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Comic Blog


Montag, 22. August 2022

FRANKA – GESAMTAUSGABE 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:03

FRANKA - GESAMTAUSGABE 1Na, es ist Recherche, kein Einbruch, was FRANKA da auf die Beine stellt. Außerdem erwischt sie niemand und was bekanntlich keiner weiß … Sie ist geschickt. Eine Armbrust, eine Harpune, ein gezielter Schuss und schon ist ein Seil gespannt. FRANKA kann, ohne den Boden zu berühren und ohne gesehen zu werden, den gesamten Laden durchqueren. Doch schließlich braucht sie dennoch ein Versteck. Eine Ritterrüstung! Das ist die Lösung. Flink schlüpft sie in das metallene Ungetüm hinein. Nur um kurz darauf festzustellen, dass sie gefangen ist und vorerst nicht entkommen kann …

FRANKA arbeitet als Sekretärin im KRIMINALMUSEUM. Der Alltag wird mit kleinen Aufträgen, Hausaufgaben, so nennt es der Chef, interessanter. Da sich im Museum allerhand Kuriositäten befinden, soll FRANKA sich eine Armbrust ansehen, die für die Sammlung angeboten wurde. Das ändert nichts an der Tatsache, dass im KRIMINALMUSEM auch echte Polizeiarbeit geleistet wird. Und die ist nicht ungefährlich. Das erfährt FRANKA schnell am eigenen Leib.

Mit DAS KRIMINALMUSEUM schickte HENK KUIJPERS 1974 eine Heldin ins Comic-Rennen. Diese war aber noch nicht die Hauptfigur, als die sie heute, Jahrzehnte später, bekannt ist. Es gibt noch keinen deutlichen Fokus auf eine Figur, vielmehr verteilt HENK KUIJPERS die Handlung sorgfältig auf mehrere Charaktere. In der Folge setzt HENK KUIJPERS diese Figuren wie in einem Slapstick-Abenteuer ein. Je mehr es sich zum Finale zuspitzt, desto mehr kommt der Stein ins Rollen, desto mehr Chaos entsteht. Die Handlung schlägt hierbei ein scharfes Tempo an.

In DAS MEISTERWERK baut HENK KUIJPERS das FRANKA-Abenteuer schon anders auf. Hier gibt es vom Start weg eine eindeutige Zentrierung auf die Person von FRANKA. Insgesamt ist das Szenario ruhiger, was vielleicht auch daran liegen mag, dass es aus der Stadt hinaus aufs Land geht. Man fühlt sich ein wenig ältere Kinderhörspiele erinnert (plus eine Prise MISS MARPLE), in denen ein wenig die heile Welt zerbröselt. Aber eben nur ein wenig. Anfangs, das zeigt sich hier schön, war FRANKA noch nicht ganz so waghalsig. Ein zweites Aber: HENK KUIJPERS liebt es bereits hier, unterschiedlichste Orte in einer Geschichte miteinander zu verbinden, gerne auch in Rückblicken.

DAS GEHEIMNIS DES GEISTERSCHIFFS. Die Veröffentlichung dieses zweiteiligen Abenteuers startete 1977 in der EPPO, die Albumveröffentlichung startete 1979. FRANKA insgesamt startete noch früher. Trotzdem gibt es hier bereits Abenteuer, mit all ihren Haken und Wendungen, der besonderen Kintopp-Action, wie sie in den 1980er Jahren so populär werden sollte. HENK KUIJPERS legt in der zweiten Hälfte des Abenteuers (Untertitel: DIE RACHE DES FRACHTSCHIFFS) vermehrt Wert auf technische Gimmicks (wie Flugboote, Schiffe, Dschunken, Hubschrauber, ein Schiffswrack und vieles mehr). Abwechslung ist her Trumpf. Über Wasser, in der Luft, unter Wasser, exotisch schiffbrüchig. HENK KUIJPERS hält das Publikum in Atem, könnte man sagen.

Wer FRANKA bisher nicht kannte und den Band aufschlägt, wird sofort sehen, dass hier etwas anders ist. HENK KUIJPERS hat seine FRANKA über die Jahre weiterentwickelt und einem modernen Frauenbild angepasst. Anfangs ist FRANKA noch überaus putzig, körperlich sind die alle Figuren nocht sehr cartoon-orientiert. FRANKA hat Kulleraugen und wirkt nicht gerade wie ein ACTIONSTAR (der sie später bei vielen Gelegenheiten noch sein wird). Geblieben ist jedoch ihr Hündchen, BARS, und, ganz wichtig, gibt es bereits Ansätze des späteren wohl bekannten Wimmelbild-Looks. Denn HENK KUIJPERS liebt Kulissen in seinen Szenen. Neben der eigentlichen Handlung gibt es immer noch was zu entdecken.

Die Kolorierung arbeitet mit bonbonbunten Farben, setzt aber häufig einen dominierenden Farbton oder ein Farbthema ein. Das ist notwendig, denn die Zeichnungen von HENK KUIJPERS sind im besten Sinne fragil zu nennen. Manchmal sind die Figuren etwas püppchenhaft und wirken mitunter, je nach Charakter, als habe jemand aus dem echten Leben Pate gestanden. Denn hier werden die Figuren sofort einprägsamer, deutlicher, mit stärkerem Profil ausgestattet.

Ein schöner redaktioneller Teil im Vorfeld der hier versammelten vier Abenteuer rundet die erste GESAMTAUSGABE ab. HENK KUIJPERS zeichnete das erste FRANKA-ABENTEUER am Küchentisch und musste, wenn das Essen anstand, sein Arbeitsmaterial beiseite räumen. Aus diesem provisorischen Arbeiten hat sich bislang nicht nur ein professioneller Comic-Zeichner entwickelt, auch FRANKA kann auf 25 Alben zurückblicken. Eine echte Erfolgsgeschichte also!

Einerseits einer der wenigen Klassiker in der Comic-Landschaft, andererseits eine Serie, die sich kontinuierlich weiterentwickelt hat. In der ersten Gesamtausgabe entsteht nicht nur eine interessante Figur, man merkt schnell, dass HENK KUIJPERS von Ausgabe zu Ausgabe an FRANKA feilt. Feine Abenteuer für Jung und Alt im besten Sinne. Tolle Aufarbeitung der ersten vier Geschichten! 🙂

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Sonntag, 27. Februar 2022

FIRE POWER 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:44

FIRE POWER 2Eine ganz normale Familie. OWEN JOHNSON lebt in einer ganz normalen amerikanischen Bilderbuchnachbarschaft. Einfamilienhäuser rignsherum. Man kennt sich. Man hat familiäre Bindungen über mehrere Generationen. Man hat Freunde. Man lädt zum Gartenfest, zum Barbecue. OWEN JOHNSON hat sich gut im Leben eingerichtet. Er ist ein guter Vater, liebt seine beiden Kinder. Er verkauft Möbel, seine Frau ist Polizistin. OWEN JOHNSON genießt allgemein Respekt. Die Vergangenheit ist Vergangenheit. Aber vergessen kann er sie nicht. Denn auch jene Menschen aus besagter Vergangenheit haben ihn nicht vergessen. Obwohl derart viele Jahre vergangen sind und OWEN JOHNSON längst auf einem anderen Kontinent lebt.

Die Serie FIRE POWER von COMIC-IKONE ROBERT KIRKMAN geht in die zweite Runde. War der erste Teil eine Verbeugung vor den EASTERN der 1980er Jahre und gleichzeitig ein gelungenes ACTION-FEUERWERK, verändert er hier völlig das Setting und präsentiert fast einen Neuanfang, der auch ohne den ersten Teil stehen könnte. Denn ähnliche Ausgangssituationen gibt es häufiger im amerikanischen KINTOPP. Der von der Vergangenheit eingeholte Held muss sein neues Leben verteidigen. Hier ist ähnlich. Es beginnt schleichend mit dem Auftauchen eines Freundes von einst.

ROBERT KIRKMAN nimmt den Leser sachte mit auf die Reise dieses zweiten Bandes. Ein erster Kampf endet noch versöhnlich. Die nächste Attacke erfolgt ohne Vorwarnung, im eigenen Zuhause. Damit wendet sich alles, denn von nun an kann OWEN JOHNSON die Ereignisse nicht mehr aufhalten. ROBERT KIRKMAN spielt mit dem amerikanischen Vorstadtleben, auch den typischen Geschehnissen, mit denen ein COP tagtäglich umzugehen hat. Hier wird OWENS Frau ziemlich tough und wehrhaft präsentiert. Sie mag nicht ganz über die asiatischen Kampftechniken ihres Mannes verfügen. Doch sie kämpft mit harten Bandagen, überlegt, scheinbar furchtlos. Derart starke Paare finden sich in Geschichten selten. Eine erfrischende Neuerung (oder Ausnahme, ganz wie man will, es dürfte durchaus Schule machen).

Keine Bange! Trotz der Eingangsbeschreibung hagelt es reichlich Kämpfe. Je mehr die Handlung fortschreitet, wird den fantastischen Kämpfen eines asiatischen Kinos umso mehr gehuldigt. Natürlich sind solche Auseinandersetzungen geradezu übermenschlich. Nicht zuletzt verfügt OWEN JOHNSON, wie das Titelbild verrät und Kenner des ersten Bandes wissen, über die Gabe, Feuerbälle zu erzeugen. Es wird jedoch, dank ROBERT KIRKMANS ausgezeichneter Erzählweise, nicht einfach durch die Gegend gekämpft. Wegen der eingangs geschilderten familiären Befindlichkeiten wird es höchst dramatisch, weil keiner aus der vierköpfigen Familie unbetroffen bleibt.

CHRIS SAMNEE pflegt einen Zeichenstil, der auf den Punkt kommt. Seine in mancher Hinsicht reduzierten Grafiken weisen Parallelen zu einem frühen MIKE MIGNOLA auf (z.B. wie in FAFHRD UND DER GRAUE MAUSLING), als dieser zwar einem abgespeckten Zeichenstil frönte, aber immer noch detailreicher war als heute. CHRIS SAMNEE trifft sich mit seiner Arbeit aber auch auf Augenhöhe mit Zeichnern wie GABRIEL BÁ und TONY MOORE. Seine Technik könnte als Verschmelzung aus ihrer beider Stilistiken gedeutet werden. Es gibt durchaus die mit dünnen Strichen erzeugten Figuren in kleineren Ansichten oder solchen, die mit mehr Charakteren und Hintergründen versehen sind. Darüber hinaus wird er aber in Nahaufnahmen fetter im Strich, realistischer, während in der Verkleinerung Gesichter schonmal mangahaft entgleisen.

Familie? Dann ist alles eitel Sonnenschein. VON WEGEN! Die Kolorierung von MATT WILSON markiert gerade diese besonders normalen Tage mit Sonnenlicht. Der Rest des Abenteuers ist bald von Nacht und düsterer Flucht geprägt. Farbe trägt hier stark zur Stimmung bei. Das Kampftraining der Familie fällt, bei Tageslicht im heimischen Garten ausgeführt, heiter aus. Romantische Beleuchtung trifft das Augen, wenn OWEN JOHNSON und seine Frau sich einen schönen Abend in einem Restaurant gönnen. Aber, wie es heißt, der Schein trügt. Denn im selben Licht greift der Feind an. Was vorher anheimelnd wirkte, ist schließlich bloß die Ankündigung von Gewalt und Blut. Bricht erst echte nächtliche Stimmung herein, steigt auch die Spannung der handlung rasant an.

ROBERT KIRKMAN strickt gerne bestehende Regeln um, mischt neue Elemente hinzu und bastelt etwas Andersartiges. Ein Ergebnis davon ist der zweite Band von FIRE POWER, der es sich erlaubt, dank eines ordentlichen Zeitsprungs, wesentlich andere Wege zu gehen als sein Vorgängerband. Eindrücklich und mit Kameraauge von CHRIS SAMNEE und MATT WILSON in Szene gesetzt. Wer MARTIAL ARTS gemixt mit FANTASY und THRILLER mag, liegt hier goldrichtig! Top! 🙂

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Sonntag, 10. Oktober 2021

CONAN – GESCHICHTEN AUS CIMMERIA

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:56

CONAN - GESCHICHTEN AUS CIMMERIACONAN versucht noch mit seinen Rausch der letzten Nacht fertig zu werden, als ihm ein Angebot gemacht wird. Leider beinhaltet der Auftrag MAGIE. CONAN hält sich allzu gern von solchen Umständen fern. SCHWERTER und MAGIE vertragen sich nicht. Außerdem sehen jene, die ihm das Angebot unterbreiten, wie blutige Anfänger auf dem Gebiet der MAGIE aus. Davon lässt man sowieso besser die Finger. Und CONAN soll Recht behalten …

CONAN ist ein Phänomen innerhalb einer Reihe von Helden, denen eine jahrzehntelange Existenz innerhalb der Pulp-Unterhaltung zuteil wurden. Erschaffen einst von ROBERT E. HOWARD, der wie so manche Autoren den dauerhaften Erfolg der Figur nicht mehr miterleben konnte. Dabei ist CONAN sehr einfach gestrickt. Die Geschichten hier kokettieren teils mit diesem Charakterschema.

Bekannte Autoren wie ROY THOMAS, KURT BUSIEK, KEVIN EASTMAN, CHRIS CLAREMONT, STEVEN S. DEKNIGHT und ESAD RIBIC steuern die Abenteuer des Barbaren bei. ESAD RIBIC macht den Einstieg außerdem als Allrounder, indem er die Story nicht nur schreibt, sondern auch darüber hinaus komplett künstlerisch gestaltet. Das erste Ergebnis, die erste Kurzgeschichte ist denn auch ein richtiger Kracher (im grafischen Stil eines VINCENTE SEGRELLES). Gänzlich ohne (verständliche) Worte verfolgt der Leser den Reifungsprozess des Cimmeriers vom Jungen zum Mann und schließlich zum Krieger. In einer Welt der Gefahren, einer lebensfeindlichen Umgebung, samt Raubtieren, tierischen und menschlichen, wächst CONAN heran. Ständig werden seine Kräfte und sein Mut gefordert. Jedes Mal triumphiert er, nicht ohne Verletzungen, bis es schließlich so aussieht, als würde jedes Aufraffen noch doch im Keim erstickt.

In der Geschichte von ESAD RIBIC zeigt sich ein weiterer Kernbestandteil der Figur CONAN. Der BARBAR gibt niemals auf. Dieser Wesenszug zieht sich von der ersten Geschichte, AUFBRUCH, bis zum letzten Abenteuer, SCHIFF DER VERDAMMTEN. STEVEN S. DEKNIGHT bringt dem Leser mit dieser Handlung eine ganz besondere Figur an CONANS Seite zurück: BELIT. Diese Piratenkönigin nimmt einen großen Stellenwert innerhalb der Welt CONANS ein, gehört zu doch zu den Frauen, die den BARBAREN lange Zeit an sich fesseln konnten. Gerade in den Comics wurden die Abenteuer der beiden gern (und sehr gut) behandelt. Wie es nun Sache des vorliegenden Bandes ist, bietet das SCHIFF DER VERDAMMTEN eine Essenz der Beziehung dieser beiden unzähmbaren Charaktere und mischt eine ordentliche Portion MAGIE und HORROR hinzu.

Als CONAN noch Hörner hatte! Bilder solcher Art, auf denen CONAN einen behörnten Helm trägt, verdanken wir ausdrücklich einem Zeichner wie BARRY WINDSOR-SMITH. Mit der Geschichte NACHSPIEL – UND EIN NEUANFFANG greift Illustrator STEVE MCNIVEN das Design des BARBAREN seines Vorgängers auf. CONAN ist hier zwar muskulös, aber er platzt noch nicht vor lauter Bizeps, sondern ist deutlich jünger, drahtiger, insgesamt athletischer. So wirkt er auf dem gezeigten Schlachtfeld agiler, lebensnäher. Das ist ein Bildreigen, teils sehr großformatig, der szenisch den neuen Anforderungen von Leseraugen Rechnung trägt, die von SCHILD-UND-SCHWERT-SERIEN der letzten Jahre geprägt worden sind. Die Action nimmt den Betrachter mitten hinein, teils über die Schulter des BARBAREN hinweg. Manchmal darf er auch einfach nur Mäuschen spielen. Ein toller Look, den man sich einmal über die gesamte Länge eines Albums wünscht.

An anderer Stelle, im Abenteuer, TOD DURCH DAS SCHWERT, trifft der Leser auf einen CONAN, der ebenfalls über ein Schlachtfeld stapft. Aber dieser hier entspricht eher der grafischen Vorlage eines JOHN BUSCEMA (für mich immer noch einer der besten MARVEL-Comic-Künstler). Dieser CONAN kam der späteren Filmumsetzung mit ARNOLD SCHWARZENEGGER am nächsten, wirkte sogar noch grobschlächtiger, brutaler. ROBERTO DE LA TORRE eifert dem klassischen Zeichner aus einer tollen MARVEL-ÄRA in einer sehr finsteren Geschichte nach. Hier hat CHRIS CLAREMONT das Elend einer Schlacht und ihre Nachwirkungen eingefangen. Ein Gespräch schärft den CHARAKTER des CIMMERIERS auf simple und eindrückliche Weise.

Ein toller Querschnitt aus dem Leben des CIMMERIERS CONAN (mit nur einem Durchhänger, aber das ist angesichts der Qualität der übrigen Abenteuer zu verschmerzen). Sicherlich für Fans, aber in jedem Fall sehr gut geeignet, um einfach mal in die Welt des hyborischen Zeitalters hineinzuschnuppern! 🙂

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Dienstag, 07. September 2021

DAS PIN-UP DER B-24 – Band 1 – ALI-LA-CAN

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:29

DAS PIN-UP DER B-24 - Band 1 - ALI-LA-CANFreundschaft im Krieg. Liebe im Krieg. Starke Gefühle in einer Welt am Abgrund. An jedem Tag kann jeder neue Einsatz den Tod mit sich bringen. JOHNNY BUTCHER, FRED OGLALA und GLENN BAXTER gehören zur Besatzung einer B-24, eines Bombers der Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg. Es sind junge Männer mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen, mit verschiedenen gesellschaftlichen Hintergründen. Einer ist der Farmesjunge, ein anderer indianischer Abstammung und mit dem großen Wunsch einmal für eine Zeichentrickfilmfirma zu arbeiten. Der dritte ist Pilot und Geologiestudent. Kurz vor der Abkommandierung nach Italien treffen sie auf die Armeekrankenschwestern ALICE MORALES, CANDY GLOVER und die von vielen Männern umworbene LANA.

Die Männer werden sich einig, ihr Flugzeug mit einem PIN-UP zu verzieren, eine gängige Praxis jener Tage. Teils ein Wunschtraum, die an Bord ihren Dienst versehen, teils aber auch ein Maskottchen, als Glücksbringer. Das Äußere der Krankenschwestern verschmilzt grafisch zur Traumfrau ALI-LA-CAN und ziert fortan den Bug der B-24. Und das Bild scheint zu hilfen. Eine geradezu magisch anmutende Glücksserie entfaltet sich für die Besatzung des Flugzeug. Langsam entstehen Gerüchte. Anfeindungen. Andere Besatzungen weigern sich, im selben Verband wie die ALI-LA-CAN zu fliegen. Denn die kehrt immer zurück. Andere nicht …

Bomben können regnen. Technik mag den Verstand der Menschen beflügeln. Aber ein Funken Aberglaube verbleibt immer. JOHNNY, FRED und GLENN haben zwar Glück. Ihnen begegnet die Liebe mitten im Krieg, doch leider ist ihre Glückssträhne nicht von jedem Kameraden akzeptiert. Während die ALI-LA-CAN durch Flagfeuer und die Geschosse von gegnerischen Jagdflugzeugen steuert, explodieren die Maschinen neben ihnen, verlieren ihre Tragflächen und stürzen ab. JACK MANINI, seines Zeichens AUTOR und Verwantwortlicher für die FARBGEBUNG des vorliegenden ersten Bandes des Zweiteilers DAS PIN-UP DER B-24, führt den Leser mit seiner Erzählung tief in die Dramatik des Fliegeralltags in den luftigen Fronten in den Mittelmeerraum unweit der italienischen Küste.

Als Leser weiß man bereits von Beginn an, was mit der ALI-LA-CAN geschehen wird (das soll auch gar kein Geheimnis sein). Wie es geschieht, erfährt der Leser später. Tatsächlich ist es nachher nur ein Detail, denn die Vorgeschichte, zu einem Teil Kriegsabenteuer, zu einem anderen Teil Buddy-Geschichte, zu einem weiteren Teil romantisches Drama, nimmt einen so weit gefangen und ist so gut gut und flüssig erzählt, dass es sehr schade ist, wenn der Rückblick endet und der Sprung zurück in die Gegenwart des Jahres 1959 erfolgt, dem Jahr, in dem sich GLENN BAXTER fragt, was aus seinen Kameraden geworden ist.

Ich muss sagen, dass einen diese Frage wirklich beschäftigt, als habe man soeben einen sehr intensiven Roman oder einen ziemlich dramatischen Film (oder eine Serie) gesehen. JACK MANINI ist hier eine schöne Geschichte gelungen, von der sich nicht sagen lässt, wohin sie im zweiten Band führen wird.

Maßgeblich am tollen Ergebnis von DAS PIN-UP DER B-24 beteiligt ist Zeichner MICHEL CHEVEREAU, der den Figuren ein höchst individuelles Aussehen verschafft und so die Buddys und ihre Freundinnen regelrecht zum Leben erweckt. Bereits die sehr kurzen Einführungen der drei Figuren, gerade einmal eineinhalb Seiten lang, finde ich so gelungen, dass ich mir gewünscht hätte, JACK MANINI und MICHEL CHEVEREAU hätten der Zeitspanne vor dem Kriegseinsatz noch mehr Raum gegönnt (oder gönnen können).

Eine abwechslungsreiche Atmosphäre bestimmt den kompletten Band. Ob es nun die Kriegseinsätze sind, das soldatische Miteinander, die friedlichen Pausen, die Paare, die einfach nur das Leben genießen wollen und doch immer wieder auch von ihren Vergangenheiten und Erinnerungen vereinnahmt werden. Es entsteht sogar der Eindruck von zeitbezogenen Gesichtern. Wer zum Beispiel Filme der 1940er Jahre mit denen des 21. Jahrhunderts vergleicht, wird sofort einen Unterschied finden, der sich aber nicht recht benennen lässt.

Aber MICHEL CHEVEREAU hat diese Unterschiede bemerkt und verarbeitet. So finden sich in der Figur des GLENN BAXTER Anleihen eines ELVIS PRESLEY oder eines ROCK HUDSON. In JOHNNY BUTCHER lassen sich Ähnlichkeiten zu einem jungen JAMES CAGNEY herstellen. Insgesamt sind es nie Stereotypen, sondern stets Charaktergesichter. Es braucht zu dieser Feststellung nicht einmal erhöhte Aufmerksamkeit, betrachtet man die Besatzungsmitglieder der B-24.

Eine Geschichte über Menschen im Krieg, in der Krieg aber nicht das zentrale Thema ist. Drei Freunde finden drei Frauen. Es finden sich drei Liebespaare. Amerikaner planen in Italien unter ständiger Lebensgefahr eine Zukunft. JACK MANINI erzählt vorbildlich, sehr gut, schafft Charaktere, die den Leser schlicht mitziehen. MICHEL CHEVEREAU gibt den Figuren Gesichter, die echt, aus dem Leben gegriffen wirken. Durchweg klasse. Wer im Comic fein erzähltes Drama mag, sollte sich von der Kriegsthematik nicht täuschen lassen. Die ist nur sekundär. 🙂

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Montag, 19. Juli 2021

DAS SCHICKSAL DER WINCZLAV 1 – VANKO 1848

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:37

DAS SCHICKSAL DER WINCZLAV 1 – VANKO 1848MONTENEGRO im Jahre 1848. VANKO WINCZLAV hat sich in einem kleinen Dorf versteckt, wo er Verletzte versorgte. Solche, die Widerstand gegen die türkischen Besatzer geleistet haben. VANKO wird verraten. Die Häscher sind bereits vor Ort und gefährlich. Doch das Blatt wendet sich. Die Dorfbewohner wehren sich. Eine Tragödie folgt, und Flucht bleibt weiterhin der einzige Ausweg. Mit einer neuen Reisebegleiterin kommt die Gefahr plötzlich von einer anderen Seite, überraschend und ungeplant …

Eine der erfolgreichsten und langlebigsten Comic-Serien im Genre THRILLER der letzten Jahre ist sicherlich LARGO WINCH. Jener junge Mann, der zum Erbe eines Milliardenimperiums wird und fortan auf der großen Bühne der Hochfinanz mitspielt. LARGO WINCH hat seine ganz eigene Vorgeschichte. Seine Familienchronik war bislang ein Geheimnis. Dieses wird nun von JEAN VAN HAMME und PHILIPPE BERTHET gelüftet. Alles beginnt im Jahre 1848 und mit einer Flucht in die Vereinigten Staaten von Amerika. Zu jener Zeit nannte sich der Osten der USA zivilisiert, und der Westen war noch wild.

VANKO WINCZLAV, seines Zeichens ausgebildeter Arzt, kommt mit Nichts in dieses Land. Selbst sein Studium der Medizin wird dort nicht anerkannt. JEAN VAN HAMME beginnt seine SAGA um die Familie WINCZLAV am Nullpunkt einer Existenz. Er nimmt den Leser mit auf die Reise und begleitet ihn bis in die nächste Generation, in der ein VANKO WINCZLAV fast schon wieder in Vergessenheit gerät. Die Familienchronik ist reich an Begebenheiten und Begegnungen. Das liegt allein schon an den vielen Gegensätzen, die in diese Lebensgeschichten einfließen.

Die Geschichte beginnt 1848. In Europa sind bedeutende Umwälzungen im Gange. Im kleinen Montenegro, auf dem Balkan, haben die türkischen Besatzer das Heft in der Hand. Der Titelheld macht sich auf in das, in jenen Tagen, für viele Menschen gelobte Land. Ohne zu ahnen, dass selbst diesem Staat noch ein Bürgerkrieg bevorsteht. Zu Beginn lässt sich JEAN VAN HAMME mit der Erzählung noch Zeit, springt ins Leben seiner Figuren, mitten hinein in einen wichtigen Wendepunkt. Bald wird es etwas sprunghafter, nachdem die Charakterzeichnung sich gefestigt haben. Andernfalls wäre dieser Lebensabschnitt von VANKO WINCZLAV, seinen Söhnen SANDY und MILAN , seiner Frau JENNY und seiner anfänglichen Reisebegleiterin VESKA STOJANOVA in einem (ersten) Band nicht zu erzählen.

Nicht alle Figuren sind die großen strahlenden Helden. Nicht jeder ist mit Stärke und Optimismus bedacht wie vielleicht ein LARGO WINCH. Manche stehen nach Schicksalsschlägen wieder auf (wie ein VANKO WINCZLAV), andere haben Glück und lernen im richtigen Moment die richtigen Leute kennen (wie eine VESKA STOJANOVA). JEAN VAN HAMME verbindet das Schicksal oder den Lebensweg dieser Menschen mit dem Schicksal und dem Weg der Vereinigten Staaten. Namentlich bekannte Unternehmer freuen sich auf den Bürgerkrieg, weil zu diesem Zweck viele Uniformen verkauft werden können. Geld ist der Motor. Nicht nur, aber die stärkste Antriebsfeder der Entwicklung.

Während jedoch später im Osten schon der WILDE WESTEN von gestern ist und ein WILLIAM F. CODY alias BUFFALO BILL mit seiner legendären SHOW tourt und das ÖL im Süden zu enormem Reichtum verhilft, sind den Regierenden und Gierigen im Westen die Indianerstämme immer noch ein Dorn im Auge. Es läuft eine (tiefe) Spaltung durch das Land, ebenso wie durch die Familie WINCZLAV ein Spalt läuft. JEAN VAN HAMME pickt sich anschauliche Stationen aus den diversen Leben heraus. Das ist durchweg spannend, dramatisch, teilweise drastisch. An manchen Stellen anrührend, immer wieder interessant und gut in den historischen Zusammenhang eingebettet, darüber hinaus sehr oft (hat man seine Lieblingsfigur für sich entdeckt) mitreißend.

GRAFIK: Da darf einer nicht vergessen werden (der zu meinen Lieblings-Comiczeichnern gehört, zugegeben)! PHILIPPE BERTHET liefert klare Linien, klare Charakterzeichnungen. Thriller, Krimis und historischen Abenteuergeschichten (2. Weltkrieg) von ihm gab es hierzulande bereits zu lesen. Die Zeichnungen unterstützen den Lesefluss und besitzen eine gewisse Eleganz. Klare Linie ist nicht klare Linie, und PHILIPPE BERTHET ist stilistisch durchaus eigen, sein Wiedererkennungswert eindeutig. Seine Figuren sind etwas verspielt, vielleicht auch leicht lieblich zu nennen. Das Häßliche (sogar wenn es das optisch und charakterlich ist) wird man hier nicht wirklich finden. Besonders wichtig: Seine Bilder ermöglichen einen schnellen Zugang zur Geschichte. JEAN VAN HAMME hat einen tollen Illustratoren für seine Erzählung gefunden.

Der Auftakt einer tollen Familiensaga. DAS SCHICKSAL DER WINCZLAV ist hier eng mit der Geschichte der Vereinigten Staaten verbunden. 13 Jahre vor dem BÜRGERKRIEG erreicht VANK WINCZLAV die USA. Er, seine Familie, ein paar Weggefährten werden dem Land Impulse geben. Besonders in der zweiten Generation. Das ist von JEAN VAN HAMME gut mit den wahren Geschehnissen (und historischen Figuren) in den USA vermischt. Gewohnt fein von PHILIPPE BERTHET illustriert (der hierzulande bereits mit MOTOR CITY, PERICO oder POISON IVY aufgefallen ist). Ein abwechslungsreicher Ritt durch die Jahrzehnte. Filmreif. Klasse! 🙂

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Donnerstag, 01. Juli 2021

WÜSTENSKORPIONE 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:16

WÜSTENSKORPIONE 2Lufthoheit bedeutet, die Macht am Himmel zu besitzen. Ein großes Flugzeug ist noch lange kein Garant für das Überleben, denn grundsätzlich sind viele Jäger des Hasen Tod. In diesem Fall sind es gleich drei Doppeldeckerjagdflugzeuge, die CAPTAIN KOINSKY und seinen Kameraden in ihrer behäbigen Maschine das Leben schwer machen. Ohne Möglichkeit einer realistischen Gegenwehr – einer mit Aussicht auf Erfolg – werden sie zur Landung und in Gefangenschaft gezwungen.

DIE WÜSTE: Diese unwirkliche Landschaft, deren Horizont sich immer weiter zurückzuziehen scheint, je energischer man darauf zuhält, spielt mit ihren Figuren. Sie hält sie gefangen. Sie reduziert sie auf das Wesentliche. Sie legt den Charakter frei. Sie zwingt ihn geradezu, sich zu stellen. DAS FORT IN DANAKIL fordert zum Abenteuer heraus. Waghalsig muss man sein, will man seinen Feinden entkommen, um dann doch am Ende zu realisieren, dass die WÜSTE nur ihre Spielchen mit einem treibt. HUGO PRATT zeigt, wie Männer den letzten Ausweg nutzen. Er zeigt, wie der Wahnsinn umgeht, die einen packt, die anderen zwangsläufig mit sich zieht.

DAS FORT IN DANAKIL ist beinahe eine philosophische Geschichte. Man könnte es leichten Tiefsinn nennen, den HUGO PRATT hier anwendet. Lebenserfahrung, Mitgefühl mit seinen Charakteren, das Wissen um KRIEG und WÜSTE vermengt sich zu einer kuriosen Handlung, die einen CAPTAIN KOINSKY (vormals LEUTNANT) mal zu einem Akteur, mal zu einem wissenden Beobachter macht. Wer die klare Front in diesem KRIEG vermisst, wird als Leser sehr schnell feststellen (ebenso wie CAPTAIN KOINSKY), dass es innerhalb der geschilderten Gemeinschaft des Forts von Minifronten nur so wimmelt. Der KRIEG tobt und fordert auch hier seine Opfer.

DRY MARTIN PARLOR, ein Kammerspiel. HUGO PRATT verengt die Räume und lässt dort die Maskerade seiner Figuren fallen. In diesem Fall ist das sogar wörtlich zu verstehen, denn der spätere GASTGEBER von CAPTAIN KOINSKY, KOMMANDANT FANFULLA, ist an LEPRA erkrankt. Als Charakter ist FANFULLA von einem verzweifelten Humor umgeben, eine traurige Gestalt, die den Leser mitnimmt – immer vorausgesetzt, man lässt sich als Leser auf die Geschichte ein. Und wie so oft bei den WÜSTENSKORPIONEN ist der Tod von KOMMANDANT FANFULLA nur eine der traurigen Absurditäten.

Eine andere, außerordentliche Kuriosität betrifft die Darstellung des KRIEGSGERÄTS. HUGO PRATT orientiert sich hier selbstverständlich ebenfalls an der Realität und präsentiert einen ANSALDO-Panzer. CAPTAIN KOINSKYS Begleiter DE LA MOTTE nennt es einen lustigen Panzer. Als sich das Feuer eines im Fahrzeug installierten FLAMMENWERFERS über ihnen zu ergießen droht, ist das Fahrzeug alles andere als komisch anzuschauen. Und szenisch bekommt es die besondere erzählerische Note, wenn HUGO PRATT andere Figuren sich an der Zerstörungskraft des Feuers ergötzen lässt.

FRAUENGESCHICHTEN. Männer in KRIEGEN haben so etwas. In der Literatur und im Film vermischen sich Romanzen und die Auswüchse des Krieges häufiger mal. Mehrere dieser Geschichten hier drehen sich um ADRIENNE. Der Leser sieht sie nicht, dennoch ist sie ein Angelpunkt der Handlung. Sie verkörpert Sehnsüchte, eine glücklichere Vergangenheit, auch Kriegsmüdigkeit. ADRIENNE hat sich mehreren Männern ins Herz und Hirn gebrannt. Nach einer Weile kommt man als Leser nicht umhin, sich seine eigenen Gedanken um ADRIENNE zu machen. Ein schöner erzählerischer Effekt, den HUGO PRATT hier einsetzt.

Wendungen machen die WÜSTENSKORPIONE interessant und abwechslungsreich. Andere Autoren würden sich mit einer erzwungenen Landung und einer Gefangennahme, dem sich daraus entwickelnden Fluchtwunsch begnügen. Bei HUGO PRATT mündet das Szenario in eine Handlung, die unvorhersehbar abläuft, sich an menschlichen Abgründen und Wahnsinn entlanghangelt. Der Krieg, der schlussendlich doch noch ins Spiel zurückkehrt, reißt DAS FORT IN DANAKIL in die Realität zurück. Träumerischer ist DRY MARTINI PARLOR. Wann wurde zuletzt ein Panzer erschossen? Hier geschieht es und als Leser wundert man sich nicht einmal darüber. Hier lässt es sich mehr als nur zwischen den Zeilen lesen. HUGO PRATTs Geschichten, so auch diese beiden hier, inspirieren, unterhalten, machen nachdenklich. War gut, ist gut! 🙂

WÜSTENSKORPIONE 2, Das Fort in Danakil, Dry Martini Parlor: Bei Amazon bestellen.
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Montag, 03. Mai 2021

ISOLA – BAND 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:04

ISOLA - BAND 2Die magische Reise von KÖNIGIN OLWYN und CAPTAIN ROOK geht weiter. ROOK betrachtet es weiterhin als ihre Aufgabe, die verzauberte KÖNIGON OLWYN zu beschützen. OLWYN hat sich in einen dunklen TIGER mit leuchtend blauen Streifen verwandelt. So weit, so verwunschen. Die Welt von ISOLA meint es nicht gut mit seinen Bewohnern, am wenigsten mit solchen, die heimatlos und besitzlos umherstreifen. OLWYN und ROOK finden kurzzeitig freundliche Aufnahme, machen sich jedoch bald wieder auf die Reise.

So ließe sich annehmen, dass den beiden ungleichen Gefährten auch ein weiteres Mal Glück beschieden ist. Weit gefehlt. Damit ist die Strähne vorüber. OLWYN und ROOK (insbesondere sie) machen einen großen Schritt Richtung Verderben. Denn sie haben eine Begegnung mit einer Frau, die nur vordergründig helfen will. Zu diesem Zeitpunkt verändert sich der Lauf der Handlung völlig. Aus einer furchtsamen Reise voller Entbehrungen wird ein Psychodrama, Magie inklusive, aber teilweise aus einer Perspektive, die zumindest für CAPTAIN ROOK ein wenig Sicherheit verspricht.

BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL, die beiden Autoren von ISOLA, wandeln auf den Spuren von HÄNSEL UND GRETEL (Märchen allgemein) sowie CONAN. Im Kern geht es um die Hexenbegegnungen der Geschwister sowie des Barbaren. Beides wirkt zunächst einladend, friedlich und ist doch nichts anderes als eine geschickt eingefädelte Falle von jemandem, der sein einmal eingewickeltes Opfer nicht mehr ziehen lassen will. Aus unterschiedlichsten Gründen. Hier kommt das Psychodrama ins Spiel. Denn nicht jede HEXE hat schlichte Motive wie einen abartigen Hunger am Start. BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL haben das Grundthema für ihre Zwecke konsequent weiterentwickelt, es dichter gesponnen, noch packender und, aus Sicht der Akteure, auswegloser.

In der ersten Hälfte, die übrigens auch den Neueinsteiger in die Geschichte mitnimmt, lernt man als Leser die Welt von ISOLA etwas besser kennen. Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung sind verbreitete Gefühle und werden nicht nur von KÖNIGIN OLWYN und CAPTAIN ROOK verinnerlicht. Verwandlungen sorgen für Leid (somit ist die KÖNIGIN als verzauberter TIGER nicht alleine mit ihrem Schicksal). Lebensfreundliche Gefilde sind schwer zu finden in einem Umfeld aus Halluzinationen und Lügen.

KARL KERSCHL ist nicht nur Autor, er ist auch als Zeichner an Bord. Im Verbund mit MSASSYK ist außerdem die Kolorierung entstanden. Neben einer ungewöhnlich aufgebauten Fantasy-Geschichte, die sich zwar einiger gängiger Bruchstücke des Genres bedient, darüber hinaus andere Wege beschreitet, ist der andere herausragende Aspekt die grafische Gestaltung von ISOLA.

Die Optik bietet Stimmungen, die sich toll auf den Leser übertragen und so wortlos Teile der Geschichte beisteuern. Dazu gehören selbstverständlich die Gefühle der beiden HELDINNEN, die Einsamkeit verschiedener Gegenden, sogar der Wahnsinn der GEGENSPIELERIN. Stilistisch ist KARL KERSCHLS Strich zwischen Anime und Disney-Look einzuordnen. Er beherrscht den Trick, etwas putzig aussehen zu lassen, ebenso wie einen starken Realismus mit höchst individuellen Zügen seiner Charaktere. All das lässt er in CAPTAIN ROOK wirken. Eine junge Frau, die tough und verletzlich gleichermaßen über die gesamte Länge daher kommt. Situationen für unterschiedlichste Gefühle gibt es reichlich.

Eine überaus plastische Kolorierung macht aus ISOLA ein regelrechtes Kinoerlebnis. Outlines werden weitestgehend vorne klassisch in schwarz gesetzt. In den Hintergründen sind sie meist Ton in Ton ausgeführt. So entsteht ein Kulisseneindruck. Unschärfe hier und dort, natürlich eine deutliche Reduzierung von Details verstärken die Plastizität. ROOK und OLWYN bewegen sich hauptsächlich durch die Natur: Felsenkulissen, Wald, einfache Landschaften, eine Hütte, ein Schuppen. Sonstige Umgebungen, wie sie aus der klassischen High-Fantasy her bekannt sein mögen, gibt es hier nicht. (Und man vermisst sie auch nicht.) Die Blickführung des Lesers ist ruhig und konzentriert auf ein jeweils bestimmtes Bild. Je gewichtiger eine Szene, umso größer das Bild, manchmal sogar eine komplette Seite.

Frauen haben hier das Sagen. Männer sind in dieser Geschichte nebensächlich, austauschbar. Man vermisst in dieser Fantasy den typischen Haudrauf oder Zauberer nicht. Gewalt existiert, wird aber nicht ausgewalzt. Nicht selten wird es der Fantasie des Lesers überlassen, darüber, was geschehen könnte (oder geschehen wird). Statt es zu sehen, erlebt der Leser, wie ROOK oder OLWYN darauf regieren.

Starke Fortsetzung. Ein Fantasy-Abenteuer mit Fokus auf zwei Frauen in einer Fluchtsituation. Immer nah dran, gefühlvoll und gleichzeitig spannend erzählt. Überragend illustriert von KARL KERSCHL und MSASSYK, ein Fest fürs Auge! Sahne! 🙂

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Dienstag, 30. März 2021

BOUNCER – GESAMTAUSGABE 4

Filed under: Abenteuer — Michael um 12:04

BOUNCER GESAMTAUSGABE 4Rache und Gerechtigkeit sind schwierige Geschäfte. BOUNCER hat allen Grund, beides zu wollen. Aber er lässt seine dunklere Seite nicht übernehmen und setzt auf Gerechtigkeit. Er muss einen Mörder festnehmen. SAKAJAWEA wurde umgebracht. PRETTY JOHN tötete sie vor Zeugen. Aus reiner Wut über ihre Worte zog er einen Degen und stach sie nieder. BOUNCER, ein guter Freund, war nicht zur Stelle, um SAKAJAWEA zu beschützen. Der einarmige Mann saß stockbesoffen bei einem Pokerspiel, als ihn die Nachricht vom Tod SAKAJAWEAS erreichte. Und er war immer noch stockbesoffen, als er es schließlich zum Tatort, im ehemals belebten Saloon, schaffte. Dann entschied er sich dazu, den Mörder dingfest zu machen. Diese Entscheidung führt BOUNCER einmal mehr TO HELL … AND BACK!

Die 4. GESAMTAUSGABE von BOUNCER hat es in sich. Die hier vereinten beiden Alben, TO HELL… und …AND BACK (so die Titel), führen BOUNCER tatsächlich in einen Höllenpfuhl und, zur Freude der Fans der Reihe, auch wieder zurück. Doch dazwischen hat Erzähler ALEJANDRO JODOROWSKY ein Szenario kreiert, das wieder (muss man sagen) in die finstersten menschlichen Abgründe hinab rutscht. ALEJANDRO JODOROWSKY hat sich mit vielen Abgründen beschäftigt. Darin hat er, was den Einfallseichtum solcher Szenarien angeht, sogar eine gewisse Meisterschaft entwickelt. Geschichten von ihm gibt es reichlich und so ist es nicht gerade leicht, die eigenen Schauermärchen noch zu toppen. Aber es gelingt ihm.

Darüber hinaus existieren kleine Nebenhandlungen. Diese sind nicht kaum weniger beeindruckend. ALEJANDRO JODOROWSKY beginnt die Handlung mit einem Nebenstrang, der, zuerst fast nicht erkennbar, eine ansonsten im wahrsten Sinne mitlaufende Figur in den verdienten Mittelpunkt rückt. MOCHO, BOUNCERS dreibeiniger Hund, rettet seinem Herrchen das Leben. Die ausgezehrte Figur des Hundes tauchte bereits öfter in den WESTERNABENTEUERN auf und erinnert manchmal an ALEJANDRO JOROWSKYS Realversion eines RANTANPLAN. MOCHO wird zum Helden eines Abenteuers im Gebirgsschnee. Höchst spannend und könnte auch so von einem klassischen WESTERNAUTOREN (wie LOUIS L’AMOUR oder ZANE GREY) erzählt worden sein. Angesichts von MOCHOS Konstitution fehlt auch hier der satirische Biss von ALEJANDRO JODOROWSKY nicht.

Diese Episode ist allenfalls eine VORHÖLLE, bevor der eigentliche Trip beginnt. Das eigentliche Ziel ist ein GEFÄNGNIS im Nirgendwo. Längst haben Finsterlinge die Regie über die Haftanstalt übernommen. Längst ist dies ein Platz, der die Bezeichnung HÖLLE AUF ERDEN redlich verdient hat. Und genau aus diesem Pfuhl will BOUNCER einen Mörder abholen und seiner gerechten Strafe zuführen. Aber die Geschichten von ALEJANDRO JODOROWSKY und FRANCOIS BOUCQ sind nicht dafür bekannt, dass sie es ihrem HELDEN leicht machen. Und diesmal erst recht nicht.

Gewalt zum Vergnügen, sexuelle Ausschweifungen (manchmal geht beides Hand in Hand) gehören nicht selten zum Repertoire von ALEJANDRO JODOROWSKY. Wer das vom Autor kennt, erlebt keine Überraschungen. Allerdings variiert die Form, die Art und Weise, wie damit umgegangen wird. PRETTY JOHN, derjenige, der einer gerechten Strafe zugeführt werden soll, ist ein Vertreter der Sorte, in der sich solche Kernthemen ALEJANDRO JODOROWSKYS vereinen. Obwohl er gefährlich ist, hat er nicht die erforderliche Macht, sich selbst zu schützen. Die eigentlich Mächtigen sind ganz woanders zu finden. ALEJANDRO JODOROWSKY baut dieses Hindernis für BOUNCER besonders in der zweiten Hälfte des vorliegenden Abenteuers stark aus.

Verschiedene Settings geben FRANCOIS BOUCQ allerhand zu tun. Ist es in der ersten Hälfte die typische Westernstadt mit ihrem Saloon und ein verschneites Gebirge, dominiert in der zweiten Hälfte das Gefängnis wie eine mittelalterliche Trutzburg (Kerker inklusive) und eine von der glühenden Sonne überflutete Steinwüste. Das Licht ist so grell, dass BOUNCER und Konsorten mit einem Lichtschutz agieren müssen, ehe mit nächtlichen Szenen sich die Augen der Protagonisten entspannen und die Spannung einer Fluchtsequenz für den Leser noch weiter getrieben wird.

ALEJANDRO JODOROWSKY und FRANCOIS BOUCQ beherrschen ihr Metier einfach. Mit ihnen kann der WILDE WESTEN absurd sein oder total ernsthaft das wahre Leben jener entbehrungsreichen Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Ein Funken Wahnsinn (oder mehr) beherrscht die Feinde von BOUNCER auch in diesem Band. Bei allem Widerstand finden sich Freunde in einer grausamen Auseinandersetzung, die im Ergebnis nur eines kennt: den Tod der einen oder anderen Seite. In bester Westernmanier erzählt, wie stets genial von FRANCOIS BOUCQ illustriert! Klasse! 🙂

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Dienstag, 09. März 2021

FIRE POWER 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:26

FIRE POWER 1Ein junger Mann steigt in den verschneiten Bergen immer höher. Irgendwo muss sein Ziel zu finden sein, ein verstecktes Gelände, eine ganz besondere Schule, der TEMPEL DER FLAMMENDEN FAUST. Es wird Zeit. In seinem Gepäck ist nur eine begrenzte Menge Nahrung. Die Kälte zehrt an seinen Kräften. In höchster Not erscheint ihm ein Schmetterling und geleitet ihn auf dem Rest seines Weges. Als es schließlich geschafft ist, fällt der Empfang für den erschöpften jungen Mann alles andere als herzlich aus …

OWEN JOHNSON wird noch von den Strapazen des Aufstiegs in die Knie gezwungen, da fordert ihn sein zukünftiger Lehrmeister bereits zu einem Probekampf heraus. OWEN JOHNSON ist nicht unbedarft. Er hat die Welt bereist und verschiedene Lehrmeister gehabt, die ihm ihre Techniken beigebracht haben. Er versteht es, sich zu wehren. Und es gelingt ihm sogar, seinen überragenden Gegner zu überraschen. Vorerst darf OWEN JOHNSON bleiben …

ROBERT KIRKMAN taucht gerne in verschiedene Genres ein. Im HORROR fand er THE WALKING DEAD und OUTCAST. Gerade ersteres begann einen wahnsinnigen Siegeszug, indem er dem ZOMBIE-HORROR eine neue tiefere Geschichte verlieh. Im SUPERHELDEN-GENRE schickte er erfolgreich INVINCIBLE auf die Reise. Nun hat er sich mit FIRE POWER einer besonderen ACTION-Nische zugewandt. In den allseits so verehrten 1980er Jahren boomten Filme rund um Themen wie KUNG-FU, KARATE, SHAOLIN-KÄMPFER oder NINJAS. Asiatische MARTIAL ARTS waren auf der Höhe der POPULÄRKULTUR. Weißer US-Amerikaner trifft auf fremde Kultur und lernt asiatischen Kampfsport. So ähnlich gab es mehrere und gern von der Filmindustrie bediente Abenteuer.

ROBERT KIRKMAN greift eben jenes Grundgerüst auf und transportiert es in unser Jahrzehnt. Zusätzlich fügt er eine mystische Komponente hinzu. Gerade im Bereich der NINJA wurden übermenschliche Fähigkeiten häufig hinzugedichtet. FIRE POWER lautet der Titel der neuen Serie. Der ORDEN DER FLAMMENDEN FAUST fusst auf der Legende, dass die besten Kämpfer es schaffen können, die Luft um sich herum nach ihren Wünschen zu entflammen. Nur ist es eben bislang eine Legende, denn abgesehen vom lange verstorbenen Gründer des Ordens ist es niemandem gelungen.

ROBERT KIRKMAN beschreibt den Alltag im Tempel, das Training, zeigt einen ehrgeizigen Schüler, den besagten Amerikaner OWEN JOHNSON. Wir sehen eifersüchtige Mitschüler. Ein junge Frau, ebenfalls im Training, findet Gefallen an OWEN. Und wir erleben einen verschrobenen MEISTER, der auf seine Art einen MR MIJAGI (aus KARATE KID) locker in den Schatten stellt. Zumal ROBERT KIRKMAN ihn undurchsichtig beschreibt, ein wenig wie einen CLOWN und als jemanden, der nicht sofort preisgibt, was er alles weiß, vor allem von der Welt da draußen, jenseits des Gebirges.

CHRIS SAMNEE zeichnet den ersten Band, MATT WILSON hat die Kolorierung übernommen. CHRIS SAMNEE verfolgt stilistisch einen reduzierten Realismus. Was der Comic-Fan auf dem Cover sieht, erwartet ihn auch im Innenteil. Tuschelinien werden sparsam gesetzt, Schatten manchmal äußerst fett platziert. Das passt in ruhigen Momenten, aber auch in schnellen Action-Schnitten. Es gibt reichlich ruhige Momente, auch solche, die so nicht zu erwarten gewesen wären. Dazu gehören auch Strafmaßnahmen. Nennen wir diese einmal ERZWUNGENE MEDITATION UNTER ERSCHWERTEN BEDINGUNGEN. Gleichzeitig ist es ein Training in Geduld und Stärke, unter dem Strich Disziplin.

Wenn es dann optisch zur Sache geht, geschieht es urplötzlich, dafür langanhaltend. Ein Gegner, gänzlich anders als die Krieger des Klosters, bricht über die Szenerie herein. Das ist beste SHAOLIN-NINJA-ACTION. Spätestens jetzt werden für alle Leser ROBERT KIRKMANS Vorbilder sichtbar und ganz bestimmt hat auch Zeichner CHRIS SAMNEE den einen oder anderen Blick in eine Kinovorlage riskiert. Der Zeichenstil ist für diese rasanten Sequenzen gemacht und erinnert, zumindest was den Strich angeht, zeitweilig an DARWYN COOKE.

DAS COMEBACK DER MARTIAL ARTS IM COMIC. ROBERT KIRKMAN hatte einmal mehr den richtigen Riecher. Das Thema packt, die Geschichte ist spannend und macht Spaß (auch dank dieser besonderen Figur des MEISTERS). CHRIS SAMNEE erschafft über die gesamte Länge des Abenteuers optisch schöne (und dramatische) Szenen. Da bleibt man von der ersten bis zur letzten Seite gerne dran! Sahnehäubchen! 🙂

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Freitag, 09. Oktober 2020

BOUNCER – GESAMTAUSGABE 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:49

BOUNCER - GESAMTAUSGABE 3Indianer erregen in einer Kleinstadt im WILDEN WESTEN immer Aufsehen. Obwohl sie friedlich in die Ortschaft einreiten, wird ihnen offen von einer Einheit Soldaten gedroht. Dabei haben sie ein ganz anderes Ziel: BOUNCER. Der Sohn von WEISSER ELCH soll sein Erbe antreten und den heiligen Boder des Stammes beschützen. Doch zuvor muss der einarmige Mann, der mitten unter Weißen lebt, beweisen, dass er überhaupt fähig ist, seine Aufgabe zu übernehmen. Der Beweis ist denkbar einfach zu führen. Er muss lediglich, einen anderen Mann im Zweikampf besiegen. Sein Gegner OSO LOCO, der beste Krieger des Stammes, wartet nur darauf, BOUNCER zu töten …

Aber es gibt noch mehr als Mord und Totschlag im WILDEN WESTEN, denn ewig lockt das Weib. Zumindest bei ALEJANDRO JODOROWSKY und seinen Erzählungen ist das häufig so. Männer verfallen ihnen. Manchmal glauben sie noch, die nötige Macht zu besitzen, sich jederzeit zurückzuziehen. BOUNCER ist auch so eine Figur, die sich gerne etwas vormacht. Und einmal mehr hat er nicht den Schneid zu erkennen, wenn es eine Frau tatsächlich gut mit ihm meint oder ob sie ihn nur benutzen will. Meistens ist letzteres der Fall. Mit den Waffen der FEMME FATALE, versteht sich. Manche tarnen sich zuvor, andere arbeiten sehr offen mit verführerischen Qualitäten. Manchmal ist alles ein großes Verwirrspiel. Ganz wie es der äußerst fantasievolle Erzähler ALEJANDRO JODOROWSKY mag.

ALEJANDRO JODOROWSKYs Ansichten erschöpfen sich nicht in einem Frauenbild. Es gibt die Sichtweise einer Mutter, die ihre Tochter ganz standesmäß (ihrer Ansicht nach) verheiratet sehen möchte. Es gibt die Tochter, die aus Liebe bereit wäre, jederzeit mit diesen sogenannten Traditionen zu brechen. Es gibt die Hilfe einer Indianerin, die sich über die Völkergrenzen hinweg um einen verwundeten Weißen kümmert. Liebe und Mitleid sind keine Fremdwörter hier. Aber sie gehen nur allzu oft hinter all der Gier, der Brutalität und einem sehr schlechten Bild über den amerikanischen Westen unter.

Immerhin gibt es die Freundschaft, die BOUNCER dementgegen doch immer wieder findet. Völlig begründet, denn tief in ihm steckt ein gutes Herz, das sich aber gemäß der Regeln einer Anti-Zivilisation zu wehren weiß. Und wie! Gelegenheit erhält er dazu genug. Bis eine Grenze auftaucht, an dessen Schwelle sogar er den Revolver beiseite wirft.

Auffallend sind zwei Aspekte dieser dritten GESAMTAUSGABE von BOUNCER. Erstens der vordergründige Gegner: AXE HEAD. Ohne Umschweife als Unhold präsentiert, wird hier weder von Autor ALEJANDRO JODOROWSKY etwas an dieser Figur beschönigt (oder entschuldigt), noch von Zeichner FRANCOIS BOUCQ, der aus AXE HEAD (wie in einem der guten alten Spaghetti-Western) einen widerlichen Killer macht, der schon in einer rein gezeichneten Variante Abscheu beim Leser produziert. Und weil das nicht ausreicht, werden dem Unhold noch fünf Zöglinge zur Seite gestellt, die ihrem Vater nicht nur in nichts nachstehen. Ich möchte sogar behaupten, dass sie ihn an Brutalität noch überflügeln. Ist furchtbar (gut) fantasiert und wirkt nach, Comic hin oder her.

Zweitens (schon wieder) ein anderes grauenvolles Ereignis: Während BOUNCER in einem Indianerdorf im Apachen-Reservat gepflegt wird, planen Soldaten, aus purem Menschenhass und auf der Jagd nach Skalps, für die eine Belohnung gezahlt wird, ein Massaker. Das Szenario, wenngleich in viel kleinerem Maßstab als das historisch tatsächliche Geschehen, erinnert an das MASSAKER VON WOUNDED KNEE. Gänzlich unvorbereitete Angehörige der Sioux wurden von Granaten und Kugeln der US-Soldaten hingemetztelt. Männer, Frauen und Kinder ohne Unterschied. ALEJANDRO JODOROWSKY hat dieses Ereignis ganz offensichtlich als Vorlage für diese Szene genutzt, die in der ersten Albengeschichte der dritten Gesamtausgabe von BOUNCER vorliegt. Autor und Zeichner walzen diese Szene keineswegs aus. Im Gegenteil, beim Betrachten der Bilder sieht der Leser vor dem geistigen Auge wahrscheinlich mehr, als wirklich zu erkennen ist.

Die dritte Gesamtausgabe von BOUNCER fasst den 6. Teil, DIE SCHWARZE WITWE, und den 7. Teil, DOPPELHERZ, der WESTERN-SAGA zusammen. Die beiden zusammengehörenden Teile einer Doppelfolge geben ein abgrundtief düsteres Kapitel des einstigen Rausschmeißers und jetztigen Saloon-Besitzers wider. Das lässt sich aufteilen in eine Kulissenerzählung, in der ALEJANDRO JODOROWSKY das Gesicht des WILDEN WESTENS zeigt, wie er durch Überlieferungen und sogar Fotografien dokumentiert ist. Die andere Hälfte ist fast schon eine griechische Tragödie, die im Mantel eines Westerns daherkommt. ALEJANDRO JODOROWSKY verbindet beides zu einer packenden und mitreißenden Handlung.

FRANCOIS BOUCQ illustriert auf seine gewohnt perfekte Weise. So entsteht ein lebendiges, wuchtiges Bild. Gleichzeitig ist es schauerlich, da sich Autor ALEJANDRO JODOROWSKY nicht allein auf die üblichen Wildwestthemen verlässt. Stark, kurios, kurzweilig, anders, gut. 🙂

BOUNCER, GESAMTAUSGABE 3: Bei Amazon bestellen.
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