Freitag, 12. März 2010
Die Schiffbrüchigen teilen sich in zwei Gruppen. Die eine Gruppe ist deutlich größer und friedliebend. Die anderen, wenige Männer nur, sind Piraten. Obwohl sie leicht überwältigt werden könnten, haben sie ein Faustpfand, das es den anderen unmöglich macht, anzugreifen: Kinder als Geiseln. Die Piraten sind nicht dumm, wenigstens ihr Kapitän nicht. Er weiß ganz genau, dass dieses Druckmittel nur vorübergehend funktioniert und auch nur so lange, wie die erpressten Männer und Frauen mitspielen. Doch hält er seine eigenen Besatzungsmitglieder nicht im Zaum, kann der lahmende Wille zum Aufruhr bei der anderen Gruppe ganz schnell in Gegenwehr kippen.
Das Spiel ist aus! Der Preis war hoch, der Einsatz ebenfalls, aber viele waren bereit ihn zu zahlen. Doch nun haben sich die Regeln geändert. Und niemand hielt es für notwendig, es den Spielern mitzuteilen. Granit und ihre Freunde haben zu diesem Zeitpunkt, der 7. Folge Der Schiffbrüchigen von Ythag eine wahre Achterbahnfahrt hinter sich und Christophe Arleston, der Autor, scheint nicht gewillt zu sein, das Tempo herauszunehmen. Im Gegenteil fügen sich einige Puzzleteile zusammen, die das Tempo noch anziehen.
Aus Freunden werden Feinde. Oder, waren sie das nicht sowieso die ganze Zeit? Wer hat sich verstellt? Und wer war echt? Innerhalb der bestehenden Gruppe sät Arleston Zweifel, schürt Misstrauen. Einige Charaktere wechseln ihre Stellung, während andere sehr beständig (quengelig) bleiben. Die ehemalige Passagierin Callista, die in eine Art Ersatzmutterrolle geschlüpft ist (obwohl sie diese liebend gerne wieder abgeben würde). Dafür, Stichwort Ersatzmutter, hat Arleston durch diesen kleinen Trick wieder den Knuffelfaktor erhöht. Es gibt Kritiker, die Handwerk bei Erzählern kritisieren. Ich hingegen meine, dass Arleston seine Instrumente perfekt beherrscht und so absolut souverän auf der Klaviatur der Erzählung zu spielen weiß.
Das Geheimnis ist … Der Hintergrund der Handlung, der Grund, warum überhaupt so viele verschiedene Spezies und Wesen auf Ythag sind, ist nun kein Geheimnis mehr. Der Grund ist beschämend für manche Akteure, andererseits hilft ihnen dieses Wissen bislang nicht, um einer Flucht von Ythag näher zu kommen, im Gegenteil. Wo die einen Schwierigkeiten überwunden werden, türmen sich andernorts neue auf. Aus dem ehemaligen Bordtechniker Narvath wird eine tödliche Bedrohung. Als wäre das noch nicht genug, bezeugen die Ythen höchstpersönlich ihren Unmut und Piraten machen der kleinen Gemeinschaft das Leben schwer.
Christophe Arleston gönnt seinen Figuren einfach keine Pause. So bleibt für Adrien Floch weiterhin eine Menge zu tun. Die Schiffbrüchigen von Ythag lebt nicht nur von der spannenden Handlung, sondern auch sehr stark von der Atmosphäre. Mit seinen Bildern hat Floch diese maßgeblich beeinflusst und Ythag seinen Stempel aufgedrückt. Gleich der Auftakt ist stimmig. Knapp über der Wasseroberfläche eines Ozeans darf der Leser Treibgut beobachten. Es bewegt sich mit der Strömung auf eine Insel zu. Das verspricht allerdings keine Hoffnung, denn über dem Eiland raucht der Schlot eines Vulkans.
Die Gefahr, die hier versprochen wird, bewahrheitet sich gleich auf der nächsten Seite in einem tödlichen Zweikampf. Die Brutalität der Szene macht deutlich: Obwohl Adrien Floch auch Fähigkeiten benötigt, den von Arleston beigefügten Knuffelfaktor umzusetzen, werden hier keine Gefangenen gemacht. Obwohl manches karikiert wirkt, auch ein wenig cartoony, zeichnet Adrien Floch nicht nur überaus genau, fein und exakt (und auch besser als noch zu Beginn der Reihe). Neben einer tollen Kulisse wie einem Piratenschiff, Ruinen, einem Dschungel und gigantischen Kreaturen versteht sich Floch auf den rechten Blickwinkel, die nötige Dynamik in Action-Szenen und schöne Ansichten, in denen die Gefühle der einzelnen Figuren deutlich an ihren Gesichtern abzulesen ist.
Claude Guth und Sebastien Lamirand, verantwortlich für Farben und Spezialeffekte, kennen die Arbeit an Geschichten von Arleston bereits aus der Welt von Lanfeust. Die Qualität zeigt sich besonders in spektakulären Szenen wie Stürmen oder auch im bombastischen Finale des vorliegenden Bandes.
Das Wissen der vorherigen Bände vorausgesetzt, ist die 7. Folge dieser Reihe beste ScFi-Fantasy, in der Arleston scheinbar mühelos stets den richtigen Ton einer Szene trifft. Mit Adrien Floch an seiner Seite ist eine stimmige und aufregende (wie auch grafisch sehr schöne) Weltensicht entstanden.
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Dienstag, 09. März 2010
1982 begaben sich ein junger Jeff Bridges und ein Bruce Boxleitner auf der Leinwand in ein kurioses Abenteuer: Das Master Control Program, kurz MCP, versuchte sich an einer Machtübernahme, unterjochte Programme und wollte auch vor einem User, den es in diese Welt verschlagen hatte, nicht Halt machen. Jetzt, nach so vielen Jahren, sind der brandneue Oscar-Gewinner Jeff Bridges und Bruce Boxleitner wieder da. Sicherlich ist TRON, wie der ungewöhnliche Film damals hieß, keine Comic-Verfilmung, aber in seiner gesamten Machart hätte er durchaus eine sein können.
Nach einem einem ersten Trailer der Fortsetzung TRON Legacy zeigten sich die Veränderungen, die technischen Verbesserungen zur damaligen Version, aber auch die Anteile, die übernommen wurden. Das, was damals funktionierte, funktioniert auch heute noch. Und es wird sicherlich zu unterschiedlichen Ansichten kommen, welches Element besser aussieht, jenes von gestern oder heute. Gleichermaßen beeindruckend war und ist beides, zumal die Fortsetzung auch in 3D zu sehen sein wird. Seit Avatar ist diese Technik auf dem Vormarsch und erfreut sich anscheinend zunehmender Beliebtheit.
Den ersten und den zweiten nagelneuen Trailer gibt es auf Youtube zu sehen:
Trailer 1
Trailer 2 (auf deutsch)
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Die Freunde müssen auf das Schiff. Sie wollen nicht einmal als blinde Passagiere an Bord, sondern wollen sich sogar die Überfahrt durch Arbeit verdienen. Leider sind alle Stellen vergeben. Was nun? Vielleicht fällt noch das eine oder andere Besatzungsmitglied aus und es wird Ersatz gesucht werden. Und falls nicht, kann man nachhelfen. Ein paar Besatzungsmitglieder in blendendweißer Uniform verschwinden so einer nach dem anderen. Und siehe da: Plötzlich werden einige Posten frei. Es zeigt sich jedoch schnell, dass Lanfeust, Cixi, Hebus und die anderen nicht gerade für das Bedienen von feinen Herrschaften geboren sind (na, alle diese Herrschaften sind auch nicht gerade fein). Spätestens als das Magengrimmen von Hebus sich als …
Aber das muss man einfach selbst gesehen haben.
Das Ende von 16 Bänden, des zweiten Zyklus, aber hoffentlich nicht das Ende dieses Universums. Der Autor Christophe Arleston schöpft grundsätzlich aus dem Vollem. Kleine Welten gibt es nicht. Bei Arleston geht es bis zur Unendlichkeit und noch weiter. Mit Lanfeust hat Arleston ein ewiges Kind erschaffen. Für Abenteuer immer schnell bei der Hand taugt Lanfeust allerdings nichts für eine Beziehung, noch weniger für eine Familie. So bleibt es nicht aus, dass ausgerechnet ein Troll namens Hebus sein bester Freund ist. Auch Hebus ist eher ein Haudrauf und Tausendsassa. Aber vielleicht sind es gerade diese Qualitäten, die einen Abenteurer ausmachen und die es ermöglichen, in der Welt auf Troy (und noch viel weiter weg davon) überleben zu können.
Der Handelsprinz von Merrion glaubt seinen Handlanger Thanos fest im Griff zu haben. Aus solchen Dienstverhältnissen sind selten fruchtbare Beziehungen entstanden. Es ist bei Erzählern, insbesondere in den fantastischen Genres sehr beliebt, ein solches Verhältnis kippen zu lassen. Die Gründe hierfür finden sich im Ideenreichtum des jeweiligen Autors. Hier wird der Boss nicht mehr gebraucht, da der Auftragsmörder längst alles besser kann: Thanos.
Woher auch jemand wie Arleston seine Inspirationen holt, zeigt sich an kleinen Beispielen, als Thanos ein neues Äußeres benötigt: Darth Vader gab es schon. Und ein Alien ist auch zu simpel. Andererseits zeigt es auch seinen Humor, der an allen Ecken und Enden der vorliegenden Handlung aufblitzt und lange nicht nur in Anspielungen zu finden ist. Swip, ein kleines Wesen von enormer geistiger Kraft, wird zum Züngling an der Waage zur Auflösung des Abenteuers. Übertreibungen finden sich bei Arleston häufig, doch mit dem anfangs gigantischen Endgegner hat selbst er für seine Verhältnisse einen kleinen Vogel abgeschossen. (Und dann noch das Huhn!) Wer angesichts dieser Auflösung enttäuscht sein mag, ist selber schuld. Bei Christophe Arleston ist jedes Detail wohl kalkuliert.
Einzelheiten, den kleinen Hingucker für zwischendurch, gibt es an allen Ecken. Deshalb hat Didier Tarquin ziemlich viel zu tun. Sein Zeichenstil ist von lockerem Strich. Da entgleitet auch schon eine Linie. Außerdem werden Figuren gegeneinander abgrenzt, indem Tarquin hier und dort stärker stilisiert, vereinfacht. Auch dafür gibt es stets einen Grund, wie sich anhand der Maske des Fernsehmoderators wunderbar sehen lässt. Hier wird nicht geliftet, hier zeigt ein Helm das gewünschte Bild. Trotzdem ist auch diese Prozedur nicht besonders angenehm.
Der Humor der Erzählung kommt Tarquin sehr entgegen, denn er ist ein Zeichner, der einen Grundhumorlevel allein durch seine Zeichnungen erschafft. Die von Arleston beschriebenen Anspielungen setzt er mit einem Augenzwinkern um (da ist doch tatsächlich noch jemand in Carbonit eingefroren). Tarquin zeichnet fein, aber auch mit harten, kantigen Linien, wie gemeißelt. Die Farbgebung von Claude Guth unterstützt diesen Effekt. Neben fein strukturierten Figuren warten auf den Leser noch feinere Hintergründe, fast schon Dioramen, die zur Festigung der tollen Atmosphäre der gesamten Handlung beitragen.
Eine lange Reise ist zu Ende. Christophe Arleston untermauert einmal mehr seinen Status als Erzähler und Weltenerschaffer. Aus Spannung und Humor kreiert er hier einmal mehr eine ganz besondere Mischung. (Monty Python trifft Star Wars.) Freunde von Fantasy und SciFi könnten hier die richtige Lektüre finden. Dank der Bilder von Didier Tarquin kommt gleich beste Stimmung auf.
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Samstag, 06. März 2010
Da guckt doch einer! Irgend so ein kleiner Perversling schaut den jungen Frauen doch glatt dabei zu, wie sie in ihrem Aerobic-Kurs ihre Kurven straffen. Das jedenfalls glaubt die Aerobic-Trainerin, die Arthur, den vermeintlichen Lustmolch, zur Rede stellt. Aber: Wollen die jungen Frauen nicht in Wahrheit, dass sich die Männer nach ihnen umsehen? Wollen sie nicht ausgerechnet für solche Männeraugen sexy sein? Quälen sie sich nicht genau für solch kleinen Momente ab, die das Ego straffen?
Die jungen Damen sind nicht die einzigen im Leibesreigen, die sich hier die eine oder andere Frage stellen. Nichts ist sicher. Es gibt einfach kein Geheimrezept. Deshalb kommt es immer wieder zu Verirrungen und Verwirrungen, ganz im Sinne des Lesers, denn Arthur de Pins greift mit seinen Sketchen ins moderne pralle Leben.
Arthur ist ein Paradebeispiel eines jungen Mannes, in der Blüte seines Lebens stehend und verwirrt über all das, was frau von ihm will, und all das, was er von den Frauen will. Autor und Zeichner Arthur de Pins hat sich einem Thema angenommen, stets gleichbleibend aktuell: Männer und Frauen. Ähnlich liebenswert, auch frivol wie es beliebte Filmkomödien wie Keinohrhasen und Zweiohrküken darstellen, nähert sich De Pins dem schwierigen Balanceakt (mit der Betonung auf Akt) an, dem mann sich meistens ausgesetzt sieht, will er beim weiblichen Geschlecht landen. Man könnte unter dem Strich auch sagen: Sex and the city aus männlicher Sicht. Andererseits gibt De Pins glasklar zu verstehen: Frau hat es auch nicht leicht.
Alles beginnt damit, dass Arthur eine Freundin namens Cecille hat. Die Beziehung ist nagelneu, Arthur freut sich und, wie kann es anders sein, natürlich haben all seine Freunde Ratschläge parat, wie ein Mann in eine neue Beziehung gehen sollte. Am Ende ist Arthur nur noch ein zitterndes Häufchen Elend. Aus Angst, das Falsche zu tun, unternimmt er gar nichts und verharrt wie das sprichwörtlich hypnotisierte Kaninchen in zusammengeballter Starre. Logisch, dass seine neue Freundin Cecille gerade dieses Verhalten sehr befremdlich findet.
Arthur de Pins entwirft ein Beziehungsgeflecht von Mann und Frau in vielen Einseitern, schafft es aber auch, den Kern eines Themas innerhalb eines Bildes zu treffen. Das geht öfter mal humorvoll unter die Gürtellinie (das bleibt nicht aus, wenn es auch um Sex geht), besitzt aber jedesmal einen gewissen Charme, der an französische Komödien erinnert. Ein bestimmter kleiner Scherz (ein Selbstmörder, der keiner ist) erinnert so auch an einen Klassiker wie Ein Elefant irrt sich gewaltig.
Wie auch immer jemand (hier der Leser) den Humor finden mag, ob er (für sie auch geeignet) sich damit anfreunden kann oder nicht, Arthur de Pins hat seine Figuren so gestaltet, dass niemand ihnen böse sein kann. Ihre Köpfe sind schon rund, besitzen große Augen, einen kleinen bis großen Mund (je nach Gefühlslage) und keine Nase. Proportional zum restlichen Körper ist der Kopf wenigstens halb, manchmal sogar ebenso groß. Das ergibt einen richtigen Knuddel-Look.
Gleich auf der ersten Seite, unter dem Titel, wird deutlich, wie Arthur de Pins seine Figuren gestaltet. Herkömmlich vorgezeichnet per Bleistift, setzt De Pins die stets sehr runden Formen mittels Vektorgrafiken um. So entsteht für Stück aus scherenschnittartigen Gebilden eine kleine Figur, deren einzelne Bestandteile auch für spätere Produktionen passgenau bearbeitet werden können. Mit Außenlinien hält sich De Pins hier nicht auf. Die brauchen seine Figuren dank der knackigen Formen auch nicht. Knackig (im Sinne von knackig wie ein praller Apfel) ist hier wörtlich zu nehmen, da De Pins tatsächlich eines seiner weiblichen Figürchen präsentiert, dem ein Stück aus dem Po gebissen wurde.
In sehr feinen, aber wenigen Farbabstufungen werden die puppenähnlichen Figuren schattiert und in ihre Umgebung integriert. Ein mitunter quietschebuntes, aber stets sehr gut aufeinander abgestimmtes Vergnügen.
Eine sehr schöne Episodensammlung aus dem Erleben paarungsbereiter Großstädter. Überall gibt es etwas zu entdecken und auch falsch zu machen. Aus Fettnäpfchen und Lernprozessen entsteht hier ein liebevoller Humor. Als Ergebnis ist für den Leser vom Schmunzler bis zum Brüller alles dabei.
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Donnerstag, 04. März 2010
Wo ist Laghou? Daheim bei seinem Clan machen sich einige der Zurückgebliebenen Gedanken über seinen Verbleib. Nicht alle, denn manche sind auch froh, ihn los zu sein. Laghou unterdessen ist in Begleitung der jungen Mana auf dem Weg zum Clan der Moosmenschen, die über einen Lebenstrank verfügen sollen. Dieser Heiltrank wird immer wichtiger, da eine unheimliche Krankheit um sich greift. Einzig die heilenden Fertigkeiten der Moosmenschen könnten dieses Unheil aufhalten, dem immer mehr von ihnen zum Opfer fallen. Der Tod wartet stets am Ende des Krankheitsverlaufs.
Als Laghou und Mana ihr Ziel erreichen, werden ihre Hoffnungen erst einmal zerstört. Die alte U-Toh, die Heilkundige des Clans der Moosmenschen, wurde zusammen mit zwei anderen jungen Frauen von den Blutmenschen entführt. Man wehrte sich, doch gegen die Wildheit und Übermacht des Angriffs blieb keine Möglichkeit der Gegenwehr. Aber das Wissen der alten U-Toh wird gebraucht, mehr noch, es darf nicht verloren gehen. So bleibt nur ein Ausweg: Sie muss befreit werden.
Laghou ist eine überaus sympathische Hauptfigur, ein regelrechter Archetyp, im wahrsten Sinne des Wortes. Hinkend, aber überaus geschickt, ist aus Laghou ein sehr guter Waffenmacher geworden. Allein machte er sich im ersten Band auf den Weg, um den Jagdkristall zu finden, der helfen soll Langbart zu töten, einen gewaltigen Bison, der auf den weiten Ebenen zur Legende geworden ist.
Emmanuel Roudier entführt den Leser im zweiten Band der Neandertal-Reihe mit dem Titel Der Lebenstrank auf eine abenteuerliche Reise. Zusammen mit Laghou, dessen Art einem schnell ans Herz wächst, betrachtet man als Leser diese fremde Welt, in der jener Vorzeitmensch, dessen Epoche sich mit der des modernen Menschen überschnitt, täglich um sein Überleben kämpfen muss. Oder wenigstens einiges leisten muss, damit des abends in der Höhle oder der Hütte ein Feuer wärmt.
An der Seite Laghous erlebt der Leser verschiedene Clans, die meisten einander wohl gesonnen, einer jedoch aus Kannibalen bestehend. Aus einer Reise auf der Suche nach dem Jagdkristall wird die Suche nach einem Tauschobjekt für diesen wertvollen Stein. Und daraus entspinnt sich kurze Zeit später eine Rettungsmission. Emmanuel Roudier erzählt mit absoluter Leichtigkeit, ohne Scheu, wie es scheint. Es ist eine einfache Geschichte, die ohne Schwierigkeiten ihre Wendungen nimmt und Haken schlägt. Obwohl das Album nicht mehr Seiten hat als gewöhnlich, wird man den Eindruck nicht los, dass alles irgendwie länger dauert und sich mehr Zeit nimmt.
Das mag an der Atmosphäre und der geschilderten Epoche liegen. Hier geht nichts schnell: Eine Reise dauert Tage. Es wird zu Fuß gereist. Die Menschen nehmen sich Zeit, um miteinander zu reden. Als Leser verfolgt man die Dialoge gerne. Es gibt nichts, das vom Kern ablenkt. Aus dem Einzelreisenden Laghou wird ein Quartett. Die Suche nach den Blutmenschen ist das einzig Reißerische, die Befreiung der Gefangenen ist das Action-Element.
Durch seine Landschaftsbilder lässt Emmanuel Roudier eine grandiose Kulisse entstehen. In sehr realistisch angelegten Farbbereichen gestaltet Roudier eine Welt, wie es sie gegeben haben könnte. Auf den ersten Blick ist sie nicht so verschieden von der unseren. Auf den zweiten Blick entfaltet sich ihre Wildheit. Roudier zeigt eine Natur, die in Ruhe gelassen wurde. Wilde Tiere streifen umher und der Mensch begegnet ihnen mit Respekt. Löwen, Bären, Wölfe, Bisons, Rentiere. Auch wenn es schlicht ausgedrückt ist: Emmanuel Roudiers Bilder sind einfach schön.
Roudier versteht sich nicht nur auf die Darstellung von Licht und Schatten, er versteht es auch Tusche und Farbe sehr gut ins Gleichgewicht zu bringen. Er inszeniert längere Dialogstrecken, aber ebenso versteht er sich auf Bilder ohne Worte. Eine Hochzeit, eine Verabschiedung oder eine Jagd sind nur einige Beispiele für seine hervorragende Bildsprache, die keinen Text benötigt.
Eine tolle Fortsetzung, die zwar für sich stehen kann, aber im Rahmen der Reihe gelesen, viel mehr Spaß macht. Mit Laghou ist Emmanuel Roudier ein sehr gut aufgebauter und sympathischer Charakter gelungen. Roudiers Bilder sind richtig schön und technisch vorbildhaft.
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Dienstag, 02. März 2010
Es herrscht Bürgerkrieg. Ein junger Mann geht immer wieder seinen eigenen Weg und eckt dabei an. Es ist nur seinem riesengroßen Glück zu verdanken, dass er noch nicht getötet wurde. Sogar von den eigenen Leuten. Als er sich wieder einmal eigenmächtig von der Truppe entfernt, zwar in Richtung des Feindes und geradewegs in einen Angriff hinein, möchte ihm sein kommandierender Captain am liebsten eine Kugel in den Rücken jagen. Selbst als der Angriff siegreich überstanden ist, droht immer noch das Kriegsgericht. Aber auch jetzt ist ihm das Glück hold. Doch Blueberrys Glück hat einen Haken. Sein Geschick, eine schwierige Mission zu meistern, scheint auch bis zu seinen Vorgesetzten vorgedrungen zu sein. Und so wartet bereits das nächste Himmelfahrtskommando.
Frieden: Es gibt doch tatsächlich noch Menschen, die in den Wirren dieses Krieges daran glauben wollen. So findet sich eine kleine Delegation auf der Seite der Nordstaaten (Blauröcke), die mit Erlaubnis beider Kriegsparteien in der Gebiet der Konföderierten (Grauröcke) reisen dürfen, um dort einen der Befehlshaber zu treffen. Blueberry soll diese für ihn zu optimistischen Menschen begleiten. Eine junge Frau, Elenore Mitchell, wird von Blueberry sehr zwiespältig betrachtet. Einerseits ist sie attraktiv, andererseits geht von ihr ein starkes Zielbewusstsein aus.
Wie zielbewusst die junge Dame ist, wird der Leutnant bald heraufinden.
Mit Francois Corteggiani und Michel Blanc-Dumont hat sich ein sehr gutes und inzwischen sehr eingespieltes Team zusammengefunden. Der vorliegende 15. Sammelband der Blueberry Chroniken mit der Überschrift Das Lincoln-Komplott vereint die Geschichten Die Pinkerton-Lösung, Der Pfad der Verfluchten, Letzter Zug nach Washington und Lincoln muss sterben. Ein großzügiger redaktioneller Teil beleuchtet die historischen Fakten, insbesondere Präsident Lincoln. Desweiteren wird Blueberrys neuer Biograph Francois Corteggiani einmal genauer vorgestellt.
Es ist eine Tatsache, dass Lincoln einem Attentat zum Opfer gefallen ist. Vor diesem historischen Hintergrund entspinnt Corteggiani eine umfangreich erzählte Intrige, in deren Mittelpunkt auch eine Mörderin steht, die einer Mylady De Winter (Die drei Musketiere) in nichts nachsteht. Äußerlich ein Engel, der durch seine Art und auch seine Attraktivität die Männer zu verwirren weiß, agiert sie im Gegenzug vollkommen kaltblütig. Wer zu viel weiß, im Wege steht, wird ermordet. Als Waffe dient, was gerade zur Hand ist.
Damit hat Corteggiani ein weitestgehend ungewöhnliches Element in diesen Krieg eingebracht. Dieser Bürgerkrieg ist dreckig und unmenschlich. Ausgerechnet jene Figur, die sich anfänglich am besten dazu eignet, für den Frieden einzutreten, wird zum Todesengel. Doch Corteggiani begnügt sich nicht mit diesem einen Handlungsstrang um die mordende Spionin. Inzwischen wandelt er sehr gut in den Fußstapfen eines Jean-Michel Charlier und so ist es kein Wunder, dass die sich über vier Alben erstreckende Handlung spannend, vielschichtig, aber auch verschachtelt erzählt wird.
Michel Blanc-Dumont zeichnet fein, überaus exakt und ist zuweilen auch zu kleinen Scherzen aufgelegt. So darf sich der Leser auf einen kurzen Auftritt von Scarlett und Rhett freuen, die in einem Hotelzimmer erwischt werden. Einige Charaktere, Nebenfiguren allerdings, erinnern an Klassiker aus dem Comic-Genre. So könnte einer der Spitzbuben, die mit Blueberry auf ein Himmelfahrtskommando geschickt werden, Laverdure (Freund von Tanguy) zum Vorbild gehabt haben. Jedenfalls deutet das Verhalten und das Ende dieser Figur auf den von Charlier und Uderzo kreierten Charakter hin.
Die Vielfalt der Handlungsorte wie auch die Unterschiedlichkeit der Szenen führt dem Leser die ganze Bandbreite eines Westerns zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs vor Augen. Blanc-Dumont beherrscht das Portrait ebenso gut wie Massenszenen. Zu Fuß, zu Pferd, im Wasser, sogar in der Luft ist Blueberry unterwegs. Soldaten jagen ihn oder stehen sich auf dem Schlachtfeld gegenüber. Alte Loks, sorgfältig gestaltete Innenräume, wunderbar gezeichnete Kleidung wie auch die Landschaft und Ortschaften lassen die Epoche auferstehen und bieten ein rundum perfektes Szenario. Gezeichnet, wie kann es anders sein, ganz augenscheinlich von einem Perfektionisten.
Ein pralles Westernvergnügen, spannend wie eine Spionagegeschichte, aktionsgeladen wie ein Kriegsdrama, manchmal aufregend wie ein Thriller. Das Nachfolgeduo Corteggiani und Blanc-Dumont präsentiert sich hier in Bestform.
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Mittwoch, 24. Februar 2010
Die beiden Taucher freuen sich über ihre Entdeckung. Jedenfalls so lange, bis sie die Hand ihres dritten Kameraden an sich vorüber schweben sehen. Hinter ihnen wird ein riesiger schwarzer Schatten sichtbar. Kurz darauf bricht die Kommunikation mit dem Team ab. Andernorts ist die Stimmung wesentlich gelöster. Die Erkundung eines Bergsees hat erstaunliche Ergebnisse zutage gefördert. Abgeschieden von allen Einflüssen haben sich die Tiere in einer Form entwickelt, die niemand für möglich gehalten hätte. Ein Meter große Krebse, Hechte, von denen das größte Exemplar fast 3,50 Meter lang geworden ist. Wenn derlei evolutionäre Sprünge möglich sind, warum nicht noch mehr? Wo es vorwärts geht, kann auf dem Weg auch etwas stabil geblieben sein.
Etwas hat überlebt! Darf es auch ein wenig mehr sein? Christophe Bec hat die Tiefsee als Thema für sich entdeckt. Der Ozean ist nicht erst seit einem Schwarm im Mittelpunkt von Öko-Horror-Thrillern. Peter Benchley schickte den den weißen Hai auf die Jagd. Sein Beast folgte als Schrecken aus der Tiefe. Viel näher an der vorliegenden Thematik lag bereits Steve Alten mit seinen Romanen MEG und der Fortsetzung Höllenschlund. (Erschienen 1999 und 2001. Der dritte und vierte Band der MEG-Reihe liegen leider nicht auf Deutsch vor.)
MEG! Genauer gesagt: Carcharodon Megalodon. Ein Ur-Hai, neben dem sich der Große Weiße ausnimmt wie ein Schmusetier, treibt mit seinen 25 Metern Länge jedem Meeresbiologen Tränen in die Augen. Christophe Bec lässt die Entdeckung des MEG zunächst unter Verschluss halten. Ein mächtiger Konzern namens Carthago macht die Entdeckung einer bis dahin sehr abgeschlossen existierenden Unterwasserwelt. Die Betonung liegt auf sehr, denn sie ist eben nicht komplett abgeschlossen. So werden weitere Zugänge gefunden. Die Forscher, die sich einer radikalen Umweltgruppe anschließen, geraten sehr bald in Gefahr.
Christophe Bec hat einen Thriller geschrieben, der sehr geradlinig verläuft, aber auch Wendungen und Überraschungen parat hält. Der Gegner ist nicht nur menschlich, er ist tierisch und somit (auch wegen seiner Eigenschaft als Relikt einer fernen Vergangenheit) nicht berechenbar. Sicherlich hat ein MEG nur ein Ziel: Fressen. Zumindest sieht es hier danach aus. Und wenn er nicht frisst, beißt er etwas gelangweilt zu, ohne sich alles zu Gemüte zu führen. Ein Wal aus dem Prolog dieser Geschichte ist der beste Beweis für diese Verhaltensweise.
Wissenschaftler müssen forschen. Aber sie gehen dabei nicht besonders klug zu Werke. Sie mögen intelligent sein, doch die Neugier und der Forscherdrang schieben zuweilen die Vorsicht zur Seite. Selbst, wenn es darum geht, das eigene Leben zu schützen. Angesichts der Vermutungen, die zu Beginn kursieren (auch angesichts eigener Erfahrungen), agieren die Wissenschaftler zwar versiert, aber relativ unbedacht. Das darf Christophe Bec aber nicht angekreidet werden. In anderen Szenarien gibt es ähnliche Verhaltensweisen, außerdem (ein Trick, der das Vorgehen der Charaktere rechtfertigt) sind die Ressourcen der Wissenschaftler begrenzt.
Mit Eric Henninot wurde neben einem geradlinigen Erzähler ein ebensolcher Künstler gefunden, im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser Zeichner beschränkt sich auf schlichte Linienführung, die sitzt. Es ist nicht zu wenig, detailgetreu und möglichst realistisch. Das ist stilistisch vergleichbar mit einem Thierry Labrosse (Morea), vielleicht auch mit einem Colin Wilson (Point Blank). Nur gehört Eric Henninot zur künstlerischen Sorte der Architekten, Künstler, die nichts dem Zufall überlassen und eine sehr feine Ausdrucksweise haben. So wie hier ergeben sich tolle Bilder, die wunderbar zu einem Wissenschaftsthriller wie auch zu einer Monsterhatz in der Tiefsee passen.
Aufgefallen: In einem Prolog, 2300 vor Christus, kann der Leser einen Vorzeitmenschen beobachten, der eine Art Schneebrille trägt. Jedoch nur einige Bilder lang. Es ist fraglich, ob derlei Ideenreichtum damals schon existierte. Die restliche Bekleidung des Jägers ist längst nicht so innovativ.
Ein sehr spannender Auftakt: Eine Jagd auf die überlebenden Zeugen der Vergangenheit. Ebenso gut gelungen wie MEG. Wer Thriller im Stile des angesprochenen Romans mag, oder auch Szenarien wie Jurassic Park, der liegt mit dem in schönen Bildern erzählten Auftakt genau richtig.
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Montag, 22. Februar 2010
Kann ein Techniker mehr herausfinden als alle anderen Techniker an Bord eines Raumschiffes? Sollte ihm nicht Paranoia vorgeworfen werden, wenn er gegen alle erfolgten Diagnosen argumentiert? Ja, wenn er sich sogar gegen den Befehl seines Captains wendet und einen Notruf ausschickt? Der Chefingenieur der USS Jackson ist zwar kein Lieutenant Barclay, aber ebenso hartnäckig, wenn es darum geht auf seinen Entdeckungen zu beharren, obwohl ihm niemand zustimmt. Geordi La Forge und Chief OBrien werden von der Enterprise herübergebeamt. Auch sie tappen einige Zeit im Dunkeln. Bis …
Ein Wiedersehen mit der nächsten Generation. Bevor die Crew unter Captain Picard den Sprung auf die Leinwand wagte (und erst einmal die Enterprise zerstört werden musste) schaffte sie sieben erfolgreiche TV-Staffeln. In der 5. Staffel kam Fähnrich Ro Laren an Bord. Im Zeitfenster zwischen 5. und 7. Staffel (hier wurde Fähnrich Ro auf eine Undercover-Mission geschickt und kehrte dem Dienst bei der Sternenflotte den Rücken) sind die vorliegenden Episoden angesiedelt.
Das Autorenduo Scott und David Tipton bringt uns alte Bekannte zurück, die zwar Startschwierigkeiten hatten, aber letztlich eine Lücke auf dem Fernsehschirm hinterlassen haben, als sie so richtig gut waren. Aus mehreren Episoden wird ein großes Rätsel. Ganz im Stile der interplanetaren Karte gibt es ein gigantisches Wissensarchiv zu erkunden, es gibt ein kleines Wiedersehen mit den Binären (bekannt aus der Folge 11001001). Worf darf seine Fähigkeiten als Diplomat zeigen. Einem Chefingenieur wird nicht geglaubt, so dass Geordi und der Chief Detektivarbeit leisten müssen.
Wer die Serie verfolgt hat, wird sich gleich daheim fühlen. Wer Fan ist, erkennt die Muster einer Fernsehfolge sofort wieder. Und nicht nur das: Die beiden Tiptons kennen ihre Charaktere sehr genau. Der Aufbau ist so, als wären verschollene Drehbücher zur Comic-Umsetzung gekommen. Auf der anderen Seite werden Erinnerungen an PC-Spiele wach (wie etwa Star Trek: A Final Unity), denn der Aufbau ist auch einem Rätsel-Abenteuer nicht unähnlich.
Romulaner! Seit die fernen Verwandten der Vulkanier wieder auf dem Bildschirm auftauchten, haben sie zahlreiche Wendungen und Wandlungen durchlaufen. An diesem Punkt der Star-Trek-Ära sind Föderation und Imperium noch strenge Feinde, eine Zusammenarbeit ist eine Utopie. Tomalak, der romulanische Commander, eine Figur, die es immerhin auch in die Abschlussdoppelfolge der Serie geschafft hat, gibt sich sehr früh als Strippenzieher zu erkennen. Seine wahren Ziele indes weiß er gut zu verbergen.
David Messina zeichnet mit seiner unverkennbaren kantigen Art, aber er schafft es stets den Kern der jeweiligen gezeichneten Figur zu treffen. Zwar hat er zeitweilig die Mithilfe dreier weiterer Zeichner, einen optischen Unterschied bemerkt man als Leser nicht. Die Qualität ist gleichbleibend gut. Messina zeichnet einprägsam, er verwendet starke Außenlinien und arrangiert seine Bilder regelrecht in der Art, wie sie auch auf einem Fernsehschirm erscheinen wrden. Manchmal entsteht der Eindruck eines Zeichentrickfilms, vor allem, da der Fan auch einen Edosianer entdecken darf. Lieutenant Arex, der Navigator der alten Enterprise war ein Endosianer. Ganz offensichtlich hat sich Messina mit seiner Gestaltung an den Bildern jener vergangenen Serie orientiert.
Die Farbgebung ist recht einfach gehalten. Unschärfe im Hintergrund sorgt für Tiefe in den Bildern. In den Szenen, die in der gigantischen Speichereinheit spielen, wird schon mehr gezaubert. Auch die Weltraumhintergründe gestaltet Koloristin Ilaria Traversi aufwendiger, obwohl die relativ wenig Gelegenheit dazu erhält. Im Finale hingegen gibt es ein paar kleine Herausforderungen, als der echte Gegner sich endlich zeigt.
Ein richtig schönes Widersehen mit der Crew um Captain Picard: Im Geist der Serie erzählt und optisch stimmig umgesetzt, bringen die Brüder Tipton und David Messina den Leser dahin zurück, wo er als Fan einmal war und nun neue Abenteuer miterleben kann.
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Samstag, 20. Februar 2010
Rache! Die kleinen Roboter haben ihn angegriffen! Na, gut, so schlimm wäre das nicht. Aber hier geht es um Fleisch. Frisches, neues und saftiges Fleisch, gerade beim Metzger erstanden. Und nun liegt es auf der Straße, platt gefahren, vernichtet, unbrauchbar … Und alles nur wegen dieser gemeinen … Cubitus ist ratlos. Im Notfall: Glas einschlagen. Ein kleiner Hinweis nur bringt Cubitus auf eine Idee. Vielleicht nicht die beste Idee, aber immerhin eine Idee. Ohne in Betracht zu ziehen, welche Ereignisse er damit in Gang setzen wird.
Ein Kumpel kehrt zurück! Und was für einer! Dupa, Autor und Zeichner, zeigt hier wie wenig es bedarf, um eine putzige, knuffige und die Geschichte vorantreibende Figur zu schaffen. Ein Kumpel namens Viktor hatte bereits in Band 8 seinen Auftritt. Der chaotische kleine Roboter verbrachte seine Zeit seither unter einer Glasglocke. Aber warum wird er wieder hervorgeholt?
Stein des Anstoßes ist ein anderer, genauer gesagt, zwei andere Roboter. Rocky Star und Raupe können, in den falschen Händen, schon mehr als nur den letzten Nerv rauben. Und wie kann es anders sein? Sie sind in den falschen Händen!
Dupa erzählt diesmal eine albumlange Geschichte, in der ein Ereignis das nächste jagt. Wie der sprichwörtliche Dominoeffekt entsteht durch Aktion eine Reaktion und so weiter und so fort. Durch den geschickten Einsatz verschiedener Nebenfiguren (die kleinen Roboter wollen auch gesteuert werden), die mal Täter mal Opfer sind (ein Mädchen wird von den Robotern angebaggert und ersinnt einen Racheplan), entsteht eine immer komplexer werdende Geschichte.
Deshalb muss der Leser noch lange nicht auf schnell aufeinander folgende Gags verzichten. Diese erfolgen immer noch mindestens im Seitentakt (wenn nicht öfter), aber Dupa hat so die Gelegenheit Running-Gags zu etablieren und längerfristig Pointen vorzubereiten. Einer dieser Running-Gags wird gleich auf Seite 1 eingeführt: Steuern! Es gibt Worte, die unter den Menschen Angst verbreiten. Cubitus, den diese Erkenntnis unverhofft trifft, verwendet diese sofort auf der zweiten Seite wieder, um die Wirksamkeit zu testen. Doch das ist nur der Auftakt. Sehr bald schon schlägt die Geschichte die Erzählrichtung um den Kumpel ein. Dupa verwendet dazu eine kapitelweise Einteilung, ohne diese konkret zu bezeichnen.
In dieser Geschichte müssen alle wichtigen Charaktere ran. Neben Cubitus und Boje darf auch Paustian mit an einem Strang ziehen. Cubitus, herzerfrischend knuddelig von Dupa gezeichnet, wird einiges abverlangt. Er läuft, hetzt, fliegt durch die Luft, rollt, wird gestoßen, geschleudert … Kurzum, hier purzelt der Hund. Der Leser darf sich davon überzeugen, dass der weiße Knuddelhund auch Taschen in seinem Fell hat. Paustian hingegen beweist, dass er echte Duo-Qualitäten besitzt und weit mehr ist als nur der ewige Sidekick (im wahrsten Sinne des Wortes). Ganz nebenbei wird die Frage geklärt, warum Cubitus eigentlich Cubitus heißt.
Ein ganzes Album lang erlebt Cubitus ein außergewöhnliches Abenteuer mit seinen Freunden (und belebt einen alten Kumpel). Das ist Chaos, Situationskomik, in bester Cartoon-Manier gezeichnet mit einer liebenswerten Hauptfigur. Dupa in Höchstform!
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Freitag, 19. Februar 2010
Es braucht schon etwas mehr, um Wolverine unter den Tisch zu trinken als eine Flasche Whisky. Und es braucht auch etwas mehr, um ihn zu töten. Ein Gewehr hilft da wenig. Das haben schon ganz andere versucht, mit deutlich höherem Aufwand. So bleibt auch dieser Versuch im Ansatz stecken. Das heißt aber nicht, dass es nicht ausreicht, um den X-Man wütend zu machen. Eigentlich ist Wolverine grundsätzlich wütend, mal mehr, mal weniger. Doch wenn er so richtig ausrastet, dann bedarf es eines Superhelden, um ihn wieder auf den Boden zu bringen. Auch wenn es schwer fällt. Selbst einem Spider-Man.
Peter Parker ist auch nur ein Mensch. Eigentlich ist dies ein Umstand, der nur allzu bekannt ist, da es zum Grundkonzept der gesamten Figur gehört. Hier wird in den Geschichten Platonisch und Geburtstagskind ein Spidey gezeigt, der abseits von Superschurken ein halbwegs normales Leben hat. Es gibt Privatheit mit Freunden auf beiden Seiten der Identitäten, als Peter Parker wie auch als Spider-Man.
Er ist nicht oft da. Aber immer, wenn sonst keiner da ist. Und das zählt. Betty, eine Freundin von Parker, bringt die Qualitäten des jungen Mannes auf den Punkt. Nach den ganzen Umwälzungen im Marvel-Universum der letzten Zeit versucht Peter Parker im Privaten so gut wie möglich zurecht zu kommen. Ein neuer Tag brachte auch eine neue Chance. Mark Waid erzählt seine Geschichte abseits der Kloppereien und Helden und Schurken unterhaltsam und bringt die üblichen Schwierigkeiten des modernen Singles ein, der sich in seiner Verzweiflung auch mal auf ein Speed-Dating einlässt.
Eine Beziehung zu Wolverine, gleich welcher Art, ist schwierig. So ist Spider-Man der einzige, der mit einer gesunden Portion Gutmütigkeit, Geduld und auch Naivität an Wolverines Geburtstag da ist. Hier, vollkommen entgegengesetzt zur Geschichte mit Peters Freundin Betty, die auch in einem Geburtstag mündet, werden auch völlig andere Spaßfaktoren in den Mittelpunkt gestellt. Für Wolvie gehört eine zünftige Keilerei zu einem gelungenen Abend. Grafisch begleitet Paolo Rivera die Geschichte von Zeb Wells in sehr klaren, sauberen Linien, einem Stil, der auch für eine längere Handlungslinie passen würde. Geschichte, Bilder und Erzählgeschwindigkeit ergänzen sich hervorragend.
Eine schöne Überraschung ist die Episode um Man-Thing. Sicher können nicht viele etwas mit einem Wesen anfangen, dass keinen Ton von sich gibt und nicht einmal den holprigen Charme eines Dings besitzt. Die Marvel-Variante des Sumpf-Dings tritt hier in einer Erzählung von Stuart Moore auf. Eindringlich wird verdeutlicht, dass Man-Thing weder vollkommen dumm oder gefühllos ist. Joe Suitor arbeitet stilistisch ein wenig wie Pat Lee (Warlands, Wolverine, Cyber-Force). Die Bilder wirken an Mangatechniken angelehnt. Eine reduzierte Farbpalette, vornehmlich blasse Grautöne, entsprechendes Rot, Blau, Grün und Beige und das Spiel mit Unschärfen imitiert einen statischen Trickfilm. Das Ergebnis ist plastisch und auch elegant zu nennen.
Chris Bachalo ist mit seinem originellen und einprägsamen Zeichenstil ebenso vertreten. Der Anti-Venom, eine Figur, an die sich der Leser bestimmt erst gewöhnen muss, hat seinen Auftritt. Wer die Serie verfolgte, findet sich besser in die Geschichte ein. Dank der expressiven Zeichentechnik ist allemal lesenswert. Ein Bachalo rangiert auf Augenhöhe mit einem John Romita Jr.. Beide sind gewöhnungsbedürftig, aber wer ihre Bilder mag, kommt hier voll auf seine Kosten.
Feine Episoden, durchweg gut gezeichnet und erzählt, zeigen viele Facetten einer Figur wie Spider-Man und erklären den Erfolg dieses Comic-Helden, der stramm auf die 50 zugeht.
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