Zum Inhalt springen


Comic Blog


Montag, 19. Juni 2017

ELYA – DIE NEBEL VON ASCELTIS 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:10

ELYA - DIE NEBEL VON ASCELTIS 1 - GEBURTHochzeiten unter Fürstenhäusern und königlichen Dynastien haben schon oft den Frieden zwischen Ländern schützen sollen. Nicht immer waren derlei Bemühungen vom sprichwörtlichen Erfolg gekrönt. Lyenn, Tochter des Königs Corween, sollte einst den verfeindeten Druidenherrscher Nordjj ehelichen. Yslain, jüngste Sohn des Königs, hätte sich zähneknirschend mit der Situation abgefunden. Erwal jedoch, der älteste Sohn, wollte seine Schwester schützen und stellte sich gegen den Pakt. Die Heirat wurde durch einen brutalen Verrat abgewendet. Erwal wurde mit seinen Gefolgsleuten zur Strafe in die Verbannung geschickt. Doch nun ist König Corween verstorben und das Schicksal nimmt seinen Lauf …

NICOLAS JARRY hat sich in seiner Autorenkarriere ganz der historischen Szenarien und der Fantasy-Abenteuer gewidmet. In klassischen Sagen findet er seine Inspiration. Andere Figuren und Kreaturen könnten geradewegs dem Universum eines J.R.R. TOLKIEN entsprungen sein. Mit ELYA – DIE NEBEL VON ASCELTIS entfaltet sich eine keltische Atmosphäre. Es könnte auch ein Einblick in die Welt der Pikten sein, gäbe es nicht eindeutige Fantasy-Aspekte, die weit über ein rein historisches Abenteuer hinausgehen.

Die Geburt einer SYLVE markiert den zentralen Höhepunkt und wechselt die Begehrlichkeiten, die zuvor in der Geschichte noch eine wichtige Rolle spielten. NICOLAS JARRY hat sich eine sehr bedeutsame Geburtszeremonie einfallen lassen. Das besitzt einen gruseligen Effekt, macht sehr neugierig und erklärt auch die spätere Funktion eines HERRN FUSHU. Die Entwicklung der SYLVE zeigt bereits in der zweiten Hälfte der ersten Folge von ELYA – DIE NEBEL VON ASCELTIS, welchen erzählerischen Spielraum NICOLAS JARRY durch diese Figur erhält.

GIANLUCA MACONIS Zeichenstil werden alle jene mögen, die mit Comics von Illustratoren wie dem kanadischen Comic-Künstler DJIEF oder dem Mexikaner HUMBERTO RAMOS vertraut sind. Der leicht überzogene Realismus passt zur Fantasy sehr gut. Männer sind oft kernig, kantig, breit, muskulös. Frauen als Hauptakteure sind hübsch, sportlich, Pin-up-tauglich. Auch bei den anderen Charakteristika fahren die Künstler ähnliche Verfahren auf, insbesondere den gestandenen bärtigen Männern, die sofort als erfahren, weise, durchsetzungsstark zu klassifizieren sind. Zwerge sind klassisch rundlich, klein, kompakt, doch besonders interessant wird es bei einer Kreatur wie HERRN FUSHU.

FUSHU ist eine optische Mixtur aus einem Jedi-Lehrer und einem vampirischen Meister, wie er von HUMBERTO RAMOS im Comic CRIMSON zu Papier gebracht wurde. Und ähnlich wie diese erwähnten Figuren tritt auch FUSHU auf. Außerdem entzieht er sich durch dieses Auftreten auch von der ansonsten sehr klassisch bekannten Konstellation der eingesetzten Charaktere. Man könnte sagen, dass mit dem Auftritt dieses einen Charakters ein Wendepunkt einsetzt. Betrachtet man das Bild auf der Rückseite des Albums, auf der FUSHU und die SYLVE gemeinsam abgebildet sind, darf man sich getrost in dieser These bestätigt fühlen.

OLIVIER HEBAN darf als Kolorist nicht unerwähnt bleiben. Mit seiner sehr feinen Farbgebung trägt er sehr stark zum qualitativen Gesamteindruck der Seiten bei. Die Handlung spielt sich hauptsächlich in der freien Natur ab, gewährt Einsichten, die sofort den Gedanken an verzauberte Landschaften entstehen lassen. Hier haben sich GIANLUCA MACONI und NICOLAS JARRY mit ihrer Vorarbeit nicht lumpen lassen. Malerische Brücken, weite Gebirgszüge, heilige Kreise, mystische Wurzelgebilde, düstere Schluchten oder ein hungriges Wolfsrudel sind detailliert koloriert und sorgen für eine Atmosphäre, die keiner weiteren Erzähleruntermalung bedarf.

Spannend, klassisch, mit tollen Wendungen, die mit den Erwartungen der Leser spielen und diese durchkreuzen. Durch das Grafikduo GIANLUCA MACONI (Zeichner) und OLIVIER HEBAN (Kolorist) wird ein fantastisch illustriertes, sehr schönes Leseerlebnis aus dem Fantasy-Auftakt von ELYA. 🙂

ELYA, DIE NEBEL VON ASCELTIS 1, GEBURT: Bei Amazon bestellen

Sonntag, 11. Juni 2017

YIYA 1 – DER SORGENFRESSER

Filed under: Mystery — Michael um 21:36

YIYA 1 - DER SORGENFRESSERDas Mädchen und der junge Mann waren ein gutes Team. Es schien, als habe die kleine Waise vor Jahren den Schiffer und Taucher Rogo selbst ausgewählt. Zuerst fand er sie, dann lief sie ihm nach. ROGO, der selbst keine Familie besaß, sich gelegentliche Zuneigung bei Prostituierten holte, wenn das Geld reichte, nahm das Mädchen und zog sie wie eine Tochter auf. YIYA, so der Name des Mädchens, und Rogo wurden unzertrennlich. Trotz des harten Lebens, immer am Existenzminimum, ging es immer irgendwie vorwärts. Bis eines Tages, während eines Schneesturms, der alte Mann namens SHUN auftauchte und ihr beider Leben eine ungeahnte und unerwartete Wendung nahm.

DANIEL PECQEUR, der Comic-Spezialist für verschiedenste Science-Fiction-Szenarien, tritt dem Leser hier zuerst mit einer teils fast gegenwärtigen (2020), teils dystopischen Sequenz entgegen. Eine Küstenstadt wird von einem Schneesturm heimgesucht. Die Welt erstickt in Schneeflocken, das Meer tost, dennoch haben sich die Menschen mit dem Wetter arrangiert. Das ist wie alles andere, um es gleich vorweg zu nehmen, von VUKASIN GAJIC fantastisch illustriert.

ROGOS Aufgabe besteht im weiteren Verlauf darin, genau bei diesen gezeigten eisigen Temperaturen zu tauchen. Bis dahin wird der Leser von der Atmosphäre derart eingefangen, dass es einen unwillkürlich fröstelt, wenn ROGO in einem klassischen Helmtauchgerät in die immer dunkler werdende Tiefe gleitet. Und dieses finstere Meer ist der Vorbote dessen, was da bald auf YIYA und ROGO zukommt. Dies ist sozusagen der Moment, in dem DANIEL PECQEUR mit seiner Fantasie zuschlägt und der Geschichte einen völlig neuen Dreh gibt. Mehr soll dazu nicht gesagt werden, einzig eine Empfehlung an interessierte Leser, sich das Titelbild genauer anzuschauen.

DER SORGENFRESSER, so der Untertitel des ersten Bands von YIYA, bezeichnet ein Armband, das von dem Mädchen getragen wird. Sieben Figürchen, eines für jeden Tag der Woche, wachen darüber, dass die Sorgen von YIYA über Nacht verschwinden. ROGO hat es ihr geschenkt. Inwieweit dieses Schmuckstück noch eine Rolle spielt, wird der Leser im Verlauf der Handlung entdecken. VUKASIN GAJIC illustriert bis in solche kleinen Kleinigkeiten einen wunderbaren Realismus. Er schafft tolle Individuen. YIYA, ROGO und SHUN besitzen eine schöne Leinwandpräsenz, sofern man in einem Comic von derlei Attributen sprechen kann.

VUKASIN GAJIC übernimmt neben der reinen Zeichnung auch die Kolorierung. Die Farbgebung ist butterweich geraten und findet gerade in nicht alltäglichen Comicszenen ihre Höhepunkte. Die Unterwasserwelt wie auch die Meeresoberfläche bieten eine tolle Stimmung. Die Eindrücke des Winters zur ohnehin schäumenden Oberfläche, später unter Wasser mit einem nahebei kreuzenden Wal vermitteln neben all der Lebensfeindlichkeit auch bedrückende Momente. Das Händchen, das VUKASIN GAJIC hier beweist, findet auch im Verlauf der zunehmend fantastischer werdenden Atmosphäre immer den richtigen Blick, das passende Licht, Farbgebungen und Oberflächen, die von ihm sehr gern sehr fein aufgelöst werden.

Toller Auftakt. Selbst, wenn das Eingangsszenario weiterverfolgt worden wäre und DANIEL PECQUEUR und VUKASIN GAJIC es bei einem herkömmlichen Abenteuer oder auch Drama belassen hätten, stäche es aus der Vielfalt der Comicserien heraus. So kommt mit der weiteren Erzählung, dem mysteriösen Einschlag, noch ein I-Tüpfelchen hinzu. 🙂

YIYA 1, DER SORGENFRESSER: Bei Amazon bestellen

Donnerstag, 08. Juni 2017

CREEPER CREEK 1 – DUNKLE ERINNERUNGEN

Filed under: Horror — Michael um 18:00

CREEPER CREEK 1 - DUNKLE ERINNERUNGENDas ist so eine Sache mit amerikanischen Kleinstädten. Jeder kennt jeden. Geschichten bleiben lange im Gedächtnis der Gemeinde. Dunkle Erinnerungen bei Einzelpersonen hingegen werden gerne verdrängt, ganz weit weg in eine finstere Ecke des Gehirns. Betsy Mahorn besitzt ein solches Verlies, aus dem in Zeiten der Bewusstlosigkeit, im Schlaf grauenhafte Erinnerungen ihren Weg an die Oberfläche suchen. Onkel Chester verspricht ihr, dass sie keine Angst zu haben braucht. Doch instinktiv weiß sie, dass Onkel Chester lügt.

Zitat: Eine Fremde, eine kleine Stadt … Halloween … He, He, alles, was man für einen guten Horrorfilm braucht.

JOEL CALLEDE, Autor von CREEPERS CREEK, kennt besagte Stoffe aus Hollywood. Er wendet die Rezepte solcher Filme wie ein versierter Regisseur an. Denn natürlich genügt eine Fremde allein nicht, Halloween auch nicht, es müssen Tote her, die auf das Konto eines düsteren Mörders gehen. Wie in Slasher-Filmen üblich sterben die Menschen hier scheinbar erste einmal wahllos. Langsam wird dem Leser klar, dass es Geheimnisse in dieser Stadt gibt, die nicht nur Betsy Mahorn betreffen. Die junge Schauspielerin, die in B-Movies auf sich aufmerksam machte, mit Filmen, die einfach nur Klassiker des Horror-Genres nachahmten, wird durch die echte Gefahr an den Rand des Wahnsinns getrieben.

PIETER DENYS illustriert sehr exakt, dokumentarisch, wenn es um die Kulissen, die Gerätschaften aller Art geht, während er bei den Figuren etwas verspielter, runder zu Werke geht, irgendwo zwischen RICHARD CORBEN und TERRY MOORE. PIETER DENYS und HUBERT (Kolorist) gestalten ein CREEPER CREEK, in dem Sonne Mangelware ist und selbst am Tage das Licht vom strömenden Regen verschluckt wird. Ist es zur Tageszeit grünlich schummrig, setzen bei Nacht dunkle Rottöne ein, Lila und die Erinnerungen werden gar von einem kalten blau begleitet. Atmosphärisch ist es also sehr düster. Ein Ausflug in ein Kinoabenteuer von Betsy Mahorn ist geradezu eine heitere Stippvisite, obwohl sehr bald Reißzähne von der Kinoleinwand herableuchten.

Die Geschichte wird auf mehreren Ebenen erzählt. Die Ereignisse, die Betsy Mahorn selbst erlebt, sind nur ein Aspekt. Ihre Alpträume, von den eigenen Erinnerungen gefüttert, sind eine weitere Seite. Die Ereignisse, die ihr Erscheinen in Gang setzt, ohne selbst daran beteiligt zu sein, sind die nächste Sicht auf das Geschehen. So ist es höchst interessant und auch sehr mysteriös, was sich hinter den Kulissen dieses Horrordramas abspielt. Wer verschweigt etwas, wer fordert andere zum Schweigen auf, wer hat etwas gesehen und natürlich, wer ist wie gestorben.

Mörder in Slasher-Szenarien sind oft brutal und auf grausame Weise einfallsreich. Das macht die Anziehungskraft des Genres aus. Die Handlung ausgerechnet an Halloween spielen zu lassen, weckt natürlich Vorahnungen, denn welche Genre-Fans kennen den Klassiker oder wenigstens das Remake dieses Horrorfilms um eines der beliebtesten Feste in den USA nicht? JOEL CALLEDE belässt es jedoch bei dieser einzigen Parallele. Jemanden wie MICHAEL MYERS sucht man hier vergebens. Dafür finden sich eher Anlehnungen in Richtung ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST.

JOEL CALLEDE spinnt ein weites Netz aus Geheimnissen rund um die Hauptfigur der Betsy Mahorn. Hier kann jeder der Täter sein. Betsys Erinnerungen und auch ihre Visionen sind gruselig und verstörend. Mit passendem Realismus illustriert reiht sich CREEPY CREEK in die Genrekette seiner Leinwandgeschwister nahtlos ein. Wer es düster mag, spannend, mit Schockmomenten, liegt hier goldrichtig. 🙂

CREEPER CREEK 1, DUNKLE ERINNERUNGEN: Bei Amazon bestellen

Montag, 05. Juni 2017

DIE SEUCHE 1 – VALNES

Filed under: Abenteuer — Michael um 15:13

DIE SEUCHE 1 - VALNESEine Krankheit greift um sich und bedroht das Leben. Die Krankheit macht vor keinem Volk Halt. Oldis sterben, Borun holt der Tod und selbst Albinth, noch größere Humanoide, sind betroffen. Von den Brohm, denen alle wohlweißlich aus dem Weg gehen, ist nichts über Todesfälle bekannt. DIE SEUCHE ist ein Mysterium. Obwohl Oldis und Borun einander nur bedingt freundlich gesinnt sind, macht sich ein kleiner Trupp aus beiden Völkern auf die Reise, um eine Lösung zu finden. Dabei gestaltet sich der Anfang des ungewöhnlichen Bündnisses bereits schwierig. Und unterschiedliche Lebensarten helfen kaum, die Abneigungen gegeneinander zu senken.

JEAN-CHARLES GAUDIN macht sich daran, in DIE SEUCHE eine sehr ernsthafte Fantasy-Welt zu gestalten. Einfache Volksgruppen, keine Fürstenhäuser bestimmen das Szenario. Fans des HERRN DER RINGE oder von GAME OF TRHONES werden die großen Intrigen hier vergeblich suchen. Vielmehr versuchen hier die bäuerlich lebenden OLDIS (menschenähnlich) und die BORUN (elfenartig) ein gemeinsames Auskommen zu finden. Abgesehen von einer groben äußerlichen Ähnlichkeit haben die Volksgruppen hier wenig mit den weitaus bekannteren Fantasy-Szenarien gemein.

Die OLDIS leben infolge eines deutlichen Frauenüberschusses in einer Art Matriarchat. Die BORUN sind kriegerischer ausgerichtet. Natürlich findet sich einem ländlichen Szenario auch die Pracht von Burgen oder gar königlichen Höfen nicht. FREDERIC PEYNET, Zeichner und Kolorist in einer Person, arbeitet entsprechend an einer der unseren ausgerichteten Flora und einer teils fremdartigeren Tierwelt, um die Unterschiede zur echten Welt zu verdeutlichen. Die bevorzugten Reittiere, Telnaks, pferdeähnlich, mit wölfischen Einflüssen, scheinen bewusst an reale Vorbilder angelehnt. Genauso hält es JEAN-CHARLES GAUDIN mit der Beschreibung unterschiedlicher Kulturen und ihrer Eigenarten, die sich in der einen oder anderen Form tatsächlich finden lässt, nur nicht in dieser Mixtur.

Es lässt den Leser schnell nah an die Kulturen und die einzelnen Charaktere heran. Zuallererst natürlich an VALNES, die ihren Namen auch gleich als Untertitel der ersten Folge dieser Trilogie hergibt und auf dem Titelbild abgebildet ist. Stellvertretend für den Leser, der diese Welt mit unwissenden Augen betritt, begleitet der Junge JAUTRY die Reisenden. JAUTRY hat bereits zwei Brüder durch DIE SEUCHE verloren. Er besitzt jugendliches Ungestüm, Neugier und zweifelsohne auch ein gewisses Maß an Naivität und Unvorsichtigkeit. Traurigkeit und Zorn gerade über den Verlust des jüngsten Bruders treiben ihn an, eine Antwort nach dem Ursprung der mysteriösen Krankheit zu finden.

Der kleinwüchsige und alte KALIAM, ein Borun, ist für den Leser eine weitere wichtige Identifikationsfigur. Er ist die Stimme der Vernunft, wenngleich er nicht alles weiß, ist er jedoch stets bemüht, alles zu verstehen und einer unvoreingenommenen Neugier eine Chance zu geben. FREDERIC PEYNET arbeitet die Besonderheiten einer jeden Figur, auch jeder Volksgruppe einfach und leicht heraus, erinnert so ein wenig an LEO. Die Kolorierung ist sehr natürlich, ebenfalls leicht und weich, aquarellartig und sehr plastisch. Blau, grüne Farbtöne, Ocker oder Braun, teils herbstliche Farbtöne dominieren eine sehr feine, einladend gemalte Landschaft. PEYNET schafft mit seinen Bildern eine tolle Atmosphäre.

Ein Rätsel buchstäblich um Leben und Tod gilt es hier von einer Gruppe zu lösen, die sich zwangweise zusammenfindet und sehr bald zusammenraufen muss, will sie dieses Abenteuer überleben, ehe die Antwort parat ist. Ein schönes Fantasy-Szenario, in seiner Gesamtheit, aber auch auf jeder Seite stimmig erzählt und illustriert. Leser, die Fantasy mit mittelalterlichem Ambiente mögen, werden hier fündig. 🙂

DIE SEUCHE 1, VALNES: Bei Amazon bestellen

Mittwoch, 31. Mai 2017

ASTERX balinat

Filed under: Cartoon — Michael um 22:15

ASTERX balinat - Der große Sammelband auf BerlinerischMit DIE TRABANTENSTADT und ASTERIX UND KLEOPATRA finden sich in dieser Ausgabe gleich zwei klassische Abenteuer, die noch aus den Federn von RENÉ GOSCINNY und ALBERT UDERZO entschlüpften, in diesem Sammelband auf BERLINERISCH übersetzt. Allen voran hat sich DIETER HALLERVORDEN der Übersetzung gewidmet, gefolgt von KALLE SCHERFLING, SILKE LOCKE und SVEN KUGLER. Hintergründig geht es in beiden Geschichten um Bauszenarien. Ein Schelm, wer angesichts der Komödie um den Bau des Berliner Flughafens Böses dabei denkt.

Im damals 17. Band der hierzulande erschienen ASTERIX-Reihe, DIE TRABANTENSTADT, versuchte CÄSAR dem Dorf der UNBEUGSAMEN GALLIER einmal nicht kriegerisch beizukommen, sondern wählte das Mittel der römischen Zivilisation zur Ausrottung gallischer Lebensart. Der ASTERIX-Fan weiß, dass ein früher Versuch in KAMPF DER HÄUPTLINGE scheiterte. Nachdem es ein römisch gesinnter Häuptling nicht geschafft hat, soll es eine Wohnsiedlung, neudeutsch eine TRABANTENSTADT, richten. Plötzlich überfluten römische Mieter das Dorf. Widerstand wird zur Folklore, die von oben herab mit einem Augenzwinkern bedacht wird.

Vor diesem Hintergrund passt hier die berühmte BERLINER SCHNAUZE wie die ebenso berühmte Faust aufs Auge. Die TRABANTENSTADT wird zur BLADDE und schnell wird klar, dass es nicht nur um Dialekt, sondern insgesamt um eine etwas andere Sprachkultur geht, die außerdem ihre ganz eigenen Sprüche klopft. Da wird der Dorfplatz zur FUSSJÄNGAZONE, Sklaven werden kurzerhand zu HIWIS. Und natürlich singt TROUBADIX von Kreuzberger Nächten. Ein Glossar zu beiden Geschichten klärt den Leser über die wichtigen, benutzten Berliner Slangausdrücke auf, so dass am Ende keine Fragen offen bleiben.

Nun wirkt das römische Mietshaus in DIE TRABANTENSTADT tatsächlich ein wenig wie ein Plattenbau. Ob ein ägyptischer Palast wie in ASTERIX UND KLEOPATRA diesem Vergleich standhält? Eher nicht, obwohl NUMEROBIS, der ägyptische Baumeister keine architektonischen Meisterleistungen zu vollbringen imstande ist. Das beweist besonders eine kleine Szene, in der Idefix eine Villa einfach auf berlinerisch umschifft. Natürlich bleiben die Witze um das Nieseneeschen Kleopatras erhalten. Wenn die drei Helden auf Ägyptenausflug, ASTERIX, OBELIX und MIRACULIX (na, und IDEFIX), balinern zünden manche Witze anders, einige sogar besser.

An ICKE kommt man auf Berlinerisch nicht vorbei. Der DUDEN musste das in diesem Jahr ebenfalls einsehen und hat die Aufnahme in das deutsche Wörterbuch schlechthin geschafft. ICK, WA, WIA, das ist kein Refrain, vielmehr Personalpronomen, die das I-Tüpfelchen einer sehr direkten Sprache sind. TUT SE DEN KROKODILEN IN FRESSNAPF! Wenn Kleopatra so manchen Befehl ausspricht, fällt die Aussage noch deutlich bildhafter aus als im Original, eine weitere Eigenart dieser SYNCHRONISATION (ein Thema auch hier, da ebenso wie im Original der ägyptische Text aus Hieroglyphen ins Berlinerische übersetzt wird).

DENN HOLN WA DE KICKA UND DU BIST DER BALL! Beim Teutates, sogar Drohungen sind hart am echten Leben. Wer die Berliner Schnauze mag, eine richtige Haudruffsprache, der ist bei diesem Sammelband goldrichtig. Natürlich spricht man die Texte automatisch mit, so dass die Geschichten lebendiger als sonst werden. Macht im Original Spaß, macht hier noch ein bisschen mehr Spaß. 🙂

ASTERX balinat, Der große Sammelband auf Berlinerisch: Bei Amazon bestellen
Oder im Ehapa-Comic-Shop.

Sonntag, 28. Mai 2017

DANGER GIRL – MAYDAY

Filed under: Thriller — Michael um 11:55

DANGER GIRL - MAYDAYEs war einmal ein Team von Geheimagentinnen namens DANGER GIRL. Sie waren eine eingeschworene Gemeinschaft, in der sich jede auf jede verlassen konnte. Bis eines Tages eine die anderen verriet! NATALIA KASSLE arbeitete in Wahrheit für eine Militärorganisation, die sich DER HAMMER nannte. Diese Organisation, die an nichts Geringerem als der Weltherrschaft arbeitete, bekam die ganze Wut der DANGER GIRLS zu spüren. Dem Tode näher als dem Leben wird NATALIA KASSLE nun aufgespürt von einer anderen kleinen Organisation unter der Leitung von APRIL MAYDAY. Der Fund der gefährlichen Frau ist ein Glücksfall für MAYDAY, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgt.

Mit NATALIA KASSLE erschuf ANDY HARTNELL eine knallharte Doppelagentin in einem Szenario, das einen Agenten wie JAMES BOND alt und blass aussehen ließ. Aber KASSLE wurde besiegt und die DANGER GIRLS gingen ihrer Wege. Im Comic wie auch in der erwähnten Serie um einen britischen Geheimagentin lässt man einen verdienten Feind nicht so leicht untergehen. BLOFELD war ein Stehaufmännchen. Warum sollte es nicht auch einer NATALIA KASSLE gelingen, von den Toten aufzuerstehen?

Eine Auferstehung mit Gedächtnisverlust. Die Rückkehr dieser brandgefährlichen Amazone wäre zu zielbewusst, wüsste die Killerin gleich, wem sie ihr Vertrauen schenken kann und wem nicht. Ihre Rückkehr ins Leben ist von einer langen Genesung begleitet. Körperlich wieder bei voller Leistungsfähigkeit angelangt, folgen die Erinnerungen noch lange nicht, einzig ihre Kampferfahrung ist ihr geblieben. ANDY HARTNELL lässt seiner Killerikone genügend Anlaufzeit, um wieder in die Action zurückzukehren.

J. SCOTT CAMPBELL war der DANGER-GIRL-Zeichner der ersten Stunde. Seine ausdrucksstarken Bilder haben die Serie sehr geprägt. Zwischenzeitlich haben sich verschiedene Comic-Künstler an dem schnellen Thrillerszenario versucht. Mit JOHN ROYLE ist ein würdiger Nachfolger auf der Bildfläche erschienen. ROYLE ist es hervorragend gelungen, die Stilistik von CAMPBELL aufzugreifen. Die Frauen in DANGER GIRL sind allesamt, so das Konzept der Serie, körperliche Pin-up-Models, sehr athletisch gebaut. Und das müssen sie sein, denn JOHN ROYLE hat sie, und nahezu jeden anderen Charakter in dieser Geschichte außerdem, in Situationen zu zeichnen, die jedem MI-Kinostreifen gut zu Gesicht stehen würden. Wer Action sucht, ist hier weiterhin goldrichtig.

Großformatig, teils ganzseitig, in besonderen Fällen doppelseitig, entfaltet sich ein rasantes Blockbusterfeeling. Da werden Menschen von Explosionen durch die Luft gewirbelt und Fahrzeuge liefern sich wilde Verfolgungsjagden. Zweikämpfe sind halsbrecherisch auf wackeligem Untergrund, Frauen agieren verführerisch und tödlich und eine Menge Filmzitate geben sich die Klinke in die Hand. Wer sie erkennt, darf sich ein wenig mehr freuen, wer nicht, hat dennoch eine Menge Spaß an diesem Actionthriller. Zwar gibt es Humor, aber längst ist die Parodie im Kino von Knallern wie den FAST-AND-FURIOUS-Streifen eingeholt worden.

Wer schon Fan der Serie ist, kommt hier voll auf seine Kosten. ABBEY CHASE und ihre Freundinnen müssen hier zugunsten einer Rückkehrerin, nämlich NATALIA KASSLE, zurückstecken. ANDY HARTNELL und JOHN ROYLE lassen sich Zeit, die ehemalige Agentin und Verräterin mit Karacho zurückzuholen. Ist sie aber erst einmal auf dem Schirm, wird auf Höchstgeschwindigkeit geschaltet. Toll illustriert von JOHN ROYLE, der dem Szenario hoffentlich erhalten bleibt! 🙂

DANGER GIRL, MAYDAY: Bei Amazon bestellen
Oder bei Dani Books.

Freitag, 19. Mai 2017

STAR WARS – POE DAMERON – SCHWARZE STAFFEL

Filed under: SciFi — Michael um 10:14

STAR WARS - POE DAMERON - SCHWARZE STAFFELDas IMPERIUM ist vernichtet. Seit 30 Jahren, seit der Zerstörung des zweiten Todessterns, herrscht ein relativer Friede in der Galaxis. Aber aus der Asche einer vergangenen Macht erhebt sich die ERSTE ORDNUNG. Bislang wird seitens der NEUEN REPUBLIK eine direkte Konfrontation vermieden. Aus diesem Grund organisiert Prinzessin Leia einen geheimen Widerstand, der abseits der offiziellen Kanäle. Poe Dameron, einer der besten zur Verfügung stehenden Piloten, gründet das Jagdgeschwader SCHWARZE STAFFEL und erhält fortan die extra gefährlichen Einsätze.

Bevor es zu den Ereignissen in DAS ERWACHEN DER MACHT kam, war es PRINZESSIN LEIAS großes Ziel, ihren Bruder LUKE SKYWALKER wiederzufinden. Helfen sollte ihr dabei der Forscher LOR SAN TEKKA. Angeblich verstorben, ist der alte Wissenschaftler nun lebendig in aktuellen Aufzeichnungen aufgetaucht. Sein Aufenthaltsort ist jedoch weiter unbekannt, allerdings hat man einen Teil seiner Reiseroute herausfinden können. Ein Ansatz und besser als nichts. POE DAMERON macht sich mit seinen eigens ausgewählten Staffelkameraden auf den Weg.

Die Geschichte, hier eine Zusammenfassung der ersten sechs US-Hefte aus der POE-DAMERON-Reihe unter dem Titel SCHWARZE STAFFEL, fügt sich gut ins bestehende STAR-WARS-Universum ein. Auf die Figur des LOR SAN TEKKA, im Film von MAX VON SYDOW dargestellt, wird hier nur ein kurzer Hinweis abgesetzt. Der sollte dem STAR-WARS-Fan aber genügen. Denn daraus entstehen Einsätze, die es in sich haben. Der erste Einsatz ist etwas merkwürdig. Natürlich kennt der Fan seltsame Kreaturen innerhalb des STAR-WARS-Universums, sehr seltsame sogar, aber hier entfaltet sich eine Art TWILIGHT-ZONE-Atmosphäre.

Etwas geerdeter geht es in der nachfolgenden Episode in einem Gefängnis zur Sache. Helden müssen sich an ihren Feinden messen lassen, entsprechend wurde POE DAMERON ein Agent der ERSTEN ORDNUNG gegenüber gestellt. TEREX, so der Name des Bösewichts, berichtet in erster Linie an CAPTAIN PHASMA, die Kommandantin in silberner Rüstung, die ihren kleinen Auftritt in DAS ERWACHEN DER MACHT hatte. Nimmt man das Auftreten von TEREX und sein Aussehen könnte ein junger VINCENT PRICE eine gute Wahl als Darsteller gewesen sein (schlägt man einmal das Pendel in die andere Richtung, von Comic in Richtung Film).

PHIL NOTO, der überaus exakt arbeitet, mit einer Mischung aus architektonischer Genauigkeit und der Verspieltheit eines Jugendstils, liefert hier außerdem ein klassisches Cover ab, indem er den Filmplakatstil von DREW STRUZAN aufgreift. Die sehr sauberen, sehr plastischen Grafiken von PHIL NOTO erinnern an die Technik von Kollege TONY HARRIS, der sich mit EX MACHINA in die Herzen der SciFi-Comic-Fans zeichnete. Präzise gesetzte Linien werden von einer Kolorierung unterstützt, die einen markerähnlichen Auftrag imitiert.

Nebenschauplätze: Die Droiden als solche sind die heimlichen Helden von STAR WARS und eines ihrer wichtigsten Merkmale. BB-8, eine der jüngeren Droidenkreationen, tritt hier im Team eher herkömmlicher Astromechs auf und meistert sein eigenes kleines Abenteuer. Und beweist gleichzeitig, wie gut Szenen (fast) ohne Dialoge funktionieren können.

Ein toller Einstand einer neuen STAR-WARS-Serie, auf der Figur des POE DAMERON fußend, der seinen ersten Auftritt in DAS ERWACHEN DER MACHT hatte. Ungeheuer präzise illustriert von PHIL NOTO, flott erzählt von CHARLES SOULE. Für Stammfans und erst für die neue STAR-WARS-Generation. Sehr schön. 🙂

STAR WARS, POE DAMERON, SCHWARZE STAFFEL: Bei Amazon bestellen
Oder bei Panini Comics.

Mittwoch, 17. Mai 2017

SUPERMAN MEGABAND 2 – STÄHLERNE ABENTEUER

Filed under: Superhelden — Michael um 16:33

SUPERMAN MEGABAND 2 - STÄHLERNE ABENTEUERDie Ereignisse in Metropolis gehen seltsame Wege. Feinde können aus den unmöglichsten Richtungen kommen. Mit Freunden verhält es sich ebenso. BIZARRO hat SUPERMAN schon enorm viele Probleme bereitet. Das Spiegelbild des Stählernen, äußerlich verdreht und stets das Gegenteil von dem aussprechend, was er eigentlich meint, erhält plötzlich eine Chance, die niemand nach so vielen Jahren und so vielen Auseinandersetzungen auch nur erahnt hätte: Heilung. Der Heilung könnte Normalität folgen. BIZARRO hätte seinen Wahn unter Kontrolle, könnte dauerhaft helfen, anstatt nur zu zerstören. Aber nach einer derart langen Supergegnergeschichte ist der Wandel alles andere als leicht.

Nach BLUMEN FÜR BIZARRO geben sich weitere alte SUPERMAN-Feinde die Ehre, allerdings in neuem Licht, Seite an Seite mit neuen Gegnern, die aber nicht rundweg in die Klassifizierung Feind fallen. Gleich in der zweiten Geschichte IN DEINER OBHUT, in wunderbarem Zeichentrickstil von SEAN CHEEKS GALLOWAY illustriert, muss sich SUPERMAN einiges einfallen lassen, um jemandem eben KEINEN stimmten Gefallen zu tun. DEREK FRIDOLFS erzählt modern, schnell, behutsam und mit sorgfältig gesetzten Wendungen. Hier steht er beispielhaft für alle Autoren dieser Geschichtensammlungen, die ihr Metier, ein rundes, auf Heftlänge erzähltes Abenteuer, perfekt beherrschen.

KRYPTON, der Heimatplanet des Stählernen, wird gleich zweimal auf ungewöhnliche Weise thematisiert. Zuerst tritt eine GREEN LANTERN auf, die sich schuldig an der Zerstörung des Planeten wähnt und für die die Existenz eines Kryptoniers eine irrsinnige Chance darstellt. Das andere Mal macht SUPERMAN Bekanntschaft mit einem Roboter, der von der Zivilisation seines kryptonischen Vaters übrig blieb und nun ein ganz besonderer Freund werden könnte. Dreht sich in der ersten Geschichte einiges um Schuld und Sühne und kehrt sogar ein alter Feind zurück, erinnert im zweiten Abenteuer vieles an DER GIGANT AUS DEM ALL. Zeichnen sich die Bilder in DIE DUNKLE LANTERN von NEIL EDWARDS durch starken Realismus aus, finden sich in der Robotergeschichte EINZELKIND Grafiken von EVAN DOC SHANER, die deutliche Verbeugung vor einem 1950er Jahre Szenario darstellen. Das hat ein wenig Ähnlichkeit mit der leichten Stilistik eines STUART IMMONEN, der ebenfalls an SUPERMAN-Stoffen arbeitete.

METALLO sorgt für den Grusel im folgenden MEGABAND mit dem Untertitel STÄHLERNE ABENTEUER. Der Cyborg mit dem kryptonischen Innenleben und der für den Stählernen ungemein gefährlichen Strahlung ist zur DC-FRANKENSTEINMONSTER-VARIANTE geworden. Es gibt nur noch ein erklärtes Ziel, nämlich SUPERMAN zu töten. Grafisch sehr eindrucksvoll gerät die Hatz in ENTTARNT durch Zeichner GABRIEL RODRIGUEZ. Während ein abgehalfterter Journalist die merkwürdige Beziehung zwischen dem DAILY PLANET und SUPERMAN aufzudecken versucht, arbeitet sich METALLO sehr nah an sein Ziel heran.

Sehr mystisch, sehr überraschend und gleich von fünf Zeichnern angelegt, kommt die Geschichte SELTSAMER BESUCHER daher. Es geht um nichts weniger als den Niedergang der guten alten Erde und den Exodus ihrer letzten Bewohner. SUPERMAN-Fans können sich auf ein Wiedersehen mit KAMANDI freuen, der sich hier allerdings lange von seiner Jugend verabschiedet hat. Mystisch wird das Szenario durch die Begleitung SUPERMANS über die Jahrmilliarden bis zum terrestrischen Untergang. Ganz ohne Augenzwinkern geht es aber nicht vonstatten, wenn eine der frühen Begegnungen von SUPERMAN und BATMAN geschildert wird. Irrwitzig wird dieses Aufeinandertreffen mit einem weiteren Verbündeten (für SUPERMAN kein Unbekannter) und einem Heer aus wiederbelebten Kreaturen (mit klassischem Namen).

Viele verschiedene Blickwinkel auf eine Ikone der Popkultur, abseits der neueren Handlungsstränge und Events. In 13 Einzelepisoden werden bekannten Figuren neue Seiten abgerungen und gleichzeitig können sich ältere Leser an jene Zeiten erinnert fühlen, an denen die Figur des SUPERMAN kleine und große Abenteuer erlebte, ohne dass auf eine bestimmte Zeitlinie besondere Rücksicht genommen wurde. Es gab Eckdaten, die eingehalten wurden, darüber hinaus gab es viele Überraschungen. Und genauso verhält es sich auch hier. Das ist berührend, philosophisch, mit toller Action, geheimnisvoll, überhaupt sehr facettenreich. Für Comic-Leser, die einmal eine schöne Bandbreite des Stählernen kennenlernen wollen, tolles Lesefutter! 🙂

SUPERMAN MEGABAND 2, STÄHLERNE ABENTEUER: Bei Amazon bestellen
Oder bei Panini Comics.

Mittwoch, 10. Mai 2017

KRÄN 8 – DÄMONEN & DÖDEL – QUEST TWO

Filed under: Cartoon — Michael um 19:26

KRÄN 8 - DÄMONEN & DÖDEL - QUEST TWOUntote sind für KRÄN nur Witzfiguren. Mit seiner Axt räumt er unter ihnen auf. Klar, es bleiben noch genug übrig und eigentlich nimmt ihre Anzahl kein echtes Ende, aber immer noch bleibt Angst außen vor, denn KRÄN ist ein Barbar und die haben bekanntlich vor nichts Angst. Was soll ihm denn auch passieren? MINIBAR kämpft an seiner Seite … nein, der ergreift dann doch lieber die Flucht. Genauso wie der Werwolf und MEGODAS, der Elf … na, eigentlich sind mal wieder alle anderen abgehauen. Typisch!

ERIC HERENGUEL hat mit seiner Saga um KRÄN eine Geschichte geschrieben und gezeichnet, die wirklich alles und jedes, jeden auch, durch den Kakao zieht, der die das einmal im Bereich Fantasy eine Rolle gespielt hat. Möchte man annehmen. Ganz gleich ob Film, Buch, HDR oder CONAN (ganz klare Steilvorlage für ERIC HERENGUEL), Rollenspiel oder auch Comic, hier ist nichts sicher vor diesem spitzzüngigen Erzähler. HARZAKÄS zum Beispiel sieht aus wie eine modrige Vorfahrenversion von PAPA SCHLUMPF. Und dann ist da noch eine Menge faul im NADALAND.

Ob GROSSE ALTE, HAIE, die offensichtlich im Sand zu Hause sind und dort ihre Opfer suchen oder schwebende Inseln, ERIC HERENGUEL rast, jagt, hetzt durch das Szenario, immer auf der Suche nach dem nächsten Witz, dem nächsten Fiasko, einer obskuren Gefahr, einer wahnwitzigen Kreatur. Zwischendurch, genauer im dritten Teil einer Enzyklopädie zum KRÄN-Universum, darf sich der Leser mit WERWOLF-Phänomenen oder auch der berüchtigten Stadt RABAUKISTAN vertraut machen. Wer sich auch nur halbwegs mit dem Genre FANTASY vertraut wähnt, wird sich als Comic-Leser hier ähnlich daheim fühlen, wie es Roman-Leser in der ähnlich klamaukigen SCHEIBENWELT-REIHE sind.

ERIC HERENGUEL hat bereits als alleiniger Autor und Zeichner gearbeitet (SILBERMOND ÜBER PROVIDENCE) oder hat für andere bekannte Comic-Autoren gezeichnet (z. B. CHRISTOPHE ARLESTON). Auffällig ist stets seine Anpassungsfähigkeit. Zwar übertreibt er mal gerne, auch in seinen realistischeren Szenarien. Aber verlässt diese grafischen Stile, wenn es der Sache dient. So besteht zwischen einer leichten Fantasy-Komödie wie DIE GEISTER VON TROY und seiner eigenen Kreation KRÄN noch ein ziemlicher Unterschied im Gesamteindruck. Denn ERIC HERENGUEL kann Abgedreht und Durchgeknallt. Letzteres trifft auf KRÄN zu.

Stilistisch bietet ERIC HERENGUEL dem Leser hier ein Witzbilderambiente an. Und durchaus könnten auf diese Art auch Einzeiler mit drei oder maximal fünf Bildern entstehen. Für eine Parodie ist diese Technik passend, für eine Fantasy-Comedy wie hier ist das sogar bombastisch gut. In der angehängten mehrseitigen Enzyklopädie, sicherlich auch eine Art Richtschnur für HERENGUEL selbst durch sein eigenes KRÄN-Universum, verändert sich die Stilistik etwas. Sie wird ausgefeilter, weniger karikierend, aber immer noch reichlich blödelnd.

KRÄN ist Fantasy-Anarchie, wahrscheinlich noch mehr als die Scheibenwelt, etwa in der Art vom Herrn der Augenringe (hat es gegeben) oder Pythons auf Speed. Hier soll gelacht werden und wer nur schmunzelt, wird sich irgendwann wundern, denn er muss vor diesem Aufgebot an Kalauern kapitulieren. ERIC HERENGUEL lässt es mitleidlos krachen, auch seinen Figuren gegenüber. Wer sein Lieblingsgenre einmal gänzlich veralbert lesen möchte, kann hier bedenkenlos zugreifen. 🙂

KRÄN 8, DÄMONEN & DÖDEL, QUEST TWO: Bei Amazon bestellen
Oder bei Finix Comics.

HAUTEVILLE HOUSE 14 – DER 37. BREITENGRAD

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:37

HAUTEVILLE HOUSE 14 - DER 37. BREITENGRADIm Hintergrund der Menschheitsgeschichte agieren Mächte, die einen gänzlich anderen Blick auf das Geschehen und die Entwicklungen auf der Welt haben. Diese Allianzen denken langfristig, scheinbar gefühllos auf den Menschen, obwohl sie hauptsächlich durch selbige vertreten werden. Der OBSIDIANISCHE ORDEN zieht die Fäden und besitzt die Macht, weite Entfernungen mittels magisch anmutender Portale zu überwinden. Nur wenigen Menschen ist es vorbestimmt, im Rat dem Orden vorzusitzen. Einer von ihnen ist der berühmte DAVY CROCKETT. Nur besitzt der Trapper keinerlei Ambitionen, sich in die Geschicke dieser obskuren Gemeinschaft einzumischen.

Im unzugänglichen Gebiet der Anden hat er sein Versteck gefunden. Dennoch haben es sich verschiedene Agenten unterschiedlicher Seiten zur Aufgabe gemacht, den Waldläufer und amerikanischen Volkshelden zu finden. Der Überlebende der Schlacht um Alamo befindet sich im Besitz eines Idols, das den Inhaber als Mitglied des Rates ausweist. Jedem Kontinent wurde ein Idol zugewiesen. Atlantis verfügt ebenfalls über einen Vertreter. Die fortgesetzte Ausbreitung der Europäer bereitet den übrigen Mitgliedern Unbehagen. Ein Bündnis soll ihrer unkontrollierten Ausbreitung ein Ende setzen.

Komplexer als viele andere Comic-Reihen ist HAUTEVILLE HOUSE aus der Feder von Autor FRED DUVAL. Die weltumspannende Geschichte, die mit deutlichen Einflüssen von STEAMPUNK und Kreaturen begann, die der Fantasie eine H.P. LOVECRAFT entsprungen sein konnten, hat längst einen neuen Dreh erhalten. Agenten balancieren zwischen den Auseinandersetzungen dunkler Mächte hin und her und fanden einen ihrer gefährlichsten Angelpunkte im Bürgerkrieg auf dem nordamerikanischen Kontinent, den der Süden (entgegen aller echten historischen Begebenheiten) vorläufig für sich entscheiden konnte.

FRED DUVAL spielt weiterhin mit dem Begebenheiten und Charakteren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Welt ist seine Bühne, betrachtet man all die verschiedenen Schauplätze, immer sehr weit voneinander entfernt, oft unwegsam, exotisch, sehr heiß, sehr kalt, sehr hoch, sehr stürmisch. Kurzum, FRED DUVAL schickt seine Helden am liebsten in Gegenden, die es in sich haben und die Gefahr regelrecht ankündigen. Dennoch überrascht er den Leser. Eine Ahnung erfüllt sich nie, es kommt immer anders, als man denkt.

THIERRY GIOUX darf sich als Zeichner an Monstern austoben, die auch eher unter die Kategorie CTHULHU fallen. Die Auftritte solcher Wesen sind allerdings wohl gesetzt. Der Leser wird mit solchen Ansichten nicht überfüttert. Die wirklich besondere Atmosphäre in dieser 14. Folge mit dem Untertitel DER 37. BREITENGRAD erwächst aus einer Ansichten einer grandiosen und wilden Natur, Landschaften, die an anderer Stelle aus den Wanderschaften moderner Abenteurer her bekannt sind. Stürmische See, rasende Winde, von Eis und Schnee zerklüftete Berge werden hier zu Gegnern, die alles daran setzen, die Menschen aufzuhalten. Und wie es auch bei echten Natur der Fall ist, macht diese hier ebenfalls vor keiner Seite Halt.

Die Zeichnungen sind mit dünnen Strichen gemacht, einerseits fragil, andererseits eindeutig die Handschrift von THIERRY GIOUX. Die Arbeit ist gut und versiert, aber so richtig schön werden die Bilder durch die Kolorierung von NURIA SAYAGO. Der Gesamteindruck je Seite ist urwüchsig zu nennen. Als Thema zieht sich eine sehr starke, weitgehend unbelastete Natur durch das komplette Album. Medellin in Kolumbien ist die einzige Metropole, die einmal hervorsticht.

Eine tolle, stimmige Atmosphäre ist bezeichnend für die 14. Folge von HAUTEVILLE HOUSE. Die Kämpfe der Menschen gegeneinander, auch die Bündnisse mit Kreaturen gänzlich anderer Art, verblassen vor den Kräften der irdischen Urgewalten. FRED DUVAL und sein ganzes Team (auch MANCHU nicht zu vergessen, der wieder einmal an einem großartigen Titelbild beteiligt ist) liefern eine prima Episode aus diesem Alternativweltuniversum ab. Top! 🙂

HAUTEVILLE HOUSE 14, DER 37. BREITENGRAD: Bei Amazon bestellen
Oder bei Finix Comics.