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Comic Blog


Dienstag, 14. Mai 2019

STAR WARS – LANDO – DOPPELT ODER NICHTS

Filed under: SciFi — Michael um 17:14

STAR WARS - LANDO - DOPPELT ODER NICHTSLange bevor LANDO CALRISSIAN die TIBANNA-GASMINE auf BESPIN betrieb und seine persönlichen Erfahrungen mit dem IMPERIUM erweiterte, war er Spieler, Schmuggler und Glücksritter. Gemeinsam mit dem Droiden L3-37 begibt er sich für reichlich Credits in gefährliche Situationen, schreibt ganz nebenbei an seinen Memoiren. Er tritt gerne arrogant und mit einer Spur Größenwahn auf, hält sich für den Ladykiller schlechthin, obwohl es eigentlich in seinem Leben nur eine wirklich große Liebe gibt. Eines Tages macht er die Bekanntschaft von KRISTISS, einer petrusianischen Händlerin, die nichts weniger von ihm verlangt, als (gegen reichlich Credits, versteht sich) den imperialen Sklaven auf PETRUSIA Waffen zu liefern, so dass sie sich gegen die dortige Besatzung erheben können.

LANDO CALRISSIAN ist zurück! 2016 erschien bereits einmal ein Sammelband einer Miniserie mit dem sympathischen Schurken. Damals, vor der Verflimung der Jugendabenteuer von HAN SOLO, nahm sich der ALEX MALEEV noch den Schauspieler des Originals, BILLY DEE WILLIAMS, zum Vorbild (der auch wieder in STAR WARS EPISODE IX: DER AUFSTIEG SKYWALKERS dabei ist). Hier übernimmt PAOLO VILLANELLI den Zeichenstift und hält sich grafisch an den Darsteller der jüngeren Version LANDOS, nämlich DONALD GLOVER (man sieht es gleich auf dem Titelbild).

STAR WARS bedeutet Sternenkrieg. Davon findet sich hier reichlich. Denn LANDO CALRISSIAN legt sich gleich zuhauf mit den berüchtigten STORMTROOPERS an. Auf das andere Markenzeichen, außerirdische Rassen, trifft er vergleichsweise wenig und wenn doch, ist die Gestaltung derselben recht konventionell geraten, sehr humanoid und aus heutiger Sicht vielseitig einsetzbar. Denn diese Kreaturen könnten mittlerweile auch die Universen von HARRY POTTER und anderer Franchises bevölkern. Aber PAOLO VILLANELLI und Kolorist ANDRES MOSSA verwöhnen den Leser dafür mit jeder Menge High-Tech-Action, zu Fuß, in der Luft und im Weltraum.

LANDO CALRISSIAN besaß den MILLENIUM FALCON früher als HAN SOLO und verlor diesen in einem ehrlichen Spiel an den späteren Ehemann von PRINZESSIN LEIA. Demzufolge gibt es hier (wie auch im Film SOLO zu sehen) noch ein paar Modifikationen, die in der ursprünglichen Filmtrilogie nicht mehr existieren. Ehrlicherweise muss man sagen, dass der FALKE hier mehr an einen Rennwagen erinnert als an den späteren (zumindest äußerlich) eher gemütlichen YT-1300-FRACHTER. Die technische Optik stimmt vollkommen. Wer die Comics rund um STAR WARS verfolgt, weiß, dass gerade auf diesen Aspekt von jeher sehr viel Wert gelegt wird. Seit sich die Computer in den letzten beiden Jahrzehnten bei der Bearbeitung der Comics durchgesetzt haben, ist die Anmutung meist so, als seien sie einem nicht existenten Film entnommen worden.

Eine schöne Sequenz innerhalb der vorliegenden Geschichte, DOPPEL ODER NICHTS, ist fast als Hommage an die eigene Saga zu verstehen. Als sich L3-37 zur Anführerin eines Aufstandes aufschwingt und Verstärkung für ihren menschlichen Freund herbeiholt, erinnert das stark an andere Momente, in denen DROIDEN sich anschickten, das Joch ihrer organischen Besitzer abzuwerfen. (Sogar DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK spielt damit, siehe DROIDENKOPFGELDJÄGER. Oder jüngst in der Comicstrecke DOKTOR APHRA, in der sich zwei DROIDEN zu Anführern eines Gangstersyndikats küren.)

Perfekt illustriert. PAOLO VILLANELLI zeichnet das Abenteuer von LANDO CALRISSIAN technisch klasse, brilliert mit Actionszenen und gestaltet mit KRISTISS eine starke Frauenfigur mit genügend Format, um das STAR-WARS-UNIVERSUM noch mehrmals zu bereichern. DOPPELT ODER NICHTS fügt sich toll in LANDOS Vorgeschichte ein. Sehr schön! 🙂

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LINKS (hier im Comicblog): http://www.comicblog.de/2016/06/20/star-wars-lando/ (frühere Abenteuer von LANDO CALRISSIAN)

Donnerstag, 09. Mai 2019

PARIS 2119

Filed under: SciFi — Michael um 17:42

PARIS 2119PARIS im Jahre 2119. Die Welt hat sich in eine Richtung entwickelt, die einst von vielen Menschen, Wissenschaftlern, Intellektuellen befürchtet worden ist. Es regnet. Es ist schmutzig. Es herrscht totale Überwachung mittels implantierter Chips. Kleine Drohnen fliegen überall herum und beobachten das Geschehen. Echtes Reisen ist verpönt. Man reist per TRANSCORE. Körper werden übermittelt. Das geht rasend schnell. Es ist sicher. Es wird benutzt, ohne einen einzigen Gedanken an irgendwelche Risiken zu verschwenden. TRISTAN sieht es nicht gern, wenn seine Freundin CHLOÉ das System benutzt …

Eine Dystopie. Was mag geschehen, wenn Menschen und ihre millionenhaften Reisen tagtäglich quer über den Erdball das System Natur an den Rand des Zusammenbruchs und darüber hinaus treiben? ZEP, verantwortlich für Szenario und Storyboard, hat den Faden weitergesponnen und mit TRANSCORE eine Abhilfe kreiert, die durchaus an das gute alte BEAMEN erinnert. Aber wie es genau funktioniert, scheint niemand zu wissen. Zu sehen, wie in der guten alten Fernsehserie mit CAPTAIN KIRK, ist es jedenfalls nicht. TRANSCORE ist Reisen in einer BLACKBOX.

ZEP hat die Gegenwart konsequent weitergesponnen. Lässt man außen vor, wie die TRANSCORE-Technik funktionieren soll, ob es jemals solch leistungsstarke Rechner geben wird, die ein derartiges technisches Wunderwerk ermöglichen, ist der Rest der gezeigten Gesellschaft nicht sehr unrealistisch. Die Vereinzelung, Individualisierung ist auf die Spitze getrieben. Kleine trockene Zonen ragen wie Lichtungen aus den Schlechtwetterstadtteilen inmitten von Paris heraus. Die Stadt selbst ist nach einhundert Jahren erkennbar. Wahrzeichen stehen noch zwischen modernen, neueren Segmenten, riesig und, zieht man Rückschlüsse aus den beleuchteten Fassaden, augenscheinlich übervölkert.

Modisch, das dürfte entsprechenden Enthusiasten sauer aufstoßen, hat sich nicht viel getan. TRISTAN, der Held der Geschichte, ist kleidungstechnisch der Vergangenheit verfallen, und alle anderen dürften heutzutage kaum anders von einem JEAN PAUL GAUTIER eingekleidet werden (wenn er einen vergleichsweise modetechnisch mutlosen Tag hat). Interessanter sind da schon die kleinen Helferlein, die eindeutig unterseeisch inspiriert daher kommen, beziehungsweise fliegen. Teils schwirren sie großartig herum, teils finden sich tatsächlich simulierte Fische in der Luft. Ein HAI wirkt gar wie eine Hommage ein ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT 2. Und so wie ZEP diese Zukunft konstruiert, wirkt sie wie eingefroren. Der Menschheit scheinen neue Ideen abhanden gekommen. Denn dort, wo es sich nicht als relativ SCHÖNE NEUE WELT präsentiert, dominieren die SLUMS die Szene.

ZEP zeichnet sich neben der Handlung für das STORYBOARD verantwortlich. Die Geschichte driftet aus der Enge, dem persönlichen Eindruck immer mehr in die Weite, auf das große Ganze. Mochte man sich zu Beginn noch mit dieser Welt im Kleinen anfreunden, verliert sich dieser Wunsch zusehends, je mehr sich die Sequenzen außerhalb des schönen Scheins abspielen. DOMINIQUE BERTAIL (Zeichner) und GAETAN GEORGES (Farben) gestalten diese Welt in einem Stil, dem ein wenig der alte MOEBIUS anhaftet. Ein wenig ätherisch, etwas MATRIXHAFT anzuschauen sind die Menschen, die etwas auf sich halten.

Wird es in den Slums düster, verliert sich das gute Aussehen. Wo Drogen das Leben bestimmen, versacken die Menschen unter einem geistigen Leichentuch. Das PARIS der Zukunft ahmt asiatische Zustände kleiner Schlafboxen nach. Der Dauerregen wirkt wie ein Trauerflor über dieser Welt im Stillstand. Die HANDARBEIT mit TUSCHE und AQUARELLFARBEN steht der durchweg stimmigen Atmosphäre von Anfang bis Ende sehr gut zu Gesicht. Man ist als Leser bereits nach den ersten fünf Seiten eingefangen (und froh, wenn die Düsternis, wenn auch nur kurz, durch eine aseptische Helligkeit abgelöst wird).

Stimmungsvoll, manchmal märchenhaft, verwunschen bildet PARIS 2119 keine wünschenswerte (aber sehr gut konstruierte) Zukunft ab. Es ist eine, die abschreckt, erschreckt, erschreckend konsequent weitergesponnen wurde. Sehr schöne Illustrationen gehen mit einer fein erzählten, leicht tragischen Geschichte Hand in Hand. Klasse! 🙂

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Montag, 22. April 2019

STAR WARS – DOKTOR APHRA 3

Filed under: SciFi — Michael um 20:24

STAR WARS – DOKTOR APHRA 3 – UMGEKEHRTE VORZEICHENDOKTOR CHELLI APHRA hat sich unterwerfen müssen. Der pechschwarze Protokolldroide TRIPLE-ZERO und sein kleiner Astromechfreund BEETEE-ONE bestimmen nun, wo es langgeht. Die junge Frau hat keine Wahl, als zu gehorchen. Denn würde TRIPLE-ZERO DARTH VADER verraten, dass sie noch unter den Lebenden weilt, würde dieser Status nicht von Dauer sein. So schickt sie TRIPLE-ZERO auf immer neue lebensgefährliche Missionen, geradewegs unter Ganoven, Rebellen und Schergen des IMPERIUMS. Aber DOKTOR APHRA stellt sich den Herausforderungen, immer haarscharf am Tode vorbei, mit List und teilweise auch verdammt viel Spaß an der Sache.

Mit DOKTOR APHRA ist dem STAR-WARS-Universum eine toller Charakter im Medium Comic gewachsen. Diese frische, neue Figur mit eigener Serie bietet viele tolle Ansätze innerhalb der Zeitphase des imperialen Aufstiegs unter DARTH VADER und IMPERATOR PALPATINE. Der Haupterzählstrang, den die sternenkriegsüchtigen Cineasten kennen, bleibt durch DOKTOR APHRAS Abenteuer unberührt. Von einer exklusiven Bande an Kriminellen umgeben, sehr ausgesucht gestaltet und mit ganz eigenen kleinen Lebensläufen versehen, legt dieser Tausendsassa alle der Reihe nach herein, meist wenig uneigennützig. DOKTOR APHRA ist zu einem großen Teil die Tochter, die HAN SOLO und PRINZESSIN LEIA niemals hatten.

Neben der groß angelegten Gauner-Action schleicht sich eine kleine Liebesgeschichte zwischen DOKTOR APHRA und einer IMPERIALEN KOMMANDANTIN ein, ähnlich verhalten erzählt wie die Beziehung zwischen HAN SOLO und PRINZESSIN LEIA. Der Überfall auf eine imperiale Forschungseinrichtung ist STAR WARS pur. Aufwändig, galaktisch, technisch, brandgefährlich, abenteuerlich, in bester Tradition also, mit einem ordentlichen finalen Bumms, der unserem Lieblingsschmuggler und auch jedem anderen Space-Piraten gut zu Gesicht stehen würde.

Klar, dass den beiden Autoren KIERON GILLEN und SI SPURRIER jedes Lob für eine flotte Erzählung innerhalb des weiten STAR-WARS-Universums gemacht werden kann. Die Charaktere sid gut austariert, DOKTOR APHRA als Hauptfigur höchst sympathisch und mit genügend Selbstzerrissenheit versehen, um nicht zu großspurig daher zu kommen. Obwohl es bereits der dritte Band um DOKTOR APHRA ist, gelingt selbst ein Neueinstieg schnell. Bezeichnend ist eine Szene, in der sie sich einer IMPERIALEN KOMMANDANTIN aus ihrer Einsamkeit heraus anvertraut, denn Freunde sind im Umfeld der jungen Frau mit der Lupe zu suchen.

EMILIO LAISO zeichnet, gestaltet mit höchster Präzision und er hat das Glück, dass die Bande um DOKTOR APHRA aus sehr skurrilen Figuren besteht, die selbst in einer BAR aus MOS EISLEY auffallen würden. Herausragend anders ist ganz bestimmt ein Pärchen, nämlich TAM POSLA und CAYSIN BOG. Letzterer wurde ein Opfer von DOKTOR CORNELIUS EVAZAN (LUKE SKYWALKER begegnete ihm auf MOS EISLEY). EVAZAN amputierte kurzerhand den Kopf von CAYSIN BOG. Der Ärmste lebte dank der dunklen technischen Fähigkeiten des wahnsinnigen EVAZAN trotzdem weiter. Solche und andere Kreaturen Schrägstrich Wesen sind mit einer solchen klaren Selbstverständlichkeit zu Papier gebracht, so dass man sich als STAR-WARS-Fan zu jeder Zeit in der Geschichte gleich zu Hause fühlt. (Und CAYSIN BOG ist NICHT das seltsamste Wesen im vorliegenden Band.)

Zwei weitere Künstler in diesem Sammelband seien noch hervorgehoben. RACHELLE ROSENBERG als Koloristin verschafft besonders den Gesichtern eine kamerataugliche Plastizität. Insgesamt ist ihre Farbgestaltung knallig, strahlend, raumfüllend, eine echte Stütze der Grafiken von EMILIO LAISO. ASHLEY MARIE WINTER zeichnet sich für die Titelbilder verantwortlich. Hier hat jedes einzelne Bild Posterqualität. Hier sind echte Menschen (oder andere Lebensformen) erkennbar. Nach diesen Bildern könnte sofort für eine Realserie gecastet werden.

So fein kann das neue STAR WARS nach GEORGE LUCAS sein. Tolle, ganz eigenständige Hauptfiguren, perfekt in den bekannten Erzählstrang eingebunden, auf höchstem Niveau illustriert. Klasse Space Opera! Mehr davon! 🙂

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Montag, 04. Februar 2019

STAR TREK DISCOVERY 1 – DAS LICHT VON KAHLESS

Filed under: SciFi — Michael um 21:09

STAR TREK DISCOVERY 1 – DAS LICHT VON KAHLESSDie gute alte Zeit ist Fluch und Segen zugleich. Unter den Klingonen gibt es solche, die sich nach alten Tagen sehnen und an die Rückkehr ihres glorreichen Führers KAHLESS in Form eines Nachfolgers glauben. In der korrupten Gesellschaft, in die sich das Klingonische Reich entwickelt, scheint dies aber nicht möglich zu sein. Verrat ist ein bewährtes Mittel, sogar in der Familie kann niemand sicher sein. Die Schwachen werden unterdrückt. Das familiäre Kastensystem verhindert den Aufstieg vieler Klingonen ohne Gnade. T’KUVMA entzieht sich diesem System zumindest zeitweilig. Sein Weg führt ihn zu vielen Prüfungen auf dem Klosterplaneten BORETH. Doch ausgerechnet dort werden die Weichen für sein weiteres Leben an der Spitze der KLINGONEN gestellt …

Die KLINGONEN sind eine der großen Erfindungen innerhalb der Science Fiction. In der anfänglichen Konzeption noch etwas blass geraten, kam mit THE NEXT GENERATION ein ordentlicher Sprung, der nicht zuletzt durch die Figur des WORF getragen wurde. Die engültige Verfeinerung des Konzepts gelang in der Serie DEEP SPACE NINE (in der WORF noch stärker half, die KLINGONEN in den Fokus des STAR-TREK-UNIVERSUMS zu rücken) und natürlich mit STAR TREK VI, das den drohenden Untergang der klingonischen Heimatwelt QO’NOS thematisiert. Mit STAR TREK DISCOVERY, einem zeitlichen Sprung zurück (aus heutiger Sicht) von STAR TREK CLASSIC, wird ein Hauptaugenmerk auf die Beziehung der so verschiedenen Konzeptionen, STERNENFLOTTE und KLINGONEN, gelegt. Genauer gesagt: auf den STERNENKRIEG der beiden.

ROMANE und COMICS zum großen MERCHANDISE beleuchten gerne Vorgeschichten zu Ereignissen auf der großen Kinoleinwand oder dem Pantoffelkino. Mit dem ersten Band zu STAR TREK DISCOVERY – DAS LICHT VON KAHLESS wird dieses Konzept wieder aufgegriffen. Unter der Feder von KIRSTEN BEYER und MIKE JOHNSON wird dem Leser das enge Geflecht inenrhalb der klingonischen Gesellschaft vor Augen geführt. Der Leser erfährt, wie stark der Verlust von Macht, von Einfluss auf das klingonische Gemüt einwirkt, wie sehr an Hoffnungen gearbeitet wird. Und obwohl es sich um eine Kultur handelt, die zu den Sternen reisen kann, ist sie ungeheuer in ihren Traditionen und ihren religiösen Richtlinien verwurzelt.

Ein Mythos der KLINGONEN ist jenes LEUCHTFEUER VON KAHLESS. Die beiden Autoren schaffen eine kluge, nicht unbedingt vorhersehbare Lösung dieser Idee, gekoppelt an einen Mann, der einen Weg annimmt, teils vorherbestimmt, teils aufgedrängt. Manchmal bekommen Charaktere so lange eine Bestimmung erklärt, bis sie sich selbst trauen, diesen Glauben für sich anzunehmen. Das gelingt über die ganze Strecke der Geschichte sehr gut, indem ein KLINGONE gezeigt wird, der im Laufe der Jahre Stück für Stück über sich hinauswächst und zu noch mehr als nur zu dem Sinnbild wird, was sein Umfeld von ihm erwartet.

Wo sind die HAARE der KLINGONEN hin?! Die gingen bereits in INTO DARKNESS verloren, teils sogar schon in THE UNDISCOVERED COUNTRY (GENERAL CHANG). Der völlig bloß liegende, haarlose Schädel offenbarte viele neue, auch kunstvolle Gestaltungsmöglichkeiten der klingonischen Schädelstruktur. In der vergleichsweise action-armen Handlung, die sich schwer auf zwischenklingonische Verhältnisse stützt, gibt in es in der überwiegenden Mehrheit der Bilder die Gelegenheit für Zeichner TONY SHASTEEN sich mit dem klingonisch körperlichen Merkmal schlechthin zu beschäftigen. Hierbei zeigt sich, dass gerade der Stirnplatte eine gewisse Unverwechselbarkeit zukommt und dass insbesondere bei Kerncharakteren große Sorgfalt auf diesen Blickfang verwendet wurde. TONY SHASTEEN nimmt den Staffelstab in dieser Hinsicht mit vollendeter Genauigkeit auf.

Eine neue Ära im STAR-TREK-UNIVERSUM: Für FANS der KLINGONEN ist dieser Band ein unbedingtes Muss. FANS der STERNENFLOTTE und der FÖDERATION gehen über die gesamte Strecke der Geschichte leer aus. Guter Stoff, der die ursprünglichen Ideen von STAR TREK konsequent und beherzt fortführt. Sehr gut! 🙂

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Montag, 28. Januar 2019

GOLDEN CITY 12 – STADTGUERILLA

Filed under: SciFi — Michael um 17:34

GOLDEN CITY 12 - STADTGUERILLADie neue GOLDEN CITY schwebt längst im Orbit um die Erde, dennoch ist der Untergang der ersten GOLDEN CITY, einer schwimmenden Stadt auf den Weltmeeren, bei vielen Menschen nicht vergessen. Auch bei HARRISON BANKS nicht, dem hauptverantwortlichen Kopf hinter dem Projekt, nach seiner Mutter. Zu viele Opfer waren zu beklagen, die Schuldigen noch lange nicht zur Verantwortung gezogen. Die Suche gestaltet sich schwierig. Die Lage überall auf der Welt ist angespannt. Sogar die Androiden stehen gegen ihre Behandlung auf und revoltieren mit Waffengewalt. Zwischen familiären Verwicklungen, Auseinandersetzungen mit der organisierten Kriminalität, gilt es noch teure Freunde in Sicherheit zu bringen, die dank ihrer Gutherzigkeit zwischen die Fronten geraten sind.

Zwei Spannungsbögen zieht DANIEL PECQUEUR (Autor) gekonnt durch den 12. Teil der Serie GOLDEN CITY, mit dem Untertitel STADTGUERILLA. Auf der einen Seite stehen die persönlichen Schicksale, auf der anderen Seite steht das weltpolitische und gesesellschaftliche Geschehen. Letzteres lässt sich auf einen Nenner bringen: Arm gegen Reich. Jenen in den Randbereichen, an den Küsten, weit weg von den Städten, geht es noch besser als anderswo. Jedenfalls dort, wo ihnen die Gelegenheit geboten wird, ihr Leben selbst zu bestreiten, durch Fischfang oder das Ausschlachten von Wracks. In den Städten ist das Elend am größten. Im Gedränge kocht die Wut viel höher, ein Funke ist viel schneller entzündet. Da macht es aus der Sicht der Reichen sogar Sinn, sich einen Zufluchtsort im Weltall gebaut zu haben.

Die Serie GOLDEN CITY erscheint hierzulande seit über 15 Jahren. Der Mischung aus Science Fiction, Dystopie, Thriller und Abenteuer gelang es von Beginn an zu begeistern. Normalerweise sind gerade Dystopien Interessensschwankungen unterworfen. Je nach gesellschaftlicher Lage sind sie in der Unterhaltung mal mehr, mal weniger gefragt. GOLDEN CITY konnte seine Leser durch ein gut orchestriertes Ensemble aufrecht erhalten. Jugendliche kämpften um ihr Überleben, EVIL SCIENTISTS gingen um, ein sehr reicher junger Mann wechselt die gesellschaftlichen Seiten. Mannigfalte Handlungsorte, exotisch, außergewöhnlich fesselten das Auge und gaben der Erzählung immer neue Anstöße. Gut durchdachte Technik hielt auch den Science Fiction Gehalt auf mindestens gleichbleibendem, sogar ansteigendem Level. Zuletzt richtete DANIEL PECQUEUR sein Augenmerk immer stärker auf einen gesellschaftlichen Wandel.

NICOLAS MALFIN (Zeichner) kann besonders in der ersten Hälfte von STADTGUERILLA optisch das Gefühl von Science Fiction unterstreichen. Der szenische Wechsel von altmodischem Friedhofsgelände auf dem Land, den häufig präsenten Küstenregionen, hin zu den Aufständen in den Städten mit ihren Kanälen, der Technik in Form von futuristischen Fahrzeugen schafft einen tollen Mix, der schließlich von einem zukunftigen LAS VEGAS gegipfelt wird. Faszinierenderweise setzen DANIEL PECQUEUR und NICOLAS MALFIN dem aktuelen LAS VEGAS die Krone auf. Jenes Spielerparadies, das der Leser heute schon mit seiner Pyramide, seinem Caesar’s Palace, seinem Venedig und anderen wüstenfremden Kuriositäten besuchen kann, erhält hier noch ein KOLOSSEUM nebst echten Gladiatorenkämpfen.

Grafisch bleibt dem Leser die gewohnt sehr feine Optik erhalten. Der zerbrechlich wirkende Look wird von PIERRE SCHELLE (Kolorist) plastisch leuchtend unterstützt. Gerne verschafft er einer Seite oder einem Bild ein dunkleres Gegengewicht, damit der Rest umso mehr strahlt.

Für mich tolle Science Fiction, die genau diese Bezeichnung verdient. Eine konsequente Weiterentwicklung bestehender Verhältnisse und Technik, auch vor dem Hintergrund vergangener Entwicklungen, die eben sehr viel Vergangenes noch mitschleppen, so dass das Gesicht der Welt zu jedem Zeitpunkt einen Querschnitt seiner Geschichte zeigt. Schön menschlich konsturierte Hauptfiguren nehmen den Leser auf dieser gelungenen Reise mit. Empfohlen wird ein frühest möglicher Einstieg in die Serie, damit dieses 12. Kapitel (mit Thriller-Elementen) entsprechend genossen werden kann. 🙂

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Freitag, 04. Januar 2019

HOMBRE GESAMTAUSGABE 1

Filed under: SciFi — Michael um 18:07

HOMBRE GESAMTAUSGAE 1Die Welt ist am Ende, aber HOMBRE hat noch nicht aufgegeben. Er hat den Niedergang der alten Welt hautnah miterlebt, die Auferstehung des Chaos gesehen, als Halunken und Abschaum sich die vorherrschaft sicherten, allein durch Gewalt. Er sah diejenigen, die verstrahlt waren, wehrte sich gegen jene, die geisteskrank waren oder sich ohne Reue zu Kannibalen wandelten. Gelände, zuvor dank moderner Technik mit Leichtigkeit zu überwinden, werden zu tödlichen Hindernissen. In der Not werden verschiedene Relikte zu Behausungen, zu einer Heimat sogar. Doch der Tod lauert. Niemals kann ein Mensch sich sicher sein, ob nicht die nächste Begegnung das Ende birgt. In dieser schleichend aufgezogenen Apokalypse hat HOMBRE das kleine Quäntchen Glück, das ihn den nächsten Tag überleben lässt …

In den frühen 1980ern war die Weltuntergangsstimmung greifbar. Im Kino heizten MAD MAX, BLADE RUNNER und TERMINATOR das Publikum an, während ein Schauspieler ins Weiße Haus einzog. Und gleichzeitig erlebte die spanische Comic-Landschaft nach der Diktatur FRANCOS eine Wiederbelebung, in deren Zuge HOMBRE auf den Markt kam und auf verschiedenen Plattformen, darunter auch HEAVY METAL, sein Publikum fand. ANTONIO SEGURA erzählt in voneinander weitestgehend unabhängigen Kapiteln vom Leben (eher vom Dasein) eines Einzelgängers, der sich mehr als viele andere Menschen, denen er begegnet, an die vergleichsweise schöne Vergangenheit erinnern kann.

Drastisch ist der Einstieg in die Serie. Nichts wird beschönigt. Eine Romantisierung der Umstände gibt es nicht. Ein SURVIVAL-FEELING im Sinne eines ROBINSON CRUSOE gibt es in Teilen, nur von einem Freund wie FREITAG ist lange nichts zu sehen. Bis die schöne ATILA auftaucht, der Prototyp einer kämpferischen, emanzipierten Frau bis in die Zehenspitzen, versiert im Kampf, nicht zimperlich, einfallsreich, fast könnte man sagen, eine weibliche, weitaus jüngere Ausgabe von HOMBRE selbst (und natürlich viel hübscher). Dazu ist sie noch frecher, fordert HOMBRE geradezu heraus und ist vielleicht, so wie sie von Autor ANTONIO SEGURA aufgebaut wird, sogar die bessere Überlebenskünstlerin.

In den (zu jedem Abschnitt der HOMBRE-Saga) sehr einsteigerfreundlichen Kapiteln (oder auch Kurzgeschichten, ganz wie man will) verändert sich die Welt rund um HOMBRE etwas mehr. HOMBRE macht freilich seine ganz eigenen Erfahrungen, die ihn prägen, trotzdem ist es die Welt, die die größeren Schritte unternimmt, nach alten Werten und Aufbau strebt, allerdings unsere zivilisatorischen Errungenschaften lange nicht erreicht, sondern vielmehr auf einem MAD-MAX-WILD-WEST-Niveau stecken bleibt. Immerhin: Nach dem absoluten Ausgangsdesater ist dies ein enormer Fortschritt. Der etwas trashige Beginn der Reihe wechselt bereits nach den ersten beiden Kapiteln hin zu Geschichten, die ein stärkeres Format aufzuweisen haben.

Denn mit DAS SELTSAME PARFÜM wird auch HOMBRE menschlicher in einer Art LONE-WOLF-AND-CUB-Konstellation. Nun ist es der ehemalige Einzelgänger, der auf einen Säugling aufpasst. Leider wurde dieses Motiv von ANTONIO SEGURA nicht weiterverfolgt. Dafür treten durch häufigere menschliche Gesellschaft die Änderungen von Werstvorstellungen in den Vordergrund, ganz besonders die für diese Apokalypse einer überkommenen Moral. Und der Tod wird als allgemeine Strafe vollstreckt.

JOSE ORTIZ ist ein Bildkünstler vom Format eines RICHARD CORBEN oder mehr noch eines PAOLO SERPIERI. Mit letzterem teilt JOSE ORTIZ die Strichtechnik und eine Vorliebe für vollbusige, dunkelhaarige Frauen (bei ihm in Form der Helding ATILA dabei). Ein ausdrucksstarke Farbgebung dieser mit höchstem Realismus gezeichneten Bilder gibt der Handlung eine ungeheure Lebendigkeit. Dass JOSE ORTIZ dabei auch ein reines per Tusche gezeichnetes Schwarzweiß ausreicht, beweist der Künstler mit einer Episode um ATILA, die gerade dem künstlerisch Interessierten das enorme Talent des Zeichners zeigt. Der Kampf mit einem Bären wäre ebenfalls in einem WESTERN gut aufgehoben (auch in diesem Genre war JOSE ORTIZ zuhause).

Grafisch fantastisch, thematisch besonders für jene Comic-Enthusiasten interessant, die auf Weltuntergangsszenarien stehen. Wer ein leicht zugängliche, (mit einer Prise schwarzem Humor), sicherlich mitunter brutale Erzählung mit Western-Anklängen (aus einer irren Pionierzeit) mag, die ihrem Helden darüber hinaus nur wenig Erholung schenkt, ist hier mit dem Auftakt der dreiteilig abgeschlossenen Gesamtausgabe bestens bedient. JOSE ORTIZ war ein echter Ausnahmekünstler! 🙂

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Dienstag, 19. Juni 2018

SAGA 8

Filed under: SciFi — Michael um 18:52

SAGA 8Willkommen in ABORTION TOWN! Hier stellt niemand Fragen. Hierher kommen die schwierigen Fälle, die anderswo keine Hilfe mehr erwarten können. ALANAS zweites Kind ist tot, habt aber den Mutterleib noch nicht verlassen. Durch ihre und ihres Mannes MARKO unterschiedliche Volkszugehörigkeiten, zweier Parteien, die sich im Krieg befinden, durfte bereits die erste Schwangerschaft nicht öffentlich werden. Die Tochter ist ein aufgewecktes Kind geworden. Der verstorbene Sohn muss nun unbemerkt zur Welt gebracht werden. Denn falls die
Eltern auffallen, könnten ihre Leben und die all jener, die ihnen lieb und teuer sind, in Gefahr gebracht werden.

In der achten Folge von SAGA geht das Drama ungebrochen weiter. BRIAN K. VAUGHAN schafft neue Schwierigkeiten, neue Spannungsmomente, neue Verbindungen, natürlich Action und traurige Szenen. Wann wurde Abtreibung in einer Science-Fiction-Geschichte einmal zum Thema? Im Roman mag es vorgekommen sein, aber im Comic fällt mir kein Beispiel ein (es mag durchaus eines geben). Obwohl die Figuren und die Umgebung selbst für ein abgedrehtes Szenario weiterhin skurril sind, geht BRIAN K. VAUGHAN das Thema mit dem größten Respekt und enormem Fingerspitzengefühl an. Dazu verwendet er einen Trick (weil es eben eine Science-Fiction-Fantasy-Space-Opera ist) und eröffnet so eine Möglichkeit, die Eltern in einer realen Welt wie unserer nicht gegeben ist.

Ganz kurz: Der Ursprung von SAGA ist eine Liebe, die eigentlich nicht sein darf. Ein gehörntes Volk und ein geflügeltes befinden sich im Krieg. Diese Auseinandersetzung hat gleichzeitig (so ungefähr) den Rest des Universums gezwungen, Stellung zu beziehen und sich für eine Seite zu entscheiden. Dass jemals beide Seiten wieder zueinander finden, scheint undenkbar angesichts all des Hasses, der sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. So weit, so zusammengefasst. Erinnert ein wenig an ROMEO UND JULIA, mit dem Unterschied, dass BRIAN K. VAUGHAN (Autor) und FIONA STAPLES (Illustratorin) eine Art SHAKESPEARE AUF SPEED daraus machten.

Im Gegensatz zu STAR WARS, mit dem SAGA zeitweilig verglichen wird, ist das große Ganze eher eine Randangelegenheit. Hier geht es um die kleinen Figuren (im wahrsten Sinne) und ihre ganz persönlichen Entwicklungen. GHÜS und KNAPPE sind solche Figuren. Ihr Abenteuer bringt die Handlung nicht unbedingt weiter (das könnte sich natürlich im weiteren Verlauf noch zeigen, ob ein Rückgriff auf diese Geschichte erfolgt). Aber letztlich ist es eine feine Episode, die viel über die beiden aussagt, einzeln und als Duo. Hier ist einer der Gründe zu finden, warum sich die Serie, unabhängig vom Genre, so wohltuend von vielen anderen abhebt.

BRIAN K. VAUGHAN ist ein Autor, dem es gelingt, einen Charakter punktgenau zu beschreiben und Nuancen herauszuarbeiten. Und obwohl KNAPPE ein Kind mit dem Kopf eines veralteten Computermonitors ist und GHÜS einer kleinen weißen Robbe ähnelt, ist man als Leser sofort bei den ungewöhnlichen Helden.

Wer einmal wissen wollte, wie es ist, wenn Wahnsinn Methode hat, sollte SAGA lesen. Und das schreibe ich, ohne es negativ zu meinen. Denn ohne ein Korsett aus Begrenzungen treibt die Fantasie der beiden Comic-Macher BRIAN K. VAUGHAN und FIONA STAPLES hier unzählige Blüten, deren Auswüchse auch für die Zukunft kaum, ach was, gar nicht vorhersagbar sind. In SAGA, das ist das Schöne und das Besondere, kann alles passieren. 🙂

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Samstag, 09. Juni 2018

STAR WARS – EINE ALLIANZ AUF ZEIT

Filed under: SciFi — Michael um 17:27

STAR WARS - EINE ALLIANZ AUF ZEITDieser Mann ist ein lebendes Artefakt. Und damit ist nicht etwa OBI-WAN KENOBI gemeint, sondern sein junger Nachfolger LUKE SKYWALKER. Einmal mehr geht es zurück in jene Tage, als die REBELLION ihre ersten Erfolge gegen das IMPERIUM zu verbuchen hat. LUKE SKYWALKER arbeitet mit der zwielichtigen Archäologin DR. APHRA zusammen. Die junge Frau und ihre gefährlichen Gefährten (Freunde gibt es in ihrem Geschäft nicht wirklich) haben LUKE SKYWALKER eine Möglichkeit eröffnet, wie eine JEDI-RELIQUIE ihre Geheimnisse offenbaren und ihm so helfen könnte, seine Kräfte weiter zu erforschen, denn noch ist ein YODA nicht in Sicht.

DR. APHRA ist wieder da. Die junge Frau, eine Art Negativ-HAN-SOLO (der selbst in dieser Geschichte mit dabei ist), hat eine entsprechende Begleitung, ein düster, dunkles Droidenpaar (mörderisch veranlagt) und einen Super-WOOKIE (nicht meine Worte), der als Kopfgeldjäger (und Killer) seine Erfüllung findet. Das ist nicht gerade ein Quartett, dem sich ein Bauernjunge von TATOOINE anschließen sollte. KIERON GILLEN, reich an Erfahrung im Spielejournalismus und als Comic-Autor, geht mit einer erfreulichen Unverfrorenheit an das Thema STAR WARS heran. Er betreute DR. APHRA bereits in einem anderen weitläufigen Abenteuer (siehe Comicblog-Link unten). Der Auftritt von DR. APHRA ist stets unkonventionell und geht hier weit über eine STAR-WARS-Version von TOMB RAIDER hinaus.

Das Weltall ist groß, selbst mit Hyperraumantrieb. So wird in EINE ALLIANZ AUF ZEIT eine weitere Spielart von Lebensformen vorgestellt, die wie eine Mischung aus SITH und den DATHOMIRHEXEN auftritt. Merke: Wo zu viel rote Farbe im Spiel ist, droht Gefahr. KIERON GILLEN (mit Unterstützung von JASON AARON) mag ein Kenner der Materie Science Fiction sein. Zeitweilig kommen in der Atmosphäre am Hofe der SCHREIENDEN ZITADELLE Erinnerungen an ein SPUKSCHLOSS IM WELTALL (STAR TREK) auf. Im späteren Verlauf, mit der kurzzeitigen Wandlung von HAN SOLO, wandelt KIERON GILLEN gar auf den Spuren eines INDIANA JONES.

Ein Handlungsfazit: Spooky. Die gesamte Episode atmet ein etwas surreales Ambiente, Grusel durchzieht die Versammlung zu Ehren der Königin. Der spätere Handlungsumschwung erhält immer mehr Weltuntergangsstimmung, zu der LUKE SKYWALKER und HAN SOLO eine Menge beizutragen haben. Die anderen Figuren, nachher auch Dr. APHRA, stehen mehr am Rand und bewegen die Handlung nicht mehr ganz so stark. Wer auf eine verrückte, wirklich düstere Atmosphäre innerhalb von STAR WARS steht (wie sie in den CLONE-WARS-Abenteuern auf DATHOMIR z.B. vorherrschte), der liegt mit dem 101. STAR WARS SONDERBAND goldrichtig.

Hier sind gleich zwei grafische Dreamteams am Start: Den Anfang machen MARCO CHECCHETTO (Zeichner) und ANDREAS MOSSA (Kolorist), gefolgt von SALVADOR LARROCA (Zeichner) und EDGAR DELGADO (Kolorist). Die Leistung der ersten beiden ist riesig, cineastisch eindrucksvoll, wie überladen von GEORGE LUCAS inszeniert. Das zweite Duo lässt es optisch krachen. Großaufnahmen der Akteure überschreiten die Grenze zum Fotorealismus. Hier bekommen die STAR-WARS-Fans wirklich etwas geboten. Wenn JEDI und KÖNIGIN ihre Macht zeigen, wird es gigantisch.

Das kracht und fügt sich ohne Verluste ins bestehende STAR-WARS-Universum ein. DR. APHRA darf sich gerne für ein Sololeinwandabenteuer aufstellen. Sie und ihre Gefährten hätten das Potential für ein etwas anderes Weltraumdrama. Sehr gut! 🙂

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Siehe auch im Comicblog: STAR WARS – Dr. APHRA

Donnerstag, 10. Mai 2018

DER MANN MIT DER MASKE 1

Filed under: SciFi — Michael um 18:37

DER MANN MIT DER MASKE 1 - ANOMALIENÜberlegene Technik wird gegen Soldaten eingesetzt. Sensoren erfassen Gesichter, separieren Menschen vom Rest des Geländes. Computergesteuerte Maschinengewehre beschießen den Boden aus der Luft großflächig. Die Überlebenschancen sind gleich Null. Doch plötzlich rast ein anderer Flugkörper durch die Luft, ein Schemen von menschlicher Kontur, ein Cape flattert auf seinem Rücken. Der fliegende Kampfroboter wird aus der Luft gefegt. Die ungewöhnliche Zerstörung der bewaffneten Drohne wird als VORFALL 41 dokumentiert.

Eine Welt verändert sich. PARIS, die romantische Weltstadt ist kaum wiederzuerkennen, als FRANK BRAFFORT, einer der Soldaten, die den VORFALL 41 überlebt haben, in die Metropole zurückkehrt. ANOMALIEN verstören die Menschen. Autor SERGE LEHMAN beschreibt eine Welt (oder den Ausschnitt einer Welt) zwischen düster, romantischer Verklärung der Vergangenheit und futuristischer Aufbruchstimmung. Wie so oft schaffen nicht alle den Sprung in die Zukunft. Einige sind bereits mit fliegenden Automobilen unterwegs, andere sehen staunend nach oben. In dieser Stimmung, in der sich PARIS nicht recht zu entscheiden weiß, wie es weitergehen soll, tauchen ANOMALIEN auf, die nicht alle gleich als FLIEGENDE HELFER zu identifizieren sind.

Das Geheimnis hinter den Geschehnissen ist kompliziert. Obwohl es durch die Erscheinung eines PHANTOMS, eines gigantischen Abbilds über dem MONTMATRE geradezu beworben wird, um Aufklärung bettelt, ist eine breite Öffentlichkeit mehr mit sich selbst und der Auslebung seiner Aggressionen beschäftigt. Die Wirkung auf den Leser ist gruselig surreal, ist aber im Vergleich zur Realität recht gut von SERGE LEHMAN durchdacht (denn wer in seinem Leben schon Zeit und Muße sich mit den großen Ereignissen zu befassen, außer sie in den Nachrichten zu verfolgen).

STEPHANE CRETY verfolgt als Zeichner eine sehr klare Linie mit sehr viel Realismus bei seinen Figuren und feinen Überzeichnungen, die eine optische Charakterisierung vereinfachen. Die Gesichter seiner Figuren gehen wohltuend leicht ins Auge. Wo er über das normale Maß hinaus punktet, ist SEIN PARIS, aus dem er eine Stadt macht, die Atmosphäre geradezu atmet. Das Titelbild fasst die Atmosphäre sehr gut zusammen. Zwischen den Scheinwerfern, die den nächtlichen Himmel der Stadt erhellen, herrscht ein reger Luftverkehr. Hinter altehrwürdigen Straßenzügen ragen ultramoderne Wolkenkratzer aus Stahl und Glas in die Höhe. Der Himmel ist wolkenverhangen, organgefarbenes Licht glänzt aus den Straßenschluchten empor.

Das Farbenspiel von GAETAN GEORGES ist eine Mischung aus klarer Tontrennung, Verläufen, leichten Texturen und bis kurz vor Schluss meist auf eine fotografische Tiefe bedacht. Erst gegen Ende übernimmt eine eher comic-ähnliche Kolorierung das Zepter. Da macht es allerdings absolut Sinn. Über die gesamte Länge des Albums entsteht eine Film-noir-Atmosphäre. Die Farben von GERORGES und die Zeichnungen von CRETY sind wunderbar aufeinander abgestimmt Eine regnerische Kulisse, grauer Himmel, Weltkriegsluftverkehr trifft auf technisches Spielzeug aus BLADERUNNER, technische Perfektion trifft Gothic.

Und in diesen Bildern schickt SERGE LEHMAN einen Mann in die Geschichte, der nicht ahnt, warum er in dieses Spiel verwickelt wird. An seiner Seite verfolgt der Leser mit gleichem Staunen, wie sich die Fäden (sehr) langsam entwirren. Ein Science-Fiction-Abenteuer, das sich genre-technisch sich nicht genau eingrenzen lässt, ausgetretene Pfade weitläufig verlässt und eine Menge ungewöhnlicher Ideen bereitstellt. Schön und spannend, wie mutig sich andernorts auf Geschichten eingelassen wird und welch tollen Ergebnisse daraus letztlich entstehen. Klasse! 🙂

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Dienstag, 17. April 2018

ECHO 3 – BLACK HOLE

Filed under: SciFi — Michael um 17:16

ECHO 3 - BLACK HOLEDie seltsame Körperlegierung und der ungebetene Gast im eigenen Körper haben JULIES Leben auf den Kopf gestellt. JULIES Körper reagiert darüber hinaus mit einer sonderbaren Veränderung. Sie wächst nämlich. Ganz im Gegensatz zu IVY, die es gewagt hat, die Seiten zu wechseln und JULIE nun zur Seite steht. Allerdings hat bei ihr eine abnorme Verjüngung eingesetzt. Langsam wird sie kleiner, pubertärer, mit allen Stimmungsschwankungen, die dazu gehören. Derlei Verhaltensweisen sind alles andere als vorteilhaft, wenn dubiose Mächte es darauf abgesehen haben JULIE, IVY und ihren Freund DILLON zur Strecke zu bringen …

Auch in der dritten finalen Folge von ECHO hält TERRY MOORE Überraschungen für den Leser bereit. Das Verhältnis zwischen den anfangs unfreiwilligen Gefährtinnen JULIE und IVY verschiebt sich nicht nur in eine echte Freundschaft, auch das Kräfteverhältnis kippt. War IVY zu Beginn die toughe Frau, die in brenzligen Situationen geholt wurde, die wusste, wo es lang geht und einen klaren Kopf behielt, ist es nun die JULIE, die sich den Gegebenheiten weitaus besonnener stellt und (ein Wortspiel) über ihr altes Ego hinauswächst.

Für JULIE, IVY und DILLON ist es ein traumwandlerischer Roadtrip, ein unwirkliches Szenario, zumal in JULIE eine weitere Seele Zuflucht gefunden hat, ANNIE. Demgegenüber steht eine Reihe von Gegnern, die mit tödlicher Effizienz zu Werke gehen. Ein Killer, der beauftragt worden ist, hinter den Geschehnissen her aufzuräumen, arbeitet mit jener eiskalten Art, die Kinozuschauer (und natürlich auch Leser) in verschiedensten Thrillern über die Jahre hinweg vorgeführt bekamen. Der Mensch am anderen Ende des Laufs wird ausgeblendet, es gibt nur noch das Ziel.

Das gleicht die mysteriösen Faktoren der Geschichte um KAIN, die unwirklich scheinende Gewalt aus. ECHO, als Gesamterzählung, will sich ungern in Schubladen stecken lassen. TERRY MOORE vereint hier Elemente von Thriller, Drama, Mystery und Science Fiction. Neben der spannenden Handlung, die mehr und mehr Fragen klärt, ist die Charakterentwicklung, für die TERRY MOORE als Erzähler ein echter Garant ist, eines der tollen Standbeine der Trilogie. Er schafft feine Dialoge, in die sich stets ein Funke Humor einschleicht. Der Ernst der Situation bleibt erhalten, aber man wird zum Schmunzeln eingeladen. So ist die Verführung, sich auf das Szenario einzulassen, größer, die Hauptfiguren, die gerade über Missverständnisse stolpern, umso sympathischer.

Neben dem normalen Rüstzeug eines Comiczeichners beherrscht TERRY MOORE die kleinen Gesten, die Emotionen seiner Charaktere, die kleinen Blicke, die Enttäuschungen enthüllen, den süffisanten Triumph, heimliche Freude und vieles andere, was mit nur leichten Strichvariationen zu bewerkstelligen ist; für die sich TERRY MOORES Zeichnerkollegen nicht selten aber keine Zeit nehmen. Farbe kann ein Topping sein, kann aber auch ablenken. TERRY MOORE nutzt das Schwarzweiß, um den Blick des Lesers zu fokussieren und ihn noch ein Stückchen mehr als anderswo entdecken zu lassen.

An einer Stelle empfiehlt sich TERRY MOORE als Illustrator für biblische Geschichten; oder auch für mehr als nur fantastische Thriller, wie er sie mit der Reihe RACHEL RISING bewerkstelligte. Im furiosen Finale kracht es gewaltig, doch TERRY MOORE lässt niemals den menschlichen Aspekt außer Acht. Das Schwarzweiß seiner Zeichnungen lässt das Schlussszenario noch bedrohlicher erscheinen. Nicht umsonst lautet der Untertitel der Episode BLACK HOLE. Ein schwarzes Loch verschlingt eben alles.

Es bestätigt sich einmal mehr im Abschluss der Trilogie ECHO: TERRY MOORE versteht sich auf Charakterentwicklung und zieht so seine Leser immer enger an sie heran und so auf geschickte Weise in die Geschichte herein. Nichts ist statisch, alles im Fluss, auch die Figuren, deren Beziehungen sich untereinander verschieben. Mit dieser neuen Konstellation treten sie mit aller zur Verfügung stehenden Hoffnung zum Finale an (die Terry MOORE immer wieder anpiekst und erschüttert). ECHO ist spannende Unterhaltung pur, mit neuen Ideen abseits ausgetretener Erzählpfade. Klasse! 🙂

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