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Comic Blog


Sonntag, 07. November 2021

FIVE YEARS

Filed under: Thriller — Michael um 15:46

FIVE YEARSWLASI ist wie der PROTOTYP eines Angestellten im russischen Geheimdienst. Kühl, berechnend, maßlos neugierig. Ein Mädchen namens ZOE, im nordamerikanischen Raum sozialisiert, gerät in seine Fänge. Sie ist überhaupt nicht von ihm beeindruckt. Er hat gesehen, wie sie einen Mann in einer Kirche umgebracht hat. Er ist fasziniert. Offenbar existieren abseits seienr über die Jahre gesammelten Erfahrungen Dinge, die sich bislang seiner Kenntnis entzogen. Und WLASI scheint nicht im Geringsten zu ahnen, in welcher Lebensgefahr er sich wirklich befindet …

Man stelle sich vor, in fünf Jahren gehe nicht nur die Welt zum Teufel (oder sonstwo hin), nein, einfach alles würde verschwinden, verbrennen, zerbröseln. Chancen auf einen Neubeginn, einen neuen Urknall: Null. Bei TERRY MOORE ist eine ganz besondere Bombe für dieses riesige Fiasko verantwortlich. Und ausgerechnet seine Schöpfungen aus den Publikationen wie RACHEL RISING, STRANGERS IN PARADISE, ECHO und MOTOR GIRL wissen, dass der große Knall kommen wird. Also lässt er alle zur Rettung der Welt zusammenkommen.

Wer ein Fan von TERRY MOORES Werken ist, hat vielleicht den einen oder anderen Lieblingscharakter. Meine enstammen der siebenbändigen Serie RACHEL RISING. Allen voran geht RACHEL vorneweg, die junge Frau, die nicht mehr sterben kann. Eigentlich. Löscht hingegen besagte Bombe alles aus, komplett alles, bringt auch dieses Dasein nichts mehr. Auf dem zweiten Platz, ebenfalls aus RACHEL RISING, steht ZOE, ein mörderisches Mädchen, die das SLASHER-GENRE erfunden haben könnte (siehe auch Titelbild, erste Reihe, das Mädchen mit dem Beil). Die beiden werden in Mütterchen Russland eingesetzt, um die so genannte PHI-BOMBE zu stoppen.

An TERRY MOORES Arbeiten, der eben nicht nur zeichnet, sondern seine Geschichten auch schreibt, mag ich den zuweilen sehr schwarzen Humor. RACHEL und ZOE nehmen auch hier einen Großteil dieses düsteren Elementes mit. Andere Figuren stehen mehr für echtes Drama. Wenn eine Familie eine vorübergehende Trennung in Kauf nehmen muss und nicht sicher sein kann, ob die andere von ihrem Einsatz zurückkehren wird. JULIE und IVY, einst Feindinnen (in ECHO), arbeiten nun zusammen, trotzdem ist Vorsicht geboten, denn JULIES Kräfte können bei Menschen, die ihr zu nah kommen, Krebs auslösen. TERRY MOORES Figuren haben, so könnte man es umschreiben, haben ein gewisses Handicap, eine Eigenschaft, die sie daran hindert, ein für das gesellschaftliche Umfeld normales Leben zu führen.

Die Aufgabe der Frauen ist schon groß, wird jedoch noch durch die unterschiedlichen Eigenschaften erschwert. Aber es hält auch die Spannung durchweg hoch. Leser, die TERRY MOORE und seine Werke bislang nicht kannten, werden es ebenfalls schwer haben. Das hauseigene Crossover, das TERRY MOORE seinen Figuren beschert, erfordert Vorkenntnisse. Ich hatte Vorfreude auf das Erscheinen mancher Charaktere. Wenn MOTOR GIRL und ihr Kumpel auftauchen, macht das Spaß für Stammleser, Unkundige werden vielleicht etwas ratlos zurückbleiben.

Die Handlung schwankt zwischen Thriller und Mystery. Teilweise ist es eine Agentengeschichte. Andererseits kommen übernatürliche Elemente ins Spiel. TERRY MOORE durchbricht spielerisch sattsam bekannte Muster mit seinen Figuren. So wird Unvorhersehbarkeit zum Programm. Man kann sich als Leser nicht darauf verlassen, dass das Team die eigens gestellte Aufgabe, die Abwendung des Weltuntergangs schaffen wird. Gleich zu Beginn erfährt der Leser, wie die Apokalypse aussehen könnte. Hier werden also bereits Vorstellungen geschürt. Kurz: Der Weltuntergang ist grauenvoll und sehr schmerzhaft. (Man erinnere sich an SARAH CONNORS VISIONEN des JÜNGSTEN GERICHTS. TERRY MOORES VERSION ist fast eine Hommage an diese legendäre Filmszene.)

Ich mag die Kleinigkeiten in TERRY MOORES Szenen. Es sind nicht unbedingt Ereignisse, die die Handlung voranbringen. Es sind eher solche Szenen, Details, die den Geschehnissen einen kleinen Schubs geben. Wenn nach einem Mord ein TODESENGEL erscheint, um sich die SEELE DES TOTEN einzuverleiben, bleibt das im Gedächtnis. Wenn eine muskulöse Blondine höfliches Verhalten gegenüber Männern übt, sind das heitere Elemente, die einen zum Schmunzeln bringen.

Eine geballte Ladung gewöhnlicher und ungewöhnlicher Charaktere mit einer gemeinsamen Mission. Das zündet besonders aus FAN-Sicht. Bei genauer Betrachtung meint man sogar zu erkennen, wo TERRY MOORES Vorlieben bei den eigenen Figuren liegen (ZOE ist zweifellos eine davon). Fast rückt die gestellte Aufgabe etwas in den Hintergrund, steht doch tatsächlich mehr das WIE als das OB im Vordergrund. Gewohnt schön und sicher von TERRY MOORE illustriert, treffen hier THRILLER und MYSTERY fein abgestimmt aufeinander. Klasse! 🙂

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Freitag, 15. Oktober 2021

FAKE STORY

Filed under: Thriller — Michael um 21:45

FAKE STORY30. Oktober 1938. Ein korpulenter Junge, eine Gasmaske auf dem Gesicht, mit einer Pistole in der Hand und einer Schussverletzung in der Brust wird nachts auf der Straße von einem Auto angefahren. Sichtlich verwirrt stammelt der Junge etwas von Marsmenschen. Niemand weiß zunächst mit diesen Worten etwas anzufangen. Wenig später liegt der Junge im Krankenhaus. Sein komatöser Zustand macht jede Vernehmung unmöglich. Auch eine Operation scheint in weiter Ferne, denn die Kugel in seiner Brust steckt zu nahe am Herzen …

Das wohl bekannteste Hörspiel der Welt bildet die Grundlage der Comic-Adation von DOUGLAS BURROUGHS‘ Roman FAKE STORY. Der Roman hingegen ist ebenfalls ein FAKE. Gut inszeniert von LAURENT GALADON und JEAN-DENIS PENDANX. Nicht alle mögen das Hörspiel KRIEG DER WELTEN von ORSON WELLES gehört haben. Das Stück Radiogeschichte ist an den gleichnamigen Roman von H.G. WELLS angelehnt. Das ist kein FAKE.

Noch nie vom KRIEG DER WELTEN gehört? In Kurzform: Marsianer greifen die Erde an. Sie wollen die Erde erobern. Die Menschen sind dabei im Weg und werden gnadenlos vernichtet. Am Ende sind es nicht die Menschen, die den Krieg gewinnen, sondern Mikroben, Bakterien, Viren machen dem extraterrestrischen Gegner den Garaus. So jedenfalls im Original von H.G. WELLS. ORSON WELLES machte daraus eine Hörspielversion in Form einer Radioreportage im Jahre 1938. Die Welt lag damals in den Wehen eines heraufziehenden Zweiten Weltkriegs, die Nerven lagen blank und plötzlich berichtete das RADIO live von einer außerirdischen INVASION. Das war blanker Horror, denn so mancher begriff die Übertragung NICHT als Hörspiel.

FAKE STORY nimmt sich eines Ereignisses an, das sich im Laufe und der Folge der Hörspielsendung zugetragen haben soll. Nun, eigentlich beginnt die Handlung sogar noch vor der Sendung, aber das wird erst während der Ermittlung zum Geschehen deutlich. Der Journalist und Autor DOUGLAS BURROUGHS soll im Auftrag des Senders CBS herausfinden, ob sich tatsächlich wegen des Hörspiels eine Familientragödie abgespielt hat, in deren Verlauf der Vater und die Mutter des Jugendlichen TED OATES zu Tode kamen. Der Junge selbst liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

DOUGLAS BURROUGHS trifft aus der Großstadt NEW YORK im kleinstädtischen GROVERS MILL ein, wo, dem Hörspiel zufolge, die INVASION der MARSIANER stattgefunden haben soll. Zuerst entdeckt der JOURNALIST nur das übliche Gemisch aus Wissen, Nichtwissen, Hörensagen und Gerüchten. Die Wahrheit liegt natürlich viel tiefer vergraben und hat rein gar nichts mit Außerirdischen zu tun. Doch das wird dem Leser allzu schnell klar. Und wenn die Wahrheit ans Licht drängt, ist die Geschichte noch lange nicht vorbei.

LAURENT GALADON, Szenarist, und Illustrator JEAN-DENIS PENDANX nehmen den Leser mit ins Jahr 1938. In NEW YORK lebt man massenorientiert der Zukunft entgegen. In GROVERS MILL, dem späteren Handlungsort, hält die Zeit noch den Atem an. Man begnügt sich mit zwei Polizisten. Nachbarn haben ein Auge auf ihre Umgegend. Im Lokaljournalismus ist das Handwerk etwas schludderig ausgeprägt. Die Sensation liegt im Blick, nicht unbedingt die nervenaufreibendere Wahrheit. Doch DOUGLAS BURROUGHS vergräbt sich in diese Welt, die mit dem CHARME ALTER FOTOGRAFIEN jener Ära daherkommt.

JEAN-DENIS PENDANX‘ Grafiken vermitteln einen handgemachten, uncomputerisierten Eindruck. Gouache, vielleicht Aquarellfarben mögen hier Verwendung gefunden haben. Mit leichtem Strich lässt JEAN-DENIS PENDANX Charakterköpfe und -gestalten entstehen. DOUGLAS BURROUGHS, der ermittelnde Großstädter, hager und abgeklärt, agiert mit detektivischer Sicherheit und optisch nüchternem Auftreten. Er ist der Mann, der Eventualitäten abwägt, sorgsam Beweise sammelt, die richtigen Schlüsse zieht. Ganz anders sein Pendant, die junge REPORTERIN der HEATHCOTE NEWS, ARETHA MILLER. Wenn sie auf ihrem Motorrad zum Tatort düst, mit Beteiligten wie der jungen ORNELLA YATES spricht, hält die starke zur Schau getragene Neugier so manchen auf Abstand und zwingt teilweise sogar zum Widerstand. All das transportieren die Bilder von JEAN-DENIS PENDANX, ohne dass es einer weiteren Erklärung bedarf.

Ein warmer, märchenhafter Vintage-Retro-Look verbirgt das Bitterböse im Kern und das vordergründig Offensichtliche der Handlung. FAKE STORY ist in diesen Zeiten sicherlich kein zufällig ausgewählter Titel. Zu jeglicher Zeit existierte die Bereitschaft das Unglaubhafte zu glauben, wenn Unwissenheit das Fundament bildet. Und sogar ein innerer Zwang jeder Korrektur des Unwissens entgegensteht. Das hier so eingefangene Bitterböse andererseits besitzt ähnlich aktuelle Bezüge und genügend historische Beispiele, leider.

Vordergründig leichtfüßig, hintergründig abgründig. Die schönen, stimmungsvollen Illustrationen von JEAN-DENIS PENDANX tragen eine düster-tragische Handlung, die Krimi und Drama zugleich ist. Das Szenario von LAURENT GALADON schärft durch die Verwendung einer vergangenen Zeit für die Geschichte den Blick auf aktuelles Geschehen. So ganz nebenbei. 🙂

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Sonntag, 10. Oktober 2021

CONAN – GESCHICHTEN AUS CIMMERIA

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:56

CONAN - GESCHICHTEN AUS CIMMERIACONAN versucht noch mit seinen Rausch der letzten Nacht fertig zu werden, als ihm ein Angebot gemacht wird. Leider beinhaltet der Auftrag MAGIE. CONAN hält sich allzu gern von solchen Umständen fern. SCHWERTER und MAGIE vertragen sich nicht. Außerdem sehen jene, die ihm das Angebot unterbreiten, wie blutige Anfänger auf dem Gebiet der MAGIE aus. Davon lässt man sowieso besser die Finger. Und CONAN soll Recht behalten …

CONAN ist ein Phänomen innerhalb einer Reihe von Helden, denen eine jahrzehntelange Existenz innerhalb der Pulp-Unterhaltung zuteil wurden. Erschaffen einst von ROBERT E. HOWARD, der wie so manche Autoren den dauerhaften Erfolg der Figur nicht mehr miterleben konnte. Dabei ist CONAN sehr einfach gestrickt. Die Geschichten hier kokettieren teils mit diesem Charakterschema.

Bekannte Autoren wie ROY THOMAS, KURT BUSIEK, KEVIN EASTMAN, CHRIS CLAREMONT, STEVEN S. DEKNIGHT und ESAD RIBIC steuern die Abenteuer des Barbaren bei. ESAD RIBIC macht den Einstieg außerdem als Allrounder, indem er die Story nicht nur schreibt, sondern auch darüber hinaus komplett künstlerisch gestaltet. Das erste Ergebnis, die erste Kurzgeschichte ist denn auch ein richtiger Kracher (im grafischen Stil eines VINCENTE SEGRELLES). Gänzlich ohne (verständliche) Worte verfolgt der Leser den Reifungsprozess des Cimmeriers vom Jungen zum Mann und schließlich zum Krieger. In einer Welt der Gefahren, einer lebensfeindlichen Umgebung, samt Raubtieren, tierischen und menschlichen, wächst CONAN heran. Ständig werden seine Kräfte und sein Mut gefordert. Jedes Mal triumphiert er, nicht ohne Verletzungen, bis es schließlich so aussieht, als würde jedes Aufraffen noch doch im Keim erstickt.

In der Geschichte von ESAD RIBIC zeigt sich ein weiterer Kernbestandteil der Figur CONAN. Der BARBAR gibt niemals auf. Dieser Wesenszug zieht sich von der ersten Geschichte, AUFBRUCH, bis zum letzten Abenteuer, SCHIFF DER VERDAMMTEN. STEVEN S. DEKNIGHT bringt dem Leser mit dieser Handlung eine ganz besondere Figur an CONANS Seite zurück: BELIT. Diese Piratenkönigin nimmt einen großen Stellenwert innerhalb der Welt CONANS ein, gehört zu doch zu den Frauen, die den BARBAREN lange Zeit an sich fesseln konnten. Gerade in den Comics wurden die Abenteuer der beiden gern (und sehr gut) behandelt. Wie es nun Sache des vorliegenden Bandes ist, bietet das SCHIFF DER VERDAMMTEN eine Essenz der Beziehung dieser beiden unzähmbaren Charaktere und mischt eine ordentliche Portion MAGIE und HORROR hinzu.

Als CONAN noch Hörner hatte! Bilder solcher Art, auf denen CONAN einen behörnten Helm trägt, verdanken wir ausdrücklich einem Zeichner wie BARRY WINDSOR-SMITH. Mit der Geschichte NACHSPIEL – UND EIN NEUANFFANG greift Illustrator STEVE MCNIVEN das Design des BARBAREN seines Vorgängers auf. CONAN ist hier zwar muskulös, aber er platzt noch nicht vor lauter Bizeps, sondern ist deutlich jünger, drahtiger, insgesamt athletischer. So wirkt er auf dem gezeigten Schlachtfeld agiler, lebensnäher. Das ist ein Bildreigen, teils sehr großformatig, der szenisch den neuen Anforderungen von Leseraugen Rechnung trägt, die von SCHILD-UND-SCHWERT-SERIEN der letzten Jahre geprägt worden sind. Die Action nimmt den Betrachter mitten hinein, teils über die Schulter des BARBAREN hinweg. Manchmal darf er auch einfach nur Mäuschen spielen. Ein toller Look, den man sich einmal über die gesamte Länge eines Albums wünscht.

An anderer Stelle, im Abenteuer, TOD DURCH DAS SCHWERT, trifft der Leser auf einen CONAN, der ebenfalls über ein Schlachtfeld stapft. Aber dieser hier entspricht eher der grafischen Vorlage eines JOHN BUSCEMA (für mich immer noch einer der besten MARVEL-Comic-Künstler). Dieser CONAN kam der späteren Filmumsetzung mit ARNOLD SCHWARZENEGGER am nächsten, wirkte sogar noch grobschlächtiger, brutaler. ROBERTO DE LA TORRE eifert dem klassischen Zeichner aus einer tollen MARVEL-ÄRA in einer sehr finsteren Geschichte nach. Hier hat CHRIS CLAREMONT das Elend einer Schlacht und ihre Nachwirkungen eingefangen. Ein Gespräch schärft den CHARAKTER des CIMMERIERS auf simple und eindrückliche Weise.

Ein toller Querschnitt aus dem Leben des CIMMERIERS CONAN (mit nur einem Durchhänger, aber das ist angesichts der Qualität der übrigen Abenteuer zu verschmerzen). Sicherlich für Fans, aber in jedem Fall sehr gut geeignet, um einfach mal in die Welt des hyborischen Zeitalters hineinzuschnuppern! 🙂

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Mittwoch, 22. September 2021

WOLVERINE: SCHWARZ, WEISS & BLUT

Filed under: Superhelden — Michael um 17:35

WOLVERINE – SCHWARZ, WEISS & BLUTEs ist Winter, ein Baby schreit. WOLVERINE fährt mit seinem Motorrad über eine Landstraße. Niemand sonst ist zu sehen. Über den Motor hinweg hört WOLVERINE das Kleinkind. Flugs ist das Motorrad abgestellt, und der MUTANT rennt in das verschneite Waldgebiet. Keineswegs zu früh, denn die Eltern des Kindes sind bereits tot …

Manchmal genügt eine schwarzweiße Umsetzung eines Comics vollkommen. Vor geraumer Zeit unterzog sich BATMAN bereits diesem Experiment, mit Erfolg. Zahlreiche Comics, die eine große Leserschar um sich versammeln konnten, warteten mit rein schwarzweißen Zeichnungen auf. In Italien hat diese Form Tradition. Kurzum, in der Mehrzahl der Fälle, fallen die Ergebnisse sehenswert aus. Nun also hat WOLVERINE seinen schwarzweißen Auftritt. Aber er ist eben auch WOLVERINE und nicht irgendein Superheld. WOLVERINE findet sich mit seinen sechs Adamantiumkrallen häufig in Gemetzeln wieder. Unzählbar sind die Verletzungen, die der MUTANT schon dank seiner SELBSTHEILUNGSFÄHIGKEIT überstehen konnte. Und eines tritt immer aufs Neue zutage: BLUT! Dieser besonderen Komponente nimmt sich diese SONDERAUSGABE in ALBENGRÖSSE an.

WOLVERINE: SCHWARZ, WEISS & BLUT. Verschiedene Autoren und Zeichner präsentieren hier ihre Ansichten eines Comic-Charakters, dessen Komplexität nicht unerreicht, aber verdammt groß ist. Vom bestialischen Killer bis zur treu sorgenden Vaterfigur ist alles dabei. Besonders angesichts seiner, auch in diesem Band gezeigten, Brutalität ist es fast schon kurios, dass WOLVERINE nicht einen ähnlichen Weg beschritten hat wie ein SABRETOOTH. Gerade dieser MUTANT kreuzte häufiger WOLVERINES Pfade, besitzt ähnliche Fähigkeiten, verdingt sich jedoch lieber als Auftragskiller. In der Kurzgeschichte UNERLEDIGTE GESCHÄFTE stehen sich die beiden gegenüber. Kompromisslos hart von VITA AYALA erzählt, noch härter gezeichnet von GREG LAND.

BLUTROT ist die zugesetzte Farbe. In den seltensten Fällen wird sie für ein Getränk oder eine Haarfarbe verwendet (wie bei MYSTIQUE). Bereits das Titelbild geizt nicht mit BLUTROT und setzt es sogar als spiegelnde Oberfläche für einen vor Blut triefenden WOLVERINE ein. HYDRA, BANDENMITGLIEDER, der SILVER SAMURAI, ein WEISSER HAI, ein TYRANNOSAURUS REX und einige mehr bereichern die Gegnerschaft des wölfischen MUTANTEN. Die Geschichten sind knackig, auf den Punkt erzählt. Zeit für Lückenfüller bleibt hier nicht. Allen ist gemeinsam, einen strikten Vorwärtskurs zu halten. Überraschungen gibt es dennoch. Sogar in der Thematik der Geschichten selbst. Nimmt man den Thriller ROT SEHEN, könnte man glauben, es mit einer Hommage an ein Horror-Franchise wie SAW zu tun zu haben.

Auffallend ist, dass besonders Zeichner die Gelegenheit nutzen, um sich auszutoben. Das Albenformat macht es noch interessanter. Ganzseitige Illustrationen, oder mindestens halbseitig bringen optisch eine viel größere Dynamik. Selbst eine Aufteilung in vier Panels lässt im Gegensatz zum normalen Heft-Comic-Format viel Luft, expressiven Raum, der das Auge des Lesers regelrecht anzuspringen vermag. PAULO SIQUEIRA, der bereits erwähnte GREG LAND, ADAM KUBERT, SALVADOR LARROCA und JORGE FORNÉS bringen für mich die herausragendsten Interpretationen des SUPERHELDEN bei.

JORGE FORNÉS ist darüber hinaus erwähnenswert, weil er einer der Zeichner ist, die am besten mit einer rein schwarzweißen Umsetzung des Themas (plus natürlich BLUTROT) umgehen. Ein Zeichner wie GREG LAND arbeitet eigentlich wie immer. Es fehlt lediglich die Farbe. JORGE FORNÉS hingegen lässt sich auf das Spiel mit Licht und Schatten ein. Hart definierte Konturen dominieren. Zeitweilig fühlt man sich an chinesisches SCHATTENTHEATER erinnert. Zugleich besitzt es fast eine Optik wie die filmische Umsetzung von SIN CITY (nicht der Comic, der weißt wieder ganz eigene Qualitäten auf). WOLVERINE und MARIKO agieren hier wortlos wie auf einer Bühne. Text gibt es nur abseits vom Erzähler (WOLVERINE). Aber Dialoge kommen nicht vor.

Das knallt! Sehr komprimierte Erzählungen, Abenteuer, Thriller. Alles konzentriert sich auf WOLVERINE. Ein paar bekannte Schurken und Partner kommen vor, sind aber nur Zuspieler, nehmen der Figur WOLVERINE nichts weg. Das dürfte selbst Fans von langen, über mehrere Hefte reichende Geschichten bannen. Die Optik und grafische Finesse ist fast über die gesamte Länge des Bandes toll bis grandios. SCHWARZWEISS wird zuweilen als Experiment im Comic benutzt. Hier ist es zu einer einhundert Prozent geglückt! 🙂

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Dienstag, 07. September 2021

FEAR AGENT 3

Filed under: SciFi — Michael um 12:48

FEAR AGENT 3Gerade haben sich HEATH HUSTON und sein russischer Kumpel noch mit außerirdischen Kreaturen herumgeschlagen. Der Kampf gegen diese wie riesige Insekten aussehenden Monstren endete mit einem gewaltigen BLACKOUT. Das Erwachen war kein böses, eher ein seltsames. Plötzlich war da DER WILDE WESTEN. Menschen halfen ihm. Ein junge Frau päppelt ihn auf, verarztet ihn. Badet ihn. Und versucht ihn dann zu ersäufen …

Helden ist der Undank ein Lohn. Davon wusste schon TOWN MARSHAL WILL KANE (GARY GOOPER in 12 UHR MITTAGS) ein Lied zu singen. Und HEATH HUSTON, der FEAR AGENT, weiß es ebenfalls. Doch manchmal entscheidet sich das Schicksal anders und reagiert freundlicher als angenommen oder befürchtet. HEATH HUSTON landet im WILDEN WESTEN. Nicht ganz der WILDE WESTEN, der ihm von der ERDE her bekannt ist. Außerirdische COWBOYS gab es dort weniger (oder gar nicht). Aber HEATH HUSTON ist bereit, über dieses Detail hinweg zu sehen. Alles dort fühlt sich nach einer zweiten Chance an. Einer Chance an der Seite seiner geliebten Frau.

Blick zurück nach vorn. Wer ist HEATH HUSTON? Wann? Und wie viele? Es ist faszinierend, wie RICK REMENDER, Autor und mitunter auch Layouter von FEAR AGENT, mit den Gefühlen und Wünschen seiner Hauptfigur spielt, welche Realitäten und Zeitebenen er ihr zur Verfügung stellt, um sich fein und immer wieder ungewöhnlich zu entfalten. RICK REMENDER zeigt dem Leser hier, wie ein HEATH HUSTON sein könnte, wenn das Schicksal ihm eine neue Chance gibt. Und er zeigt, was ein HEATH HUSTON anstellt, der sich einen Deut um eine zweite Chance schert. Das wäre schon Stoff genug für ein Abenteuer. Was aber geschieht, zwei solche HEATH HUSTONS aufeinandertreffen?

Wie in den vorangegangenen Bänden besteht auch der dritte aus zwei Storylines, nämlich ICH GEGEN MICH und AUS DEM SCHRITT. Diese SPACE PULP SOAP ist deswegen so bemerkenswert, weil sie von Anfang an nicht auf ein Setting gesetzt hat, sondern direkt klar machte, dass in FEAR AGENT eine Geschichte nicht den üblichen Regeln folgt, sondern diese beugt und bricht, wo und wie es spannungs- und überraschungsfördernd ist. RICK REMENDER kann inzwischen auf ein reichhaltiges Comic-Portfolio zurückschauen. Vieles von ihm erschien bei MARVEL, IMAGE COMICS und DARK HORSE, aber auch anderweitig können Action-Fans auf ihn gestoßen sein, so zum Beispiel mit der Comic-Serie (und inzwischen auch Fernsehserie) DEADLY CLASS.

HEATH HUSTON ist einer dieser Charaktere, die irgendwann Amok laufen. Könnte man meinen. Die Voraussetzungen sind (reichlich) vorhanden. Die eigene Welt verloren. Ein komplettes anderes Volk ausgelöscht und das nicht richtig verarbeitet. Den Rest des Universums gegen sich. Die eigene Frau auch. Die Tochter ebenso. Und irgendwie trachtet ihm gefühlt sowieso jeder nach dem Leben. Warum also nicht den anderen zuvorkommen? Aber vorher noch zur Flasche greifen, ein wenig Selbstmitleid einstreuen und der eigenen Verzweiflung nachhängen. RICK REMENDER hat, objektiv betrachtet, vor dem Hintergrund des dritten Bandes, nicht gerade eine Sympathiefigur geschaffen. Trotzdem bleibt man als Leser bei HEATH HUSTON, denn der FEAR AGENT ist vor allem eines nicht. Er ist KEIN AUFGEBER.

RICK REMENDER ist ein Erzähler mit Blick für viele, viele Einzelheiten. Verweise in die Vergangenheit werden verarbeitet. Wechsel von Zeitebenen und Orten sind bei ihm Programm. Seine Serien sind nichts für Späteinsteiger. Man muss als Leser von Anfang an dabei sein. Die Rahmenhandlung im zweiten Teil des Bandes, AUS DEM SCHRITT, unterstreicht diese These. HEATH HUSTON ist alt geworden. Zeitreisen können einen menschlichen Körper über Gebühr beanspruchen (siehe auch Titelbild). Und sich dem Suff zu ergeben, macht es nicht besser. Aber als Leser leidet man mit HEATH HUSTON, einem Mann, der buchstäblich alles verloren hat. RICK REMENDER zeigt noch mehr. Denn der Glaube an einen solchen Zustand kann trügerisch sein. Tatsächlich kann man(n) noch mehr verlieren.

Ein Großteil der Zeichnungen entfällt auf TONY MOORE, sein Kollege MIKE HAWTHORNE übernimmt den Rest und gleichzeitig den leicht derben, anarchischen Zeichenstil, der gleichzeitig den Realismus mitnimmt und andererseits sich keine Grenzen auferlegen will. So ergeben sich organische, pulsierende Seiten, immer neu strukturiert. Als Leser gewinnt man den Eindruck, als nutze TONY MOORE (und MIKE HAWTHORNE) jedes dramatischen Thema, um eine neue Note in den Bildern anzuschlagen, FEAR AGENT optisch neu zu erfinden.

Starke SPACE OPERA mit vielen düsteren Untertönen, wie ein Tarantino mit Brecht gewürzt und einer Spur Wayne, einer Prise Pilcher (für die Liebe und die Familienszenen). Ein Page-Turner zweifellos allein schon wegen seiner packenden Geschichte. Optisch eine tolle Arbeit, weil es Spaß macht zu sehen, wie TONY MOORE eine Comicfigur prägt (und auch genüßlich durch die Mangel dreht). Würde mich nicht wundern, wenn eine Verfilmung von FEAR AGENT eines Tages bei einem Streamingdienst auftaucht. 🙂

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DAS PIN-UP DER B-24 – Band 1 – ALI-LA-CAN

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:29

DAS PIN-UP DER B-24 - Band 1 - ALI-LA-CANFreundschaft im Krieg. Liebe im Krieg. Starke Gefühle in einer Welt am Abgrund. An jedem Tag kann jeder neue Einsatz den Tod mit sich bringen. JOHNNY BUTCHER, FRED OGLALA und GLENN BAXTER gehören zur Besatzung einer B-24, eines Bombers der Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg. Es sind junge Männer mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen, mit verschiedenen gesellschaftlichen Hintergründen. Einer ist der Farmesjunge, ein anderer indianischer Abstammung und mit dem großen Wunsch einmal für eine Zeichentrickfilmfirma zu arbeiten. Der dritte ist Pilot und Geologiestudent. Kurz vor der Abkommandierung nach Italien treffen sie auf die Armeekrankenschwestern ALICE MORALES, CANDY GLOVER und die von vielen Männern umworbene LANA.

Die Männer werden sich einig, ihr Flugzeug mit einem PIN-UP zu verzieren, eine gängige Praxis jener Tage. Teils ein Wunschtraum, die an Bord ihren Dienst versehen, teils aber auch ein Maskottchen, als Glücksbringer. Das Äußere der Krankenschwestern verschmilzt grafisch zur Traumfrau ALI-LA-CAN und ziert fortan den Bug der B-24. Und das Bild scheint zu hilfen. Eine geradezu magisch anmutende Glücksserie entfaltet sich für die Besatzung des Flugzeug. Langsam entstehen Gerüchte. Anfeindungen. Andere Besatzungen weigern sich, im selben Verband wie die ALI-LA-CAN zu fliegen. Denn die kehrt immer zurück. Andere nicht …

Bomben können regnen. Technik mag den Verstand der Menschen beflügeln. Aber ein Funken Aberglaube verbleibt immer. JOHNNY, FRED und GLENN haben zwar Glück. Ihnen begegnet die Liebe mitten im Krieg, doch leider ist ihre Glückssträhne nicht von jedem Kameraden akzeptiert. Während die ALI-LA-CAN durch Flagfeuer und die Geschosse von gegnerischen Jagdflugzeugen steuert, explodieren die Maschinen neben ihnen, verlieren ihre Tragflächen und stürzen ab. JACK MANINI, seines Zeichens AUTOR und Verwantwortlicher für die FARBGEBUNG des vorliegenden ersten Bandes des Zweiteilers DAS PIN-UP DER B-24, führt den Leser mit seiner Erzählung tief in die Dramatik des Fliegeralltags in den luftigen Fronten in den Mittelmeerraum unweit der italienischen Küste.

Als Leser weiß man bereits von Beginn an, was mit der ALI-LA-CAN geschehen wird (das soll auch gar kein Geheimnis sein). Wie es geschieht, erfährt der Leser später. Tatsächlich ist es nachher nur ein Detail, denn die Vorgeschichte, zu einem Teil Kriegsabenteuer, zu einem anderen Teil Buddy-Geschichte, zu einem weiteren Teil romantisches Drama, nimmt einen so weit gefangen und ist so gut gut und flüssig erzählt, dass es sehr schade ist, wenn der Rückblick endet und der Sprung zurück in die Gegenwart des Jahres 1959 erfolgt, dem Jahr, in dem sich GLENN BAXTER fragt, was aus seinen Kameraden geworden ist.

Ich muss sagen, dass einen diese Frage wirklich beschäftigt, als habe man soeben einen sehr intensiven Roman oder einen ziemlich dramatischen Film (oder eine Serie) gesehen. JACK MANINI ist hier eine schöne Geschichte gelungen, von der sich nicht sagen lässt, wohin sie im zweiten Band führen wird.

Maßgeblich am tollen Ergebnis von DAS PIN-UP DER B-24 beteiligt ist Zeichner MICHEL CHEVEREAU, der den Figuren ein höchst individuelles Aussehen verschafft und so die Buddys und ihre Freundinnen regelrecht zum Leben erweckt. Bereits die sehr kurzen Einführungen der drei Figuren, gerade einmal eineinhalb Seiten lang, finde ich so gelungen, dass ich mir gewünscht hätte, JACK MANINI und MICHEL CHEVEREAU hätten der Zeitspanne vor dem Kriegseinsatz noch mehr Raum gegönnt (oder gönnen können).

Eine abwechslungsreiche Atmosphäre bestimmt den kompletten Band. Ob es nun die Kriegseinsätze sind, das soldatische Miteinander, die friedlichen Pausen, die Paare, die einfach nur das Leben genießen wollen und doch immer wieder auch von ihren Vergangenheiten und Erinnerungen vereinnahmt werden. Es entsteht sogar der Eindruck von zeitbezogenen Gesichtern. Wer zum Beispiel Filme der 1940er Jahre mit denen des 21. Jahrhunderts vergleicht, wird sofort einen Unterschied finden, der sich aber nicht recht benennen lässt.

Aber MICHEL CHEVEREAU hat diese Unterschiede bemerkt und verarbeitet. So finden sich in der Figur des GLENN BAXTER Anleihen eines ELVIS PRESLEY oder eines ROCK HUDSON. In JOHNNY BUTCHER lassen sich Ähnlichkeiten zu einem jungen JAMES CAGNEY herstellen. Insgesamt sind es nie Stereotypen, sondern stets Charaktergesichter. Es braucht zu dieser Feststellung nicht einmal erhöhte Aufmerksamkeit, betrachtet man die Besatzungsmitglieder der B-24.

Eine Geschichte über Menschen im Krieg, in der Krieg aber nicht das zentrale Thema ist. Drei Freunde finden drei Frauen. Es finden sich drei Liebespaare. Amerikaner planen in Italien unter ständiger Lebensgefahr eine Zukunft. JACK MANINI erzählt vorbildlich, sehr gut, schafft Charaktere, die den Leser schlicht mitziehen. MICHEL CHEVEREAU gibt den Figuren Gesichter, die echt, aus dem Leben gegriffen wirken. Durchweg klasse. Wer im Comic fein erzähltes Drama mag, sollte sich von der Kriegsthematik nicht täuschen lassen. Die ist nur sekundär. 🙂

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Dienstag, 17. August 2021

SPIDER-MAN NOIR – BERLIN BIS BABYLON

Filed under: Superhelden — Michael um 13:32

SPIDER-MAN NOIR – BERLIN BIS BABYLONEs regnet in Strömen in NEW YORK. Ein ganz normaler Tag mit einer ganz normalen Verfolgungsjagd auf den Straßen. Das Knallen einer Schießerei hallt die Wolkenkratzer herauf. Oben an einem Fenster hört ein junger Mann die für andere menschen verstörenden Geräusche. Nicht in meiner Stadt! Nicht meine Bank! Nicht in meiner Straße! Flugs ist eine schwarze Maske über das Gesicht gezogen. An einem Spinnenfaden schwingt sich SPIDER-MAN NOIR hinab, zieht seine beiden Pistolen und stoppt die flüchtigen Bankräuber, rabiat und endgültig. Ein ganz normaler Tag in NEW YORK für PETER PARKER – im Jahre 1939!

Dank des SPIDER-VERSE ist der MARVEL-FAN inzwischen mit sehr vielen Varianten unserer Spinne von nebenan vertraut. Ein paar blieben Randfiguren in der zweiten Reihe, hinter den allseits beliebten PETER PARKER und MILES MORALES. Andere Kreationen stellten sich als zu interessant heraus, um sie wieder ins Abseits der Vergessenheit zu schieben. Eine dieser Kreationen ist SPIDER-MAN NOIR. Diese Variante führt den Leser geradewegs ins Zeitalter des ZWEITEN WELTKRIEGS, einer Epoche, der sich manche Autoren gerne bedienen. (INDIANA JONES zum Beispiel lässt hier vielmals grüßen.)

KURIOS, mit einem Wort. SPANNEND, mit einem zweiten Wort beschrieben. Einen SPIDER-MAN in schwarz kannten wir bereits dank der Symbiose mit VENOM. Einen solchen SPIDER-MAN, als Privatdetektiv, mit Hut und Mantel, sahen wir so noch nicht (außer in besagtem SPIDER-VERSE). Wir befinden uns im Jahre 1939 und der kleine Hinweis auf einen ziemlich bekannten Filmarchäologen ist im Zusammenhang mit der Handlung hier, BERLIN BIS BABYLON untertitelt, nicht verkehrt. Ganz im Gegenteil, wenn, denn man fühlt sich hier und da sehr an INDIANA JONES erinnert. Eine Flugzeugszene ist ohne Zweifel eine Hommage an den Mann mit HUT und PEITSCHE.

Der fantastische Einschlag der Geschichte, der im Verlauf der Handlung immer mehr Raum einnimmt, der letztliche Showdown kann auch nicht die hollywoodsche Inspiration verleugnen. Das passt aber noch ins Bild der SPIDER-MAN-Mythos, wie ihn der Leser aus ursprünglicheren Storylines her kennt. Beispielhaft erwähnt sei hier die von MICHAEL J. STRACZYNSKI entwickelte Handlung um MORLUN und EZEKIEL. Auch dort ist das FEELING weitaus magischer als in sonstigen Handlungssträngen. Doch zuvor gibt es Begegnungen. Nicht nur ein SPIDER-MAN existiert in dieser anderen Welt. Den einen oder anderen Freund und Feind findet der Leser hier ebenfalls.

Ein überaus interessante Variante von Gegnern des schwarzen Spinnenmenschen ist ELECTRO. Der hat so gar nichts mit dem ersten Auftritt von ELECTRO im Comic gemeinsam. Aber, seltsam genug, auch nichts mit der Version, die den Zuschauer von der Kinoleinwand her ansprang. Das hier ist ein Rammbock, muskulöser Knaller mit Schiebermütze, von der Konzeption her nicht uninteressant und sicherlich ins Geschehen passend, aber selbst vor einem verschobenen Universum, zeitlich und stilistisch, wirkt er zu klobig, zu derb. Die Abweichung vom Original ist einfach zu groß.

JUAN FERREYRA ist der Comic-Künstler dieses im Sammelband zusammengefassten Abenteuers. Es heißt NOIR und geht bekanntlich, so begrifflich verwendet, auf die SCHWARZE SERIE HOLLYWOODS zurück. Als die Welt insgesamt noch schwarzweiß war und GUT und BÖSE ebenso klar zu trennen waren. Auf der Leinwand jedenfalls. Mit Stars wie JAMES CAGNEY, HUMPHREY BOGART oder EDWARD G. ROBINSON. Damals entstanden viele Handlungsmuster, die selbst heutzutage noch aufgegriffen werden. Die anfängliche Stimmung der Geschichte, ungefährt bis zur Ankunft in EUROPA, passt zu jenen alten Krimis. Je näher sich die Handlung dem Eintreffen in BABYLON nähert, desto mehr nehmen fantastische Elemente Fahrt auf.

Hauptsächlich in schwarzweiß-grau gehalten, setzen vereinzelte rötliche Farbtupfer Akzente. Weiße Lichter tun ihr Übriges. Das ist in Zeiten, in denen einem in Comics die Farbpaletten nur so um die Ohren fliegen ungewohnt, aber nicht übel. Die Farbreduktion fördert eine Konzentration auf das Wesentliche, ein Aspekt, den sich bereits rein schwarzweiße Produktionen zunutze machen. Das sieht schön aus und hat einen leichten Zeichentrickcharakter. Manchmal blitzt ein wenig WHAT-IF-Feeling durch (siehe das aktuelle MARVEL-Trickfilm-Projekt).

SPIDER-MAN einmal ganz anders. Anderes Outfit, andere Zeit, anderes Vorgehen. Raus aus New York, hinaus in die Welt. Fast eine Mischung aus SPIDER-MAN, Humphrey Boargt und INDIANA JONES. Es wird heldisch, es wird magisch, es wird ganz im Sinne SPIDER-MANS spektakulär. Für Fans des SPIDER-VERSE und von alternativen Realitäten innerhalb von Comic-Universen allgemein. 🙂

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CÉZEMBRE 1 – FREIER HIMMEL

Filed under: Thriller — Michael um 13:21

CÉZEMBRE 1 - FREIER HIMMELAUGUST 1944. Das von den Deutschen besetzte Frankreich. SAINT-MALO. Der Zweite Weltkrieg tritt in seine Endphase ein. Der deutsche Siegszug ist zu Ende. Rückzug und Verteidigung stehen im Vordergrund. In SAINT-MALO wollen die Besatzer die Zeichen noch nicht erkennen, weigern sich, die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Amerikanische Angriffe setzen der Stadt zu. Bomben machen kaum einen Unterschied zwischen Deutschen und Franzosen, die endlich auf ihre Befreiung hoffen. Inmitten dieser unsicheren und chaotischen Zustände versuchen vier Jugendliche ihren Lebensweg zu finden. Überleben. Im Widerstand aktiv sein. Lieben. Jung sein. Doch je mehr sich die Lage für die Deutschen zuspitzt, desto stärker fallen die Repressalien für die Stadtbewohner aus. Hoffnungslosigkeit greift um sich …

Kriege bestimmen die menschliche Geschichte. Aus ihnen erwächst der Wunsch nach Frieden. Meistens. NICOLAS MALFIN greift in seiner Geschichte auf eine Epoche zurück, in der Europa eines der Zentren eines weltweiten Krieges, der historisch für eine unglaubliche Vernichtung an Menschenleben steht. Exemplarisch hat er sich eine Sequenz jener Tage in seinem Heimatland Frankreich herausgesucht. Nicht allzu weit von seinem Geburtsort entfernt dient die Küstenstadt SAINT-MALO, am Ärmelkanal in der Bretagne gelegen, als Kulisse des vorliegenden ersten Bandes von CÉZEMBRE. Namensgebend für die Geschichte ist eine kleine Insel in Küstennähe zu SAINT-MALO.

Vier Jahre vor dem Einsetzen der eigentlichen Handlung, also 1940, muss der junge EWAN beobachten, wie sein Vater ein Fischerboot absichtlich gegen einen Felsen steuert, um die ebenfalls an Bord befindlichen deutschen Soldaten zu töten, nachdem diese bereits einen seiner Männer erschossen haben und nicht zu glauben ist, dass sie ihn nach dieser Tat am Leben lassen werden. Ist die Tat schon schlimm genug, so müssen EWAN und seine Freunde weiterhin tagtäglich mit diesen Besatzern aufwachsen, umgehen, mit ihnen leben lernen und sich Kniffe einfallen lassen, um am Leben zu bleiben. Ohne jemals zu vergessen, was sie mit diesen Mördern anstellen werden, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Die Stimmung in SAINT-MALO wird von NICOLAS MALFIN perfekt eingefangen.

Aber dieser Teil der Handlung ist nur eine Seite der Medaille. Es gibt eben auch solche Menschen, die sich mit den Gegebenheiten arrangieren und sich sogar auf die Seite der Besatzer schlagen. Oder kurz gesagt: Sie werden Kollaborateure. Letztlich eine gesellschaftliche Stellung in einem Krieg, in der einem niemand mehr vertraut. Die eigenen Leute nicht. Die Fremden ebenso wenig, denn Menschen, die das eigene Volk verraten, werden niemals wieder irgendwie vertrauenswürdig sein. Irrglaube, Zerrissenheit, Egoismus treiben einen jungen Mann wie FENEC an. Sicherlich spielt Hass auch noch gehörige Rolle.

Zwei Beispiele für sehr differenzierte Charaktere in einer Reihe von gut umrissenen Figuren. NICOLAS MALFIN tritt hier als Autor UND Illustrator in Erscheinung. Bislang war er hierzulande als Zeichner der überaus erfolgreichen und langlebigen Science-Fiction-Serie GOLDEN CITY bekannt. Seine Arbeit dort wie hier ist absolut exakt zu nennen, stets auf den Punkt. Jeder Strich sitzt. Menschen sind mit klaren, einfachen Linien dargestellt. Optische Unterschiede bei gleichaltrigen Figuren funktionieren bei ähnlichen Staturen meist über Haarfarben oder zum Beispiel Kleidung. Je origineller ein Charakter, umso leichter fällt seine Abgrenzung zu anderen Figuren. Aber das sind die klassischen (zu vernachlässigenden) Schwächen einer ligne claire.

Womit NCOLAS MALFIN stets punktet, ist seine Seiteneinteilung. Stimmungswechsel, Perspektivwechsel. Nahe an Figuren heran, sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Entfernungen verfolgen. In die Totale schwenken, weit herausgehen und den Krieg ins Zentrum rücken, die Machtlosigkeit der Menschen gegen die Maschinen verdeutlichen. Wenn draußen vor der Küste amerikanische Flugzeuge die deutsche Marine angreift. Wenn in der Stadt sich der Widerstand aufbäumt, gar religiöse Verkleidungen wählt, um sich bis zuletzt so getarnt ans Ziel anzuschleichen.

Ein dunkles Kapitel menschlicher Historie, ein spannendes zudem, mit reichlich Thrillerfaktoren versehen. Sehr gut gezeichnet, sehr gut inszeniert, sehr gut ge- und beschrieben. Ein wendungsreicher, kurzweiliger erster Teil, der den zweiten und abschließenden Teil mit Spannung erwarten lässt. Stark! 🙂

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LOIS LANE – Reporterin im Fadenkreuz

Filed under: Superhelden — Michael um 13:02

LOIS LANE - Reporterin im FadenkreuzLOIS LANE ist mit einem Reporter verheiratet. Sie hat einen Sohn, mittlerweile volljährig und sehr verantwortungsbewusst. Aber LOIS LANE ist Reporterin aus Leidenschaft. Das ist nicht einfach nur ein Beruf. Leidenschaft lässt sie Risiken eingehen und Grenzen überschreiten. Natürlich weiß LOIS LANE, dass sie einen Schutzengel hat. Einen außerirdischen Schutzengel sogar. Die Frau, die offiziell mit CLARK KENT verheiratet ist, hat leider ein Problem. Sie wurde dabei beobachtet, wie sie mit SUPERMAN knutschte. (Noch ist seine Geheimidentität nicht gelüftet.) Zweitens will sie sich nicht ständig hinter seinem stählernen Rücken verstecken und so engagiert eine Art Bodyguard-Detektivin: RENEE MONTOYA.

Es kann im Hintergrund von Superheldenabenteuern durchaus ernsthaft zugehen. Publikationen wie GOTHAM CENTRAL oder SLEEPER spielen mit dieser Idee. LOIS LANE war in diesem Zusammenhang eigentlich längst fällig. Die Reporterin, die ein Leben VOR SUPERMAN hatte, nabelt sich sich hier auffällig stark ab. Wenn SUPERMAN auftaucht, kurz nach einem Anschlag (von dem sich nicht sagen lässt, war für sie bestimmt oder an jemand anderes), ist das zwar augenscheinlich hilfreich, aber nicht sonderlich erwünscht. Die leichten Spannungen zwischen dem berühmtesten Comic-Paar überhaupt erreichen hier ein ein spannendes Niveau.

Mehr noch. LOIS LANE gibt sich innerhalb eines oft sehr lichten DC-Universums sehr düster. Klar, es gab unzählige Weltuntergangsszenarien, omnipotente Irre, Invasionen, magische Monster und Zombies. Weil GREG RUCKA den Radius der handelnden Person klein hält, das geografische Umfeld ebenso und sich mehr und mehr in eine Stoßrichtung fokussiert, gerät die Handlung wunderbar dicht und wird ungewöhnlich packend.

Der vorliegende Band umfasst die komplette 12-teilige Miniserie (außerdem findet sich ein kleiner Prolog aus einer anderen Serie). Man merkt der Geschichte ihre Geschlossenheit an. Autor GREG RUCKA folgt einer klar umrissenen Handlung, in der Superhelden nicht nur Randfiguren sind, sondern auch Frauen deutlich im Mittelpunkt stehen. Sie sind einerseits Heldinnen eines Thrillers, andererseits auch gruselige Gegenspielerinnen. Hier wird mit Klischees gespielt. Aus einer attraktiven Gestalt wird plötzlich eine Fratze mit Totenkopf.

MIKE PERKINS, über die gesamte Serie hinweg der Illustrator des Thrillers, erinnert technisch an Kollegen wie MICHAEL LARK (GOTHAM CENTRAL) oder SEAN PHILLIPS (SLEEPER). Hier wird auf natürliche Haltungen von Figuren Wert gelegt. Poser exitieren nicht (allenfalls bei den Superhelden, von denen wird das erwartet, wie etwa von SUPERMAN, der erlösergleich einfach mal in der Luft schwebt). Die Tuscheausführungen von MIKE PERKINS selbst sind nicht fein zu nennen. Es ist eine Technik des harten Strichs. MIKE PERKINS hat Realismus zum Ziel, erreicht diesen auch überwiegend, aber er gibt seinen Zeichnungen auch stets einen Ausdruck mit. Hier gibt es kein Posen, hier gibt es Auftritte.

Meist stellt sich der Eindruck ein, dass es einen Kern einer Szene, eines Bildes, einer Seite gibt. Manchmal würde eine Seite in schwarzweiß ausgeführt reichen, um das Auge zu führen. Manchmal wurde extra Raum für einen speziellen Farbklecks gelassen oder eine hauptsächliche Hintergrundfarbe eine extreme Stimmung erzeugt. Gesichter werden bei einer Beerdigung aus dem Dunkel gerissen, ein außergewöhnlicher Polizeieinsatz wird hautnah miterlebt. Szenen, die einerseits aus dem Rahmen fallen, rahmen alltäglicheres ein, helleres, Übergänge. Aber im Laufe der Handlung verblassen diese Zwischenstimmungen immer mehr.

GREG RUCKA beschleunigt das Tempo, Entdeckungen, Informationen und starke Ereignisse treiben die Handlung voran. Mit ihr zusammen halten die EYE-CATCHER von MIKE PERKINS den Leser auf den Seiten fest. Erst im zwölften Kapitel, das eine Epilog-Stimmung vermittelt, wird es ruhiger. Knäuel werden aufgelöst, Charaktere erhalten eine (verdiente) Belohnung.

LOIS LANE kann mehr als nur ein SIDE-KICK von SUPERMAN zu sein. Nun gut, das wussten Fans des Stählernen schon, aber ganz selten wurde der Ehefrau von CLARK KENT so viel Entfaltungsraum gegeben, den Frauen so viel ernsthafter Platz eingeräumt (als Heldinnen stehen sie ja seit Jahrzehnten in der ersten Reihe). Dicht und düster erzählt von GREG RUCKA, dazu passend von MIKE PERKIN illustriert. Ein Highlight im DC-Universum. 🙂

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Sonntag, 25. Juli 2021

STAR WARS – SONDERBAND 133 – OPERATION STARLIGHT

Filed under: SciFi — Michael um 23:04

STAR WARS - SONDERBAND 133 - OPERATION STARLIGHTLIEUTENANT COMMANDER ELLIAN ZAHRA wurde einst von GROSSMOFF TARKIN höchstpersönlich rekrutiert. Später in Misskredit gefallen und vom GROSSMOFF TARKIN zurückgewiesen, konnte sich ELLIAN ZAHRA niemals das Vertrauen ihres Mentors erneut verdienen. Der Todestern explodierte und GROSSMOFF TARKIN gleich mit ihm. Aber ELLIAN ZAHRA erhält eine neue Chance von niemand geringerem als DARTH VADER persönlich. Die Rebellion zu vernichten, ihr Niederlagen beizubringen, ist nahezu denkungsgleich mit ihren Rachegelüsten. Und eine Person will sie ganz besonders treffen: PRINZESSIN LEIA ORGANA.

Angesiedelt zeitlich nach DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK präsentiert der 133. SONDERBAND aus der STAR-WARS-Reihe die OPERATION STARLIGHT. Die Sicherheitscodes der REBELLION können von den imperialen Streikräften geknackt werden. Fortan steht jede Operation auf der Kippe. Doch C-3PO hat eine Idee. Allerdings, wie kann es anders sein, eine, die nicht ungefährlich ist. Die Geschichte fügt sich nahtlos zwischen die Kinoabenteuer ein. Als Gaststars lassen sich nicht nur LEIA und LUKE SKYWALKER finden, sondern auch LANDO CALRISSIAN und der weitaus weniger bekannte LOBOT geben sich die Ehre. Gerade letzterer hat einen bedeutsamen Auftritt. Von diesem hängt der Erfolg des Unternehmens ab.

LOBOTS Fähigkeiten wurden in DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK gerade einmal angerissen. Hier wird näher darauf eingegangen, ebenso wie auf den Hintergrund der Figur, die sehr wortlos agiert. So auch hier. LOBOT muss nichts sagen. Seine Fähigkeiten werden für einen Trick benötigt. CHARLES SOULE gestattet sich noch einen weiteren Trick (erzählerischer Natur). Der AUTOR schlägt eine Brücke zu DAS ERWACHEN DER MACHT, indem die Familie einer der späteren Hauptfiguren genauer beleuchtet wird. Das fügt sich ein in ein Szenario, das Erinnerungen an eine sehr gelungene Roman-Reihe aus dem STAR-WARS-UNIVERSUM weckt, nämlich jene der X-WING-SONDERSTAFFEL unter dem Kommando von WEDGE ANTILLES. Dieser Kampfpilot, eine überlebende Figur von EPISODE IV-VI, ist gleichfalls hier mit von der Partie.

Das bedeutet, CHARLES SOULE nimmt Fans der ursprünglichen Filme mit und lässt die Youngsters der neuesten Trilogie ebenfalls etwas entdecken. Da gibt es eine Menge Action, vor allem im Weltraum, aber eben auch Herz und Drama, nicht nur familiär, sondern genauso in einer echten Männerfreundschaft.

Gleich zwei Zeichner machen OPERATION STARLIGHT zu einem Highlight unter den besten STAR-WARS-Comics. JESUS SAIZ und JAN BAZALDUA sind sich stilistisch sehr ähnlich und höchst nah am Realismus. Die einheitliche Kolorierung von RACHELLE ROSENBERG zaubert eine runde Sache aus den Vorarbeiten der beiden Zeichner, so dass die Unterschiedlichkeit im Strich erst auf den zweiten Blick auffällt.

Die Stilistik setzt auf einen sehr präzisen Strich und kaschiert nichts mit besonders schwarzen Schattierungen. Das wirkt teils etwas zerbrechlich sowie sehr filmisch. Perspektiven und Optik ist hinsichtlich gezeigter Action an die Kinovorlagen angelehnt und kann sich gerade in Sachen Inszenierung erst recht mit neueren Abenteuern wie THE MANDALORIAN messen. Szenen eines imperialen Enterkommandos und eines Übergriffs auf ein imperiales Museum vermitteln das handgemachte Gefühl, mit dem ebenfalls die zwei Staffeln über den behelmten Kopfgeldjäger die Fans begeistern konnte.

Ja, das fügt sich doch hervorragend in den Kanon ein! Ein recht gruseliger Roboter (gruseliger als ein 4-LOM) macht den Rebellen das Leben schwer. Die Optik ist toll! Autor CHARLES SOULE kennt sich aus. Für alte und neue Fans! Sehr schön! 🙂

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