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Comic Blog


Sonntag, 19. Juni 2022

ONCE & FUTURE 3 – DAS PARLAMENT DER ELSTERN

Filed under: Horror — Michael um 14:14

ONCE & FUTURE 3 – DAS PARLAMENT DER ELSTERNBRIDGETTE, DUNCAN und ROSE besuchen einen Pub, das THE LANCELOT ARMS. Die dort versammelten Gäste sind alles andere als begeistert über das Auftauchen der Fremden. Bevor sich die Situation hochschaukelt, erscheint völlig überraschend eine dritte Partei: DER GRÜNE RITTER. Er fordert die Anwesenden zu einem Spiel auf. Wer sich dem Spiel verweigert, verliert seinen Kopf, mitleidlos und rasch. Erst ROSE – nach einem ziemlichen Gemetzel – hat die – vorerst – rettende Idee, wie der Rest der Anwesenden ihre Köpfe behalten können.

Viele Landstriche, Länder, ganze Kontinente haben ihre ganz eigenen besonderen Mythen. Und ein paar davon haben es sogar zu weltweiter Prominenz gebracht. KÖNIG ARTUS und seine berühmte TAFELRUNDE ist sicherlich eine davon. KIERON GILLEN hat sich dieser reichhaltigen mythologischen Landschaft angenommen. Längst nicht alles bisher hatte mit ARTUS zu tun, aber diese Figur sitzt immer noch im Kern der ANDERSWELT wie eine Spinne im Netz.

Der Leser, der nur halbwegs an englischen Mythen interessiert ist, wird bestimmt einmal auf ARTUS und seine damit verbundenen Legenden gestoßen sein. Aber keine (bestimmt gar keine!) wird auch nur ansatzweise mit den in ONCE & FUTURE auftretenden Interpretationen übereinstimmen. Neben den bisher bekannten Figuren aus den ersten beiden Bänden (MERLIN gehört natürlich auch dazu) tritt nicht nur DER GRÜNE RITTER auf (eine sehr skurrile Figur), sondern mit LANCELOT ein Charakter, der gerade in der SAGA um die diversen RITTER DER TAFELRUNDE eine sehr spezielle Rolle einnimmt.

KIERON GILLEN nimmt diese Figur und benutzt sie als Trigger, um weitere (folgenschwere) Ereignisse in Gang zu setzen. Um es sich vorstellen zu können (für jene, die bisher noch keinen Blick in ONCE & FUTURE geworfen haben): Zeichner DAN MORA hat aus den RITTERN eine Art ZOMBIE in einer RITTERRÜSTUNG gemacht. Ferner gibt er ihnen Eigenschaften mit, die auch über das übliche Maß einer fantastischen Kreatur hinausreichen. Das sorgt für viele (sehr viele) Überraschungen, nicht nur für den Leser, die Helden des Abenteuers sind ebenfalls öfters kurz vor der Sprachlosigkeit. Selbst BRIDGETTE, eine alte Dame mit MONSTERJÄGERVERGANGENHEIT, hat nicht alles, was ihr hier über den Weg läuft, schon gesehen.

Wie soll man die Mischung beschreiben? Vielleicht ist es so, als träfe BUFFY auf MONTY PYTHON und GAME OF THRONES. DRACHEN inklusive. DAN MORA (Zeichnungen) und TAMRA BONVILLAN (Farben) machen aus dieser Comic-Reihe etwas Herausragendes. Erzählung und Thema stechen bereits aus der Masse fantastischer und gruseliger Comics heraus. Die Bilder, das Arrangement der Bildfolgen, die Einfälle bei der Gestaltung der Kreaturen und ihrer Fähigkeiten sind ein echter Knaller. Sobald die ANDERSWELT in den Sequenzen dominiert und CAMELOT die Szenerie übernimmt, entspinnt sich eine fantastische Bilderwucht. Was qualitativ auf den Covern zu sehen ist, erhält der Leser ebenso im Innenteil.

Die Szenen im heutigen Eingland lassen sich als Action-Thriller umschreiben (solange nichts ÜBERNATÜRLICHES den Weg der drei Helden kreuzt; auch das kommt vor). Das allein hätte bereits eine Menge Potential für ein starkes Lesepaket. DAN MORA und TAMRA BONVILLAIN könnten diese Genre locker stemmen (nichts dagegen, wenn sie’s mal täten). Hier toben sie sich so richtig an den MONSTERN aus. Das sind die Höhepunkte, die in immer kürzerer Folge eingeflochten werden, bis zum krassen Finale!

DAS PARLAMENT DER ELSTERN, so lautet der Titel des dritten Bandes von ONCE & FUTURE. Das Intro geht direkt auf diesen Titel ein. Es dürfte eine heftigsten Einleitungssequenzen im Comic allgemein sein, blutig, mysteriös, verdammt düster. Aber es setzt sofort, von Seite 1 an, den Stimmungslevel auf das entsprechende Niveau, was bis zum Schluss gehalten wird.

Die Helden der alten britannischen Sagen sind echte Bastarde! Und machen den drei Helden von ONCE & FUTURE das Leben tierisch schwer. Verflucht starker dritter Teil, mit großartigen Illustrationen und tollem Zug quer durch den gesamten Band, einem heftigen Cliffhanger! Eine der besten Fantasy-Action-Stories seit langem! 🙂

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Samstag, 18. Juni 2022

FEAR AGENT 4

Filed under: SciFi — Michael um 16:35

FEAR AGENT 4Welt kaputt. Alles verloren. Allein als Mensch im All. Das kann einen schon zum Saufen bringen. Aber der Lebensunterhalt will auch verdient werden. Und das Raumschiff will fliegen. Wie gut, wenn man gut im Töten, Ballern, Kopfgeldjagen und Söldnertum ist. Irgendwie alles zusammen. Wie gut, dass man dann HEATH HUSTON heißt, weil man sowieso in jeden Fettnapf tritt, den das Universum zu bieten hat!

RICK REMENDER erzählte in den ersten drei Bänden von FEAR AGENT, die Geschichte eines Mannes, der alles verloren hat und dem das Universum wirklich übel mitgespielt hat. Gleichzeitig kreierte RICK REMENDER einen Charakter, der bereit war, es dem Universum mit gleicher Münze heimzuzahlen. In mehreren Kurzgeschichten kehrt diese Tough-Guy-Ikone des Science-Fiction-Comics noch einmal zurück. RICK REMENDER gibt die Erzählungen weitgehend an andere Autoren ab. Auf die bisher bekannten Zeichner der Reihe muss der HEATH-HUSTON-Fan verzichten, dafür sind nun 18 neue Künstler an der Reihe.

FEAR AGENT bedeutet ein Stück weit Chaos. Käme er aus dem Genre WESTERN (es gibt hier wieder einmal entsprechende Anleihen), wäre HEATH HUSTON ein großer ITALO-WESTERN-Held. Hier muss alles ein wenig drüber sein, etwas mehr, etwas größer, derber, brutaler, häßlicher, kauziger. Beispiele hierzu gibt es reichlich. Es gibt Verbeugungen vor dem Genre selbst und auf der anderen Seite, wird sich nicht gescheut, das in die Geschichten zu integrieren, was man gerade aus anderen Genres brauchen könnte.

Als Hommage zu verstehen, sind Stories wie IM AUGE DES CHAOS (ein wenig MANN IM MOND, ein wenig CTHULHU im Weltraum) oder MENSCH ZUM DINNER (was sich ein ROALD DAHL ausgedacht haben könnte) oder UND DANN KAM EINE SPINNE (in der WESTERN mit ALIENS), während DIE PRINZESSIN VON RONGAR ein Ausflug ins HIGH-FANTASY-Genre ist.

Bei 18 verschiedenen Zeichner hat der 4. Band von FEAR AGENT natürlich einiges zu bieten. Manches verströmt Heavy-Metal-Feeling. Zeichner MARK TORRES erinnert stilistisch an einen MIKE MIGNOLA (der hier leider nicht dabei ist). Zeichner JAMES CALLAHAN ist ein grafischer Verwandter eines EDUARDO RISSO (der ist leider auch nicht dabei, obwohl das hier durchaus sein Thema wäre). In NICHTS ZU BEFÜRCHTEN bietet KIERON DWYER (geschrieben von RICK REMENDER selbst) eine feine Trickfilm-Atmosphäre auf. Teilweise waren Stilistiken eines BERNIE WRIGHTSON zu entdecken (was nicht zuletzt an der Zombie-Version von HEATH HUSTONS Frau liegt).

Persönliche Zeichner-Favoriten: PAUL RENAUD (DIE PRINZESSIN VON RONGAR), weil es ein feiner realistischer Stil ist, mehr davon! Außerdem: KIERON DWYER (NICHTS ZU BEFÜRCHTEN), hat den stilistischen Realismus eines BERNIE WRIGHTSON, auch starken Schwung, etwas anarchischen Touch.

FEAR AGENT liegt im 4. Band natürlich immer nur häppchenweise vor. Die Geschichten sind kurz und meist so erzählt, als habe es zuvor schon einen längeren Anlauf gegeben. Man könnte auch sagen: Jede Story ist ein Finale! Ruhephasen (kleine Pausen für HEATH HUSTON, bevor es wieder zur Sache geht) sind äußerst kurz, dafür ist die Geschwindigkeit der Erzählung meistens hoch. Exemplarisch hierfür sind die Geschichten DIE GEDÄRME DES ALLS (ist so abgefahren wie es klingt) oder VON HIER ZUM URANUS oder EIN SCHMUTZIGER AUFTRAG. In die Story reinspringen und durchziehen.

Das kann natürlich bei weitem nicht so in die Tiefe der Figuren gehen, wie es die Vorgängerbände geschafft haben. Die Geschichten sollen einem flott um die Ohren fliegen (tun sie!) und Space-Opera-Feeling vermitteln (tun sie; hat ein wenig von früheren Space Operas, die so manchem SciFi-Fan als Vorlage dienten wie FLASH GORDON) und haben einige starke Prisen Gruselhorror zu bieten (Creepshow lässt grüßen).

Das ist Space-SciFi-Fun! Gut für zwischendurch, fein portioniert. HEATH HUSTON, der FEAR AGENT, ist ein BRUCE WILLIS auf Comic-Seiten, im Weltraum. Er ist nicht nett, er lässt es krachen. Man möchte ihn bloß an seiner Seite haben, wenn einen ein fieses Weltraummonster fressen will und man jemanden braucht, der dem Vieh in den A**** tritt! So wie nicht selten in diesem Band. 18 Zeichner und 12 Autoren sorgen für viel Abwechslung, Spannung und Spaß in durchweg gelungener Optik! 🙂

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Freitag, 03. Juni 2022

ONCE & FUTURE 1 – DER KÖNIG IST UNTOT

Filed under: Horror — Michael um 15:58

ONCE & FUTURE 1 – DER KÖNIG IST UNTOTDUNCAN ist ein normaler junger Mann und versucht ein normales Leben zu führen. Dazu gehören natürlich auch Dates. Aber irgendwie ist er ein Tolpatsch. ROSE, die ihm im Restaurant gegenüber sitzt, hatte sich von DUNCAN etwas anderes erhofft. Ihr weißes Kleid färbt sich unter einem Schwall Rotwein, den DUNCAN in seiner Ungeschicklichkeit quer über den Tisch befördert hat. Der Abend scheint gelaufen. Das bewahrheitet sich schnell, denn kurz darauf klingelt das Telefon. DUNCANS GROSSMUTTER BRIDGETT ist aus dem Heim abgehauen …

DER KÖNIG IST UNTOT! Ein perfekter Untertitel. Die Legende von König ARTUS (oder ARTHUR, je nachdem, welche Auslegung gerade in ist) hat schon viele Umsetzungen in Roman und Film erfahren. Auch Comic-Umsetzungen waren vertreten. Da war es eigentlich an der Zeit, dass diese Legende einmal ordentlich und mit viel Schmackes demontiert wird. KIERON GILLEN hat sich diese Aufgabe angenommen und einen ARTUS aus dem Hut gezogen, der nichts edles mehr an sich hat und nur eines im Sinn hat: ANGELSACHSEN TÖTEN.

Bereits das Erwachen des einstigen Monarchen hat es in sich. Kurz nachdem der untote KÖNIG sich wieder artkulieren kann, offenbart er seine Talente. Er erkennt ANGELSACHSEN am Geschmack ihres Blutes. Für jene, die ihm eigentlich dienen wollten und einer Blutlinie entstammen, die keine britannische Reinheit verspricht, nimmt es ein böses Ende. Mit dem untoten ARTUS folgen mächtige und gruselige RITTER. Klar, was passieren muss! Das BÖSE braucht einen Gegner, der es aufhält!

KIERON GILLEN setzt auf ein TRIO mit höchst unterschiedlichen Rollen. An erster Stelle, als Auslöser des Ganzen ist eine der außergewöhnlichsten OMA-Charaktere zu nennen, die wohl bislang in einem Comic (oder auch in Roman oder Film) ihren Auftritt hatten. BRIDGETT war in jüngeren Jahren eine Art BUFFY, eine MONSTERJÄGERIN, die sich irgendwann, als alles DÄMONISCHE ausgerottet schien, aufs Altenteil zurückgezogen hat. Leider ist das BÖSE nun zurück. Die OMA macht sich wieder an die Arbeit, diesmal unterstützt von Enkel DUNCAN, der ganz langsam in eine völlig neue LEBENSROLLE hineinwächst. Selbst ROSE findet sich plötzlich in einem gänzlich anderen Lebensabschnitt wieder.

DAS FETZT! Anders lässt es sich nicht sagen. KIERON GILLEN hat eine hohe Erzählgeschwindigkeit. Von Kapitel zu Kapitel jagt ein Höhepunkt, ein Cliffhanger den nächsten. Das ist unter dem Strich sehr viel ACTION gepaart mit einer Rätselpartie im Stile eines Rollenspiels oder eines Computergames. Für die Umsetzung hat KIERON GILLEN mit DAN MORA (Zeichnungen) und TAMRA BONVILLAIN (Farben) perfekte Co-Künstler gefunden. DAN MORA zeichnete tatsächlich an einer Comic-Umsetzung von BUFFY und findet sich, gemessen daran, rasch in das Monsterszenario ein. Realistisch, hart, gruselig entsteht ein Bilderreigen, der auch den Ideen eines MIKE MIGNOLA entsprungen sein könnte.

Die Zeichnungen von DAN MORA sind perfekt, die Kolorierung von TAMRA BONVILLAIN setzt dem Ganzen die Krone auf. Eine leuchtende Nacht, in den HIERWELT wie in der ANDERWELT, präsentiert eine Farbenpracht, wie man es angesichts des Settings erwarten kann, aber eigentlich eher selten bekommt. Das magische Umfeld ist in einen regelrechten Farbenrausch getaucht.

Starke Nummer, starker Auftakt, hammermäßige (und mal ganz andere) Charaktere. Tolles Tempo, Luftholen allenfalls am Kapitelende erlaubt. Genial illustriert, detailverliebt und extrabunt. Top! 🙂

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Dienstag, 12. April 2022

DER KILLER – SECRET AGENDA 3 – PRÄZISIONSARBEIT

Filed under: Thriller — Michael um 17:00

DER KILLER - SECRET AGENDA 3 - PRÄZISIONSARBEITEin ganz normaler Tag. Die Menschen flanieren über die Straßen. Plötzlich ändert sich alles. Zwei Männer halten mit ihrem Wagen und steigen, ihre Kalaschnikows im Anschlag, aus. DER KILLER weiß, was als nächstes geschehen wird. Er kennt das System, er seziert es im Geiste. Er ist ein Problemlöser. Lange Zeit im Auftrag, später für die eigenen Interessen und inzwischen für ein geheimes Aufräumkommando. DER KILLER hatte lange agiert, als könne er nicht erwischt werden, dabei hatten offizielle französische Stellen ihn längst im Visier. Aber dort wusste man seine Talente zu schätzen. Man stellte ihn vor die Wahl: Einfahren oder ausführen. DER KILLER entschied sich für Letzteres.

Bislang verlief seine Arbeit in der französischen Hafenstadt auf Befehl. Das Verbrechen beherrscht die Stadt. Dealer, Mörder, Korruption. Von oberster Stelle gedeckt. Von noch höherer Stelle aus ist man nicht mehr bereit, bloß noch zuzusehen. Durch eine falsche Identität geschützt, beobachtet DER KILLER und tüftelt im kleinen Team an Lösungen, die nicht erkennen lassen, ob es sich um Bandenkriege handelt oder ein ordentliches Ausputzen der Straßen …

MATZ (Autor) und LUC JACAMON (Zeichner) haben ihren KILLER in ein Szenario geschickt, das dem (französischen) Leser in manchen Belangen bekannt vorkommen muss. Politik in Frankreich gibt ein leicht unterschiedliches Bild von dem in Deutschland ab. Von außen betrachtet ist es lauter, etwas greller, teils pikanter, glorioser. Die politische Parteienlandschaft ist eine andere. Das ist der Historie geschuldet. Revolution und kopflose Könige sind noch in guter Erinnerung. Wer den dritten Band von SECRET AGENDA, PRÄZISIONSARBEIT, liest, wird dem zustimmen.

Und der Titel des zugleich dritten Zyklus ist Programm. Grundsätzlich faszinierend an der kompletten Serie ist die Ruhe und Beherrschung der Hauptfigur. Gönnte sich DER KILLER zu Beginn noch Ausrutscher wie das Gründen einer Familie, ist er nun auf dem Höhepunkt von Coolness und philosophisch sezierender Finesse. Das macht selbst seinen (ihm zugewiesenen) Partner während der einzelnen Aufträge zumindest unruhig. Töten ist Geschäft, lautet die klare Ansage. Töten ist nicht Spaß. Töten kann höchstens noch Selbstschutz sein, wenn die Gefahr besteht, wiedererkannt zu werden. Das lässt einzelne Situationen nach einem Kinderspiel aussehen. In Wahrheit behält DER KILLER selbst unter Druck noch den Überblick. Während um ihn herum andere sogenannte Profis, sei es von der Polizei oder aus der Gangsterriege, die Nerven verlieren und, kurz gesagt, sterben.

Wenn es ein Spiel in dieser Geschichte gibt, dann ist es jenes Leben, das DER KILLER zur Tarnung aufrecht erhält. Es sind diese kleinen Momente, die ihm ein Lächeln entlocken. Und es ist nicht leicht zu verstehen, ob es tatsächlich jene Momente sind oder die Bekundungen von Kollegen, die ihm unterstellen, ein Glückspilz zu sein. Es ist erstaunlich, wie bereitwillig (obwohl gegen seinen Willen) und wie hervorragend DER KILLER diese Alltagsrolle spielt. Seine Anpassungsfähigkeit sowie seine Intelligenz sind stark ausgeprägt. Es wird in SECRET AGENDA bereits deutlich. Kennt man seine bisherige Vorgeschichte, werden diese Eindrücke noch besser untermauert.

Seine Weisheiten aus dem Off, Erkenntnisse aus einem Leben voller Gewalt rund um den Globus, belegen einerseits, wie weit er sich bereits aus dem normalen Leben verabschiedet hat. Andererseits legt ihm Autor MATZ Gedanken in den Mund, die auch jenen Lesern kommen können, die lediglich einen Tag lang durch sämtliche Nachrichtenkanäle springen, um einen Gesamteindruck der Menschheit zu erstellen. Es würde in der Öffentlichkeit nur einen leicht pychotischen Eindruck hinterlassen, ähnliche Schlüsse zum Besten zu geben. Oder man ist Kabarettist. Doch davon ist DER KILLER weit entfernt.

LUC JACAMON trägt mit seinen auf Realismus ausgelegten Zeichnungen die Serie. Verabschieden müssen sich die Leser von exotischen, internationalen Kulissen. Dafür taucht der Leser in das Alltägliche ein, was den Realismus noch wichtiger werden lässt. Denn hier lauert hinter dem Alltag das Verbrechen und ungezügelte Brutalität. MATZ hat seinen Kollegen LUC JACAMON hier zwei Polizisten gestalten lassen, die als das postive Gegenelement des KILLERS gewertet werden können. Die aber gleichzeitig erkennen, dass eine Zeitenwende durch die Ereignisse in diesem Band stattfindet. Die beiden Buddys sind (als Nebendarsteller) fein illustriert und in der Geschichte aufgebaut (fast könnte man an die Vorbereitung eines Spin-offs glauben). LUC JACAMONS Illustrationen sind darüber hinaus gewohnt souverän. Stellenweise tragen sie die Atmosphäre hervorragend. Besonders die Tristesse von des KILLERS vorgestäuschtem Leben wird schnell fassbar.

DER KILLER ist ein Garant für einen Top-Thriller, gerade im dritten Zyklus, der dem europäischen Leser deutlich näher ist als die vorangegangenen Geschichten. Top illustriert von LUC JACAMON, top erzählt MATZ, der den Leser (könnte man sagen) zum Mitwisser macht. Die Kenntnis um die Ereignisse in den vorherigen beiden Bänden von SECRET AGENDA ist allerdings Pflicht. 🙂

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Montag, 04. April 2022

MORBIUS – DER LEBENDE VAMPIR

Filed under: Superhelden — Michael um 18:10

MORBIUS – DER LEBENDE VAMPIR – HELD AUS DER FINSTERNISDie Wachen des Gefängnisses sind beschäftigt. Die Gelegenheit ist günstig. Und DR. MICHAEL MORBIUS nutzt sie! Nach einer kurzen Verabschiedung von DR. CURT CONNORS (in Echsengestalt) ist DER LEBENDE VAMPIR auf der Flucht. Von den Erinnerungen an seine Kindheit und seine Verwandlung geplagt, sucht er sich den schlimmsten Stadtteil von BROWNSVILLE, der sich finden lässt, in der Hoffnung, dort vorläufig unterzutauchen. Doch der Wunsch unauffällig und unenddeckt zu bleiben, erfüllt sich nicht. NOAH ST. GERMAIN, eine örtliche Kriminellengröße, wird auf ihn aufmerksam und hat nichts besseres zu tun, als MORBIUS zu verprügeln. Ohne zu ahnen, dass DER LEBENDE VAMPIR sich nur mit Mühe zurückhält und seinen BLUTDURST unterdrückt …

Gerade noch im Kino, zuvor schon in einer prallen Ausgabe einer zusammengefassten Miniserie: MORBIUS, DER LEBENDE VAMPIR in seinem Abenteuer: HELD AUS DER FINSTERNIS. Ein Typ, der sich echt bemüht, anderen aus dem Weg zu gehen, nun zwischen die Fronten gerät und sich auf die Seite der Unterdrückten und Gepiesackten schlägt. Leider haben ihn seine Begierden mehr im Griff, als er gerne hätte und so schlägt die Natur des LEBENDEN VAMPIRS schneller als erwartet zu. Darüber hinaus kann er nicht ahnen, dass hinter den Kulissen längst eine viele größere Bedrohung in den Startlöchern steht. Und ein alter Bekannter namens SPIDER-MAN in dieser Angelegenheit zu einem wichtigen Mitstreiter werden wird.

Mehrere Zeichner mit unterschiedlichen grafischen Charateristika haben diese sehr stramm durcherzählte Geschichte betreut. Vornehmlich ist der MARVEL-Realismus Trumpf, aber es gibt auch Passagen eines abstrahierten Stils, kantig, düster, sehr fett getuscht. Das bricht optisch aus dem gewohnten Muster aus, packt die Geschichte aber im Kern und stellt die sehr breit aufwartende Finsternis dieses Comic-Thrillers klar ins Licht. Denn in der Bewährung für das Gute geht es für MICHAEL MORBIUS geradewegs in den Abgrund.

Die Gegner bleiben etwas konturlos. Das mag an ihrem eher unbekannten Stellwert innerhalb der MARVEL-Hierarchie liegen, hat aber auch einen netten Nebeneffekt. Die Handlung bleibt unvorhersagbar, überraschend und an manchen Stellen optisch ungewöhnlich. Was wiederum mit der Wahl der Waffen einer speziellen Gegnerin zusammenhängt. JOE KEATINGE, der den Löwenanteil des VAMPIR-Abenteuers geschrieben hat (neben DAN SLOTT), hat seinen Co-Künstlern am Zeichenstift eine Steilvorlage für einen klassischen CARPENTER-Look geliefert, ganz im Sinne einer KLAPPERSCHLANGE oder eines ANSCHLAG BEI NACHT. Die ACTION wirkt hier, vergleicht man es mit Filmen, handgemachter, realistischer. Sogar der Auftritt eines SPIDER-MAN trägt dem Rechnung.

Die spukigen Klamotten seiner Entstehungszeit sucht man hier vergebens. MORBIUS war eine Art DRACULA-Ersatz, ein Draculachen (obwohl der echte DRACULA ebenfalls im MARVEL-Universum herumturnte und in seiner Gesellschaft ein weiterer Held namens BLADE geboren worden war). Aber es brauchte einen Blutsauger, der auch tagsüber agieren konnte, eine Figur, die mit ihrer Existenz haderte (ein wichtiges Merkmal tragischer MARVEL-Helden). In den 1970er Jahren geboren, ist sein Dress jener Zeit eher ein düsteres Tanzoutfit, reif für ein vampirisches SATURDAY NIGHT FEVER oder ein fetziges AEROBIC-WORKOUT.

Der MICHAEL MORBIUS unserer Tage ist pragmatisch. Der Look ist lässig, alltäglich, mit JEANS und HOODIE. Nur einmal schlüpft er in eine Art Kampfmontur. Diese ist nicht stylisch, noch verfügt sie über irgendein erinnerungswürdiges Design. Dafür wirkt und agiert MORBIUS im Laufe der Handlung immer cooler, selbstsicherer, was ihn über seine Umgebung hinaushebt. Irgendwelche Booster-Tricks (hier puffend verschwinden, da puffend auftauchen) sucht man hier vergebens. Bei Hochgeschwindigkeitsaktionen herrscht Fehlanzeige. Gewaltausbrüche erinnern mehr an JOHN WICK oder NOBODY. Hier ist ein MICHAEL MORBIUS, der kämpft um sein Leben und seine Karten sind nicht die Besten.

Düsterer Knaller! Rauscht wunderbar durch von Anfang bis Ende. Kompromisslos erzählt, mit handgemachter ACTION inszeniert. Rückt den Anti-Helden in ein gutes Licht (obwohl die Handlung schon meistens nachts spielt). Ein vampirischer Superheld auf der Höhe der Zeit. Stark! 🙂

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Sonntag, 27. Februar 2022

FIRE POWER 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:44

FIRE POWER 2Eine ganz normale Familie. OWEN JOHNSON lebt in einer ganz normalen amerikanischen Bilderbuchnachbarschaft. Einfamilienhäuser rignsherum. Man kennt sich. Man hat familiäre Bindungen über mehrere Generationen. Man hat Freunde. Man lädt zum Gartenfest, zum Barbecue. OWEN JOHNSON hat sich gut im Leben eingerichtet. Er ist ein guter Vater, liebt seine beiden Kinder. Er verkauft Möbel, seine Frau ist Polizistin. OWEN JOHNSON genießt allgemein Respekt. Die Vergangenheit ist Vergangenheit. Aber vergessen kann er sie nicht. Denn auch jene Menschen aus besagter Vergangenheit haben ihn nicht vergessen. Obwohl derart viele Jahre vergangen sind und OWEN JOHNSON längst auf einem anderen Kontinent lebt.

Die Serie FIRE POWER von COMIC-IKONE ROBERT KIRKMAN geht in die zweite Runde. War der erste Teil eine Verbeugung vor den EASTERN der 1980er Jahre und gleichzeitig ein gelungenes ACTION-FEUERWERK, verändert er hier völlig das Setting und präsentiert fast einen Neuanfang, der auch ohne den ersten Teil stehen könnte. Denn ähnliche Ausgangssituationen gibt es häufiger im amerikanischen KINTOPP. Der von der Vergangenheit eingeholte Held muss sein neues Leben verteidigen. Hier ist ähnlich. Es beginnt schleichend mit dem Auftauchen eines Freundes von einst.

ROBERT KIRKMAN nimmt den Leser sachte mit auf die Reise dieses zweiten Bandes. Ein erster Kampf endet noch versöhnlich. Die nächste Attacke erfolgt ohne Vorwarnung, im eigenen Zuhause. Damit wendet sich alles, denn von nun an kann OWEN JOHNSON die Ereignisse nicht mehr aufhalten. ROBERT KIRKMAN spielt mit dem amerikanischen Vorstadtleben, auch den typischen Geschehnissen, mit denen ein COP tagtäglich umzugehen hat. Hier wird OWENS Frau ziemlich tough und wehrhaft präsentiert. Sie mag nicht ganz über die asiatischen Kampftechniken ihres Mannes verfügen. Doch sie kämpft mit harten Bandagen, überlegt, scheinbar furchtlos. Derart starke Paare finden sich in Geschichten selten. Eine erfrischende Neuerung (oder Ausnahme, ganz wie man will, es dürfte durchaus Schule machen).

Keine Bange! Trotz der Eingangsbeschreibung hagelt es reichlich Kämpfe. Je mehr die Handlung fortschreitet, wird den fantastischen Kämpfen eines asiatischen Kinos umso mehr gehuldigt. Natürlich sind solche Auseinandersetzungen geradezu übermenschlich. Nicht zuletzt verfügt OWEN JOHNSON, wie das Titelbild verrät und Kenner des ersten Bandes wissen, über die Gabe, Feuerbälle zu erzeugen. Es wird jedoch, dank ROBERT KIRKMANS ausgezeichneter Erzählweise, nicht einfach durch die Gegend gekämpft. Wegen der eingangs geschilderten familiären Befindlichkeiten wird es höchst dramatisch, weil keiner aus der vierköpfigen Familie unbetroffen bleibt.

CHRIS SAMNEE pflegt einen Zeichenstil, der auf den Punkt kommt. Seine in mancher Hinsicht reduzierten Grafiken weisen Parallelen zu einem frühen MIKE MIGNOLA auf (z.B. wie in FAFHRD UND DER GRAUE MAUSLING), als dieser zwar einem abgespeckten Zeichenstil frönte, aber immer noch detailreicher war als heute. CHRIS SAMNEE trifft sich mit seiner Arbeit aber auch auf Augenhöhe mit Zeichnern wie GABRIEL BÁ und TONY MOORE. Seine Technik könnte als Verschmelzung aus ihrer beider Stilistiken gedeutet werden. Es gibt durchaus die mit dünnen Strichen erzeugten Figuren in kleineren Ansichten oder solchen, die mit mehr Charakteren und Hintergründen versehen sind. Darüber hinaus wird er aber in Nahaufnahmen fetter im Strich, realistischer, während in der Verkleinerung Gesichter schonmal mangahaft entgleisen.

Familie? Dann ist alles eitel Sonnenschein. VON WEGEN! Die Kolorierung von MATT WILSON markiert gerade diese besonders normalen Tage mit Sonnenlicht. Der Rest des Abenteuers ist bald von Nacht und düsterer Flucht geprägt. Farbe trägt hier stark zur Stimmung bei. Das Kampftraining der Familie fällt, bei Tageslicht im heimischen Garten ausgeführt, heiter aus. Romantische Beleuchtung trifft das Augen, wenn OWEN JOHNSON und seine Frau sich einen schönen Abend in einem Restaurant gönnen. Aber, wie es heißt, der Schein trügt. Denn im selben Licht greift der Feind an. Was vorher anheimelnd wirkte, ist schließlich bloß die Ankündigung von Gewalt und Blut. Bricht erst echte nächtliche Stimmung herein, steigt auch die Spannung der handlung rasant an.

ROBERT KIRKMAN strickt gerne bestehende Regeln um, mischt neue Elemente hinzu und bastelt etwas Andersartiges. Ein Ergebnis davon ist der zweite Band von FIRE POWER, der es sich erlaubt, dank eines ordentlichen Zeitsprungs, wesentlich andere Wege zu gehen als sein Vorgängerband. Eindrücklich und mit Kameraauge von CHRIS SAMNEE und MATT WILSON in Szene gesetzt. Wer MARTIAL ARTS gemixt mit FANTASY und THRILLER mag, liegt hier goldrichtig! Top! 🙂

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Montag, 31. Januar 2022

SHOOTING RAMIREZ – 2. AKT

Filed under: Thriller — Michael um 19:53

SHOOTING RAMIREZ - 2. AKTDAKOTA SMITH und CHELSEA TYLER werden von der Polizei gesucht. Ihre Fahndungsfotos werden im Fernsehen gezeigt. Die Polizei wird angefeindet, denn anscheinend macht sie ihren Job nicht vernünftig und fasst die beiden Frauen einfach nicht. Immerhin gehen zwei Cops einer Meldung nach und befragen eine Kellnerin in einem Diner. Routine. Aber sie werden beobachtet. Und erwartet. Als sie das Lokal verlassen, stellen sie fest, dass sie nicht die einzigen Personen sind, die DAKOTA SMITH und CHELSEA TYLER finden wollen. Ein Wort gibt das andere, dann gibt einer der Cops eine falsche Antwort. Das kurze Treffen endet in einem Blutbad …

Mehr als nur ein Comic. Eine Satire wie auch eine Verbeugung vor den 1980er Jahren. SHOOTING RAMIREZ erzählt nicht nur eine Geschichte, einen Thriller, in dem sich diverse Action-Abenteuer des TVs und des Kintopps jener Ära mischen, es nimmt gleichzeitig die Werbung aufs Korn, die Popkultur. Es spielt mit jenen Tagen, als Frauen zu Action-Heldinnen wurden, ganz im Stile von FRAUEN MIT EINER 45er MAGNUM, und der DEATH WISH zum Vorreiter einer ganzen Generation von Action-Baller-Filmen wurde. Das aufmerksame Auge findet hier den PINK CADILLAC genauso wie einen roten Sportwagen, der einem FERRARI TESTAROSSA wie aus dem Gesicht geschnitten ist (wolle man, wie es manche später taten, einem Auto eine vermenschlichte Persönlichkeit unterstellen), aber anders heißt und echte JAMES-BOND-AUTO-QUALITÄTEN entwickelt.

Kurzum, hier geht es nicht nur um eine Comic-Geschichte, hier geht es NICOLAS PETRIMAUX um die Beschreibung eines Zeitalters und dem damit einhergehenden FEELING jener Tage. Doch nicht zu vergessen: SHOOTING RAMIREZ ist ein Thriller! All das FEELING schafft nur den Unterboden für eine Geschichte, die eigentlich um einen Anti-Helden herum gestrickt ist. Hinzu kommt, dass dieser Anti-Held außerdem kein Wort sagt (weil er stumm ist) und nur über seine Mimik und seine Haltung mit dem Leser kommuniziert. Und natürlich mit allen anderen Charakteren im Comic, sofern sich diese darauf einlassen. Am Beispiel seines Vaters gibt es noch die Variante, in einem eigentlich nicht existenten Gespräch die fehlenden Antworten gleich mitzuliefern.

Staubsaugerbestandteile werden hier als Waffen zweckentfremdet in arg brutalen Auseinandersetzungen. Was wieder zu den toughen Frauen führt. Toughe Frauen sind ein heißes Thema in der medialen Welt. Toughe Detektivinnen in Romanen, toughe Monsterkillerinnen in Horrorserien, toughe Rächerinnen in Filmthrillern, was den Kreis wiederum schließt. DAKOTA SMITH und CHELSEA TYLER sind keine THELMA und LOUISE, sind eher die BRAUT im Quadrat (aus KILL BILL). Hier sind zwei Damen unterwegs, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Sie teilen aus, stecken ein, geben alles, bis zum letzten Quäntchen Power.

Und damit geht es auch sogleich zur grafischen Umsetzung. Nicht nur, dass NICOLAS PETRIMAUX klassische 1980er Film- und Fernsehszenarien mit neuzeitlichen Erzählstrukturen mixt, er wählt für die Optik seiner Seiten auch einen geradezu filmischen Ablauf. Und darüber hinaus, zelebriert er so manche Szene richtig und gibt sich nicht mit einer Seite zufrieden, sondern streckt und intensiviert charakterliche Tiefgänge. Die Figuren werden gut aufgebaut, das Menschliche wird herausgearbeitet.

Im besten Sinne spektakulär sind die Inszenierungen der Action-Szenen. NICOLAS PETRIMAUX will mit seinen gezeichneten Dialogseiten stets einer Statik durch Perspektiv- und Ansichtswechsel entgegenwirken. Filmsprachlich wären das Kamerafahrten. Aber Dialog braucht auch eine gewisse Ruhe. Hier soll die Information rüberkommen, sich festigen. In den Action-Szenen lässt NICOLAS PETRIMAUX die Pferde laufen. Stichwort: Toughe Frauen. DAKOTA SMITH und CHELSEA TYLER sind zu diesem Thema in gleich drei hammerstarken Szenen vertreten, jeweils stets auf sich allein gestellt. CHELSEA schießt hierbei den Vogel ab.

Herausragend ist die Sequenz eines Live-Konzerts. Rock’n Roll und Pyrotechnik auf der Bühne, abertausende von Zuschauern, maskierte Musiker, sozusagen die DAFT PUNK des Rocks und alles mündet, unerwartet, in eine alptraumhafte Erinnerung, die ausgerechnet unserem Helden auf dem Gewissen lastet. NICOLAS PETRIMAUX zeichnet mit leichten Strichen, leichten Outlines. Volumen wird über eine pralle, plastische Farbgebung erreicht. NICOLAS PETRIMAUX ist ein meisterhafter Seitenarrangeur. Zu seinen Skills zählt er laut ARTSTATION STORYBOARDING, und das merkt man auf jeder Seite. Darüber hinaus weiß er eine Sequenz mitreißend aufzubauen. Es gibt welche, die sind von Dialogen geprägt und entsprechend gemächlich. Andere nehmen regelrecht Tempo auf und rasen schließlich mit ihrer Action fast wortlos dahin. Beispielhaft ist das erwähnte Live-Konzert. Es gibt einen Songtext, den man beinahe überfliegt, weil die Szenerie in einem fantastischen Realismus vor dem Auge abläuft.

Ein starker Thriller, weiterhin im gelungenen 1980er-Jahre-Design. Hier werden keine Gefangenen gemacht, szenisch an ein erwachsenes Publikum gerichtet, das mit Quentin Tarantino und/oder Michael Mann aufgewachsen ist. Hier finden unterschiedliche Thrillertypen zueinander, hart, geradlinig, hochgradig spannend von Anfang bis Ende. Der erste Teil sollte bekannt sein. 🙂

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Wer einen Eindruck über die Arbeiten von NICOLAS PETRIMAUX bekommen möchte, findet einen schönen Überblick auf seiner ARTSTATION-Seite: https://www.artstation.com/nicolab (Link)

Mittwoch, 22. Dezember 2021

LADY S – GESAMTAUSGABE 3

Filed under: Thriller — Michael um 20:49

LADY S - GESAMTAUSGABE 3SHANIA RIVKAS kann es endlich, nach den bestandenen Abenteuern, ruhiger angehen lassen. Ihr neues Ziel ist rein persönlicher Natur. Sie will mit ihrem Vater in den Vereinigten Staaten zusammenleben. Leider hat die Bürokratie hier vorerst einen Riegel vorgeschoben, denn es ist ihr verboten, in die USA einzureisen. Eine Möglichkeit gibt es aber noch. Sie könnte politisches Asyl beantragen und ihrem Vater folgen, dem eine solche staatliche Hilfe bewilligt worden ist. Das Problem: SHANIA muss zu diesem Zweck beweisen, dass ABEL RIVKAS ihr Vater ist.

LADY S hat in ihren jungen Jahren so manches Abenteuer bestanden. Mehr als einmal hätte sie dabei sterben können. In ihrer Gefühlslage schleicht sich eine Art Wunsch nach Ruhestand ein, zumindest in ihrer Tätigkeit im Umfeld von Geheimdiensten und Kriminellen. Ein letzter Trick soll helfen. PHILIPPE AYMOND, Autor und Zeichner in Personalunion, zerstreut die Hoffnungen seiner Hauptfigur LADY S sehr langsam. Der Leser, der mehr weiß als LADY S, kann nur mit einer gewissen Atemlosigkeit verfolgen, wie das Leben von SHANIA RIVKAS wieder den Bach runter geht. PHILIPPE AYMOND geizt nicht mit Überraschungen und Wendungen.

LADY S gehört zu den besten Thrillerreihen, die im Medium COMIC zu finden sind. Ein Rezept, das langlebige Serien dieser Art beherzigen, ist ein dicht gewobenes Netz origineller Schauplätze. So besucht der Leser nicht nur die gewöhnlicheren Schauplätze wie Genf oder Berlin. Man reist mit nach GUANTANAMO oder auch nach PARIS zur kleinen REPLIK der FREIHEITSSTATUE. In MEXIKO und den VEREINIGTEN STAATEN wird vor Kulissen agiert, die jedem WESTERN schmeicheln würden. Weniger plakativ, eher klassisch, fallen Bildfolgen aus, die typische Agentenszenarien beschreiben.

PHILIPPE AYMOND baut über die hier versammelten Abenteuer oder auch Thriller eine schöne Entwicklung von SHANIA RIVKAS auf. DNA, DER BRUCH, KRÄFTEVERHÄLTNIS, KRIEGSVERBRECHEN sind die hier in der dritten GESAMTAUSGABE erzählten Geschichten. Darüber hinweg entsteht ein weiter Spannungsbogen, der von PHILIPPE AYMOND gerne von der zweiten bis zur vierten Episode mit einem Cliffhanger beendet wird. Hiernach muss es noch weitergehen. Entweder gibt es einen Kracher oder jemand steht als neuer Erzfeind auf und nimmt LADY S als Zielobjekt ins Visier. Die erste Episode, DNA, bildet eher einen Abschluss zu den Geschichten, die in der zweiten GESAMTAUSGABE ihren vorläufigen Höhepunkt fanden.

Keine Liebe? Ein Geheimagent ohne erotische Ausflüge kann doch nicht angehen!

Im Prinzip hat auch SHANIA RIVKAS einen Drang zu Affären oder sogar Beziehungen, aber das Leben ist gefährlich. Es bleibt wenig Zeit für Normalität und ein Leben, das quer über den Globus führt, hat für Normalität auch nicht viel übrig. Doch etwas fällt auf. SHANIA RIVKAS ist eben genau das. Eine ganz normale Frau. Vielleicht ein wenig begabter als andere. Aber sie ist nicht auf einem Selbstmordkommando unterwegs. Sie ist kein moderner weiblicher BOND (obwohl ihr Auftreten eine schöne Alternative zur männlichen Variante wäre). Ebensowenig ist sie ein DOM TORETTO. Die ACTION hier ist fast immer realistisch. Fast. In DNA taucht eine Sequenz auf, die kurz über das Ziel hinausschießt (und fast wie eine Hommage an eine verwandte Idee aus dem ALIENS-Comic-Universum erinnert).

Der Thriller KRÄFTEVERHÄLTNIS ist meiner Meinung nach die beste Geschichte der vorliegenden GESAMTAUSGABE. Hier findet sich alles, was LADY S zu einer sehr guten Serie macht. Eine verletzliche, über sich selbst hinauswachsende Hauptfigur. Ein optimales Erzähltempo, flott in der Action, überraschend, durchsetzt von gefühlvollen Ruhephasen. Und als echte Heldin muss sie (nicht zum ersten Mal) erkennen, dass Selbstlosigkeit nicht belohnt wird (zumindest nicht grundsätzlich und schon gar, wenn die Heldin eine Prägung für das weitere Geschehen erleben soll).

PHILIPPE AYMOND steht der Reihe nicht nur als Autor vor, sondern ebenso als Zeichner. LADY S ist eine Wohlfühlfigur. Bedeutet: Gut aussehend konstruiert, aber dennoch durchschnittlich. Sportlich. Anpassbar. Eine, rein optisch, Identifikationsfigur. Darüber hinaus, das ist sehr wohltuend, bricht PHILIPPE AYMOND seine Figuren nicht übers Knie, verpasst ihnen Individualität. Die Entwürfe wirken wie gecastet, besonders bei Schlüsselfiguren, auch solche, die nur in einer einzigen Geschichte ihren Auftritt als Nebenfigur haben. Hierzu gefallen mir die Figuren im vierten Thriller des vorliegenden Bandes, KRIEGSVERBRECHEN, einfach am besten.

LADY S bleibt ein THRILLER-KNALLER. Einzelgeschichten mit einem roten Faden, nämlich der kontinuierlichen Entwicklung der Hautpfigur. Eine Hauptfigur, die sich durchbeißt, von Schicksalsschlägen erschüttert, von Intrigen umgeben, aber auch mit immer neuen Verbündeten. Grafisch und erzählerisch liefert PHILIPPE AYMOND perfekte Comic-Unterhaltung ab. Stark! 🙂

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Sonntag, 07. November 2021

FIVE YEARS

Filed under: Thriller — Michael um 15:46

FIVE YEARSWLASI ist wie der PROTOTYP eines Angestellten im russischen Geheimdienst. Kühl, berechnend, maßlos neugierig. Ein Mädchen namens ZOE, im nordamerikanischen Raum sozialisiert, gerät in seine Fänge. Sie ist überhaupt nicht von ihm beeindruckt. Er hat gesehen, wie sie einen Mann in einer Kirche umgebracht hat. Er ist fasziniert. Offenbar existieren abseits seienr über die Jahre gesammelten Erfahrungen Dinge, die sich bislang seiner Kenntnis entzogen. Und WLASI scheint nicht im Geringsten zu ahnen, in welcher Lebensgefahr er sich wirklich befindet …

Man stelle sich vor, in fünf Jahren gehe nicht nur die Welt zum Teufel (oder sonstwo hin), nein, einfach alles würde verschwinden, verbrennen, zerbröseln. Chancen auf einen Neubeginn, einen neuen Urknall: Null. Bei TERRY MOORE ist eine ganz besondere Bombe für dieses riesige Fiasko verantwortlich. Und ausgerechnet seine Schöpfungen aus den Publikationen wie RACHEL RISING, STRANGERS IN PARADISE, ECHO und MOTOR GIRL wissen, dass der große Knall kommen wird. Also lässt er alle zur Rettung der Welt zusammenkommen.

Wer ein Fan von TERRY MOORES Werken ist, hat vielleicht den einen oder anderen Lieblingscharakter. Meine enstammen der siebenbändigen Serie RACHEL RISING. Allen voran geht RACHEL vorneweg, die junge Frau, die nicht mehr sterben kann. Eigentlich. Löscht hingegen besagte Bombe alles aus, komplett alles, bringt auch dieses Dasein nichts mehr. Auf dem zweiten Platz, ebenfalls aus RACHEL RISING, steht ZOE, ein mörderisches Mädchen, die das SLASHER-GENRE erfunden haben könnte (siehe auch Titelbild, erste Reihe, das Mädchen mit dem Beil). Die beiden werden in Mütterchen Russland eingesetzt, um die so genannte PHI-BOMBE zu stoppen.

An TERRY MOORES Arbeiten, der eben nicht nur zeichnet, sondern seine Geschichten auch schreibt, mag ich den zuweilen sehr schwarzen Humor. RACHEL und ZOE nehmen auch hier einen Großteil dieses düsteren Elementes mit. Andere Figuren stehen mehr für echtes Drama. Wenn eine Familie eine vorübergehende Trennung in Kauf nehmen muss und nicht sicher sein kann, ob die andere von ihrem Einsatz zurückkehren wird. JULIE und IVY, einst Feindinnen (in ECHO), arbeiten nun zusammen, trotzdem ist Vorsicht geboten, denn JULIES Kräfte können bei Menschen, die ihr zu nah kommen, Krebs auslösen. TERRY MOORES Figuren haben, so könnte man es umschreiben, haben ein gewisses Handicap, eine Eigenschaft, die sie daran hindert, ein für das gesellschaftliche Umfeld normales Leben zu führen.

Die Aufgabe der Frauen ist schon groß, wird jedoch noch durch die unterschiedlichen Eigenschaften erschwert. Aber es hält auch die Spannung durchweg hoch. Leser, die TERRY MOORE und seine Werke bislang nicht kannten, werden es ebenfalls schwer haben. Das hauseigene Crossover, das TERRY MOORE seinen Figuren beschert, erfordert Vorkenntnisse. Ich hatte Vorfreude auf das Erscheinen mancher Charaktere. Wenn MOTOR GIRL und ihr Kumpel auftauchen, macht das Spaß für Stammleser, Unkundige werden vielleicht etwas ratlos zurückbleiben.

Die Handlung schwankt zwischen Thriller und Mystery. Teilweise ist es eine Agentengeschichte. Andererseits kommen übernatürliche Elemente ins Spiel. TERRY MOORE durchbricht spielerisch sattsam bekannte Muster mit seinen Figuren. So wird Unvorhersehbarkeit zum Programm. Man kann sich als Leser nicht darauf verlassen, dass das Team die eigens gestellte Aufgabe, die Abwendung des Weltuntergangs schaffen wird. Gleich zu Beginn erfährt der Leser, wie die Apokalypse aussehen könnte. Hier werden also bereits Vorstellungen geschürt. Kurz: Der Weltuntergang ist grauenvoll und sehr schmerzhaft. (Man erinnere sich an SARAH CONNORS VISIONEN des JÜNGSTEN GERICHTS. TERRY MOORES VERSION ist fast eine Hommage an diese legendäre Filmszene.)

Ich mag die Kleinigkeiten in TERRY MOORES Szenen. Es sind nicht unbedingt Ereignisse, die die Handlung voranbringen. Es sind eher solche Szenen, Details, die den Geschehnissen einen kleinen Schubs geben. Wenn nach einem Mord ein TODESENGEL erscheint, um sich die SEELE DES TOTEN einzuverleiben, bleibt das im Gedächtnis. Wenn eine muskulöse Blondine höfliches Verhalten gegenüber Männern übt, sind das heitere Elemente, die einen zum Schmunzeln bringen.

Eine geballte Ladung gewöhnlicher und ungewöhnlicher Charaktere mit einer gemeinsamen Mission. Das zündet besonders aus FAN-Sicht. Bei genauer Betrachtung meint man sogar zu erkennen, wo TERRY MOORES Vorlieben bei den eigenen Figuren liegen (ZOE ist zweifellos eine davon). Fast rückt die gestellte Aufgabe etwas in den Hintergrund, steht doch tatsächlich mehr das WIE als das OB im Vordergrund. Gewohnt schön und sicher von TERRY MOORE illustriert, treffen hier THRILLER und MYSTERY fein abgestimmt aufeinander. Klasse! 🙂

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Freitag, 15. Oktober 2021

FAKE STORY

Filed under: Thriller — Michael um 21:45

FAKE STORY30. Oktober 1938. Ein korpulenter Junge, eine Gasmaske auf dem Gesicht, mit einer Pistole in der Hand und einer Schussverletzung in der Brust wird nachts auf der Straße von einem Auto angefahren. Sichtlich verwirrt stammelt der Junge etwas von Marsmenschen. Niemand weiß zunächst mit diesen Worten etwas anzufangen. Wenig später liegt der Junge im Krankenhaus. Sein komatöser Zustand macht jede Vernehmung unmöglich. Auch eine Operation scheint in weiter Ferne, denn die Kugel in seiner Brust steckt zu nahe am Herzen …

Das wohl bekannteste Hörspiel der Welt bildet die Grundlage der Comic-Adation von DOUGLAS BURROUGHS‘ Roman FAKE STORY. Der Roman hingegen ist ebenfalls ein FAKE. Gut inszeniert von LAURENT GALADON und JEAN-DENIS PENDANX. Nicht alle mögen das Hörspiel KRIEG DER WELTEN von ORSON WELLES gehört haben. Das Stück Radiogeschichte ist an den gleichnamigen Roman von H.G. WELLS angelehnt. Das ist kein FAKE.

Noch nie vom KRIEG DER WELTEN gehört? In Kurzform: Marsianer greifen die Erde an. Sie wollen die Erde erobern. Die Menschen sind dabei im Weg und werden gnadenlos vernichtet. Am Ende sind es nicht die Menschen, die den Krieg gewinnen, sondern Mikroben, Bakterien, Viren machen dem extraterrestrischen Gegner den Garaus. So jedenfalls im Original von H.G. WELLS. ORSON WELLES machte daraus eine Hörspielversion in Form einer Radioreportage im Jahre 1938. Die Welt lag damals in den Wehen eines heraufziehenden Zweiten Weltkriegs, die Nerven lagen blank und plötzlich berichtete das RADIO live von einer außerirdischen INVASION. Das war blanker Horror, denn so mancher begriff die Übertragung NICHT als Hörspiel.

FAKE STORY nimmt sich eines Ereignisses an, das sich im Laufe und der Folge der Hörspielsendung zugetragen haben soll. Nun, eigentlich beginnt die Handlung sogar noch vor der Sendung, aber das wird erst während der Ermittlung zum Geschehen deutlich. Der Journalist und Autor DOUGLAS BURROUGHS soll im Auftrag des Senders CBS herausfinden, ob sich tatsächlich wegen des Hörspiels eine Familientragödie abgespielt hat, in deren Verlauf der Vater und die Mutter des Jugendlichen TED OATES zu Tode kamen. Der Junge selbst liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

DOUGLAS BURROUGHS trifft aus der Großstadt NEW YORK im kleinstädtischen GROVERS MILL ein, wo, dem Hörspiel zufolge, die INVASION der MARSIANER stattgefunden haben soll. Zuerst entdeckt der JOURNALIST nur das übliche Gemisch aus Wissen, Nichtwissen, Hörensagen und Gerüchten. Die Wahrheit liegt natürlich viel tiefer vergraben und hat rein gar nichts mit Außerirdischen zu tun. Doch das wird dem Leser allzu schnell klar. Und wenn die Wahrheit ans Licht drängt, ist die Geschichte noch lange nicht vorbei.

LAURENT GALADON, Szenarist, und Illustrator JEAN-DENIS PENDANX nehmen den Leser mit ins Jahr 1938. In NEW YORK lebt man massenorientiert der Zukunft entgegen. In GROVERS MILL, dem späteren Handlungsort, hält die Zeit noch den Atem an. Man begnügt sich mit zwei Polizisten. Nachbarn haben ein Auge auf ihre Umgegend. Im Lokaljournalismus ist das Handwerk etwas schludderig ausgeprägt. Die Sensation liegt im Blick, nicht unbedingt die nervenaufreibendere Wahrheit. Doch DOUGLAS BURROUGHS vergräbt sich in diese Welt, die mit dem CHARME ALTER FOTOGRAFIEN jener Ära daherkommt.

JEAN-DENIS PENDANX‘ Grafiken vermitteln einen handgemachten, uncomputerisierten Eindruck. Gouache, vielleicht Aquarellfarben mögen hier Verwendung gefunden haben. Mit leichtem Strich lässt JEAN-DENIS PENDANX Charakterköpfe und -gestalten entstehen. DOUGLAS BURROUGHS, der ermittelnde Großstädter, hager und abgeklärt, agiert mit detektivischer Sicherheit und optisch nüchternem Auftreten. Er ist der Mann, der Eventualitäten abwägt, sorgsam Beweise sammelt, die richtigen Schlüsse zieht. Ganz anders sein Pendant, die junge REPORTERIN der HEATHCOTE NEWS, ARETHA MILLER. Wenn sie auf ihrem Motorrad zum Tatort düst, mit Beteiligten wie der jungen ORNELLA YATES spricht, hält die starke zur Schau getragene Neugier so manchen auf Abstand und zwingt teilweise sogar zum Widerstand. All das transportieren die Bilder von JEAN-DENIS PENDANX, ohne dass es einer weiteren Erklärung bedarf.

Ein warmer, märchenhafter Vintage-Retro-Look verbirgt das Bitterböse im Kern und das vordergründig Offensichtliche der Handlung. FAKE STORY ist in diesen Zeiten sicherlich kein zufällig ausgewählter Titel. Zu jeglicher Zeit existierte die Bereitschaft das Unglaubhafte zu glauben, wenn Unwissenheit das Fundament bildet. Und sogar ein innerer Zwang jeder Korrektur des Unwissens entgegensteht. Das hier so eingefangene Bitterböse andererseits besitzt ähnlich aktuelle Bezüge und genügend historische Beispiele, leider.

Vordergründig leichtfüßig, hintergründig abgründig. Die schönen, stimmungsvollen Illustrationen von JEAN-DENIS PENDANX tragen eine düster-tragische Handlung, die Krimi und Drama zugleich ist. Das Szenario von LAURENT GALADON schärft durch die Verwendung einer vergangenen Zeit für die Geschichte den Blick auf aktuelles Geschehen. So ganz nebenbei. 🙂

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