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Comic Blog


Mittwoch, 16. Juli 2008

Fathom - Kiani 5

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 16:01

Fathom - Kiani 5Der Kampf ist unbarmherzig. Kalte Energieblitze wüten gegen heiße Lavaschüsse an. Während die einen mit vereinter Kraft zuschlagen müssen, um einen Sieg zu erringen, schlägt eine Gegnerin alleine ein halbes Dutzend Feinde. Doch all die Macht der Krieger nützt nichts, als die Schwarzen auftauchen.
Unterdessen begegnet Kiani endlich ihrem Vater – den sie sich so nicht vorgestellt hat. Nicht in dieser geschwächten, wässrigen Form, nicht als Opfergabe für ihr Schwert, so wie es die Oberen von Aescylot von ihr wollen. Es ist ihr Vater, der ihr dazu rät, es zu Ende zu bringen. Kiani gehorcht. Sie stößt die Energieklinge in die Brust ihres Vaters.

Das Finale rollt spannend und melodramatisch.
Die Tochter findet ihren Vater wieder und soll ihn gleich darauf im Sinne eines irren Kultes töten. Vince Hernandez hält sich nicht mit einem Konflikt auf, sondern generiert gleich mehrere, die auf ihrem Höhepunkt ineinander übergehen. Hier fasziniert besonders das Eingreifen der Schwarzen, eine Volksgrube, die wegen ihres phantastisch dunklen Panzers diesen Namen erhalten hat und für die dieses Geplänkel eher lächerlich ist. Wie groß ihre Macht ist, zeigt Hernandez am Zusammenbruch der Auseinandersetzung in wenigen Augenblicken.

Eine Erlöserin wollten die Blauen, sie bekommen die Schwarzen, die sich auch über das anberaumte Ritual hinwegsetzen. Nicht nur das. Plötzlich spielt auch Killian wieder eine Rolle, der sich seit seinem Auftritt in Killians Tide sehr verändert hat. Dieser Killian macht (zumindest hier) einen geläuterten Eindruck – inwieweit das der Wahrheit entspricht wird die Zukunft von Fathom zeigen.

Zum Abschluss kann sich Zeichner Marcus To vollkommen auf die bisherigen Charaktere konzentrieren. Hintergrundgestaltung oder sonstiges Design lenkt nicht mehr ab. So betrachtet, scheint eine Lupe angesetzt worden zu sein. Lasst Gesichter sprechen, scheint der Grundgedanke zu sein. Erschrecken, Erstaunen, Furcht oder Trauer äußert sich hier kaum in Worten. Die Augen blicken groß. Münder sind vom Zorn oder Hass verzerrt. Eine Geste sagt alles. In bester Action-Manier wird kleines Kino zelebriert, soweit das in Heftform möglich ist.

Der Höhepunkt schlechthin ist das Eingreifen von Casque, einem der Schwarzen. Ohne Anstrengung vernichtet er die – seiner Ansicht nach – Feinde, die Killian in ihre Gewalt brachten. Die einzige Gestik – leider viel zu klein dargestellt, sonst wäre es umso beeindruckender – sind die abgespreizten Flügel, die ihn wie einen Unterwasserdrachen aussehen lassen. Die Vernichtung der Feinde wird von Marcus To gnädig inszeniert und ergeht sich nicht in einer überbordenden Gewaltdarstellung, was angesichts der finalen Kämpfe zu begrüßen ist.

Ein guter Schluss, spannend, sehr ernst, mit nur sehr wenig Trost für alle Beteiligten behaftet. Grafisch ein würdiges Finale für diese Miniserie. Von Marcus To, dem Zeichner, wird angesichts seiner Jugend bestimmt noch viel zu hören sein. :-)

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Storm 2 - Der letzte Kämpfer

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 12:51

Storm 2 - Der letzte KämpferDie Jagd auf das Vielhorn war erfolgreich. Endlich können Storm und Rothaar sich wieder einmal richtig satt essen. Aber da die beiden auch manchesmal Pechvögel sind, lassen auch hier unglückliche Umstände nicht lange auf sich warten. Alsbald sind sie in den Fängen eines Sklavenjägers. Storm und Rothaar werden unfreiwillige Mitglieder in einer Mischung aus Zirkus und Gladiatorenschule. Storm verwundert seine neuen Herren und Kameraden durch seltsame Kombinationen im waffenlosen Kampf, doch im Kampf mit dem Schwert hat er noch viel zu lernen.

Außerdem hat er viel über die ungeschriebenen Gesetze des Landes zu lernen. Ein Zirkus wie auch eine Gladiatorenschule macht sich nicht bei den Dörfern und Städten unbeliebt, die es bereist. Hinzu kommt, dass man auf keinen Fall den Champion des jeweiligen Ortes herausfordern und ihn am Ende auch noch besiegen sollte. Cush, der Besitzer des Zirkus weiß das, Storm weiß es nicht. So kommt es wenig später zum Eklat. Cush sieht nur einen Ausweg. Storm muss an die Stelle des alten und besiegten Champions treten. Mehr noch, da man ahnt, dass Storm seine Aufgabe nicht zwanglos erfüllen wird, ist schnell ein Druckmittel gefunden: Rothaar.

Nachdem wir die beiden Helden zuletzt auf einem kleinen Floß über die Wellen treiben sahen, durchstreifen sie nun das Land. Allerdings steht dieser Streifzug unter keinem guten Stern. Autor Martin Lodewijk lässt Storm und Rothaar kaum Zeit, um den Augenblick zu genießen. Am Ende der zweiten Seite wartet schon der Wendepunkt, der die beiden in das Abenteuer hineinrutschen lässt.

Ungewöhnliches, Zirkus, Gladiatoren – und in dem Augenblick, in dem der Leser sich über den weiteren Weg der Geschichte klar ist, kommt es ganz anders. Lodewijk bringt ein Relikt aus der Vergangenheit ins Spiel, von dem zunächst nicht gesagt werden kann, was es sein wird. Mit höchstem Geschick mischt er Fantasy-Elemente mit Science Fiction und mengt unheimliche Faktoren wie auch kleine Puzzle- und Rätselstücke mit unter.

Das Titelbild dieser Auflage sagt einiges über die phantastischen Teilstücke der Geschichte Der letzte Kämpfer aus. Der-gefüttert-werden-muss ist ein Heiligtum, extrem realistisch ausschauend für den Betrachter und umso geheimnisvoller, denn es wird keine weitere Erklärung darüber abgegeben, um welche Art Heiligtum es sich handelt. Der Schlund sagt alles. Wer hineinfällt, ist weg. Mit dieser Vorgehensweise, nicht alles haarklein zu erklären, hält Lodewijk beständig das Interesse wach und die Spannung hoch.

Das Palais des Todes, das gestrandete Raumschiff ist ein anderes Beispiel für diese erzählerische Taktik. Zwar ist es ein Kernelement der Erzählung, doch seine Herkunft wird nicht erläutert. Gegen Ende gewinnt man den Eindruck, dass sich Lodewijk ein wenig beeilen musste, um seine Erzählung noch innerhalb der Seitenanzahl beenden zu können. Es entstehen mit Storms Rückkehr aus dem Palais ein paar Sprünge, die einen Zeitraffereffekt zur Folge haben.

Don Lawrence, der sich nach Lodewijks Vorgaben richtet, hat es leichter. Er kann sich der Ausstattung widmen. Das Vielhorn gleich zu Beginn ist lediglich eine harmlose Abwandlung bestehender Tierarten. Viel interessanter ist die Riesengarnele, die der Sklavenjäger als Reittier benutzt. Der Aufmarsch der Zirkusmitglieder ist phantastisch in Form und Farbe, ein Aspekt, den Lawrence bei der übrigen Gestaltung des Bandes beibehält. Fast könnte man es als phantastischen Zuckerbäckerstil bezeichnen. Wer die Stadt, in der der Zirkus gastiert, sich ansieht oder auch das erwähnte Palais des Todes kann diese Bezeichnung schnell nachvollziehen.

Wer genau hinschaut und auch mit Trigan vertraut ist, wird eine gewisse Ähnlichkeit des Stadtoberhaupts der kleinen Stadt mit dem Berater Perik, der Trigan zur Seite steht, feststellen. Diesen kleinen Seitenblick erlaubt sich Don Lawrence ganz bestimmt mit Absicht, denn die Ähnlichkeit ist frappierend und bei all seinen anderen Bildern ist es unwahrscheinlich, dass ihm ausgerechnet hier die Ideen ausgegangen sein mögen und er auf Altbewährtes zurückgriff.

Immer noch – und gerade hier durch die besondere Drucktechnik ungeheuer schön zu sehen – hat Lawrence Vorbildcharakter. Selbst in dieser relativ frühen Phase hat er mit dem betriebenen Aufwand jeder einzelnen Seite manch anderer Produktion viel voraus – und: Das hier ist Handarbeit mit richtiger Farbe! Das soll die Arbeit am Rechner nicht abwerten, aber es entsteht ein anderes Gefühl für das Werk (jedenfalls für den Künstler, wie es für den Leser ist, weiß ich nicht). Wie immer bin ich voll des Lobes für den großen Meister, der Maßstäbe setzte. Ich kann leider nicht anders

Phantastische Bilder dieser untergegangenen Welt mit phantastischen Wesen, Kriegern und Hintergründen mit einem hervorragenden Blick für Perspektive und Licht von Don Lawrence umgesetzt. Lodewijk lässt seiner Phantasie freien Lauf, vermischt einige bekannte Versatzstücke und mengt neue unerwartete Zusatzstoffe hinzu. So machen Abenteuer Spaß. :-)

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Samstag, 12. Juli 2008

Fathom - Kiani 4

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 11:27

Fathom - Kiani 4Eine Explosion im Orbit der Erde hat Auswirkungen auf den tiefsten Grund des Ozeans. – Aber das konnte damals niemand ahnen. Für andere hingegen bedeutet gerade jene Kraft, die aus der Erdumlaufbahn in das Wasser fiel, den Beginn allen Heils. Eine Waffe konnte erschaffen werden, die Waffe der Erlöserin.
Kiani, die sich nun im Besitz dieser Waffe befindet, ist erstaunt und fasziniert zugleich. Die Waffe ist ein außergewöhnliches Werkzeug. Eine unbekannte Substanz erhält ihre Energieklingen. Während Kiani noch rätselt, braut sich vor den Toren von Aescylot ein Krieg zusammen.

In einem Wechselspiel aus Rückblicken und gegenwärtigen Ereignissen wird das Puzzle kurz vor dem Finale zusammengesetzt. Völker, gefangen zwischen ihren eigenen Mythen, dem was sie glauben und demjenigen, dem sie folgen möchten, streben auf die unvermeidliche Konfrontation zu. Andersdenkende werden, ähnlich wie im alten Rom im Senat, vernichtet, zunächst verbal und falls das nichts nützt, auch radikal und für immer.

Der Konsul von Aescylot nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Er ist mehr als nur ein Politiker, er ist außerdem noch Wissenschaftler und eine Art Priester, ein Beseelter, ein Erleuchteter – und wer die phantastischen Bilder sieht, auf denen er die Herstellungsprozedur jenes besonderen Schwerts überwacht, kann dies sogar wörtlich nehmen.

Vince Hernandez stellt mit diesem Mehrteiler um Kiani der Verblendung der Menschen die Verblendung eines unterseeischen Volkes gegenüber. Derjenige, Killian, der seinen eigenen Weg zur Bekämpfung der Menschen suchte, wird nun zu einer Geisel, einer Opfergabe der Unterseeischen und begünstigt allein durch seine Existenz einen neuen Krieg. Dahinter steht Kiani, die sich eigentlich gerecht wähnt und doch selber viel Schuld auf sich geladen hat, dies aber nur ungern wahrhaben will.
Die Handlung und ihre Charaktere verfügen über viele Grauschattierungen, ein reines Schwarzweiß, also eine wenig durchdachte Handlung und flache Charaktere wird man hier als SciFi-Fan vergeblich suchen. Allenfalls ließe sich der leise Vorwurf erheben, dass fast schon zuviel Handlung und Hintergrundinformation in die Seiten hineingepresst wurde.

Entgegen der erwähnten kriegerischen Auseinandersetzung ist dieser Abschnitt des Fünfteilers etwas ruhiger, die Ruhe vor dem Sturm, denn die vielfältigen Enthüllungen heizen die Wut der Protagonisten an. In weiterhin tollen Bildern des relativ jungen Zeichners Marcus To und des übrigen Kreativ-Teams, bei dem auch die Tuscher Don Ho und Sal Regla besonders erwähnt werden müssen, da sie bei den Massenszenen besonders viel zu tun haben und nach wie vor sehr eine sehr fein gezeichnete Arbeit abliefern, die mit dazu beiträgt, die Bilder zerbrechlich aussehen zu lassen.

Der Endspurt kann beginnen. Eine wichtige Figur des Fathom-Universums, Killian, steht kurz vor seiner Rückkehr. Vince Hernandez lässt sich hier noch einmal Zeit, um alle Fronten zu klären. :-)

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Freitag, 11. Juli 2008

Moebius - Arzach

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 17:02

Moebius - ArzachDie Nacktheit der Frau hinter dem Fenster sieht verführerisch aus und weckt das Interesse des vorüberfliegenden Kriegers. Aber die Frau ist nicht allein, sondern hat bereits einen Mann, der wenig begeistert ist von dem Kerl, der heimlich durch fremde Fenster starrt. Der Krieger lässt sich davon nicht beeindrucken und hat bereits eine Lösung parat, um den unangenehmen Nebenbuhler loszuwerden. Kurze Zeit darauf ist der Krieger wieder unterwegs. Der Flug über die weite Ebene gestaltet sich zunächst einfach, doch was ist das? Die Ebene ist keine Ebene, wie sein entkräftetes Packtier am eigenen bedauernswerten Leib erfahren muss.

Den folgenden Kampf nimmt der Krieger mit List und Tücke auf. Cool würde man diese Vorgehensweise nennen, jedenfalls da, wo der Leser herkommt. In dieser Welt? Wer weiß das schon? Denn es fällt kein Wort. Worte sind einfach nicht nötig. Allerdings werden auch keine tiefschürfenden Diskussionen zum Besten gegeben. In dieser Welt geht es um das Überleben, egal wie.
Nur manchmal, ja, manchmal benötigt es auch einen kleinen Anstoß von außen. Zum Beispiel dann, wenn das Flugtier mal nicht so will, wie man selbst und wie tot auf dem Rücken liegt. Dann heißt es abzuwarten, bis etwas geschieht.

Klingt wieder mal seltsam? – Das ist es auch, wie so manches unbequeme Experiment. Auch ein Moebius muss es sich gefallen lassen, dass eine Geschichte oder ein Werk überhaupt ohne Erläuterung bestehen kann, sonst taugt es nichts. Die Geschichten Arzach führen weit und auch nirgends hin, sie entziehen sich der Interpretation, man kann hingegen auch darin hineininterpretieren, wonach einem gerade ist.

Es gibt natürlich eine phantastische Komponente, eine gewalttätige, eine sexuelle, eine satirische, eine saukomische, auch eine versaut komische, eine verzweifelte, eine ignorante, eine wahnsinnige, eine sehr schöne, eine technisch versierte und eine, die mal eben so vorbeischaut, weil es gerade passt und schön klingt.
Ja, ist so.
Spaß beiseite, der hier in diesem Band mit der textreichsten Geschichte Die Umleitung beginnt. Eigentlich wollte das Pärchen nur in Urlaub fahren und einmal nehmen sie den falschen Weg und schwupps! Riesen! Surreale Landschaften und Städte und schließlich müssen auch noch Strahlenanzüge angezogen werden – über die dieser Polizist natürlich nicht verfügt. Ausgestattet mit der Macht des Gesetzes, aber dumm wie Brot, naja.
Klingt wieder seltsam?

Ja, ist es, sieht aber toll aus und ist geradezu ein Meisterstück in Sachen Schwarzweißillustration. Moebius leistet hier eine absolute Feinarbeit und baut seine Zeichnungen aus kleinsten Schraffuren, Punktierungen, einer hohen Detaildichte und geschickt eingesetzten Schwarzflächen auf, die ihrerseits nur durch sehr dichte Schraffuren zusammengesetzt sind.
Würde Moebius dies auch noch in einer Handlung zeigen, die eher den üblichen Richtlinien folgt, ohne über die Maßen zu experimentieren, dann wäre dies eine Kurzgeschichte wie aus dem Lehrbuch.

Der Wechsel zur Farbe ist ein irres Bilderspiel. Die Farben knallen rein wie in einem Drogenrausch – jedenfalls stelle ich mir derartige Farben in einem Drogenrausch vor. Intensive, giftig zu nennende Farben bombardieren das Auge, zwei bis drei Bilder pro Seite, selten mehr, werden mit der gleichen Intensität aufgebaut wie zuvor die Schwarzweißzeichnungen.
Der Seitenaufbau wird zuweilen wie ein Gesamtbild betrachtet, verziert mit zusätzlichen Schmuckbögen oder Ornamenten, sogar reliefartigen Zeichnungen. Später noch wird deutlich, wie gut Moebius einfach darin ist, einen Raum zu entwerfen und den Betrachter in diese Weite oder Enge mitzunehmen.

Grafisch ein Riesenhit, der Moebius’ Stellenwert im Bereich des Comics eindrucksvoll unterstreicht. Gegen jede erzählerische Richtlinie entworfen, mit Humor und Selbstironie bricht Moebius mit Arzach aus dem Rhythmus des Comics wie auch jedem anderen Medium aus – allenfalls ließe sich sagen, er habe den späteren Videoclip, der durch Musiksender so populär wurde, auf Papier vorweg genommen.

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Fathom - Kiani 3

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 12:42

Fathom - Kiani 3Bekämpfe den Tiefenrausch! So lautet die Warnung, der Befehl an Siphon, der fällt und fällt und fällt. Erst im allerletzten Augenblick wird er gerettet. Kiani hingegen stellt sich weniger realen Bedrohungen. Ihre Albträume setzen ihr zu. Alleine im Wasser schwebend wird sie angegriffen von den Geistern derer, deren Tod sie zu verantworten hat. Ein Kind, das Kind … Kiani erinnert sich an das Kind, dessen Vater sie raubte. Und diese Erinnerung löst etwas in ihr aus. Eine gewaltige Kraft setzt riesige Energien frei. Bis sie wieder da ist. Und sich wundert, dass man sie wie eine Erlöserin anbetet.

Kiani betritt Aescylot mit einer Mischung aus Faszination und Staunen, aber auch Misstrauen. Plötzlich, nach der Eröffnung ungewöhnlicher Neuigkeiten, hat sie noch viel mehr Probleme.

Marcus To überrascht immer wieder. Aber – und das kann gar nicht oft genug betont werden – ohne das geniale Farbenspiel, hier von John Starr und Peter Steigerwald wäre der Eindruck nur halb so gut. Bleiben wir kurz bei den Farben.
Es beginnt mit den Schwarzen, jenen tiefseeisch lebenden Wesen, die in enger Verwandtschaft zu den uns bekannten Helden stehen. Ihre Schutzkleidung, eine Mixtur aus Siamesischem Kampffisch, Seepferdchen und Rochen ist mit einer lila und grün schillernden Textur belegt. Die einzelnen Segmente werden stahlblaue Abschlussleisten voneinander getrennt. Das Design ist schlicht und einfach perfekt. Ein jeweils individueller Helm krönt die gesamte Erscheinung, die gruselig und majstätisch zugleich ist.

Das Gegenteil sind die Anhänger Killians, ausgestattet mit der üblichen Panzerung mit einem roten Grundton und einer bleichen Haut, schimmernd wie eine Wasseroberfläche. Hier zeigt sich eine barbarische Urkraft, die später durch ein ganzseitiges Bild eines angreifenden Trupps mit unterseeischen Fahrzeugen noch verstärkt wird.
Die grafische Krönung findet sich zum Schluss, wenn Kiani ihre ganz persönliche Waffe erhält und der Leser einen Ausblick auf die unterseeische Stadt.
Dies mag alles im Zeitalter des Computers gut und auch zügig zu bewerkstelligen sein, dennoch bedarf es immer noch eines Menschen, der die Effekte an der richtigen Stelle und mit dem nötigen Feingefühl einsetzt.
John Starr und Peter Steigerwald gehören zweifelsohne zu jenen Koloristen, die dazu in der Lage sind.

Vince Hernandez stürzt Kiani in dieser Folge von einem Extrem ins andere. Eben noch vergeht sie vor Schuldgefühlen, im nächsten Augenblick wird sie von ihr Unbekannten als Erlöserin angesehen.
Am Ende sind diese Ereignisse nur die Fassade eines bevorstehenden Konflikts, der mit gleicher Macht heraufzieht wie der Krieg gegen die Menschen.
Weiterhin ein tolles SciFi-Abenteuer mit interessanten Charakteren und klasse Einfällen zur Erweiterung des Fathom-Universums. :-)

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Donnerstag, 03. Juli 2008

Cyberforce 6

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 10:21

Cyberforce 6Das Raumschiff tritt in die Erdatmosphäre ein. Für die beiden Beobachter ähnelt eines einem herabstürzenden Asteroiden. Für jene, die an Bord des Schiffes sind, bleibt keine Zeit für derlei Gedanken, weil sie sich einer großen Gefahr stellen müssen.
Eigentlich sind sie genau deshalb an Bord, aber damit haben die Mitglieder der Cyberforce dann doch nicht gerechnet. Diese Außerirdischen sind Riesen. Und wie so mancher Große behandeln sie alles, was kleiner ist, mit Geringschätzung. Menschen, selbst so kraftvolle Wesen wie die Cyberforce, sind für sie nichts weiter als missratene Insekten, nicht einmal würdig, dass man das Wort an sie richtet.

Alsbald wendet sich das Blatt. Boomer stellt sich den Fremden in einem gewaltigen Showdown.

Der abschließende sechste Teil dieser Reihe um die Mitglieder der Cyberforce beantwortet keine Fragen – wie auch? Die Fremden reden nicht mit unwürdigen Menschen.
Ron Marz weiß als Autor sehr genau, dass nicht alle Fragen immer gelöst werden müssen. Manchmal ist es einfach so, wie es ist. Diese Fremden sind gekommen, um die Brut, die sie nie beabsichtigt hatten, zu vernichten. Nichts weiter. Außerirdische Kräfte sollen nicht Menschen innewohnen. Marz zeigt eine Cyberforce, die gerne verhandelt oder sich in anderer Art verständigt hätte, aber dazu erhalten sie keine Gelegenheit.

Pat Lee spielt zum Schluss weiter mit dieser Bedrohung und lässt die Fremden mit ihren stacheligen Helmen auch schon mal als Schattenriss erscheinen, aus dem nur die glühenden Augen den nächsten Angriff erahnen lassen – der dann auch nicht lange auf sich warten lässt.
Der Abschied – und vorerst ist es für den Leser einer – ist weiterhin voller Action und mit Resignation und Traurigkeit angereichert. Ein wenig erinnern die Fremden hier an einen anderen Riesen namens Galactus. Diese mögen nicht ganz so machtvoll sein, dafür treten sie gleich als Paar auf. Charakterlich haben sie hingegen viel mit ihren Kollegen aus dem Marvel-Universum gemein.

Grafisch ist es immer noch Top, was nicht zuletzt daran liegt, dass während der gesamten Produktion ein beinahe identisches Macher-Team eine gleich bleibende Qualität gewährleistet hat. Hier wurde viel Herzblut investiert – ob das stimmt, kann ich nicht sagen, aber der Qualität nach zu urteilen, stellt sich wenigstens dieser schlussendliche Eindruck ein.

Knallig bunt, groß, größer, riesig groß und noch mehr, so verabschiedet sich die Cyberforce (leider) mit dieser für den Leser runden Angelegenheit. Das Konzept dieser kleinen Reihe hat von Anfang bis Ende gepasst. Davon könnte es ruhig mehr geben. :-)

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Cyberforce 5

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 10:18

Cyberforce 5Die Cyberforce hat das Mutterschiff der Angreifer gefunden. Es ist ihnen sogar gelungen, an Bord zu kommen. Doch wo ist der Feind? Ist denn keiner zu Hause? Die kleine Verschnaufpause nutzen die Cyberforce-Mitglieder, um sich sicherheitshalber voneinander zu verabschieden. Man weiß nie, was kommen mag.
Diese weise Voraussicht war beileibe nicht fehl am Platz, denn kurz darauf finden sie schon mehr Gegner, als ihnen lieb ist.

Velocity unternimmt einen kleinen Rundlauf durch das riesige Schiff. Überall herrscht gähnende Leere, bis plötzlich …

Auch der 5. Teil der Saga um die Cyberforce besticht durch atmosphärische SciFi-Bilder – stärker noch als zuvor, denn jetzt stehen die Team-Mitglieder vor ihrer direkten Konfrontation mit den Außerirdischen.
Mach’ es groß, müssen sich Ron Marz und Pat Lee gedacht haben, als sie an der Geschichte arbeiteten. Ganz im Sinne anderer außerirdischer Invasionen darf der Leser an der Seite der Cyberforce einen Blick in das Mutterschiff werfen. Der Eindruck ist nicht so groß wie der Leser es von einem Film wie Independence Day her kennen mag – aber er ist groß genug!

Die Scheinwerfer des Kreuzers der Cyberforce reißen Deck auf Deck aus der Dunkelheit. Da die Macher sich nicht lumpen lassen wollen, gestalten sie diese Szene auch gleich auf einer Doppelseite und erhöhen so den Effekt. Natürlich erwartet nicht nur das Cyberforce-Team einen Angriff, sondern auch der Leser – nach dieser Demonstration von Macht. Aber zunächst finden die Freunde – nichts!
Und als sie es dann finden, gestaltet Pat Lee auch gleich eine weitere Doppelseite voller Action, auf der die Tuscher Rob Hunter, Rick Basaldua und Sal Regla sich an allen Regeln der Kunst austoben können. Farblich müssen Matt Yackey und John Starr nachziehen.
Da das gesamte Team so konsequent gut zusammenarbeitet, stimmt das Ergebnis und so können sich bestimmt auch Leser, die vielleicht nicht ganz mit Lees Zeichentechnik einverstanden sind, an den Bildern erfreuen.

Lee zeichnet für das Auge gerne ein wenig sperrig. Das mag an der Mischung aus Manga-Stilen und herkömmlichen Übersee-Richtlinien liegen, die sich über die Jahre hinweg einfach festgesetzt haben. Aber gerade das leicht Unbequeme macht die Geschichten, insbesondere diese auch sehr spannend.
Ron Marz schreibt seine Geschichte mit dem größtmöglichen Aufwand, sät soviel Spannungselemente wie möglich und ist auch immer bemüht, so unvorhersehbar wie möglich zu bleiben. Zusammen mit Lees Bildern ergibt sich so ein tolles SciFi-Abenteuer mit vielen Überraschungen. – Wer das letzte, natürlich wieder doppelseitige Bild, dieses Bandes sieht, wird verstehen, was ich meine.

Jetzt geht’s rund. Die Cyberforce hat das Raumschiff der Fremden betreten. Dieses Abenteuer lässt es richtig krachen. Optisch werden Space Opera Fans sehr verwöhnt und können sich auf ein rundum tolles Vorfinale freuen. :-)

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Montag, 30. Juni 2008

Moebius - Die hermetische Garage

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 19:15

Moebius - Die hermetische GarageDie hermetische Garage des Jerry Cornelius, also, diese Geschichte beginnt mit einem kleinen Malheur. Ein Kabelverleger segnet während einer Überprüfung das Zeitliche, was er eigentlich nicht hätte tun sollen. Ist da vielleicht Sabotage im Spiel?

Major Grubert unterdessen ist höchst besorgt. Seine geheime Basis wurde entdeckt und gestürmt. Um nähere Kenntnisse über den Hergang und den Feind zu gewinnen, schickt er einen Spion im Star Billard, einem riesigen humanoiden Roboter. Star Billard rennt über die weiten endlosen Ebenen (und erinnert äußerlich an das Phantom). Neben einer Pyramide entdeckt er einen Grabräuber, einen Mumienfresser, der unter einem Schirm in der Sonne sitzt. Es kommt zu einem brutalen Kampf.

Star Billard gewinnt, doch in der kleinen Stadt Mrhu hat er weniger Glück, aber seine Insassen können entkommen. Wenig später sitzen sie in einem Zug. Seit Stunden ist das Paar unterwegs. Die Einfahrt in die fremdartige Stadt mit der großartigen Architektur ist atemberaubend für die Reisenden. Kurz darauf wird es sogar extrem spannend, denn der Zug wird von einem kleinen Flugzeug bombardiert.

Ganz so geradlinig erzählt, wie es jetzt den Anschein haben mag, ist es dann doch nicht. Moebius hat sich hier auf Experiment eingelassen, dass vom Leser nicht nur Geduld verlangt – und Mut zum experimentellen Lesen – sondern auch Mut zum Unverständnis. Belohnt wird die Geduld mit teilweise wunderschönen Schwarzweißbildern (ja, liebe Freunde von Moebius: keine Farbe!).

Die Bilder sind von unterschiedlicher Machart. Mal wählt Moebius den extrem einfachen Strich, der schon fast einen Gag-Cartoon-Stil erinnert. Aber irgendwie wählt er diesen Stil auch bewusst, denn wenn ein Unbekannter Major Grubert einen Eimer mit einer undefinierbaren Gülle über dem Kopf ausschüttet und dieser englisch mannhaft weiterreitet, erinnert das an die komische Charakterstärke eines Inspektor Clouseau.
Man überlegt noch, ob man Moebius diesen grafischen und erzählerischen Ausrutscher verzeihen soll, da präsentiert er einem schon wieder Bilder, in denen auf das Feinste schraffiert und punktiert wird. Moebius tobt sich gerne in Formen aus. Das kann ein Gesicht mit einem markanten Kinn ebenso sein wie ein zartes Frauengesicht. Besonders scheint er auch Gebäude- und Stadtansichten, aber auch Geländeformationen zu lieben. Wenn dann alles zusammenkommt und noch ein Sternenkreuzer über dieser Szenerie schwebt oder dahinrast, ja, dann ist die Bühne für eine phantastische Geschichte perfekt.

Zum Ausgleich, als humoriges Objekt, treten skurrile Gestalten auf wie der halbaquatische Freund von Major Grubert – der auch einer Augsburger Puppenkiste entsprungen sein könnte.
Der Leser dieser Zeilen merkt sicherlich: Wer Die hermetische Garage liest, muss für alles offen sein und die Überraschung lieben. Sie funktioniert nicht nach den Prinzipien von Dramaturgie. Hier wird erzählt um des Erzählens willen. Der Erzähler weiß nicht, was später kommen mag oder kann. Jederzeit kann eine neue Figur hinzukommen, kann sich eine neue Ebene der hermetischen Garage, dieser vollkommen eigenständigen Welt dem Leser erschließen – oder auch ratzfatz wieder genommen werden. Hier, das ist das wirklich besondere, kann alles passieren – muss aber nicht.

So ist es für jeden Leser das Beste, sich treiben zu lassen, einfach mit der Geschichte zu gehen, schauen, wohin es führt und niemals mit der Erwartung an diese Handlung heranzugehen und für sich selber festzustellen, dass man sie verstehen will – oder gegenüber jemand anderem zu behaupten, dass man sie verstanden hat, weil – so bin ich der festen Überzeugung – das eine glatte Lüge wäre.

Also … ist das ein Spiel?
Ja. Nur so lässt sich die Frage einer der Figuren der Geschichte beantworten. Nur ein Spiel. Eine Rückkehr zur Phantasie. Was passieren kann, passiert und falls nicht, so besteht doch wenigstens zu jeder Zeit die Möglichkeit, dass es passiert. Ganz gleich und völlig unabhängig davon, was vorher passiert ist oder hinterher geschehen wird.
Das ist natürlich vollkommen unbequem und geht absolut gegen jede erzählerischen Kriterien. Jede? Fast jede, denn Kinder, denen eine Dramaturgie fremd ist, die spannendes, lustiges, trauriges, ja auch idiotisches in ihrer Geschichte wollen, würden so erzählen. Moebius hat sich ganz einfach die Freiheit genommen, einmal wieder so erzählen wie als Kind.

Perfekt! … Alles geschieht exakt so, wie ich es vorhergesehen habe.
Nun ist Major Grubert nicht der Imperator, aber eine besondere Macht scheint trotzdem irgendwie mit ihm zu sein. Am Ende scheint es wirklich so zu laufen, wie es soll. Enthusiasten mögen sogar behaupten, Moebius habe ein wenig die Matrix vorhergesehen.

Ungewöhnlich, anstrengend, grafisch wundervoll – mit der hermetischen Garage unterstreicht Moebius seinen ebenso ungewöhnlichen Künstlernamen und gibt ihm erst so richtig Bedeutung. Wer eine leichte Erzählung nach allen Regeln mag: Finger weg. Wer sich auf einen Traum einlassen möchte: Zugreifen. :-)

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Dienstag, 24. Juni 2008

Der Schimpansenkomplex 1 - Paradoxon

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 20:53

Der Schimpansenkomplex 1 - ParadoxonWährend einer Abenddämmerung im Februar des Jahres 2035 erscheinen plötzlich unerwartete Radarechos auf den Schirmen einer kleiner amerikanischen Flotte mitten im Indischen Ozean.
Die Schiffe erhalten den Befehl, sich um das im Meer niedergehende Objekt zu kümmern. Als die Mannschaften eine Raumkapsel bergen, ist die Verwunderung noch nicht allzu groß. Als die Besatzung der Kapsel auf das Deck des Flugzeugträgers klettert, herrscht bald Alarmstufe Rot und höchste Geheimhaltungsstufe.

Helen Freeman grämt sich noch einen Moment darüber, dass die bevorstehende Mars-Mission abgesagt wurde und ihr nun die Möglichkeit einer Reise zum roten Planeten verwehrt bleibt. Sofia, ihre Tochter, erkennt sofort, was los war. Ihre Mutter hat sie angelogen. Niemals hatte sie auch nur in Erwägung gezogen, ihren Beruf an den Nagel zu hängen, um mehr Zeit für ihre Tochter zu haben.
In diese Familienstreitigkeiten platzt ein neuer Auftrag. Helen wird wegen ihrer Erfahrung angefordert. Bei der ersten Begegnung mit der Besatzung der Raumkapsel ist sie zunächst erstaunt, dann erschüttert und schließlich weiß sie nicht mehr, was sie glauben soll.

Mehrere große Kriegsschiffe, darunter drei Flugzeugträger und mehrere unterstützende Kreuzer, fahren im Eingangsbild vor einer untergehenden Sonne auf den Betrachter zu.
Als Bild funktioniert es hervorragend, aber es ist auch gleichzeitig der größte – wie auch einzige Fehler – der den beiden Machern Richard Marazano und Jean-Michel Ponzio passiert. Kein Flottenkommandant der bei gesundem Verstand ist, würde einen Trägerverband so eng zusammen ziehen, schon gar nicht einen Verband, der gleich drei Träger schützen muss. Auch aus Gründen der Flugsicherheit ist diese Enge nicht sinnvoll. Die Landung auf einem Träger ist für die Piloten schon schwierig genug, wenn sich dann drei dieser schwimmenden Landeplattformen auch noch in die Quere kommen, ist ein Desaster beinahe vorprogrammiert.

Diese Kritik müssen sich Richard Marazano und Jean-Michel Ponzio gefallen lassen, die ansonsten einer akribischen Erzählspur folgen, die auch ein Veteran des populären SciFi-Abenteuers wie Michael Crichton hätte legen können. So wirkt dieser Auftakt wie eine Mixtur aus Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All, Apollo 13 und Sphere.

Seit Jahren glaubte also die Menschheit mit den Ausflügen zum Mond abgeschlossen zu haben. In dieser Geschichte – wie auch in der Realität – wird dieses Thema wieder überaus interessant.
Der grafische Effekt, mit dem Jean-Michel Ponzio hier zu Werke geht, erinnert an überzeichnete Fotografien. Das wirkt kühl, technisch, wissenschaftlich und erleichtert den Zugang zur Geschichte und ihrer anschließenden zugrunde liegenden Hypothese. Den Zugang zu den Figuren erschwert es etwas. Hinzu kommt eine reduzierte, eher dunkel angelegte Farbpalette, die gut zu einem Wissenschaftsthriller mit Science Fiction-Elementen passt.

Wie es sich für einen (modernen) Thriller gehört, beginnt die Handlung mit einem Kracher. Das ist optisch ebenso zu verstehen wie von der Erzählstruktur her. In diesem Zusammenhang verstehe ich das Vorwort überhaupt nicht. Verfolgt man moderne Wissenschaftsthriller in Roman und Film, so ist der Band stark an derlei Strukturen wie Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All oder auch Phase IV angelehnt. Einzig für den Comic mag es gelten, dass erstens die Thematik und zweitens die Erzählstruktur in dieser Mischung nicht so oft angewendet werden. Dies mag damit zusammenhängen, dass der Comic-Leser als solcher eher anspruchsloser behandelt werden soll, weil seine Erwartungen nicht so hoch sind. (Was ein absoluter Trugschluss ist!)

Zurück zum Schimpansenkomplex, der gleichzeitig der Titel dieser Reihe ist. Unter dem Strich bedeutet dieser Komplex, sich seiner Funktion als Spielball eines Experiments bewusst zu sein, ohne bedeutend in dieses Experiment eingreifen zu können. Gegen diese erzwungene Schicksalsergebenheit lehnt sich der Verstand bis zum Wahnsinn auf.
Der Wahnsinn lauert hier nicht nur hinter dem oberflächlichen Paradoxon, das sich letztlich als etwas ganz anderes herausstellt. Er lauert in einer Vermutung, die der Leser selber herausfinden muss. Richard Marazano baut eine verschachtelte aber schlüssige Geschichte auf, die sich jedoch hütet, bereits alle offenen Fragen in diesem Band zu klären.
Und er hat mit Sofia, Helens Tochter, eine Figur am Start, die als Sinnbild der Menschlichkeit verstanden werden kann, die zugunsten eines großen Rätsels mit Füßen getreten wird.

Grafisch kann sich Jean-Michel Ponzio wenigstens einen kleinen Scherz nicht verkneifen. Wenn der gezeigte amerikanische Präsident nicht dem Duke nachempfunden ist, weiß ich es nicht. In einigen Bildern passt es perfekt von Gesicht und Haltung her.

Ein wirklich toller Auftakt. Für Freunde des Wissenschaftsthrillers und –abenteuers, jene, die den großen Erzählwerken eines Michael Crichton hinterher trauern, ist der Schimpansenkomplex genau das richtige Album. Grafisch sehr gut und von einem hohen Spannungsgrad, der mit erhöhter Rätseldichte rapide zunimmt.

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Samstag, 21. Juni 2008

Fathom - Neue Serie 14

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 13:11

Fathom - Neue Serie 14Die Hülle des U-Bootes platzt. Das Unterseeboot hat den Kräften von Aspen nichts entgegenzusetzen. Die Besatzung des nahenden Flugzeugträgers glaubt sich in einer besseren und stärkeren Position. Welch ein Trugschluss! Als Aspen die Reserven ihrer Kräfte mobilisiert, muss selbst Kiani, die ein wenig auf Aspen herabsah, sich eingestehen, welche Macht der anderen Frau gegeben ist.
Schließlich ist es gut, dass Aspen nicht alles verloren hat, dass es Freunde gibt, die zu ihr halten und sie auch zu stoppen verstehen, wenn ihre letzten Barrieren fallen. Cannon ist solch ein Freund, aber kann er auch rechtzeitig zur Stelle sein?

Ein Knaller! Ein aufwendiges Finale in Top-Qualität!
Hier geht es um eine gut erzählte Action- und SciFi-Geschichte, die in jedem Punkt ihren eigenen Anspruch und den eines SciFi-Lesers erfüllt. Hinzu kommt, dass Cover-Qualität hier der durchgängigen Bildqualität entspricht, was nichts anderes bedeutet, als dass das Finale dieses Handlungsabschnitts ein richtiger Kracher geworden ist – nach einer sowieso schon sehr hochwertig gezeichneten Serie.

Aber zum Anfang. Aspen, die bisher vieles erdulden musste, gejagt und mit der Geiselnahme ihrer Liebsten erpresst wurde, greift nun in den Schlusskonflikt der Menschen und der ozeanisch lebenden Wesen ein. Waylander, der befehlshabende Marineoffizier hinter all den Attacken und dem Hass, hat sein Spiel zu weit getrieben. Selbst Aspen, die ihre Kräfte zwar nutzte, aber nicht bis zur letzten Konsequenz forderte, hält sich nicht mehr zurück.

Herauskommen dank einem herausragenden Grafik-Team richtig tolle Action-Bilder. Koi Turnbull, der es nicht leugnen kann, dass seine Figuren ein wenig an Disney erinnern (z.B. Atlantis oder ähnlich gelagerte Produktionen anderer Zeichentrickstudios), schafft Seitenkompositionen, in denen es zwar wild zur Sache geht, die aber bei aller Actionlast trotzdem übersichtlich bleiben. Das Auge verliert sich nie in einem Wust, sondern kann den einzelnen Bildern wie auf einer unsichtbaren Schnur aufgereiht folgen.

Das Tusche-Team weiß mit Sal Regla und Don Ho zwei sehr gute Profis zu vereinen, aber mit David Moran ist ein Kolorist am Werk, dessen Leistung noch deutlicher gelobt werden muss. Einerseits sind alle Farbkomponenten sehr gut aufeinander abgestimmt, andererseits sitzen die Details auch alle da, wo sie hingehören. So finden sich Wasserspritzer und Explosionen in den Szenen, in denen Aspen ein U-Boot wie auch einen Flugzeugträger angreift, vergessen werden aber auch nicht die blonden Bartstoppeln von Brande, bevor er zu seiner Selbstmordmission aufbricht.

Wenn in einem ersten Epilog, wenn man es so nennen mag, der Satz fällt: Die Schwarzen kommen - und ein erster Ausblick darauf gegeben wird, welcher Feind nun in die Auseinandersetzungen zwischen Menschen und Meeresvölkern eingreifen wird, dann ist klar, dass die Autoren J.T. Krul wie auch Michael Turner ihren Job mehr als nur gut gemacht haben.

Besser geht es nicht für eine SciFi-Heftserie. Jeder Abschnitt der Geschichte hat sich kontinuierlich gesteigert. Das letzte Kapitel in diesem Band ist schlicht eine herrliche Bilderexplosion, so dass man auf jeder Seite verweilen muss, um all die Momentaufnahmen gebührlich zu genießen. :-D

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