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Comic Blog


Sonntag, 01. Juli 2018

REVIVAL 8 – BLEIB DOCH NOCH ETWAS

Filed under: Thriller — Michael um 18:17

REVIVAL 8 - BLEIB DOCH NOCH ETWASEs geschieht auf einer Brücke über den SILVER CREEK. Der Mörder schleicht sich aus der Deckung heran, ein Brecheisen in der Hand. Die junge Frau steht mit dem Rücken zu ihm in der Nähe ihres Autos, telefoniert, ist abgelenkt. Sie sieht den Schlag nicht kommen. Blut spritzt aus ihrem Schädel. Der Schlag ist nicht tödlich. Der Mörder weicht entsetzt zurück. Ein Fehltritt, die Frau stürzt von der Brücke in den Fluss. Der Körper treibt mit der Strömung, die Augen starr zum Nachthimmel gerichtet. Und schließlich, gegen jede Wahrscheinlichkeit, erklimmt das Mordopfer das Ufer und kehrt zu seinem Wagen zurück …

Das Finale klärt alle offenen Fragen, vor allem die wichtigste: Wieso konnten die Toten zurückkehren, nahezu menschlich wie zuvor und unsterblich? Wer sind diese gelblichen Geisterwesen? Was erhofft sich das Militär von dieser kleinen Apokalypse? Aus einem anfänglichen, sehr konzentrierten Chaos ist eine sehr große, eingekapselte Arena geworden. WAUSAU wird ein Mikrokosmos der Vereinigten Staaten und beschwört jene Horrorszenarien, vor denen sich eine amerikanische Regierung fürchten mag: eine bis an die Zähne bewaffnete Zivilbevölkerung, die dem regulär bewaffneten Arm, der Armee nicht Folge leisten mag. Und ein Sheriff, der ein paar Waffen hortet, die von diesen Rednecks eingesammelt werden wollen, gerät da samt seiner Famile schnell zwischen die Fronten.

Familie ist ein weiteres großes amerikanisches Thema. Hier wird es von TIM SEELEY am Beispiel der Familie CYPRESS abgehandelt. Der Vater ist Sheriff, die älteste Tochter DANA Polistin, die jüngste Tochter, MARTHA (kurz EM), ist sozusagen das schwarze Schaf, rebellisch und für eine Kleinstadt eigentlich nicht gemacht. DANA hat ihre Schwester mit erzogen. Ihre Diszipliniertheit eckt häufig mit der von Sturm und Drang getriebenen EM an. Allein diese Konstellation genügt anderen Serien schon als Stoff für viele, viele Folgen. TIM SEELEY fügt eine weitere Komplikation hinzu: EM war tot und ist zu Lebenden zurückgekehrt. Und nicht nur das das. Sie wurde ermordet und ist gleichzeitig schwanger.

Werden all diese Zutaten gemischt, mit noch einer ordentlichen Anzahl weiterer Nebencharaktere, vor einer apokalyptischen Kulisse, können Freunde des gepflegten Weltuntergangs mit Serienpotential frohlocken. TIM SEELEY hat über die gesamte Strecke hinweg ein Steinchen dem anderen hinzugefügt und ein großartiges Gespür dafür bewiesen, wann es am besten menschelt, wann Action eingesetzt werden muss und wie er den Leser packen kann, damit er mit einigen ausgewählten Figuren bis zum spannenden Schluss mitfiebert.

Aber da ist ja noch MIKE NORTON! Dem Zeichner und Illustrator ist der Erfolg der Serie ebenso hoch anzurechnen wie dem Autor selbst. Dank der Kolorierung von MARK ENGLERT, ALLEN PASALLAQUA und DEE CUNNIFFE gerät das von MIKE NORTON gestaltete Finale zur düstersten Episode überhaupt. BLEIB DOCH NOCH ETWAS, so der Untertitel von Folge 8, verlagert sein Geschehen weitgehend nach draußen in eine winterliche Landschaft. Kahle Bäume stehen skelettiert, es schneit unentwegt, in entsprechender Kleidung bewegen sich die Figuren durch eine von Wolken dunkel verhangene Welt. Und wenn es die Handlung einmal nach innen in die Häuser oder in Träume und Erinnerungen verschlägt, hält MIKE NORTON hier keinen Trost parat. Weder für die Charaktere noch für die Leser.

Gegensätze bilden ein tolles Panorma. Hellgelbe Seelenwesen, der blaugraue Winter und schließlich der SILVER CREEK, der örtliche Fluss, wird zu einem blutig roten Gewässer, einer regelrechten Grenze zur Unterwelt, die im Wortsinne in die Welt der Lebenden hinüber schwappt. Spätestens ab KAPITEL 45 (der Hefteinteilung dieser Episode, ab ungefähr der Mitte dieser Episode) wird es mythischer, surealer. Tanzende Geister in einem klaren Bach sind eines der vielen I-Tüpfelchen nicht nur dieser Folge, sondern der gesamten Serie.

Ein höchst dramatisches Finale wie es genreübergreifend selten eines gibt. TIM SEELEY verlangt seinen Hauptcharakteren das Letzte ab, jagt sie, quält sie, lässt sie leiden, entlockt Abgründe, treibt sie in höchste Höhen über ihre eigens gesetzten Grenzen hinaus. Das Spiel mit den Gefühlen dürfte jeden Leser packen. Ein Pageturner ist es auf jeden Fall. Illustrator MIKE NORTON hat mit der Figur der MARTHA CYPRESS eine der originellsten Comic-Figuren gestalten können, eine, die auch durch ihr Schicksal noch lange im Gedächtnis des Lesers bleibt. 🙂

REVIVAL 8, Bleib doch noch etwas: Bei Amazon bestellen.
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Donnerstag, 21. Juni 2018

SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSE

Filed under: Comics im Film — Michael um 17:44

SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSEDas Spiel mit den alternativen Realitäten, verschiedenen Erden, teilen sich die beiden großen Comic-Universen. In der jüngeren Vergangenheit wurde das SPIDER-VERSE vorgestellt, das wirklich eine enorme Anzahl von SPIDER-MEN und SPIDER-WOMEN zur Rettung einer gemeinsamen Ordnung zusammenrief. Ein solches Comic-Ereignis kann selbst für langjährige MARVEL-Fans zu Verwirrungen führen. Lässt man sich aber darauf ein, wird es ein irrer Spaß.

Bekannt sind vorher bereits ein paar Variationen gewesen, etwa wie SPIDER-MAN 2099 oder der SCARLET SPIDER. Natürlich darf auch eine SPIDER-WOMAN nicht vergessen werden. Das SPIDER-VERSE mischt diese noch überschaubare Anzahl ordentlich auf.

Um aber nicht gleich den Zuschauer zu überfordern, wartet der Trailer nur mit drei Spinnenmenschen auf. Dem originalen SPIDER-MAN (PETER PARKER, die freundliche Spinne von nebenan), MILES MORALES (dem SPIDER-MAN des erloschenen ULTIMATIVEN UNIVERSUMS) und GWEN STACY (alias SPIDER-GWEN, aus einer Parallelwelt, in der das Mädchen von der Spinne gebissen wurde und PETER PARKER als Gegner sogar verstarb).

Die Optik des Trailers, angesiedelt zwischen Comic, Computerspiel und Animation ist flott, mit ausgezeichneter Kameraführung. Ein wenig erinnert das Aussehen an eine MARVEL-Serie jüngeren Datums: IRON MAN – DIE ZUKUNFT BEGINNT. Auch hier der räumliche Effekt computergestützter Animation genutzt. Im neuen Trailer für das SPIDER-VERSE, mit dem sich die Macher erfreulicherweise auf die Kinoleinwand wagen, verhält es sich ähnlich, ist nur deutlich opulenter.

Kinostart ist am 20. Dezember 2018, pünktlich zu Weihnachten. Wäre schön, wenn sich die Produktion lohnt und weitere Filme dieser Art das MARVEL-Universum bereichern. 🙂

LINKS:

SPIDER-MAN: INTO THE SPIDERVERSE
(Der original englische Trailer ist etwas länger.)

SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSE
(Die deutsche Trailerfassung mit für den Markt angepasstem Titel.)

Dienstag, 19. Juni 2018

SAGA 8

Filed under: SciFi — Michael um 18:52

SAGA 8Willkommen in ABORTION TOWN! Hier stellt niemand Fragen. Hierher kommen die schwierigen Fälle, die anderswo keine Hilfe mehr erwarten können. ALANAS zweites Kind ist tot, habt aber den Mutterleib noch nicht verlassen. Durch ihre und ihres Mannes MARKO unterschiedliche Volkszugehörigkeiten, zweier Parteien, die sich im Krieg befinden, durfte bereits die erste Schwangerschaft nicht öffentlich werden. Die Tochter ist ein aufgewecktes Kind geworden. Der verstorbene Sohn muss nun unbemerkt zur Welt gebracht werden. Denn falls die
Eltern auffallen, könnten ihre Leben und die all jener, die ihnen lieb und teuer sind, in Gefahr gebracht werden.

In der achten Folge von SAGA geht das Drama ungebrochen weiter. BRIAN K. VAUGHAN schafft neue Schwierigkeiten, neue Spannungsmomente, neue Verbindungen, natürlich Action und traurige Szenen. Wann wurde Abtreibung in einer Science-Fiction-Geschichte einmal zum Thema? Im Roman mag es vorgekommen sein, aber im Comic fällt mir kein Beispiel ein (es mag durchaus eines geben). Obwohl die Figuren und die Umgebung selbst für ein abgedrehtes Szenario weiterhin skurril sind, geht BRIAN K. VAUGHAN das Thema mit dem größten Respekt und enormem Fingerspitzengefühl an. Dazu verwendet er einen Trick (weil es eben eine Science-Fiction-Fantasy-Space-Opera ist) und eröffnet so eine Möglichkeit, die Eltern in einer realen Welt wie unserer nicht gegeben ist.

Ganz kurz: Der Ursprung von SAGA ist eine Liebe, die eigentlich nicht sein darf. Ein gehörntes Volk und ein geflügeltes befinden sich im Krieg. Diese Auseinandersetzung hat gleichzeitig (so ungefähr) den Rest des Universums gezwungen, Stellung zu beziehen und sich für eine Seite zu entscheiden. Dass jemals beide Seiten wieder zueinander finden, scheint undenkbar angesichts all des Hasses, der sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. So weit, so zusammengefasst. Erinnert ein wenig an ROMEO UND JULIA, mit dem Unterschied, dass BRIAN K. VAUGHAN (Autor) und FIONA STAPLES (Illustratorin) eine Art SHAKESPEARE AUF SPEED daraus machten.

Im Gegensatz zu STAR WARS, mit dem SAGA zeitweilig verglichen wird, ist das große Ganze eher eine Randangelegenheit. Hier geht es um die kleinen Figuren (im wahrsten Sinne) und ihre ganz persönlichen Entwicklungen. GHÜS und KNAPPE sind solche Figuren. Ihr Abenteuer bringt die Handlung nicht unbedingt weiter (das könnte sich natürlich im weiteren Verlauf noch zeigen, ob ein Rückgriff auf diese Geschichte erfolgt). Aber letztlich ist es eine feine Episode, die viel über die beiden aussagt, einzeln und als Duo. Hier ist einer der Gründe zu finden, warum sich die Serie, unabhängig vom Genre, so wohltuend von vielen anderen abhebt.

BRIAN K. VAUGHAN ist ein Autor, dem es gelingt, einen Charakter punktgenau zu beschreiben und Nuancen herauszuarbeiten. Und obwohl KNAPPE ein Kind mit dem Kopf eines veralteten Computermonitors ist und GHÜS einer kleinen weißen Robbe ähnelt, ist man als Leser sofort bei den ungewöhnlichen Helden.

Wer einmal wissen wollte, wie es ist, wenn Wahnsinn Methode hat, sollte SAGA lesen. Und das schreibe ich, ohne es negativ zu meinen. Denn ohne ein Korsett aus Begrenzungen treibt die Fantasie der beiden Comic-Macher BRIAN K. VAUGHAN und FIONA STAPLES hier unzählige Blüten, deren Auswüchse auch für die Zukunft kaum, ach was, gar nicht vorhersagbar sind. In SAGA, das ist das Schöne und das Besondere, kann alles passieren. 🙂

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Samstag, 09. Juni 2018

SUPERGIRL – KRYPTONS VERMÄCHTNIS

Filed under: Superhelden — Michael um 17:39

SUPERGIRL - KRYPTONS VERMÄCHTNIS - MEGABAND 1KARA ZOR-EL, eine junge Frau vom Planeten Krypton, hat ihre Heimat ebenso verloren wie ihr Cousin, der weltweit bekannte SUPERMAN. Ihm eifert sie als SUPERGIRL nach, stellt aber schnell fest, dass Superkräfte Probleme nur selten auch superschnell lösen können. So wie Krypton vergangen ist, so ist auch ihre Heimatstadt ARGO CITY untergegangen. Aber KARAS VATER hat eine Möglichkeit gefunden, ins Leben zurückzukehren. Mehr noch! Im Körper von CYBORG-SUPERMAN will er die gesamte Bevölkerung zu neuem Leben erwecken und, falls nötig, über die Leichen tausender Menschen.

STEVE ORLANDO beschert dem SUPERGIRL ein Familiendrama, wie es auch einem SUPERMAN geschehen könnte. Die Gefahr kommt einmal mehr von KRYPTON und zeigt, welche Bedrohung ein Heer derart superstarker Kreaturen darstellen und welchen Schaden sie innerhalb kürzester Zeit anrichten können. (Sollte ein LEX LUTHOR Recht gehabt haben? Der hier leider nicht dabei sein kann, um sich bestätigt zu fühlen, denn er hatte in REBIRTH, der Widergeburt des DC-UNIVERSUMS genug mit einem Parallelwelt-SUPERMAN zu tun. Doch zurück …) SUPERGIRL hat im vorliegenden MEGABAND einen Hauptzeichner namens BRIAN CHING. Ich liebe den Stil dieses Comic-Künstlers, der sich traut einen eigenen grafischen Weg zu beschreiten.

Will man ihn vergleichen, so darf er technisch bei BRUCE TIMM, JOHN ROMITA JR. und DARWYN COOKE. Stilistisch eigen ist BRIAN CHING noch ein wenig mehr ROCK’N ROLL als seine Kollegen. Als betreuender Kolorist steht MICHAEL ATIYEH zur Seite (auch bei anderen Gastzeichnern der Serie) und verhilft zu einem schnellen, fetzigen Erscheinungsbild, in der Summe mehr Trickfilmoptik als Comic. In einer Episode versucht Zeichner MATIAS BERGARA die optische Anmutung von CHINGS Stil aufzugreifen. Das sieht gut aus, kommt aber nicht an das Original heran. Bei BERGARA wirkt es etwas hölzern. Bei BRIAN CHING hingegen ist die Strichsetzung organisch, impulsiv und immer blicksicher für jede Szene.

KRYPTON ist ein großes Thema dieses Bandes. Nicht nur SUPERGIRLS Vater sorgt für Ärger, sondern die Reise geht auch in die PHANTOMZONE, dem ultimativen Gefängnis, für all jene, die immer und für alle Zeit aus der kryptonischen Gesellschaft getilgt werden sollten. Der DC-Fan weiß natürlich, dass dieses Konstrukt alles andere als endgültig war. Und das ist gut so, denn ansonsten würde SUPERGIRL (selbst mit Schützenhilfe von BATGIRL in dieser Storyline) nicht mehr in ihre neue Heimat ERDE zurückkehren können. Der Hauptgegner erinnert zeitweilig an eine Art ZOD, für SUPERGIRL extra zurückgestutzt auf ein bekämpfbares Maß (obwohl sich dieser Gegner hier ein ordentliches Pfund hat einfallen lassen, um seinen kryptonischen Feind zu besiegen und sicherlich hätte auch KAL-EL an ihm zu knabbern).

SUPERGIRLS Freundschaften werden von STEVE ORLANDO ebenfalls thematisiert. Das betrifft die private Seite bei ihrer Arbeit für CAT GRANT und CATCO WORLDWIDE MEDIA ebenso wie die Superheldenseite und ihre Freundschaft zu BATGIRL. Letztere ist, so oft sie in Abenteuern vorkam (nicht erst in REBIRTH), eine der ernsthaftesten (und haltbarsten) Buddy-Verhältnissen innerhalb der Superheldensphäre.

FATAL FIVE: Feindesgruppen sind bei Superhelden immer gerne gesehen, in beiden großen Comic-Universen, in verschiedenen Zeitebenen und von dort kennt man auch die FATAL FIVE als Feinde der LEGION. Hier allerdings in neuer Mischung zusammengestellt: SELENA, SOLOMON GRUNDY, MAGOG, INDIGO und EMERALD EMPRESS. SOLOMON GRUNDY, eine Art weißhäutiger Frankensteinmonsterverschnitt, und EMERALD EMPRESS mit ihrem magischen Auge schießen optisch den Vogel ab. SUPERGIRL erhält zudem eine besondere Aufgabenstellung, die dem Leser schnell deutlich wird, wenn SOLOMON GRUNDY auf die Maße eines KING KONG anwächst. Größer, lauter, zerstörerischer könnte die Formel heißen und sie geht auf, denn am Ende steht eine krasse Lösung in den Startlöchern.

Stark, flott, mit einem großartigen BRIAN CHING und gegen Ende noch mit Knallerillustrationen von ROBSON ROCHA und STEVE PUGH. Durchweg klasse erzählt von STEVE ORLANDO, teil episch, immer nah an der Figur. 🙂

SUPERGIRL, KRYPTONS VERMÄCHTNIS, MEGABAND 1: Bei Amazon bestellen.
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STAR WARS – EINE ALLIANZ AUF ZEIT

Filed under: SciFi — Michael um 17:27

STAR WARS - EINE ALLIANZ AUF ZEITDieser Mann ist ein lebendes Artefakt. Und damit ist nicht etwa OBI-WAN KENOBI gemeint, sondern sein junger Nachfolger LUKE SKYWALKER. Einmal mehr geht es zurück in jene Tage, als die REBELLION ihre ersten Erfolge gegen das IMPERIUM zu verbuchen hat. LUKE SKYWALKER arbeitet mit der zwielichtigen Archäologin DR. APHRA zusammen. Die junge Frau und ihre gefährlichen Gefährten (Freunde gibt es in ihrem Geschäft nicht wirklich) haben LUKE SKYWALKER eine Möglichkeit eröffnet, wie eine JEDI-RELIQUIE ihre Geheimnisse offenbaren und ihm so helfen könnte, seine Kräfte weiter zu erforschen, denn noch ist ein YODA nicht in Sicht.

DR. APHRA ist wieder da. Die junge Frau, eine Art Negativ-HAN-SOLO (der selbst in dieser Geschichte mit dabei ist), hat eine entsprechende Begleitung, ein düster, dunkles Droidenpaar (mörderisch veranlagt) und einen Super-WOOKIE (nicht meine Worte), der als Kopfgeldjäger (und Killer) seine Erfüllung findet. Das ist nicht gerade ein Quartett, dem sich ein Bauernjunge von TATOOINE anschließen sollte. KIERON GILLEN, reich an Erfahrung im Spielejournalismus und als Comic-Autor, geht mit einer erfreulichen Unverfrorenheit an das Thema STAR WARS heran. Er betreute DR. APHRA bereits in einem anderen weitläufigen Abenteuer (siehe Comicblog-Link unten). Der Auftritt von DR. APHRA ist stets unkonventionell und geht hier weit über eine STAR-WARS-Version von TOMB RAIDER hinaus.

Das Weltall ist groß, selbst mit Hyperraumantrieb. So wird in EINE ALLIANZ AUF ZEIT eine weitere Spielart von Lebensformen vorgestellt, die wie eine Mischung aus SITH und den DATHOMIRHEXEN auftritt. Merke: Wo zu viel rote Farbe im Spiel ist, droht Gefahr. KIERON GILLEN (mit Unterstützung von JASON AARON) mag ein Kenner der Materie Science Fiction sein. Zeitweilig kommen in der Atmosphäre am Hofe der SCHREIENDEN ZITADELLE Erinnerungen an ein SPUKSCHLOSS IM WELTALL (STAR TREK) auf. Im späteren Verlauf, mit der kurzzeitigen Wandlung von HAN SOLO, wandelt KIERON GILLEN gar auf den Spuren eines INDIANA JONES.

Ein Handlungsfazit: Spooky. Die gesamte Episode atmet ein etwas surreales Ambiente, Grusel durchzieht die Versammlung zu Ehren der Königin. Der spätere Handlungsumschwung erhält immer mehr Weltuntergangsstimmung, zu der LUKE SKYWALKER und HAN SOLO eine Menge beizutragen haben. Die anderen Figuren, nachher auch Dr. APHRA, stehen mehr am Rand und bewegen die Handlung nicht mehr ganz so stark. Wer auf eine verrückte, wirklich düstere Atmosphäre innerhalb von STAR WARS steht (wie sie in den CLONE-WARS-Abenteuern auf DATHOMIR z.B. vorherrschte), der liegt mit dem 101. STAR WARS SONDERBAND goldrichtig.

Hier sind gleich zwei grafische Dreamteams am Start: Den Anfang machen MARCO CHECCHETTO (Zeichner) und ANDREAS MOSSA (Kolorist), gefolgt von SALVADOR LARROCA (Zeichner) und EDGAR DELGADO (Kolorist). Die Leistung der ersten beiden ist riesig, cineastisch eindrucksvoll, wie überladen von GEORGE LUCAS inszeniert. Das zweite Duo lässt es optisch krachen. Großaufnahmen der Akteure überschreiten die Grenze zum Fotorealismus. Hier bekommen die STAR-WARS-Fans wirklich etwas geboten. Wenn JEDI und KÖNIGIN ihre Macht zeigen, wird es gigantisch.

Das kracht und fügt sich ohne Verluste ins bestehende STAR-WARS-Universum ein. DR. APHRA darf sich gerne für ein Sololeinwandabenteuer aufstellen. Sie und ihre Gefährten hätten das Potential für ein etwas anderes Weltraumdrama. Sehr gut! 🙂

STAR WARS, EINE ALLIANZ AUF ZEIT: Bei Amazon bestellen.
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Siehe auch im Comicblog: STAR WARS – Dr. APHRA

Dienstag, 29. Mai 2018

EIN STERN AUS SCHWARZER BAUMWOLLE

Filed under: Graphic Novel — Michael um 12:23

EIN STERN AUS SCHWARZER BAUMWOLLEDie junge Studentin JOHANNA BOLTON erbt im Jahr 1944 ein Haus ihrer TANTE CAMILIA. Für die junge Frau ist es der Tod einer nahezu Unbekannten. Man stand sich nie nahe. So ist es das Beste, wenn das Haus gleich verkauft wird. Eine Besichtigung der Räume fördert kaum etwas zutage, was JOHANNA gerne behalten würde. Die Truhe macht einen teuren Eindruck, sein Inhalt gibt weniger her. So denkt es JOHANNA zunächst, wäre da nicht das Tagebuch einer gewissen ANGELA BROWN, datiert auf das Jahr 1777

Wie soll sich jemand mit einem Land identifizieren, wenn ihm nichts zugetraut wird? Wenn die Vorfahren als Sklaven ins Land kamen, sie damals wie in den 1940er Jahren noch als minderwertige Menschen betrachtet wurden? Sollte jemand, der so an den Rand gedrängt wird, überhaupt ein Interesse daran haben, für dieses Land zu kämpfen? Ein Land, das einem nicht einmal den Frontkampf zutraut? Aber was wäre, wenn jemand, um seinem Land und sich selbst den eigenen Wert zu beweisen, bereit wäre das Leben zu riskieren, nur um zu beweisen, dass man es wert ist, in dem Land der Freien, den Vereinigten Staaten von Amerika zu leben?

Dies ist eine der Grundbetrachtungen, denen Autor YVES SENTE in einer der großartigsten und mutigsten Graphic Novels seit langem nachgeht. Er beschreibt einen Lebensabschnitt zweier schwarzer Geschwister, LINCOLN und JOHANNA BOLTON, die, rein fiktional, für die schwarze Bewegung in den Vereinigten Staaten zu Schlüsselfiguren werden könnten. Ein Tagebuch einer in den Anfangstagen des Staates lebenden ANGELA BROWN lässt Hoffnungen wachsen. Möglicherweise existiert auf der allerersten amerikanischen Flagge EIN STERN AUS SCHWARZER BAUMWOLLE, unbemerkt von ANGELA BROWN angebracht unter einem der weißen Sterne. Eine Einheit der MONUMENTS MEN, Spezialisten der Alliierten, die während des 2 Weltkrieges, wertvollste und geschichtsträchtige Kunstwerke in Sicherheit finden, wird beauftragt, diese Flagge zu finden. In dieser Einheit befindet sich alsbald auch LINCOLN BOLTON

Eine Besonderheit von YVES SENTES Erzählung ist die Verzahnung der unterschiedlichen Ereignisse. Ein Fund zigtausende Kilometer entfernt auf der andere Seite des Atlantiks wird zu dem Auslöser, der LINCOLN BOLTON und seinen beiden Freunden endlich das beschafft, was sie sich wünschen, nämlich den Einsatz an der Front. Und, angesichts dieses verheerenden Krieges vorherzusehen, werden die drei Freunde diesen Einsatz auch bedauern lernen.

YVES SENTE stellt außerdem zwei verschiedene Epochen und zwei Kriege nebeneinander, zwei verschiedene Seiten und Gründe, warum Kriege überhaupt geführt werden. Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg steht neben 2. Weltkrieg und in beiden Auseinandersetzungen stehen sich Amerikaner und Deutsche, bzw. auf der Seite der Engländer im Unabhängigkeitskrieg hessische Söldner gegenüber. Seit Jahrhunderten ist die Welt alles andere als klein, auch eine Schlussfolgerung aus dieser Geschichte.

Dank des Zeichners STEVE CUZOR erwacht dieses Historiendrama zum Leben. STEVE CUZORS Name ist verknüft mit Szenarien neuerer Geschichte, vornehmlich in den USA. Wer dergleichen mag, wird in den Mehrteilern BLACK JACK und O’BOYS hierzulande schon auf ihn gestoßen sein. Sein Zeichenstil, sehr tuschelastig eingestellt, benötigt nicht viele Farbspiele, weshald die Koloration durch MEEPHE VERSAEVEL eher Stimmungen ausdrückt. MEEPHE VERSAEVEL wählt einen Grundton, der dann zur Schattierung geringfügig variiert wird. So drückt sich dann wenigstens eine Seite aus, meist aber ganze Szenen.

STEVE CUZOR arbeitet sehr exakt, höchst realistisch und er mag es, sich teilweise an Schauspielern zu orientieren (hier DENZEL WASHINGTON, SAMMY DAVIS JR. und FOREST WHITAKER). Zusammen mit der sanften Kolorierung entsteht die Wirkung alter Fotografien, als seien die Bilder tatsächlich aus der Geschichte gerissen worden. Der Gesamteindruck ist schlicht toll.

Geschichte einmal anders. Das Schicksal von Menschen und Nationen ist von YVES SENTE in ein sehr klug erzähltes Drama verpackt (eines der klügsten seit langem, alle Daumen hoch!). Überaus schöne und technisch perfekte Illustrationen von STEVE CUZOR komplettieren diesen Band. Klare Empfehlung! 🙂

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JUGURTHA Gesamtausgabe 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 12:12

JUGURTHA Gesamtausgabe 3Auf afrikanischem Boden fernab des großen Herrscherhauses, dem Konflikt mit dem römischen Imperium und dem späteren weitaus glücklicheren Exil befindet sich JUGURTHA nun in einer lebensbedrohlicheren Lage auf dem Meer. Das Land wirkt zunächst wie eine Zuflucht. Doch weit gefehlt. Denn gleich nachdem JUGURTHA und seine Begleiterin VANIA das Ufer erreichen, werden sie gefangen genommen.

Autor JEAN-LUC VERNAL nutzt den afrikanischen Kontinent für eine fühlbar andere Richtung der Abenteuer rund um JUGHURTA. Es wird geheimnisvoller, mysteriöser. Die Menschen gehen alles andere als zimperlich miteinander um. Im Umfeld von Stammesfehden, Kämpfen um die Vormachtstellung, auch in der Liebe ist alles erlaubt. Das weiße Paar fällt ziemlich inmitten der Schwarzafrikaner auf, obwohl Weiße hier nicht unbekannt sind, denn hier dreht sich der Spieß jener Tage um. Wer hier als Schiffbrüchiger an Land gespült wird, endet dort als Sklave.

Die Magie, besonders eindrucksvoll in Szene gesetzt durch einen Zauberer mit der Maske eines Zebras, ist stark in diesem Landstrich. Die Menschen glauben daran. Das macht es anderen es noch einfacher, sich ihrer als Machtinstrument zu bedienen. Wenig später wird Magie sogar zum Hilfsmittel im Kampf um JUGURTHA selbst. Hier ist alles zunächst weit weg von römischer oder zumindest antiker höfischer Lebensart. Erst gegen Ende, im letzten Abenteuer der hier vier versammelten Alben, kommen in MARSIAS GLADIATOREN wieder die Römer ins Spiel. In den Wirren römischer Geschichte ist eine Gruppe abtrünniger Legionäre, die andernorts ihr eigenes Königreich aus der Taufe heben, gar nicht einmal so unwahrscheinlich.

Es ist sehr gut zu beobachten, dass JUGURTHA ein stilistisch ganz eigener Held geworden ist. Obwohl das Szenario durchaus mit dem von CONAN und anderen Barbaren vergleichbar ist (die Antike ist das Vorzeigezeitalter (neben dem Mittelalter) für Fantasy-Epen), bleibt JUGURTHA in jeder Situation menschlich. Er kann schon einmal richtig zusammenbrechen und seiner Gefährtin VANIA den Erzählstrang überlassen. Er kann gewalttätig sein, ist aber meist sehr überlegt, emotional verletzbar und über allen Eigenschaften hat JEAN-LUC VERNAL nie vergessen, dass der Held einmal aus einem Fürstenhaus kam, Menschen anführte und einen Ehrbegriff besaß. Selbst in der auswegslosesten Situation kann JUGURTHA diese grundlegenden Eigenschaften nicht mehr abschütteln.

DAS FEUER DER ERINNERUNG, das dritte Abenteuer in der vorliegenden 3. Gesamtausgabe, stellt auch das Titelbild des Sammelbandes. Innerhalb der vier Geschichten dürfte es das Abenteuer mit der menschlichsten Thematik sein. Wie weit geht ein Mensch, um den geliebten und über die Maßen angebetenen Menschen auf seine Seite zu ziehen und Rivalen auszuschalten? Gleichzeitig kann sich JUGURTHA sich hier am schlechtesten aus der sprichwörtlichen Affäre ziehen.

Die Kunst von FRANZ, dem Zeichner dieser Serie (Nachfolger von HERMANN), funktioniert auch in Schwarzweiß (nicht missverstehen, die Serie ist in Farbe). Damit sehen seine Arbeiten aus wie aus der alten Schule stammend (was gut ist!), qualitativ Seite an Seite mit Künstler wie HAL FOSTER, CULLEN MURPHY (beide bekannt von PRINZ EISENHERZ) oder immer noch sehr aktiven Illustratoren wie COLIN WILSON. Künstler also, die mit ihrem Strich Verantwortung am Gesamtergebnis an Koloristen abgeben können, aber nicht müssen.

Hier herrscht höchste Präzision körperlicher Darstellung, von Muskelspiel, Mimik und Perspektive. Der Strich ist zart bis ruppig, je nach Szenerie. Der Bildaufbau ist filmisch bis theatralisch und unvorhersehbar. FRANZ sucht immer einen neuen Seitenaufbau, von klein gestaffelt bis monumental und detailreich.

Zwei Könner auf der Höhe ihres Schaffens. Packend erzählte Historie, sehr ernst, sehr authentisch wirkend. Ein sympathischer, aufrechter Held, mit Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen, vollendet ausgedacht, nimmt den Leser, Erwachsene sicherlich mehr als Jugendliche auf die Reise mit. Tolle Afrika-Abenteuer! 🙂

JUGURTHA GESAMTAUSGABE 3: Bei Amazon bestellen.
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Donnerstag, 10. Mai 2018

DER MANN MIT DER MASKE 1

Filed under: SciFi — Michael um 18:37

DER MANN MIT DER MASKE 1 - ANOMALIENÜberlegene Technik wird gegen Soldaten eingesetzt. Sensoren erfassen Gesichter, separieren Menschen vom Rest des Geländes. Computergesteuerte Maschinengewehre beschießen den Boden aus der Luft großflächig. Die Überlebenschancen sind gleich Null. Doch plötzlich rast ein anderer Flugkörper durch die Luft, ein Schemen von menschlicher Kontur, ein Cape flattert auf seinem Rücken. Der fliegende Kampfroboter wird aus der Luft gefegt. Die ungewöhnliche Zerstörung der bewaffneten Drohne wird als VORFALL 41 dokumentiert.

Eine Welt verändert sich. PARIS, die romantische Weltstadt ist kaum wiederzuerkennen, als FRANK BRAFFORT, einer der Soldaten, die den VORFALL 41 überlebt haben, in die Metropole zurückkehrt. ANOMALIEN verstören die Menschen. Autor SERGE LEHMAN beschreibt eine Welt (oder den Ausschnitt einer Welt) zwischen düster, romantischer Verklärung der Vergangenheit und futuristischer Aufbruchstimmung. Wie so oft schaffen nicht alle den Sprung in die Zukunft. Einige sind bereits mit fliegenden Automobilen unterwegs, andere sehen staunend nach oben. In dieser Stimmung, in der sich PARIS nicht recht zu entscheiden weiß, wie es weitergehen soll, tauchen ANOMALIEN auf, die nicht alle gleich als FLIEGENDE HELFER zu identifizieren sind.

Das Geheimnis hinter den Geschehnissen ist kompliziert. Obwohl es durch die Erscheinung eines PHANTOMS, eines gigantischen Abbilds über dem MONTMATRE geradezu beworben wird, um Aufklärung bettelt, ist eine breite Öffentlichkeit mehr mit sich selbst und der Auslebung seiner Aggressionen beschäftigt. Die Wirkung auf den Leser ist gruselig surreal, ist aber im Vergleich zur Realität recht gut von SERGE LEHMAN durchdacht (denn wer in seinem Leben schon Zeit und Muße sich mit den großen Ereignissen zu befassen, außer sie in den Nachrichten zu verfolgen).

STEPHANE CRETY verfolgt als Zeichner eine sehr klare Linie mit sehr viel Realismus bei seinen Figuren und feinen Überzeichnungen, die eine optische Charakterisierung vereinfachen. Die Gesichter seiner Figuren gehen wohltuend leicht ins Auge. Wo er über das normale Maß hinaus punktet, ist SEIN PARIS, aus dem er eine Stadt macht, die Atmosphäre geradezu atmet. Das Titelbild fasst die Atmosphäre sehr gut zusammen. Zwischen den Scheinwerfern, die den nächtlichen Himmel der Stadt erhellen, herrscht ein reger Luftverkehr. Hinter altehrwürdigen Straßenzügen ragen ultramoderne Wolkenkratzer aus Stahl und Glas in die Höhe. Der Himmel ist wolkenverhangen, organgefarbenes Licht glänzt aus den Straßenschluchten empor.

Das Farbenspiel von GAETAN GEORGES ist eine Mischung aus klarer Tontrennung, Verläufen, leichten Texturen und bis kurz vor Schluss meist auf eine fotografische Tiefe bedacht. Erst gegen Ende übernimmt eine eher comic-ähnliche Kolorierung das Zepter. Da macht es allerdings absolut Sinn. Über die gesamte Länge des Albums entsteht eine Film-noir-Atmosphäre. Die Farben von GERORGES und die Zeichnungen von CRETY sind wunderbar aufeinander abgestimmt Eine regnerische Kulisse, grauer Himmel, Weltkriegsluftverkehr trifft auf technisches Spielzeug aus BLADERUNNER, technische Perfektion trifft Gothic.

Und in diesen Bildern schickt SERGE LEHMAN einen Mann in die Geschichte, der nicht ahnt, warum er in dieses Spiel verwickelt wird. An seiner Seite verfolgt der Leser mit gleichem Staunen, wie sich die Fäden (sehr) langsam entwirren. Ein Science-Fiction-Abenteuer, das sich genre-technisch sich nicht genau eingrenzen lässt, ausgetretene Pfade weitläufig verlässt und eine Menge ungewöhnlicher Ideen bereitstellt. Schön und spannend, wie mutig sich andernorts auf Geschichten eingelassen wird und welch tollen Ergebnisse daraus letztlich entstehen. Klasse! 🙂

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Freitag, 04. Mai 2018

LUSTIGES TASCHENBUCH 506 – TATORT ENTENHAUSEN

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 8:32

LUSTIGES TASCHENBUCH 506 – TATORT ENTENHAUSENMan nehme: Donald Duck. Jemanden, der zwar in vielerlei Hinsicht unbegabt ist, aber durch Hartnäckigkeit beeindruckt. Jemanden, der von der Polizeiarbeit keine Ahnung hat, aber hinreichend gut ausschaut, um an vorderster Öffentlichkeitsfront die Presse auf Abstand zu halten. Während die Ermittlungen um den Fall der verschwundenen Statue genau beobachtet werden, gewiefte TATORT-Ermittler sich auf die Nachforschungen stürzen, versucht sich der Vorzeigepolizist mit dem uniformierten Bürzel selbst an der Detektivarbeit und gerät gehörig ins Schlamassel.

TATORT ENTENHAUSEN lautet der Titel des 506. LUSTIGEN TASCHENBUCHS. Gemäß dieser Einleitung geben sich in der ersten Episode des Bandes einige TATORT-Kommissare die Ehre. Unlängst postete AXEL PRAHL (der Münsteraner Kommissar an der Seite von Kollege JAN-JOSEF LIEFERS) seinen Gastauftritt nebst Beweisbild auch auf Facebook (Link s.u.). ENTENHAUSEN war schon häufiger ein beliebter Schauplatz für Verbrechen. Die Beweisführung ist deshalb in dieser Schwerpunktausgabe auch leicht zu erbringen.

MICKY MAUS und GOOFY waren eh schon sehr oft (und seit vielen, vielen Jahren) detektivisch unterwegs. Mit ihrem Einsatz in der TRAUMFABRIK gehen die Anspielungen auf real exitierende Personen weiter, denn der Leser darf sogleich in der ersten Sequenz über SYLVIO SYLVESTRI und GERHARD DEPERDU, AL PICCOLO und andere Stars schmunzeln. Verschlungen hinter den Kulissen der hollywoodschen Glitzerwelt sorgt ein verschwundener Film eines Regiegroßmeisters für Furore. Aus der Erzählung und der zeichnerischen Sicht PAOLO MOTTURAS erstrahlt eine sehr düstere Filmfabrik, die an jene Ära der schwarzweißen Gruselklassiker erinnert. Entsprechend dramatisch (aber natürlich auch humorvoll) fällt das Finale der zweiteiligen Geschichte aus.

Eher von japanischer Fantastik geprägt fällt ein Abenteuer mit PHANTOMIAS aus, während die nachfolgenden Geschichten schon wieder kriminalistischer angelegt sind. Ewige Spießgesellen wie MAC MONEYSAC oder die PANZERKNACKER geben sich die Ehre. Die Zusammenarbeit von DONALD DUCK, GUSTAV GANS und DUSSEL DUCK scheint von Beginn an zum Scheitern verurteilt, haben doch schließlich die PANZERKNACKER einmal mehr ihre Finger im Spiel.

Es ist schwer einen Favoriten in diesen gut gemischten Abenteuern auszumachen. Für mich gehört in die Spitzenplätze auf jeden Fall die Geschichte IM LANDKNASTHOF. Wenn OMA DUCK und ihr langjähriger Gehilfe FRANZ GANS den PANZERKNACKERN ein ehrliches Landleben schmackhaft machen, ist das von GAJA ARRIGHINI sehr charmant erzählt (und von EMILIO URBANO mit viel Augenzwinkern gezeichnet).

Das sind mal TATORTE, die uneingeschränkt Spaß machen. Moderne Ideen mit Gastfiguren und klassischer Wiedererkennungseffekt mit gern gesehenen Schurken und Detektiven wie MICKY und GOOFY. Mehr davon in Entenhausen bitte! 🙂

LUSTIGES TASCHENBUCH 506, TATORT ENTENHAUSEN: Bei Amazon bestellen (KINDLE-Version).
Oder im Egmont Comic Shop.

Link: AXEL PRAHL auf Facebook, Meldung zum Gastauftritt in ENTENHAUSEN

Dienstag, 01. Mai 2018

MISTY MISSION 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 9:28

MISTY MISSION 1 – WIE IM HIMMEL SO AUF ERDEN1967 in Danville, Alabama, hat JOSHUA LACOUR ein großes Problem in Form des Sheriffs. Wenn der Ruf in einer kleinen Gemeinde sowieso beschädigt ist, gerät einer wie JOSH schnell auf die Liste der schwarzen Schafe. Als er eines Tages wegen Trunkenheit am Steuer eines Motorrads festgenommen wird, wil der zuständige Richter ein Exzempel statuieren. Aber JOSH sieht einen Ausweg. Statt der angedrohten sechs Monate Gefängnis, will er lieber ehrenvoll für sein Land in den Krieg nach Vietnam ziehen. So tönt er es jedenfalls und hält den Krieg für das kleinere Übel. Kaum zwei Monate später weiß er, wie sehr er sich getäuscht hat …

MISTY MISSION von MICHEL KŒNIGUER behandelt das große amerikanische Kriegstrauma und zeigt die Sinnlosigkeit des Unterfangens in und über den Dschungeln dieses von den Vereinigten Staaten von Amerika so fernen Landes. Als Autor und Zeichner in Personalunion behandelt MICHEL KŒNIGUER dieses Trauma anhand der Schicksale zweier unterschiedlicher Freunde. NICHOLAS BEAULIEU und JOSHUA LACOUR, namentlich mit französischen Wurzeln, aus dem tiefsten amerikanischen Süden stammend, treten als Soldaten in den Krieg ein. Der eine wird Kampfpilot, der andere Infanterist in der 1. Kavallerie-Division, einer Einheit, die nicht mehr zu Pferd, sondern per Hubschrauber ans Einsatzziel gebracht wird.

NICHOLAS BEAULIEU und sein Flugzeug sind zeitweiligen Luftabwehrgeschossen ausgesetzt, darüber hinaus setzen seine Angriffe auf den Boden aus relativer Sicherheit an, denn Abschüsse durch Feindeshand sind selten. Noch viel wichtiger allerdings ist die Tatsache, dass er meist nicht erfährt, was er unten mit Menschen anrichtet. Bei JOSHUA LACOUR sieht die Angelegenheit schon ganz anders aus. An seinem Beispiel gerät der Leser mit in die nächste Nähe zum Vietcong. JOSHUA LACOUR sieht seine Kameraden durch den Gegner sterben. Und er sieht sie durch seine Hand sterben. Über jemandem, der den Krieg wählte, um dem Gefängnis zu entgehen, weil er den Dienst für das Vaterland für die leichtere Alternative hielt, bricht die Hölle auf Erden herein.

Dabei beginnt es so harmlos mit einem typischen amerikanischen Kleinstadtflair der 1960er Jahre. Auf einer weißen Hochzeit haben die Weißen das Sagen und feiern, Schwarze dürfen in Alabama die Band stellen und für das leibliche Wohl sorgen. Von Bürgerrechtsbewegungen ist hier noch nichts zu spüren, Willkür indes existiert, Reich duckt Arm gänzlich farbenblind. In Vietnam erfolgt für JOSHUA LACOUR ein Kulturschock. Hier kehrt sich alles um, sein Sergeant ist sogar ein Abkömmling amerikanischer Ureinwohner, kurz ein Indianer hat das Sagen und kommandiert den kleinen Trupp, der immer wieder durch Neuankömmlinge aus der Heimat zwangsläufig aufgeforstet wird (wegen der Gefallenen, die die Heimreise antreten).

MICHEL KŒNIGUER verzichtet auf die Darstellung von Auswirkungen der allgegenwärtigen Gewalt und bricht, nähme man einen Film zum Vorbild, eine Kamerafahrt rechtzeitig ab. In den Scharmützeln, die mit aller Härte und ohne Mitleid geführt werden, in den Explosionen durch Raketenbeschuss, Gunships, Handgranaten und den Einschlägen von Kugeln aus automatischen Gewehren bedarf es kaum großer Fantasie darüber, was denjenigen geschehen mag, die sich im Zentrum der Feuersbrünste befinden. Aus dem kleinen Ganoven mit Herz, JOSHUA LACOUR, wird allmählich etwas anderes.

MICHEL KŒNIGUER erzählt eindringlich, ohne Pathos von einem Krieg, der sich ins Weltgedächtnis eingebrannt hat. Der Schwerpunkt der Handlung liegt eindeutig auf der Figur des JOSHUA LACOUR, zu dem man als Leser schnell Sympathie fassen kann, denn seine Ängste sind allzu begreiflich. Die technischen Darstellungen von MICHEL KŒNIGUER sind präzise, bei Figuren greift er auch mal auf eine schauspielerische Vorlage zurück. So hat für den Richter, der JOSHUA LACOUR vor die Wahl stellt, Knast oder Krieg, JAMES CROMWELL Pate gestanden. 🙂

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