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Comic Blog


Donnerstag, 01. August 2019

STAR WARS – DOKTOR APHRA 4

Filed under: SciFi — Michael um 13:49

STAR WARS – DOKTOR APHRA 4 – LIEBE IN ZEITEN DES CHAOSDREI FRAUEN: Die eine ist gefangen in einem der gefährlichsten und lausigsten Gefängnisse des IMPERIUMS und will nichts sehnlicher, als von dort zu verschwinden. Aber DOKTOR APHRA steht diesmal vor der schwierigsten Aufgabe ihres jungen Lebens. Ohne Hilfe scheint eine Flucht nicht machbar. MAGNA TOLVAN, eine IMPERIALE OFFIZIERIN, ist in DOKTOR APHRA verliebt. Sie könnte der Schlüssel zur Befreiung sein und darüber hinaus den Schneid besitzen, dieses tollkühne Unterfangen erfolgreich zu bewältigen. Wäre da nicht SANA STARROS, die Ex-Freundin von DOKTOR APHRA und mit einem eigenen Auftrag versehen. Persönlich beauftragt von der REBELLEN-GENERALIN SYNDULLA macht sich SANA STARROS auf den Weg in eine vom IMPERIUM geschaffene Hölle. Und sie ist nicht die einzige außerplanmäßige Besucherin!

Ein Knast in STAR WARS! Und was für einer! Das ACCRESKER GEFÄNGNIS setzt sich zusammen aus diversen schrottreifen Raumschiffen, mit einer Atmosphäre versehen und von einem weiteren Schiff durch den Weltraum gezogen. Eine Flucht ist undenkbar! Drinnen ist es fast noch gefährlicher als draußen auf der Schrottoberfläche. Hierhin hat es die junge DOKTOR APHRA verschlagen. Bislang hat sie sich aus jeder Situation herauswinden können, auch über das Leben und Leid anderer Menschen und sonstiger Kreaturen. Sie hat einiges auf dem Kerbholz und viele wollen ihr ans Leben. Aber eine Existenz im ACCRESKER GEFÄNGNIS wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht.

SIMON SPURRIER setzt die Geschichte um eine Heldin fort, die sich im besten Sinn ins Universum von STAR WARS einfügt. Gastauftritte sind ebenfalls inklusive. DARTH VADER gibt sich höchstselbst die Ehre. Aber auch eine GENERALIN SYNDULLA, die der STAR-WARS-FAN natürlich aus der sehr zu empfehlenen Animationsserie REBELS her kennt. (Klasse, dass solche Querverweise geschaffen werden.) Doch damit nicht genug. Aber genug gespoilert. Der FAN darf sich auf jeden Fall auf einen recht alten Bekannten freuen, den man darüber hinaus ziemlich selten antrifft. So ist sein Auftauchen umso überraschender zu nennen und SIMON SPURRIER als Autor sehr zu loben, wie er die Einzelteile verschiedener zeitlicher Ebenen miteinander verwebt.

TRIPLE-ZERO! Für alle, die diesen DROIDEN nicht kennen: Stellt auch einen pechschwarzen Protokolldroiden vor (wie C-3PO gebaut), der Spaß an der Folter lebendiger Kreaturen hat, einem Verbrechersyndikat vorstand und sich nun gerne, weil er diese Rolle einbüßen musste, an DOKTOR APHRA rächen möchte. Die in DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK vorgestellten KOPFGELDJÄGER (BOBA FETT eingeschlossen) sind wahre Lachnummern gegen diese psychopathischen DROIDEN. Man wünscht sich, es hätte einen Auftritt, gerne auch eine größere Nebenrolle dieser Figur auf der Kinoleinwand gegeben. In der Comic-Reihe um DOKTOR APHRA finden sich viele mutige erzählerische Ansätze und TRIPLE-ZERO ist einer davon.

Die Serie um DOKTOR APHRA beschäftigt sich nicht mit den ehrenhaften Zielen von REBELLEN noch mit den fehlgeleiteten Idealen von IMPERIALEN KARRIERISTEN. Hier geht es schlicht um VERBRECHER, mal schwerer, mal minderschwerer Natur. Und DOKTOR APHRA ist eine davon. Überleben ist das oberste Ziel. Allianzen sind flüchtig. Liebschaften ebenfalls. LIEBE IN ZEITEN DES CHAOS lautet der Untertitel des vierten Bandes der Reihe um DOKTOR APHRA (vermutlich in Anspielung auf das berühmte Werk DIE LIEBE IN ZEITEN DER CHOLERA). Die Liebe ist hier ein sehr zartes Pflänzchen, das sich kaum gegen die Widrigkeiten der Umstände zu behaupten mag. Immerhin, es gibt sie. Ob sie eine Chance hat, muss der Leser selbst herausfinden.

KNAST: Das vermittelt ein für Geschichten und Dramen besonderes Ambiente und sehr sehr seltsamen (wie brutalen) Mikrokosmos. FLUCHT VON ALCATRAZ, PRISON BREAK oder DIE VERURTEILTEN (nach einer Geschichte von STEPHEN KING) haben Bilder insbesondere von amerikanischen Gefängnissen gezeigt. Entsprechend muss die Situation in einem Science-Fiction-Setting (auch das gab es schon z.B. mit WEDLOCK oder LOCKOUT) und erst recht bei STAR WARS extrem anders sein. Mit KEV WALKER ist ein Zeichner am Start, der nicht nur ganz wunderbar illustrieren kann, er arbeitet auch den Kern dieses speziellen Knastes heraus, der sich als Mischung aus MÜLLHALDE und LABYRINTH skizzieren lässt.

Technisch, dreckig, heruntergekommen. Jeder Schritt kann in einer Todesfalle enden. Und ähnlich wie in WEDLOCK lässt einem implantierter Sprengstoff den Schädel (und mehr) wegfliegen, wenn sich ein Häftling zu weit von seinem Arbeitstrupp entfernt. KEV WALKER darf sich austoben, teils ganzseitig (was ich seit den Zeiten des SILVER SURFERS sehr mag), teils in halbseitigen Bildern. Das gibt dem Leser selbstverständlich tolle, sehr starke Eindrücke dieser für STAR-WARS-Verhältnisse außergewöhnlichen Kulisse.

WOW! DOKTOR APHRA kann als Serie immer mehr, setzt mit jeder Folge einen drauf. Ein ganz neues Setting bietet ein Szenario, das sich von Seite zu Seite steigert. Eine Halde von Schrottraumschiffen als Gefängnis, eine geplante Flucht, die Liebe dreier Frauen, Darth Vader und ein gnadenlos nahendes Inferno. Mehr muss man zu dieser grandiosen Mischung kaum sagen. Das knallt und ist ein echter Pageturner! TOP! 🙂

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Dienstag, 30. Juli 2019

STAR WARS – POE DAMERON 4 – DIE WEGE DER MACHT

Filed under: SciFi — Michael um 16:54

STAR WARS - POE DAMERON 4 – DIE WEGE DER MACHTLOR SAN TEKKA ist ein sehr neugieriger Wissenschaftler. Die MACHT interessiert ihn. Aber wichtiger für ihn ist noch die MACHT DES WISSENS. Er strebt weder nach körperlicher Macht, noch finanzieller oder politischer und noch weniger spiritueller. Auf seinen Wegen der Wissenserweiterung ist er allerdings oft sehr naiv unterwegs. Ein Einbruch, der letztlich nur dem Lernen dient, kann so schlimm nicht sein. Eigentlich muss er sogar verzeihbar sein. Auf dem Planeten Cato Neimoidia hält man von dieser Einstellung nicht viel. Sie gar als Entschuldigung anzuführen, ist eine Unverschämtheit. LOR SAN TEKKA hätte sich vorsehen sollen. In einer Welt, in der jeder Unternehmer seine eigene Gerichtsbarkeit unterhält, kann es zu unvorhersehbaren Härten kommen. Und so lautet das Urteil auf SCHULDIG und die Bestrafung ist der TOD.

CHARLES SOULE springt mit diesem vierten Band um den Piloten POE DAMERON vor (!) DAS ERWACHEN DER MACHT, denn wie der STAR-WARS-FAN erkannt hat, ist LOR SAN TEKKA hier noch wunderbar am Leben und ist zwar ein findiger Wissenschaftler, aber zugleich auch ein sehr leichtsinniger. CHARLES SOULE gibt dem Gelehrten (hier wie im Film in bildlicher Form eines MAX VON SYDOW) ein recht unabenteuerliches Profil. Schnell wird klar, dass LOR SAN TEKKA das Risiko des Einbruchs nur sehr ungern eingeht. Sehr schön, wie hier eine Nebenfigur etwas mehr Raum zur Entfaltung bekommt. (Dieser Raum hätte der Figur auch im Film sehr gut getan, weil sie dem Thema der Macht auch zusätzliche Tiefe und Aufklärung verleiht. Denn die Macht, allen JEDI und SITH, die da kreuchen und fleuchen, wird doch sehr stiefmütterlich thematisiert.)

Ich finde die grafische Umsetzung des STAR-WARS-COMICS um POE DAMERON von ANGEL UNZUETA (wie auch in Vorgängerbänden um den X-WING-PILOTEN) nicht nur sehr gelungen und schön, die sehr akribisch genaue, ultra-exakte Darstellung passt hervorragend. Jeder SCHAUSPIELER ist wiederzuerkennen, vorneweg natürlich OSCAR ISAAC (als POE DAMERON) und CARRIE FISHER (als PRINZESSIN LEIA oder, glasklar hier Jahrzehnte nach der Ur-Trilogie, GENERAL ORGANA). Es gibt ein Wiedersehen mit Kampfdroiden, am Boden und in der Luft. Und es macht einfach Spaß, moderne X-WINGS gegen die antiquierten (aber sehr wacker auftretenden) Modelle kämpfen zu sehen.

Die Kolorierung durch ARIF PRIANTO ist erstklassig, filmreif und plastisch. Die Plastizität verhilft insbesondere die Gesichter der Figuren zum Fotoromaneffekt der Bilder. Wie in den Vorgängerbänden kreiert ARIF PRIANTO im vierten Band der Reihe, mit dem Untertitel DIE WEGE DER MACHT, in Actionszenen farblich tolle Sequenzen. Herausragend, zeichnerisch natürlich ebenso, ist hier eine Schlachtszene, in der STORMTROOPER einen Einsatz im WELTRAUM unter Zuhilfenahme von Raketenrucksäcken absolvieren. Ganz großartig!

Teils ist die Geschichte nicht nur eine einer klassischen Rettungsmission, teils ist es auch ein so genannter HEIST. LEIA inmitten eines solchen Plans zu erleben, ist ungewohnt, aber davon hätte es ruhig mehr geben können. Es passt zu abenteuerlichen Stimmung von STAR WARS allgemein, aber auch zu jener Atmosphäre, wie sie in CLONE WARS und REBELS gepflegt wurde. Wie mancherorts in anderen Ablegerserien (wie z.B. in der von mir sehr gelobten DOKTOR APHRA) freut man sich auch über gelungene Widerlinge. Einer, der dem Widerstand das Leben schwer machte und kurz von der Bildfläche verschwand, war AGENT TEREX. Der Schuft kehrt zurück, etwas angeschlagen, verbittert, voller Hass, allerdings immer noch sehr schlau, sehr hartnäckig und mittlerweile ist keine Seite mehr vor ihm sicher. Der Motivationsschwenk macht das Handeln der Figur unvorhersehbar und treibt die Geschichte ab einem gewissen Punkt gehörig voran.

ERSTKLASSIG! Eine tolles grafisches Feuerwerk dank der beiden Comic-Künstler ANGEL UNZUETA und ARIF PRIANTO. Abenteuerlich von Anfang bis Ende (das kleine Annual im Anhang eingeschlossen). Alles, was man als Fan von STAR WARS erwarten darf, wird hier bravourös erfüllt! 🙂

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Freitag, 28. Juni 2019

SLHOKA 8 – DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN

Filed under: SciFi — Michael um 14:02

SLHOKA - Band 8 - DIE NADEL DER VERGÄNGLICHENGleißende Blitze zucken in die Höhe, ganze Bauwerke, gigantische Tempel entstehen und fallen, durch den Willen des Schöpfers verursacht, sogleich wieder in sich zusammen. SLHOKA vermag alles zu erschaffen und einzureißen, aber er ist allein in dieser abgeschiedenen Welt, dem JAIPURNA. Hier gibt es niemanden zu beherrschen oder zu beeindrucken. Niemand muss bekämpft werden, denn den letzten Kampf gewann SLHOKA und damit auch eine leere Welt. SLHOKA, der so mannigfaltige Gefahren überstand, muss sich seine eigene Kapitulation vor einer ausweglosen Situation schweren Herzens eingestehen.

LIVING IN A BOX: SLHOKA hat sich seit seinem letzten Abenteuer verändert (siehe Titelbild). Weiße Haarpracht, glühende Augen, blaue Haut. Weiße Ornamente verzieren die Muskeln. Sein Äußeres ist martialischer als zuvor. Charakterlich hat sich nichts geändert. SLHOKA ist ein Heißsporn, durch und durch. Das nützt ihm hier nur herzlich wenig. Die ihm nun inne wohnende Macht hält ihn gleichzeitig gefangen. Innerhalb der magischen Welt vermag er gänzlich alles zu gestalten. ULRIG GODDERIDGE hat seinem Helden ein großes Geschenk gemacht. Trotzdem lässt er SLHOKA handlungsunfähig am ausgestreckten Arm verhungern. Aber, wie es so schön heißt, Not macht erfinderisch.

DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN. Der Untertitel des 8. Bandes der Folge aus der Reihe SLHOKA gibt einen kleinen Hinweis auf einen Lösungsansatz für den Helden. Den eigentlichen Clou der Geschichte verrät es nicht. Und dahingehend soll es hier auch keine Spoiler geben. Unter dem Strich gibt es in diesem Band eine Suche und auf der anderen Seite einen recht besonderen Roadtrip. Die Kulisse ist ein dichter Dschungel, wild bewohnt, und so mancher Überrest steht für die Geschichte des Planeten (und ist Relikt der bisherigen Abenteuer).

CEYLES, dem Zeichner, und VINCENT, dem Koloristen, kommt die Aufgabe zu, die grüne Hölle zu gestalten, eindeutig asiatisch ausgerichtet, sehr abweisend, lebensfeindlich, feucht, von Flüssen durchzogen, gigantischen Baumkronen beschattet. Das ist nächtens wie tagsüber stimmungsvoll ausgeleuchtet. So gewinnt ein Weltenabschnitt in SLHOKA an ziemlicher Tiefe. ULRIG GODDERIDGE zeigt dieses Universum in einem neuen, recht intensiven Licht, indem die Strecke, die hier (voller Frauenpower) durchwandert wird, viel mehr Details als bislang erhält. So setzt sich dieses Kapitel stark von den vorhergehenden ab.

FRAUENPOWER: Gegensätzlicher könnten die beiden Frauen in dieser Erzählung nicht sein. Sie reißen hier das Heft an sich und stellen SLHOKA die Show (verdientermaßen). Da ist einerseits die sehr lebenserfahrene M’MA BAY, eine alte Schamanin, die bis hin zum Tod schon alles erlebt zu haben scheint. Auf der anderen Seite steht ECKRE, jung, agil, Kämpferin, Überlebenskünstlerin, mit ein paar mittelgroßen Gedächtnislücken versehen. Plötzlich werden diese beiden Frauen für den weiteren Weg zusammengeschweißt, mehr oder weniger gut oder gern. Das ist ein klassischer Stoff, der schon häufig funktioniert hat und es jetzt erneut (klasse) schafft.

Die Reise geht weiter, ganz anders als Stammleser hätten annehmen können. Mit Band 8 der Reihe SLHOKA, DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN, ist natürlich längst der Punkt erreicht, an dem Vorwissen für das weitere Verständnis der Handlung vonnöten ist. Dennoch gelingt es dem Erzähler ULRIG GODDERIDGE ein Abenteuer zu schaffen, das einen Einstieg mit relativ frischen Figuren darstellt, weil diese selbst in eine Situation geraten, die vollkommen neu für sie ist. Mit gruseligen und starken Momenten und Wendungen. Prima! 🙂

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LINKS im COMICBLOG:

http://www.comicblog.de/2007/05/21/slhoka-die-vergessene-insel/ (SLHOKA Band 1)
http://www.comicblog.de/2007/07/10/slhoka-die-gaerten-von-sangali/ (SLHOKA Band 2)
http://www.comicblog.de/2007/11/08/slhoka-die-weisse-welt/ (SLHOKA Band 3)
http://www.comicblog.de/2010/09/26/slhoka-4-die-blutboegen/ (SLHOKA Band 4)
http://www.comicblog.de/2019/06/22/slhoka-7-das-andere-ufer/ (SLHOKA Band 7)

Samstag, 22. Juni 2019

SLHOKA 7 – DAS ANDERE UFER

Filed under: SciFi — Michael um 22:16

SLHOKA 7 - DAS ANDERE UFERSPONGROPUSZUNGE ist eine richtige Delikatesse. Das Problem ist nur die Größe des SPONGROPUS, der so gigantisch ist, dass er mehr andere verspeist und kaum Gegner zu fürchten hat. Menschen jedenfalls nicht. Und kleine BAYANER wie dieser, der SLHOKA gerade einmal zur Hüfte reicht, schon gar nicht. Dennoch hat der SPONGROPUS die Rechnung ohne SLHOKA gemacht. Der Mensch ist kein einfacher Wanderer mehr. Unter Aufbietung seiner besonderen Zauberkraft bezwingt er die Kreatur. Das Abendessen ist angerichtet.

SLHOKA kam als Fremder in diese Welt (siehe SLHOKA-Rezis Band 1-4 unten) und nun ist er ein Teil von ihr. Verbunden mit der Rachegöttin SHANI, die in der Gestalt einer geflügelten Raubkatze in Erscheinung tritt, bereist er eine Welt, in der Magie weitaus mehr zählt, als die Technikhörigkeit, auf die er bei zu Beginn noch schwor. Mit dem 7. Band, DAS ANDERE UFER, wird eine Reihe fortgesetzt, die bereits 2007 hierzulande erschien. ULRIG GODDERIDGE kreierte eine sehr eigenständige Welt. Vergleiche zum Zeitpunkt dieser Ausgabe anzustellen, fällt schwer. Wer sich also auf einen neuen, spannend erzählten Mix aus SCIENCE FICTION und FANTASY einlassen will, liegt hier goldrichtig.

Ein menschlicher Krieger im Kampf gegen eine Göttin. SLHOKA ist nicht der erste Ersatzkämpfer einer göttlichen Macht. ULRIG GODDERIDGE spinnt den Faden aber ordentlich monumental. Dank des Grafikduos CEYLES (Zeichner) und VINCENT (Farben) wird im Verlauf der Auseinandersetzung im Refugium der Götter ein wahrhaftiges Feuerwerk abgebrannt. SLHOKA trifft gleich auf mehrere mystische Gestalten, jede mit unterschiedlichen Kräften versehen, unterschiedliche äußere Erscheinungen inklusive.

Das JAIPURNA, die Wohnstatt, der Götterhimmel (wenn man ihn so nennen will), erlaubt seinen Bewohnern (und Besuchern wie SLHOKA) die üblichen physikalischen Eigenschaften auf den Kopf zu stellen. Hier wird geflogen, geschwebt, werden Strahlen abgeschossen, schleimiger Glibber verwandelt sich, Steine ballen sich, nahezu alles scheint jederzeit in andere Zustände übergehen zu können. Hier hat sich das Dreierteam nicht lumpen lassen und bis zum fulminanten Finale aufgefahren. Der Cliffhanger überrascht (Und als Leser ist es erst einmal nicht vorstellbar, wie diese verfahrene Situation noch aufgelöst werden könnte. Aber sie wird, denn die Fortsetzung steht bereits in den Startlöchern.)

Doch zuvor gilt es noch auf eine längere Sequenz einzugehen. Vor dem mythologischen Showdown geht es zu einer spektakulären Jagd in ein Sumpfgebiet. Hier werden Erinnerungen an JAMES BOND wach (MOONRAKER). Hier brennt der Busch, kracht, scheppert und explodiert es. Es ist gleichzeitig eine düstere Sequenz, nicht zuletzt durch eine sehr charismatische Schamanin mit einem sehr wichtigen Auftritt. Außerdem ist sie eine tragische Figur, fast eine kleine Hommage an den guten alten SHAKESPEARE (wer die eine oder andere Szene im späteren Verlauf betrachtet, wird verstehen).

Ein feines, durchweg aufregend erzähltes Abenteuer in einer Reihe, die einen deutlich fantastischeren Schwerpunkt erhalten hat. ULRIG GODDERIDGE verschiebt außerdem bisherige Beziehungen und schafft neue Fronten. Für SLHOKA, einen Helden, der in diese Rolle gezwungen wurde, eröffnen sich hier viele ungemein schwere Aufgaben. Wer die Serie bereits kennt, kann hier bedenkenlos dran bleiben. Stark. 🙂

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Oder bei Finix Comics.

LINKS im COMICBLOG:

http://www.comicblog.de/2007/05/21/slhoka-die-vergessene-insel/ (SLHOKA Band 1)
http://www.comicblog.de/2007/07/10/slhoka-die-gaerten-von-sangali/ (SLHOKA Band 2)
http://www.comicblog.de/2007/11/08/slhoka-die-weisse-welt/ (SLHOKA Band 3)
http://www.comicblog.de/2010/09/26/slhoka-4-die-blutboegen/ (SLHOKA Band 4)

Dienstag, 14. Mai 2019

STAR WARS – LANDO – DOPPELT ODER NICHTS

Filed under: SciFi — Michael um 17:14

STAR WARS - LANDO - DOPPELT ODER NICHTSLange bevor LANDO CALRISSIAN die TIBANNA-GASMINE auf BESPIN betrieb und seine persönlichen Erfahrungen mit dem IMPERIUM erweiterte, war er Spieler, Schmuggler und Glücksritter. Gemeinsam mit dem Droiden L3-37 begibt er sich für reichlich Credits in gefährliche Situationen, schreibt ganz nebenbei an seinen Memoiren. Er tritt gerne arrogant und mit einer Spur Größenwahn auf, hält sich für den Ladykiller schlechthin, obwohl es eigentlich in seinem Leben nur eine wirklich große Liebe gibt. Eines Tages macht er die Bekanntschaft von KRISTISS, einer petrusianischen Händlerin, die nichts weniger von ihm verlangt, als (gegen reichlich Credits, versteht sich) den imperialen Sklaven auf PETRUSIA Waffen zu liefern, so dass sie sich gegen die dortige Besatzung erheben können.

LANDO CALRISSIAN ist zurück! 2016 erschien bereits einmal ein Sammelband einer Miniserie mit dem sympathischen Schurken. Damals, vor der Verflimung der Jugendabenteuer von HAN SOLO, nahm sich der ALEX MALEEV noch den Schauspieler des Originals, BILLY DEE WILLIAMS, zum Vorbild (der auch wieder in STAR WARS EPISODE IX: DER AUFSTIEG SKYWALKERS dabei ist). Hier übernimmt PAOLO VILLANELLI den Zeichenstift und hält sich grafisch an den Darsteller der jüngeren Version LANDOS, nämlich DONALD GLOVER (man sieht es gleich auf dem Titelbild).

STAR WARS bedeutet Sternenkrieg. Davon findet sich hier reichlich. Denn LANDO CALRISSIAN legt sich gleich zuhauf mit den berüchtigten STORMTROOPERS an. Auf das andere Markenzeichen, außerirdische Rassen, trifft er vergleichsweise wenig und wenn doch, ist die Gestaltung derselben recht konventionell geraten, sehr humanoid und aus heutiger Sicht vielseitig einsetzbar. Denn diese Kreaturen könnten mittlerweile auch die Universen von HARRY POTTER und anderer Franchises bevölkern. Aber PAOLO VILLANELLI und Kolorist ANDRES MOSSA verwöhnen den Leser dafür mit jeder Menge High-Tech-Action, zu Fuß, in der Luft und im Weltraum.

LANDO CALRISSIAN besaß den MILLENIUM FALCON früher als HAN SOLO und verlor diesen in einem ehrlichen Spiel an den späteren Ehemann von PRINZESSIN LEIA. Demzufolge gibt es hier (wie auch im Film SOLO zu sehen) noch ein paar Modifikationen, die in der ursprünglichen Filmtrilogie nicht mehr existieren. Ehrlicherweise muss man sagen, dass der FALKE hier mehr an einen Rennwagen erinnert als an den späteren (zumindest äußerlich) eher gemütlichen YT-1300-FRACHTER. Die technische Optik stimmt vollkommen. Wer die Comics rund um STAR WARS verfolgt, weiß, dass gerade auf diesen Aspekt von jeher sehr viel Wert gelegt wird. Seit sich die Computer in den letzten beiden Jahrzehnten bei der Bearbeitung der Comics durchgesetzt haben, ist die Anmutung meist so, als seien sie einem nicht existenten Film entnommen worden.

Eine schöne Sequenz innerhalb der vorliegenden Geschichte, DOPPEL ODER NICHTS, ist fast als Hommage an die eigene Saga zu verstehen. Als sich L3-37 zur Anführerin eines Aufstandes aufschwingt und Verstärkung für ihren menschlichen Freund herbeiholt, erinnert das stark an andere Momente, in denen DROIDEN sich anschickten, das Joch ihrer organischen Besitzer abzuwerfen. (Sogar DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK spielt damit, siehe DROIDENKOPFGELDJÄGER. Oder jüngst in der Comicstrecke DOKTOR APHRA, in der sich zwei DROIDEN zu Anführern eines Gangstersyndikats küren.)

Perfekt illustriert. PAOLO VILLANELLI zeichnet das Abenteuer von LANDO CALRISSIAN technisch klasse, brilliert mit Actionszenen und gestaltet mit KRISTISS eine starke Frauenfigur mit genügend Format, um das STAR-WARS-UNIVERSUM noch mehrmals zu bereichern. DOPPELT ODER NICHTS fügt sich toll in LANDOS Vorgeschichte ein. Sehr schön! 🙂

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LINKS (hier im Comicblog): http://www.comicblog.de/2016/06/20/star-wars-lando/ (frühere Abenteuer von LANDO CALRISSIAN)

Donnerstag, 09. Mai 2019

PARIS 2119

Filed under: SciFi — Michael um 17:42

PARIS 2119PARIS im Jahre 2119. Die Welt hat sich in eine Richtung entwickelt, die einst von vielen Menschen, Wissenschaftlern, Intellektuellen befürchtet worden ist. Es regnet. Es ist schmutzig. Es herrscht totale Überwachung mittels implantierter Chips. Kleine Drohnen fliegen überall herum und beobachten das Geschehen. Echtes Reisen ist verpönt. Man reist per TRANSCORE. Körper werden übermittelt. Das geht rasend schnell. Es ist sicher. Es wird benutzt, ohne einen einzigen Gedanken an irgendwelche Risiken zu verschwenden. TRISTAN sieht es nicht gern, wenn seine Freundin CHLOÉ das System benutzt …

Eine Dystopie. Was mag geschehen, wenn Menschen und ihre millionenhaften Reisen tagtäglich quer über den Erdball das System Natur an den Rand des Zusammenbruchs und darüber hinaus treiben? ZEP, verantwortlich für Szenario und Storyboard, hat den Faden weitergesponnen und mit TRANSCORE eine Abhilfe kreiert, die durchaus an das gute alte BEAMEN erinnert. Aber wie es genau funktioniert, scheint niemand zu wissen. Zu sehen, wie in der guten alten Fernsehserie mit CAPTAIN KIRK, ist es jedenfalls nicht. TRANSCORE ist Reisen in einer BLACKBOX.

ZEP hat die Gegenwart konsequent weitergesponnen. Lässt man außen vor, wie die TRANSCORE-Technik funktionieren soll, ob es jemals solch leistungsstarke Rechner geben wird, die ein derartiges technisches Wunderwerk ermöglichen, ist der Rest der gezeigten Gesellschaft nicht sehr unrealistisch. Die Vereinzelung, Individualisierung ist auf die Spitze getrieben. Kleine trockene Zonen ragen wie Lichtungen aus den Schlechtwetterstadtteilen inmitten von Paris heraus. Die Stadt selbst ist nach einhundert Jahren erkennbar. Wahrzeichen stehen noch zwischen modernen, neueren Segmenten, riesig und, zieht man Rückschlüsse aus den beleuchteten Fassaden, augenscheinlich übervölkert.

Modisch, das dürfte entsprechenden Enthusiasten sauer aufstoßen, hat sich nicht viel getan. TRISTAN, der Held der Geschichte, ist kleidungstechnisch der Vergangenheit verfallen, und alle anderen dürften heutzutage kaum anders von einem JEAN PAUL GAUTIER eingekleidet werden (wenn er einen vergleichsweise modetechnisch mutlosen Tag hat). Interessanter sind da schon die kleinen Helferlein, die eindeutig unterseeisch inspiriert daher kommen, beziehungsweise fliegen. Teils schwirren sie großartig herum, teils finden sich tatsächlich simulierte Fische in der Luft. Ein HAI wirkt gar wie eine Hommage ein ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT 2. Und so wie ZEP diese Zukunft konstruiert, wirkt sie wie eingefroren. Der Menschheit scheinen neue Ideen abhanden gekommen. Denn dort, wo es sich nicht als relativ SCHÖNE NEUE WELT präsentiert, dominieren die SLUMS die Szene.

ZEP zeichnet sich neben der Handlung für das STORYBOARD verantwortlich. Die Geschichte driftet aus der Enge, dem persönlichen Eindruck immer mehr in die Weite, auf das große Ganze. Mochte man sich zu Beginn noch mit dieser Welt im Kleinen anfreunden, verliert sich dieser Wunsch zusehends, je mehr sich die Sequenzen außerhalb des schönen Scheins abspielen. DOMINIQUE BERTAIL (Zeichner) und GAETAN GEORGES (Farben) gestalten diese Welt in einem Stil, dem ein wenig der alte MOEBIUS anhaftet. Ein wenig ätherisch, etwas MATRIXHAFT anzuschauen sind die Menschen, die etwas auf sich halten.

Wird es in den Slums düster, verliert sich das gute Aussehen. Wo Drogen das Leben bestimmen, versacken die Menschen unter einem geistigen Leichentuch. Das PARIS der Zukunft ahmt asiatische Zustände kleiner Schlafboxen nach. Der Dauerregen wirkt wie ein Trauerflor über dieser Welt im Stillstand. Die HANDARBEIT mit TUSCHE und AQUARELLFARBEN steht der durchweg stimmigen Atmosphäre von Anfang bis Ende sehr gut zu Gesicht. Man ist als Leser bereits nach den ersten fünf Seiten eingefangen (und froh, wenn die Düsternis, wenn auch nur kurz, durch eine aseptische Helligkeit abgelöst wird).

Stimmungsvoll, manchmal märchenhaft, verwunschen bildet PARIS 2119 keine wünschenswerte (aber sehr gut konstruierte) Zukunft ab. Es ist eine, die abschreckt, erschreckt, erschreckend konsequent weitergesponnen wurde. Sehr schöne Illustrationen gehen mit einer fein erzählten, leicht tragischen Geschichte Hand in Hand. Klasse! 🙂

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Montag, 22. April 2019

STAR WARS – DOKTOR APHRA 3

Filed under: SciFi — Michael um 20:24

STAR WARS – DOKTOR APHRA 3 – UMGEKEHRTE VORZEICHENDOKTOR CHELLI APHRA hat sich unterwerfen müssen. Der pechschwarze Protokolldroide TRIPLE-ZERO und sein kleiner Astromechfreund BEETEE-ONE bestimmen nun, wo es langgeht. Die junge Frau hat keine Wahl, als zu gehorchen. Denn würde TRIPLE-ZERO DARTH VADER verraten, dass sie noch unter den Lebenden weilt, würde dieser Status nicht von Dauer sein. So schickt sie TRIPLE-ZERO auf immer neue lebensgefährliche Missionen, geradewegs unter Ganoven, Rebellen und Schergen des IMPERIUMS. Aber DOKTOR APHRA stellt sich den Herausforderungen, immer haarscharf am Tode vorbei, mit List und teilweise auch verdammt viel Spaß an der Sache.

Mit DOKTOR APHRA ist dem STAR-WARS-Universum eine toller Charakter im Medium Comic gewachsen. Diese frische, neue Figur mit eigener Serie bietet viele tolle Ansätze innerhalb der Zeitphase des imperialen Aufstiegs unter DARTH VADER und IMPERATOR PALPATINE. Der Haupterzählstrang, den die sternenkriegsüchtigen Cineasten kennen, bleibt durch DOKTOR APHRAS Abenteuer unberührt. Von einer exklusiven Bande an Kriminellen umgeben, sehr ausgesucht gestaltet und mit ganz eigenen kleinen Lebensläufen versehen, legt dieser Tausendsassa alle der Reihe nach herein, meist wenig uneigennützig. DOKTOR APHRA ist zu einem großen Teil die Tochter, die HAN SOLO und PRINZESSIN LEIA niemals hatten.

Neben der groß angelegten Gauner-Action schleicht sich eine kleine Liebesgeschichte zwischen DOKTOR APHRA und einer IMPERIALEN KOMMANDANTIN ein, ähnlich verhalten erzählt wie die Beziehung zwischen HAN SOLO und PRINZESSIN LEIA. Der Überfall auf eine imperiale Forschungseinrichtung ist STAR WARS pur. Aufwändig, galaktisch, technisch, brandgefährlich, abenteuerlich, in bester Tradition also, mit einem ordentlichen finalen Bumms, der unserem Lieblingsschmuggler und auch jedem anderen Space-Piraten gut zu Gesicht stehen würde.

Klar, dass den beiden Autoren KIERON GILLEN und SI SPURRIER jedes Lob für eine flotte Erzählung innerhalb des weiten STAR-WARS-Universums gemacht werden kann. Die Charaktere sid gut austariert, DOKTOR APHRA als Hauptfigur höchst sympathisch und mit genügend Selbstzerrissenheit versehen, um nicht zu großspurig daher zu kommen. Obwohl es bereits der dritte Band um DOKTOR APHRA ist, gelingt selbst ein Neueinstieg schnell. Bezeichnend ist eine Szene, in der sie sich einer IMPERIALEN KOMMANDANTIN aus ihrer Einsamkeit heraus anvertraut, denn Freunde sind im Umfeld der jungen Frau mit der Lupe zu suchen.

EMILIO LAISO zeichnet, gestaltet mit höchster Präzision und er hat das Glück, dass die Bande um DOKTOR APHRA aus sehr skurrilen Figuren besteht, die selbst in einer BAR aus MOS EISLEY auffallen würden. Herausragend anders ist ganz bestimmt ein Pärchen, nämlich TAM POSLA und CAYSIN BOG. Letzterer wurde ein Opfer von DOKTOR CORNELIUS EVAZAN (LUKE SKYWALKER begegnete ihm auf MOS EISLEY). EVAZAN amputierte kurzerhand den Kopf von CAYSIN BOG. Der Ärmste lebte dank der dunklen technischen Fähigkeiten des wahnsinnigen EVAZAN trotzdem weiter. Solche und andere Kreaturen Schrägstrich Wesen sind mit einer solchen klaren Selbstverständlichkeit zu Papier gebracht, so dass man sich als STAR-WARS-Fan zu jeder Zeit in der Geschichte gleich zu Hause fühlt. (Und CAYSIN BOG ist NICHT das seltsamste Wesen im vorliegenden Band.)

Zwei weitere Künstler in diesem Sammelband seien noch hervorgehoben. RACHELLE ROSENBERG als Koloristin verschafft besonders den Gesichtern eine kamerataugliche Plastizität. Insgesamt ist ihre Farbgestaltung knallig, strahlend, raumfüllend, eine echte Stütze der Grafiken von EMILIO LAISO. ASHLEY MARIE WINTER zeichnet sich für die Titelbilder verantwortlich. Hier hat jedes einzelne Bild Posterqualität. Hier sind echte Menschen (oder andere Lebensformen) erkennbar. Nach diesen Bildern könnte sofort für eine Realserie gecastet werden.

So fein kann das neue STAR WARS nach GEORGE LUCAS sein. Tolle, ganz eigenständige Hauptfiguren, perfekt in den bekannten Erzählstrang eingebunden, auf höchstem Niveau illustriert. Klasse Space Opera! Mehr davon! 🙂

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Montag, 04. Februar 2019

STAR TREK DISCOVERY 1 – DAS LICHT VON KAHLESS

Filed under: SciFi — Michael um 21:09

STAR TREK DISCOVERY 1 – DAS LICHT VON KAHLESSDie gute alte Zeit ist Fluch und Segen zugleich. Unter den Klingonen gibt es solche, die sich nach alten Tagen sehnen und an die Rückkehr ihres glorreichen Führers KAHLESS in Form eines Nachfolgers glauben. In der korrupten Gesellschaft, in die sich das Klingonische Reich entwickelt, scheint dies aber nicht möglich zu sein. Verrat ist ein bewährtes Mittel, sogar in der Familie kann niemand sicher sein. Die Schwachen werden unterdrückt. Das familiäre Kastensystem verhindert den Aufstieg vieler Klingonen ohne Gnade. T’KUVMA entzieht sich diesem System zumindest zeitweilig. Sein Weg führt ihn zu vielen Prüfungen auf dem Klosterplaneten BORETH. Doch ausgerechnet dort werden die Weichen für sein weiteres Leben an der Spitze der KLINGONEN gestellt …

Die KLINGONEN sind eine der großen Erfindungen innerhalb der Science Fiction. In der anfänglichen Konzeption noch etwas blass geraten, kam mit THE NEXT GENERATION ein ordentlicher Sprung, der nicht zuletzt durch die Figur des WORF getragen wurde. Die engültige Verfeinerung des Konzepts gelang in der Serie DEEP SPACE NINE (in der WORF noch stärker half, die KLINGONEN in den Fokus des STAR-TREK-UNIVERSUMS zu rücken) und natürlich mit STAR TREK VI, das den drohenden Untergang der klingonischen Heimatwelt QO’NOS thematisiert. Mit STAR TREK DISCOVERY, einem zeitlichen Sprung zurück (aus heutiger Sicht) von STAR TREK CLASSIC, wird ein Hauptaugenmerk auf die Beziehung der so verschiedenen Konzeptionen, STERNENFLOTTE und KLINGONEN, gelegt. Genauer gesagt: auf den STERNENKRIEG der beiden.

ROMANE und COMICS zum großen MERCHANDISE beleuchten gerne Vorgeschichten zu Ereignissen auf der großen Kinoleinwand oder dem Pantoffelkino. Mit dem ersten Band zu STAR TREK DISCOVERY – DAS LICHT VON KAHLESS wird dieses Konzept wieder aufgegriffen. Unter der Feder von KIRSTEN BEYER und MIKE JOHNSON wird dem Leser das enge Geflecht inenrhalb der klingonischen Gesellschaft vor Augen geführt. Der Leser erfährt, wie stark der Verlust von Macht, von Einfluss auf das klingonische Gemüt einwirkt, wie sehr an Hoffnungen gearbeitet wird. Und obwohl es sich um eine Kultur handelt, die zu den Sternen reisen kann, ist sie ungeheuer in ihren Traditionen und ihren religiösen Richtlinien verwurzelt.

Ein Mythos der KLINGONEN ist jenes LEUCHTFEUER VON KAHLESS. Die beiden Autoren schaffen eine kluge, nicht unbedingt vorhersehbare Lösung dieser Idee, gekoppelt an einen Mann, der einen Weg annimmt, teils vorherbestimmt, teils aufgedrängt. Manchmal bekommen Charaktere so lange eine Bestimmung erklärt, bis sie sich selbst trauen, diesen Glauben für sich anzunehmen. Das gelingt über die ganze Strecke der Geschichte sehr gut, indem ein KLINGONE gezeigt wird, der im Laufe der Jahre Stück für Stück über sich hinauswächst und zu noch mehr als nur zu dem Sinnbild wird, was sein Umfeld von ihm erwartet.

Wo sind die HAARE der KLINGONEN hin?! Die gingen bereits in INTO DARKNESS verloren, teils sogar schon in THE UNDISCOVERED COUNTRY (GENERAL CHANG). Der völlig bloß liegende, haarlose Schädel offenbarte viele neue, auch kunstvolle Gestaltungsmöglichkeiten der klingonischen Schädelstruktur. In der vergleichsweise action-armen Handlung, die sich schwer auf zwischenklingonische Verhältnisse stützt, gibt in es in der überwiegenden Mehrheit der Bilder die Gelegenheit für Zeichner TONY SHASTEEN sich mit dem klingonisch körperlichen Merkmal schlechthin zu beschäftigen. Hierbei zeigt sich, dass gerade der Stirnplatte eine gewisse Unverwechselbarkeit zukommt und dass insbesondere bei Kerncharakteren große Sorgfalt auf diesen Blickfang verwendet wurde. TONY SHASTEEN nimmt den Staffelstab in dieser Hinsicht mit vollendeter Genauigkeit auf.

Eine neue Ära im STAR-TREK-UNIVERSUM: Für FANS der KLINGONEN ist dieser Band ein unbedingtes Muss. FANS der STERNENFLOTTE und der FÖDERATION gehen über die gesamte Strecke der Geschichte leer aus. Guter Stoff, der die ursprünglichen Ideen von STAR TREK konsequent und beherzt fortführt. Sehr gut! 🙂

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Montag, 28. Januar 2019

GOLDEN CITY 12 – STADTGUERILLA

Filed under: SciFi — Michael um 17:34

GOLDEN CITY 12 - STADTGUERILLADie neue GOLDEN CITY schwebt längst im Orbit um die Erde, dennoch ist der Untergang der ersten GOLDEN CITY, einer schwimmenden Stadt auf den Weltmeeren, bei vielen Menschen nicht vergessen. Auch bei HARRISON BANKS nicht, dem hauptverantwortlichen Kopf hinter dem Projekt, nach seiner Mutter. Zu viele Opfer waren zu beklagen, die Schuldigen noch lange nicht zur Verantwortung gezogen. Die Suche gestaltet sich schwierig. Die Lage überall auf der Welt ist angespannt. Sogar die Androiden stehen gegen ihre Behandlung auf und revoltieren mit Waffengewalt. Zwischen familiären Verwicklungen, Auseinandersetzungen mit der organisierten Kriminalität, gilt es noch teure Freunde in Sicherheit zu bringen, die dank ihrer Gutherzigkeit zwischen die Fronten geraten sind.

Zwei Spannungsbögen zieht DANIEL PECQUEUR (Autor) gekonnt durch den 12. Teil der Serie GOLDEN CITY, mit dem Untertitel STADTGUERILLA. Auf der einen Seite stehen die persönlichen Schicksale, auf der anderen Seite steht das weltpolitische und gesesellschaftliche Geschehen. Letzteres lässt sich auf einen Nenner bringen: Arm gegen Reich. Jenen in den Randbereichen, an den Küsten, weit weg von den Städten, geht es noch besser als anderswo. Jedenfalls dort, wo ihnen die Gelegenheit geboten wird, ihr Leben selbst zu bestreiten, durch Fischfang oder das Ausschlachten von Wracks. In den Städten ist das Elend am größten. Im Gedränge kocht die Wut viel höher, ein Funke ist viel schneller entzündet. Da macht es aus der Sicht der Reichen sogar Sinn, sich einen Zufluchtsort im Weltall gebaut zu haben.

Die Serie GOLDEN CITY erscheint hierzulande seit über 15 Jahren. Der Mischung aus Science Fiction, Dystopie, Thriller und Abenteuer gelang es von Beginn an zu begeistern. Normalerweise sind gerade Dystopien Interessensschwankungen unterworfen. Je nach gesellschaftlicher Lage sind sie in der Unterhaltung mal mehr, mal weniger gefragt. GOLDEN CITY konnte seine Leser durch ein gut orchestriertes Ensemble aufrecht erhalten. Jugendliche kämpften um ihr Überleben, EVIL SCIENTISTS gingen um, ein sehr reicher junger Mann wechselt die gesellschaftlichen Seiten. Mannigfalte Handlungsorte, exotisch, außergewöhnlich fesselten das Auge und gaben der Erzählung immer neue Anstöße. Gut durchdachte Technik hielt auch den Science Fiction Gehalt auf mindestens gleichbleibendem, sogar ansteigendem Level. Zuletzt richtete DANIEL PECQUEUR sein Augenmerk immer stärker auf einen gesellschaftlichen Wandel.

NICOLAS MALFIN (Zeichner) kann besonders in der ersten Hälfte von STADTGUERILLA optisch das Gefühl von Science Fiction unterstreichen. Der szenische Wechsel von altmodischem Friedhofsgelände auf dem Land, den häufig präsenten Küstenregionen, hin zu den Aufständen in den Städten mit ihren Kanälen, der Technik in Form von futuristischen Fahrzeugen schafft einen tollen Mix, der schließlich von einem zukunftigen LAS VEGAS gegipfelt wird. Faszinierenderweise setzen DANIEL PECQUEUR und NICOLAS MALFIN dem aktuelen LAS VEGAS die Krone auf. Jenes Spielerparadies, das der Leser heute schon mit seiner Pyramide, seinem Caesar’s Palace, seinem Venedig und anderen wüstenfremden Kuriositäten besuchen kann, erhält hier noch ein KOLOSSEUM nebst echten Gladiatorenkämpfen.

Grafisch bleibt dem Leser die gewohnt sehr feine Optik erhalten. Der zerbrechlich wirkende Look wird von PIERRE SCHELLE (Kolorist) plastisch leuchtend unterstützt. Gerne verschafft er einer Seite oder einem Bild ein dunkleres Gegengewicht, damit der Rest umso mehr strahlt.

Für mich tolle Science Fiction, die genau diese Bezeichnung verdient. Eine konsequente Weiterentwicklung bestehender Verhältnisse und Technik, auch vor dem Hintergrund vergangener Entwicklungen, die eben sehr viel Vergangenes noch mitschleppen, so dass das Gesicht der Welt zu jedem Zeitpunkt einen Querschnitt seiner Geschichte zeigt. Schön menschlich konsturierte Hauptfiguren nehmen den Leser auf dieser gelungenen Reise mit. Empfohlen wird ein frühest möglicher Einstieg in die Serie, damit dieses 12. Kapitel (mit Thriller-Elementen) entsprechend genossen werden kann. 🙂

GOLDEN CITY 12, STADTGUERILLA: Bei Amazon bestellen.

Freitag, 04. Januar 2019

HOMBRE GESAMTAUSGABE 1

Filed under: SciFi — Michael um 18:07

HOMBRE GESAMTAUSGAE 1Die Welt ist am Ende, aber HOMBRE hat noch nicht aufgegeben. Er hat den Niedergang der alten Welt hautnah miterlebt, die Auferstehung des Chaos gesehen, als Halunken und Abschaum sich die vorherrschaft sicherten, allein durch Gewalt. Er sah diejenigen, die verstrahlt waren, wehrte sich gegen jene, die geisteskrank waren oder sich ohne Reue zu Kannibalen wandelten. Gelände, zuvor dank moderner Technik mit Leichtigkeit zu überwinden, werden zu tödlichen Hindernissen. In der Not werden verschiedene Relikte zu Behausungen, zu einer Heimat sogar. Doch der Tod lauert. Niemals kann ein Mensch sich sicher sein, ob nicht die nächste Begegnung das Ende birgt. In dieser schleichend aufgezogenen Apokalypse hat HOMBRE das kleine Quäntchen Glück, das ihn den nächsten Tag überleben lässt …

In den frühen 1980ern war die Weltuntergangsstimmung greifbar. Im Kino heizten MAD MAX, BLADE RUNNER und TERMINATOR das Publikum an, während ein Schauspieler ins Weiße Haus einzog. Und gleichzeitig erlebte die spanische Comic-Landschaft nach der Diktatur FRANCOS eine Wiederbelebung, in deren Zuge HOMBRE auf den Markt kam und auf verschiedenen Plattformen, darunter auch HEAVY METAL, sein Publikum fand. ANTONIO SEGURA erzählt in voneinander weitestgehend unabhängigen Kapiteln vom Leben (eher vom Dasein) eines Einzelgängers, der sich mehr als viele andere Menschen, denen er begegnet, an die vergleichsweise schöne Vergangenheit erinnern kann.

Drastisch ist der Einstieg in die Serie. Nichts wird beschönigt. Eine Romantisierung der Umstände gibt es nicht. Ein SURVIVAL-FEELING im Sinne eines ROBINSON CRUSOE gibt es in Teilen, nur von einem Freund wie FREITAG ist lange nichts zu sehen. Bis die schöne ATILA auftaucht, der Prototyp einer kämpferischen, emanzipierten Frau bis in die Zehenspitzen, versiert im Kampf, nicht zimperlich, einfallsreich, fast könnte man sagen, eine weibliche, weitaus jüngere Ausgabe von HOMBRE selbst (und natürlich viel hübscher). Dazu ist sie noch frecher, fordert HOMBRE geradezu heraus und ist vielleicht, so wie sie von Autor ANTONIO SEGURA aufgebaut wird, sogar die bessere Überlebenskünstlerin.

In den (zu jedem Abschnitt der HOMBRE-Saga) sehr einsteigerfreundlichen Kapiteln (oder auch Kurzgeschichten, ganz wie man will) verändert sich die Welt rund um HOMBRE etwas mehr. HOMBRE macht freilich seine ganz eigenen Erfahrungen, die ihn prägen, trotzdem ist es die Welt, die die größeren Schritte unternimmt, nach alten Werten und Aufbau strebt, allerdings unsere zivilisatorischen Errungenschaften lange nicht erreicht, sondern vielmehr auf einem MAD-MAX-WILD-WEST-Niveau stecken bleibt. Immerhin: Nach dem absoluten Ausgangsdesater ist dies ein enormer Fortschritt. Der etwas trashige Beginn der Reihe wechselt bereits nach den ersten beiden Kapiteln hin zu Geschichten, die ein stärkeres Format aufzuweisen haben.

Denn mit DAS SELTSAME PARFÜM wird auch HOMBRE menschlicher in einer Art LONE-WOLF-AND-CUB-Konstellation. Nun ist es der ehemalige Einzelgänger, der auf einen Säugling aufpasst. Leider wurde dieses Motiv von ANTONIO SEGURA nicht weiterverfolgt. Dafür treten durch häufigere menschliche Gesellschaft die Änderungen von Werstvorstellungen in den Vordergrund, ganz besonders die für diese Apokalypse einer überkommenen Moral. Und der Tod wird als allgemeine Strafe vollstreckt.

JOSE ORTIZ ist ein Bildkünstler vom Format eines RICHARD CORBEN oder mehr noch eines PAOLO SERPIERI. Mit letzterem teilt JOSE ORTIZ die Strichtechnik und eine Vorliebe für vollbusige, dunkelhaarige Frauen (bei ihm in Form der Helding ATILA dabei). Ein ausdrucksstarke Farbgebung dieser mit höchstem Realismus gezeichneten Bilder gibt der Handlung eine ungeheure Lebendigkeit. Dass JOSE ORTIZ dabei auch ein reines per Tusche gezeichnetes Schwarzweiß ausreicht, beweist der Künstler mit einer Episode um ATILA, die gerade dem künstlerisch Interessierten das enorme Talent des Zeichners zeigt. Der Kampf mit einem Bären wäre ebenfalls in einem WESTERN gut aufgehoben (auch in diesem Genre war JOSE ORTIZ zuhause).

Grafisch fantastisch, thematisch besonders für jene Comic-Enthusiasten interessant, die auf Weltuntergangsszenarien stehen. Wer ein leicht zugängliche, (mit einer Prise schwarzem Humor), sicherlich mitunter brutale Erzählung mit Western-Anklängen (aus einer irren Pionierzeit) mag, die ihrem Helden darüber hinaus nur wenig Erholung schenkt, ist hier mit dem Auftakt der dreiteilig abgeschlossenen Gesamtausgabe bestens bedient. JOSE ORTIZ war ein echter Ausnahmekünstler! 🙂

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