler und der kaltgrauen unterirdischen Welt bietet hierfür insgesamt spannende Kontraste.
Sind Leos Gesichtsentwürfe auch nicht so differenziert wie der Rest seiner grafischen Einzelheiten, mag ihm dies angesichts der Fülle der Ausdrücke, die er für diese Weltengestaltung schafft, mehr als nur verziehen sein. Ein Kern des neuen Zyklus weiß besonders zu gefallen: Die Iums (das Titelbild zeigt Kim Keller mit einem dieser schwarzweißen Wesen), optisch angelehnt an Robben, sehr rund, auch knuffig, werden von Leo für beeindruckende Ansichten genutzt. Gleichzeitig bietet er optische Einfälle, die einen häufig innehalten und staunen lassen.
Dieser zweite Zyklus besticht einmal mehr durch seine konsequent ruhige Erzählung, stetige Spannungssteigerung, überraschende Wendungen und Aktionen. Leo ist nicht nur ein geradliniger Künstler mit dem Strich an der richtigen Stelle, er weiß auch punktgenau zu erzählen. Seine Kreationen (Lebewesen vorneweg) faszinieren ein ums andere Mal mehr und die immer neuen Rätsel machen diese Science-Reihe-Reihe zu etwas Besonderem innerhalb des Genres.
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Nur die Besten der Besten: Sie stehen nicht bereit, um die Menschheit in eine neue, bessere Zukunft zu führen. Sie sollen in einem interstellaren Krieg dienen. Bereits in ihrer Ausbildung werden sie gnadenlos gedrillt. Vielleicht werden sie nicht einmal die Reise zu ihrem Ausbildungsstandort überleben. Zu Beginn des neuen Jahrtausends zieht die Menschheit erstmals gemeinsam in den Krieg gegen eine außerirdische Rasse. Kämpfen will gelernt sein. Wer in dieser Ausbildung kämpft, simuliert nicht. Wer das erste Mal ein Schlachtfeld betritt, hat bereits einmal überlebt. Vielleicht öfter. Doch selbst die harte Ausbildung hat die Soldaten nicht auf den implantierten Blutdurst vorbereitet, der sie wie Berserker auf einen nahezu wehrlosen Feind vorrücken lässt.
Eine Aussage über den Krieg lässt sich in jeder Epoche treffen. Die Science Fiction mag dazu geeignet sein, ein übergreifendes Szenario zu schaffen und Fragen noch deutlicher aufzuwerfen: Wie lange kann ein Krieg geführt werden, dessen Feinde sich so gut wie nie zu Gesicht bekommen? Dessen Feinde nicht einmal genau zu sagen vermögen, warum dieser Krieg eigentlich begann? Es ist ein düsteres Bild von Joe Haldeman, der selbst im Vietnam-Krieg als Soldat für die USA diente und den Schrecken hautnah erlebte. In der Gesamtausgabe Der ewige Krieg, für deren Romanvorlage er den Hugo Award und den Nebula Award erhielt, skizziert Haldeman am Leben seiner Hauptfigur, dem Soldaten William Mandella, einen Krieg, der irgendwann für die Menschen nur noch existiert. Es gibt, also führt man ihn.
Die Gesetze der Zeit: 2009 zieht der Soldat William Mandella in einen Krieg, aus dem er nach Erdzeit rund 26 Jahre später zum ersten Mal zurückkehren wird. Er selbst ist in dieser Zeitspanne weitaus weniger gealtert. Während er sich dort draußen im All von Kriegsschauplatz zu Kriegsschauplatz begibt, vergehen für die menschliche Zivilisation beinahe tausend Jahre. Am Ende ist der Soldat erschöpft. Die Ziele, für die er ins Feld zog, selbst die Gesellschaft, die er verteidigen wollte, existiert so gar nicht mehr. Joe Haldeman nimmt den Leser von der Ausbildung der Rekruten mit in die erste Schlacht. Nahgefechte, Fernkämpfe: Ziele werden aufgenommen. Die Soldaten werden selbst zum Ziel.
Während die menschliche Gesellschaft zuerst die Heterosexualität auf breiter Ebene ablegt und die Homosexualität vorzieht, die Fortpflanzung per Klonen schließlich das sexuelle Miteinander komplett über den Haufen wirft, kämpfen die Soldaten in einem Krieg, mit dessen Raumfahrt und Waffentechnologie sie kaum Schritt zu halten vermögen. Die Liebe zwischen William Mandella und Marygay Potter, ein kleiner Lichtblick in der organisierten Zerstörung, vermag den Feldzug kaum zu überleben. Als sie getrennt werden, ist klar: Wenn der Feind, die gesichtslosen Tauren, es nicht schafft, sie zu töten, wird die durch ihre Reise entstehende zeitliche Barriere eine unüberwindbare Kluft werden.
Mark Marvano zeichnet die Grafiken mit sehr feinen Strichen, kurz ausgeführt, dort wo die Striche notwendig sind. Stilistisch schließt er unnötiges Beiwerk aus. Gerade so viel, wie nötig ist, um die jeweilige Form, die Landschaft, das Gerät zu zeigen, legt Marvano in der getuschten Fassung auf Papier nieder. Bruno Marchand gibt den Bildern Volumen, indem er den Realismus herabstuft, so als habe er eine Vorlage besessen, die er nun mit Einschränkungen wiedergibt. Im Ergebnis erhält der Leser eine optische Dystopie, ein gesamtmilitärisches Erscheinungsbild, wie es der Science-Fiction-Cineast von Outland, Aliens oder auch Space 2063 her kennen mag.
Die klaren Formen nehmen so manchen Schrecken, stellen es etwas klinischer dar, als eigentlich ist. Marvanos Grafiken stützen die halbdokumentarische Erzählform, in der nichts explodiert oder im Todeskampf schreit. Kommentare aus dem Off, in einer Art Tagebuch, berichten vom Grauen und hält auf Distanz. Aber weder Haldeman noch Marvano blenden den Krieg aus. Der Schrecken wird bildlich. Er zeigt sich in den stillen Explosionen, den Blutfontänen, den zerstörten Raumschiffen und den sich krümmenden Soldaten auf der Krankenstation. Selten schmeckte eine grafische Novelle im Science-Fiction-Genre derart bitter und wirkte so gekonnt.
Ein Abbild der Gegenwart in der Zukunft: Joe Haldeman erzählt von einem Krieg, den die Menschen zu ihrer Entwicklung brauchen. Die von anderen Autoren beschworene Begegnung mit einer außerirdischen Rasse verbündet den Menschen hier zwar auch, aber nur um den Krieg zur neuen Blüte zu treiben. Immerhin lässt Vietnam-Veteran Haldeman den Leser mit einem Lichtblick am Ende des Tunnels zurück. Doch bis er dorthin findet, dauert es eine ganze Weile. Sehr gut.
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Dienstag, 27. Dezember 2011
Ein Shinguz verkauft, er verschenkt nichts. Wie gut, dass Veronique ein kleines Wesen bei der Hand hat, dem es zwar keine Freude bereitet, Zahlungsmittel herzustellen, dies jedoch bis zu einem gewissen Erschöpfungsgrad schafft. Doch Geld ist nicht der einzige Türöffner und Wegweiser in der bunt zusammengewürfelten Welt von Central City. Die Beharrlichkeit und auch die Liebe von Veronique zu ihrem Valerian führt letztlich ans Ziel. Aber der Weg dorthin ist einer der beschwerlichsten, den sie jemals auf sich nehmen musste.
Kein Flugzeug, auch nicht E.T., der auf einem Fahrrad am Mond vorüber fliegt: Valerian ist es. Ein Experiment und unzählige Kopien von Valerian machen es möglich. Doch Veronique ist keineswegs begeistert. Inzwischen liegt der dritte Band der Gesamtausgabe von Valerian & Veronique und ein weiteres Mal überraschen Pierre Christin und Jean-Claude Mezieres mit den hier versammelten drei Abenteuern. Die beiden Comic-Künstler räumen ihrer Veronique hier einen deutlich größeren Anteil an den Geschichten ein. Man könnte auch sagen: Veronique ist eindeutig die Vernünftigere der beiden Abenteurer geworden.
Botschafter der Schatten, so der Titel der ersten abgedruckten Geschichte in diesem Sammelband, entführt den Leser in die verschlungene Welt und das wahrhaftige Vielvölkergemisch von Central City. Unzählige Formen, Atmosphären, Moden, Einflüsse aller Art, politische Ziele und mittendrin die Menschen, ein Stück weit zu arrogant für diese Konzentration für diese Wesen aus allen Ecken der Galaxis. Sicherlich handelt es sich um ein Abenteuer, das mit Hand und Fuß erdacht wurde, andererseits eröffnet die Vielfalt der Umgebung auch ungeahnte Möglichkeiten der Erzählung, die eine Vorhersehbarkeit des Fortgangs unmöglich macht.
Hier zeigt sich die Begeisterung von Christin und Mezieres für das Genre Science Fiction ganz besonders, denn wie es bereits ein Zitat von Mezieres auf der Buchrückseite sagt: In dieser Serie ist einfach alles möglich, und jedes neue Album bringt uns dorthin, wo wir es wollen. Präsentiert sich diese Episode fast als Besichtigungswanderung und gleichzeitig als ein Höhepunkt der grenzenlosen Ideen der beiden, ist die Nachfolgegeschichte Trügerische Welten weitaus mysteriöser.
Valerian stirbt! Und nicht nur einmal. Fast fühlt man sich an virtuelle Welten erinnert, in denen nicht nur alles möglich ist, sondern auch noch immer neue Leben zur Verfügung stehen, mit denen der nächste Einsatz machbar wird. Alles beginnt mit einer Szene, die den kolonialen Bemühungen der Briten in Afghanistan oder Indien entlehnt scheint. Unter den Soldaten, die mutig, aber taktisch unklug gegen die einzunehmende Festung anrennen, ist auch Valerian. Bald treffen ihn die Kugeln. Als Leser, der auf die Überraschungen von Christin und Mezieres geradezu wartet, trifft die unerwartete Wendung doch ins Mark. Mit sehr hoher Geschicklichkeit spinnt Christin den Faden fort und schickt Valerian ein ums andere Mal in weitere ausweglose Situationen, bis sich ein Muster abzeichnet und die Auflösung ein gewisses Moebius-Element hineinbringt.
Eher klassisch abenteuerlich findet sich Valerian in einer Hatz auf Die Insel der Kinder wieder. Hier ist Veronique mehr zum Zuschauen verurteilt, bis sie schließlich doch noch das Heft in die Hand nimmt und ihren Valerian rettet. Nach der Rätselhaftigkeit der ersten beiden Geschichten erzählt Christin wieder geradliniger, auch mit sehr viel mehr Humor, indem ganz offen auf Moebius (und Jodorowsky ebenfalls) angespielt wird. Allein bei dieser kleinen Hommage zeigt sich beispielhaft der große humorige Anteil der Handlung, die gleichzeitig viele Heldenabenteuer und Sagen karikiert.
Wieder einmal für jeden Geschmack etwas dabei: Deutlich rätselhafter fallen die ersten beiden Episoden aus, abenteuerlicher und lustiger ist die dritte Geschichte. Immer ist das phantastische Element sehr stark ausgeprägt, wie immer ist der Einfallsreichtum der beiden Comic-Macher bewundernswert. Die Reihe präsentiert sich einmal mehr als Paradebeispiel der Space Opera.
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Montag, 05. Dezember 2011
Die Jabrakk durchkreuzt das All. Innerhalb des Sternenschiffes herrschen eigene Gesetze. Die Zeit verläuft anders. Für die Besatzung, darunter auch einige Menschen, ist der gigantische durchs All jagende Komplex wie ein Kokon. Leider haben sich die Dartz, jene humanoiden Raumfahrer aus einer weit entfernten Galaxis, allzu sehr auf ihre Computer verlassen. Eines Tages macht Professor Kala, der zusammen mit seinen Assistenten Luc Orient und Lora Jordan an Bord ist, die fürchterliche Entdeckung, dass sich die Wasservorräte dem Ende zuneigen. Neu produzierte Getränke entpuppen sich als pures Gift. Die Maschinen wehren sich gegen ihre Programmierer. Eine Ursache ist nicht erkennbar.
Damit das Problem zunächst umgangen werden kann, suchen die Raumfahrer fieberhaft nach einer Zwischenstation im All, wo sie gewissermaßen auftanken können. Doch das ist leichter gesagt, als getan, denn obwohl das Weltall eine unvorstellbare Weite besitzt, ist der Fund von Wasser doch nicht leicht. Der nächstgelegene Planet, der Abhilfe schaffen könnte, besitzt eine absolut lebensfeindliche Atmosphäre. Schlimmer noch: Die gewaltigen Stürme, die auf ihm toben, könnten auch die Jabrakk zerstören.
Zurück ins All mit neuen Freunden: Freunde? Kala, Orient und den anderen wird schnell bewusst, dass sie immer noch Gäste sind. Die Dartz haben das Sagen und verschleiern diesen Aspekt der Zusammenarbeit keineswegs. Mit über drei Millionen Dartz an Bord besteht allerdings auch kein Zweifel, wie die Gewichtung auf der Jabrakk aussieht. Die anderen menschlichen Begleiter, aus ihrer Zeit entführt, zwei Franzosen aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie zwei römische Legionäre, sehen in der Reise ein großes Abenteuer. Eine Rückkehr gibt es für sie nicht. In der Folge stellen sie sich jedoch als nicht unwichtige Begleiter heraus.
Ziel Terango: Zurück zu den Wurzeln. Obwohl sich mittlerweile andere, erdgebundene Abenteuer um Luc Orient abgespielt haben, konnten die beiden Comic-Macher Greg (Autor) und Eddy Paape (Zeichner und durchaus Mitautor) nicht ganz von den Wurzeln der Serie, dem Ort, wo sich das große Abenteuer herausbildete, lassen. Der Planet Terango, wo unter menschlicher Mithilfe ein Diktator besiegt worden war, soll eine Heimat für einen Neuanfang der Dartz werden.
Als die Frauen noch Schwänze hatten: Mag es jener Trash-Klassiker mit Senta Berger gewesen sein, der Eddy Paape zur Gestaltung der Amazonen inspirierte, die sich auf dem Titelbild des vierten Bandes der Gesamtausgabe befinden? Das kann nicht beantwortet werden. Zeitlich würde es hinkommen. Darüber hinaus allerdings hat die Handlung nichts jenem Film gemein. Vielmehr tobt sich Paape auf Terango aus und gestaltet einen neuen Teil jener wundersamen Welt. In seiner geradlinigen und einfallsreichen Art zu zeichnen könnte er sich nahtlos in die moderne Comic-Veröffentlichungen einreihen, obwohl die vorliegenden Arbeiten teilweise über 30 Jahre zurückliegen.
Ein alter Feind ermöglicht den Brückenschlag: Julius Argos, eine Art kriminelles Genie, entpuppt sich ausgerechnet als derjenige, der zur Rettung der Menschen beitragen könnte. In jedem Band ist es immer wieder faszinierend, wie Greg und Paape Haken schlagen und ihre Geschichten erzählen. Nichts ist unmöglich, ließe sich sagen vor den Eindrücken dieser bunten, prallen Science-Fiction-Opera, die nicht mit Einfällen geizt, sondern auch von Geschichte zu Geschichte zu überraschen versteht. So kann es sogar vorkommen, dass die Guten auch zu Bösen werden.
Erzählen mit Freude an den Charakteren, am Genre und am Medium: Das war Greg einerseits und das leistete Eddy Paape mit Luc Orient optisch. Ein pralles Lesevergnügen mit neuen außerirdischen Freunden, den Dartz, spannend und unterhaltsam von Anfang bis Ende.
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Freitag, 25. November 2011
Die Welt ist nicht das, was sie zu sein scheint. Tief im Inneren, verborgen und leblos, windet sich eine ehemals organische Struktur durch den Planeten. Aber ist der gigantische Leib auch zur Unbeweglichkeit verdammt, so ist der Geist doch rege und auf Suche nach einer Kreatur, die ihm zum Ausbruch verhelfen kann. Und diese Kreatur ist … Andere haben in diesen Tagen weitausweltlichere Schwierigkeiten. Kurz gesagt: Sie wollen nur überleben. Doch nicht nur der Planet selbst mit seinen mannigfaltigen Gefahren ist ein großes Hindernis für dieses Ziel. Von außerhalb des Planeten hat sich eine Militäreinheit eingefunden, eingetroffen, um das Geheimnis des Planeten zu ergründen. Natürlich mit der gebotenen Sensibilität, die Militärs nun einmal innewohnt.
Die angestrebte Lösung der Soldaten ist wieder einmal radikal und endgültig. Granit, die ehemalige Navigatorin des Raumkreuzers Kometenstaub, gerade noch der Gefangenschaft entkommen, muss nun zusammen mit ihren Freunden ums nackte Leben bangen, beinahe im wahrsten Sinne des Wortes. Nur langsam begreifen sie, dass nicht nur ihre Existenz, sondern die aller Lebewesen des Planeten Ythaq auf dem Spiel steht.
Der 9. Band der erfolgreichen Reihe über Die Schiffbrüchigen von Ythaq bringt die Auflösung des riesigen Rätsels hinter den Auseinandersetzungen derer, die mit den Kräften der Elemente gesegnet sind. Obwohl Segnung vielleicht der falsche Begriff ist, denn die Schicksale derer, die über Feuer, Wasser, Luft und Erde endeten häufig mit dem Tod. Ein weltumspannendes Rätsel verlangt nach einer ebensolch großen Lösung und Christophe Arleston, bekannter Autor des Comic-Universums Troy, entwickelt ein Finale, dem eigentlich kein einziger Held dieser Serie gewachsen sein kann. Eigentlich.
Auf Ythaq, das haben die bisherigen acht Episoden gezeigt, ist alles möglich dank Arlestons Erfindungsreichtum. Da die bereits erzählte Geschichte mit nicht wenigen Superlativen aufwarten konnte, lässt Arleston es am Ende so richtig krachen. Entsprechend fällt die Aufgabe von Zeichner Adrien Floch, der die Reihe von Anbeginn betreut hat und auch an ihr gewachsen ist. Die Ansichten leben von sehr vielen Details, die den Künstler vor immer neue Aufgaben stellen. Es gibt nicht den Landstrich, das Volk, das darzustellen ist. Mit jeder neuen Episode wuchs die Vielfalt, die mit der letzten Folge weiterhin zunimmt.
Kein Unterschied zwischen Titelbildqualität und Innenseiten: Floch zeichnet allenfalls innen mehr Einzelheiten und kann zwischen typisch technischen Science-Fiction-Ansichten und Darstellungen von eher uriger Fantasy-Bildern pendeln. Er arbeitet gerne ausgewogen mit Vordergründen und Umgebungen, schafft Tiefe und erzeugt größere Dichte. An anderer Stelle holt er die Charaktere schön heran, sogar bis nah an die Augen und spielt mit den Seherfahrungen, die Cineasten nun einmal kennen.
Die Strichführung ist stark zu nennen, selbstbewusst und legt sich selbst keine Regeln auf. Deckende schwarze Schatten, großflächig ausgeführt, lösen sich mit sehr feinen Schraffuren ab. Geschwungene Linien stehen im Gegensatz zu besonders kantigen Formen oder den sehr individuell gezeichneten Dschungelansichten, wo es eben wächst. Floch verpflichtet sich der jeweiligen Szene. Im Ergebnis finden sich auf jeder Seite sehr schöne und dynamische Gesamteindrücke, an denen die Augen gerne haften bleiben, einfach, weil es gut aussieht.
Ein gelungener Abschluss, wie es sich für ein Finale gehört, sogar in Blockbusterqualität erzählt und gezeigt. Die Kenntnis der bisherigen Handlung ist Pflicht zum Verständnis des 9. und letzten Bandes der Reihe. Weitere Ausflüge nach Ythaq wären jedoch sicher machbar und aus Lesersicht wünschenswert.
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Dienstag, 22. November 2011
Dr. McCoy und Theela befinden sich inmitten eines Schlachtfeldes und flüchten um ihr Leben. Duncan, der dritte Mann ihres Teams, ist verschwunden. Beide machen sich große Sorgen, unternehmen können sie indes nichts. Als sie kurz darauf gefangen genommen werden, Ein alter Bekannter, Gary Seven, klärt McCoy über die Hintergründe des Krieges auf, in den sie völlig ohne Vorwarnung geraten sind. Das Leben der kleinen Gruppe steht auf des Messers Schneide. Eine Fluchtmöglichkeit scheint es nicht zu geben, eine Lösung des Problems kann erst gar nicht in Erwägung gezogen werden. Die Lage ist, wie so oft und Dr. McCoy kennt sich aus, aussichtslos.
Mag der erste Star-Trek-Kinofilm so manchen Fans auch nicht den Geist der originalen Serie eingefangen haben, so gehört er dennoch zur Chronologie der Reihe. Und so stellt sich die Frage, wie manches Besatzungsmitglied seine Zeit zwischen den Einsätzen auf dem Fernsehschirm und jenem ersten Kinoauftritt verbracht hat. Der Comic-Autor und Zeichner John Byrne (u. a. Die fantastischen Vier, Die Rächer) hat sich dieses Themas angenommen und die Lücken im Lebenslauf von Dr. McCoy mit viel Gespür für die knurrige Star-Trek-Figur geschlossen.
Der Mann mit dem Bart: Wer ihn vermisst hatte, bekam ein erstaunliches Bild zu sehen, als Leonard McCoy im ersten Star-Trek-Kinofilm von der Transporterplattform trat und einmal mehr überprüfte, ob während des Beamens nicht noch Teile im Nirgendwo verblieben waren. Die hier vorliegenden gesammelten Abenteuer erzählen von McCoys Abenteuern auf dem vergleichsweise kleinen Raumschiff Joanna. An seiner Seite lernt der Leser neue Weggefährten kennen: Duncan und die anfänglich etwas ruppige und hochnäsige Theela, eine Angehörige des Volkes der Andorianer.
Das erste Abenteuer ist typisch für den Aufbau der frühen Fernsehfolgen der Original-Serie wie auch der ersten Staffel der Neuen Generation, bevor sich rote Fäden innerhalb des Universums richtig etablierten. Neuer Planet, neues Rätsel: Ein Planet wehrt sich. So könnte die Episode auch heißen. Aber Unkraut trifft es auch. Wie aus den Serien bekannt, müssen sich die Charaktere wenn schon nicht lieben lernen, so doch wenigstens zusammenraufen. Ruppige Theela trifft auf knurrigen McCoy, keiner will sich etwas vom anderen sagen lassen. Gar keine Frage, dass alsbald hier die verbalen Fetzen fliegen. Aber auf den Konflikt folgt gemäß eines Grundgesetzes von Star Trek auch bald die Annäherung, wenn nicht gar die Versöhnung.
So setzt sich die aufmüpfige Theela sehr bald schon für den Doktor ein. John Byrne, der Comic-Veteran, ahnt auch, dass neue Gesichter vielleicht nicht ausreichend sind, um den Fan zu fesseln. In kleinen Rahmenhandlungen begegnet der Leser so auch einem belustigten James T. Kirk, der sich die Abenteuer seines alten Freundes McCoy in Tagebuchform zu Gemüte führt. Etwas intensiver steigt Montgomery Scott, der an dieser Stelle allseits bekannte Chefingenieur der Enterprise, in die zweite Episode im vorliegenden Band ein. Ebenso finden sich Dr. Chapel und Nummer Eins, die bereits unter Captain Pike diente und inzwischen Admiral ist. Interessanterweise wurden in der Serie beide von Majel Barrett gespielt.
Byrne zeichnet realistisch und wiedererkennbar. Man könnte behaupten, McCoys Bart mache ihm die Darstellung leichter, ihm gelingen die übrigen Bekannten jedoch auf Anhieb. Die flink ausgeführten Tuschestriche sitzen und explodieren nur selten in der alten Marvel-Manier, die schon bei Jack Kirby und John Buscema zu finden ist. Die Zeichnungen sind teilweise auch minimalistisch zu nennen, doch Byrne hat für sich einen Weg gefunden, einen runden Mittelweg aus Erzählung und Zeichnung zu beschreiten, der hier hervorragend funktioniert.
Für Fans der Star-Trek-Reihe: Sehr schön gezeichnet, von einem Urgestein des Comic-Genres, John Byrne, der die bekannten Gesichter fein einfängt. Darüber hinaus versteckt Byrne viele Anspielungen, verschafft einzelnen Charakteren neue Auftritte und zeigt ganz nebenbei, was aus dem einen oder anderen noch bei der Sternenflotte geworden ist. Das ist tolle Star-Trek-Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite.
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Sonntag, 16. Oktober 2011
Die Welt wird untergehen! Es wird nicht geschehen, wie es von vielen Menschen befürchtet wird, aus eigenem Antrieb, wegen Krieg oder Umweltverschmutzung: Nein, ein Außerirdischer hat entschieden, dass die Menschheit nicht auf den richtigen Weg zu bringen ist und eine Gefahr darstellt. Die vollständige Vernichtung scheint die einzige Lösung zu sein. Da der Erpresser weltweit zuschlägt und der Menschheit ein Ultimatum stellt, haben es Luc Orient und seine Freunde schwer, dem Unbekannten, der sich selbst Zerstörer nennt, zu begegnen. Wie ernst der Fremde seine Drohung meint, zeigt sich schnell, wenn Die letzten 24 Stunden der Erde anbrechen.
Fremde Welten hier auf der Erde: Professor Kala hat es in zu Forschungszwecken in die Berge verschlagen. Kurz darauf muss Luc Orient eingreifen. Kala ist verschwunden. Ausgerechnet Ameisensäure führt die Suchenden auf eine unglaubliche Fährte. Inmitten eines Urlaubsparadieses für Skifahrer machen sie eine Entdeckung, die gleichzeitig einen Teil der menschlichen Geschichte neu schreibt.
Ideenreichtum: Wenn Greg (Autor) und Eddy Paape (Zeichner) erzählen, dann darf sich der Leser entspannt zurücklehnen und diese wahnsinnig tollen Einfälle genießen. 1975 entstand Die letzten 24 Stunden der Erde, sicherlich eine Hommage an Der Tag, an dem die Erde stillstand (die alte Version mit Michael Rennie), dennoch erinnert sie durch die Vorgehensweise des Zerstörers an die neue Version mit Keanu Reaves. Mit der Geschichte um eine vergangene Zivilisation, dem Konstrukt eines Bewahrers oder besonderen Beschützers, wandelten sie mit der Geschichte In den Fängen der Ameisenmenschen auf der Linie einiger Star-Trek-Folgen, in denen sich ein mächtiges Wesen der Ordnung eines kleinen Volkes annimmt.
Der Sprung in die Vergangenheit führt den franko-belgischen Flash Fordon auf die Spuren von Klassikern wie Die vergessene Welt von Arthur Conan Doyle. In solchen Welten ist alles möglich. Längst ausgestorbene Tiere geben sich die imaginäre Klinke in die Hand. Gefahren lauern allerorten und der Weg der Helden führt mittendurch. Greg und Paape engen sich nicht ein. Ob streng konstruiert, frei von der Leber weg erzählt oder mit einem locker-flockigen Action-Abenteuer: Die beiden Comic-Macher legten ihrem Helden kein Korsett. Immer wieder anders, immer wieder neu, hieß die Devise. Und so kam es zu einer Episode, die in dieser Vielfalt der Ideen einen vorläufigen Richtungswechsel der Reihe einschlug.
Das Kristalltor: So lautet der Titel des vierten Albums in dieser dritten Sammelausgabe. Luc Orient erhält nicht nur Mitstreiter aus der Vergangenheit, ihn verschlägt es auch noch in eine Zukunft, während seine einstigen Gefährten den normalen Lebensweg beschritten haben und nun alt sind. Neue Außerirdische, ganz anders als jene, die Luc Orient auf Terango kennenlernte werden zu neuen Freunden. Natürlich gestaltet sich diese Annäherung bei weitem nicht so einfach. Die Strichführung von Eddy Paape macht aus diesem Zeitabschnitt der Luc-Orient-Abenteuer schon wieder modern ausschauende SciFi-Geschichten, die ebenso gut neu erschienen sein könnten, hätten nicht die Handlungen einen gewissen Retro-Charme und wären sie nicht so oft von anderen in der Folge kopiert worden.
Sehr abwechslungsreich, mit sehr hohem Einfallsreichtum, voller Überraschungen und mit feinen Zeichnungen inszeniert: Allein durch diese vier Geschichten ist der Erfolg der gesamten Reihe erklärbar. Greg und Paape waren in der Tat ein Traum-Comic-Duo.
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Montag, 10. Oktober 2011
Tsagoi ist nicht gern gesehen. Aber Tsagoi ist charakterstark, denn er ist nirgends so recht gern gesehen. Die Fahrer der Lastwagen machen sich das Leben gegenseitig so schwer es eben geht. Nur Tsagoi wollen sie es noch ein wenig schwerer machen. Sicher, für Tsagoi geht es einmal mehr um Leben und Tod, doch da kennt er bereits seit frühester Jugend. Irgend so ein Großmaul mit abgerichteten Hunden macht ihm auch keine Angst. Allerdings weiß Tsagoi auch, wann es besser ist, die Beine unter den Arm zu nehmen. Dies macht umso mehr Sinn, wenn es gilt, die kleine Schwester, die das harte Truckerleben überhaupt nicht kennt, nicht nur sprichwörtlich aus der Schussbahn zu holen.
1992 glaubte man noch, das Ozonloch werde einmal die Bedrohung für die Menschheit sein. In Gipsy wurde dieser Faden weitergesponnen. Längst ist das Ozonloch gigantisch. Die Folge: Flugverkehr findet so gut wie keiner mehr statt. Lastkraftwagen haben den Transportverkehr erobert. Eine der gefährlichsten Routen, Hauptadern könnte man sagen, ist die C3C, die Circumpolar 3 Continental. Diese hat besonders schwierige Abschnitte, hoch oben im Norden gelegen. Die Routen führen durch das ewige Eis, werden stellenwesie von Banditen belagert und sind doch heiß umkämpft, denn je höher die Gefahr, desto größer der Ertrag.
Thierry Smolderen beschreibt einen abenteuerlichen Auftakt, indem er dem Leser gleich zwei Charaktere vorstellt: Tsagoi ist bereits als Junge knallhart, lässt sich nichts bieten und ist nicht zimperlich in der Wahl der Mittel. Oblivia, die kleine Schwester, für die er eine Verantwortung verspürt, die als ehrlich, aber auch mürrisch, zerknirscht beschrieben werden kann. Während Tsagoi auf der Straße seinen Weg geht, wächst Oblivia in einem Internat heran. In dieser sauberen Umgebung, die Tsagoi seiner Schwester gewünscht hat, fernab des wahren, schlechten Lebens, unterliegt Oblivia einer Täuschung. Ihre Herkunft wird sie den anderen immer entfremden, deren Nasen noch höher getragen werden als jene von Oblivia, die sich über die üblen Manieren und das Macho-Gehabe des großen Bruders sehr aufregt.
Aus dem Jungen ist ein Mann geworden, der sich noch weniger bieten lässt, da jede Herausforderung für ihn mit dem Tode enden kann. Aus Tsagois Leben ist ein Spiel um Alles oder Nichts geworden. Die Schilderungen von Thierry Smolderen sind von der ersten Seite an höchst intensiv und mitreißend. Die sechsteilige Geschichte bedient sich nicht nur einer asiatisch anmutenden Grafik, sie verwendet auch jene außergewöhnliche Erzähltechnik, die kaum Zeit zum Luftholen lässt.
Bevor sich Zeichner Enrico Marini historischen Themen widmete (Der Skorpion), Die Adler Roms), arbeitete er stilistisch in einer Form, die Fans von Mangas, besser noch von Katsuhiro Otomo (Akira) sehr bekannt finden werden. Marini verwendet selbstverständlich die westliche Leserichtung, aber darüber hinaus könnte er ein Schüler von Katsuhiro Otomo gewesen sein. Zweifellos aber ist er ein Freund dieser künstlerischen Comic-Ausrichtung. Das Titelbild ist hier etwas feiner ausgearbeitet als die eigentlichen Comic-Seiten, hat er hier eine Technik gewählt die deutlich gemäldeartiger ist.
Im Innenteil jedoch wird Wert auf optische Geschwindigkeit gelegt. Dies betrifft nicht nur einen manchmal schnell wirkenden, skizzenartigen Stil, wie er von Mangas sattsam bekannt ist, auch entsprechende Kameraeinstellungen finden sich. Der Blick ist entweder nahe dabei oder befindet sich im Schlepptau eines Objekts. Das können angreifende Hunde sein oder auch, weitaus häufiger, Lastkraftwagen, die sich in bester Mad-Max-Manier harte Rennen liefern, bei dem nicht nur die Fahrzeuge auf der Strecke bleiben.
Die Jagd beginnt: Waffen für Sibirien. In der politischen Ordnung der von Smolderen beschriebenen Welt hat sich einiges getan. Das mutet seltsam an, aber es ist auch nicht so verrückt, dass es vom Standpunkt der 90er Jahre nicht ins Auge zu fassen wäre. Die Verfolgungsjagd durch das inzwischen ewige Eis ist nicht einmal der Wahnwitz an dieser Jagd. Hatte das Wagenrennen einen gewissen Anklang von Mad Max, kommt mit dem Auftauchen mongolischer Wegelagerer echte Heavy-Metal-Stimmung auf. Zu diesem Zeitpunkt heißt es dann nur noch: Anschnallen!
Ein Knaller! Stellt sich eigentlich nur die Frage: Warum erst jetzt? Der erste Teil von Gipsy hat alles, was einen guten Action-Knaller im Comic ausmacht, gekrnt von einem zwar knallharten, aber auch rotzfrechen und irgendwie liebenswerten Helden. Klasse!
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