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Comic Blog


Sonntag, 14. August 2022

WONDER WOMAN – DEAD EARTH 3

Filed under: Superhelden — Michael um 17:58

WONDER WOMAN – DEAD EARTH 3Ein längst vergangener Krieg wirft weite Schatten in eine düstere Zukunft. Selbst die FESTEUNG DER EINSAMKEIT, der Rückzugsort von SUPERMAN, ist nicht davon verschont geblieben. Gemeinsam mit einer alten Bekannten und wieder gewonnenen Freundin, CHEETAH, macht sich DIANA alias WONDER WOMAN auf PEGASUS auf den Weg in den hohen Norden, ins ewige Eis. Abertausende Skelette, Relikte des Krieges, füllen die Flächen rings um die kristalline Festungsstruktur. Wie damals liegt der Schlüssel vor der Tür, so schwer, dass nur SUPERMAN ihn aufheben konnte. Und WONDER WOMAN, doch die hat noch lange nicht ihre vollen Kräfte zurück …

Ab in die dritte und vorletzte Runde der apokalyptischen SAGA um WONDER WOMAN: Die Heldin vergangener Tage geht den Geheimnissen um den Untergang der Menschheit auf den Grund. Die Lösung gefällt ihr nicht, schockiert WONDER WOMAN. Und die Lösung dürfte für den Leser sehr überraschend kommen. Da ist es umso genialer von DANIEL WARREN JOHNSON (Autor, Zeichner), einen Präsentator zu wählen, der fast emotionslos die Tragik der Geschichte enthüllt.

Rückblende. Hier entwickelt DANIEL WARREN JOHNSON einen der gnadenlosesten Kämpfe in der DC-Comic-Geschichte. (Und es hat verdammt viele gegeben, gerade in der jüngeren Vergangenheit, denn die Brutalität hat in der Superhelden-Branche gehörig zugenommen.) Inmitten dieses Gemetzels gestattet sich DANIEL WARREN JOHNSON einen Moment der Cartoon-Komik, der bleibt aber ein klitzekleiner Ausrutscher. Als wolle er sagen: Hey, Leute, alles halb so wild. Nehmt das hier nicht ganz so ernst.

Das wäre wünschenswert, denn das letzte Bild, passend zum theatralischen Auftreten WONDER WOMANS, wird ganzseitig ausgeführt. Die Rückblende zeigt keinen einfachen Kampf. Sie zeigt den Höhepunkt und das Ende eines Krieges. Es zeigt den Wahnsinn während der Schlacht, und es zeigt die Erkenntnis über den Wahn danach. Es zeigt, wie etwas zerbricht, wenn die eigenen Kräfte und die Vorgehensweisen in keiner Weise kontrolliert werden. Das ist eigentlich für einen Comic wieder viel zu ernst.

An der Qualität der Bilder gibt es nichts zu rütteln. DANIEL WARREN JOHNSON als Zeichner (und MIKE SPICER als Kolorist) halten es weiterhin ein wenig rebellisch, etwas punkig. Es finden sich Manga-Anleihen ebenso wie Stilistiken, die dem Zeichenstift eines GUY DAVIS (ALS DIE ZOMBIES DIE WELT AUFFRASSEN) entsprungen sein könnten. Darüber hinaus (das finde ich immer sehr gut) bekommt der Leser im Album auch das, was sich grafisch bereits auf dem Titelbild sehen lässt. Da ist Aufwand, ein gutes Auge, eine dramatische Seitenaufteilung. Da geht es auch mal ohne Worte zur Sache.

Starker dritter Band, perfektes Timing, gruselige Enthüllungen. Das Niveau wird gehalten, die Geschwindigkeit ist zügig, ohne Längen. Ein Weltuntergangsszenario, das es nach wie vor in sich hat! 🙂

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Samstag, 06. August 2022

PARKER – MARTINI EDITION 2

Filed under: Thriller — Michael um 16:15

PARKER – MARTINI EDITION 2KILLTOWN. 1964. Lohngelder. Eine Kleinstadt. Ein Weg hinein, auf demselben Weg wieder heraus. Über den State Highway 22. Polizei. Bewaffnete Wachen. Eine Telefonzentrale. Ein kurzes Zeitfenster, um den Job zu erledigen. Ein begrenzte Anzahl von Leuten kann es schaffen. Wenn alle den Anweisungen und dem Plan folgen. PARKER kann den Ärger riechen. Je mehr Leute mitmachen, desto mehr Fehler können passieren. PARKER überlegt. Es sind alles Profis. Wenn nur GROFIELD nicht dabei wäre. Der ist zwar auch ein Profi. Aber auch ein Frauenheld. Und ganz im Gegensatz zu PARKER weiß er nicht, wann es besser ist, die Finger von Frauen zu lassen …

PARKER ist der Prototyp eines Gangsters. Wortkarg. Misstraurisch. Fokussiert. Professionell. Effizient. PARKER tötet, wenn er muss. Wenn er befürchtet, ansonsten ans Messer geliefert zu werden. PARKER arbeitet deshalb nicht mit Zivilisten. Das sind die, die keine Gangster sind und nicht zur Polizei gehören. Als Profi will er andere Profis um sich herum. Davon gibt es eine ganze Reihe. Gelingt ein Coup und war die Zusammearbeit zufriedenstellend, kann sich ein Team schon mal für weitere Gelegenheiten zusammenfinden. Während der Planung und Ausführung eines Coups gibt es eine Regel: Keine Frauen. Die lenken nur ab. Anschließend jedoch sind sie höchst willkommen.

KILLTOWN lautet der Titel der ersten Geschichte. Zuerst wird dem Leser erklärt, wie der Raubüberfall richtig ablaufen soll. Die Planung ist penibel, die Leute sorgfältig ausgewählt und die meisten machen wirklich einen professionellen Eindruck. DARWYN COOKE arbeitete grafisch mit einem minimalistischen Stil, der verlangte, dass ein Charakter mit wenigen Strichen und Formen einzufangen war. So gelingt der Sprung in die 1960er Jahre hervorragend. Wer also bereits den ersten Band gelesen hat, wird hier wieder perfekt abgeholt.

Ja, es gibt Dialoge, die der Informationsvermittlung dienen. Aber hier erfüllen sie auch den Effekt des Stimmungsaufbaus. Wo gibt es Spannungen? Wer tanzt aus der Reihe? Wo passen Charaktere überhaupt nicht zueinander? Wo – na, lieber Leser – geht der Coup zuerst den Bach runter? Die Dialoge sind außerdem entkernt, auf das Nötige reduziert, ebenso wie es die Bilder, die Charakterköpfe sind. Und hier zeigt sich eine weitere Stärke der Geschichte – neben der straffen Erzählung. Manches funktioniert ohne Worte und ist trotzdem eingängig, spannend. Selbst Gesichter bieten Lesestoff. DARWYN COOKE wusste, wie Mienen auf einen Blick erfassbar werden.

ICH BIN DIE DRITTE LEICHE LINKS. Die zweite Geschichte ist farblich nicht nur anders unterlegt als KILLTOWN (ein helles Blaugrau anstelle eines kühlen Oranges), sie bietet außerdem ein völlig anderes Szenario. Im Gegensatz zum ersten Abenteuer ist hier der Coup bereits gelaufen und PARKER befindet sich auf der Flucht. Auf eben jener sucht er Zuflucht in einem Vergnügungspark, außerhalb der Öffnungszeiten. Wir befinden uns in BUFFALO, NEW YORK im Jahre 1969, Ort der Handlung: FUN ISLAND.

Allein gegen alle. So könnte ein Untertitel heißen. Ein besonderer Unterschied zum ersten Thriller: Hat der Leser PARKER zuvor noch als umgänglichen Charakter kennengelernt, wenigstens im Rahmen seines Gangsterumfeldes, agiert PARKER nun als derjenige, der er im Kern seines Wesens ist. Ein eiskalter Killer. Eine zahlenmäßige Übermacht lässt ihn nicht verzagen. Das Gelände wird genutzt, um den Feind zu bekämpfen. Zu Beginn nutzt er jeden Vorteil, er ist derjenige, der jagt. Im weiteren Verlauf wird er zur Beute, die sich erbittert wehrt.

Nein, PARKER ist nicht nett. Dennoch, und das ist der Kniff an der Sache, einerseits von DARWYN COOKE (Adaption), andererseits von RICHARD STARK (Autor der Vorlage). PARKER ist ein Mörder. Aber der Leser wird zum Mitfiebern gezwungen. Ganz anders als bei späteren Helden, die zwar auch Leute umlegten und immerhin Cops waren.

Die kantigen Züge PARKERS passen toll zu dieser Figur, zu DARWYN COOKE seine ganz eigenen Entwürfe angestellt hat. Gemäß der Ära, in der die PARKER-Geschichten handeln, hat sich DARWYN COOKE an altgedienten HOLLYWOOD-Schauspielern bedient. STEVE MCQUEEN taucht lediglich einmal als MUSTERSKIZZE auf und könnte eine prima Vorlage sein, hätte DARWYN COOKE mit einem BURT LANCASTER in seinen besten Jahren nicht die absolut perfekte Blaupause gefunden. Dessen Züge bricht DARWYN COOKE letztlich in seinen unverwechselbaren Zeichentrickstil herunter.

Eine Auswahl von Zeichnungen, die für Ausgaben von illustrierten Romanen genutzt werden sollten, zeigen deutlich, dass DARWYN COOKE es auch ausgefeilter angehen lassen konnte und wie penibel komponiert manches Bild war. Tolle Einblicke in den Schaffensprozess eines Ausnahmekünstlers. ED BRUBAKER, BRUCE TIMM und SCOTT DUNBIER erinnern sich außerdem in einem Gespräch an ihre Erfahrungen mit DARWYN COOKE.

Eine Kurzgeschichte, MORGEN, UND MORGEN, UND DANN WIEDER MORGEN (eine GROFIELD-STORY) kurz vor dem redaktionellen Teil rundet den Prachtband ab, der gleichzeitig die Werke von DARWYN COOKE um PARKER abschließt. Hier kommt wieder der erwähnte ED BRUBAKER ins Spiel. Gemeinsam mit SEAN PHILLIPS gestaltet er die Kurzgeschichte um eine der Nebenfiguren aus KILLTOWN. Das Künstler-Duo ist hierzulande bekannt durch SLEEPER und CRIMINAL, also erfahren in Sachen Thriller. Sie liefern ihre Arbeit als eine Art Verbeugung vor der Arbeit DARWYN COOKES ab. Gelungen, ja, detailfreudiger auf jeden Fall, aber bei weitem nicht so prägnant.

Eine großartige Zusammenstellung. Wie es schon im ersten Band der MARTINI EDITION der Fall war, präsentiert auch die zweite Ausgabe die abschließenden Werke DARWYN COOKES über den KILLER und BERUFSGANGSTER namens PARKER (geschaffen von RICHARD STARK). Ich behaupte, ein Leser kann merken, ob ein Comic-Künstler von einem Thema begeistert war. Hierin dürfte DARWYN COOKE aufgegangen sein. Das Ergebnis ist erste Klasse! Wer toughe Gangster-Geschichten mag, findet hier ein echtes Urgestein des Themas, im besten Sinne in einer Reihe mit Krimis aus der Schwarzen Serie Hollywoods. Empfehlenswert! 🙂

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Samstag, 23. Juli 2022

WONDER WOMAN – DEAD EARTH 2

Filed under: Superhelden — Michael um 16:54

WONDER WOMAN – DEAD EARTH 2Dort, wo sich die letzten Überlebenden der Menschheit aufhalten, gibt es nichts mehr, das den drohenden endgültigen Untergang aufhalten kann. Vielleicht gibt es noch ein letztes Refugium. WONDER WOMAN kennt nur einen Ort, wo sie stets Schutz fand, nämlich auf ihrer heimatlichen Insel, umgeben von den übrigen Amazonen. Unter ihrer Führung gelangen die Menschen nach furchtbaren Kämpfen zur Küste. WONDER WOMAN setzt in Begleitung zweier neuer Freunde zur Insel über. Und jetzt beginnt der Horror erst richtig …

Im zweiten Teil der vierteiligen SAGA von WONDER WOMAN – DEAD EARTH ist keine Entspannung angesagt. DANIEL WARREN JOHNSON (Autor, Zeichner) und MIKE SPICER (Farben) haben das Glück, sich in dieser unter dem DC BLACK LABEL erschienenen Geschichte im Albenformat austoben zu dürfen. Das bekommt der Fortsetzung hervorragend.

Eines der Zauberworte dieser Episode lautet EXODUS. VERHEISSUNG könnte die andere Überschrift sein. WONDER WOMAN, die sich geradezu davor zu fürchten scheint, diesen Namen zu benutzen und als DIANA auftritt, verspricht eine Heimat. Eine Heimat, die hätte geschützt sein sollen. Die versteckt vor den Augen der Menschen war. DIANA dachte, nichts könnte etwas daran ändern. Ja, es gibt reichlich ACTION in dieser Episode, aber das DRAMA steht im Vordergrund. ACTION ist nur der Transporteur. Hätte der Leser annehmen können, WONDER WOMAN sei in der ersten Folge bereits ausreichend demontiert worden, sieht sich in dieser Episode eines Besseren belehrt. Die Talfahrt der einstigen HELDIN setzt sich ungebremst fort.

MONSTER durfte der Leser bereits in der ersten Folge kennenlernen. Hier können, was die Größe anbelangt, DANIEL WARREN JOHNSON und MIKE SPICER noch eine Schippe drauflegen. Was der Leser nämlich hier geboten bekommt, hat schon CTHULHU-Ausmaße. Und ist zunächst ebenso geheimnisvoll und menschenfeindlich. Aber es ist auch (im für die Geschichte positiven Sinne) so richtig ekelig! Eine Mixtur aus Raupe, Drache und schleimigen Einzelteilen türmt sich wie der allseits beliebte Endgegner eines Computerspiels vor einem armselig unterbewaffneten Häuflein Menschen auf. Eine grandiose Szenerie, die DANIEL WARREN JOHNSON hammerstark auflöst.

An dieser Stelle wird ein MONSTERHORROR eingeläutet, der es in sich hat, denn wer mit besagtem Endgegner beginnt und dann noch einen drauflegt, der weiß, wie DRAMA auch in einem Superheldenabenteuer funktionieren kann. Nebenbei wird die APOKALYPSE extra heiß serviert. Mit der (vorläufigen) Antwort auf die Frage, warum dies alles geschah (der Weltuntergang), kehrt außerdem eine große Traurigkeit in die Geschichte ein.

Die Optik ist brachial, weiterhin stimmig zur Atmosphäre dieser besonderen Handlung. DANIEL WARREN JOHNSON schon die Heldin nicht. In der Erzählung nicht, auch grafisch nicht. WONDER WOMAN leidet auf einer ganz persönlichen TOUR DE FORCE.

Teil 2 des Vierteilers hält, was der erste Teil versprochen hat. Geradlinig, voller Power, erzählerisch wie optisch, steht die Endzeitstimmung weiterhin ganz oben im Kurs, gepaart mit mythologischen Anklängen. Die APOKALYPSE macht auch vor den göttlichen Sphären nicht Halt. Starke Nummer! 🙂

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Donnerstag, 21. Juli 2022

WONDER WOMAN – DEAD EARTH 1

Filed under: Superhelden — Michael um 19:39

WONDER WOMAN – DEAD EARTH 1In einer Welt aufwachen und nichts ist mehr, wie es vor dem Einschlafen war. Da sind Erinnerungen an eine Kindheit auf der Insel der Amazonen, an die Mutter. Es gibt Bilder eines Flugzeugabsturzes. Ein Mann in einem Doppeldecker fiel vom Himmel auf ihre Insel herab. Sie sieht das Bild des Mannes vor sich, wie er vor den aus dem Flugzeug schlagenden Flammen kniet. Die Erinnerungen verblassen rasch, als sie, kaum dass sie die Augen aufgeschlagen hat, sich einer kuriosen und höchst gefährlichen Bestie erwehren muss. Der Kampf ist blutig. Dann folgt die Erkenntnis. Offensichtlich ist sie einer Tiefschlafkammer entstiegen. Und mehr noch! Unweit liegt der Leichnam eines Mannes, den sie zu seinen Lebzeiten sehr geschätzt hat und einen Freund nannte. Und gleich dahinter erwartet sie der Anblick einer verbrannten Welt namens Erde …

DANIEL WARREN JOHNSON ist hierzulande mit der Veröffentlichung von EXTREMITY (Cross Cult) aufgefallen. Die SciFi-Fantasy-Geschichte hatte er selbst geschrieben und gezeichnet. Die Kolorierung übernahm, wie im vorliegenden Band WONDER WOMAN – DEAD EARTH 1, MIKE SPICER. Man könnte den Zeichenstil von DANIEL WARREN JOHNSON mit PUNK überschreiben. Die skizzenhaften Zeichnungen werfen Vorgaben über Bord und nehmen sich aus anderen Stilrichtungen, was es gerade braucht, um eine Szene möglichst eindrucksvoll zu gestalten.

Den Leser erwartet eine endzeitliche Welt. Sand, Staub und Steine dominieren. Einschlagskrater finden sich, Monstren streifen umher und machen den überlebenden Menschen das Leben schwer. Arenenkämpfe, Zweikämpfe auf Leben und Tod sorgen für die Unterhaltung der todgeweihten Menschen, denn Verpflegung wird immer schwieriger in der desaströsen Landschaft zu finden. DANIEL WARREN JOHNSON beschreibt eine grauenhafte Welt. Selbst in MAD-MAX-Streifen ist für die Menschen mehr zu holen. Die Zeichnungen sind packend, Charaktere schnell umrissen. Fans von apokalyptischen Szenarien werden ebenso abgeholt wie jene, die sich im Umfeld der göttlichen Heroine auskennen. Gerade hier gibt es eine gehörige Überraschung.

MIKE SPICER, der Kolorist, lässt die Umgebung, die Action lebendig strahlen. Starke Kontraste von dunkleren Bereichen und grellen, explosiv leuchtenden Nuancen wechseln einander ab. Das gibt dem Szenario einen mittelalterlichen Touch. Das passt sehr gut zu einer menschlichen Gesellschaft, die in archaische Strukturen abgerutscht ist. Es gibt in der Comic-Szene einige Duos von Zeichnern und Koloristen, die sich durch ihre Zusammenarbeit einen Namen gemacht haben. DANIEL WARREN JOHNSON und MIKE SPICER könnten sich hier ebenfalls durchsetzen. Mit WONDER WOMAN – DEAD EARTH und EXTREMITY haben sie schon einmal ein Zeichen gesetzt.

Was wäre wenn? Die Oberfläche der Erde ist ruiniert, im wahrsten Sinne des Wortes. WONDER WOMAN wird in eine Welt geworfen, die mit der, die sie kannte, nichts mehr zu tun hat. DANIEL WARREN JOHNSON und MIKE SPICER können abseits des Mainstreams des allseits bekannten Comic-Multiversums von DC völlig unbefangen erzählen, zeichnen, kolorieren. Es hagelt düstere Überraschungen in einem starken, haargenau dazu passenden Look! Top!!! 🙂

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Sonntag, 19. Juni 2022

ONCE & FUTURE 3 – DAS PARLAMENT DER ELSTERN

Filed under: Horror — Michael um 14:14

ONCE & FUTURE 3 – DAS PARLAMENT DER ELSTERNBRIDGETTE, DUNCAN und ROSE besuchen einen Pub, das THE LANCELOT ARMS. Die dort versammelten Gäste sind alles andere als begeistert über das Auftauchen der Fremden. Bevor sich die Situation hochschaukelt, erscheint völlig überraschend eine dritte Partei: DER GRÜNE RITTER. Er fordert die Anwesenden zu einem Spiel auf. Wer sich dem Spiel verweigert, verliert seinen Kopf, mitleidlos und rasch. Erst ROSE – nach einem ziemlichen Gemetzel – hat die – vorerst – rettende Idee, wie der Rest der Anwesenden ihre Köpfe behalten können.

Viele Landstriche, Länder, ganze Kontinente haben ihre ganz eigenen besonderen Mythen. Und ein paar davon haben es sogar zu weltweiter Prominenz gebracht. KÖNIG ARTUS und seine berühmte TAFELRUNDE ist sicherlich eine davon. KIERON GILLEN hat sich dieser reichhaltigen mythologischen Landschaft angenommen. Längst nicht alles bisher hatte mit ARTUS zu tun, aber diese Figur sitzt immer noch im Kern der ANDERSWELT wie eine Spinne im Netz.

Der Leser, der nur halbwegs an englischen Mythen interessiert ist, wird bestimmt einmal auf ARTUS und seine damit verbundenen Legenden gestoßen sein. Aber keine (bestimmt gar keine!) wird auch nur ansatzweise mit den in ONCE & FUTURE auftretenden Interpretationen übereinstimmen. Neben den bisher bekannten Figuren aus den ersten beiden Bänden (MERLIN gehört natürlich auch dazu) tritt nicht nur DER GRÜNE RITTER auf (eine sehr skurrile Figur), sondern mit LANCELOT ein Charakter, der gerade in der SAGA um die diversen RITTER DER TAFELRUNDE eine sehr spezielle Rolle einnimmt.

KIERON GILLEN nimmt diese Figur und benutzt sie als Trigger, um weitere (folgenschwere) Ereignisse in Gang zu setzen. Um es sich vorstellen zu können (für jene, die bisher noch keinen Blick in ONCE & FUTURE geworfen haben): Zeichner DAN MORA hat aus den RITTERN eine Art ZOMBIE in einer RITTERRÜSTUNG gemacht. Ferner gibt er ihnen Eigenschaften mit, die auch über das übliche Maß einer fantastischen Kreatur hinausreichen. Das sorgt für viele (sehr viele) Überraschungen, nicht nur für den Leser, die Helden des Abenteuers sind ebenfalls öfters kurz vor der Sprachlosigkeit. Selbst BRIDGETTE, eine alte Dame mit MONSTERJÄGERVERGANGENHEIT, hat nicht alles, was ihr hier über den Weg läuft, schon gesehen.

Wie soll man die Mischung beschreiben? Vielleicht ist es so, als träfe BUFFY auf MONTY PYTHON und GAME OF THRONES. DRACHEN inklusive. DAN MORA (Zeichnungen) und TAMRA BONVILLAN (Farben) machen aus dieser Comic-Reihe etwas Herausragendes. Erzählung und Thema stechen bereits aus der Masse fantastischer und gruseliger Comics heraus. Die Bilder, das Arrangement der Bildfolgen, die Einfälle bei der Gestaltung der Kreaturen und ihrer Fähigkeiten sind ein echter Knaller. Sobald die ANDERSWELT in den Sequenzen dominiert und CAMELOT die Szenerie übernimmt, entspinnt sich eine fantastische Bilderwucht. Was qualitativ auf den Covern zu sehen ist, erhält der Leser ebenso im Innenteil.

Die Szenen im heutigen Eingland lassen sich als Action-Thriller umschreiben (solange nichts ÜBERNATÜRLICHES den Weg der drei Helden kreuzt; auch das kommt vor). Das allein hätte bereits eine Menge Potential für ein starkes Lesepaket. DAN MORA und TAMRA BONVILLAIN könnten diese Genre locker stemmen (nichts dagegen, wenn sie’s mal täten). Hier toben sie sich so richtig an den MONSTERN aus. Das sind die Höhepunkte, die in immer kürzerer Folge eingeflochten werden, bis zum krassen Finale!

DAS PARLAMENT DER ELSTERN, so lautet der Titel des dritten Bandes von ONCE & FUTURE. Das Intro geht direkt auf diesen Titel ein. Es dürfte eine heftigsten Einleitungssequenzen im Comic allgemein sein, blutig, mysteriös, verdammt düster. Aber es setzt sofort, von Seite 1 an, den Stimmungslevel auf das entsprechende Niveau, was bis zum Schluss gehalten wird.

Die Helden der alten britannischen Sagen sind echte Bastarde! Und machen den drei Helden von ONCE & FUTURE das Leben tierisch schwer. Verflucht starker dritter Teil, mit großartigen Illustrationen und tollem Zug quer durch den gesamten Band, einem heftigen Cliffhanger! Eine der besten Fantasy-Action-Stories seit langem! 🙂

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Samstag, 18. Juni 2022

FEAR AGENT 4

Filed under: SciFi — Michael um 16:35

FEAR AGENT 4Welt kaputt. Alles verloren. Allein als Mensch im All. Das kann einen schon zum Saufen bringen. Aber der Lebensunterhalt will auch verdient werden. Und das Raumschiff will fliegen. Wie gut, wenn man gut im Töten, Ballern, Kopfgeldjagen und Söldnertum ist. Irgendwie alles zusammen. Wie gut, dass man dann HEATH HUSTON heißt, weil man sowieso in jeden Fettnapf tritt, den das Universum zu bieten hat!

RICK REMENDER erzählte in den ersten drei Bänden von FEAR AGENT, die Geschichte eines Mannes, der alles verloren hat und dem das Universum wirklich übel mitgespielt hat. Gleichzeitig kreierte RICK REMENDER einen Charakter, der bereit war, es dem Universum mit gleicher Münze heimzuzahlen. In mehreren Kurzgeschichten kehrt diese Tough-Guy-Ikone des Science-Fiction-Comics noch einmal zurück. RICK REMENDER gibt die Erzählungen weitgehend an andere Autoren ab. Auf die bisher bekannten Zeichner der Reihe muss der HEATH-HUSTON-Fan verzichten, dafür sind nun 18 neue Künstler an der Reihe.

FEAR AGENT bedeutet ein Stück weit Chaos. Käme er aus dem Genre WESTERN (es gibt hier wieder einmal entsprechende Anleihen), wäre HEATH HUSTON ein großer ITALO-WESTERN-Held. Hier muss alles ein wenig drüber sein, etwas mehr, etwas größer, derber, brutaler, häßlicher, kauziger. Beispiele hierzu gibt es reichlich. Es gibt Verbeugungen vor dem Genre selbst und auf der anderen Seite, wird sich nicht gescheut, das in die Geschichten zu integrieren, was man gerade aus anderen Genres brauchen könnte.

Als Hommage zu verstehen, sind Stories wie IM AUGE DES CHAOS (ein wenig MANN IM MOND, ein wenig CTHULHU im Weltraum) oder MENSCH ZUM DINNER (was sich ein ROALD DAHL ausgedacht haben könnte) oder UND DANN KAM EINE SPINNE (in der WESTERN mit ALIENS), während DIE PRINZESSIN VON RONGAR ein Ausflug ins HIGH-FANTASY-Genre ist.

Bei 18 verschiedenen Zeichner hat der 4. Band von FEAR AGENT natürlich einiges zu bieten. Manches verströmt Heavy-Metal-Feeling. Zeichner MARK TORRES erinnert stilistisch an einen MIKE MIGNOLA (der hier leider nicht dabei ist). Zeichner JAMES CALLAHAN ist ein grafischer Verwandter eines EDUARDO RISSO (der ist leider auch nicht dabei, obwohl das hier durchaus sein Thema wäre). In NICHTS ZU BEFÜRCHTEN bietet KIERON DWYER (geschrieben von RICK REMENDER selbst) eine feine Trickfilm-Atmosphäre auf. Teilweise waren Stilistiken eines BERNIE WRIGHTSON zu entdecken (was nicht zuletzt an der Zombie-Version von HEATH HUSTONS Frau liegt).

Persönliche Zeichner-Favoriten: PAUL RENAUD (DIE PRINZESSIN VON RONGAR), weil es ein feiner realistischer Stil ist, mehr davon! Außerdem: KIERON DWYER (NICHTS ZU BEFÜRCHTEN), hat den stilistischen Realismus eines BERNIE WRIGHTSON, auch starken Schwung, etwas anarchischen Touch.

FEAR AGENT liegt im 4. Band natürlich immer nur häppchenweise vor. Die Geschichten sind kurz und meist so erzählt, als habe es zuvor schon einen längeren Anlauf gegeben. Man könnte auch sagen: Jede Story ist ein Finale! Ruhephasen (kleine Pausen für HEATH HUSTON, bevor es wieder zur Sache geht) sind äußerst kurz, dafür ist die Geschwindigkeit der Erzählung meistens hoch. Exemplarisch hierfür sind die Geschichten DIE GEDÄRME DES ALLS (ist so abgefahren wie es klingt) oder VON HIER ZUM URANUS oder EIN SCHMUTZIGER AUFTRAG. In die Story reinspringen und durchziehen.

Das kann natürlich bei weitem nicht so in die Tiefe der Figuren gehen, wie es die Vorgängerbände geschafft haben. Die Geschichten sollen einem flott um die Ohren fliegen (tun sie!) und Space-Opera-Feeling vermitteln (tun sie; hat ein wenig von früheren Space Operas, die so manchem SciFi-Fan als Vorlage dienten wie FLASH GORDON) und haben einige starke Prisen Gruselhorror zu bieten (Creepshow lässt grüßen).

Das ist Space-SciFi-Fun! Gut für zwischendurch, fein portioniert. HEATH HUSTON, der FEAR AGENT, ist ein BRUCE WILLIS auf Comic-Seiten, im Weltraum. Er ist nicht nett, er lässt es krachen. Man möchte ihn bloß an seiner Seite haben, wenn einen ein fieses Weltraummonster fressen will und man jemanden braucht, der dem Vieh in den A**** tritt! So wie nicht selten in diesem Band. 18 Zeichner und 12 Autoren sorgen für viel Abwechslung, Spannung und Spaß in durchweg gelungener Optik! 🙂

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Freitag, 03. Juni 2022

ONCE & FUTURE 1 – DER KÖNIG IST UNTOT

Filed under: Horror — Michael um 15:58

ONCE & FUTURE 1 – DER KÖNIG IST UNTOTDUNCAN ist ein normaler junger Mann und versucht ein normales Leben zu führen. Dazu gehören natürlich auch Dates. Aber irgendwie ist er ein Tolpatsch. ROSE, die ihm im Restaurant gegenüber sitzt, hatte sich von DUNCAN etwas anderes erhofft. Ihr weißes Kleid färbt sich unter einem Schwall Rotwein, den DUNCAN in seiner Ungeschicklichkeit quer über den Tisch befördert hat. Der Abend scheint gelaufen. Das bewahrheitet sich schnell, denn kurz darauf klingelt das Telefon. DUNCANS GROSSMUTTER BRIDGETT ist aus dem Heim abgehauen …

DER KÖNIG IST UNTOT! Ein perfekter Untertitel. Die Legende von König ARTUS (oder ARTHUR, je nachdem, welche Auslegung gerade in ist) hat schon viele Umsetzungen in Roman und Film erfahren. Auch Comic-Umsetzungen waren vertreten. Da war es eigentlich an der Zeit, dass diese Legende einmal ordentlich und mit viel Schmackes demontiert wird. KIERON GILLEN hat sich diese Aufgabe angenommen und einen ARTUS aus dem Hut gezogen, der nichts edles mehr an sich hat und nur eines im Sinn hat: ANGELSACHSEN TÖTEN.

Bereits das Erwachen des einstigen Monarchen hat es in sich. Kurz nachdem der untote KÖNIG sich wieder artkulieren kann, offenbart er seine Talente. Er erkennt ANGELSACHSEN am Geschmack ihres Blutes. Für jene, die ihm eigentlich dienen wollten und einer Blutlinie entstammen, die keine britannische Reinheit verspricht, nimmt es ein böses Ende. Mit dem untoten ARTUS folgen mächtige und gruselige RITTER. Klar, was passieren muss! Das BÖSE braucht einen Gegner, der es aufhält!

KIERON GILLEN setzt auf ein TRIO mit höchst unterschiedlichen Rollen. An erster Stelle, als Auslöser des Ganzen ist eine der außergewöhnlichsten OMA-Charaktere zu nennen, die wohl bislang in einem Comic (oder auch in Roman oder Film) ihren Auftritt hatten. BRIDGETT war in jüngeren Jahren eine Art BUFFY, eine MONSTERJÄGERIN, die sich irgendwann, als alles DÄMONISCHE ausgerottet schien, aufs Altenteil zurückgezogen hat. Leider ist das BÖSE nun zurück. Die OMA macht sich wieder an die Arbeit, diesmal unterstützt von Enkel DUNCAN, der ganz langsam in eine völlig neue LEBENSROLLE hineinwächst. Selbst ROSE findet sich plötzlich in einem gänzlich anderen Lebensabschnitt wieder.

DAS FETZT! Anders lässt es sich nicht sagen. KIERON GILLEN hat eine hohe Erzählgeschwindigkeit. Von Kapitel zu Kapitel jagt ein Höhepunkt, ein Cliffhanger den nächsten. Das ist unter dem Strich sehr viel ACTION gepaart mit einer Rätselpartie im Stile eines Rollenspiels oder eines Computergames. Für die Umsetzung hat KIERON GILLEN mit DAN MORA (Zeichnungen) und TAMRA BONVILLAIN (Farben) perfekte Co-Künstler gefunden. DAN MORA zeichnete tatsächlich an einer Comic-Umsetzung von BUFFY und findet sich, gemessen daran, rasch in das Monsterszenario ein. Realistisch, hart, gruselig entsteht ein Bilderreigen, der auch den Ideen eines MIKE MIGNOLA entsprungen sein könnte.

Die Zeichnungen von DAN MORA sind perfekt, die Kolorierung von TAMRA BONVILLAIN setzt dem Ganzen die Krone auf. Eine leuchtende Nacht, in den HIERWELT wie in der ANDERWELT, präsentiert eine Farbenpracht, wie man es angesichts des Settings erwarten kann, aber eigentlich eher selten bekommt. Das magische Umfeld ist in einen regelrechten Farbenrausch getaucht.

Starke Nummer, starker Auftakt, hammermäßige (und mal ganz andere) Charaktere. Tolles Tempo, Luftholen allenfalls am Kapitelende erlaubt. Genial illustriert, detailverliebt und extrabunt. Top! 🙂

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Dienstag, 12. April 2022

DER KILLER – SECRET AGENDA 3 – PRÄZISIONSARBEIT

Filed under: Thriller — Michael um 17:00

DER KILLER - SECRET AGENDA 3 - PRÄZISIONSARBEITEin ganz normaler Tag. Die Menschen flanieren über die Straßen. Plötzlich ändert sich alles. Zwei Männer halten mit ihrem Wagen und steigen, ihre Kalaschnikows im Anschlag, aus. DER KILLER weiß, was als nächstes geschehen wird. Er kennt das System, er seziert es im Geiste. Er ist ein Problemlöser. Lange Zeit im Auftrag, später für die eigenen Interessen und inzwischen für ein geheimes Aufräumkommando. DER KILLER hatte lange agiert, als könne er nicht erwischt werden, dabei hatten offizielle französische Stellen ihn längst im Visier. Aber dort wusste man seine Talente zu schätzen. Man stellte ihn vor die Wahl: Einfahren oder ausführen. DER KILLER entschied sich für Letzteres.

Bislang verlief seine Arbeit in der französischen Hafenstadt auf Befehl. Das Verbrechen beherrscht die Stadt. Dealer, Mörder, Korruption. Von oberster Stelle gedeckt. Von noch höherer Stelle aus ist man nicht mehr bereit, bloß noch zuzusehen. Durch eine falsche Identität geschützt, beobachtet DER KILLER und tüftelt im kleinen Team an Lösungen, die nicht erkennen lassen, ob es sich um Bandenkriege handelt oder ein ordentliches Ausputzen der Straßen …

MATZ (Autor) und LUC JACAMON (Zeichner) haben ihren KILLER in ein Szenario geschickt, das dem (französischen) Leser in manchen Belangen bekannt vorkommen muss. Politik in Frankreich gibt ein leicht unterschiedliches Bild von dem in Deutschland ab. Von außen betrachtet ist es lauter, etwas greller, teils pikanter, glorioser. Die politische Parteienlandschaft ist eine andere. Das ist der Historie geschuldet. Revolution und kopflose Könige sind noch in guter Erinnerung. Wer den dritten Band von SECRET AGENDA, PRÄZISIONSARBEIT, liest, wird dem zustimmen.

Und der Titel des zugleich dritten Zyklus ist Programm. Grundsätzlich faszinierend an der kompletten Serie ist die Ruhe und Beherrschung der Hauptfigur. Gönnte sich DER KILLER zu Beginn noch Ausrutscher wie das Gründen einer Familie, ist er nun auf dem Höhepunkt von Coolness und philosophisch sezierender Finesse. Das macht selbst seinen (ihm zugewiesenen) Partner während der einzelnen Aufträge zumindest unruhig. Töten ist Geschäft, lautet die klare Ansage. Töten ist nicht Spaß. Töten kann höchstens noch Selbstschutz sein, wenn die Gefahr besteht, wiedererkannt zu werden. Das lässt einzelne Situationen nach einem Kinderspiel aussehen. In Wahrheit behält DER KILLER selbst unter Druck noch den Überblick. Während um ihn herum andere sogenannte Profis, sei es von der Polizei oder aus der Gangsterriege, die Nerven verlieren und, kurz gesagt, sterben.

Wenn es ein Spiel in dieser Geschichte gibt, dann ist es jenes Leben, das DER KILLER zur Tarnung aufrecht erhält. Es sind diese kleinen Momente, die ihm ein Lächeln entlocken. Und es ist nicht leicht zu verstehen, ob es tatsächlich jene Momente sind oder die Bekundungen von Kollegen, die ihm unterstellen, ein Glückspilz zu sein. Es ist erstaunlich, wie bereitwillig (obwohl gegen seinen Willen) und wie hervorragend DER KILLER diese Alltagsrolle spielt. Seine Anpassungsfähigkeit sowie seine Intelligenz sind stark ausgeprägt. Es wird in SECRET AGENDA bereits deutlich. Kennt man seine bisherige Vorgeschichte, werden diese Eindrücke noch besser untermauert.

Seine Weisheiten aus dem Off, Erkenntnisse aus einem Leben voller Gewalt rund um den Globus, belegen einerseits, wie weit er sich bereits aus dem normalen Leben verabschiedet hat. Andererseits legt ihm Autor MATZ Gedanken in den Mund, die auch jenen Lesern kommen können, die lediglich einen Tag lang durch sämtliche Nachrichtenkanäle springen, um einen Gesamteindruck der Menschheit zu erstellen. Es würde in der Öffentlichkeit nur einen leicht pychotischen Eindruck hinterlassen, ähnliche Schlüsse zum Besten zu geben. Oder man ist Kabarettist. Doch davon ist DER KILLER weit entfernt.

LUC JACAMON trägt mit seinen auf Realismus ausgelegten Zeichnungen die Serie. Verabschieden müssen sich die Leser von exotischen, internationalen Kulissen. Dafür taucht der Leser in das Alltägliche ein, was den Realismus noch wichtiger werden lässt. Denn hier lauert hinter dem Alltag das Verbrechen und ungezügelte Brutalität. MATZ hat seinen Kollegen LUC JACAMON hier zwei Polizisten gestalten lassen, die als das postive Gegenelement des KILLERS gewertet werden können. Die aber gleichzeitig erkennen, dass eine Zeitenwende durch die Ereignisse in diesem Band stattfindet. Die beiden Buddys sind (als Nebendarsteller) fein illustriert und in der Geschichte aufgebaut (fast könnte man an die Vorbereitung eines Spin-offs glauben). LUC JACAMONS Illustrationen sind darüber hinaus gewohnt souverän. Stellenweise tragen sie die Atmosphäre hervorragend. Besonders die Tristesse von des KILLERS vorgestäuschtem Leben wird schnell fassbar.

DER KILLER ist ein Garant für einen Top-Thriller, gerade im dritten Zyklus, der dem europäischen Leser deutlich näher ist als die vorangegangenen Geschichten. Top illustriert von LUC JACAMON, top erzählt MATZ, der den Leser (könnte man sagen) zum Mitwisser macht. Die Kenntnis um die Ereignisse in den vorherigen beiden Bänden von SECRET AGENDA ist allerdings Pflicht. 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.

Montag, 04. April 2022

MORBIUS – DER LEBENDE VAMPIR

Filed under: Superhelden — Michael um 18:10

MORBIUS – DER LEBENDE VAMPIR – HELD AUS DER FINSTERNISDie Wachen des Gefängnisses sind beschäftigt. Die Gelegenheit ist günstig. Und DR. MICHAEL MORBIUS nutzt sie! Nach einer kurzen Verabschiedung von DR. CURT CONNORS (in Echsengestalt) ist DER LEBENDE VAMPIR auf der Flucht. Von den Erinnerungen an seine Kindheit und seine Verwandlung geplagt, sucht er sich den schlimmsten Stadtteil von BROWNSVILLE, der sich finden lässt, in der Hoffnung, dort vorläufig unterzutauchen. Doch der Wunsch unauffällig und unenddeckt zu bleiben, erfüllt sich nicht. NOAH ST. GERMAIN, eine örtliche Kriminellengröße, wird auf ihn aufmerksam und hat nichts besseres zu tun, als MORBIUS zu verprügeln. Ohne zu ahnen, dass DER LEBENDE VAMPIR sich nur mit Mühe zurückhält und seinen BLUTDURST unterdrückt …

Gerade noch im Kino, zuvor schon in einer prallen Ausgabe einer zusammengefassten Miniserie: MORBIUS, DER LEBENDE VAMPIR in seinem Abenteuer: HELD AUS DER FINSTERNIS. Ein Typ, der sich echt bemüht, anderen aus dem Weg zu gehen, nun zwischen die Fronten gerät und sich auf die Seite der Unterdrückten und Gepiesackten schlägt. Leider haben ihn seine Begierden mehr im Griff, als er gerne hätte und so schlägt die Natur des LEBENDEN VAMPIRS schneller als erwartet zu. Darüber hinaus kann er nicht ahnen, dass hinter den Kulissen längst eine viele größere Bedrohung in den Startlöchern steht. Und ein alter Bekannter namens SPIDER-MAN in dieser Angelegenheit zu einem wichtigen Mitstreiter werden wird.

Mehrere Zeichner mit unterschiedlichen grafischen Charateristika haben diese sehr stramm durcherzählte Geschichte betreut. Vornehmlich ist der MARVEL-Realismus Trumpf, aber es gibt auch Passagen eines abstrahierten Stils, kantig, düster, sehr fett getuscht. Das bricht optisch aus dem gewohnten Muster aus, packt die Geschichte aber im Kern und stellt die sehr breit aufwartende Finsternis dieses Comic-Thrillers klar ins Licht. Denn in der Bewährung für das Gute geht es für MICHAEL MORBIUS geradewegs in den Abgrund.

Die Gegner bleiben etwas konturlos. Das mag an ihrem eher unbekannten Stellwert innerhalb der MARVEL-Hierarchie liegen, hat aber auch einen netten Nebeneffekt. Die Handlung bleibt unvorhersagbar, überraschend und an manchen Stellen optisch ungewöhnlich. Was wiederum mit der Wahl der Waffen einer speziellen Gegnerin zusammenhängt. JOE KEATINGE, der den Löwenanteil des VAMPIR-Abenteuers geschrieben hat (neben DAN SLOTT), hat seinen Co-Künstlern am Zeichenstift eine Steilvorlage für einen klassischen CARPENTER-Look geliefert, ganz im Sinne einer KLAPPERSCHLANGE oder eines ANSCHLAG BEI NACHT. Die ACTION wirkt hier, vergleicht man es mit Filmen, handgemachter, realistischer. Sogar der Auftritt eines SPIDER-MAN trägt dem Rechnung.

Die spukigen Klamotten seiner Entstehungszeit sucht man hier vergebens. MORBIUS war eine Art DRACULA-Ersatz, ein Draculachen (obwohl der echte DRACULA ebenfalls im MARVEL-Universum herumturnte und in seiner Gesellschaft ein weiterer Held namens BLADE geboren worden war). Aber es brauchte einen Blutsauger, der auch tagsüber agieren konnte, eine Figur, die mit ihrer Existenz haderte (ein wichtiges Merkmal tragischer MARVEL-Helden). In den 1970er Jahren geboren, ist sein Dress jener Zeit eher ein düsteres Tanzoutfit, reif für ein vampirisches SATURDAY NIGHT FEVER oder ein fetziges AEROBIC-WORKOUT.

Der MICHAEL MORBIUS unserer Tage ist pragmatisch. Der Look ist lässig, alltäglich, mit JEANS und HOODIE. Nur einmal schlüpft er in eine Art Kampfmontur. Diese ist nicht stylisch, noch verfügt sie über irgendein erinnerungswürdiges Design. Dafür wirkt und agiert MORBIUS im Laufe der Handlung immer cooler, selbstsicherer, was ihn über seine Umgebung hinaushebt. Irgendwelche Booster-Tricks (hier puffend verschwinden, da puffend auftauchen) sucht man hier vergebens. Bei Hochgeschwindigkeitsaktionen herrscht Fehlanzeige. Gewaltausbrüche erinnern mehr an JOHN WICK oder NOBODY. Hier ist ein MICHAEL MORBIUS, der kämpft um sein Leben und seine Karten sind nicht die Besten.

Düsterer Knaller! Rauscht wunderbar durch von Anfang bis Ende. Kompromisslos erzählt, mit handgemachter ACTION inszeniert. Rückt den Anti-Helden in ein gutes Licht (obwohl die Handlung schon meistens nachts spielt). Ein vampirischer Superheld auf der Höhe der Zeit. Stark! 🙂

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Sonntag, 27. Februar 2022

FIRE POWER 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:44

FIRE POWER 2Eine ganz normale Familie. OWEN JOHNSON lebt in einer ganz normalen amerikanischen Bilderbuchnachbarschaft. Einfamilienhäuser rignsherum. Man kennt sich. Man hat familiäre Bindungen über mehrere Generationen. Man hat Freunde. Man lädt zum Gartenfest, zum Barbecue. OWEN JOHNSON hat sich gut im Leben eingerichtet. Er ist ein guter Vater, liebt seine beiden Kinder. Er verkauft Möbel, seine Frau ist Polizistin. OWEN JOHNSON genießt allgemein Respekt. Die Vergangenheit ist Vergangenheit. Aber vergessen kann er sie nicht. Denn auch jene Menschen aus besagter Vergangenheit haben ihn nicht vergessen. Obwohl derart viele Jahre vergangen sind und OWEN JOHNSON längst auf einem anderen Kontinent lebt.

Die Serie FIRE POWER von COMIC-IKONE ROBERT KIRKMAN geht in die zweite Runde. War der erste Teil eine Verbeugung vor den EASTERN der 1980er Jahre und gleichzeitig ein gelungenes ACTION-FEUERWERK, verändert er hier völlig das Setting und präsentiert fast einen Neuanfang, der auch ohne den ersten Teil stehen könnte. Denn ähnliche Ausgangssituationen gibt es häufiger im amerikanischen KINTOPP. Der von der Vergangenheit eingeholte Held muss sein neues Leben verteidigen. Hier ist ähnlich. Es beginnt schleichend mit dem Auftauchen eines Freundes von einst.

ROBERT KIRKMAN nimmt den Leser sachte mit auf die Reise dieses zweiten Bandes. Ein erster Kampf endet noch versöhnlich. Die nächste Attacke erfolgt ohne Vorwarnung, im eigenen Zuhause. Damit wendet sich alles, denn von nun an kann OWEN JOHNSON die Ereignisse nicht mehr aufhalten. ROBERT KIRKMAN spielt mit dem amerikanischen Vorstadtleben, auch den typischen Geschehnissen, mit denen ein COP tagtäglich umzugehen hat. Hier wird OWENS Frau ziemlich tough und wehrhaft präsentiert. Sie mag nicht ganz über die asiatischen Kampftechniken ihres Mannes verfügen. Doch sie kämpft mit harten Bandagen, überlegt, scheinbar furchtlos. Derart starke Paare finden sich in Geschichten selten. Eine erfrischende Neuerung (oder Ausnahme, ganz wie man will, es dürfte durchaus Schule machen).

Keine Bange! Trotz der Eingangsbeschreibung hagelt es reichlich Kämpfe. Je mehr die Handlung fortschreitet, wird den fantastischen Kämpfen eines asiatischen Kinos umso mehr gehuldigt. Natürlich sind solche Auseinandersetzungen geradezu übermenschlich. Nicht zuletzt verfügt OWEN JOHNSON, wie das Titelbild verrät und Kenner des ersten Bandes wissen, über die Gabe, Feuerbälle zu erzeugen. Es wird jedoch, dank ROBERT KIRKMANS ausgezeichneter Erzählweise, nicht einfach durch die Gegend gekämpft. Wegen der eingangs geschilderten familiären Befindlichkeiten wird es höchst dramatisch, weil keiner aus der vierköpfigen Familie unbetroffen bleibt.

CHRIS SAMNEE pflegt einen Zeichenstil, der auf den Punkt kommt. Seine in mancher Hinsicht reduzierten Grafiken weisen Parallelen zu einem frühen MIKE MIGNOLA auf (z.B. wie in FAFHRD UND DER GRAUE MAUSLING), als dieser zwar einem abgespeckten Zeichenstil frönte, aber immer noch detailreicher war als heute. CHRIS SAMNEE trifft sich mit seiner Arbeit aber auch auf Augenhöhe mit Zeichnern wie GABRIEL BÁ und TONY MOORE. Seine Technik könnte als Verschmelzung aus ihrer beider Stilistiken gedeutet werden. Es gibt durchaus die mit dünnen Strichen erzeugten Figuren in kleineren Ansichten oder solchen, die mit mehr Charakteren und Hintergründen versehen sind. Darüber hinaus wird er aber in Nahaufnahmen fetter im Strich, realistischer, während in der Verkleinerung Gesichter schonmal mangahaft entgleisen.

Familie? Dann ist alles eitel Sonnenschein. VON WEGEN! Die Kolorierung von MATT WILSON markiert gerade diese besonders normalen Tage mit Sonnenlicht. Der Rest des Abenteuers ist bald von Nacht und düsterer Flucht geprägt. Farbe trägt hier stark zur Stimmung bei. Das Kampftraining der Familie fällt, bei Tageslicht im heimischen Garten ausgeführt, heiter aus. Romantische Beleuchtung trifft das Augen, wenn OWEN JOHNSON und seine Frau sich einen schönen Abend in einem Restaurant gönnen. Aber, wie es heißt, der Schein trügt. Denn im selben Licht greift der Feind an. Was vorher anheimelnd wirkte, ist schließlich bloß die Ankündigung von Gewalt und Blut. Bricht erst echte nächtliche Stimmung herein, steigt auch die Spannung der handlung rasant an.

ROBERT KIRKMAN strickt gerne bestehende Regeln um, mischt neue Elemente hinzu und bastelt etwas Andersartiges. Ein Ergebnis davon ist der zweite Band von FIRE POWER, der es sich erlaubt, dank eines ordentlichen Zeitsprungs, wesentlich andere Wege zu gehen als sein Vorgängerband. Eindrücklich und mit Kameraauge von CHRIS SAMNEE und MATT WILSON in Szene gesetzt. Wer MARTIAL ARTS gemixt mit FANTASY und THRILLER mag, liegt hier goldrichtig! Top! 🙂

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