Zum Inhalt springen


Comic Blog


Samstag, 16. März 2019

BOUNCER Gesamtausgabe 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:43

BOUNCER Gesamtausgabe 1Im Nachtlager der Konföderierten begegnet man dem Ende des Krieges gegen die Union mit Unverständnis, Unglauben. Einer, der nur darauf gewartet hat, dass der Krieg endlich zu Ende ist und er nach Hause gehen kann, wird als Deserteur gefangen genommen und zurückgebracht. CAPTAIN RALTON hat kein Mitleid mit dem Mann, der sich in seiner Verzweiflung immer wieder auf das Ende des Krieges beruft. Seiner Meinung nach gab es nichts mehr zu desertieren, wo sich keine Armeen mehr gegenüber stehen. CAPTAIN RALTON sieht das anders. In einem ungleichen Säbelduell tötet er den Mann ohne einen Funken Gnade …

Eine düstere Familiengeschichte, erdacht von einem Autor, der sich mit bitterbösen, bitterkomischen Geschichten einen Namen gemacht hat: ALEJANDRO JODOROWSKY. Eine Mutter, drei Brüder und ein dunkles Vermächtnis stehen im Kern der beiden hier in der ersten Gesamtausgabe von BOUNCER zusammengefassten Westernabenteuer: EIN DIAMANT FÜRS JENSEITS und DIE GNADE DER HENKER. Auf der anderen Seite steht Comic-Künstler FRANCOIS BOUCQ, hierzulande durch seine Illustrationen zur Thriller-Reihe DER JANITOR bekannt; einige Jahre vorher schon startete BOUNCER (zu Deutsch: Rausschmeißer), den FRANCOIS BOUCQ in bester Westernmanier im Stile eines JEAN GIRAUD oder COLIN WILSON illustrierte.

Den Leser erwartet ein moderner, harter, nach allen Seiten mitleidloser Western im Stile neuerer Serien wie DEADWOOD oder HELL ON WHEELS. Hier wird nichts romantisiert. Ein Haufen der Leute, die den Wilden Westen unsicher machen, sind raue Gesellen. Zynismus, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Gewaltorgien sind an der Tagesordnung. Nur ein toter Feind ist ein guter Feind. Der amerikanische Bürgerkrieg ist gerade erst zu Ende und hat das Land für viele weitere Jahrzehnte abgrundtief geprägt. Eine Horde ehemaliger Soldaten der Konföderation bahnt sich ihren Weg durch das Land mit Mord, Raub und Vergewaltigung. Da erwacht in ihrem Anführer RALTON der alte Hass auf seinen Bruder BLAKE.

Vor Jahren entzweiten sich drei Brüder in Habgier über einen ganz besonderen Diamanten, das KAINSAUGE. HABGIER offenbart sich in diesem Stein als eines der beiden Hauptmotive der beiden Geschichten, die man getrost auch als Doppelfolge bezeichnen kann. RACHE ist das zweite Motiv. Denn ein Junge musste den Mord an seinen Eltern beobachten. Nach einer ungewöhnlichen Lehrzeit sinnt er darauf, die Killer zur Strecke zu bringen. BOUNCER, so viel sei verraten, ist der Lehrmeister des Jungen. Einarmig zwar (wie auch auf dem Titelbild zu erkennen), schleppt er dennoch gleich drei Knarren mit sich herum. BOUNCER ist ein Mann, der alles andere als aufgegeben hat. Und genau diese Lektion erteilt er dem Jungen.

Großartige Szenen: Ich habe in keinem anderen Western-Comic noch keinen besser inszenierten Postkutschenüberfall gesehen als hier (in der Episode DIE GNADE DER HENKER). Einerseits ist es schon schwierig genug, auf vernünftige Weise Rasanz, Geschwindigkeit in Comics darzustellen. Dies mit einer Kutsche und rennenden Pferden zu schaffen, gleichzeitig die Dramatik der Verfolgungsjagd und des kommenden Überfalls einzufangen, ist eine wirkliche Kunst. Kurz darauf, in einer regnerischen Szene eingefangen, wird es schmutzig wie in einem Italowestern.

FRANCOIS BOUCQ hat die Atmosphäre eines Westerns toll eingefangen. Auf der Basis der von ALEJANDRO JODOROWSKY erzählten Geschichte (man glaubt fast, der Autor habe nie etwas anderes gemacht), entfaltet sich stellenweise ein echtes Spektakel. Ein Überfall auf einen Eisenbahnzug und die erwähnten Lehrstunden in Sachen WIE WERDE ICH EIN KILLER sind kinoreif. Die Szenen in Räumen, einer Schule, im Saloon sowie auf den Straßen einer Westernstadt bestechen durch die detailverliebte Gestaltung und, das muss ganz dringend hervorgehoben werden, eine sehr intensive Farbgebung.

BEN DIMAGMALIV und NICOLAS FRUCTUS sind die beiden Spezialisten, die BOUNCER ins beste Licht tauchen. Hier werden nicht nur tageszeitspezifische Farben aufgetragen, oder solche Szenen gestaltet, die sich in der Dämmerung oder bei der Beleuchtung von Petroleumlampen abspielen, hier wird auch bewusst Stimmung erzeugt. Wenn der Junge seine ermordeten Eltern im Licht der untergehenden Sonne findet oder eine Schießerei mit einer geradezu blendend strahlenden Farbgebung untermalt wird, damit eine heldenhafte Tat (aus der Sicht des agierenden Helden) noch hervorgekehrt wird, haben die beiden Koloristen mehr als alles richtig gemacht.

Ein harter WESTERN von ALEJANDRO JODOROWSKY und FRANCOIS BOUCQ. JODOROWSKY ist über das Medium Comic hinaus als Autor bekannt und hat, meiner Meinung nach, hier eine seiner besten Geschichten abgeliefert. Eng mit dem Genre verflochten, extrem nah an den Charakteren, dem historischen Hintergrund und dem Land, was diese Menschen prägt, ist ein fühlbar plastischer WESTERN entstanden, der dank eines herausragenden Illustrationsteams von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. 🙂

BOUNCER GESAMTAUSGABE 1: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Schreiber und Leser.

Freitag, 08. März 2019

DIE NEKTONS – ABENTEURER DER TIEFE

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 20:44

DIE NEKTONS- ABENTEURER DER TIEFEIn den finsteren Tiefen des Meeres, wo kein Licht mehr zu sehen ist, die Sonne ihre Strahlen niemals herabsenden wird, sind die einzigen Leuchtquellen jagende Tiefseefische und die Scheinwerfer eines kleines Unterseebootes. Obwohl die NEKTONS Wissenschaftler sind, überaus neugierig, auch wagemutig und sie ihre Vermutungen bestägt finden wollen, wäre es ihnen vielleicht doch lieber gewesen, wäre diese Entdeckung nicht gerade im Scheinwerferlicht vor ihren Augen aufgetaucht …

Ein filmreifes Erlebnis. Die NEKTONS reihen sich in die abenteuerreifen Familien ein, wie der Genre-Freund von Abenteuer und Science Fiction sie bereits kennenlernen konnte, Stichwort FAMILIE ROBINSON. Gleichzeitig wandelt es auf den Spuren von JULES VERNE. Nicht umsonst hört das Unterseeboot der Familie NEKTON auf den Namen ARONNAX. (Auch der Name des Meereswissenschaftlers aus 20000 MEILEN UNTER DEM MEER; so ziemlich der berühmteste Roman des französischen Schriftstellers.) Es gibt noch viel zu entdecken in den Weltmeeren, Rätsel und merkwürdige Sichtungen gibt es zuhauf, da wundert es nicht, dass sich Autor TOM TAYLOR ausgerechnet den Ozean als Abenteuerspielplatz ausgesucht hat.

An der Seite einer ausgewogenen Familie, toughe, intelligente Eltern und schlauen, draufgängerischen Kindern, geht es hinab in die Tiefe mit einem sehr sicheren Unterseeboot auf die Suche nach DRACHEN. Die vorliegende Ausgabe fasst die beiden im Original erschienenen Bände HERE BE DRAGONS und THE VANISHING ISLAND zusammen. Es fängt relativ harmlos an. Vor der Küste GRÖNLANDS ist nach einem Seebeben zu ungewöhnlichen Sichtungen gekommen. Am Ort des Geschehens angelangt birgt der Fund eines überdimensionalen Zahns den Startschuss für ein sich sehr schnell aufbauendes Abeteuergeschehen.

Süße Nebenfigur: Kann man einem Fisch Kunststücke beibringen? Oder ihn abrichten? ANT, so der Name des Jüngsten der Familie NEKTON, will seinen Fisch JEFFREY das Apportieren lehren. Eingentlich eine sinnvolle Idee, aber ob sie umsetzbar ist bzw. sein wird, soll hier nicht verraten werden. FONTAINE, ANTS ältere Schwester, hält jedenfalls gar nichts von der Idee. Dabei ist sie von Comic-Künstler JAMES BROUWER sehr putzig und sehr amüsant umgesetzt. Ohne allzu sehr an der Mimik des Fisches zu feilen und damit nach DISNEY auszusehen, entlocken JAMES BROUWER und TOM TAYLOR dieser Figur dennoch einen kleinen Charakter.

Gigantisch: Darunter geht es bei den NEKTONS nicht. Jedes der beiden Abenteuer hat sich im Kern ein sehr großes Thema ausgesucht. Grafisch wird von JAMES BROUWER in einer grafisch butterweichen Optik umgesetzt. Hier wird schon die spätere Umsetzung des Trickserien-Events vorweg genommen. Aber ich muss sagen, dass mir die Originaloptik hier noch um Längen besser gefällt, als die spätere mittlerweile typisch gewordene Computeranimationsgrafik. Hier sind die Figuren noch von Hand gemacht und werden von JAMES BROUWER in ein Tiefseeambiente geschickt, das in seinen besten Momenten nicht nur an Klassiker wie ABYSS erinnert und ebensolche Atmosphäre besitzt, wenn es dunkel, klaustrophobisch wird.

Gleichzeitig wird jener schöne klassische Abenteuerzauber eingefangen, wie es JULES VERNE mit 20000 MEILEN UNTER DEM MEER oder REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE vorgemacht hat. Das ist teils ein wenig INDIANA JONES unter Wasser, wenn die Ansichten geheimnisvoller oder auch exotischer werden. JAMES BROUWER setzt gerade die unter Wasser wichtigen Lichteffekte schön ein und reizt die Computerkolorierung zu diesem Zweck perfekt aus.

TOM TAYLOR und JAMES BROUWER haben hier ein feines, spannendes Abenteuer für die ganze Familie auf Comic-Seiten gebannt. Dies hätte ebenso gut die Vorlage zu einem Kinofilm sein können, nicht nur einer Fernsehserie, denn die Optik ist kinotauglich, die Grafik schmeichelt dem Auge und die von JAMES BROUWER gestalteten Figuren sind Sympathiegaranten. Diese hier zusammengefasste Serie aus AUSTRALIEN sei allen Abenteuerfans, die auf der Suche nach kindgerechten Stoffen sind, ans Herz gelegt. 🙂

DIE NEKTONS, ABENTEURER DER TIEFE: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Dani Books.

Donnerstag, 07. März 2019

I.R.$ 18 – KATE’S HELL

Filed under: Thriller — Michael um 11:31

I.R.$ 18 - KATE'S HELLWer ist die Frau, die LARRY MAX belästigt? In welchem Verhältnis stehen all die verschiedenen Frauennamen zueinander, die LARRY MAX bei seinen Recherchen ausgräbt? Was wurde aus diesen Frauen? Wichtiger noch: Wie sah das Schicksal seiner Eltern tatsächlich aus? Was geschah am Tag des Flugzeugabsturzes? LARRY MAX geht unaufhaltsam auf die Lösung eines Geheimnisses zu, mit dem Kopf durch die Wand, doch was ihn am Ende erwartet, darauf ist selbst er nicht gefasst.

LARRY MAX hat es nicht leicht gehabt in seinem Leben, noch ist er je bereit gewesen, den leichten Weg zu nehmen. Die Eltern kamen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Immerhin hat er seine Schwester, die ihm noch Famlie ist und zur Seite steht. STEPHEN DESBERG führt hier den Zweiteiler UNDERCOVER fort. Begonnen hat alles mit Band 17, LARRY’S PARADISE, nun lichten sich die Geheimnisse. Es könnte kaum schlechter für LARRY MAX kommen. Denn sein über viele Jahre aufgebautes Weltbild, die eigene Geschichte wird ziemlich auf den Kopf gestellt.

STEPHEN DESBERG überrascht den Leser nicht nur mit einer sehr dicht erzählten Handlung, er hat auch einige Wendungen parat, die den weltbesten Steuerfahnder so stark in den Mittelpunkt der Geschichte rücken wie lange nicht. Während eine geheimnisvolle Organisation Jagd auf Menschen macht, die sich der Korruption im globalen Stil schuldig gemacht und Milliarden in dunklen Kanälen beiseite geschafft haben, wird LARRY MAX mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Man gewinnt zeitweilig den Eindruck, STEPHEN DESBERG wolle seinen Helden hier demontieren oder zumindest vor einen vollkommenen Neuanfang stellen. Das ist, gemessen an der Langlebigkeit der Serie, eine Technik von STEPHEN DESBERG, die eine Figur wie LARRY MAX gar nicht erst Staub ansetzen lässt.

BERNARD VRANCKEN steht weiterhin für das an die Realität angelehnte Design. Wer die Thrillerserien im Medium Comic in den letzten Jahren (Jahrzehnten eigentlich) verfolgt hat, kann hier sogleich einsteigen (bei einem Zweiteiler, die Kenntnis des jeweils ersten Bandes vorausgesetzt). Gleichzeitig gibt es eine Film-Noir-Stimmung (man beachte das Frauenportrait im Hintergrund des Titelbildes, ein gelungener Hinweis auf dieses Genre), die durch kleine Rückblicke, Erinnerungen befeuert wird und sich farblich in einer graubraunen Tönung absetzen.

Der ernste LARRY MAX: Man sieht es gleich auf dem Titelbild, LARRY MAX ist ein gut aussehender Typ, von der knallharten Sorte und die lachen bekanntlich nicht. Fast nicht. Ein einziges Mal entgleisen LARRY MAX‘ Gesichtszüge. In einem Gespräch mit seiner Schwester kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Viel öfter sieht man nachdenklich, verärgert, kalt, allenfalls freundlich aufgeschlossen, doch kaum mehr wird der Titelfigur von BERNARD VRANCKEN und STEPHEN DESBERG nicht zugestanden. Sogar optisch wird hier deutlich, dass der Leser keine Spassnummer erwarten darf.

STEPHEN DESBERG erzählt einen geradlinigen Thriller mit einem Helden, der in die 18. Runde geht. LARRY MAX hat immer noch seine Geheimnisse und gegen Ende erfährt sein Leben eine Neuausrichtung. Die Serie bleibt und gleichermaßen sich treu. Für Fans und Thriller-Freunde uneingeschränkt zu empfehlen (Band 17, der erste Teil der Doppelfolge, sollte allerdings bekannt sein). 🙂

I.R.$ 18, KATE’S HELL: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Finix Comics.

Mittwoch, 06. März 2019

MONDO REVERSO 1 – CORNELIA & LINDBERGH

Filed under: Abenteuer — Michael um 12:03

MONDO REVERSO 1 - CORNELIA & LINDBERGHDie Sheriffa wollte die Halunkin CORNELIA aus der Stadt heraushaben. Stattdessen wird sie zum Opfer einer Indianerüberfalls. Ein Skalp geht verloren, Männer werden geraubt, CORNELIA kann vorerst entkommen. Aus den Schwierigkeiten ist sie noch lange nicht heraus. Denn wer ein großes Kopfgeld wert ist, sollte Städte meiden. Ein Besuch eines Bordells bringt zeitweilige Freude, endet für CORNELIA aber leider in einer ungeplanten Flucht …

Verdrehte Welt. Die Frauen sind das starke Geschlecht. Die Männer sind das schwache Geschlecht. Jedenfalls nach den Massstäben jener Tage, als der Wilde Westen noch von harten Kerlen erobert wurde, Revolverhelden, Trappern und toughen Siedlern. ARNAUD LE GOUËFFLEC kippt diese Historie. Hier tragen Frauen die Knarren und Männer hübschen sich mit Kleider auf. Männer geraten in Weinkrämpfe angesichts von Indianerüberfällen (Obwohl das sicherlich einige auch damals getan haben; wer kann es ihnen verdenken?). Frauen besuchen männliche Huren. Und es gibt den Trend, dass Frauen sich mitunter als Männer verkleiden, einen Schnurrbart aufmalen und diesen Zustand genießen. Schlussendlich warten noch die Gefühle auf ihren Einsatz, denn ganz gleich welches Geschlecht hier vorneweg marschiert, die Liebe präsentiert eine eigene Rechnung.

In mehreren Kapiteln, ein typischer Serienaufbau des 21. Jahrhunderts, glänzend neu eingebauten MONDO-REVERSO-Schriftzügen (ich liebe diese Spielerei), entsteht für die Figuren in dieser Geschlechterfarce ein recht besonderes Problem. Das ist der Wilde Westen, da gab es Indianer und diese hier leben in derselben archaischen Geschlechterhierarchie wie die Weißen. Aber sie haben ein Mittel gefunden, um die Welt der Weißen gehörig auf den Kopf zu stellen.

ARNAUD LE GOUËFFLEC erzählt nicht nur eine vollkommen verrückte Geschichte (Hätte sich die MONTY PYTHONS noch eine Spur mehr getraut, hätte so etwas dabei herauskommen können.). Er triezt seinen Heldinnen und Helden zudem mit einer unfreiwilligen Geschlechterumwandlung. Da wird es schon mal derb, vulgär, eine Spur MAD. Es scheint, als würde die Geschichte, nachdem sie ARNAUD LE GOUËFFLEC erst einmal ins Rollen gebracht hat, einfach ganz alleine voranlaufen. Denn die beiden Verfolgten, CORNELIA und LINDBERGH, benötigen nur eine Verfolgerin, die Pastorin und Kopfgeldjägerin EMITT HATCHET. Die ist nicht nur sehr gläubig, nie zu Scherzen aufgelegt, sie hasst auch den Rollentausch der Geschlechter, wie sie gleich bei einem Besuch des Saloons DRAG KINGS deutlich macht.

DOMINIQUE BERTAIL verleiht seinen Grafiken mittels Brauntönung einen altmodischen Look, wie von Fotografien jener original historischen Tage her bekannt. Das verleiht den Bilder einen grundsätzlichen Charme, mildert aber kaum die Bissigkeit, das Rotzfreche und die absolut nicht vorhandene politische Korrektheit. Letztlich macht das nichts, denn hier wird nach buchstäblich allen Seiten hin ausgeteilt. Die Figuren bewegen sich auf dem optischen Grad zwischen Realismus und Karikatur. CORNELIA und LINDBERGH mögen die HeldenInnen dieses Bandes sein, der optische Schwerpunkt und augenscheinlich das, was beim Zeichnen den meisten Spaß gemacht hat, sind die Halunkinnen wie EMITT HACHET oder MUMU.

Stilvolle und sehr atmosphärische Hintergründe geben der Geschichte einen schönen Theatereffekt und unterstreichen den Charakter einer bitterbösen Komödie. Im besten Fall gelingt das im Schlupfwinkel von MUMUS Bande, die sich in einer ehemaligen Kirche verschanzt hat. Vom Altar fressen die Schweine, der Beichtstuhl ist verfallen, der Christusfigur am Kreuz wurde ein knochiger Rinderschädel über den Kopf gestülpt. Darüber hinaus lassen die vorzüglich gestalteten Landschaften nichts von den Gegenden vermissen, in denen sich nicht auch alle berühmten Wild-West-Größen wie JOHN WAYNE, JAMES STEWART oder RANDOLPH SCOTT (schöne Karikaturen im Anhang) herumgetrieben haben.

Wer bitterbösen schwarzen Humor mag, der nach allen Seiten hin austeilt, es mag, wenn Klischees völlig durch den Kakao gezogen werden, dem ein paar Anzüglichkeiten nicht peinlich sind und erleben will, wie der bekannte Western gründlich auf den Kopf gestellt wird, ist hier goldrichtig. Mit spitzer Zunge erzählt, klasse illustriert! 🙂

MONDO REVERSO 1, CORNELIA & LINDBERGH: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Schreiber und Leser.

Sonntag, 17. Februar 2019

DAS DING UND DIE FACKEL 1 – FANTASTISCHES DUO

Filed under: Superhelden — Michael um 20:22

DAS DING UND DIE FACKEL 1 – FANTASTISCHES DUOHERCULES ist als Krieger recht verlässlich, als Freund und Saufkumpan ebenfalls, nur ein Geheimnis ist wahrschlich nicht so gut aufgehoben. Aber, er ist eben auch in erster Linie Freund, weshalb er das Geheimnis um einen besonders begabten Arzt lüftet und seine Kumpels BEN GRIMM und JOHNNY STORM zu dieser sehr speziellen Klinik bringt. Weitab von der restlichen Zivilisation versteckt, führt RACHNA KOUL eine Praxis, in der jeder, der es sich leisten kann, Heilung findet. Jeder und so entdeckt JOHNNY STORM, die MENSCHLICHE FACKEL, bei der Ankunft gleich einen alten Bekannten: HYDRO-MAN

Die FANTASTISCHEN VIER gibt es nicht mehr. Die, wie sie zuletzt auch vermehrt hierzulande genannt wurden, FANTASTIC FOUR, haben ihr Comic-Leben hinter sich. Neue Geschichten gibt es nicht mehr. In gewisser Weise hat auch die letzte, recht lieblose Verfilmung mitgeholfen, einem Urgestein der Comic-Unterhaltung den Todesstoß zu versetzen. Ich persönlich finde das äußerst schade, da es sich bei der ehemaligen MARVEL-FIRST-FAMILY um eine der Figurenkonstellationen im Comic-Bereich mit dem wohl größten Potential handelt.

Nun wird ein kleiner neuer Vorstoß gewagt: Wenigstens das DING (BEN GRIMM) und die FACKEL (JOHNNY STORM) kehren auf die Comic-Seiten zurück. Das liebenswerte (wie auch nach dem Unfall bedauernswerte) DING wurde von jeher mit großer Herzensgüte ausgestattet und lange hegte es den verständlichen Wunsch, wieder einmal so auszusehen, bevor es jene Reise ins Weltall und die damit einhergehende Verwandlung in den Steinklotz auf zwei Beinen gab. Dieser Wunsch exisitiert längst nicht mehr. JOHNNY STRORM hingegen, der kleine Bruder von SUSAN STORM (die UNSICHTBARE), wurde es zuteil, die MENSCHLICHE FACKEL zu werden. Von jeher ein Heißblut, eher von Leidenschaften als von der Ratio angetrieben, fiel ihm so ziemlich die Rolle zu, die ihm scheinbar von jeher bestimmt war.

Und nun das: Mit dem Verschwinden des Ehepaares MR FANTASTIC und SUE STORM schwinden die Kräfte der beiden Zurückgelassenen. Aber, vielleicht gibt es eine Heilungschance? Oder ist alles nur eine große Hoffnungsblase? Änderungen sind im MARVEL-Universum inzwischen an der Tagesordnung. Auch in dieser sehr großen Comic-Welt reiht sich Event an Event, befeuert gleichzeitig die Kinoleinwände und Pantoffelkinos. So gibt es hier (wie bei DC) Parallelwelten. Außerdem hat sich diese Welt, in der sich BEN GRIMM und JOHNNY STORM herumtreiben, einigen elementaren Veränderungen stellen müssen.

Ziemlich zentral aufgestellt ist die Wandlung von DR. DOOM in einen eher gemäßigten Zeitgenossen. Dieser, der sich nun als eine Art IRON MAN mit Umhang und Kapuze präsentiert, begegnet den restlichen FANTASTIC 4 mit Milde und Mitleid. Autor CHIP ZDARSKY mag geahnt haben, dass er den Bogen diesbezüglich nicht allzu weit überziehen darf. Dafür gibt es dann das (ein) Paralleluniversum, in dem es einen gänzlich anderen, aber immerhin in alter Form gewalttätigen und übergeschnappten DR. DOOM gibt. Was sich CHIP ZDARSKY hier ausgedacht hat, lässt alte Zeiten sehr ungewöhnlich neu aufleben.

Grafisch ist die vorliegende Ausgabe top! JIM CHEUNG und VALERIO SCHITI rangieren technisch auf dem Niveau eines TERRY DODSON, eines JIM LEE, eines STUART IMMONEN oder auch dem des verstorbenen MIKE WIERINGO. Kurz: Was die Fans hier geboten bekommen, ist feinste Comic-Kunst. So, wie es auf dem Titelbild angekündigt wird, geht es auf den Innenseiten weiter. Das ist in der ersten Hälfte noch recht irdisch und auf eine direkte Fortsetzung angelegt, während die zweite Hälfte eine alternative Realität auslotet (ähnlich wie FANTASTIC 4 – DAS ENDE von ALAN DAVIS), in der es so richtig kracht und weitere Gaststars ihr Stelldichein geben.

Viel Nostalgie gibt es hier zu entdecken, aber gleichermaßen kluge Ansätze für neue Wege, die von den FANTASTIC 2 beschritten werden können. Autor CHIP ZDARSKY offenbart hier bereits den Ideenreichtum, den es dazu braucht. Fein angelegt sind Rückblicke mit verschiedenen Zeichenstilen, auch gruselig anmutende Szenen, die ebenso in eine Horrorstoy münden könnten. Besondere Erwähnung neben den beiden Zeichnern JIM CHEUNG und VALERIO SCHITI verdient Kolorist FRANK MARTIN, der in DAS DING UND DIE FACKEL von Anfang bis Ende ein farbliches Feuerwerk erster Güte abbrennt. So darf das FANATASTISCHE DUO weitermachen! 🙂

DAS DIND UND DIE FACKEL 1, FANTASTISCHES DUO: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Panini Comics.

Montag, 04. Februar 2019

HELLBOY UND DIE B.U.A.P. 1954

Filed under: Horror — Michael um 21:18

HELLBOY UND DIE B.U.A.P. 19541954. HELLBOY bereichert noch die B.U.A.P., die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, mit seinen Fähigkeiten. Der Zweite Weltkrieg liegt ein paar Jahre zurück, dennoch haben haben noch nicht alle offiziellen Verlierer aufgegeben. Man könnte sogar behaupten, dass nicht alle Verlierer in der Abgeschiedenheit ihrer Verstecke überhaupt bemerkt haben, dass sie Verlierer sind. So gerät HELLBOY einmal mehr in die Fänge einer Wehrmacht, die sich mit ungewöhnlichen Techniken und paranormalen Möglichkeiten beschäftigt. Leider kommt der Abkömmling aus der HÖLLE zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt und wird ausgerechnet zum Schlüssel einer merkwürdigen Forschung.

Nach mehreren großen Abenteuern, die global zu nennen sind, auch solchen Ereignissen, die HELLBOY zum Kern seiner Existenz führten, bringt HELLBOY-Erfinder MIKE MIGNOLA und ein Team von Zeichnern eine sehr unterschiedliche Abfolge von Geschichten. Sie beleuchten Geschehnisse, die furchtbare Konsequenzen im Großen haben können, oder mysteriöse Begebenheiten, die Familienkreise durcheinander wirbeln.

HELLBOYS erste Auseinandersetzung, mit der auch das Titelbild des vorliegenden 17. Bandes der Reihe aufmacht, orientiert sich an den guten alten Zeiten der Figur. MIKE MIGNOLA spielte gerne mit dem Mystizismus des Dritten Reiches herum; hier fühlt man sich als Leser in Varianten der letzten Jahre versetzt, Stichwort: IRON SKY. Wer genau hinschaut, wird die aus dem Schnee ragende, etwas altmodisch anmutende UNTERTASSE entdecken. Nach anfänglichen Verweisen auf einen anderen Klassiker, THE THING, werden MIKE MIGNOLA und Erzählerkollege CHRIS ROBERSON selbst nostalgisch und schreiben für Zeichner STEPHEN GREEN eine Steilvorlage. DÜSTER und im weiteren Verlauf mit ordentlichem BUMMS.

Beeindruckend ist DAS VERNUNFTLOSE TIER, eine Geschichte, die sich im engen familiären Umfeld abspielt und eine regelrechte Tragödie herausarbeitet. Ein GEISTERAFFE steht im Zentrum der Ereignisse. Und mehr soll darüber auch nicht verraten werden. Grafisch schafft Zeichner PATRIC REYNOLDS ein wunderbares 50er-Jahre-Gefühl. In seinen Figuren spiegelt sich viel Gefühl, eine innerliche Zerrissenheit wird zu Markte getragen und seine Geisterattacke, von DAVE STUART koloriert (wie auch der ganze Band), ist kurios und spannend gleichermaßen.

Die Mischung macht’s: Nicht nur recht unterschiedliche Zeichner mit einigermaßen familiär orientierten Stilen machen den vorliegenden Band aus. Es ist eine tolle Mischung der Geschichten, die einerseits in die allseits beliebte Feindschaft HELLBOYS gegen den Okkultismus des Dritten Reiches entführt, die beschriebene Familietragödie, sondern eben auch ins ferne HONGKONG, das mit einer gänzlich anderen Mythologie aufwartet. In GEISTERMOND arbeitet Zeichner BRIAN CHURILLA mit einem peppigen Strich, immer noch in der Nähe des Originals, aber mit einer deutlichen Tendenz zu HELLBOYS Animationsausflügen. Es ist toll, wie eine Figur wie HELLBOY zwischen unterschiedlichen Höllenwelten hin und her springt. MIKE MIGNOLA und CHRIS ROBERSON (Autor von iZOMBIE) kreieren hier für den Leser ein abwechslungsreiches, fühlbar exotisch fremdes Szenario, frisch und unverbraucht.

Zum guten Schluss, in einer ganz kleinen Episode, gibt sich Zeichnerlegende RICHARD CORBEN die Ehre. Düster erzählt, in zu einer weiteren Wurzelstrecke von HELLBOY, wenn die Auseinandersetzung mit dunklen Mächten auch zum Kampf mit den ureigenen inneren Dämonen wird. Kurz, prägnant, zum Kern der Figur, sogar ein Stück zur ursprünglichen, heute fast nostalgisch anmutenden Konzeption von MIKE MIGNOLA (in die früher häufiger entführt wurde).

HELLBOY ist nicht umsonst zu einem der Massstäbe für Mystery und Horror innerhalb des Comic-Mediums geworben. Mit einer breit gestreuten Themenvielfalt quer über die globalen Mythologien hat MIKE MIGNOLA die Figur genial über die Jahre am Leben erhalten und oft sogar neu erfunden. Wie teilweise in diesem Band. Klasse! 🙂

HELLBOY UND DIE B.U.A.P. 1954: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Cross Cult.

STAR TREK DISCOVERY 1 – DAS LICHT VON KAHLESS

Filed under: SciFi — Michael um 21:09

STAR TREK DISCOVERY 1 – DAS LICHT VON KAHLESSDie gute alte Zeit ist Fluch und Segen zugleich. Unter den Klingonen gibt es solche, die sich nach alten Tagen sehnen und an die Rückkehr ihres glorreichen Führers KAHLESS in Form eines Nachfolgers glauben. In der korrupten Gesellschaft, in die sich das Klingonische Reich entwickelt, scheint dies aber nicht möglich zu sein. Verrat ist ein bewährtes Mittel, sogar in der Familie kann niemand sicher sein. Die Schwachen werden unterdrückt. Das familiäre Kastensystem verhindert den Aufstieg vieler Klingonen ohne Gnade. T’KUVMA entzieht sich diesem System zumindest zeitweilig. Sein Weg führt ihn zu vielen Prüfungen auf dem Klosterplaneten BORETH. Doch ausgerechnet dort werden die Weichen für sein weiteres Leben an der Spitze der KLINGONEN gestellt …

Die KLINGONEN sind eine der großen Erfindungen innerhalb der Science Fiction. In der anfänglichen Konzeption noch etwas blass geraten, kam mit THE NEXT GENERATION ein ordentlicher Sprung, der nicht zuletzt durch die Figur des WORF getragen wurde. Die engültige Verfeinerung des Konzepts gelang in der Serie DEEP SPACE NINE (in der WORF noch stärker half, die KLINGONEN in den Fokus des STAR-TREK-UNIVERSUMS zu rücken) und natürlich mit STAR TREK VI, das den drohenden Untergang der klingonischen Heimatwelt QO’NOS thematisiert. Mit STAR TREK DISCOVERY, einem zeitlichen Sprung zurück (aus heutiger Sicht) von STAR TREK CLASSIC, wird ein Hauptaugenmerk auf die Beziehung der so verschiedenen Konzeptionen, STERNENFLOTTE und KLINGONEN, gelegt. Genauer gesagt: auf den STERNENKRIEG der beiden.

ROMANE und COMICS zum großen MERCHANDISE beleuchten gerne Vorgeschichten zu Ereignissen auf der großen Kinoleinwand oder dem Pantoffelkino. Mit dem ersten Band zu STAR TREK DISCOVERY – DAS LICHT VON KAHLESS wird dieses Konzept wieder aufgegriffen. Unter der Feder von KIRSTEN BEYER und MIKE JOHNSON wird dem Leser das enge Geflecht inenrhalb der klingonischen Gesellschaft vor Augen geführt. Der Leser erfährt, wie stark der Verlust von Macht, von Einfluss auf das klingonische Gemüt einwirkt, wie sehr an Hoffnungen gearbeitet wird. Und obwohl es sich um eine Kultur handelt, die zu den Sternen reisen kann, ist sie ungeheuer in ihren Traditionen und ihren religiösen Richtlinien verwurzelt.

Ein Mythos der KLINGONEN ist jenes LEUCHTFEUER VON KAHLESS. Die beiden Autoren schaffen eine kluge, nicht unbedingt vorhersehbare Lösung dieser Idee, gekoppelt an einen Mann, der einen Weg annimmt, teils vorherbestimmt, teils aufgedrängt. Manchmal bekommen Charaktere so lange eine Bestimmung erklärt, bis sie sich selbst trauen, diesen Glauben für sich anzunehmen. Das gelingt über die ganze Strecke der Geschichte sehr gut, indem ein KLINGONE gezeigt wird, der im Laufe der Jahre Stück für Stück über sich hinauswächst und zu noch mehr als nur zu dem Sinnbild wird, was sein Umfeld von ihm erwartet.

Wo sind die HAARE der KLINGONEN hin?! Die gingen bereits in INTO DARKNESS verloren, teils sogar schon in THE UNDISCOVERED COUNTRY (GENERAL CHANG). Der völlig bloß liegende, haarlose Schädel offenbarte viele neue, auch kunstvolle Gestaltungsmöglichkeiten der klingonischen Schädelstruktur. In der vergleichsweise action-armen Handlung, die sich schwer auf zwischenklingonische Verhältnisse stützt, gibt in es in der überwiegenden Mehrheit der Bilder die Gelegenheit für Zeichner TONY SHASTEEN sich mit dem klingonisch körperlichen Merkmal schlechthin zu beschäftigen. Hierbei zeigt sich, dass gerade der Stirnplatte eine gewisse Unverwechselbarkeit zukommt und dass insbesondere bei Kerncharakteren große Sorgfalt auf diesen Blickfang verwendet wurde. TONY SHASTEEN nimmt den Staffelstab in dieser Hinsicht mit vollendeter Genauigkeit auf.

Eine neue Ära im STAR-TREK-UNIVERSUM: Für FANS der KLINGONEN ist dieser Band ein unbedingtes Muss. FANS der STERNENFLOTTE und der FÖDERATION gehen über die gesamte Strecke der Geschichte leer aus. Guter Stoff, der die ursprünglichen Ideen von STAR TREK konsequent und beherzt fortführt. Sehr gut! 🙂

STAR TREK DISCOVERY 1, DAS LICHT VON KAHLESS: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Cross Cult.

Montag, 28. Januar 2019

GOLDEN CITY 12 – STADTGUERILLA

Filed under: SciFi — Michael um 17:34

GOLDEN CITY 12 - STADTGUERILLADie neue GOLDEN CITY schwebt längst im Orbit um die Erde, dennoch ist der Untergang der ersten GOLDEN CITY, einer schwimmenden Stadt auf den Weltmeeren, bei vielen Menschen nicht vergessen. Auch bei HARRISON BANKS nicht, dem hauptverantwortlichen Kopf hinter dem Projekt, nach seiner Mutter. Zu viele Opfer waren zu beklagen, die Schuldigen noch lange nicht zur Verantwortung gezogen. Die Suche gestaltet sich schwierig. Die Lage überall auf der Welt ist angespannt. Sogar die Androiden stehen gegen ihre Behandlung auf und revoltieren mit Waffengewalt. Zwischen familiären Verwicklungen, Auseinandersetzungen mit der organisierten Kriminalität, gilt es noch teure Freunde in Sicherheit zu bringen, die dank ihrer Gutherzigkeit zwischen die Fronten geraten sind.

Zwei Spannungsbögen zieht DANIEL PECQUEUR (Autor) gekonnt durch den 12. Teil der Serie GOLDEN CITY, mit dem Untertitel STADTGUERILLA. Auf der einen Seite stehen die persönlichen Schicksale, auf der anderen Seite steht das weltpolitische und gesesellschaftliche Geschehen. Letzteres lässt sich auf einen Nenner bringen: Arm gegen Reich. Jenen in den Randbereichen, an den Küsten, weit weg von den Städten, geht es noch besser als anderswo. Jedenfalls dort, wo ihnen die Gelegenheit geboten wird, ihr Leben selbst zu bestreiten, durch Fischfang oder das Ausschlachten von Wracks. In den Städten ist das Elend am größten. Im Gedränge kocht die Wut viel höher, ein Funke ist viel schneller entzündet. Da macht es aus der Sicht der Reichen sogar Sinn, sich einen Zufluchtsort im Weltall gebaut zu haben.

Die Serie GOLDEN CITY erscheint hierzulande seit über 15 Jahren. Der Mischung aus Science Fiction, Dystopie, Thriller und Abenteuer gelang es von Beginn an zu begeistern. Normalerweise sind gerade Dystopien Interessensschwankungen unterworfen. Je nach gesellschaftlicher Lage sind sie in der Unterhaltung mal mehr, mal weniger gefragt. GOLDEN CITY konnte seine Leser durch ein gut orchestriertes Ensemble aufrecht erhalten. Jugendliche kämpften um ihr Überleben, EVIL SCIENTISTS gingen um, ein sehr reicher junger Mann wechselt die gesellschaftlichen Seiten. Mannigfalte Handlungsorte, exotisch, außergewöhnlich fesselten das Auge und gaben der Erzählung immer neue Anstöße. Gut durchdachte Technik hielt auch den Science Fiction Gehalt auf mindestens gleichbleibendem, sogar ansteigendem Level. Zuletzt richtete DANIEL PECQUEUR sein Augenmerk immer stärker auf einen gesellschaftlichen Wandel.

NICOLAS MALFIN (Zeichner) kann besonders in der ersten Hälfte von STADTGUERILLA optisch das Gefühl von Science Fiction unterstreichen. Der szenische Wechsel von altmodischem Friedhofsgelände auf dem Land, den häufig präsenten Küstenregionen, hin zu den Aufständen in den Städten mit ihren Kanälen, der Technik in Form von futuristischen Fahrzeugen schafft einen tollen Mix, der schließlich von einem zukunftigen LAS VEGAS gegipfelt wird. Faszinierenderweise setzen DANIEL PECQUEUR und NICOLAS MALFIN dem aktuelen LAS VEGAS die Krone auf. Jenes Spielerparadies, das der Leser heute schon mit seiner Pyramide, seinem Caesar’s Palace, seinem Venedig und anderen wüstenfremden Kuriositäten besuchen kann, erhält hier noch ein KOLOSSEUM nebst echten Gladiatorenkämpfen.

Grafisch bleibt dem Leser die gewohnt sehr feine Optik erhalten. Der zerbrechlich wirkende Look wird von PIERRE SCHELLE (Kolorist) plastisch leuchtend unterstützt. Gerne verschafft er einer Seite oder einem Bild ein dunkleres Gegengewicht, damit der Rest umso mehr strahlt.

Für mich tolle Science Fiction, die genau diese Bezeichnung verdient. Eine konsequente Weiterentwicklung bestehender Verhältnisse und Technik, auch vor dem Hintergrund vergangener Entwicklungen, die eben sehr viel Vergangenes noch mitschleppen, so dass das Gesicht der Welt zu jedem Zeitpunkt einen Querschnitt seiner Geschichte zeigt. Schön menschlich konsturierte Hauptfiguren nehmen den Leser auf dieser gelungenen Reise mit. Empfohlen wird ein frühest möglicher Einstieg in die Serie, damit dieses 12. Kapitel (mit Thriller-Elementen) entsprechend genossen werden kann. 🙂

GOLDEN CITY 12, STADTGUERILLA: Bei Amazon bestellen.

Donnerstag, 24. Januar 2019

JACKIE KOTTWITZ Gesamtausgabe – Band 8

Filed under: Thriller — Michael um 17:29

JACKIE KOTTWITZ Gesamtausgabe – Band 8PATER ARTHUR ist zunächst von der Großzügigkeit einzelner Gemeindemitglieder überrascht und erfreut. Ihre Emotionen hingegen, begleitend zu Präsentation der Spende, sprechen eine andere Sprache. Sie nur wütend zu nennen, wäre untertrieben. Jemand in der Gemeinde erpresst einzelne, wohlhabendere Frauen und Männer mit Geheimnissen, die in der Beichte ausgesprochen worden sind. ARTHUR zieht JACKIE KOTTWITZ zu Rate. Und nicht zu spät, denn bald schon hat PATER ARTHUR seine erste körperliche Auseinandersetzung, die mit einem blauen Auge noch glimpflich ausgeht …

Vielfältig und sehr menschlich präsentieren sich die in diesem Band versammelten drei Geschichten rund um den Pariser Privatdetektiven JACKIE KOTTWITZ. Wer den Serienhelden noch nicht kannte, wird hier keinen SAM SPADE vorfinden. Hier stolpert JACKIE KOTTWITZ regelrecht in seine Fälle hinein. Mal humoristisch angehaucht, mal sentimental, mal höchst tragisch sind die Fälle, an deren Aufklärung er mehr oder minder seinen Beitrag leistet.

Den Anfang macht die Episode MATHIAS. Hier weiß JACKIE KOTTWITZ zunächst überhaupt nicht, wie ihm geschieht. Eigentlich soll er bloß für eine Auftraggeberin nach einer alten Dame schauen, die nicht mehr zu erreichen ist. In Sorge um das Wohlergehen der Seniorin möchte MADAME ZELDA, eine Nachbarin von JACKIE, dass er dem Haus ihrer Freundin MIREILLE einen Besuch abstattet. Dieses stellt sich als verschlossen heraus. Durch ein Fenster sieht der junge Detektiv die alte Frau bewusstlos am Fuße einer Treppe liegen. Er verschafft sich Zutritt und wird, während er noch mit der Notrufzentrale telefoniert, von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei überwältigt.

MATHIAS präsentiert sich zu Beginn sehr ernst, wechselt dann aber in eine Art MONSIEUR HULOT. JACKIE KOTTWITZ ist hier ein ziemlicher Spielball der einzelnen Situationen und Kräfte. Bei der Polizei macht er sich auch nicht gerade neue Freunde. Spannungselemente und Menschlichkeit zieht Zeichner und Erzähler ALAIN DODIER aber weiterhin durch, nur die Gewichtung ist eine andere als in den beiden nachfolgenden Episoden. Denn die steigern sich deutlich, bis es richtig traurig wird.

In POST MORTEM erfahren etwas mehr aus dem Privatleben rund um JACKIE KOTTWITZ. Ins Zentrum rücken der priesterliche Freund, PATER ARTHUR, und JACKIES Freundin, die Stewardess BABETTE. Hier wird nicht nur das gespaltene Verhältnis einer Tochter zu ihrem Vater behandelt, auch die Thematik des Beichtgeheimnisses wird im Rahmen eines Falles von JACKIE beleuchtet. Weil PATER ARTHUR sich dem Vorwurf aussetzen muss, das Beichtgeheimnis verletzt zu haben und nun, um dem Gotteshaus die Renovierung der Orgel zu ermöglichen, diverse Gemeindemitglieder um höhere Geldbeträge zu erpressen. Mit BABETTES Vater hingegen rückt ALAIN DODIER das Thema Verzeihen in den Fokus. POST MORTEM funktioniert auf all diesen Ebenen, ist aber betrachtet man es von der nachfolgenden Geschichte her, eine Fingerübung von DODIER.

Denn DER EREMIT ist ein regelrechtes Gesellenstück. Es ist weniger der Inhalt selbst, als vielmehr das Konstrukt, die Erzählweise, die begeistern kann, weil ALAIN DODIER die Tragik langsam an den Leser heranführt. Eher als die Hauptfiguren selbst, JACKIE KOTTWITZ und seine BABETTE, erfährt der Leser, was sich in der Vergangenheit ereignete.

Dabei ist der Auftrag zunächst denkbar einfach. Ungewöhnlich zwar, aber einfach. Einem sehr von der Welt abgeschieden lebenden Mann soll ein Brief überbracht werden. Vor vielen Jahren wurde ein Dorf im Zuge einer Flutung für einen Staudamm aufgelöst. Nur die ehemalige Kirchturmspitze ragt noch aus dem Stausee empor. An den Hängen der Gebirgsgegend sind ein paar baufällige Häuser erhalten geblieben. Und in einem davon lebt besagter EREMIT. Keine Handyverbindung ist hier möglich. Einen Festnetzanschluß gibt es nicht. Sogar die Post hat den Verkehr in diese Region logischerweise eingestellt. So wird JACKIE kurzerhand zum Boten bestellt.

Der Inhalt des Briefes ist brisant. In Rückblicken erfährt man, was sich in der Vergangenheit zugetragen hat und wie diese sich nun im Brief enthüllen muss. Die Geschichte ist nicht unbedingt ein typischer französischer Inhalt, aber einer, von dem ich behaupten möchte, dass besonders französische Autoren derlei in Europa am besten zu erzählen vermögen. Tragisch, spannend, obwohl die Hauptfiguren der Serie hier ein wenig zu Nebenrollen degradiert werden. Dennoch eine schönsten und traurigsten Episoden der Serie.

Es ist Comic, es ist Krimi, es ist literarisch: ALAIN DODIER darf den Erzählerstuhl ruhig weiter besetzen (er war ursprünglich »nur« der Zeichner der Serie). Er trifft neben dem richtigen Strich genau den richtigen Ton. Klasse!

JACKIE KOTTWITZ Gesamtausgabe, Band 8: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Finix Comics.

Sonntag, 06. Januar 2019

X-MEN BLUE 3 – Auf der Suche nach der Zeit

Filed under: Superhelden — Michael um 17:49

X-MEN BLUE 3 - Auf der Suche nach der ZeitZeitreisen sind ein schwieriges Unterfangen, ganz besonders wenn dem Zeitreisenden die Zielpunkte nicht bekannt sind und diese ganz und gar nichts mit seiner ihm bekannten Zeitlinie gemein zu haben scheinen. HANK MCCOY, das BEAST, gelingen keine genauen Vorhersagen über den nächsten Aufenthaltsort. Doch plötzlich gelangen die X-MEN ins prägnante Jahr 2099 und sehen sich ihren Nachfolgern gegenüber. In den Zukunft ist man über die Ankunft der Vorfahren keineswegs erfreut. Denn bald ist es keine Frage mehr, was die X-MEN von einst ihren Erben hinterlassen haben, vielmehr stellt sich die Frage, was die ursprünglichen X-MEN angerichtet haben, so dass die Welt in diese Zukunft münden konnte.

Zeitreisen gab es schon, auch Kontakt zwischen Superhelden verschiedener Äras (zum Beispiel, um bei der für MARVEL bedeutsamen Jahreszahl zu bleiben, SPIDER-MAN 2099). Die Begegnung verschiedener Ausprägungen der X-MEN wird hier im dritten Band der X-MEN BLUE Reihe zum Dreh und Angelpunkt. THONY SILAS und R. B. SILVA sind die beiden ausführenden Comiczeichner der vorliegenden Ausgabe. Letzterer Künstler, der brasilianische Comiczeichner, kann mit stärkerem Ausdruck und größerem Talent punkten als sein Kollege THONY SILAS. Vergleichsweise jung an Jahren hat er technisch die Möglichkeit sich in die Riege der ganz großen Namen des Mediums wie JIM LEE, ALAN DAVIS, ED MCGUINNESS, ADAM KUBERT und anderen einzureihen.

Stilistisch wirken die Formen jedweder Art sehr fein, zerbrechlich, mit einem Hauch Jugendstil, von einer gewissen Theatralik geprägt, was wiederum einem für den Leser eindeutigen Ausdruck in den Gesichtern und in der Körperhaltung zugute kommt. THONY SILAS produziert zwar schöne Bilder, technisch ist er aber noch auf dem Weg zu den Fertigkeiten eines R. B. SILVA. Dieser darf sich wirklich an einer großen Zahl von X-MEN austoben. Neben jenen Varianten von 2099 geben sich noch die GENERATION X die Ehre, MAGNETO, die gelbblaue Ur-Variante sowie eine zukünftige Gruppierung, die auf ihre Art die BRUDERSCHAFT DER MUTANTEN und deren Funktion abgelöst hat. So viele X-Fähigkeiten auf einem Haufen versammelt, garantieren ein Action-Feuerwerk.

Das ist packend, weil Charaktere mit ähnlichen oder identischen Kräften aufeinander treffen, hält aber auch Überraschungen parat, wenn eine leicht abgewandelte Figur wie BLOODSTORM (eine vampirische Version der allseits bekannten STORM) mitmischt und X-MEN anderer Zeitstränge als Verstärkung einschalten. Ein Feuerwerk ist es vor allem durch die Arbeit von Kolorist RAIN BEREDO, der die X-MEN ins rechte Licht rückt. Leuchtende Figuren vor gut separierten Hintergrund lassen ein plastisches Comic-Erlebnis entstehen.

AUF DER SUCHE NACH DER ZEIT lautet der Titel des dritten X-MEN BLUE Bandes. Die Odysee durch die X-MEN Historie ist ein schöner, kunterbunter Spielplatz für Mutanten mit einer Prise Charakterentwicklung. Hier wird für Nostalgiker wie auch für die moderne Generation von X-MEN Fans vieles geboten. Die Zeichnungen von R. B. SILVA sind schlicht großartig. 🙂

X-MEN BLUE 3, Auf der Suche nach der Zeit: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Panini Comics.

LINKS:

https://www.deviantart.com/rbsilva (R. B. SILVA auf Deviant Art)
https://www.marvel.com/comics/creators/12489/rb_silva (Infos über R. B. SILVA auf MARVEL.COM)
https://twitter.com/rb_silva?lang=de (R. B. SILVA auf Twitter)
https://www.instagram.com/rbsilva_comics/?hl=de (R. B. SILVA auf Instagramm)