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Comic Blog


Freitag, 09. Oktober 2020

BOUNCER – GESAMTAUSGABE 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:49

BOUNCER - GESAMTAUSGABE 3Indianer erregen in einer Kleinstadt im WILDEN WESTEN immer Aufsehen. Obwohl sie friedlich in die Ortschaft einreiten, wird ihnen offen von einer Einheit Soldaten gedroht. Dabei haben sie ein ganz anderes Ziel: BOUNCER. Der Sohn von WEISSER ELCH soll sein Erbe antreten und den heiligen Boder des Stammes beschützen. Doch zuvor muss der einarmige Mann, der mitten unter Weißen lebt, beweisen, dass er überhaupt fähig ist, seine Aufgabe zu übernehmen. Der Beweis ist denkbar einfach zu führen. Er muss lediglich, einen anderen Mann im Zweikampf besiegen. Sein Gegner OSO LOCO, der beste Krieger des Stammes, wartet nur darauf, BOUNCER zu töten …

Aber es gibt noch mehr als Mord und Totschlag im WILDEN WESTEN, denn ewig lockt das Weib. Zumindest bei ALEJANDRO JODOROWSKY und seinen Erzählungen ist das häufig so. Männer verfallen ihnen. Manchmal glauben sie noch, die nötige Macht zu besitzen, sich jederzeit zurückzuziehen. BOUNCER ist auch so eine Figur, die sich gerne etwas vormacht. Und einmal mehr hat er nicht den Schneid zu erkennen, wenn es eine Frau tatsächlich gut mit ihm meint oder ob sie ihn nur benutzen will. Meistens ist letzteres der Fall. Mit den Waffen der FEMME FATALE, versteht sich. Manche tarnen sich zuvor, andere arbeiten sehr offen mit verführerischen Qualitäten. Manchmal ist alles ein großes Verwirrspiel. Ganz wie es der äußerst fantasievolle Erzähler ALEJANDRO JODOROWSKY mag.

ALEJANDRO JODOROWSKYs Ansichten erschöpfen sich nicht in einem Frauenbild. Es gibt die Sichtweise einer Mutter, die ihre Tochter ganz standesmäß (ihrer Ansicht nach) verheiratet sehen möchte. Es gibt die Tochter, die aus Liebe bereit wäre, jederzeit mit diesen sogenannten Traditionen zu brechen. Es gibt die Hilfe einer Indianerin, die sich über die Völkergrenzen hinweg um einen verwundeten Weißen kümmert. Liebe und Mitleid sind keine Fremdwörter hier. Aber sie gehen nur allzu oft hinter all der Gier, der Brutalität und einem sehr schlechten Bild über den amerikanischen Westen unter.

Immerhin gibt es die Freundschaft, die BOUNCER dementgegen doch immer wieder findet. Völlig begründet, denn tief in ihm steckt ein gutes Herz, das sich aber gemäß der Regeln einer Anti-Zivilisation zu wehren weiß. Und wie! Gelegenheit erhält er dazu genug. Bis eine Grenze auftaucht, an dessen Schwelle sogar er den Revolver beiseite wirft.

Auffallend sind zwei Aspekte dieser dritten GESAMTAUSGABE von BOUNCER. Erstens der vordergründige Gegner: AXE HEAD. Ohne Umschweife als Unhold präsentiert, wird hier weder von Autor ALEJANDRO JODOROWSKY etwas an dieser Figur beschönigt (oder entschuldigt), noch von Zeichner FRANCOIS BOUCQ, der aus AXE HEAD (wie in einem der guten alten Spaghetti-Western) einen widerlichen Killer macht, der schon in einer rein gezeichneten Variante Abscheu beim Leser produziert. Und weil das nicht ausreicht, werden dem Unhold noch fünf Zöglinge zur Seite gestellt, die ihrem Vater nicht nur in nichts nachstehen. Ich möchte sogar behaupten, dass sie ihn an Brutalität noch überflügeln. Ist furchtbar (gut) fantasiert und wirkt nach, Comic hin oder her.

Zweitens (schon wieder) ein anderes grauenvolles Ereignis: Während BOUNCER in einem Indianerdorf im Apachen-Reservat gepflegt wird, planen Soldaten, aus purem Menschenhass und auf der Jagd nach Skalps, für die eine Belohnung gezahlt wird, ein Massaker. Das Szenario, wenngleich in viel kleinerem Maßstab als das historisch tatsächliche Geschehen, erinnert an das MASSAKER VON WOUNDED KNEE. Gänzlich unvorbereitete Angehörige der Sioux wurden von Granaten und Kugeln der US-Soldaten hingemetztelt. Männer, Frauen und Kinder ohne Unterschied. ALEJANDRO JODOROWSKY hat dieses Ereignis ganz offensichtlich als Vorlage für diese Szene genutzt, die in der ersten Albengeschichte der dritten Gesamtausgabe von BOUNCER vorliegt. Autor und Zeichner walzen diese Szene keineswegs aus. Im Gegenteil, beim Betrachten der Bilder sieht der Leser vor dem geistigen Auge wahrscheinlich mehr, als wirklich zu erkennen ist.

Die dritte Gesamtausgabe von BOUNCER fasst den 6. Teil, DIE SCHWARZE WITWE, und den 7. Teil, DOPPELHERZ, der WESTERN-SAGA zusammen. Die beiden zusammengehörenden Teile einer Doppelfolge geben ein abgrundtief düsteres Kapitel des einstigen Rausschmeißers und jetztigen Saloon-Besitzers wider. Das lässt sich aufteilen in eine Kulissenerzählung, in der ALEJANDRO JODOROWSKY das Gesicht des WILDEN WESTENS zeigt, wie er durch Überlieferungen und sogar Fotografien dokumentiert ist. Die andere Hälfte ist fast schon eine griechische Tragödie, die im Mantel eines Westerns daherkommt. ALEJANDRO JODOROWSKY verbindet beides zu einer packenden und mitreißenden Handlung.

FRANCOIS BOUCQ illustriert auf seine gewohnt perfekte Weise. So entsteht ein lebendiges, wuchtiges Bild. Gleichzeitig ist es schauerlich, da sich Autor ALEJANDRO JODOROWSKY nicht allein auf die üblichen Wildwestthemen verlässt. Stark, kurios, kurzweilig, anders, gut. 🙂

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Sonntag, 27. September 2020

DIE WÜSTENSKORPIONE 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 13:32

DIE WÜSTENSKORPIONE 1Der Wahnsinn des Krieges ist auf vielerlei Arten darstellbar. Oft sind es die Brutalitäten oder die Greueltaten, die einem das Monster Mensch verdeutlichen. Der Irrsinn kann sich aber noch andere Ventile suchen. HUGO PRATT nimmt den Leser mit in ein besonders aberwitziges Kapitel des Zweiten Weltkriegs, den WÜSTENKRIEG. Es ist Herbst 1940. Zwischen Lybien und Ägypten ist davon für die Europäer, die sich in den Sanddünen gegenseitig umbringen, nichts zu bemerken. Die Wüste kennt keine Jahreszeiten. Und sie ist unerbittlich gegen jede Seite. WLADIMIR KOÏNSKY erlebt all die Widrigkeiten von Natur und menschlicher Niedertracht am eigenen Leib. Mehr als einmal steht sein Schicksal auf des Messers Schneide. Und mehr als einmal sieht er, wie seine Wegbegleiter der Tod ereilt …

DER LANGE WEG NACH SIWA lautet der Titel der ersten der beiden hier in einem Band zuammengefassten Geschichten. Im Mittelpunkt stehen WLADIMIR KOÏNSKY, LEUTNANT KORD, HASSAN BENI MUCHTAR oder auch JUDITTAH HORA CANAAN. Jeder ist auf seine Art ein Glücksritter. Die einen schreiten mit hehren Zielen in ihrem Leben voran, die anderen trachten danach reich zu werden, der nächste ist schon glücklich, wenn er aus diesem Krieg heil mit dem Leben davonkommt. Stellenweise in DER LANGE WEG NACH SIWA, sieht man einmal von den Kampfszenen ab (mit einem tollen Zugüberfall), entsteht eine Atmosphäre wie in einem Krimi von AGATHA CHRISTIE. Zeitweise lässt sich auch von Leserseite aus nicht sagen, wer nun welches Spiel spielt. Da heißt es, immer auf der Hut zu sein, welchem Charakter man seine Sympathien schenkt.

PICCOLO CHALET nimmt den Leser mit eine außergewöhnliche Situation, die aber in den erzählenden Genres gar nicht so selten ist. Ein kleines sudanesisches Wüstenfort ist leer gefegt bis einen einzelnen letzten Mann Besatzung. LEUTNANT STELLA genießt nur eine kurze Zeit des Alleinseins. ASKARI-SOLDATEN sind weggelaufen. Die ehemals hier stationierten ITALIENER haben offiziell das Fort verlassen. Es könnte für den einsamen Mann recht langwelig werden, führe nicht unweit des Forts WLADIMIR KOÏNSKY mit seinem britischen Panzer auf eine Mine. Fortan schweißt der Krieg die beiden Feinde für einen gemeinsamen Weg aus der Misere zusammen. HUGO PRATT beweist, dass es für einen Charakter in einer Geschichte immer noch schlimmer kommen kann.

Über allem herrscht eine abenteuerliche Stimmung. CINEASTEN und Freunde von Streifen wie LAWRENCE VON ARABIEN oder DER WIND UND DER LÖWE dürften sich hier gleich heimisch fühlen. Militärisch-politische Verhandlungen, Ränkespiele und im wahrsten Sinne des Wortes Sandkastendiplomatie treffen hier aufeinander. Mittendrin, im Kern des Ganzen, WLADIMIR KOÏNSKY als Archetypus des Abenteurers, des liebenswerten Halunken mit Herz und Verstand. Man mag es eine eigene Moral, einen inneren Kompass oder einen Codex nennen, nach dem KOÏNSKY handelt, ganz gleich, was es ist, er erspielt sich jedenfalls die Sympathien des Lesers mit französischer Leichtigkeit (ja, ich weiß, in der Geschichte ist er Pole, aber ihn umgibt nun einmal das Abenteurer-Flair eines JEAN-PAUL BELMONDO).

Die Zeichnungen von HUGO PRATT bergen keine Überraschungen, hat der Leser bereits in anderen Publikationen von ihm Bekanntschaft mit seiner Technik gemacht. Gewohnt fragil, mit dem Strich fürs Wesentliche, erschließt sich die Welt der WÜSTENSKORPIONE durch die Feder eines Mannes, der diese Zeit, wenn auch noch sehr jung an Jahren, tatsächlich miterlebt hat und kurz danach sein Kunststudium begann. HUGO PRATT schafft die unterschiedlichsten Charaktere, auch solche, die nur kurz auftauchen, einzig bei Schwarzafrikanern driftet er öfters mal in Stereotype ab. Seinen Kampfszenen, mit simpler Infantrie oder mit Fahrzeugen und Flugzeugen sieht man gerne zu. Das ist überaus filmisch. Sich die Skizzen anzuschauen macht Spaß, zeigen sie doch, wie sich HUGO PRATT seine Themen erarbeitet hat, sogar über persönliche Fotos aus den Wüstenkriegen, die ihm als Vorlage dienten.

Ein starkes Stück Comic-Geschichte über ein dunkles Kapitel Menschheitsgeschichte. Trotz allem ist es mit Charme erzählt, mit einem sympathischen Tausendsassa, der sich nicht unterkriegen lässt, gewohnt lässig illustriert, dennoch eindringlich (und die kolorierten HUGO-PRATT-Zeichnungen gefallen mir außerdordentlich). Geschichten mit Tiefgang. Sehr gut! 🙂

WÜSTENSKORPIONE 1, Der lange Weg nach Siwa, Piccolo Chalet: Bei Amazon bestellen.
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Samstag, 19. September 2020

DIE KONG CREW 1 – DER DSCHUNGEL VON MANHATTAN

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:59

DIE KONG CREW 1 - DER DSCHUNGEL VON MANHATTANKONG hat gesiegt. Es ist den amerikanischen Streitkräften nicht gelungen, ihn zu töten, geschweige denn von der Insel MANHATTAN zu vertreiben. MANHATTAN gehört nun dem riesenhaften Gorilla und alles, was den Streitkräften zu tun bleibt, ist, jegliches menschliches Betreten der Insel zu verhindern und diesen Flecken Erde vom Rest der Welt abzuschotten. Inzwischen schreiben die Vereinigten Staaten von Amerika das Jahr 1947. 14 Jahre lang veränderte sich die Insel ohne äußere Einflüsse. Inzwischen hat sich die mit baufälligen Hochhäusern übersäte Fläche in einen Dschungel verwandelt. Einen prähistorischen Dschungel …

ERIC HERENGUEL, hierzulande als Zeichner bekannt von ULYSSES 1781 oder SILBERMOND ÜBER PROVIDENCE, springt in seinen Arbeiten gerne in einer Geschichte zwischen verschiedenen Genres umher. Da wird in einer frühen nordamerikanischen Phase gegen Monster gekämpft. Oder es tauchen zur besten Wildwestzeit dämonische Kreaturen an der Ostküste der Vereinigten Staaten auf. Ist ersteres Beispiel noch in Zusammenarbeit mit XAVIER DORISON entstanden, bestritt er SILBERMOND ÜBER PROVIDENCE allein, als Autor und Illustrator. Ebenso verhält es sich mit DIE KONG-CREW, wo er die Genres noch viel heftiger mischt als zuvor in seinen Arbeiten.

Sein Zeichenstil ist sehr realistisch. Figuren, Kulissen, Fahrzeuge, Landschaften, Tiere sind perfekt an die Realität angelehnt. Wo ERIC HERENGUEL in die Karikatur abgleitet, niemals komplett, sind die Köpfe und Gesichter. Die Charaktere werden dadurch aussagekräftiger, verfestigen sich schneller. Das erinnert technisch, gerade im Zusammenhang mit der Zeitschiene, die ERIC HERENGUEL hier bearbeitet, an ROCKETEER des verstorbenen DAVE STEVENS. Das mag auch daran liegen, wie toll sich beide Zeichner das Thema FLUGZEUGE erarbeiten. Beide Zeichner geben ihren Bildern einen filmhaften Look (DAVE STEVENS war zeitweise Storyboardzeichner, u. a. für JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES.) Wer die rasanten Flugszenen von ERIC HERENGUEL in den Straßenschluchten von MANHATTAN sieht, wird das sofort unterschreiben.

Ein Wehrmutstropfen: KONG tritt nur sehr kurz in Erscheinung. Entschädigt wird der Leser dafür mit allerhand Getier, wie es jüngstens die JURASSIC-WORLD-Streifen boten (und noch ein paar Viechern mehr). Außerdem hat sich in den Ruinen dieser ehemaligen Weltstadt ein merkwürdiges Matriarchat eingerichtet. Hier fließen kuriose Gestalten ein, die durchaus auch Platz in einem MAD-MAX-Streifen finden könnten. An Einfällen hat ERIC HERENGUEL jedenfalls nicht gegeizt.

Farblich nimmt sich ERIC HERENGUEL etwas zurück. Er ist natürlich wie in seinen Zeichnungen schon an der Realität orientiert, aber er sucht sich stets einen Kerneindruck für eine Seite. Das kann eine spezielle Farbe sein oder es ist ein besonderes Licht. Der Rest wird darauf abgestimmt oder es wird eine besonders kontrastreiche Szenerie. Letzteres ist seltener. Meist schafft ERIC HERENGUEL eine dezente Farbatmosphäre. Diese farbliche Stimmung kommt dem Setting, der zweiten Hälfte der 1940er Jahre, sehr entgegen. Fast scheint es, als habe sich der Künstler an älteren Farbfilmen jener Zeit orientiert. Das passt, macht es optisch, später im DSCHUNGEL VON MANHATTAN, eine Spur gruseliger im Look.

Starker Serienauftakt, mal etwas ganz anderes. Ein verrückter Genremix, der verdammt gut illustriert ist. Wer es mag, wenn Geschichten sich wunderbar aus verschiedenen Richtungen vermischen und das Ergebnis ein sehr abwechslungsreiches und spannendes Abenteuer ist, liegt hier genau richtig. Fans von MONSTERN und von Szenarien wie DIE VERLORENE WELT von ARTHUR CONAN DOYLE (das Buch wohlgemerkt) können bedenkenlos zugreifen. 🙂

DIE KONG-CREW 1, DER DSCHUNGEL VON MANHATTAN: Bei Amazon bestellen.

Sonntag, 28. Juni 2020

EIN AFFE AM HIMMEL 2 – HOLLYWOODLAND

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:19

EIN AFFE AM HIMMEL 2 - HOLLYWOODLANDUND ACTION! Die Jagdflugzeuge schrauben sich in den Himmel. Jeder der beiden Piloten ist darauf aus, den anderen vor die Maschinengewehrläufe zu bekommen. Die deutsche Fokker Dr. I (Dreidecker) wird getroffen, Feuer bricht aus, und die Flugmaschine geht in den Sturzflug über… Gott sei Dank ist der Weltenkrieg vorüber und HARRY nur der Pilot in einem Hollywoodfilm. HARRY ist gut in seinem Job. Wenigstens insofern, dass es ihm gelingt, aus jeder Aufnahme, und sei sie noch so schwierig, mit dem Leben davon zu kommen. Aber HOLLYWOODLAND hat noch mehr zu bieten. Abseits der Kameras blüht das Leben. Partys werden gefeiert. Das Verbrechen spielt in TINSELTOWN ebenfalls eine Rolle. Das muss HARRY sehr bald feststellen, als er sich mit dem Starlet CLARA PALMER einlässt…

HOLLYWOOD ist sein eigener Mikrokosmos. Das alte HOLLYWOOD, sozusagen in jenen Tagen, als die Bilder noch laufen lernten, ist zu einem MYTHOS geworden. Große Namen aus jenen Tagen haben sich ins kollektive Gedächtnis der Cineasten eingebrannt. In jene Anfangstage entführt uns ETIENNE WILLEM mit seinem 2. Band von EIN AFFE AM HIMMEL mit dem bezeichnenden Untertitel HOLLYWOODLAND. Um seine Helden darzustellen, hat sich ETIENNE WILLEM für einen Weg entschieden, den schon andere, aber nicht sehr viele Künstler vor ihm genommen haben. Seine Darsteller sind Tiere.

Wenn Tiere menschliche Rollen spielen, entstehen manchmal wahnwitzige Situationen. ETIENNE WILLEM setzt natürlich seine tierischen Figuren so ein, dass bei dem Leser bei Ansicht der jeweiligen Gestalt entsprechende Assoziationen zum Charakter entstehen. Da lassen sich trefflich die Erwartungen erfüllen, aber auch täuschen. Das Spektrum in der Tierwelt ist breit gefächert, und ETIENNE WILLEM greift genüßlich an allen Ecken und Enden zu. Wer allein bei den Dreharbeiten im Filmstudio (an denen HARRY und LUMPY teilnehmen) genau hinschaut, sollte einmal versuchen zu zählen, wie viele verschiedene Tierarten er entdeckt.

ETIENNE WILLEM trifft nicht nur das Äußere der jeweiligen Art, er trifft auch den Charakter, den wir (der Mensch) ihr gerne fabelmäßig anheften. Darüber hinaus, und das hat mich überrascht, kann er einen Menschen in ein Tier übersetzen, mit sofortigem Wiedererkennungseffekt. Das funktioniert natürlich relativ leicht bei CLARA PALMER (die die HOLLYWOOD-STANDARD-BLONDINE gibt). Bei historisch interessanten Figuren wie PRÄSIDENT ROOSEVELT und dem mittlerweile fast schon mystisch geheimnisvollen schwerreichen HOWARD HUGHES funktioniert es noch besser.

Es sind sehr organisch gezeichnete Figuren, die nicht konstruiert wirken. Sie nehmen sich Raum, ETIENNE WILLEM nimmt den Leser sehr nah heran, hautnah, bis an die Nasenspitze sozusagen. Darüber hinaus ist die Atmosphäre und das Ambiente wunderbar zeitgemäß getroffen. Bei der Eingangsszene musste ich sofort an den Film TOLLKÜHNE FLIEGER mit ROBERT REDFORD denken. Die Flugszenen sind legendär und ähnlich denen, die HARRY hier absolviert. Vielleicht sind sie von ETIENNE WILLEM als wohl begründete Hommage gedacht.

Daneben gibt es die Story über… nein, wird nicht verraten. Aber es ist eine Geschichte, in der auch SAM SPADE um die Ecke kommen könnte. Ein Geheimnis soll nicht vor der Zeit in andere Hände geraten. Eine Hatz beginnt, es gibt Tote, Helden setzen ihr Leben ein, um andere Leben zu retten. Das ist schwungvoll erzählt und inszeniert, ganz so eigentlich, wie man es als Cineast aus Filmen jenes Zeitabschnitts erwarten würde. Vordergründig spannend, zur Abmilderung mit ein wenig Slapstick gewürzt. In einer Nebenrolle tritt zusätzlich ein Star jener Ära auf, ganz im Stil moderner Erzählweisen des Kintopps, wenn Überraschungsgäste dem Zuschauer (hier Leser) einen Aha-Moment entlocken. Allerdings, das muss auch festgestellt werden, dürfte es in diesen Tagen nicht mehr allzu viele Comic-Leser geben, die sich mit dem alten HOLLYWOOD auseinandergesetzt haben.

Zum guten Schluss noch einmal zu den Zeichnungen von ETIENNE WILLEM. Auffallend (und sehr schön anzuschauen) ist der leichte und dennoch sehr exakte Tuschestrich. Besser noch ist die Kolorierung, möglicherweise eine Mischtechnik, in jedem Fall aber ein toller Look, sehr weich, warm, leuchtend. Hier bleibt das Auge gerne dran.

Ein feine zweite Episode von EIN AFFE AM HIMMEL. Locker flockig erzählt, schön ausgestalteten Hauptfiguren, einer perfekten Illustrationstechnik, die mit vielen Details ein echt altes (teils romantisiertes) HOLLYWOOD-Feeling herstellt. Richtig tolle Detektiv- und Abenteuerunterhaltung von ETIENNE WILLEM. Den muss man als Comic-Fan im Blick behalten. 🙂

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Freitag, 24. Januar 2020

BOUNCER – GESAMTAUSGABE 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:49

BOUNCER – GESAMTAUSGABE 2DER HENKER IST TOT. Eine Giftschlange hat den unbeliebtesten Mann der Ortschaft BARRO CITY zur Hölle geschickt. Vielleicht auch in den Himmel. Wer kann das sagen? Die Stadtoberen hingegen stehen nicht zur Beantwortung dieser existenziellen Frage zur Verfügung, denn sie haben mit dem vakanten Posten des amtlich bestellten Hinrichters ein ganz anderes Problem. Wer will den Job haben? Weil nämlich gerade jemand ganz dringend an den Galgen gebracht werden muss! Die Einwohner des Ortes wollen BIG JIM hängen sehen! Der voluminöse Mann hat drei Kinder ermordet und aufgefressen. Dennoch will sich keiner freiwillig als Scharfrichter melden. Also soll das Los entscheiden!

BOUNCER ist zurück. Sein Leben und seine Aufgaben sind kaum einfacher geworden. Im Gegenteil, es hat den Anschein, als müsse Autor ALEJANDRO JODOROWSKY den bereits einarmigen Helden dieses Western an seine Grenzen treiben. Gleich der Beginn der Geschichte DIE GERECHTIGKEIT DER SCHLANGEN beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der amerikanischen Geschichte. Nennen wir es die Imitation von Gerechtigkeit und Justiz. Nur, weil jeder Posten von Exekutive und Legislative ausgefüllt ist, kann noch lange nicht von einer korrekten Vorgehensweise die Rede sein. BOUNCER wird per Los zum HENKER bestimmt.

Obwohl es nun so aussieht, als drehe es sich in den hier versammelten Nachfolgegeschichten DIE RACHE DES EINARMIGEN, DIE BEUTE DER WÖLFINNEN nur um Verbrechen, Gewalt und vermasselte Justiz, ist ein Kernelement BOUNCERS Familiengeschichte und seine Suche nach Liebe oder einer Gefährtin. Und wie der berühmte Esel hinter der Karotte an der Angel herläuft, lässt ALEJANDRO JODOROWSKY seinen Helden BOUNCER am ausgestreckten Arm verhungern. Sicherlich hat der Rausschmeißer das eine oder andere Liebesabenteuer, durchaus auch ein solches, was in einem üblichen Western so nicht zu erwarten wäre, aber das berühmte HOLLYWOOD-HAPPY-ENDING sucht sich hier vergebens.

Aber mehr noch. FAMILIE ist letztlich das große Thema. In Deutschland ist man wahrlich mit Familiendramen in Roman, Serie und Film gesegnet, aber in dieser Form ist es doch eher selten. Zumal hier ein Vater seinen Nachwuchs fürchterlich drangsaliert, ein Indianer seinem Volk nachtrauert (ebenfalls eine Form der Familie) und Rache verlangt sowie ein BOUNCER, der einmal mehr von seiner Vergangenheit eingeholt wird und plötzlich den Resten und dem Vermächtnis seiner Familie gegenübersteht. ALEJANDRO JODOROWSKY würzt seine Helden gerne mit speziellen Abstammungslinien, Flüchen, Tragödien. Doch BOUNCER dürfte noch ein paar Extraportionen abbekommen haben.

Na, es gibt schon etwas Hoffnung. Und so ganz alleine ist BOUNCER nicht. Dem Einarmigen steht ein dreibeiniger Hund zur Seite und es gibt jemanden, der sich für ihn interessiert, ohne dass er es so richtig bemerkt. BOUNCER ist in Sachen Liebe nicht unbedingt ein Schnellmerker. Allerdings, bis Erkenntnisse in dieser Hinsicht reifen, dauert es. Zuvor hat Zeichner FRANCOIS BOUCQ viele, viele, viele starke Szenen zu Papier gebracht und einigen Figuren zu optischem Leben verholfen, die noch länger in Erinnerung bleiben.

Da gehen beide, Autor und Zeichner, nicht eben zart mit dem WILDEN WESTEN um. Von Wildwestromantik kann hier nicht die Rede sein. Der einfache Revolverheld reicht ALEJANDRO JODOROWSKY nicht. Mörder sind hier wahre Monster, degeneriert, debil. Sie kommen als simple Tagelöhner daher oder auch als Großgrundbesitzer. Die Menge verwandelt sich, sobald es jemanden zu lynchen gibt, in eine wahnsinnige Meute. Seltsamerweise, und das ist von ALEJANDRO JODOROWSKY klasse herausgearbeitet, will buchstäblich jeder gemeine Bürger einen Mörder baumeln sehen, aber selber aufhängen, wollen sie ihn auch nicht. Und derjenige, der es dann erledigt, wird beschimpft und bespuckt. Obwohl er (oder sie) nach dem Gesetz, also offiziell, handelt. ALEJANDRO JODOROWSKY lässt wahrlich kein Silberfädchen an dieser Welt.

Schönheit, vor allem in den Zeichnungen, keine Romantik, wird der Leser nur in zwei Bereichen finden. FRANCOIS BOUCQ huldigt dem amerikanischen Westen und seinen wunderbaren Felsformationen. Und er setzt eine Episode aus BOUNCERS Kindheit deutlich vom düsteren Restgeschehen ab.

Armer BOUNCER! Diesem Serienhelden wird nichts geschenkt. ALEJANDRO JODOROWSKY und FRANCOIS BOUCQ setzen die Abenteuer im Leben von BOUNCER mit einer dunklen Konsequenz fort, die es in sich hat. Dieser WILDE WESTEN ist eher dem Spaghettiwestern zugeneigt, als den Lobpreisungen aus Hollywood. Die Illustrationen sind vorbildlich. FRANCOIS BOUCQ kann als Meister seines Fachs und insbesondere als Meister dieses Genres bezeichnet werden. Empfehlenswert! 🙂

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Samstag, 16. November 2019

ISOLA – BAND 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:58

ISOLA - BAND 1CAPTAIN ROOK treibt eine schier unmöglich scheinende Mission voran. Sie will einen TIGER zur geheimnisvollen ISOLA bringen. Doch der Weg führt ausschließlich durch gefährliche Gebiete. Jäger wollen den TIGER zur Strecke bringen. Monster, Kreaturen halb Mensch, halb Tier können das Ende bedeuten. Nahrung und Wasser sind knapp. Visionen täuschen die Reisenden. Und darüber hinaus birgt der TIGER ein Geheimnis, denn die Großkatze ist alles andere als ein Tier. In Wahrheit ist ihr Name OLWYN, und sie ist eine KÖNIGIN.

Zwei sehr unterschiedliche Reisegefährten auf der Flucht in einer Welt, in der sich ein Krieg ankündigt. BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL haben ihr eigenes FANTASY-Reich erschaffen. Diese neue Welt erschließt sich dem Leser nur langsam. Einerseits scheinen sich hier Geheimnisse zu bündeln, andererseits schleppen beide Reisegefährten, CAPTAIN ROOK wie auch KÖNIGIN OLWYN, ihre unausgesprochenen Sünden mit sich herum. Rückblenden und Visionen künden davon, wie das Gewissen der beiden ungleichen Charaktere arbeitet. Die Reise von CAPTAIN ROOK und OLWYN wird jäh unterbrochen, als sich MORO, ein wunderlicher Greis, einmischt und OLWYN auf einen neuen Pfad führt.

Grafisch großes KINO, die Erzählung von asiatischer Rätselhaftigkeit. Wer als Comic-Leser sich ein wenig in Animes umgeschaut hat, wird vielleicht einmal auf PRINZESSIN MONONOKE gestoßen sein. Hier wird der Leser eine der Natur auf ähnliche Weise verbundene Kultur vorfinden. Denn die Natur mit ihren Lichtern, den mystisch zu nennenden Farben, die über den kompletten Handlungsstrang hinweg ein Flair eines durch bunte Fenster erleuchteten Tempels ist ein wichtiger Akteur in ISOLA.

Figürlich finden sich Parallelen zu weiteren Klassikern wie FEUER UND EIS sowie DER HERR DER RINGE von RALPH BAKSHI. Damals wurden die Szenen mit Schauspielern gestellt und später wurden diese für einen vollkommen naturalistischen Effekt überzeichnet. Mit den von KARL KERSCHL gestalteten Charakteren könnte es sich optisch ähnlich verhalten (was aber nicht die Arbeitsweise war). Darüber hinaus ergibt sich durch manche Schattierung nicht nur ein schöner räumlicher Effekt, sondern auch Eindruck, die Bilder entstammten einem Zeichentrickfilm der neueren Generation. Hart am Realismus, ein paar Prozentpunkte weniger, werden sich hier Leser wiederfinden können, die COMICS wie das Steinzeitabenteuer MEZOLITH von ADAM BROCKBANK und BEN HAGGARTY mochten.

KARL KERSCHL hat sich bislang auf dem Gebiet der Superhelden-Comics einen Namen gemacht (SUPERMAN, FLASH, TEEN TITANS). Wer sich dortige Bilder anschaut, findet eine leichte Verwandtschaft zu CORY WALKER (INVINCIBLE). In diesem Band, ISOLA, hat sich KARL KERSCHL grafisch gesteigert, hinzu kommt, dass in der Kolorationszusammenarbeit mit MSASSYK farbliche Meisterwerke entstanden sind. Jede Seite hat Titelbildqualität, ohne Abstriche. Jeder Seitenaufbau (hier und da auch eine Doppelseite) ist auf den Punkt genau nach Stimmung und Dramaturgie durchkomponiert. Die Wirkung wird selbstverständlich immer größer, je mehr uns die von BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL erfundenen Charaktere an sich heranlassen.

Die Verbindung zwischen CAPTAIN ROOK und OLWYN ist zu Beginn seltsam. Auf die üblichen einleitenden Erläuterungen wird verzichtet. Der Leser soll und muss sich vertrauensvoll auf das Geschehen einlassen. In Zeiten, in denen Trailer schon die Handlung ganzer Filme vorweg nehmen, ein Spoiler-Alarm den nächsten ablöst, ist das ungewohnt und verlangt Geduld. Aber, das sei verraten, der Leser sollte diese Geduld aufbringen, denn es lohnt sich. So wartet zum Schluss eine ungewöhnliche Belohnung (die einige Fragen zusätzlich klärt). Zunächst setzen die beiden Erfinder von ISOLA auf Effekte, die den Leser zur Aufmerksamkeit erziehen sollen. CAPTAIN ROOK und OLWYN stoßen auf einen toten Körper (es einfach nur Leiche zu nennen, wäre untertrieben). Das geschieht nach einem recht kurzen, märchenhaften Beginn. Spätestens hier sollte die Faszination für ISOLA beginnen, denn man ahnt nun, dass in ISOLA etwas gewaltig anders ist als in sonstiger MAGIE-UND-SCHWERT-FANTASY.

Mystisch, asiatisch, märchenhaft. Das ist ISOLA. Einflüsse sind sicherlich erkennbar, darüber hinaus begibt sich ISOLA von BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL auf einen sehr eigenständigen Pfad. ISOLA konzentriert sich sehr auf seine beiden Hauptfiguren und erzählt nur wenig vom großen Ganzen der hier vorliegenden Welt. Es wird also sehr emotional, zwischen Freund und Freund, außerdem zwischen Freund und Feind. Auf geopolitische Eigenarten dieses Fantasy-Universums wird weitestgehend verzichtet. Nur das in dieser Hinsicht für die Handlung absolut Nötigste wird dem Leser mitgeteilt. Genial und technisch perfekt illustriert. Klasse. 🙂

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Oder bei Cross Cult.

Links:

THE ABOMINABLE CHARLES CHRISTOPHER
KARLKERSCHL.COM

Montag, 10. Juni 2019

MIT MANTEL UND DEGEN – AKT III & IV

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:01

MIT MANTEL UND DEGEN – AKT III & IVEine geheimnisvolle Insel. Die beiden Abenteurer, der Fuchs ARMAND RAYNAL DE MAUPERTUIS und der Wolf DON LOPE DE VILLALOBOS Y SANGRÍN, sind nach turbulenten Ereignissen auf ihr gestrandet. Auf einem Piratenschiff auf der Suche nach den TANGERINENINSELN brachte ein Sturm und das unerwartete Auftauchen eines mysteriösen anderen Schiffes die Mannschaft derart in Gefahr, so dass die beiden sonst so standhaften Helden über Bord gingen. Zunächst scheint es sich um ein von Menschen verlassenes Eiland zu handeln. Aber bald schon machen sie die Bekanntschaft eines Einsiedlers, erzwungenermaßen ebenfalls durch Schiffbruch. Und ebenso bald, als sie die findige Experimentierfreude des alten Mannes kennenlernen, wünschen sie sich, sie hätten ihn nie getroffen …

Weiter geht es mit AKT III und AKT IV des groß angelegten, klassischen, romantischen Abenteuers im Stile einer längst vergangenen Ära. So dürfen auch die beiden Helden verstanden werden, die sich hier den Widrigkeiten des Lebens stellen. In einer Welt, in der ein Mann ein Mann zu sein hat, was auch kämpferische Fertigkeiten anbelangt, sind diese beiden noch Besonderheiten, denn Ehre steht weit vorne in der Liste der charakterlichen Grundfesten. Tapferkeit folgt gleich hinterher, selbst angesichts der Aussicht von Kannibalen in den Kochtopf geworfen zu werden.

MIT MANTEL UND DEGEN folgt hier gleich zwei Handlungssträngen, einmal jenen der beiden erwähnten Abenteurer, kurz ARMAND und DON LOPE, zum anderen den Spuren der Piraten und einer starken Frau, Doña HERMINE, deren Stolz einem verliebten DON LOPE schwer zu schaffen macht. Und diese starke Frau zeigt den Piraten später, wo der Hase langläuft. Apropos Hase! EUSEBIUS, das weiße Kaninchen, ist die knuffigste Heldenfigur, die jemals das Licht einer Comicseite erblickte! Punkt!

Spaß beiseite. Was macht die besondere Qualität dieser Comicserie aus? Hier gibt es nicht nur ein Feuerwerk der Schauplätze, darüber hinaus ist auch keine Wendung vorhersehbar. Nicht einmal der in Comics am besten bewanderte (oder überhaupt in Geschichten aller Art und Medien), wird zu Beginn eines Abenteuers vorhersehen können, wohin die Reise geht. JEAN-LUC MASBOU versteht es, den Lesern mit diesen Schauplätzen zu überraschen. Hauptfiguren und Nebencharaktere spielen einander die Bälle zu.

Und von neuen Figuren wie dem Gelehrten BOMBASTUS JOHANNES THEOPHRASTUS ALMAGESTUS WERNHER VON ULM ist man als Leser gleich fasziniert, weil das Spektrum sogleich um ein Vielfaches erweitert wird. Jede Figur bringt neue Energie, neue Fertigkeiten. Mit BOMBASTUS, wie er kurz genannt werden will, gar jemand, dem es in seiner Einsamkeit nach jemandem verlangt hat, dessen Fähigkeiten anerkannt und gewürdigt werden wollen. Deshalb geht kurz darauf schon zu einem Testflug in die Luft.

Bislang bin ich nur auf den AKT III eingegangen. In AKT IV tun sich wieder komplett neue Möglichkeiten auf. Die Theatralik des Abenteuers, so fantastisch wie das wunderbare Buch DIE BRAUTPRINZESSIN von WILLIAM GOLDMAN oder WILLIAM SHAKESPEARES SOMMERNACHTSTRAUM, eine regelrechte Sammlung von Anekdoten, muss letztlich in ein richtiges Theaterstück münden. Dann wird es erst richtig turbulent. Oder wie HERMINE sagt: Meine Herren, wir müssen nur eines sein: Komisch!

Das gelingt sowieso durchweg. Getragen von den tollen Illustrationen, weiterhin märchenhaft bunt und detailverliebt, die sich einem gängigen Strich verweigern, ist auch die vorliegende Zusammenfassung von AKT III und AKT IV ein Abenteuer, das optisch genossen werden will. Die Bilder wollen einzeln erfasst werden, mit aufmerksamem Auge. Es gibt viel zu entdecken, sozusagen ein grafischer Blockbuster.

Kann man ein Werk zu viel loben? Falls ja, dann hat es die zweite Gesamtausgabe von MANTEL UND DEGEN mehr als verdient. Für alle Freunde des überbordend Abenteuerlichen, des Märchenhaften und der grenzenlosen Einfälle ist MANTEL UND DEGEN genau das richtige Lesevergnügen. Top! 🙂

MIT MANTEL UND DEGEN, AKT III & IV: Bei Amazon bestellen.
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Samstag, 16. März 2019

BOUNCER Gesamtausgabe 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:43

BOUNCER Gesamtausgabe 1Im Nachtlager der Konföderierten begegnet man dem Ende des Krieges gegen die Union mit Unverständnis, Unglauben. Einer, der nur darauf gewartet hat, dass der Krieg endlich zu Ende ist und er nach Hause gehen kann, wird als Deserteur gefangen genommen und zurückgebracht. CAPTAIN RALTON hat kein Mitleid mit dem Mann, der sich in seiner Verzweiflung immer wieder auf das Ende des Krieges beruft. Seiner Meinung nach gab es nichts mehr zu desertieren, wo sich keine Armeen mehr gegenüber stehen. CAPTAIN RALTON sieht das anders. In einem ungleichen Säbelduell tötet er den Mann ohne einen Funken Gnade …

Eine düstere Familiengeschichte, erdacht von einem Autor, der sich mit bitterbösen, bitterkomischen Geschichten einen Namen gemacht hat: ALEJANDRO JODOROWSKY. Eine Mutter, drei Brüder und ein dunkles Vermächtnis stehen im Kern der beiden hier in der ersten Gesamtausgabe von BOUNCER zusammengefassten Westernabenteuer: EIN DIAMANT FÜRS JENSEITS und DIE GNADE DER HENKER. Auf der anderen Seite steht Comic-Künstler FRANCOIS BOUCQ, hierzulande durch seine Illustrationen zur Thriller-Reihe DER JANITOR bekannt; einige Jahre vorher schon startete BOUNCER (zu Deutsch: Rausschmeißer), den FRANCOIS BOUCQ in bester Westernmanier im Stile eines JEAN GIRAUD oder COLIN WILSON illustrierte.

Den Leser erwartet ein moderner, harter, nach allen Seiten mitleidloser Western im Stile neuerer Serien wie DEADWOOD oder HELL ON WHEELS. Hier wird nichts romantisiert. Ein Haufen der Leute, die den Wilden Westen unsicher machen, sind raue Gesellen. Zynismus, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Gewaltorgien sind an der Tagesordnung. Nur ein toter Feind ist ein guter Feind. Der amerikanische Bürgerkrieg ist gerade erst zu Ende und hat das Land für viele weitere Jahrzehnte abgrundtief geprägt. Eine Horde ehemaliger Soldaten der Konföderation bahnt sich ihren Weg durch das Land mit Mord, Raub und Vergewaltigung. Da erwacht in ihrem Anführer RALTON der alte Hass auf seinen Bruder BLAKE.

Vor Jahren entzweiten sich drei Brüder in Habgier über einen ganz besonderen Diamanten, das KAINSAUGE. HABGIER offenbart sich in diesem Stein als eines der beiden Hauptmotive der beiden Geschichten, die man getrost auch als Doppelfolge bezeichnen kann. RACHE ist das zweite Motiv. Denn ein Junge musste den Mord an seinen Eltern beobachten. Nach einer ungewöhnlichen Lehrzeit sinnt er darauf, die Killer zur Strecke zu bringen. BOUNCER, so viel sei verraten, ist der Lehrmeister des Jungen. Einarmig zwar (wie auch auf dem Titelbild zu erkennen), schleppt er dennoch gleich drei Knarren mit sich herum. BOUNCER ist ein Mann, der alles andere als aufgegeben hat. Und genau diese Lektion erteilt er dem Jungen.

Großartige Szenen: Ich habe in keinem anderen Western-Comic noch keinen besser inszenierten Postkutschenüberfall gesehen als hier (in der Episode DIE GNADE DER HENKER). Einerseits ist es schon schwierig genug, auf vernünftige Weise Rasanz, Geschwindigkeit in Comics darzustellen. Dies mit einer Kutsche und rennenden Pferden zu schaffen, gleichzeitig die Dramatik der Verfolgungsjagd und des kommenden Überfalls einzufangen, ist eine wirkliche Kunst. Kurz darauf, in einer regnerischen Szene eingefangen, wird es schmutzig wie in einem Italowestern.

FRANCOIS BOUCQ hat die Atmosphäre eines Westerns toll eingefangen. Auf der Basis der von ALEJANDRO JODOROWSKY erzählten Geschichte (man glaubt fast, der Autor habe nie etwas anderes gemacht), entfaltet sich stellenweise ein echtes Spektakel. Ein Überfall auf einen Eisenbahnzug und die erwähnten Lehrstunden in Sachen WIE WERDE ICH EIN KILLER sind kinoreif. Die Szenen in Räumen, einer Schule, im Saloon sowie auf den Straßen einer Westernstadt bestechen durch die detailverliebte Gestaltung und, das muss ganz dringend hervorgehoben werden, eine sehr intensive Farbgebung.

BEN DIMAGMALIV und NICOLAS FRUCTUS sind die beiden Spezialisten, die BOUNCER ins beste Licht tauchen. Hier werden nicht nur tageszeitspezifische Farben aufgetragen, oder solche Szenen gestaltet, die sich in der Dämmerung oder bei der Beleuchtung von Petroleumlampen abspielen, hier wird auch bewusst Stimmung erzeugt. Wenn der Junge seine ermordeten Eltern im Licht der untergehenden Sonne findet oder eine Schießerei mit einer geradezu blendend strahlenden Farbgebung untermalt wird, damit eine heldenhafte Tat (aus der Sicht des agierenden Helden) noch hervorgekehrt wird, haben die beiden Koloristen mehr als alles richtig gemacht.

Ein harter WESTERN von ALEJANDRO JODOROWSKY und FRANCOIS BOUCQ. JODOROWSKY ist über das Medium Comic hinaus als Autor bekannt und hat, meiner Meinung nach, hier eine seiner besten Geschichten abgeliefert. Eng mit dem Genre verflochten, extrem nah an den Charakteren, dem historischen Hintergrund und dem Land, was diese Menschen prägt, ist ein fühlbar plastischer WESTERN entstanden, der dank eines herausragenden Illustrationsteams von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. 🙂

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Mittwoch, 06. März 2019

MONDO REVERSO 1 – CORNELIA & LINDBERGH

Filed under: Abenteuer — Michael um 12:03

MONDO REVERSO 1 - CORNELIA & LINDBERGHDie Sheriffa wollte die Halunkin CORNELIA aus der Stadt heraushaben. Stattdessen wird sie zum Opfer einer Indianerüberfalls. Ein Skalp geht verloren, Männer werden geraubt, CORNELIA kann vorerst entkommen. Aus den Schwierigkeiten ist sie noch lange nicht heraus. Denn wer ein großes Kopfgeld wert ist, sollte Städte meiden. Ein Besuch eines Bordells bringt zeitweilige Freude, endet für CORNELIA aber leider in einer ungeplanten Flucht …

Verdrehte Welt. Die Frauen sind das starke Geschlecht. Die Männer sind das schwache Geschlecht. Jedenfalls nach den Massstäben jener Tage, als der Wilde Westen noch von harten Kerlen erobert wurde, Revolverhelden, Trappern und toughen Siedlern. ARNAUD LE GOUËFFLEC kippt diese Historie. Hier tragen Frauen die Knarren und Männer hübschen sich mit Kleider auf. Männer geraten in Weinkrämpfe angesichts von Indianerüberfällen (Obwohl das sicherlich einige auch damals getan haben; wer kann es ihnen verdenken?). Frauen besuchen männliche Huren. Und es gibt den Trend, dass Frauen sich mitunter als Männer verkleiden, einen Schnurrbart aufmalen und diesen Zustand genießen. Schlussendlich warten noch die Gefühle auf ihren Einsatz, denn ganz gleich welches Geschlecht hier vorneweg marschiert, die Liebe präsentiert eine eigene Rechnung.

In mehreren Kapiteln, ein typischer Serienaufbau des 21. Jahrhunderts, glänzend neu eingebauten MONDO-REVERSO-Schriftzügen (ich liebe diese Spielerei), entsteht für die Figuren in dieser Geschlechterfarce ein recht besonderes Problem. Das ist der Wilde Westen, da gab es Indianer und diese hier leben in derselben archaischen Geschlechterhierarchie wie die Weißen. Aber sie haben ein Mittel gefunden, um die Welt der Weißen gehörig auf den Kopf zu stellen.

ARNAUD LE GOUËFFLEC erzählt nicht nur eine vollkommen verrückte Geschichte (Hätte sich die MONTY PYTHONS noch eine Spur mehr getraut, hätte so etwas dabei herauskommen können.). Er triezt seinen Heldinnen und Helden zudem mit einer unfreiwilligen Geschlechterumwandlung. Da wird es schon mal derb, vulgär, eine Spur MAD. Es scheint, als würde die Geschichte, nachdem sie ARNAUD LE GOUËFFLEC erst einmal ins Rollen gebracht hat, einfach ganz alleine voranlaufen. Denn die beiden Verfolgten, CORNELIA und LINDBERGH, benötigen nur eine Verfolgerin, die Pastorin und Kopfgeldjägerin EMITT HATCHET. Die ist nicht nur sehr gläubig, nie zu Scherzen aufgelegt, sie hasst auch den Rollentausch der Geschlechter, wie sie gleich bei einem Besuch des Saloons DRAG KINGS deutlich macht.

DOMINIQUE BERTAIL verleiht seinen Grafiken mittels Brauntönung einen altmodischen Look, wie von Fotografien jener original historischen Tage her bekannt. Das verleiht den Bilder einen grundsätzlichen Charme, mildert aber kaum die Bissigkeit, das Rotzfreche und die absolut nicht vorhandene politische Korrektheit. Letztlich macht das nichts, denn hier wird nach buchstäblich allen Seiten hin ausgeteilt. Die Figuren bewegen sich auf dem optischen Grad zwischen Realismus und Karikatur. CORNELIA und LINDBERGH mögen die HeldenInnen dieses Bandes sein, der optische Schwerpunkt und augenscheinlich das, was beim Zeichnen den meisten Spaß gemacht hat, sind die Halunkinnen wie EMITT HACHET oder MUMU.

Stilvolle und sehr atmosphärische Hintergründe geben der Geschichte einen schönen Theatereffekt und unterstreichen den Charakter einer bitterbösen Komödie. Im besten Fall gelingt das im Schlupfwinkel von MUMUS Bande, die sich in einer ehemaligen Kirche verschanzt hat. Vom Altar fressen die Schweine, der Beichtstuhl ist verfallen, der Christusfigur am Kreuz wurde ein knochiger Rinderschädel über den Kopf gestülpt. Darüber hinaus lassen die vorzüglich gestalteten Landschaften nichts von den Gegenden vermissen, in denen sich nicht auch alle berühmten Wild-West-Größen wie JOHN WAYNE, JAMES STEWART oder RANDOLPH SCOTT (schöne Karikaturen im Anhang) herumgetrieben haben.

Wer bitterbösen schwarzen Humor mag, der nach allen Seiten hin austeilt, es mag, wenn Klischees völlig durch den Kakao gezogen werden, dem ein paar Anzüglichkeiten nicht peinlich sind und erleben will, wie der bekannte Western gründlich auf den Kopf gestellt wird, ist hier goldrichtig. Mit spitzer Zunge erzählt, klasse illustriert! 🙂

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Samstag, 22. Dezember 2018

WAYNE SHELTON Gesamtausgabe 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:13

WAYNE SHELTON Gesamtausgabe 2Vater werden ist nicht schwer. Vater sein dagegen sehr. Bislang war WAYNE SHELTON davon ausgegangen, kinderlos zu sein. Aus einer dubiosen Quelle allerdings erfährt er nicht nur von einem alten Feind, der wieder aufgetaucht sein soll, sondern darüber hinaus von einem jungen Mann namens TRAN, der behauptet, WAYNE SHELTON sei sein Vater. SHELTON ist immerhin auf diesen angeblichen Sohn neugierig. Doch in SHELTONS Leben geht es alles andere als leicht zu. Das ist der Sicherheitsfachmann gewöhnt. Einen Häftling aus einem Gefängnis in Indonesien ist dennoch kein alltäglicher Job. Zumindest kann TRAN, der dort in einer Zelle in der Nähe von Jakarta hockt, erst einmal nicht weglaufen …

WAYNE SHELTON bedeutet gut gestylten Thriller im Medium Comic. Autor THIERRY CAILLETEAU lüftet ein paar Geheimnisse aus der Vergangenheit des charmanten Serienhelden. Der Mann, eine Kreuzung aus TOM CRUISE und DAVID NIVEN, weltweit tätig in Sachen Personenschutz, Spionage und anderen Sonderfällen, war als Soldat in VIETNAM und erlebte dort den ganzen Alptraum vieler junger amerikanischer Truppenangehöriger. Eine Aufklärungsmission läuft aus dem Ruder. Und WAYNE SHELTON macht die bittere Erfahrung, dass Feinde nicht nur unter den VIETCONG zu finden sind. Allein dieser Abschnitt des zweiteiligen Thrillers, der in der Vergangenheit in VIETNAM, in der Gegenwart in INDONESIEN spielt, macht das Abenteuer lesenswert. Der Brückenschlag in unsere Zeit über den angeblichen Sohn lässt den Gentleman SHELTON menschlicher, nahbarer werden.

Diese emotionale Tiefe war im Zusammenhang mit Freunden oder seiner (partiell) langjährigen Lebensgefährtin HONESTY GOODNESS spürbar. Aber zwischen Vater und Sohn fallen die Bande auf die eine oder andere Art nun einmal stärker aus. THIERRY CAILLETEAU nutzt dieses neue Gespann, um diese Form der Verbindung herauszuarbeiten, Rückblicke inklusive (damit der Leser auch erfährt, wie es zu diesen Vaterfreuden letztlich kam und wie stets ist es bei WAYNE SHELTON ein alles andere als gewöhnlicher Vorgang). Der Sohn, TRAN, geleitet von einem fernöstlichen Ehrbegriff, ist seinem Vater zwar äußerlich nicht ähnlich, sein Gemüt und sein Mut hingegen stehen der Leitfigur in Nichts nach.

CHRISTIAN DENAYER arbeitet seit den 1960ern im Comic-Geschäft. Sein Talent führte ihn schnell zu eigenen Projekten und in die Zusammenarbeit mit bekannten Autoren des Mediums. Comic-Fans für die Bereiche Thriller oder Fahrzeug-Action werden ganz bestimmt einmal auf Arbeiten von ihm gestoßen sein. Hier ist, das lässt sich guten Gewissens und voll des Lobes behaupten, alte Schule am Werk und CHRISTIAN DENAYER darf getrost mit ähnlichen Talenten wie ROGER LELOUP, PHILIPPE FRANCQ und ähnlich technisch versierten Künstlern auf eine Stufe gestellt werden. Der Strich ist klar, jede Perspektive perfekt eingefangen, jedes Fahrzeug, jede Figur, jede Kulisse vom Möbelstück bis zur Gebäudefassade. CHRISTIAN DENAYER bietet seinen Lesern eine filmreife Leistung.

Und würde es sich um einen Film handeln, würde an Schauplätzen nicht gegeizt. VIETNAM und INDONESIEN, Piraterie auf hoher See (inklusive der Kaperung eines Containerschiffes), spektakuläre Hubschrauberabstürze, indonesische und afrikanische Exotik, japanische Gangster und afrikanische Warlords, menschliches Drama und Vietnamkrieg, kurzum: das Spektrum in dieser Ausgabe ist weit gefächert und wäre als Film eine vielfach millionenschwere Investition. Und es passt: Das Indonesien-Abenteuer baut seine Charaktere optisch toll auf, präsentiert einen souverän agierenden WAYNE SHELTON, der im Smoking, im Trechcoat wie im Dschungel-Look immer gleichermaßen starke Auftritte hinlegt.

Echte Kerle paradieren auf den Seiten der Helden, wenngleich WAYNE SHELTON derjenige mit dem besten Stil ist und seine Kollegen, meist Haudegen ähnlichen Alters, etwas bequemer geworden und weniger fit sind. Als Erzfeind ist HOOKER gut herausgearbeitet, dicklich, aber nicht unsportlich, von hohem Wiedererkennungswert, ähnlich wie die Figuren CHULEPAS und MADAM YOON, die eine sehr besondere Episode verbindet. Als exemplarisches Rasseweib, ein Augenstern, auf den auch die großen Blockbuster nicht verzichten, steht HONESTY GOODNESS vorne an. Weit und breit spielt ihr niemand die Show.

Die Mechanismen eines guten Thrillers und einer tollen, international handelnden Abenteuergeschichte funktionieren hier auf jeder Seite. WAYNE SHELTON ist nicht rundum gut, seine Aktionen aber stets nachvollziehbar. Er ist kein englischer Geheimagent, dafür steht er zu oft auf der falschen Seite des Gesetzes. Ein Gentleman-Verbrecher eben und von THIERRY CAILLETEAU schön entworfen und lesenswert erzählt. Sehenswert dank CHRISTIAN DENAYER. 🙂

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