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Comic Blog


Mittwoch, 14. Februar 2018

MOSES ROSE 1 – Die Ballade von Alamo

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:00

MOSES ROSE 1 - Die Ballade von AlamoDas improvisierte Fort ALAMO ist unter dem Ansturm der Mexikaner unter GENERAL SANTA ANNA gefallen. Die Leichen der Verteidiger wie auch der Angreifer teilen sich einen verwüsteten Boden, brennende Trümmer und bieten sich gleichermaßen den Krähen zum Fraß an. Ein einzelner Überlebender, einer, der für die Freiheit von Texas kämpfte, hat sich in Sicherheit gebracht und betrachtet die Ruinen aus der Ferne. Demütig den Hut gezogen und Tränen vergießen, mehr kann er nicht tun …

ALAMO war lange ein amerikanisches Trauma und wurde natürlich in Kinowestern verarbeitet. Nicht zuletzt geschah das in ALAMO von und mit JOHN WAYNE, aber, auch näher an der Hauptfigur dieser Geschichte, in DER MANN VON ALAMO mit GLENN FORD (der hier den einzigen Überlebenden der Schlacht spielt). Mit MOSES ROSE verhält es sich ganz genauso. In DIE BALLADE VON ALAMO, wie der erste Teil der Westernreihe MOSES ROSE heißt, will die Öffentlichkeit selbst 16 Jahre nach dem Fall des Forts dem einzigen Überlebenden und wahrscheinlichen Deserteur LOUIS MOSES ROSE nicht verzeihen und ihn lieber sofort vor ein Kriegsgericht wegen dieses Vergehens stellen. Immer noch möchte MOSES ROSE seine Unschuld beweisen. Aber … eine Möglichkeit gäbe es dazu. Aber diese ist lebensgefährlich.

Mit PATRICE ORDAS und PATRICK COTHIAS haben sich ein Experte für historische Szenarien und Romanautor gleichermaßen und ein erfolgreicher Comic-Autor zusammengetan. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Mann, der sich mit Kriegen auskennt, der unter NAPOLEON in der Schweren Kavallerie diente und das Drama und die Tragödie von ALAMO miterleben musste. Sein Überleben wurde ihm Jahre später immer noch nicht verziehen. Der mexikanische GENERAL SANTA ANNA hatte zuvor jeden männlichen Gefangenen hinrichten lassen. Nun aber soll der Weg zurück zum Ort der Tragödie führen. In den vergangenen 16 Jahren jedoch hat der WILDE WESTEN nichts von seiner Wildheit verloren.

Es ist interessant und gut, dass PATRICE ORDAS UND PATRICK COTHIAS einmal eine völlig andere Seite dieses WILDEN WESTENS aufschlagen. In den Bayous treffen die Abenteurer auf die CADIENS, Abkömmlinge von Indianern, Schwarzen, weißen Spaniern und Franzosen, die ihr Auskommen als Flusspiraten fristen. Dieser Abschnitt innerhalb der Geschichte ist ein erneutes Abtauchen in eine noch viel andere Welt, martialisch, barbarischer noch, als es der WILDE WESTEN selber war.

Anderes wird dem Leser bekannt vorkommen, nur vielleicht nicht aus dieser Epoche. Der nordamerikanische Kontinent war und ist Einwanderungsland, im 19. Jahrhundert eine Art gelobtes Land. Neben den Hoffnungsvollen kamen auch die Ganoven und so ist auch ein Vorläufer der sizilianischen Mafia nicht weit. Neben klassischen Westernelementen fügen die Autoren Passagen ein, die ein weiteres Licht auf diese frühen Einwanderer werfen, andererseits die Gräueltaten an den Ureinwohnern einmal mehr thematisieren.

Zeichnerin CHRISTELLE GALLAND gibt dieser Welt in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein sehr urwüchsiges Gesicht. In dieser Welt offensichtlich noch auf Waffen und Schifffahrt beschränkt. Der Sheriff, der an der Seite von MOSES ROSE agiert, hantiert noch mit einem Bündelrevolver, während Attentäter schon moderner bewaffnet auftreten. Die berühmten Mississipidampfer gibt es bereits, qualmend und wassertretend. Sehr schön sind die Sequenzen, die den Leser an das Leben (und Überleben) der indianischen Ureinwohner heranführen, einer Kultur, die deutlich höher stehender ist, als jene der räuberisch lebenden CADIENS.

Die Striche und die Tuscheführung von CHRISTELLE GALLAND sind außerdentlich fein, sehr auf Accessoires bedacht, wenn es zum Beispiel daran geht, die gemischten Kleidungsstücke aus Alltagsbekleidung und ehemaligen Militäruniformen zu zeigen und so das Szenario in vielen Details zu beleben. So darf sich der Leser auch auf eine tolle Reise durch eine wilde, reich inszenierte Landschaft freuen. Aus einer typischen Westerstadt, einer nachgeahmten Zivilisation, den Fluss hinunter, durch das weit verzweigte Bayou-Netz, über das Meer, immer Richtung Texas.

Sehr schöner Westernauftakt, einmal aus einer etwas früheren Zeitspanne, noch vor der Hochzeit der Cowboys, Viehtrecks und der sattsam bekannten Outlaws. MOSES ROSE schlägt dennoch ein finsteres Kapitel amerikanischer Geschichte auf, spannend, nicht zimperlich, schön illustriert. Für Western-Fans uneingeschränkt empfehlenswert. 🙂

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Samstag, 10. Februar 2018

MANIFEST DESTINY 5 – Mnemophobia & Chronophobia

Filed under: Horror — Michael um 17:53

MANIFEST DESTINY 11 – Mnemophobia & ChronophobiaBei den Weißen ist man bei der Schwangerschaft einer Frau, gerade in der Endphase, um Entlastung der jeweiligen Person bemüht. Für MAGDALENE BONIFACE steht es außer Frage, dass sie sich um die junge Indianerin SACAGAWEA kümmern muss. Aber SACAGAWEA will sich nichts befehlen lassen, obwohl es ihr erstes Kind ist und sie keinerlei Erfahrung damit hat. Solange sie sich stark fühlt, will sie nicht vom Jagen lassen. Immerhin ist die Umgegend einigermaßen friedlich zu nennen. Bis auf diesen merkwürdigen Nebel gibt es dort kaum etwas, das der Erwähnung wert wäre …

Nordamerika und seine langwierige und schwierige Entdeckung vom Atlantik bis zum Pazifik. Als das Land noch echte Hindernisse bildete, eine Wildnis war, wo jeder Weg erkämpft werden musste und innerhalb einer Tagesreise keine wirkliche Entfernung zurückgelegt werden konnte, war beinahe jeder Tag ein Abenteuer. Die beiden vom Präsidenten beauftragten Männer, MERIWETHER LEWIS und WILLIAM CLARK, können nach allerhand Strapazen, einer Menge Begegnungen mit echten Monstern endlich einmal aufatmen. Ginge es denn nach ihnen und nicht nach Autor CHRIS DINGESS.

Mit dem Nebel kehrt die Angst zurück und all die bisher erlebten Monstren erleben eine unvorhersehbare Auferstehung. Aber mehr noch: Der Leser lernt mehr über die Indianerin SACAGAWEA und ihre Vergangenheit. Wie wurde die junge Frau zu dieser unerbittlichen Persönlichkeit, der jede Bevormundung und jedes Hilfsangebot ein Gräuel ist? MORGENFUCHS war der Lehrmeister der kleinen SACAGAWEA. Offensichtlich bereitete er sie gut auf die Gefahren in der Wildnis vor. Aber ein kleiner Rest Angst, ein Spur schlechten Gewissens bereitete SACAGAWEA immer noch Seelenqualen.

Diese Hintergrundgeschichte ist so fein geschildert, dass sie für ein Spin-off hätte herhalten können. Das Grafik-Team, MATTHEW ROBERTS (Zeichnungen), TONY AKINS (Tusche) und OWEN GIENI (Farben) empfiehlt sich hier weiterhin für ein reines Indianerabenteuer. Optisch brauchen sie sich nicht hinter Genre-Künstlern wie PATRICK PRUGNE zu verstecken.

MANIFEST DESTINY hat seit Beginn der Serie (das macht zu einem Teil den Reiz aus) mit neuen, ungewöhnlichen, sehr fantasievollen Monströsitäten aufgewartet. Mythologische Einflüsse, auch aus der Antike, sind teils unübersehbar. Basierend auf einem Kernelement, dem GATEWAY ARCH (oder auch St. Louis Bogen), hat sich ein irrer Monsterkosmos ausgebreitet, ganz eigen konzipiert, phänomenal illustriert, enorm gruselig (allenfalls ungefähr vergleichbar mit den Ungetümen in SILBERMOND ÜBER PROVIDENCE). Um es in Worte zu fassen: Fauna und Flora verbinden sich zu einer gemeinsamen Gegnerschaft; die Natur greift den Menschen auf nur jede erdenkliche Weise an und findet sogar Mittel und Wege, diesen in ihrem Sinne zu transformieren.

Das pralle Füllhorn bisheriger Ungeheuer, bereit an jeder Ecke innerhalb des paranoiden Szenarios der fünften Episode, MNEMOPHOBIA & CHRONOPHOBIA, über die menschlichen Eindringlinge hereinzubrechen, schafft hier zusammen mit SACAGAWEAS Erinnerungen einen sehr dichten Plot. Ungefähr so, als würden sich H.P LOVECRAFT und JOHN CARPENTER zu einer gemeinsamen Geschichte verabredet haben.

Wer wirklich einmal einen völlig neuen und unverbrauchten Horror innerhalb des Mediums Comics erleben möchte, sollte sich an MANIFEST DESTINY heranwagen. Nur bitte zuerst in die erste Folge einsteigen, denn die Serie folgt dem seit längerem verbreiteten Prinzip des roten Fadens. Ein später Einstieg bringt hier nichts mehr. Wer allerdings von Anfang an dabei ist, wird mit dieser fünften Episode bestens bedient! 🙂

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Freitag, 09. Februar 2018

Planet Wissen – Über 100 Jahre Comics

Filed under: Meldungen — Michael um 11:38

Planet Wissen - Über 100 Jahre ComicsDie Sendereihe PLANET WISSEN hat sich in einer ihrer Folgen mit dem Thema COMICS beschäftigt. Medial stärker präsent als jemals zuvor (auch dank einer regelrechten Flut von Kinofilmen und Pantoffelkinoserien), findet sich auf der PLANET-WISSEN-Seite eine Menge interessantes Material für Neueinsteiger ins Medium. Aber auch jahrelange Comic-Fans können noch fündig werden. Zu Wort kommen außerdem der Literaturkritiker DENIS SCHECK (der auch mal Comics in seiner Sendung empfiehlt) wie auch der deutsch Comic-Künstler REINHARD KLEIST, der sich hierzulande mit seinen Comic-Biografien einen Namen gemacht hat. Zur Seite: PLANET WISSEN: COMICS. 🙂

Montag, 05. Februar 2018

GOLDEN CITY 11 – Die Flüchtigen

Filed under: SciFi — Michael um 18:51

GOLDEN CITY 11 - Die FlüchtigenDie Unruhen herrschen weltweit. Ob in New York, Moskau oder in den Wüstengebieten Afrikas, überall stehen die Menschen mit Gewalt gegen Politiker und Reiche auf. Viele haben nichts mehr zu verlieren. Die Bewohner der neuen GOLDEN CITY interessieren diese aus Verzweiflung geführten Aufstände, in denen es um das pure Überleben geht, nicht. Fernab zieht das neue Reichenmekka seine Bahn durch das All. Dort Zugang zu finden ist nicht einfach, aber einer hat es dennoch geschafft. JOHN CARTER, angeblich Journalist, hat Informationen über den vermissten HARRSION BANKS und will diese teuer verkaufen …

Ab in Weltraum, zurück auf der Erde hinunter in die Tiefsee! GOLDEN CITY 11, Untertitel DIE FLÜCHTIGEN, geizt nicht mit reizvollen und äußerst gegensätzlichen Handlungsorten. Bei der Hatz steht eine ungewöhnliche Rettungsaktion im Vordergrund. Wer die Science-Fiction-Serie verfolgt hat, wird natürlich auch mit der Wohngemeinschaft mitgefiebert haben, die die Hauptfigur HARRISON BANKS zeitweise tatkräftig unterstützt hat. MIFA, eine junge Frau aus dieser kleinen Familie, wurde auf GOLDEN CITY verschleppt. Wie Autor DANIEL PECQUEUR den Bogen einmal quer über diese riesige, zurückgelegte Entfernung spannt, ist erstklassiges Thrillermaterial.

Es ist auch in der 11. Folge toll, wie eben dieser Spagat zwischen spannendem Thriller, zukünftiger Weltenbeschreibung und Einbindung ebensolcher Technologien gelingt. Hier wird nicht auf verschiedene Elemente gepocht, sondern sie werden mit einer Beiläufigkeit und Selbstverständlichkeit eingebaut, teils auf der Basis des heute Machbaren, dass zu keinem Zeitpunkt Fragen aufkommen, oder das etwas in Frage gestellt wird. Die weiterhin fantastische Gestaltung von Zeichner NICOLAS MALFIN und die überaus plastische Kolorierung von PIERRE SCHELLE tun ihr Übriges, um diese hier abgebildete Zukunftsvision verdammt realistisch erscheinen zu lassen.

Ein Wort zu HARRISON BANKS: Ein Superreicher stellt sich gegen seine eigene Klasse. Dieses Motiv zieht sich durch einen großen Teil der Serie. Daraus entsteht gleichermaßen der Sympathiefaktor. Jugendlich, bereit jegliche Entbehrungen für seine Freunde auf sich zu nehmen, verletztlich, physisch wie psychisch, sportlich zieht er den Leser mit, ohne durch den Illustrationsstil NICOLAS MALFINS an ein bekanntes Gesicht erinnert zu werden (wie es bei anderen Zeichnern durchaus vorkommt). Mit der kleinen WOHNGEMEINSCHAFT werden weitere Leser positiv eingefangen. Denn diese Gruppe junger Leute hat es nicht in die Enge der Städte verschlagen. Vielmehr haben sie sich abseits an der Meeresküste angesiedelt, wo das Leben zwar einsam, mitunter hart ist, aber die Welt und die See noch Schönheit abseits einer großen Armut und Überbevölkerung vermittelt.

Der Mond, für dreißig Jahre von der Völkergemeinschaft gepachtet (da der Mond niemandem gehört): HELIUM-3, ein Rohstoff, von den Sonnenwinden zur Mondoberfläche geweht, soll hier für saubere und sichere Energie auf der Erde ausgebeutet werden. Dieses Projekt wird von NICOLAS MALFIN mit der gleichen technischen Eleganz und Finesse dargestellt, wie es der SciFi-Fan von anderen Zeichnern wie ROGER LELOUP oder MOEBIUS her kennt und mag.

Eine Science-Fiction-Saga mit Suchtpotential, starken Charakteren, die wachsen und von Autor DANIEL PECQUEUR vor ständig neue Herausforderungen gestellt werden. SciFi auf der Basis einer Technik von heute, begreifbar, gleichzeitig ein Thriller, der mit dem Leser Achterbahn fährt. Eine Serie ohne Müdigkeitserscheinungen! Erste Sahne! 🙂

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Montag, 29. Januar 2018

BALTIMORE 2

Filed under: Horror — Michael um 19:44

BALTIMORE 2Die schiere Not auf dem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs ließ den verwundeten Soldaten zu einer Verzweiflungstat greifen. Aus dem Dunkel kamen die Vampire zu den Toten und Sterbenden, um sich an ihrem Blut zu laben. Doch BALTIMORE, ein Lord sogar, dachte nicht daran, als Futter diese Welt zu verlassen. Er wehrte sich in einem letzten Aufbäumen, so nahm er zu diesem Zeitpunkt an. BALTIMORE verletzte einen der Vampire schwer. Gleichzeitig überlebte der Soldat. Nur um mitzuerleben, wie dieses von ihm getroffene finstere Geschöpf Rache schwor, Pest, Vampire und Dämonen die Welt in ein dunkleres Zeitalter stürzten, als es ohnehin schon war.

Zu Beginn allein auf der Jagd hat BALTIMORE nach weiteren Schicksalsschlägen noch andere Jäger um sich geschart. Etappenziele wurden erreicht, aber das Böse ist noch lange nicht ausgerottet. Die Welt, so scheint es, hat sich in einziges transylvanisches Fegefeuer verwandelt. Russland, Italien, Türkei, die afrikanische Mittelmeerküste, zig Orte und keiner ist verschont geblieben. In dieser Hatz ist es dank der Kolorierungskünste von DAVE STEWART, einem künstlerischen Veteran in den Welten von MIKE MIGNOLA, stets düster, höllisch rotes Licht pulsiert, Himmelsleuchten verklärt die Nacht, Unwetter ängstigen die Akteure und schaffen eine durchweg apokalyptische Stimmung. (Und natürlich darf die Koloristin MICHELLE MADSEN in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen werden.)

Grafisch orientieren sich die beiden Comic-Zeichner PETER BERGTING und BEN STENBECK natürlich am Ursprungskünstler MIKE MIGNOLA und seiner wunderbaren Art der Reduzierung. MIKE MIGNOLA arbeitete nicht gleich zu Beginn seiner Karriere so, wie Arbeiten wie FAFHRD UND DER GRAUE MAUSLING oder UNENDLICHE ODYSSEE zeigen. Erst mit HELLBOY führte er den ganz eigenen Stil in die Perfektion. PETER BERGTING hat zu Beginn des backsteingroßen Bandes in seiner Stilistik noch Anklänge eines Superheldenzeichners aus den 1990ern. Alles ist noch etwas fragil, langgestreckter, etwas verzerrt mitunter. Im weiteren Verlauf entsteht eine Mischform aus der grafischen Anmutung eines MIKE MIGNOLA, aber auch aus GUY DAVIS (B.U.A.P.).

BEN STENBECK (Kapitel DER WOLF UND DER APOSTEL) tendiert mit den deutlich fetter getuschten Zeichnungen mehr hin zum kräftigen Stil eines RICHARD CORBEN (BIGFOOT). Das sehr klassisch angelegte Monsterabenteuer ist eine Art Epilog zu einer Figur, die BALTIMORE bei anderen Gelegenheiten das Leben schwer gemacht hat, den INQUISITOR RICHTER DUVIC. Dieser hat auf grausame Weise die Seiten gewechselt. Das ist Gruselatmosphäre im Stile von DER FLUCH VON SINIESTRO und kommt wie klassischer HAMMER-Horror daher.

In LEERE GRÄBER und DAS ROTE KÖNIGREICH hält wieder das epische Flair in BALTIMORE Einzug. Bezeichnend für die Infernalität des Szenarios ist die Zerstörung der berühmten Pietà von MICHELANGELO im Petersdom im Herzen des Vatikans. Fans von MIKE MIGNOLA, die bereits die gigantischen Auseinandersetzungen der B.U.A.P. verfolgten, werden an der breit angelegten Geschichte ihre Freude haben. Erdrückend und bedrückend anzuschauen, wie die beiden Autoren MIKE MIGNOLA und CHRISTOPHER GOLDEN den Erdball in einen dämonischen Weltkrieg überführen. Exemplarisch gibt es eine ganzseitige Illustration, die einen überdimensional gigantischen ROTEN KÖNIG zeigt, wie er einen brennenden Globus umarmt.

BALTIMORE, vom Einzelgänger zum Teamplayer: Hier hat sich einiges getan. In frühen Abenteuern hat sich die Figur des ehemaligen Soldaten regelrecht gegen Kampfgefährten, Anhängsel, Freunde gar gewehrt und die Verantwortung für fremde Leben abgelehnt. Inzwischen aber hat BALTIMORE andere vom Schicksal geschlagene Mitstreiter getroffen, ähnlich in der Überzeugung, der Tatkraft, getrieben von Hass auf das Böse, haben die Dämonen ihre Feinde unter den überlebenden Menschen herangezüchtet. So entsteht für den Leser ein eng verzahntes Team, dicht erzählt, mit starken Charakteren.

Episch, bombastisch, ein Weltuntergangsszenario als hätten sich H.P. LOVECRAFT und WILLIAM SHAKESPEARE zu einer Geschichte zusammengefunden. Britisches Drama, finstere, unbeschreibliche, schwer fassbare Mächte, deren kleinere Stellvertreter das Grauen in die Welt tragen. Düster illustriert von PETER BERGTING und BEN STENBECK. Ein fulminanter Horror auf annähernd 550 Seiten (!). Erstklassig für Freunde des gepflegten Schreckens! 🙂

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Dienstag, 23. Januar 2018

RAJ 3 – Im Bann der mörderischen Bruderschaft

Filed under: Abenteuer — Michael um 21:20

RAJ 3 - Im Bann der mörderischen BruderschaftDie drei jungen Frauen wurden unter Drogen gesetzt, denn wer, das ist dem jungen Engländer ALEXANDER MARTIN gleich klar, würde sich freiwillig auf einen Scheiterhaufen begeben? Die Szene, ohnehin aus westlicher Sicht erschütternd genug, wird noch dramatischer, als bei einer der Witwen, die dort zusammen mit ihrem verstorbenen Ehemann beigesetzt werden sollen, die Wirkung der Drogen nachlässt. Panisch versucht sie aus den Flammen zu fliehen und wird sogleich mitleidlos ins Feuer zurück gestoßen …

Unterschiedlicher könnten die Kulturen kaum sein: Das britische Empire prallt auf die geballte Exotik Indiens. In der dritten Folge von RAJ gelingt der Einstieg mühelos. Die ersten beiden Episoden erschienen vor einigen Jahren, wurden aber nicht vom ursprünglichen Verlag komplettiert. FINIX COMICS schließt die Lücke jetzt. Das Comic-Gespann WILBUR und DIDIER CONRAD wird Comic-Fans sicherlich ein Begriff sein. DIE MARSU-KIDS oder DIE WEISSE TIGERIN erschienen hierzulande. DIDIER CONRAD ist außerdem der Zeichnernachfolger von ALBERT UDERZO in der langjährigen Serie ASTERIX geworden.

Damit eröffnet sich auch gleich ein Anknüpfungspunkt. Denn vergleicht allein die hier genannten vier Serien, wird man sofort die unterschiedlichen grafischen Stile erkennen und feststellen, wie gut DIDIER CONRAD mit seinem illustratorischen Rüstzeug in diese verschiedenen Künstleridentitäten schlüpft. RAJ ist in einer sehr klaren Linie gezeichnet (bei der viele natürlich zuerst an HERGÉ denken, aber RAJ ist deutlich weniger karikaturesk).

Der hier vorliegende Band, ein Doppelalbum mit dem Titel IM BANN DER MÖRDERISCHEN BRUDERSCHAFT, fasst die Kapitel 3, AYESHA, und Kapitel 4, DIE WÜRGER, zusammen. Letzterer Untertitel gibt die Marschrichtung der Handlung vor, denn im Kern bereiten die Anhänger der Göttin KALI den Helden der Geschichte große Schwierigkeiten (INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES lassen grüßen). Wie im Hollywood-Blockbuster ist die geheimnisvolle Sekte die Speerspitze einer völlig fremden Kultur, in der es den englischen Eindringlingen bislang nicht gelungen ist, Witwen vor der gemeinsamen Verbrennung mit ihrem verstorbenen Ehemann zu bewahren.

So darf sich niemand von der grafischen Umsetzung täuschen lassen. WILBUR und DIDIER CONRAD nehmen ihre Geschichte sehr ernst. LORD BULLOCK sucht die junge AYESHA, die ihm wie eine Tochter geworden und nun seit drei Wochen verschwunden ist. Die Suche fördert furchtbare Entdeckungen und Begegnungen zutage, gefährlich, nervenaufreibend. Der Leser verfolgt die Geschehnisse durch die Augen des stetig dazu lernenden Kolonialagenten ALEXANDER MARTIN, optimistisch, schockiert, angestrengt, aufgeschlossen.

Ein schönes Zwischenspiel, eine atmosphärische Vertiefung der jeweiligen Sequenz sind die wiederkehrenden ganzseitigen Einschübe, fast so, als würde von den aufgeteilten Seiten kurz auf Breitwandkino umgeschaltet. BENARES mit seiner schwer fassbaren Architektur im Jahre 1832 ist bereits uralt und im Verfall begriffen, so wie fast alles in diesem scheinbar elendig alten Land, angekommen im Stillstand, wo in der Finsternis auf der Stelle getreten wird. Die Briten halten sich abseits in ihren Enklaven und starren auf die Einheimischen wie Besucher in einem Zoo oder in einem Theaterstück.

Sehr dicht erzählt, auch für Freunde von historischen Romane geeignet, abenteuerlich, kriminalistisch, von Romantik keine Spur. In schöner Linie gestaltet, mit grundsätzlich warmen Farbtönen koloriert. WILBUR und DIDIER CONRAD haben hier ein feines, toll erzähltes Szenario abgeliefert, wie es nicht oft im Medium Comic aufgegriffen wird. Klasse! 🙂

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Freitag, 19. Januar 2018

WONDERBALL 4 – FOTOGRAF

Filed under: Thriller — Michael um 19:22

WONDERBALL 4 - FOTOGRAFEin Mann auf der Veranda? Mitten in der Nacht? In der amerikanischen Vorstadt, die längst keine Idylle mehr ist. ANTON SPADACCINI darf sich seiner Exfrau COOKIE eigentlich nicht mehr als auf 50 Meter nähern. Aber der von seinen eigenen Kollegen gesuchte SPADACCINI alias WONDERBALL macht sich Sorgen. Um seine Exfrau und seinen bei ihr lebenden Sohn. Ein guter Grund also, wenigstens einmal (oder einmal mehr) auf Gerichtsurteile zu pfeifen und auf COOKIES Milde zu hoffen. Oder sind seine Verfolger bereits da und haben nur auf ihn gewartet?

Will WONDERBALL überhaupt Antworten? Sollte es ihn nach all den Ereignissen überhaupt noch nach Antworten verlangen? In der vierten und vorletzten Episode von WONDERBALL, FOTOGRAF mit Namen, verdichten sich die Fährten, denen INSPEKTOR SPADACCINI bisher folgte, mehr und mehr zu einer einzigen Spur. Aber der Preis ist hoch. Der Polizist wankt auf einer Spur aus Morden und mörderischen Gesellen, die geradewegs aus einem Horrorfilm entsprungen sein könnten. Und Schuld daran hat eine geheimnisvolle Organisation namens COLLEGIUM OCCULTUM.

Während der INSPEKTOR den Spuren folgt, versorgt die Autoren FRED DUVAL und JEAN-PIERRE PECAU (zusammen mit FRED BLANCHARD) den Leser mit Hintergrundinformationen. Insbesondere der Horror, der von der titelgebenden Figur des FOTOGRAFEN ausgeht, wird ins Zentrum gerückt. ALAN SMITHEE, so der Name, sieht sich selbst als Avantgarde-Künstler und dreht gleichzeitig Filme, die den Begriff Snuff-Video auf ein völlig neues, furchtbares Level heben. Die mit äußerst abartigen Tendenzen versehenen Gegner von INSPEKTOR SPADACCINI bleiben sich also mehr als treu. Aus welchem Grund das so ist, wird in dieser Folge final gelüftet. Letzte Fragen und Antworten bleiben dem fünften Teil vorbehalten.

Horror entsteht hier im Kopf. Alleine die textlichen Regieanweisungen von ALAN SMITHEE erzeugen genügend Bilder beim Leser. Kleine Accessoires besorgen den Rest. Andere Kleinigkeiten sorgen für Atmosphäre, lassen die Zeit aufleben. Der Tod des Sängers KLAUS NOMI im Jahre 1983 wird in einem Magazin erwähnt. Eine BETAMAX-Kamera hält als Wunderwerk der Technik Einzug in den Alltag. Und der IT-Spezialist WILL WINDOW hält die ermittelnde Beamtin, INSPEKTORIN OSTERBERG, mit seinen Datenbank-Recherchen weiterhin auf dem Laufenden.

Ganz nebenbei bringt Top-Illustrator COLIN WILSON sogar noch ein Gemälde von TAMARA DE LEMPICKA (Motiv: YOUNG LADY WITH GLOVES) in der Geschichte unter. Es ist ein kleiner Ruhepunkt neben Schießereien in Los Angeles und nächtlichen Streifzügen in Wohngegenden sowie besagten Szenen rund um den FOTOGRAFEN. COLIN WILSON macht diese Zeitreise zu einem Krimischmuckstück. Ein ehemaliges Wohnhaus von JUDY GARLAND am MULHOLLAND DRIVE wird zum Spielort (ein NORMAN BATES aus PSYCHO hätte an der hölzernen Architektur des Gebäudes seine helle Freude gehabt). Nachts erstrahlen die Freeways und der Hollywood Boulevard. Und unter den Autobahnbrücken herrscht drückende Finsternis.

Auf dieser toll vermittelten Atmosphäre kommt der erzählte Thriller voll in Fahrt. Spannende Momente zieht er aus den Erlebnissen von WONDERBALL, faszinierende Momente entstehen durch die im COLLEGIUM OCCULTUM angesiedelte Handlung. Schießereien und gewalttätige Auseinandersetzungen erinnern Hollywood-Vorbilder der 1970er und natürlich 1980er (vielleicht mit einer Spur mehr Action, wie es das moderne Auge der 2010er gewöhnt ist). COLIN WILSON beschafft dem Leser kamerasprachlich klasse Totale, geht aber auch im Sinne von starker Emotion nah an die Akteure heran. Beides ist sehenswert und technisch perfekt.

Wäre WONDERBALL ein Kinofilm, würde man sich manchesmal mit den Fingernägeln in die Armstützen verkrallen. Ein echtes Comic-Thriller-Erlebnis mit toller Optik, einer guten Geschichte und harter Action. Die vorletzte Folge ist ein krasser Knaller! 🙂

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Mittwoch, 17. Januar 2018

JACKIE KOTTWITZ Gesamtausgabe – Band 7

Filed under: Thriller — Michael um 12:07

JACKIE KOTTWITZ Gesamtausgabe Band 7Falsch verbunden? So werden die meisten Menschen wahrscheinlich äußerst selten geweckt. Eine Frau ruft mitten in der Nacht an. Jackie, völlig schlaftrunken, vertröstet die Anruferin auf einen Termin am nächsten Morgen im Büro, nur um festzustellen, dass sie ihn für einen Mordauftrag anheuern will. Einem ersten Impuls nachgebend setzt Jackie die junge Frau mit dem blauen Auge vor die Tür. Als er sich eingesteht, einen Fehler begangen zu haben, ist es bereits zu spät. Die Frau ist verschwunden …

ALAIN DODIER setzt seine Kriminalfälle um den Privatdetektiven JACKIE KOTTWITZ fort. Und beginnt gleich mit einer Doppelfolge: BEI ANRUF MORDAUFTRAG und IM VISIER. JACKIE, eine Mischung aus MONSIEUR HULOT und JULES MAIGRET, bislang mehr ein heimlicher Jäger, sieht sich auf einmal selbst als Ziel eines professionell agierenden Mörders, denn natürlich hat die Verwechslung mit dem Killer ihre Folgen. Das Geheimnis von ALAIN DODIERS Kriminalgeschichten liegt nicht nur im Charme der Figuren begründet. Vielmehr ist es die Alltäglichkeit, aus der sich plötzlich eine oftmals gefährliche Situation entwickelt. Die Abgründe sind mal mehr, mal minder tief, aber hinter den bürgerlichen Fassaden sind sie stets vorhanden.

Selbst der Mörder, der JACKIE KOTTWITZ nachsteigt, versteckt sich zunächst hinter einer solchen Fassade. Und es ist nicht die einzige Tarnung, die in dem Zweiteiler auffliegt. Wie das Titelbild von IM VISIER verrät, fällt die Handlung diesmal etwas aktionslastiger aus. An einer Szene ganz besonders hätte sogar ein JAMES BOND seine helle Freude gehabt (Stichwort: LEBEN UND STERBEN LASSEN). Der Doppelhandlung angeschlossen ist ein feines Making-of. Es ist immer wieder interessant, welche Phasen alleine das Titelbild eines Bandes durchläuft, wie lange und genau ALAIN DODIER an der richtigen Optik feilt. Klar, ein Titelbild muss die Handlung auch auf den ersten Blick spannend anpreisen. Das Titelbild der vorliegenden 7. Gesamtausgabe ist gleichzeitig jenes von BEI ANRUF MORDAUFTRAG.

In einem auf den ersten Seiten abgedruckten Interview schildert ALAIN DODIER seine Arbeitsweise, gleichzeitig verschweigt er aber nicht die Schwierigkeiten, mit denen selbst ein sehr guter Illustrator wie er (meine Worte) manchmal zu kämpfen hat, wenn es um den richtigen Ausdruck, die beste Perspektive oder Haltung geht. Wie er an Lösungen herangeht, lässt sich so schön wie eindrucksvoll aus seinem Making-of ersehen. Perfekt für Comic-Fans, die den Blick hinter die Kulissen mögen.

FAHRERFLUCHT lautet der Name des dritten Albums in diesem Band und stellt gleich unter Beweis, wie JACKIE KOTTWITZ die Aufgaben oftmals geradezu vor die Füße fallen. Ein kleines Mädchen sitzt vor seinem Büro. Es stammt aus einer Nachbarwohnung. Der Vater der Kleinen ist in der Nacht einfach verschwunden. So harmlos beginnt alles und spitzt sich dann immer weiter zu. Cineasten dürfte der Wagen, ein ASTON MARTIN, auf dem Titelbild gleich bekannt vorkommen (selbst jene, die kaum mit dem Kino in Berührung gekommen sind, dürften das Fahrzeug erkennen). Aber dieses Automobil wirkt nicht wie der einzige Fingerzeig in diesem Band.

Eine von JACKIE KOTTWITZ beobachtete, wortlos geführte Auseinandersetzung schaut aus wie ein Familiendrama in einer erwachsenen Version zwischen VATER UND SOHN. Neben dem Tagesablauf eines unorthodoxen Privatdetektiven werfen wir zusammen mit JACKIE KOTTWITZ auch einen Blick in das Leben eines Bildhauers. Außerdem wird die Beziehung zwischen JACKIE und BABETTE vertieft. Eigentlich bedient sich ALAIN DODIER all jener Rezepte wie sie andere langlebige Krimiserien hierzulande nutzen (WILSBERG z.B. verwendet vergleichsweise eine ähnliche Rezeptur und strahlt gleichzeitig einen ebensolchen Charme aus).

ALAIN DODIER kennt seine Figuren perfekt und weiß eine Handlung auch über eine längere Strecke, über ein Album hinaus anzulegen. Indem er seinen Helden zur Zielscheibe macht, wird die Spannung drastisch angezogen. Ein starker Zweiteiler, eine fein beobachtete dritte Geschichte und alle drei stilistisch klar und toll illustriert. Wie man an anderer Stelle sagen würde: Prädikat wertvoll! 🙂

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Montag, 25. Dezember 2017

STAR WARS – DER LETZTE FLUG DER HARBINGER

Filed under: SciFi — Michael um 19:15

STAR WARS – DER LETZTE FLUG DER HARBINGERUnmögliche Aufträge, waghalsige Aufklärungsmissionen: Dafür sind die imperialen Soldaten der NARBENTRUPPE genau die richtigen Draufgänger. Direkt DARTH VADER unterstellt, gehen sie dorthin, wo normale Truppen keine Chance haben. Zu versagen ist niemals eine Option. Vor kurzem hat die Einheit ihren Sergeant verloren, der neue, SERGEANT KREEL, muss sich erst bewähren. Deshalb sehen die Truppler einfach zu, als ihr Anführer von einem Monster in einem Abwasserkanal in die Tiefe gezogen wird. Kann er sich befreien, ist ihm einiges zuzutrauen. Falls nicht … dann gibt es eben einen weiteren neuen Sergeant.

JASON AARON entführt den Leser zu Beginn, vor dem Hauptabenteuer DER LETZTE FLUG DER HARBINGER, in eine Episode auf TATOOINE, in die Exilzeiten von OBI-WAN KENOBI. Dieses von MIKE MAYHEW ganz famos illustrierte Abenteuer zeigt sehr anschaulich die wahre Gefährlichkeit eines WOOKIE, obwohl die Kampffertigkeiten dieses Volkes in ANGRIFF DER KLONKRIEGER schon vor Augen geführt wurde. Doch der Kopfgeldjäger BLACK KRRSANTAN ist noch aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt. MIKE MAYHEW zeichnet hyperrealistisch, orientiert sich aber bei den menschlichen Figuren nur an den Kinovorbildern und versucht nicht unbedingt EWAN MCGREGOR oder ALEC GUINNESS zu kopieren. Typische Charakteristika eines OBI-WAN KENOBI bleiben natürlich erhalten.

Ähnlich verhält es sich bei Comic-Künstler JORGE MOLINA, die Aufgabe übernommen hat, LUKE SKYWALKER, PRINZESSIN LEIA, HAN SOLO und andere bekannte Helden auf dem letzten Flug der HARBINGER zu zeigen. Auch dieser Künstler nähert sich den Schauspielern wie CARRIE FISHER oder HARRISON FORD an, behält sich trotzdem noch genug Raum für eigene Interpretationen der Figuren vor. So entsteht eine gute Mixtur zwischen Vorlage und Comic-Darstellung, passend zu einer sehr actionlastigen Handlung, zuweilen überdreht lustig und insgesamt bildlich überdurchschnittlich.

DER LETZE FLUG DER HARBINGER ist eine Art Selbstmordunternehmen (natürlich wollen die Beteiligten mit dem Leben davonkommen, immerhin ist der Held von YAVIN 4 mit von der Partie). Auf der anderen Seite darf man als Leser neben den Soldaten der NARBENTRUPPE ein wenig Egoshooter-Atmosphäre erleben. Wie diese Sturmtruppen in städtischen Ruinen ihrer Arbeit nachgehen, ist genau solchen Situationen wie in den jüngsten Spieleangeboten nachempfunden. Der Auftakt der Geschichte ist bitterernst und wird von einer späteren Szene getoppt, die wie eine Hommage an die brutale Kreativität von JOSS WHEDONS REAVERN wirkt.

Ob Klamauk hin oder her: Wenn PRINZESSIN LEIA und HAN SOLO ein Rennen quer durch einen STERNZERSTÖRER veranstalten, bei dem es einzig zu ermitteln gilt, wer denn der Captain des Raumschiffes sein soll, dann bleibt in gewissem Sinn kein Auge trocken. Ohne Zweifel knüpft JASON AARON an die Zwistigkeiten und Neckereien der beiden Akteure an, die schon in EINE NEUE HOFFNUNG und DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK gepflegt wurden.

Ein toughes STAR-WARS-Abenteuer ohne Wenn und Aber. Flott erzählt, fügt sich gut in die bestehende Storyline ein, grafisch ein echter Höhepunkt und Hingucker! Starke Space Opera. 🙂

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Sonntag, 24. Dezember 2017

DIE NEUEN X-MEN 4 – FATALES FINALE

Filed under: Superhelden — Michael um 18:47

DIE NEUEN X-MEN 4 – FATALES FINALEDer Terrigen-Nebel ist für die INHUMANS kein bloßer Bestandteil ihrer Kultur und ihrer körperlichen Entwicklung. Er ist Teil eines komplexen Gefüges, eine unverzichtbare Stütze. Bei MUTANTEN wirkt er wie ein hoch dosiertes Gift, absolut tödlich. Lokal konzentriert ließe sich das Problem wortwörtlich umgehen, leider ist die Wolke in Auflösung begriffen. Ihre Inhaltsstoffe drohen auf die gesamte Welt überzugreifen. Für die MUTANTEN bedeutete dies das Ende. Ohne Rückzugsmöglichkeit. Die X-MEN, nicht alle, beschließen einen Präventivschlag gegen die INHUMANS, so lange noch Zeit dafür ist …

Vor gar nicht allzu langer Zeit gelang es einem kleinen Team junger Mutanten, X-MEN, aus der Vergangenheit in die Zukunft zu reisen. Dort mussten sie feststellen, wie sehr sich die Welt zum Schlechten verändert hatte, wieviel Leid die Auseinandersetzungen verschiedener Gruppen, MUTANTEN, Menschen oder INHUMANS über die Erde gebracht hatte. Besonders CYCLOPS erfuhr, welche Katastrophe sein älteres Ich ausgelöst hatte. Statt sich aus allem herauszuhalten (wie ursprünglich geplant), wurden die Reisenden aus der Vergangenheit in die Konflikte mitten hinein geworfen und gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil dieser Zukunft.

Bestes Beispiel ist BOBBY DRAKE alias ICEMAN, der in dem INHUMAN ROMEO seine große Liebe findet. Gleichzeitig, wie schon in klassischen Liebesgeschichten, überwindet diese Verbindung die Kluft zwischen unterschiedlichen Gruppen, hier MUTANTEN und INHUMANS, die mit ihren Fähigkeiten, den MUTANTEN ähnlich sind, ihre Kräfte jedoch auf andere Weise erwerben. Und genau dieser Werdungsprozess ist es, der die X-MEN (und andere MUTANTEN) zum Handeln zwingt, weil insbesondere MUTANTEN durch diesen Prozess konkret an Leib und Leben bedroht sind.

Deshalb wird dieses Finale zu einer heftigen Auseinandersetzung, die schließlich in einer Aufklärung einer seit längerem heimlich gestellten Frage führt. Die Autoren DENNIS HOPELESS, YVES BIGEREL und SINA GRACE beschäftigen sich einerseits mit dem Ende eines großen Konflikts und beantworten noch eine weitere Frage: Was machen Mutanten eigentlich in ihrer Freizeit? Wenn eine solch furchtbare Zeitspanne ausgestanden ist? Wenn das Adrenalin abflaut, wie kommt ein Mutant wieder runter? Wo in der ersten Hälfte der Handlung viel Drama, viel Tragik, viel Action zu finden sind, darf in der zweiten Hälfte auch ein wenig Humor zum Tragen kommen, aber nicht allzu viel.

Grafisch ist der gesamte Band Top. Optisch bleibt die von MARK BAGLEY (DER ULTIMATIVE SPIDER-MAN) illustrative Vorgabe auch bei den anderen Zeichnern erhalten, einzig die Abschlussepisode, eine Art Nachtisch zum Finale, DIE RÜCKKEHR DES PHOENIX, tendiert mehr in Richtung einer Manga-Replika. Der X-MEN-Fan findet hier große Gefühle optisch umgesetzt (Stichwort: Romanze), Action satt (klar, wenn zwei große Gruppen mit irren Kräften aufeinander treffen) und einen ruhigeren Ausklang (Stichwort: Urlaub). In diesem Ausklang gilt ein besonderes Augenmerk der Kolorierung, die hier am besten gelungen, sehr kräftig und leuchtend geworden ist.

Starkes Finale, befriedigendes Ende mit einem Blick hinter die Gefühle und Beziehungskulissen der Helden. Eindeutig für Fans der Serie (wer den bisherigen Werdegang der Storyline nicht kennt, hat es schwerer und sollte unbedingt in den vorherigen Bänden einsteigen). 🙂

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