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Comic Blog


Dienstag, 21. März 2017

Lustiges Taschenbuch ROYAL 3

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 19:50

Lustiges Taschenbuch ROYAL 3Des Kaisers neue Kleider sind nicht in Gefahr, aber der König muss aufpassen, denn es geht ein Hutdieb in Paris um. Dieser hat es auf die neuesten Kreationen abgesehen. Wieder einmal ist es an der Zeit für die drei Mausketiere, die Gauner dingfest zu machen. Micky und seine Freunde, Goofos und Rudios, machen sich an die Ermittlungen und tappen zunächst einmal gehörig ins Fettnäpfchen. manchmal trügt eben der Schein.

Zurück ins royale Leben! Mit sieben Erstveröffentlichungen und zwei Geschichten aus den unendlichen Archiven des Walt-Disney-Fundus geben sich Micky, Donald und viele ihrer Freunde einmal mehr die Ehre. Es geht mittelalterlich zur Sache, die Mausketiere ermitteln stets gefährlich und mit DER PRINZ UND DER BETTELKNABE wird es besonders klassisch.

Bei dieser Geschichte fällt eine deutlich weichere Kolorierung als bei den anderen Geschichten auf. Hier wird bewusst eine gemäldeartige, mehr zeichentrickähnliche Stimmung erzeugt. ROBERTO SANTILLO und SERGIO ASTERITI schaffen bestimmt nicht zufällig eine vergleichbare Stimmung wie in DAS TAPFERE SCHNEIDERLEIN oder Mickys Auftritt als ZAUBERLEHRLING. Märchenhaft, besonders plastisch, Gastauftritten von Disneystars wie Donald und Pluto und außerdem mit Micky in einer Doppelrolle.

Abgesehen von DIE FAMILIENKRONE mit Micky und Goofy, ein in der Gegenwart angesiedeltes Abenteuer, sind die anderen Geschichten historisch oder in einem Mantel-und-Degen-Genre angesiedelt. Jeweils zwei Abenteuer stechen hier besonders hervor, stellen sie doch einerseits die jeweils beliebtesten Disney-Figuren in den Mittelpunkt und setzen völlig andere Schwerpunkte. Donald, ewiger Verlierer und gleichzeitiges Stehaufmännchen, ist einmal ganz oben und einmal ganz unten. Micky als Mausketier kann auch das Detektivspiel unter der Herrschaft des französischen Königs nicht lassen. Und ebenso klassisch ist einmal mehr Kater Karlo sein finsterer Gegner.

JUNKER DONALDUS‘ NARRETEIEN zeigt eine eher seltene Seite an Donald Duck. SANDRO DOSSI zeichnet stilistisch fein, schnörkelfrei einen Donald, der unerwartet Erfolg in einer Angelegenheit hat, um die er sich nicht gerissen hat, noch wollte er sie überhaupt haben. Donald wird zum Hofnarren bei König Dagoberton. Der bisherige Narr, Dussulus, ist alles andere als amüsiert und setzt alles daran, seinen Job zurückzubekommen. Das ist von CARMELO GOZZO absolut pointiert erzählt und spitzt sich mit dem Auftreten der guten alten Panzerknacker vollends zu. In der Geschichte HERZOG HABENICHTS UND DER FEUERSCHLÜSSEL von CARLO PANARO kehrt sich die Sympathie, die der Leser Donald entgegen bringt, deutlich um.

Hier ist Donald weitaus panischer und nur daran interessiert, endlich in den Besitz seines Erbes zu gelangen, das hoffentlich den leeren Kassen ein Ende bereiten wird. Es gibt hier weniger Kalauer als zuvor, dafür aber eine feine Zusammenarbeit mit einem mittelalterlichen Daniel Düsentrieb. Gleichbleibend knackig und flott erzählt sind die bereits erwähnten beiden Mausketier-Abenteuer im historischen Paris. Hier wurde sich tüchtig von den bekannten Abenteuern, die einst Alexandre Dumas schrieb, inspirieren lassen. Die zwei Geschichten wurden beide von SISTO NIGRO (Erzähler) und MASSIMO DE VITA (Zeichner) gestaltet. Ein feines Heldentrio, ergänzt durch eine liebreizende Minnie, einen dreisten Kater Karlo sorgen dank vieler komödiantischer Einlagen für eine generationsübergreifende Unterhaltung.

Einfach ein toller Spaß in meist historisch adeligem Ambiente. Disneys Helden füllen ihre Rollen perfekt aus und wandeln auf bewährten Spuren, wie sie bereits seit Jahrzehnten praktiziert werden. War gut, bleibt gut. Zeitlos gut! 🙂

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Samstag, 11. März 2017

VASCO – Band 27 – DIE ZITADELLE IM SAND

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:32

VASCO - Band 27 - DIE ZITADELLE IM SANDVasco hätte auf eine Begegnung mit seinem Bruder durchaus verzichten können. Aber es geht um Familie und die Familie hat Vorrang, der Wille des Vaters ist Befehl. Siena im April 1367, Vascos Vater Tolomeo möchte den seit achtzehn Jahren verschwundenen Sohn Lorenzo heim in den Schoß der Familie holen, da er gesundheitlich schwer angeschlagen ist und jemand, der versiert in finanziellen Angelegenheiten ist, die Familiengeschäfte übernehmen soll. Vasco, der jüngere Sohn, wurde ausgeschickt, um Lorenzo zu finden. Ein schwieriges und überaus gefährliches Unterfangen …

Und noch mehr als das. Autor Luc Revillon und seine Co-Autorin und Koloristin Chantal Chaillet schicken den Serienhelden VASCO auf eine sehr, sehr lange Reise, in jenen Tagen fast eine Weltreise zu nennen. Den jungen Abenteurer, der mit Fug und Recht behaupten kann, nach nunmehr 26 Folgen eine ganze Reihe erlebt zu haben, verschlägt es Richtung Marrakesch. Über das Meer, durch die Wüste im Tross einer Händlerkarawane versucht er seinen Bruder zu erreichen. Aber es dauert nicht lange, da bekommt er es schon mit Banditen zu tun.

Luc Revillon (und natürlich Chantal Chaillet) erzählen sehr zügig, sehr geradeaus, ohne allzu viele Haken zu schlagen und beleben so das historische Abenteuergenre auf erfrischende Weise. DIE ZITADELLE IM SAND ist die 27 . Folge und dennoch lässt sich die Geschichte ohne jegliche Vorkenntnis von Ereignissen oder Konstellationen lesen. VASCO wird in ein neues Szenario, eine neue Umgebung gestellt, feindliche Figuren neu eingeführt und alte Charaktere werden flugs beschrieben, ohne dass der Eindruck entsteht, etwas würde fehlen.

Abu Abdullah Muhamad Ibn Battuta, ein historisch überlieferter Gelehrter und Forschungsreisender, macht Vascos Bekanntschaft. In einem spannungsgeladenen Abenteuer, in dem Vasco durch die Wüste wandert und ständig um sein Leben fürchten muss, ist dies eine der ruhigeren und schönsten Szenen. Hier kommen großer gegenseitiger Respekt zum Ausdruck, abseits von religiösen Unterschieden treffen sich hier zwei Menschen, die das Wissen, gespeichert in Büchern auf das Höchste verehren.

Dominique Rousseau, Zeichner dieser Folge, nimmt den Leser mit in besagte Wüste, Felsenverstecke, mitten hinein ins Getümmel der Überfälle durch Tuareg, vorbei an Ruinen, hinein in die Paläste, die Herrschersäle und die Gemächer der Frauen. Er zeigt neben wenigen Oasen ein Land, das in seiner Kargheit eine ganz eigene Schönheit entwickelt hat, ganz einfach, in dem es Formen schuf, die sehr fantasieanregend sind. Das Titelbild gibt einen kleinen Eindruck. In die Oberflächenstruktur der Felsformationen lässt sich fast ebenso viel hineininterpretieren wie in ein Wolkenband.

Darüber hinaus schafft Daniel Rousseau eine über aus lebendig agierendes Personal. Sehr genau, sehr realistisch, sehr detailverliebt ist DIE ZITADELLE IM SAND auch ein Bilderbuch in Sachen Mode und Lebensart jener vergangenen Tage. Chantal Chaillet, die Revillon textlich zur Seite stand, übernahm auch die Kolorierung dieser Ausgabe. Im Ergebnis sieht der Leser eine weiche, eher gedeckte, plastische Farbgebung, die Übertreibungen scheut, obwohl es in einer Landschaft spielt, in der Licht vieles grell überstrahlt, lieber kräftigen Farbtönen den Vorzug gibt.

Ein feines Abenteuer, in dem man sofort dem Helden VASCO folgen möchte. Tapfer, mutig, neugierig trifft die Figur auch im 27. Band einen Nerv. Wer historische Erzählungen mag, Tiefgang, wohl geschilderte Verhältnisse von Land und Leuten im 14. Jahrhundert, wird hier fündig. Wer mit diesem Band den Einstieg macht, kann nicht anders, als neugierig auf den Rest der Reihe zu werden. 🙂

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Sonntag, 26. Februar 2017

RED HOOD & ARSENAL – MEGABAND 1

Filed under: Superhelden — Michael um 19:55

RED HOOD & ARSENAL - MEGABAND 1 - KÄUFLICHE HELDENRED HOOD und ARSENAL, zwei junge Helden, die schon vieles erlebt haben und dabei nicht jede Situation auf dem rechten Fuß erwischt haben. Nun will sie keiner mehr so richtig an ihrer Seite haben und irgendwie haben sie auch die Nase gehörig voll vom Heldengeschäft. Was liegt also näher, als wirklich ein Geschäft daraus zu machen, zu Miethelden zu werden? Wenn schon kein Ansehen, dann wenigstens Kohle! Klingt nicht schlecht, wenn es gut läuft, aber aller Anfang ist bekanntlich schwer.

SCOTT LOBDELL hat sich zweier jugendlichen Helden angenommen, die verdammt unkonventionell zu Werke gehen. Das Titelbild gibt einen hundertprozentigen Eindruck über das Duo, ein dynamisches zwar, aber weit entfernt von den Prinzipien eines BATMAN und GREEN ARROW, mit denen die beiden einstmals unterwegs waren.

JASON TODD ist RED HOOD. Der junge Mann stand früher als ROBIN an BATMANs Seite, wurde jedoch vom JOKER getötet, ein unerhörter Vorgang im DC-Universum, wo Helden äußerst sparsam ernsthaft verletzt werden oder gar umkommen. Wieder unter den Lebenden agiert er ausgerechnet unter dem Namen eines Kriminellen und darüber hinaus unter jenem Namen, der vom späteren JOKER kurz benutzt wurde. ROY HARPER nannte sich als Sidekick von GREEN ARROW früher SPEDDY. Aus dem trockenen Alkoholiker, versierten Bogenschützen und Technikgenie wurde ARSENAL. Die beiden Miethelden ziehen die Farbe Rot als Erkennungsmerkmal vor, aber immerhin mag JASON TODD auf das Fledermaussymbol nicht völlig verzichten.

Nach einigen ernsthaften Szenarien, umwälzenden Events gibt sich das Szenario um RED HOOD und ARSENAL creepy, anarchistisch, krachend. Das liegt natürlich auch an den Gegnern der beiden, die um einiges verrückter sind als jene, mit denen es ein BATMAN zuweilen zu tun bekommt. Die TOCHTER DES JOKERS oder auch UNDERBELLY bilden da die berühmte Spitze des Eisbergs. Eine junge Frau rennt mordend mit der abgezogenen Hautfratze des JOKERS durch die Gegend. UNDERBELLY könnte ein Bruder des Golgataners aus DOGMA sein, allerdings durchsetzt vom kriminellen Ehrgeiz eines PATEN. Manchmal geht es so wild und abgefahren wie in einem SPAWN-Szenario zu.

Grafisch ist Realismus Trumpf, trotzdem ist die Linie, auf der sich die Comic-Künstler tummeln, variabel gehalten. DENIS MEDRI, der den Auftakt zeichnet, liebt einen Strich von exakter Strenge, mit einer Spur Manga. PAOLO PANTALENA ist der Vertreter einer grafischen Richtung wie sie auch ein LEINIL FRANCIS YU pflegt. Vielleicht ist noch eine Prise PAT LEE mit dabei. Die Figuren sind etwas gestreckter, stets werden ein paar Linien mehr gesetzt, der Gesamteindruck ist etwas unruhiger als bei den peniblen Illustrationen eines DENIS MEDRI.

JAVIER FERNANDEZ lässt es hingegen krachen. Hier fühlt man sich in einen Fotoroman versetzt, einem nachempfundenen Film, dessen Bilder ein wenig reduziert, abstrahiert wurden. Trotz der verrückten Handlung, wirkt dieses Abenteuer besonders ernsthaft. JOE BENNETT hingegen holt eine sehr klare Linie in die Optik zurück. Freunde von Zeichnern wie PAUL GULACY (JAMES BOND: 007, CONAN) werden ihre Freude haben. Fette Außenlinien, genau platzierte Innenlinien, starke Schatten wecken, obwohl überzeichneter als damals, Erinnerungen ans BRONZE AGE der Comics.

In einer Zeit, da BRUCE WAYNE alias BATMAN verschwunden ist und die Verbrechensjagd anderen überlässt, machen sich RED HOOD und ARSENAL an den Kampf gegen die Schurken. Ob Nachahmer bekannter Gauner, Rückkehrer oder auch neumodische Lavazombies, die Geschwindigkeit der Erzählung von SCOTT LOBDELL ist hoch, die Illustrationen werden hohen Ansprüchen gerecht. Sehr actionlastig. Zwei Hauptcharaktere mit ebenfalls hohem Sympathiefaktor buhlen um die Gunst der Leser. Sie kommen nicht aus dem Comic-Nichts, raufen sich aber erst hier so richtig zusammen. Passt! Mehr davon! 🙂

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Donnerstag, 23. Februar 2017

THANOS – DIE INFINITY-EINHEIT

Filed under: Superhelden — Michael um 10:03

THANOS - DIE INFINITY-EINHEIT - MARVEL EXKLUSIV 121Adam Warlock ist ein Held ohne Erinnerung. Gerade erst neu geboren, gestrandet im Weltall, ohne zu wissen, wo er sich befindet und wann er wieder bei den Lebenden aufgetaucht ist. Das ist für ein Wesen seiner Machtfülle auch nicht so schlimm, denn Adam Warlock denkt und schon befindet er sich am Ort seiner Gedanken. Wenn die Gedanken allerdings gerade nicht so recht steuerbar sind und scheinbar Irrwege gehen, wird es selbst für einen Titanen wie Adam Warlock ein schwierige Angelegenheit hinter die Lösung des Rätsels zu blicken.

Autor Jim Starlin ist ein echter Veteran in Sachen Comics. Er hat die beiden großen Comic-Verlage kennengelernt und zum Beispiel in der Welt von BATMAN Spuren hinterlassen (mit der Geschichte um den Tod eines ROBIN). Für MARVEL arbeitete er am SILVER SURFER und die Handlung um ADAM WARLOCK ist am ehesten mit der Atmosphäre um den Surfer vergleichbar, der oft ein wenig verloren in seinem Umfeld wirkt. Immer auf der Suche nach einer neuen Familie im Universum, einer Bestimmung und dennoch dazu verdammt, allein seinen Weg zu beschreiten. ADAM WARLOCK könnte in THANOS – DIE INFINITY-EINHEIT kaum verlorener sein als der silberne Weltraumvagabund.

ADAM WARLOCK ist nur deutlich mächtiger als der Surfer. In seinem Zustand hat das Auswirkungen. Ein Kleinkind könnte nicht tapsiger sein. Sein Zusammentreffen mit zahlreichen bekannten Gesichtern, auch solchen, die ansonsten lieber im Hintergrund agieren, wird zu einer Nagelprobe für das gesamte Universum. Das Titelbild gibt bereits Aufschluss über das erste Zusammentreffen von ADAM WARLOCK mit ein paar sehr bekannten Helden, damals mehrheitlich RÄCHER genannt, heute modern nur noch AVENGERS gerufen.

JIM STARLIN erzählt von diesem Zusammentreffen mit einer herrlich naiven Nostalgie. Damals, zur Zeit der Entstehung vieler MARVEL-Figuren, waren die Konstellationen einfacher. Aber sie waren mitunter nicht weniger speziell. Besagter SILFER SURFER oder auch die Welt von THOR spielten mit leicht vergeistigten, philosophischen Szenarien. Da die Geschichte in einer Reihe rund um die Geschehnisse rund um THANOS handelt, ist DIE INFINITY-EINHEIT vor allem für jene gedacht, die diesem Strang folgen und zum engeren Kreis der MARVEL-Enthusiasten gehören. Denn wer hier einfach eine Superheldenkeilerei erwartet, der wird enttäuscht werden. Wer allerdings die mystischen und rätselhaften Ausflüge der FANTASTIC FOUR mit Begeisterung verfolgt hat, dem wird diese Geschichte gefallen.

ALAN DAVIS, der grafisch in den Fußstapfen eines JOHN BUSCEMA wandelt, zu den großen MARVEL-Illustratoren gehört, hat sich nun ADAM WARLOCK angenommen und stellt ihm einen altbekannten Feind des MARVEL-Universums gegenüber, der wiederum, wie kann es anders sein, anfangs aus dem Verborgenen agiert. Ganzseitige Bildcollagen, Doppelseiter, mystische Ansichten, hinreißende Space-Action, gruselige Charaktere werden von ALAN DAVIS mit Bravour in Szene gesetzt.

Aber wir sind im Weltall und deshalb braucht es zu passenden Atmosphäre noch einen ganz besonderen Kick. MARK FARMER tuscht die Bilder von ALAN DAVIS mit der nötigen Präzision, doch was die Bilder hier vor dem Auge explodieren lässt, ist die tolle Kolorierung von JORDAN BOYD und WIL QUINTANA. Beleg dafür ist ADAM WARLOCKs Erleben des Urknalls und des Zusammentreffens von ihm mit den Omnipotenzen, den allmächtigen Kreaturen, von das MARVEL-Universum einige zu bieten hat. Durch die Farbgebung erhalten die vernichteten Welten, irrwitzige Kreaturen, zersplitterten Planeten den letzten Schliff für ein Comic-Kleinod.

Für MARVEL-Hardcorefans, hier geht es ans Eingemachte, tief in die marvelsche Mystik und den Ideereichtum eines JIM STARLIN rund um die mythologische Übermacht eines THANOS und dem Chaos, das seiner Allmacht und Zerstörungswut folgt. Wunderbar illustriert von ALAN DAVIS und einem Top-Grafikteam. 🙂

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Dienstag, 21. Februar 2017

DIE NEUEN X-MEN 2 – DIE APOCALYPSE-KRIEGE

Filed under: Superhelden — Michael um 11:31

DIE NEUEN X-MEN 2 - DIE APOCALYPSE-KRIEGEMagie und Zauberei sollten Superhelden generell solchen überlassen, die sich damit auskennen. Und bei rechter Sicht auf die Dinge gibt es nur einen, der sich wirklich damit auskennt und das ist Dr. Strange. Hank McCoy alias Beast ist ein wissenschaftliches Genie, will sich aber keiner Möglichkeit zur Lösung eines Problems verschließen. Doch als blutiger Laie bittet er den Doktor um Hilfe. Leider überlässt der Magier ihm ein Artefakt, das noch für sehr viel Ärger sorgen wird …

Zeitreisen. Nicht zum ersten Mal, nicht zum letzten Mal sind X-Men in den Jahrhunderten, Jahrzehnten unterwegs. Diesmal geht die Reise in das alte Ägypten, in jene Tage, als Apokalypse noch ein kleiner Junge war, der von den Gewalttätigkeiten nichts wissen wollte und eigentlich nur davon träumte, den Grausamkeiten zu entkommen. DENNIS HOPELESS legt gerade in die zweite Hälfte der Geschichte besonders viel Gefühl. Fünf US-Hefte umfasst der vorliegende Sammelband und konzentriert sich im Kern auf das ungewöhnliche Zusammentreffen von KID APOCALYPSE, der Klon des Originals, und die junge Ausgabe von APOCALYPSE selbst.

Der Kämpfer ist in der später fast übermächtigen Kreatur bereits vorhanden. Aber eine Erziehung, die über Leichen geht, hat das Kind ebenso früh müde gemacht und die Seele zermürbt. Während sich Zeichner PACO DIAZ mit den Passagen beschäftigt, die sich rund um den gemeinsamen Einsatz von BEAST und DR. STRANGE drehen, ist MARK BAGLEY derjenige, der sozusagen die Einleitung gestaltet und den Leser nach der Überleitung durch PACO DIAZ ins alte Ägypten transportiert. Beide Comic-Künstler kommen sich technisch nahe, Unterschiede gibt es dennoch, so dass sie gut auseinander zu halten sind.

PACO DIAZ hat einen feineren Strich, grazil, zerbrechlich, penibel genau wie eine Bauzeichnung. Er begleitet mit seinen Bildern, das Aufeinandertreffen von realer Welt und des Jenseitigen, wo die Geister hausen, die ein DR. STRANGE sehen kann. Für diese Vielschichtigkeit, die sich in einer Mixtur von schwarzweißen und farbigen Bildanteilen äußert, ist er mit seiner Technik der richtige Mann. An machen Stellen gibt es sogar weitere bunte Überlagerungen. Es besitzt stellenweise den Charme von MARVEL-Animationen und einen spannende Tiefe, wenn sich Kreaturen einmischen, die der Fantasie eines H. P. LOVECRAFT entsprungen sein könnten.

MARK BAGLEY, MARVELS Zeichner, der schon mit dem ULTIMATE SPIDER-MAN und den FANTASTIC FOUR begeisterte, ist zu einem meiner Lieblingszeichner des MARVEL-Universums geworden. Hier ist ein kräftiger Strich zu finden, wie ihn Comic-Kollegen wie ALAN DAVIS pflegen, oder Vorgänger wie JOHN BUSCEMA lange vorher für MARVEL entwarfen. Das ist einerseits künstlerisch modern, andererseits aber auch traditionalistisch geprägt, alte Schule im besten Sinne. Es ist kein Wunder, dass MARVEL Künstlern wie ihm einige der wichtigen Comic-Serien anvertrauen.

In der zweiten Hälfte von DIE NEUEN X-MEN 2, DIE APOCALYPSE-KRIEGE, offenbart sich eine weitere Stärke von MARK BAGLEY. Die Mixtur aus Technik, Antike, Schwertkämpfen, Magie und historischen Gewändern beflügelt den Künstler zu grafischen Meisterleistungen. Es wäre wünschenswert, wenn MARVEL BAGLEY die Gelegenheit gäbe, noch einmal mit einem solchen Szenario arbeiten zu können.

Tolle Fortsetzung, mit einem präzise erzählten und gezeigten Fokus auf der jungen APOCALYPSE-Variante. Fans von MARK BAGLEY kommen voll auf ihre Kosten, Fans der X-MEN lernen eine klasse Facette dieses Teils des MARVEL-Universums kennen. 🙂

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Dienstag, 14. Februar 2017

I.R.$. 16 – KRIEGS-OPTIONEN

Filed under: Thriller — Michael um 11:01

I.R.S. 16 - KRIEGS-OPTIONENEin vom Krieg gebeuteltes Land. Das einstige Zaire, heute Kongo genannt, hat Völkermord und unvorstellbare Gräueltaten erlebt. Darüber haben sich Waffenhändler als Kriegsgewinnler eine goldene Nase verdient und Waffen an buchstäblich jede Seite in diesen Konflikten verkauft. Und jeder Seite ist es gleich, ob ihr Lieferant auch die anderen aufrüstet, Hauptsache, ihre Mordwerkzeuge funktionieren. Larry B. Max ist in die Höhle des Löwen zur Lösung seines Falls vorgedrungen. Seine Feinde allerdings erwarten ihn bereits.

Es dürfte einer der gefährlichsten Fälle sein, die sich Autor Stephen Desberg da für seinen Helden Larry B. Max vom amerikanischen Finanzamt ausgedacht hat. Hier werden große Geschäfte gemacht. Hintermänner dirigieren Auseinandersetzungen und Kriegsparteien in Gebieten, die scheinbar regierungslos dahin treiben. Warlords bekämpfen sich gegenseitig und massakrieren die Zivilbevölkerung, die es nicht schaffen kann, unbehelligt aus Mord und Totschlag hervorzugehen. Bezahlt wird mit Bodenschätzen: Kupfer, Gold, Kobalt. Der Kongo verzeichnet an der Spitze der langjährigen Kämpfe mehrere Millionen Tote.

Stephen Desberg wandelt mit seinem Thriller KRIEGS-OPTIONEN, dem abschließenden zweiten Teil nach der ersten Hälfte DAS GESCHÄFT MIT DEM TOD, weniger auf den Spuren eines Bond-Abenteuers, als vielmehr auf Kinoreißern wie LORDS OF WAR, der sich thematisch ähnlich bewegt. Stephen Desberg beschreibt ein System, gegen das sein Held nicht gewinnen kann, er kann allenfalls eine Figur aus dem Spiel nehmen. Doch so, wie der Leser die Geschichte verfolgen kann, ist es keine Frage, ob diese Figur ersetzt werden wird, allenfalls lautet die Frage, wann es geschehen wird.

Die Handlung ist hart und kompromisslos. Hier wird niemand in letzter Sekunde gerettet. Wer hier mit einem Fuß im Grab steht, wird mit dem Rest bald folgen. Deshalb findet sich auch hier kein Bond, sondern ein bitterer Realismus, mit dem moderne Thriller heutzutage gerne auftrumpfen. Zweite Chancen gibt es nicht. Die Zeichnungen von Bernard Vrancken stützen die Geschichte nahtlos, sie sind jedoch etwas gnädiger, denn einen Teil des Grauens überlässt Vrancken den fortführenden Gedanken des Lesers. Man weiß zweifellos, was geschehen wird, wird es aber nicht wirklich sehen.

Bernard Vrancken muss nicht sehr viel Action zu Papier bringen, da die Handlung sich in der amerikanischen Politik bewegt, an öffentlichen Orten, wo Intrigen ihren Lauf nehmen oder auf eleganten Empfängen, die als Kulisse für zwielichtige Geschäfte dienen. Das bedeutet, Bernard Vrancken setzt menschliches Miteinander in den Vordergrund. Emotionen, Konstellationen, Atmosphäre erschaffen eine packende Abfolge von Bildern, an denen sich Fans stilistisch ähnlicher Künstler wie Philippe Francq, Colin Wilson oder Marc Bourgne erfreuen können. Durch die erzählerische Dichte Desbergs, fein gewählten Bildausschnitten und Perspektiven erhält der Comic-Fan eine sehr flüssig konstruierte Seitenfolge, die hervorragend zu lesen ist.

Der 16. Band der Reihe I.R.$. ist ein harter Reißer, der an der Charakterstärke der Hauptfigur Larry B. Max rüttelt und ihr einmal mehr einen Schicksalsschlag versetzt. KRIEGS-OPTIONEN, so der Titel der Folge, lebt von einer durchgehenden Bedrohung, die jederzeit zuschlagen kann, und Wendungen, die Larry durch die Handlung hetzen und den Leser demzufolge toll mitziehen. Mit dieser Episode gelingt Autor Stephen Desberg ein echtes Bravourstück in Sachen Comic-Thriller. 🙂

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Montag, 13. Februar 2017

KING UND KONG – Gesamtausgabe 2

Filed under: Cartoon — Michael um 13:52

KING UND KONG - Gesamtausgabe 2Tiere machen hin und wieder schon mal Blödsinn. Aber Affen, die sich wie Singvögel gebärden? Zebras, die den Spieß umdrehen und Löwen jagen? Da ist was im Busch im Busch, Verzeihung, im Dschungel. Kurz zuvor haben KING UND KONG noch das Leben aus erhöhter Position beobachtet. Es war gefährlich, es war der Lauf der Natur, aber eben ganz natürlich. Wenig später treffen der Junge und sein Freund, der Gorilla, nicht nur auf alte Bekannte, sondern sie machen auch eine Entdeckung, die das Leben im Urwald völlig auf den Kopf stellen könnte.

KING UND KONG sind zurück. In der 2. Gesamtausgabe sind zum guten Schluss fünf Alben versammelt. Erschienen zwischen den Jahren 1982 und 2008, liegen nun alle Geschichten der beiden Helden in einer sehr stark redaktionell betreuten Ausgabe vor. Auch der zweite Prachtband der Gesamtausgabe ist mit 360 Seiten ein Schwergewicht. KING UND KONG sind erwachsen geworden. Die Geschichten weisen mehr Personal auf, die Konstellationen ähneln sich grundsätzlich, aber thematisch wird es zunehmend fantastischer. Dabei beginnt es sehr bodenständig. Man könnte sagen, KING wird gezwungenermaßen zu einer Art Nanny.

ENTFÜHRT! lautet der Titel des ersten hier abgedruckten Albums. Das beschauliche Leben wird nicht mehr nur von den beiden Halunken Harry und Joe durcheinandergewirbelt. Pin-Up ist ein kleines schwarzhaariges Mädchen, das sich bisher erfolgreich allen Versuchen widersetzt hat, sich in eine Zivilisation abseits des Dschungels zu integrieren. Da muss KING ran. Er kennt sich mit dem Leben im Dschungel aus und besitzt das nötige Sozialverhalten, um als Lehrer fungieren zu können. Ein Mädchen im Dschungel? Das riecht nach Ärger. Und der ist tatsächlich vorprogrammiert.

Selbstverständlich raufen sich die Kinder über kurz oder lang zusammen. Denn es warten ABENTEUER IN DER URZEIT. Hier werden Bezüge zum Klassiker von Arthur Conan Doyle deutlich. DIE VERGESSENE WELT des britischen Autoren ist ein ähnlich abgeschiedenes Areal, wie das hier von CAUVIN und MAZEL erdachte. Und die Welt, in die es KING UND KONG verschlägt könnte kaum ungefährlicher sein. Zusätzlich zu den Sauriern und Mammuts haben sich auch seltsame Eingeborene eine Nische in diesem fremden Dschungel erobert.

Seltsam, merkwürdig, mysteriös, unheimlich, zauberhaft, märchenhaft. So lauten Stichwörter für die nächsten Geschichten aus dem Leben von KING UND KONG. in Die Ritter der Unterwelt, Fauler Zauber, Roter Nebel, Gestrandete Seelen und Stein-Reich finden sich viele fantastische Elemente wieder. Teils ergehen sich die beiden Comic-Macher in irren Albernheiten. Und dem Motto Geht nicht, gibt es nicht, fliegt KONG sogar mit einem Hexenbesen und beide Helden wagen einen Spaziergang auf dem Grund des Ozeans. Der Leser kann sich unbesehen ausmalen, welche Möglichkeiten sich für die Abenteuer von KING UND KONG ergeben, wenn dem Erleben gar keine Grenzen mehr gesetzt sind. Einzig der Ausgangspunkt, der gute alte Urwald, bleibt immer als Start erhalten.

KING ist älter geworden. Er ist nicht mehr der ganz kleine Junge und noch weniger benötigt er den ständigen Schutz des Gorillas KONG. Außerdem erscheint er durch die ungewöhnlichen Geschichten eine Mischung aus Korak, Tarzans Sohn und Johann und Pfiffikus geworden zu sein. Gerade in den Abenteuern Ritter der Unterwelt sowie Gestrandete Seelen, in denen Schwertkämpfer und Untote auftauchen, lassen sich Parallelen ziehen. Der Strich von Mazel ist mitunter sehr zart und entfaltet all seine Wirkung, wenn er so richtig chaotisch, anarchisch Szenen zu Papier bringen kann. In vier Fünfteln des vorliegenden Sammelbandes darf sich der Leser also auf ein mächtiges Comic-Feuerwerk freuen.

Ein Knaller! Pralle, ungehemmte Komikklopper reihen sich aneinander, fein illustriert von einem Mazel, der sich stilistisch in der Nähe eines Morris befindet. Wer den Humor eines Goscinny oder eines Peyo mag, kann bei KING UND KONG bedenkenlos zugreifen. Sehr schön! 🙂

KING UND KONG, Gesamtausgabe 2, 1982-2008: Bei Amazon bestellen
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Mittwoch, 01. Februar 2017

ARCTICA – 1. ZEHNTAUSEND JAHRE IM EWIGEN EIS

Filed under: SciFi — Michael um 9:34

ARCTICA - 1. ZEHNTAUSEND JAHRE IM EWIGEN EISSpitzname: Dakota. Flugzeuge sind seine frühe Leidenschaft. Ein alter Mann beschäftigte sich ganz in der Nähe seines Zuhauses mit noch älteren Flugzeugen. Der alte Pilot war es, der dem Jungen den Wert von guten Noten erklärte, denn ein guter Pilot muss auch gut in Mathematik sein. Zur Belohnung, für eine wirklich gute Note, sollte der Junge das schönste Flugzeug der Welt zu sehen bekommen: eine Douglas C-47, Codename Dakota. Gemeinsam richteten sie die Maschine wieder her. Seit dieser Zeit war der Junge vom Flugvirus infiziert. Viele Jahre später ist er zu einem der besten Piloten der European Air Force geworden. Niemals hätte er ahnen können, welche Ereignisse er durch einen seiner Einsätze ins Rollen bringen würde.

Daniel Pecqueur beschäftigt sich einmal mehr mit seiner Reihe ARCTICA mit der nahen Zukunft. Die Gesellschaft ist zusammengewachsen, die Ressourcen sind knapp geworden, die Technik hat zu weiteren Höhenflügen angesetzt. Da geschieht etwas, das das Selbstverständnis der Menschen gehörig ins Wanken bringt. In einer Welt, in der das Trinkwasser rar geworden ist und Eisberge zu einer immensen Gefahr für die Schifffahrt, taucht eine seltsame Fracht auf, die, wie es der weitere Titel verrät, ZEHNTAUSEND JAHRE IM EWIGEN EIS eingeschlossen war.

Boyan Kovacevic, der Zeichner, der diese Welt zum Leben erweckt, ist ein ähnlicher Perfektionist wie Nicolas Malfin (GOLDEN CITY). Beide arbeiten mit dem Koloristen Pierre Schelle zusammen, der ihre Bilder, hier ebenso, mit einem strahlenden Glanz versieht, ganz im Stile von hochwertiger Kameraarbeit, wie der Cineast es sich für derartige Science-Fiction-Abenteuer wünscht. Tatsächlich lässt es sich so zur Arbeit von Pierre Schelle sagen: ein Kolorist, der die farblosen Grafiken aus der Sicht eines Kameramanns sieht und sie in Perfektion ausleuchtet.

Zurück zu Boyan Kovacevic. Der Comic-Künstler ist ein gutes Beispiel für die vielfältige Leistung, die ein Zeichner so ganz nebenbei bewerkstelligt. Ebenso wie ein Nicolas Malfin oder ein Roger Leloup es schaffen, werden hier technische Möglichkeiten aufgezeigt und wird ein Zukunftsdesign vorgestellt. Derartiges Design leitet sich von aktuellen Formen ab, ist bodenständiger, wirkt echter, als es die Zukunftsideen in den 1960ern und 1970ern taten. Eine gigantische Hafenanlage mag von Star Trek oder Starship Troopers inspiriert sein. Ein Flugzeugträger mit einem Doppelrumpf lässt ein Schlachtschiff noch riesiger erscheinen. Im zivilen Bereich können Ansichten von Traktoren, Sportwagen, Zügen oder auch Architektur überzeugen.

Daniel Pecqueur verlässt sich nicht allein auf die Darstellungskunst seines Grafikteams, sondern gestaltet zusätzlich zur Erzählung eine Gesellschaft, die aus unserer einfach weitergewachsen scheint, ohne zu murren. Und nun tummelt sich rundes Zukunftsdesign vor klassischen Gebäuden, während in finsterer Nacht Züge überfallen werden, weil sie Trinkwasser transportieren. Da gerät der Kern der Geschichte, nämlich ARCTICA fast in den Hintergrund, könnte man meinen, stellte sich nicht spätestens mit der Einführung der Figur Mismy heraus, wie gut ARCTICA durch diesen Detailreichtum eingebettet wird.

Ein dicht erzählter Auftakt, der einer ganzen Reihe von Charakteren Zeit zur Entfaltung gibt. Daniel Pecqueur entwirft ein weiteres Science-Fiction-Szenario (neben GOLDEN CITY), das auf einem Drahtseil zwischen Utopie und Dystopie hin und her balanciert. Wunderbar illustriert vom Grafikduo Kavacevic und Schelle. 🙂

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Freitag, 27. Januar 2017

GOLDEN CITY 10 – NIEDRIGE ERDUMLAUFBAHN

Filed under: SciFi — Michael um 16:43

GOLDEN CITY 10 - NIEDRIGE ERDUMLAUFBAHNGOLDEN CITY, die schwimmende Stadt der Reichen und Mächtigen dieser Erde ist vor geraumer Zeit einem Attentat zum Opfer gefallen. Die gigantische Konstruktion ging mit Mann und Maus unter Wasser verloren. Für die finanzielle Elite der Welt muss ein neuer Rückzugsort her. Deshalb startet die neue GOLDEN CITY ins All. Von dieser Maßnahme erhoffen sich die Verantwortlichen eine erhöhte Sicherheit des Projekts. Bislang haben sie Glück mit ihrer Planung. Aber eine kleine Hürde gibt es dennoch. Harrison Banks, der Vorstandsvorsitzende, ist seit ähnlich langer Zeit verschwunden wie die erste GOLDEN CITY. Entgegen aller Erwartungen lebt er noch. Noch … denn er ist einigen der Mächtigen im Weg.

Das GOLDEN-CITY-Team startet einen neuen Zyklus. Während die neue Stadt im Weltraum schwebt, sieht es auf der Erde auch für den Augenblick rosig aus. Es ist eine kleine zusammengewürfelte Familie, die sich ein bescheidenes, schönes Heim am Meer geschaffen hat. Apple, Mifa, Solo, Kumiko und der Pelikan Nikos geraten mit dem Gesetz in Konflikt, als sich herausstellt, dass das Küstengebiet, auf dem sie leben, bald verkauft wird und sie fortziehen sollen. Autor Daniel Pecqueur schafft so in der 10. Episode von GOLDEN CITY eine Ausgangssituation, die kein Vorwissen der bisherigen Serie benötigt.

Das Auftreten weiterer Figuren, bekannte wie unbekannte, ist ebenfalls selbsterklärend. Der Handlungsbogen ist straff, spannend erzählt und mit den beiden Figuren Kumiko und Nikos mit klasse Sympathiefiguren versehen. Denn Daniel Pecqueur verlässt sich nicht allein auf Technik, Gauner und halbwüchsige Helden. Mit dem Pelikan Nikos hat er ein As im Ärmel. Der Vogel ist nicht nur (sehr realistisch, wie alles andere auch) als Sympathieträger gezeichnet, er weist auch eine für die Vogelart erhöhte Intelligenz auf. Ohne zuviel zu verraten, darf gesagt sein, dass Nikos zu einem wichtigen Baustein des vorliegenden Abenteuers wird.

Nicolas Malfin und Pierre Schelle bilden ein eingespieltes Grafikteam. Man kann grundsätzlich im Medium Comic erkennen, wie sehr eine gute Zusammenarbeit verschiedener Comic-Künstler über einen längeren Zeitraum zu überdurchschnittlich perfekten Ergebnissen führt. Malfin und Schelle können hier einige Gegensätze illustrieren, die vor allem durch ihre zeitliche Nähe zu Spannungen führen.

Leben die Jugendlichen an der Küste vergleichsweise paradiesisch, sieht es in den Städten ganz anders aus. Das relativ unschuldige Dasein von Apple und seinen Freunden könnte nicht gegensätzlicher zu den Unterhaltungsformen der Erwachsenen im Inland sein. Gleichzeitig erfährt der Leser an anderer Stelle, wie es um einen großen Teil des Rests der Menschheit bestellt ist. Das ist optisch auf jeder Seite ein Hingucker, ob es nun menschelt, actionlastig oder ganz einfach eine besondere Atmosphäre hergestellt wird.

Fans der Reihe werden sich auf ein Weidersehen mit alten Bekannten (und Feinden) freuen können. Wer noch keine Kenntnisse besitzt, findet im Aufbau der Geschichte einen guten Einstieg vor, auch dank der neuen GOLDEN CITY, die durch ihre NIEDRIGE ERDUMLAUFBAHN vollkommen andere Möglichkeiten künftiger Fortsetzungen bietet. Grafisch verfährt GOLDEN CITY dank Zeichner Nicolas Malfin und Kolorist Pierre Schelle weiter in der gewohnt glasklaren, sauberen Technik. Vor allem durch Schelle entstehen Bilder von einer sonnendurchfluteten Welt. Tolles Science-Fiction-Abenteuer! 🙂

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Dienstag, 24. Januar 2017

HELLBOY 15 – DIE TODESKARTE

Filed under: Mystery — Michael um 18:36

HELLBOY 15 - DIE TODESKARTEEtwas Böses kommt. Es wahr so groß wie HELLBOY, aber sein Hass hat es wachsen lassen. Ein vom Zorn aufgeblähter Riese walzt durch die Hölle. HELLBOY soll dabei helfen, dem Monster eine Falle zu stellen. Um sie herum bricht die Welt in Stücke, dennoch pirscht sich das Monster heran, während HELLBOY auf es einprügelt, aber keinen nennenswerten Erfolg damit erzielt. Kacke! So lautet HELLBOYS Fluch, wenn es mal wieder nicht so läuft, wie er sich das vorgestellt hat. Nun könnte es sogar seine letzte Aussage werden … die allerletzte.

HELLBOY ist tot und in der Hölle. Das bedeutet aber nicht, dass er untätig ist. Keineswegs, denn einige haben mit HELLBOY noch eine Rechnung offen und da gerade in der Hölle alles drunter und drüber geht, scheint die Gelegenheit für Rache günstig zu sein. Was ist die Hölle? Mike Mignola hat auch in BALTIMORE mit diesem Thema gespielt, aber extremer ist es noch in HELLBOY, denn mittlerweile ist der Höllenjunge vor Ort angelangt. Die Hölle ist anscheinend zu einem guten Teil das, was man mit sich nimmt. Seltsamerweise oder auch glücklicherweise, das ist sicherlich Ansichtssache, findet der knallrote Krieger in dieser Endstation ebenfalls ein paar Freunde.

Kann man in der Hölle noch einmal sterben? Leiden ist auf jeden Fall eine Option. Auch HELLBOY bleibt davon nicht ausgenommen. Er hat vieles bewerkstelligt, was so mancher Dämon für unmöglich hielt, aber auch HELLBOY hat seine körperlichen Grenzen. Mike Mignola, HELLBOYS Erfinder, führt die lange Saga zu einem rauschhaften Ende. Schon lange versteht sich Mignola auf eine verwunschene Fantastik, die abseits des Mystery-Mainstreams verl?uft. Grafisch und atmosphärisch verfährt er dabei in einer Mischung aus gewucherten und nun in sich zusammenbrechenden Städten, verschwommenen Küstenlinien, einer Nacht, die nicht so recht dunkel werden mag und einem Winter, der sich nicht herantraut.

Mike Mignola gehört zu den den Zeichnern, die, nachdem sie einmal ihre Stilistik gefunden haben, sich über die Jahre hinweg treu geblieben sind. Da hat sicherlich da eine oder andere Feilen stattgefunden, insgesamt aber stehen optisch frühe HELLBOYS gleichberechtigt neben den späteren Ausgaben. Aufgrund des grafischen Erfolges haben sich auch andere Comic-Künstler in diese Richtung gewagt. Und sind gescheitert. Nur Mignola ist das Original. Warum das so ist, zeigt er hier eindrucksvoll. Denn Mignolas Welten würden nicht so in der Erinnerung haften bleiben, wären sie realistischer gezeigt. Die Grafik verlangt vom Leser ein Eintauchen in eine hart linierte Traumwelt.

Abstraktion wird hier groß geschrieben, sehr groß sogar, derart groß, dass abstrakt malende Künstler sich hier eine Scheibe abschneiden können. Früh hat Mike Mignola die Reduzierung perfektioniert und zu einem wichtigen Teil der Erzählung gemacht. Es ist vergleichbar mit manchem Puppentheater. Niemand mag die Mimik einer Marionette sehen können, aber jeder wird sich hinterher erinnern können, dass es eine gab.

So entstehen in dieser Welt Sequenzen, wie sie träumerischer kaum sein könnten, einem Blick mit nach innen gerichteten Augen nachempfunden. Es ist eine Art Odysee, die HELLBOY hier durchmacht. Kraftlos, verbraucht, mit grauer Haut, später wieder rötlich, allein im finsteren Wald, im Kampf gegen Dämonen, teil gigantischen Mutationen oder bei der Begegnung mit seiner Ex.

Ein echter HELLBOY. Mit einer ganz eigenen Mythologie aufgebaut, düster lässig erzählt, kantig minimalisiert abgebildet und insgesamt einzigartig in seiner Machart. Mike Mignola hat das Comic-Mystery-Genre mit HELLBOY geprägt und nun grandios (einen Teil der Saga) zum Abschluss gebracht. 🙂

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