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Comic Blog


Freitag, 15. Dezember 2017

REVIVAL 7 – VORWÄRTS!

Filed under: Mystery — Michael um 18:19

REVIVAL 7 - VORWÄRTS!NIKKI SINGSTOCK hatte einmal den Wunsch ins All zu fliegen und eine Astronautin zu werden. Es kam anders. FANNIE wollte zusammen mit ihrer Tochter die Welt der Engländer hinter sich lassen und in die gottesfürchtige Abgeschiedenheit der AMISCHEN aufgenommen werden. Es kam anders. Und DERRICK HINCH wollte sein Glück im Tätowieren finden. Und er tätowierte. Glück brachte es ihm nicht … Nur drei Einwohner aus WISCONSIN, in und um WAUSAU, deren Wünsche sich nicht erfüllten. Für so manchen sollte es sogar noch schlimmer kommen.

DEATH BECOMES HER. Um es mit dem modernen Totenklassiker von 1992 zu sagen. Oder: Der Tod steht ihr gut. Oder sogar noch besser, denn plötzlich ergeben sich Möglichkeiten, an die vorher niemand gedacht hat. Andererseits hören die Probleme nicht auf. Es entstehen bloß neue. Lebende Tote (ohne Hunger auf Menschenfleisch, meist bei klarem Verstand, sofern das vorher schon der Fall war, und mit enormen Regenerationsfähigkeiten) wecken Begehrlichkeiten, natürlich und vor allem bei Militär und Wissenschaft.

Genüßlich walzt Autor TIM SEELEY das Aufeinandertreffen von amerikanischen Kleinstadtleben, Militär, einer endzeitlich religiös angehauchten Stimmung und äußerst mysteriösen Ereignissen aus. Die verkrampfte Aufrechterhaltung einer gewohnten Ordnung gerät so schnell zur Farce. Selbst Drogendealer, die weiter ihrer Tätigkeit nachgehen wollen, müssen sich etwas einfallen lassen. Alles geht nach und nach über verschiedene Bodenschwellen den Bach runter. Und das ist bei weitem nicht alles.

Die Toten und die nahebei herumirrenden Seelengestalten waren bisher ein Mysterium. Es gab Lösungsansätze, aber am einfachsten war es für die Beteiligten, diese Wiedergänger einzusperren. Hilfe erwuchs durch die mitfühlende Psychologin DR. MARINA LAURO, für die jene Gefangenen keine Objekte waren, die zwecks Experimenten eingesperrt wurden. TIM SEELEY führt den Leser durch sie an die Toten heran. Und natürlich durch die prominenteste unter ihnen: MARTHA (M) CYPRESS, tot und gleichzeitig schwanger.

Ein Wort (oder mehr) zur Arbeit von JENNY FRISON. Die Front- und Back-Cover werden von ihr gestaltet, aufwendiger als die Innenbilder von MIKE NORTON (Farben: MARK ENGLERT). Der Gemäldeeffekt bei JENNY FRISONS Arbeiten ist weitaus höher. Häufig wird ein bestimmter Charakter der Serie herausgegriffen und prominent in Szene gesetzt. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine Hauptfigur handeln und gerade das macht noch einen weiteren Reiz der Bilder aus. Denn so erhalten, nur mittels eines (jedes Mal hervorragenden!) Bildes, besagte Figuren wie zum Beispiel DANAS Sohn COOPER mehr Tiefe. JENNY FRISON hat einen Blick und ein Händchen für Gesichtsausdrücke, gerade so, wie es (gute) Portraitmaler auch mitbringen. Das für die 7. Sammelausgabe, Untertitel VORWÄRTS!, ausgewählte Bild, ist ein besonderer Höhepunkt. Auf einen menschlichen Rücken werden ein paar ausgewählte Motive der bisherigen Handlung tätowiert.

COOPER CYPRESS spielt zwar eine kleine Rolle, aber er gibt der Geschichte eine entscheidende Wendung durch ein Detail, dem bislang zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde (in einem Film oder einer Serie gäbe es den berühmten Aha-Effekt). Stichwort: COOPER-COMICS. Ein (sehr kindlicher) Comic im Comic.

Clowns und Freaks. MIKE NORTON hat in der zweiten Hälfte des vorliegenden Bandes zwei sehr unterschiedliche und zwei höchst spannende, weil unerwartbare Handlungstränge zu zeichnen. Es wird sehr blutig, radikal, dann ungewöhnlich, teils lustig und zugleich wird der Geschichte eine neue Figur spendiert, die sich wegen ihres merkürdigen Hintergrundes nahtlos in REVIVAL einfügt (obwohl ich auch den Verdacht nicht loswerde, dass hier eine Art Verbeugung TIM SEELEYS vor der Arbeit von MARK MILLAR stattfindet). MIKE NORTONS Bilder sind stilistisch versiert, am Realismus orientiert, Mittlerweile kennt er seine Figuren und sein WAUSAU im Bundesstaat WISCONSIN eben perfekt.

Eine perfekte Mystery-Soap (sofern der Begriff aus einem anderen Medium in den Comic übertragbar ist) von TIM SEELEY. Kein Band für Neueinsteiger, aber sicherlich ein Band, der Fans der Serie einmal mehr dranbleiben lässt! Gewohnt klasse von MIKE NORTON illustriert, mit tollen Cover-Grafiken von JENNY FRISON. 🙂

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Dienstag, 12. Dezember 2017

BATMAN – ICH BIN GOTHAM

Filed under: Superhelden — Michael um 11:50

BATMAN - ICH BIN GOTHAMGOTHAM: In der Stadt, in der sich die Freaks austoben, BATMAN immer alle Hände voll zu tun hat und es wohl nie schaffen wird, sämtliche Irre, Superschurken, gewöhnliche Halunken und Terroristen aus dem Verkehr zu ziehen, taucht plötzlich unerwartete Hilfe auf. Sie nennen sich selbst GOTHAM und GOTHAM GIRL. Seitens BATMAN wird die Hilfe mit dem üblichen Misstrauen und einer typischen Skepsis aufgenommen. Und zuerst sieht es tatsächlich einmal so aus, als würde sich der DUNKLE RITTER irren …

ICH BIN GOTHAM. Wer würde bei dieser Aussage nicht sofort an BATMAN denken. Aber so einfach ist es in dieser Sammelausgabe um zwei neue jugendlichere Helden im altehrwürdigen GOTHAM nicht. Und es handelt sich nicht etwa um zwei neue SIDEKICKS des DUNKLEN RITTERS. GOTHAM und GOTHAM GIRL treten auf auf wie die menschliche Verkörperung einer heruntergekommenen Stadt, die ihren Bewohnern mehr nimmt, als sie ihnen gibt. TOM KING und SCOTT SNYDER geben diesen neuen Figuren eine Geschichte und besondere Fähigkeiten, die einen BATMAN erst einmal überraschen und schließlich sogar die JUSTICE LEAGUE auf den Plan ruft.

Im Rahmen des REBIRTH-Events, der WIEDERGEBURT DES DC-UNIVERSUMS, fließen auch neue Ideen in altbekannte Strukturen ein. Wer glaubte, in GOTHAM, der schmutzigsten und gefährlichsten Metropole des DC-Universums, werde sich so schnell keine Neuerung finden, lernt hier zwei Charaktere kennen die zugunsten ihrer Vorstellung von Gerechtigkeit noch einen Schritt weiter gegangen sind als BATMAN. Kaum vorstellbar, aber es ist so.

REBIRTH von GOTHAM bedeutet: Dunkel, dunkler, noch dunkler. Dank der virtuosen Zeichner MIKE JANIN, IVAN REIS und allen voran natürlich dem meisterhaften DAVID FINCH ist die neu inszenierte düstere Großstadt so anmutig wie eine halb verrottete, nächtlich gleißend angestrahlte Burg. Kurz nach der Einführung eines neuen SIDEKICKS, DUKE THOMAS, in neuem Design, kaum im Stile eines ROBIN, geht der Vorhang auf für die eigentliche Handlung, deren explosiver Start andernorts schon fliegende Helden auf den Plan gerufen hat. Ein toller Auftritt eines BATMOBILS im Stile der ANIMATED SERIES aus den 1990er Jahren inklusive darf BATMAN eine seiner größten und schwierigsten Heldentaten schlechthin absolvieren.

Design: Einerseits wirkt das Outfit der neuen Helden an BATMAN angelehnt (was auch gut hergeleitet wird), andererseits vermittelt es einen altmodischen, leichten Gothic-Look. GOTHAM und GOTHAM GIRL wirken wie aus der Zeit gefallen. Oder anders ausgedrückt: Zurück in die 1950er. Der grafische Stil ist komplett auf die Strichführung eines DAVID FINCH ausgerichtet, der gleichauf in einer Liga wie JIM LEE spielt (ebenfalls ein begnadeter BATMAN-Illustrator). DAVID FINCH hat für düstere Szenarien die richtige Handschrift. (MARVEL-Fans finden bei MOON KNIGHT einen entsprechenden Beweis. Ausgerechnet wieder ein nächtlicher Ritter!) Höhepunkte sind ein Kampf mit SOLOMON GRUNDY, ein weiterer Fight mit allen Mitteln (BATMAN setzt wirklich alles ein!) und eine Epilog-Sequenz, in der eine verirrte Seele wieder auf den rechten Weg gebracht wird.

Verirrte Helden mit einem Fanatismus, einem Rachegedanken, der größer ist als jener von BATMAN? Helden, bei denen der Wunsch zu helfen zum Zwang wird? Eine frische Idee krempelt dank der Autoren TOM KING und SCOTT SNYDER die Welt des DUNKLEN RITTERS um. Genial illustriert, vorneweg von DAVID FINCH. Klasse! 🙂

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Sonntag, 10. Dezember 2017

THE WALKING DEAD 28

Filed under: Horror — Michael um 12:53

THE WALKING DEAD 28 – DER SICHERE TODDutzende. Hunderte. Tausende. Zigtausende. Was ist schon ein ZOMBIE? RICK GRIMES und seine Gefährten sind geübt in der endgültigen Vernichtung einzelner Untoter. Sie haben sich mit Herden angelegt und mit List gewonnen. Doch die verwesende Masse, die nun gegen ihre Zuflucht aufmarschiert, könnte das Ende für alle überlebenden Menschen bedeuten. Nur eine irrsinnige, völlig verzweifelte Maßnahme könnte die Katastrophe abwenden. ANDREA, EUGENE, MICHONNE und einige andere wagen den Ausfall im lebensgefährlichen Versuch, die Armee der ZOMBIES wegzulocken …

ROBERT KIRKMAN hat seine langjährige Leserschaft schon mehrfach schocken können (bei den Zuschauern der Fernsehserie ist es ihm auch gelungen). Meist hing das mit einigen unvorhersehbaren Ereignissen zusammen. Wie und wohin entwickelt sich eine Gruppe? Und vor allem: Wer wird sterben? Frühere Gesetzmäßigkeiten, nach dem STAMMPERSONAL einer Geschichte überlebt und nur REDSHIRTS das Zeitliche segnen, sind seit einigen Jahren bei vielen Gelegenheiten, in vielen Genres und noch mehr Autoren ad acta gelegt. ROBERT KIRKMAN macht da keine Ausnahme, im Gegenteil, man könnte ihn zu den Vorreitern dieser neuen Erzählkultur zählen, die vorher nur Ausnahmen waren.

DER SICHERE TOD lautet der Titel der 28. Episode von THE WALKING DEAD. Es wird nicht mehr versucht, eine alte Gesellschaftsform zu reaktivieren, vielmehr entwickelt sich langsam etwas Neues. Langsam, denn die Ruinen der alten Zeit ohne ZOMBIES legen für einen echten Neuanfang immer noch Knüppel (eher ganze Wälder) in den Weg. So beginnt die neue Folge mit einem apokalyptischen Aufmarsch von Untoten. Hier bahnt sich keine Herde, sondern eine ganze Armee ihren Weg. Zehntausende ZOMBIES werden von einer feindlichen Gruppierung als Waffe eingesetzt, in der Hoffnung, damit werde sich das Problem um die Gruppe um RICK GRIMES endlich erledigt haben.

Ungewöhnliche Situationen ergeben ungewöhnliche Maßnahmen. Nicht nur im Feldzug gegen die untoten Horden, sondern auch innerhalb des eingezäunten Areals der Gemeinschaft finden seltsame Arrangements statt. Wie sehr NEGAN noch einmal ins Zentrum der Geschichte rücken wurde, dürfte ziemlich überraschend für den einen oder anderen Leser sein. Zumal seine Vorgeschichte (nicht das jüngst erschienene PREQUEL) nicht gerade dazu einlädt, ihn seinen comicalen Mitstreitern sympathischer zu machen.

Optisch legt sich da Grafikteam ins Zeug; viel Feind (ZOMBIES), viel zu tun! In der ersten Hälfte gibt es für den Leser satte Action, während die zweite Hälfte wohl eine der einfühlsamsten, traurigsten Sequenzen sein dürfte, die CHARLIE ADLARD und sein Team (Tusche: STEFANO GAUDIANO, Graustufen: CLIFF RATHBURN) je umsetzen mussten. Mehr soll dazu nicht gesagt sein, aber die Länge und die Intensität dieser Sequenz haben es wirklich in sich.

ROBERT KIRKMAN zelebriert den Abschied. Fiktionale Charaktere können einem zweifellos als Fan ans Herz wachsen (einem Autoren erst recht). Welche Auswirkungen ihr (ebenso fiktionaler) Tod hat, konnte über Jahrzehnte hinweg beobachtet werden. Die Trauer einer anderen Figur wird dem Leser sehr nah vor Augen geführt, intensiv, in einer fantastisch gut erzählten Sequenz. Tolle Folge. 🙂

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Sonntag, 03. Dezember 2017

TORPEDO 1972

Filed under: Thriller — Michael um 18:36

TORPEDO 1972JAMES ist Journalist, auf der Suche nach der großen Story. Jetzt scheint er etwas gefunden zu haben. Nachdem er versucht hat, an seiner Freundin rumzufummeln, im dunklen Kinosaal, während einer Vorstellung von DER PATE, rückt er mit der Nachricht heraus. Für die Fummelei handelt er sich eine Ohrfeige ein, weil Sex vor der Ehe für WENDY nicht in Frage kommt. Die Geschichte allerdings interessiert sie als Fotografin. Keiner der beiden ahnt, wie gefährlich ihnen der aus ihrer Sicht uralte Hauptdarsteller der geplanten Story noch werden wird …

Hart. Härter. Drecksack. TORPEDO. So etwa könnte eine Steigerungsform in Form auf den gealterten Hitman ausfallen. LUCA TORELLI alias TORPEDO ist über 60, seine für ihn glorreichen 1930er Jahren liegen lange zurück. Aber nur die Knochen und Muskeln haben gelitten, Parkinson lässt die Hand zittern. Emotional hat sich nichts geändert. TORPEDO ist brutal, ohne Gewissen und ohne Mitleid. Andere Menschen bedeuten ihm nichts, nicht einmal der langjährige Sidekick RASCAL, den er immer noch mit Vorliebe drangsaliert (und der sich weiterhin alles gefallen lässt, das muss irgendwie Liebe sein).

Die äußeren Umstände, wie man so schön sagt, sind nicht nur körperlich andere geworden. Früher hat TORPEDO von seinen Aufträgen sehr gut, sehr bequem, sehr komfortabel leben können (vielleicht ein Grund, warum RASCAL es so lange neben TORPEDO ausgehalten hat). Im Jahr 1972 hat sich nicht nur eine leidlich neue Jugendkultur ihre Bahn geschlagen, TORPEDO ist auch verarmt, wohnt mit RASCAL in einer Bude, die mehr für die Abrissbirne taugt, und jagt auf seine Art Tauben für die nächste warme Mahlzeit im Stadtpark. Um das Maß voll zu machen, ist die alte Welt der Mafiosi dank des Kino-Blockbusters DER PATE zur Popkultur geworden. Verbrechen als New Yorker Lokalkolorit.

Dennoch: TORPEDO hat noch ein letztes Mittel, um Geld zu verdienen. Er verkauft seine Vergangenheit. Jeder Name, jedes Geschehen, jede Erinnerung, jedes Foto kostet und das nicht zu knapp. ENRIQUE SANCHEZ ABULI seine TORPEDO 1936-Variante neu belebt, ihn in eine Zeit geworfen, die der alten Gefahr durch Gangster rotzfrech gegenübertritt, sehr naiv sogar, zuweilen geradezu blind und blöd. Punktum: Perfekte Opfer für TORPEDO und der Grund, warum es noch niemand geschafft hat, den Alten um die Ecke zu bringen.

Die Wiederbelebung von TORPEDO durch E. S. ABULI funktioniert besonders gut durch die Gegensätze. Der Killer LUCA TORELLI steht für eine andere Zeit, die spätestens in den 1950er Jahren eine starke Veränderung erfuhr, als die ehrenwerte Gesellschaft sich noch etwas auf ihren Stellenwert einbildete, die familiäre Abgrenzung gegenüber anderen kriminellen Vereinigungen etwas bedeutete. In den 1970ern treiben sich bei E. S. ABULI die Nachfahren jener Familien in Spelunken herum und belächeln die alten Tage mit einem debilen Grinsen.

Als grafischer Nachfolger vom langjährigen Zeichner JORDI BERNET (der 1936-Variante) steht der ausgezeichnete Illustrator EDUARDO RISSO in den Startlöchern. EDUARDO RISSO hat reichlich Erfahrung in Thrillerszenarien gesammelt. Nachprüfen konnte die Leserschaft das hierzulande mit Veröffentlichungen wie JONNY DOUBLE oder 100 BULLETS. EDUARDO RISSO arbeitet mit einfachen, dünnen Strichen, er mag außerdem eine künstlerisch übertriebene Schattierung, wie er in der reinen Schwarzweißumsetzung des Comic-Dreiteilers VAMPIRE BOY unter Beweis gestellt hat.

Besonderes Markenzeichen von EDUARDO RISSOS Arbeit sind die Visagen. Schönheiten wie allgemein bei Superheldencomics auftauchend sind bei EDUARDO RISSO eher Nebendarsteller. RISSOS Charaktere können einem an der nächsten Straßenecke begegnen. So ist er für JORDI BERNET ein perfekter Nachfolger, denn auch BERNET verstand sich auf echt wirkende Figuren. Gerade das macht einen der Reize in dieser sehr ungeschminkten Gangster-Oper aus.

Neue Zeit, alter TORPEDO. Er hat nichts verlernt, aber auch nichts dazugelernt. TORPEDO bleibt TORPEDO, auch mit Parkinson. Eine dreckige Gangsterballade von E. S. ABULI, stilistisch exzellent von EDUARDO RISSO gestaltet. Wer den TORPEDO von 1936 mochte, wird den von 1972 ebenfalls ins dunkle Herz schließen. 🙂

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Samstag, 02. Dezember 2017

KARL – Gesamtausgabe 1

Filed under: Cartoon — Michael um 11:23

KARL - GESAMTAUSGABE 1Probleme gibt es im Rheingau reichlich. Dazugehört natürlich alles, was der Lese schadet. Stare sind ein Gräuel, sie müssen aufwändig vertrieben werden, mit Krach, Gerassel, oder mit Böllern, wenngleich die Umsetzung durch OSKAR auch ihre Folgen hat. Animositäten sorgen für reichlich Ärger, ungewöhnliche Abenteuer am Rande, wie ein FERDINAND erfährt, der, als Gespenst mit Bettlaken verkleidet, plötzlich einem echten Geist in jenen vergangenen Tagen gegenüber steht. Aber KARL gibt bei all den Schwierigkeiten nicht auf, meistert die Sabotage eines FERDINAND, die Nachlässigkeiten eines OSKAR, unterstützt durch die Zuneigung seiner MARIA und erfindet ganz nebenbei neue alkoholische Produkte.

KARL, DER SPÄTLESEREITER. Von der Idee im Jahre 1987 bis zum ersten Album 1988 im eigenen Verlag war es für den KARL, eine deutsche Comic-Figur (!), kein einfacher Weg. Nachdem bestehende Verlage den beiden Comic-Machern PATRICK KUNKEL und MICHAEL APITZ mit ihrem Projekt nur ablehnend gegenüber standen, beschlossen sie, KARL in eigener Hand selbst umzusetzen. Und wie es manchmal so ist, wurden sie dafür mit Erfolg belohnt und KARL fand seiner Leserschaft.

Nach eigener Aussage wollte MICHAEL APITZ gerne etwas im Stile von ASTERIX machen, vielleicht mit ein wenig LUCKY LUKE oder TIM UND STRUPPI. Wie gut dieser Ansatz in einem Szenario, angesiedelt in deutschen Landen im Spätsommer des Jahres 1775 funktioniert, zeigt sich am ersten Band der Reihe, von dem sich in mehreren Auflagen mehr als 150.000 Stück verkauften. 30.000 gingen sogar englischsprachig über die Theke. Das sind selbst (oder besonders) nach so langer Zeit im Comic-Bereich traumhafte Verkaufszahlen. Und gleichzeitig damals eine gute Grundlage, um mit KARL weiterzumachen. Dabei war mit dem ersten Comic auch viel LEARNING BY DOING.

Im Ergebnis aber gehen die Bilder von MICHAEL APITZ mit ihren Vorzeichnungen, der Tuscheumsetzung, der späteren Kolorierung mittel Aquarelltechnik und Plakafarben in die grafische Richtung der Vorbilder aus der frankophonen Nachbarschaft. Die Zeichnungen besitzen nicht ganz so intuitiven Charakter wie die Bilder eines MORRIS. Sie sind eher optisch einem ALBERT UDERZO während seiner UMPAH-PAH-Phase nahe. Von MICHAEL APITZ erhält jede Figur ihr ganz persönliches Gesicht, Haltung, Gestalt. In dieser sich dem Leser bietenden Vielfalt dürfte auch ein Erfolgsrezept der Reihe zu finden sein, zumal mit den Auftritten karikierter Prominenz ein weiteres Rezept der Kollegen UDERZO und MORRIS hinzugefügt wurde.

So tauchen nicht nur JOHN WAYNE, SYLVESTER STALLONE oder DAVID NIVEN im RHEINGAU auf. Es hagelt außerdem viele Anspielungen, das Lokalkolorit spielt eine immense Rolle und natürlich beginnt alles mit der zufälligen Erfindung der SPÄTLESE. Ausgehend von einer wahren Legende, des Traubenkuriers, entstand DER SPÄTLESEREITER, dem die beiden Bände DAS FASS DER ZISTERZIENSER und DIE REVOLUTION folgten.

Ein schönes Stammpersonal in KARL bildet wie im Vorbild von RENE GOSCINNY ein Team zum Mitfiebern und Lachen. MARIA, OSKAR, der frankophile Rüde GRANDPATTE, der Lump FERDINAND oder PATER ANSELM (alle auf dem Titelbild der Gesamtausgabe vertreten) bieten eine gelungene Palette von jeweils fein ausgedachten Charakteren. Aber die mehr oder minder heimliche Hauptattraktion ist natürlich der Wein. Darf man der SPÄTLESE im ersten Abenteuer beiwohnen, ist es in Band 3 die Entstehung des SCHAUMWEINS, dessen Geheimnis hier gelüftet wird.

Ja, es ging doch, muss man aus heutiger Sicht sagen, denn nach KARL hat sich kaum mehr ein Comic aus Deutschland so schön herausgemacht. Ein Grund mehr diesen jungen Klassiker zu Recht mit einer Gesamtausgabe zu würdigen. Cartoon-Abenteuer aus deutschen Ländern, sehr europäisch verortet, gekonnt illustriert und mit ordentlich viel Humor erzählt. Schön, schön, schön, empfehlenswert! 🙂

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Freitag, 24. November 2017

SARA LONE 2 – CARCANO GIRL

Filed under: Thriller — Michael um 11:17

SARA LONE 2 - CARCANO GIRLWashington am 26. April 1961. Zwei Männer sitzen völlig unverfänglich auf einer Parkbank und unterhalten sich. Der eine isst einen Hot Dog, lässt ein paar Krümel für die Tauben auf den Boden fallen. So harmlos die Szene ist, so aufgewühlt sind beide Männer, was die politische Situation anbelangt. Kurz zuvor ist die Invasion in der Schweinebucht auf Kuba gescheitert. Aus den Gedanken der Unzufriedenheit mit dem Oberbefehlshaber der Vereinigten Staaten, dem Präsidenten, entstehen dunkle Ideen …

Im Mai 1561 wird vor langer Zeit ein Nährboden für weitere Ereignisse zu Beginn der 1960er Jahre in den Vereinigten Staaten, im Bundesstaat Texas gelegt. Die junge Frau, die beschlossen hat, unter ihrem Künstlernamen SARA LONE zu leben, befindet sich an Bord der PINKY PRINCESS, einem Krabbenkutter. Der Fang ist äußerst mager ausgefallen. Auf dem Schiff beschäftigt sie zwei Schwarze, ein Umstand, der bei der örtlichen Gewerkschaft nicht gut angesehen ist, denn in der Gegend ist nicht nur die allgemeine Stimmung gegen dieses Arrangement, sondern auch die Rassisten des Ku-Klux-Klan machen Front gegen Sara …

Ich mag die Epoche, die 1960er, aus heutiger Sicht. Es war eine hoch politische, sehr emotionale Zeitspanne, in der historisch gesehen, viel geschah. Für jene, die diese Zeit, auch und gerade in den Vereinigten Staaten von Amerika, aktiv erlebten, wird es mitunter eine Spur zu viel der Umwälzungen und der Ereignisse gewesen sein. Die kriegerische und politische Einflussnahme in anderen Ländern, wird auch im zweiten Band von SARA LONE thematisiert, ohne allerdings genau auf die diskutierten Ereignisse einzugehen. Der Untertitel, CARCANO GIRL, bezieht sich auf ein sehr spezielles Gewehr, das im November 1963 von LEE HARVEY OSWALD für das Attentat auf den amerikanischen Präsidenten JOHN F. KENNEDY benutzt worden sein soll (das Vorwort erläutert kurz den Begriff CARCANO).

Die hier geschilderte Geschichte, ein historischer Thriller von ERIK ARNOUX, ergeht sich einerseits in Andeutungen, andererseits fängt sie die Stimmung jener frühen 1960er Jahre in den USA ein, in denen mit einem sehr jungen Präsidenten Aufbruchsstimmung herrschte, allerdings Rassenunruhen und Morde zu einem fortwährend über den Köpfen baumelnden Damoklesschwert wurden. Jederzeit und überall konnte Gewalt ausbrechen. Inmitten dieser Zeit steht SARA LONE mit ganz eigenen Problemen, Geldsorgen vorneweg. Ihrer kleinen Firma geht es nicht gut. In einer von Männern dominierten Region, rassistisch, sexistisch, ungehobelt, ungebildet, brutal, ja unmenschlich, versucht sie gegen die bestehenden Verhältnisse anzukommen. Sie hat Unterstützung, aber diese ist gering. Alles in dieser Handlung ist darauf abgestimmt, sich wie eine Schlinge immer enger um die Hauptfigur zusammenzuziehen.

Der künstlerische Ausdruck von Zeichner und Kolorist DAVID MORANCHO erinnert an den ebenfalls sehr leichten Strich von MICHEL BLANC-DUMONT. Sehr auf Realismus bedacht, strichtechnisch sehr zart, zerbrechlich warten die Bilder von DAVID MORANCHO mit hauptsächlich drei Handlungskreisen auf. Die texanische Küste, das Küstenstädtchen, der Krabbenkutter bilden einen dieser Kreise. Der zweite führt weiter in die Vergangenheit an die mexikanische Küste und auf eine spanische Galeone. Der dritte Handlungsort, viel enger begrenzt, ist ein Park in Washington und bietet ein Stelldichein von menschlichen wie tierischen Begegnungen, fast so als träfe hier eine us-amerikanische heile Welt konzentriert aufeinander.

Während höchst brisante Gespräche geführt werden, gehen Familien spazieren, führen Leute ihre Hunde aus oder genehmigen sich an einem typischen Hot-Dog-Stand eine Mahlzeit. Diese Szenerie wirkt stellvertretend für den gesamten Zeitgeist, den DAVID MORANCHO durch den gesamten Band hinweg perfekt einzufangen vermag. Und es gibt nicht nur diese Heile-Welt-Seiten. Auch die sehr dunklen Kapitel jener Tage werden nicht ausgespart.

Ein gelungener Thriller, die zweite von insgesamt vier Folgen, angesiedelt zu Beginn der 1960er Jahre, mit viel feinem Zeitkolorit, gutem Gespür für jene Epoche erzählt und atmosphärisch illustriert. Für alle Thriller-Fans, Freunde verschachtelter Handlungen, geheimnisvollen Szenarien vor historischer Kulisse. Fein. 🙂

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Montag, 20. November 2017

DER JANITOR 5 – HÖLLENBRUT

Filed under: Thriller — Michael um 18:58

DER JANITOR 5 – HÖLLENBRUTIn der Erinnerung von BRUDER VINCE alias JANITOR TRIAS hat sich eine merkwürdige Episode eingebrannt. In der fernen Vergangenheit treffen zwei verfeindete Gruppen aufeinander. Beide jagen sie Teufelsanbeter und doch sind sie bei religiös verfeindet. Aber es geschieht das scheinbar Unmögliche. Die beiden Gruppen treffen eine Übereinkunft. BRUDER VINCE kann sich diese Geschehnisse nicht erklären. Noch weniger kann er ahnen, wie groß der Einfluss dieser wiederkehrenden Visionen auf sein reales Leben sein wird.

Südamerika und Mittelamerika haben mit ihren politisch und gesellschaftlich instabilen Verhältnissen schon häufiger als Zufluchtsort für flüchtige Politiker und dubiose Individualisten gedient. Nazis, ehemalige Kommunisten oder Sekten haben für reichliche Negativschlagzeilen gesorgt. Kurzum, oft dienten die weitläufigen, sehr undurchsichtigen Landstriche als perfektes Versteck für jene, denen anderswo in der westlichen Welt wenigstens ein Prozess drohte. YVES SENTE setzt mit DER JANITOR 5, Untertitel HÖLLENBRUT, nach mehreren Jahren Pause seine Thriller-Reihe um den JANITOR TRIAS, alias BRUDER VINCE, fort.

Bei den JANITOREN handelt sich um eine Gruppe von zwölf Personen, die vom VATIKAN in besonderen Fällen als, grob gesagt, spezielle Ermittler und Sicherheitsbeauftragte eingesetzt werden. Vince, der selber nicht dem Status eines Priesters unterliegt, ist als Waise in die Obhut der Kirche gelangt. Ihr dient er treu, nicht immer ohne zu fragen. Denn an seiner Herkunft gibt es ebenfalls einige Aspekte zu lüften, nicht nur in seinem aktuellen Fall, der ihn in der fünften Folge (die nahtlos an die vorherige Episode anschließt) nach CANCUN, MEXIKO führt.

Hier startet YVES SENTE mit einem Abschnitt seiner Geschichte, seltsamen Verschwörungstheorien, wahnwitzigen Ideen im Zusammenhang mit den Forschungen der Nazis, die zum Beispiel von IRA LEVIN mit THE BOYS FROM BRAZIL oder FREDERICK FORSYTH mit THE ODESSA FILE vor Jahrzehnten aufgegriffen wurden. YVES SENTE geht noch einen Schritt weiter und spannt einen weiten historischen Bogen, der bis weit ins Mittelalter reicht, als sich Tempelritter (Christen) mit muslimischen Kriegern zur Erreichung gemeinsamer Ziele verbünden.

In der Gegenwart wandelt sich das Szenario schnell von einer recht detektivischen Geschichte in einen rasanten Thriller, in dem es für den JANITOR TRIAS nur noch ums nackte Überleben geht. Inmitten eines immergrünen Dschungels, geschützt durch einen mit Alligatoren verseuchten Sumpf wartet eine modern gruselige Ruine mit vielen Antworten auf. YVES SENTE vergisst aber auch den kleinen Mystery-Abstecher in seiner Handlung nicht, denn die Herkunft des JANITORS lüftet sich ebenfalls langsam, meist in Form eines kleinen Mädchens, das einige Erklärungen parat hält und dem JANITOR seit der ersten Folge, DER ENGEL AUS VALLETTA, erscheint.

FRANCOIS BOUCQ behält seinen tollen Grafikstil bei. Dem Realismus zugewandt, auf Augenhöhe mit Kollegen wie PHILIPPE FRANCQ (LARGO WINCH) oder COLIN WILSON (WONDERBALL) entspinnt sich trotz eines sehr sonnigen Schauplatzes ein enorm düsteres Szenario. Wohl platzierte Tuschestriche vermitteln den Eindruck alter Schule, wie sie sich schon in den Zeichnungen eines JEAN GIRAUD findet. In der Farbgebung sind die beiden Koloristen ALEXANDRE BOUCQ und ebenfalls FRANCOIS BOUCQ dem Realismus verpflichtet, die alte Schule mit zuweilen psychedelischen Farbfolgen treten hier nicht auf. Die beiden BOUCQS achten darauf, dass die jeweilige Ausleuchtung der tatsächlichen Stimmung entspricht. Das wirkt immer noch gruselig, wenn sich nächtens in bester JAMES-BOND-Manier eine Notbeleuchtung einschaltet und zum Versprechen auf einen heißen Showdown wird.

Noch nicht das Ende: DER JANITOR 5, HÖLLENBRUT, setzt die Thriller-Reihe um den JANITOR TRIAS fort. Fernab seiner Auftraggeber im Vatikan, auf der anderen Seite des Erdballs in Mexiko, löst sich ein lange erwarteter erster Handlungsstrang auf, hinterlässt aber noch offene Fragen. Spannend, flott erzählt von YVES SENTE, gewohnt gut aus den ersten vier Folgen, fein illustriert von Stammzeichner FRANCOIS BOUCQ. So darf es weitergehen. Klasse! 🙂

DER JANITOR 5, HÖLLENBRUT: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Schreiber und Leser.

Weitere Infos zu bisherigen Folgen auf comicblog.de:

DER JANITOR 1 – DER ENGEL AUS VALLETTA
DER JANITOR 2 – WOCHENENDE IN DAVOS
DER JANITOR 3 – BEGEGNUNG IN PORTO CERVO
DER JANITOR 4 – SCHATTEN DER VERGANGENHEIT

Mittwoch, 15. November 2017

FIX & FOXI 1 – Das Spukschloss

Filed under: Comics im Hörspiel — Michael um 16:50

FIX UND FOXI 1 - DAS SPUKSCHLOSSAuch ein LUPO braucht mal eine Portion Glück. In einer Testamentseröffnung hofft er auf den großen Wurf, leider besteht das Erbe nur aus der recht verstimmten Wandergitarre seines Onkels Ludwig von Gruselstein. Bevor er allerdings seinen Freunden FIX und FOXI allzu sehr mit seinem ziemlich krummen Gesang zur furchtbar klingenden Gitarre auf den Wecker gehen kann, findet sich im Klangkörper des Erbstücks ein interessantes Schreiben: Die Besitzurkunde von Schloss Gruselstein! Sollte LUPO doch einmal auf der Gewinnerseite stehen?

Da werden Kindheitserinnerungen an eine feine Comic-Familie wach: FIX, FOXI, LUPO, PROFESSOR KNOX, OMA EUSEBIA, ONKEL FAX, LUPINCHEN und einige mehr. Die erste Folge aus der Hörspielserie FIX und FOXI aus dem Jahr 2000 trägt den Untertitel DAS SPUKSCHLOSS und kommt, wie das Titelbild zeigt, mit nur dreien der Charaktere aus FUXHOLZEN aus, nämlich FIX (Sprecher: DAVID TURBA) und FOXI (Sprecher: MICHAEL WIESNER), die ihren Freund LUPO hier tatkräftig unterstützen.

Alles beginnt mit einem geisterhaften Alptraum. Das lässt sich zunächst nur erahnen und setzt sofort einen Spannungsakzent, der den jugendlichen Hörer einfangen soll. Denn danach ist durch den Einsatz von LUPO erst einmal Humor Trumpf. LUPO ist nicht der Schlaueste, er ist etwas naiv, stimmlich von CLAUDIO MANISCALO getragen, vielleicht etwas zu hoch geraten für eine so große Figur, aber vom Charakter der Figur her treffend.

Der Comic-Charakter des Hörspiels insgesamt überträgt sich durch eine sehr komödiantische Darstellung der Figuren, wie eben bei LUPO. Einen Erzähler, der in die Welt von FIX und FOXI einführt, gibt es nicht, weshalb die jugendlichen Hörer mit den Comic-Figuren schon vertraut sein müssen. Wer das nicht ist, kann den Auftakt der Reihe wie jedes andere Kinderhörspiel verfolgen, mit einer klaren Reglementierung, wer die Guten und wer die Bösen sind.

Auf der Seite der Bösewichte, passenderweise VILLAIN genannt, sticht UDO SCHENK heraus, einer der bekanntesten Synchronsprecher Deutschlands (Standardstimme von KEVIN BACON), nicht zuletzt, da er zu jenen Sprechern gehört, die durch ihren häufigen Auftritt im Dauerbrenner IN ALLER FREUNDSCHAFT auch ein Gesicht zur Stimme bieten. Wie gruselig seine Stimme sein kann, werden jene Zuschauer unterschreiben können, die ihn als Interpreten von VOLDEMORT aus den HARRY-POTTER-FILMEN kennen.

Ein lustiges Abenteuer aus der Welt von FIX und FOXI, launige, geisterhafte Szenen inklusive, sehr kurzweilig erzählt, mit darstellerischem Spaß gespielt. Fein. 🙂

FIX & FOXI 1, Das Spukschloss: Hörspiel-Download auf Amazon

Sonntag, 12. November 2017

ECHO 2 – DESERT RUN

Filed under: SciFi — Michael um 18:46

ECHO 2 - DESERT RUNEine Konfrontation zwischen Julie und dem Vagabunden Cain gibt Aufschluss über einen Teil der Macht, die das seltsame silbrig schimmernde Material an Julies Körper in sich trägt. Zerstörung ist eine Seite der Medaille. Diese Gewalt macht Julie und ihren Gefährten Dillon zum Ziel. Zu ihrem Pech ist sie leicht zu finden. Zu ihrem Glück wird sie auch von der richtigen Person gefunden. Aber deshalb ist sie noch lange nicht in Sicherheit, obwohl sie so eine mit allen Wassern gewaschene Verbündete erhält …

TERRY MOORE könnte, vergleicht man seine Arbeit an ECHO mit Serien wie FRINGE oder LOST, ein Bruder im Geiste von J.J. ABRAMS sein. Wie begnadet TERRY MOORE Geschichten erzählen kann, ist bereits bei seinen Serien RACHEL RISING und STRANGERS IN PARADISE aufgefallen. Mit ECHO wird gleichzeitig deutlich, welche fantasievolle Bandbreite TERRY MOORE zur Verfügung steht. Ein Hoch auf die freie Comicszene, in der solche Geschichten möglich sind und gleichzeitig ihre Leserschaft finden. Man könnte ECHO mit Superheldengeschichten vergleichen, genauer gesagt der Entstehung von Superhelden. Aber der Science-Fiction-Ansatz und die entsprechende Herangehensweise ist bei TERRY MOORE viel stärker. Und sie ist um ein Vielfaches gefühlvoller.

PHI. 1,618: In einer sehr ausschlaggebenden Sequenz stellt TERRY MOORE das physikalische Grundverständnis auf den Kopf. Ich lasse es als mathematischer Laie einmal dahingestellt sein, ob etwas daran stimmt oder nicht oder wie viel. Wichtig ist, wie plausibel die Erklärung ist und wie unterhaltsam. Sie ist es gleichermaßen. Als die Sequenz kippt, dem Sachverhalt wieder das Gefühl folgt, zeigt TERRY MOORE, wie fein, dramatisch und schnell er neue Emotionen beim Leser herauszukitzeln vermag.

Stichwort: Gefühlvoll. Ein starkes Instrument MOORES ist die Überraschung. Sie wird von ihm mit starker Präzision eingesetzt. Die Gefahr für die Hauptfigur wird schrittweise größer, die Gegner mehr und ungewöhnlicher. Dachte der Leser, der seltsame Landstreicher, der ebenfalls etwas von der silbrigen Haut abbekommen hat, könne in diesem Spiel nicht getoppt werden, findet in Bälde neben sonstigen Killern eine echte Kuriosität. Denn ungewöhnliche Helden brauchen noch ungewöhnlichere Gegner. Gleichfalls mit merkwürdigen Entstehungsgeschichten versehen, schaffen sie ein gruseliges Ungleichgewicht. Und wie schon in RACHEL RISING liegt bei der TERRY MOORE der Schwerpunkt auf gruselig.

Grafisch (erzählerisch natürlich auch) beherrscht TERRY MOORE Frauencharaktere aus dem FF. Kreativer fallen Nebenfiguren aus (die eben meist Männer sind). Ist DILLON MURPHY, die langzeitige Begleitperson JULIES, relativ gewöhnlich geraten, ist ein DAN BACKER beispielhaft für eine gewisse sympathische Gemütlichkeit, die TERRY MOORE gerne für die Guten heranzieht. Zugleich ist die Namensgebung auffällig. Würde man die Namen der beiden Figuren tauschen, würde es nicht funktionieren. TERRY MOORE versteht es, seinen Namen ein Gesicht zu geben (vielleicht irritiert mich aber auch die Klangähnlichkeit zu DAN BLOCKER).

Wenn Gewalt unvermeidbar ist (Auftragskiller haben nun mal diese Art und Weise an einen Job heranzugehen), dann findet sich der Leser neben den eindeutig sehr mysteriös angehauchten Auseinandersetzungen in ein paar sehr brachialen Thriller-Schießereien wieder. Gerade im letzten Drittel entstehen einerseits durch diese Anteile nervenzerrende Szenen, aber gelungene Wechsel, wenn es nach echter Action plötzlich wieder höchst mysteriös wird. Hier lässt sich von einem echten Pageturner sprechen.

Superhelden-SciFi-Thriller-Serie mit Suchtfaktor. TERRY MOORE versteht es wie in den aktuellen Serienreißern, Spannung am laufenden Band aufzubauen und einen durchgehenden, hoch interessanten roten Faden zu spinnen, an dem man sich als Leser einfach weiterhangeln muss. Ein Kern von sehr sympathischen Charakteren sollte für viele SciFi-begeisterte Leser einen persönlichen Favoriten bereithalten. In gewohnt perfektem Schwarzweiß illustriert, vorbildlich packend erzählt. Klare Empfehlung! 🙂

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Mittwoch, 01. November 2017

NASH Gesamtausgabe – Band 3

Filed under: SciFi — Michael um 18:34

NASH 3 - Kapitel 5 + 6NASH TULSA weiß seit geraumer Zeit um die Besonderheit seiner Tochter. Er hat sein Leben für sie aufs Spiel gesetzt und ist bis in den Weltraum zu ihrer Rettung vorgedrungen. Jahre sind darüber vergangen. Er verdingte sich mit ebenfalls lebensgefährlichen Sonderaufträgen seinen Lebensunterhalt. Bis eines Tages seine Tochter erneut verschwindet und zur zentralen Figur in einem internationalen Skandal um die DOLLY GIRLS wird. Industriell hergestellte Liebessklavinnen entwickeln ein eigenes Bewusstsein. Sie rebellieren immer häufiger und töten ihre Herren …

Betrachtet man die gegenwärtig aktuellen SciFi-Serien, war JEAN-PIERRE PECAU mit seinen Geschichten DAS KLEINE VOLK (2000) und DREAMLAND (2001) thematisch einige Jahre voraus. (Auf der anderen Seite sicherlich beeinflusst von BLADERUNNER und Konsorten.) Künstliche Lebensformen begehren auf gegen die Herrschaft der Menschen, entziehen sich ihnen und gründen sogar eine eigene, sehr mysteriöse Zivilisation. Der Leser befindet sich plötzlich an der Seite von NASH in einem besonderen Krieg wieder. Zuerst trifft es die Reichen, die sich die neuesten Modelle der DOLLYS leisten können. Dann breitet es sich immer weiter aus.

JEAN-PIERRE PECAU erzählt von einem ungewöhnlichen Aufstand und einem solchen, der alles andere als geradlinig erfolgt. Während einige Dollys sich in die Subkultur der Städte mischen, werden andere zu MÄNADEN, verwildern wie moderne Kannibalen und mutieren zu einer unvorhergesehenen Bedrohung. Aus heutiger Sicht darf man sich als Leser uneingeschränkt auf dieses SciFi-Erlebnis freuen, ist es doch weitaus innovativer und abwechslungsreicher, indem es eben nicht als Remake von irgendetwas daherkommt, sondern viele eigene, vor allem (immer noch) neue (und bislang einmalige) Ideen mitbringt.

Das Titelbild von DAMOUR gibt einen kleinen Eindruck jener MÄNADEN. Der Ausdruck geht auf die griechische Mythologie zurück und bezeichnet eine Art weiblichen BESERKER. Gleich von Beginn an darf DAMOUR eine Mischung aus Science-Fiction-Szenario und Horror-Thriller zeichnen. (Angedeutete) Sexszenen schlagen in Mord und Totschlag um. Der Aufmarsch hochgerüsteter Militärs und Polizeieinheiten wechselt schnell in rabiate Action. Die Vorgaben von JEAN-PIERRE PECAU sind seit den Auftritten der ENGEL in den ersten Folgen alles andere als zimperlich. Mit den MÄNADEN geht er noch ein paar Schritte weiter.

Optisch stehen sich hier HighTech und ungebändigte Natur gegenüber. DAMOUR gelingen hier, filmisch gesprochen, viele tolle Einstellungen. In DAS KLEINE VOLK bietet die typische amerikanische Western-Wüste noch die Kulisse. In der Folge DREAMLAND wartet die Geschichte mit einer grünen Hölle auf. Ein Dschungel mit Eigenleben, einem gewissen Gespür für die Absichten seiner Bewohner und bedrohlicher Eindringlinge. Das hat etwas von einer fiesen AVATAR-Atmosphäre (ebenfalls Jahre bevor der Kinoblockbuster herauskam).

Letzteres ist ein gutes Stichwort, denn gerade die dichte Atmosphäre und die kontinuierliche Entwicklung der Hauptfigur machen NASH zu einer Ausnahmeerscheinung innerhalb des Science-Fiction-Genres, weitaus mehr noch innerhalb des Mediums Comic.

Der Knaller setzt sich fort. Starke Einfälle, sehr einprägsame Szenen und Bilder heben die Reihe unter sonstigen Science-Fiction-Geschichten hervor. Grafisch teils hart in Szene gesetzt, aber grundsätzlich klasse von DAMOUR illustriert und poppig, peppig von den beiden Comic-Künstlern STEPHANE ROSA und PIERRE SCHELLE koloriert. Das passt von der ersten bis zur letzten Seite! 🙂

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