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Comic Blog


Dienstag, 25. Juli 2017

TEEN TITANS – MEGABAND 2 – TITANEN-BLUT

Filed under: Superhelden — Michael um 17:05

TEEN TITANS - MEGABAND 2 - TITANEN-BLUTDas Leben ist als Teenager nicht einfach. Als Teenager in Kombination mit einer Identität als Superheld ist es unendlich schwieriger. Und irre Gangster wie PROFESSOR PYG helfen nicht gerade dabei, den Alltag zu beruhigen. Ganz im Gegenteil, denn diesmal geht es den TEEN TITANS richtig an den Kragen. Sie müssen bluten. Irgend jemand hat es auf die vielfältigen Möglichkeiten abgesehen, die sich aus ihren Fähigkeiten ergeben. Wenig später, eigentlich auf einem Erholungsausflug, sind einfachere Wilderer, die Scherereien machen, geradezu ein Kinderspiel …

SCOTT LOBDELL, WILL PFEIFER, GREG PAK, TONY BEDARD etablieren die Kids, indem sie allerhand bekannte Details und Charaktere einfließen lassen. Prominentestes Mitglied dieser Riege ist zweifellos WONDER WOMAN. Da ein TITAN zufällig WONDER GIRL ist, kommt dieser Begegnung besondere Bedeutung bei. Kurzum, es wird mythologisch und Herkunft wird erneut ein großes Thema. Die TEEN TITANS schlagen sich tapfer und einmal mehr gewinnt ein Charakter an Kontur, indem endlich mehr zur Abstammung beigetragen wird. RED ROBIN hat das nicht mehr nötig. Seine Zeit an der Seite von BATMAN (der ab und zu mal über die Schulter blickt) hat das Fundament für einen fast manisch peniblen Helden gelegt.

Mit BUNKER, RAVEN, BEAST BOY, POWER GIRL, das erwähnte WONDER GIRL verhält es sich nicht ganz so. Keine der Heldinnen, niemand der Helden wurde in seine Rolle hineingeboren. BEAST BOY, der sich in eine unmögliche Anzahl von Tieren verwandeln kann, besitzt gleichsam auch eine gewisse Variabilität, was seine Persönlichkeit anbelangt. Nutzt die Gestalt einer kleiner Katze oder eines kräftigen Gorillas, ändert sich damit zwangsläufig sein Auftreten. Das neue POWER GIRL ist mit der weiß und rot gewandeten, erwachsenen Variante von SUPERGIRL nicht zu vergleichen. Dieses POWER GIRL erinnert durch seine Kräfte mehr an den Legionär COLOSSAL BOY.

Offenbar wird aber ihr aller Potential erkannt, denn AMANDA WALLER betritt die Bühne, um die TEEN TITANS für ihre Zwecke anzuwerben. Wenig später allerdings haben die TITANS mit sich selbst genug zu tun, weil es auch zwanghaftere Anwerbungen gibt, eben solche, gegen die eine Gegenwehr fast unmöglich ist. TONY BEDARD erzählt die Episode SCHACHMATT FÜR DIE KÖNIGIN, gezeichnet von MIGUEL MENDONCA, der mit seinem klaren Realismus ebenso gut für das STAR WARS Universum zeichnen könnte. In der Episode VON HELDEN UND SCHURKEN fällt seine Arbeit deutlich actionlastiger aus, durch den Auftritt eines gegnerischen Duos aus lebendem Gehirn und Gorilla zudem weitaus komischer.

Weiter vorne, sozusagen in umgekehrter Reihenfolge aufgelistet, schafft Inker DEXTER VINES mit seiner Arbeit noch mehr Feinheiten aus MIGUEL MENDONCAS Vorarbeit in der Folge DIE SUMME SEINER TEILE herauszuholen. Es zeigt sich an diesem Beispiel perfekt, wie unterschiedlich (aber immer noch gut) das Endergebnis ausfallen kann, wenn in weiteren Arbeitsschritten andere Kollegen des Zeichners am Rechner sitzen.

IAN CHURCHILL ist der zweite sehr gute Zeichner in diesem zweiten Megaband der TEEN TITANS, der das Geschehen vor dem DC-Event REBIRTH abschließt. CHURCHILL gehört zu jener Illustratorgarde, die sozusagen hochauflösend zeichnen. Gemeint sind damit ungemein feine Striche, teils sogar sehr zahlreich über das gewöhnliche Maß hinaus. Andere Vertreter dieses Stils sind z.B. GREG CAPULLO (SPAWN) oder der noch bekanntere JIM LEE (BATMAN, SUPERMAN). Inker wie DEXTER VINES oder NORM RAPMUND haben bei IAN CHURCHILL weitaus mehr zu tun als bei Zeichnerkollegen, die sich mit weniger Vorarbeit zufrieden geben. Aber ohne entsprechendes Tuschen sind die Stilistiken von CHURCHILL & Co. kaum vernünftig einzufangen.

Eine Gruppe wächst zusammen. Ein Team test sich gegenseitig aus, lernt zu vertrauen und reift an seinen zahlreichen Herausforderungen. Dank eines tollen Autorenteams und einiger Top-Zeichner liegen hier im abschließenden zweiten MEGABAND der TEEN TITANS moderne, perfekte Superheldenabenteuer vor. Klasse! 🙂

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Samstag, 22. Juli 2017

ARCTICA 2

Filed under: SciFi — Michael um 16:07

ARCTICA 2 – DAS GEHEIMNIS AUF DEM MEERESGRUNDEs spricht plötzlich französisch. Binnen kürzester Zeit hat es sich die Sprache mittels einer Lernsoftware beigebracht. Körperlich betrachtet ist das kleine Mädchen ungefähr zwölf Jahre alt. Der technisch seiner Zeit überlegene Sarkophag, in dem sie gefunden wurde, wird auf 10.000 Jahre geschätzt. Aber das ist längst nicht alles. Das Mädchen hat eine Aufgabe. Nachdem sie zunächst ihre Umgebung beobachtet und herausgefunden hat, wem sie trauen kann, macht sie sich mit den beiden Erwachsenen, Mismy Renoir und dem Piloten Dakota, auf einen nicht gerade leichten Weg, ihre Mission zu erfüllen.

Was geschah vor 10.000 Jahren auf der Erde? Wie konnte eine derart hoch technisierte Zivilisation bislang unentdeckt bleiben? Warum wurde nicht bereits früher etwas gefunden? DANIEL PECQUEUR beantwortet diese Fragen nicht, noch nicht, aber er gibt Hinweise, denn die bisherigen Fundorte sind äußerst schwierig zu erreichen und angesichts ihrer Größe in großflächigen Räumen gleichzeitig die berühmte Nadel im Heuhaufen. Der Fund des kleinen Mädchens hätte ebenso gut nicht stattfinden können, besäße Dakota als Pilot nicht ein überaus scharfes Auge. Der zweite Teil von ARCTICA, mit dem Untertitel DAS GEHEIMNIS AUF DEM MEERESGRUND, ist ein durchweg abenteuerlicher Action-Science-Fiction-Reißer, der all das auf Papier bringt, was der Kino-, vielleicht auch der Serienfan filmisch seit langem vermisst.

Die konsequente Weiterentwicklung gegenwärtiger Strukturen und Techniken lässt das Szenario von ARCTICA sehr lebendig erscheinen. Technisch eindeutig weiter als bis zum heutigen Tag haben sich immer noch reichliche Errungenschaften, Vehikel und Abläufe erhalten, damit die Kluft zur Realität nicht zu groß und der Einstieg in diese Zukunftswelt leicht ist. Wie es das Kintopp häufig vormacht, bietet DANIEL PECQUEUR einen ständigen Wechsel der Schauplätze und so eine Menge Abwechslung und Möglichkeiten, die Geschichte auf sehr unterhaltsame Weise weiterzuführen. Von der Großstadt auf das Land, auf ein malerisches Hausboot, weiter auf das Mittelmeer und schließlich unter Wasser. Titelbild und Episodentitel verraten es schon.

Die Handlung startet nahtlos dort, wo sie in der ersten Folge endete, auf dem Land. Das mag dem Koloristen PIERRE SCHELLE farblich vielleicht etwas hausbacken gewesen sein, denn nur wenige Seiten später präsentiert er Szenen in prächtigen Sonnenuntergangsfarben. Plötzlich wird aus dem Urlaubsambiente ein fast brennendes Land. Das vermittelt einerseits ein friedliches Gefühl, andererseits auch Gefahr, wenn sich Dakota vor diesem flammenden Licht nach Westernart in den Sattel schwingt.

Die technischen Spielereien werden als Selbstverständlichkeit eingebaut und sind jedes Mal ein großartiger Hingucker, da jedes dieser Schmuckstücke ausgefeilt wie aus einem Magazin für technische Illustrationen dargestellt wird. Die Ausstattung in dieser Hinsicht ist preiswürdig, erinnert an andere Comic-Künstler auf diesem Niveau, an Vorgänger wie ROGER LELOUP oder VICTOR HUBINON, hinter denen sich BOYAN KOVACEVIC durch seine Präzision nahtlos einreiht. In der Unterwassersequenz kreiert er ein kleines Schmuckstück, organisch anmutend, ein wenig unheimlich, fast im Sinne von Gebrauchsdesignern, denen abgerundete Formen über alles gehen.

Dem Sonnenuntergang folgt die Nacht, die Geschwindigkeit steigt, BOYAN KOVACEVIC und PIERRE SCHELLE gestalten eine ausgefallene Verfolgungsjagd und wenig später vor der Kulisse eines strahlenden Mittelmeers einen bis dahin nie gesehenen Angriff aus der Luft. Einmal mehr zeigt sich, wie sehr die Künstler im Comic kreativ gleichauf mit den Machern des Kinos sind. Einmal mehr zeigt sich auch, dass hier auf Materialkosten keine Rücksicht genommen werden muss, Stuntmen werden nicht benötigt, so dass es hier richtig zünftig knallen kann. Artistisch, kurios, packend.

Auch der zweite Teil von ARCTICA vermag auf ganzer Länge überzeugen. Eine spannende Fortsetzung, besser noch als der Auftakt, mit Figuren, die langsam an Tiefe gewinnen und dadurch noch interessanter werden. Grafisch Top! Ein klasse Illustratorenduo aus Zeichner und Kolorist schaffen eine optisch echt wirkende Zukunft. Gleichauf mit Serien wie GOLDEN CITY oder TRAVIS. Für SciFi-Fans und Leser, die auf flotte technische Blockbuster stehen! 🙂

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Mittwoch, 19. Juli 2017

YIYA 2 – DER ALCHIMIST

Filed under: Mystery — Michael um 17:44

YIYA 2 – DER ALCHIMISTYIYA hat ihren treuen Ziehvater verloren. ROGO, ein junger Mann mit Herz, nahm die kleine Waise einst auf, gab ihr Obdach, Nahrung und schuf so eine, wenn auch sehr kleine Familie. Als ROGO, den Worten des merkwürdigen SHUN folgend, in einem Taucheranzug in die Tiefe der See gleitet, um dort einen Schatz zu suchen, gerät er in Gefangenschaft. Man bietet YIYA die Freilassung des Ziehvaters an. Sie muss nur den mysteriösen SHUN aufspüren und gegen den Ziehvater eintauschen. YIYA ist bereit, SHUN durch Raum und Zeit zu verfolgen, damit sie ihre Aufgabe erfüllen kann. Und genau das geschieht. Kaum aus der seltsamen Parallelwelt zurückgekehrt, lässt sie ihre Zeit, das Jahr 2020, hinter sich und landet alsbald im Jahr 2100

Mit DER ALCHMIST schließen DANIEL PECQUEUR und VUKASIN GAJIC das Zeitreiseabenteuer um YIYA ab. Vorab lässt sich bereits an dieser Stelle sagen, dass es sich um eine Geschichte handelt, die YIYA erwartet hat. Es gab eine Aufgabe, einen Weg zu gehen und den beschreitet YIYA mit aller zur Verfügung stehenden Hartnäckigkeit. Gab es im ersten Teil, DER SORGENFRESSER, des Zweiteilers die Einleitung, die Verzweiflungstat und die Aufgabe, geht es nun an die Erfüllung derselben. DANIEL PECQUEUR legt seiner Heldin YIYA dazu reichlich Steine in den Weg, lässt viele Fragen im Geiste des Lesers entstehen, beantwortet aber bei weitem nicht jede.

Die Handlung um YIYA springt bewusst aus einem starren Regelwerk, einem Skelett, (manche mögen es auch ein einengendes Korsett nennen) das einem häufig, mehr oder minder deutlich erkennbar, aus Geschichten entgegenspringt. Hier ist einfach alles möglich und dies Dank einer Serie von multifunktionalen Portalen, die einen nicht nur in die Vergangenheit oder Zukunft verfrachten können, sondern auch in parallele Dimensionen. Die Portale selbst sind nicht grundsätzlich als solche erkennbar. So kann der Leser auch nicht vorhersagen, wann der nächste Sprung eingeleitet wird, geschweige denn, wohin er YIYA führen mag. YIYA, das zeigt sich schnell, hat weitaus mehr Potential, als hier ausgeschöpft wird, weil DANIEL PECQUEUR ganz nebenbei einen Kosmos erschafft, der sich ewig drehen kann.

Viele Fragen entstehen aus Figuren, die sich nicht ausführlich vorstellen und die schon gar nicht ihre Motivationen erläutern (wie bei einer Figur wie dem geheimnisvollen SHUN, von der sich nicht sagen lässt, woher sie kommt und was sie vorhat). Selbst ROGO gibt noch Rätsel auf, betrachtet man das Sorgenfresserarmband, dem eine wichtige Rolle zufällt und dessen wahre Herkunft ungeklärt bleibt. Einzig YIYAS Geschichte ist weitestgehend bekannt. Sie will einfach nur in den Normalzustand zurück. Und verändert doch schließlich alles.

DANIEL PECQUEUR ist ein alter Autorenhase im Comic-Geschäft, VUKASIN GAJIC, Zeichner und Kolorist in einem, ist eine echte Entdeckung. Durch die Zeitsprünge wird er grafisch vor unterschiedlichste Aufgaben gestellt, anhand derer sich der Comic-Fan ein tolles Bild seiner Fähigkeiten machen kann. Der zweite Teil von YIYA führt das Mädchen, der Untertitel DER ALCHIMIST deutet es vage an, in die Vergangenheit, genauer ins 18. Jahrhundert nach Venedig. Demgegenüber steht ein Szenario des Jahres 2100. Beide sind perfekt illustriert und schöpfen die Möglichkeiten der heutigen Comic-Kolorierung über die gängigen Programme aus. Mag besagtes Venedig jeden JULES-VERNE-Fan und Steampunk-Freund hüpfen lassen, dürfen sich Anhänger von LUC BESSON im Jahre 2100 gleich zuhause fühlen.

VUKASIN GAJIC schafft eine Bilderpracht und arbeitet mit einem Figurenstyling, das den Sci-Fi-Fan sofort an moderne Animes wie APPLESEED und ähnliche denken lässt, eben Filme, in denen der CGI-Look den Gesamteindruck bestimmt. Gerade Objekte, im futuristischen 2100 ganz besonders, könnten in 3D-Programmen entstanden sein, um sie später exakt in die jeweilige Kulisse einzubauen. Aber ganz gleich, wie VUKASIN GAJIC es angestellt hat, entstanden sind Bilder von großer Plastizität, feinen Oberflächenstrukturen, schönen Details und filmischem Eindruck.

Der Abschluss des Zweiteilers lässt durchaus Fragen offen, aber seltsamerweise stört der Handlungsaufbau nicht. Es entsteht ein leichter mystischer Hintergrundfaden, der die Fantasie des Lesers anregt. Fragt sich, ob DANIEL PECQUEUR das Szenario noch einmal aufgreift. Aus Lesersicht und als Comic-Fan darf man hoffen, dass er wenigstens noch einmal mit VUKASIN GAJIC zusammenarbeitet, denn das Endergebnis ist nahezu perfekt. 🙂

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Montag, 17. Juli 2017

GUERILLAS – Band 3

Filed under: Thriller — Michael um 22:07

GUERILLAS – Band 3Die Verluste an amerikanischen Menschenleben im Vietnamkrieg sind zu hoch geworden. Verzweifelt wird überlegt, welchen neuen Weg die Kriegsführung nehmen könnte, um diesen Umstand zu ändern. Erste Versuche mit Affen als Soldaten sind vielversprechend. Ein Team von Schimpansen, geführt von GOLIATH, aus der Ferne von Menschen kontrolliert, soll in einem Feldversuch den Beweis für die Tauglichkeit dieser neuen Strategie erbringen. Aber das Experiment schlägt fehl, die Schimpansen machen sich selbstständig. Ein weiterer Trupp, diesmal mit menschlichen Soldaten, verfolgt die Affen in den Dschungel …

BRAHM REVEL entpuppt sich auch in BAND 3 des Vierteilers GUERILLAS nicht nur ein weiteres Mal als ein Meister der schwarzweißen Graphic Novel, er versteht es darüber hinaus hervorragend, wichtige Informationen und Emotionen ohne ein einziges Wort rein über eingeschobene Bilder zu transportieren. Die Einführung mag nach einem einfachen Szenario klingen, aber weit gefehlt. Ähnlich wie es der Film EROBERUNG VOM PLANETEN DER AFFEN im Jahre 1971 bereits zeigte, müssen Schimpansen (und ein Pavian) eine Reihe von Trainingseinheiten über mehrere Jahre hinweg durchlaufen.

In weiten Teilen artet dieses Training in ein unglaubliches Martyrium aus. Besagter GOLIATH ist der erste Schimpanse, der zur Ausbildung gezwungen wird. Doch zuallererst wird sein Widerstand gebrochen und ein menschlicher Wissenschaftler als Retter präsentiert. BRAHM REVEL stellt sich konsequent auf die Seite der Affen, von denen nur Erfolg im Sinne des Experiments erwartet wird. Mitleid gibt es nicht, allenfalls Zigaretten als Belohnung, mit zusätzlichen extra süchtig machenden Stoffen.

Man könnte BRAHM REVELS Plot als Farce oder Posse bezeichnen, wäre seine Kriegs- und Science-Fiction-Handlung nicht abgrundtief finster angelegt. Komische Elemente fehlen in BAND 3 völlig, dafür sind Wut, Trauer, Verzweiflung enorm treibende Emotionen in dieser Dschungelachterbahnfahrt. Neben der Haupthandlung hat BRAHM REVEL viele Rückblicke und Seitenarme angelegt. CLAYTON ist der einzige menschliche Sympathieträger. Abgeschnitten von seiner ursprünglichen Einheit, hat es ihn zu den Schimpansen verschlagen. Voller Naivität und Ängste ist er nach Vietnam gekommen, obwohl er als Kind erlebt hat, was der Zweite Weltkrieg aus seinem Großvater gemacht hat. Aber inmitten der Schimpansen wird ihm Mitgefühl zuteil. Dabei ist die Situation für den kleinen Affentrupp gerade besonders erschütternd, denn einer von ihnen, GOBLIN, ist gestorben.

Ausgerechnet den Kleinsten der Schimpanseneinheit hat es erwischt. Das ist die Ausgangssituation, die alle weiteren Ereignisse, erinnert oder innerhalb der Zeitlinie, untermauert. Allen voran ist GOLIATH ins Mark getroffen. Seine Erinnerungen sind stellvertretend für jegliche Härten, die Versuchstiere weltweit erleiden. Hier werden sie regelrecht in Form gepresst, um letztendlich Menschen zu töten. Erzählerisch ist dies ein genialer Schachzug des Autoren BRAHM REVEL. Grafisch vermag der Zeichner (und Storyboard-Artist) BRAHM REVEL ebenso aufzutrumpfen.

Er verwendet zur Darstellung seiner Geschichte nur schwarz, weiß und einen Grauton. Das genügt ihm für eine ungeheure Dramatik und eine außerordentliche Tiefe. Als Storyboard-Zeichner hat er genügend Erfahrung mit dem Einfangen von Kameraeinstellungen und nutzt diese Kenntnis weidlich aus. Er zeigt das Geschehen aus der Sicht von Opfern und Tätern, wechselt hinter die Beteiligten in eine Art Voyeur-Sicht, um anschließend zu Totalen, Ausschnitten und Großaufnahmen zu wechseln. BRAHM REVEL zwingt den Leser, seine Sicht auf das Geschehen immer wieder neu einzustellen.

Fette, schnelle, aber sehr präzis gesetzte Pinselstriche bannen den Blick auf jeden Spannungsmoment sowie die Absurditäten des Krieges und die grauenhaften Methoden der Konditionierung, mit denen die Schimpansen unter der Fuchtel der beiden Wissenschaftler traktiert werden. Es ist ein modernes Frankenstein-Szenario, klinisch, brutal, das im wahnsinnigen Gekicher einer alten Vietnamesin ihren besten Ausdruck findet, ein Moment, in dem BRAHM REVEL die Handlung nicht der Interpretation seiner Leser überlässt. Und Spielraum für eigene Gedanken gibt es gerade im letzten Drittel der Geschichte zuhauf. Es beherrscht nicht nur der Vietnamkrieg jene Zeit, auch Drogenexzesse, ein gesellschaftlicher Wechsel stehen im Vordergrund dieser Jahre. Am Ende nämlich spielt der Geist geradezu verrückt oder steht ein geistiger Sprung bevor? Vielleicht noch etwas ganz anderes? BRAHM REVEL jedenfalls lässt den Leser seine ganz persönliche Antwort in den rasant gestaffelten Bilderfolgen finden.

Es ist wichtig, nicht den Beginn dieses vierteiligen Kriegsdramas zu verpassen, damit auch die Tiefe dieser für Comics und Graphic Novels außergewöhnlichen Geschichte den Leser richtig trifft. Auch in anderen Medien gibt es im Augenblick kaum etwas Vergleichbares (das momentan sehr erfolgreiche Affenkinoepos eingeschlossen). Mit einer harten, eindringlichen Optik zu Papier gebracht vermittelt BRAHM REVEL den Wahnsinn des Krieges auf eindringliche Weise und verzichtet völlig auf tierische Verniedlichungen. Für Leser, die sich abseits des Mainstreams für ungewohnte Themen begeistern können, mit einer Spur Gesellschaftskritik und Satire. Stark! 🙂

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Sonntag, 09. Juli 2017

STAR WARS – HAN SOLO

Filed under: SciFi — Michael um 17:51

STAR WARS - HAN SOLOREBELLION? Ja oder nein? HAN SOLO begreift sich selbst als Schmuggler und hat nach der Zerstörung des Todessterns den Rebellen den Rücken gekehrt. CHEWBACCA, Wookie und treuer Freund, bleibt an seiner Seite, ganz gleich, wie der Mensch sich entscheidet. Aber HAN SOLO wird seinem abgebrühten Ruf in der Schmugglerbranche nicht mehr gerecht. Immer öfter schlägt er Aufträge aus, passt ihm dieses oder jenes nicht. Han Solo wird, das bemerkt er selbst mit Unverständnis, allzu vorsichtig. Schlimmer ist jedoch das Gerücht, das langsam die Runde macht. Ein ängstlicher HAN SOLO ist kein wünschenswerter Handelspartner …

MARJORIE LIU nimmt sich der Frage an, was HAN SOLO zwischen EINE NEUE HOFFNUNG und DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK so alles veranstaltet hat. HAN SOLO ist unsicher geworden. Und was macht ein Mann, der unsicher geworden ist? Im Falle des Schmugglers auf dem schnellsten Schrotthaufen der Galaxis bedeutet das nichts anderes, als sich Hals über Kopf in ein Riesenabenteuer zu werfen. Und was könnte riesiger sein als das berüchtigte DRACHENLOCHRENNEN, sowieso als das älteste und gefährlichste Rennen verschrien. Natürlich hätte HAN SOLO dieses Rennen auch so geflogen (wäre er in der Lage gewesen, die Startgebühr aufzubringen), ganz nebenbei gibt es aber noch eine Mission zu erledigen.

REBELLION und Spaß? Zwei Faktoren, die so gar nicht zusammenpassen wollen. Wer HAN SOLOS Jubeln während des Angriffs auf den Todesstern gehört hat, wird diese Feststellung nicht unterschreiben. Autorin MARJORIE LIU hat sich dieses Charakterzuges angenommen und den Schmuggler und seinen Freund CHEWBACCA in eine irre Hatz geschickt, die es seit AUF DEM HIGHWAY IST DIE HÖLLE LOS so nicht mehr gegeben hat (das berühmte Rennen in DIE DUNKLE BEDROHUNG eingeschlossen).

Spaß beiseite. Für HAN SOLO ist das Rennen todernst. Für den Leser ist es ein leinwandtaugliches Erlebnis und seit der HAN-SOLO-Trilogie von A.C. CRISPIN sicherlich eines der besten Abenteuer um den verwegenen Piloten. Es rast zügig voran, es schüttet ein wahres Füllhorn an Außerirdischen über den Leser aus, das Imperium darf sich von seiner übelsten Seite zeigen und schlussendlich jagt der MILLENNIUM FALKE so prachtvoll durch das Szenario, wie es der Leser nicht einmal in DAS ERWACHEN DER MACHT erleben durfte.

Verantwortlich für die bestechend tollen Bilder sind MARK BROOKS und DEXTER VINES. Was die beiden hier abliefern, holt gestalterisch beinahe alles aus dem Thema heraus. Die Charaktere sind äußerlich nah an ihren Kinovorbildern, die Außerirdischen (nennen wir sie der Einfachheit halber so, obwohl die Erde hier keinerlei Rolle spielt) sind ein Augenschmaus und so vielfältig, wie der Leser es aus der CANTINA in MOS EISLEY oder aus JABBAS PALAST her kennt. Er darf sich sogar auf eine Variante von PRINZ XIZOR (SHADOWS OF THE EMPIRE), nämlich U’LL, eine weibliche Falleen, freuen.

Manche Ansichten sind einfach bombastisch geworden, posterwürdig. Ob außerhalb des MILLENNIUM FALKENS, aus einer Kameraperspektive, der es gelingt, das Raumschiff in rasendem Vorbeiflug einzufangen. Oder aus dem Cockpit heraus, aus der zweiten Reihe über HAN SOLOS Rücken hinweg. Unschärfe suggeriert manchmal Geschwindigkeit. CARRIE FISHER alias PRINZESSIN LEIA hat kaum jemals besser ausgesehen. Die STORMTROOPER waren selten forscher und perlweißer als hier. Kurzum: Grafisch grandios!

HAN SOLO: Seit dem Soloabenteuer rund um LANDO CALRISSIAN eine megatolle Show um den beliebtesten Leinwandschmuggler aller Zeiten (noch vor BANDIT). Im Sinne eines STAR-WARS-Abenteuers passt alles: Geschichte und Grafik. Außerdem fügt sich der in sich abgeschlossene Band sehr gut in die bestehenden Geschichten der Leinwandabenteuer ein. Ein glasklarer STAR-WARS-Tipp! 🙂

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Samstag, 08. Juli 2017

DIE NEUEN X-MEN 3 – INVASION DER DÄMONEN

Filed under: Superhelden — Michael um 18:23

DIE NEUEN X-MEN 3 - INVASION DER DÄMONENWOLVERINE, die ehemalige X23, mag es nicht, zur Langeweile gezwungen zu sein. Also heißt es, einmal den kleinen PICKLES geschnappt, dann rund um die Erde gebamft und die bösen Buben platt gemacht. In Kurzform sozusagen. Der Haken an der Sache ist, dass, ganz gleich wo WOLVERINE ankommt, die Verbrecher schon bekämpft wurden und für sie nichts mehr zu tun ist. Wer ist der geheimnisvolle Andere, der es wagt, ihr den Job streitig zu machen? Ach was! Zu versauen! Sie hatte sich doch so darauf gefreut!

Wieder zurück bei den X-MEN aus der Vergangenheit, die in der Zukunft gestrandet sind! Zu Beginn ist Ruhe angesagt. Und Ruhe ist für junge Leute, die es gewöhnt sind, an vorderster Front zu stehen und das Böse in seine Schranken zu weisen, wahres Gift. Manch einer, der nichts mit sich anzufangen weiß, beginnt damit, Blödsinn anzustellen. Das mag sich auch Autor DENNIS HOPELESS gedacht haben, als er sich überlegte, HANK MCCOY alias BEAST mit Magie experimentieren zu lassen. So kommt es schließlich zur INVASION DER DÄMONEN, wie die vorliegende Sammlung aus sechs Geschichten der X-MEN betitelt ist.

Während der APOCALYPSE-Kriege kam es zu einer Zeitreise, in deren Folge HANK MCCOY Geschmack an den seltsamen Möglichkeiten der Magie fand. Und war es nicht DR. STRANGE, der sagte, Magie und Wissenschaft seien einander nicht so unähnlich? Wenn jemand das Genie für eine der Disziplinen hat, warum sich nicht auch an einer weiteren ausprobieren? Zeichner MARC BAGLEY darf, bevor die Bombe platzt, sich mit relativ gewöhnlichen Problemen von Jugendlichen befassen, der Liebe nämlich. WOLVERINE findet zu ANGEL und BOBBY DRAKE alias ICEMAN will eigentlich zu seiner Homosexualität stehen, ist aber verdammt schüchtern und quasselt sich, sobald er einen Jungen anspricht, vor lauter Aufregung um Kopf und Kragen.

Viel Privatleben wird den Kids nicht gegönnt, auch CYCLOPS nicht, der, vorläufig auf den Rollstuhl angewiesen, sich plötzlich mitten in einem seiner Videospiele wiederzufinden glaubt. So darf MARK BAGLEY ein Szenario gestalten, in dem die Fantasien von Game-Designern und H.P. LOVECRAFT aufeinandertreffen (oder jene eines besonders spaßig aufgelegten MIKE MIGNOLA, ganz nach Bedarf). Dämonen greifen an, angeführt von der GOBLIN QUEEN. Derartige Wesen gibt es nicht zum ersten Mal im MARVEL-UNIVERSUM. Hier hat es aber den Anschein, als würde man Kreaturen des MOLE MAN durch eine in LSD-getränkte rosarote Brille betrachten.

MARK BAGLEY stellt mal eben das Leben in MIAMI BEACH auf den Kopf und weckt Erinnerungen an Zerstörungsorgien wie GODZILLA oder PACIFIC RIM. Mittendrin ein wenig CTHULHU und JURASSIC WORLD, sehr bunt, sehr strahlend koloriert. An der Spitze der Monströsitäten steht eine Frau, die rein äußerlich damals sehr schön den GREEN GOBLIN, gezeichnet von Altmeister JOHN ROMITA Sr., ergänzt hätte. Chaos? Klar, wenn Dämonen angreifen, entsteht Chaos. Aber MARK BAGLEY bringt eine herrliche Ordnung in dieses Chaos, zeichnet perfekte Szenenfolgen, Massenszenen und, besonders an der Seite von CYCLOPS, Bilder, die tatsächlich einem Gameblockbuster entsprungen sein könnten.

Viel weniger düster als die Abenteuer rund um APOCALYPSE. Die X-MEN beschäftigen sich mit einfacheren, menschlicheren Problemen, bevor sie es bunt, bunter, knallbunt krachen lassen. Zeichner MARG BAGLEY brennt hier zusammen mit seinem Koloristenteam ein echtes Feuerwerk ab. Klasse Spaß-Action! 🙂

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Donnerstag, 06. Juli 2017

ECHO 1 – ATOMIC DREAMS

Filed under: Superhelden — Michael um 18:19

ECHO 1 - ATOMIC DREAMSJULIE MARTINS Ehe ist gescheitert. Im Beruf läuft es schlecht. Der Kühlschrank ist so gut wie leer. Ihre Mahlzeiten teilt sie sich mit ihrem Hund. Eigentlich kann es nur besser werden. Als sie in der Nähe des MOON LAKE Fotos schießen will, ereignet sich über ihr in der Luft eine Explosion. In der Folge fällt eine Art Hagel vom Himmel. Kleine Kügelchen bleiben dort, wo sie auftreffen, haften. Julies Wagen wird bedeckt, aber auch sie selbst bleibt nicht verschont. Und wirklich seltsam wird es, als sich das Material zu einer Masse verbindet und auf ihrer Brust einen elastischen, metallisch glänzenden Panzer bildet, der sich nicht mehr abziehen lässt …

TERRY MOORE hat sich mit seiner hierzulande neuen Geschichte ECHO des Superheldengenres angenommen. Der Künstler, der seine Comics selbst schreibt und in schwarzweiß zeichnet, stellt einmal mehr eine Frau in den Mittelpunkt seines Abenteuers, das durchaus in zweiter ebenfalls dem Science-Fiction-Genre zugerechnet werden kann. In der ersten Folge, ATOMIC DREAMS, beginnt alles mit einem Test. Ein neues Material, schützende Eigenschaften, eine andere Frau als Testperson, schließlich eine Tote. Kaltblütiges Vorgehen, immer einem finanziellen Interesse vorweg, verschuldet den Tod eines Menschen.

An diesem Punkt kann sich der Leser schnell denken, was der Hauptfigur JULIE MARTIN blüht, wenn sie mit dem Material auf ihrem Körper erwischt wird. Denn die Jagd auf sie ist alsbald eröffnet. TERRY MOORE stellt ihr dringend benötigte Helfer zur Seite. Teils darf der Leser über diese Hilfsmannschaft so überrascht sein wie Julie selbst. Als Jäger steht der jungen Frau ein intellektuelles Schwergewicht gegenüber, sinnbildlich gesprochen. Genauer konzipiert TERRY MOORE die Agentin der NATIONAL SECURITY BRANCH mit dem Namen IVY RAVEN als weiblichen SHERLOCK. Tough, kühl, überaus intelligent, immer Herrin der Lage und Mutter.

Die durchgängige Besonderheit von TERRY MOORE ist die Vorstellung seiner Figuren und seine Erzählweise. Neue Facetten seiner Charaktere oder ihres Umfelds sind immer Überraschungen und der berühmte rote Faden, dem der Leser nur allzu gerne folgt, weil die Handlung Spuren ebenfalls auslegt, von denen nie vorhergesagt werden kann, wann und ob und schon gar nicht wie sie weiterverfolgt werden. Beispielhaft hierfür sind JULIES dunkler Gegner (jeder Superheld braucht zwangsläufig einen) sowie ein Motelbesitzer, der ein fragwürdiges Verhältnis zu Tieren hat und den man als Leser nicht zu sehen bekommt.

TERRY MOORE zeichnet so gut und so exakt in Schwarzweiß, dass der Leser Farbe nicht vermisst. Das darf mit Fug und Recht behauptet werden, denn der Erfolg des Comic-Autors spricht für diese Feststellung. ECHO entstand vor der hier in Deutschland erfolgreichen Serie RACHEL RISING und nach seinem ungewöhnlichen Einstand STRANGERS IN PARADISE. TERRY MOORE nimmt sich für Szenen Zeit, erlaubt den Lesern einen tiefen Einblick in seine Charaktere, bevor, sehr bildhaft, die Hölle losbricht. Während JULIE MARTIN Ehrfurcht, ja, Angst vor ihren neuen Kräften hat, setzt ihr Gegenspieler seine Kräfte gnadenlos und brutal ein. Bei den Endergebnissen dieser Schlächterei darf der Leser über das überaus gnädige Schwarzweiß dankbar sein.

ALBERT EINSTEIN und ROBERT OPPENHEIMER, zwei Wissenschaftler, die mit ihren Arbeiten nicht nur zu einer veränderten Weltsicht beigetragen haben, sondern mit ihrer Forschung aktiv die Zukunft gestalteten, ohne die Folgen gänzlich zu Ende zu denken, werden von TERRY MOORE hier vor den einzelnen Kapiteln zitiert. TERRY MOORE lässt die Worte dieser beiden Genies kommentarlos wirken. Kaum ein Satz der beiden Männer ist geeignet, Optimismus zu verbreiten. Diese Strömung stimmt auf die jeweilig nachfolgende Geschichte ein, die von Kapitel zu Kapitel düsterer wird. Und Strömung ist ein passender Begriff, wenn ein Unwetter über der Wüste in Nevada zum Vorhang für ein höllisches Szenario wird.

Ja, der Mann kann es! TERRY MOORE schickt seine noch ganz am Anfang stehende Superheldin in einen Albtraum. In präzisem Schwarzweiß illustriert stellt er in seiner Geschichte eine ganz normale Frau einem Konzern, der Army und einem Irren gegenüber. Flucht und Überleben wird zum ersten Ziel. An etwas anderes ist kaum zu denken. Ein sehr erwachsenes Superheldenabenteuer, mit kritischen Augen erzählt, mit Horror abgeschmeckt und mit vielen überraschenden Wendungen. Wer abseits der üblichen Heldenuniversen nach Lesestoff sucht, liegt hier richtig. Und TERRY-MOORE-Fans sowieso! 🙂

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Montag, 03. Juli 2017

WONDERBALL 3 – SHERIFF

Filed under: Thriller — Michael um 10:57

WONDERBALL 3 - SHERIFFAuf der Flucht. Inspektor Spadaccini, Spitzname WONDERBALL, hat sich seine Zukunft bei der Polizei auch anders vorgestellt. Er ist ein Mordverdächtiger. Aber immerhin verfolgt er eine Spur. Vieles an dem Fall war bislang merkwürdig. Erklärungen mussten seinen Kollegen unweigerlich Spanisch vorkommen, doch die Zeichen, denen auch sie nach und nach über den Weg laufen, können sie nicht ignorieren. Etwas sehr Krankes ist in den letzten Jahrzehnten geschehen? Jemand hat einen ungeheuerlichen Plan gesponnen, der nun nach so langer Zeit in sich zusammenzubrechen droht und eine Vielzahl von Leuten mit in die Tiefe reißt …

Zitat: Warum sollte jemand im Gehen Kassetten hören?

Zurück in die Vergangenheit. Wir befinden uns in den 1980er Jahren. Der Walkman ist auf dem Markt und beunruhigt, die Kassettenrekorder kennen, denen das Konzept, seine Musik nach draußen mitzunehmen, unsinnig erscheint. Ein Gerät, das außerdem nicht in der Lage ist, aufzunehmen und nur abspielen kann, ergibt noch weniger Sinn. Es ist eine Anekdote am Rande, die von den beiden Autoren, FRED DUVAL und JEAN-PIERRE PECAU, hier eingeflochten wird. Aus einer Zeit stammend, in der noch Begriffe wie Telex verwendet wurden und Filmarchive der besseren Witterung wegen in der Wüste gebaut wurden.

Darüber hinaus vermischen FRED DUVAL und JEAN-PIERRE PECAU geschickt verschiedene Genres: Thriller (getragen durch die Handlung mit der Hauptfigur WONDERBALL), Splatterhorror (ein Blick auf die Figur auf dem Titelbild genügt, um zu sehen, wer hier federführend ist), CSI (Tatort-Investigation und neuartige Ermittlungstechniken geben Anlass zu weiteren Anekdoten). Maggie Osterberg, eine FBI-Agentin, bildet das weibliche Gegengewicht zu WONDERBALL. Die Puzzleteile des Falls, die sie zutage fördert, lassen den Leser letztendlich mehr Hintergrundwissen ansammeln, als den einzelnen Beteiligten jeweils zur Verfügung steht.

COLIN WILSON, Zeichner von WONDERBALL, darf sich mit seiner Paradedisziplin, dem Western, in einem Bild selbst zitieren, als ein kleiner Trupp indianischer Ureinwohner seitlich vorüber reitet und doch noch ein wenig mehr ausdrückt als das. In der Ferne fährt die Hauptfigur vorbei, vor der Kulisse orangeroter Felsengebilde, die so oft den amerikanischen Heimatfilmen als Hintergrund dienten, auf der Suche nach dem Ursprung eines seltsamen Kults. An vielen Stellen der Handlung wird eine Zeitenwende zelebriert, nicht selten mit einem Augenzwinkern, wie oben beschriebene Szene andeutet.

Der Zeichner wird in der dritten Folge von WONDERBALL gefordert, denn viele Szenen kommen ohne Text aus und selbst in Dialogen dürfen Gesichtsausdrücke ihren eigenen Subtext erzählen. Wenn sich Gäste eines Diners darüber beschweren, dass durch das häufige Auftreten von Serienmördern die Anzahl weiblicher Anhalterinnen abgenommen hat, stellt man sich unwillkürlich die Frage, ob es selbst ohne die angesprochene Dezimierung angeraten wäre, zu diesen wenig vertrauenswürdig aussehenden Gestalten in einen Lastwagen zu steigen.

SHERIFF lautet der Untertitel dieser Episode. Diese Figur ist selbstverständlich zur absoluten Spannungssteigerung angetreten. Aber so merkwürdig es auch klingen mag, haben er und WONDERBALL eine wichtige Gemeinsamkeit, über die sich der Leser einmal Gedanken machen sollte. Mehr soll dazu nicht gesagt sein, nur, dass es sich um einen schönen Trick handelt, den sich FRED DUVAL und JEAN-PIERRE PECAU hier haben einfallen lassen, um ein wichtiges Merkmal von WONDERBALL zu entzaubern.

Eine toller, verschachtelt erzählter, sehr mysteriöser Fall, der in Teilen auch in Serien wie AKTE X hätte funktionieren können – wäre nicht MULDER, sondern DIRTY HARRY der Partner von SCULLY gewesen. Die Autoren FRED DUVAL und JEAN-PIERRE PECAU haben ihre Genrehausaufgaben gemacht: Cop der alten Schule muss sich seiner fast vergessenen Vergangenheit und seiner Herkunft stellen. Die Bilder von COLIN WILSON machen in dieser Perfektion den vorliegenden Band zu einem Comic-Thriller-Fest. Sehr gut! 🙂

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Sonntag, 02. Juli 2017

NASH 2 – KAPITEL 3 + 4

Filed under: SciFi — Michael um 18:04

NASH 2 - KAPITEL 3 + 4Ausgerechnet ein kleines Mädchen namens Audrey hat Macht über Monster. Monster, denen ein kranker Geist die Bezeichnung ENGEL verliehen hat. Aber in der Welt von NASH, der nichts anderes beabsichtigt, als seine Tochter Audrey zu schützen, wimmelt es in der letzten Zeit von Monstern. Und nicht jedes ist sofort als solches zu erkennen. Das Abenteuer begann auf der Erde. Zuerst hatte NASH nur seine Tochter retten wollen. Nun muss er feststellen, dass seine Tochter Fähigkeiten besitzt, die ausreichen, um die gesamte Erde zu retten. Obwohl sich NASH erst beharrlich weigert, kann er einen SHOWDOWN IM WELTRAUM nicht verhindern.

JEAN-PIERRE PECAU schließt mit KAPITEL 3, DIE KÖNIGIN DER ENGEL, die erste Trilogie von NASH, dem ehemaligen Soldaten und nun aktiven Privatdetektiven, Söldner und, obwohl eher unfreiwillig, Personenschützer ab. DIE KÖNIGIN DER ENGEL ist niemand anderes als NASHS Tochter AUDREY. Mit ihr gestaltet JEAN-PIERRE PECAU einen dritten Akt, der in seiner Erzählweise auch einem Sci-Fi-Blockbuster gerecht würde. In einer Zukunft, in der man sich gerne an DAS FÜNFTE ELEMENT erinnert fühlt (nur ist die Welt hier noch nicht ganz so voll), strebt die Menschheit zu den Sternen, hat Mode zu den Akten gelegt und das Militär sucht immer noch nach ganz eigenen Lösungen aus dem Schlamassel.

Die ENGEL, eine spezielle Züchtung, annähernd menschlich, aber doch so weit entfernt, dass sie den Experimenten aus RESIDENT EVIL entsprungen sein könnten, treffen auf eine soldatische Eliteeinheit. Diese wiederum scheinen auf einen Abstecher von den STARSHIP TROOPERS herübergekommen zu sein. Heißt im Klartext: JEAN-PIERRE PECAU hat mit dieser Geschichte das Genre perfekt im Griff, kennt seine Elemente, treibt das Tempo mit der nötigen Tiefe dank familiärer Zwistigkeiten voran.

DAMOUR, der hier mit den Designvorgaben von VINCENT RUEDA arbeitet, setzt hier seinen harten, eindringlichen Zeichenstil fort. Bei wirken die Figuren stets ein wenig gemeiner, als sie wahrscheinlich sein sollen, aber im Prinzip hat hier so gut wie jeder einen Grund, sich irgendwie, ja, angepisst zu fühlen. Hinzu kommt eine sehr nüchterne, kühle Atmosphäre dieser Dystopie, einer wenig verheißungsvollen Zukunft, die optisch auf Funktionalität ausgelegt ist und allenfalls rein instinktive Freuden unterstützt und ansonsten keine Banalitäten mehr zulässt.

Dass diese Welt es bei aller Kälte noch etwas freundlicher zu sein vermag, beweist KAPITEL 4, der Auftakt eines weiteren Mehrteilers, mit dem Titel DIE WEISSE BRUDERSCHAFT. Georgien, Nordkaukasus, heißt NASHS neues Ziel. Von einer technisierten Umgebung geht es mitten hinein in eine nicht zu bändigende Wildnis. Kein Beton hält hier Einzug. Die Menschen leben in Blockhütten mitten in meterhohem Schnee und noch höheren Baumbeständen. Einsame Landstraßen durchschneiden schier endlose dunkle Wälder. NASH geht kaltschnäuzig und brutal in den nächsten Auftrag hinein.

Der vierte Teil gewinnt dieser Erde eine neue Facette ab. Science Fiction bietet diese Umgebung in Kleinigkeiten. Für NASH erscheinen diese Zukunftsergebnisse in Form von CHIMÄREN, Ergebnissen genetischer Experimente und Kreuzungen aus PITBULL und SCHWARZEM PANTHER. Darüber hinaus überspitzt die Ordnung dieser von JEAN-PIERRE PECAU erzählten Zukunft unsere derzeitige Gegenwart. Russische Spezialkräfte greifen einheimische Rebellen an. NASH gerät mit seiner Beute, einer jungen Frau, die er aus all dem rausschaffen soll, zwischen die Fronten. Was JEAN-PIERRE PECAU hier inszeniert, funktioniert in anderen Epochen versetzt ebenso, zum Beispiel als Western oder aber als einfacher Thriller. NASH ist hier beinahe eine Art TRANSPORTER.

Zwei Charaktere werden wider Willen zusammengeschweißt. DAMOUR darf sich in vielen Szenen auf die beiden unfreiwilligen Verbündeten, NASH und sein ursprüngliches Ziel SONIA, konzentrieren. DAMOUR gibt seinen Frauenbildern gerne sehr magere Gesichter, ein wenig ausgemergelt. Bei SONIA gibt er eine Portion Härte hinzu. In der Schneewüste kann DAMOUR keine grafischen Fehler begehen, nachdem er zuvor so viel Perfektion gezeigt hat. Gegen Ende des vierten Kapitels wird es noch einmal technischer und es gibt einen interessanten Ausblick auf den künftigen Luftverkehr, der gar nicht so leicht von der Hand zu weisen ist.

NASH ist kein einfacher Actionheld. Obwohl er sich bemüht, einer dieser harten Knochen zu sein, kommen immer wieder seine guten Seiten zum Vorschein. JEAN-PIERRE PECAU und DAMOUR haben einem sehr gut gestalteten Charakter, durchaus auch widersprüchlichen Figur das Comicleben geschenkt. Zusammen mit einer gut durchdachten Zukunftserde sind die beiden Folgekapitel im zweiten Band der Gesamtausgabe eine sehr feine Science-Fiction-Unterhaltung. 🙂

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Dienstag, 27. Juni 2017

JUGURTHA – GESAMTAUSGABE 1

Filed under: Klassiker — Michael um 17:20

JUGURTHA GESAMTAUSGABE 1Numidien im 2. Jahrhundert vor Christus. Das römische Reich ist übermächtig und hat sich Herrn des Mittelmeeres aufgeschwungen. Überall, wo es nicht herrscht, hat es sich zum Aufpasser ernannt und kleinere Länder zu Vasallen degradiert. König Micipsa steht zu seinen römischen Freunden. Während seine Söhne Adherbal und der jüngere Hiempsal dem Müßiggang frönen, ist der Neffe des Königs, Jugurtha, in Spanien und kämpft an der Seite der römischen Truppen gegen die Feinde der römischen Republik. Die Erfolge Jugurthas und die damit einhergehende Bewunderung der Römer wecken ersten Neid unter den wahren Thronfolgern …

Die Vergangenheit, besonders die Antike, ist reich an Dramen rund um Könige und Fürsten. JEAN-LUC VERNAL hat sich einer historischen Figur angenommen, die durch ihren Machtanspruch und Geltungsdrang eigentlich alles andere als ein Sympathieträger war und ist. Denn in jenen Tagen gingen Machtwechsel oft mit Intrigen und Mord und Totschlag einher. JEAN-LUC VERNAL arbeitet in seiner Comic-Aufbereitung Gründe für JUGURTHAS Streben heraus, zeigt, dass der junge Numidier, der den Thron für sich selbst wünscht, nichts anderes macht, als Gleiches mit Gleichem zu vergelten. JUGURTHA ist ein Sohn seiner Zeit und derartiges Vorgehen ist so gewöhnlich wie das Atmen.

Es kommt also, wie es kommen muss, der König stirbt und gleich drei Anwärter auf den Thron stehen Schlange. Darüber hinaus verfolgt Rom seine eigenen Interessen in Numidien. Im ersten Zyklus über JUGURTHA beschreibt JEAN-LUC VERNAL die stetig wachsenden Auseinandersetzungen JUGURTHAS mit seinen Vettern. Die Einmischungen Roms kippen nur zusätzlich Öl ins Feuer und erbringen kaum den gewünschten Frieden. Das Leben des jungen Numidiers ist Kampf, gekrönt von kurzen Erfolgen, schweren Niederlagen und Enttäuschungen. JEAN-LUC VERNAL ließ das Ende des ersten Lebensabschnitts seines Helden offen. Drama lautet das Ergebnis. Das Ende sieht kaum nach einer Wende zum Besseren aus.

Der bekannte Comic-Künstler HERMANN (Huppen) hat sich selbst mit COMANCHE und natürlich ANDY MORGAN sehr früh ein eigenes Comic-Denkmal gesetzt. Unzählige weitere Veröffentlichungen untermauerten seinen Erfolgsweg, der bereits in der 1960er Jahren seinen Anfang nahm. Die Arbeit an JUGURTHA entstammt jenem Karrierestart. HERMANN zeigt seine Vielseitigkeit, indem er hier in diesem antiken Historienepos alle Register seines frühen Könnens zieht, denn er entwickelte sich weiter. Hier finden sich noch seine ursprünglichen Gesichtsformen, später hielt eine weitaus größere Variabilität in die Züge der unterschiedlichen Charaktere Einzug.

An der szenischen Gestaltung ist, natürlich auch immer ein Kind der jeweiligen Zeit, in der sie entstanden ist, ein gutes Einfühlungsvermögen für die jeweilige Atmosphäre abzulesen. Wo HERMANN stets brilliert, sei es hier in JUGURTHA oder auch in anderen Szenarien, ist die komplexe dramatische Sequenz. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Action handelt oder eine intrigante Zuspitzung von shakespeareschen Ausmaßen. Getümmel, aufgebrachte Menschen, flehende Blicke und mehr werden ausgewogen auf die Bilder verteilt, teils in Collagen zerkleinert. Das ergibt fast eine Miniaturgeschichte und ein Erzählmerkmal, das selbstverständlich der damals häufigen Erscheinungsform in Comicmagazinen geschuldet ist.

FRANZ (Drappier) war HERMANNS Nachfolger am Zeichenstift. Als Leser merkt man nichts von der Schwere des Erbes, das FRANZ bei der Übernahme des Szenarios gefühlt haben soll. Dem ehemaligen Jockey gelingen großartige Charakterköpfe, die weitaus unterschiedlicher ausfallen als bei seinem Vorgänger HERMANN. Die Wirkung seiner Bilder ist etwas kräftiger. Die illustratorische Verwandtschaft ist zu Kollegen wie JEAN GIRAUD oder GREGORZ ROSINSKI weitaus größer als zu HERMANN.

Nachdem mit den Episoden DER LÖWE DER WÜSTE und DIE MASKE DES KRIEGES der rein historische Teil abgeschlossen ist, lässt JEAN-LUC VERNAL die Vorlage fallen. Die wahrscheinliche Hinrichtung JUGURTHAS durch die römische Republik umgeht JEAN-LUC VERNAL geschickt und schickt den einstigen Thronfolger mit DIE NACHT DER SCORPIONE und DIE VERGESSENE INSEL auf eine Reise ins Ungewisse. Und je weiter die Reise geht, zusammen mit vielen anderen, die abseits des römischen Einflusses ein neues Leben beginnen wollen, umso fantastischer wird es. Hier bieten sich schleichende Vergleiche zur Serie THORGAL an.

Zuerst ein historischer Klassiker, dann zunehmend ein fantastisches Abenteuer. Fast scheint es, als habe JEAN-LUC VERNAL nur darauf gewartet, die historische Fessel abzuwerfen, um seiner Fantasie völlig freien Lauf zu lassen. Gerade durch die sehr ausgefeilte Illustration von FRANZ (Drappier), seinem Hang zu penibler Kleinarbeit (perfekte Pferdeansichten, Kostümentwürfe) ist die zweite Hälfte der ersten Gesamtausgabe hervorragend. 🙂

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