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Comic Blog


Montag, 08. Februar 2010

Hack/Slash 4 - Blutige Balladen

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 17:29

Hack/Slash 4 - Blutige BalladenSchön, aber tot. Besser gesagt: Sie war einmal schön, ans Sterben denkt sie trotzdem nicht. Emily Christy, die ehemalige Miss November hat schon besser ausgesehen. Außerdem war sie in besseren Situationen. Ihr Körper und ihr Gesicht besitzen nicht mehr die Attraktivität, die ihnen zu Lebzeiten zueigen waren. Das hält aber einen aus dem Team der Wissenschaftler nicht auf, in alte Schwärmereien auszubrechen und nach einem Weg zu suchen, diese Frau, die er schon als kleiner Junge verehrte (höflich ausgedrückt), wieder ins Leben zurückzurufen.

Angriff der Zeichnerinnen! Natürlich auch der Slasherinnen, aber auffallend ist der Einsatz von gleich zwei Künstlerinnen hier schon, sind weibliche Zeichner im Comic-Metier eher selten. Und in derlei Thematik sowieso. Emily Stone und Rebekah Isaacs folgen der Erzählung von Tim Seeley und schicken Cassie und ihren Freund Vlad auf die nächste Jagd nach brutalen Slashern.

Die Geschichte beginnt in den 80er Jahren. Ein Junge schwindelt seiner Mutter vor, er sei krank. Vom Regal her schauen Spielfiguren von He-Man und Battlecat in den Raum. Kaum ist die Mutter zur Arbeit gefahren, werden die Männermagazine des Vaters geplündert. Miss November bleibt dem Jungen für immer im Gedächtnis. Emily Stone übernimmt die Auftaktepisode wie auch das Finale des vorliegenden Bandes. Beide Zeichnerinnen arbeiten schnörkellos, ungekünstelt und sind technisch versiert. Emily Stones Bilder besitzen mehr Ausdruck. Ihre Figuren sehen aus, als seien sie von Mangas beeinflusst. Dank der milchig cremigen Farbgebung von Courtney Via entstehen so sehr plastische Bilder, obwohl sparsam mit den eingesetzten Farben umgegangen und auf Experimente verzichtet wird.

Während Stones Bilder einen deutlichen Skizzencharakter besitzen, sind die Grafiken von Rebekah Isaacs sehr fein, mit dünnen Linien ausgeführt. Die ebenso fein (per Computer) gebrushten Kolorierungen sorgen für das nötige Volumen der Figuren und die Tiefe der Bilder. Isaacs darf sich mit einer leicht erotisch angehauchten Geschichte auseinandersetzen, in Horrorfilmen immer gern genommen. Ein alter Kult wird wiederbelebt, junge Studentinnen tappen die Falle gleichgeschlechtlicher Liebe (auch das noch!). Das ist optisch eher ironisch inszeniert, wie natürlich die gesamte Handlung von Hack/Slash. Das Finale gipfelt in einem Kampf der Unterwasserszenen beinhaltet, ein Schlangenmonster … Kurzum es wird so richtig aus der Fantasie geschöpft. Der Endgegner darf mit einem Körper aufwarten, der auch einem Freddy Krueger gut zu Gesicht stehen würde.

Die gelungenste Episode, erzählerisch wie optisch, findet sich zum Schluss mit Kleine Kinder. Hier ist wieder Emily Stone am Werk. Cassie und Vlad geraten an das Ergebnis eines furchtbaren Experiments. Wieder einmal versucht jemand mit Slashern zu hantieren, wieder einmal will die Wissenschaft einen Nutzen aus Monstern ziehen. Ein beliebtes Thema, doch diesmal sind die Monster Kinder. Der Spuk kommt hier auf leisen Sohlen. Humor findet sich in der von Tim Seeley geschriebenen Handlung überhaupt nicht. Und das ist auch gut so, denn die Atmosphäre bleibt so von Anfang bis Ende in jeder Beziehung stimmig.

Einen Ausreißer hat die vorliegende Ausgabe natürlich auch zu bieten. Vollkommen cartoony kommt Doppel-Date daher. Gefakte Rasterpunkte imitieren ein altes Comic-Design. Die Nasen der Mädels sind mit einem einfachen gebogenen Strich nach oben gerichtet. Man könnte auch sagen: Es sieht so aus, als habe die Zeichentrick-Schmiede von Hanna-Barbera einen Ausflug ins Slasher-Genre unternommen. Das wirkt eine Episode lang, sollte aber ein einmaliger Ausflug bleiben (obwohl es ein wenig als winzige Verbeugung vor einem Film wie Pleasantville verstanden werden kann).

Die Fortsetzung des Horror-Knallers von Tim Seeley gibt sich deutlich ernsthafter als die Vorgängerbände. Seeley ist im echten Slasher-Genre angekommen. Echte Monster, echte Probleme, aber am Horror mangelt es nicht. Immer noch gut, immer noch unterhaltend, nur eben nicht mehr so komisch. :-)

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Sonntag, 24. Januar 2010

Vinci

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 18:31

VinciEin Gesicht für Judas: Es ist nicht leicht zu finden, dieses Gesicht, das dem Mann gehört, der Jesus verraten hat. Leonardo da Vinci, ein Universalgenie und ein begnadeter Maler, hat seine Probleme mit diesem Gesicht, das eben eines nicht sein darf: Verräterisch. Die Güte im Gesicht des Herrn zu malen, sei leicht, behauptet Leonardo. Das Böse im Herzen von Judas sei von außen nicht zu sehen. In der Tat ist bereits jede Figur auf dem neun Meter breiten Gemälde personalisiert, nur Judas nicht. Manchmal arbeitet Leonardo an seinem Bild, manchmal starrt er es nur stundenlang an. Obwohl dies seine vordringlichste Aufgabe ist, lässt er andere Auftragsarbeiten wie auch die eigenen Studien nicht außer Acht.

Für den Herzog von Mailand soll er ein Reiterstandbild entwerfen. Doch gerade in Kriegstagen und in Zeiten nur mager gefüllter Kassen ist es selbst für einen Fürsten eine unlösbare Aufgabe, derart viel Bronze für ein Standbild aufzutreiben. Viel näher läge es, einmal auszurechnen, wie viel Kanonen daraus gegossen werden könnten. Aber das sind Leonardos Probleme. In Mailand selbst geht ein Mörder um. Im Winter des Jahres 1494/95 findet sich in den frühen Morgenstunden eine Leiche auf dem zugefrorenen Fluss. Ihre Gesichtshaut wurde entfernt. Dennoch ist die Identität des Toten schnell ermittelt. Das Rätsel um das Mordmotiv ist bei weitem nicht so schnell gelöst.

Eine Verschwörung: Aber zu welchem Zweck? Didier Convard, der Autor, dürfte Comic-Fans, die an mysteriösen Thrillern interessiert sind, bereits durch die beiden Zyklen um Das geheime Dreieck bekannt sein. Darüber hinaus ist er ein über die Jahre sehr aktiver Comic-Autor. Mit Vinci widmet er sich jener Schaffensphase von Leonardo da Vinci, die der Meister von 1494 bis 1499 in Mailand verbrachte. Im zweiten Teil des vorliegenden Bandes kann der Leser das Leben Leonardos in Venedig verfolgen.

Convard greift die wahre Historie um die Entstehung des Letzten Abendmahls auf. Er verzichtet aber darauf, das Bild selbst in den Mittelpunkt unheimlicher Geschehnisse zu rücken, wie es beispielsweise ein Javier Sierra mit seinem Buch Das geheime Abendmahl macht. Es bleibt auch zuerst ungewiss, ob Leonardo tatsächlich im Mittelpunkt des Geschehens steckt, oder ob er eher eine Nebenfigur ist. Diese Ungewissheit erschwert den Zugang ein wenig, falls man mit einer Erwartungshaltung an die Lektüre geht. Wirft man sämtliche Vorkenntnisse über Bord, auch solche, die von Konzepten eines Dan Brown herrühren, dann lässt man sich auf eine sehr interessante und mit zunehmendem Maße spannende Geschichte ein.

Die Lebensgeschichte und die Werke eines Leonardo da Vinci sind ohnehin aufregend und faszinierend. Ein Künstler und Genie, der seiner Zeit durch seine Gedankenspiele immer voraus gewesen zu sein scheint, kann in der hier beschriebenen Gesellschaft, die real existierte, nur eine Art Außenseiter sein. Ein Außenseiter, dem Bewunderung entgegengebracht wird, aber immer noch ein Außenseiter. Seine Verhaltensweisen sind ebenfalls nicht dazu angetan, ihn in ein bürgerliches Leben zu integrieren. Historische Begebenheiten und Ermittlungen in Mordfällen wechseln einander ab: Zuerst in Mailand, später in Venedig. Didier Convard lässt keine Fragen am Schluss der Handlung offen. Wirklich keine und so werden nicht nur die Mordfälle gelöst. sondern auch die Zurückhaltung eines Leonardo begründet.

Gilles Chaillet zeichnet die klare Linie, die ein Grund für die Berühmtheit der frankobelgischen Schule ist. Chaillet konnte mit seinen Zeichnungen in Vasco bereits zeigen, wie sehr im historische Szenarien liegen. Seine penible Arbeit ist geniales Anschauungsmaterial, wie er auch mit seiner Arbeit an Das Rom der Kaiserzeit bewiesen hat. Diese Anschaulichkeit findet sich in den Kulissen des alten Mailand und Venedigs wieder. Schnörkellos ordnet sich Chaillet mit seinen Bildern der Handlung unter. Das gibt dem lesenden Auge viel Ruhe. Andererseits verlangen es die sehr schönen Bilder auch, nach Lektüre des Textes, ausgiebig betrachtet und auch genossen zu werden.

Eine packende Geschichte in einem spannenden historischen Zeitabschnitt: Die faszinierende Figur des Leonardo da Vinci steht im Kern einer unheimlichen Mordserie. Geschickt vermischt Thrillerexperte Didier Convard Wahres mit Erfundenem. Die Bilder von Gilles Chaillet transportieren die Handlung unaufdringlich, aber in perfekter Illustration. :-)

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Samstag, 23. Januar 2010

Prophet 2 - Infernum in Terra

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 20:29

Prophet 2 - Infernum in TerraDie Welt da draußen ist anders geworden. Die Menschen sind verschwunden. Professor Jack Stanton hatte ein Leben. Er war in den Medien. Alles schien so zu kommen, wie er es gerne gehabt hätte. Doch dann … versank die Welt in einem Trümmerhaufen. Statt menschlicher Gesellschaft steht eine Schaufensterpuppe in seinem Zimmer. In einem Zimmer, dem die Außenwand fehlt. Am Rande New Yorks gähnt ein gigantischer Abgrund. Brooklyn besteht aus Trümmern, Manhattan ist fort. Jack weiß nicht, wo es geblieben ist. Es ist ihm auch gleichgültig. Er hat Hunger. In diesen Tagen ist es mehr als nur schwierig geworden, etwas Essbares aufzutreiben.

Jack ist ein Glückskind. In einer verlassenen Tankstelle findet er nicht nur Getränke, sondern auch Snacks, die früher nichts für Gesundheitsfanatiker waren, doch inzwischen die einzigen Lebensmittel zu sein scheinen, die sich derart lange gehalten haben. Und Jack hat noch mehr Glück: Jemand findet ihn!

Wo ist Jack Stanton? Das ist nicht die einzige große Frage, die sich der Wissenschaftler stellt. Man könnte auch fragen: Wann ist Jack Stanton? Keine der Antworten, die er sich selber gibt, gefällt ihm besonders. Jede birgt neue Fragen. Weitere Antworten fallen schwer. Außerdem muss sich Jack bald nicht nur um seine Nahrung kümmern, sondern ganz konkret um sein Überleben kämpfen. Diese neue untergegangene Welt lässt ihre Masken fallen und offenbart dem Propheten, dass die Geschichte der Menschheit noch lange nicht am Ende ist.

Mathieu Lauffray schreibt und zeichnet auch diese Episode in Personalunion. Es ist ein apokalyptisches Szenario. Zunächst kann Lauffray sich an einer zerstörten Königin der Städte, dem Big Apple, austoben. Der Eindruck ist bombastisch. Im grafischen Stil eines John Buscema (Conan, Fantastic Four) und dem zerstörerischen Feuereifer eines Roland Emmerich macht sich Lauffray ans Werk. Anfangs ist es wie ein Ausflug in die Offenbarung, wechselt jedoch mit dem Auftritt äußerst fantasievoll gestalteter Wesen in pure Fantasy.

Aus dem Weltuntergang wird durch eine Prise Clive Barker ein Szenario, in dem man sich als Genre-interessierter Leser und Zuschauer ein wenig an Cabal Die Burt der Nacht erinnert fühlt. Bereits die Titelbilder von Band 1 und 2 zeigen einen Ausblick auf die Richtung jener Wesen, die hier auf den Leser warten. Sie sind modern, zum Teil auch ein wenig Giger-artig (nach H.R. Giger). Rückblicke auf den Weltuntergang wie auch auf die Rückstände des Untergangs verlangen eigentlich eine große Bühne, sprich auf einer Doppelseite hätten sie noch einmal so viel Eindruck schinden können. Das ist, um im filmischen Vergleich zu bleiben, großes Kino.

Aus einer Begegnung wird eine Prophezeiung, der nicht so recht geglaubt werden will. War Jack Stanton in seiner ursprünglichen Welt schon nicht sonderlich beliebt, ist er es hier auch nicht. Zwar haben sich seine Charaktereigenschaften etwas gewandelt und das Großmaul ist etwas kleinlauter geworden, doch überzeugen kann Stanton seine neuen Freunde doch nicht wirklich. Nur wenige setzen Hoffnung auf ihn. Das ist, gemessen an vergleichbaren Szenarien, nicht die neueste Wendung, aber man verzeiht es Mathieu Lauffray gerne, sobald die Handlung ihren Lauf fortsetzt.

Nach einer gemächlichen Einleitung, einem großen Knall und einer Überleitung setzt die Handlung plötzlich zum Spurt an. Die Bilder nehmen den Leser bei der Hand, zerren die Augen mit, zwingen zum Umblättern. Lauffray beherrscht die Kunst, das Auge zu führen, perfekt. Die Hektik mancher Szene ist fühlbar, Strich und Farben sind auf dem Punkt. Alles scheint immer gerade so viel, wie es eben nötig ist.

Wer das Spiel mit apokalyptischen Szenarien mag, Bilder eines Zeichners sehen möchte, der sehr oft den besten Bildausschnitt findet und ganz eindeutig vom Kino inspiriert wurde, der sollte einen Blick riskieren. Langsam wird der Anti-Held Stanton vom Saulus zum Paulus und das ist verdammt spannend. :-)

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Samstag, 16. Januar 2010

B.U.A.P. 7 - Tödliches Terrain

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 13:09

B.U.A.P. 7 - Tödliches TerrainEndlich haben die Mitglieder des Teams Zeit, sich mit ihren eigenen Problemen zu beschäftigen. Während Abe professionell zu bleiben versucht und dem Geheimnis des Wendigo nachspürt, kümmert sich Johann um die einfache Angelegenheit, wieder ein Mensch zu sein. Liz nähert sich einem weniger gefährlichen, dafür einem umso regloseren Gast: Miss Panya hat 3000 Jahre überlebt. Nun ist sie ans Bett gefesselt. Doch mit ihrer Hilfe kann sich Liz dem Mann annähern, der sie in ihren Halluzinationen besucht. Liz kann nicht sagen, ob er sie bedrohen oder beschützen will. Einen gibt es jedoch, der genau weiß, was dieses Wesen will. Völlig überraschend gibt sich ein nicht gerade unbekannter Held ein Stelldichein. Nur um gleich darauf wieder zu verschwinden.

Menschen, die vom Bösen befallen sind, haben sich zum beliebten Thema nicht auf dem Gebiet des Horrors ausgewachsen. Sei es der beliebte Werwolf, der Vampir ebenso (der es zu einem eigenen Genre geschafft hat), der Tierhorror in Form eines Reliktes oder auch der reine Menschenfresser, wie er sich in Totem findet: Der Mensch ist immer noch der beste Wolf des Menschen.

Die B.U.A.P., die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, hat einen Maulwurf in ihrer Mitte. Zuerst ist es sehr fragwürdig, wer der Eindringling ist und das Team folgt einer falschen Spur. Als schließlich die Antwort offen zutage tritt, sind alle schockiert. Mike Mignola und John Arcudi lassen ihr Team nicht zur Ruhe kommen. Gerade noch sind die Bedrohungen von außen nicht aktuell, da kommt die Gefahr aus dem inneren Kreis. Mignola und Arcudi geben einem der Charaktere eine Zeit des Menschseins und lockern so die Atmosphäre zunächst auf: Johann Krauss erhält einen Körper. Und was für einen!

Durch den künstlich entstandenen (und seelenlosen) Körper, den die Behörde auf einem ihrer Einsätze sichern konnte, ist Johann, der bis dahin nur als Protoplasma existierte endlich wieder ein menschliches Leben möglich. Allein der Genuss von Nahrung wird zu einem Erlebnis. Andere menschliche Belange erzeugen geradezu Höhenflüge bei Johann, der über Jahrzehnte auf jegliches körperliche Gefühl verzichten musste (sieht man von eher geborgten Momenten bei Untersuchungen ab).

Aber die Geschehnisse um die B.U.A.P. sind weniger vergnüglich als spannend. Deshalb wird es gruselig, mysteriös, auch brutal: Der Wendigo, der in den Zellen der Behörde einsitzt ist anfänglich der Kern der Fragen. Es entlädt sich eine Welle nackter Gewalt, die die Ruhe zum Einsturz bringt und noch mehr Fragen hinterlässt. Als Leser wird man von den beiden Autoren fest bei der Hand genommen. Den Charakteren wird auf den Zahn gefühlt, die Atmosphäre vertieft. Dadurch treffen die Schicksalsschläge härter. Mignola und Arcudi haben die Figuren nicht nur mit Hintergrundgeschichten versehen, die eine hohe Detaildichte aufweisen, auch ihre Gefühle lassen sich wunderbar ablesen.

Guy Davis bedient sich dieser Vorgaben vortrefflich: Sein Johann, der in einer Art aufgepumpter Arnold Schwarzenegger Version nun das Leben unsicher machen darf und mit kindlicher Freude alles neu für sich entdeckt, lässt einen unwillkürlich schmunzeln. Seiner Liz Sherman, die den Geheimnissen ihrer Halluzinationen auf der Spur ist, wünscht man endlich etwas Frieden. Aber noch besser geraten sind seine Monster: Das Jaguarwesen wie auch der Wendigo strotzen vor Kraft. Obwohl sie gestalterisch einfach wirken mögen, zeigt gerade ersteres, wie eine Figur sich entwickeln und den Leser überraschen kann.

Die seltsame Haltung, die krummen Gliedmaßen, das Maul und auch das zerrissen scheinende Becken könnten den Ideen eines H.R. Giger entsprungen sein. Sie besitzen aber nicht die Eleganz der Kreaturen des Schweizer Künstlers. Dafür entwickelt sich dieser Jaguar-Mensch. Er wächst auf noch bedrohlichere Maße an, erscheint, obwohl er auf einer Raubkatze basiert, dank des Designs wie eine Abart einer Schlange.

Eine sehr tief gehende Episode. Angesichts sonstiger weit reichender Geschichten ist dies hier fast ein Kammerspiel. Natürlich dürfen rätselhafte Ausblicke nicht fehlen. Mignola und Arcudi säen einige interessante Auftritte, die in der Zukunft noch eine Rolle spielen können. Dank der Kolorierung von Dave Stewart ist ein cineastisches Horrorabenteuer entstanden. Top. :-)

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Freitag, 15. Januar 2010

Die Welt von Lucie

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 17:39

Die Welt von LucieEs soll ein schöner Einkauf werden. Das Kaufhaus ist voll, aber noch lange nicht jeder darf hinein. Die Rabaukenkids, die Straßenkinder, die Unruhestifter, solche, die kein Geld haben, müssen draußen bleiben. Wer Ärger machen will, bekommt Ärger mit dem Wachpersonal. Wenig später brennt das Kaufhaus. Eine Panik bricht aus. Ein Mädchen überlebt: Margaret. Ohne Verletzungen. Allerdings schweigt sie. Meistens. Viel wichtiger jedoch: Es besteht die Möglichkeit, dass sie telepathischen Kontakt besitzt. Aber mit wem? Einst gab es Experimente auf dem Gebiet der Telepathie. Das ist lange her. Die Ergebnisse hatten Potential, doch schnell zeigte sich, dass derlei Fähigkeiten in den falschen Händen zu einer Katastrophe führen können. Hat Margaret vielleicht Kontakt zu einer Versuchsperson von damals? Unmöglich …

Sehr rätselhaft. Obwohl die Handlung in der westlichen Welt spielt, ist die die Geschichte von einer rätselhaften Grundstimmung durchdrungen, wie sie sich in Mangas oder unheimlichen Filmen aus Japan findet. Kris kann als Autor seine Begeisterung für dieses Genre nicht leugnen. Er kennt die Regeln dieses Seitenarms der Phantastik genauestens. Alles beginnt, wie so häufig in diesen Geschichten, mit einem Unglück, das allerdings natürlichen Ursprungs ist: Ein Brand in einem Kaufhaus. Ähnlich schreckliche Ereignisse gibt es leider jeden Tag, so oft, dass die Meldungen meist wieder schnell vergessen sind.

Hier jedoch gibt es eine Überlebende. Eine einzige, der kein Haar gekrümmt wurde. Sie ist nicht in der Verfassung, um sich Gedanken über ihren Zustand zu machen. Andere sind viel mehr daran interessiert, das Geheimnis um ihre Rettung zu lüften. Kris benötigt zur Klärung dieser Frage (die hier nicht komplett aufgelöst wird) einen langen Anlauf, weshalb der Leser wirklich Geduld mitbringen muss.

Er folgt den Aufklärungsspuren der Polizisten Karakis und Roberval. In einem Institut für paranormale Forschung nimmt er an den Ermittlungen von Dr. Emma Chapman und Dr. Sascha Iablokow teil. Margaret, das überlebende Mädchen steht unter ständiger Beobachtung und liegt, bis auf gelegentliche sprachliche Ausbrüche in russischer Sprache (die sie nie gelernt hat), still. Ganz anders ist ein Duo, das ganz langsam immer mehr zusammenwächst: Soledad und Lucie. Soledad ist ein Straßenkind, ein sehr starkes Mädchen, aber zeitweilig immer noch ein Kind. Und Lucie? Die sagt nichts. Lange Zeit jedenfalls. Lucie ist nicht ein Geheimnis, sie ist das Geheimnis.

Lucie könnte eine schwächere und weibliche Version eines Akira sein. Sie ist zwar zugegen, bleibt aber eine Hülle. Ihre Existenz wird durch die Recherchen der anderen, auch durch Soledads Anlernversuche beschrieben. Lucie ist wie ein Geist und zunächst sieht es für den Leser so aus, als sei sie gar nicht da. Zuerst ist diese Situation befremdlich und schwer zugänglich. Es dauert, bis sich einem ein immer größer werdendes Rätsel erschließt, bevor die ersten Antworten hereintröpfeln. Wer Geduld aufbringt, wird angenehm überrascht. So, könnte man sagen, ist Lucie ein wenig LOST in AKIRA. Kris konzentriert sich stark auf seine Figuren, bis es einem dämmert, dass die Geschichte längst in Gang gekommen ist und man mitten drin steckt.

Guillaume Martinez kann ebenfalls nicht leugnen, den einen oder anderen Manga gelesen oder einen Anime gesehen zu haben. Seine Figuren sind in der Art gezeichnet, wie sich japanische Zeichner westliche Charaktere vorstellen. Das wirkt anfangs, hier wie dort, schlicht, skizziert. Das mag sogar stimmen, gewinnt aber durch die Kolorierung von Nadine Thomas und Kness deutlich an Volumen. Guillaume Martinez liefert sehr feine, zerbrechlich aussehende Zeichnungen, deren Strichstärken zuweilen kurz vor dem Wegbrechen stehen. Was zu Beginn eher nach wenig ausschaut, wird im Laufe der Handlung immer mehr. Mit wenigen Strichen wird eine Mimik inszeniert, ein Raum oder ein Ort illustriert. Das lässt nicht nur Luft und Platz für die Entfaltung der beiden Koloristen, das lässt auch dem Leser Platz, mit einer gewissen filmischen Geschwindigkeit durch die Handlung zu gleiten.

Farblich wird, wie meist heutzutage, der Computer eingesetzt. Die Welt von Lucie ist eine kalte Welt. Die Farben zeugen davon. Kaltes Grün, kaltes Blau, metallisches blutiges Rot, kaltes Braun und Grau. Wenige Ausflüge in die Wärme erfolgen in Ocker, Orange oder auch in ein senffarbenes Gelb. Daneben sind glasklare farbige Ausflüge selten, wie etwa im grellen Neonlicht der Klinik. Die gesamte Ausstrahlung sagt: Hier stimmt etwas nicht. Das passt hervorragend und ist darüber hinaus toll auf die jeweilige Szene abgestimmt.

Die Welt von Lucie befindet sich in bester Tradition von Klassikern wie Teufelskreis Alpha oder auch modernen Mystery-Varianten wie LOST oder Akira. Das Werk von Kris und Guillaume Martinez ist nichts für Leser, die einen Action-Kracher suchen. Die Welt von Lucie kommt mit leiser Unheimlichkeit daher, mit Feingefühl erzählt und gezeichnet. :-)

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Sonntag, 06. Dezember 2009

Prometheus 1 - Atlantis

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 15:34

Prometheus 1 - AtlantisIm September 1513 streifen Soldaten durch das südliche Darien. Die Spanier, die sich von ihrem Zug durch die Wildnis Gold und Reichtümer versprochen haben, sind frustriert und entmutigt. Hier im panamaischen Grenzgebiet zu Kolumbien regiert die Natur. Die Wilden jagen sie. Die Natur peinigt sie. Doch dann scheint die liebe Frau von Antigua tatsächlich ein Einsehen mit dieser rohen Bande zu haben. Vor ihnen ragt aus dem Gipfel eines Berges etwas in die Höhe. Es glänzt metallisch im Licht der goldenen Sonne. Seine Ausmaße sind gigantisch. Nie hat einer der Männer dieser Epoche etwas ähnliches gesehen. Und nie hat ein Mensch des 21. Jahrhunderts etwas ähnliches zu Gesicht bekommen.

In der Gegenwart läuft alles seinen ganz normalen Gang. Das Space Shuttle fliegt selbst im Jahre 2019 noch ins All. Die Atlantis absolviert an diesem Tag ihren letzten Flug. Damit hat sie rund zwei Jahrzehnte Dienstzeit mehr auf dem Buckel, als ursprünglich vorgesehen war. In der Bodenstation beobachtet man den Start konzentriert, aber ohne Befürchtungen. Da verschwindet die Atlantis von den Schirmen. Die Wanduhr zeigt 13.13 Uhr UTC, Universal Time Coordinated (Koordinierte Weltzeit). Das Shuttle ist nicht explodiert. Es ist einfach verschwunden.

Die Vorzeichen stehen sehr schlecht für die Welt. Oder doch nicht? Weltweit bleiben die Uhren um 13.13 Uhr stehen. Ein Shuttle verschwindet, eine Statue wird gefunden. Verloren geglaubte Schiffe erscheinen wieder: ein deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg, sogar die Titanic läuft munter und unbeschädigt über den Ozean. Christophe Bec greift sehr, sehr tief in die Sammelkiste der Mysterien, der Vorzeichen, der unheimlichen Begegnungen und zieht sogar (der Titel spricht für sich) die griechische Mythologie hinzu. Das Ergebnis ist wohl der geheimnisvollste Auftakt eines Dreiteilers, den es je im Comic-Bereich gegeben hat.

Selbst vergleichbare Produktionen wie Universal War One (UW1) oder Der Schimpansenkomplex können nicht diese seltsame und scheinbar nur sehr lose verknüpften Szenen aufweisen. Nach Ende der Lektüre wurde der Leser sehr spannend unterhalten (mindestens auf einem Spannungslevel wie LOST), aber er kann überhaupt nicht, nicht einmal ansatzweise sagen, wohin die Reise gehen mag.

So weit, so spannend. Dem Leser werden nach und nach die Hauptcharaktere vorgestellt. Hierbei wird grafisch auf ähnliche Effekte zurückgegriffen, wie es auch bei UW1 und Schimpansenkomplex der Fall war. Die Bilder der menschlichen Protagonisten wirken ein wenig konstruiert, in jedem Fall aber der Realität nachempfunden, denn in der Figur des Jeff Spaulding ist eindeutig der Schauspieler Fred Ward nachempfunden ist. (Genre-Fans kennen ihn vielleicht aus den ersten beiden Raketenwürmer-Verfilmungen.) Auch andere Figuren besitzen diesen Anschein der Ähnlichkeit zu Schauspielern. (Vielleicht: Lucy Lawless, Scott Glenn u.a.)

Das funktioniert in Perspektiven, zu denen die nötigen Vorlagen vorhanden waren, wirkt aber auch manchmal etwas verwackelt. Das ist an der grafischen Umsetzung, die ansonsten sehr schön und atmosphärisch geworden ist. Die Intention der Inszenierung geht klar in Richtung von Techno-Thrillern, Serien wie 24 und anderen bekannten Reißern dieser Art. Dafür spricht auch die Erzählweise. Der Leser wird frontal in Form von Fernsehberichterstattungen angesprochen oder er schaut den Protagonisten über die Schulter, darf Mäuschen spielen. Enge der Bilder (Fernsehen) wechselt sich mit weiten Einstellungen wie auf dem Meer ab. Die Darstellungen technischer Formen hat es Christophe Bec zweifelsfrei angetan. Aber Bec mag auch die Ausreißer-Bilder, das Ausbrechen aus dem eigens aufgestellten Reglement. So steht zum Beispiel das Eindringen eines SWAT-Teams in ein gelandetes Space Shuttle im vollkommenen Gegensatz zu den Bildern der griechischen Mythologie.

Ein ungewöhnlicher Auftakt eines Dreiteilers: In dieser sehr langen Einleitung wird dem Leser viel Geduld abverlangt. Wer die mysteriösen Szenarien eines Charles Berlitz mag, der wird sich hier sofort zu Hause fühlen. Autor und Zeichner Christophe Bec legt hier zum Start ein Knäuel vor, das mit allergrößter Präzision entwirrt werden muss, wenn es Sinn ergeben soll. Spannend ist es bisher allemal. :-)

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Samstag, 05. Dezember 2009

Miss Endicott 2 - Der Aufstand

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 16:15

Miss Endicott 2 - Der AufstandRocco ist ein kleiner gemeiner Mann. Wenn man ihn lässt. Er hat keinerlei Probleme damit, unliebsame Zeugen aus dem Weg zu schaffen und Menschen zu ermorden. Nur Kevin, den darf er nicht töten. Der Meister hat ausdrücklich befohlen, nicht Hand an den Jungen zu legen. Aber das Verbot galt nicht für Miss Endicott. Die Schlichterin ist zu einem Ärgernis geworden. Sie soll aufgehalten werden, damit der große Plan nicht gefährdet wird. Doch die kleinen Männer ringsherum, mit Rocco an der Spitze, haben die Rechnung ohne die schlagfertige junge Frau gemacht, die es locker mit einem Dutzend von ihnen aufnehmen kann. Was anfangs nach einer Rauferei aussieht, wird sehr bald schon zu einem Kampf auf Leben und Tod.

Mit dem vorliegenden 2. Band ist die Geschichte um Miss Endicott abgeschlossen. Das ist einerseits sehr schade, da einem als Leser die Figur jetzt so richtig ans Herz gewachsen ist. Andererseits muss man den Machern aber ein Lob aussprechen, da sie sich nicht zu einer mehrbändigen Reihe haben hinreißen lassen. Am Ende steht ein zweibändiges Abenteuer, das in sich geschlossen und rundum gelungen ist.

Es gibt eine Welt neben der bekannten Welt. Diese Ausgangssituation ist nicht neu. Im Augenblick lebt eine breite Palette von Neuerscheinungen von dieser Idee. (Meist beschäftigen sie sich mit Vampiren.) Jean-Christophe Derrien nimmt den Leser, nachdem er im ersten Band Die Vergessenen vorstellte, den Leser mit in den Untergrund und von dort mitten hinein in einen Aufstand. Allerdings ist es kein direkter Aufstand der Vergessenen.

In einer viktorianisch anmutenden Zeit hat die junge Miss Endicott die Aufgabe ihrer Mutter übernommen: Im Zwielicht der Stadt, unter rechtschaffenen Bürgern, Tagelöhnern, Gesindel und den Titel gebenden Vergessenen dient sie nun als Schlichterin. Miss Endicott, eine junge Frau, gebildet und durchsetzungsfreudig, hat sich direkt zwei Aufgaben vorgenommen. Die Erziehung eines kleinen Jungen erledigt sie am Tage im Dienste ihrer Herren, in der Nacht geht sie den weniger öffentlichen Tätigkeiten nach. Vor allem nicht solchen, die allerorts an die große Glocke gehängt werden, noch besonderen Rum bringen. Miss Endicott gibt sich alle Mühe und gerät zusehends in Schwierigkeiten: Genau zu dem Zeitpunkt, als der Junge entführt und als Druckmittel gegen sie eingesetzt wird.

Jean-Christophe Derrien hat die erste Ausgabe mit einer Überraschung beendet, die nun hier gelüftet werden kann (wer die erste Ausgabe gelesen hat, hat es sich ohnehin gedacht): Miss Endicotts Mutter ist wieder da. Die Beerdigung war nur ein Ablenkungsmanöver. Sofort merkt man, dass diese beiden Frauen so unterschiedlich sind wie Tag und Nacht. Wo die junge Miss Endicott nur mit zwei Stricknadeln bewaffnet unter Gaunern aufräumen kann, nimmt sich die Mutter ihre Gegner mit einer großkalibrigen Waffe vor, die so bombastisch ist, dass sie mit zwei Händen gehalten werden muss.

Xavier Fourquemin, der Zeichner, hierzulande auch durch seine Arbeiten zu The Changeling bei Comic-Fans bekannt, kann es in der ersten Hälfte der Fortsetzung noch ruhig angehen lassen. Die Handlung führt einige Stränge zusammen und bereitet alles für ein ausgedehntes Finale vor. Aber dann: Dann geht es rund! Die Maschine aus dem ersten Teil findet ihren Weg an die Oberfläche und beginnt ihr Zerstörungswerk. Dieser Abschnitt läuft geschwind ab. Er hat die allseits bekannte Action, Humor, Überraschungen und Wendungen. Optisch ist es ein wenig so, als habe ein Tim Burton den Weg ins Comic-Fach gefunden. (Was angesichts seiner Vergangenheit nicht abwegig ist. Außerdem fühlt man sich als Leser bei derart großen, von einer Person gesteuerten Maschinen an ein marsianischen Riesenroboter erinnert.)

Fourquemin gehört zu den Zeichnern, die mit ihrem ganz eigenen Stil punkten können. Er liebt lange Gesichter, Rundungen und große Augen. Insgesamt arbeitet er mit zerbrechlich wirkenden Zeichnungen, kontrastiert durchbrochen von manchmal großen schwarzen Flächen wie Höhleneingängen oder schattenhaften Baumgruppen. Diese Schwere wirkt stets bedrohlich, herausragend atmosphärisch, den insgesamt bringt Fourquemin eine sehr dichte Inszenierung zu Papier, die durch die kräftige, aber niemals strahlende Farbgebung von Scarlett Smulkowski noch unterstrichen wird.

Ein toller Abschluss, ein besserer zweiter Teil eines guten ersten Bandes. Eine andere, sehr eigenständige Geschichte in einer Welt neben der Welt, mit allem Ernst erzählt, sehr individuell gestaltet, ohne sich anderen Stilen zu verpflichten. Eine tolle Comic-Überraschung. :-)

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Die Legende von Malemort 4

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 13:43

Die Legende von Malemort 4 - Sobald die Nacht anbrichtGibt es eine Möglichkeit jemanden vom Vampirismus zu heilen? Kann der Zustand des Untoten rückgängig gemacht werden? Oder gibt es tatsächlich nur eine Möglichkeit, solch ein Monster zu erlösen: Runter mit dem Kopf. Die Gefährten des Grafen Colbus von Malemort fragen sich vollkommen berechtigt, wie ein blutdürstiges Wesen überhaupt entstehen kann. Welche schwarze Kunst ist dazu notwendig? Joachim de Peyrac, der ehemalige Lehrmeister des Grafen, könnte vielleicht helfen, doch dieser berühmte Mann ist seit langem verschwunden. Die Gefolgsleute und Freunde des Grafen beschließen, den ehemaligen Lehrmeister zu suchen und zu finden. Koste es, was es wolle.

Anthea, die sich vom Grafen angezogen fühlt, erfährt endlich nach so vielen Jahren, wer ihr Vater ist. Allerdings ist die Nachricht zu diesem Zeitpunkt nicht sehr nützlich. Selbst der Umstand, dass sie nicht das Kind eines dahergelaufenen Nichtsnutzes ist, ist ihr wenig tröstlich. Ihr Denken kreist um die Person des Grafen, der einzig und allein daran interessiert scheint, sie von sich zu stoßen, da er um ihr Leben fürchtet. Colbus sieht sich längst als Monster, vor dem sich selbst seine Getreuen in Acht nehmen müssen. Erst recht, wenn er es sich um eine junge Frau wie Anthea handelt, deren Liebreiz er kaum zu widerstehen vermag.

Eric Stalner gönnt seinen von ihm geschaffenen Charakteren nur wenig Ruhe. Sie sind ruhelos, rastlos, sie wollen handeln, wissen aber nicht wie. Der Graf will Anthea loswerden, da nicht nur er ihr gefährlich werden kann, sondern auch sie ihm. In dieser Situation lässt Stalner den jugendlichen Übermut Antheas die Oberhand übernehmen. Dabei handelt es sich um ein nicht unübliches Spannungselement. Der Wagemut und die Unvernunft der Jugend, vielleicht auch der Elan der Liebenden, derlei Elemente sorgen immer für allerhand Unfug. Das wusste schon der alte Shakespeare.

Nachdem die Auseinandersetzung mit der Inquisition bisher die Handlung beherrschte, findet nun eine Richtungsänderung statt. Der Graf und seine Gefährten fliehen nicht mehr, sie suchen nach einer Lösung. Doch Stalner ist weit davon entfernt, diese Suche für seine Figuren zu einem Spaziergang werden zu lassen. Man könnte spekulieren, ob er sich bei den Szenen und der Umgebung des versteckten Dorfes in den Sümpfen von Cajuns hat inspirieren lassen. In einer derart abgelegenen Gegend ist ein freundlicher Empfang stets Misstrauen erweckend (seltsam eigentlich). Wer jedoch gleich vermutet, diese Begegnung ist nur die Vorstufe für die nchste Action, der täuscht sich. Es ist die Vorvorstufe, denn Stalner ist immer für eine Überraschung gut.

Grafisch legt sich Eric Stalner einmal mehr mächtig ins Zeug. Es geht hinaus in eine ungebändigte Landschaft und Natur. Diese hat sich manche zivilisierte Behausung (wie den einstigen Wohnsitz des Grafen) zurückerobert oder aber die Menschen gezwungen, sich mit ihr zu arrangieren (wie das Dorf in den Sümpfen). Hier wimmelt es mittels der sehr feinen Striche von Stalner von Einzelheiten. Stalner, Autor und Zeichner in Personalunion, gestaltet eine verwunschene Landschaft, die mit all ihren Kreaturen (und sonstigen Bewohnern) zum Feind wird. Die Unwirklichkeit der Atmosphäre, die bewusst so eingesetzt ist, da sie auch von den handelnden Charakteren, wahrgenommen wird.

Vom Tage geht es hinaus in die Nacht, in das dunkle Blau und den Flammenschein eines Lagerfeuers und hinüber ins Unwetter und die Düsternis des Sumpfes. Die Farbgebung durch Jean-Jacques Chagnaud gibt sehr gut die jeweilige Grundstimmung der einzelnen Sequenzen wieder. Bis am Ende …

Die Atmosphäre der Handlung verändert sich. Sie wird düsterer: War es bisher Mittelalter gemischt mit Vampirismus, wird es nun phantastischer, unheimlicher. Nachdem eine neue Handlungsrichtung eingeschlagen worden ist, kann in den beiden letzten Bänden alles Mögliche geschehen. Sehr gut. :-)

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Freitag, 13. November 2009

Die Legende von Malemort 3 - Das Blutopfer

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 16:42

Die Legende von Malemort 3 - Das BlutopferDie Flucht ist gelungen, doch der Graf bleibt verschwunden. Nach der halsbrecherischen Tortur und der Verfolgung durch die Schergen der Inquisition ruhen sich die Flüchtlinge und durch das Schicksal miteinander Verbundenen in einer alten Ruine aus. Die Jagd ist, wie es sich bald zeigen wird, noch nicht vorüber. Aber endlich ist ein wenig Zeit, um in die Vergangenheit zu blicken. Wie konnte der Graf, dieser stolze Mann, zu einer blutrünstigen Bestie werden? Abhängig vom Blut der Lebenden? War es nur die Liebe und der Verlust derjenigen, die er an die Flammen der Inquisition verlor?

So scheint es. Anthea ist angerührt von der Vergangenheit des Unheimlichen. Die Verbundenheit zwischen der jungen Frau und der verfluchten Grafen wächst von Tag zu Tag. Ebenso fühlt sich Graf Colbus de Malemort noch von etwas ganz anderem angezogen: Ihrem Blut. Anthea, die eine Rückkehr des Grafen herbeisehnt, ist sich nicht bewusst, in welch großer Lebensgefahr sie schwebt. Doch der Graf weiß das Monster in sich noch zu beherrschen. Noch!

Tragisch, traurig, spannend, unterschwellig an den Nerven zerrend. Autor und Zeichner Eric Stalner macht aus der Kreatur der Nacht ein Wesen mit einer unglücklichen Vergangenheit, zerrissen von Hass, Wut und Verlust. Aus der Tragödie, die aus Graf de Malemort einen Vampir machte und ihn von der Welt der Lebenden und des Tages abschnitt, entsteht eine neue Liebe, die keine Zukunft haben kann. Eigentlich. Stalner spielt mit den Gefühlen der Menschen, die gerne einem Ziel oder einem Wunsch nachhängen, der eigentlich unerfüllbar ist. Das Thema, gerade in Hinsicht auf Vampire, ist sehr beliebt, wie auch der eine oder andere bis(s)ige Film oder Roman zeigt.

Der Beginn wirkt ein wenig wie ein Epilog zum vorangegangenen zweiten Teil. Dieser Aspekt löst sich spätestens auf, als sich die Gruppe aufteilt und Anthea allein mit dem ehemals geretteten Jungen weiter reitet. Nun wird sie zu einer Köder der Geschichte. Sie kann an dieser Stelle nicht anders als aufzufallen. Sie muss (und sie will schließlich auch) den Grafen aus seinem Versteck locken.

In seinen schnörkellosen und dennoch leicht verspielt ausschauenden Bildern spielt Stalner mit der Action, dem Horror, aber auch mit der Erotik. Anthea ist auf ihre Art unschuldig und anziehend, eine Mischung, der sich auch ein gestandener Mann, wie es der Graf ist, nicht entziehen kann. Entsprechend wohl gerundet und jugendlich ist sie gestaltet. Stalner zeichnet echte Menschen (wenn auch seine Frauen eine Spur zu stereotyp sind). Die Männer, allen voran die drei Guten sind sehr unterschiedlich. Ritter Malperthuis, der Gehilfe Arnulf und natürlich der Graf selbst. Malperthuis ist ungeschlacht, gezeichnet vom Kampf. Arnulf ist der kleine Mann, etwas pummelig, der durch sein Handeln sein Aussehen Lügen straft. Und der Graf ist schon durch seine äußere Erscheinung ein Edler. Allerdings ist da noch mehr.

Denn mit der Gestaltung des Gegenspielers, des Inquisitors Aymon de Montgarac zeichnet Stalner das Gegenstück zum Grafen. Von unterschiedlichem Alter im Aussehen könnte die beiden Kontrahenten Brüder sein. Stalner schafft durch seine Zeichnungen keine Monster, selbst bei den Bösewichten nicht. Es sind Menschen, die auch durch die Erzählung gestützt werden, ihre Schwächen offenbaren und auch die Wurzel ihres Hasses preisgeben.

Ein packener dritter Teil der Saga, dem aber anzumerken ist, dass er einen Übergang darstellt. Die Geschicke der einzelnen Charaktere werden stärker miteinander verwoben und die Weichen für neue Richtungen gestellt. Eine sehr dramatisch erzählte zweite Hälfte leitet zur Fortsetzung über. Sehr gut. :-)

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Freitag, 23. Oktober 2009

Miss Endicott 1- Die Vergessenen

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 19:31

Miss Endicott 1 - Die VergessenenEin seltsam kratzendes Geräusch hält das Ehepaar des Nachts wach. Was ist die Ursache? Miss Endicott legt sich nächtens auf die Lauer und wartet. Und siehe da: Zur vorhersagten Stunde erklingt das Geräusch wieder. Miss Endicott, die als Schlichterin die Nachfolge ihrer verstorbenen Mutter übernommen hat, findet alsbald eine Spur, doch dazu geht es erst einmal in die Gefilde unter London. Dort wartet eine Überraschung.

Die junge Miss Endicott kommt heim nach London und übernimmt die Arbeit ihrer Mutter als Schlichterin. Die Grundidee von Jean-Christophe Derrien ist schlicht, bietet allerdings bei genauer Betrachtung ungeahnte Möglichkeiten. Bliebe er bei rein menschlichen Fällen, würde er das fantastische Element außer Acht lassen, gäbe es genügend vorstellbare Handlungsfäden. Mit der Öffnung nach unten, in das Reich der Vergessenen, gibt es keine Grenze mehr.

Ein graues London: Trist, verfallen, neblig. Die Straßen sind uneben, die Wände der Häuser schief, alles ist irgendwie wackelig und sieht aus, als habe es die Abbruchreife bereits hinter sich. In diesem London bietet das Laternenlicht, die Kerze auf dem Tisch, das Feuer im Kamin etwas Wärme. Als Gouvernante hat Miss Endicott für den kleinen Kevin viel Mitgefühl übrig, als Schlichterin kommen ihr darüber hinaus noch ein großes Selbstbewusstsein und ein außerordentliches Durchsetzungsvermögen zugute. Sie weiß sich verbal ebenso wie handgreiflich zu wehren.

Dabei hat sie von Zeichner Xavier Fourquemin eine sehr schmale Gestalt erhalten, schlank und wie andere Figuren auch, puppenhaft. Es fällt schwer den grafischen Stil von Fourquemin mit anderen zu vergleichen. Hier ist durchaus ein Vergleich zu Ralf Schlüter zu ziehen, aber noch mehr finden sich die Gestaltungsmerkmale von Fourquemin mehr bei Puppen, genauer bei Marionetten. Diese Art des Designs, das häufig sehr schlanke, gezogene einer Figur, gibt dem Szenario gleichzeitig etwas Märchenhaftes. Es weckt, wenn auch unbewusst, die Gefühle, die jemand in seiner Kindheit beim Schauen der guten alten Puppenkiste hatte.

Ob absichtlich oder nicht, ob Fourquemin in seiner Kindheit ähnliche Fernseherfahrungen gemacht hat oder nicht und vielleicht daraus schöpfte, der Effekt funktioniert und gibt den Bildern eine unterschwellige Melancholie. Das ist besonders für das Thema hilfreich. Ähnlich wie bei Die Legende vom Changeling, die Fourquemin auch zeichnet, trifft auch hier eine geheime Welt auf die reale Welt (der Menschen). Hier wie dort ist ersteres vom Vergessen und damit auch vom Untergang bedroht.

Das ist durchaus düster, wie es sich für das graue London gehört, aber auch gruselig, wenn hunderte von Ratten Miss Endicott hinterher jagen. Es ist eine jugendliche Gruseligkeit, keine, die einen Erwachsenen Angst machen würde. Doch ist die Atmosphäre heimelig, schön schaurig wie ein Nightmare before Christmas oder ein Corpse Bride, beides Stop-Motion-Filme von Tim Burton.

Obwohl die Macher Franzosen sind, ist die ganze Machart etwas britisch oder auch amerikanisch skurril. Zieht man in Betracht, dass Derrien seine Examensarbeit über Twin Peaks geschrieben hat, wird die Entstehung des Hintergründigen, die Verschachtelung der vorliegenden Geschichte etwas transparenter. Die beiden Männer, die Miss Endicott hinterher laufen und schließlich zu mehr oder minder freiwilligen Helfern werden, könnten beinahe an ein Duo wie Jay und Silent Bob angelehnt sein. Der eine ist immer an Frauen interessiert und über die Maßen von sich überzeugt, der andere ist mehr die Marke Stiller Fußabtreter. Die beiden sind ein Teil des Arrangements, das wohl ausgewogen auf verschiedene Charaktere verteilt ist und sich wie ein Puzzle nach und nach zu einem tollen Bild zusammenfügt.

Feinsinnig und einfühlsam, fantastisch, wohlig schauerlich, spannend, einfach schön gezeichnet mit dem sehr eigenen Stil von Xavier Fourquemin. :-)

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