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Comic Blog


Dienstag, 17. April 2018

ECHO 3 – BLACK HOLE

Filed under: SciFi — Michael um 17:16

ECHO 3 - BLACK HOLEDie seltsame Körperlegierung und der ungebetene Gast im eigenen Körper haben JULIES Leben auf den Kopf gestellt. JULIES Körper reagiert darüber hinaus mit einer sonderbaren Veränderung. Sie wächst nämlich. Ganz im Gegensatz zu IVY, die es gewagt hat, die Seiten zu wechseln und JULIE nun zur Seite steht. Allerdings hat bei ihr eine abnorme Verjüngung eingesetzt. Langsam wird sie kleiner, pubertärer, mit allen Stimmungsschwankungen, die dazu gehören. Derlei Verhaltensweisen sind alles andere als vorteilhaft, wenn dubiose Mächte es darauf abgesehen haben JULIE, IVY und ihren Freund DILLON zur Strecke zu bringen …

Auch in der dritten finalen Folge von ECHO hält TERRY MOORE Überraschungen für den Leser bereit. Das Verhältnis zwischen den anfangs unfreiwilligen Gefährtinnen JULIE und IVY verschiebt sich nicht nur in eine echte Freundschaft, auch das Kräfteverhältnis kippt. War IVY zu Beginn die toughe Frau, die in brenzligen Situationen geholt wurde, die wusste, wo es lang geht und einen klaren Kopf behielt, ist es nun die JULIE, die sich den Gegebenheiten weitaus besonnener stellt und (ein Wortspiel) über ihr altes Ego hinauswächst.

Für JULIE, IVY und DILLON ist es ein traumwandlerischer Roadtrip, ein unwirkliches Szenario, zumal in JULIE eine weitere Seele Zuflucht gefunden hat, ANNIE. Demgegenüber steht eine Reihe von Gegnern, die mit tödlicher Effizienz zu Werke gehen. Ein Killer, der beauftragt worden ist, hinter den Geschehnissen her aufzuräumen, arbeitet mit jener eiskalten Art, die Kinozuschauer (und natürlich auch Leser) in verschiedensten Thrillern über die Jahre hinweg vorgeführt bekamen. Der Mensch am anderen Ende des Laufs wird ausgeblendet, es gibt nur noch das Ziel.

Das gleicht die mysteriösen Faktoren der Geschichte um KAIN, die unwirklich scheinende Gewalt aus. ECHO, als Gesamterzählung, will sich ungern in Schubladen stecken lassen. TERRY MOORE vereint hier Elemente von Thriller, Drama, Mystery und Science Fiction. Neben der spannenden Handlung, die mehr und mehr Fragen klärt, ist die Charakterentwicklung, für die TERRY MOORE als Erzähler ein echter Garant ist, eines der tollen Standbeine der Trilogie. Er schafft feine Dialoge, in die sich stets ein Funke Humor einschleicht. Der Ernst der Situation bleibt erhalten, aber man wird zum Schmunzeln eingeladen. So ist die Verführung, sich auf das Szenario einzulassen, größer, die Hauptfiguren, die gerade über Missverständnisse stolpern, umso sympathischer.

Neben dem normalen Rüstzeug eines Comiczeichners beherrscht TERRY MOORE die kleinen Gesten, die Emotionen seiner Charaktere, die kleinen Blicke, die Enttäuschungen enthüllen, den süffisanten Triumph, heimliche Freude und vieles andere, was mit nur leichten Strichvariationen zu bewerkstelligen ist; für die sich TERRY MOORES Zeichnerkollegen nicht selten aber keine Zeit nehmen. Farbe kann ein Topping sein, kann aber auch ablenken. TERRY MOORE nutzt das Schwarzweiß, um den Blick des Lesers zu fokussieren und ihn noch ein Stückchen mehr als anderswo entdecken zu lassen.

An einer Stelle empfiehlt sich TERRY MOORE als Illustrator für biblische Geschichten; oder auch für mehr als nur fantastische Thriller, wie er sie mit der Reihe RACHEL RISING bewerkstelligte. Im furiosen Finale kracht es gewaltig, doch TERRY MOORE lässt niemals den menschlichen Aspekt außer Acht. Das Schwarzweiß seiner Zeichnungen lässt das Schlussszenario noch bedrohlicher erscheinen. Nicht umsonst lautet der Untertitel der Episode BLACK HOLE. Ein schwarzes Loch verschlingt eben alles.

Es bestätigt sich einmal mehr im Abschluss der Trilogie ECHO: TERRY MOORE versteht sich auf Charakterentwicklung und zieht so seine Leser immer enger an sie heran und so auf geschickte Weise in die Geschichte herein. Nichts ist statisch, alles im Fluss, auch die Figuren, deren Beziehungen sich untereinander verschieben. Mit dieser neuen Konstellation treten sie mit aller zur Verfügung stehenden Hoffnung zum Finale an (die Terry MOORE immer wieder anpiekst und erschüttert). ECHO ist spannende Unterhaltung pur, mit neuen Ideen abseits ausgetretener Erzählpfade. Klasse! 🙂

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STAR WARS – YODAS GEHEIMER KRIEG

Filed under: SciFi — Michael um 17:10

STAR WARS – SONDERBAND 100 – YODAS GEHEIMER KRIEGC-3PO wurde entführt, ausgerechnet von einer Spezialeinheit des Imperiums. Natürlich würde R2-D2 den Droidenfreund gerne retten und natürlich würde LUKE SKYWALKER seinem Astromech gerne dabei helfen, obwohl ein derartiges Ansinnen einer Wahnsinnsidee gleicht. Zum Zeitvertreib der Reise zückt LUKE ein Tagebuch seines Mentors OBI-WAN KENOBI und erfährt daraus etwas über einen JEDI-MEISTER und sein dessen geheimnisvolles Abenteuer fern des Tempels auf einer vergessenen Welt. Dort hat sich eine merkwürdige Kultur entwickelt, aufgespalten in die Alten und die Jungen, die ängstlich und hasserfüllt aufeinander leben.

Der JEDI-MEISTER macht sich daran, ein vergessenes Geheimnis zu lüften. Die Macht ist bekannt auf diesem Planeten, aber niemand scheint die wahre Kraft dahinter zu kennen. Noch mysteriöser ist das Geheimnis, das die Vorstellung aller Beteiligten sprengt.

JASON AARON verknüpft in seiner Geschichte mehrere STAR-WARS-Charaktere miteinander. Vorneweg natürlich YODA, ohne ihn für LUKE SKYWALKER beim Namen zu nennen, denn wie der STAR-WARS-Fan weiß, lernt der junge SKYWALKER den alten JEDI-MEISTER erst kennen, als das IMPERIUM ZURÜCKSCHLÄGT. Das Rätsel, dem YODA gegenüber steht, könnte ebenso gut eine Aufgabe für einen angehenden JEDI sein. Die Lösung beinhaltet letztlich den Aufstieg in eine höhere Ebene des Verständnisses für die Macht.

Zeichner SALVADOR LARROCA trat lange und sehr erfolgreich als MARVEL-Künstler in Erscheinung. Über viele Jahre begleitete er IRON MAN und die X-Men (und viele, viele andere Helden dieses Comic-Universums). Von MARVEL ist, wie der Comic-Fan inzwischen weiß, der Weg über DISNEY zu STAR WARS nicht weit, deshalb können sich die Fans der größten, filmischen Space Opera aller Zeiten jetzt an der Kunst des sehr auf Realismus bedachten Zeichners erfreuen. Wer den allerersten Auftritt von YODA in besagter EPISODE V gesehen hat, wird die von STUART FREEBORN entworfene Gestalt sofort wieder ins Herz schließen.

YODAS Auftritte zeichneten sich selten durch große Action aus. Der JEDI-MEISTER verhindert Gewalt und übt sie selten aus, es sei denn, er wird dazu gezwungen wie in EPISODE II und III, gegen COUNT DOOKU oder IMPERATOR PALPATINE. Gerade in dieser Geschichte, in der ihm Kinder zeitweilig feindselig gegenüber stehen, hält er sich erst recht zurück. Nicht minder eindrucksvoll fallen Szenen aus, wenn SALVADOR LARROCA den kleinen JEDI-MEISTER vergleichsweise Lebewesen von titanischer Größe gegenüber stellt.

SALVADOR LARROCA hält sich streng an die filmischen Vorlagen, was besonders bei LUKE SKYWALKER auffällt. MARK HAMILLS jugendliche Erscheinung besitzt auch dank der Kolorierung durch Farbkünstler EDGAR DELGADO fast eine dreidimensionale Erscheinung. YODAS GEHEIMER KRIEG lautet der Titel dieses 100. Sonderbandes, in Wahrheit sind die JEDI in dieser verschachtelten SciFi-Geschichte sehr darauf bedacht, Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Wer es handfester, weniger philosophisch mag, wird mit dem abschließenden Abenteuer aus dem STAR WARS ANNUAL #2 womöglich besser bedient. Hier gerät PRINZESSIN LEIA in Schwierigkeiten, etwas lockerer gezeichnet von EMILIO LAISO, im Stile eines FRANK CHO, praller und sogar mit einer recht seltenen Unterwassereinlage. Das sieht nicht nur gut aus, birgt auch einige Überraschungen für den Leser.

Ein ruhigeres, höchst realistisch illustriertes Hauptabenteuer, ein eher klassischer Sternenkriegnachschlag. Für jeden ist etwas dabei. YODAS Auftritt ist ein grafisches Zuckerstückchen und eine konsequente Weiterentwicklung des bekannten STAR-WARS-Charakters. Für Fans! 🙂

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Link: SALVADOR LAROCCA zeichnet IRON MAN (Youtube)

Montag, 09. April 2018

DEFENDERS – OHNE SKRUPEL

Filed under: Superhelden — Michael um 9:58

DEFENDERS - OHNE SKRUPELEin alter Bekannter ist zurückgekehrt: DIAMONDBACK sollte eigentlich tot sein. Aber das hielt weder Helden noch Gangster jemals von einem zweiten Anlauf ab. Die DEFENDERS, bestehend aus JESSICA JONES, LUKE CAGE, IRON FIST und DAREDEVIL, sehen sich einem Verbrecher gegenüber, den sie zuerst für einen ganz normalen Ganoven halten. Aber DIAMONDBACK taktiert auf äußerst intelligente Weise und kombiniert seine Züge mit noch größerer Brutalität … Sollte da jemand die Nachfolge des KINGPIN antreten wollen?

Das fetzt ganz einfach. In der DEFENDERS-Story, OHNE SKRUPEL, vereinen sich Thrillerelemente und Superheldenabenteuer auf recht eigene, sehr gute Weise. New York, Manhattan, Hell’s Kitchen und einige Stadteile mehr werden seit Jahrzehnten von MARVEL gefeiert, im Comic, seit einigen Jahren im Film. Hier ist es schmutzig, die Gangster über die Maßen brutal und die Helden von einer Sorte, der man doch nicht unbedingt begegnen möchte. (Die AVENGERS sind doch eh nur Zugereiste.) Die Einheimischen wie besagte DEFENDERS, von denen die Hälfte ohne, die andere mit Kostüm durch die Gegend läuft, liefen nicht umsonst eine Weile unter der Bezeichnung HEROES FOR HIRE.

Diese Miethelden bekommen nun plötzlich sehr persönlichen Ärger. JESSICA JONES ist die erste, die es erwischt. Durch die NETFLIX-Serie, die den Start für ein ziemlich düsteres Filmuniversum legte, hat diese doch früher eher im Randbereich aktive Figur, enormen Auftrieb erhalten. BRIAN MICHAEL BENDIS, als Autor an 14 Folgen der Serie beteiligt, hat vieles von der Pantoffelkinofigur in die Comic-Variante einfließen lassen und er hat gut daran getan. Denn die rebellische Tour, die rotzfreche Art und Weise macht den Charakter von JESSICA JONES zu einem großen Teil aus. Und dort wie hier kann und muss sie gehörig einstecken.

Das hört sich nicht nur brutal an. DAVID MARQUEZ zeichnet und tuscht ein heftiges Szenario, aber das macht er schier grandios! Was hier zu Papier gebracht worden ist, auch und gerade wegen Kolorist JUSTIN PONSOR, ist filmischer Realismus, der alle Beteiligten (wie sie aus den aktuellen Serien mit den Einzelfiguren der DEFENDERS bekannt sind) noch besser als im Pantoffelkino aussehen lässt. Mit Gastauftritten einzelner anderer Charaktere bewirbt sich das Grafikduo praktisch für weitere Miniserien. Selten sahen BLADE und der PUNISHER im Comic so gut aus.

Sehr interessant, interessanter noch als der gewichtige Auftritt von BLACK CAT, ist LINDA CARTER als NIGHT NURSE. Die Nachtschwester füllt eine erzählerische Lücke. Ähnlich wie der Schneider, der sich um die Kostüme der Helden (und der Schurken) kümmert, ist die kleine Klinik der NIGHT NURSE eine Anlaufstelle für verletzte Helden (nicht von Schurken). Wie schwierig derartige Rettungsaktionen sind, zeigt sich an der Wiederbelebung von LUKE CAGE. Ein Held mit unzerstörbarer Haut hat einen unleugbaren Vorteil, allerdings ist er bei inneren Verletzungen deutlich im Nachteil. LUKE CAGE ist nicht der einzige, der die geheime Heilungsstätte im Verlauf der Handlung in Anspruch nehmen muss.

Ein von DAVID MARQUEZ und JUSTIN PONSOR auf Spitzenniveau illustrierter Superheldencomic, der das Zusammenspiel der DEFENDERS in den Mittelpunkt stellt, einem Team, dessen einzelne Mitglieder wunderbar gegensätzlich konzipiert sind. Dieses Quartett ist wirklich füreinander da. Ein brutaler Gegner schweißt zusammen. Angesiedelt in einem bösartigen, nächtlich dunklen New York, einem modernen Mordor, so scheint es, durchzieht die Handlung eine tolle Atmosphäre. In jeder Hinsicht ein Höhepunkt inmitten einer Unmenge von Superheldenabenteuern! Bin begeistert! 🙂

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NASH Gesamtausgabe 4 – Kapitel 7 + 8

Filed under: SciFi — Michael um 9:50

NASH Gesamtausgabe 4 – Kapitel 7 + 8Wer ist der Mann, der sich nicht an seine Vergangenheit erinnern kann? NASH TULSA? Die bärtige, völlig verwahrloste Gestalt kann es eigentlich nicht sein, denn NASH TULSA ist gestorben. Aber der Mann hat eine Besonderheit. Er besitzt einen direkten Kontakt zum Wald um sich herum. Das Gebiet spricht zu ihm. KIMA, eine DOLLY, etwas naiv, kann sich nur an den Gedanken gewöhnen, folgt dem Fremden jedoch, denn sie hat alle ihre Schwestern verloren und irrt allein umher. Und es ist nur gut, dass sich die beiden gefunden haben, weil der Wald voller Feinde ist: Soldaten und fleischfressende SARXS machen Jagd auf sie …

In der 4. Gesamtausgabe der Science-Fiction-Serie NASH werden die Kapitel 7 und 8 der Reihe zusammengefasst. Aber, einen Augenblick! War NASH nicht verstorben? Äußerst unsanft sogar? Ja, aber er ist nicht der erste, der in dieser Reihe verstarb, außerdem haben die DOLLYS eine Möglichkeit der Wiederbelebung oder Auferstehung entwickelt, die allerdings bei Menschen (die nicht zum Vergnügen gezüchtet wurden) so noch nicht funktioniert haben. Und bei NASH ist das regenerierte Leben nicht sofort auf seiner früheren Entwicklungsstufe. NASH weiß zunächst nur das, was der WALD ihm mitteilt.

Hört sich seltsam an, macht jedoch Sinn, sofern man die bisherigen Folgen kennt. So folgt JEAN-PIERRE PECAU dem modernen Serienkonzept und einem roten Faden, der konsequent weitergesponnen wird und eben auch vor dem Tod des Helden keinen Halt macht. KAPITEL 7, DIE SCHATTEN, beschreibt die langsame Wiederherstellung von NASH, der sich auf das verlassen muss, was er gerade durch eine mystische Macht erfährt. Von seiner Persönlichkeit sind nur Grundzüge seines Charakters vorhanden. Im Kern ist er weiterhin tough. Dieser Abschnitt der Reihe wirkt wie ein Epilog zu den vorangegangenen Episoden, die eine dichte Handlung entwarfen und längst nicht alle Fragen geklärt haben.

So ist denn KAPITEL 8, DER ROTE KRIEG, ein neuer Aufbruch zur Findung der letzten Antworten, insbesondere um die Herkunft von NASHS Tochter AUDREY und ihrer Begabungen, die sie eine ganze Weile zu einer natürlichen Anführerin der DOLLYS machte. Aus dem Urwald in KAPITEL 7 geht es auf die unwirtliche Oberfläche des MARS, im TERRAFORMING begriffen, aber noch lange nicht für eine menschliche Kolonisierung ohne technische Hilfsmittel aufbereitet.

Nach einer regelrechten grünen Hölle wartet nun eine rote Hölle mit völlig veränderten Spielregeln auf NASH und AUDREY. Obwohl noch nicht lange besiedelt haben die Umstände den Menschen hier eine neue Zivilisationsnische aufgezwungen. Außerhalb der Atmosphärekuppeln können sich Menschen bewegen, ein dauerhafter Aufenthalt ist jedoch nicht ratsam. Wer den SciFi-Action-Reißer mit ARNOLD SCHWARZENEGGER, TOTAL RECALL, noch ansatzweise im Hinterkopf hat, wird in der Umsetzung in diesem Comic-Thriller hier und da sicher etwas wiedererkennen.

Der optische Wechsel zwischen den Szenarien der beiden Kapitel ist sehr reizvoll. Ist ersteres noch recht archaisch, ist zweiteres äußerst futuristisch einerseits, weist aber auch Elemente des guten alten Western auf, eine Mixtur, der sich viele SPACE OPERAS der jüngeren Vergangenheit gerne bedienen. Jedes neue Grenzgebiet scheint dazu einzuladen, zu einem neuen Revolverland zu werden. Die Hatz in KAPITEL 8 weist darüber hinaus detektivische Anteile auf, bevor sämtliche Spuren auf einen actiongeladenen Showdown hinauslaufen.

Erste Klasse weiterhin, mit einem sehr breit gefächerten Szenario, toll abgestimmten Kulissen und zwei Hauptfiguren, die wachsen, Vater und Tochter, die voneinander lernen und sich auf sehr sympathische Weise ihrer Aufgabe stellen. Ein tolles Science-Fiction-Abenteuer in diesen Folgen, eine Spitzenreihe insgesamt. Eine feine Arbeit aller Beteiligten, allen voran JEAN-PIERRE PECAU (Autor) und DAMOUR (Zeichner). 🙂

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Donnerstag, 29. März 2018

BATMAN und HARLEY QUINN

Filed under: Comics im Film — Michael um 12:33

BATMAN UND HARLEY QUINNWenn das Schicksal der Welt auf des Messers Schneide steht, ist man wahrscheinlich eher gewillt wirklich jede Option zur Lösung des Problems in Betracht zu ziehen. Aus diesen Grund willigt BATMAN auch in eine Zusammenarbeit mit HARLEY QUINN ein, die als einzige in der Lage zu sein scheint, eine Spur zu POISON IVY zu finden. Besagte Pflanzenliebhaberin hat sich mit JASON WOODRUE verbündet, auch bekannt als FLORONIC MAN. Endlich und für immer sollen die Pflanzen alles fleischliche Leben auf der Erde beenden …

HARLEY QUINN hat immer mehr Spaß gemacht als der JOKER. Hier beweist sie, dass sie eine Geschichte durchaus ohne ihren Pupsie (wie sie ihn immer nennt) bestreiten kann. Apropos Pupsie: Noch nie zuvor wurde so oft im BATMOBIL gefurzt (ja, richtig gelesen). Mit HARLEY QUINN bleibt kein Auge trocken, Nasenschleimhäute auch nicht. Aber zurück zum Fall. Bevor die gute HARLEY QUINN helfen kann, muss selbst sie aufgespürt und überredet werden. Diese Aufgabe fällt NIGHTWING zu (den sie lieber mit NIGHTWIND anspricht).

Der ehemalige ROBIN, DICK GRAYSON, ist erwachsen geworden und nicht der erste Superheld, der einer Superschurkin verfällt (wie er BATMAN gegenüber so treffend feststellt, hat dieser doch seine ganz eigenen Erfahrungen mit CATWOMAN oder TALIA AL GHUL). So entsteht durch die Zusammenarbeit ein recht ungewohntes, aber ein charmantes und unterhaltsames Trio, das mit Überraschungen punkten kann.

Der FLORONIC MAN geht brutal zu Werke. Nicht einmal von dieser Welt hat er es sich zur Aufgabe gemacht, diese Erde durch sein Wirken zu verdammen. Warum dies am Ende nicht geschieht (natürlich nicht, denn das wäre ja das Ende des DC-Universums), ist auf seine Art sehenswert und im Umfeld der gewöhnlichen Superheldenschlachten ein sehr emotionaler Schachzug.

Grafisch orientiert sich die Folge an den Klassikern der ANIMATED SERIES von BATMAN und SUPERMAN und man tut gut daran, diese erprobte Stilistik beizubehalten. Sie ist flott, immer noch modern und stützt die Erzählung ausreichend. Die Linien sind schmal, vektorartig, die Kolorierung schlicht, knallig. Eine Charakterisierung wird stark von den menschlichen Sprechern transportiert, die in der deutschen Variante ebenso gut wie im englischen Original funktioniert.

Grafisch ausfallender ist der Vorspann und erinnert in seiner Machart an einen Vorspann aus BLAKE-EDWARDS-FILMEN (Der rosarote Panther), in jedem Fall an Zeichentrickserien, die in jener Zeit geboren (1960er, 1970er Jahre) wurden. Der Stil ist einigermaßen anarchisch aus heutiger Sicht, schrill, unbequem für den Blick, aber macht einen Heidenspaß. Sicherlich würde er auch für eine längere Episode taugen.

Flott, krachend, spaßig: BATMAN und HARLEY QUINN sind ein tolles, wenn auch bestimmt kein dauerhaftes Gespann. In dieser Ausnahmesituation passt es aber von Anfang bis Ende. BATMAN einmal anders, weniger ernst. Das ist erfrischend unterhaltsam. Darf es mehr von sein! 🙂

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Link: Trailer auf Youtube.

Dienstag, 27. März 2018

BATGIRL UND DIE BIRDS OF PREY – MEGABAND 1

Filed under: Superhelden — Michael um 18:01

BATGIRL UND DIE BIRDS OF PREY - MEGABAND 1 – Wer ist Oracle?BARBARA GORDON kann nicht nur wieder laufen. Ihre körperliche Fitness ist sogar so weit gediehen, dass sie sich erneut als BATGIRL durch die nächtlichen Straßenschluchten schwingen kann. Ihre alte Identität, die sie mit dem Rollstuhl verband, ORCALE, als Hackerin vor Computerbildschirmen in die zweite Reihe degradierte, ist Geschichte. Nicht ganz! Wie so oft macht sich jemand das Namenvakuum von ORACLE zunutze und schlüpft in BARBARAS ehemalige Rolle, allerdings nicht ganz so uneigennützig, wie es die Tochter des Commissioners einst tat …

Kein einfaches Frauentrio: Jede von ihnen hat ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen. BATGIRLS Geschichte ist durch den Anschlag des JOKERS besonders einprägsam gewesen (THE KILLING JOKE). BLACK CANARY galt in der Comic-Historie lange als weiblicher Sidekick von GREEN ARROW (und bildete zusammen mit GREEN LANTERN fast schon eigenes Trio). Eine wirkliche Besonderheit ist HUNTRESS, die eine Geheimagentinnenvergangenheit besitzt und freundlich umschrieben nicht gerade den besten Familienhintergrund besitzt. Sie ist so grantig und zuerst so einzelgängerisch wie BATMAN in seinen dunkelsten Zeiten.

Drei Sturköpfe müssen sich zusammenraufen. Da kann auch ein BATMAN mit seinem Gastauftritt nicht helfen. Die Autorinnen JULIE BENSON und SHAWNA BENSON, die sich durch ihre Mitarbeit an THE 100 mit folgenübergreifenden Handlungsbögen gut auskennen, geben ihren Hauptfiguren viel Zeit sich als Trio zu bewähren und Vertrauen untereinander aufzubauen. Gerade für die sehr misstrauische HUNTRESS gibt es viele Lektionen zu lernen.

Zeichnerin CLAIRE ROE, der es obliegt, den Auftakt der Reihe (der im MEGABAND versammelten 13 Ausgaben) zu illustrieren, bildet toughe, körperlich starke Frauen ab, nicht makellos (endlich mal), manchmal feixend, manchmal todernst. HUNTRESS erscheint zuweilen wie eine batmantisierte MAGDALENA, obwohl die Bekleidung deutlich zugeknöpfter ist (als früher) und Anspielungen auf eine Kreuzsymbolik zu den Akten gelegt worden sind. CLAIRE ROE gibt den etwas kantigen, düsteren Stil vor. Das Trio ist sportlich schmal, die Kostüme deutlich zweckmäßig und bei weitem nicht so überzeugen wie bei anderen Superheldenkollegen, eben realer und gliedert sich so in den Look ein, wie ihn Verfilmungen in jüngster Zeit vermittelt haben.

Der grafische Übergang von CLAIRE ROE zu Nachfolger ROGE ANTONIO ist fließend, teils kaum bemerkbar. WER IST ORACLE, lautet die Frage in der Überschrift zum ersten MEGABAND der Reihe. Nun optisch ist die Antwort ebenso wenig exotisch anzuschauen wie die BIRDS OF PREY. Dafür darf ROGE ANTONIO Gegner zeichnen, die einen gehörigen Schuss Andersartigkeit mitbringen. Eine Gruppe von schlangenähnlichen Wesen, als Mietkiller unterwegs, bietet besagte Exotik, ist wie eine Truppe aus KILLER CROCS angelegt. Größeren Bekanntheitsgrad bietet POISON IVY als Gegnerin und sie bietet dem Trio einen höheren Schwierigkeitsgrad.

Sehr dicht erzählt, sehr charakternah abseits der handfesten Auseinandersetzungen mit Kriminellen und Superschurken. Normales Leben und Zweitidentität gehen nahtlos ineinander über. So sind Superheldinnen heute (und Superhelden auch), intelligent, leidenschaftlich, brachial. Packt, ist modern, speedy. Klasse! 🙂

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X-MEN BLUE 1 – REISE INS BLAUE

Filed under: Superhelden — Michael um 10:33

X-MEN BLUE 1 - REISE INS BLAUESie kamen aus der Vergangenheit, ein paar Ur-X-Men, bestehend aus den noch sehr jungen JEAN GREY alias MARVEL GIRL, dem ICEMAN, ANGEL, CYCLOPS und BEAST. Ein Zurück gibt es nicht, wie HANK MCCOY alias BEAST herausgefunden hat. Die X-MEN in der Zukunft sind angeschlagen, der dortige CYCLOPS verstorben. Insgesamt haben die originalen Fünf, die noch recht gut in Erinnerung haben, von einem CHARLES X. XAVIER unter die Fittiche genommen worden zu sein, einen schweren Start in dieser Zeitperiode erwischt. Und zu allem Überfluss haben sie nun einen Mentor, der in ihrem GESTERN noch ihr ärgster Feind war: MAGNETO.

Darüber hinaus macht es sich die junge Truppe, die sich ein wenig die Naivität von einst bewahrt hat, nicht einfach. Sie legen sich mit CAIN MARKO alias JUGGERNAUT an, geraten an den Sohn von WOLVERINE und begegnen schließlich einigen überaus freundlichen SENTINELS. In den vergangenen Jahren haben die X-MEN einen sehr düsteren Einschlag erhalten. Katastrophe reihte sich an Katastrophe, sie traten gegen die AVENGERS an, die Mutanten gerieten an den Rand der Auslöschung. Autor CULLEN BUNN beschreibt eine fünfköpfige X-MEN-Gruppe, die noch eine Art Selbstfindungprozess absolviert.

Sie sind jung, alles andere als dumm oder untalentiert, nichtsdestotrotz befinden sie sich in der falschen Zeit. Vieles von dem, was sie kannten, hat sich überlebt, existiert nicht mehr, ist nicht mehr relevant, ist antiquiert oder hat sich verändert, zum Guten oder zum Schlechten. Da ist die Begegnung mit den ursprünglich zur Mutantenvernichtung konstruierten SENTINELS ein ganz besonderes Highlight. Und es endet in einem starken Feuerwerk, gezeichnet von JORGE MOLINA, koloriert von MATT MILLA. Das ergibt ein verdammt tolles Grafikduo. Das Ergebnis sind ausdrucksstarke Szenen (fantastischer Auftritt von BASTION), mit kleinen feinen Rückblicken in den alten klassischen Kostümen und spitzenmäßigen Gruppen- sowie Charakterzeichnungen.

Um zu zeigen, wie man noch fremder in dieser Welt sein kann, führt Autor CULLEN BUNN WOLVERINES Sohn aus einer Parallelwelt ein. Natürlich kann sich JIMMY HUDSON ebenso wie sein Vater nicht aus Schwierigkeiten heraushalten. Das zieht Gastauftritte von WENDIGO (eindrucksvoll) und den NEW MARAUDERS nach sich. Letzterer ist von JULIAN LOPEZ illustriert, der stilistisch dem Startzeichner der ULTIMATIVEN, BRIAN HITCH, folgt. Das ist alles in allem etwas kantiger, ernster als bei JORGE MOLINA angelegt, in jedem Fall aber ebenso gut.

Überhaupt sind die Bilder durchweg erstklassig. Hier wird ein Serienstart hingelegt, in dem sich alle mächtig ins Zeug legen, Inker und Koloristen eingenommen. Besondere Erwähnung finden müssen hier die Titelbildgrafiken von ARTHUR ADAMS. X-MEN BLUE 1 beinhaltet die ersten sechs US-Ausgaben der Reihe und die Cover-Grafiken wurden entsprechend den einzelnen Kapiteln zugeordnet. ADAMS‘ Stilistik hat ein wenig Manga in sich, ein wenig von TERRY DODSON, insgesamt eine große Akkuratesse und einen starken Blick für einprägsame Szenen (obwohl diese für Titelbilder nur selten auf den ersten Strich hin entstehen).

Zurück auf Anfang: Die X-MEN BLUE verlangen kein Vorwissen und werden für Leser-Newcomer gut eingeführt. Bei JEAN GREY, die hier die Möglichkeiten ihrer Fähigkeiten aufs Neue entdeckt, gelingt dies besonders gut. Toll illustrierte Action machen die Serie zu einem Comic-Erlebnis für Mutantenfans. 🙂


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Sonntag, 18. März 2018

WAYNE SHELTON Gesamtausgabe 1

Filed under: Thriller — Michael um 23:28

WAYNE SHELTON Gesamtausgabe 1WAYNE SHELTON ist ein Mann für besondere Fälle, für ungewöhnliche Aufgaben. Qualität und hohe Erfolgsquoten haben natürlich ihren Preis. Je gefährlicher ein Auftrag ausfällt, desto teurer wird er. Ein kleines ehemalig russisch orientiertes Ostblockland besitzt Bodenschätze, für die international agierende Konzerne im wahrsten Sinne des Wortes bereit sind zu töten. Wenn man sie ließe. WAYNE SHELTON wird für eine Rettungsaktion angeheuert, Millionenschwer bezahlt, macht er sich sogleich an die Zusammenstellung eines Teams von Spezialisten. Leider kann der WAYNE SHELTON nicht sämtliche Eventualitäten vorausberechnen …

Mit WAYNE SHELTON startete einer der versiertesten Comic-Autoren, nämlich JEAN VAN HAMME, eine weitere Thriller-Serie. Mit LARGO WINCH und XIII hatte er sich bereits langjährig mit internationalen Szenarien bejährt. Mit WAYNE SHELTON greift er auf die Erfahrung zurck, präsentiert aber einen völlig anderen Heldentypus. Action-Fans alter Schule werden in dem Auftragsszenario und der Zusammenstellung der Mitstreiter eine Mischung aus WILDGÄNSEN und BRUNO BRAZIL mit einem äußerst modernen Setting herauslesen können. In der Tat ist die Hauptfigur ein Gentleman in jeder Lebenslage, tough, ein wenig wie BOND, aber auch ein wenig wie RICHARD BURTON in den WILDGÄNSEN.

Trenchcoat, grau meliertes Haar, sportlich. Jemand, der erst denkt, sich seine Chancen ausrechnet und dann handelt. Das ist WAYNE SHELTON. Er ist schönen Frauen nicht abgeneigt, obwohl er in der Trickdiebin HONESTY GOODNESS eine Dauergeliebte hat, genauer, ein beständig neu aufgelegtes Verhältnis. Wer sich so oft in Gefahr begibt, genießt natürlich auch das Leben. Ein Auftrag in fernen Ländern? Dann bitte aber mit Stil und hinter dem Steuer eines klassischen BUICK mit Heckflügeln.

DIE MISSION bildet den Auftakt der Reihe. 2001, also ein paar Jahre bevor Knastszenarien im Sinne von PRISON BREAK populär wurden, gilt es einen Gefangenen aus einem wirklich elendigen Gefängnis zu befreien. Anschließend soll dieser auch noch über die Grenze in Sicherheit gebracht werden. Eingepfercht zwischen Armenien, Türkei, Iran und Aserbaidschan hat sich JEAN VAN HAMME ein Fantasieland ausgedacht, in dem er sich als Autor nicht um völligen Realismus scheren muss. Trotzdem ist man nach einem Blick in die Nachrichten sofort geneigt, ihm jede Seite des Abenteuers abzunehmen.

Realistisch ist das Szenario im Hinblick auf seine grafische Umsetzung, mit der Zeichner CHRISTIAN DENAYER vormacht, was ein Thriller-Comic zu leisten vermag (Auf Augenhöhe mit Künstlerkollegen wie WILLIAM VANCE oder PHILIPPE FRANCQ, um nur zwei Zeichner zu nennen, mit denen JEAN VAN HAMME ebenfalls zusammenarbeitete. Irgendwie scheint sich der Autor stets stilistisch und technisch ähnliche Künstler auszusuchen.) CHRISTIAN DENAYER ist technisch perfekt. Jeder Strich sitzt, jedes Bild wirkt wie nach einem Kinofilm oder Fernsehserie gearbeitet. Jede Sequenz, die einer bestimmten Region zugeordnet werden kann, atmet die Atmosphäre des jeweiligen Landstrichs.

Actionszenen sind dank der sehr exakten Wiedergabe von Vehikeln, toller Perspektiven und toll gewählter Schauplätze ein Hit. Trotz moderner Geschichte wurden Handlungsorte ausgesucht, die eine Spur KALTER KRIEG atmen. Ist es in der Doppelfolge DIE MISSION und DER VERRAT die untergegangene Sowjetunion, ist es in DER KONTRAKT ein typisch südamerikanisch anmutende Bananenrepublik (die später Metropolen wie New York oder London weichen muss).

So dürfen und müssen Thriller sein, ganz gleich in welchem Medium. WAYNE SHELTON hat toughe, dennoch sehr menschliche Charaktere, die mitreißen und zum Mitfiebern einladen. Comic-Künstler CHRISTIAN DENAYER liefert perfekte Bilder. Für Freunde von Krimis und Thrillern eine klare Empfehlung und erst recht für jene, die Spitzenillustratoren in Comics wollen. 🙂

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Samstag, 17. März 2018

LUCKY LUKE 96 – Mitten ins Schwarze

Filed under: Cartoon — Michael um 10:52

LUCKY LUKE 96 - Mitten ins SchwarzeLUCKY LUKE war ein Waisenkind. Wie so oft in solchen Fällen wäre es schön gewesen, wenn LUCKY KID, wie sie ihn damals riefen, mehr über seine Herkunft gewusst hätte. In MA‘ LUKE darf er sich noch einmal an jene Zeit erinnern, als er im Kreis von Tante Martha, Onkel Elias und Sam aufwuchs. Wie glücklich er mit diesen Menschen an seiner Seite war, hat er bereits als kleiner junge erkannt. Seine Freunde aus dieser Zeit dürfen nicht vergessen werden. Denn was er mit KLEINER KAKTUS, HURRICANE LISETTE, BILLY BAD, PAQUITO und den anderen nicht alles für einen Blödsinn angestellt …

Da ist LUCKY KID also wieder und trifft MITTEN INS SCHWARZE. ACHDÉ schickt einmal mehr die Jugendversion des späteren Cowboys, der schneller als sein Schatten schießt, ins Rennen. Eine komödiantische Kindheit im WILDEN WESTEN wird mit seitenweisen Miniabenteuern ausgeleuchtet. Am unteren Rand der Seite gibt es stets ein paar Zusatzinformationen für die KIDS. Wie war es damals tatsächlich? Was gab es damals schon? Woher hat ACHDÉ seine Inspiration für seine Gags genommen?

LUCKY KIDS Leben spielt sich vornehmlich draußen ab, wie es sich für ein Kind jener Tage und in dieser Umgebung gehört. Wo noch keinerlei Freizeitangebote lockten, waren die Kinder in der Ideenfindung zu ihren Beschäftigungen ganz auf sich gestellt. Sieht man einmal von der Schule und den Bestrebungen, sie früh an das Arbeitsleben heranzuführen, ab. Es wird geangelt, ins Cowboyleben geschnuppert (inklusive Mini-Rodeo im Saloon), geschwommen, Pirat gespielt. Auf Weihnachten und die damit einhergehenden Geschenke hat sich LUCKY KID auch schon gefreut. Und ganz zum Schluss macht er – na, was ein Lucky Luke eben am Ende einer Geschichte so macht. Früh übt es sich halt.

Zumeist hat ACHDÉ vier Zeilen zur Verfügung. Dann muss der Witz zünden. Hier besitzt der Autor und Comiczeichner bereits einige LUCKY-LUKE-Übung. Zeichnerisch betreute er Abenteuer wie MEINE ONKEL, DIE DALTONS oder in jüngerer Vergangenheit DAS GELOBTE LAND. Mit LUCKY KID erlebten die Leser hierzulande in Band 94 mit MARTA PFAHL viele Eindrücke aus der Kindheit des Lonesome Cowboy.

Vier Zeilen also: Ein schönes Beispiel ist die Erklärung von KLEINER KAKTUS darüber, wo Frauen ihre Kinder zur Welt bringen, nämlich dort, wo sie am glücklichsten sind. LUCKY KID kann daraus nur den Schluss ziehen, dass er, wenn er seine TANTE MARTHA so betrachtet, hinter einem Tresen geboren worden sein muss. LUCKY KID ist ein neugieriger kleiner Junge, aber er ist kein Schlingel, der andere piesackt. Wenn mal etwas passiert, dann ist es typische Unachtsamkeit oder Unerfahrenheit und teilweise wird er selbst zum Opfer jener Umstände.

Ein albenlanges Abenteuer mit LUCKY KID wäre einmal schön. Es gibt genügend Figuren drumherum. ACHDÉ erzählt und zeichnet darüber hinaus toll im Stile von MORRIS, so dass dem nichts im Wege stünde. Spaß machen die kurzen Kindheitserinnerungen von LUCKY KID allemal. Empfehlenswert für Neueinsteiger als Schnuppterrunde und für Fans des einsamen Cowboys. 🙂

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Coverabbildung: © Lucky Comics

Montag, 12. März 2018

EXTREMITY 1

Filed under: SciFi — Michael um 14:29

EXTREMITY 1In einer Welt der schwebenden Inseln, der AUFSTEIGENDEN EBENEN, hat der ROTO-Clan ein schweres Schicksal zu tragen. Der Clan musste sich gegen den kriegerischen PAZNINA-Clan wehren und verlor dabei alles. Heimat, Freunde, Familienmitglieder. Einzig der unbändige Hass von Clanführer JEROME hält den kläglichen Rest der Leute zusammen. Das einzige Sinnen und Streben des ROTO-Clans liegt in der Auslöschung Pazninas. Dazu ist jedes Mittel Recht. Dieses Mittel wird zufällig gefunden, in Form eines uralten Kampfroboters namens SHILOH.

ROLLO und THEA sind die Kinder JEROMES. ROLLO, der Sohn, ist bedächtiger als der eigene Vater und der Spur der Rache folgt er nur widerwillig. THEA, war einst ein zeichnerisches Talent, bis die PAZNINAS ihr die rechte Hand abtrennten. Seither erträgt sie nicht nur den Verlust des Körperteils, sondern auch ihrer Fertigkeit, der sie mit ihrer linken Hand nicht mehr so nachgehen kann wie früher. Der ROTO-Clan greift sein erstes wichtiges Ziel an, ASMUND, Schatzmeister des PAZNINA-Clans, und übt blutige Vergeltung.

Es hätte auch heißen können: extrem blutige Vergeltung. Der Titel der Serie, EXTREMITY, hielt in diesem Bereich bereits Wort. Auf der Rückseite findet sich stilistische Beschreibung, STUDIO GHIBLI träfe auf MAD MAX. Grafisch trifft diese Beschreibung sicherlich zu, MAD MAX ist jedoch zu kurz gegriffen, denn hier ist eher ein größeres Gewaltpotential im Spiel, mit ausdrücklich gezeigten Gräueltaten, die keinen Platz mehr für Fantasie lassen.

Autor und Zeichner DANIEL WARREN JOHNSON steigt ohne lange Vorrede in die Geschichte ein. Er macht gleich klar, dass hier Krieg herrscht. Warum die Welt so ist, wie sie ist, nämlich in schwebende Stücke aufgespalten, wird häufiger angeschnitten, aber nicht bis ins kleinste Detail gelüftet. Hier existiert noch viel Luft für Enthüllungen in weiteren Fortsetzungen. SHILOH, der Roboter, repräsentiert diese Vergangenheit, ohne sie selbst noch zu kennen, aber immerhin begreift er, dass er für all das, was sich in diesem Szenario offenbart, mitverantwortlich ist.

Mit THEA gibt es die Identifikationsfigur für eine betrogene, zerstörte Hoffnung. Ihr Talent brachte Schönheit in diese Welt und dieses wurde brutal ausglöscht. An anderer Stelle zeigt sich wiederum, dass ausgerechnet ein Schlächter wie ASMUND ein göttlicher Violinist ist. Aber Schönheit und Ästhetik sind kaum Gesichtspunkte in dieser apokalyptischen Welt, in der Monster gigantische Ausmaße annehmen können und sogar den Menschen mit all ihrer Kriegstechnik Paroli bieten.

Grafisch werden sich bestimmt all jene Fans von asiatischen Abenteuern wie PRINZESSIN MONONOKE oder NAUSICAÄ AUS DEM TAL DER WINDE gleich wohl fühlen. Der Stil ist mangaesk gehalten, mit harten sehr ausdrucksstarken Bildern, ähnlich wie sie ein GOSEKI KOJIMA (LONE WOLF UND CUB) zu Papier bringt. Der Vergleich passt insofern, da die Kämpfe klassisch asiatischen Auseinandersetzungen ähneln und sich hier auch Samurai begegnen könnten. Die Gesellschaftsstrukturen sind der japanischen Historie und Kultur angelehnt. Überhaupt hat sich DANIEL WARREN JOHNSON in seiner Geschichte gut in jener Hemisphäre bedient, aber keinesfalls zum Nachteil.

In der westlichen Welt wirken jene alten Strukturen teils kurios, in jedem Fall exotisch und so ist auch die Wirkung in diesem Abenteuer. Geradlinig in der Fremdartigkeit, mit vielen Bildern, die Rasanz vermitteln und traumartigen Rückblicken, die aus der aktuellen Sicht der Handlung zu schön sind, um tatsächlich wahr gewesen zu sein. Es bieten sich als viele starke Eindrücke, nicht nur über den Kampf, sondern auch mit einer eindringlichen Emotionalität, die die wichtigen Figuren so nah wie irgend möglich an den Leser heranführen.

Brachialer SciFi-Action-Knaller! In einer sehr düsteren, eigentlich schon untergegangenen Welt werden letzte Auseinandersetzungen geführt, niemand wird geschont inmitten all der schwebenden Trümmer. Toll illustriert vom Autor DANIEL WARREN JOHNSON persönlich, mit sehr kräftigen, satten Farben von MIKE SPICER koloriert. Wer es krachend mag, wird hier bestens bedient. 🙂

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