Samstag, 19. Juli 2008
Giles beobachtet die Armee der Jägerinnen mit einer gewissen Sorge. Nicht alle dieser jungen Frauen mit diesen außergewöhnlichen Kräften sind bereit, sich einer Führung unterzuordnen. Bald hat er eine von diesen Frauen ausfindig gemacht, die sogar Buffy gefährlich werden kann. Giles fasst einen Entschluss. Aber wie tötet man eine Jägerin? – Mit einer anderen Jägerin! Seine Wahl fällt auf Faith, inzwischen älter geworden, als Mörderin auf der Flucht, aber nicht weiser geworden. Giles hat einen Vorschlag. Ein neues Leben gegen einen Mord.
Damit hören die Probleme allerdings nicht auf. Der Anschlag kann nicht nach dem üblichen Faith-Motto „Rein, draufschlagen und wieder raus“ durchgeführt werden. Das Ziel verbirgt sich hinter einem magischen Schild inmitten eines hochherrschaftlichen Anwesens in England. An ihrer Seite wacht eine Art Lehrmeister, ein Warlock, der seine ganz eigenen Vorstellungen und Ziele verfolgt. Eine fehlgeleitete, in ihrem Charakter nicht gefestigte Jägerin kommt ihm da gerade recht.
Giles versucht unterdessen Faith einige Normen englischen Benimms beizubringen, da sie sich während eines Kostümballs einschmuggeln soll. Wie es sich bald herausstellen wird, verfügt Faith zwar nicht über Benimm, aber über genügend angeborener Arroganz, um eine hochwohlgeborene Engländerin trefflich zu imitieren.
Wie tötet man eine Jägerin? Es versteht sich von selbst, dass für Buffy-Serien-Erfinder Joss Whedon nur eine für diesen schwierigen Auftrag in Frage kommt. So ist Faith, Buffys Lieblingsfeindin, wieder mit von der Partie. Unbequem, laut, ordinär, überaus straight, schlagfertig, brutal, schön, verzweifelt, das sind alles Schlagworte, mit denen sich Faith belegen lässt und auch diesmal wartet Faith mit diesen Eigenschaften auf. Doch etwas ist anders.
Whedon will seiner Faith eine zweite Chance geben. Ähnlich wie in so manchem Thriller erhält auch hier ein Killer durch einen letzten Auftrag die Möglichkeit, sich von seinem alten Leben zu verabschieden und irgendwo ganz neu anzufangen. Whedon geht noch einen Schritt weiter. Faith gerät in Versuchung, der englischen, oder besser, der adeligen Lebensart zu erliegen – denn wie es der Zufall will, ist das Zielobjekt der guten Faith nicht unähnlich. Und so nimmt die Geschichte nicht die Wendung, die Giles vorgesehen hatte. Obwohl dieser Handlungsstrang für jeden Buffy-Fan schon spannend genug sein mag, verliert Whedon auch die anderen nicht aus den Augen.
Dawn hadert immer noch mit ihrem Schicksal als Riesin. Willow ist wieder da und die alte Freundschaft zwischen ihr und Buffy lebt wieder auf. Nostalgie ist angesagt. Durch einen Begegnung mit einem sehr außergewöhnlichen Dämon kommen auch Ausblicke hinzu, die neugierig machen – auch darauf, ob Whedon sie umsetzen wird, oder ob es nur Zückerchen am Rande sind.
Wie hoch die Einflüsse von Brian K. Vaughan als Co-Autor an der Geschichte sind, lässt sich schwerlich sagen. Fakt ist allerdings, dass mit Vaughan, der mit seinen Serien Y – The Last Man und Ex Macchina überaus erfolgreich ist, ein Autor gefunden wurde, der die neue Schule des vorausschauenden Erzählens mit Whedon teilt.
Grafisch sind tolle Künstler versammelt. Jo Chen ist ein wahrhaft göttlicher Cover-Zeichner. Die verschiedenen Momentaufnahmen zu Szenen innerhalb der Handlung sind beste Kunst. Ob Buffy und Willow durch die Lüfte fliegen oder Faith in den Flammen steht, Buffy zu ertränken versucht, stets packen die Bilder dank einer inneren Dramatik. Das mag auch daran liegen, dass Chen die Blicke seiner Figuren toll einzufangen weiß.
Die Handlung selbst wird im Comic-Stil von Georges Jeanty und Cliff Richards (Das muss ein anderer sein.) gestaltet. In diesem Stil ist schon schwer, die Ähnlichkeit einer realen Person dauerhaft von Seite zu Seite stets gleich zu gestalten. In den meisten Fällen gelingt dies aber recht gut, so dass besonders durch diese Arbeit auch das richtige Buffy-Feeling aufkommt.
Darüber hinaus können sich die beiden Künstler auch an die eine oder andere humorige Szene heranwagen, ohne die Buffy nicht die Serie wäre, die sie zu einem Erfolg werden ließ. Bezeichnend hierfür sind die erotischen Phantasien von Buffy und Willow. Es muss am ersten Bond-Film mit Daniel Craig liegen, dass Buffy ausgerechnet ihn am Strand treffen will. Willows Phantasie mit dem hierzulande eher weniger bekannten TV-Star Tina Fey zündet nicht so. Dafür lassen Jeanty und Richards den guten Xander in Dawns Unterwäsche fallen. (Klar, dass sie diese zu diesem Zeitpunkt nicht trägt. Also keine falschen Ideen.)
Das passt! Nach dem großen Loch, das einmal – nein, nicht Frankreich – Sunnydale war, geht Whedon konsequent weiter in die Welt und nutzt das Medium Comic verstärkt, um noch phantastischer zu sein, denn Tricks, Dämonen, Special Effects allgemein kosten auf dem Papier weit weniger als im Film. Gruselige und witzige Unterhaltung der 8. Buffy-Staffel. Sehr gut.
Buffy the Vampire Slayer 2 – Wie tötet man eine Jägerin? Bei Amazon bestellen
Stichwörter: keine
Freitag, 11. Juli 2008
Engel sterben nicht! So glauben alle. Engel sind Gesandte Gottes. So glauben jene, die an Gott glauben. Rio wird im Alter von zwölf Jahren von ihrem angetrunkenen Onkel nach Hause gefahren. Aber seine trunkenen Sinne spielen im einen tödlich Streich und der Wagen landet im verschneiten Straßengraben. Plötzlich hört Rio eine Stimme. Sie entflieht dem Autowrack und sieht! Vor den Flammen steht ein Schattenriss. Seine Konturen sind menschlich, aber er hat Flügel! Diesen Anblick hat Rio niemals vergessen.
Ihr Vater unterdessen, der nie einen Engel gesehen hat, ist von ihrer Existenz überzeugt. Und er weiß: Irgendwo auf Gottes weiter Erde gibt es einen Beweis ihrer Existenz. Irgendwo, irgendetwas. In Äthiopien glaubt er endlich auf eine Spur gestoßen zu sein. In einer uralten Anlage eines Klosters stößt er auf ein Kleinod, das seine Zuversicht nährt. Die kleine Statuette eines Engels. Endlich! Doch die Häscher sind ihm bereits auf der Spur. Nicht jeder will, dass die Wahrheit über die Existenz der Engel ans Licht kommt.
Engel! Es gibt sie. So lautet der spannende Grundgedanke der Geschichte von Stephen Desberg und Henri Reculé. Es begann bereits vor langer Zeit. Engel begingen Verfehlungen, insbesondere dann, wenn sie sich mit Menschen einließen. Pläne wurde geschmiedet, solche, die viel Geduld erfordern und nun Früchte tragen.
So mancher Engel erliegt nicht nur den Genüssen eines menschlichen Lebens. Die Menschen sind so anders. Da ihre Zeit begrenzt ist, kosten sie diese ganz anders aus. Engel haben dieses Problem nicht. Unendlich viel Zeit hat sie träge werden lassen, arrogant, der Mensch ist nichts als Vieh, dazu dienend, ihnen das Leben zu verlängern. Mehr nicht. Wie frevelhaft kann es da sein, sich auf das Niveau eines Menschen hinab zu begeben, diesen gar zu lieben.
Desberg stellt diese Grundhaltung denen eines Forschers gegenüber, dessen größter Wunsch es ist, einen Beweis für die Engel zu finden. Mit unerschütterlichem Glauben ist er seit Jahren am Werk. Vor diesem Hintergrund ist es klar, dass Enttäuschung vorprogrammiert ist. Aber Desberg begnügt sich nicht mit einer Handlungslinie. Im Hintergrund sind noch andere Mächte am Werk, die nach und nach hervortreten und dazu gehören nicht nur Engel und Dämonen.
Auch Menschen wollen ihre Taten verschleiern. Der Titel Das Grab des Engels lässt es beinahe vermuten. Vor vielen Jahren töteten Menschen einen Engel, teils aus Zorn, teils als Probe und so vernichteten sie auch einen Teil ihres Glaubens. Denn was bleibt noch, wenn ein Mensch einen Engel zu töten vermag?
Henri Reculé malt mit der weichen Farbtönen und taucht die Szenen gerne in ein unirdisch erscheinendes wie auch romantisch wirkendes Licht. Strahlendes Orange, lilafarbene Umgebung, blauer Engel, viele Farbkombinationen haben künstlerischen Charakter, der auch gut einer Leinwand zu Gesicht stehen würde.
In solchen Szenarien ist es schade, dass Details, die zur Tiefe der Geschichte nur angerissen werden, nur sehr kurz zum Einsatz kommen. Hier sind es alte Wandmalereien, Statuen oder auch das Innere der so genannten Hölle. Sehr schön ist der Gegensatz von himmlischen und höllischen Gefilden geworden. Das feurig Finstere steht im gelungenen Gegensatz zu einem Paradies, wie es die Bibel vorgesehen hat. Darüber hinaus überspitzt Reculé die Darstellung sogar, wenn er das Pferd von Ashra, die Nahel versprochen ist, wie eine Art Barbie-Reittier mit flauschig kuscheliger Mähne darstellt.
Neben den sehr langgesichtig dargestellten Engeln – fast ein wenig ägyptisch wie auf Abbildungen von Echnaton und Nofretete – bilden manche Dämonen das vollkommene Gegenteil. Die Schakale der Hölle, nennen wir sie einmal so, erinnern ein wenig an die Geister aus Route 666 und sind eher schemenhaft vor einem glühenden Inneren.
Ein guter Auftakt in einem mythisch religiösen Fantasy-Szenario, das beinahe ein eigenes Genre innerhalb der phantastischen Literatur bildet. Der Wechsel der Erzählstruktur zwischen den einzelnen Welten ist reizvoll, die Bilder passend. Insgesamt haben Desberg und Reculé einen in sich geschlossenen, sehr runden ersten Teil geschaffen.
Die Unsterblichen 1 – Das Grab des Engels: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: stephen desberg, henri recule
Donnerstag, 10. Juli 2008
Ein Krieg scheint nicht mehr abwendbar zu sein. Frankreich hat halb Europa gegen sich aufgebracht. Nach einem kurzen Bürgerkrieg muss es sich nun gegen äußere Feinde wehren. Während es in die spanischen Lande vorstößt, nähern sich immer mehr feindliche Armeen von Osten und bedrohen schließlich sogar Paris.
Doktor Julièn Sauniere interessiert der Krieg nur am Rande. Er hat wahrlich andere Probleme. Bei seinen Nachforschungen ist er zwischen die Fronten von Aristokratie, Kirche und Inquisition geraten. Nicht nur, dass ihn ein Golem angegriffen hat, nun schmort er auch noch in einer Zelle, nachdem Pater Calvet ihn an die Inquisition verraten hat.
Nachdem Calvet sieht, wie die Kirche mit Sauniere umspringt, bereut er seinen Verrat und befreit den Doktor. Doch zu welchem Preis! Sauniere unterdessen gibt nicht auf. Noch ist das Geheimnis um die Merowinger-Könige nicht vollends gelüftet, noch ist die Abstammungslinie seit Jesus Christus weiter im Dunkeln. An der Seite von Genevieve Tournon, einer früheren Geliebten und jetzigen Freundin, macht er sich auf den Weg nach Südfrankreich. Aber weiterhin ist es keine leichte Spurensuche. Nach seiner Flucht haben seine Feinde die Verfolgung noch einmal intensiviert.
Der optische Wechsel ist komplett vollzogen. Im vorliegenden 4. Band von Rex Mundi hat Juan Ferreyra den Zeichenstift in der Hand.
Das Ergebnis ist ein grafischer Leckerbissen geworden. Normalerweise ist eine Lobrede des Autors, in diesem Falle Arvid Nelson mit Vorsicht zu genießen, aber hier erwachen die frühen 30er Jahre eines alternativen 20. Jahrhunderts zu einem geradezu unheimlichen realistischen Leben.
Unheimlich ist hier besonders der kalte Schrecken, der hier vermittelt wird. Der Anführer der Inquisitoren verbirgt sein Gesicht hinter einer silbernen Maske (siehe Titelbild). Bei Hofe ist alles Pomp und Glanz, aber die Taten sprechen eine andere gnadenlose Sprache, die sich in der Bombardierung von Schloss Versailles, der Ermordung des Königs und dem europaweiten Krieg äußert. Der unheimliche Killer, den Sauniere bereits tot glaubte, trägt einen weißen Anzug.
Diese Kühle prägt auch die Politik Frankreichs. Der neue selbst ernannte Führer, der Herzog von Lorraine, wähnt sich selbst als neue alte Stimme von Gottes Gnaden, mehr noch als direkter Nachfahre von König David und Jesus Christus.
In dieser Welt, in der neben dem Glauben auch die Magie lebendig ist, könnte eine solche Abstammungslinie nicht nur die Politik in ihren Grundfesten erschüttern, auch die Kirche käme ins Wanken, würde sie allein diesen Gedanken zulassen. Allein deshalb ist Sauniere zu einem unliebsamen Zeugen geworden, der zum Schweigen gebracht werden muss.
Arvid Nelson (u.a. Hellgate London) hat die Geschichte zwar vielschichtig aufgebaut und erzählt so, dass man auch als Leser nichts verpassen sollte, dafür ist jedoch eine Welt entstanden, in die es sich so richtig hineinfühlen lässt. Durch kurze Einschübe, Zeitungsartikel und Kriegsjournale erfährt der Leser von der Lage Frankreichs. Immer verändert sich die ehemalige Monarchie zu einem faschistischen Staat. Nelson und Ferreyra zögern auch nicht, mit den obligatorischen Zeichen eines faschistischen Staates zu spielen, wie sie hinreichend aus den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts bekannt sind.
Obwohl sich beide Handlungslinien, die von Lord Lorraine und Sauniere diesmal nicht begegnen, steigt die Spannung von Seite zu Seite. Denn ob sie wollen oder nicht, dass Schicksal beider Männer ist miteinander verknüpft und letztlich werden oder fühlen sich wenigstens beide von jenen verraten, die sie liebten oder vertrauten.
Doch während der eine nach der Wahrheit sucht, jagt der andere nur der Macht hinterher. Am Ende bleibt nur verbrannte Erde.
Als Zugabe finden sich in der 4. Ausgabe von Rex Mundi nicht nur ausgezeichnete Cover-Interpretationen verschiedenster Künstler, sondern auch eine kleine Geschichte, die die erste Zusammenarbeit von Nelson und Ferreyra darstellt. Sauniere und Tournon haben in dieser auch magischen Welt eine Begegnung mit einem Horror-Wesen, das allseits beliebt und bekannt ist im Genre. Kurz und dennoch überraschend macht das Pärchen eine sehr eigenständige Erfahrung mit dieser Kreatur.
Grafisch hinreißend und gruselig realistisch in Optik und Erzählung sind hier alternative 30er Jahre entstanden, die einfach packen. Der vierte Band dürfte der bisher beste der Reihe sein, aber das ließ sich von jedem Nachfolgeband behaupten. Noch sind einige Rechnungen offen. Sauniere hat die Kirche im Nacken. Das verspricht auch für die Zukunft noch ein spannendes Szenario.
Rex Mundi 4 – Krone und Schwert: Bei Amazon bestellen
Mehr Informationen zur Serie (mit Ausblicken) unter www.rexmundi.net.
Stichwörter: arvid nelson, juan ferreyra
Mittwoch, 09. Juli 2008
Die Bomben fallen teppichartig in den bereits vorhandenen Trichter im Erdboden. Die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen bemüht sich, jede noch so kleine Möglichkeit auszuschließen, dass aus dieser Grube jemals wieder eine Monströsität erstehen kann.
Doch das ist das Tagwerk. Insgeheim sind die Kernmitglieder des Büros immer noch mit dem Tod eines der ihren beschäftigt. Roger, der Homunkulus, wurde beim letzten großen Fall zerstört – getötet? Die Zweifel darüber, ob etwas getötet werden kann, was eigentlich nie lebte sind groß. Und so wollen einige die Hoffnung auf eine Wiedererweckung nicht aufgeben.
Dr. Corrigan reist mit einem Gehilfen, Andrew Devon, nach Frankreich. Hier soll ein Antiquar namens Thierry über ein besonderes Buch verfügen, das Informationen zur Wiederbelebung von Roger enthalten könnte.
Aber die Räume des Antiquars entpuppen sich als Falle. Während Andrew verzweifelt versucht, mit der B.U.A.P. Kontakt aufzunehmen, teilen sich daheim Daimio, Liz, Johann und Abe ihre Erlebnisse mit dem Tod. Zwar lästert Daimio in einem fort über derlei Gefühlsduselei, aber ein wenig kommen doch alle einander näher.
Die Gruppe ist zerrissen. Ein Mitglied der Mannschaft wurde getötet und hinterlässt eine große Lücke. Jener, der sich bemühte, menschlicher zu werden, musste sterben. Der Tod eines Mitglieds der Stammbesatzung einer Serie ist immer ungewöhnlich, ungewöhnlicher noch, wenn es ein sehr sympathischer Charakter war, den sich Mike Mignola da ausgedacht hat. Der Versuch der Wiederbelebung wird von Mignola und John Arcudi auf zwei Ebenen geschildert.
Einerseits sind die Behördenmitglieder immer noch geschockt – und auch ratlos – andererseits gerät die Suche nach einer Lösung direkt wieder zu einem unheimlichen Abenteuer, in dem sich die sonst eher zurückstehende Dr. Corrigan behaupten kann.
Durch eine geschickte Verschachtelung der einzelnen Rückblicke wie auch der aktuellen Geschehnisse entsteht eine ungewöhnliche Gesamtgeschichte, die vielleicht nicht für jeden Leser so eingängig ist, wie er es von vergangenen Ausgaben her kennt. Dafür kann Die universelle Maschine mit einem erhöhten Schauermähr-Faktor aufwarten. Im südamerikanischen Dschungel, in vornehmen Salons, in denen mit den Toten kommuniziert wird oder in der kanadischen Kälte warten göttliche Geister oder gruselige Mythenfiguren wie der Wendigo. Bei dieser Begegnung findet der Leser auch einen Gastauftritt von Hellboy, da dieser zu jener Zeit noch Mitglied der B.U.A.P. war.
Die Erinnerungen bilden eine unheimliche Welt ab, in der das Finstere und Jenseitige eine Selbstverständlichkeit ist. Jedenfalls regt sich am Tisch der kleinen Behördenkantine keiner sonderlich über die Erlebnisse der anderen auf – wie auch nach all den vorhergehenden Abenteuern. Und dennoch hat das Geschehen um Dr. Kate Corrigan eine neue Dimension, im wahrsten Sinne des Wortes.
Da man als Leser glaubt – auch als Neueinsteiger – man habe durch die Augen von Daimio, Liz, Abe und Johann alles gesehen, wird man durch die Erlebnisse auf dem Schloss eines besseren belehrt. Der Sammler, der sich selbst Thierry nannte, dürfte entgegen seiner Unscheinbarkeit zu den gefährlichsten Feinden der Behörde zählen.
Er umgibt sich mit Monstren und Absurditäten wie andere Sammler mit Knibbelbildern, ist höhnisch, umgibt sich mit Vampiren und Werwölfen und hat sich eine furchtbare Kraft zueigen gemacht. Als diese ausbricht, wird noch einmal das, was der Leser bis dahin als eine Art Höhepunkt der Geschichte definierte, über den Haufen geworfen.
Das grafisch sehr gut zusammenarbeitende Team Guy Davis (Zeichnungen) und Dave Stewart (Farben) erschafft hier einige Wesen, die einfach wirken, abstrus, unförmig und doch irgendwie echt, in der Art und Weise, wie sie das Hellboy-Universum bevölkern. So gerät das Finale zu einem Blick in eine kuriose Vorstellungskraft, die aber den Ideenreichtum von Mike Mignola ausmachen, der sich noch nie scheute, sich auf Experimente einzulassen und damit seine Leser zu verblüffen.
Mit dieser Geschichte verabschieden sich Mike Mignola und John Arcudi von Roger, dem Homunkulus. Es ist selten, dass ein derartiger Aufwand für eine Verabschiedung einer Comic-Figur betrieben und gleichzeitig eine tiefer gehende Darstellung aller beteiligten Charaktere daraus wurde. Sehr unterhaltsam, mysteriös, ein wenig mehr wie Hellboy, nur ohne Hellboy, mit einem traumhaften Finale, das es in sich hat.
B.U.A.P. 5 – Die universelle Maschine: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: mike mignola, john arcudi, guy davis, dave stewart
Im Jahre 1785 ist das Leben nicht nur für eine Frau sehr gefährlich. Seeleute, die sich auf das Meer hinauswagen, in unbekannte Gefilde, müssen befürchten, niemals zurückzukehren. Besonders dann nicht, wenn die Fracht ein Geheimnis birgt.
Im Eismeer findet die Besatzung eines Frachtschiffes ein verlassenes Segelschiff. Der Bauch des Seglers läuft bereits voll Wasser, trotzdem entschließt sich die Mannschaft, einen Blick zu riskieren. Und sie werden fündig. Eine merkwürdige Kiste weckt ihr Interesse. Den Wächter, der um jeden Preis verhindern will, dass sich jemand der Truhe bemächtigt, bemerken sie zu spät.
Noch jemand interessiert sich für diese Kiste und zwar Ihrer Majestät Regierung. Doch da es sich bei dem Inhalt um eine heikle Angelegenheit handelt und das Schiff außerdem in für Normasterbliche unerreichbare Tiefen gesunken ist, müssen andere Mittel und Wege gefunden werden, um an dieses besondere Relikt zu kommen.
Die erste Wahl der Regierungsvertreter fällt auf Lady Constantine, eine junge resolute Dame, die bereits auf eine aufregende Vergangenheit zurückblicken kann. In Anbetracht der seltsamen Herkunft der Kiste ist jemand, der sich mit Geistern und Dämonen auskennt, genau die richtige Person für den Auftrag.
Zurück in die Vergangenheit, als das besondere Geschlecht derer von Constantine ihr besonderes Geschick im Umgang mit den dunklen Mächten entdeckte.
In der großen Zeit der Segelschiffe und Piraten, als der Aberglaube noch stark war, die Menschen arm und der Adel mit höchstmöglicher Arroganz ausgestattet, sucht Lady Constantine – die ehemalige Lady, um genau zu sein, den der Titel wurde ihr aberkannt – nach einem Weg, damit sie und ihre kleine Schwester wieder ausreichend versorgt sind.
Andy Diggle nimmt den Leser mit in dieses vom Comic viel zu wenig beachtete Zeitalter, als das Abenteuer noch an jeder Ecke lauerte. Mit Diggle wurde ein Autor für diese Geschichte gefunden, der sich mit vielen Figuren und Zeiten befasste. Das 18. Jahrhundert ist auch bei ihm ein Ausreißer. Aber das merkt man als Leser nicht. Nach der Männerheldenriege, unter der so klangvolle Namen sind wie Batman, Green Arrow, Judge Dredd oder auch Swamp Thing, beschäftigt er sich nun mit einer Heldin, die in ihrem Jahrhundert etwas aus dem Rahmen fällt.
Lady Constantine ist impulsiv, risikofreudig, energisch und experimentiert gerne, sehr zum Leidwesen ihrer kleinen Schwester, die aus Gründen der Sicherheit als Junge auftreten muss. Sie zögert nicht, sich ihren Platz zu erobern, an den Männern vorbei, mit Hilfe von Geistern, die ihr nur mürrisch gehorchen und gegen dämonische Wesen, die ihr nur zu gerne die Gliedmaßen ausreißen würden. – Kurzum, Lady Constantine ist in höchstem Maße sympathisch und könnte sofort einen Platz in einem Piratenklassiker mit Erol Flynn einnehmen.
Mit Goran Sudzuka wurde ein Zeichner gefunden, der sowohl die Heft- als auch Albenwelt kennt. So arbeitete er an Die Macht der Archonten ebenso mit wie an Y – The Last Man. Sudzuka zeichnet sehr direkt, stark und schnörkellos. Harte Linien beschränken sich auf das nötigste, treffen aber auch eine Szene, eine Haltung, einen Bildausschnitt zielsicher.
Nebenfiguren erhalten durch seine Darstellung charakterlichen Ausdruck, so wie bei Jack-in-the-green, einem Pflanzengeist mit bewegter Geschichte, oder dem besten Homunkulus, den Lady Blackwood jemals geschaffen hat.
Die Kolorierung der Geschichte ist einfach und geht nicht über eine Schattierung hinaus. Mehr ist aber bei der Geschwindigkeit der Geschichte nicht notwendig. Gute Bilder ja, aber kein Augenschmaus, der in Kinomanier zum Verweilen des Auges einlädt, sondern solide Comic-Kunst.
Allerdings gehen die Cover dieser zusammengefassten Handlung wieder über das Normalmaß hinaus. Phil Noto, der hierzulande mit seiner Danger Girl-Geschichte Hawaiian Punch auffiel, könnte mit seinem Grafikstil auch einmal eine ganze Handlung um Lady Constantine zu Papier bringen. So muss der Leser sich mit den feinen Covern begnügen.
Ein mystischer Abenteuerknaller, der Spaß macht, weil er einmal abseits der Gegenwart sein Szenario hat. Künstliche Wesen, Dämonen, Geister, wilde Seeleute, aufgewühlte See und Magie bilden das Fundament der Geschichte, die man in einem Rutsch durchlesen muss.
John Constantine Hellblazer – Lady Constantine: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: andy diggle, goran sudzuka, phil noto
Samstag, 05. Juli 2008
Es war einmal im Krieg. Die Deutschen führen wieder einmal etwas im Schilde. Grausame Experimente sollen eine neue Waffe, einen neuen Typus von Soldaten erschaffen. Ein amerikanischer Stoßtrupp soll diesem Treiben ein Ende setzen.
Die Soldaten haben viel gesehen – zumal sie selbst einen äußerst außergewöhnlichen Einzelkämpfer in ihrer Gruppe haben – aber ein Wesen, zusammengesetzt aus Leichenteilen, ist auch ihnen neu. Wie gut, dass einer der ihren über eine interessante Fähigkeit verfügt. Bigby Wolf kann sich verwandeln. Und wie gut, dass er nicht mehr böse ist, der große Wolf.
Doch dieser Krieg der Menschen ist Vergangenheit. Auch der jüngste Überfall auf Fabletown ist Geschichte. Der Alltag der im Exil lebenden Fables normalisiert sich wieder. Schon bald stehen wieder andere wichtige Ereignisse auf der Tagesordnung, eine Wahl zum Beispiel. Neue Besen kehren gut, denken sich die Fables und wählen Prince Charming zu ihrem neuen Bürgermeister, einen Mann, der Verantwortung in dieser Form bisher nie kannte.
Nicht weniger alltäglich ist Bigbys Vaterschaft und wer seine und Snow Whites Kinder sieht, muss erst einmal staunen. Nach 44 Stunden andauernden Wehen ist endlich auch das sechste Kind auf der Welt. Das sechste? Mehr nicht?
Snow bleibt nicht viel Zeit, um darüber nachzudenken, denn mit ihren Kindern muss sie auf die Farm, wo alle Fables leben, die nicht zur Gänze menschliche Gestalt annehmen können. Und zu allem Überfluss treibt plötzlich auch ein Mörder sein Unwesen, dessen Untaten kein erkennbares Muster ergeben.
Eine neue Zeit bricht bei den Fables an. Als Leser hatte man sich an die Führungsriege und an die Querulanten in Fabletown gewöhnt, doch nun sind die Rollen vertauscht. Snow White ist im Ruhestand, Bigby Wolf ist nicht mehr Sheriff und der ehemalige Bürgermeister King Cole muss sein Penthouse verlassen. Letzterer war sowieso immer irgendwie überflüssig, während Snow und Bigby die ganze Arbeit hatten. An ihrer Stelle sind nun das Ehepaar Beauty und Beast.
Nachdem Bill Willingham einen Krieg über die Fables brachte und das Gleichgewicht in der Gemeinschaft empfindlich störte, schlägt er nun mit einer weiteren von intelligenten Wesen geschaffenen Urgewalt zu: Verwaltungsarbeit!
Märchen können so einfach sein, die Organisation einer Stadt ist es nicht. Plötzlich kommt es zu Demonstrationen. Die Wähler erinnern sich doch tatsächlich an all die Versprechungen vor der Wahl – und im Gegensatz zu den Menschen wollen sie sich nicht von den Gewählten auf der Nase herumtanzen lassen.
Willingham erzählt diese Veränderungen mit einer guten Portion Humor. Gleichzeitig bietet diese Umstrukturierung auch neuen Lesern der Reihe einen guten Einstieg.
Darüber hinaus schöpft Willingham weiter aus einem scheinbar unerschöpflichen Reservoir an Mythen, Märchen und Legenden. Das bringt ihn zu einem der wohl seltsamsten Mörder in der Comic-Geschichte.
Nachdem Tony Akins die Geschichte um Frankenstein und den bösen Wolf gezeichnet hat und damit hinter der Qualität des Stammzeichners Mark Buckingham zurückblieb, setzt dieser nun die aktuellen Ereignisse der Fables fort. Eine klare Linienführung mit sehr sympathischen aussehenden Figuren – selbst wenn sie es charakterlich nicht sind – rufen tatsächlich ein wenig Märchenidylle hervor.
Ein gutes Beispiel für schöne eigene Ideen sind die fliegenden Kinder von Snow, die ihr Schwiegervater Mr. North im weiteren Verlauf der Handlung erziehen will. Überhaupt sind die ganzen verwandtschaftlichen Beziehungen für Überraschungen gut und so manche Anwesenheit eines Märchencharakters kann schon mal für ein unwillkürliches Glucksen sorgen.
Finstere Jahreszeiten brechen für die Fables an. Nach dem Krieg weiß Willingham wieder mit zwei abgeschlossenen Geschichten über die Märchenfiguren zu unterhalten. Dieser neue Erzählabschnitt ermöglicht auch einen guten Einstieg, für all jene, die mal eine etwas andere Fantasy ausprobieren möchten.
Fables 6 – Finstere Zeiten: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: bill willingham, mark buckingham
Freitag, 04. Juli 2008
Da gibt es doch immer noch Leute, die glauben, dass Jackie Estacado ein ganz normaler Mafioso ist. Jake Nightly ist so ein Kerl. Jake hat eine Rechnung offen und er sucht Streit. Wäre die Sache ein ganz normaler Mafiastreit, hätte er vielleicht eine Chance. Aber so?
Es gibt gute Killer, also solche, die ihr Handwerk verstehen, und solche, die einfach nur Blindgänger sind. Jake Nightly war ein guter Killer. Palanco hingegen ist eine Flasche vor dem Herrn. Jackie sieht nur einen Ausweg. Er befiehlt Palancos Tod. Doch Palanco ist nicht nur absolut dämlich, er scheint das Glück des Dummen auch noch gepachtet zu haben.
Sind es zu Beginn, kurz nach der Machtübernahme, noch die ganz alltäglichen Dinge mit denen sich Jackie in seiner neuen Funktion als Don herumschlagen muss, wird aus einem einfachen Krieg um die Vorherrschaft ein Kampf der übernatürlichen Kräfte.
Jackies Darklings treten gegen Drachen an. In Mister Kuo steht ihm ein chinesischer Killer gegenüber, der keine Dunkelheit benötigt, um seine ihm dienenden Kreaturen heraufzubeschwören.
Ein neues Leben für Jackie Estacado. Lange stand er im Schatten der Mächtigen, nun bekleidet er die höchste Position. Und sofort sind Neider und Konkurrenten zur Stelle, die ihm das Leben nehmen wollen.
In der 10. Werkausgabe der Darkness hat sich einiges für den ehemaligen jungen Schnösel im Dienste seines Onkels geändert.
Paul Jenkins schreibt seine Abschlussgeschichten um Jackie Estacado und übergibt an Ron Marz (Cyberforce). Die Auswahl ist für den Leser genau richtig. Nach ein paar Einzelepisoden geht es mit Dragons & Darkness an einen Mehrteiler, in den Jackie endlich einmal wieder einen Gegner hat, der ihm gewachsen zu sein scheint.
Wenn Hong Kong bedroht wird, werden Drachen zu Hilfe eilen.
Mit Kuo, dem chinesischen Killer, hat Ron Marz ein helleres und mythisches Gegenstück zu Jackie Estacado geschaffen. Kuo ist nicht ganz so cool - aber ebenso arrogant. Das Aufeinanderprallen dieser beiden Kontrahenten ist besser als andere ungewöhnliche Begegnungen der Darkness, dazu lassen sich auch die Kämpfe gegen die Witchblade oder die Angelus zählen.
Neben Ron Marz steht für dieses Horror- und Gangsterspektakel als Zeichner Martin Montiel zur Verfügung. Montiel gestaltet mit sehr viel Stil und Eleganz in der Linienführung. An den Darklings und besonders den phantastisch aussehenden Drachen kann er sich richtig austoben.
Wer dachte, in der Zeit nach Paul Jenkins würde es mit Ron Marz etwas gewaltfreier zugehen, der täuscht sich. Marz hat für Montiel einige Vorlagen geschrieben, die in jedem Splatter-Film für das nötige Grauen sorgen würden.
Insgesamt ist die kleine Mini-Reihe Dragons & Darkness eher ernsthaft, was dem Szenario um die Darkness auch sehr gut bekommt.
Zuvor setzte Jenkins mit seinen Episoden mehr auf schwarzen Humor, das passt zuweilen recht gut, sollte aber auch nicht überstrapaziert werden. Es sei denn, der Humor ist vollkommen überzogen.
Mit dem Killer Palanco ist das gelungen. Jenkins beschreibt einen Mann, der ein Attentat auf der falschen Straßenseite begeht und somit das falsche Ziel um die Ecke bringt. Und so dumm wie Palanco selbst ist, das Ziel zu treffen, so viel Pech haben jene, die den Mann für seine Dummheit bestrafen sollen. Steven Cummings (www.sc-shiki.com) zeichnet eher glatter, lustiger, unterstreicht mit seinem grafischen Stil die Komik der Handlung.
Knallhart hingegen fallen die Bilder von Eric Basaldua, Michael Choi und Romano Molenaar (www.romanomolenaar.com) aus. Die Handlung verlangt dies aber auch. Wenn ein Mafioso ins Gebet vertieft in einer Kirche erschossen wird, verbietet sich jeder Funny-Effekt. So sind die ersten beiden Geschichten eher als Gangster-Geschichten mit kleinen Horroranleihen zu verstehen. Paul Jenkins hat sich zum Schluss den Alltag eines Dons vorgenommen. Fast könnte man als Leser den Eindruck gewinnen, dass diese Schuhe ein wenig zu groß für Estacado sind.
Klassisch gangsterlich, modern gruselig, ein wenig Comedy zwischendurch. Ein perfekter Mix, zu jeder Zeit unterhaltend und kurzweilig, ganz besonders durch die kleine Mini-Reihe zum guten Schluss enorm spannend.
The Darkness – Werkausgabe Band 10: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: paul jenkins, ron marz, eric basaldua, romano molenaar
Dienstag, 01. Juli 2008
Von Dämonen erwartet der Gläubige Arroganz, Brutalität, Jähzorn, Eifersucht – kurz all die schlechten Eigenschaften eines Menschen. Von Engeln erwartet er die Schönheit in der Seele, Aufopferung, Edelmut, Sanftheit. – Diese Annahmen sind alle falsch!
Seit langer Zeit herrscht ein Vertrag zwischen Engeln und Dämonen, damit der Gleichklang zwischen Paradies und Vorhölle eingehalten wird. Doch vor vielen Jahren ergab sich mit dem Fehltritt eines Engels eine einmalige Gelegenheit, um diesen Vertrag endgültig zu beseitigen. Nun endlich könnte es den Dämonen gelingen, die Heerscharen des Paradieses für alle Zeit zu vernichten.
Wie konnte es dazu kommen?
Nahel, ein Engel, war dem weiblichen Engel Ashra versprochen. Doch Nahel, angezogen von der menschlichen Welt, entwickelte eine unerklärbare Zuneigung zu Rio, aus der sogar Liebe wurde. Das Verhängnis nahm seinen Lauf, denn Nahel und Rio tappen beide in eine wohl vorbereitete Falle, um Zwietracht unter die Engel zu säen.
Derweil versucht Rios Vater, ein Archäologe, hinter das Geheimnis des toten Engels zu kommen, der er vor kurzem fand. Von den furchtbaren Ereignissen in den himmlichen Gefilden weiß er nichts, noch ahnt er in irgendeiner Weise davon.
Ein neues Wesen ist entstanden, ein Wesen, von dem niemand dachte, dass es in dieser Form existieren könnte. Ausgestattet mit den drei Wesenheiten Mensch, Dämon und Engel hat es nur noch eines im Sinn: Die Apokalypse!
Die vierte Episode um die Unsterblichen läutet das Finale dieses Abenteuers ein und entzaubert den Mythos um die Engel endgültig.
Alle sind sie verdorben, Dämonen wie auch Engel. Stephen Desberg, Autor, und Henri Reculé, Zeichner, lassen kein gutes Haar an den beiden Stützen des christlichen Glaubens (wie auch anderer Glaubensrichtungen). Wo Licht ist, ist auch Schatten. Hier bewegt sich alles und jeder im Zwielicht. Schönheit ist nur aufgesetzt und Maske. Der Teufel steckt im Detail und Gott ist weit weg.
Der vorliegende Teil der Erzählung ist eine Offenbarung für jeden Beteiligten. Einerseits erfährt jeder, wo er steht und lüftet auch Bereiche eines großen Geheimnisses. Langsam wird für Rio, die Menschin, die Rolle deutlich, die ihr zugedacht war. Auf ihrer Flucht durch die ihr unbekannte Welt lernt sie Zusammenhänge kennen und ein Jenseits, das sie nun mit Abscheu erfüllt. Sklaverei, Ausbeutung, Mord, um der Unsterblichkeit willen, all das eint die beiden großen Parteien in dieser Sphäre.
Verfallene Städte, finstere Straßenschluchten, Käfige, schmutziges Gestein und Monströsitäten in jeder dunklen Ecke sind Ausdruck einer verfallenen Welt. Selbst im Paradies lauern die Schlangen auf ihre Opfer. Selbst hier gibt es keinen paradiesischen Frieden. Zwar können die Tiere hier sprechen und verhalten sich friedlich gegenüber den Engeln, die Gebäude und die Landschaft sind prachtvoll, aber unter der Oberfläche ist der Charakter des Paradieses verfault.
Durch Henri Reculé kommt dieser Gegensatz von Anspruch und wahrhaftiger Realität sehr schön zum Tragen. Die in Aquarelltechnik aufgetragenen Farben spiegeln das gesamte Spektrum von Gefühlen wider, die in den jeweiligen Szenen vorherrschen. Eine blaue saubere Kühle in den griechisch anmutenden Gefilden der Engel, eine braungrüne Giftigkeit in den Gemäuern der Dämonen. Ein glühendes reinigendes Feuer, das alles verzehrt, Dämonen, Menschen und auch Engel.
Die Engel sind klassisch phantastisch gemalt, mit langen wallenden Haaren, schlank, athletisch, mit schimmernden Rüstungen, auf sagenhaften Reittieren, die an elegante fliegende Seepferdchen erinnern.
Die Dämonen sind vielfältig, mal monströs, mal äußerst tierisch. Vor Muskeln strotzend, auch gepanzert oder geheimnisvoll gewandet. Vielfalt spielt hier eine viel größere Rolle.
Feuer ist eine Gefahr für alle und wird von Reculés für sehr schöne und dramatische aussehende Bilder genutzt.
Als das Lamm das zweite Siegel aufbrach, erschien ein feuerrotes Pferd. Und der es bestieg, bekam die Macht, den Frieden zu nehmen, auf dass alle sich gegenseitig umbrächten.
So ist es eine Offenbarung, die ein Mensch empfing, die hier zum Ende der jenseitigen Sphären beitragen soll. Eine Offenbarung im Übrigen, die ein Engel wie Ashra beinahe ungläubig liest, in jedem Fall aber unwissend, denn dieser biblische Text scheint ihr völlig unbekannt zu sein. Desberg hat die religiösen Mythologien hervorragend dazu genutzt, um ein feines Fantasy-Epos zu schaffen.
Klassisch phantastisch, beinahe etwas transsylvanisch gruselig in den Gefilden der Dämonen, asketisch arrogant und kalt in der Welt der Engel. Für Freunde der Fantasy bietet sich hier eine sehr gute Variation des Apokalypse-Themas, voller Wendungen und Dramatik.
Die Unsterblichen 4 – Der zweite Reiter: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: stephen desberg, henri recule
Freitag, 27. Juni 2008
John Fowler hat es eilig, weil er wieder mal zu spät zum College kommt. Heute sind Ausgrabungen auf dem Campusgelände angesetzt. Daran wäre nichts außergewöhnliches, würden diese Grabungen nicht auch ein uraltes Skelett zutage fördern.
Der Fund weckt in John wahnsinnige Kopfschmerzen. Seinen Freunden bereitet das Skelett weniger Kopfzerbrechen, allenfalls brüten sie darüber, wie sie Professor Hawkins, der die Grabungen überwachte, wieder einmal einen Streich spielen können. Die Lösung ist einfach: Man nehme das alte Skelett und setze es auf Hawkins’ Bürostuhl.
Das ist ein Spaß! – Jedenfalls, solange man nicht dabei erwischt wird. Und John wird erwischt. Für Professor Hawkins ist diese Untat der willkommene Vorwand, um diesen Fowler endlich loszuwerden. Aber ganz so einfach wird es dann doch nicht. John erhält unerwartete Unterstützung, über die er sich zunächst wundert. Nach einer Weile lichten sich die Schleier – keiner der Schüler, auch nicht Johns Schwester, ist auf das vorbereitet, was sich bald in ihrer aller Leben verändern wird. Ein altes Erbe wirft seine dunklen Schatten und Albträume voraus.
Jugendliche Charaktere werden in dieser Fassung der Ereignisse um das Aufbrechen des Höllentores in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt. In bester Manga-Manier von J.M gezeichnet, aber in europäischer Lesefolge inszeniert, entsteht hier in schwarzweißer Bilderfolge eine Geschichte, die den anderen Abenteuern des Hellgate London von Ian Edginton und Steve Pugh in Sachen Spannung nicht nachsteht, sich aber an ein jüngeres Publikum richtet.
Wie in einem Jugendbuch entschlüsseln sich die Geheimnisse um die Familie Fowler. Die drei Kinder, John, Lindsey und der kleine Tyler erhalten nach dem Fund des unbekannten Skeletts schließlich einen Hinweis, der sie auf den Dachboden ihrer Wohnung führt und dort …
Es ist interessant, wie Arvid Nelson, der Autor, die Geschichte konzipiert. Diese Kids gehören zur Computerspielgeneration. Wenn ein Monster sich ihnen in den Weg stellt oder eine seltsame Kreatur aus einem Wolkenwirbel nach ihnen greift, rennen sie nicht automatisch fort. Irgendwie haben sie das alles schon einmal gesehen. Und deshalb kassiert so ein Monster dann auch eine saftige Abreibung.
Nelson nimmt die Geschichte nicht allzu ernst. Er will unterhalten. Er kennt seine Leser und weiß, was sie mögen. So wird der kleine Tyler auch einmal mit seiner Lieblingsserie abgelenkt: Mighty Ninja Magical Cyber Assault Team Dangar.
Auf einen Blick in die Serie müssen wir leider verzichten (obwohl der Titel verdammt neugierig macht), aber auf die guten alten nimmersatten Wiedergänger müssen wir nicht verzichten.
In einem anderen Kontext würd ich sagen, sie sähen cool aus. So viel Zeit bleibt Lindsey noch zur Analyse, bevor Hellgate London seinen Jugendbuchcharakter endgültig hinter sich lässt und John mit seinem Dachbodenfund zeigt, was er so alles kann.
Die Spannung schaukelt sich immer weiter auf. Am Ende …
Das soll natürlich nicht verraten werden, aber J.M legt mit seinen Zeichnungen, mit denen er qualitativ auf Augenhöhe eines Hiroki Endo rangiert, recht drastische Bilder vor, die auch auf diese Weise denen von Endo in nichts nachstehen.
Man gewöhne sich nicht zu sehr an die Charaktere, denn nicht alle werden es bis zum Ende schaffen. Die Konstellation, die Arvid Nelson schafft, lässt einige weitere unerwartete Wendungen für die nächsten Abenteuer erwarten. Ein gelungenes Horror-Abenteuer mit Bildern von J.M, dass keine Spielevorlage nötig hätte.
Hellgate London 1 – London Falling: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: arvid nelson, j.m
Freitag, 13. Juni 2008
Die Darkness geht zum Angriff über. Die beiden Wachen, die am Ufer aufgestellt wurden, können sich als letztes Erlebnis auf Erden von der Effizienz dieses Vorgehens überzeugen.
Dominic kann auf die fragenden Rufe seines Partners keine Antwort mehr geben. Vor dem Licht des nahen Leuchtturms entscheidet sich das Schicksal der Männer. Und Jackie Estacado hat gerade erst mit seinem Rachefeldzug begonnen.
Vom Turm aus entdecken weitere Wachen das Geschehen. Aber die Zeit reicht nicht einmal für einen Hilferuf. Die Darkness ist gründlich. Irgendwann fällt bei allen Beteiligten der Groschen. Er ist hier.
Flutlichter werden eingeschaltet. Onkel Paulie hat gelernt. Das Licht gefällt der Darkness nicht, aber sie ist auch nicht dumm. Als ein riesiger geflügelter Schwarm in der Dunkelheit sichtbar wird, halten die Mafiosi dies noch für Vögel oder Fledermäuse, die von dem ungewöhnlichen Licht angezogen werden. Ein tödlicher Irrtum.
Level 5 - die letzte Runde. Was hat Jackie Estacado nicht alles durchlitten, um an diesen Punkt zu gelangen. Die Autoren Paul Jenkins und David Wohl haben den jungen Mafia-Killer im wahrsten Sinne des Wortes bis hierher durch die Hölle geschickt.
Jetzt geht es auch nicht mehr um eine Entwicklung von Charakteren oder Geschichte. Alle Weichen sind gestellt. Jenkins und Wohl beschäftigen sich nur noch mit dem Finale.
Die Dunkelheit gehört zur Darkness einfach dazu. Mit Mike Choi wurde ein weiterer Zeichner ins Rennen geschickt, der seine Arbeiten gleichzeitig auch tuscht. Im Stile neuerer Darstellungen, bei denen es um Atmosphäre und Schnelligkeit geht sind die Bilder skizzenhafter und nehmen nicht für sich in Anspruch, bis in den letzten Strich hinein perfekt sein zu wollen.
Als vergleichbarer Künstler in dieser Machart können Sean Phillips (Criminal) oder Charlie Adlard (The Walking Dead) herangezogen werden.
Choi gelingen einige beeindruckende Bilder mit Großbildleinwandflair. Wer sich an den Film Van Helsing und flatternden Vampir-Nachwuchs vor Augen hat, kann sich sehr gut den nächtlichen Schwarm vorstellen, der Kurs auf das Mafiosi-Versteck genommen hat.
Stilistisch könnte Jackie Estacado dank Chois Technik auch in Schwarzweiß agieren. Es wäre angesichts der verschiedenen Zeichenstile in dieser kleinen Reihe ein gelungenes und passendes Experiment geworden.
Die Darklings werden von der Darkness ins Leben gerufen und bedürfen natürlich auch einer gewissen phantasievollen Grundausstattung ihres Herrn. Jenkins und Wohl zeigen einen Estacado, der wie geschaffen ist für dieses Leben, denn nachdem seine Mannen schon einige Vorarbeit geleistet haben, schreitet der Meister selber zur Tat. Zwar verfügt er nur über Kanonen, aber er ist nicht weniger kaltblütig und menschenverachtend und so wird einiges auch der Phantasie des Lesers überlassen und nicht gezeigt.
Das Finale. Jackie Estacado holt sich seine Rache und kann endlich die Mörder von Jenny Romano bestrafen – sowie jene, die ihm auch die ganze Zeit über ans Leder wollten. Knallhart, nichts für Zartbesaitete.
Stichwörter: paul jenkins, david wohl, mike choi