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Comic Blog


Montag, 07. August 2017

ISNOGUD: WIE DER VATER, SO DER SOHN!

Filed under: Cartoon — Michael um 9:42

DIE NEUEN ABENTEUER DES GROSSWESIRS ISNOGUD - BAND 2 - WIE DER VATER, SO DER SOHN!Wenn der Kalif dem Wahnsinn verfällt, das Reich ohne Herrscher antriebslos darniederliegt, muss ein Ersatz her. Vorzugsweise sollte dieser Ersatz aus der Familie des Kalifen stammen. Nur leider, leider hat HARUN AL-PUSSAH keinen Sohn und auch sonstige Verwandte sind in seinem Stammbaum schwer auszumachen. Großwesir ISNOGUD wähnt sich schon an seinem Lebensziel angekommen, nämlich Kalif zu werden anstelle des Kalifs, als ihm das Schicksal ein völlig unerwarteten Knüppel zwischen die Beine wirft …

Zurück in Bagdad der Prächtigen. Die Hochpolitik ist in die Welt von ISNOGUD eingezogen. Die Reichen und Mächtigen treffen sich auf einem G20, amüsieren sich prächtig, aber insgeheim läuft etwas gewaltig schief, sehr zum Nachteil von HARUN AL-PUSSAH. LAURENT VASSILIAN hat sich im zweiten neuen Abenteuer um den Großwesir, der so gerne Kalif anstelle des Kalifen werden möchte, einiges einfallen lassen. Und das ist weit untertrieben. Wenigstens zeilenweise, wenn nicht sogar bildweise geht es hier Schlag auf Schlag, Gag für Gag voran. Wäre die Episode, WIE DER VATER, SO DER SOHN!, eine Filmkomödie, bliebe zwischen den einzelnen Lachern, mal laut, mal leiser, kaum Zeit zum Luftholen.

Hier trifft Comic auf seit Jahren immer wiederkehrenden Zeitgeist, Popkultur, den politischen Krawall, die Irrungen und Wirrungen von Kunst und Familie. LAURENT VASSILIAN führt die Geschichte(n) um ISNOGUD mit all jenem notwendigen Wahnsinn weiter, dessen Grundstein von RENÉ GOSCINNY und JEAN TABARY gelegt wurde. Und was das für ein Wahnsinn ist! Nicht nur der Fund eines sehr außergewöhnlichen Thronanwärters erregt Aufsehen (KING RALPH lässt grüßen), sondern auch ISNOGUDS ungewöhnlicher Versuch, den neuen Machtsinhaber zu verhindern.

WIE DER VATER, SO DER SOHN! Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, so heißt es. Wie mag dann erst der Vater von ISNOGUD gewesen sein? Einen kleinen Vorgeschmack gibt das Titelbild. NICOLAS TABARY, der Sohn von JEAN TABARY, hat die Stilistik seines Vaters perfekt aufgegriffen und geht sogar so weit, in dieser Geschichte weit zu den Wurzeln von ISNOGUD zurückzugehen und einen Großwesir zu zeichnen, als dieser noch nicht so ausdrucksstark gewesen ist. ISNOGUD lebt vom Chaos. LAURENT VASSILIAN schafft durch seine Handlung eine tolle Grundlage für einen grandiosen Zickzackkurs, in dem ISNOGUD nicht nur seinem Vater, sondern auch sich selbst begegnet.

Der schmissige Cartoonstil von ISNOGUD ist eines der Erfolgsgeheimnisse der langlebigen Serie, die 1968 debütierte. Da darf sich der Leser nicht nur über den kleinen gestalterischen Rückblick ISNOGUDS freuen, auch DER KLEINE NICK wird angespielt, in Verbeugung vor dessen Erfinder RENÉ GOSCINNY. Wenn Elefanten fallen, erinnert dies an fliegende Hinkelsteine und ihre Folgen. Knackig fette Striche zaubern einen LAGERFELD als Modeberater des Kalifen aufs Papier. NICOLAS TABARY baut geschickt Werbung für weitere Veröffentlichungen ISNOGUDS in die Geschichte ein. Und in all dem Tohuwabohu gibt es unzählige Gesichter ISNOGUDS, allesamt Ausdrücke seiner Achterbahnfahrt der Emotionen, denn er wird von LAURENT VASSILIAN kurz vor dem Erfolg auf Null zurückgeworfen.

Ein Stehaufmännchen, aber ein böses. Kein Mitleid mit ISNOGUD. Der kleine Großwesir mit dem irren Blick ist eine Art früher Vorläufer von Frank Underwood, nur mit mäßigem Erfolg. Zum Glück für den Leser, denn mit erreichtem Ziel wäre die Serie zu Ende. Aber solange ISNOGUD nicht Kalif wird, so lange können NICOLAS TABARY und LAURENT VASSILIAN die tolle Komödie fortführen, gefüttert mit Sticheleien über tatsächliche Ereignisse und Gags am laufenden Band. Knallend prall illustriert von NICOLAS TABARY, ist Band 2 der neuen Abenteuer perfekt in die Tradition der Reihe eingegliedert. Fans dürfen sich freuen. 🙂

DIE NEUEN ABENTEUER DES GROSSWESIRS ISNOGUD, BAND 2, WIE DER VATER, SO DER SOHN!: Bei Amazon bestellen.
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Mittwoch, 31. Mai 2017

ASTERX balinat

Filed under: Cartoon — Michael um 22:15

ASTERX balinat - Der große Sammelband auf BerlinerischMit DIE TRABANTENSTADT und ASTERIX UND KLEOPATRA finden sich in dieser Ausgabe gleich zwei klassische Abenteuer, die noch aus den Federn von RENÉ GOSCINNY und ALBERT UDERZO entschlüpften, in diesem Sammelband auf BERLINERISCH übersetzt. Allen voran hat sich DIETER HALLERVORDEN der Übersetzung gewidmet, gefolgt von KALLE SCHERFLING, SILKE LOCKE und SVEN KUGLER. Hintergründig geht es in beiden Geschichten um Bauszenarien. Ein Schelm, wer angesichts der Komödie um den Bau des Berliner Flughafens Böses dabei denkt.

Im damals 17. Band der hierzulande erschienen ASTERIX-Reihe, DIE TRABANTENSTADT, versuchte CÄSAR dem Dorf der UNBEUGSAMEN GALLIER einmal nicht kriegerisch beizukommen, sondern wählte das Mittel der römischen Zivilisation zur Ausrottung gallischer Lebensart. Der ASTERIX-Fan weiß, dass ein früher Versuch in KAMPF DER HÄUPTLINGE scheiterte. Nachdem es ein römisch gesinnter Häuptling nicht geschafft hat, soll es eine Wohnsiedlung, neudeutsch eine TRABANTENSTADT, richten. Plötzlich überfluten römische Mieter das Dorf. Widerstand wird zur Folklore, die von oben herab mit einem Augenzwinkern bedacht wird.

Vor diesem Hintergrund passt hier die berühmte BERLINER SCHNAUZE wie die ebenso berühmte Faust aufs Auge. Die TRABANTENSTADT wird zur BLADDE und schnell wird klar, dass es nicht nur um Dialekt, sondern insgesamt um eine etwas andere Sprachkultur geht, die außerdem ihre ganz eigenen Sprüche klopft. Da wird der Dorfplatz zur FUSSJÄNGAZONE, Sklaven werden kurzerhand zu HIWIS. Und natürlich singt TROUBADIX von Kreuzberger Nächten. Ein Glossar zu beiden Geschichten klärt den Leser über die wichtigen, benutzten Berliner Slangausdrücke auf, so dass am Ende keine Fragen offen bleiben.

Nun wirkt das römische Mietshaus in DIE TRABANTENSTADT tatsächlich ein wenig wie ein Plattenbau. Ob ein ägyptischer Palast wie in ASTERIX UND KLEOPATRA diesem Vergleich standhält? Eher nicht, obwohl NUMEROBIS, der ägyptische Baumeister keine architektonischen Meisterleistungen zu vollbringen imstande ist. Das beweist besonders eine kleine Szene, in der Idefix eine Villa einfach auf berlinerisch umschifft. Natürlich bleiben die Witze um das Nieseneeschen Kleopatras erhalten. Wenn die drei Helden auf Ägyptenausflug, ASTERIX, OBELIX und MIRACULIX (na, und IDEFIX), balinern zünden manche Witze anders, einige sogar besser.

An ICKE kommt man auf Berlinerisch nicht vorbei. Der DUDEN musste das in diesem Jahr ebenfalls einsehen und hat die Aufnahme in das deutsche Wörterbuch schlechthin geschafft. ICK, WA, WIA, das ist kein Refrain, vielmehr Personalpronomen, die das I-Tüpfelchen einer sehr direkten Sprache sind. TUT SE DEN KROKODILEN IN FRESSNAPF! Wenn Kleopatra so manchen Befehl ausspricht, fällt die Aussage noch deutlich bildhafter aus als im Original, eine weitere Eigenart dieser SYNCHRONISATION (ein Thema auch hier, da ebenso wie im Original der ägyptische Text aus Hieroglyphen ins Berlinerische übersetzt wird).

DENN HOLN WA DE KICKA UND DU BIST DER BALL! Beim Teutates, sogar Drohungen sind hart am echten Leben. Wer die Berliner Schnauze mag, eine richtige Haudruffsprache, der ist bei diesem Sammelband goldrichtig. Natürlich spricht man die Texte automatisch mit, so dass die Geschichten lebendiger als sonst werden. Macht im Original Spaß, macht hier noch ein bisschen mehr Spaß. 🙂

ASTERX balinat, Der große Sammelband auf Berlinerisch: Bei Amazon bestellen
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Mittwoch, 10. Mai 2017

KRÄN 8 – DÄMONEN & DÖDEL – QUEST TWO

Filed under: Cartoon — Michael um 19:26

KRÄN 8 - DÄMONEN & DÖDEL - QUEST TWOUntote sind für KRÄN nur Witzfiguren. Mit seiner Axt räumt er unter ihnen auf. Klar, es bleiben noch genug übrig und eigentlich nimmt ihre Anzahl kein echtes Ende, aber immer noch bleibt Angst außen vor, denn KRÄN ist ein Barbar und die haben bekanntlich vor nichts Angst. Was soll ihm denn auch passieren? MINIBAR kämpft an seiner Seite … nein, der ergreift dann doch lieber die Flucht. Genauso wie der Werwolf und MEGODAS, der Elf … na, eigentlich sind mal wieder alle anderen abgehauen. Typisch!

ERIC HERENGUEL hat mit seiner Saga um KRÄN eine Geschichte geschrieben und gezeichnet, die wirklich alles und jedes, jeden auch, durch den Kakao zieht, der die das einmal im Bereich Fantasy eine Rolle gespielt hat. Möchte man annehmen. Ganz gleich ob Film, Buch, HDR oder CONAN (ganz klare Steilvorlage für ERIC HERENGUEL), Rollenspiel oder auch Comic, hier ist nichts sicher vor diesem spitzzüngigen Erzähler. HARZAKÄS zum Beispiel sieht aus wie eine modrige Vorfahrenversion von PAPA SCHLUMPF. Und dann ist da noch eine Menge faul im NADALAND.

Ob GROSSE ALTE, HAIE, die offensichtlich im Sand zu Hause sind und dort ihre Opfer suchen oder schwebende Inseln, ERIC HERENGUEL rast, jagt, hetzt durch das Szenario, immer auf der Suche nach dem nächsten Witz, dem nächsten Fiasko, einer obskuren Gefahr, einer wahnwitzigen Kreatur. Zwischendurch, genauer im dritten Teil einer Enzyklopädie zum KRÄN-Universum, darf sich der Leser mit WERWOLF-Phänomenen oder auch der berüchtigten Stadt RABAUKISTAN vertraut machen. Wer sich auch nur halbwegs mit dem Genre FANTASY vertraut wähnt, wird sich als Comic-Leser hier ähnlich daheim fühlen, wie es Roman-Leser in der ähnlich klamaukigen SCHEIBENWELT-REIHE sind.

ERIC HERENGUEL hat bereits als alleiniger Autor und Zeichner gearbeitet (SILBERMOND ÜBER PROVIDENCE) oder hat für andere bekannte Comic-Autoren gezeichnet (z. B. CHRISTOPHE ARLESTON). Auffällig ist stets seine Anpassungsfähigkeit. Zwar übertreibt er mal gerne, auch in seinen realistischeren Szenarien. Aber verlässt diese grafischen Stile, wenn es der Sache dient. So besteht zwischen einer leichten Fantasy-Komödie wie DIE GEISTER VON TROY und seiner eigenen Kreation KRÄN noch ein ziemlicher Unterschied im Gesamteindruck. Denn ERIC HERENGUEL kann Abgedreht und Durchgeknallt. Letzteres trifft auf KRÄN zu.

Stilistisch bietet ERIC HERENGUEL dem Leser hier ein Witzbilderambiente an. Und durchaus könnten auf diese Art auch Einzeiler mit drei oder maximal fünf Bildern entstehen. Für eine Parodie ist diese Technik passend, für eine Fantasy-Comedy wie hier ist das sogar bombastisch gut. In der angehängten mehrseitigen Enzyklopädie, sicherlich auch eine Art Richtschnur für HERENGUEL selbst durch sein eigenes KRÄN-Universum, verändert sich die Stilistik etwas. Sie wird ausgefeilter, weniger karikierend, aber immer noch reichlich blödelnd.

KRÄN ist Fantasy-Anarchie, wahrscheinlich noch mehr als die Scheibenwelt, etwa in der Art vom Herrn der Augenringe (hat es gegeben) oder Pythons auf Speed. Hier soll gelacht werden und wer nur schmunzelt, wird sich irgendwann wundern, denn er muss vor diesem Aufgebot an Kalauern kapitulieren. ERIC HERENGUEL lässt es mitleidlos krachen, auch seinen Figuren gegenüber. Wer sein Lieblingsgenre einmal gänzlich veralbert lesen möchte, kann hier bedenkenlos zugreifen. 🙂

KRÄN 8, DÄMONEN & DÖDEL, QUEST TWO: Bei Amazon bestellen
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Montag, 13. Februar 2017

KING UND KONG – Gesamtausgabe 2

Filed under: Cartoon — Michael um 13:52

KING UND KONG - Gesamtausgabe 2Tiere machen hin und wieder schon mal Blödsinn. Aber Affen, die sich wie Singvögel gebärden? Zebras, die den Spieß umdrehen und Löwen jagen? Da ist was im Busch im Busch, Verzeihung, im Dschungel. Kurz zuvor haben KING UND KONG noch das Leben aus erhöhter Position beobachtet. Es war gefährlich, es war der Lauf der Natur, aber eben ganz natürlich. Wenig später treffen der Junge und sein Freund, der Gorilla, nicht nur auf alte Bekannte, sondern sie machen auch eine Entdeckung, die das Leben im Urwald völlig auf den Kopf stellen könnte.

KING UND KONG sind zurück. In der 2. Gesamtausgabe sind zum guten Schluss fünf Alben versammelt. Erschienen zwischen den Jahren 1982 und 2008, liegen nun alle Geschichten der beiden Helden in einer sehr stark redaktionell betreuten Ausgabe vor. Auch der zweite Prachtband der Gesamtausgabe ist mit 360 Seiten ein Schwergewicht. KING UND KONG sind erwachsen geworden. Die Geschichten weisen mehr Personal auf, die Konstellationen ähneln sich grundsätzlich, aber thematisch wird es zunehmend fantastischer. Dabei beginnt es sehr bodenständig. Man könnte sagen, KING wird gezwungenermaßen zu einer Art Nanny.

ENTFÜHRT! lautet der Titel des ersten hier abgedruckten Albums. Das beschauliche Leben wird nicht mehr nur von den beiden Halunken Harry und Joe durcheinandergewirbelt. Pin-Up ist ein kleines schwarzhaariges Mädchen, das sich bisher erfolgreich allen Versuchen widersetzt hat, sich in eine Zivilisation abseits des Dschungels zu integrieren. Da muss KING ran. Er kennt sich mit dem Leben im Dschungel aus und besitzt das nötige Sozialverhalten, um als Lehrer fungieren zu können. Ein Mädchen im Dschungel? Das riecht nach Ärger. Und der ist tatsächlich vorprogrammiert.

Selbstverständlich raufen sich die Kinder über kurz oder lang zusammen. Denn es warten ABENTEUER IN DER URZEIT. Hier werden Bezüge zum Klassiker von Arthur Conan Doyle deutlich. DIE VERGESSENE WELT des britischen Autoren ist ein ähnlich abgeschiedenes Areal, wie das hier von CAUVIN und MAZEL erdachte. Und die Welt, in die es KING UND KONG verschlägt könnte kaum ungefährlicher sein. Zusätzlich zu den Sauriern und Mammuts haben sich auch seltsame Eingeborene eine Nische in diesem fremden Dschungel erobert.

Seltsam, merkwürdig, mysteriös, unheimlich, zauberhaft, märchenhaft. So lauten Stichwörter für die nächsten Geschichten aus dem Leben von KING UND KONG. in Die Ritter der Unterwelt, Fauler Zauber, Roter Nebel, Gestrandete Seelen und Stein-Reich finden sich viele fantastische Elemente wieder. Teils ergehen sich die beiden Comic-Macher in irren Albernheiten. Und dem Motto Geht nicht, gibt es nicht, fliegt KONG sogar mit einem Hexenbesen und beide Helden wagen einen Spaziergang auf dem Grund des Ozeans. Der Leser kann sich unbesehen ausmalen, welche Möglichkeiten sich für die Abenteuer von KING UND KONG ergeben, wenn dem Erleben gar keine Grenzen mehr gesetzt sind. Einzig der Ausgangspunkt, der gute alte Urwald, bleibt immer als Start erhalten.

KING ist älter geworden. Er ist nicht mehr der ganz kleine Junge und noch weniger benötigt er den ständigen Schutz des Gorillas KONG. Außerdem erscheint er durch die ungewöhnlichen Geschichten eine Mischung aus Korak, Tarzans Sohn und Johann und Pfiffikus geworden zu sein. Gerade in den Abenteuern Ritter der Unterwelt sowie Gestrandete Seelen, in denen Schwertkämpfer und Untote auftauchen, lassen sich Parallelen ziehen. Der Strich von Mazel ist mitunter sehr zart und entfaltet all seine Wirkung, wenn er so richtig chaotisch, anarchisch Szenen zu Papier bringen kann. In vier Fünfteln des vorliegenden Sammelbandes darf sich der Leser also auf ein mächtiges Comic-Feuerwerk freuen.

Ein Knaller! Pralle, ungehemmte Komikklopper reihen sich aneinander, fein illustriert von einem Mazel, der sich stilistisch in der Nähe eines Morris befindet. Wer den Humor eines Goscinny oder eines Peyo mag, kann bei KING UND KONG bedenkenlos zugreifen. Sehr schön! 🙂

KING UND KONG, Gesamtausgabe 2, 1982-2008: Bei Amazon bestellen
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Mittwoch, 10. August 2016

BILLY THE CAT – Gesamtausgabe 2

Filed under: Cartoon — Michael um 10:37

BILLY THE CAT - Gesamtausgabe 2Würstchen könnte vor Eifersucht platzen! Da gelingt es doch tatsächlich dieser kleinen Katze, die sozusagen aus dem Nichts aufgetaucht ist und von Marina aus dem Urlaub mit zurückgebracht wurde, die Herzen der Menschen in der Familie im Sturm zu erobern. Und er, der Bassett, der sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich Zugang zum Kühlschrank zu bekommen, muss vor kleineren Hunden aus der Nachbarschaft den Tyrannen geben, damit sein Magen ausreichend gefüllt wird. Es kommt sogar noch dicker (ein gutes Wortspiel, da Würstchen mit seiner Fülle die Waage derart in Beschlag nimmt, so dass die Gewichtsanzeige gar nicht mehr zu sehen ist). Würstchen erkennt in BILLY den kleinen Jungen wieder, der ihn einst piesackte und dem er diesen grauenhaften Hundenamen zu verdanken hat …

Es war einmal ein böser Junge, der starb und nicht in den Himmel kam. Er wurde auf die Erde in Gestalt einer kleinen Katze zurückgeschickt und erlebte dort eine für ihn merkwürdig veränderte Welt. Plötzlich verstand er die Sprache der Tiere und war gezwungen, nett zu anderen Lebewesen zu sein, wollte er in dieser neuen Gestalt überleben. Zu seinem wichtigsten Freund wurde ein weißer Kater, den der kleine BILLY Onkel Hubert nannte. Dieser Kater wurde zu einem Wegweiser in dieser Katzenexistenz, bevor es BILLY gelang zumindest als kleine gelbschwarz getigerte Katze zu seiner Familie zurückzukehren.

War die erste Hälfte der Erzählungen kindgerecht, aber auch mit einem ernsten Unterton behaftet, verschiebt sich die zweite Hälfte mit den abschließenden drei Alben der zweiten Gesamtausgabe deutlich mehr zur Unterhaltung hin, obwohl es auch kritische Anmerkungen gibt, die von einer Figur wie Sanktifer ausgestoßen werden. Die Geschichten Ein Hund namens Würstchen, Onkel Hubert in Gefahr und Billys Wahl sind aber in erster Linie Abenteuer. Einzig zum guten Schluss wird es noch einmal wirklich mysteriös.

Stephen Desberg behandelt in EIN HUND NAMENS WÜRSTCHEN eher weltliche Themen. Ein Hund tyrannisiert kleinere Tiere, damit sie ihm Futter bringen. Dieses Würstchen ist ein Bassett mit Beinen so kurz, dass der Bauch fast auf dem Boden schleift, und Ohren so lang, dass Würstchen häufig auf sie tritt. Ihm steht ein Spatz als Sprachrohr und Gehilfe zur Seite. Nachdem sich Desberg und Zeichner Stephan Colman entschlossen hatten, mehr auf den tierischen Pfaden disneyscher Handlungen zu wandeln, wirkt dieses Bösewicht-Duo wie eine Persiflage auf solche amerikanischen Konstrukte.

Nichtsdestotrotz ist es ein komisches Duo, welches, insbesondere als es den beiden Kumpanen gelingt, in das Haus aufgenommen zu werden und dort zu bleiben, zur Hochform aufläuft und man sich ein wenig an Sylvester und Tweety erinnert fühlt. Zu BILLY, der auch im Trickfilm angekommen ist, schließt sich mit diesem Vergleich der Kreis. Im ausführlichen 50seitigen redaktionellen Teil in der zweiten Gesamtausgabe wird dieser neue Wirkungskreis von BILLY beschrieben, auch wie es mit ihm zeitweilig im Comic weiterging, aber schließlich ohne Desberg und Colman.

Eine Hauptfigur ist immer nur so gut, wie die Nebenfiguren es ihr erlauben. BILLY, eine putzige, vorwitzige Katze, die ihr Leben lieben lernt, hat mit WÜRSTCHEN, SANKTIFER und ONKEL HUBERT, um nur eine Auswahl zu nennen, sehr ausgewogene Nebencharaktere, denen es zeitweilig sogar gelingt, ihm die Show zu stehlen. Ein jeder vermag sogar, oder Schurke oder guter Kumpel, Sympathie zu wecken. Einzig die Ratten verweigern sich einem positiv emotionalen Zugang (siehe auch Titelbild), allenfalls mag man Mitleid mit ihnen haben. Beim Design ist Colman deutlich gruseliger in der Präsentation der üblen Gesellen, als es zum Beispiel es die Disney-Produktion in Basil der große Mäusedetektiv betrieben hat.

Gelungenes entgegengesetztes Flair: Das Heim, in dem BILLY aufwuchs, ist sehr heimelig, die Stadt, in die es ihn immer wieder verschlägt, ist oft abweisend, überfrachtet mit Verkehr und Reklame und Colman gelingt es sogar, sie laut aussehen zu lassen. Woran liegt es, dass die Stadt plötzlich diesen Eindruck macht? Nun, ONKEL HUBERT IST IN GEFAHR. Die positive Weltsicht des weißen Katers, der die Frauen liebt und einen schrottreifen Cadillac sein Zuhause nennt, ein wichtiger Faktor der ersten Geschichten, geht hier ein Stück weit verloren.

Die Geschichten um BILLY THE CAT von Stephen Desberg und Stephan Colman sind Abenteuer eines in einer Katze wiedergeborenen kleinen Jungen, die mehr Tiefe besitzen als die üblichen cartoony gezeichneten Handlungen. Liebenswert, tragisch und komisch, spannend, mit tollen Kulissen angereichert, sind sie tolle Unterhaltung für alle Freunde des Genres. 🙂

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Montag, 01. August 2016

KING UND KONG – Gesamtausgabe 1

Filed under: Cartoon — Michael um 9:54

KING UND KONG - Gesamtausgabe 1Da sind sie wieder! Der kleine Junge KING und sein Gorillafreund KONG hatten unmissverständlich klar gemacht, dass sie keine fiesen Wilderer im Urwald wollen. Da genügt es nicht, die Gewehre zu zerbrechen. Harry und Joe, die beiden Gauner, wollen einfach nicht aufgeben und finden immer einen neuen Weg, um zurückzukommen. Zu KING und KONGS großem Glück wissen sich die Tiere im Urwald auch selbst zu helfen. Doch sollte das wirklich der Grund sein, weshalb die beiden Wilderer auch vorgeben, neuerdings mit Fotosafaris ihr Geld verdienen zu wollen? KING UND KONG haben allen Grund skeptisch zu sein!

Satte fünf Alben sind in dieser ersten Gesamtausgabe versammelt. Die Abenteuer von KING UND KONG, einem Gorilla und seinem Schützling. Gemeinsam leben sie im Dschungel, im beständigen Clinch mit zwei Halunken, die immer zur Bereicherung in die Wildnis einbrechen, meist durch das Mittel der Wilderei. Flusspferde, Elefanten, Nashörner, Krokodile, kaum eine Kreatur ist vor den beiden Ganoven Harry und Joe sicher. Manchmal locken auch andere Reichtümer, wie zum Beispiel Diamanten, so dass sich sogar noch weitere dunkle Gestalten beteiligen und Eingeborene zu Mitwissern, Helfern, im besten Fall zu Führern durch den Busch werden. Nebenfiguren wie der deutsche Kurt, ein Flussschiffer, komplettieren das Arsenal der Charaktere.

KING, der kleine Junge, ist natürlich eine Verbeugung vor dem großen Affenmenschen Tarzan, aber ebenso vor Korak, Tarzans Sohn, ebenfalls einer Comicfigur, die vor Jahrzehnten der Dschungel durchstreifte. Und KONG? Gar keine Frage eigentlich, wer hier das Vorbild war. Aber eigentlich gehen die Anklänge noch weiter. Panik um King Kong darf hier ebenso als Grundidee dieser Figur herangezogen werden, später treffender unter dem Titel Mein großer Freund Joe neu verfilmt, in dem ein riesiger Gorilla zum Freund einer jungen Frau wird, die ihn von Kindesbeinen an kennt. Auch KONG ist hier ein sprachloser Beschützer, sehr mutig, seinem Freund KING treu ergeben. Eine Treue, die auf Gegenseitigkeit beruht, denn KING setzt ebenfalls seinem Freund zu helfen. Was ihm an Kraft fehlt, macht er durch Finesse wett.

Harry und Joe sind ein klassisches Klamaukduo. Harry ist von kleinem Wuchs, gierig, findig zwar, aber auch jähzornig von der Sorte, die gerne regelrecht in die Luft geht. Joe ist groß, leicht übergewichtig, nicht so dumm, wie Harry gerne hätte, umsichtiger sogar, was angesichts der stets wiederkehrenden Gefahren kein Wunder ist, denn Harry ist zudem noch lernfähig. Die beiden sind in ihrer Konstellation, auch wegen ihres Runnig-Gag-Verhaltens, eine Art fieses Gegenstück zum Inspektor und Sergeant Dudu (bei uns innerhalb der Rosaroten-Panther-Reihe ausgestrahlt. Wer es bekannter mag, darf Dick und Doof zum Vergleich heranziehen. Auch hier gibt es den eher schlaueren, mehr von sich eingenommenen Part und den etwas weniger klugen, etwas nachlässigeren Teil eines Duos, die sich ebenfalls gerne selbst in die Quere kommen.

Die beiden Comic-Macher Cauvin (Szenario) und Mazel (Zeichner), bei uns in den 1970ern durch Kaline und Kalebasse bereits bekannt geworden, schrieben und zeichneten die hier versammelten Abenteuer zwischen 1975 und 1981. Sehr gut zusammengetragenes Sekundärmaterial, eine grafische Einleitung, acht Kurzgeschichten werden dem Leser vorweg geboten, bevor es mit den fünf ersten Alben (die hier so noch nie erschienen sind) losgeht. Grafisch darf sich der Leser auf einer Stilistik aus der goldenen Zeit der Comics hierzulande freuen, als frankobelgische Figuren hier Erfolge feierten. So arbeitet Mazel optisch wie ein künstlerischer Bruder von Morris und Franquin.

Die ersten veröffentlichten Zeichnungen zeigen wieder einmal sehr schön, wie Figuren langsam aus den Kinderschuhen entschlüpfen, Mazel sich ganz offensichtlich enger herangetastet hat und die Figuren runder, griffiger wurden und die einzelnen Perspektiven immer besser saßen. Der Knuddelfaktor wurde erhöht. Das ist besonders deutlich bei Joe, der zu Beginn viel mehr von einem Gauner hatte, schlanker war und, auch Szenarist Cauvin fand erst ach ein paar Schritten den richtigen Dreh, sich stärker gegen Harry auflehnte.

Wenn die Liebe Einzug hält … Die Freundschaften unter den Menschen, na, ja, auch Menschenaffen halten sich hier schön die Waage, als Cauvin und Mazel beschließen, hier ein bisschen zu spielen. Harry findet wahre Tierliebe und KONG findet jemanden zum Anhimmeln, aber noch interessanter und spaßiger ist das Aufeinandertreffen zweier im Dschungel aufgewachsener Kinder. Cauvin und Mazel brechen hier einerseits aus den gewohnten Strukturen aus, indem sie mit ihren Figuren wunderbar spielen, andererseits schaffen sie neue Running-Gags und treiben diese perfekt auf die Spitze.

Erste Klasse in Sachen Humor, Inszenierung und Spaß. KING UND KONG sind einfach Gute-Laune-Geschichten mit kleinen, mal größeren Anspielungen, immer straff erzählt, mit schönen Einfällen gespickt. Für Fans von Funnies unbedingt empfehlenswert. Darüber hinaus: Tolle Aufmachung und liebevoll produzierte Ausgabe. 🙂

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Mittwoch, 23. März 2016

LUCKY LUKE – DIE GESAMTAUSGABE 2013-2015

Filed under: Cartoon — Michael um 21:03

LUCKY LUKE - DIE GESAMTAUSGABE 2013-2015Die Daltons sind weder ein Ausbund an Gesetzestreue, noch verstehen sie es, sich ausreichend in der Gesellschaft zu benehmen. Da ist es verwunderlich, dass ausgerechnet diese vier Ganoven dazu auserkoren wurden, als Vormunde für einen kleinen Jungen zu dienen. Tatsächlich aber sind sie die Onkel des Kleinen, denn es gab einmal vier Daltons, die noch viel gefährlicher als die vier Dauerausbrecher waren. Und einer dieser vier komplett missratenen Daltons schaffte es, einen Sohn zu zeugen. Zu dumm allerdings, dass die vier ungefährlicheren Daltons gerade mal wieder im Gefängnis sitzen. Das macht die Erziehung von Nachwuchs nicht leichter …

Im Abenteuer Meine Onkel, die Daltons nimmt das Chaos seinen Lauf. Zeichner Achde übernahm den Zeichenstift für Lucky Luke nach dem Tode von Morris. Ganz in der späteren Tradition des belgischen Ausnahmekünstlers arbeitet der Franzose Achde mit verschiedenen Autoren in der Reihe Lucky Luke zusammen. So entstehen wie hier, in einer der letzten Veröffentlichungen, frische, neue Ideen, die trotzdem den Geist des Originalduos aus Rene Goscinny (Szenarist) und Morris treffen.

Meine Onkel, die Daltons, das dritte albenlange Abenteuer in der vorliegenden Gesamtausgabe 2013-2015 geht Hand in Hand mit der ersten Geschichte, Auf eigene Faust, in der die Daltons auf augenzwinkernde Weise im Mittelpunkt stehen. Dabei drängt sich als Sympathiefigur ganz besonders einer hervor: Averell. Ausgerechnet seine, im wahrsten Sinne des Wortes, Verfressenheit stellt sich als Schlüssel zum Erfolg im Wettstreit der Brüder heraus. Wer soll die Bande anführen? Doch am besten derjenige, der in dem, was er macht, auch bitte schön erfolgreich ist. Denn Joe Dalton, der kleinste im Bunde und ewige Verlierer, ist das ganz gewiss nicht.

Daniel Pennac und Tonino Benacquista zeigen ein famoses Kabinettstückchen. Einzeln sind die Gauner plötzlich erfolgreich. Im Wettstreit holt jeder das Beste für sich heraus. Sogar Joe Dalton kann Überfälle begehen, ohne gleich gefasst zu werden. Herausgekommen ist unter dem Strich eine Western-Komödie, in der man Lucky Luke kaum vermisst, obwohl es natürlich wieder einmal an ihm ist, die Halunken zur Strecke zu bringen.

Deutlich mehr im Mittelpunkt der Handlung steht Lucky Luke zwangsläufig in der Jugendepisode Ein starker Wurf, die textlich und grafisch von ihm gestaltet wurde. Gemäß des jugendlichen Alters von Lucky Luke, der hier noch die Schulbank drückt, ist auch die Zielgruppe des in seitenweisen Abschnitten erzählten Albums ein viel jüngeres. Jede Seite endet mit einer Pointe und einem kleinen Hinweis auf tatsächliche Begebenheiten und Ereignisse des Wilden Westens.

Machine Gun Kid, eine Kurzgeschichte von Achde, ist die Einleitung eines redaktionellen Teils, der auf die langjährige Erfolgsgeschichte der Comic-Reihe eingeht. Das Kurzabenteuer selbst, entstanden für eine künstlerische Verbeugung vor Morris, erlebt einen Lucky Luke, der seit langem mal wieder mit einem Glimmstengel auftritt. Gleichzeitig darf der Leser den Schöpfer Morris selbst bei seiner frühen Arbeit sehen und so erfahren, wie Lucky Luke, eine Serie über den Wilden Westen eigentlich entstanden ist.

Mit Lucky Luke kann man als Comic-Fan einfach nichts falsch machen. Gerade in diesem Band finden sich zwei Höhepunkte mit den Daltons aus der jüngeren Vergangenheit, die absolut empfehlenswert sind und toll mit den Klassikern harmonieren, vor allem wegen der Auftritte einiger bekannter Gesichter wie Rantanplan. Zahlreiche Anspielungen im letzten Abenteuer sind fantastisch. Auch für Neueinsteiger. 🙂

LUCKY LUKE, DIE GESAMTAUSGABE 2013-2015: Bei Amazon bestellen

Dienstag, 03. November 2015

ISNOGUD 1 – PRÄSIDENT ISNOGUD

Filed under: Cartoon — Michael um 20:32

ISNOGUD 1 - PRÄSIDENT ISNOGUD60 Piaster für eine Sitzung bei Freut? Das ist zu viel. ISNOGUD will lieber mit 60 Peitschenhieben bezahlen und macht einen der schlimmsten Fehler seines Lebens. Aus der Folter wird eine befohlene Enthauptung, doch auf dem Richtblock kann Freut noch mit dem Henker, Dikhör mit Namen, ein Wörtchen reden. So gelingt es ihm, Dikhör davon zu überzeugen, sein Leben, sein ganzes Dasein einmal zu überdenken und eine neue friedvollere Richtung einzuschlagen. Die Hinrichtung ist vorerst abgesagt. Eigentlich alle Hinrichtungen, denn ein Ersatzhenker ist nicht leicht zu finden.

PRÄSIDENT ISNOGUD feuert eine satirische Breitseite auf ein modernes Gesellschaftsbild. Politik, Wahlen, Selbstfindung, Verweigerung um der Verweigerung willen, Revolution, Querelen im Nahen Osten, Manipulation der Massen und Propaganda … Nicolas Canteloup und Laurent Vassilian schießen mit so geballter Kraft gegen die kleinen und großen Katastrophen gesellschaftlichen Wahnsinns, dass man kaum weiß, wo einem hinterher der Kopf steht. Es beginnt im Kleinen. ISNOGUD, der seine Macht darauf begründet, jeden, der ihm nicht gehorchen will (oder dessen Nasenspitze ihm nicht passt), einen Kopf kürzer machen zu lassen, verliert völlig unerwartet, seinen Mann fürs Grobe, den Henker. Dank eines gewissen Freut hat der Henker plötzlich keine Lust mehr auf seinen Job.

Tohuwabohu und ein Feuerwerk an Gags. Der Kalif will sich wählen lassen. Warum auch nicht. Er ist der einzige Kandidat. Umfragen fallen stets zu seinen Gunsten aus. Plötzlich wollen die Leute aber Auswahl. Da muss Isnogud ran. Den will bestimmt keiner wählen, gilt er doch als verschlagen und gemein. Aber ein Großwesir kann auch anders. Und es wird den Leuten nach dem Mund geredet, alles gefällt. Als wäre das nicht genug, ist da noch die Sache mit dem Fes-Bock.

Fes-Böcke wollen sich miteinander anfreunden und Schweine kwiekern munter vor sich hin. Ganz Bagdad ist im Wandel begriffen. Nicolas Tabary hat alle Hände voll zu tun, den cholerischen ISNOGUD in Szene zu setzen. Nicolas Canteloup und Laurent Vassilian lassen mit ihrer textlichen Vorlage aber auch keine Pause. Längen gibt es nicht, Ruhephasen ebenso wenig. Die Witze kommen zeilenweise. Ist der eine vorüber und hat gezündet, start die Einleitung zum nächsten oder ein Running Gag nimmt erneuten Anlauf.

Zwei Sympathiefiguren und Gastauftritte. Hatte Prince (wenn er gerade mal wieder so heißt) jemals einen Auftritt in Comics (bei den Simpsons vielleicht), aber in einem europäischen Comic dürfte das kaum der Fall gewesen sein. Jedenfalls klären Canteloup, Vassilian und Tabary die Abwesenheit des kleinen Sangesmannes auf ihre ganz eigene Weise. Nebenbei erhält ein Klassiker der Comic-Kunst seine persönliche Seelenberatung. Nicht zu vergessen: Freut. Die Psychoanalyse, sollte sie wie hier, Kriege verhindern helfen, müsste größere Beachtung verdienen. So aber ist sie für eine Menge Kalauer gut, denen selbst ein Sensenmann sich nicht entziehen kann.

Das Titelbild verrät den Zeichenstil perfekt. Wer die alte Serie bisher verfolgt hat, wird keine Überraschungen erleben. Nicolas Tabary ist der Linie treu geblieben, die sein Vater Jean Tabary, der ISNOGUD-Veteran, vorgegeben hat. Seit dem 28. Abenteuer ist der Junior dabei. An ISNOGUD wurde nichts mehr verändert. Der Strich ist knackig, fett. Viele Figuren sind zum Knuddeln, besonders die Tiere. Mancher Figur leuchtet ein kleiner, harmloser Irrsinn aus den Augen. ISNOGUD, zeitweilig ohne Turban unterwegs, verliert äußerlich einen Teil seiner Autorität, nur mit kurzen Haaren, da mag das Mundwerk noch so groß sein. Interessant ist die Verkündung des Wahlergebnisses zum relativen Schluss, denn Hochrechnungen werden nicht auf eine Tafel geworfen, vielmehr fällt die Präsentation des Ergebnisses viel anschaulicher aus. Damit wäre man wieder beim Thema Autoritätsausstrahlung.

Eine Gag-Parade im Sauseschritt. Würde ISNOGUD es auf den Punkt bringen, hieße es: Lach oder stirb (durch den Henker). Keine Zeit zum Luftholen. Das ist tolle französische Komödie in der Tradition von Louis de Funes oder Pierre Richard. Klasse. 🙂

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Sonntag, 13. September 2015

KRÄN 7 – DÄMONEN & DÖDEL – QUEST ONE

Filed under: Cartoon — Michael um 15:45

KRÄN 7 - DÄMONEN & DÖDEL - QUEST ONENadaland ist keine Gegend, in der es sich gut wandern lässt. Zu verrückt verhält sich die Landschaft. Der Boden bricht auf, Teile der Umgegend verschieben sich und plötzlich, keine hätte es jemals für möglich gehalten, steht man vor Badgag, der Hauptstadt von Nadaland. Als sei sie einfach aus dem Boden gewachsen. Na, letztlich ist sie genau das. Krän ist nicht beunruhigt, allenfalls findet er das Leveldesign ähnlich beschränkt wie bei Pac-Man. Aber was hilft es? Hier wird bestimmt ein Zauberer zu finden sein. Und natürlich gibt es einen. Und natürlich einen, der nichts anderes im Sinn hat, als die Touristen übers Ohr zu hauen.

Verrückt. Verrückter. KRÄN. Sein Erfinder, Autor und Zeichner, Eric Herenguel, nimmt in dieser Parodie auf Fantasy-Abenteuer so ziemlich alles und jedes aufs Korn. Wer hier nichts wiederentdeckt, ist selbst schuld und hat wahrscheinlich noch kein Buch des Genres gelesen, noch kein Rollenspiel gespielt und noch nicht einmal die Verfilmung von Herr der Ringe gesehen. Eric Herenguel kann nicht nur total verrückt, er kann auch nur verrückt, wie er mit seinem Ausflug nach TROY im Zweiteiler Die Geister von Troy beweisen konnte. Er kann allerdings ebenso gut ins ernste und gruselige Fach wechseln, wie der fantastische Western namens Silbermond über Providence bewies.

Nun also KRÄN. Jeder Barbar darf sich in der Nachfolge eines Conan (von Robert E. Howard) sehen, der durch die Leinwandverkörperung von Arnold Schwarzenegger in der Popkultur zementiert wurde. KRÄN schwingt die Axt nicht nur auf sehr brachiale Weise, in seinem Umfeld treiben sich die merkwürdigsten Figuren herum. Ein Werwolf, so groß wie ein Fußball, ein ebenso rundes Fellknäuel. Ein Zwerg, halbnackt, ein wüster Tattergreis, mit riesigem Appetit und einer großen Klappe. Der Elf Megodas und der kleine Schotte Minibar (weil er so viel trinkt) stoßen nach kurzer Zeit dazu. Außerdem bevölkern in Nebenhandlungen weitere Gestalten die Geschichte, die schließlich in den Kampf mit dem gigantischen Endgegner mündet … Ja, Eric Herenguel kennt sich aus.

KRÄNS Spezialität ist gnadenloses Draufhauen und dunkelster Humor, gerne auch unter der Gürtellinie. Man muss ihm aber zugute halten, dass seine Gegner, sofern sie sich halbwegs vernünftig artikulieren können, sich ?hnlichen Späßen verschrieben haben und KRÄN im Fall der Fälle gerne zuvor gekommen wären. Hätte der Barbar nicht längst in weiser Voraussicht zugelangt. Schaut er gerade nicht grimmig, dann schaut er verwundert. Zumeist schaut sein Umfeld kaum anders. Eric Herenguel liebt den dummen Gesichtsausdruck seiner verschiedenen Helden und führt ihn mehrfach vor.

Mit zartem Strich gezogen werden Muckies und Kinne, Grinsegebisse und Proportionen überzeichnet. Monster sind gigantisch, eigentlich unbesiegbar und trotzdem kommt KRÄN ihnen davon (siehe Titelbild). Neben der Verunstaltung von Charakteren aus HDR, zum Beispiel in Form eines schottischen Zwergs, der mit Kilt, Dudelsack und Riesenholzhammer in die Quest zieht, liebt Herenguel das Spiel mit den Ohren seiner Figuren. Zipfelig müssen sie sein, wie ein flattriges Beiwerk, eine vulkanische Verbeugung. Eine Art Anti-Xena läuft knapp bekleidet mit einem furchtbaren Pony herum und überhaupt sind Frisuren und Haartrachten ein weiterer figürlicher Bestandteil, der gerne zur Verschönerung herhalten darf. Insbesondere die grobschlächtigen Charaktere, die Haudraufs dekorieren sich im Pseudoeingeborenenlook.

Parodie und Spaß ohne Kompromisse. KRÄN ist nicht gesellschaftsfähig, ein echter Barbar eben, aber einer, der noch ein paar Grenzen mehr überschreitet als andere Barbaren vor ihm. So wie ein Barbar also wirklich sein sollte. Ein Haudrauf mit schmierigem Charakter, voller Biss gezeichnet und erzählt von Eric Herenguel, der hier bereits die siebte Folge erzählt. Die Gags zünden ohne Vorkenntnisse der Reihe. Hintergrundinformationen im Anhang runden die Knallerfolge ab, die übrigens mit QUEST TWO fortgesetzt wird. Doch auch das gehört zur Fantasy dazu. 🙂

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Donnerstag, 11. Juni 2015

LUC JUNIOR Gesamtausgabe

Filed under: Cartoon — Michael um 17:56

LUC JUNIOR GesamtausgabeManchmal wächst zusammen, was zusammen gehört, obwohl die Beteiligten sich dessen gar nicht bewusst sind. Herr Grimmig, seines Zeichens Pressefotograf, ist zu lange im Geschäft, um sich von einem Grünschnabel etwas vormachen zu lassen. Und schon gar nicht will er mit einem zusammenarbeiten. Zu seinem Unglück hat nicht er, sondern sein Chef, Herr Vorschnell, das letzte Wort in dieser Angelegenheit. LUC JUNIOR hat nämlich eine hervorragende Idee, damit die kleine Tageszeitung DER SCHREI mehr Leser gewinnt. Dafür braucht es nur eine ungewöhnliche Reportage. Warum also nicht den Lesern einmal erzählen, wie das Leben eines Pressefotografen aussieht? Herr Grimmig ist nicht nur nicht von dieser Idee angetan, er versucht auch Luc möglichst schnell loszuwerden, indem er mit einem sehr langweiligen Hobby prahlt. Da macht Luc eine spannende Entdeckung.

Das Fenster zum Hof gibt des Ausschlag. Der Versuch von Herrn Grimmig den Jungen Luc loszuwerden, gipfelt in einem Kriminalfall der lustigen Sorte. Das Comic-Dream-Team Albert Uderzo und Rene Goscinny hatten vor ihrem riesigen Erfolg mit ASTERIX noch weitere Figuren erfunden und ebenso liebevoll beschrieben und bebildert (so z.B. Pitt Pistol und den wunderbaren Umpah-Pah). Hier bringen sie ein ausgewogenes Trio aus dem Jungen Luc, dem Pressefotografen Herrn Grimmig und Lucs Hund Alfons an den Start. Eine Redaktion zum Thema zu machen und Reporter für Geschichten zu verwenden, ist nicht nur ein bekannter Ansatz aus der großen comicalen Zeit der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, er liefert auch die besten Ausgangspunkte für ständig neue Abenteuer, denn für einen Reporter, so die grundsätzliche Aussage jener Tage, ist alles möglich.

So liest sich die Liste der Abenteuer aus heutiger Sicht fast schon wieder modern. Amerika war damals ein beliebtes Reiseziel für Neugierige, aber Luc, Grimmig und Alfons verschlägt es zudem in gefährliche Situationen mit Knackis, südamerikanischen Ureinwohnern, den Marsmenschen und schiffbrüchig auf hohe See. Letztere Geschichten müssen ohne Hund Alfons auskommen. Festgestellt sei jedoch, dass die beiden Comic-Macher bereits zu jener Zeit eine Vorliebe für schwarzweiße Hunde hatten, wenngleich Alfons mehr in die Kategorie Deutsche Dogge fällt, während Idefix, der ständige Begleiter von Obelix mehr den zwergwüchsigen Hunden zuzuordnen ist.

Offensichtlich ist die Tatsache, dass Goscinny und Uderzo die Geheimzutaten für eine feine, abwechslungsreiche und humorvolle Geschichte sehr früh beherrschten. Ein geordnetes Unterfangen schlägt schnell in Chaos um. Zwei bis drei Individuen stellen sich der Gefahr. Alfons fallen hier und dort entsprechend wichtige Aufgaben zu, manchmal darf er sich auch damit begnügen, mit einer Zwingernachbarin zu flirten. Da tuckern die beiden mit stürmischen 35 km/h quer durch die Vereinigten Staaten oder kehren mit einer fliegenden Untertasse zur Erde zurück. Als Cineast fühlt man sich an Komödien und Szenarien erinnert, die erst in den 70er und 80er Jahren die französischen Leinwände eroberten. Als spezielle Zutat, die in ASTERIX zu einem Markenzeichen wurde, ist der Einsatz karikierter echter Menschen, hier in Form von Morris und Goscinny höchstselbst.

Albert Uderzo, ein großes Zeichentalent, darf hier weitere Auszüge aus seinem Schaffen präsentieren. Koloriert sind seine Seitenbildern schön anzuschauen, doch die rein getuschten Arbeiten, die hier bestaunt werden dürfen, hinterlassen noch mehr Eindruck und vermitteln noch stärker das Können, mit dem Uderzo damals zu Werke ging. Neben den Beschreibungen eines lange zurückliegenden Künstlerlebens, Musterarbeiten gibt es einen Ausflug von Uderzo in ein realistisch ausschauendes Comic-Abenteuer zu begutachten. Großwildjäger Bill Blanchart wandelt auf den Thrillerspuren von Serien wie Bruno Brazil, die auch diese Richtung einschlugen. Hier versuchten Goscinny und Uderzo das Zusammenspiel auf diesem Terrain. Für Uderzo war es auch eine Art Probelauf, so empfahl er sich für Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure, die er wenige Jahre später an der Seite von Jean-Michel Charlier zeichnete.

Ohne Tretboot in Seenot. Rene Goscinny hat sich mit seinen Ideen beinahe als Visionär erwiesen. Die spätere reale Abenteuerlust der Entdeckungsreisen und die Erprobung menschlicher Leistungsfähigkeit wird hier schön mit Freiwillig schiffbrüchig vorgeführt. Gleichzeitig veralbert hier besonders (auf ganzer Länge sowieso) den Sensationsjournalismus, der keine Mittel und Wege scheut, um eine Story abzuliefern, die dazu dient, die Auflage zu steigern.

Zwei Riesentalente dürfen hier von neuen und alten Lesern wieder entdeckt werden. Der Humor ist auch noch Jahrzehnten jung, die technische Kulisse weckt nostalgische Gefühle, die Zeichnungen selbst, die Erzählungen sind jung geblieben, sind perfekt. An den Mustern zu ihrer Entwicklung ist eine Arbeitsweise erkennbar, die heute noch aktuell ist. 🙂

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