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Comic Blog


Freitag, 03. Februar 2012

Arthur 3 - Gwalchmei der Held

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 19:03

Arthur 3 - Gwalchmei der HeldMorgwen folgt ihrem Lehrer ins Wasser. Mit jedem Schritt, mit dem sie den Strand hinter sich lassen, weicht das Wasser zurück und bildet eine schützende, bald schon meterhohe Wand. Schließlich sind die beiden, Myrddin und Morgwen, vom Ufer aus nicht mehr zu sehen. Die Beherrschung der Elemente ist eines der Ziele von Myrddins Unterweisung. Morgwen ist eine gelehrige Schülerin, aber sie hängt auch noch an ihrer Vergangenheit und denkt an ihre Verwandten. Doch Myrddin hat eine klare Botschaft für sie: Jemand, der ihren Weg eingeschlagen hat, kann kein normales Leben inmitten einfacher Menschen führen. Niemals. Das hat er selbst bewiesen.

Dieser Arthur ist nicht der strahlende Held, den andere Geschichten aus Roman und Film, mitunter auch Comic gezeigt haben. Dieser Arthur ist ein starker Krieger, charismatisch, aber er hat auch keinerlei Ambitionen sich zum großen und legendären Herrscher aufzuschwingen. Sein Hof ist nicht Camelot, noch denkt daran, eine Tafelrunde aus der Taufe zu heben. Gäbe es da nicht Myrddin (Merlin), der seine ganz eigenen Pläne verfolgt.

Die Fragen, deren Antworten du nicht hören willst, solltest du besser nicht stellen, Arthur.

Wurde Myrrddin auch der Verrückte genannt, so arbeitet sein Geist dennoch scharf und sicher. Seine Winkelzüge bleiben unterdessen rätselhaft. Aber es ist auch eine rätselhafte Welt, in der sich Weissagungen erfüllen und Mut tatsächlich etwas bewirkt. Arthur selbst wie auch Gwalchmei, der Held können diese Feststellung nur unterstreichen. David Chauvel führt den Helden keineswegs so vor, wie es aus so vielen Geschichten her bekannt ist. Es gibt keine gerade Linie und es scheint, als verweigere sich Chauvel ganz bewusst den üblichen Regeln der Erzählung, die er zweifellos beherrscht, wie er in anderen Veröffentlichungen bewiesen hat.

Die Reihe Arthur ist sicherlich keine Comic-Dutzendware. Autor David Chauvel, Comic-Fans hierzulande auch bekannt durch Cosa Nostra und Black Mary, setzt hier einen Erzählstil durch, der wahrhaftig an alte Sagen erinnert. Kleine Passagen, im Stile alter Buchillustrationen gehalten, stützen diese Erzählweise, die sich teilweise wie ein Vorläufer eines Comics ausnimmt. Das ist, gibt man ihm eine Chance, erfrischend anders in seiner nostalgischen Aufmachung. Wer sich mitunter über die Vermischung von modernen Elementen in Ritterszenarien gewundert hat, wird sich mit dieser eng an jene Zeit gebundenen Sequenzen vielleicht eher anfreunden können.

Grafisch kann Jerome Lereculey mit seiner exakten Art zu zeichnen weiterhin gefallen. Lereculey überlässt nichts dem Zufall. Ob Mienenspiel, Kostüme, Körperbau, Muskelspiel, Waffen, Pferde, sonstiges Getier, Natur, Landschaft: Jedes Detail wird mit architektonischer Präzision zu Papier gebracht. So entsteht eine sehr lebensnahe Abbildung, die das Auge festhält und bannt. Lereculey könnte sicherlich auch historische Illustrationen zu alten Kulturen abliefern und Dokumentationen mit seinen Arbeiten ergänzen. Wie das aussehen könnte zeigt sich an einer Verfolgungsjagd zur See, als Arthur den gewohnten Kampfplatz zu Lande mit den schwankenden Drachenbooten vertauscht.

Ebenso schön anzuschauen ist die Begegnung zwischen Arthur und seiner späteren Frau. Aus dieser Begegnung wird im weiteren Verlauf eine Schlachtensequenz und Befreiungsaktion, die weniger mit den alten Hollywoodinszenierungen gemein hat als vielmehr mit der neueren Bildgewalt eines Braveheart oder Gladiator. Allerdings sind auch Vergleiche zu alten Schlachtengemälden durchaus heranzuziehen.

Im wahrsten Sinne des Wortes sagenhaft erzählt und meisterhaft illustriert. Die einzelnen Charaktere verdichten sich zunehmend. Der Band darf nur im Zusammenhang mit den Vorgängeralben gesehen werden. Wer Interesse an einer sehr klassischen Arthur-Sage hat, könnte hier richtig liegen. :-)

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Dienstag, 31. Januar 2012

Lancelot 2 - Iweret

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 19:43

LANCELOT 2 - IweretEin Krieger muss seinen Meister besiegen. Er muss über sich hinauswachsen und vielleicht sogar scheitern. Aber was wäre, wenn ein Scheitern begrüßt würde? Wenn ein Scheitern den Jüngling an den Rand der Schande brächte, aber sein Überleben in diesem Drama sicherte? Der junge Mann will nicht aufgeben. Er kann nicht aufgeben, nicht nach allem, was sein Meister ihm alles beigebracht hat. Die Lektionen dieses bärenstarken Gesellen gehen weit über Kampftechniken hinaus. Und so sind es nicht die geübten Griffe allein, die den Schüler am Ende über den Meister triumphieren lassen.

Ein Held braucht einen Feind, eine Aufgabe. Ein Held entsteht nicht einfach so, sondern wird an seinen Feinden geschliffen. Mit Iweret steht dem jungen Lancelot ein Unhold gegenüber, der fast zu stark sein könnte für einen unerfahrenen Kämpen. Autor Jean-Luc Istin hat in diesem Band Verstärkung erhalten. An seiner Seite erzählt nun auch Olivier Peru, der im Horrorgenre jüngst auch mit Zombies auf sich aufmerksam machte. Da scheint das Schlachtengemälde, das sich im Laufe der Handlung vor dem Leser ausbreitet, kein Zufall zu sein. Lancelot zeigt besonders im vorliegenden zweiten Teil die Erschaffung eines Helden. Der dunkle Magier Iweret ist nur ein Hindernis auf dem Weg dahin.

Während an anderer Stelle die Legende von Arthur, dem König, wächst, ist Lancelot noch Galaad. Bevor er sehr zum Verdruss seiner Pflegemutter eine letzte Prüfung bei seinem Lehrmeister ablegt und schließlich zum Krieger gereift ist, muss Viviane Fee, die so lange Jahre auf ihn aufgepasst hat, eine Wahl treffen, von der sich nicht vorhersagen lässt, ob sie nicht das Ende bedeutet. Es sind eine Reihe von Weichenstellungen und parallel verlaufende Handlungsstränge, die diesen Teil spannungsreicher machen als den bereits tollen Auftakt.

Für Alexe, die Zeichnerin, und Elodie Jacquemoire, die Koloristin, ist der Arbeitsaufwand ein höherer, der jedoch mit Bravour gemeistert wird. Grafisch wird das Szenario ein wenig härter. Es ist viel düsterer, abgründiger. Viviane stellt sich dem Kampf. Lancelot reift im Kampf heran und muss bereits bei seiner ersten Bewährungsprobe eine unbeschreibliche Tortur hinter sich bringen. Das allein wäre schon genug für optische Finessen, aber Alexe und Elodie Jacquemoire haben außerdem noch eine Schlacht sowie eine doppelseitige Sagenübersicht zu gestalten. Letztere ist wunderbar anzuschauen, fasst zusammen und zeigt dem Leser, welches Schicksal die Charaktere noch erwarten wird. Sogar jene, die noch gar nicht aufgetreten sind.

Wie beeindruckend die grafische Gestaltung, auch durchgängig, ist, zeigt bereits die Darstellung von Iweret, der Figur, die diesem Band den Untertitel verleiht. Die farbliche Gestaltung ist hier zwar noch aufwändiger als im Innenteil, gibt einen Eindruck von der Fülle und der tollen Abstimmung aller Komponenten. Elodie Jacquemoire geht fein in die Hintergründe hinein, schafft eine präzise Tiefe und reizt die modernen Kolorierungsmöglichkeiten aus. Nicht zuletzt durch die Farbenpracht wird die Verweildauer auf den Seiten deutlich erhöht.

Ein erstes Finale: Istin und Peru jagen ihren Helden, anders lässt es sich kaum ausdrücken, über einen Parcours, der es ihn sich hat. Nicht zum ersten Mal wird ein Held auch in Versuchung geführt, nicht zum ersten Mal scheitern die mit Erotik arbeitenden Widersacher mit ihrem Tun. Ist der Vorhang einmal zerrissen, die Falle gescheitert, präsentieren sich die Feinde offen und aus Kampf wird Gemetzel. Die schaurige Umgebung eines Sumpfes tut ihr Übriges für einen optisch stimmigen wie rasanten Fortgang des letzten Drittels der Geschichte.

Besser als der Anfang, stärker, dichter, mit wütenden Charakteren, tragisch, dramatisch und prachtvoll gestaltet. Fans von Sagenabwandlungen und Fantasy, auch solche, die vielleicht einen Robert E. Howard vermissen, sollten einen Blick riskieren. :-)

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Lancelot 1 - Claudas vom Wüsten Land

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 19:41

LANCELOT 1 - Claudas vom Wüsten LandDas Herrscherpaar ist auf der Flucht. Die Pferde laufen schnell. Der Weg ist jedoch unwegsam und bald kommt es zu lebensgefährlichen Schwierigkeiten. Es bleibt ihnen keine andere Wahl, als sich zu trennen. Die Mutter und Kind, das unter allen Umständen überleben muss, flüchten weiter von den Häschern von König Claudas, dem Eroberer. Am Ufer eines Sees ist die Flucht zu Ende. Die Mutter weiß, dass er kein Entkommen mehr geben kann. Da erhebt sich aus der dunkel schimmernden Oberfläche des Sees eine Frauengestalt und bietet ihre Hilfe an. Das Kind wird überleben, allerdings fern der Eltern. Die Mutter wählt die Sicherheit für ihr Kind und verflucht mit einem wütenden Schrei den furchtbaren König, der ihre Familie zerstörte.

Jean-Luc Istin versteht sich auf Szenarien voller Magie, Schwerter, Helden und Zauberer. Entsprechend können sich sein bisherigen Comic-Reihen auch sehen lassen: Die Druiden, Herr der Finsternis, Götterdämmerung, Das fünfte Evangelium oder auch Merlin. Die Auswahl seiner Geschichten zeigt gleich, wie sehr ihn klassische Heldensagen (um König Artus sowie Siegfried), die Zeit der Kreuzzüge und der Wandel auf den britischen Inseln inspirieren. Aber: Istin verlässt auch bewährte Pfade und erzählt Bekanntes neu, anders, ungewöhnlich.

Wer sich nur hier und da einmal mit der Artus-Sage beschäftigt hat, im Film oder Roman, kommt natürlich an Lancelot, den Ritter vom See, nicht vorbei. Der edle Ritter, der in so mancher Nacherzählung die Ehe von Artus scheitern ließ, für den Zusammenbruch der Tafelrunde mit verantwortlich war, wird hier von frühester Kindheit gezeigt und in den Mittelpunkt gerückt.

Wenn derjenige, der da prophezeit wurde, nun gar nicht derjenige ist, der da heranwächst? Es sollte ein Sohn sein und ist doch eine Tochter. Dieser kleine Unterschied wirft die bekannte Sagengestalt gehörig über den Haufen. Istin ist nun frei in seiner Erzählung und schafft ein neues Drama, in dem nur Eckpunkte noch an die klassische Vorlage erinnern. Hier ist Frau Trumpf: So knnen die beiden Künstlerinnen Alexe (Zeichnerin) und Elodie Jacquemoire (Koloristin) mit sehr akkuratem Stil und traumhaften Farben eine zuweilen romantische, eine aktionsgeladene und auch geheimnisvolle Atmosphäre schaffen.

Istin setzt die Handlungsorte entsprechend an, verändert Figuren leicht, nimmt jüngere Konstellationen und mischt sie hinein. Die magische Welt der Viviane, das Kampftraining des Kindes und natürlich auch der erste Auftritt von Merlin, der hier ganz in weiß gekleidet einem dunklen Ebenbild gegenübersteht. Fantasy-Fans wird die Konstellation selbstverständlich von HdR her kennen (Gandalf/Saruman). Der böse Zauberer heißt hier Iweret und ist mehr ein Intrigant. Mit dieser Fähigkeit liegt Merlin jedoch gleichauf mit ihm, denn beide spielen ihr Spiel.

Alexe zeichnet großartige feine Figuren und Ansichten, mit einem größtmöglichen Realismus und filmischem Geschick. Dank der kräftigen, natürlichen Farbgebung von Elodie Jacquemoire gerät der Serienauftakt tatsächlich zu einem kinoähnlichen Augenschmaus.

Die berühmte Sage einmal anders erzählt: Neue Blickwinkel, veränderte Charaktere, neue Gesichter und bereits im Kindesalter von Lancelot gestartet. Nach der Erfolgsreihe über Die Druiden nicht nur ein sehr gut erzählter, sondern auch optisch sehr schön gestalteter Auftakt einer neuen Serie. :-)

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Sonntag, 29. Januar 2012

Lanfeust Odyssee 1 - Das blau-goldene Rätsel

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 16:58

Lanfeust Odyssee 1- Das blau-goldene RätselLanfeust ist zurück. Eben war noch zwischen den Sternen unterwegs, dann ist er wieder da, doch den Respekt, den er dafür erwartet, eine kleine Willkommensfeier vielleicht, das alles findet nicht statt. Das All ist weit weg und alles, was da draußen geschah, hat auf Troy keine Bewandtnis mehr. Ein Held muss mit seiner Tat zufrieden sein, er darf nicht auf Bewunderung oder gar dank hoffen. Für Lanfeust, der so viel für das Universum getan hat, kommt es hingegen noch schlimmer. Der Held soll wieder die Schulbank drücken. Auch soll er dafür sein Schwert gefälligst im Spind einschließen. Ein großer Fehler. Hebus, der getreue Troll, hätte ihm sofort sagen können, dass ein Held nicht von seinem Schwert weicht. Aber Hebus hat genug damit zu tun, seiner neuen Tätigkeit als Sklave nachzugehen.

Lanfeust ist wieder auf Troy und das ist gut so. Hebus steht ebenfalls auf dem magischen Boden Troys. Und Cixi, die ein ganz klein wenig zickig sein kann, hat nichts verlernt. Schloss Blaugold ist Cixis neues Zuhause. Die junge Frau langweilt sich tödlich. Christophe Arleston, als Autor regelrecht mit diesem Comic-Universum verschmolzen, lässt sich allerlei Späße mit Cixi einfallen. Mit Leichtigkeit kann sie dank ihrer magischen Fähigkeiten einen kompletten See rot erstrahlen lassen. Für den Leser, der wenigstens bisher einen kleinen Einblick in diese Welt hatte, vielleicht sogar Geschichten über Lanfeust gelesen hat, bedeutet das: Das Chaos regiert.

Der Leser muss bisherige Abenteuer nicht kennen, auch sind Grundlagen über Troy selbst nicht erforderlich. Die Odyssee ist ein Neustart, den Arleston nutzt, um auch Neulinge an die Geschichte und die Figuren heranzuführen. Erfahrene Troyaner werden vielleicht über die Zurückhaltung Lanfeusts etwas erstaunt sein. Insgesamt macht der Held zunächst tatsächlich den Eindruck, als wolle er sich einfügen. Aber es sind äußere Einflüsse (und Frauen), die diese Bemühungen wieder zunichte machen. Und so könnte man sogar behaupten, dass eine Art jüngeres Ich Lanfeusts wie der berühmte Troll im Porzellanladen diesen Neuanfang auf den Kopf stellt.

Didier Tarquin zeichnet mit einer gewissen Respektlosigkeit. Zweifellos besitzt er Technik, den Blick für Bildaufbauten, aber er scheint auch immer auf der Grenze von Cartoon und Realismus balancieren zu wollen. Einerseits sind die verschiedenen Ansichten im Inneren, ob sie sich nun in Schlössern, Lehrzimmern, Bibliotheken oder auch Schenken abspielen, sehr schön anzuschauen, andererseits vermag er mit reinen Landschaftsbildern und Stadtansichten ebenso zu überzeugen. Körperlichkeiten wie Muskeln stellt er detailfreudig dar, in den Gesichtern jedoch darf aber das allseits bekannte japanische Cartoon-Grinsen, wie es schon ältere Generationen von Studio-Ghibli-Produktionen her kennen, nicht fehlen.

Einen großen Anteil an der Wirkung der Bilder hat sicherlich Kolorist Fred Besson. Mit viel Plastizität, mit Mut zur Buntheit, gestaltet er ein leuchtendes Troy, in das man sich mit seiner Farbenpracht gerne verliert. Einige Ansichten von Eckmül verschaffen dem Betrachter einen verträumten, romantischen Eindruck dieser Welt. Aber Arleston verschafft Besson auch genügend Arbeit, der es dann farblich umso mehr knallen lassen kann: Zusammenbrechende Türme, umgeknickte Schiffsmasten, Blitze … Kurz: Ein Feuerwerk für das Auge.

Von Abenteuern versteht er was: Christophe Arleston hat die Tradition von Rittern, Manteln und Degen, in die Fantasy transportiert und den französischen Sinn für Comic beigemengt. Eine nach wie vor unwiderstehliche Mischung. Man darf sich auf den abschließenden zweiten Teil freuen. :-)

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Freitag, 27. Januar 2012

Der rote Falke 1- Die rote Maske

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 17:33

Der Rote Falke 1 - Die rote MaskeEin Hinterhalt: Die Schergen des Herzogs treiben den maskierten Mann auf den Abgrund zu. Seine Gegenwehr ist wacker, leider vergeblich. Bauern finden einen übel zugerichteten Leichnam am Fuße des Felsens, von zahlreichen Stichen durchbohrt, von Blut berströmt. Sollte das bereits das Ende der Legende des roten Falken sein? Keineswegs. Denn Legenden halten sich lange. Helden sterben nicht so leicht, wenn ihr Tod nicht mit Brief und Siegel versehen verbürgt ist. So gedeiht abseits dieser Nachricht über den Tod des Rächers die Hoffnung. Bald schon gibt es neue Sichtungen. Ein Mann, angetan mit roter, konturloser Maske, einem roten Umhang und ebensolcher Kapuze steht wieder gegen die Unterdrücker auf.

Mantel, Degen und Maske: In Frankreich ist man mit diesem Genre sehr wohl vertraut. Roman und Film bieten viele Beispiel von waghalsigen Helden, die gegen die Obrigkeit aufbegehren und Gerechtigkeit gerade gegenüber den Schwachen und Hilflosen walten lassen. Ähnlich wie es ein Zorro in Mexiko, eine Schwarze Tulpe auch in Frankreich erledigte, so ist auch der rote Falke zur Stelle, wenn es unter der Herrschaft von Ludwig XIII. zu Willkür kommt. 1978 entwarf Patrick Cothias das Szenario um die rächende Legende des roten Falken, der für Gesprächsstoff unter den Bürgern sorgt, obwohl dem Gerücht nach längst im Zweikampf gefallen sein sollte.

Patrick Cothias erzählt hier in den für die Zeitschrift PIF kreierten Geschichten noch sehr episodenhaft und noch nicht auf Albenlänge (was sich ändern wird). Alles beginnt im Oktober 1624. Eine junge Frau ist mit ihrem Reisebegleiter in einer Kutsche unterwegs, als sie von Räubern im Wald aufgehalten werden. Schnell ergibt es sich für den Leser, dass diese Menschen, Räuber wie Überfallene, einer noch größeren Bedrohung gegenüberstehen. Eine geheimnisvolle Sekte treibt ihr Unwesen. Der rote Falke, ein geheimnisvoller Kämpfer in roter Maske und Umhang, begleitet von einem echten Falken, der aufs Wort hört, nimmt den Kampf gegen die Unterdrücker auf.

Wer Mantel und Degen, Alexandre Dumas und seine drei Musketiere mag, sich an der Seite von Scaramouche wohlfühlte, ein wenig Zorro in den Zeiten eines Richelieu sich vorstellen kann, findet sich hier sofort zurecht. Der Aufbau einer Geschichte geht schnell vonstatten. Andre Juillard schafft es, die Epoche mit leichtem Strich, aber auch sehr exkat einzufangen. Wer der rote Falke ist, ist zwar sehr schnell klar und man muss sich wundern, dass eine bestimmte Person nicht so leicht hinter das Geheimnis kommt, aber vermutlich verhält es sich hierbei wie Lois Lane zu Clark Kent.

Scaramouche nein, Theater ja: So haben denn auch die Gaukler ihren Auftritt und berichten von der Legende des roten Falken, bis die Obrigkeit einschreitet und das Volk erschüttert. Der Eichelhäher und der Falke, so der Titel der Episode bildet eine Grundlage für spätere Entwicklungen. Band 1, hier neu aufgelegt damit ein durchgängiges Druckbild zu neuerlichen Geschichten erreicht wird, berichtet von der fortschreitenden Entwicklung, auch Eingewöhnung eines Helden in seine Rolle. Begegnungen unterschiedlichster Art, sogar mit dem noch jungen Knig, prägen diese Figur, die über eine natürliche Selbstsicherheit verfügt.

Andre Juillard hat ein wenig Jugendstil im Strich, leicht idealisiert, etwas geschwungen, auch stilistisch sicherer von Episode zu Episode. Die Kolorierung ist der Entstehungszeit gemäß einfach gehalten. Das wirkt sich durch die Sorgfalt der Außenlinien und des Tuscheauftrags aber keineswegs nachteilig aus. Juillard arbeitet mit gerne mit Gesichtern, die geradewegs aus einer Nachtwache oder anderen Gemälden, die aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstammen könnten. Im direkten Vergleich ist jene Zeitphase sehr schön und eindrücklich eingefangen.

Abenteuerlich, nostalgisch, auch romantisch, wie es sich für derlei Handlungen gehört. Ausgeführt mit guten Figuren, viel Aktion, schönen Kostümen. Es treten auf: Einfaches Volk, Gaukler, Gauner, der König und natürlich ein Held. Für Freunde fesselnder Geschichten aus dem Mantel-und-Degen-Genre ist diese Neuauflage genau richtig. :-)

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Oder bei Finix Comics.

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Montag, 16. Januar 2012

Unter schwarzer Flagge 1

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 18:42

Unter schwarzer Flagge 1 - Gischt und BlutWas nutzt die beste Karte, wenn sie nicht zu lesen ist und sich das Ziel, ein Schatz nämlich, dennoch nicht erschließt. Allerdings gibt es noch eine Möglichkeit: Sollte es gelingen, eine Frau in die Gewalt zu bekommen, die als Druckmittel eingesetzt werden kann, um doch noch einen Hinweis auf das Versteck zu erhalten, werden alle Mühen belohnt werden. Kapitän Dan Dark, seine Kumpane Howie und Bonnie, entführen Mahalia, eine junge Frau, die nicht begeistert ist, als Druckmittel zu dienen, aber letztlich ebenso durchtrieben ist wie der Rest der Bande. Der Plan scheint zunächst aufzugehen. Leider bedeutet Durchtriebenheit nicht, dass damit eine gewisse Gerissenheit einhergeht. Kaum sind die erforderlichen Hindernisse beseitigt, bemerkt Kapitän Dark die Falle, in die er und seine Leute getappt sind.

Eric Corbeyran, der sich jüngst mit der Comic-Adaption des Computerspiels hierzulande einen Namen machte, erfreut den Leser nun mit einer handfesten Piratengeschichte, die sicherlich auch eine Inspiration durch die Piraten der Karibik erfahren hat. Hier ist wirklich jeder ein Gauner, egal ob alt oder jung, männlich oder weiblich. Wer zuletzt lebt, war mit dem Messer oder dem Säbel einfach schneller.

Die Charaktere in dieser Schatzsuche sind von Eric Corbeyran sehr ausgewogen in Szene gesetzt worden. Der alternde Piratenkapitän Dark, der aber nicht weniger halsbrecherisch seinem Handwerk nachgeht als seine engere Mannschaft, der er vollstes Vertrauen schenkt. Howie, ein Haudrauf, nicht der hellste Kopf, auch ein wenig eklig, betrachtet man seine Verhaltensweisen genauer (natürlich erhält der Leser ausreichend Gelegenheit dazu). Bonnie, eine Piratin, elegant und versiert im Gefecht, dem weiblichen Geschlecht zugetan. Und Mahalia, die ihre eigenen Ziele nicht aus den Augen verliert.

Der normale Pirat gibt sich nicht mehr mit Schätzen und Seeschlachten allein zufrieden: Längst ist aus dem modernen Piraten eine Mischung aus Errol Flynn und Sindbad, dem Seefahrer geworden. Klassische Seeabenteuer treffen auf Fantasy: Monster, Kannibalen, Magie: So darf sich der Leser auch hier auf entsprechende Szenarien einstellen. Brice Bingono, ein Zeichner ebenfalls im besten klassischen Sinne (wer den Trickfilm Feuer und Eis von Ralph Bakshi mochte, wird auch diese Zeichnungen lieben), kreiert kernige Typen und schöne Frauen, Monster, wie sie in jedem Conan-Abenteuer Platz fänden und Ausstattungen, wie sie Fans von Jack Sparrow sehr mögen werden. Brice Bingono rangiert auf ähnlich perfektem Niveau wie ein Mathieu Lauffrey (Prophet).

In der Nahaufnahme liefert Bingono sehr schöne Mimiken, sehr differenziert ausgeführt. In breitflächigen Ansichten, auch Massenszenen weiß er gut in Verkleinerungen aufzulösen und es existieren auch Ähnlichkeiten zu den Arbeiten eines Pierre Alary (Sinbad, Belladonna). Einflüsse leichter Karikaturen, Überzeichnungen finden sich auch hier und bringen dem Humor der Erzählung auch den benötigten Spaß in die Zeichnungen. Kräftige Striche, fein und detailfreudig getuscht, sorgen mit einem plastischen, erdigen Farbspektrum für ein pralles Seherlebnis.

Eric Corbeyran kennt das Genre, er schöpft aus Bekanntem, mischt großzügig viele eigene Einfälle hinzu, kreiert ein ordentliches Lumpenpack, wie es sich für Piraten gehört. Mit Brice Bingono hat sich Zeichner gefunden, der nicht nur den Humor, sondern auch die Action bestens in Szene setzt und die Erwartung auf die Fortsetzung ziemlich schürt. :-)

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Donnerstag, 22. Dezember 2011

Daddy

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 19:49

DaddyDer Junge ist schwer krank. Jesus hat Mitleid. Er hat es auf seine Art zu bekämpfen versucht, so recht gelungen ist es ihm nicht. So ist er auch sofort bereit, den Jungen zu heilen. Der ihn daraufhin mit einer Waffe zu bedroht. In der amerikanischen Großstadt, zwischen Normalbürgern, Versagern und Todkranken, treibt sich der Sohn Gottes herum. Obwohl er sich verraten fühlt, geht er noch seiner Aufgabe nach, heilt und teilt mit anderen. Nur manchmal, wenn ihm dann doch der Kragen platzt und er den Wahnsinn dieser Welt nicht mehr erträgt, wird er rabiat.

Der Vater hat den Sohn verlassen. Einzig ein Gehilfe steht dem Blinden zur Seite. Der besagte Sohn, Jesus, weilt wieder auf Erden, dick geworden, niedergeschlagen, resignierend und ständig den Versuchungen eines Hilfsteufels im Miniformat ausgesetzt. Dieser, zwergenhaft, mit Narrenkappe, dem Aussehen sowie dem völkermordenden Charakter eines Hitler ausgestattet, versucht, verführt oder versorgt den Sohn Gottes wenigstens mit Stoff. Matthias Schultheiss kreiert einen Jesus, der von seines Vaters Machenschaften, von all dem, was dieser zulässt, ziemlich angeekelt und angeödet ist. Gleichzeitig, bei allem Verdruss, hilft Jesus Kindern, wo er nur kann.

Dieser Jesus meint es ernst: Keine Komödie, eher eine ironische, zynische Anklage mit jenem Jesus in der Hauptrolle, der die Händler aus dem Tempel vertrieb und am Kreuz klagte, dass sein Gott ihn verlassen habe. Und dieser Jesus hat sich Fett angefressen und jagt sich Drogen in die Adern. Andererseits wirft er sich in die Flammen eines brennenden Hauses, um Kinder zu retten. Jene, von denen er glaubt, dass sein Vater auch sie verlassen habe. Er heilt die Todkranken und ist voller Mitleid jenseits der Verzweiflung, die ihn um die Welt treibt.

Aber dieser Jesus rennt nicht nur weg, flieht nicht nur vor seinem Schicksal, weshalb Gott ihn mit Blindheit strafte, er wird zugleich gejagt, als die Kirchenoberen erkennen, wer da wieder auf der Erde wandelt. Matthias Schultheiss lässt nichts aus, lässt seinen Jesus regelrecht auf die Menschen los. Dieser Jesus stellt die Fragen, die sich die Menschen oft über den Allvater stellen, der das Leid der Welt nicht verhindert. Und er stellt ihm gleichzeitig eine Kreatur zur Seite, die einer der größten Massenmörder der Menschheit ist. Dieser kassiert auch mal Prügel. Letztlich still bekommt ihn auch Jesus nicht.

Matthias Schultheiss pflegt einen sehr intuitiv wirkenden, sehr ausdrücklichen Zeichenstil, der das Schöne treffen kann, aber das Hässliche in den Mittelpunkt stellt. Einzig die Kinder bilden einen wirklich schönen Aspekt seiner Bilder mit ehrlichem Lächeln, auch Dankbarkeit und Freude um ihrer selbst willen, will man es poetisch ausdrücken. Jede Seite will als Einheit betrachtet werden: Text und Bild bilden ein Ganzes. Im Dialog oder aus dem Off erzählt, sogar unterstützt durch krakelige Strichzeichnungen, wie Jesus eine auf dem Titelbild auf dem Rücken eingeritzt hat.

Dieser Jesus ist optisch ein heruntergekommenes, völlig desillusioniertes Wrack, aus feinen, schnellen Linien geformt, mit einer fetten, starken, expressiven Computerkolorierung ausgewölbt. Schultheiss karikiert den Realismus, sie beißen ins Auge und schüren Mitleid, für diesen Jesus, der rebelliert und sich gegen Gott auflehnt, ebenso wie er sich weigert, sich selbst aufzugeben. Unmerklich gleitet der Realismus ins Surreale ab, wenn Jesus in die Fänge der Kirche gerät, die nichts besseres zu tun hat, als ihn erneut zu kreuzigen.

Eine Abrechnung, eine Anklage, ein Bombardement von Fragen: Matthias Schultheiss reiht sich mit dieser (nennen wir sie) Satire in Veröffentlichungen ein wie Suing the devil oder Gott bewahre (von John Niven), in der Jesus ebenfalls seine Probleme mit der modernen Welt und Gott hat. Er ist ein wenig so, wie Klaus Kinski ihn in seinem legendären Vortrag über Jesus Christus Erlöser beschreibt. Eines wird auch in dieser Geschichte deutlich: Hier wartet bei allen Fragen keiner auf den Messias. Nicht mehr.

Deutlich, unmissverständlich, eine Aussage: Vielleicht ein wenig mehr, vielleicht zu viel, vielleicht auch zu wenig. Matthias Schultheiss nimmt in jedem Fall kein Blatt vor Mund und scheut sich nicht, den Zeichenstift da anzusetzen, wo es möglicherweise weh tut. Sehr menschlich, eindringlich, aber bestimmt nicht jedermanns Sache. Grafisch stilistisch eigen, mit starkem Ausdruck. :-)

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Barracuda 2 - Narben

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 12:43

Barracuda 2 - NarbenDer junge Mann erkennt die Frau sofort wieder. Sie hat Schuld daran, dass er nicht mit seinem Vater auf See sein kann, sondern auf dieser Insel im Müßiggang auf die Rückkehr des Schiffes warten muss. Er greift sich die nächstbeste Waffe, übersieht sogar die Pracht seiner Umgebung, rennt an den Strand, um dort regelrecht übermannt zu werden und seine Rachsucht erstickt zu sehen. Alles wegen einer Frau, wegen der Frau, gegen die nicht nur er machtlos ist.

Hass ist die treibende Kraft. Liebe spielt eher eine untergeordnete Rolle. Allenfalls Leidenschaft spornt die einzelnen Menschen, jeden auf seine Weise, an. Entstand zu Beginn der Reihe noch das Gefühl, als sei des Piraten oberstes Gebot, Reichtum zu mehren und deshalb Schiffe zu überfallen, wandelt sich dieses Bild mit der Fortsetzung gehörig. Jeder einzelne Charakter trachtet nach seiner persönlichen Rache. Dona del Scuebo, die als Sklavin verkauft wurde, frönt ihrer Rache täglich, indem sie ihren Herrn erniedrigt und zum Gespött macht. Andere müssen noch ein wenig warten, bis sie am Ziel dieser Wünsche sind. Mit der Landung des Kapitäns Morkam (siehe Titelbild) setzt sich eine immer schneller ablaufende Spirale in Gang.

Feinde treffen wieder aufeinander: Autor Jean Dufaux entschlüsselt einige Motivationen seiner Figuren. Manche sind edler Natur, aber nicht uneigennützig. Die meisten wollen ein Ziel erreichen und verletzen auf diesem Weg mit Worten und Waffen. Nur wenige halten sich vornehm im Hintergrund und harren der Dinge, die da bald ausbrechen werden. Dufaux betitelt die zweite Folge mit Narben. Ebenso gut hätte er es Tanz auf dem Vulkan nennen können.

Das Netz aus Begierden und Abstoßung wird von Jeremy weiterhin brillant in Szene gesetzt. Es wirkt wie eine Vervollkommnung eines Manga-Stils, mit mehr Nuancen allerdings. Beste Beispiele sind die Figuren von Mr. Flynn und seines Mündels, die auch in entsprechenden Manga-Genreproduktionen eine herausragende Stellung einnehmen würden. Neben der sehr realistischen Darstellung von Menschen lebt die Geschichte von einer sehr schön gestalteten Ausstattung, modischen Ansichten jener Epoche und natürlich dem Flair einer karibischen Insel, die jedoch nur oberflächlich eine Idylle ist.

Doch bevor es in die Wildnis geht, überrascht Jeremy mit den Spitzen der Zivilisation jener Tage, die sich besonders in Gotteshäusern äußerte. In aller Pracht zeigt uns der Künstler den spanischen König vor einer Altarwand, im Gebet versunken, bevor die Handlung, weitaus gruseliger, an ein Totenbett fortschreitet und den Grundstein für spätere Ereignisse gelegt werden. Eindringlich lassen sich diese Bilder nennen, die das Piratengenre hervorragend aufgreifen. Sie besitzen auch ein romantisches Element, ein furchtbares und nehmen, moderne Stoffe kommen selten ohne aus, eine sexuelle Komponente hinzu, die mal mehr, mal weniger stark thematisiert wird.

Das Finale soll hier natürlich nicht verraten werden. Dennoch verdient es eine ausdrücklich Erwähnung, da es optisch wie erzählerisch höchst gelungen, spannend inszeniert und ineinander verschachtelt ist. Hier haben sich Dufaux und Jeremy zweifellos von filmischen Techniken inspirieren lassen. Der Eindruck ist sicherlich modern zu nennen, aber auch passend, der der Szenerie Schnelligkeit verliehen wird, ohne den Leser zu hetzen. Im Gegenteil fügt Dufaux auch bremsende Elemente ein, die zum Schmunzeln einladen, während es parallel dazu um Leben und Tod geht. Damit trifft Dufaux jedoch das Herz vieler Piratenerzhlungen.

Weiterhin packend erzählt: Dufaux präsentiert Einzelschicksale, Rachegeschichten und baut im Hintergrund an politischen Plänen, von denen einige Charaktere noch nicht einmal ahnen können, dass sie darin verstrickt werden. Bestens und mit viel Liebe zum Genre von Jeremy illustriert. :-)

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Freitag, 16. Dezember 2011

KONUNGAR 1 - Invasionen

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 20:06

KONUNGAR 1 - InvasionenAlstavik, jene fast mystische Festungsstätte, hat seit langer Zeit keinen rechten Frieden mehr gesehen. Die Thronerben, zwei Brüder, entzweiten sich, spalteten das Reich durch ihren Zwist. Einzig ruht sich das Land noch auf dem Sieg über die Zentauren aus. Doch dieser alte Feind kehrt zurück, just als sich die Kelten an anderer Stelle zur Fehde sammeln. Ein Zufall? Berge durchziehen das Land. Urwüchsige Wälder bilden das Antlitz dieses Reiches. Alstavik selbst, die riesige Festung, ruht auf dem Astwerk des Weltenbaumes Yggdrasil. Nichts mag dieses Bollwerk, das sich so mächtig nach außen hin gibt, erschüttern. Doch der Zerfall droht aus dem Inneren. Der Familienstreit, die Uneinigkeit der Streitkräfte schwächt das Reich und so wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis äußere Feinde dieser Dynastie den Garaus machen.

Zentauren: Seltene Gäste im Bereich der Fantasy, eher bekannt aus der griechischen Mythologie, doch im näheren Umfeld der Wikinger, im hohen Norden, waren sie bislang kaum zu erwarten. Allgemein sind sie am Körperbau erkennbar: Ein menschlicher Oberkörper wächst an der Hüfte aus einem Pferdekörper, dort, wo ansonsten der Kopf des Tieres zu finden ist. Zentauren (oder auch: Kentauren, Centauren) sind allgemein eine sehr brutale und kriegerische Rasse. Sylvain Runberg hält sich an diese grundsätzlichen Eigenschaften und fügt noch ein paar ziemlich grobschlächtige Merkmale hinzu.

Eine komplette Seite gönnt Runberg seinem zeichnenden Kollegen Juzhen, um die Ansicht dieses Zentauren, man sollte meinen, einem Anführer, zu zelebrieren. Diese Figur wirkt weniger wie ein Mensch, der eine Verbindung mit einem Pferdekörper eingegangen ist, als vielmehr wie ein Ork, der es proportional betrachtet viel besser mit einem Pferd aufnehmen kann. Das Titelbild lässt den Leser außerdem einen Eindruck darüber gewinnen, wie sich ein Zentaur gegen einen Menschen ausnimmt. Zentauren sind bei Runberg und Juzhen halbe Riesen.

Runberg belässt es nicht bei diesen phantastischen Einflüssen. Anderes orientiert sich an nordischen Legenden und interpretiert gleichzeitig gängige, sehr populäre Erscheinungsformen neu. Dvergars, Zwerge, erinnern mehr an monströse kleine Fledermausmenschen, vage vampirisch sogar. Und der Waldauerochse ist in seiner gigantischen Konzeption ein Anblick, den ein an Fantasy interessierter Leser sicherlich lieben wird. Ansichten dieser nordischen Welt, dunkel, kalt, wie zwischen Herbst und Winter gefangen wirkend, komplettieren einen sehr schön aussehenden Gesamteindruck.

Juzhen, der hier seine erste Serie vorlegt, geht mit ungeheurer Perfektion ans Werk. Die Strichführung ist ungemein fein, fast wie mit der Nadel radiert. Figuren, Charaktere wirken, als habe er sie gemeißelt, in Wirklichkeit Standbilder entworfen, immer etwas schöner als die Wirklichkeit, selbst wenn sie hässlich oder gar verletzt sind. Juzhen sucht auf den Seiten stets das Idealbild, so hat es den Anschein. Die Inszenierung hat etwas von einer Bühne mit einem großartigen Bühnenbild und gelungener Beleuchtung. Die unabhängig vom phantastischen Hintergrund erzählten Handlung kann mit einem königlichen Bruderzwist aufwarten, den auch alten Dramen entlehnt sein könnte. Insofern passt die bildliche Darstellung einmal mehr wie die berühmte Faust aufs Auge.

Gerade diesem Streit misst Runberg großen Stellenwert bei, der kaum so zu erwarten wäre, legt doch das Titelbild einen anderen Schwerpunkt, der aber, so lassen es die diversen ausgelegten Stränge vermuten, sehr bald schon zum Tragen kommen wird, denn Runberg schließt alle Vorbereitungen zu einem neuerlichen Kampf gegen die Zentauren ab.

Bruderkampf: Rildrig und Sigvald treten vor dem König, ihrem Vater, in einer Arena gegeneinander an. Dieser mehrseitige Abschnitt der Geschichte wird mit mythologischem Gefühl erzählt, gerade so als handele es sich um eine wahre Sage. Es ist auch kühl, etwas unpersönlich, mit Abstand geschildert, als schaue man durch die Augen des Königs, der selbst einen inneren Abstand zum Geschehen wahrt und sehr nüchtern die Vorkommnisse betrachtet. Sobald der Hass der Brüder in der Arena explodiert, ist die Nähe umso stärker vorhanden.

Fantasy abseits bekannter Strömungen, mehr zum Ursprung, zu den nordischen Völkern, den Wikingern hin orientiert, ohne sich sklavisch an das Original zu halten. Phantastische Einfälle und eine fast von Shakespeare inspiriert wirkende Familiengeschichte komplettieren diesen schönen Serienauftakt. :-)

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Dienstag, 13. Dezember 2011

Zeit der Asche

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 19:29

Zeit der AscheFirfin ist nicht gerade derjenige, der einem Reisenden in den gefährlichen Gefilden des Landes Vertrauen einflößen kann. Dennoch sind die drei Zwerge auf Unterstützung angewiesen, so gaunerhaft sie auch daherkommen mag. Firfin kennt sich ein wenig auf dem Gebiet der Heilung aus. Damit kann er nicht nur sich selbst zum Vorteil gereichen, auch die drei Zwerge, die doch bloß einen königlichen Nachfolger nach Hause geleiten sollen, werden sehr auf seine Dienste angewiesen sein. Denn dieses Land wimmelt nur so von furchtbaren Überraschungen: Donnerritter! Und dann auch noch dieses Getier, das an jeder Ecke, in der Luft, auf dem Boden und im Wasser lauert, um zu töten und zu fressen. So hatten sich die ansonsten tapferen Krieger ihre Reise nicht vorgestellt! Dabei fängt sie gerade erst so richtig an.

Fantasy einmal ganz anders: Hier ist schon die Landschaft monströs und lebensfeindlich. Der Leser begegnet in dieser Welt nicht den feinen (natürlich auch unheimlichen) Gegenden, Kerkern und Schlachtfeldern. In dieser von Bruno Chevalier beschriebenen und von Thierry Segur gezeichneten düsteren Weite wirkt es, als habe sich ein H.R. Giger zusammen mit einem Terry Pratchett zusammen getan. Letzterer hätte jedoch seinen Humor vergessen. Firfin, der Gauner, der Zwerg Noren und Morkai, ein Akei (aus dem Süden, von denen man nicht mehr viele findet) sind ein Trio sehr unterschiedlicher Charaktere, die nur selten komische Momente vorfinden (und diese halten auch nicht lange vor). Chevalier und Segur schicken ihre Helden lieber in (scheinbar) auswegslose Situationen.

Ausweglos wirkt bereits die Landschaft: Mit Sumpfgelände mag der Fantasy-Fan vertraut sein, doch dieses vervollständigt einen Gesamteindruck, der sich mit einem Gelände fortsetzt, das wie ein gigantisches Knochengebilde aussieht. Steinerne, geradezu zerrissene Formationen wechseln sich ab mit einer üppigen Grünlandschaft, in der die Natur schier aus allen Nähten platzen will. Und sind es nicht Schnee, Eis und Meer, die weitere Kulissen bilden, so entführen die beiden Macher den Leser in traumartige Sequenzen, die, so könnte man sagen, jeden noch so phantastischen Einfall ausschöpfen, der für eine dramatische Fortführung der Handlung notwendig ist.

Der Einfallsreichtum, der hier gezeigt wird, legt sich keinerlei Grenzen auf. Zwar gibt es Zwerge zu sehen, der Akei mag so etwas wie ein Riese sein auf seine Art, aber darüber hinaus könnten sich für dieses hier geschilderte märchenhafte Reich neben den erwähnten Künstlern auch Lewis Carroll (allerdings mit einer noch abgedrehteren Phantasie als in Alice im Wunderland) und die Erfinder von Jason Vorhees eingefunden haben. Das mag sich merkwürdig und unvereinbar anhören. Wer aber den Donnerritter im Zweikampf mit Ewandor gesehen hat, der an eine ungewöhnliche Mischung aus Yoda und Raupe Absolem erinnert, wird sich vielleicht überzeugen lassen.

Grafisch setzt Thierry Segur auf sehr fein strukturierte Bilder: Zarte Linien, treffsicher gezogen und bereits nach wenigen Seiten zeigt sich, wie es ihm gelingt die Seiten mit unterschiedlichen Perspektiven zu komponieren. So vollführt er den Wechsel vom Beobachter, der heimlich zuschaut, zum Akteur, der sich mitten im Geschehen wiederfindet. Das Design ist sehr eigen und entzieht sich den gängigen Zeichnungen. Segur mag die märchenhafte Ansicht, Ansichten kleiner Wesen, die plötzlich in Massenszenen zu explodieren scheinen. Er setzt die Niedlichkeit der Figuren Ausbrüchen von Gewalt entgegen, die denen im Fantasy-Standard von HdR nicht nachstehen. Die Aquarelltechnik, mit der die Farben aufgetragen sind, in feinen Verläufen und nie wirklich richtig dunkel (selbst wenn es düster ist) verstärkt den Eindruck eines schönen Alptraums, dem man sich als Leser binnen kurzem nicht entziehen kann.

Ganz, ganz anders: Fantasy kann sich auch von gängigen Werken und Beschreibungen lösen. Bruno Chevalier und Thierry Segur machen es vor. Aufregend anders, phantastisch im wahrsten und besten Sinne des Wortes in dieser Gesamtausgabe. Fantasy-Fans sei der Band ans Herz gelegt. :-)

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