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Comic Blog


Freitag, 19. Juli 2019

A WALK THROUGH HELL 1 – DAS VERLASSENE LAGERHAUS

Filed under: Horror — Michael um 11:53

A WALK THROUGH HELL 1 - DAS VERLASSENE LAGERHAUSZwei FBI-AGENTEN sind im LAGERHAUS verschwunden. Es ist anscheinend leer, es ist finster, es ist riesig, fast ein Labyrinth. Ein angefordertes Einsatzteam, toughe Kerle, sind entsetzt. Keiner traut sich mehr ins VERLASSENE LAGERHAUS. Die FBI-AGENTEN SHAW und McGREGOR marschieren, ohne auch nur im Geringsten zu ahnen, was sie dort drin erwarten wird, hinein und machen sehr bald schon eine Erfahrung, die sie an den Rand des geistig Erfassbaren bringt. Und darüber hinaus.

Wie sieht die HÖLLE aus? Brennt sie lichterloh? Oder peinigt sie die Menschen mit immerwährenden Ängsten, mit Panik, Unsicherheit? Lässt sie den Wahnsinn Gestalt annehmen? Vielleicht haben sich GARTH ENNIS (Autor) und GORAN SUDŽUKA (Zeichner) diese oder ähnliche Fragen gestellt, als sie sich A WALK THROUGH HELL ausgedacht haben. Es beginnt ungeheuer harmlos. Zwei FBI-AGENTEN verschwinden scheinbar spurlos in einem VERLASSENEN LAGERHAUS. Innen sieht es zunächst genau danach aus, nach einem Lagerhaus nämlich. Aber es wird zu einem Gang in die finstersten Untiefen der menschlichen Emotionen und des Verstandes.

Gleich zu Beginn machen GARTH ENNIS und GORAN SUDŽUKA aber zudem klar, dass die HÖLLE bei weitem nicht auf das Lagerhaus beschränkt ist. Es ist WEIHNACHTSZEIT, die Menschen treiben sich in einer geschmückten SHOPPING MALL herum und plötzlich fallen Schüsse, gezielt, ungezielt. Der alltägliche Wahnsinn aus den Nachrichten, irgendwo in den Vereinigten Staaten, bricht mit all seiner Brutalität und Konsequenz unter Menschen aus, die gerade nichts weiter als Kunden sein wollten. Menschen aller Alterstufen sterben im Kugelhagel.

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. Erstere, der Alltag eines FBI-Ermittlerduos, schwankt anfangs zwischen bürokratischen und privaten Aspekten und es dauert ein wenig, bis diese zeitliche Ebene den Leser einzufangen versteht. Aber wenn sie es schafft (und das schafft sie, keine Bange!), dann gibt es nicht nur den großen AHA-EFFEKT, dann werden auch Erinnerungen an besondere Folgen von den X-FILES (AKTE X) wach. Das Duo SHAW und McGREGOR hat keine Ähnlichkeit mit MULDER und SCULLY (weder optisch noch konzeptionell), die beiden hatten zuvor (vor ihren Eintritt in die Lagerhalle) keine Berührung mit dem Übernatürlichen, dafür aber umso heftiger mit dem Bösen. Und hier wären eher Parallelen zu DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER heranzuziehen, eine Geschichte (Roman wie Film) um eine FBI-Agentin, die sich dem ultimativen Bösen in zweierlei Form stellt.

DAS ULTIMATIVE BÖSE löscht Menschenleben mit jener Gleichgültigkeit aus, mit der so mancher ein Insekt zertritt. GARTH ENNIS schafft in seiner HORROR-MÄHR ein solches Individuum, bar jeden Mitgefühls, eine Oberfläche, die perfide parodistisch widerzuspiegeln scheint, was sein Gegenüber sehen und hören will, kurz der perfekte Psychopath. Darüber hinaus zeichnet GORAN SUDŽUKA dieses Monstrum wie den völlig harmlosen Nachbarn von nebenan, der, um im Bild von vorhin zu bleiben, keiner Fliege etwas zuleide tun kann.

GARTH ENNIS ist hier der Erzähler mit dem EINBILDWENDEKNALLER. Ganz anders als in seinen verfilmten Comic-Krachern wie PREACHER oder THE BOYS, in denen es von Kuriositäten vergleichsweise wimmelt, wird hier Schrittchen für Schrittchen die Spannung aufgebaut, um den Leser schließlich mit einem Bild die Haare zu Berge stehen zu lassen. Das sind Eindrücke, die auf dem Bildschirm vielleicht 10-15 Sekunden zur besseren SCHOCKVERINNERLICHUNG stehen bleiben würden. Im Comic soll/muss sich der Leser selber zwingen weiterzublättern. Bevor er die Seiten zurückschlägt, um sich zu vergewissern, ob er da gerade gesehen hat, was er gesehen hat. Stellvertretend für den Leser ist es die FBI-AGENTIN SHAW, die dem Ganzen mit ähnlichem Unglauben begegnet.

GORAN SUDŽUKA zeichnet sehr exakte Figuren, ist technisch bei Kollegen wie COLIN WILSON oder PIA GUERRA (an deren Seite er mit an Y – THE LAST MAN arbeitete) angesiedelt. Das ist ein kühler, nüchterner, zugleich schöner Stil, der dem Leser aber etwas Abstand gönnt. Das ist gut, weil der HORROR hier nicht mit SPLATTER angreifen will, sondern unterschwellig, mit NUANCEN, die sorgsam gesetzt, umso stärker packen.

Psychologischer HORROR mit einigen gemeinen Effekten, eingesetzt mit sehr viel Fingerspitzengefühl. GARTH ENNIS verteilt den HORROR hier nicht wie sonst üblich mit der groben Kelle, sondern mit der Pinzette, als gelte es Salz in offene Wunden zu streuen. GORAN SUDŽUKA illustriert die Geschichte mit seiner kühlen, perfekten Technik, als gelte es, ein Storyboard möglichst genau für ein kommendes TV-Event abzuliefern. Klasse gemacht, passt in die Zeit. Top! 🙂

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Mittwoch, 17. Juli 2019

MOONSHINE – BAND 1

Filed under: Horror — Michael um 17:32

MOONSHINE - BAND 1Amerika verlangt nach Alkohol. Die Regierung hat dem Konsum einen Riegel vorgeschoben. Die harten Sachen sind allesamt verboten. Aber Amerika will trinken und diejenigen, die den Durstigen des Landes den Whiskey besorgen können, tragen ihre Streitigkeiten häufig lautstark mit der Maschinenpistole aus. Ausgerechnet ein staatliches Verbot hat der in Familien, Clans und Banden organisierten Kriminalität das beste Geschäft aller Zeiten beschert. Das will verteidigt, neue Quellen und Märkte erschlossen werden.

Eine dieser Quellen liegt fernab der Großstadt im Land der Hinterwäldler, poetisch gesprochen. In den Vereinigten Staaten von Amerika mit seinen Weiten, den unendlichen Wäldern, im Korngürtel, den Prärien und einigen endlosen grünen Ecken mehr darf noch Hinterwälder sein, wer will. Und zur großen Zeit der Prohibition erst recht. LOU PRILO, ein gestandener Gangster, reist in die Appalachen, um dort den Schwarzbrenner HIRAM HOLT zu treffen. Denn HIRAMS Schnaps soll der beste sein, der zu bekommen ist und Qualität könnte selbst unter Gangstern das Zünglein an der Waage im Sinne neuer Kundengewinnung werden.

Das Künstlerduo BRIAN AZZARELLO und EDUARDO RISSO ist zurück! Beide haben sich mit der langjährigen Thriller-Serie 100 BULLETS hervorgetan. Die beiden stellten zusammen die Miniserie JOHNNY DOUBLE auf die Beine. EDUARDO RISSO als Zeichner hat einen Hang zu düsteren Stoffen. Hierzulande trat er außerdem mit VAMPIRE BOY in Erscheinung. Außerdem gestaltete er eine eindrucksvolle Graphic Novel über WOLVERINES Japan-Vergangenheit. Nun also beide vereint mit MOONSHINE. Die Künstler nehmen sich ein sehr eigenes Kapitel der amerikanischen Geschichte vor. Wir schreiben das Jahr 1920 und es herrscht PROHIBITION.

Das Titelbild verrät eigentlich nichts über die Handlung, aber die Atmosphäre wird gleich richtig vorgestellt. Drei Gangster, in Schattenrissen dargestellt, bewaffnet mit einer Pumpgun und zwei Äxten marschieren vor einem VOLLMOND auf den Betrachter zu. Die führen nichts Gutes im Schilde. Gleichzeitig ist dieses Szenario auch der Beginn der Geschichte. BRIAN AZZARELLO und EDUARDO RISSO wissen auf erprobte Weise den Leser sofort einzufangen und an die Seiten zu fesseln.

EDUARDO RISSO ist auf zweierlei Weise ein meisterlicher Illustrator. Einerseits versteht er es perfekt auch ohne Kolorierung auszukommen. Seine schwarzweißen Grundzeichnungen funktionieren in den meisten Fällen ohne weitere Farbe. (Hierzu sei VAMPIRE BOY empfohlen.) Und selbst wenn Kolorierungen angesagt sind, verlässt er sich nicht auf das farbgebende Element, das durchaus einen Teil der Erzählung bilden kann (nicht muss). So könnte MOONSHINE ebenfalls in weiten Teilen ohne Kolorierung funktionieren.

Aber noch ein Wort zur Kolorierung. Hier assistiert CHRISTIAN ROSSI. Beide Künstler, er und EDUARDO RISSO, setzen nicht die übliche Farbgebung ein, peinlichst genaue und realistische Wiedergabe. Es ist eher ein Schritt zurück in die Nostalgie mit modernen Mitteln. Es wird auf Stimmungen gesetzt, die sich entweder auf einer kompletten Seite, einer Doppelseite oder auch einer mehrseitigen Szene durchzieht. Gelblich, grüne Farbstimmungen in den (hinterwäldlerischen) Sümpfen, blaugraue, türkisfarbene Nachtfarben, gelb und rot von Licht und Blut unterbrochen. Diese und andere feine Farbkombinationen schaffen ein regelrechtes TWILIGHT-ZONE-ERLEBNIS.

EDUARDO RISSO versteht sich darüber hinaus hervorragend auf die Konzeption von Charakteren. Wie er es schon in 100 BULLETS unter Beweis stellte, bieten Gangster und Verbrecher genau das richtige Umfeld für die Darstellung von Visagen im besten Sinne. Hier kann sich EDUARDO RISSO nach Lust und Laune austoben. Und was für Ganoven er hier zu Papier bringt. Die 1920er Jahre Optik mit Anzügen, Maschinengewehren und Oldtimer-Fahrzeugen kommt seiner Zeichentechnik sehr entgegen.

Und da war da noch: HORROR! Das sollte nicht vergessen werden. Denn inmitten der Mafiamänner und Schwarzbrenner treibt noch ein spezielles Monster sein Unwesen, ebenso speziell gestaltet, ohne sich an den klassischen Vorgaben zu orientieren. Das ist nicht zu gruselig, aber gewalttätig und nicht zuletzt auch ein wenig traurig.

GANGSTER und MONSTER! Das passt! Das Künstlerduo BRIAN AZZARELLO und EDUARDO RISSO setzt die richtigen Akzente, etwas mehr Mafia, punktuell eingestreuter Horror gegenüber echter Gangstergewalt. Gruselig gut von Anfang bis Ende! 🙂

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Dienstag, 16. Juli 2019

DIE BLAUEN PANTHER 9 – EINE FALLE FÜR SPIONE

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 17:24

DIE BLAUEN PANTHER 9 – ABENTEUER DER VERSCHWORENEN FÜNF – EINE FALLE FÜR SPIONEDIE BLAUEN PANTHER sind eine Gruppe aus fünf Jungen. Blau gekleidet wegen ihrer Pfadfinderuniformen sind sie jederzeit zu Abenteuer bereit. Und ist gerade keines in Sicht, dann wird eben eines auf die Beine gestellt. Kurzerhand steigen fünf Ballons in die Luft. An jeden hängt eine Postkarte mit der Adresse eines der BLAUEN PANTHER. Wessen Karte zuerst gefunden und zurückgeschickt wird, dessen Absender fern der Heimat wird zum nächsten Reiseziel der Jungen auserkoren. Aber es geht noch besser. Die Jungen sind PFADFINDER. Deshalb wird selbst die Reise zu einer Art Test für sie. Alle machen sich getrennt voneinander auf den Weg. In drei Tagen sollen sie spätestens am Ziel ankommen. Wer es als erster schafft, der erhält einen Preis. Zur Aufregung aller stößt einer der Jungen auf seiner Wanderung in einer abgelegenen Gegend auf Spione …

ABENTEUER DER VERSCHWORENEN FÜNF lautet der Serienuntertitel und der Titel dieser speziellen Folge sehr passend auf EINE FALLE FÜR SPIONE. Der Belgier MITACQ (MICHEL TACQ) zeichnete die erste Folge von LA PATROUILLE DES CASTORS (DIE BLAUEN PANTHER) bereits 1954, im Verlauf geschrieben von Comic-Urgestein JEAN-MICHEL CHARLIER. DIE BLAUEN PANTHER waren eine belgische Albenreihe. Hierzulande erschienen sie im BASTEI VERLAG, in der großen Comic-Zeit des Verlages, Seite an Seite mit Serien wie BESSY, BIENE MAJA, FELIX, LASSO, PHANTOM, BUFFALO BILL, KUNG-FU und noch anderen. Interessanterweise hob der Ursprung der Reihe DIE BLAUEN PANTHER die Geschichten über die Pfadfinder über die sonstigen Erscheinungen heraus.

Denn die Qualität der Zeichnungen von MITACQ war deutlich besser als die Serien, die mehr einen Massenmarkt bedienten und sich teils auch an den Erfolg von Fernsehserien anhingen. Ganz klassisch von JEAN-MICHEL CHARLIER aufgebaut, erschienen die Folgen im Original von 1954 bis 1989. Wer nur ein wenig in Serien wie FÜNF FREUNDE, DIE DREI FRAGEZEICHEN, DIE JUNGEN VON BURG SCHRECKENSTEIN oder TKKG hineingeschnuppert hat, wird das grundlegende Konzept sofort wiedererkennen. Die Jungen haben allesamt Spitznamen gemäß ihrer Eigenschaften: MUSTANG (Chef der Truppe, der erwachsene Junge), KATER (Schlitzohr und Draufgänger), BÜFFEL (dick, faul, gefräßig, Tolpatsch), FALKE (scharfsinnig, ausdauernd, gleichmütig) und schließlich MÜCKE (vorlaut, quirlig, Nesthäkchen der Truppe).

Äußerlich klar charakterisiert treten die Jungen auf. Kulissen und technische Details, wie kleine Ortschaften oder Fahrzeuge, sind in jeder Hinsicht exakt ausgeführt. Technisch erinnert der Strich von MITACQ an ein anderes Comic-Urgestein, nämlich VICTOR HUBINON (dem wir BUCK DANNY und DER ROTE KORSAR verdanken). Die alten Geschichten werden aus heutiger Sicht natürlich schön vom Zeitkolorit getragen. Sehr nostalgisch anmutend gegenüber unserer Gegenwart. Ohne besondere Hilfsmittel suchen die Jungen sich ihren Weg und ihre Mitfahrgelegenheiten. Wenn BÜFFEL dazu einen dreirädrigen Fahrrad-Eiswagen bedienen muss und schließlich auf der Startbahn eines Militärflughafens landet, dann ist das nur eine von mehreren humorvollen Stellen, die heute noch funktionieren. Und wer sich Kinderfernsehserien wie DIE PFEFFERKÖRNER (mittlerweile 15 Staffeln) im direkten Vergleich betrachtet, stellt fest, wie gut JEAN-MICHEL CHARLIERS Spannungskonzept selbst heute noch trägt.

Ein klein wenig altmodisch, aber generell funktionieren die Geschichten auch heute noch. DIE BLAUEN PANTHER ermitteln gut gezeichnet (MITACQ) mit einer ausgewogenen Mischung aus Spannung und Humor (erzählt von JEAN-MICHEL CHARLIER). Fein, ein Klassiker der Jugendunterhaltung. 🙂

MICKY MAUS MAGAZIN 15 / 2019

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 17:15

MICKY MAUS MAGAZIN 15 / 201950 JAHRE MONDLANDUNG! Das klingt so unglaublich, aber ist natürlich neben der Besonderheit des Jahrestages auch eine Gelegenheit, diese Tatsache ausgiebig und auf mehreren Eben zu feiern. So eben auch im Comic.

In der diesjährigen 15. Ausgabe des MICKY MAUS MAGAZINS werden Mond, Weltall und Sonnensystem gleich mehrfach thematisiert. DONALD DUCK steht in GEFAHR VOM MOND in der ersten Geschichte im Mittelpunkt. Ein uralter zauberischer Fluch wurde freigesetzt. Der VOLLMOND ist über ENTENHAUSEN angehalten worden. Die feststehende Postition, davon ist ein Wissenschaftler überzeugt, wird ENTENHAUSEN ins Chaos stürzen. Mit der Hilfe von DANIEL DÜSENTRIEB müssen DONALD und DAGOBERT DUCK schnellstens eingreifen, umd das Schlimmste zu verhindern. Bald brechen die drei Freunde per Rakete zum MOND auf.

Reichlich Begegnungen mit außerirdischen Wesen würzen die Abenteuer nicht nur auf dem MOND. MICKY MAUS, MINNIE MAUS und GOOFY verschlägt es gar aus den MARS, das nächste große Menschheitsziel. Mit KOSMISCHE KUNST geht es nicht nur einmal mehr ins Weltall, durch ein Schwarzes Loch auf der Jagd nach ONKEL DAGOBERTS GOLDTALERN, sondern es gibt auch gleich einen netten Auftritt von DUSSEL DUCK, nicht der beste Co-Pilot für einen derart gefährlichen Einsatz.

Damit erschöpfen sich die extraterrestrischen Abenteuer. Der Rest ist irdischer Natur, gibt DONALD DUCk etwas mehr Gelegenheit Chaos zu verbreiten. Einseiter bieten Kurzweil, ein paar Hinweise, so z. B. unter TIPPS UND TRICKS greifen das Titelthema auf. DANIEL DÜSENTRIEB verrät, wie man zu Hause eine MONDKRATERSIMULATION hinbekommt.

Prall gefüllt, eine Reihe von Geschichten rund ums Weltall bringen das Thema ins Kinderzimmer. Knackig erzählter Spaß, von einer Reihe von feinen Illustratoren in Szene gesetzt (u. a. auch von DON ROSA). 🙂

Montag, 01. Juli 2019

SHOOTING RAMIREZ – 1. AKT

Filed under: Thriller — Michael um 16:23

SHOOTING RAMIREZ - 1. AKTMit verbundenen Augen! JACK RAMIREZ repariert einen Staubsauger mit einer Stoffbinde vor dem Gesicht und raucht dabei auch noch eine Zigarette. Seine Kollegen können es nicht fassen, ist doch der Filter bei Modell AV 700 nur von einem Experten mit Fingerspitzengefühl zu wechseln. HENRY JACKSON ist sprachlos, aber nur kurz. Denn dann ist ein heftiges Lob an den Kollegen JACK RAMIREZ fällig. Dieser sei ein Hexer! JACK nimmt das Lob ebenso sprachlos entgegen. Er ist stumm. Später, als HENRY JACKSON von der Polizei verhört wird, kann dieser es nicht fassen, dass dieser kreuzbrave Mechaniker ein gefährlicher Mann sein soll …

Wer BREAKING BAD mochte, wird SHOOTING RAMIREZ lieben. Wer filmreife Wendungen, überraschende Kniffe, geschliffene Dialoge im TARANTINO-STIL mag, kann hier einsteigen und sich wohlfühlen. Fans der fünfteiligen Comic-Serie WONDERBALL sind hier ebenfalls goldrichtig. Wer sich für Krimis und Thriller vor dem Hintergrund der 1980er begeistern kann, ob nun original oder retrostyle, ist hier gleich zuhause. Die Figuren sind erstklassig aufgebaut, sogar jene, die keine lange Lebensdauer haben. Was in einem Krimi oder Thriller eine nicht unübliche Vorgehensweise ist. Die Optik ist State of the Art, die Titelbild-Technik zieht sich durch den gesamten Band mit seinen 144 Seiten. Die Kolorierung generiert eine FALCON CITY im Bundesstaat ARIZONA an den heißesten Tagen des Jahres. Hier brennt die Luft. Die Charaktere sind allesamt perfekt durchdesigned, in einer Mischung aus mexikanisch-südamerikanischer Abstammung und amerikanischem Durchschnittsbürger (was in den meisten Fällen einen Haufen Schnittmengen ergibt).

Also, viel Begeisterung von meiner Seite für SHOOTING RAMIREZ, der für mich ein echter Überraschungshit ist und nicht nur wegen seiner Geschichte, seiner tollen Erzähltechnik und den Illustrationen. NICOLAS PETRIMAUX (und ein Team, das im Anhang aufgeführt ist) hat hier ein echt liebevolles Gesamtpaket geschnürt. Die Hauptfigur JACK RAMIREZ arbeitet bei ROBOTOP, einem Hersteller von Staubsaugern. (Und JACK RAMIREZ dürfte eine der wenigen Comic-Figuren sein, die stumm sind.) Darüber hinaus lernt der Leser noch den Aufbau des neuen Vorzeigemodells kennen, den VACUUMIZER 2000. Fiktive Nachrichten senden Fakten zur Markteinführung des Gerätes. Werbeanzeigen von weiteren Gegenständen, Fahrzeuge, Kleidungsstücke, Bier, Banken, natürlich dem neuen Staubsauer selbst schaffen eine dichte Atmosphäre und machen wegen ihrer augenzwinkernden Gestaltung richtig Spaß.

Alles sehr amerikanisch! Wer genau hinsieht, wird einige Muscle-Cars in den Straßen entdecken, die mit überdimensionierten Außmaßen daher kommen (im Vergleich zur europäischen Enge). Gleich zu Beginn springt einem der legendäre AC COBRA Sportwagen ins Auge. NICOLAS PETRIMAUX lässt sich den Spaß nicht nehmen, seinen Helden JACK RAMIREZ in einem quietschgelben RENAULT-5-Klon durch die Gegend tuckern zu lassen. Ein Kleinwagen dieser Art fällt im Amerika der 1980er mit seinen riesigen Benzinschleudern natürlich auf wie ein bunter (winziger) Hund. Darüber hinaus hat JACKS Auto ähnliches zu erdulden wie damals der qietschgelbe 2CV (ENTE) unter den lenkenden Händen von JAMES BOND (IN TÖDLICHER MISSION). Eine Hommage? Wer weiß? Das mag natürlich nur für Automobilliebhaber interessant sein. Alle anderen können viele Details in der 1980er Jahre Actionfilmoptik entdecken, nebst ganzseitig oder doppelseitig aufgezogenen Plakaten.

Bildgewaltig im Großen wie im Kleinen! Das reißt es schon an. Ob es collageartige Bildanordnungen sind, halbseitige, ganzseitige Stimmungsbilder (z. B. JACK RAMIREZ mutterseelenallein vor seiner Erinnerungswand; man mag sich so seine eigenen Gedanken über das machen, was da so alles aufgehängt und gesammelt worden ist) oder doppelseitige Kracher, die einen nach dem Umblättern anspringen, die Rasanz einer Actionszene, über die Seite hinweg choreografiert oder in einem etwas größeren Bild konzentriert, einprägsam und mitziehend sind sie alle. NICOLAS PETRIMAUX gestaltet Typen, ein wenig überspitzt vielleicht, dafür umso eingängiger, bis hin zu einem Frauenpärchen, das sein Schicksal wie einst THELMA UND LOUISE in die eigenen gewalttätigen Hände nimmt.

Ein Comic, wo alles stimmt. NICOLAS PETRIMAUX hat sein gesammeltes Können aus vier Jahren Studium Angewandter Kunst, Konzeptdesign für Videogames und vielen künstlerischen Erfahrungen mehr gebündelt und hier konzentriert zu Papier gebracht. Hier kennt jemand sein Genre und weiß, was das Medium Comic alles zu transportieren vermag, nämlich verdammt viel. Hier werden Möglichkeiten ausgereizt, hier wird erzählt und fabuliert, mit perfektem Timing. Wer einmal bewiesen haben will, dass sich Comic hinter keinem anderen erzählerischen Medium verstecken muss, sollte sich SHOOTING RAMIREZ reinzieh’n (ein bisserl Slang passend zur Gangsterballade). TOP! 🙂

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LINK: http://www.shooting-ramirez.de/ (Vorstellung von Story, Figuren etc. inkl. eines bewegten Comic-Trailers.)

Sonntag, 30. Juni 2019

DAS DING UND DIE FACKEL 2 – FAMILIENTREFFEN

Filed under: Superhelden — Michael um 17:41

DAS DING UND DIE FACKEL 2 - FAMILIENTREFFENImmer noch auf der Suche nach der Familie! REED RICHARDS, SUSAN STORM-RICHARDS und die beiden Kinder, allesamt Angehörige der FANTASTIC FOUR, sind im MULTIVERSE verschollen. Für die Zurückgebliebenen, JOHNNY STORM alias FACKEL und BEN GRIMM alias DING, ist der Zustand kaum zu ertragen. Außerdem schwinden mit der Abwesenheit der anderen die Kräfte von DING und FACKEL. Als sich die Möglichkeit ergibt, nach den verschollenen Familienmitgliedern zu suchen, greifen die beiden Superhelden zu. JOHNNY STORM, ermutigt von einer Notlüge, und BEN GRIMM begeben sich auf die Suche. Doch die Ergebnisse ihrer Reise sind mehr als nur ernüchternd. Und dann kommt der Tag, als sie fern ihrer Erde im MULTIVERSE stranden …

CHIP ZDARSKY hat viele schöne Ideen in der zweiten Folge um DAS DING UND DIE FACKEL untergebracht. Ohne das Multiverse wären diese nicht umzusetzen gewesen. (Seit wann wird die Idee eines MULTIVERSE in der Populärliteratur eigentlich so überschwänglich gefeiert?) Ein verbesserter DOOM, leidlich menschenfreundlicher, trifft auf eine wissenschaftliche Versammlung von REED RICHARDSen. Das Spiel mit unterschiedlichen Inkarnationen hat in den letzten Jahren die Fantasie der Autoren ordentlich befeuert. Herausragend waren sicherlich die MARVEL ZOMBIES oder jüngst das SPIDER-VERSE, von dem es hier auch einen Ableger zu bestaunen gibt. Sehr zum Verdruss von BEN GRIMM und JOHNNY STORM, die sich in der Welt, in der sie gestrandet sind, mit der SPIDER-BATTLEWORLD herumschlagen müssen.

Da werden natürlich Erinnerungen an die Gladiatorenerfahrungen eines HULK wach (PLANET HULK), zuletzt auch in THOR 3 auf der großen Leinwand zu bewundern. Große fette böse Viecher machen den Kämpfern das Leben schwer. Ein irrer PETER PARKER, hier eine Mischung aus Spinnenmann, CAPTAIN AMERICA und MAD MAX, ist keine Figur, die sich von zwei Helden von außerhalb vorführen lassen will. ACTION ist vorprogrammiert, von einer leichten Brise Wahnsinn angehaucht.

Die beiden agierenden Zeichner haben einen unterschiedlichen Strich. Dieser unterscheidet sich auf dem ersten Blick in der Schwere der Ausführung. RAMÓN K. PÉREZ führt eine leichtere, dünnere Feder, stilistisch fast schon europäisch zu nennen, treffsicher. DECLAN SHALVEY ist das gewichtige Kaliber, härter, teils punkiger, für die deftigen Action-Szenen, in denen es kracht, der richtige Mann. In den eher tänzerischen Szenen (wie in einer Fechtszene zwischen zwei DOOMs aus alternativen Realitäten) ist RAMÓN K. PÉREZ derjenige, der die passende Atmosphäre auf das Papier bringt.

Eine Reihe von finsteren Gestalten hatten über die Jahrzehnte hinweg ihren Händel mit den FANTASTIC FOUR. Diverse Male hat es auch dunklere Varianten gegeben (die beste sicherlich in HOUSE OF M mit DR. DOOM an der Spitze). Manchmal denkt sich auch ein Freak wie der THINKER seine eigenes Team aus. Was dank des Einfallsreichtums von CHIP ZDARSKY dabei herauskommt, ist kurios, gruselig, fast schon ein Experiment, wie es die ULTIMATES in einer Imitation aus der östlichen Hemisphäre herausforderte. Immerhin hat der THINKER seine grauen Zellen stark angestrengt, um seinen Traum, nämlich einmal REED RICHARDS alias MR. FANTASTIC zu sein, wahr werden zu lassen. Aber das ist nur ein Übergang zu einem Finale, dessen Endergebnis gewünscht ist, aber so in dieser Form nicht vorherzusehen war.

CHIP ZDARSKY gehört zu den Comic-Autoren, deren Erzählungen ziemlich über die Erwartungen der Leser hinauswachsen. Dank des MULTIVERSE-Spielfelds stehen ihm dazu alle Möglichkeiten offen und man gewinnt den Eindruck, hätte er mehr Seiten zur Verfügung gehabt, wären diese noch ein ganzes Stück mehr ausgeschöpft worden. Grafisch anders als im ersten Teil, stilistisch eigen und wiedererkennbar von RAMÓN K. PÉREZ und DECLAN SHALVEY sehr schön illustriert. Die FANTASTIC FOUR sind wieder am Start! 🙂

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Freitag, 28. Juni 2019

SLHOKA 8 – DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN

Filed under: SciFi — Michael um 14:02

SLHOKA - Band 8 - DIE NADEL DER VERGÄNGLICHENGleißende Blitze zucken in die Höhe, ganze Bauwerke, gigantische Tempel entstehen und fallen, durch den Willen des Schöpfers verursacht, sogleich wieder in sich zusammen. SLHOKA vermag alles zu erschaffen und einzureißen, aber er ist allein in dieser abgeschiedenen Welt, dem JAIPURNA. Hier gibt es niemanden zu beherrschen oder zu beeindrucken. Niemand muss bekämpft werden, denn den letzten Kampf gewann SLHOKA und damit auch eine leere Welt. SLHOKA, der so mannigfaltige Gefahren überstand, muss sich seine eigene Kapitulation vor einer ausweglosen Situation schweren Herzens eingestehen.

LIVING IN A BOX: SLHOKA hat sich seit seinem letzten Abenteuer verändert (siehe Titelbild). Weiße Haarpracht, glühende Augen, blaue Haut. Weiße Ornamente verzieren die Muskeln. Sein Äußeres ist martialischer als zuvor. Charakterlich hat sich nichts geändert. SLHOKA ist ein Heißsporn, durch und durch. Das nützt ihm hier nur herzlich wenig. Die ihm nun inne wohnende Macht hält ihn gleichzeitig gefangen. Innerhalb der magischen Welt vermag er gänzlich alles zu gestalten. ULRIG GODDERIDGE hat seinem Helden ein großes Geschenk gemacht. Trotzdem lässt er SLHOKA handlungsunfähig am ausgestreckten Arm verhungern. Aber, wie es so schön heißt, Not macht erfinderisch.

DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN. Der Untertitel des 8. Bandes der Folge aus der Reihe SLHOKA gibt einen kleinen Hinweis auf einen Lösungsansatz für den Helden. Den eigentlichen Clou der Geschichte verrät es nicht. Und dahingehend soll es hier auch keine Spoiler geben. Unter dem Strich gibt es in diesem Band eine Suche und auf der anderen Seite einen recht besonderen Roadtrip. Die Kulisse ist ein dichter Dschungel, wild bewohnt, und so mancher Überrest steht für die Geschichte des Planeten (und ist Relikt der bisherigen Abenteuer).

CEYLES, dem Zeichner, und VINCENT, dem Koloristen, kommt die Aufgabe zu, die grüne Hölle zu gestalten, eindeutig asiatisch ausgerichtet, sehr abweisend, lebensfeindlich, feucht, von Flüssen durchzogen, gigantischen Baumkronen beschattet. Das ist nächtens wie tagsüber stimmungsvoll ausgeleuchtet. So gewinnt ein Weltenabschnitt in SLHOKA an ziemlicher Tiefe. ULRIG GODDERIDGE zeigt dieses Universum in einem neuen, recht intensiven Licht, indem die Strecke, die hier (voller Frauenpower) durchwandert wird, viel mehr Details als bislang erhält. So setzt sich dieses Kapitel stark von den vorhergehenden ab.

FRAUENPOWER: Gegensätzlicher könnten die beiden Frauen in dieser Erzählung nicht sein. Sie reißen hier das Heft an sich und stellen SLHOKA die Show (verdientermaßen). Da ist einerseits die sehr lebenserfahrene M’MA BAY, eine alte Schamanin, die bis hin zum Tod schon alles erlebt zu haben scheint. Auf der anderen Seite steht ECKRE, jung, agil, Kämpferin, Überlebenskünstlerin, mit ein paar mittelgroßen Gedächtnislücken versehen. Plötzlich werden diese beiden Frauen für den weiteren Weg zusammengeschweißt, mehr oder weniger gut oder gern. Das ist ein klassischer Stoff, der schon häufig funktioniert hat und es jetzt erneut (klasse) schafft.

Die Reise geht weiter, ganz anders als Stammleser hätten annehmen können. Mit Band 8 der Reihe SLHOKA, DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN, ist natürlich längst der Punkt erreicht, an dem Vorwissen für das weitere Verständnis der Handlung vonnöten ist. Dennoch gelingt es dem Erzähler ULRIG GODDERIDGE ein Abenteuer zu schaffen, das einen Einstieg mit relativ frischen Figuren darstellt, weil diese selbst in eine Situation geraten, die vollkommen neu für sie ist. Mit gruseligen und starken Momenten und Wendungen. Prima! 🙂

SLHOKA 8, DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN: Bei Amazon bestellen.
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LINKS im COMICBLOG:

http://www.comicblog.de/2007/05/21/slhoka-die-vergessene-insel/ (SLHOKA Band 1)
http://www.comicblog.de/2007/07/10/slhoka-die-gaerten-von-sangali/ (SLHOKA Band 2)
http://www.comicblog.de/2007/11/08/slhoka-die-weisse-welt/ (SLHOKA Band 3)
http://www.comicblog.de/2010/09/26/slhoka-4-die-blutboegen/ (SLHOKA Band 4)
http://www.comicblog.de/2019/06/22/slhoka-7-das-andere-ufer/ (SLHOKA Band 7)

Mittwoch, 26. Juni 2019

NIKLOS KODA 13 – NO SONG

Filed under: Mystery — Michael um 21:55

NIKLOS KODA 13 - NO SONGZwei Widersacher beschreiten einen Dschungelweg. Der eine hat vom Spielleiter einen Revolver erhalten, der andere eine Schachtel Patronen. Am Ziel ankommen soll nur einer der beiden. Erschwerend für die Männer ist die Verfolgung durch eingeborene Kopfjäger, die ihr Opfer wahllos töten. Hier hat keiner der Männer einen Vorteil. Außerdem ist das Land für in gemäßigten Breiten aufgewachsene Westeuropäer sehr lebensfeindlich. Das tödliche Spiel nimmt seinen Lauf.

Der 13. Band der Reihe NIKLOS KODA, mit dem Untertitel NO SONG, beschert dem Leser deutlich aktionsreichere Sequenzen als im Vorgängerabenteuer. SELENI, die Tochter von NIKLOS KODA, wird gleich zu Beginn herausgefordert und stellt ihre kämpferischen Talente unter Beweis. Will sie am Leben bleiben, muss sie ihren magischen Fähigkeiten alles abverlangen und das gegen einen KUMDURKA, einen Magier der Finsternis. Die von JEAN DUFAUX einleitend geschriebene Action lässt den Leser nach ihrem Abschluss nicht viel Zeit zum Luftholen. Der Leser verlässt die Szenerie von NIKLOS KODAS Tochter, um sich daraufhin dem Vater selbst zuzuwenden. Wenig später taucht das Abenteuer im Dschungel ab.

An Abwechslung mangelt es also nicht. Magische Auseinandersetzungen allererster Güte zwischen unterschiedlichsten zauberischen Kreaturen. Über Wasser, auf dem Land, unter Wasser. OLIVIER GRENSON (Zeichner) und BEKAERT (Farben) haben eindeutig ein breiteres Spektrum abzuliefern als im Abenteuer zuvor. Besonders BEKAERT kann sich in den spannenden Zweikämpfen austoben.

JEAN DUFAUX führt hier so manchen Faden zusammen. NIKLOS KODA selbst stellt sich seiner Vergangenheit, seinen Beziehungen und der Erforschung seiner Grenzen. Wie stark ist er geworden? Welche Kämpfe kann er gewinnen? Die Antworten darauf sind fesselnde Szenen, leinwandwürdig inszeniert. Auffallend hierbei ist die Auseinandersetzung zwischen NIKLOS KODA und MRS BLATCHEFF, eine ältliche Frau, die eine Schwester der Sekretärin von LARGO WINCH sein könnte. Weißhaarig, hager, mit heller Haut, straff über das Gesicht gespannt, wirkt sie nicht wie eine ernsthafte Gegnerin. Gegenüber NIKLOS KODA lässt sie von Beginn an keinen Zweifel an ihrer Skrupellosigkeit aufkommen. Ein langsam sich steigerndes Duell findet so unter anderen Waffenbedingungen auch schon mal im Wilden Westen statt.

NO SONG, der Magier, der im Vorläuferband eingeführt wurde, ist hier ein Strippenzieher hinter den Kulissen. Mehr noch: Er ist auch eine Art Wegbereiter für den Namensgeber der nächsten Folge: SPIBORG. NO SONG steht zwar mit dieser geheimnisvollen hier bislang nur erwähnten Figur nicht in Kontakt, aber für alle Beteiligten scheint klar zu sein, dass sich dem SPIBORG ein Magier stellen wird und auch nur der, der die Macht besitzt, den SPIBORG zu schlagen. JEAN DUFAUX strickt also ganz schön an diesem ENDGEGNER.

Ein bewusst gewähltes Wort, denn diese Folge hat sehr viel von einem Computerspiel. Verschiedene zu bewältigende Aufgaben, Gegner von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad, darüber hinaus auch von sehr voneinander abweichendem Design. JEAN DUFAUX, der sich in seiner Vergangenheit durch seine Affinität zum Kino durchaus hat inspirieren lassen, mag im Aufbau der Action auch kreative Anleihen bei Computergames gefunden haben.

OLIVIER GRENSON und BEKAERT stellen die Bedrohung, sei es in Aktionsszenen oder in Gesprächsszenen, über die Charaktere dar. Es gilt die Gefahr aus den Gesichtern herauszulesen. Die FEINDE von NIKLOS KODA scheinen immer entschlossen, ihrem Feind das Leben zu nehmen. Der Bildaufbau hebt sich teils sehr schön von den üblichen Choreografien ab. Teils wird der Betrachter in die Handlung einbezogen, an die Stelle von NIKLOS KODA gestellt, fast so wie in frühen 3D-Filmen, um den Effekt auf den Zuschauer zu verstärken.

Perfekte Fortsetzung mit erheblich mehr Fahrt als in der Vorgängerepisode. Die Dramatik ist entsprechend angezogen, mehrere Schicksale entscheiden sich, NIKLOS KODA ist zwar der Hauptakteur, aber er ist nicht gerade derjenige, der die Handlung voranbringt. Er ist auch nicht der alles überragende Held. Manchmal hilft ihm Können, manchmal nur pures Glück. Mit feinem Strich illustriert, gekonnt koloriert. 🙂

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Samstag, 22. Juni 2019

SLHOKA 7 – DAS ANDERE UFER

Filed under: SciFi — Michael um 22:16

SLHOKA 7 - DAS ANDERE UFERSPONGROPUSZUNGE ist eine richtige Delikatesse. Das Problem ist nur die Größe des SPONGROPUS, der so gigantisch ist, dass er mehr andere verspeist und kaum Gegner zu fürchten hat. Menschen jedenfalls nicht. Und kleine BAYANER wie dieser, der SLHOKA gerade einmal zur Hüfte reicht, schon gar nicht. Dennoch hat der SPONGROPUS die Rechnung ohne SLHOKA gemacht. Der Mensch ist kein einfacher Wanderer mehr. Unter Aufbietung seiner besonderen Zauberkraft bezwingt er die Kreatur. Das Abendessen ist angerichtet.

SLHOKA kam als Fremder in diese Welt (siehe SLHOKA-Rezis Band 1-4 unten) und nun ist er ein Teil von ihr. Verbunden mit der Rachegöttin SHANI, die in der Gestalt einer geflügelten Raubkatze in Erscheinung tritt, bereist er eine Welt, in der Magie weitaus mehr zählt, als die Technikhörigkeit, auf die er bei zu Beginn noch schwor. Mit dem 7. Band, DAS ANDERE UFER, wird eine Reihe fortgesetzt, die bereits 2007 hierzulande erschien. ULRIG GODDERIDGE kreierte eine sehr eigenständige Welt. Vergleiche zum Zeitpunkt dieser Ausgabe anzustellen, fällt schwer. Wer sich also auf einen neuen, spannend erzählten Mix aus SCIENCE FICTION und FANTASY einlassen will, liegt hier goldrichtig.

Ein menschlicher Krieger im Kampf gegen eine Göttin. SLHOKA ist nicht der erste Ersatzkämpfer einer göttlichen Macht. ULRIG GODDERIDGE spinnt den Faden aber ordentlich monumental. Dank des Grafikduos CEYLES (Zeichner) und VINCENT (Farben) wird im Verlauf der Auseinandersetzung im Refugium der Götter ein wahrhaftiges Feuerwerk abgebrannt. SLHOKA trifft gleich auf mehrere mystische Gestalten, jede mit unterschiedlichen Kräften versehen, unterschiedliche äußere Erscheinungen inklusive.

Das JAIPURNA, die Wohnstatt, der Götterhimmel (wenn man ihn so nennen will), erlaubt seinen Bewohnern (und Besuchern wie SLHOKA) die üblichen physikalischen Eigenschaften auf den Kopf zu stellen. Hier wird geflogen, geschwebt, werden Strahlen abgeschossen, schleimiger Glibber verwandelt sich, Steine ballen sich, nahezu alles scheint jederzeit in andere Zustände übergehen zu können. Hier hat sich das Dreierteam nicht lumpen lassen und bis zum fulminanten Finale aufgefahren. Der Cliffhanger überrascht (Und als Leser ist es erst einmal nicht vorstellbar, wie diese verfahrene Situation noch aufgelöst werden könnte. Aber sie wird, denn die Fortsetzung steht bereits in den Startlöchern.)

Doch zuvor gilt es noch auf eine längere Sequenz einzugehen. Vor dem mythologischen Showdown geht es zu einer spektakulären Jagd in ein Sumpfgebiet. Hier werden Erinnerungen an JAMES BOND wach (MOONRAKER). Hier brennt der Busch, kracht, scheppert und explodiert es. Es ist gleichzeitig eine düstere Sequenz, nicht zuletzt durch eine sehr charismatische Schamanin mit einem sehr wichtigen Auftritt. Außerdem ist sie eine tragische Figur, fast eine kleine Hommage an den guten alten SHAKESPEARE (wer die eine oder andere Szene im späteren Verlauf betrachtet, wird verstehen).

Ein feines, durchweg aufregend erzähltes Abenteuer in einer Reihe, die einen deutlich fantastischeren Schwerpunkt erhalten hat. ULRIG GODDERIDGE verschiebt außerdem bisherige Beziehungen und schafft neue Fronten. Für SLHOKA, einen Helden, der in diese Rolle gezwungen wurde, eröffnen sich hier viele ungemein schwere Aufgaben. Wer die Serie bereits kennt, kann hier bedenkenlos dran bleiben. Stark. 🙂

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LINKS im COMICBLOG:

http://www.comicblog.de/2007/05/21/slhoka-die-vergessene-insel/ (SLHOKA Band 1)
http://www.comicblog.de/2007/07/10/slhoka-die-gaerten-von-sangali/ (SLHOKA Band 2)
http://www.comicblog.de/2007/11/08/slhoka-die-weisse-welt/ (SLHOKA Band 3)
http://www.comicblog.de/2010/09/26/slhoka-4-die-blutboegen/ (SLHOKA Band 4)

Freitag, 21. Juni 2019

NIKLOS KODA 12 – DER OZEAN

Filed under: Mystery — Michael um 17:56

NIKLOS KODA 12 - DER OZEANNIKLOS KODA ist verschwunden. Seine Tochter SELENI sucht verzweifelt nach ihm. So verzweifelt, dass sie gewillt ist, einen Alleingang zur Aufklärung seines Untertauchens zu unternehmen. Auf einen Hinweis des Magiers SEKO sucht sie den geheimnisumwitterten Magier NO SONG auf. Dieser entdeckt sogleich das ererbte Talent ihres Vaters und unterzieht das Mädchen dem TEST DER 10 ZAHLEN. SELENIS Ergebnis fällt über alle Maßen beeindruckend aus.

Über viele Jahre hat die Magie eines HARRY POTTER das Genre Zauberei geprägt. Manch einer kennt das Reboot von CHARMED oder sogar das Original. Natürlich gibt es im Romansektor noch unendlich viel mehr Literatur innerhalb des Genres zu entdecken. Zauberei ist im Comic eher rarer. Da füllt NIKLOS KODA eine Nische, denn hier findet sich eine Art romantische Zauberei oder Magie. NIKLOS KODA steht im Zentrum einer Halbwelt inmitten der realen Welt. Inmitten von Menschen, von denen sich schlecht auf den ersten Blick sagen lässt, ob sie nur tricksen oder tatsächlich ein magisches Talent besitzen.

JEAN DUFAUX, hierzulande durch Comic-Veröffentlichungen wie JESSICA BLANDY, MURENA oder DJINN bekannt, erweiterte mit NIKLOS KODA sein erzählerisches Spektrum. Zweifellos gibt es hier ein starkes romantisches Element. Das sehr verspielte, fast in einer Art Jugendstil-Optik angefertigte Titelbild weist genau in diese Richtung. Abgebildet ist DER OZEAN, namensgebend für den Untertitel der 12. Folge der Serie. Dieser opulent auftretende Magier, in jeder Beziehung, fordert NIKLOS KODA auf seine ganz eigene Weise heraus, nämlich mit den Elementen, dem Ozean selbst heraus. In einer Gefangenensituation, wie sie auch Piraten eingefallen sein könnten, wird NIKLOS KODA auf einen Selbstfindungstrip geschickt.

Blick zurück nach vorn: Diese Selbstfindung bietet gleichzeitig genügend Material, um dem Leser selbst zu dieser späten Folge noch einen Einstieg in den Charakter von NIKLOS KODA zu ermöglichen. In sehr zart gezeichneten, farblich weichen Bildern gestaltet und komplettiert das Grafikduo OLIVIER GRENSON (Zeichnungen) und BEKAERT (Farben) den romantischen Eindruck. Die Figuren stehen nicht einfach nur im Raum, sondern sie posieren regelrecht für den Betrachter. Oft befindet sich der Leser von Angesicht zu Angesicht mit den Charakteren.

HO SAN SEKO, ein Magier, gibt eine seiner Shows zu Beginn der Geschichte. So wird für den Leser gleich die andersartige Stimmung zu den üblichen Magiegeschichten deutlich. Eine deutlich asiatische Stimmung entsteht durch eine Illusion eines fliegenden Drachens, äußerst fein gestaltet von OLIVIER GRENSON und BEKAERT. Neben der tendenziellen Romantik ist dieser Auftakt sogar märchenhaft zu nennen, farblich wie auch figürlich. Darüber hinaus findet sich diese Grundstimmung auch in der Begegnung mit dem OZEAN wieder. Daneben, sozusagen als Gegentendenz, ist der Rückblick um NIKLOS KODA sehr französisch, recht geheimnisvoll, so wie häufig französischen (oder auch belgischen) Erzählern die Darstellung des Magie des Alltags oder einer Beziehung gelingt, ohne in Kitsch zu verfallen. Damit dies gelingt, kommt OLIVIER GRENSON und BEKAERT erneut eine gewichtige Rolle zu. Denn ohne ihren künstlerischen Beitrag würde dies nicht gelingen.

Eine gemächliche, eindringliche Erzählung, abseits der üblichen magischen Abenteuer und Figuren. Erwachsener, etwas femininer berichtet, auch in seiner grafischen Linie, romantisch, märchenhaft. Das Titelbild verrät es auf seine Weise, ein alternatives Cover im Anhang eigentlich noch viel deutlicher. NIKLOS KODA zieht den Leser langsam, aber fest in seinen Bann. Am Ende muss man wissen, wie es weiter um sein Schicksal und das seiner Tochter SELENI bestellt ist. Schön. 🙂

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