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Comic Blog


Montag, 08. Februar 2010

Hack/Slash 4 - Blutige Balladen

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 17:29

Hack/Slash 4 - Blutige BalladenSchön, aber tot. Besser gesagt: Sie war einmal schön, ans Sterben denkt sie trotzdem nicht. Emily Christy, die ehemalige Miss November hat schon besser ausgesehen. Außerdem war sie in besseren Situationen. Ihr Körper und ihr Gesicht besitzen nicht mehr die Attraktivität, die ihnen zu Lebzeiten zueigen waren. Das hält aber einen aus dem Team der Wissenschaftler nicht auf, in alte Schwärmereien auszubrechen und nach einem Weg zu suchen, diese Frau, die er schon als kleiner Junge verehrte (höflich ausgedrückt), wieder ins Leben zurückzurufen.

Angriff der Zeichnerinnen! Natürlich auch der Slasherinnen, aber auffallend ist der Einsatz von gleich zwei Künstlerinnen hier schon, sind weibliche Zeichner im Comic-Metier eher selten. Und in derlei Thematik sowieso. Emily Stone und Rebekah Isaacs folgen der Erzählung von Tim Seeley und schicken Cassie und ihren Freund Vlad auf die nächste Jagd nach brutalen Slashern.

Die Geschichte beginnt in den 80er Jahren. Ein Junge schwindelt seiner Mutter vor, er sei krank. Vom Regal her schauen Spielfiguren von He-Man und Battlecat in den Raum. Kaum ist die Mutter zur Arbeit gefahren, werden die Männermagazine des Vaters geplündert. Miss November bleibt dem Jungen für immer im Gedächtnis. Emily Stone übernimmt die Auftaktepisode wie auch das Finale des vorliegenden Bandes. Beide Zeichnerinnen arbeiten schnörkellos, ungekünstelt und sind technisch versiert. Emily Stones Bilder besitzen mehr Ausdruck. Ihre Figuren sehen aus, als seien sie von Mangas beeinflusst. Dank der milchig cremigen Farbgebung von Courtney Via entstehen so sehr plastische Bilder, obwohl sparsam mit den eingesetzten Farben umgegangen und auf Experimente verzichtet wird.

Während Stones Bilder einen deutlichen Skizzencharakter besitzen, sind die Grafiken von Rebekah Isaacs sehr fein, mit dünnen Linien ausgeführt. Die ebenso fein (per Computer) gebrushten Kolorierungen sorgen für das nötige Volumen der Figuren und die Tiefe der Bilder. Isaacs darf sich mit einer leicht erotisch angehauchten Geschichte auseinandersetzen, in Horrorfilmen immer gern genommen. Ein alter Kult wird wiederbelebt, junge Studentinnen tappen die Falle gleichgeschlechtlicher Liebe (auch das noch!). Das ist optisch eher ironisch inszeniert, wie natürlich die gesamte Handlung von Hack/Slash. Das Finale gipfelt in einem Kampf der Unterwasserszenen beinhaltet, ein Schlangenmonster … Kurzum es wird so richtig aus der Fantasie geschöpft. Der Endgegner darf mit einem Körper aufwarten, der auch einem Freddy Krueger gut zu Gesicht stehen würde.

Die gelungenste Episode, erzählerisch wie optisch, findet sich zum Schluss mit Kleine Kinder. Hier ist wieder Emily Stone am Werk. Cassie und Vlad geraten an das Ergebnis eines furchtbaren Experiments. Wieder einmal versucht jemand mit Slashern zu hantieren, wieder einmal will die Wissenschaft einen Nutzen aus Monstern ziehen. Ein beliebtes Thema, doch diesmal sind die Monster Kinder. Der Spuk kommt hier auf leisen Sohlen. Humor findet sich in der von Tim Seeley geschriebenen Handlung überhaupt nicht. Und das ist auch gut so, denn die Atmosphäre bleibt so von Anfang bis Ende in jeder Beziehung stimmig.

Einen Ausreißer hat die vorliegende Ausgabe natürlich auch zu bieten. Vollkommen cartoony kommt Doppel-Date daher. Gefakte Rasterpunkte imitieren ein altes Comic-Design. Die Nasen der Mädels sind mit einem einfachen gebogenen Strich nach oben gerichtet. Man könnte auch sagen: Es sieht so aus, als habe die Zeichentrick-Schmiede von Hanna-Barbera einen Ausflug ins Slasher-Genre unternommen. Das wirkt eine Episode lang, sollte aber ein einmaliger Ausflug bleiben (obwohl es ein wenig als winzige Verbeugung vor einem Film wie Pleasantville verstanden werden kann).

Die Fortsetzung des Horror-Knallers von Tim Seeley gibt sich deutlich ernsthafter als die Vorgängerbände. Seeley ist im echten Slasher-Genre angekommen. Echte Monster, echte Probleme, aber am Horror mangelt es nicht. Immer noch gut, immer noch unterhaltend, nur eben nicht mehr so komisch. :-)

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Freitag, 05. Februar 2010

Die Maxiausgabe der Minimenschen 6

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 20:09

Die Maxiausgabe der Minimenschen 6Folter: Man nehme einen Schwamm und befeuchte die Füße mit Wasser. Danach werden die Füße kräftig mit Salz eingestäubt. Anschließend … darf die Ziege ans Werk. Zwischen Kreischen und Wiehern hallen die Lacher des gefesselten Renauds durch die Burg. Wer hätte das gedacht? Es sollte ein schöner Ausflug werden. Eine alte Ruine lädt zum Besichtigen und zum Verweilen ein. Plötzlich: Pfeile schwirren durch die Luft. Sie zielen auf Renaud und seinen Freund Lapoutre. Mehr noch: Die Pfeile sind auf die Dimensionen der Minimenschen abgestimmt. Was ist hier los? Als die beiden Wanderer eine Burg in der Burg entdecken, ahnen sie, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Sie sind nicht allein! Die Minimenschen haben bereits festgestellt, dass sie nicht die einzigen Winzlinge auf dem Planeten sind. Auch ein außerplanetarischer Gesteinsbrocken war bereits der sprichwörtliche Stein des Anstoßes der Verwandlung anderer Minis. Inzwischen ist es auch klar, dass die uns bekannten Minimenschen nicht die ersten Kleinen gewesen sind. Allerdings sind sie die findigsten Winzlinge. Pierre Seron, hauptsächlich verantwortlich für die hier versammelten Abenteuer und nur selten unterstützt durch Mittei, erweckt Minis aus der Vergangenheit und aus fernster futuristischer Vergangenheit. Hört sich seltsam an, ist aber so. Mehr noch: Die Minis werden kriminell.

Verbrechen waren schon häufiger ein Thema in der Welt der Minimenschen und drumherum in der Welt der Großen. Doch eine kriminelle Zusammenarbeit zwischen Klein und Groß ist neu. Die Idee ist einfach, aber prägnant. Es steht die Frage im Raum, warum Seron erst zu diesem Zeitpunkt mit einer solchen Geschichte kam. Flugzeuge, sehr kleine natürlich, greifen Geldtransporter an. Da steht die Spannung im Vordergrund, der Humor dient zur Auflockerung. Eine dritte nicht unwichtige Zutat ist der Einfallsreichtum der Handlung.

Viele tolle Ideen machen aus der vorliegenden Ausgabe etwas Besonderes innerhalb der Minimenschen-Reihe. Bevor es an die Aufklärung von Raubüberfällen und den Diebstahl von Flugzeugen geht, haben die Minimenschen eine Begegnung mit dem Mittelalter. Das ist deutlich lustiger, auch chaotischer. Nach einer kürzeren Bekanntmachungsgeschichte geht es in ein längeres Abenteuer, das in einer richtigen Schlacht gipfelt, Lacher inklusive. Denn natürlich leben auch die kleinen Ritter in Burgen, die so klein sind, dass sie bequem in einer Ecke einer echten alten Burgruine Platz haben.

Die Gefangenen der Zeit lautet der Titel des abschließenden Abenteuers in dieser Ausgabe. Als hätten die phantasievollen Theorien um hoch entwickelte Völker, die vor Äonen auf der Erde lebten, Pate gestanden, so schickt Seron seine winzigen Helden in einen Abschnitt der Welt, der auch ein Zuhause für einen Zyklotrop hätte sein können. Die Jagd auf einen Verbrecher führt in eine wundersame Welt. Zuerst kann der Genre-Freund den Eindruck gewinnen, es mit einer Art von Vergessenen Welt zu tun zu haben. Wenig später finden sich ein paar letzte Überlebende, wild gewordene Steinzeitmenschen ... Es ist schlicht und ergreifend ein großer Spaß, bei dem kein Auge trocken bleibt.

Grafisch darf Seron wieder mit allerhand Fluggerät aufwarten. Allerdings ist auch der Rest der Kulissen eine sehr feine Angelegenheit. Seron versteht es, für seine Figuren die perfekte Bühne zu bereiten. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Gleichzeitig wird so ersichtlich, welche Vielfalt die Reihe insgesamt bereithält. Aus einer kleinen Wanderung wird ein anfänglich gruseliges Abenteuer vor mittelalterlicher Kulisse. Die alten Rittersleut sind treffsicher in Szene gesetzt: Knubbelnasen, rundlich, eher freundlich als bedrohlich. Letzteres ist ein grundsätzliches Vorgehen.

Gerade im letzten Abenteuer, in der sich urzeitliche Gorillamännchen anschicken, einen Angriff auf die letzten verbliebenen Männer eines untergangenen Volkes zu starten, kann Seron durch sein putziges Design überzeugen. Wenn dann noch ein Triceratops mit einem Pflaster auf der Wange an Renaud vorüber läuft und eine Anakonda sich Hals über Kopf in den Minimann verknallt, dann wirken die Bilder bereits ohne Worte.

Ein Spaßfeuerwerk von der ersten bis zur letzten Seite: Die Minimenschen in Bestform. Klasse! :-)

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Dienstag, 02. Februar 2010

Comanche 2 - Krieg ohne Hoffnung

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 20:04

Comanche 2 - Krieg ohne HoffnungAuf der Triple Six Ranch scheinen die Zeichen auf Erfolg zu stehen. Endlich! Die Rinder sind wohlauf und stehen zum Verkauf an. Außerdem bringt der Eisenbahnbau neue hungrige Mäuler und viel Arbeit für Comanche und ihre Cowboys. Alles könnte bestens sein. Leider bleibt es nicht so. Die weißen Eisenbahnarbeiter sind nicht die einzigen Menschen in der Umgebung, die Hunger haben. Die Indianer gehören ebenfalls dazu. Ihre Reservate bieten keine Nahrung. Sie sind nicht länger bereit, diesen Missstand hinzunehmen und ihren Frauen und Kindern beim Sterben zuzusehen. Noch sind die Cheyenne im Zwiespalt. Einige sind für Kampf, andere halten sich noch zurück. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis aller Geduld, auch die der Ältesten, erschöpft ist.

Unparteiisch: Wie Greg, Autor, und Hermann, Zeichner, zeigen, ist der Wilde Westen alles andere als nur schwarz und weiß. Die Indianer sind nicht durchweg edel oder böse, sie suchen nicht den Krieg und Kampf, sondern sie handeln aus Verzweiflung. Vom Hunger getrieben bleibt ihnen nur die Konfrontation und der Diebstahl von Nahrung. Aber es bleibt auch kein Zweifel daran, dass sie sich nur nehmen, was ihnen zusteht, nachdem sie eingepfercht wurden und auf einem Stück Land zu Hause ist, das zu unfruchtbar ist, um ein Volk zu ernähren.

Ausgerechnet die Leute von der Triple Six müssen sich mit diesem Problem auseinandersetzen. Gerade erst haben sie eine Grundlage geschaffen, auf der es sich aufbauen lässt. Auch hier greift nun Verzweiflung, genauer jene von Comanche, der Chefin der Ranch. Greg beschreibt die Ausgangssituation kurz und einprägsam. Die Darstellung ist sensibel, allerdings werden gewisse Vorkenntnisse der Vorstellung der einzelnen Charaktere vorausgesetzt (siehe Band 1). Zugute halten darf man, dass der Einstieg leicht fällt. Ganz im Stil einer Serie gibt es genügend Informationen, um der Handlung sogleich zu folgen. Die Seite der Indianer wird hier erstmalig gezeigt. Aus der Sicht der kompletten Serie betreibt Greg hier auch Aufbauarbeit, denn die Mannen der Triple Six bekommen mit dieser Folge Verstärkung.

Grafisch setzt Hermann seine hervorragende Arbeit fort. Sieht man seine Bilder, klassisch koloriert und getuscht, könnte vor einer Besetzung mit Schauspielern gesprochen werden. Das magere Greenhorn, der schwarze Cowboy, der alte Fuzzy, der rothaarige Kerl und die schöne Chefin: Das sind Zutaten, wie es sie ähnlich in Western gab, aber Hermann hat sie alle samt und sonders auf seine sehr eigene Art interpretiert.

Neben den Hauptfiguren kommen Eisenbahnarbeiter, Indianer und die gute alte Kavallerie zum Einsatz. Stellt man die amerikanischen Ureinwohner eines Hermann und eines Jean Giraud nebeneinander, rangieren beide auf Augenhhe, aber beide überzeichnen auch ein wenig. Hermann schafft die Darstellung der Indianer aber mit einer solchen Eleganz, dass man es ihm als Comic-Fan, auch als Western-Begeisteter gerne nachsieht. Als Meister der Charakterisierung gilt in dieser Ausgabe einer Figur die Aufmerksamkeit, die zwar nur am Rande vorkommt, doch nachhaltigen Eindruck hinterlässt: Keenan, ein Berg von einem Mann, gefühlte 2,20 Meter groß, ein Eisenbahnarbeiter, ist eine Art Goliath. Er marschiert den Eisenbahnern voraus und nichts scheint ihn aufhalten zu können. Jedenfalls fast nichts.

Mittels einer solchen Figur schaffen Greg und Hermann zusätzliche optische erzählerische Zentren. Wenn Keenan mitten im Getümmel steht, von Pfeilen durchbohrt wird und stehen bleibt, zeigt das die Gefährlichkeit der Lage, nimmt dem Kampf aber auch die Schärfe. Die Zielgruppe bestand schließlich aus Jugendlichen. (Inzwischen dürfte sich das geändert haben.) Das entschärft trotzdem nicht die Tragik in einigen Szenen.

Ein ewig junger Klassiker: Was für die Leinwand und den Western ein John Wayne ist, sind für den Comic und den Western ein Greg und ein Hermann. Das ist Spannung auf tollem Niveau und mit erstklassiger und wegweisender Gestaltung. Ein ausführlicher Anhang mit einer zusätzlichen Geschichte rundet die vorliegende zweite Ausgabe der Reihe ab. :-)

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Sonntag, 31. Januar 2010

Andi 3

Abgelegt unter: Meldungen — Michael um 15:21

Andi 3Ben nimmt seinen Freund Andi mit zu einem Konzert. Es spielt Anti Alles, auf jeden Fall laut und Ben gefällt es. Wenig später läuft Ben sein alter Freund Randale über den Weg. Randale, mit richtigem Namen Klausi, ein Freund aus Kindertagen, hat inzwischen eine Vorliebe für die Ansichten der linken Szene entwickelt. Klausis kleine Schwester Nele gehört auch dazu. Randale und Nele haben ihre ganz eigene Sicht der Dinge. Ben, der nicht gleich begreift, was die beiden überhaupt meinen, ist für sie ganz einfach naiv. Andi macht sich auf den Heimweg, aber Ben wird überredet, bei einer Aktion mitzumachen und gerät prompt in Schwierigkeiten.

Als eine Demonstration von Rechtsextremen stattfinden soll, machen sich die Jugendlichen im Autonomen Zentrum zur linken Gegendemonstration bereit. Ben, der sich inzwischen für die Thesen seiner Freunde Randale und Nele begeistert, ist bei der Demonstration dabei, doch die Ergebnisse am Ende des Tages sind alles andere als vorzeigbar. Ausgerechnet, die mit all dem nichts zu tun hatten, sind die Leidtragenden.

CoDeX: Comic für Demokratie und gegen Extremismus. Die dritte Folge von Andi greift das Thema Linksextremismus auf. Nach den ersten beiden Themenblöcken, Rechtsextremismus und Radikaler Islamismus, versuchen nun andere Jugendliche und propagandistische Aufklärer den Freundeskreis von Andi aufzubrechen. Der Weg geht über eine Art Jugendzentrum, die Musik und Sprüche, die niemand so recht versteht. Deshalb wird vieles in glatte Parolen verpackt.

Für Gerechtigkeit in der Welt hilft nur eins: Hängt die Bonzen.

Ben wird mitgerissen. Einerseits findet er Freunde bei den Linken, andererseits kann er sich auch für Nele begeistern. Welche Gründe er für seine Begeisterung zu linken Themen hat, kann der Comic nicht in aller Tiefe herleiten, aber einer Gruppendynamik kann sich der eine oder andere Jugendliche in dieser oder jenen Situation sicher nicht immer entziehen. So mancher wird das positive Gefühl in einer solchen Situation kennen. Solange nichts Gravierendes geschieht, ist alles gut. Bei Ben kommt das Umdenken wie auch wieder das eigenständige Nachdenken, als er sieht, was mit einem Kiosk passiert. Der Besitzer des kleinen Ladens hat den Schaden.

Die kleine Geschichte erzählt auf einfache Weise, was passieren kann. Wie leicht kann jemand, besonders in jungen Jahren, in die Fänge einer falschen Doktrin geraten. Kern der Aussage: Hirn einschalten. Selber denken. Nicht nachbeten. Das ist leichter gesagt als getan. Auch hier kommt die Erkenntnis erst, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist. Zwischendurch, abseits der versammelten Parolen, denen Ben auf den Leim geht, werden Begriffe zum politischen Thema erklärt: Antifaschismus, Linksextremistische Ideologie und Agitation, Demonstrationsrecht und einige mehr.

Die zeichnerische Umsetzung erfolgt durch den Düsseldorfer Comic-Zeichner Peter Schaaff. Im jugendlichen und kindgerechten europäischen Manga-Stil und mit fetten schwarzen Outlines lassen sich die Erlebnisse von Ben verfolgen (der namensgebende Andi ist hier eher eine Nebenfigur). Das ist schnörkellos auf dem Punkt. Keine übertriebenen Perspektiven oder Einzelheiten. Die Bilder sollen die Information zügig transportieren. Das ist durchaus in der Tradition, wie sie der jugendliche Leser und Zuschauer aus Comic-Magazinen und Trickserien her kennt.

Der Aufbau passt zur Informationsvermittlung. Oftmals ist die Aufmerksamkeitsspanne kurz, deshalb muss das Timing stimmen. Informieren, aber nicht langweilen. Entsprechend kurz und bündige Texte zum Thema runden die vorliegende Ausgabe ab.

Durch die Initiative des Innenministeriums des Landes Nordrhein Westfalen geht die politische Aufklärungsarbeit den ungewohnten Weg weiter. Information in Kürze, gut erzählt, zielgruppengerecht gezeichnet. Mehr Informationen unter: www.andi.nrw.de

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Mittwoch, 27. Januar 2010

Largo Winch 13 - Der Preis des Geldes

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 20:05

Largo Winch 13 - Der Preis des GeldesDie Welt der Finanzen und der großen Konzerne sind ein hartes Umfeld für die Menschen, die sich darin bewegen. Und es ist für so manchen, der darunter zu leiden hat, ein Umfeld großer Gleichgültigkeit. Plötzlich gibt es wieder 2.500 Arbeitlose mehr. Schuld hat: Largo Winch. Leider ist die Gruppe W derart groß, dass Largo gar nicht alles im Blick haben kann. So erfährt er erst in einem Fernsehinterview von dem Vorgehen seines Konzerns. Live wird er von dem Moderator in die sprichwörtliche Ecke gedrängt und gerät in Erklärungsnot. Aber die Katastrophe ist noch nicht komplett. Der ehemalige Leiter der Firma, deren Produktion nun nach Osteuropa verlagert wird, ist eingeladen. Niemand hat sich die Mühe gemacht ihn zu kontrollieren. Als er vor laufender Kamera eine Pistole zieht, scheint das Ende von Largo besiegelt.

Largo Winch, das wissen Leser aus anderen Geschichten, ist kein Charakter, der sich mit einer unbequemen Situation zufrieden gibt. Aussitzen kennt er nicht. Nach einer Debatte mit seinen führenden Managern macht sich Largo auf in den Weg in die Berge, in jenen kleinen Ort, der von der nun schließenden Firma abhängig war. Der Empfang ist alles andere als herzlich.

Jean van Hamme versteht es mit ungeheurer Präzision aus einer Sequenz, die auch einer Serie wie Dallas oder Denver Clan entsprungen sein könnte, einen dichten Thriller zu schaffen. Die Figur des Largo Winch ist jemand, der nicht alles weiß. Ausgestattet mit einem guten Herzen, einer kleinen Portion Naivität, großem Tatendrang und Mut, macht er sich daran, Rätsel zu lösen, die zunächst erst einmal weiter ausufern, bevor eine Lösung auch nur im Ansatz zu erkennen ist. Am allerwenigsten für Largo Winch.

Durch die Gruppe W und die dahinter stehenden Finanzen ergeben sich für Largo Winch vielfältige Möglichkeiten. Ein Privatjet, eine neue Pilotin, die auch noch als Leibwächterin taugt und die gegen Largos Annäherungsversuche und seine männliche Präsenz gefeit ist. All das und noch mehr gibt Largo Werkzeuge in die Hand, die ihm bei seinen Abenteuern helfen. Wie sich im diesem Fall wieder dank Jean van Hamme zeigt, reicht das bei weitem nicht aus, um die Sache mal eben geradezubiegen. Van Hamme wirft zu Beginn die Schlinge aus. Er weiß natürlich, wie sein Held sich verhalten wird, weiß, was Largo tun wird. Nach Largos nächsten Schritten schnappt die Falle zu. Besser gesagt: Van Hamme lässt sie genüsslich zuschnappen. Aus einer Firmenpleite und Produktionsverlagerung wird ein Mordfall. Und wer steht im Zentrum der Ermittlungen: Largo Winch.

Es funktioniert. Van Hamme pendelt mit seiner vorliegenden ersten Episode Der Preis des Geldes dieses Handlungsstrangs zwischen den Straßen von New York, der verschneiten Bergwelt und den Erinnerungen von Largos Freund Freddy und ehemaligem Piloten. Das ist so geschickt verschachtelt und in so perfekt abgestimmten Längen aufgebaut, dass zu keiner Zeit Langeweile aufkommen kann. Im Gegenteil: Am Schluss fällt es sehr schwer, auf die Fortsetzung, den abschließenden zweiten Teil warten zu müssen.

Philippe Francq setzt die Handlungsvorgaben mit technischer Brillanz um. Dank Francqs Technik und Begabung sind nicht nur die Action-Szenen dicht geworden. Städte und Landschaften leben. Francq legt auf die kleinen Details wert, die es so selten in Comics zu sehen gibt. Simon und Freddy, Largos Freunde, verbringen den Abend trinken und erzählend zusammen. Der Leser sieht, wie sie sich auf dem Sofa vor dem Fernsehen lümmeln und Simon schließlich aufsteht. Der Blick auf diese Szene ist heimlich, als wäre der Leser still hinter ihnen im Raum. Es sind diese leisen Bilder, die den Leser heranziehen und auch einen Moment der Pause gönnen, bevor es rasante Verfolgungsjagden, Prügeleien und allerhand Überraschungen gibt.

Francq zeichnet sehr fein, fragil (das hört sich noch zerbrechlicher als nur zerbrechlich an). Seine Figuren kommen mit wenigen Tuschestrichen aus. Gesichter sind häufig kantig, Frauen vielleicht etwas stereotyp, solange sie jünger sind. Francqs Kulissen sind großartig, seine Perspektiven mit dem Blick eines Kameramanns gewählt. Kurzum, die vorliegende Ausgabe ist wieder ein Beweis für den Erfolg der Reihe, der neben der von Van Hamme straff erzählten Handlung auch in den tollen Bildern von Francq zu finden ist.

Ein ungewöhnlicher Auftakt wird zu einem ungewöhnlichen Thriller. Largo Winch ist wieder in Bestform. Innerhalb der USA gilt es, Intrigen und noch schlimmere kriminelle Machenschaften aufzuklären. Unvorhersehbar, voller packender Wendungen und mit tollen Bildern ist Der Preis des Geldes ein Top-Thriller. :-)

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Oder bei Schreiber und Leser.

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Sonntag, 24. Januar 2010

Vinci

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 18:31

VinciEin Gesicht für Judas: Es ist nicht leicht zu finden, dieses Gesicht, das dem Mann gehört, der Jesus verraten hat. Leonardo da Vinci, ein Universalgenie und ein begnadeter Maler, hat seine Probleme mit diesem Gesicht, das eben eines nicht sein darf: Verräterisch. Die Güte im Gesicht des Herrn zu malen, sei leicht, behauptet Leonardo. Das Böse im Herzen von Judas sei von außen nicht zu sehen. In der Tat ist bereits jede Figur auf dem neun Meter breiten Gemälde personalisiert, nur Judas nicht. Manchmal arbeitet Leonardo an seinem Bild, manchmal starrt er es nur stundenlang an. Obwohl dies seine vordringlichste Aufgabe ist, lässt er andere Auftragsarbeiten wie auch die eigenen Studien nicht außer Acht.

Für den Herzog von Mailand soll er ein Reiterstandbild entwerfen. Doch gerade in Kriegstagen und in Zeiten nur mager gefüllter Kassen ist es selbst für einen Fürsten eine unlösbare Aufgabe, derart viel Bronze für ein Standbild aufzutreiben. Viel näher läge es, einmal auszurechnen, wie viel Kanonen daraus gegossen werden könnten. Aber das sind Leonardos Probleme. In Mailand selbst geht ein Mörder um. Im Winter des Jahres 1494/95 findet sich in den frühen Morgenstunden eine Leiche auf dem zugefrorenen Fluss. Ihre Gesichtshaut wurde entfernt. Dennoch ist die Identität des Toten schnell ermittelt. Das Rätsel um das Mordmotiv ist bei weitem nicht so schnell gelöst.

Eine Verschwörung: Aber zu welchem Zweck? Didier Convard, der Autor, dürfte Comic-Fans, die an mysteriösen Thrillern interessiert sind, bereits durch die beiden Zyklen um Das geheime Dreieck bekannt sein. Darüber hinaus ist er ein über die Jahre sehr aktiver Comic-Autor. Mit Vinci widmet er sich jener Schaffensphase von Leonardo da Vinci, die der Meister von 1494 bis 1499 in Mailand verbrachte. Im zweiten Teil des vorliegenden Bandes kann der Leser das Leben Leonardos in Venedig verfolgen.

Convard greift die wahre Historie um die Entstehung des Letzten Abendmahls auf. Er verzichtet aber darauf, das Bild selbst in den Mittelpunkt unheimlicher Geschehnisse zu rücken, wie es beispielsweise ein Javier Sierra mit seinem Buch Das geheime Abendmahl macht. Es bleibt auch zuerst ungewiss, ob Leonardo tatsächlich im Mittelpunkt des Geschehens steckt, oder ob er eher eine Nebenfigur ist. Diese Ungewissheit erschwert den Zugang ein wenig, falls man mit einer Erwartungshaltung an die Lektüre geht. Wirft man sämtliche Vorkenntnisse über Bord, auch solche, die von Konzepten eines Dan Brown herrühren, dann lässt man sich auf eine sehr interessante und mit zunehmendem Maße spannende Geschichte ein.

Die Lebensgeschichte und die Werke eines Leonardo da Vinci sind ohnehin aufregend und faszinierend. Ein Künstler und Genie, der seiner Zeit durch seine Gedankenspiele immer voraus gewesen zu sein scheint, kann in der hier beschriebenen Gesellschaft, die real existierte, nur eine Art Außenseiter sein. Ein Außenseiter, dem Bewunderung entgegengebracht wird, aber immer noch ein Außenseiter. Seine Verhaltensweisen sind ebenfalls nicht dazu angetan, ihn in ein bürgerliches Leben zu integrieren. Historische Begebenheiten und Ermittlungen in Mordfällen wechseln einander ab: Zuerst in Mailand, später in Venedig. Didier Convard lässt keine Fragen am Schluss der Handlung offen. Wirklich keine und so werden nicht nur die Mordfälle gelöst. sondern auch die Zurückhaltung eines Leonardo begründet.

Gilles Chaillet zeichnet die klare Linie, die ein Grund für die Berühmtheit der frankobelgischen Schule ist. Chaillet konnte mit seinen Zeichnungen in Vasco bereits zeigen, wie sehr im historische Szenarien liegen. Seine penible Arbeit ist geniales Anschauungsmaterial, wie er auch mit seiner Arbeit an Das Rom der Kaiserzeit bewiesen hat. Diese Anschaulichkeit findet sich in den Kulissen des alten Mailand und Venedigs wieder. Schnörkellos ordnet sich Chaillet mit seinen Bildern der Handlung unter. Das gibt dem lesenden Auge viel Ruhe. Andererseits verlangen es die sehr schönen Bilder auch, nach Lektüre des Textes, ausgiebig betrachtet und auch genossen zu werden.

Eine packende Geschichte in einem spannenden historischen Zeitabschnitt: Die faszinierende Figur des Leonardo da Vinci steht im Kern einer unheimlichen Mordserie. Geschickt vermischt Thrillerexperte Didier Convard Wahres mit Erfundenem. Die Bilder von Gilles Chaillet transportieren die Handlung unaufdringlich, aber in perfekter Illustration. :-)

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Samstag, 23. Januar 2010

Prophet 2 - Infernum in Terra

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 20:29

Prophet 2 - Infernum in TerraDie Welt da draußen ist anders geworden. Die Menschen sind verschwunden. Professor Jack Stanton hatte ein Leben. Er war in den Medien. Alles schien so zu kommen, wie er es gerne gehabt hätte. Doch dann … versank die Welt in einem Trümmerhaufen. Statt menschlicher Gesellschaft steht eine Schaufensterpuppe in seinem Zimmer. In einem Zimmer, dem die Außenwand fehlt. Am Rande New Yorks gähnt ein gigantischer Abgrund. Brooklyn besteht aus Trümmern, Manhattan ist fort. Jack weiß nicht, wo es geblieben ist. Es ist ihm auch gleichgültig. Er hat Hunger. In diesen Tagen ist es mehr als nur schwierig geworden, etwas Essbares aufzutreiben.

Jack ist ein Glückskind. In einer verlassenen Tankstelle findet er nicht nur Getränke, sondern auch Snacks, die früher nichts für Gesundheitsfanatiker waren, doch inzwischen die einzigen Lebensmittel zu sein scheinen, die sich derart lange gehalten haben. Und Jack hat noch mehr Glück: Jemand findet ihn!

Wo ist Jack Stanton? Das ist nicht die einzige große Frage, die sich der Wissenschaftler stellt. Man könnte auch fragen: Wann ist Jack Stanton? Keine der Antworten, die er sich selber gibt, gefällt ihm besonders. Jede birgt neue Fragen. Weitere Antworten fallen schwer. Außerdem muss sich Jack bald nicht nur um seine Nahrung kümmern, sondern ganz konkret um sein Überleben kämpfen. Diese neue untergegangene Welt lässt ihre Masken fallen und offenbart dem Propheten, dass die Geschichte der Menschheit noch lange nicht am Ende ist.

Mathieu Lauffray schreibt und zeichnet auch diese Episode in Personalunion. Es ist ein apokalyptisches Szenario. Zunächst kann Lauffray sich an einer zerstörten Königin der Städte, dem Big Apple, austoben. Der Eindruck ist bombastisch. Im grafischen Stil eines John Buscema (Conan, Fantastic Four) und dem zerstörerischen Feuereifer eines Roland Emmerich macht sich Lauffray ans Werk. Anfangs ist es wie ein Ausflug in die Offenbarung, wechselt jedoch mit dem Auftritt äußerst fantasievoll gestalteter Wesen in pure Fantasy.

Aus dem Weltuntergang wird durch eine Prise Clive Barker ein Szenario, in dem man sich als Genre-interessierter Leser und Zuschauer ein wenig an Cabal Die Burt der Nacht erinnert fühlt. Bereits die Titelbilder von Band 1 und 2 zeigen einen Ausblick auf die Richtung jener Wesen, die hier auf den Leser warten. Sie sind modern, zum Teil auch ein wenig Giger-artig (nach H.R. Giger). Rückblicke auf den Weltuntergang wie auch auf die Rückstände des Untergangs verlangen eigentlich eine große Bühne, sprich auf einer Doppelseite hätten sie noch einmal so viel Eindruck schinden können. Das ist, um im filmischen Vergleich zu bleiben, großes Kino.

Aus einer Begegnung wird eine Prophezeiung, der nicht so recht geglaubt werden will. War Jack Stanton in seiner ursprünglichen Welt schon nicht sonderlich beliebt, ist er es hier auch nicht. Zwar haben sich seine Charaktereigenschaften etwas gewandelt und das Großmaul ist etwas kleinlauter geworden, doch überzeugen kann Stanton seine neuen Freunde doch nicht wirklich. Nur wenige setzen Hoffnung auf ihn. Das ist, gemessen an vergleichbaren Szenarien, nicht die neueste Wendung, aber man verzeiht es Mathieu Lauffray gerne, sobald die Handlung ihren Lauf fortsetzt.

Nach einer gemächlichen Einleitung, einem großen Knall und einer Überleitung setzt die Handlung plötzlich zum Spurt an. Die Bilder nehmen den Leser bei der Hand, zerren die Augen mit, zwingen zum Umblättern. Lauffray beherrscht die Kunst, das Auge zu führen, perfekt. Die Hektik mancher Szene ist fühlbar, Strich und Farben sind auf dem Punkt. Alles scheint immer gerade so viel, wie es eben nötig ist.

Wer das Spiel mit apokalyptischen Szenarien mag, Bilder eines Zeichners sehen möchte, der sehr oft den besten Bildausschnitt findet und ganz eindeutig vom Kino inspiriert wurde, der sollte einen Blick riskieren. Langsam wird der Anti-Held Stanton vom Saulus zum Paulus und das ist verdammt spannend. :-)

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Freitag, 22. Januar 2010

Die Gifticks - Gesamtausgabe 2

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 20:04

Die Gifticks - Die Gesamtausgabe 2Die Gifticks haben ein Problem. Sie sind klein, aber sie haben trotzdem Hunger. Das Dumme ist: Die vielen Speisen der Menschen sind oft so aufwändig verpackt, so dass ein Giftick nur sehr schwer an den Inhalt herankommt. So wie bei dieser Dose mit Sardinen. Ohne Öffner geht hier gar nicht nichts. Doch woher soll dieser Öffner genommen werden. Während zwei Gifticks sich auf den Weg machen, um einen zu finden (oder auch Nahrung, deren Verpackung keinen Kraftakt benötigt), bleibt die Nummer Drei genervt zurück. Gifticks sind findig. Deshalb gelingt es zweien tatsächlich einen Dosenöffner aufzutreiben. Leider sind Gifticks nicht unbedingt geduldig, weshalb …

Damit sind weitere Verwicklungen vorprogrammiert. Die Gifticks, die es nicht nur gewohnt sind, anderen Kummer zu bereiten, bleiben auch selbst nicht davon verschont. So wird aus der simplen Beschaffung eines Dosenöffners (sofern man von simpel sprechen kann, wenn man gerade einmal so groß ist, dass ein Bad in einer Sardinendose denkbar wäre) zu einem halsbrecherischem Abenteuer.

Und es soll nicht das einzige bleiben: Gifticks haben einen Wunsch. Sie möchten gerne die Weltherrschaft übernehmen. Und sie haben ein Problem. Sie sind gerade einmal so groß, dass es möglich wäre, in einer Sardinendose zu … Aber das schrieb ich schon. So ein Giftick hat aber noch ein Problem. Seine Größe bringt es mit sich, dass ihm wirklich ständig etwas zustoßen kann. Daher käme ein gutes Versteck gerade zur rechten Zeit. Ein Haus, das von anderen für ein Spukhaus gehalten wird, könnte das richtige sein. Leider … Ja, leider sind Gifticks auch Pechvögel. Also, leider sind sie nicht die einzigen auf dieser Welt, die nach einer globalen Herrschaft streben.

In der zweiten Folge der Gesamtausgabe der Gifticks geht es deutlich humorvoller zu als zuvor. Die Gifticks waren ihrer Zeit weit voraus. Ihr Ziel, die Weltherrschaft zu erlangen, ist dafür bezeichnend. 1977 stellte ihnen ihr Schöpfer Paul Deliege sogar Konkurrenz zur Seite. Und selbst die war ihrer Zeit weit voraus. (Erst 1993 sollten Mäuse wie Pinky und Brain dieses Ziel auf dem Fernsehschirm verfolgen.) Doch zurück auf Anfang.

Die Zeichnungen sind verspielter, viel stärker funny als bisher. Der Gegensatz, die Figuren der Gifticks zu ihrer Umgebung und anderen handelnden Personen, ist nun fort. Die Welt der Gifticks ist komplett cartoony. Beides, das ursprüngliche Konzept wie auch die hier vorliegende Umsetzung, hat seinen Reiz. Unter dem Strich allerdings lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass die Gifticks zu diesem Zeitpunkt in der fantasievollen Komödie angekommen. Derart fantasievoll sogar, es keine Grenze mehr gibt.

Waren die Gifticks ursprünglich die Angreifer, die bösen Buben, rutschen sie hier in die Opferrolle und gehören zu denjenigen, die in die Bredouille geraten. Die Menschen sind hier vollends zu Nebenrollen geraten. Sie sind die Statisten, über die man lacht, wie es sich für eine französische Komödie gehört. In der albenlangen Episode Das seltsame Haus werden sie eigentlich noch nicht einmal mehr benötigt.

Der Zeichenstil ist sehr 70er und somit auf der Höhe der damaligen Zeit, wie ihn der Leser häufig in europäischen Comic-Magazinen fand. Vergleicht man ihn mit Cartoons der Gegenwart, findet sich vieles wieder. Was gut ist, bleibt eben gut. Manches, so wie die stilistische Grundtendenz der Zeichnungen von Paul Deliege lässt sich eben nicht besser machen. In Abenteuerliche Entführung sind die Zeichnungen sehr sorgfältig getuscht, in der folgenden Episode gestattet sich Deliege etwas mehr Schmiss, ohne die Sorgfalt vermissen zu lassen. Vergleichsweise könnte man sagen: Hat zuerst noch der Techniker die Oberhand, übernimmt daraufhin der Künstler die Führung.

Nachdem die Gifticks vorgestellt sind, werden sie nun auch zu Sympathiefiguren, die einem sogar leid tun können. Wer hätte das gedacht? Aber diese Erzählrichtung ist sehr lustig und glänzt mit immer neuen Einfällen. Wer kleine aberwitzige Wichte mit besonderen Fähigkeiten erleben möchte, die toll in eine schöne und abenteuerliche Komödie eingebunden sind, sollte einen Blick in diese Ausgabe der Gifticks riskieren. :-)

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Mittwoch, 20. Januar 2010

Sukkubus 1 - Camilla

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 18:10

Sukkubus 1 - CamillaRunter mit dem Kopf! Die gnadenlosen Säuberungen innerhalb Frankreichs nehmen ihren Lauf. Niemand scheint sicher. Das Volk beobachtet trotzdem immer wieder jubelnd, wie der nächste Delinquent den Gang hinauf zur Plattform der Guillotine antritt. Maximilien Robespierre zieht öffentlich die Strippen. Keiner mag sich ihm offen widersetzen. Noch nicht. Das Blutbad und die immer höher werdende Zahl derer, die ihren Kopf verlieren, sorgt für Unmut. Selbst in den höchsten politischen Kreisen können die nächsten Opfer zu finden sein. Manchen reißt der Geduldsfaden. Galt Robespierre bisher als unantastbar, könnte es bald schon zu einem Umsturz kommen. Doch wer wird es wagen, gegen den mächtigen Mann Frankreichs aufzubegehren?

Was geschieht eigentlich hinter den offiziellen Ereignissen der Geschichte? Die Französische Revolution hat den französischen Staat mehr als nur erschüttert und dem König den Kopf gekostet. Einiges wurde von unten nach oben gekehrt und das mit einer Brutalität und Willkür, die sich nicht hinter Revolutionen und Machtübernahmen heutiger Tage und Kulturen verstecken muss.

Unter Maximilien Robespierre leidet Frankreich unter einer Terrorherrschaft ohnegleichen. Aber warum handelte der Politiker so, wie er handelte? War er wirklich dieses Monstrum der Revolution? Oder beeinflusste ihn jemand hinter den Kulissen? Thomas Mosdi greift diese Frage auf und bedient sich der Idee der Geheimbünde und Logen, die unzweifelhaft ihr Netzwerk zu allen Zeiten mehr oder minder erfolgreichgestrickt haben. Thomas Mosdi geht noch einen Schritt weiter: Hinter den Kulissen tobt ein Kampf der Geschlechter im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Söhne Adams stehen den Töchtern der Lilith gegenüber. Diese Auseinandersetzung wird mit List, Tücke und mit Gewalt geführt. Die bestehende Ordnung muss zerstört werden, um etwas Neues aus ihr zu kreieren. Robespierre, der Tugendhafte, erliegt der Verführung einer dunkelhaarigen und üppig ausgestatteten Frau sehr zum Verdruss der Söhne des Adams, eines Geheimbunds mit direkter Unterstützung des Heiligen Stuhls. Thomas Mosdi hat eine Geschichte entwickelt, die in all den Szenarien um Verschwörungen eine kleine Sonderstellung einnimmt.

Es geht dabei seltener in die Vergangenheit und noch seltener werden reale historische Ereignisse derart sorgsam in die eigens entworfene Geschichte verwoben. Thomas Mosdi vergisst die echte Historie hierbei nicht, kann aber wegen der Begrenztheit des Umfangs nicht sehr auf Einzelheiten eingehen. So ist die Verletzung Robespierres am Kiefer auf dem Schafott irritierend, aber ein historischer Bestandteil, den der Geschichtsinteressierte schnell nachholen kann.

Laurent Paturaud, Zeichner und Kolorist, obliegt es der Geschichte durch seine Bilder Leben einzuhauchen. Das Paris jener Tage war ein vornehmes, aber auch ein schmutziges. Der Leser, eben noch in einem Prolog in die noch fernere Vergangenheit des alten Ägypten entführt, findet sich kurz darauf in den Straßen von Paris wieder. Über den Köpfen einer aufgebrachten Menge, Seite an Seite mit ihr, verfolgt er den letzten Gang zweier zur Guillotine Verurteilter. Laurent Paturaud erstellt seine Grafiken mit höchster Genauigkeit. Straßenzüge, Kleidung, Uniformen, Szenen entfalten sich vor dem Leser, die so auch Illustrationen zur Epoche sein könnten.

Wie das Titelbild verrät, gibt es auch eine gewisse erotische Komponente. Ein tugendhafter Robespierre (wenigstens er selbst scheint sich so gesehen zu haben) ist letztlich nichts als Mann, der gelenkt werden kann. Bei den Söhnen Adams, den Männern des Glaubens versagen die Reize der Frauen offenbar, bei einem Mann, der Europa im Sinne der Kirche zu entchristlichen wirken sie. Einzig, wie es sich an Szenen in Verliesen, Folterkellern und bei Hinterhalten zeigt, bei Männern, die Rache suchen, versagen weibliche Attribute anscheinend auch.

Demzufolge muss Paturaud die Töchter Liliths in Situationen darstellen, in der auch ihre Schlagfertigkeit und ihre Skrupellosigkeit gefragt sind. Allzu bewegte Szenen lässt Paturaud vermissen. Er geht nur selten in die Bewegung hinein, er ist mehr ein Arrangeur als ein Choreograph. So entsteht weniger ein filmisches Erlebnis als ein Bühneneindruck. Das stört nicht im geringsten, da die Handlung auch stärker auf Atmosphäre und unterschwellige Stimmungen setzt als auf Action.

Farblich arbeitet Paturaud meisterhaft. Fast haben seine Bilder eine leichten Kreidecharakter, sehr nuanciert, mit zum Teil gröberen Oberflächen, wie sie durch den Farbauftrag von Kreidefarben entstehen.

Die Geheimnisse hinter der französischen Historie sind noch nicht gänzlich gelüftet: Thomas Mosdi und Laurent Paturaud nehmen den Leser mit zu einem geheimen Krieg. Grafisch beeindruckend umgesetzt, spannend erzhlt. :-)

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Dienstag, 19. Januar 2010

Der bitterböse Großwesir Isnogud

Abgelegt unter: Comics im Film — Michael um 20:26

Der bitterböse Großwesir IsnogudIsnogud verliebt? Unmöglich! Undenkbar! Unwahrscheinlich! Der Mann, der sich nichts sehnlicher wünscht, als Kalif anstelle des Kalifen zu werden, sieht diese bezaubernde (und wilde) Prinzessin auf dem hiesigen Sklavenmarkt und hat nur noch einen Wunsch, nämlich, dieses weibliche Kleinod zu ersteigern. Als Dreingabe, wie dem Publikum auf dem Marktplatz immer wieder versichert wird, gibt es außerdem eine Dienerin dazu. Isnoguds Startgebot fällt sehr hoch aus. Wirklich sehr hoch. Natürlich macht sich Tunichgud, Isnoguds treuer Diener (und Mietsklave), berechtigte Sorgen. Ganz besonders dann, als ein weiterer Bieter bei der Auktion auftaucht und die Summen in die Millionen gehen. (Selbstverständlich gibt es die Dienerin immer noch als Dreingabe dazu.) Isnoguds Herz pocht. Das muss Liebe sein. Er muss die Prinzessin ebenso besitzen, wie er unbedingt Kalif anstelle des Kalifen werden will. Aber natürlich …

... kommt wieder einmal alles ganz anders.

Isnogud, der Großwesir, der nichts anderes im Sinn hat, als Kalif anstelle des Kalifen zu werden, hat im Schauspieler Michael Youn eine hinreißend gute Besetzung gefunden. Hierzulande bekannter sein dürfte Jacques Villeret als Kalif Harun al Pussah (gesprochen von Oliver Kalkofe). Villeret begegnete dem deutschen Kinozuschauer sehr eindrücklich als Außerirdischer an der Seite von Louis de Funes vor beinahe 30 Jahren. Hier spielt er den bequemen und sehr gemütlichen Kalifen, als sei er die Vorlage für den Comic gewesen.

Es heißt, Louis de Funes sei einmal selbst für die Rolle des Isnogud im Gespräch gewesen. Es ist zweifellos schade, dass es nie dazu gekommen ist, andererseits ist Michael Youn derart schwungvoll und cholerisch aufgelegt, dass er diese Comic-Charakter regelrecht lebt. Als Synchronstimme für diesen Film konnte Rick Kavanian gewonnen werden. Der Comedian hat viele Projekte mit Michael Herbig durchgeführt, allen voran natürlich die Bully-Parade. Kavanian, für seine stimmliche Wandelbarkeit bekannt, gibt der Figur durch sein Spiel noch mehr Tiefe, muss in Sangesszenen allerdings zurückstehen.

Gesungen und musiziert wird hier in bester komödiantischer Musical-Manier, aber die Gesangsstimme von Isnogud ist die von Michael Pan. Pan sprach den Großwesir bereits in Zeichentrickserie Isnogud von 1995. (TV-Zuschauer kennen seine Stimme u.a. von Brent Spinner/Data oder Richard Kind/Chaos City.) Beide Sprecher, Kavanian und Pan, nähern sich bei dieser Figur so sehr an, dass der Unterschied erst auf das zweite Hören auffällt (aber es fällt auf).

Die deutsche Version der Verfilmung wirbt nachdrücklich mit den Stimmen bekannter deutscher Comedians. Kavanian und Kalkofe bilden hier nur den Anfang. Rüdiger Hoffmann verleiht dem dienstbaren Tunichgud, dem Diener Isnoguds, einen leicht tranigen Unterton. Tunichgud ist immer zu Diensten, aber nicht immer schnell genug. Er ist stets bemüht, eine Art gutes Gewissen zu sein, hat aber nur selten Erfolg damit. Demzufolge wurde Hoffmann gut ausgewählt, hätte jedoch noch etwas tiefer klingen können. Weiterhin sprechen Christian Tramitz (demnächst im Kino mit der Komödie: Jerry Cotton) und Mirja Boes (Die dreisten Drei).

Eine echte Überraschung ist Badesalz. Das hessische Komikerduo übernimmt die Sprechrollen der beiden Djinnis Ouz und Ouzmoutousouloubouloubombe. Die beiden Geisterchaoten, ein grüner und roter, passen sich nicht nur perfekt in die bekannte Welt von Isnogud ein, mit Badesalz, Henni Nachtsheim und Gerd Knebel haben sie zwei herrlich babbelnde Stimmen gefunden, in denen manchmal sogar das Hessische durchblinzelt und einen tollen humorvollen Kontrast zur orientalischen Märchenwelt bildet.

Die Welt von Isnogud ist sehr stimmungsvoll und mit Liebe zum Detail umgesetzt worden. Der Prolog, wenn man es so nennen will, ist zunächst noch sehr märchenhaft. Als Erzähler hört der Zuschauer Friedrich Schoenfelder (einst die Synchronstimme von David Niven), der mit seiner großartigen Stimme, in der stets etwas von einem Gentleman mitschwingt, sofort den Zuschauer einzufangen weiß.

Die grafische Aufbereitung durch den Kollegen Computer ist bilderbuchartig. Kleinigkeiten sind überall eingestreut. Immer wieder gibt es etwas zu entdecken, für den Schmunzler wie auch für den Brüller. Sei es das einsame Tor in der Wüste (für einen Zaun fehlte dem Sultanat offensichtlich das Geld) oder die Gestaltung der verschiedenen Zauberlampen, allen voran jene für gleich zwei Geister. Die Farben sind eine wahre Pracht, die Ausleuchtung sorgt für eine Atmosphäre wie in Tausendundeiner Nacht.

Wie es sich für das Morgenland gehört, sind die Kleidungen und Ausstattungen sehr fantasievoll und bunt. In Tanzszenen und Musikeinlagen wehen die Gewänder. Einer schönen Choreografie folgt perfektes komödiantisches Timing und fängt den Geist der Isnogud-Reihe so ein, als habe ein Fan sich um die Umsetzung gekümmert.

Wer Isnogud kennt, darf sich über eine klasse Comic-Verfilmung freuen. Wer ihn nicht kennt, wird von einer tollen Komödie auf das Beste unterhalten. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Ansehen, lachen, schmunzeln: Mit Isnogud ist ein Spaß für die ganze Familie gelungen. :-)

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