Donnerstag, 02. Juli 2009
Die junge Frau wirkt hilflos. Sie sollte nur eine Botschaft des Königs überbringen und wurde gefangen genommen. Nun erwartet sie ihr Schicksal, denn die aufrührerischen Gesellen haben nicht vor, sie wieder entkommen zu lassen. Allenfalls tot wird sie das Gebäude wieder verlassen können. Aber Marie hat noch ein Ass im Ärmel.
AnGe, das Autorenduo Anne und Gerard, haben bereits mit einigen Comic-Erscheinungen für Aufsehen gesorgt. Der Leser von phantastischen Stoffen kennt sie von den Legenden der Drachenritter, dem verlorenen Paradies oder auch dem unsichtbaren College. Hier liegt nun der zweite Band von Belladonna vor, jener abenteuerlichen Geschichte, mit der die beiden die große Zeit der Mantel- und Degenfilme aufleben lassen.
Frauen sind seltener in solchen Filmen mit einer tragenden Rolle gesegnet. Lana Turner machte den drei Musketieren das Leben schwer, aber sie focht nicht. Kim Cantrall als Justine de Winter in der Rückkehr der Musketiere verstand davon schon mehr. Und Sophie Marceau war als Tochter von D’Artagnan noch ein wenig durchsetzungsfreudiger, aber insgesamt bleibt die Liste der Frauen im Genre der Kostümfilme aus den Hochtagen des 17. Jahrhunderts eher dünn besetzt.
So ist denn die Geschichte um Marie nicht nur erfrischend, sondern war auch längst nötig. In Zeiten, in denen es mehr weibliche als männliche Dämonenjäger gibt, mussten Frauen auch endlich diesen Bereich erobern, der in einer Epoche angesiedelt ist, die eigens für Abenteuer erfunden worden zu sein scheint. Die junge Frau ist, legt man neuere Maßstäbe an, eine Art weiblicher James Bond. Sie besitzt überragende Eigenschaften im Kampf, sie geht artistische Risiken ein und steht treu zu König und Vaterland (nur technischen Schnickschnack wie bei ihrem englischen Pendant der Neuzeit sucht man hier vergebens).
Der Auftakt dieser Geschichte indes beginnt nicht mit Marie, sondern mit einem Erzfeind, dessen Kampftechnik der ihren durchaus ebenbürtig ist. Aber, hier lässt sich wieder ein Vergleich zum Bondschen Universum anlegen, dieser Erzfeind namens Enrico hat zweimal in den Augen der Mördergilde versagt. Das kommt einem Todesurteil gleich. In bester aktionsgeladener Manier muss er sich den Attacken seiner Mitbrüder stellen. Es ist diese Vermischung aus althergebrachten, traditionellen und sehr modernen Elementen, die aus Belladonna eine klassische wie auch unkonventionelle Erzählung machen.
Pierre Alary übernimmt die unkonventionelle Grundstimmung in seinen Bildern. Der Strich ist cartoony, wild, ein wenig rebellisch und sicherlich mit einer ganz individuellen Note versehen. Es entsteht manchmal der Eindruck, als baue Alary die Gesichter seiner Figuren regelrecht zusammen. Diese Gesichter sind meistens hager, die Wangen knochig, der Nasenrücken fällt sehr schmal und lang aus. Ausnahmen bestätigen diese Regel. Der König fällt durch sein ovales pausbäckiges Gesicht aus dem Rahmen. Außerdem strahlt er eine größere naivie Heiterkeit aus, die den anderen Figuren vollkommen abgeht. Bei diesem eher unecht zu nennenden Zeichenstil besticht die Geschichte durch ziemliche Ernsthaftigkeit. Platt gesagt: Es geht zur Sache!
Alary kann sich hier in vielen Szenen austoben. Er ist sehr geschickt darin, eine Szene perspektivisch zu choreographieren. Er hat einen Kamerablick. Einzig lässt er auch einmal eine großformatige Abbildung vermissen, ein regelrechtes Breitwandbild. Aber vielleicht kommt es in einer anderen Produktion von ihm einmal vor.
Ich liebe es, durch diese Gärten zu spazieren. Tagsüber sind sie paradiesisch, doch nachts … sind sie magisch.
Für Alary mangelt es nicht an Handlungsorten: Klösterliche Verliese, Übungsräume königlicher Garden, indische Tempel, das Schloss von Versailles, nächtliche Wälder und das nächtliche Paris. Der König, dem das vorangestellte Zitat aus dem gezeichneten Munde schlüpft, hat recht. Besonders die nächtlichen Ansichten, das Zusammenspiel von Licht und Schatten, die blauen, gelben und orangefarbenen Töne verzaubern die Bilder auf das Feinste und tragen immens zur spannenden Atmosphäre der Geschichte bei. Dies äußert sich im besonderen Maße am Hofe der Wunder, im Königreich des Bettlerkönigs.
Eine tolle und konsequente Fortsetzung (die Lektüre des ersten Bandes ist ein Muss) mit ausdrucksstarken Zeichnungen. Eine Umsetzung als Zeichentrickvariante wäre sofort denkbar. Pierre Alarys Bilder entstammen nicht unbedingt einer alten, in jedem Fall aber einer sehr guten Schule
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Zayne und Gryph müssen den Planeten unbedingt erreichen. Die Sache hat nur einen Haken: Eine feindlich gesinnte Flotte hat einen planetenumspannenden Gürtel um ihr Ziel gelegt und feuert aus allen Rohren. Die beiden Freunde lassen sich eine List einfallen. Die Freude über ihren gelungenen Plan ist allerdings nur von kurzer Dauer. Von sehr kurzer Dauer, denn wenig später kämpfen sie wieder um ihr Überleben.
Das Finale einer langen Vorgeschichte zieht noch einmal alle Register! Der junge Padawan Zayne Carrick war lange auf der Flucht, immer unter dem Verdacht des Verrats und beschuldigt, andere Jedi getötet zu haben. Hier nun entwirrt sich das gewaltige Komplott, aus Angst vor einer Vision entworfen. Alle Protagonisten versammeln sich zu einem dramatischen Höhepunkt, in dem auch der Mythos der Sith nicht fehlen darf.
John Jackson Miller fällt hier die Aufgabe zu, aus der sehr ausführlich angelegten Handlung wieder alle Fäden zusammenzuführen. Still und heimlich sind im Hintergrund Sith-Artefakte, die verschiedensten Zwecken dienen, gesammelt worden. Zayne will diese Sammlung als Beweis für die Machenschaften des Geheimbundes unter den Jedi stehlen. Miller baut hier eine Nebenhandlung auf. Er zeigt die Verbundenheit eines Volkes zu seinen Traditionen und seinem Ältesten, einem Jedi. Am Ende stürzt alles in sich zusammen. Alles, woran dieses Volk festgehalten hat, erlebt seinen Niedergang in Feuer und Tod. Diese Geschichte allein, eingebunden in den Haupthandlungsstrang, besitzt genügend Aspekte, um vollkommen für sich alleine zu stehen. Der Bogen ist ebenso perfekt gespannt, wie es der berühmte rote Faden hinter der gesamten Entwicklung der Geschichte war.
Gleich drei Zeichner sind an den Episoden beteiligt. Bong Dazo versteht sich auf die Ernsthaftigkeit eines Szenarios wie Star Wars, aber das Augenzwinkern, mit er manche Figuren oder auch einzelne Szenen anlegt, sind unübersehbar. Wenn es zur Sache geht, steht er seinen Kollegen in nichts nach, aber in Sachen Humor macht er diesen etwas vor. Das perfekte Beispiel in diesem Fall ist die Figur von Zaynes Freund Gryph. Dazo macht einen Knuffel aus ihm, obwohl er in den bekannten Gestaltungsstrukturen dieses Charakters bleibt. Bei ihm erzielt Gryph die Wirkung einer Mixtur aus Chewbacca und Yoda. Er nutzt darüber hinaus Millers Vorgaben, um deutliche Slapstick einfließen zu lassen. Manchmal ist es sogar etwas zu übertrieben.
Andere Zeichner wie Brian Ching, der das Finale des Finales zeichnen darf, vergisst die Komik dieser Figur nicht, aber er legt sie deutlich echter und weniger karikiert an. Ching, von dem auch das Titelbild des vorliegenden Bandes gezeichnet wurde, ist ein Naturalist. Er skizziert gerne, lässt Fragen offen und vertraut auf die Sicht des Lesers. Alles wirkt zerbrechlicher, schmaler, aber auch agiler, da gerade den Figuren das Wuchtige und die Spur Cartoon aus Dazos Bildern fehlt. Die Bilder eines Lucas Marangon (Tag und Bink, Krawall im All) sind ähnlich zerbrechlich, tendieren aber eindeutig in Richtung Komik. Marangons grafischer Grundstil, in der Aufzählung der Künstler dieses Bandes nicht aufgeführt, ist eindeutig erkennbar. Allerdings zieht die Komik, so sehr sie auch immer ein Bestandteil von Star Wars gewesen ist, die Ernsthaftigkeit der Handlung etwas herunter.
Denn das Finale, in dem sich wieder ein Sith offenbart (und was für einer!) hat es nicht nur in sich, sondern sorgt mit der Gestaltung dieses Bösewichts auch für neue Überraschungen. Nachdem mit einem Darth Maul die Tätowierungen bei den Sith Einzug gehalten haben, ein Gestaltungsmerkmal, das bei Legacy konsequent fortgeführt wurde, ist dieser Sith hier eher Stückwerk. Seine äußere Erscheinungen spiegelt perfekt das zerrissene und auch zerstörte Seelenleben wieder, mehr noch als es Darth Vader konnte. Die Benutzung eines Sith-Artefakts, das einem skelettierten Rinderkopf ähnelt, lässt diese Figur noch archaischer, ursprünglicher und bedrohlicher wirken. Ein Helm, dessen Auswüchse an Teufelshörner erinnern, trägt sein Übriges zu dieser toll gestalteten Figur bei.
Eines der besten (sagen wir ruhig) Staffelfinale seit langem im Star Wars Universum. Mit der Figur des Haazen ist ein verteufelt gelungener Sith, der besonders durch die Darstellung von Brian Ching Wirkung erzielt. Absolut perfekte Space Opera Unterhaltung.
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Links / Infos über die Zeichner:
brianching.blogspot.com (Brian Ching)
www.glasshousegraphics.com/creators/pencilers/bongdazo/index.htm (Bong Dazo)
thealanrobinsonblog.blogspot.com (Alan Robinson)
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Dienstag, 30. Juni 2009
In diesem Krieg verwundert einen Soldaten nichts mehr. So ist es zwar ungewöhnlich neben einem Gott im Schlauchboot zu sitzen, doch es ist nicht zu ungewöhnlich. In diesem Krieg, der ein Weltkrieg war, nun ein Krieg gegen Götter ist, geht es inzwischen um das Schicksal der Menschheit, denn diesen Göttern, von den Nazis heraufbeschworen, ist nur eines wichtig: Leben. Leben, das sie stärker und mächtiger werden lässt. Sonst nichts.
David Brin ist bereits seit Jahrzehnten als Science Fiction Autor tätig. Der Doktor der Astrophysik und ehemalige Berater der NASA hat durch diverse Veröffentlichungen und Preise innerhalb der Literatur auf sich aufmerksam gemacht. Seine Kurzgeschichte über den Postman wurde mit Kevin Kostner verfilmt. Brin bedient sich im aktuellen Szenario aus The Life Eaters den Mythen und Legenden nordischer Völker. Die Nazis des Dritten Reichs sind schon häufiger Gedankenspielzeug für diverse Autoren gewesen. In zwei Indiana Jones Filmen spielten sie eine nicht unwesentliche (Indy erhielt von Hitler sogar ein Autogramm). Die Danger Girls setzten sich mit einem Nazi-Ableger auseinander, Hellboy machte noch weit skurrilere Erfahrungen.
Brin hingegen geht noch einen Schritt weiter. Er stellt sich die Frage, welchen Sinn und Zweck der Holocaust abseits des bekannten Wissensstandes gehabt haben könnte. Der Sinn Himmlers für merkwürdige Pseudorythen ist ebenfalls gemeinhin bekannt. Brin bringt beides zusammen. In seinem Szenario ist der Holocaust nicht nur Massenmord, sondern gleichzeitig ein gigantisches Opferritual zur Beschwörung nordischer Gottheiten, die den Nazis zum Sieg verhelfen sollen. Ob die Verwendung des Holocausts hier als geschmacklos, leichtfertig, respektlos oder gar dumm gewertet werden kann, mag jeder Leser selbst für sich bewerten. Ich für meinen Teil hätte von einem so genannten Intellektuellen, einem verdienten Wissenschaftler, Science Fiction Autor hin oder her, etwas mehr Feingefühl erwartet.
Fakt ist, dass der Ausgangspunkt der Geschichte viel zu schnell unerheblich wird. Die Herleitung spielt binnen kurzem keine Rolle mehr für die weitere Handlung, weshalb es hier durchaus auch einen anderen Hintergrund hätte geben können. Vielleicht, der Verdacht liegt nahe, ging es hier nur um Provokation im Hinblick auf die viel gerühmte und berüchtigte Publicity. Weitaus gelungener wird die Konstellation, wenn die weltweite Situation in Augenschein genommen wird. Plötzlich sind die Götter nicht mehr nur Hilfsarbeiter mit einem außerordentlichen Appetit auf menschliches Leben oder menschliche Energie, sondern sie werden auch unterschiedlichen Seiten zu Befehlshabern von Machtblöcken. Der afrikanische Kontinent wird zum Kriegschauplatz. Die dort lebenden Menschen haben ihre ganz eigenen Gottheiten zum Leben erweckt. Im asiatischen Raum sind shintoistische Götter in Kämpfe verstrickt. Bezeichnenderweise ist es wieder zu einer Achse Berlin-Tokio gekommen, nordische und japanische Götter sind Alliierte.
Gott hin oder her, Brin zeigt, dass diese Götter zwar mächtig sind, aber nicht unsterblich. Sie sind schlagbar, wenn auch unter unsäglichen Mühen und mit immer größeren Waffen, denn mit immer mehr Toten steigt auch ihre Macht. Brin kratzt eigentlich mit seiner Geschichte nur an der Oberfläche. Denn hinter den Beschreibungen, kleinen Andeutungen und Rückblicken (und dem Blick auf eine ganz besondere Weltkarte) steht eine regelrechte Apokalypse, ein Weltuntergang, wie ihn das Genre Comic nur selten erlebt hat.
Hey, Leute! Hier geht’s nur um Comics.
So drückt es Scott Hampton sehr treffend im Anhang der Geschichte aus. Grafisch gestaltet der Comic-Veteran die vorliegende Geschichte. Hampton, der noch die Gelegenheit hatte, einem Will Eisner über die Schulter zu schauen, arbeitet noch auf herkömmliche Weise, wie ein Beispiel im Anhang sehr schön zeigt. Endlich sagt ein Zeichner mal, dass die Arbeit eines Comic-Künstlers auch schwierig sein kann, dass nicht alles gelingt und nicht alles am Ende gut aussieht. Dann wird ein wenig kaschiert. In den meisten Fällen lässt sich aber kaum sagen, ob Hampton ein wenig gemogelt hat oder nicht.
Durch die organische Arbeitsweise wird ein leichtes Verwackeln viel eher verziehen, entsteht viel eher der Eindruck, dass diese oder jene Linie, dieser vielleicht etwas merkwürdige Farbauftrag dazu gehört. Hampton gestattet sich nicht immer den gleichen Aufwand. Mal abstrahiert er ein wenig mehr, mal werden Licht und Schatten verstärkt durch Tuschestriche und Schwarzflächen erzeugt. In Portraitaufnahmen arbeitet er gerne stark mit Farben und erzeugt feine und sehr individuelle Ansichten der Akteure. Man gewinnt außerdem den Eindruck, dass er auf Schauspieler als Vorbilder zurückgegriffen hat. Ein Meteorologe, ein ziemlich wichtige Person im weiteren Verlauf, könnte einen Dustin Hoffman als Vorlage gehabt haben, wie er in Papillon aufgetreten ist.
Ein besonderes Augenmerk liegt natürlich auf den Göttern. Allein ein einziges Bild zeigt, welches Potential noch in dieser Geschichte steckt: Ein nordischer Gott stellt sich dem Zweikampf mit einem afrikanischen Blutgott.
Eine sehr theatralische Geschichte, die sehr ausgewogen mit Text und Bildern arbeitet und darüber hinaus eine ungewöhnliche Atmosphäre schafft. Über die inhaltliche Grundlage lässt sich streiten, sicherlich aber ist es aber eines der ungewöhnlichsten Comic-Experiment der letzten Zeit. In der zweiten Hälfte des Bandes zieht die Spannungsschraube stark an, es wird mysteriöser, mythologischer und dramatischer und entschädigt für den unüberlegten Beginn.
The Life Eaters: Bei Amazon bestellen
Links:
davidbrin.blogspot.com (Weblog von David Brin)
www.aspiritedlife.com/blog/2006/07/scott-hampton-bo-hampton-interview.html (Interview mit den Brüdern Scott und Bo Hampton über ihre Ausbildung und Erfahrungen bei Will Eisner)
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Samstag, 27. Juni 2009
Es gibt nur eine Frau, die Storm etwas zu sagen hat. Diese da, mit dem verwegenen Piratenaussehen, der Augenklappe und den grünen Haaren, gehört eindeutig nicht dazu. Und wenn von zwei Menschen auf einem Boot nur einer eine Waffe hat und Storm ist nicht dieser Mensch, dann muss das schnellstens geändert werden. Rothaar derweil macht sich große Sorgen um ihren Gefährten. Aber sie ist bereit, sämtliche Ängste über Bord zu werfen. Sie dringt in das Allerheiligste des Theokraten Marduk ein, nur um festzustellen, dass sie zu spät kommt. Storm ist nicht mehr da.
Marduk! Dieser Stellvertreter Pandarves, dieser irrsinnige Herrscher dürfte zu den größten Spinnern auf einem Thron gehören seit Caligula und Nero zusammen. Und jetzt ist er wieder da. Mehr oder weniger jedenfalls, denn manchmal werden Herrscher wieder interessant, wenn es ihnen schlecht geht. Und Marduk geht es sehr schlecht. Er könnte sterben. So ist es keine uninteressante Konstellation, wenn ausgerechnet sein auserkorener Erzfeind, die Anomalie (nennen wir sie einfach Storm) dazu ausersehen ist, Marduks Leben zu retten.
Marduk, hier im Titel der vorliegenden neuen Ausgabe der Reihe auch mit namensgebend, ist verantwortlich für die Reise von Storm in ein ihm völlig unbekanntes Universum. Ein Ei von Pandarve ermöglichte den Transport von Storm und natürlich von Rothaar, die ihren Freund und Geliebten nicht so einfach in einem gleißenden roten Lichtstrahl verschwinden sehen wollte. Und plötzlich: Storm und Rothaar fanden sich in einem Weltraum wieder, in dem sie atmen konnten. Mehr noch: Ein riesiger Wal schwamm geradewegs auf sie zu.
So viel zur Vergangenheit. Nach all den Bösewichtern, die Storm bis zu seinem Wechsel in das Universum von Pandarve erlebt hat, ist Marduk zwar auch ein schlimmer Finger, aber auch einer der eher in der Kategorie eines Lord Helmchen anzusiedeln ist. Man kann seinen Spaß mit ihm haben, sollte ihm aber nicht in die Finger fallen. (So verhält es sich auch mit den theokratischen Garden.) Die Besessenheit Marduks, der Anomalie habhaft zu werden, soll nicht weiter thematisiert werden, denn die Erkenntnis um Storms Wichtigkeit und Nützlichkeit ist von weitaus größerer Bedeutung. Storm könnte das Leben des Theokraten retten, freilich nur, weil sein Freund Nomad als Geisel gehalten wird.
So schickt Autor Martin Lodewjik, Storm-Erzähler der ersten Stunde, den Helden auf eine weit entfernte Welt, wo sich ein neuer Widerling anschickt, das Erbe des Theokraten anzutreten: Der rote Satan. Dank des hochwertigen künstlerischen Talents von Romano Molenaar und Jorg De Vos, die Storm hier schon in der zweiten Ausgabe betreuen, erwartet den Leser ein furchtbar aussehender Widersacher, aber, dank eines Martin Lodewjik auch einer, der allzu überzeugt von sich ist.
Romano Molenaar ist äußerst vielseitig. Er gehört zu den Künstlern, die sich in den Welten eines Topcow-Universums bewegen. Finstere Schurken und grazile, bis an die Zähne bewaffnete Frauen stehen hierbei im Mittelpunkt. Stets ist es etwas gruselig, manchmal auch horrormäßig. The Tenth oder Tomb Raider, Romano kennt Action und kommt mit seiner grafischen Stilistik, den Bildern eines Don Lawrence zum Ende seiner langen Karriere recht nahe. Ach, was! Ich muss hier einfach mal so richtig begeistert sein: Beinahe ist es auch hier wieder gruselig zu nennen, denn die künstlerische Annäherung an Lawrence ist außerordentlich gelungen. Das Farbenspiel und die Details machen Spaß. Es gibt kleine Cameos, so tritt Martin Lodewjik als Komparse auf. Es gibt Anspielungen: Der Revolutionsführer (selten einen gesehen, der so bewegungsunfähig ist) ähnelt in Pose und Verhalten einem Jabba, ein Umstand, der jedem SciFi-Fan auffällt, auch ohne das nachfolgende Interview im Anhang gelesen zu haben.
Besonders beeindruckend ist der Endspurt geworden. Um den roten Satan zu besiegen, muss eine Reise angetreten werden. Die Fahrt durch das Uhrwerk der Zeit mit anschließenden Planschen im Blutkreislauf ist ein großartiger Abschnitt im Bereich Fantasy. Das sind Szenen, die entstehen, wenn sich alle beteiligten Künstler etwas trauen und es dürfte auch eine der Szenen gewesen sein, mit der Lodewjik die beiden Zeichner überrascht hat, was nach Aussage von Molenaar und De Vos hin und wieder geschieht.
Grafisch (wieder einmal) beeindruckend vom neuen Künstlerduo umgesetzt, mit sehr viel Augenzwinkern von Martin Lodewjik erzählt. Ein reinrassiges Abenteuer, mit steigendem Tempo erzählt, am Ende wartet eine sprichwörtliche Achterbahnfahrt und ein Endspurt, der es in sich hat. Die neuen Zeichner sind endgültig in Storms Welt angekommen und Lodewjik fühlt sich anscheinend wieder ganz wie Zuhause.
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Links:
www.romanomolenaar.com (Romano Molenaar)
jorgdevos.blogspot.com (Jorg De Vos)
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Freitag, 26. Juni 2009
Ein Brand ist ausgebrochen. Die Roboterfeuerwehr fliegt eiligst heran, stürzt jedoch vor dem Ziel ab. Keine andere Hilfe ist in Sicht. Kein Mensch kümmert sich um diese Katastrophe, bei Menschen zu sterben drohen. Schlimmer noch: Kommt keine weitere Feuerwehr, wird dieser Teil der Stadt automatisch vom Rest abgeriegelt und die Bedrohung isoliert. Storm zögert nicht. Gemeinsam mit Rothaar versucht er die zu retten, die noch zu retten sind.
Eine Stadt, in der es kein Leid gibt. Eine Stadt, in der niemand darben muss, in der einem alle Arbeiten abgenommen werden. Eine Stadt, in der sich die Menschen dem widmen können, was ihnen Freude bereitet. Eine solche Stadt ist eine Stadt der Verdammten. Bei Storm ist alles möglich, so scheint es und noch mehr. Nach dem letzten Abenteuer (Die Legende von Yggdrasil) konnten Storm und Rothaar über eine Energiebrücke in eine vollkommen unbekannte Region der Erde überwechseln. Storm wollte die Zeitmaschine finden, die es ermöglicht hatte, urzeitliche Echsen in die Gegenwart zu bringen, um so (vielleicht) in die Vergangenheit, in seine Welt gelangen zu können.
So weit, so gut ausgedacht und von Storm gewünscht. Doch es ist auch ein Wunsch, den der Autor Kevin Gosnell Storm nicht erfüllen konnte. Gosnell legt hier seine zweite und letzte Arbeit zu Storm vor. Zu Beginn der 80er Jahre, war die Themen Science Fiction, Space Operas und phantastische Abenteuer wieder auf der Höhe der Zeit. Alles war möglich, alles konnte erzählt werden. Eine Kultur, die sich abseits verbarg, abschottete gegen den Rest der Welt, war ebenfalls ein beliebtes Thema, stellte in gewisser Weise aber auch einen Rückschritt dar. Bereits Mitte der 70er Jahre hatte der Film Zardoz etwas in dieser Form thematisiert. Gegen Ende der 60er Jahre entstand die Jugendreihe über Die dreibeinigen Herrscher von John Christopher. Diese Geschichten aus einer postapokalyptischen und von Fremden eroberten Welt wurde in den 80ern verfilmt. Auch hier findet sich eine fremdartige, isolierte Stadt.
In gewissem Sinne fehlt der Geschichte ein wenig die Weite, die Außenwelt, die einerseits Bedrohung ist, aber auch Fluchtmöglichkeit bedeutet. Hier geht der Ausbruch schließlich nach innen los, denn so weit ist es mit der heilen Welt in dieser Stadt nicht bestellt. Gosnell hat eine Macht ersonnen, die langsam und stetig daran arbeitet, das Idyll zu erobern und zu zerstören. Gosnell spielt mit den Mythen und Zutaten und streut munter Einsprengsel in Form von telepathisch begabten Frauen ein (auch ein beliebtes Thema in den 80ern mit Teufelskreis Alpha oder Scanners) oder Rittern auf einem Pegasus, der Erinnerungen an den Dieb von Bagdad oder auch Kampf der Titanen weckt. Aus heutiger Sicht kann Gosnell es kaum leugnen, dass diese Storm-Geschichte ein Kind ihrer Zeit ist.
Die neue Freizügigkeit, wenn man es so nennen will, die besonders durch die spärliche Bekleidung Rothaars ihren Ausdruck fand (letztlich nur ein Vorgreifen von noch spärlicheren bekleideten Hauptfiguren in späteren Abenteuern), ist eigentlich ein Rückblick auf Auswüchse, die schon in Barbarella zu beobachten waren. Man kann zwar nicht behaupten, dass Sex hier ein Thema ist, doch das Aufbrechen von Wänden durch Arme, die nach ahnungslosen Reisenden greifen, erinnert stark an das überaus trashige Labyrinth aus einem der trashigsten Filme überhaupt.
Don Lawrence lässt sich von Trash nicht aufhalten. Konsequent verfolgt wird er zur Methode und Lawrence zelebriert die verschiedenen Bestandteile der Geschichte mit einer traumwandlerischen Sicherheit. Die gigantische Stadt, die wie ein riesiger Pilz aus dem Boden wächst, besitzt einen ungleich kleineren Eingang, der von einem Ritter auf einem skelettierten Reittier bewacht wird. Diese Gestalt wirkt in ihrer Ausführung wie aus der Zeichentrickversion von Der Herr der Ringe (1978). Aber das passt durchaus, denn Storm und Rothaar sind hier nicht weniger barbarisch gekleidet. Dann der Wechsel: Eben noch herrschte Eiseskälte, unterbrochen von einer grünen Oase und plötzlich umweht die beiden Helden eine Farbenvielfalt, die aus den bunten 70ern stammt, als jeder, ob Hippie oder nicht, Farben sah, die heute ausgestorben zu sein scheinen. Die bunten Gespinste, die ganze Bereiche von der Stadt abtrennen, haben den gleichen Effekt. Zwischendurch kann Lawrence eine merkwürdige Stadt zeigen mit all ihren Auswüchsen und Experimenten. Abschließend, leider zu klein, aber in gewisser Weise auch eine Vorschau auf spätere Bilder, erhascht der Leser einen Blick auf einen Weltuntergang, in dem die Erde unter ihrer eigenen Lava erstickt.
Die Erzählung mag nicht die außergewöhnlichste und innovativste innerhalb der Storm-Reihe sein, ihre Szenen stellen Lawrence jedoch vor Herausforderungen, die er mit seinen Zeichnungen allerdings perfekt meistert. Viele Ideen sind hier nebeneinander zu sehen und dank einiger großformatiger Abbildungen im Anhang auch toll zu studieren.
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Donnerstag, 25. Juni 2009
Zyklotrop und der Graf von Rummelsdorf sind beide verliebt. Aber wen von den beiden liebt die todkranke Miss Flanner? Um diese Frage zu beantworten muss die einstige Studienkollegin der beiden aber erst einmal überleben. Zyklotrop und sein Freund der Graf wissen, wann das verhängnisvolle Ereignis stattfand, welches zu dieser verhängnisvollen Situation führte. Aber was können sie daran ändern? Der Graf will den Zeitstrang nicht ändern. Zyklotrop hingegen hatte schon immer wenig Probleme, seine Skrupel über Bord zu werfen.
Alles hat ein Ende … Mit der vorliegenden 48. Ausgabe des Abenteuerduos Spirou + Fantasio endet auch die Arbeit des Duos Jean-David Morvan und Jose Luis Munuera an der Serie. Seit Band 45 waren die beiden dabei und hatten dem Team (Pips, das Eichhörnchen eingeschlossen) rund um den Grafen von Rummelsdorf ein neues Gesicht beschert.
Beim Originalverlag Dupuis war man wohl mit den Ergebnissen der beiden nicht mehr einverstanden und beinahe hätte es dieses Abenteuer auch nicht innerhalb der offiziellen Reihe gegeben, sondern wäre eine Spezialausgabe geworden. Der Leser darf sich in jedem Fall darauf freuen, denn Zu den Ursprüngen des Z wimmelt vor Anspielungen auf altbekannte Geschichten und besitzt außerdem die gewohnte Mixtur des alten Charmes und des jungen Schwungs.
Zyklotrop ist wieder da. Diese Tatsache allein ist für die beiden Abenteurer Spirou und Fantasio schon besorgniserregend genug. Aber, nicht ungewohnt, so doch immer noch unerwünscht, diesmal will er ihnen nichts tun, nein, er will ihre Hilfe. Diese Hilfe beinhaltet eine Rettungsaktion, die mitten hinein in die Vergangenheit führt und einiges auf den Kopf stellt, was die beiden Freunde in all ihren Jahren erlebt haben.
Morvan und Munuera (natürlich auch Yann LePennetier, der hier mit an Bord ist) setzen tatsächlich einen Schlusspunkt. Will man es weniger dramatisieren, könnte man es auch als Wendepunkt bezeichnen.
Liebe ist nicht gerade das größte Thema innerhalb von Comics. Sicherlich wird es komödiantisch herangezogen, aber ernsthaft behandelt wird es nur selten. Auch Spirou und Fantasio hatten ihre Begegnungen mit Frauen, so auch mit Steffi, der Reporterin, die hier auch ihren Gastauftritt hat. Die Rettungsaktion hier entsteht auch aus Liebe. Zyklotrop und der Graf von Rummelsdorf lieben die gleiche Frau, die leider durch einen Unfall in ferner Vergangenheit inzwischen im Sterben liegt. Also gilt es, so Zyklotrops Ansicht, die Vergangenheit zu verändern.
Es ist immer schwierig eine Figur in die Vergangenheit zu schicken. Im Comic ist das natürlich etwas einfacher. Das Konzept hier: Die Figur benötigt einen Gegenstand von dem Zeitpunkt, der als Ziel der Reise auserkoren ist. Genauer, es muss sich um den Zeitpunkt handeln, an dem die Figur in den Besitz des Gegenstandes gekommen ist.
Leider ist das wiederum nicht so einfach. Denn genau an der Stelle legt das Machertrio seinen Helden einen Stein in den Weg, der einen direkten Sprung zum Zeitpunkt des Geschehens unmöglich macht. Und so springt Spirou von Gegenstand zu Gegenstand und somit in jene Tage, in denen die beiden Freunde noch jung waren und das Leben noch vor ihnen lag. Allein dieser Grundgedanke lässt beim Lesen der einzelnen Passagen ein wenig Melancholie aufkommen. Es ist eine langläufige Serie und Spirou und Fantasio haben noch mehr Abenteuer absolviert, als Alben in dieser Reihe vorliegen. Bei Dupuis handelt es sich um die 50. Ausgabe (hierzulande die 48.). Ein Grund zum Feiern, vielleicht auch ein Grund für einen weiteren Neustart. Dieser wird bestimmt für ein neues Duo ebenso schwierig sein wie für die beiden, die sich jetzt hier verabschieden.
Allein die wenigen Rückblicke, die hier geboten werden, zeigen, wie zahlreich und einfallsreich die bisherigen Abenteuer waren. Liebevolle Verflechtungen der Figuren untereinander, haarsträubende und turbulente Ereignisse, erdacht von Comic-Legenden wie Andre Franquin haben aus den Charakteren und den Abenteuern ganz tolle Komödien gemacht, die ihre jeweilige Entstehungszeit mit Bravour überdauert haben. 70 Jahre sind beileibe kein Pappenstiel, für eine Comic-Reihe schon gar nicht.
Der Abschied von Morvan und Munuera fällt trotz allem, was immer auch an den beiden gemäkelt wurde, heiter aus. Es ist eine kurzweilige, witzige und spannende Geschichte. Munuera zeichnet mit dem besten Einsatz. Nicht umsonst hat er verschiedene Arbeiten zu Erfolgsveröffentlichungen wie Die Chroniken von Sillage oder Nävis abgeliefert. Sein Stil ist eine gelungene Mischung aus frankbelgischem Cartoon, ein wenig Manga und überbordender Slapstik. Hinzu kommt, je nach Vorgabe, noch eine hohe Detailverliebtheit. Wie gesagt, die Nachfolger werden es schwer haben. Hier kann man nur gespannt sein.
Eine aus der Sicht der Spirou-Fans melancholische Ausgaben, ein aus allgemeiner Sicht sehr schön gezeichnetes Abenteuer mit viel Dramatik und Humor. Morvan und Munera verabschieden sich hier mit leichter Hand und viel Sinn für die von ihnen betreuten Charaktere von Spirou + Fantasio. Schade.
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Links: http://casamunuera.blogspot.com/ (ein altes Weblog von Munuera, auch mit Bildern der vorliegenden Ausgabe)
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Mittwoch, 24. Juni 2009
Bert und Alain könnten ihren Freund Roland verlieren. Seit seiner furchtbaren Berührung des tentakelbewehrten Auges, das aus den Splittern von Maerlyns Pampelmuse entstanden ist, hat er eine grauenhafte Verwandlung durchgemacht. Sein Geist wandert zwischen den Welten, kurz vor dem Abgrund, kurz vor der Begegnung mit dem scharlachroten König. Plötzlich sind da Bilder einer anderen Realität, vielleicht auch einer anderen Welt. Alain kann sehen, was Roland in seinen Bann zieht. Aber den beiden Freunden bleibt nicht viel Zeit, um sich um Roland zu sorgen. Die Bürgerwehr aus Hambry ist ihnen auf den Fersen, um den Willen John Farsons auszuführen: Tod den drei Fremden.
Die erschwerte Flucht durch den besessenen Körper Rolands ist nur der Beginn eines langen Heimwegs, der noch viel grauenhaftere Geschehnisse für sie bereithält. Unterdessen hat der junge Sheemie eine Begegnung, die auch sein Leben verändern wird. Niemand hat sich je richtig um den geistig verwirrten Sheemie gekümmert, noch ihn erzogen, denn so hätte Sheemie vielleicht die Gefahr erkannt, die von dem schauderhaften Ort ausgeht, dem er sich nun nähert. Sein Mitgefühl bringt ihn vom Regen in die Traufe. Als er die Hand ausstreckt, um dem vermeintlich Gefangenen zu helfen, aktiviert er etwas, das besser weitergeschlafen hätte …
Das wird kein guter Tod, Roland. Er wird sinnlos und nutzlos sein … und äußerst schmerzhaft.
Gut, Roland, der junge Revolvermann ist von diesem Teufel, dem scharlachroten König nicht beeindruckt. Nicht einmal, nachdem ihm der Satan eröffnet hat, dass er, Roland, sterben wird. Stephen King lässt den jungen Mann sogar über die uneindrucksvolle Gestalt spotten, muss sich aber belehren lassen, dass die wahre Gestalt des Teufels nicht für menschliche Augen, noch weniger für den menschlichen Verstand geeignet ist.
Dieses satanische Wesen besitzt menschliche Züge, auch Gliedmaßen, aber alles andere ist zerklüftet, wellenförmig, aufgebläht, unförmig muskulös. Er ist haarig, mitunter treten auch insektenartige Glieder hervor und irgendwie umgibt ihn der Anschein einer pechschwarzen Pestbeule auf (zumeist) zwei Beinen. Ein krummes Horn schmückt den Schädel, ein rötlich leuchtender Edelstein prangt mitten in der Stirn. Mehr oder minder bedeckt ein sehr weiter roter Umhang die ekelige Gestalt. Jae Lee und Richard Isanove haben alles im vorliegenden zweiten Teil um die Jugendabenteuer des Revolvermanns Roland mit großer Sorgfalt gezeichnet und koloriert. Doch dieser Teufel ist sozusagen ihr Paradestück. Man könnte auch sagen: In all seiner Grausamkeit sieht der scharlachrote König einfach toll aus.
Stephen King wäre nicht Stephen King, käme er nicht mit ungewöhnlichen, manchmal auch wahnwitzigen Einfällen einher. Derlei können Szenen sein, es kann sich aber auch um Figuren oder Charaktere handeln. Hochgradig spannend ist die Überquerung einer Hängebrücke mit einem Pferd. Die Szene ist kurz, tragisch und traurig und durch die Inszenierung der beiden Künstler mit großem Realismus umgesetzt. Dieser Realismus, ein fotografisches Auge für die Phantastik, schafft aus der bildlichen Umsetzung eine ungeheure Atmosphäre. Der eingangs erwähnte Sheemie ist eine weitere tragische Figur. Der Kleine wird zum Helden, eigentlich aus Zufall, vielleicht aber auch, weil er in der Geschichte derjenige ist, der das größte Herz hat.
Allein seine Verwandlung ist beeindruckend, sein Kampf gegen den scharlachroten König ist es noch mehr. Es ist ein kurzer Kampf, mehr ein Ausbruch, ein Überfall, aber der hat es auf einer Doppelseite in sich. Hier wird ein weiterer Effekt der Bilder von Lee und Isanove deutlich: Theatralik. Die Szenerie ist stets wie auf einer Bühne angelegt. Wer vielleicht schon einmal Fotos einer Theaterproduktion gesehen hat, kennt den Effekt. Alle haben sich in Pose gestellt, ahmen eine Aufführung nach, haben den Mund geöffnet, als wollten sie sprechen. Man könnte es auch mit einer übertriebenen Stummfilmszene vergleichen. Zusammen mit so mancher Grafik, die vor Aktion nur so strotzt, ergibt sich eine unwiderstehliche Szenerie.
Ein toller Abschluss, der auch für die Fans der Romanreihe einige Neuerungen bereithält. Dank der wahnsinnig überbordenden Gestaltung wird der Vorgabe von Stephen King auf das beste Rechnung getragen.
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Montag, 22. Juni 2009
Yorick reißt die Maschinengewehre hoch. Aus allen Rohren feuernd eilt er seiner geliebten Beth zur Hilfe. In dieser schwarzweißen Welt voller Gangster kann es nur einen Ausweg geben: Die Liebste retten und ab nach Paris. Der Druck auf seiner Brust im nächsten Moment rührt nicht von Verlassensängsten her. Vielmehr hat sich sein kleiner Affe Ampersand dorthin geflüchtet, weil die Affendame Bonny ihn wieder einmal mit Kot bewirft. Die Welt ist nicht schwarzweiß, wie Yorick feststellen muss, als er aufwacht. Aber so normal, wie sie einmal war, ist sie auch nicht mehr. Yorick ist der letzte Mann auf dieser Welt, genauer der letzte menschliche Mann. Es hat lange gedauert, bis das Rätsel um den Tod all der Männer gelüftet werden konnte, doch das macht die Situation nicht besser.
Vier Jahre lang, gefühlte vierzig Jahre, hat Yorick eine Odyssee rund um den Globus hinter sich gebracht. Unter schwierigsten Bedingungen reiste er zusammen mit Agent 355 in einer zusammengebrochenen Welt, die sich nur mühsam und nur sehr punktuell wieder aufrafft. Des Rätsels Lösung liegt sehr weit in der Vergangenheit und ist beinahe schon in einem anderen Leben zu suchen. Und es ist eine Lösung, die keinem gefallen mag. Dachte oder hoffte man wenigstens, einer natürlichen Ursache auf der Spur zu sein, sehen sich die Gruppe um Yorick bald bitterlich getäuscht.
Mit der 9. Folge findet dieser erste Handlungsstrang seinen Abschluss. Brian K. Vaughan, der Autor, hat eine sehr runde Comic-Saga geschrieben. In ihrer Machart erinnert sie an den Aufbau einer Fernsehserie, keiner Endlosserie, wie es sie so oft gibt, um auch noch den letzten Blutstropfen aus einem Thema zu pressen. In sich geschlossen und mit Schwerpunkten auf einzelnen Figuren, nicht nur Yorick, dem letzten Mann, entsteht eine intelligente Geschichte, die sich zum guten Schluss sogar selbst ein wenig auf den Arm nimmt.
In einer verschachtelten Handlung aus Rückblicken, die immer näher an die aktuellen Geschehnisse heranrücken, und einer dramatisch ausgestalteten Gegenwart hat Vaughan einen tollen Endspurt kreiert. Es dürfen in diesem Fall nicht die Geständnisse der Bösewichte fehlen. Diese wirken auf ihre Art ein wenig fehl am Platz, sie stören sie sehr gut aufgebaute Atmosphäre, die in anderen Bereichen der Handlung außerhalb von Yoricks Schicksal immer noch vorhanden ist. Aber vielleicht ist diese Vorgehensweise auch Absicht, denn Vaughan entlarvt erzählerische Tricks später anhand kleiner Beispiele, die absolut stimmig sind.
Grafisch hat Pia Guerra über viele Ausgaben hinweg die Handlung betreut und die Vorgaben erledigt. Hier ist sie nur noch bei einem Drittel beteiligt. Die übrigen Szenen zeichnet Goran Sudzuka. Er zeichnet sie allerdings so gut, dass ein Künstlerwechsel meist gar nicht zu bemerken ist. Ein solcher Fall ist selten und auch ein Glücksgriff, denn so wird die Kontinuität der Reihe nicht nur auf Autorenniveau sondern auch auf dem bewährten Zeichnerniveau gehalten.
Die Grafiken sind sehr klar gehalten, fein und schmal. Selbst bei der Darstellung korpulenterer Figuren ist die Wirkung immer noch schmal. Es ist keine grafische Technik, die etwas dem Zufall überlasst oder dem Leser Spielraum für die eigene Phantasie gibt. Die glasklaren Bilder, die durch feines und sorgsames Tuschen zwar auch etwas Architektonisches, etwas Dokumentarisches an sich haben, besitzen immer noch eine comicartige Aussage. Die allgemeine Zerbrechlichkeit der Figuren stört nicht. Es ist eine rein von Frauen bevölkerte Welt. Darstellungen im Sinne von überproportionierten und gleichzeitig bis zum Platzen durchtrainierten Frauen wären hier absolut Fehl am Platz. Die (relative) Normalität und Durchschnittlichkeit von Menschen wurde hier sehr schön eingefangen.
Einige toll gesetzte Orte sorgen für Atmosphäre und schüren die Spannung. Sei es ein Duell auf den Dächern von China oder ein kleiner Trauerzug, vorbei an einer großen Ansammlung von Frauen, allesamt in Schwarz gekleidet. Brian K. Vaughan weiß, wie man die richtigen Bildvorgaben erzählt.
Eine der besten Science Fiction Serien der letzten Jahre. Spannend, auch traurig, mit ungeheuer vielen guten Ideen, weltumrundend erzählt, setzt die Handlung um den letzten Mann auf Erden einen gewissen Maßstab in Sachen Comic und SciFi. Auf die Verfilmung kann man nur gespannt sein.
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Freitag, 19. Juni 2009
Es stinkt. Aber die beiden jungen Abenteurer sind sich einig: Drachen riechen anders. Niccolo kann zwar nicht aus Erfahrung sprechen … Moment, das Ding dort im Käfig kann unmöglich ein Drache sein. Ein Drache sieht doch nicht so … komisch aus. Und geht auch nicht so menschlich auf zwei Beinen. Und hat niemals eine derartige Knubbelnase. Das kann einfach nicht sein. Tatsächlich ist es auch kein Drache. Für Nugua, das Mädchen, besteht da keinerlei Zweifel. Sie kennt Drachen und hat bei ihnen gelebt. Und der Drache? Er stellt sich mit dem Namen Feiqing vor. Er ist kein Drache, vermag es aber auch nicht sich von seinem Kostüm zu trennen. Ein Fluch bindet ihn daran. Fortan geht die Reise zu dritt weiter.
Über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos, doch am Boden lauert die Gefahr. Niccolo, auf der Suche nach dem Äther, dem Atem der Drachen gerät in Situationen, die er nie (und auch der Leser nicht) für möglich gehalten hätte. Der überwältigenden Vorstellungskraft und der Begeisterung von Kai Meyer für alles Phantastische ist es zu verdanken, dass die Geschichte um das Wolkenvolk den Leser in andere Sphären entführen konnte.
Angesichts der Vielfalt der Orte, Völker, Figuren und Charaktere kann man im positiven Sinn von einer phantastischen Achterbahnfahrt sprechen. Ein anderer Vergleich wären die berühmten Zahnrädchen. Hier greifen sie von einem ins andere, produzieren immer neue Handlungslinien und Verzweigungen, bis es sich zeigt, dass Kai Meyer ein wundersam schönes Maschenwerk gewoben hat, in dem alles bis ins Kleinste perfekt geplant ist.
Meyer berichtet im Anhang von seinen ersten Erfahrungen mit der Welt der chinesischen Schwertkämpfer, der Magie des asiatischen Martial Art Kinos, das mit wundervoll neuen und ganz anderen Themen aufwarten konnte als das europäische Kino. Natürlich gab es auch Kung Fu, die Serie wie auch den Comic. Meyer spielt hier auf die Comic-Reihe an, nicht wirklich Wuxia, jene chinesische Literatur um wandernde Schwertkämpfer, dennoch genügte es, um Meyers Fantasie anzufeuern. Gott sei Dank, kann man da als Leser nur sagen.
Die Reise beginnt bei dem Wolkenvolk. Allein die Ausgangssituation ist außergewöhnlich und andere Autoren würden diese Welt ausbauen und einen kompletten Roman daraus schaffen. Meyer, oder vielmehr hier Yann Krehl mit seiner Textadaption nimmt den Leser mit auf eine lange Reise. Kaum am Boden angekommen wartet eine Schwertkämpferin und Diebin auf den Helden der Geschichte. Es folgen eine Herumtreiberin und ein Drache, der eigentlich keiner ist und wenig später machen sie sogar die Bekanntschaft mit …
Das wird nicht verraten, aber spätestens an dieser Stelle, erhält die Handlung ein noch größeres Volumen. Man beginnt jetzt erst das Ausmaß dieser Welt zu begreifen. Häufig weiß man als Leser um die Welt, in der sich eine Geschichte bewegt. Sie ist außen herum, die Handlung selbst bewegt sich innerhalb eines Mikrokosmoses. Hier allerdings können jederzeit neue Geheimnisse gelüftet und neue Teilabschnitte dieser Welt entdeckt werden.
Seide und Schwert weiß diese Atmosphäre in der vorliegenden Form als Comic zuallerst über seine Charaktere einzufangen. Ralf Schlüters Helden sind schlank, sportlich, adrett. Diese Attribute sind nicht dazu da, weil es hübsch aussieht. Genau diese Voraussetzungen werden benötigt, um in dieser Welt voller Gefahren zu überleben. Schlüter zeichnet mit der gleichen Hingabe, mit der er auch die verschiedenen Haupt- und Nebenfiguren entwirft, auch die Monster, die gefährlichen Landschaften, die furchtbaren Soldaten, die Raubtiere … Es ist in der Tat so, dass die Gefahren in dieser Welt dominieren. Luft holen vor Anspannung? Wenn es sein muss, aber nicht lange, denn die Zeichnungen zwingen zum schnellen Lesen, während die Texte notgedrungen ausbremsen. Es ist eine sehr ausgewogene Balance zwischen erzählerischem Antrieb (Optik) und notwendiger Information (Text).
Sehr schön ist (und das darf weiter zur Norm werden) ein kleines Wie wurde es gemacht? im Anhang des vorliegenden kleinformatigen Bandes (auch als zweiteilige Albumausgabe erschienen). Eine Bleistiftzeichnung von Ralf Schlüter zeigt einiges von seiner Technik und Detailfreude. Die gegenüber gehaltene Tuscheumsetzung untermauert den arbeitsreichen Arbeitsprozess, hier genauer die peinlichst genaue Arbeit von Horst Gotta. Als Kolorist taucht im Sachen Comic sehr erfahrene Dirk Schulz die Geschichte um Seide und Schwert in das rechte Licht. Sehr feine Grüntöne herrschen im Wald und am Wasser vor. In der Nacht umgibt ein sanftes Blau die Protagonisten, während mit fortschreitender Handlung das Licht immer feuriger wird, bevor mit zunehmender Dramatik eine gewisse Düsternis mit glosendem Licht Einzug hält.
Atmosphärisch gestaltet und mit einer sehr großen Dichte erzählt, ist der erste Teil von Seide und Schwert ein Fantasy-Erlebnis erster Güte. Außerdem kommt es, und das muss auch betont werden, aus Deutschland, aus den Händen deutscher Künstler und rangiert auf Augenhöhe mit den sonst so übermächtigen frankobelgischen Publikationen.
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Donnerstag, 18. Juni 2009
Es sollte nur die Rekrutierung eines neuen Mitglieds für die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen werden. Doch Ghost, so der Name des potentiellen Kandidaten, ist nicht nur nicht interessiert, sie verfolgt auch eigene Ziele. Aber Hellboy ist hartnäckig. Außerdem sind paranormale Schwierigkeiten ganz auf Hellboys Linie. Wenn sich ein unheimliches Wesen anschickt, sich auf dieser Welt zu manifestieren, dann muss er einfach eingreifen. Ganz besonders dann, wenn auch noch eine Frau in Gefahr ist, ganz gleich ob tot oder nicht.
Ghost erschien 1993 zum ersten Mal. Sie ist ein Comic-Charakter, der für so manchen Zeichner, aber natürlich Autoren wie geschaffen scheint. Sie ist jung, schön, athletisch und sie hat es auf Verbrecher abgesehen. Nebenbei benutzt sie auf ihrer Verbrecherjagd gleich zwei 45er. Hierzulande konnten Comic-Fans ihre Abenteuer schon in den Crossovern mit Batgirl und mit Hellboy bewundern. Letzteres Zusammentreffen bildet die Grundlage für das vorliegende Hörspiel.
Erschienen im 3. Hellboy Band ist das Treffen mit Ghost noch ein wenig mehr als die Zusammenkunft mit einem anderen Comic-Charakter. Ghost bringt gleichzeitig ihr eigenes Umfeld mit. Arcadia, eine Großstadt, ist der Zusammenschluss all dessen, was jeder aus dem Bereich des Verbrechens zu kennen glaubt, in all seinen furchtbaren Ausprägungen und noch schlimmer.
Gleich die Eingangsszene ist nichts für schwache Nerven. Auch die Hörspielversion spart diese Szene nicht aus. Helmut Krauss, als Schauspieler beinahe seit drei Jahrzehnten der Nachbar in Löwenzahn, Synchronstimme von Stars wie Marlon Brando oder John Goodman, übernimmt hier den Big Boss. Wer braucht einen Namen? Big Boss ist das Übel und der Wahnsinn schlechthin. So verwundert es nicht, dass er immer noch auf eine … Nun, das ist wirklich nichts für schwache Nerven. Immerhin weiß er, dass er nicht mehr ganz bei Sinnen ist und will eine Lösung für dieses Problem finden. Diese Lösung ist Herbert Izzo, ein kleiner Mann mit übersinnlichen Fähigkeiten. Dies und noch mehr ist die Grundlage der vorliegenden Geschichte.
Der Auftakt, wie auch der weitere Rhythmus ist anders als sonst. Er fühlt sich nicht ganz so an wie ein Mike Mignola, obwohl er mit der Ausarbeitung der geschichte beschäftigt war. Ein wenig entsteht der Eindruck, als zitiere sich Mignola hier selbst, wie er es auf ähnliche Art auch bei einem Crossver seiner Figur mit Painkiller Jane gemacht hat.
Als Sprecherin von Ghost erleben wir hier Simona Pahl. Pahls Stimme passt einmal mehr wie die berühmte Faust aufs Auge. Energisch, prahlerisch, ein bisschen gemein, laut, selbstbewusst: Warum auch nicht? Sie spielt jemanden, der mit zwei 45ern in der Unterwelt von Arcadia aufräumt. Pahl kennt das phantastische Genre im Hörspiel aus Punktown, Die schwarze Sonne oder Caine. Aber sie war auch an Computerspielen aus den Reihen Tomb Raider oder Star Wars beteiligt.
Robert Schlunze, Autor des Spielbuches, hat sich sehr eng an die Vorlage gehalten. Anders als bei längeren Geschichten über Hellboy sind Kürzungen hier kaum nötig. Schlunze gestattet sich einen Gastauftritt. Als Gorilla-Rübe beweist er Mut zum Spaß, ein Faktum, dass hier bei jedem der Beteiligten zu hören ist: Der gemeinsame Nenner lautet Spielspaß. In der zweiten Hälfte gewinnt die Geschichte sehr stark an Dynamik. Hier zeigen sich auch die Stärken dieser Hörwelt. Hier schafft es eine Stimme wie jene von Tilo Schmitz (Hellboy) den Raum noch mehr zu füllen, dem geistigen Auge Feuer zu geben und dem finalen Kampf eine tolle Plastizität einzuhauchen.
Ein Grusel- und sehr aktionsgeladener Spaß. Hellboy bekommt es mit einer (toten) Frau zu tun, die beinahe ein weibliches Gegenstück von ihm sein könnte. Die Umsetzung der Comic-Vorlage ist dank der hervorragenden Sprecher bestens gelungen und weiß mit tollen Effekten zu begeistern.
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