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Comic Blog


Dienstag, 28. Juni 2016

WE STAND ON GUARD

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 16:58

WE STAND ON GUARDDie Vereinigten Staaten von Amerika verfügen über keine Wasservorräte mehr. Kurzerhand wird das Nachbarland Kanada überfallen. Dort ist das so wichtige Grundnahrungsmittel noch in Hülle und Fülle vorhanden. Kanada, das den technisch hoch gezüchteten Truppen der USA nichts entgegenzusetzen hat, flüchtet sich mit einigen wenigen Kämpfern in einen Guerillakrieg. Eine junge Frau, Amber, hat bei dem Angriff der Vereinigten Staaten vor Jahren ihre Eltern verloren. Nun findet sie durch den Anschluss an eine Guerillaeinheit endlich die Möglichkeit, sich zu rächen. Wer nichts mehr zu verlieren hat, wer instinktiv weiß, dass der Kampf sowieso verloren ist, ganz gleich, wie sehr er sich anstrengen wird, wird am Ende ohne zu zögern sein Leben in die Waagschale werfen.

Brian K. Vaughan zieht als Grundlage seines SciFi-Thrillers einen uralten Plan der amerikanischen Streitkräfte heran, der tatsächlich mit den Möglichkeiten einer Invasion in Kanada spielte. Damals gedacht als Präventivmaßnahme gegen Angriffe von Großbritannien, ist die Invasion Kanadas hier eine Notwendigkeit für die US-Amerikaner, um die eigenen Ländereien zu schützen. Um den Kriegsplänen Vorschub zu leisten, hat sich Brian K. Vaughan einen fingierten Überfall Kanadas auf das Weiße Haus ausgedacht, um so einen Gegenschlag der Vereinigten Staaten zu rechtfertigen. Dergleichen Finten sind aus dem Zweiten Weltkrieg durchaus bekannt.

Das große Ganze wird in der Handlung von WE STAND ON GUARD eher am Rande gestreift. Brian K. Vaughan konzentriert sich auf eine kanadische Widerstandseinheit und die Bemühungen des amerikanischen Militärs ihrer habhaft zu werden. Der Titel ist einer Zeile der kanadischen Nationalhymne entnommen. Eine Handvoll Leute unterschiedlicher Herkunft steht Wache und vergeltet nach biblischem Maß, nachdem zuvor im Jahre 2112 amerikanische Raketen über Ontario niedergegangen sind und die Stadt in die Steinzeit zurückgebombt haben. 2124 schlägt sich eine Überlebende dieses Bombardements im verschneiten Yellowknife-Gebiet durch und wird von Widerständlern entdeckt.

Technisch perfekte Zeichnungen von Steven Skroce erschaffen eine Welt, die bekannt wirkt und durch ihre Eigenarten dennoch abrückt. Steven Skroce zeigt einen gut durchdachten Hundertjahressprung, ähnlich wie sich unser Jahrzehnt von dem vor einhundert Jahren abhebt. Der Comic-Künstler an der Seite von Brian K. Vaughan war an den Storyboards so bekannter Filmproduktionen wie The Matrix, V wie Vendetta oder I, Robot beteiligt. Die dort zelebrierte Exaktheit überträgt er nahtlos in das Comic-Medium. Körper, Haltungen sind beinahe als Skulpturenvorlagen verwendbar und mit feinem Auge auf die jeweilige Szene abgestimmt. Das Design der einzelnen Figuren passt wunderbar zur Funktion der Charaktere in der Handlung.

Zukunft bedeutet auch eine besondere Sicht auf die Technik. Was könnte in einhundert Jahren möglich sein? Natürlich hat sich die Kriegsmaschinerie weiterentwickelt. Größer, gewaltiger, effektiver ist sie geworden. Menschen werden eingesetzt, aber sie sitzen zuweilen hinter dem Steuer solcher Giganten, dass ein Mechwarrior blass vor Neid werden würde. Die Folter hat sich essentiell verändert, denn der Gefolterte kann unter seinen Qualen kaum noch sterben. Gedankenmanipulation lautet das Zauberwort. Jedwede geistige Vorstellung ist möglich. Ärzte kontrollieren außerhalb, in der Realität, den Gesundheitszustand des Gefangenen. Steven Skroce erhält viele Gelegenheiten insbesondere Militärtechnik zu zeichnen. Faszinierend allerdings sind auch die eher am Rande gezeigten zivilen Hightech-Spielereien.

Ein durchdachter SciFi-Thriller, stark gestaltet, thematisch sicherlich kontrovers, optisch mitunter hart, brutal, abgeschlossen erzählt. Auch Fans von Military-SF kommen hier auf ihre Kosten. Brian K. Vaughan und Steven Skroce bilden ein gutes Team. :-)

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Sonntag, 26. Juni 2016

PUNISHER – DAS ERSTE JAHR

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 20:32

PUNISHER - DAS ERSTE JAHREin Massaker. Ein Mann hängt kopfüber an einen Baumstamm gefesselt in einem öffentlichen Park. Die kleine Familie, Vater, Mutter und zwei Töchter, nahebei im Gras liegend, wollte anscheinend picknicken. Eine Thermoskanne liegt umgestoßen auf dem Boden. Ein kleiner Flugdrachen liegt abgestürzt auf Mutter und Kind. Für die Polizisten, die am Tatort ermitteln ist es ein grauenhafter Anblick, dennoch einer, der zu ihrem Alltag gehört. Tote sind in New York keine Seltenheit. Die Leichen werden zum Abtransport vorbereitet und in schwarze Säcke verpackt. In diese furchtbare Routine hinein erwacht einer der vermeintlich Toten plötzlich wieder zum Leben …

MARVEL ist ein Comic-Universum mit einer sehr umfangreichen Sammlung von Helden und Ganoven. Der PUNISHER hat so gut wie jede Figur eine Ursprungsgeschichte, aber seine sollte (neben Spider-Man) zu den bekanntesten gehören. Gangster löschen die gesamte Familie von Frank Castle, einem Armee-Veteranen, aus. Kein gezielter Anschlag steckt dahinter, sondern es geht lediglich um die Beseitigung von Zeugen einer Mafia-Hinrichtung. Castle überlebt mehr zufällig und verletzt. Castle erhält von der Polizei das Versprechen, man werde die Mörder seiner Frau und seiner Kinder aufgrund seiner Zeugenaussage fassen. Dazu kommt es nicht.

Frank Castle wird hier nicht einfach zum PUNISHER, weil er Rache will. Das ist und bleibt sicherlich ein Teil seiner Motivation, aber zuerst lassen ihn die beiden Autoren Dan Abnett und Andy Lanning in dieser 1994 neu erzählten Ursprungsgeschichte einen absolut hoffnungslosen Tiefpunkt erleiden. Völlig verlassen, mutlos und einzig noch vom Schmerz erfüllt, verliert er auch noch das letzte Stück Vertrauen in die Gerechtigkeit. Eben wollte sich Frank Castle noch selber töten, dann begreift er, dass Verzweiflung und eine letzte Konsequenz die falschen Wege sind. Der Kriegsveteran macht das, was er gelernt hat und erklärt dem organisierten Verbrechen den Krieg. Dan Abnett und Andy Lanning erzählen schnörkellos, aber es gibt eine Besonderheit.

Der spätere PUNISHER verweigert sich ausgesprochen lange seinem aufzunehmenden Weg. Zeichner Dale Eaglesham präsentiert der selbst ernannten Rächer als überaus Muskelberg, sportlich durch militärischen Drill. Cover-Künstler Ariel Olivetti hat diesen Style für das Titelbild übernommen. Die übrigen Titelbilder der hier zusammengefassten Miniserie haben einen weniger martialischen Einschlag, als vielmehr deutlich religiöse Anleihen. Frank Castle muss erst leiden, bevor er zum PUNISHER wird. Dale Eaglesham übernimmt zur Darstellung dieses Leidensweges solch monumental überzeichneten Haltungen wie sie zum Beispiel von klassischen Künstlern wie Michelangelo oder Raffael her bekannt sind.

Die Zeichnungen von Dale Eaglesham innerhalb der Handlung verströmen ein wenig 1970er-Jahre-Flair. Das liegt auf einer stilistischen Linie mit Gene Colan (Die Gruft von Dracula), Jack Kirby oder auch, jüngeren Datums, eines Todd McFarlane. Die kraftvolle Figur des Frank Castle bzw. PUNISHER ist nach heutiger Definition ein Wrestler mit Gefühl, weshalb in einer modernen Variante für eine Verfilmung ein David Batista eine gute Wahl wäre, denn die Figur sieht im Comic so aus, als habe Dan Eaglesham 1994 einmal die Existenz eines derart populären Schauspielers mit Wrestling-Wurzeln vorausgeahnt.

Ein ernsthafter PUNISHER in bester Thriller-Manier. PUNISHER ist Krimi, Drama und meilenweit entfernt von irgendwelchen komischen Elementen. Seine Ansiedlung im Marvel-Universum wird einzig durch eine sehr kurze Anwesenheit von Peter Parker dokumentiert. Kein Superheld eilt dem Mann, der seine Familie verloren hat zur Hilfe. Aber auch kein Superheld stellt sich ihm in den Weg, als er seinen Rachefeldzug beginnt. Diese Version weiß zu gefallen, da die Figur sich hier selbst treu bleibt, ohne mit dem Rest des Marvel-Universums großartig in Berührung zu kommen.

Ein ungewöhnlicher Marvel-Held wird geboren. Ohne Superkräfte, allein vom Rachewunsch erfüllt, stellt sich Frank Castle alias PUNISHER der New Yorker Unterwelt und räumt dort auf, wo die gesetzestreuen Polizisten an ihre Grenzen stoßen. Geradlinig erzählt von Dan Abnett und Andy Lanning, mit Blick für ein hartes Szenario gekonnt in Szene gesetzt von Dale Eaglesham. :-)

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Montag, 20. Juni 2016

STAR WARS – LANDO

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 9:26

STAR WARS - LANDOWarum die Waffe ziehen, um etwas zu bekommen? Warum stehlen, wenn allein das Charisma ausreicht, um die Frau zu becircen, es einfach herzugeben. Aus Zuneigung, Liebe vielleicht. LANDO ist stolz auf seine Vorgehensweise, die ganz bestimmt keine schlimmen Konsequenzen nach sich zieht. Denn mit Konsequenzen kennt er sich aus. Wo LANDO CALRISSIAN Geschäfte machte, blieben oft verärgerte Geschäftspartner oder auch Bestohlene auf der Strecke, die sich nichts sehnlicher wünschten, als es diesem Halunken eines Tages heimzuzahlen. Und wie es aussieht, können all jene sich bald die Hände vor Freude reiben, weil LANDO diesmal alles andere als einen Glücksgriff getan hat …

Seit der schon recht alten Trilogie (Roman) über LANDO CALRISSIAN von L. Neil Smith ist dieser Glücksspieler und Gauner nicht so oft Held einer Geschichte wie der Reigen um einen Han Solo. Selbst ein Bösewicht wie Boba Fett hatte mehr Auftritte. Welch gutes Potential für ein gelungene Space-Opera LANDO CALRISSIAN auch solo hat, darf er dank des Autoren Charles Soule in der hier zusammengefassten Miniserie beweisen. LANDO CALRISSIAN ist hier noch nicht der Besitzer einer Gasmine auf Bespin und er fliegt den Millennium Falcon ebenfalls nicht. Aber an seiner Seite ist bereits der gute Lobot, jener Freund mit den Computerimplantaten anstelle der Ohren.

Ein sympathischer Krimineller in einem Universum, in dem eine Diktatur herrscht und Gauner und Kopfgeldjäger sich ein regelmäßiges Stelldichein geben. Hier werden einem Gesetzlosen häufig Gelegenheiten geboten, solche allerdings, die einen wirklichen Wendepunkt im Leben eines Gauner darstellen, sind eher selten. Autor Charles Soule hat einen solchen Wendepunkt kreiert, indem er LANDO CALRISSIAN nichts weniger als die Privatraumjacht des Imperators stehlen lässt.

LANDO CALRISSIAN darf hier sozusagen mit einer eigenen Vergangenheit protzen. Da gab es Frauen, geprellte Geschäftspartner, aber auch Halunken finsterer Natur. Aber er ist ein äußerst findiger Ganove, ein Trickdieb, der hier weitaus mehr Charakterzüge zeigen darf, als im in Das Imperium schlägt zurück und Die Rückkehr der Jedi-Ritter vergönnt gewesen ist. Letztere sind ein gutes Stichwort. Denn durch den Imperator bekommt der einfache Diebstahl einer Raumjacht eine ganz andere Dimension durch die dunkle Seite der Macht, die hier einmal eine völlig andere, weitaus mystischere Bedrohungslage auslöst. Und LANDO CALRISSIAN muss feststellen, dass aus Partnern ganz besondere Feinde werden können, wenn die dunkle Seite der Macht ruft.

Alex Maleev, Zeichner, hält sich genau an das Erscheinungsbild von Billy Dee Williams (der Schauspieler von Lando Calrissian in Star Wars Episode V und VI) und dessen Kollegen John Hollis (als Lobot, eine Rolle, die nur in Episode V vorkam). Es ist bekannt, dass in den Star Wars Comics öfter mal Charaktere in den Mittelpunkt gestellt werden, die ansonsten Randfiguren in den großen Filmhöhepunkten waren. So ist es andererseits immer schon zu sehen, dass auch solche Charaktere Potential haben, das sich allein aus den wenigen Vorgaben bildet, die in der Filmhandlung zu sehen waren.

LANDO CALRISSIAN ist ein Abenteurer, der den Kampf scheut, der einen Umweg, einen Ausweg sucht, Tricks einsetzt, Schläue und Charme aufbietet, um an sein Ziel zu gelangen. Alex Maleev transportiert das freche Grinsen von LANDO auf die Comic-Seiten, als habe es eine Minifernsehserie als Vorbild gegeben. Der Strich ist präzise, ein wenig auf den Spuren von Cam Kennedy (Das dunkle Imperium), bewusst kantig gehalten, immer etwas von düsterer Atmosphäre getragen. Diese verdichtet sich besonders in zwei Figuren, von LANDO zum Schutz beauftragt. Die Zwillinge von der Art humanoider Dobermänner sind ein hervorragender Alienentwurf abseits der aus den Kinofilmen bekannten Exemplaren.

Mehr von diesem Charakter: LANDO legt den Grundstein für weitere Abenteuer des Trickdiebs. In allen Belangen überzeugend mit weiteren Hintergrundinformationen, schönem Plot, dunkler Action und feinen Zeichnungen sollte die hier zusammengefasste Miniserie jeden Star Wars Fan begeistern. :-)

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Freitag, 17. Juni 2016

DIE PIONIERE DER NEUEN WELT 20

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 17:57

DIE PIONIERE DER NEUEN WELT 20 - DIE NACHT DER WÖLFEMai 1780. In der neuen Welt ist die Landschaft paradiesisch und wild. Viele Neuankömmlinge haben eine Heimat gefunden. Viele haben sich mit den Ureinwohnern des Landes angefreundet und halten Frieden. Aber längst nicht alle, denn die Zwiste aus der alten Welt sind mit über den Atlantik gebracht worden und die Sklavenhaltung hat eine Bewegung von Menschen in Gang gesetzt, die unter persönlichen Gefahren Schwarzen zur Freiheit verhelfen. Einer dieser Menschen ist der junge Mann Eichhörnchen, der mit seiner Frau Rebecca ein Holzhaus in der Wildnis bewohnt. Eines Nachts färbt sich der Mond rot. Eines der ersten Vorzeichen auf das kommende Ungemach …

Der wilde Osten des nordamerikanischen Kontinents wird in Literatur, Comic und Film sehr vernachlässigt. Oft hört man in diesem Zusammenhang nur die Schlagworte Lederstrumpf, Wildtöter oder Chingachgook. Wie vielschichtiger eine Beschreibung dieses Zeitabschnitts sein kann, zeigt die (zu Recht) langlebige Serie DIE PIONIERE DER NEUEN WELT. In der 20. Episode mit dem Titel DIE NACHT DER WÖLFE teilt sich die Handlung in zwei sehr unterschiedliche, aber nicht minder spannende Stränge auf.

Bevor die Sklaverei im amerikanischen Bürgerkrieg zum großen Thema wird, haben sich bereits in dieser hier geschilderten Epoche ein paar tapfere Menschen dazu entschlossen, schwarze Sklaven aus dem Joch zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Die Lebensbedingungen dieser ausgebeuteten Menschen sind sehr schlecht und schon die Kleinsten müssen für ihre weißen Herren schuften. Die Bewegung zur Befreiung dieser armen Seelen arbeitet im Verborgenen, zellenartig, nicht jeder weiß von jedem, Tarnnamen schützen und Geheimparolen sollen die einzelnen Anlaufstationen vor Entdeckung bewahren. Die Vorgehensweise von Eichhörnchen und einem Priester mutet vergleichsweise modern an und wie es sich zeigt, haben sie allen Grund sehr vorsichtig zu Werke zu gehen.

Handelskriege. Dieses Wort zeugt vor den hier erzählten Ereignissen von der ursprünglichen Bedeutung. Ist das eine Szenario trotz seiner Gefahr, die ständig mitschwingt, auch ein Hort der Ruhe, vor allem, da seine Akteure sich heimlich, still und leise verhalten müssen, ist das andere Szenario ein offener Krieg der Hudson’s Bay Company gegen die North West Company. Beide haben sich Verstärkung bei den Ureinwohnern gesucht, eine Art von Partnerschaft in beiderseitigem Interesse. Cree bei der North West, Irokesen bei der Bay. Hier geht es niemandem mehr darum, den Feind zurückweichen zu sehen. Hier geht es einzig noch um pure Vernichtung.

Auf der einen Seite bietet sich dem Leser eine eindringliche Handlung, spannend, anrührend, dramatisch. Auf der anderen Seite geht es zur Sache. Barbarisch, hart, grausam. In beiden Fällen zeigt ein wichtiger Erfolgsgarant der Reihe, Comic-Künstler Ersel, wie realistische Zeichnungen diese Zeitperiode transportieren und gut recherchierte Kulissen und Ausstattungen zu einer tollen Atmosphäre beitragen. Die Bilder treffen stets den richtigen Ton, tasten sich fein an die Figuren heran und überreizen die unumgängliche Gewaltdarstellung zu keinem Zeitpunkt.

Auch in der 20. Folge eine junge Serie, die immer neue Themen aus der frühen Phase der nordamerikanischen Besiedlung findet, leicht erzählt wirkt, durch die schönen Zeichnungen beeindruckt und mit jedem neuen Band einen Höhepunkt dieser spannenden Ära setzt. Für Freunde historischer Szenarien uneingeschränkt zu empfehlen. :-)

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Sonntag, 12. Juni 2016

BIZU Gesamtausgabe 1

Abgelegt unter: Comics für Kinder — Michael um 20:51

BIZU Gesamtausgabe 1Wie alles begann: Ein Postbote sucht Bizu im Wald. Bis dahin war ihm dieser Postempfänger unbekannt, ansonsten wäre er vorgewarnt gewesen, dass ihm in nächster Zeit ein paar seltsame Begegnungen bevorstehen. Vorläufig, durch einen Unfall, in die Bewusstlosigkeit befördert, wacht der Postbote, von Bizu freundlich verarztet (naja, auch etwas rüpelhaft), wieder im Zuhause des Postempfängers auf und staunt bald ziemlich, als ihm die ersten Pflanzen begegnen, die über einen eigenen Willen verfügen …

BIZU von Comic-Künstler Jean-Claude Fournier ist eine sehr kinderfreundliche Sammlung kleiner Erzählungen aus einer märchenhaften Welt, die dank des neuen Postboten, der sich nach Frotteelande hineinwagt, Anschluss an die Welt da draußen erhält. Der kleine BIZU lebt nicht allein in diesem Land. Sein engster Begleiter ist ein kleiner hüpfender Pilz mit Röckchen, Mukes mit Namen. Ein weiterer Freund, das pelzige Monster Schnockbüll, will zunächst so tun, als sei es sehr böse. Dumm nur, dass es eine Spur aus Blumen hinterlässt, was, will man bedrohlich erscheinen, nicht gerade förderlich ist.

Von Format zu Format. Nicht jede Figur ist geeignet unterschiedliche erzählerische Formate zu bedienen. BIZU ist von Jean-Claude Fournier dazu geschaffen, in der Kurzgeschichte zu funktionieren und selbstverständlich albenlang. Darüber hinaus wartet er im evolutionären Verlauf der Figur mit feinen neuen Nebencharakteren auf, ausgefeilter als noch zu Beginn der Serie.

Im kleinen Format gehört die Geschichte um Schnockbülls kleine Flamme zu den schönsten. Eine Flöte hat die Macht, Flammen aus einem Feuer zu lösen. BIZU probiert die Flöte, die ihm leihweise von Schnockbüll übergeben wurde, aus und wird Zeuge, wie das Flämmchen die Gelegenheit nutz, um in die Freiheit zu entschlüpfen. Das ist ein wenig Zauberlehrling, ein wenig Slapstick, in jedem Fall herzlich komisch.

Im großen Format ist Die Leier, die Tilt macht wunderbar gelungen. BIZU hat sich, kurz nach seinem ersten Auftritt, bereits optisch weiterentwickelt. Er wirkt weniger hölzern und hat mit dem Postboten eine cholerische Figur, eine Art Comic-Louis-de-Funes, an seiner Seite. Man könnte auch sagen, er ist die Frotteelande-Version von Gastons Chef, Demel. Immer aufgeregt, immer eine Spur übers Ziel hinaus. Apropos Gaston: BIZU wird dem berühmten Comic-Chaoten von Andre Franquin im Laufe der Jahre immer ähnlicher. In gewissem Sinne hat sein Gesicht etwas von einer Kinderversion von Gaston und in Sachen Liebenswürdigkeit haben sie durchaus Charakterüberschneidungen.

Wilde Kreaturen sehr putziger Natur. Die beiden hauptsächlichen Begleiter, der kleine Pilz und das haarige Monsterchen Schnockbüll, wurden bereits genannt. Aber damit endet die Liste der Kuriositäten noch nicht. Der wilde Dudelsack ist ein weiteres Beispiel und er hat nur eine Aufgabe, nämlich in der freien Natur andere mit seinem Gedudel zu nerven, was ihm auch hervorragend gelingt. Richtig interessant ist die Kreation des Lomig. Dieses Wesen mit vier Beinen und zwei Armen, ein paar wackelnden Kugeln auf dem Kopf, hat die Angewohnheit, sich auf ihm unbekannte Gegenstände zu setzen und zu versuchen, diese auszubrüten!

Der musikalische Köder ist eine Geschichte, in der ein typisches Element innerhalb frankobelgischer Comics zum Tragen kommt. Das Kleinstadtflair wurde schon in verschiedensten Serien immer wieder zur Plattform oder auch zum Mittelpunkt des Geschehens. Skurrile Charaktere, manchmal etwas behäbig, tollpatschig, dem Gruppenzwang unterworfen, tauchen hier in einem Küstenstädtchen auf, in dem auch ein Cruchot oder ein Minimensch um die Ecke kommen könnten (oder kleine Flugzeuge um die Ecke fliegen). Der Einsatz dieser Atmosphäre funktioniert bei Jean-Claude Fournier auch mit BIZU.

Ein kindgerechter Klassiker für die Kleinen (natürlich auch wie immer für die Junggebliebenen). Jean-Claude Fournier hat ein zeitloses, sehr fantasievolles, märchenhaftes Szenario geschaffen, in dem Humor groß geschrieben wird und so manche Figur mit einem Augenzwinkern entworfen wurde. Sehr, sehr schön! :-)

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Mittwoch, 01. Juni 2016

WAISEN – RINGO 6 – DEATH METAL

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 10:34

WAISEN - RINGO 6 - DEATH METALPrimäre Anweisung. RINGO töten. Die Krähen nehmen ihre Positionen ein, während drinnen im ehemaligen Autotunnel sich die Wanderer langsam nähern. RINGO weiß, dass er diesem Kampf nicht länger ausweichen kann und auch nicht ausweichen will. Doch zuvor findet sich noch ein Stückchen Hoffnung. Im Tunnel leben ein paar Menschen, ausnahmsweise friedlich, sogar Kinder sind darunter. Es ist eine kleine, sehr schwache Idylle, denn bald schon wird das Chaos über alle hereinbrechen. RINGO und seine Gefährten haben den Tod mitgebracht.

Ein langer, langer Weg geht zu Ende. Wer erreicht das Ziel, wer nicht und warum? Viele Antworten werden in dieser Schlussausgabe gegeben und vielleicht wird nicht jede dem Leser gefallen, zumal er sicherlich mit mancher Figur anfreunden konnte. Ein Blick auf das Böse. Jsana Juric, RINGOS niederträchtige Gegenspielerin, Präsidentin einer längst verlorenen Zivilisation, hatte die ganze Zeit über die Fäden in der Hand. In der zweiten Staffel von WAISEN erreicht RINGO sein Ziel, teilweise wenigstens, aber er ist dennoch kein Gewinner. Von Anfang an war ein Verlorener in dieser Welt, eine WAISE, elternlos, zum Soldaten trainiert, wie so viele vor ihm, und, wie der Leser nun weiß, nicht wenige nach ihm.

Die Präsidentin, einäugig, hübsch anzuschauen, hat etwas von einem Bond-Gegner, eine Mixtur aus Blofeld und Bond-Girl in einem. Diese Einschätzung wird hier im abschließenden sechsten Band der Staffel auch trefflich bestätigt. Gleichzeitig, über alle Folgen hinweg, präsentiert sie sich als eiskalt, berechnend und ziemlich nachtragend, wenngleich sie diese Gefühlsregung in den Dienst ihrer Sache zu stellen vermag und letztlich als eine Art Antrieb nutzt. Die Werkzeuge Jurics, die Krähen, ehemalige Kameraden von RINGO, nun steuerbare und zumeist seelenlose Cyborgs, sind der verlängerte Arm der Präsidentin. Sie repräsentieren ihre Brutalität.

Die zeitweilige Verzweiflung der Cyborgs, ein letztes Aufbäumen hinter all der grauenhaften Technik, erweckt Mitleid und lässt den Tod des einen oder anderen, durch RINGOS Hand, wie eine letzte gütige Tat anmuten. Aber, es sind eben Cyborgs, und so sind sie wie Stehaufmännchen. Zum Schluss ist das Menschliche vernichtet und RINGO muss sich nicht mehr zurückhalten. Für den Leser gipfelt das in cineastisch choreographierten Action-Sequenzen.

Finale sind immer schwierig. Werden die Erwartungen des Lesers erfüllt? Sind alle Fäden logisch verknüpft? Agieren die Charaktere gemäß ihrer gesammelten Erfahrungen und können vielleicht doch überraschen? Von allem ist etwas dabei. Fans der Reihe sollten auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Es ist eine Endzeitgeschichte und diesen ist es grundsätzlich gemein, dass sie am Ende auch einen Schuss Traurigkeit versprühen und nicht alles unter einem Regenbogen endet, ein Wortspiel, wie Leser des Abschlussbandes feststellen werden.

Grafisch ein Augenschmaus für alle SciFi-Fans. Durchgehend wurde hier eine tolle Qualität der Zeichnungen und der Kolorierungen geboten. Die Zeichner Werther dell’Edera, Gigi Cavenago und Emiliano Mammucari halten das Niveau aufrecht. Besonders im ersten Teil kann das Zeichnerduo mit seiner Umsetzung eines Duells auf Leben und Tod begeistern. RINGO hat seinen Namen nicht umsonst. Nicht umsonst wurde er zeitweilig als Pistolero angesprochen, gibt es hier auch eine Menge Anspielungen auf Western, insbesondere jene aus Italien. Gerade der Kampf gegen eine Übermacht, eine Bande Verbrecher, ist ein gern gewähltes Thema. RINGO geht dabei an seine Grenzen. Sein zerschundener Körper erhält einige Narben mehr, dennoch gönnen ihm die Künstler ein kleines Facelifting. Am Ende ist der Bart ab und Emiliano Mammucari führt einen neuen Helden vor, eigentlich bereit für das nächste Abenteuer …

Neue Staffel möglich? Auf jeden Fall, denn wie diese Ausgabe zeigt, gibt es noch einige WAISEN und außerdem wartet neben der Erde auch noch die Kolonisierung des Weltalls auf die Menschheit. Roberto Recchioni und Mauro Uzzeo sind aus Fan-Sicht dringend aufgefordert dieses Universum zu erweitern und um einige Facetten zu bereichern. Richtungen dafür gibt es genug. Die zweite Staffel konnte jedenfalls bis zum Schluss rundum überzeugen. :-)

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Samstag, 28. Mai 2016

BLACK PANTHER – Wer ist Black Panther?

Abgelegt unter: Superhelden — Michael um 18:50

BLACK PANTHERDie Kampftruppe hat sich weit in den dichten Busch Afrikas vorgewagt. Die Aussicht auf reiche Beute und einen leichten Sieg hat sie vorangetrieben. Die Gerüchte haben indes die Träger längst in die Flucht geschlagen. Und so steht die Invasion aus Weißen allein gegen den unbekannten Feind, der den Eindringlingen immerhin eine Chance lässt. Die Weißen, allen voran ihr Anführer, ignorieren diese Gelegenheit. Sie wähnen sich mit mächtigen, neuesten Waffen ausgerüstet, trotzdem werden sie gnadenlos und völlig überraschend aufgemischt. Am Ende flehen die Überlebenden um Gnade …

Nachdem der BLACK PANTHER im dritten Teil der Reihe um CAPTAIN AMERICA (CIVIL WAR) seinen Kinoeinstand gegeben hat, ist es auch hierzulande an der Zeit auf die Figur zu schauen, die als schwarzer Superheld schon bemerkenswert genug ist, denn selbst im neuen Jahrtausend gibt es immer noch nicht sehr viele davon. Der BLACK PANTHER, nach Luke Cage einer der bekanntesten schwarzen Helden, ist zudem noch weit mehr als ein einfacher Superschurkenjäger. Auf den religiösen Mythen seiner (fiktionalen) Heimat Wakanda fußend, ist der Panther nicht nur ein Beschützer, sondern auch gleichzeitig der Herrscher seines Landes. Desweiteren bemerkenswert ist der Umstand, dass die BLACK PANTHER zwar aus einer Herrscherlinie entstammen, aber jeder im Volk das Recht hat, mit dem jeweiligen Machtsinhaber um Titel und Panther-Rolle zu kämpfen. Die Maske des BLACK PANTHER will also stets aufs Neue verdient sein.

Bereits im Jahr 2005 haben sich der Autor Reginald Hudlin und Marvel-Zeichnerlegende John Romita Jr. mit dem BLACK PANTHER befasst und seine Entstehungsgeschichte auf einen neuen Stand gebracht. Die plötzliche Popularität der Figur hat dieser vorliegenden Neuauflage geführt. Gut so, kann man nur sagen, denn der BLACK PANTHER ist ein Superheld, der nicht nur nicht aus den USA stammt und eine entsprechende Vorbelastung mitbringt, er kommt auch mit einem enormen Selbstbewusstsein daher.

Es ist kein aufgepumptes Selbstbewusstsein, das jeglicher Grundlage entbehrt. Wakanda ist wirtschaftlich unabhängig, politisch ein Machtfaktor innerhalb Afrikas und es hat nie ein Problem mit globaler Emanzipation, da es sich niemals in seiner langen Geschichte die Butter vom Brot nehmen ließ. Besitz weckt automatisch Begehrlichkeiten. Westliche Erziehung schaffen ein falsches, ein überhebliches Menschenbild. Eingebildete Überlegenheit führt Weiße von außerhalb über Jahrzehnte hinweg zuerst in Gefahr, später in den unvermeidlichen Tod. Selbst die modernen USA sind vor dieser Arroganz nicht gefeit und glauben an ein leichtes Spiel mit dem afrikanischen Zwergstaat, der in Wahrheit so etwas wie eine Miniatursupermacht ist.

John Romita Jr. besitzt einen ausdrucksstarken und doch scheinbar einfachen Zeichenstil. Dennoch gelingt es ihm, Emotionen in seinen Zeichnungen zum Ausdruck zu bringen. Es mag einer der Gründe sein, warum ihn Frank Miller für seinen Daredevil holte und Mark Millar für den Comic-Blockbuster KICK-ASS. Anders als bei sehr detailfreudig arbeitenden Künstlern lässt JR JR seinen Künstlermitstreitern Raum zur Ausarbeitung der Bilder. Mit dem Inker Klaus Janson gab es schon häufiger gemeinsame Projekte, weshalb die Grundzeichnungen der beiden stets wie aus einem Guss aussehen.

Die Zurücknahme des Künstlers bei den Zeichnungen fördert eine zügige Leseweise, einen Zeichentrickfilmeffekt, der wirklich Spaß macht und durch die Kolorierung gestützt wird. Der Leser darf sich auf den Auftritt klassischer MARVEL-Bösewichte wie Rhino freuen, aber auch auf solche Gesellen, die im zweiten Captain-America-Kinofilm ihren Auftritt hatten wie Batroc. Letzterer wirkt hier im Comic etwas exotischer als im Film, fast wie ein Douglas Fairbanks Jr., eine Mischung aus klassischem Piraten und Fremdenlegionär.

Wenn darüber hinaus in der zweiten Hälfte des Abenteuers Autor Reginald Hudlin eine Art Kreuzzug gegen Wakanda in die Wege leitet, kann man sich als Leser gegen das satirische Augenzwinkern der Handlung kaum wehren. Wenn fliegendes Motorrad und fliegendes Pferd aufeinander treffen, dann sprühen klassische MARVEL-Funken aus jener Zeit, als in Comics wirklich alles möglich war.

Sehr geradlinig erzählt, mit einem wackeren Helden (oder auch einer Heldendynastie), dem man sich nicht so leicht entziehen kann, denn der BLACK PANTHER wurde von den Comic-Künstlern mit starkem Selbstbewusstsein und Charisma ausgestattet. Klasse, einfallsreich und sehr düster erzählt. :-)

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Donnerstag, 26. Mai 2016

MANIFEST DESTINY 2 – INSECTA & AMPHIBIA

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 18:24

MANIFEST DESTINY - Band 2 - INSECTA & AMPHIBIAMarienkäfer sollen für den Menschen keine Gefahr darstellen. Eigentlich … Aber gegen Marienkäfer, gleich welcher Form, kann sich der Trupp um Meritwether Lewis und William Clark durchaus wehren. Gegen die Gefahren, die innerhalb der Gruppe lauern, durch die verschiedenen Verbrecher, die dazu bestimmt sind, die Expedition zwangsweise zu begleiten, ist eine Gegenwehr nicht so einfach. Denn die Gefahr ist nicht einschätzbar. Es sind tickende Zeitbomben, deren Explosionszeit nicht festgestellt werden kann. Dem zweiten Offizier Lieutenant William Clark ist sich der Bedrohung sehr bewusst und übersieht darüber das Offensichtliche …

Eine neue Folge, neue Monster! Nordamerika ist in den Tagen, als die große Expedition von Lewis und Clark über den Kontinent wandert, weitaus gefährlicher als zu jeder Zeit danach. Basierend auf der tatsächlich, historisch verbürgten Expedition von Captain Meriwether Lewis und Lieutenant William Clark, auf Befehl des damaligen Präsidenten Thomas Jefferson, haben Autor Chris Dingees, Zeichner Matthew Roberts und Kolorist Owen Gieni ein Horrorabenteuer zu Papier gebracht, das der Strömung folgt, bekannte Figuren in einen Horrorkontext zu setzen, sei es fiktional oder historisch real. Nach Charakteren wie Abraham Lincoln, Sherlock Holmes oder Elizabeth Bennet (aus Stolz und Vorurteil).

Chris Dingees mischt allerdings nicht einfach Vampire oder Zombies bei, sondern denkt sich ein regelrechtes Monsteruniversum aus, wie man es allenfalls bei Mike Mignola ähnlich mutig erzählt vorfindet. Waren es in der ersten Folge Kreaturen, die sogar einen leicht griechisch mythologischen Einschlag besaßen, obwohl zur Gänze auf die nordamerikanische Fauna zurückgegriffen wurde, geht Dingees hier verstärkt auf Kreaturen ein, die weitaus größer als gewohnt daher kommen. Sehr viel größer.

Interessant ist der Umstand, dass es sich bei den beiden führenden Männern um Charaktere handelt, die Fehler gemacht haben, die außerhalb einer Mission nichts rechtes mit sich anzufangen wussten und innerhalb ihrer Aufgabe einen enormen Ehrgeiz entwickeln. Einer Aufgabe, die sie das Leben kosten kann, während der Müßiggang zuvor zwar friedlich war, aber sie letztlich nur langsamer zugrunde richtete. Matthew Roberts zeichnet Meriwether Lewis als mageren Hallodri, der überaus intelligent ist, ein etwas überkandidelter Wissenschaftler, der optisch den Eindruck eines abenteuerlustigen Stan Laurel hinterlässt.

Mit William Clark fährt Matthew Roberts eher die Schiene eine Raimund Harmstorf, einen Seewolf, einen ganzen Kerl im besten Sinne. Neben der äußerlichen Erscheinung besitzt Clark Ehrgefühl und Disziplin und fordert letztere ein, auch mit ungewöhnlichen Methoden. Drakonische Strafen bei Zuwiderhandlung, sehr plastisch vor Augen geführt, scheut er nicht. Ob es für kommende Ereignisse abschreckend genug sein wird, muss abgewartet werden, denn die Härte der Ereignisse hat auch dieses Mal nicht zum nötigen Gehorsam geführt.

MONSTER, MONSTER, MONSTER! Gigantomanie lautet das Zauberwort. Die Rückseite des vorliegenden Bandes verrät schon Lebewesen, das eine etwas größere Rolle in der Geschichte spielt: ein Frosch. Über den Rest sei erst einmal nichts verraten, allerdings ist der Ekelfaktor bei den anderen Kreaturen um ein Vielfaches größer und nimmt ein paar Fortpflanzungseigenschaften aufs Korn, wie sie schon bemüht wurden, aber in der Natur tatsächlich vorkommen. Besondere Feinde erfordern nicht nur besondere Lösungen, sie stellen das Grafikteam auch vor besondere Herausforderungen. Matthew Roberts und Kolorist Owen Gieni klotzen in Großaufnahmen im Stile alter Monsterfilme der 1950er Jahre und zaubern einen Mix aus Nostalgie und modernem Splatter auf das Papier.

Innovativer Monsterhorror, verquickt mit historischem Hintergrund, gruseligen, unvorhersehbaren Wendungen und zwei nicht ganz so auf Hochglanz polierten Hauptcharakteren. Chris Dingees, Matthew Roberts und Owen Gieni ist hier ein klasse Wurf gelungen! :-)

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Sonntag, 22. Mai 2016

THE WALKING DEAD 25 – Unter Wölfen

Abgelegt unter: Horror — Michael um 19:02

THE WALKING DEAD 25 - UNTER WÖLFENDer Schock: Köpfe von Verwandten, Freunden, geliebten Menschen bilden eine territoriale Grenze. Man glaubte an die gewonnene Sicherheit. Man feierte neuerdings das Leben. Bei aller Vorsicht dachte man, die Zivilisation kehre langsam zurück. Normalität, friedliches Leben, kaum gefährlicher als in der afrikanischen Savanne oder einer anderen Wildnis. Aber da draußen gibt es einen Feind, der ein völlig anderes Lebensprinzip für sich entdeckt hat. Der an die Stärke glaubt. Der daran glaubt, man könne sich mit den Untoten und den Härten dieser neuen Welt arrangieren. Der die Gemeinschaft um Rick Grimes für eine Bedrohung hält. Ein neuer Krieg ist in greifbare Nähe gerückt.

UNTER WÖLFEN: Autor Robert Kirkman hat mit seinem Helden Rick Grimes bereits verschiedene Anführerstadien durchlaufen. Obwohl die Figur ein ehemaliger Polizist ist, mit Disziplin, einem Gerechtigkeitssinn und viel Mitgefühl vorbelastet, ist Rick Grimes nicht automatisch der Leader in die Wiege gelegt worden. Diese Eigenschaft hat er über einen langen Zeitraum lernen müssen. Meist konnte er über eine Vorbildfunktion seinen Status festigen. Eine Gewaltherrschaft nach dem Muster Negans, dem Mann, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, hat Rick Grimes nie angestrebt. Auch wollte er nie den Weg der Manipulation nehmen. Doch ausgerechnet in diesen brisanten Zeiten, als ein neuer Feind erstarkt, sieht Rick Grimes, der Ex-Polizist, keine andere Möglichkeit, als einen Ratschlag Negans anzunehmen.

Ein gemeinsamer Feind verbindet, so heißt es. Die Vernichtung des Gegners wird zum Ziel der neuen Gemeinschaft, die sich so viel aufgebaut hat und sogar schon einen Jahrmarkt abhielt, ein Wiederaufleben der früheren Zivilisation sich zu festigen beginnt. Autor Robert Kirkmans Erfolgsgeheimnis liegt nicht nur in dem richtigen Riecher für den richtigen Stoff zur richtigen Zeit. Kirkman schafft Figuren, die es sich nicht leicht machen. Das Für und Wider wird häufig lange abgewogen. Skrupel sind immer noch zugegen, obwohl eine Situation ein rigoroses Vorgehen erfordert und es manchmal keine andere Wahl geben kann, als den Tod einer anderen Person in Kauf zu nehmen. Mit Rick Grimes ist ein Charakter entstanden, der wohl zu jenen Figuren gehören dürfte, die trotz vieler Verluste immer noch mit sich selbst hadert.

UNTER WÖLFEN behandelt genau diesen inneren Kampf, der durch das Verlangen der Menge, die nach Rache schreit, ohne die Konsequenzen genau zu durchdenken, noch angestachelt wird. Der Aufbau ist strikt, aber durch einige Seitenstränge (auch nach einer derart langen Seriendauer) nicht vorhersehbar. Zeitweilig schockiert Kirkman seine Leser, aber er bleibt in Sachen Horror in dieser Episode deutlich hinter anderen Folgen zurück. Auch die Zombies, die Beißer spielen kaum eine Rolle in dieser Folge. Der Mensch ist des Menschen Wolf. Das beliebte Zitat scheint die Grundlage für die Titelwahl gewesen zu sein, denn tatsächlich ist der Mensch sich hier einmal mehr Feind genug.

Grafisch kennt Zeichner Charlie Adlard seine Figuren aus dem FF. Der Leser darf sich hier weiterhin auf eine versierte Darstellung freuen, in der die Charaktere Gefühl zeigen dürfen, denn wie gesagt, die Action ist diesmal etwas in den Hintergrund gerückt. Aber angesichts der Planungen innerhalb der Handlung wird es kaum dabei bleiben.

Hier werden die Weichen für die Zukunft der Serie neu ausgerichtet, wichtige Entscheidungen gefällt. Die Hauptfigur, Rick Grimes, muss sich ein Stück weit neu erfinden, denn auch der neue Gegner ist ganz anders, als er jemals in der Serie auftauchte. Beste Voraussetzungen für weitere spannende Folgen. Serienerfinder Robert Kirkman führt die Handlung mit unverbrauchten Ideen fort. :-)

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Sonntag, 15. Mai 2016

JACKIE KOTTWITZ – Band 5

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:10

JACKIE KOTTWITZ - Band 5Ein erfolgreicher Star aus Las Vegas kehrt zu seinen Wurzeln nach Paris zurück und findet Unterschlupf in einer Gegend, in der weibliche Entertainer selten anzutreffen sind, nämlich in der näheren Umgebung von Jackie Kottwitz. Das mischt die Nachbarschaft mit ein wenig Glamour ordentlich auf. Gleichzeitig wird der Privatdetektiv mit dem wohl für diesen Beruf am wenigsten geeigneten Fahrzeug (einer Solex) von einem unbekannten Anrufer auf einen neuen Fall angesetzt. Völlig unerwartet geht es sehr bald schon um alles. Jackie Kottwitz, ein Mensch, dessen Fälle ihm über kurz oder lang ziemlich nah gehen, muss sich diesmal sehr beeilen, will er einem bestimmten Menschen das Leben retten.

Die Geschichten um den jungen Privatdetektiven sind für mich zu einem ganz besonderen Tipp innerhalb des Comic-Krimis geworden. Alain Dodier entwirft immer neue Erzählmuster und taucht mit dem Leser zusammen schön in die normale menschliche Gesellschaft ab, abseits von Adelsgeschlechtern, Hochfinanz, Intellektuellen, Freaks oder was sonst gerne dazu herhalten muss, um dem Genre Krimi eine scheinbar pfiffige Note zu geben. Detektiv Jackie Kottwitz findet die kleinen und großen Geheimnisse hinter den gewöhnlichen Fassaden, an denen man als Leser tagtäglich vorüber geht, ohne weiter darüber nachzudenken.

In Der Pakt bekommt es Jackie Kottwitz mit einem scheinbar simplen Problemfall zu tun. Ein Kanarienvogel wurde erschossen. Die Umgegend sieht äußerst harmlos aus, bis der Privatdetektiv auf einen Jungen stößt, der überfürsorglich behandelt wird und sich in eine Enge gedrängt fühlt, aus der er immer wieder aufs Neue auszubrechen sucht. Langsam entsteht aus dem simplen Fall das Finale eines Familiendramas, dem Jackie Kottwitz auf seine zurückhaltende Art zunächst etwas ratlos gegenüber steht.

Aber der junge Privatdetektiv ist viel gewitzter, als er aussieht. In seiner Wohnung hängen die Poster berühmter Filmdetektive, wie Robert Mitchum als Philip Marlowe und Humphrey Bogart als (natürlich) Philip Marlowe. Es ist unwahrscheinlich, dass der Detektiv, den einstmals Raymond Chandler kreiert hat, jemals bei einem Schachspiel mit essbaren Schokoladeschachfiguren mit seiner Freundin überrascht wurde. Während die von Chandler erfundenen Mannsbilder ein starkes Auftreten haben und Alkohol zum Alltag gehört, wird Jackie Kottwitz sogar von mäßigem Alkoholkonsum umgehauen. Aber wie sein Zusammensein mit der Komtesse zeigt, ist Jackie Kottwitz einfach zu höflich, um ein Getränk abzulehnen.

Die beiden hier an zweiter und dritter Stelle veröffentlichten Alben Die Komtesse und Der Brief bilden einen Zweiteiler. Es geht außerdem sehr familiär weiter, obwohl es zu Beginn wieder einmal nach einer ganz anderen Richtung aussieht. Jackie Kottwitz findet auf dem Flohmarkt ein kleines Gemälde, das er wieder besseres Wissen für zu viel Geld ersteht, nur um festzustellen, dass es einen weitaus höheren Wert haben könnte. Aber, wie kommt ein derartig kostbares Gemälde auf einen Flohmarkt?

Orca nennt sich der Maler, der Jackie Kottwitz bislang unbekannt ist. Autor und Zeichner Alain Dodier hat als künstlerische Vorlage für den künstlerischen Stil des fiktiven Malers die verstorbene Künstlerin Tamara de Lempicka herangezogen. In der klaren Linie fallen die kleinen Gemälde, zwei werden gezeigt, außerordentlich durch die Verspieltheit des Art Deco auf. Die abgebildeten Frauen haben einen wuchtigen, statuenhaften Charakter und lenken den Blick durch einen sehr kühlen Ausdruck auf sich. Die Recherche nach dem Maler durch den jungen Privatdetektiv führt zur Komtesse und einmal mehr in einen Fall, in den Jackie Kottwitz nach Art der schwarzen Serie viel zu eng verstreckt wird.

Mit seiner klaren Linie gelingen Alain Dodier wunderbare Portraits. Die große Individualität seiner Zeichnungen findet sich in den Charakterbeschreibungen wieder. Originell sind weiterhin die Entwicklungen der Krimis mit Jackie Kottwitz, die mit den vorliegenden drei Fällen (bzw. einer und ein doppelter) von Alain Dodier komplett gestaltet, geschrieben und gezeichnet wurden. In der letzten Geschichte, Der Brief, fällt Jackies Freundin Babette eine größere Rolle zu, die sie so gut ausfüllt, dass man sich unwillkürlich die Frage stellt, ob da nicht einmal ein Spin-off für Alain Dodier interessant wäre … Tolle Krimis, mehr Georges Simenon als Raymond Chandler. :-)

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