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Comic Blog


Freitag, 02. Dezember 2016

DER RING DER 7 WELTEN 4 – SCHICKSALSBANDE

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 21:25

DER RING DER 7 WELTEN - Band 4 - SchicksalsbandeTimo und Luce befinden sich in einem Überlebenskampf. Noch ahnen sie nichts davon, dass sie als Sklaven verkauft werden sollen. Aber Timo hat einen Freund, klein zwar, aber findig und voller Fähigkeiten, die von den Kindern ebenfalls nicht vorhergesehen werden konnten. Derweil tobt andernorts ein Partisanenkrieg. Die fremden Besatzer, die sich, dank einer überlegenen Technologie und ihres brutalen Vorgehens, in dieser Welt einigeln konnten, werden bei ihren Patrouillen immer öfter angegriffen und vernichtend geschlagen.

Wäre DER RING DER 7 WELTEN ein Filmset, würde es wohl einen höchst beeindruckenden Drehort abgeben. Im Kern spielt die Handlung auf oder in der Nähe einer schwebenden Stadt. Hinzu kommen die nicht zu vernachlässigenden Luftschiffe. Zeichner Matteo Piana und Kolorist Davide Turotti erschaffen eine verwinkelte Welt, scheinbar aus Teilen, die gerade zur Hand waren, zusammengehämmert. Hier passt nichts richtig, hier wurden Reste einer vergangenen Welt verbaut. Blech wurde wild vernietet, Versorgungsrohre laufen überall, ohne erkennbares Muster an den Wänden entlang.

Das Set könnte optisch einem Zeichentrickfilm entsprungen sein, hier noch mehr als in drei Vorgängerbänden. SCHICKSALSBANDE, so der Untertitel des 4. Abenteuers, schließt den Vierteiler als durchgehendes Finale ab. Der Junge Timo und das Mädchen Luce werden zu Schlüsselfiguren im Niedergang und Neubeginn einer Zivilisation. Waren die bisherigen Ereignisse bereits sehr abwechslungsreich und voller ungewöhnlicher Ideen, toppen die beiden Autoren Giovanni Gualdoni und Gabriele Clima noch einmal, indem sie besonders Timo eine spezielle Rolle zukommen lassen.

Timo besitzt nicht nur eine ausgefallen Gabe, er verfügt auch über das Talent, andere Menschen für sich einzunehmen. Dafür strengt er sich nicht einmal an. Die beiden Autoren haben ihn als Jungen angelegt, der eine ungezwungene Sympathie verströmt. Seine Beziehung zu Edon, einem kleinen Gestaltwandler, bringt ein märchenhaftes Element in die Geschichte ein. Gualdoni und Clima haben hier ein ähnliches Gespür für solche Verquickungen wie ein Loisel.

Zurück zur kriegerischen Auseinandersetzung, die im RING DER 7 WELTEN eine Kernrolle spielt. Die Optik wird von jenen Anime-Fans, die Filme mit archaisch technischem Hintergrund mögen, sofort ins Herz geschlossen werden. Dabei handelt es sich nicht japanische Comic-Künstler, sondern um ein italienisches Duo (Zeichner, Kolorist), das hier am Werk ist. Der Ausdruck der Figuren, die Atmosphäre, vermischt mit etwas Underground-Stil ergibt den perfekten Endzeit-Anime. Matteo Piana und Davide Turotti haben sich seit der Entstehung von DER RING DER 7 WELTEN in ein anderes SciFi-Universum, nämlich Star Wars begeben, wo sie an den Comic-Umsetzungen der Kinofilme beteiligt sind. (siehe Link)

Toll wirkt die weiche Farbgebung. Hier wechseln sich monochrome Eindrücke mit stimmigen, sehr intensiven nächtlichen Szenen ab. Licht in Form von Feuer oder Explosionen bedeutet stets Gefahr. Davide Turotti geht perfekt mit Licht und Schatten um und erzeugt eine sehr tiefe Szenerie, was letztlich den Zeichentrickeffekt um ein Vielfaches erhöht. Die Bilderabfolge von den Details der Wolkenstadt, den Straßenzügen, dem Kabelgewirr hinaus auf Abstand in die Wolken hat etwas von einem Storyboard, einer Filmvorlage für eine Kamerafahrt.

Ein schöner Knaller, weil die Geschichte und die Umsetzung einmal für Alben eine völlig andere sind. Unvorhersehbar erzählt, mit asiatischem Einschlag grafisch gestaltet ist DER RING DER 7 WELTEN ein kleiner Geheimtipp. Die Kenntnis der drei Vorgängerbände ist ein Muss, da es sich um eine sehr dicht zusammenhängende Geschichte handelt. Für Fans von Animes und Weltuntergangsszenarien. :-)

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Links:
Blog von Matteo Piana
Making Star Wars mit Matteo Piana und Davide Turotti

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Montag, 28. November 2016

THE WALKING DEAD 26

Abgelegt unter: Horror — Michael um 9:44

THE WALKING DEAD 26 - AN DIE WAFFENVorbereitungen auf den Krieg. Einen neuen Krieg. Nachdem die Auseinandersetzungen mit der kleinen Armee um Negan zugunsten der Gruppe um Rick ausgegangen war, hat sich mittlerweile ein neuer Feind aufgetan, der nicht weniger unerbittlich ist. Der neue Feind ist außerdem merkwürdig. Die meisten Menschen werfen einen Blick zurück auf die alte, vergangene Zivilisation und wollen die besten Teile davon bewahren, bestenfalls in ein neues Licht setzen. Der neue Feind will all das nicht. Der neue Feind arrangiert sich mit den Toten und lebt das Recht des Stärkeren. Wer sich unterdrücken lässt, hat es nicht besser verdient. Wer sich nicht wehrt, stirbt. Und sollte Ricks Zivilisation eine unsichtbare Grenze überschreiten, ist ein Kampf unausweichlich.

Langsam nähern sich die Zeitschienen der Comic-Vorlage und der Fernsehumsetzung einander an. Wo auf dem Bildschirm der Bösewicht Negan derzeit für Furore sorgt, ist er hier noch ein Gefangener der Gemeinschaft um Rick. Autor und Erfinder von THE WALKING DEAD, Robert Kirkman, hätte nach der dramatischen Auseinandersetzung gegen die Armee von Negan, diesen Halunken auch endgültig auslöschen können. Ricks Leute hatten durch den Tod von Glen genügend Ansporn dazu. Doch aus dem Todesurteil sollte eine lebenslange Haft werden und eine dauernde Mahnung an Rick, endlich einen neuen Weg, fort von der allgegenwärtigen Gewalt zu beschreiten.

Wie sehr Gewalt zur Spirale wird und einen Kreislauf in Gang setzt, der kaum durchbrochen werden kann, hat Robert Kirkman zu einem Kernthema der Serie gemacht. Mit der Apokalypse kehrt nicht einfach der Wilde Westen zurück, sondern das innere Biest wird bei jeder Gelegenheit frei gelassen. Angeblich, weil es nicht anders geht. Absurditäten, Abgründiges, Brutales und Perverses hat seinen Eingang in die nun 26teilige Serie gefunden. Die menschenfressenden Untoten haben auch ihre Hauptbeute, den Menschen, zu Monstern werden lassen. Die oder wir. Auge um Auge. Die einfachen Lösungen waren Programm. Kaum versucht Rick den Kurs zu ändern, legt ihm Robert Kirkman einen gewaltigen Stein in den Weg.

Charlie Adlard, in stilistischer Nähe zu Sean Phillips, einem anderen erfolgreichen Comic-Künstler, hat in Sachen Zombie-Action hier deutlich weniger zu tun als sonst. Wie gesagt, es macht sich bemerkbar, wer das wahre Monster ist. Deshalb liegt der Fokus auf den verfeindeten Parteien, die beide in dichten Szenenfolgen näher beleuchtet werden. Dabei wendet sich Charlie Adlard auch neuen Charakteren zu, so auch Beta, der zweite Mann in der Rangfolge der Flüsterer, dessen Gesicht immer unter der Haut eines Toten verborgen bleibt. Robert Kirkman spielt zwar manchmal mit Stereotypen, aber diesen Bond-Bösewicht, einen typischen Killer und Handlanger, gibt er durch Kleinigkeiten die nötige Tiefe. Und nimmt ihm dennoch nichts von seiner Bösartigkeit.

Gnädiges Schwarzweiß. Ja, es gibt weniger Zombie-Action, aber kaum weniger Horror. Was vielleicht einmal ein Markenzeichen abseits des Mainstreams war, In dieser Hinsicht hatte Charlie Adlard einmal mehr zu tun, jetzt ist die Bedrohung zwar vorhanden, aber ihr Auftreten plötzlicher geworden, schockierender auch, da die beiden Comic-Macher, Kirkman und Adlard, den Leser gelernt haben, in Sicherheit zu wiegen. Entsprechend stärker wirkt die Inszenierung entsprechender Szenen durch Adlard, wären sie von Cliff Rathburn, verantwortlich für die Graustufen, in Farbe getaucht, weil es sich um beinharte Splatterszenen handelt, die der Bildschirmumsetzung in Nichts nachstünden.

Der Wendepunkt ist erreicht. AN DIE WAFFEN lautet der Untertitel der 26. Folge. Der zweite Auslöser für einen Krieg ist nun vorhanden. Robert Kirkman wird sehr bald seine Helden erneut in die Schlacht schicken. Wie er dies hier vorbereitet, ist ein purer Thriller. Heftig, aber sehr spannend. :-)

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Donnerstag, 24. November 2016

REVIVAL 6

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 19:26

REVIVAL 6 - Deine treuen Söhne und TöchterEs waren einmal zwei Schwestern, die hatten einander sehr gern und dennoch gab es Differenzen. War die eine zum Erwachsensein gezwungen, da die Mutter viel zu früh verstorben war, war die andere unausgeglichen und rebellisch. Das Erwachen der Toten im kleinen Städtchen Wausau im ansonsten malerischen US-Bundesstaat Wisconsin verdrängt die privaten Unstimmigkeiten nur kurz. Die Probleme der beiden jungen Frauen sind sinnbildlich für das strukturelle und emotionale Chaos in Wausau. Es sind keine Zombies, die ihr Unwesen treiben, vielmehr kehren geliebte Menschen zurück und können einfach nicht mehr sterben, ganz gleich, was ansonsten mit ihnen geschieht. Das weckt Begehrlichkeiten religiöser Fanatiker und ruft gleichzeitig die nationale Sicherheit auf den Plan, denn so lange nicht geklärt ist, was es mit diesen Vorgängen auf sich hat, bleibt Wausau von der Außenwelt abgeriegelt und die Wiedergänger interniert.

Ein Blick auf das große Ganze: Wer oder was sind die hellgelben Geistwesen, die flüsternd umherziehen? Welche Erkenntnisse zieht das Militär aus seinen Bemühungen? Und zu welchem Zweck? Und zu guter Letzt stellt sich die Rätselfrage, wer hinter diesem unglaublichen Mysterium steckt? Gelöst wird sie hier noch nicht. Aber Autor Tim Seeley macht hier einen ordentlichen Schritt in die entsprechende Richtung, der vor allem durch das Verhältnis und die Ereignisse rund um die beiden Schwestern Dana und Martha, kurz EM, getragen wird.

EM, eine wunderbar widerborstige und energische Frauenfigur, angesiedelt zwischen Verzweiflung und unbändiger Wut, ist der große Wurf dieser Geschichte. Das Titelbild der aktuellen 6. Folge mit dem Untertitel DEINE TREUEN SÖHNE UND TÖCHTER zeigt sie in einer äußerst bedrohlichen Situation. Dank ihres toten Zustandes wirft sie sich oft regelrecht in Gefahren und überschätzt ihre Fähigkeiten nicht selten. Aber sie steckt auch wahnsinnig viel ein, mit fast zu viel Freude beinahe, als sehe sie sich längst in einer Art Überwesenform gefangen. Mike Norton, der Zeichner der Serie, bringt EM sehr stark zu Papier, mit einer für eine Comicfigur tollen Präsenz.

Einige Charaktere innerhalb der Serie entwickeln selbstzerstörerische Tendenzen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nur die Motivationen sind sehr unterschiedlich. Wahnsinn, Neugier, Verzweiflung, Zorn, aber auch, wie bei EM, Starrsinn, Gerechtigkeitssinn und Einsamkeit sind die Antriebe. Tim Seeley zeigt, wie isoliert die Wiederbelebten sind, entweder aktiv durch die Regierungsstellen oder, wieder wie in EMs Fall, durch den eigenen Rückzug. EM fühlt sich als ein Mensch, der seit dem Tod der Mutter weggestoßen wird, anscheinend im Weg steht. Obwohl das nicht der Wahrheit entspricht. Ihr Zustand gibt ihr die Möglichkeit zu einem Rundumschlag ohne Rücksicht auf Leib und Leben, schon gar nicht ihr eigenes.

Drama wird in dieser Folge sehr hoch gehalten und ist wichtiger als der Gruselfaktor, der von Tim Seeley beileibe nicht vernachlässigt wird. Aber wie in derzeit sehr erfolgreichen Filmserien bewirkt gerade die charakterliche Zeichnung der Figuren, ihre emotionale Tiefe, die von Mike Norton toll in die Gesichter geschrieben wird. Sein Zeichenstil ist von einem feinen Realismus getragen. Man folgt als Leser gerne EM, die auch die oder andere Einzelseite zur Präsentation bekommt.

Klasse Mystery-Horror mit hervorragenden Akteuren, bei denen Spaß macht zuzuschauen. Ein toller roter Faden verbindet die einzelnen Kapitel. Tim Seeley, inzwischen Horrorexperte im Medium Comic, versteht es wie Altmeister Stephen King seine Charaktere innerhalb einer packenden Handlung herauszuarbeiten. :-)

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Dienstag, 22. November 2016

SAGA 6

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 10:44

SAGA 6Gemeinsam mit der Großmutter ist die kleine Hazel eingesperrt, weil Kriegsgegner in diesem Krieg eingesperrt werden, ganz gleich in welchem Alter. Hazel besucht noch den haftinternen Kindergarten. Hazel hat in ihrem jungen Leben schlimmere Situationen kennen gelernt. Ihr Leben ist im Augenblick einigermaßen in Ordnung. Zwar sind ihre Eltern weit entfernt, aber Hazel hat die Hoffnung, dass sie von ihnen gefunden werden wird. Diese unternehmen tatsächlich waghalsige Anstrengungen bei der Suche nach ihrer geliebten Tochter und fügen so ihrem Verbrechensregister einige neue Posten hinzu. Aber sie finden eine heiße Spur …

Eine der aufregendsten SciFi-Soap-Opera-Familien seit den Skywalkers und den Robinsons ist zurück. Marko und Alana, die eigentlich auf gegensätzlichen Seiten in diesem Krieg stehen sollten, lieben sich nicht nur, sie haben auch noch das Unmögliche getan und ein Kind bekommen. Autor Brian K. Vaughan hat den Leser auf eine Hetzjagd quer durch das All mitgenommen. Comic-Künstlerin Fiona Staples hat mit den merkwürdigsten Kreaturen überrascht, mit Parallelen zur echten Welt, mit satirischen Ideen sondergleichen, kleinen und großen Perversitäten, mit wundervollen Einfällen und stets mit einem Strich und einer Farbgebung, die den Eindruck eines Fotoromans entstehen ließen. Und nun: Zeitsprung.

Hazel ist älter geworden, die Großmutter extrem grantig und tätowiert, die Mitinsassen etwas unleidlich, aber nicht unsympathisch. Der Wille, ein Freelancer und Killer, hat seit dem Tod seiner Freundin und seiner Katze deutlich an Gewicht zugelegt, hinzu kommt sein Realitätsverlust, denn er spricht immer noch mit seiner verstorbenen Geliebten und sie antwortet ihm tragsicherweise. Es ist nur eines der Kabinettstückchen, die der Handlung im 6. Teil der SAGA ihre Würze geben. Hält sich Fiona Staples mit optischen Krachern etwas zurück, schüttelt Brian K. Vaughan weiterhin Überraschungen und flotte Wendungen aus dem Ärmel.

Kuriose Erscheinungen sind weiterhin Roboter mit Monitorköpfen oder auch ein Robbenwesen, das auf einem Walrosswesen reitet. Überraschend sind zum Beispiel überdimensionierte Bärtierchen, die mit brachialer Gewalt angreifen. Flotte Wendungen sind solche, die Erinnerungen an Fahrenheit 451 wecken, allerdings auf Speed. Interessant auch zu sehen, dass Killer, wenn sie (einst rank und schlank) Bud-Spencer-Ausmaße erreichen, nichts von ihrer Gefährlichkeit einbüßen.

Fiona Staples vermischt weiterhin bekannte Tiergestalten mit dieser fantastischen Welt. Gleichzeitig findet sich hier eine Zentrierung auf deutlich weniger Figuren. Der Angriff einer Riesenmuräne fällt ins Bombastische, während sonstige Auswüchse eher fein zu nennen sind. Es hat sich ein wenig eingespielt. Als Leser erwartet man das Unerwartete. Wurde dieses anfangs noch mit der Schöpfkelle ausgegossen, ist der Einsatz deutlich punktueller und betrifft Kleinigkeiten, ein paar Anzüglichkeiten, die aber keinen Vergleich mehr mit früheren Einfällen darstellen.

Eine familiäre Fortsetzung eines eingespielten Teams. Die zeitliche Einordnung hat einen kleinen Sprung nach vorn getan. Brian K. Vaughan und Fiona Staples legen ganz offensichtlich den Grundstein für einen neuen Abschnitt im Leben von Marko, Alana und Hazel. Eine Top-Space-Opera mit einer grafischen Gestaltung, die den Leser sehr nah an die Figuren heranbringt. Sehr empfehlenswert. :-)

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Montag, 14. November 2016

STAR TREK Comicband 23 – HIVE

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 17:54

STAR TREK Comicband 23 - THE NEXT GENERATION - HIVE500 Jahre in der Zukunft. Widerstand war zwecklos. Das BORG-Kollektiv hat die Galaxis assimiliert. Vor 100 Jahren fiel die letzte Welt der Föderation in ihre Hände. Seither herrscht Perfektion und Stillstand. Denn das Ziel der BORG hat sich nach Meinung eines bestimmten BORG nicht erfüllt: Locutus. Der ehemalige Kapitän der Föderationsraumschiffes ENTERPRISE, Jean-Luc Picard, erwägt eine Veränderung, aber er weiß auch, dass er ohne Hilfe nicht in der Lage sein wird, gegen die Königin der BORG vorzugehen. Er weckt einen alten Freund auf.

In der Gegenwart treffen sich ebenfalls alte Bekannte wieder, allerdings unter völlig anderen Vorzeichen. Einmal mehr haben die BORG einen Gegner aufgescheucht, der ihnen überlegen ist. Einst schloss die Crew der VOYAGER ein Bündnis mit den Cyborgs, um den aggressiven Vorstoß von Spezies 8472 abzuwehren. Nun sucht die BORG-Königin Hilfe bei Jean-Luc Picard, denn erneut sind die BORG in eine parallele Dimension vorgestoßen und haben mit Spezies 1881 den Untergang aller Lebewesen ihres Universums heraufbeschworen.

STAR-TREK-Fans wird nicht zuviel verraten, wenn an dieser Stelle gesagt wird, dass neben dem beliebten Captain der Enterprise mit dem schütteren Haar auch die BORG-Königin und die Lieblings-Ex-BORG Seven-Of-Nine in der Geschichte mitspielen. Angesiedelt nach dem letzten Kinofilm der Picard-Crew sowie der Voyager-Serie und ein paar weiteren kleinen Veränderungen (Riker kommandiert inzwischen die TITAN) bricht in diesem neuen Sternenkrieg die Hölle los.

Brannon Braga, einer der kreativen Köpfe hinter dem modernen Auftakt des STAR-TREK-Universums mit TNG und später mit den Abenteuern der VOYAGER. Hier tritt er als Autor eines Comics in Erscheinung und er verarbeitet vieles, was auch tatsächlich auf der Kinoleinwand genauso funktioniert hätte. Stark im Mittelpunkt stehen hier Picard und Data, Seven-Of-Nine sowie die Borg-Königin, die sehr gut der Darstellung von Alice Krige nachempfunden wurde. Bei der optischen Ähnlichkeit trifft Zeichner Joe Corroney dank genügend existierendem Vorlagematerial die bekannten Figuren meistens auf den Punkt.

Picard, der sehr rationale Charakter, muss hier die Emotion die Leitung übernehmen lassen. Gleich zu Beginn verbindet er Hobby und Vergnügen, indem er mit einer alten Bekannten seinen Urlaub verbringt. Brannon Graga kennt seinen Picard, das STAR-TREK-Feeling stimmt optimal mit den charakterlichen Vorgaben aus Serien und Kinofilmen überein. Hier funktionieren die Szenen, auch mit den übrigen Figuren, zur Gänze, während Szenen im Weltraum ein wenig starr wirken, ihnen gerade in Action-Szenen etwas die Rasanz fehlt. Das ist aber auch das einzige Manko.

HIVE, eine Geschichte aus dem Universum der NEXT GENERATION, fügt sich gut in die Linie der filmischen Veröffentlichungen ein, lässt aber Entwicklungen aus den Romanen außer Acht. Brannon Braga hat das Abenteuer mit Insiderblick geschrieben, mit stetig ansteigender Spannungskurve. Das Grafikteam rund um Joe Corroney sorgt für technisch solide Optik und guten Wiedererkennungswert. :-)

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Montag, 07. November 2016

ASTERIX EROBERT ROM

Abgelegt unter: Comics für Kinder — Michael um 18:48

ASTERIX EROBERT ROMInspiriert von den Aufgaben des legendären Helden Herkules hat sich Cäsar einige Prüfungen einfallen lassen, die beweisen sollen, dass die unbesiegbaren Gallier keine Götter sind und somit auch die Angst nicht verdienen, die seine ansonsten allmächtigen Legionen vor ihnen haben. Doch wer soll die Prüfungen stellvertretend für das gesamte Dorf bestehen? Da gibt es natürlich nur zwei Krieger, die sich bisher immer bewährt haben: Asterix und Obelix! Na, und Idefix, der kleine weiße Hund mit dem Schnauzbart selbstverständlich auch.

ASTERIX EROBERT ROM. Vor 40 Jahren eroberte Asterix nicht nur Rom, sondern ebenfalls die Kinoleinwand. Mit diesem Projekt erfüllte sich ein Wunsch und ein Traum der beiden Erfinder von ASTERIX. Rene Goscinny und Albert Uderzo gründeten 1974 ein eigenes Trickfilmstudio und füllten so eine Lücke in der französischen Filmlandschaft. Namentlich genannter Zeichentrickfilm sollte ihre erste Produktion werden. Es war, und hier wurde der Geist der Comic-Alben sehr gut eingefangen, nicht nur ein Abenteuer für Kinder, sondern konnte gleichzeitig als Satire für die Erwachsenen verstanden werden. Denn die besagten Prüfungen sind zum Teil mit Anspielungen auf die modernen Zeiten gespickt.

Sport, Bürokratie, Feminismus. Klingt nach einer seltsamen Mischung, ist aber in den Prüfungen zu finden. Schneller, weiter, das sind Themen, die ASTERIX ebenso in ASTERIX BEI DEN OLYMPISCHEN SPIELEN begegneten. Hier geht es um mehr als nur ein Siegerkranz. ASTERIX läuft für sein Dorf, Obelix wirft für sein Dorf und damit sind eigentlich die einfachsten Prüfungen erledigt. Denn bald zeigt es sich, dass die wahren Tücken abseits des Sportplatzes warten. Die schönste Episode, besser gesagt, die schönste Prüfung ist die Suche nach einem Formular, dem berühmten Passierschein A38. Lange bevor es Begriffe wie Bürgerservice gab, rüttelt die Erfüllung dieser Aufgabe an den Nerven der beiden Helden. Das ist auch in der hier benutzten Form, der bebilderten Erzählung sehr lustig.

Der Leser darf bei dieser Sonderausgabe kein gewöhnliches Comic-Album erwarten. ASTERIX EROBERT ROM feiert das 40jährige Jubiläum des Films unter Verwendung von Zeichnungen, die seinerzeit für die Produktion des Films als Vorlagen entstanden und nun hier in einer neu kolorierten Fassung präsentiert werden. Gleichzeitig füllen diese Bilder Doppelseiten und geben dem Phänomen ASTERIX ein neues Gesicht, denn so großformatig hat der kleine Gallier eine besondere Anziehungskraft. Das ist eine ähnliche Machart wie im Band WIE OBELIX ALS KLEINES KIND IN DEN ZAUBERTRANK GEPLUMPST IST. Nur fielen die Zeichnungen dort etwas fragiler aus und besaßen mehr Leinwandcharakter, während der Leser hier eher von der ersten Reihe aus auf eine Bühne schaut.

Weil es eben keine Albenzeichnungen sind, ist der Strich hier dünner. Das Volumen wird durch die leichte, fein leuchtende Kolorierung gebildet. Der Farbauftrag wirkt natürlich. Jede Doppelseite zeigt einen wunderbaren Ausschnitt aus der ASTERIX-Welt und sind wie verkleinerte Poster anzuschauen. Und zu entdecken gibt es natürlich auch etwas. Umpah-Pah hat einen kleinen Gastauftritt und sogar die Herren Goscinny und Uderzo geben sich abschließend die Ehre. Das Vorwort gibt Aufschluss darüber wie eng die beiden Comic-Macher zusammen arbeiteten und wie toll sie als Kreativschaffende waren. ASTERIX EROBERT ROM, der Film wie auch dieses Jubiläumswerk, unterstreicht das doppelt und dreifach.

Sehr schön als Einstieg in die Welt des kleinen Galliers für die Kleinen zum Vorlesen. Für die Älteren ein schöner Rückblick, gelungenes Beiwerk zum Filmklassiker von 1976. Und ein feiner Einblick in die Arbeit von Albert Uderzo. :-)

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Donnerstag, 27. Oktober 2016

BARRACUDA 6 – BEFREIUNG

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 11:21

BARRACUDA 6 - BEFREIUNGMit der 6. Episode unter dem Titel BEFREIUNG endet die Reihe über die BARRACUDA. Ein blutiges Finale, in dem Händler und Piraten gegen Spanier und Kirche aufbegehren. Und es ist noch mehr als das. Das Schicksal von Blackdog, dem eigentlichen Kapitän des Segelschiffes BARRACUDA, und seiner Hatz nach dem teuflischen Diamanten von Kashar wird besiegelt. Autor Jean Dufaux und Comic-Künstler Jeremy schließen die Mischung aus Piratenepos und Mystery ab, indem sie alles und jeden scheinbar noch einmal gegeneinander hetzen. Neben den Piraten Blackdog und seinem Sohn bittet auch der Rote Falke zum Tanz. (siehe Titelbild)

Die Spanier mit ihren Interessen in den Gewässern der Karibik sind nicht der einzige Dorn im Fleisch der Räuber zur See. Die Kirche hat ihre Vasallen geschickt und besonders einer von ihnen zeigt großes Interesse an einem magischen Stein, der seine Besitzer zumeist zugrunde richtet. Dennoch können selbst die, die sich bereits die Finger an dem blutroten Kleinod verbrannten, nicht von ihm lassen. Der DIAMANT VON KASHAR macht süchtig. Jean Dufaux ist einer der thematisch vielseitigsten Comic-Autoren. Auffallend bei ihm ist stets die tiefe Charakterbeschreibung, die er selbst noch den Nebenfiguren zukommen lässt.

Ein trauriges Schicksal ereilt zwangsläufig Flämmchen, die bislang durch ihre Kaltschnäuzigkeit und Schönheit auffiel und leider auch vom Makel einer Lepraerkrankung betroffen war. Andere Charaktere treffen einander wieder und Wiedersehensfreude wie auch Zwiste beenden schließlich einen langen Weg. Das ist von Jean Dufaux ebenso meisterlich wie unerbittlich seinen Figuren gegenüber geschildert. Die Zeiten, in denen Autoren allzu viel Mitleid mit ihren Charakteren hatten, sind lange vorüber. Es sei ihm zugute gehalten, dass Piraten ohnehin nicht sehr vom Mitleid angetrieben werden. Das Überleben zählt, nicht irgendwelche imaginären Werte, es sei denn, sie sind aus Gold. Der Rote Falke formuliert das Lebensgefühl eines Halunken zur See einmal sehr treffend: Die Ehre dient mir nur als Putzlumpen.

BARRACUDA bestach und besticht durch seine Bildsprache und seine Atmosphäre. Segelschiffe gleiten durch den Nebel. Innerhalb der Gefährte, in den Kajüten setzt rotes Licht einen verwunschenen Effekt. Treffen die Mannschaften in wilden Entergefechten aufeinander, beherrschen Kämpfe auf Leben und Tod die Bilder. Damit es nicht allzu ernst ist (das ist es meistens), hat Jean Dufaux mit dem Charakter Ferrango einen Tollpatsch wie aus einem Spaghettipiratenfilm eingefügt, den wirklich niemand als Anführer haben möchte. Mehr sei dazu nicht verraten.

Jeremy, der Comic-Künstler, der dieses Abenteuer so großartig illustriert hat, gelingen hervorragende Halunken und Halsabschneider. Seine Frauenfiguren, Pin-ups mit Ausstrahlung, und die Nebenfiguren wie der erwähnte Ferrango oder ein Bruder Esteban besitzen ein echtes Auftreten. Denn, um beim Beispiel zu bleiben, ein Ferrango ist nicht bloß auf idiotisches Verhalten reduziert. Er ist auch ein ziemlich skrupelloser Schweinehund. Jeremy vermag viele Facetten von Emotionen in die Mienen dieser Charaktere zu zeichnen.

Und das Ende, aber was für eines! Jean Dufaux und Jeremy verabschieden sich aus dieser Piratenwelt mit einem Paukenschlag. Grafisch eindrucksvoll, ohne Schonung des Lesers. Top! :-)

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Links: Blog von Jeremy

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Donnerstag, 20. Oktober 2016

ENTENHAUSENS MOST WANTED

Abgelegt unter: Comics für Kinder — Michael um 8:50

ENTENHAUSENS MOST WANTED - Schwere Jungs und leichte BeuteEin Streifzug mit den Bösewichten Entenhausens durch die Jahrzehnte, für Comic-Interessierte sogar durch die Entstehungsländer. Es gibt einen Wandel in den Zeiten, auch in den Figuren. Mit ENTENHAUSENS MOST WANTED wurde verlagsseitig ein Querschnitt der Auftritte der bekanntesten Gauner erstellt. Die Panzerknacker, Kater Karlo, Gundel Gaukeley und das Schwarze Phantom geben sich die Ehre.

Allen gemein ist ihr Einfallsreichtum und ihre Hartnäckigkeit, ihren jeweiligen Widersacher auszutricksen oder um eine ordentliche Summe zu erleichtern. Ganz vorne dabei in diesem Reigen sind natürlich Dagobert Duck und Micky Maus. Schwere Jungs und leichte Beute verspricht der Untertitel des vorliegenden Bandes. Das ist nur bedingt richtig, vergisst es doch einerseits das schwere Mädel und andererseits müssen die Gauner in diesem Band für ihren Misserfolg ordentlich schuften. Denn das Böse gewinnt in Entenhausen nie.

Mit den Panzerknackern durch dick und dünn, sogar durch die Jahrhunderte. Neben einem sehr frühen Auftritt der Beagle Boys, wie sie im Original heißen, darf der Leser die Gaunerbande in die Vergangenheit begleiten, als Dagobert Duck schon reich, aber sein Geldspeicher, so wird vermutet, lange noch nicht so mit findigen Abwehrmitteln gegen Halunken versehen war. Das Abenteuer Verbrechen in der Vergangenheit entpuppt sich kalauernder Raubzug für den Leser, denn mit einem derart raffgierigen Bertel wie hier haben die Panzerknacker einfach nicht gerechnet.

Die kurioseste hier vorliegende Erzählung erschien 1981 in Brasilien und hieß übersetzt Knäckar, der Schreckliche. Man stelle sich einen Panzerknacker vor, der sich zu Karneval als Asterix verkleidet. Hier ist klassischer Slapstick am Werk, eine Menge Parodie. Mit Ivan Saidenberg ist zwar der Autor der Geschichte bekannt, aber leider nicht der Zeichner. Eine gehörige Portion Humor und den Mut über den Tellerrand hin zu anderen Comic-Universen zu spinksen, haben beide besessen.

Der Abwechslung wegen löst Kater Karlo den Reigen der Schurken ab. Der Erzfeind von Micky Maus findet seine schönste Episode in diesem Band ausgerechnet in Ein Gauner auf Verbrecherjagd. Hier der Erzfeind zum Erzfreund, denn der kleine Detektiv, der ihm sonst im Nacken hängt, wird selbst zum Opfer einer Entführung und der einzige, der ihm helfen kann, ist Kater Karlo. Der Halunke, der durch das Zusammenspiel mit seiner Frau Trudi (als Motivatorin) sehr gewinnt, kann sich hier in einem extra langen Abenteuer als Sympathiefigur beweisen.

Gundel Gaukeley, Hexe mit Entenschnabel, verspricht sich einiges vom Einsatz von Bertels erstem Zehner als magischem Katalysator. Ihre Versuche sind beharrlich, wie es ein Klassiker von Carl Barks, die Geschichte Die Irrfahrten des Dagobert Duck vormacht. Ganz im Sinne einer Zauberin Circe verschlägt es die Ducks, Dagobert, Donald und die drei Neffen, in den Bann der Hexe, die auch gleich die magischen Tricks ihrer legendären Kollegin ausprobiert, Tierverwandlungen inklusive. Gelungen wie eine gute amerikanische Komödie und einer etwas überdrehten Entenfamilie.

Das schwarze Phantom ist sicherlich ein gruseliger Vertreter seiner Zunft. Im Gegensatz zu den anderen Verbrechercharakteren ist seine wahre Identität etwas ungewiss, wie der redaktionelle Teil des Bandes aufklärt. Seine Auftritte hingegen sind aberwitzig, mit weiteren Gaststars versehen und zünden in solchen Momenten besonders stark. Ein schwarzes Phantom, dass sich mit einer weiteren Hexe des Disney-Universums (neben Gundel Gaukeley) verbündet, nämlich Madame Mim, lässt einen andauernd schmunzeln.

Aber das interessanteste Abenteuer mit dem Phantom ist sicherlich, in Anlehnung an einen Roman von Stephen King (SIE), Wo ist Micky Maus?. Das Schwarze Phantom entführt Micky Maus. Dieser ist inzwischen ein bekannter Bestseller-Autor. Nur kommt in seinen Romanen der Bösewicht, hier das Schwarze Ekel genannt, nie gut weg. Micky soll das endlich ändern.

Ein praller Überblick für alle Freunde der Gauner und Ganoven in Entenhausen. Der Sonderband verdeutlicht ihren starken Stellenwert, ihre verdiente Langlebigkeit sowie, auch das, ihre sympathischen Seiten. Klasse! :-)

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Dienstag, 18. Oktober 2016

Die Geheimnisse des schwarzen Mondes 2

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 10:28

Die Geheimnisse des schwarzen Mondes 2 - PilouEs gibt schlechte Tage und es gibt noch schlechtere Tage. Ein Riese hat Hunger. Ausgerechnet zwei kleine Elfen fallen ihm auf seiner Wanderung in die Finger. Der eine endet gleich als Snack, der andere wird für später aufgehoben. Aber junge Elfen sind klein, die Taschen von Riesen groß und rissig und so gelingt es dem Kleinen noch einmal zu entkommen. Zu seinem Pech sind Riesen nicht die einzigen hungrigen Gesellen. Warum meinte der winzige Elf sich auch ausgerechnet im Nasenloch eines Drachen ausruhen zu müssen? Dumm gelaufen. Oder nicht?

Der Drache ist offensichtlich weiblich. Ein Ei zerbricht und der Nachwuchs kann sich nicht entschließen, den Elfen zu fressen. Die beiden sehr ungleichen Wesen werden sogar Freunde. Sie wachsen zusammen auf. Die Jahreszeiten kommen und gehen. Lange, sehr lange läuft es für den Elfen sehr gut. Er hat ein Zuhause, eine Familie, bis ihm eines Tages klar wird, dass es noch viel, viel schlechtere Tage geben kann …

Hätte ein Charles Dickens eine Fantasy-Geschichte geschrieben, hätte etwas wie die Lebensgeschichte von PILOU dabei entstehen können, dem Elfen, aus dem später eine der bekannten Figuren in der Welt des SCHWARZEN MONDES wird. Denn auch der Elf gerät in die Fänge eines düsteren Anführers einer jugendlichen Diebesbande, die nur durch einen düsteren Trick gefügig gehalten wird. F.M. Froideval beschreibt die erste Lebenshälfte innerhalb der Geschichte wie ein feines Märchen. Der Held wird ordentlich durchgeschüttelt und erhält seine Belohnung in Form einer Familie, die für ihn sorgt und ihn beschützt. Bis zu einem gewissen Grad jedenfalls, denn es in Sachen Skrupellosigkeit gibt es noch besser trainierte Wesen als Drachen.

In der zweiten Hälfte wird PILOU zwangsläufig erwachsen. Bislang war er in guter Obhut, nun muss er lernen sich durchzuschlagen. Er ist der Neue, der Kleinste, er wird drangsaliert und, ganz wichtig, muss zuallererst die Sprache der Menschen lernen. Er wird zu einem wichtigen Werkzeug für den Meister. Auch in der zweiten Hälfte der Handlung geht das Märchenhafte nicht gänzlich verloren und das ist vor allem dem Grafikduo Fabrice Angleraud (Zeichner) und Yves Lencot zu verdanken. Was die beiden Comic-Künstler hier dem Fantasy-Fan bieten, ist schlichtweg hervorragend.

Das märchenhaft Genannte entsteht zu einem großen Teil durch den Grafikstil, der gerade in den Kindertagen des Elfen besonders gut herausgestellt wird. Selten kann eine Comic-Figur einen Leser so gut einfangen und mitnehmen wie hier. Der kleine PILOU ist putzig, wirkt wahnsinnig schutzbedürftig und anfangs immer so, als könne er die Gefahren dieser Fantasy-Welt nicht recht begreifen und warum ihm alle ans Leben wollen. Wie unbedarft er ist, (obwohl zu diesem Zeitpunkt längst versucht worden ist, ihn zu fressen) wird in der starken Szene deutlich, in der er ausgerechnet eine kuschelige Übernachtungsmöglichkeit in einem Drachennasenloch findet.

Eine sehr weiche Farbgebung, sehr fein abgestuft koloriert, machen jede Seite zu einem kleinen Kunstwerk. Mitunter sehr große Ansichten, Bilder über Doppelseiten hinweg, collagenähnliche Strukturen breiten das Lebensabenteuer PILOUS regelrecht vor dem Leser aus. Man gewinnt den Eindruck, als sei auf die Techniken von mittelalterlichen Wandteppichen und ihren Szenendarstellungen zurückgegriffen worden.

Eine der schönsten Ausgaben aus der Welt des SCHWARZEN MONDES. Dank der Comic-Künstler Fabrice Angleraud und Yves Lecot erwartet den Leser ein grafisches Sahnehäubchen. Sehr, sehr für Fantasy-Fans zu empfehlen, auch solchen, die ansonsten nichts über den SCHWARZEN MOND wissen. :-)

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Freitag, 07. Oktober 2016

WONDERBALL – 1. SHOOTER

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 16:40

WONDERBALL - 1. SHOOTERInspektor Spadaccini wird zu einem außergewöhnlichen Mord gerufen. Neun Menschen wurden in neun Sekunden von einem einzigen Schützen ermordet. Die Tatwaffe weckt Erinnerungen. Die Präzision und die Kaltblütigkeit kamen Spadaccini bereits in einem anderen Mordfall unter. Vor vielen Jahren gehörte er zur Schutztruppe des amerikanischen Präsidenten Kennedy, als dieser in Dallas einem Anschlag zum Opfer fiel. Und jetzt das! Wonderball, so nennen ihn Bekannte, viel weniger die Freunde, denn die sind ohnehin rar gesät. Spadaccini ist versessen auf diese Süßigkeit, in der für Kinder eine Überraschung versteckt ist. Wonderball braucht sie nicht. Er setzt sie zusammen und schmeißt sie weg …

San Francisco im August 1983. Die Uhren ticken noch anders. Die 70er sind noch in guter Erinnerung. Amerikanische Traumata wie der Vietnamkrieg, auch der heute fast vergessene Einsatz in Korea, die Ermordung John F. Kennedys sind in den Köpfen weiterhin umtriebig. Im letzten echten Jahrzehnt lassen die Autoren einen Massenmörder in einer der tolerantesten amerikanischen Gemeinden umgehen. Es wird ein weiter Bogen über die Jahrzehnte geschlagen. Das Geheimnis sitzt tief. Die Hauptfigur ist alles andere als der Liebling seiner Kollegen. Das Privatleben liegt so ziemlich in Trümmern. Spadaccini versteht sich jedoch auf seinen Beruf, für den er offensichtlich eine Art Hassliebe empfindet. Der Leser mag ihm schnell folgen, denn das Pech, das Spadaccini in seinem Leben hatte, lässt hierfür Türen offen.

Die Autoren Fred Duval, Jean-Pierre Pecau, Fred Blanchard und natürlich Comic-Künstler Colin Wilson kennen ihre Straßen von San Francisco. Man könnte auch sagen: Wie ein grüner VW Käfer zur Legende wurde. Wer die berühmte Verfolgungsszene aus dem Film BULLIT kennt, dem ist es vielleicht aufgefallen. Egal, wie schnell die beiden Muscle-Cars um die Blocks rasen, irgendwie ist ein grüner VW Käfer immer vor ihnen schon da, obwohl er ganz gemächlich dahintuckert. Colin Wilson zeichnet ausgerechnet einen grünen VW Käfer, den die Schurken in der Geschichte zur Beschattung benutzen.

Nash Bridges, Massenmord in San Francisco, besagter Bullit, der Einsatz von Karl Malden und Michael Douglas, Dirty Harry, für Freunde des amerikanischen Krimis hat die Stadt eine Menge zu bieten. Das hat seine Gründe, die von Colin Wilson eingangs sofort exemplarisch vorgeführt werden. Die Transamerica Pyramid und die Golden Gate Bridge sind die Erkennungsmerkmale der Stadt, von Alcatraz einmal abgesehen, das hier in einer Fernansicht auftaucht. Die Höhenunterschiede der Stadt, ihre verschiedenen architektonischen Stile machen die ehemalige Hippiehochburg zu einer idealen Spielwiese für Krimis und Thriller. Kleinstädtisch angehaucht mit alten Häusern, Wolkenkratzern, Hafengegend, Strand, finsteren und wohlhabenden Ecken, jeder Ortsteil sorgt für einen tollen Szenenwechsel.

Colin Wilson ist hierzulande ein bekannter Comic-Zeichner. Ob SciFi, Western, Superheldengenre oder Mystery, er ist so ziemlich überall zuhause und meistert seine Arbeiten mit jener Eleganz, wie sie auch Kollegen wie Hermann, Philippe Francq oder Jean Giraud an den Tag legen. Colin Wilson legt seinen Helden, den Polizisten Spadaccini optisch als Mischung aus Don Johnson und Clint Eastwood an. Hätten die beiden einen Sohn gehabt, sähe dieser genau so aus. Es gibt einige Frontalansichten, die darüber keinen Zweifel lassen.

In Sachen Anatomie, Perspektive und Inszenierung ist Colin Wilson technisch unter den ersten Plätzen. Seinen Wiedererkennungswert erfährt er durch die Gesichtszüge, mit denen er seine Figuren bedenkt. Colin Wilson liebt eine eckig gesetzte Linie und er lässt seine Charaktere gerne durch verkniffene Augen schauen. So setzt der Eastwoodsche Effekt schnell bei nahezu jeder Figur ein. Und darüber hinaus legt Colin Wilson seine Schatten gerne auffällig überbetont an. Das Titelbild ist hierfür exemplarisch.

Fred Duval und Jean-Pierre Pecau erzählen einen Thriller, der noch nicht mit 300 km/h daher kommt. Sie heften sich ein wenig an die Spuren eines Jean van Hamme oder eines Oliver Stone. Hier ist neben Spannung auch Aufmerksamkeit gefragt. Wer mag, wird sogar angeregt, den realen Hintergründen dieser Geschichte nachzugehen, wie dem Warren-Report, der mysteriösen magischen Kugel, der Geschichte des LSDs, dem angeblich schlechtesten Gewehr der Welt und vielem mehr. Das ist in wohl sortierten Dosen erzählt, und zieht den Leser, so gehört es sich für eine detailreiche Geschichte, wie ein Puzzlespiel, dessen fehlenden Teile immer weniger werden, immer weiter mit sich.

Ein richtig guter, sehr durchdachter klassischer Thriller, mit dem sich Fred Duval und Jean-Pierre Pecau auf eine Stufe mit Jean van Hamme (Largo Winch) heben. Colin Wilson gehört zu den Spitzencomiczeichnern weltweit, allein deshalb ist von dieser Seite schon ein Blick für Fans empfehlenswert. Insgesamt ein Top-Auftakt! :-)

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