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Comic Blog


Freitag, 19. April 2019

HIT-GIRL IN ROM

Filed under: Superhelden — Michael um 17:23

HIT-GIRL IN ROMEin Herz und eine Krone, HIT-GIRL und eine VESPA. Aber ROM hat noch mehr zu bieten, als eine Hommage an einen Filmklassiker mit AUDREY HEPBURN und GREGORY PECK. ROM hat den VATIKAN, das Herz der katholischen Kirche. Man sollte glauben, für jemanden wie HIT-GRIL gäbe es gerade an einem solchen Ort nicht viel zu tun. Weit gefehlt! Im Schatten des Glaubens wuchern Elemente, die sich einen frommen Anstrich geben, darüber hinaus aber von abgrundtiefer Bosheit und Machthunger erfüllt sind. Und all das unter dem Deckmäntelchen eines Habits. Auf HIT-GIRL wartet nicht nur ein neuer SIDE-KICK, sondern auch DONNA GIUSTINA, Anführerin eines mafiösen Ordens.

MARK MILLAR hat den Staffelstab um seine in der Serie KICK-ASS ersonnenes HIT-GIRL weitergegeben. Nun ist er beim Autoren RAFAEL SCAVONE angelangt. Komplett respektlos (ein Markenzeichen des KICK-ASS-Universums) lässt er HIT-GIRL zwischen die Mordsgesellen fahren, die in ein religiöses Outfit gekleidet auftreten (mit wirklich nur wenigen Ausnahmen), dem Herrn und seinem Heiligen PIETOSO huldigen und keiner Probleme damit haben, ihre Feinde auf die denkbar grausamste Weise zu massakrieren. Das mag zuerst merkwürdig und krass wirken, greift jedoch letztlich nur die bekannten dunklen Seiten kirchlicher Aktivitäte auf, mit denen schon andere Autoren wie ALEJANDRO JODOROWSKY (DER SCHRECKLICHE PAPST) oder THOMAS GIFFORD (ASSASSINI) spielten. RAFAEL SCAVONE legt mit seiner DONNA GIUSTINA noch eine Schippe drauf.

BÖSE FRAUEN: Spätestens seit BUFFY, sozusagen der URMUTTER DER SICH PRÜGELNDEN FRAUEN, lassen sich die Ladies im Pantoffelkino und auf der großen Leinwand nichts mehr gefallen. HIT-GIRL ist eine Folge davon und das Mädchen selbst, noch nicht einmal in der Pubertät, hat ihrerseits auch schon Gegnerinnen gehabt, die ihr in Sachen Gewaltausübung und Spaß am Gemetzel in Nichts nachstehen. RAFAEL SCAVONE kreiert mit DONNA GIUSTINA eine alte Frau, eine bitterböse Hommage auf DON VITO CORLEONE, die ihren Feinden eigenhändig einen Pferdekopf unter die Bettdecke schieben würde, ließe sich damit noch jemand hinter dem Ofen hervorlocken. DONNA GIUSTINA, verhutzelt wie die Hexe bei HÄNSEL UND GRETEL, hält sich mit derlei Kinkerlitzchen nicht auf. Sie erdrosselt schon mal einen Untergebenen mit dem Rosenkranz, wenn ihr die aufgetischte Suppe nicht schmeckt.

HIT-GIRL selber kann die Erwachsenen mit einen Puppengesicht täuschen, das auch CHUCKY gut zu Gesicht stehen würde. RAFAEL ALBUQUERQUE (ja, noch ein RAFAEL) zeichnet der Kleinen sehr viel Unschuld in die Miene, mittig von den blonden Pferdeschwänzen der überaus braven Frisur. Die schmale Statur verrät nicht, welche Energie in dem Mädchen steckt und eine Mordlust, wie sie unter den SICH PRÜGELNDEN FRAUEN des 21. Jahrhunderts unerreicht sein dürfte. Und dann ihr momentaner SIDEKICK: Keine CATWOMAN, eher ein CATGIRL mit langfingrigen Tendenzen. Mörderische Qualitäten müssen erst noch erlernt werden. RAFAEL ALBUQUERQUE schafft charakterstarke, sehr einzigartige Figuren. Man gewinnt optisch den Eindruck, als würde HIT-GIRL in Actionszenen gegen die Mönche aus DER NAME DER ROSE antreten.

MARCELO MAIOLO unterstreicht die feinen, mit dünnstem Strich gezeichneten Bilder mit intensivem Farbenspiel, manchmal mit einer leichten goldenen Tönung, dem Reisebeginn einer Städtetour durch ROM angemessen, wenn das Licht rund um das KOLOSSEUM zum Verweilen einlädt, selbst HIT-GIRL, die beim Gedanken an blutige Gladiatorenkämpfe ins Schwelgen gerät. Darüber hinaus gibt MARCELO MAIOLOS Farbgebung der Action schönen filmischen Schwung.

Ein brutaler Thriller-Knaller der etwas anderen Superheldenart. Wer schon mit KICK-ASS oder HIT-GIRL in Berührung kam, wird hier Überraschungen erleben, denn natürlich bietet ROM auch Attraktionen in Sachen Mord und Totschlag. Andere Länder, andere Killersitten eben. RAFAEL ALBUQUERQUE gehört zu den Zeichnern, die man sich als Comic-Fan für die Zukunft merken sollte.

HITGIRL IN ROM: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Panini Comics.

Mittwoch, 17. April 2019

BATMAN – DER WEISSE RITTER

Filed under: Superhelden — Michael um 17:00

BATMAN - DER WEISSE RITTERDer JOKER hatte eine große Liebe und ihr Name war nicht HARLEY QUINN. Sein Name war BATMAN. Es ist durchaus eine platonische Liebe und niemals würde der JOKER die Beziehung zum DUNKLEN RITTER auf diese Weise titulieren. Für HARLEY QUINN allerdings ist die Lage eine andere. Der Blick von außen hat ihr die Abhängigkeit ihres Geliebten von der rächenden Fledermaus gezeigt. Für sie gibt es nur einen Ausweg, will sie ihn endgültig für sich gewinnen und außer Lebensgefahr außerhalb der Reichweite von BATMAN unterbringen. JOKER muss nach ARKHAM ASYLUM.

Unter DC BLACK LABEL werden eigenständige abgeschlossene Stories veröffentlicht. SEAN MURPHY, der sich mit AMERICAN VAMPIRE einen Namen gemacht hat, erzählt als Zeichner und Autor mit DER WEISSE RITTER eine Geschichte, die sich ruhig in den offiziellen Erzählstrang des DUNKLEN RITTERS einreihen dürfte. Es ist augenscheinlich eine BATMAN-Geschichte von einem Fan für Fans. Hier ist ein Rundumsorglospaket um den Mythos des MITTERNACHTSDETEKTIVEN entstanden, mit einem Haufen seiner Feinde, dem Erzfeind schlechthin, JOKER, sehr genauen und tiefen Charakterzeichnungen von Feind und Freund wie eben NIGHTWING, BATGIRL, COMMISSIONER GORDON und natürlich BATMAN selbst.

BATMAN wurde schon außerhalb der langen Reise, die er durch die Comic-Zeiten machte, in außergewöhnliche Situationen versetzt. In Crossover, in die Zukunft, in alternative Handlungstränge bzw. Entstehungsgeschichten. DER WEISSE RITTER von SEAN MURPHY sichert sich unter diesen Werken mindestens einen Platz in den TOP TEN. WAS GESCHIEHT: Kurzum, der JOKER, ursprünglich JACK NAPIER, wird wieder normal und kehrt unter letzterem Namen in die Gesellschaft zurück. Medikamente ermöglichen es ihm, nicht erneut dem Wahnsinn zu verfallen. In seiner weitaus menschlicheren Gestalt begleitet ihn seine ehemalige Therapeutin auf dem Weg, ein besseres GOTHAM zu gestalten, bestenfalls ohne einen BATMAN.

Der JOKER steht eindeutig im Mittelpunkt dieser Geschichte. Ein Mensch, der seinem Feind verfallen ist. Das Titelbild spricht eine deutliche Sprache. Der JOKER kniet in einer Art STALKER-SCHREIN. Ein paar wenige Zeitungsartikel über BATMAN wechseln sich mit weitaus mehr Devotionalien anderer Natur ab. Darunter befinden sich figürliche Darstellungen BATMANS, Fahrzeugmodelle und Literatur. Kerzenlicht erhellt das Szenario. Bereits hier sieht der BATMAN-Fan, wie gut SEAN MURPHY seine Hausaufgaben gemacht hat. Schon das BATMOBIL als solches nimmt einen großen Stellenwert innerhalb der Geschichte ein, sogar sehr aktiv. Denn SEAN MURPHY spielt mit den verschiedenen Fahrzeugen wie z.B. aus BATMAN ANIMATED, BATMAN (mit MICHAEL KEATON) oder der DARK KNIGHT-TRILOGIE (mit CHRISTIAN BALE). Und das sind nur drei Fahrzeuge!

Neben der technischen Perfektion des Strichs, der überaus fein ausfällt und Fahrzeuge, Kulissen, Charaktere, Innenausstattungen, Perspektiven ganz wunderbar und mit filmischer Finesse aufs Papier bringt, besticht SEAN MURPHY auch mit tollen, ganz eigenen optischen Charakterinterpretationen. Obwohl er natürlich immer am urspürnglichen Design angelehnt bleibt. JACK NAPIER, der zivile Name des späteren JOKERS (wie er in BATMAN mit MICHAEL KEATON in der Titelrolle auftrat), hat mit seiner spitzen Nase und dem gestreckten Kopf etwas von einem PINOCCHIO, der wieder ins menschliche Leben zurückkehrt. Als JOKER ist er die MARIONETTE, Opfer ihrer manischen Züge, fast fremdgesteuert durch die Leidenschaften, denen er sich ergibt.

Wie zerbrechlich die Gestalt des JOKERS ausfällt, sieht man einerseits an der bulligen Figur des BATMAN, dessen Auftreten stark an die Konzeption des DARK KNIGHT von FRANK MILLER erinnert (durchaus eine weitere Verbeugung innerhalb der zahlreichen BATMAN-Abenteuer). Andererseits wissen auch die Schurken zu gefallen, insbesondere die Gestaltungen von KILLER CROC, BANE und nicht zuletzt von CLAYFACE, der höchstwahrscheinlich hier seinen seltsamsten Auftritt aller BATMAN-Zeiten hat.

BATMAN, DER WEISSE RITTER, von SEAN MURPHY (und MATT HOLLINGSWORTH, Farben) lässt nichts vermissen. Er hat reichlich Bezüge zum Original, ist sogar eine wahre Fundgrube der Anspielungen. Darüber hinaus variiert er das Thema aber auf vielerlei Weise, setzt nichts voraus, so dass Neugierige, Neueinsteiger hier leicht Anschluss finden. Die grafische Gestaltung ist allererste Sahne, angesiedelt zwischen Action-Feuerwerk und Charakterstudie. Toll! Für BATMAN-Fans und solche, die es werden wollen! 🙂

BATMAN, DER WEISSE RITTER: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Panini Comics.

Mittwoch, 03. April 2019

GUERILLAS – BAND 4

Filed under: Thriller — Michael um 16:42

GUERILLAS - BAND 4Zwei deutsche Zwillingsbrüder, deren Arbeit niemals gut genug für den Vater war, der ebenfalls als Wissenschaftler tätig gewesen ist. Der allerdings, weil er im Dritten Reich auf der Seite der Deutschen forschte, sich keinerlei Restriktionen auferlegte und deshalb über Leichen ging. Für die beiden Zwillinge KURT und KLAUS HEISLER, die später für die Amerikaner im Kalten Krieg nach neuen Wegen suchen, eröffnen sich diese Möglichkeiten nicht. Beschämt verteidigen sie sich vor ihrem wütenden Vater, der ihnen außerdem vorwirft, seine Erkenntnisse für ihre Forschungen gestohlen zu haben. In ihrer Frustration gehen die beiden Wissenschaftler so weit, wie es die gesetzlichen Grenzen eines freien Landes erlauben …

BRAHM REVEL erinnert technisch ein wenig an MIKE MIGNOLA oder auch DARWYN COOKE. Ähnlich wie diese Künstler, die rein schwarzweiße Illustrationen bevorzugen (oder farblich sparsame Varianten), kann auch BRAHM REVEL mehr als nur so reduzierte Illustrationen abzuliefern. Das bezeugt allein schon das Interview im Anhang des vorliegenden Bandes mit den angegliederten Illustrationen zu GUERILLAS, in denen die Charakterzeichnungen der agierenden SCHIMPANSEN noch deutlicher ausfallen als im eigentlichen Comic.

Künstlerische Wurzeln des Comic-Autoren und Zeichners BRAHM REVEL liegen in den Bereichen ANIMATION und STORYBOARDING. Mit den beiden erwähnten Kollegen gemeinsam hat er ein ebensolchen eigenen Stil, vielleicht noch nicht ganz unverwechselbar, aber auf jeden Fall sehr eindringlich. Denn hier im vierten und letzten Band der kleinen Serie merkt man den ausgebildeten STORYBOARDER auf jeder Seite. Ihm gelingt es, mit wenigen Strichen Eindruck auf den Leser zu machen, einen filmisch schnell zu erfassenden Stoff abzubilden. Die Handlung wird eigentlich nur von den Texten heruntergebremst. Häufig genug aber lässt BRAHM REVEL die Bilder erzählen und wirken, ganz besonders, wenn es um die GUERILLAS selbst und auch den PAVIAN ADOLF geht, einem Primaten einer konkurrierenden Versuchsreihe.

Optisch wird die Geschichte nur zu Beginn verlangsamt (wenn man es so nennen will). Vielleicht das erste Sechstel ist mit Rückblicken angereichert und baut dem Schluss ein zusätzliches Fundament (zu den ersten drei Teilen). Die Motivation der Wissenschaftler wird deutlicher, die Entstehung der intelligenten Affen und ihre Vermischung mit den Ereignissen des VIETNAM-KRIEGES. Danach heißt es: Finale. Es geht Schlag auf Schlag. BRAHM REVEL hat viele Erfahrungen aus seinem STORYBOARDING eingefügt. Der szenische Wechsel, der die Handlung regelrecht voranpeitscht, ist perfekt eingesetzt, bleibt aber nicht an der Oberfläche, sondern lässt sogar noch Charakterentwicklung zu.

Die Geschichte wird rein Schwarzweiß erzählt, lediglich eine einzige Graustufe wird zur leichten Schattierung eingesetzt. Das genügt vollauf. Natürlich behält BRAHM REVEL den bisherigen grafischen Stil bei. Comic-Freunde, die lediglich auf die komplett durchgestylten Bilderlebnisse setzen, werden hier etwas verpassen, aber an denen werden die genannten Künstler vorbei gegangen sein oder auch ein FRANK MILLER. Die STORYBOARDTECHNIK, die BRAHM REVEL hier anwendet, arbeitet mit starken Kontrasten und erschafft Bilder, die es dem Auge des Lesers ermöglichen Feinheiten selbst zu komplettieren. In der (wahrscheinlich) von ihm gedachten Lesegeschwindigkeit vermisst man nichts.

Wer hätte es gedacht? GUERILLAS 4 ist auch eine Geschichte über Eifersucht, die sich zu tödlichem Hass entwickelt. In einem der Handlungsstränge, zurückgehend auf Ereignisse, die teils bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zurückreichen, treffen der PAVIAN ADOLF und der SCHIMPANSE GOLIATH aufeinander. Im Trainingsprogramm (zu äffischen Supersoldaten) messen sich die beiden Affen in Disziplinen, die eigentlich überhaupt in das Leben eines Primaten gehören, darunter auch SCHACH. Diese Szenen bilden einen tollen Gegensatz zum späteren Szenario im vietnamesischen Dschungel, in dem die taktischen Fertigkeiten der Affen zum Tragen kommen. Aber im wirklichen Leben bleiben die Figuren nicht einfach an ihrem Platz und so bricht bald das Chaos aus. Es lassen sich eben nicht alle Einflüsse kalkulieren.

Begeistert: Eine der innovativsten Comic-Erzählung der letzten Jahre. Rasant geschildert, sehr stark filmisch, skizzenhaft zu Papier gebracht, fast wie Momentaufnahmen oder ein bildhaftes Tagebuch. Das Kriegsabenteuer über eine kleine Einheit im Kampf trainierter SCHIMPANSEN ist im vierten und letzten Teil hoch spannend und von BRAHM REVEL wie ein einziges (fast zur Gänze durchgängiges) Finale erzählt und gestaltet. BRAHM REVEL hat hoffentlich schon die nächste Idee in der Schublade! 🙂

GUERILLAS, BAND 4: Bei Amazon bestellen.
Oder bei All Verlag.

Link: http://www.elrevel.com/ (Homepage von BRAHM REVEL mit vielen grafischen Mustern)

Dienstag, 26. März 2019

BATGIRL UND DIE BIRDS OF GREY – MEGABAND 2

Filed under: Superhelden — Michael um 18:19

BATGIRL UND DIE BIRDS OF GREY – MEGABAND 2 – GOTHAMS TÖCHTERDie Männer werden krank! Und nur die Männer! BARBARA GORDON alias BATGIRL und die BIRDS OF PREY, nämlich HUNTRESS und BLACK CANARY können zunächst nur hilflos zusehen. Die Seuche, die sich über GOTHAM CITY ausbreitet, scheint medizinisch nicht aufzuhalten zu sein. Ein Verbund von Frauen lehnt sich gegen die Oberhoheit der Männer auf. Ausrottung lautet das Mittel. Aber sie haben die Rechnung ohne die Frauen in Kostümen gemacht. Neben den BIRDS OF PREY finden sich noch andere verkleidete Heldinnen und weibliche Ganoven, die sich eine Welt ohne Männer nicht vorstellen mögen: CATWOMAN, POISON IVY, HARLEY QUINN, WONDER WOMAN, BATWOMAN, GOTHAM GIRL sogar LOIS LANE und AMANDA WALLER geben sich streitsam.

Eine ungewöhnliche Bedrohung führt zu einem ungewöhnlichen Bündnis. Frauen beiderseits des Gesetzes treten gegen eine fanatisch verblendete Gruppierung an, die im wahrsten Sinne des Wortes für ihre Ziele über Leichen geht, sehr viele Leichen. JULIE BENSON und SHAWNA BENSON wandeln auf den Spuren von Y – THE LAST MAN, nur mit ungekehrten Vorzeichen. Ein ausgeklügelter Angriff bedroht die eine Hälfte der Menschheit, mit GOTHAM CITY als Ausgangspunkt.

Das hat ein wenig etwas von einer SATIRE, denn so oft sich die Frauen des DC-Universums mit männlichen Ganoven herumgeschlagen haben, hatten sie (so gut wie) nicht den Drang, diese Männer vom Angesicht der Erde zu tilgen. Der Mehrteiler (der einer kurzweiligen Eingangsgeschichte folgt) ist denn auch komischerweise mit dem Titel MÄNNERGRIPPE überschrieben, einem Krankheitsbegriff, der darauf verweist, wie schwer es der männliche Teil der Schöpfung mit seinen Wehwehchen manchmal nimmt. Allerdings fällt der Originaltitel, MANSLAUGHTER, deutlich martialischer aus. Angesichts der Spitzen, in die sich die Geschichte schlussendlich hineinsteigert, ist es eigentlich auch passender, denn die beiden Comic-Autorinnen lassen es ordentlich krachen und schaffen ein richtig schönes, endzeitlich anmutendes Szenario.

ROGE ANTONIO kann seine grafische Nähe zu Mangas nicht verleugnen. Ist der Rest auch deutlich amerikanisiert, sind die spitzen Gesichter ein bekanntes und zugleich gelungenes Vermächtnis. Die getuschte Linie ist sehr klar, der Blick wird fein gelenkt, nichts stört. Wer einen anderen Vergleich sucht, findet diesen durchaus in den neueren Zeichentrickumsetzungen, wenngleich hier die Details höherwertiger und zahlreicher ausfallen. MARCELO MAIOLO übernimmt die Farbenpracht, häufig mit einem starken Rotanteil, symbolhaft für die nächtliche Beleuchtung, außerdem passend zur Weltuntergangsstimmung der Handlung. Diese wird durch ein paar Verweise an ein besonders düsteres Kapitel des Mittelalters noch mehr geprägt.

MARCIO TAKARA zeichnet ein vergnügliches Übergangsabenteuer, in dem es die BATGIRL UND DIE BIRDS OF PREY nach PARIS verschlägt. Vor ÖKO-TÖDLICH, so der Titel, zeichnet MARCIO TAKARA noch die erste Episode, GESCHICHTSSTUNDE. Beide Male sind die Heldinnen an für die Abenteuer ungewöhnlichen Orten. Zum einen im alten EUROPA, zum anderen mitten in der Wildnis, wo kostümierte Helden eher selten anzutreffen sind (Lagerfeuerromantik inklusive).

DER KREIS SCHLIESST SICH, der zweite Mehrteiler in diesem Band, treibt die drei Heldinnen ziemlich in die Enge. Es wird höchst persönlich, tragisch, familiär. Ob BATGIRL, HUNTRESS oder BLACK CANARY, jeder der drei jungen Frauen muss hier Federn lassen. Ganz nebenbei gibt sich noch GREEN ARROW die Ehre, allerdings als Mann in die zweite Reihe verbannt (ähnlich wie im Mehrteiler MÄNNERGRIPPE). Auf dieser Ebene wissen die Heldinnen noch mehr zu gefallen als in eher großen, fast schon episch zu nennenden Kämpfen. Zumal JULIE BENSON und SHAWNA BENSON jeder einzelnen des Trios tolle Charakterstudien auf den Leib schreiben.

In höchstem Maße gelungen, in der zweiten Hälfte ganz besonders, überwiegend von ROGE ANTONIO illustriert (die beiden Mehrteiler). JULIE BENSON und SHAWNA BENSON haben den drei Heldinnen hier ein klasse Profil verliehen und gleichzeitig die nächtliche Welt von GOTHAM CITY sehr dicht und stark bereichert. 🙂

BATGIRL UND DIE BIRDS OF GREY, MEGABAND 2, GOTHAMS TÖCHTER: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Panini Comics.

Links:
https://www.instagram.com/rogeantonio/ (ROGE ANTONIO auf instagramm)

Samstag, 16. März 2019

BOUNCER Gesamtausgabe 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:43

BOUNCER Gesamtausgabe 1Im Nachtlager der Konföderierten begegnet man dem Ende des Krieges gegen die Union mit Unverständnis, Unglauben. Einer, der nur darauf gewartet hat, dass der Krieg endlich zu Ende ist und er nach Hause gehen kann, wird als Deserteur gefangen genommen und zurückgebracht. CAPTAIN RALTON hat kein Mitleid mit dem Mann, der sich in seiner Verzweiflung immer wieder auf das Ende des Krieges beruft. Seiner Meinung nach gab es nichts mehr zu desertieren, wo sich keine Armeen mehr gegenüber stehen. CAPTAIN RALTON sieht das anders. In einem ungleichen Säbelduell tötet er den Mann ohne einen Funken Gnade …

Eine düstere Familiengeschichte, erdacht von einem Autor, der sich mit bitterbösen, bitterkomischen Geschichten einen Namen gemacht hat: ALEJANDRO JODOROWSKY. Eine Mutter, drei Brüder und ein dunkles Vermächtnis stehen im Kern der beiden hier in der ersten Gesamtausgabe von BOUNCER zusammengefassten Westernabenteuer: EIN DIAMANT FÜRS JENSEITS und DIE GNADE DER HENKER. Auf der anderen Seite steht Comic-Künstler FRANCOIS BOUCQ, hierzulande durch seine Illustrationen zur Thriller-Reihe DER JANITOR bekannt; einige Jahre vorher schon startete BOUNCER (zu Deutsch: Rausschmeißer), den FRANCOIS BOUCQ in bester Westernmanier im Stile eines JEAN GIRAUD oder COLIN WILSON illustrierte.

Den Leser erwartet ein moderner, harter, nach allen Seiten mitleidloser Western im Stile neuerer Serien wie DEADWOOD oder HELL ON WHEELS. Hier wird nichts romantisiert. Ein Haufen der Leute, die den Wilden Westen unsicher machen, sind raue Gesellen. Zynismus, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Gewaltorgien sind an der Tagesordnung. Nur ein toter Feind ist ein guter Feind. Der amerikanische Bürgerkrieg ist gerade erst zu Ende und hat das Land für viele weitere Jahrzehnte abgrundtief geprägt. Eine Horde ehemaliger Soldaten der Konföderation bahnt sich ihren Weg durch das Land mit Mord, Raub und Vergewaltigung. Da erwacht in ihrem Anführer RALTON der alte Hass auf seinen Bruder BLAKE.

Vor Jahren entzweiten sich drei Brüder in Habgier über einen ganz besonderen Diamanten, das KAINSAUGE. HABGIER offenbart sich in diesem Stein als eines der beiden Hauptmotive der beiden Geschichten, die man getrost auch als Doppelfolge bezeichnen kann. RACHE ist das zweite Motiv. Denn ein Junge musste den Mord an seinen Eltern beobachten. Nach einer ungewöhnlichen Lehrzeit sinnt er darauf, die Killer zur Strecke zu bringen. BOUNCER, so viel sei verraten, ist der Lehrmeister des Jungen. Einarmig zwar (wie auch auf dem Titelbild zu erkennen), schleppt er dennoch gleich drei Knarren mit sich herum. BOUNCER ist ein Mann, der alles andere als aufgegeben hat. Und genau diese Lektion erteilt er dem Jungen.

Großartige Szenen: Ich habe in keinem anderen Western-Comic noch keinen besser inszenierten Postkutschenüberfall gesehen als hier (in der Episode DIE GNADE DER HENKER). Einerseits ist es schon schwierig genug, auf vernünftige Weise Rasanz, Geschwindigkeit in Comics darzustellen. Dies mit einer Kutsche und rennenden Pferden zu schaffen, gleichzeitig die Dramatik der Verfolgungsjagd und des kommenden Überfalls einzufangen, ist eine wirkliche Kunst. Kurz darauf, in einer regnerischen Szene eingefangen, wird es schmutzig wie in einem Italowestern.

FRANCOIS BOUCQ hat die Atmosphäre eines Westerns toll eingefangen. Auf der Basis der von ALEJANDRO JODOROWSKY erzählten Geschichte (man glaubt fast, der Autor habe nie etwas anderes gemacht), entfaltet sich stellenweise ein echtes Spektakel. Ein Überfall auf einen Eisenbahnzug und die erwähnten Lehrstunden in Sachen WIE WERDE ICH EIN KILLER sind kinoreif. Die Szenen in Räumen, einer Schule, im Saloon sowie auf den Straßen einer Westernstadt bestechen durch die detailverliebte Gestaltung und, das muss ganz dringend hervorgehoben werden, eine sehr intensive Farbgebung.

BEN DIMAGMALIV und NICOLAS FRUCTUS sind die beiden Spezialisten, die BOUNCER ins beste Licht tauchen. Hier werden nicht nur tageszeitspezifische Farben aufgetragen, oder solche Szenen gestaltet, die sich in der Dämmerung oder bei der Beleuchtung von Petroleumlampen abspielen, hier wird auch bewusst Stimmung erzeugt. Wenn der Junge seine ermordeten Eltern im Licht der untergehenden Sonne findet oder eine Schießerei mit einer geradezu blendend strahlenden Farbgebung untermalt wird, damit eine heldenhafte Tat (aus der Sicht des agierenden Helden) noch hervorgekehrt wird, haben die beiden Koloristen mehr als alles richtig gemacht.

Ein harter WESTERN von ALEJANDRO JODOROWSKY und FRANCOIS BOUCQ. JODOROWSKY ist über das Medium Comic hinaus als Autor bekannt und hat, meiner Meinung nach, hier eine seiner besten Geschichten abgeliefert. Eng mit dem Genre verflochten, extrem nah an den Charakteren, dem historischen Hintergrund und dem Land, was diese Menschen prägt, ist ein fühlbar plastischer WESTERN entstanden, der dank eines herausragenden Illustrationsteams von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. 🙂

BOUNCER GESAMTAUSGABE 1: Bei Amazon bestellen.
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Freitag, 08. März 2019

DIE NEKTONS – ABENTEURER DER TIEFE

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 20:44

DIE NEKTONS- ABENTEURER DER TIEFEIn den finsteren Tiefen des Meeres, wo kein Licht mehr zu sehen ist, die Sonne ihre Strahlen niemals herabsenden wird, sind die einzigen Leuchtquellen jagende Tiefseefische und die Scheinwerfer eines kleines Unterseebootes. Obwohl die NEKTONS Wissenschaftler sind, überaus neugierig, auch wagemutig und sie ihre Vermutungen bestägt finden wollen, wäre es ihnen vielleicht doch lieber gewesen, wäre diese Entdeckung nicht gerade im Scheinwerferlicht vor ihren Augen aufgetaucht …

Ein filmreifes Erlebnis. Die NEKTONS reihen sich in die abenteuerreifen Familien ein, wie der Genre-Freund von Abenteuer und Science Fiction sie bereits kennenlernen konnte, Stichwort FAMILIE ROBINSON. Gleichzeitig wandelt es auf den Spuren von JULES VERNE. Nicht umsonst hört das Unterseeboot der Familie NEKTON auf den Namen ARONNAX. (Auch der Name des Meereswissenschaftlers aus 20000 MEILEN UNTER DEM MEER; so ziemlich der berühmteste Roman des französischen Schriftstellers.) Es gibt noch viel zu entdecken in den Weltmeeren, Rätsel und merkwürdige Sichtungen gibt es zuhauf, da wundert es nicht, dass sich Autor TOM TAYLOR ausgerechnet den Ozean als Abenteuerspielplatz ausgesucht hat.

An der Seite einer ausgewogenen Familie, toughe, intelligente Eltern und schlauen, draufgängerischen Kindern, geht es hinab in die Tiefe mit einem sehr sicheren Unterseeboot auf die Suche nach DRACHEN. Die vorliegende Ausgabe fasst die beiden im Original erschienenen Bände HERE BE DRAGONS und THE VANISHING ISLAND zusammen. Es fängt relativ harmlos an. Vor der Küste GRÖNLANDS ist nach einem Seebeben zu ungewöhnlichen Sichtungen gekommen. Am Ort des Geschehens angelangt birgt der Fund eines überdimensionalen Zahns den Startschuss für ein sich sehr schnell aufbauendes Abeteuergeschehen.

Süße Nebenfigur: Kann man einem Fisch Kunststücke beibringen? Oder ihn abrichten? ANT, so der Name des Jüngsten der Familie NEKTON, will seinen Fisch JEFFREY das Apportieren lehren. Eingentlich eine sinnvolle Idee, aber ob sie umsetzbar ist bzw. sein wird, soll hier nicht verraten werden. FONTAINE, ANTS ältere Schwester, hält jedenfalls gar nichts von der Idee. Dabei ist sie von Comic-Künstler JAMES BROUWER sehr putzig und sehr amüsant umgesetzt. Ohne allzu sehr an der Mimik des Fisches zu feilen und damit nach DISNEY auszusehen, entlocken JAMES BROUWER und TOM TAYLOR dieser Figur dennoch einen kleinen Charakter.

Gigantisch: Darunter geht es bei den NEKTONS nicht. Jedes der beiden Abenteuer hat sich im Kern ein sehr großes Thema ausgesucht. Grafisch wird von JAMES BROUWER in einer grafisch butterweichen Optik umgesetzt. Hier wird schon die spätere Umsetzung des Trickserien-Events vorweg genommen. Aber ich muss sagen, dass mir die Originaloptik hier noch um Längen besser gefällt, als die spätere mittlerweile typisch gewordene Computeranimationsgrafik. Hier sind die Figuren noch von Hand gemacht und werden von JAMES BROUWER in ein Tiefseeambiente geschickt, das in seinen besten Momenten nicht nur an Klassiker wie ABYSS erinnert und ebensolche Atmosphäre besitzt, wenn es dunkel, klaustrophobisch wird.

Gleichzeitig wird jener schöne klassische Abenteuerzauber eingefangen, wie es JULES VERNE mit 20000 MEILEN UNTER DEM MEER oder REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE vorgemacht hat. Das ist teils ein wenig INDIANA JONES unter Wasser, wenn die Ansichten geheimnisvoller oder auch exotischer werden. JAMES BROUWER setzt gerade die unter Wasser wichtigen Lichteffekte schön ein und reizt die Computerkolorierung zu diesem Zweck perfekt aus.

TOM TAYLOR und JAMES BROUWER haben hier ein feines, spannendes Abenteuer für die ganze Familie auf Comic-Seiten gebannt. Dies hätte ebenso gut die Vorlage zu einem Kinofilm sein können, nicht nur einer Fernsehserie, denn die Optik ist kinotauglich, die Grafik schmeichelt dem Auge und die von JAMES BROUWER gestalteten Figuren sind Sympathiegaranten. Diese hier zusammengefasste Serie aus AUSTRALIEN sei allen Abenteuerfans, die auf der Suche nach kindgerechten Stoffen sind, ans Herz gelegt. 🙂

DIE NEKTONS, ABENTEURER DER TIEFE: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Dani Books.

Donnerstag, 07. März 2019

I.R.$ 18 – KATE’S HELL

Filed under: Thriller — Michael um 11:31

I.R.$ 18 - KATE'S HELLWer ist die Frau, die LARRY MAX belästigt? In welchem Verhältnis stehen all die verschiedenen Frauennamen zueinander, die LARRY MAX bei seinen Recherchen ausgräbt? Was wurde aus diesen Frauen? Wichtiger noch: Wie sah das Schicksal seiner Eltern tatsächlich aus? Was geschah am Tag des Flugzeugabsturzes? LARRY MAX geht unaufhaltsam auf die Lösung eines Geheimnisses zu, mit dem Kopf durch die Wand, doch was ihn am Ende erwartet, darauf ist selbst er nicht gefasst.

LARRY MAX hat es nicht leicht gehabt in seinem Leben, noch ist er je bereit gewesen, den leichten Weg zu nehmen. Die Eltern kamen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Immerhin hat er seine Schwester, die ihm noch Famlie ist und zur Seite steht. STEPHEN DESBERG führt hier den Zweiteiler UNDERCOVER fort. Begonnen hat alles mit Band 17, LARRY’S PARADISE, nun lichten sich die Geheimnisse. Es könnte kaum schlechter für LARRY MAX kommen. Denn sein über viele Jahre aufgebautes Weltbild, die eigene Geschichte wird ziemlich auf den Kopf gestellt.

STEPHEN DESBERG überrascht den Leser nicht nur mit einer sehr dicht erzählten Handlung, er hat auch einige Wendungen parat, die den weltbesten Steuerfahnder so stark in den Mittelpunkt der Geschichte rücken wie lange nicht. Während eine geheimnisvolle Organisation Jagd auf Menschen macht, die sich der Korruption im globalen Stil schuldig gemacht und Milliarden in dunklen Kanälen beiseite geschafft haben, wird LARRY MAX mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Man gewinnt zeitweilig den Eindruck, STEPHEN DESBERG wolle seinen Helden hier demontieren oder zumindest vor einen vollkommenen Neuanfang stellen. Das ist, gemessen an der Langlebigkeit der Serie, eine Technik von STEPHEN DESBERG, die eine Figur wie LARRY MAX gar nicht erst Staub ansetzen lässt.

BERNARD VRANCKEN steht weiterhin für das an die Realität angelehnte Design. Wer die Thrillerserien im Medium Comic in den letzten Jahren (Jahrzehnten eigentlich) verfolgt hat, kann hier sogleich einsteigen (bei einem Zweiteiler, die Kenntnis des jeweils ersten Bandes vorausgesetzt). Gleichzeitig gibt es eine Film-Noir-Stimmung (man beachte das Frauenportrait im Hintergrund des Titelbildes, ein gelungener Hinweis auf dieses Genre), die durch kleine Rückblicke, Erinnerungen befeuert wird und sich farblich in einer graubraunen Tönung absetzen.

Der ernste LARRY MAX: Man sieht es gleich auf dem Titelbild, LARRY MAX ist ein gut aussehender Typ, von der knallharten Sorte und die lachen bekanntlich nicht. Fast nicht. Ein einziges Mal entgleisen LARRY MAX‘ Gesichtszüge. In einem Gespräch mit seiner Schwester kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Viel öfter sieht man nachdenklich, verärgert, kalt, allenfalls freundlich aufgeschlossen, doch kaum mehr wird der Titelfigur von BERNARD VRANCKEN und STEPHEN DESBERG nicht zugestanden. Sogar optisch wird hier deutlich, dass der Leser keine Spassnummer erwarten darf.

STEPHEN DESBERG erzählt einen geradlinigen Thriller mit einem Helden, der in die 18. Runde geht. LARRY MAX hat immer noch seine Geheimnisse und gegen Ende erfährt sein Leben eine Neuausrichtung. Die Serie bleibt und gleichermaßen sich treu. Für Fans und Thriller-Freunde uneingeschränkt zu empfehlen (Band 17, der erste Teil der Doppelfolge, sollte allerdings bekannt sein). 🙂

I.R.$ 18, KATE’S HELL: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Finix Comics.

Mittwoch, 06. März 2019

MONDO REVERSO 1 – CORNELIA & LINDBERGH

Filed under: Abenteuer — Michael um 12:03

MONDO REVERSO 1 - CORNELIA & LINDBERGHDie Sheriffa wollte die Halunkin CORNELIA aus der Stadt heraushaben. Stattdessen wird sie zum Opfer einer Indianerüberfalls. Ein Skalp geht verloren, Männer werden geraubt, CORNELIA kann vorerst entkommen. Aus den Schwierigkeiten ist sie noch lange nicht heraus. Denn wer ein großes Kopfgeld wert ist, sollte Städte meiden. Ein Besuch eines Bordells bringt zeitweilige Freude, endet für CORNELIA aber leider in einer ungeplanten Flucht …

Verdrehte Welt. Die Frauen sind das starke Geschlecht. Die Männer sind das schwache Geschlecht. Jedenfalls nach den Massstäben jener Tage, als der Wilde Westen noch von harten Kerlen erobert wurde, Revolverhelden, Trappern und toughen Siedlern. ARNAUD LE GOUËFFLEC kippt diese Historie. Hier tragen Frauen die Knarren und Männer hübschen sich mit Kleider auf. Männer geraten in Weinkrämpfe angesichts von Indianerüberfällen (Obwohl das sicherlich einige auch damals getan haben; wer kann es ihnen verdenken?). Frauen besuchen männliche Huren. Und es gibt den Trend, dass Frauen sich mitunter als Männer verkleiden, einen Schnurrbart aufmalen und diesen Zustand genießen. Schlussendlich warten noch die Gefühle auf ihren Einsatz, denn ganz gleich welches Geschlecht hier vorneweg marschiert, die Liebe präsentiert eine eigene Rechnung.

In mehreren Kapiteln, ein typischer Serienaufbau des 21. Jahrhunderts, glänzend neu eingebauten MONDO-REVERSO-Schriftzügen (ich liebe diese Spielerei), entsteht für die Figuren in dieser Geschlechterfarce ein recht besonderes Problem. Das ist der Wilde Westen, da gab es Indianer und diese hier leben in derselben archaischen Geschlechterhierarchie wie die Weißen. Aber sie haben ein Mittel gefunden, um die Welt der Weißen gehörig auf den Kopf zu stellen.

ARNAUD LE GOUËFFLEC erzählt nicht nur eine vollkommen verrückte Geschichte (Hätte sich die MONTY PYTHONS noch eine Spur mehr getraut, hätte so etwas dabei herauskommen können.). Er triezt seinen Heldinnen und Helden zudem mit einer unfreiwilligen Geschlechterumwandlung. Da wird es schon mal derb, vulgär, eine Spur MAD. Es scheint, als würde die Geschichte, nachdem sie ARNAUD LE GOUËFFLEC erst einmal ins Rollen gebracht hat, einfach ganz alleine voranlaufen. Denn die beiden Verfolgten, CORNELIA und LINDBERGH, benötigen nur eine Verfolgerin, die Pastorin und Kopfgeldjägerin EMITT HATCHET. Die ist nicht nur sehr gläubig, nie zu Scherzen aufgelegt, sie hasst auch den Rollentausch der Geschlechter, wie sie gleich bei einem Besuch des Saloons DRAG KINGS deutlich macht.

DOMINIQUE BERTAIL verleiht seinen Grafiken mittels Brauntönung einen altmodischen Look, wie von Fotografien jener original historischen Tage her bekannt. Das verleiht den Bilder einen grundsätzlichen Charme, mildert aber kaum die Bissigkeit, das Rotzfreche und die absolut nicht vorhandene politische Korrektheit. Letztlich macht das nichts, denn hier wird nach buchstäblich allen Seiten hin ausgeteilt. Die Figuren bewegen sich auf dem optischen Grad zwischen Realismus und Karikatur. CORNELIA und LINDBERGH mögen die HeldenInnen dieses Bandes sein, der optische Schwerpunkt und augenscheinlich das, was beim Zeichnen den meisten Spaß gemacht hat, sind die Halunkinnen wie EMITT HACHET oder MUMU.

Stilvolle und sehr atmosphärische Hintergründe geben der Geschichte einen schönen Theatereffekt und unterstreichen den Charakter einer bitterbösen Komödie. Im besten Fall gelingt das im Schlupfwinkel von MUMUS Bande, die sich in einer ehemaligen Kirche verschanzt hat. Vom Altar fressen die Schweine, der Beichtstuhl ist verfallen, der Christusfigur am Kreuz wurde ein knochiger Rinderschädel über den Kopf gestülpt. Darüber hinaus lassen die vorzüglich gestalteten Landschaften nichts von den Gegenden vermissen, in denen sich nicht auch alle berühmten Wild-West-Größen wie JOHN WAYNE, JAMES STEWART oder RANDOLPH SCOTT (schöne Karikaturen im Anhang) herumgetrieben haben.

Wer bitterbösen schwarzen Humor mag, der nach allen Seiten hin austeilt, es mag, wenn Klischees völlig durch den Kakao gezogen werden, dem ein paar Anzüglichkeiten nicht peinlich sind und erleben will, wie der bekannte Western gründlich auf den Kopf gestellt wird, ist hier goldrichtig. Mit spitzer Zunge erzählt, klasse illustriert! 🙂

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Sonntag, 17. Februar 2019

DAS DING UND DIE FACKEL 1 – FANTASTISCHES DUO

Filed under: Superhelden — Michael um 20:22

DAS DING UND DIE FACKEL 1 – FANTASTISCHES DUOHERCULES ist als Krieger recht verlässlich, als Freund und Saufkumpan ebenfalls, nur ein Geheimnis ist wahrschlich nicht so gut aufgehoben. Aber, er ist eben auch in erster Linie Freund, weshalb er das Geheimnis um einen besonders begabten Arzt lüftet und seine Kumpels BEN GRIMM und JOHNNY STORM zu dieser sehr speziellen Klinik bringt. Weitab von der restlichen Zivilisation versteckt, führt RACHNA KOUL eine Praxis, in der jeder, der es sich leisten kann, Heilung findet. Jeder und so entdeckt JOHNNY STORM, die MENSCHLICHE FACKEL, bei der Ankunft gleich einen alten Bekannten: HYDRO-MAN

Die FANTASTISCHEN VIER gibt es nicht mehr. Die, wie sie zuletzt auch vermehrt hierzulande genannt wurden, FANTASTIC FOUR, haben ihr Comic-Leben hinter sich. Neue Geschichten gibt es nicht mehr. In gewisser Weise hat auch die letzte, recht lieblose Verfilmung mitgeholfen, einem Urgestein der Comic-Unterhaltung den Todesstoß zu versetzen. Ich persönlich finde das äußerst schade, da es sich bei der ehemaligen MARVEL-FIRST-FAMILY um eine der Figurenkonstellationen im Comic-Bereich mit dem wohl größten Potential handelt.

Nun wird ein kleiner neuer Vorstoß gewagt: Wenigstens das DING (BEN GRIMM) und die FACKEL (JOHNNY STORM) kehren auf die Comic-Seiten zurück. Das liebenswerte (wie auch nach dem Unfall bedauernswerte) DING wurde von jeher mit großer Herzensgüte ausgestattet und lange hegte es den verständlichen Wunsch, wieder einmal so auszusehen, bevor es jene Reise ins Weltall und die damit einhergehende Verwandlung in den Steinklotz auf zwei Beinen gab. Dieser Wunsch exisitiert längst nicht mehr. JOHNNY STRORM hingegen, der kleine Bruder von SUSAN STORM (die UNSICHTBARE), wurde es zuteil, die MENSCHLICHE FACKEL zu werden. Von jeher ein Heißblut, eher von Leidenschaften als von der Ratio angetrieben, fiel ihm so ziemlich die Rolle zu, die ihm scheinbar von jeher bestimmt war.

Und nun das: Mit dem Verschwinden des Ehepaares MR FANTASTIC und SUE STORM schwinden die Kräfte der beiden Zurückgelassenen. Aber, vielleicht gibt es eine Heilungschance? Oder ist alles nur eine große Hoffnungsblase? Änderungen sind im MARVEL-Universum inzwischen an der Tagesordnung. Auch in dieser sehr großen Comic-Welt reiht sich Event an Event, befeuert gleichzeitig die Kinoleinwände und Pantoffelkinos. So gibt es hier (wie bei DC) Parallelwelten. Außerdem hat sich diese Welt, in der sich BEN GRIMM und JOHNNY STORM herumtreiben, einigen elementaren Veränderungen stellen müssen.

Ziemlich zentral aufgestellt ist die Wandlung von DR. DOOM in einen eher gemäßigten Zeitgenossen. Dieser, der sich nun als eine Art IRON MAN mit Umhang und Kapuze präsentiert, begegnet den restlichen FANTASTIC 4 mit Milde und Mitleid. Autor CHIP ZDARSKY mag geahnt haben, dass er den Bogen diesbezüglich nicht allzu weit überziehen darf. Dafür gibt es dann das (ein) Paralleluniversum, in dem es einen gänzlich anderen, aber immerhin in alter Form gewalttätigen und übergeschnappten DR. DOOM gibt. Was sich CHIP ZDARSKY hier ausgedacht hat, lässt alte Zeiten sehr ungewöhnlich neu aufleben.

Grafisch ist die vorliegende Ausgabe top! JIM CHEUNG und VALERIO SCHITI rangieren technisch auf dem Niveau eines TERRY DODSON, eines JIM LEE, eines STUART IMMONEN oder auch dem des verstorbenen MIKE WIERINGO. Kurz: Was die Fans hier geboten bekommen, ist feinste Comic-Kunst. So, wie es auf dem Titelbild angekündigt wird, geht es auf den Innenseiten weiter. Das ist in der ersten Hälfte noch recht irdisch und auf eine direkte Fortsetzung angelegt, während die zweite Hälfte eine alternative Realität auslotet (ähnlich wie FANTASTIC 4 – DAS ENDE von ALAN DAVIS), in der es so richtig kracht und weitere Gaststars ihr Stelldichein geben.

Viel Nostalgie gibt es hier zu entdecken, aber gleichermaßen kluge Ansätze für neue Wege, die von den FANTASTIC 2 beschritten werden können. Autor CHIP ZDARSKY offenbart hier bereits den Ideenreichtum, den es dazu braucht. Fein angelegt sind Rückblicke mit verschiedenen Zeichenstilen, auch gruselig anmutende Szenen, die ebenso in eine Horrorstoy münden könnten. Besondere Erwähnung neben den beiden Zeichnern JIM CHEUNG und VALERIO SCHITI verdient Kolorist FRANK MARTIN, der in DAS DING UND DIE FACKEL von Anfang bis Ende ein farbliches Feuerwerk erster Güte abbrennt. So darf das FANATASTISCHE DUO weitermachen! 🙂

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Montag, 04. Februar 2019

HELLBOY UND DIE B.U.A.P. 1954

Filed under: Horror — Michael um 21:18

HELLBOY UND DIE B.U.A.P. 19541954. HELLBOY bereichert noch die B.U.A.P., die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, mit seinen Fähigkeiten. Der Zweite Weltkrieg liegt ein paar Jahre zurück, dennoch haben haben noch nicht alle offiziellen Verlierer aufgegeben. Man könnte sogar behaupten, dass nicht alle Verlierer in der Abgeschiedenheit ihrer Verstecke überhaupt bemerkt haben, dass sie Verlierer sind. So gerät HELLBOY einmal mehr in die Fänge einer Wehrmacht, die sich mit ungewöhnlichen Techniken und paranormalen Möglichkeiten beschäftigt. Leider kommt der Abkömmling aus der HÖLLE zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt und wird ausgerechnet zum Schlüssel einer merkwürdigen Forschung.

Nach mehreren großen Abenteuern, die global zu nennen sind, auch solchen Ereignissen, die HELLBOY zum Kern seiner Existenz führten, bringt HELLBOY-Erfinder MIKE MIGNOLA und ein Team von Zeichnern eine sehr unterschiedliche Abfolge von Geschichten. Sie beleuchten Geschehnisse, die furchtbare Konsequenzen im Großen haben können, oder mysteriöse Begebenheiten, die Familienkreise durcheinander wirbeln.

HELLBOYS erste Auseinandersetzung, mit der auch das Titelbild des vorliegenden 17. Bandes der Reihe aufmacht, orientiert sich an den guten alten Zeiten der Figur. MIKE MIGNOLA spielte gerne mit dem Mystizismus des Dritten Reiches herum; hier fühlt man sich als Leser in Varianten der letzten Jahre versetzt, Stichwort: IRON SKY. Wer genau hinschaut, wird die aus dem Schnee ragende, etwas altmodisch anmutende UNTERTASSE entdecken. Nach anfänglichen Verweisen auf einen anderen Klassiker, THE THING, werden MIKE MIGNOLA und Erzählerkollege CHRIS ROBERSON selbst nostalgisch und schreiben für Zeichner STEPHEN GREEN eine Steilvorlage. DÜSTER und im weiteren Verlauf mit ordentlichem BUMMS.

Beeindruckend ist DAS VERNUNFTLOSE TIER, eine Geschichte, die sich im engen familiären Umfeld abspielt und eine regelrechte Tragödie herausarbeitet. Ein GEISTERAFFE steht im Zentrum der Ereignisse. Und mehr soll darüber auch nicht verraten werden. Grafisch schafft Zeichner PATRIC REYNOLDS ein wunderbares 50er-Jahre-Gefühl. In seinen Figuren spiegelt sich viel Gefühl, eine innerliche Zerrissenheit wird zu Markte getragen und seine Geisterattacke, von DAVE STUART koloriert (wie auch der ganze Band), ist kurios und spannend gleichermaßen.

Die Mischung macht’s: Nicht nur recht unterschiedliche Zeichner mit einigermaßen familiär orientierten Stilen machen den vorliegenden Band aus. Es ist eine tolle Mischung der Geschichten, die einerseits in die allseits beliebte Feindschaft HELLBOYS gegen den Okkultismus des Dritten Reiches entführt, die beschriebene Familietragödie, sondern eben auch ins ferne HONGKONG, das mit einer gänzlich anderen Mythologie aufwartet. In GEISTERMOND arbeitet Zeichner BRIAN CHURILLA mit einem peppigen Strich, immer noch in der Nähe des Originals, aber mit einer deutlichen Tendenz zu HELLBOYS Animationsausflügen. Es ist toll, wie eine Figur wie HELLBOY zwischen unterschiedlichen Höllenwelten hin und her springt. MIKE MIGNOLA und CHRIS ROBERSON (Autor von iZOMBIE) kreieren hier für den Leser ein abwechslungsreiches, fühlbar exotisch fremdes Szenario, frisch und unverbraucht.

Zum guten Schluss, in einer ganz kleinen Episode, gibt sich Zeichnerlegende RICHARD CORBEN die Ehre. Düster erzählt, in zu einer weiteren Wurzelstrecke von HELLBOY, wenn die Auseinandersetzung mit dunklen Mächten auch zum Kampf mit den ureigenen inneren Dämonen wird. Kurz, prägnant, zum Kern der Figur, sogar ein Stück zur ursprünglichen, heute fast nostalgisch anmutenden Konzeption von MIKE MIGNOLA (in die früher häufiger entführt wurde).

HELLBOY ist nicht umsonst zu einem der Massstäbe für Mystery und Horror innerhalb des Comic-Mediums geworben. Mit einer breit gestreuten Themenvielfalt quer über die globalen Mythologien hat MIKE MIGNOLA die Figur genial über die Jahre am Leben erhalten und oft sogar neu erfunden. Wie teilweise in diesem Band. Klasse! 🙂

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