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Comic Blog


Freitag, 27. Januar 2012

Benjamin fliegt zu den Sternen

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 11:15

Benjamin fliegt zu den SternenWenn man Newton vergisst: Dann kann auch der Mond aufwärts schweben. Aber vielleicht wäre er dann gar nicht erst ins Wasser gefallen. Und es wäre nicht nötig gewesen, ihn mit einem Bindfaden am Himmel aufzuhängen. Benjamins Ansichten vom Leben, vom Lesen, vom Träumen geht in die zweite Runde. Die Schnecke ist häufig an seiner Seite, nicht immer, aber falls nötig, immerhin zur rechten Zeit. Benjamin entwickelt sich. Er sieht über seine Träume hinaus. Ab und zu vergisst er das Kindsein. Dann zeigt sich etwas Größeres, etwas, das über sogar über das Erwachsensein hinausreicht. Und wenn die Träume ihn schließlich doch einholen, die Gedanken Purzelbäume schlagen, kann man noch versuchen, ein Buch zum Fliegen zu bringen. Man sollte nur das Wort Start richtig schreiben.

Alberto Varanda nimmt sich weiterer Aspekte eines Jungen an, die zwangsläufig auf ihn zukommen: Mädchen. Ja, die auch. Aber mit denen kann Benjamin noch nicht allzu viel anfangen. Dazu ist er zu schüchtern. Manieren. Die werden von ihm verlangt. Nicht auf dem Klositz pinkeln. Nicht aus dem Mülleimer essen. Sonntags etwas bessere Kleidung anziehen. An der Seite von Benjamin kann der erwachsene Leser vielleicht einige Träume von einst wiederentdecken. Als man noch in die Wolken starren konnte und entdeckte Irgendwas.

Das ist ein wenig poetisch. Das hat nicht wenig Lebensweisheit, aber die liebenswerte, nicht die von der Sorte mit dem erhobenen Zeigefinger. Für den ist zwar die Schnecke, der kleine Freund an Benjamins Seite zuständig, aber das ist ein gnädiger Zeigefinger. Der weiß, dass er es mit einem kleinen Jungen zu tun hat. Und der weiß, dass Benjamin nicht nur ein kleiner Junge, sondern auch ein Weltenerbauer ist. Ein Junge, der auf dem Mond am Himmel schaukelt. Ein Junge, der aus einem Buch ein Fluggerät bauen kann, bei dem es auf Details ankommt. Ein viel gelesenes Buch, mit Eselsohren, sollte besser fliegen.

Zerbrechlich: So ist die Wirkung der Zeichnungen von Alberto Varanda. Feine, wie radierte Striche fügen die Figuren in vornehmlich knuffiger Unproportionalität zusammen. Seine kleinen Szenen und Geschichten entstehen, wie es notwendig scheint. Mal wirkt einfach der Malgrund als Hintergrund und die Figuren agieren wie auf einer leeren Bühne. Mal geht Benjamin in der Atmosphäre des Hintergrundes auf. Beispielhaft ist Benjamins Ausflug in einen Raum voller Bücher, der beste Bilderbuchatmosphäre besitzt, während andere Bildaufbauten eher mit klassischen Cartoonformen einhergehen, die auch bei den Peanuts zu finden sind.

Weiterhin: Einfach schön, aber etwas anders als zuvor. Eine Entwicklung ist zu sehen. Die Welt ist nicht zur Gänze aus den Träumen ausgeschlossen. Benjamin erhält neben der Schnecke weitere Spielpartner. Benjamin lernt etwas mehr, schaut genauer hin, aber seine Träume fliegen vielleicht sogar noch höher als zuvor. :-)

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Dienstag, 24. Januar 2012

Die Maxiausgabe der Minimenschen 12

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 17:02

Die Maxiausgabe der Minimenschen 12Ein böses Überwesen: Allmächtig, allwissend. Sein Name: Tchakakahn. Renaud findet sich in einer Spielewelt wieder. Vor verpixelten Hintergründen erheben sich Pixelmonster, sind Fallen aufgestellt, wollen Plattformen, Abgründe und Leitern überwunden werden. Renaud ist im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Art Spielball geworden. Doch um sein Leben zu retten, bleibt ihm keine andere Wahl. So begibt er sich auf einen Parcours, der ihm alles abverlangt. Durchhaltevermögen und Geschicklichkeit sind gefragt bei allem, was ihm in den Weg geworfen und geschossen wird. Schließlich wird es immer abstruser. Sogar seine Freunde treten ihm in verpixelter Form entgegen. Renaud war bereits oft in Gefahr, doch dies könnte wirklich sein Ende bedeuten …

Das ist es natürlich nicht. Aber bei Pierre Seron weiß man nie so recht, was vielleicht noch geschehen wird. Der Erzähler und Zeichner der Minimenschen macht was er will, Hauptsache, es macht Spaß. Im Interview im redaktionellen Teil der vorliegenden 12. Ausgabe der gesammelten Abenteuer der Minimenschen berichtet Seron von seinen Vorlieben, die merkwürdigerweise mehr auf Seiten von Architektur als auf den Entwürfen von Flugobjekten liegen. Diese Feststellung erscheint angesichts von Serons Fertigkeiten in diesem Bereich unwahrscheinlich, sind doch die Grafiken realer Vorbilder (häufig Jagdflugzeuge aus dem 2. Weltkrieg) wie auch die Eigenkreationen der Fluggeräte der Minimenschen nicht nur sehr genau gezeichnet, sondern bei letzteren auch schöne Beispiele für Fantasie im Comic.

Wie auch immer Seron über seine Arbeit denken mag, betrachtet man die hier drei abgedruckten Abenteuer Melting pot, 20.000 Meilen unter der Erde und Schönes Fest, Mama! wird sein ungeheurer Einfallsreichtum sehr schnell sehr deutlich. Dadurch, dass ihm nach eigener Aussage auch keine (oder kaum) Grenzen während des Ersinnens und Erzählens auferlegt werden, entstehen nicht nur immer neue Abenteuer im Lande der Minimenschen, manchmal bricht er auch aus gewohnten Erzählformen aus. So entstehen nicht nur besagte Nachahmungen von Jump-And-Run-Spielen, sondern auch Abschnitte, in denen der Leser direkt und ohne Umwege angesprochen wird. Auf den ersten Blick ist dies ungewöhnlich, auch gewöhnungsbedürftig, doch gerade dieses Ausprobieren, immer mit der nötigen Portion Schalk im Nacken, ist ein Garant für die Langlebigkeit der Serie. Denn so lässt sich nie vorhersagen, was möglicherweise Serons nächster Einfall sein wird.

Glück und Glas: Ersteres braucht Renaud ganz dringend, letzteres kommt ihm nämlich in die Quere, nur ganz anders, als vielleicht angenommen. In bester Abenteuermanier eines Jules Verne verschlägt es Renaud unter die Erde, wo es ziemlich persönlich wird. Renauds gespanntes Verhältnis zu Cedille, einer Blondine, die sich immer und überall ungefragt einmischt, ist den Fans der Reihe sattsam bekannt. Seltener kommt Renauds Familie zum Einsatz. So wir aus einer Geschichte, die ein wenig wie eine Gruselgeschichte beginnt, später eine Rettungsaktion mit haarsträubenden Situationen, in den Seron von Seite zu Seite Spannung und Humor bündelt. Seltsame Feinde, nervige Freunde (siehe Cedille) und ein über die Maßen anstrengender Vater sorgen für einen leicht wirkenden Humor.

Hotel Mama: Oder auch: Kleiner Mann ganz groß. Renaud hat es nach den ganzen Aufregungen erst einmal ins heimatliche Nest verschlagen. Seine Mutter, die nichts von seinem Minileben ahnt, überreicht ihm alsbald eine Postkarte aus Eslapion, der Heimatstadt der Minis. Renaud wird gerufen, nicht ahnend, dass er in eine Falle läuft. Bei Pierre Seron gewinnt im folgenden Abenteuer das kleine Wörtchen Fremdgesteuert eine völlig neue Bedeutung. Nach den Tiefen der Erde, den Einfällen, die starke Fantasy-Tendenzen aufwiesen, jongliert Seron in der dritten Episode des Sammelbandes mit Thrillerelementen, wie sie auch schon der bekannteste Geheimagent der Welt vorweisen konnte. Entsprechend könnte eine Amokfahrt mit einem Panzer als Verbeugung vor Mr. Bond verstanden werden, erinnert sie doch stark an die Sequenz aus Goldeneye. Darüber hinaus ist da Spiel mit einem alten Feind der Minis noch so ideenreich, dass hier die Spannungsentwicklung noch gelungener ist, als in den beiden vorherigen Abenteuern.

Sehr vielfältig, sehr abwechslungsreich: Fast wünscht man sich eine filmische Umsetzung der Minis. Der Einfallsreichtum der Serie wird von Seron einmal mehr zu neuen Höhen getrieben. Indem er sich keine Grenzen setzt, kann es zu jener wunderbaren Episode im Reich der Computerspiele kommen. Slapstick, Albernheiten, leichter Humor, Spitzfindigkeiten, aber auch Spannung in Serie finden sich in dieser vorbildlichen Comic-Unterhaltung. :-)

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Dienstag, 10. Januar 2012

Benjamin angelt sich den Mond

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 19:50

Benjamin angelt sich den MondEin Junge und sein Haustier: Eine Schnecke. Es kann nicht sicher sein, ob Benjamin tatsächlich ein solches Haustier hat. Vielleicht bildet er es sich auch nur ein. Tatsache aber ist, dass die Schnecke ein ziemliches schlaues, bisweilen sogar weises Tier ist, dessen Gesellschaft für den aufgeweckten Jungen ein echter Glücksfall ist. Benjamin, der in der Schule lieber träumt, auch Schmetterlinge beobachtet, während die anderen fleißig lernen, hat seinen eigenen Kopf und seine eigenen Ideen. Seine Vorstellungskraft ist möglicherweise größer als die von anderen Kindern. In jedem Fall besitzt er neben dieser Gabe auch noch ein nicht minder großes Herz.

Alberto Varanda hat mit Benjamin eine klassische Jungenfigur geschaffen, im besten Sinne einen Lausbuben, der in einem Stapel Gerümpel liegen und sich vorstellen kann, er liege inmitten von Monden und Sternen. Benjamin ist eines jener Kinder, die Fragen über Fragen haben, die sich auch ihre Antworten mit kindlicher Logik selber geben und manchmal auch eine echte, bittere Antwort bekommen. Für diese Rolle, der des Ratgebers, des sehr geduldigen Zuhörers, ist die Schnecke auserkoren. Varanda hätte sicherlich auch ein anderes kleines Tier wählen können, doch mit der sehr vereinfachten Mimik, einem sehr trockenen Humor folgt er deutlich dem alten Leitsatz: Weniger ist mehr.

Benjamin: Das ist ein kleiner Junge mit großen Augen, einem runden Kopf und wirrem Haarschopf. Sein kleiner Körper steckt in viel zu großer Kleidung und kleinen Schuhen. Obwohl die Ansicht der kleinen Episoden optisch nostalgisch anmutet, ist Benjamin ein moderner Junge. Wirkt die Schule auch, als sei sie noch der Phantasie eines Mark Twain entsprungen, sind Benjamins Interessen auch bei Batman und Astronauten zu finden. Halloween und Sport mag er, aber eines, das ist auch durch den Üntertitel des ersten Bandes zu vermuten, mag er ganz besonders: Die Sterne und den Mond.

Die grafische Qualität des Titelbildes ist hier durchgehend zu finden: Sehr feine Striche, sehr weiche Farbaufträge, leichte Verläufe und eine konsequent durchgehaltene sepiafarbene Grundtönung, die das nostalgische Flair der kleinen Episoden verstärkt. Manchmal zeichnet Varanda seinen Benjamin vor einer Landschaft, einem Gemüsegarten, manchmal vor einem Küchentisch, auf einer Laufbahn oder auch vor einer leeren weißen Fläche. Es sind kleine Sketche, Komödie und Tragödien, Träume und Gedanken. Manchmal genügt nur ein Bild, an anderer Stelle stellt er die Bilder klassisch in Reihe oder er wählt als Stilmittel eine Forma der Collage.

Das ist meist heiter, selten traurig, weniger selten nachdenklich und stets irgendwie freundlich und putzig. Varanda weiß zweifellos, welche Wirkung er mit seinen kugeligen Knuffelfiguren erzeugen kann. In gewisser Weise könnte Benjamin auch von den Peanuts inspiriert sein. Varanda arbeitet jedoch viel penibler als ein Charles Schulz.

Manchmal gibt es Geschichten oder auch Figuren, ganz gleich in welchem Medium, im Roman, Film oder wie hier im Comic, die sieht man und es ist einfach schön. Die genießt man einfach. So ist es mit Benjamin. Einfach aufschlagen, in Häppchen genießen oder gleich komplett. Einfach schön. :-)

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Montag, 09. Januar 2012

Mazehopper - Die fünfdimensionale Karte

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 19:46

Mazehopper 1 - Die fünfdimensionale KarteEin Labyrinth macht vor allem eines: Es reizt zum Entkommen. Dieser Reiz ist umso höher, je mehr seine Bewohner im Wissen ihr Leben fristen, dass es daraus kein Entkommen geben soll. Dieses ganz besondere Labyrinth, um das es hier geht, wurde über viele Jahrhunderte hinweg von Kobolden gebaut. Es ist riesig, unüberschaubar. Dennoch gibt es immer wieder Bewohner des Labyrinths, durch Zufall darin gefangen, die sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden wollen und den Ausbruch wagen. Die Kobolde lassen keinen Ausbruch zu. Jeder, der es versucht, wird gnadenlos verfolgt. Denn, so lautet die Legende, wird nur ein Ausweg gefunden, bedeutet dies das Ende des Labyrinths.

Die Freunde Yunoni, Mazoo und Merdo, die in einem Drachenei leben, vom Labyrinth umgeben, erhalten eine Botschaft, die sie dazu auffordert, sich auf die lange Reise zu begeben, die sie hoffentlich aus diesem Irrgarten herausführen wird. Bereits nach kurzer stellen sich erste Ermüdungserscheinungen ein, wird ihre Geduld auf eine große Probe gestellt, da der Ausgang nicht nur nicht leicht zu finden ist, sondern anscheinend alles und jeder ihnen sie aufhalten will. Bis auf Heikki Looper, ein Hase, der sowieso schon auf der Jagdliste der Kobolde steht.

Der Weg ist das Ziel: Einmal losmarschiert gibt es nicht nur kein Zurück mehr, das Abenteuer ist ebenfalls auch nicht mehr aufzuhalten. Christoph Pirker schickt drei kleine, koboldhafte Hundchen in ein Cartoon-Fantasy-Abenteuer. Die drei Burschen sind peppig, fast modisch gekleidet und sehr reduziert dargestellt. Große Köpfe, kurze Arme, kaum sichtbare Beine, dafür umso größere Hasenfüße: So präsentieren sich die Helden auf der Flucht und sind so noch etwas ausführlicher gezeichnet als der Hase, der mit seinen riesigen Augen, den markanten Zähnen (ohne Nase) fast ein futuristisches Element einbringt.

Hier ist Knuffigkeit Trumpf. Christoph Pirker zeigt, dass es noch kleiner geht, knuffiger, wenn man so will. Er führt dem Leser die Chibis, die letztlich wie kleine Kissen mit Kriegsbemalung, Armen und Beinen sowie Bewaffnung aussehen. Wäre die Strichführung etwas genauer, im Vektorenstil, der heutzutage in manchen Cartoonserien so populär ist, würden sich die Mazehoppers stilistisch, aber auch durch ihren leicht anarchischen, aber auch nostalgischen Erzählstil dort nahtlos einreihen.

Sobald die drei Abenteurer nämlich auf die Hexe treffen, fühlt man sich ihre guten alten Verwandten aus den ebenso alten Cartoons erinnert: Mit grimmiger Augenpartie, kräftigem Kiefer (aber wieder ohne Nase). In dieser Sequenz passt sogar der Ablauf zu jenen Helden von einst, die sich eher unabsichtlich in eines dieser krummen Hexenhäuser verirrten und Gefahr liefen, dort verspeist zu werden.

Spaß und Abwechslung für junge Leser, frech und kurzweilig. :-)

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Mittwoch, 04. Januar 2012

Gastoon 1 - Neffenalarm!

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 19:45

Gastoon 1 - Neffenalarm!Gastoon hat mit seinem Onkel Gaston sicherlich einen Charakterzug gemeinsam: Beide sind ungeheuer findig. Aber: Beide überschauen nicht immer die Konsequenzen ihres Erfindungsreichtums. Wer ärgerte sich noch nie über den Regenschirm, den der Sturm in alle Richtungen knickte und so keinerlei Nutzen mehr gegen den Regen brachte? Gastoon hat eine kleine Erfindung gemacht, die dagegen hilft. Allerdings: Das ist so eine Sache mit den Nebenwirkungen von Erfindungen. Hier wird leider Gastoons Freundin Jasmin vom Wind davon getragen. Ohne nennenswerte Folgen, versteht sich, denn bald schon ist sie wieder mitten unter der versammelten Rasselbande, die den Erwachsenen das eine oder andere Mal das Leben schwer macht.

Die lieben Kleinen: Ob es nun Spirou, der kleine Lucky Luke oder hier ein kleiner Gaston ist (sicherlich ist es der Neffe, doch die Ähnlichkeit legt den Schluss einer anderen Konzeption nahe), sie stehen in Sachen Unsinn machen ihren erwachsenen Vorbildern in Nichts nach. Im Gegenteil: Mit kindlicher Leichtigkeit wird hier so manche erwachsene Regeln ausgehebelt und ein Feuerwerk an Gags losgelassen.

Jean Leturgie kennt den Western aus dieser Sicht bereits (Lucky Luke). Sein Sohn Simon Leturgie hat hier den Zeichenstift übernommen. Die beiden Comic-Macher können bereits auf eine Zusammenarbeit im Bereich Comedy zurückschauen. Waren es bei Spoon & White amerikanische Cops, sind es hier Schulkinder, die jeweils auf einer Seite lustige, abenteuerliche und manchmal (aus Erwachsenensicht) haarsträubende Episoden erleben. Verknüpfungen der einzelnen Szenen entstehen durch Figuren wie den Lehrer Lämmerhirt, den Parkwächter und andere, die den Kindern ihre Jugend meist nicht erleichtern.

Aber auch Orte, Gerätschaften oder Erfindungen verschachteln die kleinen komödiantischen Einlagen von Gastoon und seinen Freunden. Erfindungen von Gastoons Onkel (z.B. die berühmte Harfe!), Tischkicker, der Park oder auch ein Schulausflug bilden die Grundlagen für einen Spaß nach dem anderen, nicht nur für eine liebevolle Erzählung, einer Verbeugung von dem Cartoon sondern auch vor Gaston Lagaffe, einer der Comicfiguren, mit der sich Andre Franquin in den europäischen Comic-Olymp zeichnete.

Entsprechend wird auch die Zeitlosigkeit der Vorlage aufgegriffen. Neuere Themen, die Kinder mitunter in Verzückung ausbrechen lassen (wie alles, was irgendwie medial ist), findet hier nicht statt. Gastoon und seine Freunde beschäftigen sich mit Spielen auf den Straßen, im Schnee, sie feiern Weihnachten, machen natürlich Blödsinn (absichtlich und unabsichtlich), sie spielen Streiche (absichtlich) und sind zu jeder Zeit liebenswert (für den Leser, ein Lämmerhirt sieht das ganz anders). Da wird Pirat gespielt, sogar Mädchen dürfen dabei sein, allerdings, um die Wäsche der Piraten zu waschen und zu flicken. Und echte Jungs lassen sich durch umweltbewusste Hinweise der Mädchen (von Jasmin) nicht verrückt machen. Popcorn von genbehandeltem Mais kann zu Mutationen führen? Dann her mit dem Zeug!

Simon Leturgie besitzt den klassischen Cartoon-Strich. Kleine schmale Körper, mit einem Kopf versehen, der proportional gesehen ebenso groß ist wie der übrige Krper. Neben dem ovalen Kopf mit den großen Kulleraugen finden sich auch die zylinderförmigen Köpfe, Kugeln, Knopfaugen, Hasenzähnchen, kurzum, es finden sich alle Merkmale, die bereits ein Franquin so exzellent einsetzen konnte und an denen sich Simon Leturgie trefflich orientiert. Der Comic-Fan wird in den kleinen Gesichtern so manche Ähnlichkeit zu erwachsenen Pendants von einst wiedererkennen.

Da hüpft nicht nur Gastoon auf seinem Ball vorüber, da hüpft das Zwerchfell vor Lachen gleich mit: Der Neffenalarm ist ein sehr guter Auftakt, der sich nahtlos in den Humor von Gaston einreiht und optisch perfekt das große Erbe antritt. Wer mit klassischem frankobelgischen Humor unterhalten werden möchte, liegt hier richtig. :-)

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Montag, 19. Dezember 2011

CÄSAR Gesamtausgabe

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 19:58

CÄSAR GesamtausgabeEine Putzfrau ist nicht leicht zu finden: Es gibt welche, die glauben, Cäsar sei als Arbeitgeber nicht gut genug, weil ihm eine gewisse Hochherrschaftlichkeit fehle. Und das Aussehen. Andere glauben ihre Zeit mit dem Rauchen von Zigarren verbringen zu können, da eine ausgedehnte Pause nun einmal dazu gehöre. Aber schließlich findet Cäsar Felicitas, eine wahre Perle. Auf ihre Art. Sie ist nicht weniger frech als die anderen, die sich vorgestellt haben. Doch immerhin kann Cäsar ihr etwas parieren. Es entsteht eine Beziehung mit sehr viel Reibung. Eine Zuneigung ist spürbar, nur scheint jeder der beiden bemüht, diese so gut es eben geht zu unterdrücken.

Heutzutage hätte Maurice Tillieux vielleicht noch einen weiteren Beruf als Autor für Comedy-Serien. Denn bei genauer Betrachtung ähnelt die Konzeption von Cäsar mit den wenigen Nebenfiguren jenen einer Comedy-Serie mit wiederkehrenden Charakteren. In lose verknüpften Episoden erzählt Maurice Tillieux aus dem Leben des Grafikers Cäsar. Dessen Leben könnte ein ruhiges sein, gäbe es nicht die Nachbarn, die ihre kleine Tochter Effi zu ihm schicken, damit er auf sie aufpasst. Cäsar, ein Pfeiferaucher, schlank zwar, aber nicht sportlich, eher gemütlich, muss erleben, wie es ein aufgewecktes Kind schafft, seine behagliche eingerichtete Welt in krzester Zeit einzureißen.

Effis Vater, Polizist Knöllchen, versteht nicht viel Spaß. Beruflich versteht er keinen und wenn es Cäsar nicht gelingt, angemessen auf Effi aufzupassen, hört der nicht vorhandene Spaß sogar ganz auf. Ist Effi die findige, quirlige, aber liebe, ist Knöllchen der aufbrausende, sehr bodenständige Beamtentyp, fast eine französischbelgische Version des Münchners im Himmel (ohne zu frohlocken). Mehr Raum nimmt Felicitas ein, die eigentlich bei Cäsar sauber machen soll, aber eher geneigt ist, sich darüber zu beschweren, dass es bei ihm daheim so schmutzig ist.

Ohne Worte verbreitet Cäsars Auto einen gewissen Witz. Das Wetter im Urlaub (stets schlecht) ist ein Running Gag. Und gestaltet sich das Wetter gut, dann stimmt etwas anderes nicht. Als wäre das noch nicht genug Ungemach, gibt es noch die Vertreter, die Cäsar immer abzuwimmeln versucht, aber doch scheitert: Entweder wegen seiner Gutmütigkeit oder ihrer Hartnäckigkeit. Die mit leichter Hand getuschten Zeichnungen, in klassischer Schule, wie sie der Leser von Jeff Jordan, Lucky Luke oder Asterix her kennt, nehmen den Leser schnell für Cäsar ein.

Mögen die Spiele beginnen: Maurice Tillieux bringt seine Charaktere in Stellung und feilt an Witzen. Er setzt die Abschlusspointe oder lässt den Sketch komplett wirken, als kleine humorige Geschichte. Mehr als eine Seite stand ihm nie zur Verfügung. So erzählte er Variationen einer Geschichte, die auf die Leser der Zeitschrift, in der Cäsar erschien, wie eine Fortsetzung wirken konnte, ohne für Neulinge den Einstieg zu erschweren. Tillieux ist mit seinen Sketchen zu keiner Zeit gemein. Sicherlich erleichtert er Cäsar das Leben nicht gerade, doch das ist Cäsars Aufgabe. Allerdings kommt Cäsar meistens mit einem blauen Auge davon.

Großherzigkeit wird dem Grafiker manchmal regelrecht zum Verhängnis. Eines der besten Beispiele ist sein Verhältnis zu Wachtmeister Knöllchen. Im Wagen sitzend am Straßenrand hört sich Cäsar das Liebesleid von Knöllchen an, bis diesem auffällt, dass Cäsar im Halteverbot steht und somit eine Verwarnung fällig wird. Über allem Liebeskummer darf die berufliche Pflicht nicht vergessen werden. Wie alle Cartoon-Figuren ist Cäsar ein Stehaufmännchen von hoher Leidensfähigkeit. Im redaktionellen Teil wird über die Angst der Zeichner und Szenaristen berichtet, einfallslos vor einem leeren Blatt zu sitzen, während der Abgabetermin immer näher rückt. Davon ist bei Tillieux nichts zu spüren.

Die Variation eines Sketches mag zwar wie ein Weg wirken, eine ideenarme Zeit zu überbrücken, doch selbst diese (man beachte hier die kleine Reihe, in der Cäsar versucht, eine Geschichte im Radio bis zu ihrem Ende zu hören) sind so ausgefeilt, auch liebevoll und zeitlos erzählt, so dass Tillieux gleich morgen wieder ins Geschäft einsteigen könnte.

Ein Gag-Feuerwerk: Der pralle Band fasst sämtliche erschienenen Cäsar-Geschichten zusammen. So entsteht ein schönes Bild eines Cartoon-Lebens und zeigt ebenfalls das überdurchschnittliche Talent von Maurice Tillieux. Humor in vielen Variationen, immer intelligent, zeitlos, genau die richtigen Geschichten, um die kalte Jahreszeit zu überbrücken. :-)

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Sonntag, 11. Dezember 2011

Der kleine Spirou 15 - Halt dich gerade!

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 20:01

Der kleine Spirou 15 - Halt dich gerade!Quasigrodo sieht nicht so aus, aber er ist ein ganz schlauer Kerl. Er versteckt sich mit Eleganz und Wonne hinter seiner äußeren Erscheinung und gibt seinem Pfarrer den Quasigrodo, den dieser in der verirrten Seele sehen möchte. In Wahrheit aber nutzt Quasigrodo seine Situation gehörig aus und überrascht damit den kleinen Spirou, der ansonsten nie um eine Antwort verlegen ist und hier nun sprachlos auf das Ergebnis von Quaisgrodos Schläue blicken kann. Andere würden es vielleicht Durchtriebenheit nennen oder notwendiges Durchsetzungsvermögen. Gerade von letzterem herrscht in Spirous Familie allgemein kein Mangel. Der kleine Spirou selbst ist findig und seine Oma … nun, der kommt man besser nicht in die Quere, sollte man anderer Meinung als sie sein. Bei ihr gehen Tatkraft und Schlagkraft Hand in Hand.

Mit Zeichnern macht man keine Späße: Besonders dann nicht, wenn man als gezeichnete Figur in einer gewissen Abhängigkeit zu diesem Berufsstand steht. Für diese Kindereien, wie es im Vorfeld tatsächlich heißt, ist außer Janry (Autor) und Tome (Zeichner) noch Dan mitverantwortlich. Es macht schon einen großen Unterschied, auf welchem Papier eine Figur gezeichnet wird, wie sicher die Striche sitzen, wie gut getuscht und koloriert wird. Wenn die Figuren sich allerdings beschweren, wird ihnen kurzerhand das Wort entzogen. Doch der 15. Band der Reihe Der kleine Spirou bewegt sich mit seinen Geschichten meistens in der wirklichen Welt und weitaus weniger abstrakt.

Der kleine Spirou hält Charaktere bereit humorvoll sind, auch cholerisch wie Turnlehrer Jahn, skurril wie Quasigrodo, senil, aber vor allem in vielerlei Hinsicht auch herrlich normal. Zuletzt genannte Figur, Quasigrodo, leitet mit der Beschreibung seines Lebenslaufes den Band ein. Von der Schule bis zu seiner letzten Anstellung als Gehilfe in einer Kirchengemeinde begegnet der Leser der an die dramatische Figur des Quaismodo angelehnten Quasigrodo als Spross eines überaus kapitalistischen Systems, der schließlich zu Fall gebracht wird. Janry flechtet frech aktuelle Probleme der Weltwirtschaft ein, vermischt es mit Klamauk, während Tome es mit einem doppelten Augenzwinkern serviert.

Bereits der kleine Spirou hat Probleme oder auch Leidenschaften, die sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. Frauen sind bereits ein Thema. Ehrgeiz und Leistungsdruck, auch das Mogeln werden auf besondere Weise thematisiert und sei es nur, wenn das Geschäft auf dem Töpfchen zu ganz besonderen Höhenflügen reizt. Hier kommen der formulierte Witz von Janry wie auch die von Tome gezeichneten Ausdrücke zu einer hinreißenden Mixtur zusammen. All dies bewegt sich auch innerhalb der Pagenfamilie, so dass der Leser einen zusätzlichen Einblick in den Stammbaum des kleinen Spirou erlangt. Sofern er neben Lachen und Schmunzeln dazu kommt.

Tome gelingt in scheinbar gestauchten, verzerrten Figuren Ausdruck und Haltung zu vereinen, so dass bereits hier viel an Humor herauszulesen ist, ohne auch nur ein Wort aufgenommen zu haben. Gerade bei den Kinderfiguren zeigt sich Tomes Talent mit kleinen, präzisen wie intuitiven Strichen seinen Sketchaufbau Papier zu bringen. In manchen Sequenzen beweist er so auch den sehr menschlichen, sprachübergreifenden Humor, wenn Janry auf Dialoge oder Erklärungen verzichtet.

Als Antipathieträger sticht einmal mehr Turnlehrer Jahn hervor, eine Lehrerfigur, die sicherlich jeder einst (oder noch) in einer verwandten Form vorweisen kann. Großmäulig, der geborene Besserwisser, mehr Forderer als Förderer und neben seiner Tätigkeit als Lehrer kulinarischen Genüssen nicht abgeneigt. Das äußerst sich jedoch meistens in übermäßigem Trinken und Essen und wirkt alles andere als genießerisch. Janry verwendet Jahn gerne in slapstickhaften Situationen, so auch hier im Zoo, als übereifrigen Helfer (Thema: Besserwisser) oder als hilflosen Autofahrer vor einem Garagentor (Thema: Choleriker).

Ein Feuerwerk der Späße, ein besonders schönes diesmal, mit neuen Ideen, mit großer Spielfreude der Darsteller vorgeführt (was natürlich Tome zu verdanken ist, der hier zur Hochform aufläuft). Wer an trüben Wintertagen lachen will, liegt hier richtig. :-)

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Mittwoch, 23. November 2011

Onkel Dagobert - Milliardenraub in Entenhausen

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 20:14

Onkel Dagobert - Milliardenraub in Entenhausen - Taler in GefahrZutritt verboten! Wäre es doch so einfach. Würde doch ein simples Verbotsschild genügen. Sollte Onkel Dagobert denken, wenn ihm die aberdutzenden Male einfallen, während derer die Panzerknacker oder auch Gundel Gaukeley versucht haben, in den Geldspeicher vorzudringen und entweder sein gesamtes Hab und Gut zu stehlen oder nur den Glückstaler. Es ist den beiden Autoren und Zeichnern Carl Barks und Don Rosa zu verdanken, dass genau dieses nicht geschehen ist. Hier sind die Taler in Gefahr, allerdings, man hätte es kaum angenommen, ist es ausgerechnet Donald Duck, der dem Geldspeicher zuerst zusetzt.

Das Innere, der riesige Geldpool, den Onkel Dagobert, der Selfmade-Milliardär, so gut kennt wie seine Westentasche, sieht nur auf den ersten Blick ungeordnet aus. In Wahrheit weiß der alte Unternehmer genau, wo welche Geldstücke verborgen sind und er weiß auch noch genau, wann er sie verdient hat. Für Onkel Dagobert ist ein Geldstück ein Geldstück. Sammler konnte er noch nie verstehen. Für ihn hat ein Geldstück immer seinen Nennwert. Donald, der sich nun den Lohn selbst aus der gigantischen Menge an Geldstcken heraussuchen darf, richtet ein ebenso groes Chaos an. Dies ist der Beginn einer Geschichtensammlung, die für alle Beteiligten unterschiedliche Auswirkungen hat.

Onkel Dagobert am Rande des Nervenzusammenbruchs? Zeitweise wenigstens. Manches, was er sich überlegt, wirkt zuerst wie eine gute Idee. So ruft er zum Beispiel auf dem Hügel, auf dem sein Geldspeicher steht, einen eigenen Staat aus. Nie wieder Steuern! Aber was tun, wenn ringsum ein anderer Staat auf seine Rechte pocht? Der Geldspeicher ist ein gewaltiges Labyrinth, wie es sich erweist. Zeitweilig kommen die Panzerknacker hinein, nur die Sache mit dem Heraus wird zum Problem. Aber es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten.

Sind es gerade Erfindungen, die Onkel Dagobert dabei helfen, seinen Reichtum zu schützen, so sind es ebenfalls Erfindungen, die den Panzerknackern dabei helfen, den Geldspeicher zu knacken oder sich auf einfallsreiche Weise einen Weg nach drinnen zu bahnen. Infolge der auf 400 Seiten versammelten Geschichten ist ein Überblick in aller Kürze kaum möglich. Höhepunkte gibt es allemal. Carl Barks brilliert mit einer Ursprungsgenialität, zu der Don Rosa auch aufschließt, indem er Bezug auf Barks nimmt oder Szenarien entwickelt, die von einer überschäumenden Komödie durchzogen sind.

Alles schwer verquer. So lautet der Titel eines Paradebeispiels für Rosas Genialität. Gundel Gaukeley versucht einmal mehr, in den Besitz des Glückstalers zu gelangen. Da Zauberei ihre Sache ist, hat sie sich etwas Neues ausgedacht: Plötzlich zieht die Schwerkraft für Dagobert und Donald aus einer Himmelsrichtung, horizontal. Das Resultat bedeutet für die Handlung Slapstick pur. Alles ist nun möglich und Don Rosa kostet, wie auch an vielen anderen Stellen, dies genüsslich aus.

Das Prinzip einer Kettenreaktion wurde schon von Carl Barks angewendet, sicherlich zumeist noch verhaltener. Ein Diamant bringt Unglück und löst eine Kettenreaktion aus. Geldscheine sind im Salat versteckt und müssen mühsam wiedergefunden werden. Oder Gundel Gaukeley erfindet einen Zauber, mit dem sich Gesichter vertauschen lassen. Hier gibt Barks eindeutig einen Spaßfaktor vor, den Rosa inzwischen auch erreicht hat.

Es ist die ungeheure Leichtigkeit des Humors, der selbst ältere Leser in seinen Bann ziehen kann. Das ist originell, unverbraucht, auch experimentierfreudig. Die geschilderten Abenteuer verwenden eine liebevolle Erzählweise, sie sind stellenweise rasant, auch sehr spannend, wenn man für den Moment zu vergessen scheint, dass es sich um gezeichnete Enten handelt. Zu keiner Zeit kann oder mag man ihnen böse sein (wenn Onkel Dagobert wieder einmal über Gebühr knausert oder auf sein Recht beharrt, kann man als Leser mitunter etwas grummeln, das ist jedoch nicht von Dauer).

Der magische Tunnel: Wieder ein Titel, wieder von Don Rosa. Eine kleine Ausgangssituation, ein Tablett, dessen spiegelnde Fläche eine Art Sprungtor zwischen Geldspeicher und Hexenhaus ist, führt zu Szenen, die noch irrer (im besten Sinne von Unterhaltung) sind als jene Einfälle, die sich im Abenteuer mit der verqueren Schwerkraft finden.

Zwei Meister: Carl Barks und Don Rosa erzählen von einem alten Enterich und seinen Milliarden und wie schwierig es ist, diese zu behalten. Ein wunderbares Lesevergnügen, wie immer für die Jungen und die Junggebliebenen, tolle komödiantische Erzählkunst, liebevoll gezeichnet. Zeitlose Klassiker mit ebensolchem Humor. Toll! :-)

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Dienstag, 22. November 2011

Das Schattenreich von Troy

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 10:23

Das Schattenreich von TroyDyssery will nicht heiraten. Sie möchte Schauspielerin sein. Allerdings sind Frauen keine ernsthaften Schauspielerinnen. Frauenrollen werden auf der Bühne von Männern gespielt. Und die Frauen, die sich Schauspielerinnen nennen, sind für gewöhnlich auf nur eine einzige Rolle fixiert und überhaupt nicht gesellschaftsfähig. Dyssery sieht nur einen Ausweg aus dieser misslichen Lage, in der sie mit einem ungeliebten Ehemann vermählt werden soll: Den Freitod. Leider bewahrheitet sich hier für Dyssery das geflügelte Wort, das schon häufig bemüht wurde: Das Ende ist nur der Anfang.

Christophe Arleston und Audrey Alwett erzählen, nein, sie entführen den Leser in bisher unbekannte Gefilde, nämlich die Hölle, genauer noch das Schattenreich von Troy, wo alle religiösen Vorstellungen Troys Realität werden. Da dieses Universum eines ist, das mit ziemlichem Humor erzählt wird und fortwährend wächst und neue lustige Ideen präsentiert, ist es keine Frage, dass das Schattenreich auch kein Hort von Traurigkeit ist. Virginie Augustin, die schon den Mehrteiler gestaltete und dabei eine Mixtur aus Manga und Zeichntrickflair verwendete, hat hier ihre Technik etwas verändert.

Ihre sehr feinen, fast zerbrechlichen Figuren sind immer noch erkennbar, doch es eine Strichführung hinzugekommen, wie sie auch ein Guy Davis (B.U,A.P.) verwendet. Die Tuschestriche wirken exakt und intuitiv gezogen gleichermaßen. Das oft herangezogene organisch für dergleichen Stilistik trifft es auch. Augustin arbeitet gerne mit Ausdrücken und Haltungen. Nur Nuancen sind nötig, um einen Eindruck zu erzielen, der sofort erkannt und verstanden wird.

Im Schattenreich selbst kann sich Virginie Augustin so richtig austoben. Nicht nur, dass die Autoren Arleston und Alwett mit ähnlich anarchischen Humor zu Werke gehen wie Alain Ayroles (Garulfo), sie legen sich auch keine Grenzen auf. Mumien, Untote, Werwölfe, Vampire, alle Arten von Dämonen und Legenden scheinen in diesem Schattenreich lebendig zu werden. Selbst Einflüsse von Disneys Werken sind mit dem augenscheinlich winzigen Zebl zu finden, der aber entgegen einer familienfreundlichen Abendunterhaltung auch ein leicht frivoler fliegender Zwerg ist. Er und Dyssery bilden allein optisch ein sehr ungewöhnliches Duo, manchmal eine fast freundlich lästerliche Hommage an Luke und Yoda.

Zeichenstil: Ungezwungen. So ließe sich die Technik von Augustin auch bezeichnen. Da ist sicherlich alles geplant und organisiert (wie Entwurfszeichnungen belegen), dennoch entsteht der Eindruck einer Erzählung, die während des Schaffens entsteht und die erst dann ihr Ende findet, wenn sich das Ende auch gut anfühlt. Die verschiedenen Abschnitte der Handlung, Dysserys Art, sich im Tal der Schatten zurecht zu finden und der Weg ihres Witwers, vom Willen getrieben, seine Braut von den Toten zurück zu holen, wimmeln nur so von skurrilen Einfällen. Wann war der Wächter zur Unterwelt jemals ein riesenhafter Igel? Wann gab es in der Hölle Theateraufführungen? Oder wann war ein skelettiertes Wollnashorn ein Reittier?

Troy hat sich bereits mit vielen fantastischen Erzählrichtungen angefreundet. Auf Troy ist alles möglich, so verschiebt sich die Ansicht dieser Handlung (und dieser Landstriche) ins Asiatische hinein und imitiert auch die fragilen Zeichnungen jener großen Region. Der berühmte Pinselstrich findet sich hier zwar nicht, eher eine Cartoon-Version der Unterwelt wie sie Eric Liberge mit Monsieur Mardi-Gras zeigte.

Eine in sich abgeschlossene Geschichte aus dem Troy-Universum, ohne Vorkenntnisse verständlich, mit schönem Witz erzählt, hinreißend comic-artig gezeichnet und einer feinen Fantasy-Note versehen. Perfekte Comic-Unterhaltung. :-)

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Montag, 21. November 2011

Die Schlümpfe - Schlumpfereien 2

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 17:30

Die Schlümpfe - Schlumpfereien 2Ein Schlumpf kann in viele Verkleidungen schlüpfen. Als Biene Maja, im zarten Bienenkostüm fällt ein Schlumpf nicht nur durch seine Größe auf. Allerdings ist es nicht gerade dieser Unterschied, der die Bienen auf den nach Honig süchtigen Schlumpf aufmerksam macht. Kleine und große Missgeschicke, aber auch gut eingefädelte Streiche stehen in der zweiten Ausgabe der Schlumpfereien im Mittelpunkt. So klärt sich endlich die Frage, wie Papa Schlumpf ohne Bart aussieht. (Nun, beinahe jedenfalls.) Und in einem besonders schönen Einseiter, der ohne Worte auskommt, lässt sich erkennen, dass die Feuersteins nicht die einzigen Comic-Figuren sind, die interessante Ausnahmefahrzeuge bauen können.

Der Humor ist durchgängig liebenswert. Sicherlich findet sich hier und da ein wenig Schadenfreude, aber zumeist sind die auf einer oder zwei Seiten angelegten Kurzgeschichten von feinem Witz. Der Leser erhält sogar einen kleinen Einblick, wie ein Schlumpf gezeichnet werden kann. Ganz nebenbei lernt der Leser (falls er nicht längst ein Fan der Blaulinge ist) einige der der bekannteren Charaktere der Schlümpfe kennen: Fauli (der Name ist Programm), Zwirni (na, welcher Beruf hat dieser Schlumpf wohl?), Hefty (der Kraftprotz der kleinen Gemeinde), Torti (das Schleckermaul) oder Schlaubi (ein kleiner Streber und Schlaumeier).

Der Kreis schließt sich sogar wieder, als der Trick mit der Biene ein zweites Mal aufgegriffen wird und erneut nach hinten losgeht, diesmal jedoch auf unangenehme Weise. In der Kürze liegt die Würze, lässt sich behaupten, keine einfache Erzählweise, die hier aber durchweg gelingt.

In der zweiten Runde der Schlumpfereien ist die Darstellung der Schlümpfe noch etwas inniger, der Humor fein, jugendlich, schlumpfig gut, könnte man sagen. Wieder für den kleinen Schlumpfhunger zwischendurch. :-)

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