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Comic Blog


Montag, 04. Februar 2019

HELLBOY UND DIE B.U.A.P. 1954

Filed under: Horror — Michael um 21:18

HELLBOY UND DIE B.U.A.P. 19541954. HELLBOY bereichert noch die B.U.A.P., die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, mit seinen Fähigkeiten. Der Zweite Weltkrieg liegt ein paar Jahre zurück, dennoch haben haben noch nicht alle offiziellen Verlierer aufgegeben. Man könnte sogar behaupten, dass nicht alle Verlierer in der Abgeschiedenheit ihrer Verstecke überhaupt bemerkt haben, dass sie Verlierer sind. So gerät HELLBOY einmal mehr in die Fänge einer Wehrmacht, die sich mit ungewöhnlichen Techniken und paranormalen Möglichkeiten beschäftigt. Leider kommt der Abkömmling aus der HÖLLE zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt und wird ausgerechnet zum Schlüssel einer merkwürdigen Forschung.

Nach mehreren großen Abenteuern, die global zu nennen sind, auch solchen Ereignissen, die HELLBOY zum Kern seiner Existenz führten, bringt HELLBOY-Erfinder MIKE MIGNOLA und ein Team von Zeichnern eine sehr unterschiedliche Abfolge von Geschichten. Sie beleuchten Geschehnisse, die furchtbare Konsequenzen im Großen haben können, oder mysteriöse Begebenheiten, die Familienkreise durcheinander wirbeln.

HELLBOYS erste Auseinandersetzung, mit der auch das Titelbild des vorliegenden 17. Bandes der Reihe aufmacht, orientiert sich an den guten alten Zeiten der Figur. MIKE MIGNOLA spielte gerne mit dem Mystizismus des Dritten Reiches herum; hier fühlt man sich als Leser in Varianten der letzten Jahre versetzt, Stichwort: IRON SKY. Wer genau hinschaut, wird die aus dem Schnee ragende, etwas altmodisch anmutende UNTERTASSE entdecken. Nach anfänglichen Verweisen auf einen anderen Klassiker, THE THING, werden MIKE MIGNOLA und Erzählerkollege CHRIS ROBERSON selbst nostalgisch und schreiben für Zeichner STEPHEN GREEN eine Steilvorlage. DÜSTER und im weiteren Verlauf mit ordentlichem BUMMS.

Beeindruckend ist DAS VERNUNFTLOSE TIER, eine Geschichte, die sich im engen familiären Umfeld abspielt und eine regelrechte Tragödie herausarbeitet. Ein GEISTERAFFE steht im Zentrum der Ereignisse. Und mehr soll darüber auch nicht verraten werden. Grafisch schafft Zeichner PATRIC REYNOLDS ein wunderbares 50er-Jahre-Gefühl. In seinen Figuren spiegelt sich viel Gefühl, eine innerliche Zerrissenheit wird zu Markte getragen und seine Geisterattacke, von DAVE STUART koloriert (wie auch der ganze Band), ist kurios und spannend gleichermaßen.

Die Mischung macht’s: Nicht nur recht unterschiedliche Zeichner mit einigermaßen familiär orientierten Stilen machen den vorliegenden Band aus. Es ist eine tolle Mischung der Geschichten, die einerseits in die allseits beliebte Feindschaft HELLBOYS gegen den Okkultismus des Dritten Reiches entführt, die beschriebene Familietragödie, sondern eben auch ins ferne HONGKONG, das mit einer gänzlich anderen Mythologie aufwartet. In GEISTERMOND arbeitet Zeichner BRIAN CHURILLA mit einem peppigen Strich, immer noch in der Nähe des Originals, aber mit einer deutlichen Tendenz zu HELLBOYS Animationsausflügen. Es ist toll, wie eine Figur wie HELLBOY zwischen unterschiedlichen Höllenwelten hin und her springt. MIKE MIGNOLA und CHRIS ROBERSON (Autor von iZOMBIE) kreieren hier für den Leser ein abwechslungsreiches, fühlbar exotisch fremdes Szenario, frisch und unverbraucht.

Zum guten Schluss, in einer ganz kleinen Episode, gibt sich Zeichnerlegende RICHARD CORBEN die Ehre. Düster erzählt, in zu einer weiteren Wurzelstrecke von HELLBOY, wenn die Auseinandersetzung mit dunklen Mächten auch zum Kampf mit den ureigenen inneren Dämonen wird. Kurz, prägnant, zum Kern der Figur, sogar ein Stück zur ursprünglichen, heute fast nostalgisch anmutenden Konzeption von MIKE MIGNOLA (in die früher häufiger entführt wurde).

HELLBOY ist nicht umsonst zu einem der Massstäbe für Mystery und Horror innerhalb des Comic-Mediums geworben. Mit einer breit gestreuten Themenvielfalt quer über die globalen Mythologien hat MIKE MIGNOLA die Figur genial über die Jahre am Leben erhalten und oft sogar neu erfunden. Wie teilweise in diesem Band. Klasse! 🙂

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STAR TREK DISCOVERY 1 – DAS LICHT VON KAHLESS

Filed under: SciFi — Michael um 21:09

STAR TREK DISCOVERY 1 – DAS LICHT VON KAHLESSDie gute alte Zeit ist Fluch und Segen zugleich. Unter den Klingonen gibt es solche, die sich nach alten Tagen sehnen und an die Rückkehr ihres glorreichen Führers KAHLESS in Form eines Nachfolgers glauben. In der korrupten Gesellschaft, in die sich das Klingonische Reich entwickelt, scheint dies aber nicht möglich zu sein. Verrat ist ein bewährtes Mittel, sogar in der Familie kann niemand sicher sein. Die Schwachen werden unterdrückt. Das familiäre Kastensystem verhindert den Aufstieg vieler Klingonen ohne Gnade. T’KUVMA entzieht sich diesem System zumindest zeitweilig. Sein Weg führt ihn zu vielen Prüfungen auf dem Klosterplaneten BORETH. Doch ausgerechnet dort werden die Weichen für sein weiteres Leben an der Spitze der KLINGONEN gestellt …

Die KLINGONEN sind eine der großen Erfindungen innerhalb der Science Fiction. In der anfänglichen Konzeption noch etwas blass geraten, kam mit THE NEXT GENERATION ein ordentlicher Sprung, der nicht zuletzt durch die Figur des WORF getragen wurde. Die engültige Verfeinerung des Konzepts gelang in der Serie DEEP SPACE NINE (in der WORF noch stärker half, die KLINGONEN in den Fokus des STAR-TREK-UNIVERSUMS zu rücken) und natürlich mit STAR TREK VI, das den drohenden Untergang der klingonischen Heimatwelt QO’NOS thematisiert. Mit STAR TREK DISCOVERY, einem zeitlichen Sprung zurück (aus heutiger Sicht) von STAR TREK CLASSIC, wird ein Hauptaugenmerk auf die Beziehung der so verschiedenen Konzeptionen, STERNENFLOTTE und KLINGONEN, gelegt. Genauer gesagt: auf den STERNENKRIEG der beiden.

ROMANE und COMICS zum großen MERCHANDISE beleuchten gerne Vorgeschichten zu Ereignissen auf der großen Kinoleinwand oder dem Pantoffelkino. Mit dem ersten Band zu STAR TREK DISCOVERY – DAS LICHT VON KAHLESS wird dieses Konzept wieder aufgegriffen. Unter der Feder von KIRSTEN BEYER und MIKE JOHNSON wird dem Leser das enge Geflecht inenrhalb der klingonischen Gesellschaft vor Augen geführt. Der Leser erfährt, wie stark der Verlust von Macht, von Einfluss auf das klingonische Gemüt einwirkt, wie sehr an Hoffnungen gearbeitet wird. Und obwohl es sich um eine Kultur handelt, die zu den Sternen reisen kann, ist sie ungeheuer in ihren Traditionen und ihren religiösen Richtlinien verwurzelt.

Ein Mythos der KLINGONEN ist jenes LEUCHTFEUER VON KAHLESS. Die beiden Autoren schaffen eine kluge, nicht unbedingt vorhersehbare Lösung dieser Idee, gekoppelt an einen Mann, der einen Weg annimmt, teils vorherbestimmt, teils aufgedrängt. Manchmal bekommen Charaktere so lange eine Bestimmung erklärt, bis sie sich selbst trauen, diesen Glauben für sich anzunehmen. Das gelingt über die ganze Strecke der Geschichte sehr gut, indem ein KLINGONE gezeigt wird, der im Laufe der Jahre Stück für Stück über sich hinauswächst und zu noch mehr als nur zu dem Sinnbild wird, was sein Umfeld von ihm erwartet.

Wo sind die HAARE der KLINGONEN hin?! Die gingen bereits in INTO DARKNESS verloren, teils sogar schon in THE UNDISCOVERED COUNTRY (GENERAL CHANG). Der völlig bloß liegende, haarlose Schädel offenbarte viele neue, auch kunstvolle Gestaltungsmöglichkeiten der klingonischen Schädelstruktur. In der vergleichsweise action-armen Handlung, die sich schwer auf zwischenklingonische Verhältnisse stützt, gibt in es in der überwiegenden Mehrheit der Bilder die Gelegenheit für Zeichner TONY SHASTEEN sich mit dem klingonisch körperlichen Merkmal schlechthin zu beschäftigen. Hierbei zeigt sich, dass gerade der Stirnplatte eine gewisse Unverwechselbarkeit zukommt und dass insbesondere bei Kerncharakteren große Sorgfalt auf diesen Blickfang verwendet wurde. TONY SHASTEEN nimmt den Staffelstab in dieser Hinsicht mit vollendeter Genauigkeit auf.

Eine neue Ära im STAR-TREK-UNIVERSUM: Für FANS der KLINGONEN ist dieser Band ein unbedingtes Muss. FANS der STERNENFLOTTE und der FÖDERATION gehen über die gesamte Strecke der Geschichte leer aus. Guter Stoff, der die ursprünglichen Ideen von STAR TREK konsequent und beherzt fortführt. Sehr gut! 🙂

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Montag, 28. Januar 2019

GOLDEN CITY 12 – STADTGUERILLA

Filed under: SciFi — Michael um 17:34

GOLDEN CITY 12 - STADTGUERILLADie neue GOLDEN CITY schwebt längst im Orbit um die Erde, dennoch ist der Untergang der ersten GOLDEN CITY, einer schwimmenden Stadt auf den Weltmeeren, bei vielen Menschen nicht vergessen. Auch bei HARRISON BANKS nicht, dem hauptverantwortlichen Kopf hinter dem Projekt, nach seiner Mutter. Zu viele Opfer waren zu beklagen, die Schuldigen noch lange nicht zur Verantwortung gezogen. Die Suche gestaltet sich schwierig. Die Lage überall auf der Welt ist angespannt. Sogar die Androiden stehen gegen ihre Behandlung auf und revoltieren mit Waffengewalt. Zwischen familiären Verwicklungen, Auseinandersetzungen mit der organisierten Kriminalität, gilt es noch teure Freunde in Sicherheit zu bringen, die dank ihrer Gutherzigkeit zwischen die Fronten geraten sind.

Zwei Spannungsbögen zieht DANIEL PECQUEUR (Autor) gekonnt durch den 12. Teil der Serie GOLDEN CITY, mit dem Untertitel STADTGUERILLA. Auf der einen Seite stehen die persönlichen Schicksale, auf der anderen Seite steht das weltpolitische und gesesellschaftliche Geschehen. Letzteres lässt sich auf einen Nenner bringen: Arm gegen Reich. Jenen in den Randbereichen, an den Küsten, weit weg von den Städten, geht es noch besser als anderswo. Jedenfalls dort, wo ihnen die Gelegenheit geboten wird, ihr Leben selbst zu bestreiten, durch Fischfang oder das Ausschlachten von Wracks. In den Städten ist das Elend am größten. Im Gedränge kocht die Wut viel höher, ein Funke ist viel schneller entzündet. Da macht es aus der Sicht der Reichen sogar Sinn, sich einen Zufluchtsort im Weltall gebaut zu haben.

Die Serie GOLDEN CITY erscheint hierzulande seit über 15 Jahren. Der Mischung aus Science Fiction, Dystopie, Thriller und Abenteuer gelang es von Beginn an zu begeistern. Normalerweise sind gerade Dystopien Interessensschwankungen unterworfen. Je nach gesellschaftlicher Lage sind sie in der Unterhaltung mal mehr, mal weniger gefragt. GOLDEN CITY konnte seine Leser durch ein gut orchestriertes Ensemble aufrecht erhalten. Jugendliche kämpften um ihr Überleben, EVIL SCIENTISTS gingen um, ein sehr reicher junger Mann wechselt die gesellschaftlichen Seiten. Mannigfalte Handlungsorte, exotisch, außergewöhnlich fesselten das Auge und gaben der Erzählung immer neue Anstöße. Gut durchdachte Technik hielt auch den Science Fiction Gehalt auf mindestens gleichbleibendem, sogar ansteigendem Level. Zuletzt richtete DANIEL PECQUEUR sein Augenmerk immer stärker auf einen gesellschaftlichen Wandel.

NICOLAS MALFIN (Zeichner) kann besonders in der ersten Hälfte von STADTGUERILLA optisch das Gefühl von Science Fiction unterstreichen. Der szenische Wechsel von altmodischem Friedhofsgelände auf dem Land, den häufig präsenten Küstenregionen, hin zu den Aufständen in den Städten mit ihren Kanälen, der Technik in Form von futuristischen Fahrzeugen schafft einen tollen Mix, der schließlich von einem zukunftigen LAS VEGAS gegipfelt wird. Faszinierenderweise setzen DANIEL PECQUEUR und NICOLAS MALFIN dem aktuelen LAS VEGAS die Krone auf. Jenes Spielerparadies, das der Leser heute schon mit seiner Pyramide, seinem Caesar’s Palace, seinem Venedig und anderen wüstenfremden Kuriositäten besuchen kann, erhält hier noch ein KOLOSSEUM nebst echten Gladiatorenkämpfen.

Grafisch bleibt dem Leser die gewohnt sehr feine Optik erhalten. Der zerbrechlich wirkende Look wird von PIERRE SCHELLE (Kolorist) plastisch leuchtend unterstützt. Gerne verschafft er einer Seite oder einem Bild ein dunkleres Gegengewicht, damit der Rest umso mehr strahlt.

Für mich tolle Science Fiction, die genau diese Bezeichnung verdient. Eine konsequente Weiterentwicklung bestehender Verhältnisse und Technik, auch vor dem Hintergrund vergangener Entwicklungen, die eben sehr viel Vergangenes noch mitschleppen, so dass das Gesicht der Welt zu jedem Zeitpunkt einen Querschnitt seiner Geschichte zeigt. Schön menschlich konsturierte Hauptfiguren nehmen den Leser auf dieser gelungenen Reise mit. Empfohlen wird ein frühest möglicher Einstieg in die Serie, damit dieses 12. Kapitel (mit Thriller-Elementen) entsprechend genossen werden kann. 🙂

GOLDEN CITY 12, STADTGUERILLA: Bei Amazon bestellen.

Donnerstag, 24. Januar 2019

JACKIE KOTTWITZ Gesamtausgabe – Band 8

Filed under: Thriller — Michael um 17:29

JACKIE KOTTWITZ Gesamtausgabe – Band 8PATER ARTHUR ist zunächst von der Großzügigkeit einzelner Gemeindemitglieder überrascht und erfreut. Ihre Emotionen hingegen, begleitend zu Präsentation der Spende, sprechen eine andere Sprache. Sie nur wütend zu nennen, wäre untertrieben. Jemand in der Gemeinde erpresst einzelne, wohlhabendere Frauen und Männer mit Geheimnissen, die in der Beichte ausgesprochen worden sind. ARTHUR zieht JACKIE KOTTWITZ zu Rate. Und nicht zu spät, denn bald schon hat PATER ARTHUR seine erste körperliche Auseinandersetzung, die mit einem blauen Auge noch glimpflich ausgeht …

Vielfältig und sehr menschlich präsentieren sich die in diesem Band versammelten drei Geschichten rund um den Pariser Privatdetektiven JACKIE KOTTWITZ. Wer den Serienhelden noch nicht kannte, wird hier keinen SAM SPADE vorfinden. Hier stolpert JACKIE KOTTWITZ regelrecht in seine Fälle hinein. Mal humoristisch angehaucht, mal sentimental, mal höchst tragisch sind die Fälle, an deren Aufklärung er mehr oder minder seinen Beitrag leistet.

Den Anfang macht die Episode MATHIAS. Hier weiß JACKIE KOTTWITZ zunächst überhaupt nicht, wie ihm geschieht. Eigentlich soll er bloß für eine Auftraggeberin nach einer alten Dame schauen, die nicht mehr zu erreichen ist. In Sorge um das Wohlergehen der Seniorin möchte MADAME ZELDA, eine Nachbarin von JACKIE, dass er dem Haus ihrer Freundin MIREILLE einen Besuch abstattet. Dieses stellt sich als verschlossen heraus. Durch ein Fenster sieht der junge Detektiv die alte Frau bewusstlos am Fuße einer Treppe liegen. Er verschafft sich Zutritt und wird, während er noch mit der Notrufzentrale telefoniert, von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei überwältigt.

MATHIAS präsentiert sich zu Beginn sehr ernst, wechselt dann aber in eine Art MONSIEUR HULOT. JACKIE KOTTWITZ ist hier ein ziemlicher Spielball der einzelnen Situationen und Kräfte. Bei der Polizei macht er sich auch nicht gerade neue Freunde. Spannungselemente und Menschlichkeit zieht Zeichner und Erzähler ALAIN DODIER aber weiterhin durch, nur die Gewichtung ist eine andere als in den beiden nachfolgenden Episoden. Denn die steigern sich deutlich, bis es richtig traurig wird.

In POST MORTEM erfahren etwas mehr aus dem Privatleben rund um JACKIE KOTTWITZ. Ins Zentrum rücken der priesterliche Freund, PATER ARTHUR, und JACKIES Freundin, die Stewardess BABETTE. Hier wird nicht nur das gespaltene Verhältnis einer Tochter zu ihrem Vater behandelt, auch die Thematik des Beichtgeheimnisses wird im Rahmen eines Falles von JACKIE beleuchtet. Weil PATER ARTHUR sich dem Vorwurf aussetzen muss, das Beichtgeheimnis verletzt zu haben und nun, um dem Gotteshaus die Renovierung der Orgel zu ermöglichen, diverse Gemeindemitglieder um höhere Geldbeträge zu erpressen. Mit BABETTES Vater hingegen rückt ALAIN DODIER das Thema Verzeihen in den Fokus. POST MORTEM funktioniert auf all diesen Ebenen, ist aber betrachtet man es von der nachfolgenden Geschichte her, eine Fingerübung von DODIER.

Denn DER EREMIT ist ein regelrechtes Gesellenstück. Es ist weniger der Inhalt selbst, als vielmehr das Konstrukt, die Erzählweise, die begeistern kann, weil ALAIN DODIER die Tragik langsam an den Leser heranführt. Eher als die Hauptfiguren selbst, JACKIE KOTTWITZ und seine BABETTE, erfährt der Leser, was sich in der Vergangenheit ereignete.

Dabei ist der Auftrag zunächst denkbar einfach. Ungewöhnlich zwar, aber einfach. Einem sehr von der Welt abgeschieden lebenden Mann soll ein Brief überbracht werden. Vor vielen Jahren wurde ein Dorf im Zuge einer Flutung für einen Staudamm aufgelöst. Nur die ehemalige Kirchturmspitze ragt noch aus dem Stausee empor. An den Hängen der Gebirgsgegend sind ein paar baufällige Häuser erhalten geblieben. Und in einem davon lebt besagter EREMIT. Keine Handyverbindung ist hier möglich. Einen Festnetzanschluß gibt es nicht. Sogar die Post hat den Verkehr in diese Region logischerweise eingestellt. So wird JACKIE kurzerhand zum Boten bestellt.

Der Inhalt des Briefes ist brisant. In Rückblicken erfährt man, was sich in der Vergangenheit zugetragen hat und wie diese sich nun im Brief enthüllen muss. Die Geschichte ist nicht unbedingt ein typischer französischer Inhalt, aber einer, von dem ich behaupten möchte, dass besonders französische Autoren derlei in Europa am besten zu erzählen vermögen. Tragisch, spannend, obwohl die Hauptfiguren der Serie hier ein wenig zu Nebenrollen degradiert werden. Dennoch eine schönsten und traurigsten Episoden der Serie.

Es ist Comic, es ist Krimi, es ist literarisch: ALAIN DODIER darf den Erzählerstuhl ruhig weiter besetzen (er war ursprünglich »nur« der Zeichner der Serie). Er trifft neben dem richtigen Strich genau den richtigen Ton. Klasse!

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Sonntag, 06. Januar 2019

X-MEN BLUE 3 – Auf der Suche nach der Zeit

Filed under: Superhelden — Michael um 17:49

X-MEN BLUE 3 - Auf der Suche nach der ZeitZeitreisen sind ein schwieriges Unterfangen, ganz besonders wenn dem Zeitreisenden die Zielpunkte nicht bekannt sind und diese ganz und gar nichts mit seiner ihm bekannten Zeitlinie gemein zu haben scheinen. HANK MCCOY, das BEAST, gelingen keine genauen Vorhersagen über den nächsten Aufenthaltsort. Doch plötzlich gelangen die X-MEN ins prägnante Jahr 2099 und sehen sich ihren Nachfolgern gegenüber. In den Zukunft ist man über die Ankunft der Vorfahren keineswegs erfreut. Denn bald ist es keine Frage mehr, was die X-MEN von einst ihren Erben hinterlassen haben, vielmehr stellt sich die Frage, was die ursprünglichen X-MEN angerichtet haben, so dass die Welt in diese Zukunft münden konnte.

Zeitreisen gab es schon, auch Kontakt zwischen Superhelden verschiedener Äras (zum Beispiel, um bei der für MARVEL bedeutsamen Jahreszahl zu bleiben, SPIDER-MAN 2099). Die Begegnung verschiedener Ausprägungen der X-MEN wird hier im dritten Band der X-MEN BLUE Reihe zum Dreh und Angelpunkt. THONY SILAS und R. B. SILVA sind die beiden ausführenden Comiczeichner der vorliegenden Ausgabe. Letzterer Künstler, der brasilianische Comiczeichner, kann mit stärkerem Ausdruck und größerem Talent punkten als sein Kollege THONY SILAS. Vergleichsweise jung an Jahren hat er technisch die Möglichkeit sich in die Riege der ganz großen Namen des Mediums wie JIM LEE, ALAN DAVIS, ED MCGUINNESS, ADAM KUBERT und anderen einzureihen.

Stilistisch wirken die Formen jedweder Art sehr fein, zerbrechlich, mit einem Hauch Jugendstil, von einer gewissen Theatralik geprägt, was wiederum einem für den Leser eindeutigen Ausdruck in den Gesichtern und in der Körperhaltung zugute kommt. THONY SILAS produziert zwar schöne Bilder, technisch ist er aber noch auf dem Weg zu den Fertigkeiten eines R. B. SILVA. Dieser darf sich wirklich an einer großen Zahl von X-MEN austoben. Neben jenen Varianten von 2099 geben sich noch die GENERATION X die Ehre, MAGNETO, die gelbblaue Ur-Variante sowie eine zukünftige Gruppierung, die auf ihre Art die BRUDERSCHAFT DER MUTANTEN und deren Funktion abgelöst hat. So viele X-Fähigkeiten auf einem Haufen versammelt, garantieren ein Action-Feuerwerk.

Das ist packend, weil Charaktere mit ähnlichen oder identischen Kräften aufeinander treffen, hält aber auch Überraschungen parat, wenn eine leicht abgewandelte Figur wie BLOODSTORM (eine vampirische Version der allseits bekannten STORM) mitmischt und X-MEN anderer Zeitstränge als Verstärkung einschalten. Ein Feuerwerk ist es vor allem durch die Arbeit von Kolorist RAIN BEREDO, der die X-MEN ins rechte Licht rückt. Leuchtende Figuren vor gut separierten Hintergrund lassen ein plastisches Comic-Erlebnis entstehen.

AUF DER SUCHE NACH DER ZEIT lautet der Titel des dritten X-MEN BLUE Bandes. Die Odysee durch die X-MEN Historie ist ein schöner, kunterbunter Spielplatz für Mutanten mit einer Prise Charakterentwicklung. Hier wird für Nostalgiker wie auch für die moderne Generation von X-MEN Fans vieles geboten. Die Zeichnungen von R. B. SILVA sind schlicht großartig. 🙂

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LINKS:

https://www.deviantart.com/rbsilva (R. B. SILVA auf Deviant Art)
https://www.marvel.com/comics/creators/12489/rb_silva (Infos über R. B. SILVA auf MARVEL.COM)
https://twitter.com/rb_silva?lang=de (R. B. SILVA auf Twitter)
https://www.instagram.com/rbsilva_comics/?hl=de (R. B. SILVA auf Instagramm)

Freitag, 04. Januar 2019

BATMAN UND SIGNAL

Filed under: Superhelden — Michael um 18:15

BATMAN UND SIGNALBATMAN kümmert sich nachts um GOTHAM CITY. Doch bei Tag tritt die Fledermaus viel seltener in Erscheinung. Oder sie lässt eines ihrer Alter Egos in Erscheinung treten. BRUCE WAYNE ist zu der Ansicht gelangt, dass auch am Tag ein Wächter präsent sein muss. Die Fähigkeiten und Charaktereigenschaften von DUKE THOMAS prädestinieren den jungen Mann, ein neuer Lehrling des DUNKLEN RITTERS zu werden. In einer gelbschwarzen Maskierung tritt er alsbald als SIGNAL tagsüber in Erscheinung. Die gleichzeitigen Attacken neuer METAWESEN lassen das Lehrgeld schwer verdient sein …

Rund um BATMAN ist im Laufe der Jahre eine regelrechte BAT-FAMILIE gewachsen. Bedenkt man den Start, ein DYNAMISCHES DUO, BATMAN und ROBIN, so hat sich über die Jahrzehnte hinweg ziemlich viel entwickelt. Die Varianten von BATMANS Schülern, sogar der Nachfolger (BATMAN BEYOND) so eben noch überschaubar. Den Autoren, voran TONY PATRICK, folgend SCOTT SNYDER, genügen in ihren Anweisungen für CULLY HAMNER gerade einmal eine halbe Seite um diese BAT-FAMILIE vorzustellen. Allesamt sind diese Fledermauszöglinge keine einfachen, oder sehr umgänglichen Charaktere wie ein NIGHTWING, ein RED HOOD oder eine BATWOMAN. Ein Neuling, der sich überhaupt erst selber finden muss, hat es in dieser Ansammlung von VIGILANTEN-VETERANEN besondere Startschwierigkeiten.

GOTHAM CITY bei Tag: Es ist deutlich heller geworden. Neu Bauprojekte lassen diese unter der Last des Verbrechens ächzende Stadt plötzlich viel freundlicher erscheinen. Allerdings stellen die Comic-Macher der Geschichte sehr schnell klar, dass Helligkeit kein Garant für Friedfertigkeit ist. Diverse METAWESEN sind bloß ein Symptom. Hinter den Kulissen steht auch den neuen Held SIGNAL alias DUKE THOMAS ein Erzfeind in den Startlöchern. CULLY HAMNER pflegt eine sehr fragile Zeichentechnik, wie eine Weiterentwicklung des Stiles von EDUARDO RISSO (100 BULLETS, WOLVERINE, BATMAN), detailreicher, mit einigen aufhübschenden Strichen mehr. Das kleidet den sehr jugendlichen Anstrich der Handlung, die stark an weitaus ältere Abenteuer eines seinerseit ebenso jugendlichen ersten ROBIN erinnert.

Ja, es ist Tag, aber die Autoren haben sich etwas ausgedacht: Mit dem GOTHAM PROPER, einem ausgefallenen Wohnentwicklungsprojekt, rein äußerlich ähnlich einer baulichen Maßnahme, die unter einen ST. LOUIS BOGEN gesetzt wurde (eigentlich JEFFERSON NATIONAL EXPANSION MEMORIAL). Sauber, neu, technisch für seine Bewohner dienstbar, durchdacht. Wie unheimlich es dennoch werden kann, zeigt CULLY HAMNER mit seiner Koloristenkollegin LAURA MARTIN, wenn Freaks im klassischen Gefängnisorange aufdrehen oder ein drohender orangeroter Sonnenuntergang die nächste Bedrohung effektvoll ankündigt.

Ein besonderes Zückerchen: Der JOKER hatte Hunde. Natürlich waren diese zum Töten abgerichtet, natürlich war BATMAN ihr vordringliches Ziel. Nach dem Abtritt des JOKERS gerieten die gefangenen Tiere in Vergessenheit und schlussendlich war nur noch einer übrig. GUTER JUNGE sagt man oft zu Hunden. So lautet auch der Titel der vorliegenden Kurzgeschichte, gezeichnet vom Grafikstar DAVID FINCH. SUPERMAN hatte seinen KRYPTO, BATMANS Haushalt besitzt nun ebenfalls einen Vierbeiner. Ein starkes Detail, das noch weitere Ecken und Kanten in BATMANS Charakter schleift. Zwei weitere Kurzgeschichten runden das Bild ab (die letzte ist großartig, fantastisch von BILQUIS EVELY gezeichnet, die Dame ist eine stilistische Erbin von BERNIE WRIGHTSON).

Fans vom Umfeld BATMANS werden an der abgeschlossenen Miniserie um SIGNAL (mit großzügigen Gastauftritten des DUNKLEN RITTERS) ihre Freude haben. Die Erzählweise bedient fein die Erweiterung rund um die BATFREUNDE und kann gleichzeitig jene ansprechen, die gerade über die TITANS im Pantoffelkino auf den Geschmack gebracht werden. Richtig schön von CULLY HAMNER ins Bild gesetzt. Bombig! 🙂

BATMAN UND SIGNAL: Bei Amazon bestellen.
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Link: https://www.deviantart.com/bilquisevely (BILQUIS EVELY auf DEVIANT ART)

HOMBRE GESAMTAUSGABE 1

Filed under: SciFi — Michael um 18:07

HOMBRE GESAMTAUSGAE 1Die Welt ist am Ende, aber HOMBRE hat noch nicht aufgegeben. Er hat den Niedergang der alten Welt hautnah miterlebt, die Auferstehung des Chaos gesehen, als Halunken und Abschaum sich die vorherrschaft sicherten, allein durch Gewalt. Er sah diejenigen, die verstrahlt waren, wehrte sich gegen jene, die geisteskrank waren oder sich ohne Reue zu Kannibalen wandelten. Gelände, zuvor dank moderner Technik mit Leichtigkeit zu überwinden, werden zu tödlichen Hindernissen. In der Not werden verschiedene Relikte zu Behausungen, zu einer Heimat sogar. Doch der Tod lauert. Niemals kann ein Mensch sich sicher sein, ob nicht die nächste Begegnung das Ende birgt. In dieser schleichend aufgezogenen Apokalypse hat HOMBRE das kleine Quäntchen Glück, das ihn den nächsten Tag überleben lässt …

In den frühen 1980ern war die Weltuntergangsstimmung greifbar. Im Kino heizten MAD MAX, BLADE RUNNER und TERMINATOR das Publikum an, während ein Schauspieler ins Weiße Haus einzog. Und gleichzeitig erlebte die spanische Comic-Landschaft nach der Diktatur FRANCOS eine Wiederbelebung, in deren Zuge HOMBRE auf den Markt kam und auf verschiedenen Plattformen, darunter auch HEAVY METAL, sein Publikum fand. ANTONIO SEGURA erzählt in voneinander weitestgehend unabhängigen Kapiteln vom Leben (eher vom Dasein) eines Einzelgängers, der sich mehr als viele andere Menschen, denen er begegnet, an die vergleichsweise schöne Vergangenheit erinnern kann.

Drastisch ist der Einstieg in die Serie. Nichts wird beschönigt. Eine Romantisierung der Umstände gibt es nicht. Ein SURVIVAL-FEELING im Sinne eines ROBINSON CRUSOE gibt es in Teilen, nur von einem Freund wie FREITAG ist lange nichts zu sehen. Bis die schöne ATILA auftaucht, der Prototyp einer kämpferischen, emanzipierten Frau bis in die Zehenspitzen, versiert im Kampf, nicht zimperlich, einfallsreich, fast könnte man sagen, eine weibliche, weitaus jüngere Ausgabe von HOMBRE selbst (und natürlich viel hübscher). Dazu ist sie noch frecher, fordert HOMBRE geradezu heraus und ist vielleicht, so wie sie von Autor ANTONIO SEGURA aufgebaut wird, sogar die bessere Überlebenskünstlerin.

In den (zu jedem Abschnitt der HOMBRE-Saga) sehr einsteigerfreundlichen Kapiteln (oder auch Kurzgeschichten, ganz wie man will) verändert sich die Welt rund um HOMBRE etwas mehr. HOMBRE macht freilich seine ganz eigenen Erfahrungen, die ihn prägen, trotzdem ist es die Welt, die die größeren Schritte unternimmt, nach alten Werten und Aufbau strebt, allerdings unsere zivilisatorischen Errungenschaften lange nicht erreicht, sondern vielmehr auf einem MAD-MAX-WILD-WEST-Niveau stecken bleibt. Immerhin: Nach dem absoluten Ausgangsdesater ist dies ein enormer Fortschritt. Der etwas trashige Beginn der Reihe wechselt bereits nach den ersten beiden Kapiteln hin zu Geschichten, die ein stärkeres Format aufzuweisen haben.

Denn mit DAS SELTSAME PARFÜM wird auch HOMBRE menschlicher in einer Art LONE-WOLF-AND-CUB-Konstellation. Nun ist es der ehemalige Einzelgänger, der auf einen Säugling aufpasst. Leider wurde dieses Motiv von ANTONIO SEGURA nicht weiterverfolgt. Dafür treten durch häufigere menschliche Gesellschaft die Änderungen von Werstvorstellungen in den Vordergrund, ganz besonders die für diese Apokalypse einer überkommenen Moral. Und der Tod wird als allgemeine Strafe vollstreckt.

JOSE ORTIZ ist ein Bildkünstler vom Format eines RICHARD CORBEN oder mehr noch eines PAOLO SERPIERI. Mit letzterem teilt JOSE ORTIZ die Strichtechnik und eine Vorliebe für vollbusige, dunkelhaarige Frauen (bei ihm in Form der Helding ATILA dabei). Ein ausdrucksstarke Farbgebung dieser mit höchstem Realismus gezeichneten Bilder gibt der Handlung eine ungeheure Lebendigkeit. Dass JOSE ORTIZ dabei auch ein reines per Tusche gezeichnetes Schwarzweiß ausreicht, beweist der Künstler mit einer Episode um ATILA, die gerade dem künstlerisch Interessierten das enorme Talent des Zeichners zeigt. Der Kampf mit einem Bären wäre ebenfalls in einem WESTERN gut aufgehoben (auch in diesem Genre war JOSE ORTIZ zuhause).

Grafisch fantastisch, thematisch besonders für jene Comic-Enthusiasten interessant, die auf Weltuntergangsszenarien stehen. Wer ein leicht zugängliche, (mit einer Prise schwarzem Humor), sicherlich mitunter brutale Erzählung mit Western-Anklängen (aus einer irren Pionierzeit) mag, die ihrem Helden darüber hinaus nur wenig Erholung schenkt, ist hier mit dem Auftakt der dreiteilig abgeschlossenen Gesamtausgabe bestens bedient. JOSE ORTIZ war ein echter Ausnahmekünstler! 🙂

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Dienstag, 01. Januar 2019

SPIDER-MAN – SPIDER-VERSE

Filed under: Superhelden — Michael um 17:24

SPIDER-MAN - SPIDER-VERSEMORLUN ist zurück und er hat seine Familie, die INHERITORS, mitgebracht. SPIDER-MAN hat bereits Bekanntschaft mit diesem Feind gemacht und konnte diesen unheimlichen Gegner zweimal besiegen. Leicht war das beileibe nicht. Wie es sich nun herausstellt, hat MORLUN samt seiner Familie die Fähigkeit, ins Leben zurückzukehren. Mehr noch: Es gibt mehr als ein Spinnenwesen. In zahllosen Paralleluniversen existiert auf einer Erde ein SPIDER-MAN (oder eine SPIDER-WOMAN oder mehrere) und solange auch nur eine Spinne ihr Netz webt, ist die Familie von MORLUN in Gefahr. Und so hat dieses Monstergeschlecht es sich zur Aufgabe gemacht, (wirklich) jede Inkarnation der Spinnen zu töten, um diese Bedrohung für alle Zeiten zu eliminieren.

Ein Hoch auf CHRISTOS GAGE und DAN SLOTT, die hier eine vielschichtige SPIDER-MAN-Apokalypse geschaffen und SPIDER-MEN ins Leben gerufen haben (zeitweilig auch nur kurz), die allesamt bemerkenswerte Varianten der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft alias PETER PARKER sind. Die Variante als GWEN STACY war bekannt, die von MILES MORALES ebenso, faszinierend ist SILK, PETER PORKER alias SPIDER-HAM ist herrlich albern, SPIDER-PUNK ist cool, SPIDER-MAN NOIR ist eine tolle Gothic-Variante, die Version von 2099 gewohnt düster, ONKEL BEN als SPIDER-MAN wundervoll altmodisch und ungewohnt. Und das ist nur eine sehr, sehr kleine Auswahl von SPIDER-MEN (und WOMEN), dieses SPIDER-VERSE bevölkern.

Das Comic-Event SPIDER-VERSE lebt von den verschiedenen Inkarnationen, die für MARVEL-Enthisiasten teils geradezu nach ausgefeilten Geschichte schreien (wie zum Beispiel die BRUCE-BANNER-Variante). Stein des Anstoßes der Geschichte ist ein Mythos und den INHERITORS den Weg zu ihrem großen Vernichtungsfeldzug weist. Der Widerpart ist unser aller beliebter SPIDER-MAN, PETER PARKER (der einzig wahre und echte, nicht diese von DOCTOR OCTOPUS besessene Variante). Außer ihm ist es keinem anderen SPIDER-MAN gelungen, gegen MORLUN und Konsorten zu gewinnen.

Zig SPIDER-MEN und SPIDER-WOMEN bedeutet nicht automatisch ein übereinstimmendes Verhalten. Einige können sich nicht einmal richtig verständlich machen (weil der Rest der Spinnenleute kein Japanisch spricht). Andere wie der COSMIC SPIDER-MAN sind beinahe gottgleich durch ihre Kräfte. Und der selbst ernannte BESSERE SPIDER-MAN, besessen von OTTO OCTAVIUS, stellt sich natürlich sofort in den offenen Konflikt mit PETER PARKER, von derselben Erde, nur aus einer anderen Zeit. Da rückt die Bedrohung manchmal in den Hintergrund, schlicht, weil es Spaß macht, dem Für- und Miteinander der mitunter sehr unterschiedlichen Inkarnationen zuzuschauen.

OLIVIER COIPEL, GIUSEPPE CAMUNCOLI, DAVID A. WILLIAMS und HUMBERTO RAMOS, der den Anfang macht, liefern eine bombastische Grafik ab, sehr dystopisch in weiten Teilen, meist sehr realistisch (es sei denn, es verschlägt die Helden tatsächlich einmal in eine Cartoon-Variante des SPIDER-VERSE). Die japanischen Varianten (samt Riesenroboter) haben teils ihre eigene Zeichentechnik samt Rasterfolie und fallen entsprechend unter den realistischen Varianten auf. Selbst neben einem SPIDER-MONKEY oder einem SPIDER-MAN zu Pferd, der ganz eindeutig in seiner Welt den LONE RANGER abgelöst zu haben scheint. Soll heißen: Wenn es, selbst unter den zahlreichen Comic-Events, eine Comic-Miniserie gegeben haben mag, in der Zeichner so richtig unter Beweis stellen konnten, dann ist es SPIDER-VERSE.

HUMBERTO RAMOS ist derjenige Zeichner, der zu einem, nennen wir es, überdrehten Realismus neigt (bestes Beispiel: seine VENOM-Interpretation). GIUSEPPE CAMUNCOLI arbeitet realistisch, technisch vielleicht ein wenig in der Nähe zum verstorbenen MICHAEL TURNER. DAVID A. WILLIAMS liefert Realismus ohne Überraschungen ab, präzise fürs Auge. Zum guten Schluss steht OLIVIER COIPEL für elegante Ergebnisse. Seine Figuren wirken in Gesicht und Gestalt stets von einer Spur natürlichem Adel umgeben.

Fazit: Ein toller Kracher aus dem SPIDER-MAN-UNIVERSUM. Selbst unter einer Vielzahl von Experimenten, Events eine der besten Ideen. SPIDER-VERSE ist nicht zuletzt wegen seiner klasse Gestaltung jedem SPIDER-MAN-Fan ans Herz zu legen. 🙂

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Samstag, 29. Dezember 2018

HIT-GIRL IN KOLUMBIEN

Filed under: Superhelden — Michael um 15:14

HIT-GIRL IN KOLUMBIENIn den USA ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen, ein Side-Kick für HIT-GIRL ist nicht aufzutreiben. Der gute KICK-ASS hat sich zur Ruhe gesetzt. Aber MINDY MCCREADY, das Mädchen hinter der Maske von HIT-GIRL, will die Bösen noch nicht einfach so laufen lassen. Es gibt noch so viel zu tun. Da ergibt sich ein Kontakt nach KOLUMBIEN und gleichzeitig die Gelegenheit, den berüchtigsten und gefährlichsten Killer des Landes auf die eigene Seite und als Verstärkung heranzuziehen. MANO, ein Monster in Menschengestalt, soll eigentlich ein zehnfach lebenslängliche Haft antreten. HIT-GIRL findet wie immer Mittel und Wege, den Auftragsmörder aus dem Knast zu holen …

SIE IST WIEDER DA! HIT-GIRL ist inzwischen selbst zu einem kleinen Monster geworden. Ohne die Anleitung ihres getöteten Vaters, BIG DADDY, ist sie im Prinzip eine Amokläuferin mit Ansage. Freilich dreht sie aus ihrer Sicht nur unter dem letzten Abschaum der Menschheit durch, wie Mördern, Vergewaltigern, Drogenbaronen und vielen anderen, dennoch scheint es in Sachen Mord und Totschlag keinerlei Grenzen mehr zu geben. DAVE LIZEWSKI, der erste KICK-ASS, wäre diesen Weg niemals mitgegangen. Für MANO, den kolumbianischen Irren mit Spaß an Knarren aller Art, stellt das überhaupt kein Problem dar.

MARK MILLAR lässt HIT-GIRL hier endgültig und vollkommen von der Leine, mehr noch als in dem Soloausflug, der die Handlungslücke zwischen KICK-ASS Teil 1 und Teil 2 schließt. In der Tat gibt es hier keinen KICK-ASS mehr oder eine Pflegefamilie, die irgendwie besänftigend auf das zwölfjährige Mädchen einwirken und so einen geringen Teil von Normalität (wie es der Schulalltag war) in ihr Leben bringen könnten. HIT-GIRL genießt das Abschlachten ihrer Feinde, immer unter der Maßgabe, dass diese Gangster genau diese Behandlung verdient hätten. Ständig werden neue Waffen ausprobiert, Gegner explodieren mit schöner Regelmäßigkeit.

Nach JOHN ROMITA JR., der für die KICK-ASS-Reihe (und den jüngsten weiblichen Ableger) als Zeichner zur Verfügung stand, hat nun RICARDO LOPEZ ORTIZ den Zeichenstift übernommen. JOHN ROMITA JR., der nach seinem Vater einen eigenen, etwas überzogenen Realismus entwickelt hat, wirkt mit seiner Technik gegenüber RICARDO LOPEZ ORTIZ noch gezügelt. In dieser neuen Interpretation ist die Kunst des Manga und des Manhwa auf SPEED-Geschwindigkeit angelangt. Darunter mischt sich eine Spur PUNK, etwas STREETART sicherlich auch, etwas B-MOVIE-Atmosphäre. Zeitweilig hatte ich den Eindruck, als würden HEIDI und der ZIEGENPETER die Sau rauslassen.

Stellenweise wird sehr hohe Geschwindigkeit dargestellt, akrobatisches Töten im Stile eines JOHN-WICK-Films. So wird Mord zur Slapstick. Andererseits passt sich der Zeichenstil von RICARDO LOPEZ ORTIZ gut der schmutzigen Umgebung in Slums und schmuddeligen Seitenstraßen an. Die Strichführung ist dünn, flott ausgeführt, teils mit Rastern unterfüttert. Gesichter werden bei RICARDO LOPEZ ORTIZ zu regelrechten Gesichtslandschaften, aus denen sich ganze Geschichten ablesen lassen (würde MARK MILLAR dem Leser durch die schnelle Handlung genügend Zeit dazu lassen).

Brutal heftig, rasend erzählt, aber mit einem sehr versöhnlichen Ende ausgestattet. MARK MILLAR macht aus HIT-GIRL eine Vigilantentouristin, die sich ihre Feinde per Zufall sucht (siehe Fortsetzung HIT-GIRL IN KANADA) oder dort, wo es viel zu viele davon gibt. Im wahrtsen Sinne des Wortes fetzig illustriert von RICARDO LOPEZ ORTIZ. 🙂

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Link: https://twitter.com/rlopezortiz?lang=de (RICARDO LOPEZ ORTIZ auf Twitter)

Sonntag, 23. Dezember 2018

BLACK LIGHTNING – FINGER AM ABZUG

Filed under: Superhelden — Michael um 15:16

BLACK LIGHTNING - FINGER AM ABZUGDie vom Dach fallenden riesigen Buchstabenkonstruktionen könnten Menschen erschlagen. Im besten Fall gelingt es BLACK LIGHTNING diese mit seinen neu antrainierten Techniken auszubremsen und auf unwichtige Aufschlagstellen umzuleiten, so dass nur Sachschaden entsteht. Dieser besteht leider in einem Polizeifahrzeug (ohne Insassen selbstverständlich). Seitens der Cops ist man über diese Rettungsaktion nicht froh. Tatsächlich versucht ein entrüsteter Polizist BLACK LIGHTNING wegen Sachbeschädigung zu verhaften. Die Aufforderung wird von dem schwarzen Helden mit einem Achselzucken abgetan …

Ein Held ist zurück. Vor langer Zeit (als es noch Comics mit der Übertitelung SUPERBAND gab und die JLA GERECHTIGKEITSLIGA hierzulande gerufen wurde) stieß ich ein Abenteuer, das diesen BLACK LIGHTNING in den Mittelpunkt rückte. Im Einsatz inmitten einer eher benachteiligten Gegend, hatte dieser BLACK LIGHTNING keinerlei Lust den so genannten großen Helden zur Seite zu stehen, die sich einen Deut um die kleineren Probleme scherten. Der von TONY ISABELLA (Autor) und TREVOR VON EEDEN (Zeichner) geschaffene Held ist nun unter der Feder von TONY ISABELLA zurück. Im privaten Leben als Highschool-Lehrer JEFFERSON PIERCE in Cleveland ansässig, ist er der schwarze Blitz der Nachbarschaft, der sein Revier sauber hält.

Plötzlich überschwemmen neue Waffen die Straßen, effizient, tödlich, denen der Polizei deutlich überlegen. Ihr Ursprung ist außerirdischer Natur, für den Straßenmarkt weiterentwickelt. Aber BLACK LIGHTNING ist ebenfalls nicht mehr auf dem technischen Stand der 1980er Jahre und so hat er sich ein paar neue Tricks angeeignet. Pistolenkugeln können abgewehrt werden. Kurze Sprünge durch die Luft dienen entweder einem Rückzug oder einer schnelleren Verfolgung. Das nicht mehr ganz so neue Jahrtausend hat nicht vor einem altgedienten Helden Halt gemacht.

BLACK LIGHTNINGS Gegner, TOBIAS WHALE, eine Art KINGPIN des DC-Universums, hat eine größere Wandlung durchlaufen. Aus dem ehemals weißen Giganten, viel deutlicher einem weißen Wal nachempfunden und somit eine verbrecherische Version eines MOBY DICK, wurde ein schwarzer Muskelberg, um die zwei Meter groß, mit einem starken Hang zu Meeresmystik. In seinem näheren Umfeld stehen Kreaturen als dienstbare Geister und Kämpfer zur Verfügung, sogar sehr aufopferungsbereit. TOBIAS WHALE geht über Leichen. Die seiner Schwester ist gleichfalls darunter. Einen BLACK LIGHTNING verschont er nur, weil er ihn selbst töten will. Die Handlung mündet so nicht nur in eine klassische Superhelden/Superschurkenauseinandersetzung, hier sind zudem typische Anklänge eines Westerns enthalten (nebst dem obligatorischen Showdown).

CLAYTON HENRY und YVEL GUICHET meistern die Zeichnungen des vorliegenden Bandes mit dem Untertitel FINGER AM ABZUG. Beide sind stark dem Realismus zugeneigt (wer also von der aktuellen Fernsehserie her kommt und zusätzliches Material sucht, liegt hier goldrichtig). CLAYTON HENRYS Arbeiten gefallen mir am besten, wunderbar dynamisch, filmisch, wuchtig sogar, wo sie hin und wieder von einer Doppelseite aufs Auge knallen. Die Strichausführung ist sehr akurat, von leichter Hand, weshalb Schatten der Kolorierung von PETE PANTAZIS überlassen werden. In der Zusammenarbeit mit YVEL GUICHET sind getuschte Schattenflächen deutlich auffälliger.

Ein guter Auftakt für einen Recken, der schon 1977 entstand. In dieser modernen Version ist er gut im 21. Jahrhundert angelangt. TONY ISABELLA, einer der beiden Erschaffer von einst, erzählt von einem Helden, der sich ähnlich wie in einem Western behaupten muss, aber nie einsam ist wie in HIGH NOON. TOBIAS WHALE als Gegner erfordert von BLACK LIGHTNING große Nehmerqualitäten, ein Held oft am Limit. Optisch klasse gestaltet! 🙂

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Oder bei Panini Comics.