Zum Inhalt springen


Comic Blog


Samstag, 16. November 2019

ISOLA – BAND 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:58

ISOLA - BAND 1CAPTAIN ROOK treibt eine schier unmöglich scheinende Mission voran. Sie will einen TIGER zur geheimnisvollen ISOLA bringen. Doch der Weg führt ausschließlich durch gefährliche Gebiete. Jäger wollen den TIGER zur Strecke bringen. Monster, Kreaturen halb Mensch, halb Tier können das Ende bedeuten. Nahrung und Wasser sind knapp. Visionen täuschen die Reisenden. Und darüber hinaus birgt der TIGER ein Geheimnis, denn die Großkatze ist alles andere als ein Tier. In Wahrheit ist ihr Name OLWYN, und sie ist eine KÖNIGIN.

Zwei sehr unterschiedliche Reisegefährten auf der Flucht in einer Welt, in der sich ein Krieg ankündigt. BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL haben ihr eigenes FANTASY-Reich erschaffen. Diese neue Welt erschließt sich dem Leser nur langsam. Einerseits scheinen sich hier Geheimnisse zu bündeln, andererseits schleppen beide Reisegefährten, CAPTAIN ROOK wie auch KÖNIGIN OLWYN, ihre unausgesprochenen Sünden mit sich herum. Rückblenden und Visionen künden davon, wie das Gewissen der beiden ungleichen Charaktere arbeitet. Die Reise von CAPTAIN ROOK und OLWYN wird jäh unterbrochen, als sich MORO, ein wunderlicher Greis, einmischt und OLWYN auf einen neuen Pfad führt.

Grafisch großes KINO, die Erzählung von asiatischer Rätselhaftigkeit. Wer als Comic-Leser sich ein wenig in Animes umgeschaut hat, wird vielleicht einmal auf PRINZESSIN MONONOKE gestoßen sein. Hier wird der Leser eine der Natur auf ähnliche Weise verbundene Kultur vorfinden. Denn die Natur mit ihren Lichtern, den mystisch zu nennenden Farben, die über den kompletten Handlungsstrang hinweg ein Flair eines durch bunte Fenster erleuchteten Tempels ist ein wichtiger Akteur in ISOLA.

Figürlich finden sich Parallelen zu weiteren Klassikern wie FEUER UND EIS sowie DER HERR DER RINGE von RALPH BAKSHI. Damals wurden die Szenen mit Schauspielern gestellt und später wurden diese für einen vollkommen naturalistischen Effekt überzeichnet. Mit den von KARL KERSCHL gestalteten Charakteren könnte es sich optisch ähnlich verhalten (was aber nicht die Arbeitsweise war). Darüber hinaus ergibt sich durch manche Schattierung nicht nur ein schöner räumlicher Effekt, sondern auch Eindruck, die Bilder entstammten einem Zeichentrickfilm der neueren Generation. Hart am Realismus, ein paar Prozentpunkte weniger, werden sich hier Leser wiederfinden können, die COMICS wie das Steinzeitabenteuer MEZOLITH von ADAM BROCKBANK und BEN HAGGARTY mochten.

KARL KERSCHL hat sich bislang auf dem Gebiet der Superhelden-Comics einen Namen gemacht (SUPERMAN, FLASH, TEEN TITANS). Wer sich dortige Bilder anschaut, findet eine leichte Verwandtschaft zu CORY WALKER (INVINCIBLE). In diesem Band, ISOLA, hat sich KARL KERSCHL grafisch gesteigert, hinzu kommt, dass in der Kolorationszusammenarbeit mit MSASSYK farbliche Meisterwerke entstanden sind. Jede Seite hat Titelbildqualität, ohne Abstriche. Jeder Seitenaufbau (hier und da auch eine Doppelseite) ist auf den Punkt genau nach Stimmung und Dramaturgie durchkomponiert. Die Wirkung wird selbstverständlich immer größer, je mehr uns die von BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL erfundenen Charaktere an sich heranlassen.

Die Verbindung zwischen CAPTAIN ROOK und OLWYN ist zu Beginn seltsam. Auf die üblichen einleitenden Erläuterungen wird verzichtet. Der Leser soll und muss sich vertrauensvoll auf das Geschehen einlassen. In Zeiten, in denen Trailer schon die Handlung ganzer Filme vorweg nehmen, ein Spoiler-Alarm den nächsten ablöst, ist das ungewohnt und verlangt Geduld. Aber, das sei verraten, der Leser sollte diese Geduld aufbringen, denn es lohnt sich. So wartet zum Schluss eine ungewöhnliche Belohnung (die einige Fragen zusätzlich klärt). Zunächst setzen die beiden Erfinder von ISOLA auf Effekte, die den Leser zur Aufmerksamkeit erziehen sollen. CAPTAIN ROOK und OLWYN stoßen auf einen toten Körper (es einfach nur Leiche zu nennen, wäre untertrieben). Das geschieht nach einem recht kurzen, märchenhaften Beginn. Spätestens hier sollte die Faszination für ISOLA beginnen, denn man ahnt nun, dass in ISOLA etwas gewaltig anders ist als in sonstiger MAGIE-UND-SCHWERT-FANTASY.

Mystisch, asiatisch, märchenhaft. Das ist ISOLA. Einflüsse sind sicherlich erkennbar, darüber hinaus begibt sich ISOLA von BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL auf einen sehr eigenständigen Pfad. ISOLA konzentriert sich sehr auf seine beiden Hauptfiguren und erzählt nur wenig vom großen Ganzen der hier vorliegenden Welt. Es wird also sehr emotional, zwischen Freund und Freund, außerdem zwischen Freund und Feind. Auf geopolitische Eigenarten dieses Fantasy-Universums wird weitestgehend verzichtet. Nur das in dieser Hinsicht für die Handlung absolut Nötigste wird dem Leser mitgeteilt. Genial und technisch perfekt illustriert. Klasse. 🙂

ISOLA, BAND 1: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Cross Cult.

Links:

THE ABOMINABLE CHARLES CHRISTOPHER
KARLKERSCHL.COM

FÜNF FREUNDE ERFORSCHEN DIE SCHATZINSEL

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 19:45

FÜNF FREUNDE ERFORSCHEN DIE SCHATZINSELDie Geschwister JULIAN, DICK und ANNE sollen ihre Ferien bei den KIRRINS, TANTE FANNY und ONKEL QUENTIN verbringen. Außerdem ist da noch GEORGINA, die Tochter der KIRRINS, die es aber überhaupt nicht mag, wie ein Mädchen behandelt zu werden und lieber GEORGE gerufen wird, wie ein Junge eben. Sie ist ein ziemlicher Wildfang und kann eigentlich mit ihren beiden Cousins und der Cousine nicht viel anfangen. Lieber hätte sie die Ferien allein verbracht. Aber die Verwandten sind doch ganz anders als befürchtet. Bald schon ERFORSCHEN die FÜNF FREUNDE mit dem fünften im Bunde, TIMMY dem HUND, die SCHATZINSEL, ein kleines Eiland unweit der Küste.

Die FÜNF FREUNDE sind eines der Phänomene der Jugend- und Kinderliteratur. Über die eigentlichen 21 Bände hinaus, die ENID BLYTON, die Autorin der Romane, geschrieben hat, erschienen noch über 90 Geschichten aus der Feder anderer Autorinnen. NATAËL hat sich den allerersten Roman, das Auftaktabenteuer der FÜNF FREUNDE vorgenommen und dieses für das Medium Comic adaptiert. Er bearbeitete den Originaltext, während sein Sohn BEJÁ die Zeichnungen übernahm. Dabei wurde das Zeitkolorit nicht verlassen. Denn FÜNF FREUNDE ERFORSCHEN DIE SCHATZINSEL wurde 1942 erstmals veröffentlicht.

Vater und Sohn haben bereits häufiger zusammengearbeitet, aber die Szenarien hatten meist einen erwachsenen Charakter. Die Zielgruppe hierbei sind entweder Kinder oder Nostalgiker. Oder eine Mixtur aus beidem. So wie ich. Jedenfalls in mancherlei Hinsicht. Die FÜNF FREUNDE befeuerten ihre Popularität hierzulande gegen Ende der 1970er Jahre mit einer englischen Fernsehserie. Im zweiten Schwung übernahmen die Originalsynchronsprecher der vier Kinder auch die Hauptrollen in einer hierzulande sehr erfolgreichen Hörspielserie der FÜNF FREUNDE (für die Dauer der Folgen, die den Originalabenteuern von ENID BLYTON zugrunde lagen).

Die FÜNF FREUNDE sind in einer Zeit unterwegs, als Kinder sich in ihrer Freizeit in der freien Natur herumtrieben, ohne Mobilfunk, keinen Fernsehnachmittagen oder anderen Segnungen technischen Fortschritts. Hier wird oft kampiert, im Freien oder auf Bauernhöfen übernachtet, gewandert oder mit dem Fahrrad die Gegend erkundet. Eigentlich haben diese Kinder sehr viele Freiheiten. Die FÜNF FREUNDE sind natürlich kindlich, aber auch sehr verantwortungsbewusst. Da fahren sie, so wie hier, schon einmal mit einem Ruderboot auf die offene See zur SCHATZINSEL hinaus, allein und ohne Erwachsenenbegleitung.

BEJÁ zeichnet die berühmte klare Linie, wenngleich die menschlichen Figuren etwas realistischer ausschauen als vielleicht bei einem berühmteren Vertreter dieser Technik wie TIM UND STRUPPI. Die Zeichnungen passen zur dargestellten Zeit, wirken sogar teils als seien sie damals entstanden, also ein schönes organisches Zusammenwirken von Handlung und Bildern. Es gibt Halunken bei den FÜNF FREUNDEN, immer wieder und nicht zu knapp. Hier sind es gleich zwei, deren Auftreten fast schon komödiantisch ist, selbst nach heutigen Maßstäben. PHIL und MIKE haben sich optisch aneinander angeglichen, in Kleidung, Frisur und Auftreten. Heißt, die Bösewichte agieren zielbewusst, sind schon höchst kriminell, aber ihnen wurde, auch optisch ein wenig der Zahn gezogen.

Ein Klassiker in neuer Aufmachung, eng am Original angelehnt. Die Erzählung besitzt ihre nostalgische Spannung, ein Flair der Vergangenheit, auch und besonders durch BEJÁS Zeichnungen. Rätsel werden gelöst, ein Schatz gefunden. Kinder lernen, sich aufeinander zu verlassen. Gauner werden geschnappt. Ein rundum feines Abenteuer für Kinder. Zeitlos gut. 🙂

FÜNF FREUNDE ERFORSCHEN DIE SCHATZINSEL: Bei Amazon bestellen.

Link: deutschlandfunkkultur.de – Zum 50. Todestag von Enid Blyton

Dienstag, 12. November 2019

THE WALKING DEAD 32 – RUHE IN FRIEDEN

Filed under: Horror — Michael um 11:14

THE WALKING DEAD 32 - RUHE IN FRIEDENDWIGHT ist tot. Und RICK GRIMES wird als Retter der GOUVERNEURIN gefeiert. Zu sehr gefeiert, wie manche finden. Denn ein Retter wird in der GEMEINSCHAFT nicht gebraucht. Die GEMEINSCHAFT, beschützt durch eine gepanzerte Polizeitruppe, ist eine von mehreren Gruppen, denen RICKS LEUTE in den vergangenen Jahren begegnet sind. Die Strukturen beschwören eine vergangene Zeit herauf. Mit vielen guten Eigenschaften und ebensolchen schlechten Eigenschaften. Letztere sind es, die das Gefüge ins Wanken bringen. Denn so mancher ist unzufrieden mit einer Führung, die eine elitäre Hierarchie anstrebt. Wird RICK GRIMES als doch noch zum Retter? Oder wird er derjenige sein, der das Pulverfass zur Explosion bringt?

Nach einer Laufzeit von 16 Jahren, 193 Heften in den USA, hierzulande in 32 Hardcover-Bänden zusammengefasst, ist die Comic-Serie THE WALKING DEAD nun zu Ende erzählt. In einem recht emotionalen Beitrag beschreibt Autor ROBERT KIRKMAN, wie es ihm dabei ergangen ist. Und natürlich wächst einem eine Tätigkeit, in der viel Leidenschaft steckt, ans Herz. Entsprechend groß ist die Lücke, wenn diese Arbeit ihren Schlussakkord findet. ROBERT KIRKMAN hat das Kunststück fertig gebracht, Figuren in einer apokalyptischen Welt mit Leben zu füllen. 16 Jahre lang durfte der Leser sie bei ihren Erfahrungen begleiten. Er durfte sehen, wie sie es schafften zu überleben. Er sah, wie sie litten, sich aufrappelten, weitergingen, eine Gemeinschaft schmiedeten.

In 16 Jahren sind viele Charaktere zu entdecken gewesen. Viele dieser Figuren haben es nicht bis zum Schluss geschafft. Aber so mancher erlebt das Finale, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise. RICK GRIMES hat die Geschichte lange Zeit getragen. Mit ihm begann es, einem Unfall während eines Schusswechsels, einem Koma und einem sehr bitteren Erwachen. Bis dahin benötigte ROBERT KIRKMAN lediglich eine einzige Seite zur Einleitung. Später, als die Serie höchst erfolgreich war, ließ sich der Autor mehr Zeit für seine Erzählung. Aber ROBERT KIRKMAN konnte damals kaum ahnen, was aus der Serie einmal werden würde. Ebenso wenig wie Zeichner CHARLIE ADLARD ahnen konnte, dass der Arbeitsdruck einmal so groß werden würde, dass neben CLIFF RATHBURN, dem Verantwortlichen für die Graustufen, auch STEFANO GAUDIANO als Tuscher zum Team stoßen würde.

Der ehemalige COP aus Band 1, mit dem Untertitel GUTE ALTE ZEIT, hat es also in Band 32, mit dem Untertitel RUHE IN FRIEDEN, geschafft. Eine fehlende rechte Hand ist nur einer der Verluste, die diese Figur auf ihrer Reise erdulden, ertragen musste. Aus dem einfachen Polizisten wurde ein Anführer gegen diktatorische Feinde und Psychopathen wie den GOUVERNEUR, NEGAN, die FLÜSTERER. Nun aber das Ende mit einer letzten Konfrontation, der GEMEINSCHAFT, geführt von der GOUVERNEURIN MILTON. Viel Normalität, vieles von der GUTEN ALTEN ZEIT hat sich wieder in den Alltag der Überlebenden eingeschlichen. Und das hat sie unvorsichtig und träge gemacht. Zu träge zu erkennen, dass ein Regime viele Gesichter tragen kann, sogar harmlose und wortgewandte.

Oft wurde RICK GRIMES nicht nur als Anführer, sondern auch als Retter angesehen. Irgendwann sah er sich selbst als solcher, bis er begriff, dass er nicht alle Antworten auf sämtliche Fragen hat. Als nun in der GEMEINSCHAFT ein Konflikt schwelt, ein Aufstand sogar, lehnt er eine Führerschaft ausdrücklich ab. Auch versucht er jegliche Gewalt zu verhindern. Sein Gewissen lastet inzwischen schwer und der alte Weg, Hindernisse, Menschen, einfach aus dem Weg zu räumen, ist ihm unmöglich geworden. Wer als Leser diesen Charakter über 16 Jahre verfolgt hat, kann den Wandel nachvollziehen. Aber ebenso gut den von Figuren wie CARL GRIMES, RICKS SOHN, oder MICHONNE, die zuletzt einige glückliche Momente erleben durfte.

Die Serie darf durchaus unter dem Genre APOKALYPTISCHER WESTERN eingeordnet werden. Als Beleg mag der lange Epilog gelten, der eine Zeit nach den großen Umwälzungen zeigt. Die Vereinigten Staaten beruhigen sich (was andernorts passiert ist, erfährt der Leser nie). Es gibt ein neues politisches System, dem vorhergehenden angelehnt. Eine neue Rechtsprechung sorgt für Ordnung, nicht immer zu jedermanns Freude und ist mit einer Logik behaftet, die vor Jahren (im Sinne der Zeiteinteilung in THE WALKING DEAD) noch nicht funktioniert hätte. Die Zivilisation breitet sich aus und längst ist nicht alles wieder zusammengewachsen. Untote besitzen inzwischen Seltenheitswert. Insbesondere am Beispiel von CARL GRIMES, erwachsen und mit eigener Familie, wird das neue, alte Leben gezeigt, mit kleinen Städten, Farmen, einem Land, das sich ohne menschliche Einflüsse gehörig erholt hat. Die Parallelen zur amerikanischen PIONIERZEIT sind offensichtlich.

Der lange Abschied im letzten Teil von THE WALKING DEAD versöhnt mit dem Ende der Reihe. Für die überlebenden Charaktere geht ein Leidensweg zu Ende. Andere büßen weiterhin ihre Untaten oder sind in gnädige Vergessenheit geraten, so wie zum Beispiel NEGAN. ROBERT KIRKMAN hat eine bombastische Serie hingelegt, höchst erfolgreich als Comic, ebenso als Fernsehserie, die inzwischen ein zweites Spin-off nach FEAR THE WALKING DEAD erhält. Der Nachschub an Untoten geht für die Zuschauer vorerst nicht aus. Und sollte es einen HORROR-FAN geben, der die Comics nicht kennt, vielleicht nur aufs Pantoffelkino gesetzt hat, sollte vielleicht doch zum Comic greifen, denn ROBERT KIRKMAN hat die Comics anders erzählt als die Fernsehserie. Manches ist ähnlich, aber es dürfte für Neuleser viele Überraschungen parat halten. 🙂

THE WALKING DEAD 32, RUHE IN FRIEDEN: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Cross Cult.

Montag, 23. September 2019

ALPHATIERE – DER MINISTER UND DER SPION

Filed under: Thriller — Michael um 9:31

ALPHATIERE - DER MINISTER UND DER SPIONJACQUES DUFELL war vor 20 Jahren jemand, der sich noch keinen Namen gemacht hatte und sein Leben riskierte, um seine Karriere voranzutreiben. Inmitten der Wirren eines gerade für Europäer höchst gefährlichen BEIRUT würde der EHRGEIZ den noch jungen Abgeordneten JACQUES DUFELL beinahe in den Tod dirigiert haben. Ein weiterer junger Mann, Angehöriger des FRANZÖSISCHEN GEHEIMDIENSTES, CHARLES WEBER, erhält die Gelegenheit, diesem Politiker das Leben zu retten. Und damit nicht genug. Die Wege der beiden Männer werden sich noch öfter kreuzen. Nicht unbedingt zur Freude von CHARLES WEBER.

Es heißt ALPHATIERE und nicht, wie sich angesichts des Titelbildes annehmen ließe, ALPHAMÄNNCHEN, denn ersteres gibt das Tierreich schon lange her. Außerdem hat sich diese Spezies auch bei den Menschen in beiden Geschlechtern weit verbreitet. Deshalb sind die beiden besonders gezeigten Männer auf dem Titelbild des Bandes ALPHATIERE (mit dem Untertitel DER MINISTER UND SEIN SPION) nur zwei eines Trios um nichts weniger als im Ringen um die französische Präsidentschaft.

Zuerst zum Thema: HOCHPOLITIK und INTRIGEN. STEPHEN DESBERG und CLAUDE MONIQUET nehmen sich hier eines Themengebietes an, das seit Jahrzehnten immer so schön aus FRANKREICH hier nach DEUTSCHLAND herüberschwappt. Man hat die Skandale und Skandälchen aus der Ferne mit gewisser Häme beobachten könnten. Deshalb ist man sofort bei den beiden AUTOREN, die hier hinter den KULISSEN DER MACHT einsteigen und sozusagen einen ERMITTLER mitten zwischen die Fronten katapultieren.

In der Politik, besonders im Wahlkampf, geht es um VERNICHTUNG DES GEGNERS. STEPHEN DESBERG und CLAUDE MONIQUET bringen es klar auf den Punkt. Unverschlüsselt äußern sich die Feinde auf dem politischen Parkett. Der Kontrahent darf und soll nie wieder einen Fuß auf den Boden der politischen Bühne bringen. Jemand wie CHARLES WEBER bewegt sich mitten durch diesen Dschungel und droht aufgerieben zu werden. Jede Schwäche wird ausgenutzt, jeder Schritt beobachtet. Selbst vor MORD wird nicht zurückgeschreckt.

Da STEPHEN DESBERG und CLAUDE MONIQUET sehr auf ihre Charaktere eingehen, ihnen Tiefe geben, sie mit einer Vielzahl von Stärken und Schwächen ausstatten, eröffnet sich bald ein dichter Reigen. Und Beziehungen sind der Hauptbestandteil dieser gesammelten Schwächen. Die beiden Autoren haben einen packenden Thriller geschrieben, bei dem es schwer fällt, sich auf eine Seite zu schlagen. Allenfalls begreift man die Notwendigkeiten, die alle antreiben. Wie in moderneren (oder der schmutzigen Sorte und mit zwielichtigen Helden ausgestattet) Thrillern neuerdings gerne gesehen, hat einfach jeder DRECK AM STECKEN.

Der Comic-Künstler JEF, verantwortlich für Zeichnungen und Kolorierung, hat sein Talent in verschiedenen Genres bewiesen (wie z.B. WESTERN oder BIOGRAPHIE), farbig oder rein schwarzweiß. Ein politischer THRILLER ist für seinen akribischen Zeichenstil wie geschaffen. In der französischen Unterhaltung, auf der großen Kinoleinwand tauchen öfters gegen den Strich gebürstete TYPEN auf. JEF gelingt es, solchen TYPEN unverwechselbare Gesichter zu geben. Ist die Figur des CHARLES WEBER noch etwas heldisch glatt, ist der Politiker JACQUES DUFELL (im Zentrum des Titelbildes zu sehen) eine kantige Gestalt, mit einem gelebten Gesicht ausgestattet.

Und GELEBT ist das Stichwort, um JEFs Bilder zu umschreiben. Lebensechte Gesichter werden von ihm mit einer fast dokumentarisch düsteren Farbgebung vermischt. Sonnenlicht, sofern es eine Rolle spielt, ist hier eher fahl zu nennen. Oftmals drängt sich ein grau getöntes Grün in den Vordergrund oder ein aggressiv dunkles Rot unterstreicht die kommende Bedrohung.

ALPHATIERE vereint die beiden Teile DER MINISTER UND DER SPION sowie HOCHVERRAT in einem Band. Der THRILLER, geschrieben von STEPHEN DESBERG und CLAUDE MONIQUET, gezeichnet und koloriert von JEF, zeigt keine auf Hochglanz gestriegelte Geschichte, sondern malt POLITIK und seine Macher als die überaus schmutzige Seite der Gesellschaft. Wer hier das GUTE sucht, ist auf dem völlig falschen Dampfer und als Gewinner kann sich letztlich niemand bezeichnen. Dunkel, realistisch, gemein, Top illustriert. Freunde des modernen THRILLERS: zugreifen! 🙂

ALPHATIERE, DER MINISTER UND DER SPION: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Schreiber und Leser.

Donnerstag, 12. September 2019

DEIN TOD MEIN KUNSTWERK

Filed under: Thriller — Michael um 10:04

DEIN TOD MEIN KUNSTWERKPHILIPP MARTIN, ein Polizist aus PARIS kehrt einmal mehr nach BARCELONA zurück, in jene Stadt, die ihn einfach nicht loslassen will. Mit ihr verbindet er die Liebe seines Lebens. Die ihn so viel gekostet hat. Sein neuerlicher Besuch verbindet sich nun mit einem Mordfall. Je mehr er sich darin verwickeln lässt, umso persönlicher wird die Angelegenheit. Denn sein Gegner ist einer der gefährlichsten Kriminellen von BARCELONA. Unter der Beobachtung der örtlichen Polizei begibt sich MARTIN an seine eigenen Nachforschungen und erfährt mehr, als ihm eigentlich lieb ist.

PHILIPPE BERTHET ist zurück. In den letzten Jahren hat sich der Comic-Künstler mit der sehr klaren Linie hierzulande mit diversen Veröffentlichungen bekannt gemacht. Vorneweg die Kriegsabenteuer um POISON IVY, später vermehrt mit Einzeltiteln wie PERICO, DEIN VERBRECHEN oder MOTOR CITY, allesamt Geschichten, die in den Genres Krimi und Thriller anzusiedeln sind. So verhält es sich auch mit dem aktuellen Band, DEIN TOD MEIN KUNSTWERK, dessen Format nach den drei genannten Titeln nicht mehr als Buchformat daher kommt, sondern als großformatiges Album.

BARCELONA ist die heimliche Nebendarstellerin der Handlung. Die stark bevölkerte Stadt, die es tatsächlich schafft, immer noch kleine einsame Winkel zu besitzen, während einen Straßenzug weiter schon das Leben mit voller Lautsärke brummt. Autor RAULE thematisiert dieses für diese Großstadt äußerst wichtige Detail in einer schönen Szene, als sich die Hauptfigur PHILIPP MARTIN bereits tief in die Geschichte verstrickt hat. PHILIPPE BERTHET erhält als Zeichner die Gelegenheit, sich einige Standorte innerhalb BARCELONAS stellvertretend als Handlungsschauplätze herauspicken zu können. So auch die SEILBAHN, über die Thrillerfreunde natürlich spätestens seit ALISTAIR MACLEAN (AGENTEN STERBEN EINSAM) und JAMES BOND (MOONRAKER) wissen, dass sich hieraus schöne Action-Szenarien ergeben können.

Gleich das erste Bild zeigt, wie die Geschichte sich dem Leser (wie auch der Hauptfigur) präsentieren wird, nämlich als LABYRINTH. Stellvertretend für das Gesamtwerk haben RAULE und PHILIPPE BERTHET das LABYRINTH VON HORTA als einen der zentralen Plätze der Handlung auserkoren. Die Rätselhaftigkeit wird natürlich noch vom Titelbild gesteigert. Hier finden sich gleich zwei treibende Kräfte der Handlung. Der Bösewicht, über und über tätowiert, und das Opfer, über das es zwar eine Menge Enthüllungen gibt, aber trotzdem bleiben ein paar Rätsel übrig.

Ich behaupte gerne, Geschichten dieser Art seien nur den Franzosen zu eigen. Hier stimmt es nicht, denn Autor RAULE ist Spanier und entstammt aus BARCELONA (damit eigentlich genauer gesagt Katalane). Im Vorwort bekundet er seiner Heimatstadt seine Liebe (die ist im vorliegenden Band unübersehbar) und seinen Respekt vor einem Comic-Altmeister wie PHILIPPE BERTHET. Diesem schreibt er ein BARCELONA, wie es der Tourist nicht kennt (aber in der Handlung einige KOMPARSEN stellvertretend für alle anderen Toruisten kennenlernen) und wie es der Tourist kennen kann, wenn er nur aufmerksam genug ist. Dazu gehören natürlich auch all die kleinen Balkone, die in den Seitenstraßen in den Luftraum über den Spaziergängern hineinragen.

Kunst spielt eine Rolle in dieser Handlung. Sie ist sogar eine treibende Kraft. Sie trägt Kunst im Titel. Das Opfer beschäftigte sich mit Kunst. Und kann auch Anstöße geben, einmal in Kunstgeschichte hineinzuschnuppern, denn die Tote beschäftigte sich mit CARLOS CASAGEMAS, dessen Leben fast wie eine von ERNEST HEMINGWAY erdachte Nebenfigur aus FIESTA daher kommt. Ohne CASAGEMAS, eine tragische Figur, malender Künstler und Freund von PICASSO, würde es die Handlung so nicht geben.

Wer Thriller im Medium Comic mag, liegt bei PHILIPPE BERTHET kaum falsch. Dieser Comiczeichner beschäftigt sich mit feineren Stoffen, gut herausgearbeiteten Charakteren vor interessanten Schauplätzen. So verhält es sich auch hier, mit einer der spannendsten Großstädte Europas als Hintergrund. RAULE entspinnt die Geschichte mit Bedacht, legt großen Wert auf echte Figuren und nachvollziehbare Motive, die den Leser mit Leichtigkeit auf Entdeckungstour durch die Handlung mitnehmen. Ein Thriller, der gleichzeitig Drama und Tragödie ist (aber welcher gute Thriller ist das nicht?). Sehr gut! 🙂

DEIN TOD MEIN KUNSTWERK: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Schreiber und Leser.

Bisherige Rezensionen im Comicblog zu Arbeiten von PHILIPPE BERTHET:

MOTOR CITY
DEIN VERBRECHEN
PERICO

STAR WARS – POE DAMERON 5 – DAS ERWACHEN

Filed under: SciFi — Michael um 9:45

STAR WARS – POE DAMERON 5 – DAS ERWACHENDIE SCHLACHT VON CRAIT: Ein Heer Kampfläufer der ERSTEN ORDNUNG begegnet den Widerständlern rund um GENERAL ORGANA zu dem Kampf, der über die Zukunft der Galaxis entscheiden soll. Der Ausgang der Ereignisse ermuntert den Widerstand keineswegs zu weiteren Auseinandersetzungen. POE DAMERON befindet sich mit ein paar Gefährten im MILLENNIUM FALCON auf der Flucht und führt sich vor Augen, was bislang alles geschah und andernorts ohne seine Hilfe geschieht. Schlimmer noch! Seine Kameraden von der SCHWARZEN STAFFEL schweben in Lebensgefahr und genau jetzt kann er nichts unternehmen, um ihnen beizustehen.

Und diese Hilflosigkeit ist das Einzige, das man als Leser diesem Abenteuerabend rund um die Geschehnisse aus DAS ERWACHEN DER MACHT und DIE LETZTEN JEDI vorwerfen kann. POE DAMERON steht nicht im Mittelpunkt und ist in der Haupthandlungslinie zum Nebendarsteller degradiert. Das schadet keineswegs, weil seine Kameraden der SCHWARZEN STAFFEL, denen ein guter Teil der Handlung zur Verfügung steht, dies charakterlich sehr toll auffangen. Autor CHARLES SOULLE beschreibt diese Helden ähnlich leidenschaftlich, wie es den Autoren (meist MICHAEL STACKPOLE) in der Romanreihe rund um die legendäre X-WING-SONDERSTAFFEL unter WEDGE ANTILLES gelang.

Die Besonderheit der Bilder (abgesehen von jenen im anhängigen POE DAMERON ANNUAL von NIK VIRELLA) liegt in der Imitation eines Fotorealismus. Ganz erreichen die Grafiken von ANGEL UNZUETA diesen Status nicht, aber sie sind nah dran. Das liegt natürlich nicht nur an der übergenauen Art des Zeichnens von ANGEL UNZUETA, sondern hat natürlich viel mit den beiden Koloristen ARIF PRIANTO und RACHELLE ROSENBERG zu tun (letztere hat in einer Episode den Computerkolorierung übernommen). Unter dem Strich werden hier in einer Comic-Veröffentlichung im Heftformat zwar nicht alle Möglichkeiten der computergestützten Farbgebung ausgenutzt, aber immerhin verdammt viele.

Entsprechend ansprechend fällt das Ergebnis aus. Der Leser eines STAR-WARS-Abenteuers, der vermutlich auch Kinogänger ist und Kenntnis von den letzten beiden Kinofilmen besitzt, wird jeden seiner Lieblingscharaktere auf den ersten Blick wiedererkennen. Aus jedem Winkel muss hier mit reichlich Mustermaterial gearbeitet worden sein. Darüber hinaus besitzt jeder der Piloten der SCHWARZEN STAFFEL außerordentlichen Wiedererkennungswert, charakterlich wunderbar durchmischt, was sich selbstverständlich erst richtig bemerkbar macht, wenn die Figuren nicht im Cockpit sitzen.

Bezeichnend hierfür ist die Episode auf PASTORIA, einem Planeten der fliegenden Städte. Ebenso bezeichnend ist sie für die Schwierigkeiten, die der SCHWARZEN STAFFEL von CHARLES SOULLE bereitet werden, der die Serie von Folge 1 an als Autor betreut. Allein in dieser Sequenz wimmelt es von Überraschungen, Intrigen, Action. Im weiteren Verlauf erlebt der Leser Luftschlachten und Raumkämpfe, die sich mit allem messen können, was die beiden neueren Kinofilme bisher zu bieten hatten. Was im ersten Drittel der Handlung erzähltechnisch noch etwas abgehackt war, wird hier flüssig dargeboten und hat Drama, Drama, Drama (ja, 3 x).

Jawohl, klasse, POE DAMERON ist einerseits ein guter HAN SOLO Nachfolger, gleichzeitig ist er durch die Klasse und Menge seiner Kameraden noch eine Spur besser aufgestellt. Die Nebenfiguren dürfen sich hier aufs Beste profilieren. Toll illustriert von ANGEL UNZUETA (stark koloriert überwiegend von ARIF PRIANTO). Die Illustrationen von NIK VIRELLA (Farben: JORDAN BOYD) im anhängigen ANNUAL sind schön, liegen aber nicht auf Augenhöhe mit dem anderen Grafikteam. Trotzdem ein Erste-Sahne-Gesamtpaket! 🙂

STAR WARS, POE DAMERON 5, DAS ERWACHEN: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Panini Comics.

Bisherige POE DAMERON Rezensionen im Comicblog:

STAR WARS – POE DAMERON 4 – DIE WEGE DER MACHT
STAR WARS – POE DAMERON 2 – INMITTEN DES STURMS
STAR WARS – POE DAMERON 1 – SCHWARZE STAFFEL

Dienstag, 03. September 2019

MONDGESICHT 1

Filed under: Mystery — Michael um 16:34

MONDGESICHT 1Eine abgeschlossene Inselgesellschaft ist zu einem furchtbaren Staat mutiert. Bekannte Formen des Zusammenlebens wurden pervertiert. Der Klerus hat sich dem Staat untergeordnet. In den oberen Etagen kümmert man sich um den Zustand der diktatorischen Hämorrhoiden. In den wahrhaft unteren Etagen haben sich Gruppen etabliert, die alle dem gemeinsamen Feind da oben frönen. Zwischendurch vergnügt man sich, opfert man sich oder glaubt an eine Erlösung. In diesen Zeiten wird die Insel immer wieder von Flutwellen überspült, mal mehr, mal minder stark, in jedem Fall aber ein willkommenes Wasserspiel, um unliebsame politische Gegenspieler loszuwerden. Als eines Tages eine besonders große und zerstörerische Wasserwalze das Eiland heimsucht, nehmen Kameras ein unglaubliches Schauspiel auf. Inmitten der Fluten tanzt ein menschliches Wesen nicht nur, nein, es scheint den Gewalten des Meeres sogar seinen Willen aufzuzwingen und die Wellen nach seinem Gusto aufzutürmen und zu bewegen …

ALEJANDRO JODOROWSKY schaut mit wirklich jeder Geschichte, die er bislang geschrieben hat, in die Abgründe menschlicher Psyche. Er zerrt seelische Qualen hervor, Sehnsüchte bitterster Natur, Grausamkeiten, die ganze Palette dessen, was den Menschen hassenswert macht. Und vor dieser Kulisse erschließt sich, wie eine einzelne blühende Blume auf einer grau verdorrten Wiese, poetisch gesprochen, der berühmte Funken Hoffnung. ALEJANDRO JODOROWSKY gibt diesem Funken in dieser von ihm kreierten Welt einen Namen: MONDGESICHT.

MONDGESICHT ist eine Projektionsfläche. Er wird eigentlich BORRADO gerufen, ist selbst stumm und sein Gesicht besitzt nur sehr wenige persönliche Merkmale. Er hat ein paar Haare auf dem Kopf, schmalste Augenbrauen, aber zum Beispiel keinerlei Ohröffnungen im äußerst rudimentären Ohrenwulst. Seine Nasenlöcher werden von einer sehr kurzen und kleinen Nasenspitze überschattet. Sein Gemüt ist kindlich. ISHA, eine Frau aus dem Untergrund wacht über ihn, sofern er sie lässt. Denn eigentlich, das wird bald deutlich, benötigt er keinen Schutz. Und so baut sich langsam aber sicher ein messianisches Konstrukt um den BORRADO auf, der, so unglaublich und so undurchschaubar das auch sein mag, eine Mission zu haben scheint.

ALEJANDRO JODOROWSKY macht auch hier keine Gefangenen, geschweige denn, dass er auf den Leser in irgendeiner Form Rücksicht nimmt. Hat er damals nicht und heute nicht. Das muss man an ALEJANDRO JODOROWSKY mögen (oder eben nicht). Diese Welt ist dem Wahn verfallen. Einem überspitzten, sehr satirischen Wahn, aber auch einem nicht erfundenen Wahn, der auf den Revolutionswellen reitet, wie er in Russland vorgemacht wurde, mit jenem Irrsinn, wie er in Afrika zu finden ist und despotischen Idioten, wie sie überall dort auf der Landkarte auftauchen, wo gesellschaftliche Großbrände auflodern. Hier lässt sich vieles aus der Wirklichkeit übertragen. ALEJANDRO JODOROWSKYS Kunst ist es, einen globalen Wahn auf einen konzentrierten Blick hin zu bündeln. Sei es gesellschaftlich, technisch, technokratisch, religiös (das spielt sehr oft mit) oder auch historisch. Oder alles zusammen. Und noch mehr. Man kann gut und gern behaupten, dass ALEJANDRO JODOROWSKY ein exakter Beobachter ist.

Und dann ist da noch FRANCOIS BOUCQ! Er gestaltet diese Welt mit einer grünlich-grauen Grundstimmung. Machbare Technik mischt sich mit herkömmlichen Untergründen, Tunneln, Abwassergewölben. Grüne Uniformen, schwarze Uniformen treffen auf Rost und Untergang. Eiförmige Architektur, einer Gesellschaftsgrundlage folgend, trifft auf Natur, die an schottisches Hochland erinnert und ebensolche Meeresküsten drumherum. Darauf tummeln sich die Menschen, meist versteckt und wenn doch offen, dann, wie im Falle der Fischer, um durchzudrehen oder um ein Versteck zu suchen. Aber seine schönste Kreation inmitten all des Wahnsinns ist MONDGESICHT oder auch MOON, wie er gerufen wird.

Denn MONDGESICHT lächelt. Nicht immer. Die Qualen eines Tiers machen ihn traurig. Aber alles andere, wie das, was ihm angetan wird, bringt ihn zum Lächeln. Das sind tolle Momente und es ist der Kunst von FRANCOIS BOUCQ zu verdanken, dass sie so toll funktionieren. Denn eine Figur, die sich durch das Erstaunen und die sonstigen Reaktionen der sie umgebenden Gestalten charakterisiert und selbst über Knotenschnüre kommuniziert, ist alles andere als leicht zu bewerkstelligen.

Ein Märchen von ALEJANDRO JODOROWSKY. MONDGESICHT lebt in einer wahnsinnig gewordenen Welt und wird dort zum Heilsbringer. Das ist mit jener starken satirischen (auch philosophischen) Handschrift erzählt, für die ein ALEJANDRO JOROWSKY berühmt ist. Aber es ist umso mehr von einem ungemein hervorragenden Künstler, nämlich FRANCOIS BOUCQ, illustriert. Thematisch sicherlich nicht jedermanns Sache, aber auf dem weiten Feld der Comics und Graphic Novels ganz bestimmt ein Meilenstein. 🙂

MONDGESICHT 1: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Schreiber und Leser.

Dienstag, 20. August 2019

X-MEN: BLUE 5 – DIE LETZTEN TAGE DES SOMMERS

Filed under: Superhelden — Michael um 16:25

X-MEN: BLUE 5 – DIE LETZTEN TAGE DES SOMMERSEin POISON! Und nicht irgendeiner. Sondern eine Mischung aus einem außerirdischen Wesen und WOLVERINE! Gefährlich, unberechenbar, wahnsinnig vor Zorn. Der Symbiont bringt weitere tödliche Fähigkeiten mit, die den versammelten X-Men das Leben außerordentlich schwer machen. JIMMY HUDSON, der Sohn WOLVERINES aus einer anderen Realität, ist sich seiner Situation durchaus bewusst. Er will den Symbionten gar nicht verlieren. Angesichts der Gefahr, die er für seine Umgebung darstellt, muss eine Aufspaltung herbeigeführt werden. Da die X-MEN nicht mit voller Kraft operieren, braucht es schließlich DAKEN, den Sohn WOLVERINES dieser Realität, um den Feind aufzuhalten.

Verwirrung? Ja und nein. Mit den X-MEN: BLUE, jenem Team, das aus der Vergangenheit in unsere comicale Gegenwart wechselte, entstehen unvorhersehbare Ereignisse. In der Vergangenheit noch, also in jenen Tagen, als die X-MEN einheitlich in einer gelbblauen Uniform auftraten, war MAGNETO der Erzfeind schlechthin. Heutzutage haben sich die Grenzen verschoben, hat Mitgefühl oft die Oberhand gewonnen. MAGNETO gilt inzwischen eher als verirrte Seele, die vielleicht noch gerettet werden kann. JEAN GREY stößt in seinem Geist auf die Ursachen seines Zorns, seiner Trauer, seines Antriebs, weit zurückliegend in den Tagen des ZWEITEN WELTKRIEGS.

CULLEN BUNN zeigt eine Welt in stetem Krieg. Ohne Krieg geht es nicht. Selbst eine Zukunft ist nicht mehr davor gefeit. MAGNETO tritt die Flucht nach vorn an und trifft auf eine zerstörte Welt, in der die REAVERS das beherrschende Element sind, brutale CYBORGS, auf deren Speiseplan Menschen ganz oben stehen. CULLEN BUNN arbeitet mit solchen Episoden, die einem schmalen roten Faden folgen, nämlich dem Schicksal der X-MEN, die sich aus gutem Grund nicht so recht entscheiden können, in ihre Zeit zurückzukehren. Denn es gibt ja immer etwas zu tun.

Letztlich kreiert CULLEN BUNN ein großartiges Mosaik von einer Gruppe, die immer wieder aufs Neue zwischen die Fronten gerät. Der Zusammenhalt wird auf die Probe gestellt. Und die Fähigkeiten werden aufs Äußerste ausgereizt. Darüber hinaus scheinbar auch zu allen Zeiten, denn der Leser darf sogar verschiedene Versionen, alte wie junge, der X-MEN: BLUE bewundern. Unterstützt von fantastischen Zeichnern entstehen Episoden erste Güte. Sogar die oder andere besondere Folge ist dabei.

Eine ist der erwähnte Zeitsprung von MAGNETO, durch den er die erwachsenen Versionen seiner alten Gegner (bzw. zeitweiliger Freunde oder Alliierten) begegnet. Die Apokalypse, wenn man so will, hat zu diesem Zeitpunkt bereits stattgefunden und eigentlich gibt es nicht mehr viel zu verteidigen. Die Welt könnte kaum mehr in Trümmern liegen. Vor dieser Kulisse, zum Schutz der wenigen Überlebenden (den beide Seiten sehr unterschiedlich interpretieren), geraten sich die alten Rivalen einmal mehr in die Haare. Hier mischt MARCUS TO als Zeichner kräftig mit (Farben von MATT MILLA).

MARCUS TO ist mir hierzulande das erste Mal so richtig durch das FATHOM-Spin-off KIANI aufgefallen. Eine klare Technik, sehr realistisch, in Richtung JIM LEE, aber nicht ganz so hart skizziert, zeichnet seine Bilder aus. Seit FATHOM hat er sich noch perfektioniert und lässt mehr Details zu. Von ihm ist noch einiges zu erwarten, gehört er doch zu jener Illustratorengarde, die in den 1980ern auf die Welt kamen und die alten Recken mit den Geburtsdaten in den 1950ern so langsam ablösen. Aber MARCUS TO soll hier nur stellvertretend für die tolle Qualität der Bilder stehen, die darüber hinaus noch von NATHAN STOCKMAN, ANDRES GENLOET und JORGE MOLINA abgeliefert werden.

Hervorragend in jeder Ausgabe. Die jungen X-MEN haben ihre ganz eigenen Qualitäten gegenüber den alten Versionen ihrer Selbst. Eine Spur Naivität schwingt mit, die Weltverbesserungsattitüde ist glaubhafter. Die Zeichnungen unterstreichen die Jugendlichkeit dieser Ansichten sehr schön. Bestens illustriert und mit viel Herz für die Charaktere von CULLEN BUNN erzählt. Sehr schön! 🙂

X-MEN: BLUE 5, DIE LETZTEN TAGE DES SOMMERS: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Panini Comics.

Montag, 12. August 2019

FANTASTIC FOUR 1 – DIE RÜCKKEHR

Filed under: Superhelden — Michael um 14:59

FANTASTIC FOUR 1 - DIE RÜCKKEHRDie FANTASTIC FOUR sind Geschichte. So jedenfalls glaubten es lange Zeit die auf der Erde zurückgebliebenen BEN GRIMM (alias DAS DING) und JOHNNY STORM (alias DIE FACKEL). REED RICHARDS (alias MR. FANTASTIC) und SUSAN STORM (alias DIE UNSICHTBARE) sowie die FUTURE FOUNDATION bereisen Universen und Welten, die von FRANKLIN RICHARDS geschaffen wurden. Die Fantasie ist die einzige Grenze. Die Reisen könnten ewig so weitergehen, wenn nicht eines Tages ein Wesen erschiene, das nichts Geringeres im Sinn hat, als jedes von FRANKLIN RICHARDS geschaffene Universum zu vernichten und damit auch Milliarden von unschuldigen Leben. Es ist Zeit für eine Wiedervereinigung der FANTASTIC FOUR. Und nicht nur der Originalvariante, sondern auch all jener, die einst als Aushilfskräfte dem Team einmal angehörten.

Bevor es zurückgeht in die alte Welt, muss die neue Welt zuerst abgerissen werden. Das gelingt mittels einer Kreatur, GRIEVER, die einen gehörigen Hass auf die Schaffenskraft der FANTASTIC FOUR und der FUTURE FOUNDATION (in Form des Sohnes von REED und SUSAN, FRANKLIN RICHARDS) angehäuft hat. Nach einem nostalgisch anmutenden Beginn der Geschichte kann DAN SLOTT hierbei nun aus dem Vollen schöpfen und fährt ein regelrechtes Aufgebot an SUPERHELDEN auf, weitaus mehr, als man selbst als FANTASTIC FOUR FAN hätte vorausahnen können. Wer einen Blick auf die Rückseite des Bandes wirft, erhält einen kleinen Vorgeschmack darauf: ANT-MAN, GHOSTRIDER, SHE-HULK, BLACK PANTHER, HULK, MEDUSA von den INHUMANS und noch mehr.

In dem grafischen Feuerwerk, das nun entbrennt, finden sich irre Szenen, die es selbst in einem Comic-Universum von MARVEL so noch nicht gab. VIELFALT lacht, Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf, dafür hagelt es eine Menge Überraschungen. Diese werden von COMIC-KÜNSTLERN wie SARA PICHELLI, STEFANO CASELLI, NICO LEON, SIMONE BIANCHI und SKOTTIE YOUNG in Szene gesetzt. Zumeist findet unter ihnen eine grafische Annäherung statt. Eine Zwischenepisode aus dem Leben von DR. DOOM ist allerdings eine gehörige Ausnahme. LATVERIA hat einen neuen Despoten. Das passt dem vorigen Despoten alias DR. DOOM überhaupt nicht. Mittels seiner (mehr oder minder) neuen Kräfte macht er sich an die Rückeroberung SEINES Landes. SIMONE BIANCHI macht daraus ein optisch magisches, fantastisches Event (obwohl nur der Auftakt zur großen Attacke erzählt wird).

Interessanterweise (ein feiner Dreh von DAN SLOTT) findet sich just zu dem Zeitpunkt, da sich die FANTASTIC FOUR wieder vereinen, ein neues Quartett, das sich anschickt die bestehende Lücke auszufüllen. Die FANTASTIX sind da! Und die legen sich nicht nur mit Ganoven an (der allseits beliebten WRECKING CREW, mittlerweile zur Originalbesetzung auch fraulich verstärkt), sondern zwiebeln sich in der Folge auch mit den FANTASTIC FOUR. Dann heißt es ORIGINAL gegen FÄLSCHUNG. Das ist nicht so verzwickt inszeniert, wie der Start von DIE RÜCKKEHR und macht ziemlich Spaß. Exzellent illustriert, mit einem netten Clou zum Schluss.

MARVELS FIRST FAMILY ist zurück. Es hat etwas gedauert. Der letzte Abschied ist schwer gefallen, aber das Warten sich doch gelohnt (Denn hätte irgendwer an ihrer RÜCKKEHR gezweifelt? Sie kommen doch immer zurück! 🙂 ) Grafisch aufwändig. Es hat Witz (immer noch die besten Komiken neben SPIDER-MAN), ist einfallsreich und hat gruselige und spaßige Action. Hach, ein Rundumsorglospaket! 🙂

FANTASTIC FOUR 1, DIE RÜCKKEHR: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Panini Comics.

Sonntag, 11. August 2019

LADY S – GESAMTAUSGABE 1

Filed under: Thriller — Michael um 17:17

LADY S - GESAMTAUSGABE 1Bedrängt, gejagt, verfolgt durch die Zwänge und Brutalitäten einer Diktatur gerät ein junges Mädchen aus ihrer behüteten Welt geradewegs auf den Weg der Kriminalität. Ihr Name: SHANIA RIVKAS. Tochter eines akademisch ausgebildeten Elternpaares. Eines Nachts bricht der KGB, der sowjetische Geheimdienst, ins Heim der Familie ein. SHANIA kann entkommen und wird, begünstigt von einem glücklichen Zufall, von einem alleinstehenden Jugendlichen, ANTON SERGEJEWITSCH GRIWENKO, gerettet. Angeleitet von dem jungen Mann, der sich zu einem großen Bruder auswächst, lernt sie ohne Eltern auf den Straßen zu überleben. Stehlen wird essenziell. Und SHANIA gelingt es, darin eine hohe Professionalität zu erlangen. Bis sie eines Tages eine schicksalshafte Begegnung hat.

Der Belgier JEAN VAN HAMME ist einer der erfolgreichsten europäischen Comic-Autoren. Einzeltitel wie DIE BLUTHOCHZEIT, Serien wie WAYNE SHELTON, LARGO WINCH, XIII oder THORGAL haben hierzulande viele Fans gewonnen. Die Comic-Vorlagen brachten auch Verfilmungen z.B. wie von DIE BLUTHOCHZEIT hervor (dt. Kinofilm mit ARMIN RHODE, UWE OCHSENKNECHT). Eine Übersicht seiner Veröffentlichungen (hier ist nur ein kleiner Teil) macht schnell ein Hauptgenre deutlich: THRILLER. Hier macht JEAN VAN HAMME kein anderer Autor etwas vor. Er entwickelt sehr gerne ausgefeilte Hauptcharaktere, aus einem frühen, jungen Stadium an, strickt an sehr detailierten Lebensläufen und macht diese Figuren für Leser ungeheuer genau nachvollziehbar.

JEAN VAN HAMME hat innerhalb des Genres seine speziellen Felder ausgemacht. Dazu gehören die HOCHFINANZ, INTERNATIONALE POLITIK, SPIONAGE und fremde LÄNDER quer über den gesamten Erdball. Insofern passt die Figur der späteren LADY S sehr gut in die erzählerischen Interessen von JEAN VAN HAMME. SHANIA RIVKAS bewegt sich in eben jenen Gebieten, perfekt ausgestattet mit einem ADOPTIVVATER, der als BOTSCHAFTER der VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA tätig ist.

JEAN VAN HAMME versteht sich auf zweierlei. Einerseits versteht er sich darauf, eine Geschichte geradlinig voranzutreiben, andererseits verschachtelt er dicht, gerne auch mal mit Rückblicken versehen. LADY S will nicht nicht einfach so heruntergelesen werden. Hier ist auch Aufmerksamkeit gefragt. Die Spannung ist häufig psychologischer Natur im Spiel der Charaktere zu finden. Action gibt es in der ersten GESAMTAUSGABE von LADY S, aber keinesfalls als Selbstzweck und sie ist auch nicht mit jenem HOLLYWOODBLOCKBUSTER-FLAIR behaftet wie z.B. bei einem WAYNE SHELTON.

SHANIA RIVKAS bildet als Charakter ein Paradebeispiel einer modernen, toughen, jungen Frau. Bestens bewandert auf dem politischen wie auch diplomatischen Parkett kann sie sich dank ihres Hintergrundes ebenfalls ihrer Haut erwehren. Was nicht allzu oft nötig ist. Dafür ist weitaus häufiger Fingerspitzengefühl gefragt. Kein Wunder, sind doch BRÜSSEL, WASHINGTON, LANGLEY Orte des Skalpells, nicht des Hammers (was so mancher seit Januar 2017 wahrscheinlich nicht mehr so sieht). Comic-Zeichner, die mit JEAN VAN HAMME zusammenarbeiteten, stehen meist für starke realistische Bilder. Mit PHILIPPE AYMOND verhält es sich ebenso.

Als Illustrator geht er bei seinen Figuren mit der gleichen Detailverliebtheit wie sein schreibender Kollege JEAN VAN HAMME zu Werke. Jede Figur ist nach Möglichkeit ein Unikat, zumindest jene, die etwas zu sagen haben. (Bei Komparsen ist das Ganze etwas zu vernachlässigen.) Wer zum Beispiel die Arbeiten von CHRISTIAN DENAYER (WAYNE SHELTON) oder PHILIPP FRANCQ mag, kann rein optisch bedenkenlos zugreifen. LADY S bewegt sich auf jeder Seite in einer realen Welt, aber anders als in anderen Serien von JEAN VAN HAMME, bewegt sie sich nicht immer an besonders exklusiven oder exotischen Orten. An den meisten Orten könnte ebenso gut OTTO NORMALVERBRAUCHER um die Ecke kommen. Und es passt so: Wenn ein z.B. gewöhnliches BRÜSSELER HAUS zur Todesfalle werden kann, fühlt man sich als Cineast an FRANTIC erinnert. Eine Klettertour über innerstädtische Häuserdächer ist und bleibt ungewöhnlich.

Perfekt, routiniert, durchweg spannend. JEAN VAN HAMME ist einfach ein Garant für tolle Thriller-Unterhaltung. LADY S bedeutet für den Leser eine femininere Art des Spionage-Thrills, ohne oberflächliche Kloppereien (die auch bei weiblichen Actionstars zum Pflichtprogramm gehören). Hier ist eher wie in modernen dicht erzählten Serien AUFPASSEN Trumpf. Das gefällt mir sehr gut! Nicht zuletzt wegen der technisch versierten Illustrationen von PHILIPPE AYMOND. 🙂

LADY S, GESAMTAUSGABE 1: Bei Amazon bestellen.
Oder bei ALL VERLAG.