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Comic Blog


Freitag, 13. Oktober 2017

Happy Birthday, ONKEL DAGOBERT

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 13:24

Happy Birthday, ONKEL DAGOBERT - 70 goldene JahreDie reichste Ente der Welt verliert das Interesse am Geld? Undenkbar? DIE GROSSE LANGEWEILE ist ausgebrochen? Dagobert Duck kann sich an den Erfolgsmeldungen, die mit der Mehrung seines Reichtums einhergehen, nicht erfreuen. Angeschlagen wandert er zwischen Fenster und Schreibtisch hin und her, bis er zu dem Schluss gelangt, zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Als Schuhputzer legte er den Grundstein für sein späteres Imperium. Warum also nicht noch einmal zurück auf die Straße und sich für Geld mal wieder richtig ins Zeug legen? Wie stets leichter gesagt, als getan …

Die Ente mit dem Zylinder ist in ganz Entenhausen wohl bekannt, berüchtigt wegen ihres Geizes, mit Wohlwollen betrachtet, weil sie so reich ist, von den Verwandten mehr als von den restlichen Einwohnern. Geld war und ist ONKEL DAGOBERTS zentrales Thema. Der Jubilar, der nun 70 Jahre alt wird, hat viele Lebenserinnerungen gesammelt. Ein paar davon teilt er mit dem Leser in diesem Jubiläumsband.

Ein Querschnitt aus Geschichten, deren Erstveröffentlichungen in ITALIEN, BRASILIEN, SCHWEDEN, DEUTSCHLAND, INDONESIEN und den USA natürlich stattfanden, zeigt DAGOBERT DUCK um das Geld kreisend. In unterschiedlicher Begleitung und Gesellschaft entstehen immer neue Abenteuer. Manchmal sucht er sich auch die falschen Helfer aus. So einen DUSSEL DUCK, der mehr Unheil im Geldspeicher anrichten kann als ein DONALD DUCK, obwohl am Ende … das wird nicht verraten, aber das Abenteuer um die NUMMER EINS und die Hexe GUNDEL GAUKELEY ist recht turbulent und bietet sogar noch DIDI DUCK einen Auftritt.

Überhaupt haben sich in den Geschichten, deren früheste aus dem Jahr 1961 stammt, DER FALL DES VERSCHWUNDENEN GELDES, zahlreiche Gaststars eingebracht. In erwähnter Handlung agiert OMA DUCK an der Seite des alten Knausers. Das erinnert fast an das Pärchen MISS MARPLE und MISTER STRINGER. In Sachen Scharfsinn hat OMA DUCK dem jüngeren DAGOBERT noch etwas voraus, außerdem ist sie eine der wenigen Personen und Verwandten, vor denen der Milliardär gehörigen Respekt hat.

Interessant ist die Beibehaltung der Erzählweise über die Jahrzehnte. Keine Experimente mit den DUCKS. Jede Figur ist klar umrissen, allenfalls haben sie alle ihre Geburtswehen ein wenig abgeschüttelt. DAGOBERT DUCK war bei seinem allerersten Auftritt (WEIHNACHTEN AUF DEM BÄRENBERG, 1947), über den im Band redaktionell berichtet wird, deutlich brummiger, griesgrämiger und sehr viel weniger weltoffen, deutlich mehr SCROOGED und einsiedlerisch.

Auffällig ist ein Wandel in den Zeichnungen, die in den aus den 1970er Jahren stammenden Abenteuern deutlich wird. Die Figuren, auch der alte ONKEL DAGOBERT, wurden flotter, sportlicher im Ausdruck, etwas gestreckter, etwas weniger knuffig. Dagegen wirken die Interpretationen des (nicht mehr ganz so) neuen Jahrtausends schon wieder nostalgischer (KLEINGELDPROBLEME, INVESTIEREN STATT VERLIEREN).

DER ERSTE GELDSPEICHER ist ein Rückblick in die Kindertage von ONKEL DAGOBERT, als er noch weit entfernt davon war zu jenem fantastisch reichen Magnaten zu werden. Geld häufte er aber damals schon an. Und damit hielt die Frage Einzug, was mit all den Münzen anzustellen sei, denn das Vertrauen in die Sicherheit der Bank schwand. So entwickelte er aus dem traditionellen Baumhaus einen Baumgeldspeicher. Als Rahmenhandlung von PROFESSOR PRIMUS VON QUACK erzählt, ist diese Episode neben ONKEL DAGOBERTS Ausflug ins Filmgeschäft (MARZIPAN, HERR DES DSCHUNGELS) die schönste. Vor allem gefallen mir ihre Auflösungen am besten. Im ersten Fall ist der kleine DAGOBERT äußerst findig, im zweiten Fall in einer sehr ungewöhnlichen Rolle als Akteur, Regisseur und Produzent zu sehen, durch den ein paar Tiere eine neue Chance erhalten.

Unter den elf Geschichten gibt es selbst für den Fan Neues zu entdecken. Sieben an der Zahl sind deutsche Erstveröffentlichungen. Die Episoden über den GELDSPEICHER und MARZIPAN gehören dazu. Bemerkenswert rasant und hierzulande ebenfalls neu ist ONKEL DAGOBERT UND DIE URLAUBSKONSERVEN. Hier wird DONALD DUCK aus seiner Verliererecke gerissen und beweist erstaunlichen Erfindergeist (der natürlich prompt von ONKEL DAGOBERT ausgebeutet wird).

Über die Jahrzehnte zeitlos geblieben, angenehm unterhaltsam und mitunter sehr schlau erzählt. ONKEL DAGOBERT, thematisch als Superreicher in seinem Jahrtausend angekommen, und immer noch so menschlich wie eh und je. Sehr schön! 🙂

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Dienstag, 21. März 2017

Lustiges Taschenbuch ROYAL 3

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 19:50

Lustiges Taschenbuch ROYAL 3Des Kaisers neue Kleider sind nicht in Gefahr, aber der König muss aufpassen, denn es geht ein Hutdieb in Paris um. Dieser hat es auf die neuesten Kreationen abgesehen. Wieder einmal ist es an der Zeit für die drei Mausketiere, die Gauner dingfest zu machen. Micky und seine Freunde, Goofos und Rudios, machen sich an die Ermittlungen und tappen zunächst einmal gehörig ins Fettnäpfchen. manchmal trügt eben der Schein.

Zurück ins royale Leben! Mit sieben Erstveröffentlichungen und zwei Geschichten aus den unendlichen Archiven des Walt-Disney-Fundus geben sich Micky, Donald und viele ihrer Freunde einmal mehr die Ehre. Es geht mittelalterlich zur Sache, die Mausketiere ermitteln stets gefährlich und mit DER PRINZ UND DER BETTELKNABE wird es besonders klassisch.

Bei dieser Geschichte fällt eine deutlich weichere Kolorierung als bei den anderen Geschichten auf. Hier wird bewusst eine gemäldeartige, mehr zeichentrickähnliche Stimmung erzeugt. ROBERTO SANTILLO und SERGIO ASTERITI schaffen bestimmt nicht zufällig eine vergleichbare Stimmung wie in DAS TAPFERE SCHNEIDERLEIN oder Mickys Auftritt als ZAUBERLEHRLING. Märchenhaft, besonders plastisch, Gastauftritten von Disneystars wie Donald und Pluto und außerdem mit Micky in einer Doppelrolle.

Abgesehen von DIE FAMILIENKRONE mit Micky und Goofy, ein in der Gegenwart angesiedeltes Abenteuer, sind die anderen Geschichten historisch oder in einem Mantel-und-Degen-Genre angesiedelt. Jeweils zwei Abenteuer stechen hier besonders hervor, stellen sie doch einerseits die jeweils beliebtesten Disney-Figuren in den Mittelpunkt und setzen völlig andere Schwerpunkte. Donald, ewiger Verlierer und gleichzeitiges Stehaufmännchen, ist einmal ganz oben und einmal ganz unten. Micky als Mausketier kann auch das Detektivspiel unter der Herrschaft des französischen Königs nicht lassen. Und ebenso klassisch ist einmal mehr Kater Karlo sein finsterer Gegner.

JUNKER DONALDUS‘ NARRETEIEN zeigt eine eher seltene Seite an Donald Duck. SANDRO DOSSI zeichnet stilistisch fein, schnörkelfrei einen Donald, der unerwartet Erfolg in einer Angelegenheit hat, um die er sich nicht gerissen hat, noch wollte er sie überhaupt haben. Donald wird zum Hofnarren bei König Dagoberton. Der bisherige Narr, Dussulus, ist alles andere als amüsiert und setzt alles daran, seinen Job zurückzubekommen. Das ist von CARMELO GOZZO absolut pointiert erzählt und spitzt sich mit dem Auftreten der guten alten Panzerknacker vollends zu. In der Geschichte HERZOG HABENICHTS UND DER FEUERSCHLÜSSEL von CARLO PANARO kehrt sich die Sympathie, die der Leser Donald entgegen bringt, deutlich um.

Hier ist Donald weitaus panischer und nur daran interessiert, endlich in den Besitz seines Erbes zu gelangen, das hoffentlich den leeren Kassen ein Ende bereiten wird. Es gibt hier weniger Kalauer als zuvor, dafür aber eine feine Zusammenarbeit mit einem mittelalterlichen Daniel Düsentrieb. Gleichbleibend knackig und flott erzählt sind die bereits erwähnten beiden Mausketier-Abenteuer im historischen Paris. Hier wurde sich tüchtig von den bekannten Abenteuern, die einst Alexandre Dumas schrieb, inspirieren lassen. Die zwei Geschichten wurden beide von SISTO NIGRO (Erzähler) und MASSIMO DE VITA (Zeichner) gestaltet. Ein feines Heldentrio, ergänzt durch eine liebreizende Minnie, einen dreisten Kater Karlo sorgen dank vieler komödiantischer Einlagen für eine generationsübergreifende Unterhaltung.

Einfach ein toller Spaß in meist historisch adeligem Ambiente. Disneys Helden füllen ihre Rollen perfekt aus und wandeln auf bewährten Spuren, wie sie bereits seit Jahrzehnten praktiziert werden. War gut, bleibt gut. Zeitlos gut! 🙂

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Montag, 07. November 2016

ASTERIX EROBERT ROM

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 18:48

ASTERIX EROBERT ROMInspiriert von den Aufgaben des legendären Helden Herkules hat sich Cäsar einige Prüfungen einfallen lassen, die beweisen sollen, dass die unbesiegbaren Gallier keine Götter sind und somit auch die Angst nicht verdienen, die seine ansonsten allmächtigen Legionen vor ihnen haben. Doch wer soll die Prüfungen stellvertretend für das gesamte Dorf bestehen? Da gibt es natürlich nur zwei Krieger, die sich bisher immer bewährt haben: Asterix und Obelix! Na, und Idefix, der kleine weiße Hund mit dem Schnauzbart selbstverständlich auch.

ASTERIX EROBERT ROM. Vor 40 Jahren eroberte Asterix nicht nur Rom, sondern ebenfalls die Kinoleinwand. Mit diesem Projekt erfüllte sich ein Wunsch und ein Traum der beiden Erfinder von ASTERIX. Rene Goscinny und Albert Uderzo gründeten 1974 ein eigenes Trickfilmstudio und füllten so eine Lücke in der französischen Filmlandschaft. Namentlich genannter Zeichentrickfilm sollte ihre erste Produktion werden. Es war, und hier wurde der Geist der Comic-Alben sehr gut eingefangen, nicht nur ein Abenteuer für Kinder, sondern konnte gleichzeitig als Satire für die Erwachsenen verstanden werden. Denn die besagten Prüfungen sind zum Teil mit Anspielungen auf die modernen Zeiten gespickt.

Sport, Bürokratie, Feminismus. Klingt nach einer seltsamen Mischung, ist aber in den Prüfungen zu finden. Schneller, weiter, das sind Themen, die ASTERIX ebenso in ASTERIX BEI DEN OLYMPISCHEN SPIELEN begegneten. Hier geht es um mehr als nur ein Siegerkranz. ASTERIX läuft für sein Dorf, Obelix wirft für sein Dorf und damit sind eigentlich die einfachsten Prüfungen erledigt. Denn bald zeigt es sich, dass die wahren Tücken abseits des Sportplatzes warten. Die schönste Episode, besser gesagt, die schönste Prüfung ist die Suche nach einem Formular, dem berühmten Passierschein A38. Lange bevor es Begriffe wie Bürgerservice gab, rüttelt die Erfüllung dieser Aufgabe an den Nerven der beiden Helden. Das ist auch in der hier benutzten Form, der bebilderten Erzählung sehr lustig.

Der Leser darf bei dieser Sonderausgabe kein gewöhnliches Comic-Album erwarten. ASTERIX EROBERT ROM feiert das 40jährige Jubiläum des Films unter Verwendung von Zeichnungen, die seinerzeit für die Produktion des Films als Vorlagen entstanden und nun hier in einer neu kolorierten Fassung präsentiert werden. Gleichzeitig füllen diese Bilder Doppelseiten und geben dem Phänomen ASTERIX ein neues Gesicht, denn so großformatig hat der kleine Gallier eine besondere Anziehungskraft. Das ist eine ähnliche Machart wie im Band WIE OBELIX ALS KLEINES KIND IN DEN ZAUBERTRANK GEPLUMPST IST. Nur fielen die Zeichnungen dort etwas fragiler aus und besaßen mehr Leinwandcharakter, während der Leser hier eher von der ersten Reihe aus auf eine Bühne schaut.

Weil es eben keine Albenzeichnungen sind, ist der Strich hier dünner. Das Volumen wird durch die leichte, fein leuchtende Kolorierung gebildet. Der Farbauftrag wirkt natürlich. Jede Doppelseite zeigt einen wunderbaren Ausschnitt aus der ASTERIX-Welt und sind wie verkleinerte Poster anzuschauen. Und zu entdecken gibt es natürlich auch etwas. Umpah-Pah hat einen kleinen Gastauftritt und sogar die Herren Goscinny und Uderzo geben sich abschließend die Ehre. Das Vorwort gibt Aufschluss darüber wie eng die beiden Comic-Macher zusammen arbeiteten und wie toll sie als Kreativschaffende waren. ASTERIX EROBERT ROM, der Film wie auch dieses Jubiläumswerk, unterstreicht das doppelt und dreifach.

Sehr schön als Einstieg in die Welt des kleinen Galliers für die Kleinen zum Vorlesen. Für die Älteren ein schöner Rückblick, gelungenes Beiwerk zum Filmklassiker von 1976. Und ein feiner Einblick in die Arbeit von Albert Uderzo. 🙂

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Donnerstag, 20. Oktober 2016

ENTENHAUSENS MOST WANTED

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 8:50

ENTENHAUSENS MOST WANTED - Schwere Jungs und leichte BeuteEin Streifzug mit den Bösewichten Entenhausens durch die Jahrzehnte, für Comic-Interessierte sogar durch die Entstehungsländer. Es gibt einen Wandel in den Zeiten, auch in den Figuren. Mit ENTENHAUSENS MOST WANTED wurde verlagsseitig ein Querschnitt der Auftritte der bekanntesten Gauner erstellt. Die Panzerknacker, Kater Karlo, Gundel Gaukeley und das Schwarze Phantom geben sich die Ehre.

Allen gemein ist ihr Einfallsreichtum und ihre Hartnäckigkeit, ihren jeweiligen Widersacher auszutricksen oder um eine ordentliche Summe zu erleichtern. Ganz vorne dabei in diesem Reigen sind natürlich Dagobert Duck und Micky Maus. Schwere Jungs und leichte Beute verspricht der Untertitel des vorliegenden Bandes. Das ist nur bedingt richtig, vergisst es doch einerseits das schwere Mädel und andererseits müssen die Gauner in diesem Band für ihren Misserfolg ordentlich schuften. Denn das Böse gewinnt in Entenhausen nie.

Mit den Panzerknackern durch dick und dünn, sogar durch die Jahrhunderte. Neben einem sehr frühen Auftritt der Beagle Boys, wie sie im Original heißen, darf der Leser die Gaunerbande in die Vergangenheit begleiten, als Dagobert Duck schon reich, aber sein Geldspeicher, so wird vermutet, lange noch nicht so mit findigen Abwehrmitteln gegen Halunken versehen war. Das Abenteuer Verbrechen in der Vergangenheit entpuppt sich kalauernder Raubzug für den Leser, denn mit einem derart raffgierigen Bertel wie hier haben die Panzerknacker einfach nicht gerechnet.

Die kurioseste hier vorliegende Erzählung erschien 1981 in Brasilien und hieß übersetzt Knäckar, der Schreckliche. Man stelle sich einen Panzerknacker vor, der sich zu Karneval als Asterix verkleidet. Hier ist klassischer Slapstick am Werk, eine Menge Parodie. Mit Ivan Saidenberg ist zwar der Autor der Geschichte bekannt, aber leider nicht der Zeichner. Eine gehörige Portion Humor und den Mut über den Tellerrand hin zu anderen Comic-Universen zu spinksen, haben beide besessen.

Der Abwechslung wegen löst Kater Karlo den Reigen der Schurken ab. Der Erzfeind von Micky Maus findet seine schönste Episode in diesem Band ausgerechnet in Ein Gauner auf Verbrecherjagd. Hier der Erzfeind zum Erzfreund, denn der kleine Detektiv, der ihm sonst im Nacken hängt, wird selbst zum Opfer einer Entführung und der einzige, der ihm helfen kann, ist Kater Karlo. Der Halunke, der durch das Zusammenspiel mit seiner Frau Trudi (als Motivatorin) sehr gewinnt, kann sich hier in einem extra langen Abenteuer als Sympathiefigur beweisen.

Gundel Gaukeley, Hexe mit Entenschnabel, verspricht sich einiges vom Einsatz von Bertels erstem Zehner als magischem Katalysator. Ihre Versuche sind beharrlich, wie es ein Klassiker von Carl Barks, die Geschichte Die Irrfahrten des Dagobert Duck vormacht. Ganz im Sinne einer Zauberin Circe verschlägt es die Ducks, Dagobert, Donald und die drei Neffen, in den Bann der Hexe, die auch gleich die magischen Tricks ihrer legendären Kollegin ausprobiert, Tierverwandlungen inklusive. Gelungen wie eine gute amerikanische Komödie und einer etwas überdrehten Entenfamilie.

Das schwarze Phantom ist sicherlich ein gruseliger Vertreter seiner Zunft. Im Gegensatz zu den anderen Verbrechercharakteren ist seine wahre Identität etwas ungewiss, wie der redaktionelle Teil des Bandes aufklärt. Seine Auftritte hingegen sind aberwitzig, mit weiteren Gaststars versehen und zünden in solchen Momenten besonders stark. Ein schwarzes Phantom, dass sich mit einer weiteren Hexe des Disney-Universums (neben Gundel Gaukeley) verbündet, nämlich Madame Mim, lässt einen andauernd schmunzeln.

Aber das interessanteste Abenteuer mit dem Phantom ist sicherlich, in Anlehnung an einen Roman von Stephen King (SIE), Wo ist Micky Maus?. Das Schwarze Phantom entführt Micky Maus. Dieser ist inzwischen ein bekannter Bestseller-Autor. Nur kommt in seinen Romanen der Bösewicht, hier das Schwarze Ekel genannt, nie gut weg. Micky soll das endlich ändern.

Ein praller Überblick für alle Freunde der Gauner und Ganoven in Entenhausen. Der Sonderband verdeutlicht ihren starken Stellenwert, ihre verdiente Langlebigkeit sowie, auch das, ihre sympathischen Seiten. Klasse! 🙂

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Sonntag, 12. Juni 2016

BIZU Gesamtausgabe 1

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 20:51

BIZU Gesamtausgabe 1Wie alles begann: Ein Postbote sucht Bizu im Wald. Bis dahin war ihm dieser Postempfänger unbekannt, ansonsten wäre er vorgewarnt gewesen, dass ihm in nächster Zeit ein paar seltsame Begegnungen bevorstehen. Vorläufig, durch einen Unfall, in die Bewusstlosigkeit befördert, wacht der Postbote, von Bizu freundlich verarztet (naja, auch etwas rüpelhaft), wieder im Zuhause des Postempfängers auf und staunt bald ziemlich, als ihm die ersten Pflanzen begegnen, die über einen eigenen Willen verfügen …

BIZU von Comic-Künstler Jean-Claude Fournier ist eine sehr kinderfreundliche Sammlung kleiner Erzählungen aus einer märchenhaften Welt, die dank des neuen Postboten, der sich nach Frotteelande hineinwagt, Anschluss an die Welt da draußen erhält. Der kleine BIZU lebt nicht allein in diesem Land. Sein engster Begleiter ist ein kleiner hüpfender Pilz mit Röckchen, Mukes mit Namen. Ein weiterer Freund, das pelzige Monster Schnockbüll, will zunächst so tun, als sei es sehr böse. Dumm nur, dass es eine Spur aus Blumen hinterlässt, was, will man bedrohlich erscheinen, nicht gerade förderlich ist.

Von Format zu Format. Nicht jede Figur ist geeignet unterschiedliche erzählerische Formate zu bedienen. BIZU ist von Jean-Claude Fournier dazu geschaffen, in der Kurzgeschichte zu funktionieren und selbstverständlich albenlang. Darüber hinaus wartet er im evolutionären Verlauf der Figur mit feinen neuen Nebencharakteren auf, ausgefeilter als noch zu Beginn der Serie.

Im kleinen Format gehört die Geschichte um Schnockbülls kleine Flamme zu den schönsten. Eine Flöte hat die Macht, Flammen aus einem Feuer zu lösen. BIZU probiert die Flöte, die ihm leihweise von Schnockbüll übergeben wurde, aus und wird Zeuge, wie das Flämmchen die Gelegenheit nutz, um in die Freiheit zu entschlüpfen. Das ist ein wenig Zauberlehrling, ein wenig Slapstick, in jedem Fall herzlich komisch.

Im großen Format ist Die Leier, die Tilt macht wunderbar gelungen. BIZU hat sich, kurz nach seinem ersten Auftritt, bereits optisch weiterentwickelt. Er wirkt weniger hölzern und hat mit dem Postboten eine cholerische Figur, eine Art Comic-Louis-de-Funes, an seiner Seite. Man könnte auch sagen, er ist die Frotteelande-Version von Gastons Chef, Demel. Immer aufgeregt, immer eine Spur übers Ziel hinaus. Apropos Gaston: BIZU wird dem berühmten Comic-Chaoten von Andre Franquin im Laufe der Jahre immer ähnlicher. In gewissem Sinne hat sein Gesicht etwas von einer Kinderversion von Gaston und in Sachen Liebenswürdigkeit haben sie durchaus Charakterüberschneidungen.

Wilde Kreaturen sehr putziger Natur. Die beiden hauptsächlichen Begleiter, der kleine Pilz und das haarige Monsterchen Schnockbüll, wurden bereits genannt. Aber damit endet die Liste der Kuriositäten noch nicht. Der wilde Dudelsack ist ein weiteres Beispiel und er hat nur eine Aufgabe, nämlich in der freien Natur andere mit seinem Gedudel zu nerven, was ihm auch hervorragend gelingt. Richtig interessant ist die Kreation des Lomig. Dieses Wesen mit vier Beinen und zwei Armen, ein paar wackelnden Kugeln auf dem Kopf, hat die Angewohnheit, sich auf ihm unbekannte Gegenstände zu setzen und zu versuchen, diese auszubrüten!

Der musikalische Köder ist eine Geschichte, in der ein typisches Element innerhalb frankobelgischer Comics zum Tragen kommt. Das Kleinstadtflair wurde schon in verschiedensten Serien immer wieder zur Plattform oder auch zum Mittelpunkt des Geschehens. Skurrile Charaktere, manchmal etwas behäbig, tollpatschig, dem Gruppenzwang unterworfen, tauchen hier in einem Küstenstädtchen auf, in dem auch ein Cruchot oder ein Minimensch um die Ecke kommen könnten (oder kleine Flugzeuge um die Ecke fliegen). Der Einsatz dieser Atmosphäre funktioniert bei Jean-Claude Fournier auch mit BIZU.

Ein kindgerechter Klassiker für die Kleinen (natürlich auch wie immer für die Junggebliebenen). Jean-Claude Fournier hat ein zeitloses, sehr fantasievolles, märchenhaftes Szenario geschaffen, in dem Humor groß geschrieben wird und so manche Figur mit einem Augenzwinkern entworfen wurde. Sehr, sehr schön! 🙂

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Sonntag, 31. Januar 2016

ANGRY BIRDS STELLA 1 – Eine fast perfekte Insel

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 15:07

ANGRY BIRDS STELLA 1 - Eine fast perfekte InselWenn die kleinen grünen Schweine in Aufregung geraten, dann sind sie vermutlich dazu angestiftet worden. Bestimmt plant ihre Prinzessin einen neuen Angriff. Stella ist alarmiert. Und scheucht ihre Freundinnen sogleich aus den Sonnenstühlen. Prinzessin Gale ist derweil gar nicht so sehr darauf aus, einen Angriff zu starten. Sie fühlt sich unter ständiger Beobachtung und ist nicht gewillt, unter den bohrenden Blicken ihrer Gegenspielerin einzuknicken. Stella hat unterdessen einen Trainingsparcours entwickelt, der den Vögeln zu sportlichen Höchstleistungen verhelfen soll. Aber es kommt ganz anders …

Nicht ganz so angry, mit größerem Konfliktlösungspotential und besserem Lernfaktor als bei den männlichen Kollegen: STELLA geht bei den ANGRY BIRDS eigene Wege. Rosarot mit drei kecken Federn auf dem Kopf steht sie einer kleinen Gang von Freundinnen vor. Die kleinen grünen Schweinchen, die PIGGIES, sind immer noch eine Gefahr, allerdings geht es nicht mehr ganz so rabiat zu wie in der Männerabteilung.

Mehr noch: die Macher des weiblichen Ablegers der wütenden Vögel trauen der Zielgruppe Mädchen auch offenbar mehr zu. Comic-Magazine haben eine lange Tradition. Comics lesen und dabei etwas Nützliches mitnehmen, kennen ältere Generationen schon vom Fähnlein Fieselschweif und ähnlichen Vorbildern. Nach einer Geschichte wurde ein Bestandteil der Handlung aufgegriffen und in einem kleinen Artikel näher erläutert. ANGRY BIRDS STELLA greift dieses Prinzip wieder auf.

In der eingangs nacherzählten Situation des ersten Abenteuers im vorliegenden Band, Zwillinge, findet sich ein Hindernisparcours, wie ihn der Cineast vielleicht aus Der erste Ritter her kennt. Eine Kurzstrecke muss in großer Hast durchlaufen werden. Der Trainierende läuft dabei immer Gefahr, ernsthaft verletzt zu werden. Wesentlich gefahrloser ist das Parcouring, wie es hier von STELLA auf einer ganzen Seite erklärt wird. Und sie ist nicht die einzige der Freundinnen, die hier als Dozentinnen auftreten. Die Themen sind vielfältig. Ob eine kurze Abhandlung zum Thema Ton, zur Land Art oder sogar über Marie Curie, stets findet sich eine feine kindgerechte Aufbereitung eines Themas. Schöne Illustrationen unterstreichen die Idee.

Die schönste Episode: WILLOWS TRAUM. Im Traum war eben noch alles schön Das Erwachen bringt die Ernüchterung. Willow ist erschüttert und frustriert. Da haben ihre Freundinnen eine Idee. Manchmal kann man eben einen Traum auch Wirklichkeit werden lassen. Autorin Sophie de Mullenheim liefert hier die inhaltlich beste Geschichte ab, besonders zerbrechlich wirkend illustriert von Minte.

Schöne kleine Geschichten mit dem Kernelement Freundschaft. Hier geht es friedlicher zu als bei den männlichen Kollegen der ANGRY BIRDS. Kurze Wissenseinheiten geben der Leserschaft sogar noch etwas mit, das auf die oder andere Art noch vertieft werden kann oder darf. 🙂

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Montag, 25. Januar 2016

ANGRY BIRDS COMICS 5 – Gefiederte Feinde

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 17:17

ANGRY BIRDS COMICS 5 - Gefiederte FeindeSaatkörner werden in einem Einmachglas am Strand angespült. Was macht man damit? Einpflanzen? Ob die noch gut sind und überhaupt austreiben? Einen Versuch ist es wert. Als dieser Versuch dann glückt, ist die Verblüffung über den Erfolg groß. Was da heranwächst, sieht aus wie grüne Eier. Seit wann wachsen grüne Eier aus Körnern? Die ANGRY BIRDS sind neugierig, was daraus werden wird. Die Schweine hingegen kennen bei Eiern nur ein Gefühl: Hunger. Und schon haben sich die beiden gegnerischen Parteien wieder in den Haaren … Federn.

Der Krieg der Köpfe! Die wütenden Vögel müssen sich in mehreren Kurzgeschichten mit ihren unverschämt gefräßigen Feinden, den kleinen grünen Schweinen auseinandersetzen. Beide Seiten sind, wie gemäß der Spielvorlage nicht anders zu erwarten, nur Köpfe. Was macht ein Kopf, der nur ein Kopf ist, wenn er sich fortbewegt? Er hüpft. Verschiedene Autoren und Zeichner bringen hier die Charakteristika der kleinen Figuren in ungewöhnliche, merkwürdige, vor allem aber lustige, (neudeutsch) abgefahrene Situationen.

Alles beginnt mit den drei kleinen grünen Schweinchen. Die sind nicht nur auf die Eier der ANGRY BIRDS scharf, sondern besitzen wie ihre Vorbilder aus der guten alten Mär um den großen bösen Wolf auch drei verschiedene Häuser mit unterschiedlichen Sicherheitsstufen. Aus Stroh, Holz oder Stein warten die Behausungen darauf, den flüchtigen Schweinen, mit gestohlenen Eiern im Gepäck, einen Unterschlupf zu bieten. Wer Vergleiche im Verhalten der Schweinchen sucht, findet sie zum Beispiel bei den drei Stooges oder auch bei den Goblins aus dem HOBBIT. Es liegt eine lange Zeitspanne zwischen diesen Beispielen, so beständig ist dieser Slapstick-Humor, der auch und gerade bei den ANGRY BIRDS und ihren Quälgeistern klasse funktioniert.

Die verschiedenen Autoren suchen sich besonders Szenen, in den es darum geht, die Schweinchen zu veralbern. Diese weisen wirklich Goblin-Züge auf. Sie haben einen immer hungrigen König, der die nieder gestellten Schweine gängelt und schikaniert und stets aufs Neue auf Futtersuche in die weite Welt hinausjagt. Nun ist diese Welt nicht so groß, eher inselartig und eben auf der anderen Seite von Vögeln bewohnt, die die einzigen Lieferanten von Nahrung zu sein scheinen. Nur einmal liegt die vollkommene Konzentration auf den Vögeln, als die Form des Nestbaus modernisiert werden soll. Der ungezügelte Drang nach Innovation hat entsprechend negative Folgen.

Ob nun Kopf oder nicht, fliegen muss er doch. Wie bringt man Bewegung in einen Kopf? Dazu lassen sich die Comic-Macher einiges einfallen, denn allen Beteiligten ist klar, dass es für jemanden, der so kopflastig daher kommt, schwierig ist, sich in die Lüfte zu erheben. Schwierig, ja. Aber nicht unmöglich. Wie derlei Probleme gelöst werden, soll hier nicht verraten werden, ist aber ein Spaß mit Wucht und Einfallsreichtum.

Kurze knackige Abenteuer für Kids, dem Spiel nachempfunden, im Knuffel-Look gezeichnet. Überdreht, schnell, mit großem Spaß erzählt. Für den Humor-Hunger zwischendurch. 🙂

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Mittwoch, 09. Dezember 2015

MOUSE GUARD: BALDUIN DER TAPFERE …

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 17:15

MOUSE GUARD: BALDUIN DER TAPFERE UND ANDERE GESCHICHTENEs war einmal … Bevor Helden zu Helden wurden, waren sie jung und benötigten Inspiration. Das trifft auf Balduin den Tapferen wie auch auf andere Mäuse zu. Geschichten geben aber ebenfalls Hoffnung. Sie bewahren Erinnerungen und sind Gleichnisse, dienen zum rechten Zeitpunkt als Rat für die Tat. Wie also werden Mäuse zu Helden? Auf zweierlei Art. Zuerst brauchen sie die richtige Gesinnung. Und zum Zweiten benötigen sie einen Künstler, der das nötige Fingerspitzengefühl besitzt, um sie als Helden darzustellen: David Petersen. Mit seiner MOUSE GUARD schuf er ein intensives Universum voller eindringlicher Kreaturen, eben Mäusen.

In BALDUIN DER TAPFERE UND ANDERE GESCHICHTEN, einem Ablegerband der Hauptserie, können Stammleser Figuren wiederentdecken und neue Leser gewinnen einen tollen Einblick in diese Geschichten, findet sich hier doch ein toller Querschnitt jener dichten, sehr gefühlvollen Atmosphäre, die sich durch alle Abenteuer der Mäuse zieht.

In der Darstellung liegt die Kraft und die Besonderheit. In einer Mixtur aus Comic und Bilderbuch entfaltet sich Leben und Lieben, Überlebenskampf und Alltag der Mäuse. David Petersen sucht in jeder Erzählung einen anderen Weg zur Präsentation. Er stimmt eine Legende innerhalb einer Geschichte an und wer dazu noch den Subtext entdeckt, die Verträumtheit und den liebevollen Blick des Künstlers auf seine kleinen Wesen mag, findet hier ein Kleinod auf dem Comic-Bilderbuchsektor.

Zur Technik dienen David Peterson klassische Rückblicke, in denen er seine Bilder mit einem ockerfarbenen Schleier belegt und so die Vergangenheit oder die Fremdartigkeit der Situation deutlich macht. Der Leser wirft so ein Auge auf das mäuserische Walhalla, SEYAN gerufen, in dem andere Gesetze zur Aufnahme gelten, als der Mensch mit seinen nordischen Göttern gewöhnt ist. Zur Erzählung bedient sich Peterson aber auch mittelalterlicher Bildsprache, wie sie zur Vervollkommnung von Texten in alten Büchern angewendet wurde. Die Art der Darstellung findet sich mitunter noch auf Kirchenfenstern.

Die schönste Variante jedoch, die hier zur Erzählung eines Abenteuers innerhalb einer Geschichte verwendet wird, ist jene des Marionettenspiels. Das Titelbild gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die technische Umsetzung des Ganzen (und offenbart beim genauen Hinsehen Hinweise auf die im Titel angesprochenen ANDEREN GESCHICHTEN). Kein Strich zu viel, keiner zu wenig, meist sehr dünn gezogen, so konturiert David Peterson seine Zeichnung. Leichte Kreuzschraffuren verstärken Schatten, Punktierungen sorgen für Oberflächenstrukturen und Vertiefungen. In der Kolorierung finden feine Füllmuster Verwendung, verstärken die Geradlinigkeit des Designs, erhöhen das Volumen aber nur wenig. Aufteilung, Präzision und Blickwinkel sind David Petersen um so wichtiger.

Besonders deutlich diese Technik in Die Geschichte des Axt-Trios, wenn drei Schwestern gegen eine Ratte antreten. Durch den aufgerissenen Rachen der Bestie geschaut, im Schattenriss entdeckt, in der Großaufnahme begutachtet, so findet der Leser die Szenerie vor, lebhaft und doch wie kleine Statuen abgebildet.

Träumerisch geschildert, mit Geschichten in Geschichten, für Kinder, mit einer Moral für die Mäusekinder dieser Abenteuer, aber vielleicht auch für den Leser. Stilsicher von David Peterson illustriert, mit Sinn für freundliches, märchenhaftes Ambiente und mittelalterliche Dramatik. Fein. 🙂

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Freitag, 13. November 2015

Walt Disneys Weiße Weihnacht

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 9:05

Walt Disneys Weiße WeihnachtGenug mit dem Konsum! Donald Duck beschließt, für die Weihnachtstage dem Kaufrausch den Rücken zu kehren und den wahren Kern von Weihnachten neu zu entdecken. Weitab von Entenhausen will er mit seinen Neffen in einer lauschigen Hütte, inmitten von verschneiter Landschaft, ein echtes Weihnachten feiern. Eines, das vom Miteinander geprägt ist und sich nicht am Wert der Geschenke bemisst. Doch die Hütte ist eiskalt. Der Ofen will nicht zünden. Ein Weihnachtsbaum ist im Tiefschnee weder leicht zu finden, noch zu transportieren. Am Ende liegt sogar ein Bär im Bett …

Wieder ist ein Jahr vergangen und die neue Weihnachtsausgabe mit vielen festlichen Geschichten aus den Walt-Disney-Archiven ist erhältlich. Neben altbekannten Gesichtern geben sich auch ein paar eher seltenere Gäste die Ehre. Wie eingangs beschrieben, ist das Chaos auch an den Weihnachtsfeiertagen für so manchen Disney-Helden vorprogrammiert, aber natürlich geht es (meistens) gut für alle Beteiligten aus. Meistens? Na, Donald Duck ist eben nicht immer ein Glückskind. Aber dieser hat neben seinen Neffen, Oma Duck und Onkel Dagobert einen deutlichen Schwerpunkt in dieser Ausgabe.

Besonders turbulent wird, wenn der Geist der Weihnacht durch einen Störenfried in die Flucht geschlagen wird. Hexenwahn im Hochgebirge heißt es, wenn zwei Erzfeinde aufeinander prallen. Onkel Dagobert und Gundel Gaukeley sind durch ein kleines Geldstück scheinbar untrennbar miteinander verbunden. Der Glückstaler, jenes Kleinod im Duckschen Geldspeicher, ist das beständige Ziel der ganz in schwarz gewandeten Hexe und nimmt sie so sehr in Anspruch, dass sie sich bereits am Rande eines Nervenzusammenbruchs befindet. Mit den kräftigen Linien von Marco Palazzi entspinnt sich eine winterliche Episode, in der mit der Erfolglosigkeit Gundels auch das Mitleid für die Hexe wächst. Denn diese will wirklich nichts weiter, als sich zu entspannen. Optisch modern, standfest gezeichnet.

Hansi Hase, Gevatter Bär und Gevatter Fuchs sind seltene Gäste in Sonderausgaben und gerade das macht die hier vorliegende Episode, Baumschmucktrick so besonders, obwohl sie gegenüber anderen Geschichten relativ kurz ausfällt. Dafür ist es jedoch ein beinahe kleines Märchen, ganz im Sinne der alten Fabel von Fuchs und Hase. Gevatter Bär ist eine sehr schön gelungene Figur, angesiedelt zwischen eben jenen natürlichen Feinden, mit einem etwas dümmlichen Gesichtsausdruck, wie ihn Goofy einmal besaß, aber inzwischen lange verloren hat.

Der zweite unerwartete Gast ist Jose, der Papagei, eher bekannt aus den Drei Caballeros. Der gute Papagei kommt aus einem Land, in dem Schnee Mangelware ist und eigentlich nie vom Himmel fällt. Um an ein Date zu gelangen, wünscht er sich nichts sehnlicher als die berühmte Weiße Weihnacht, ein Wunsch, der ihm alsbald leid tut. Bas Heymanns zeichnet sich für den Weihnachtscasanova verantwortlich. Die Geschichte um diesen Casanova ist deshalb bemerkenswert, weil sie ohne Hektik, ohne Streitigkeiten auskommt. Ganz auf Katastrophen im Umfeld des Weihnachtsfestes ganz sie aber auch nicht verzichten.

Die großen und kleinen Katastrophen, hausgemacht oder von außen an die Helden herangetragen, bilden häufig den Anlass zu einer Wettlauf, damit der Heilige Abend doch noch gelingen kann. Meistens gelingt die Kurve zum glücklichen Ende erst auf der letzten Seite des Abenteuers und kaum mehr als drei Bilder zuvor. Besonders spektakulär schafft es wieder einmal Gundel Gaukeley für Chaos zu sorgen. Wünsch Dir was! lautet der von Vicar sehr klassisch gestalteten Geschichte vor verschneiter Kulisse und gehört für mich zu den schönsten Abenteuern dieses Bandes.

Schöne Details: Manchmal ist es eine Wendung oder nur ein Bild. Der kleine Donald Duck (gerade einmal so alt wie seine Neffen) freut sich über eine roten Lokomotive zu Weihnachten. Tick, Trick und Track betätigen sich als Feuerwehrleute oder Donald Duck rettet ein Kind das Leben. Das sind nur einige wenige Beispiele, die den Leser immer wieder vereinnahmen und für das rechte Weihnachtsgefühl sorgen.

Eine schöne Zusammenstellung weihnachtlicher Geschichten, mit der richtigen Mischung aus Gefühl und Action. Nicht nur für Disney-Fans zur Einstimmung auf das Fest geeignet. 🙂

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Mittwoch, 04. November 2015

ASTERIX 36 – Der Papyrus des Cäsar

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 19:10

ASTERIX 36 - Der Papyrus des CäsarEberesche. So lautet das Baumzeichen von Asterix und Obelix. Die Vorhersage und die Ratschläge interessieren den kleinen blonden Gallier kaum. Obelix hingegen ist schockiert über den Text, den ihnen Sputnix aus der Gallischen Revue vorliest. Andere haben eine bessere Baumvorhersage, die allerdings bei ihnen nahestehenden Personen mitunter auf wenig Gegenliebe stößt. Troubadix soll seine Talente ausleben? Wer im Dorf soll das gut finden? Da ist ein kleines Chaos sofort im Gange. Das große Chaos ist auch nicht fern, denn die Römer machen sehr bald wieder Ärger, denn da will sie doch tatsächlich ein Diktator namens Cäsar aus der Historie tilgen.

Der Gallische Krieg. Eines ist sicher: Cäsar hat mit dieser Lektüre Unsterblichkeit erlangt und Generationen von Lateinschülern immerhin verärgert, um es freundlich zu formulieren. Aber wie konnte es zu diesem Werk kommen? Was geschah damals, als Cäsars Erinnerungen an ein fragwürdiges militärisches Unternehmen auf den antiken Markt kamen? Diese Antwort gibt der 36. Band der Reihe ASTERIX mit dem schönen Titel Der Papyrus des Cäsar. Heutzutage glaubt niemand mehr an wahrheitsgemäße Aussagen in den Medien. Aber wie war das damals? Wurden in der Antike auch schon Details ausgelassen und Berichte geschönt? Ja, lautet die Antwort. Denn Cäsar hat in seinem gallischen Krieg das Dorf der unbeugsamen Gallier schlichtweg unter den Tisch fallen lassen.

Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichner) berichten nun schon zum zweiten Mal aus der Welt der Gallier, nachdem sie das gewichtige Comic-Erbe einen Band zuvor von Albert Uderzo (und dem lang verstorbenen Rene Goscinny) übernommen haben. Denn aus der Geschichte, Der Papyrus des Cäsar wird klar, dass nur die mündlichen Überlieferungen der alten Druiden dafür verantwortlich ist, dass den unbesiegbaren Galliern und ihrer wahren Geschichte doch noch zu ihrem Recht verholfen wird.

Tradition erkannt und fortgeführt. Ferri und Conrad liefern mit Der Papyrus des Cäsar ein ASTERIX-Abenteuer ab, dass mit den cäsarianischen Einflüssen der Vergangenheit spielt. Die Lorbeeren des Cäsar, Streit um Asterix, Der Kampf der Häuptlinge fallen mir bei der Lektüre des 36. Bandes sofort ein. Enge Berührungen zur römischen Kultur krempeln hinter den Kulissen das Leben der Gallier ein Stück weit um und ein gesellschaftlich unsinniges Phänomen stiftet ordentlich Verwirrung in den Reihen der Unbeugsamen.

Abseits der hauptsächlichen Handlung erscheint eines Tages der Briefträger Rohrpostix mit der neuesten Gallischen Revue. Neben den Neuigkeiten hat sie auch das aktuelle Horoskop für die unter verschiedenen Baumzeichen (nicht Sternen) geborenen Gallier parat. Die Vorhersagen stören den dörflichen Frieden ebenso wie die Zweisamkeit einiger Beziehungen. Herausragend (eine meiner Lieblingsfiguren) ist Methusalix, der aufgrund seines Horoskops eins aufs Dach bekommt, weil seine Frau, sowieso viel jünger, wenig begeistert über neue Eroberungen ihres Mannes ist. Und die Ratschläge aus den Bäumen sorgen für einen am Boden zerstörten Obelix.

Verbindungen zur Gegenwart entstehen nicht nur durch die Geschichte der unbeugsamen Dorfgemeinschaft. Aktuelle Bezüge geben der Handlung einen satirischen Einschlag. Der Drang, Bücher zu schreiben, wird thematisiert. Anhand der neuen Figur des Polemix, eine Anspielung auf Whistleblower allgemein und Julian Assange im Besonderen, die hier ihren Gastauftritt absolviert, wird mit dem Umgang mit Geheimnissen und ihrer Vertuschung gespielt. Im Prinzip werden Asterix und Obelix hier zu einer Art Geheimagenten. Auf diese Weise gibt es ein Wiedersehen mit dem Karnutenwald (siehe: Asterix und die Goten). Und mehr als das. Zur Freude des Lesers geht es tief hinein in die urtümliche Landschaft.

Didier Conrad hat den Strich von Albert Uderzo verinnerlicht und er darf einen (nach langer Zeit mal wieder) durchgeknallten, besser ausgedrückt, hyperaktiven Miraculix zu Papier bringen, der aktiver als sonst in solchen Situationen üblich ins Geschehen eingreift. Schöne ländliche Ausblicke und ein Cäsar, wie er schon in den Anfängen leibte und lebte lassen nostalgische Gefühle aufkommen. Kuriositäten wie das Kurznachrichtensystem und das Notprotokoll geben Conrad die Gelegenheit einige für die Reihe sehr ungewöhnliche Szenen zu zeichnen.

In der Tradition angelangt: So darf es weitergehen. Uderzo hätte es nicht anders gemacht. Ferri und Conrad setzen natürlich stark auf Fans und wahrscheinlich gibt es keinen Franzosen und nur vergleichsweise wenige Europäer, die mit ASTERIX nichts anfangen können und so kein Vorwissen mitbringen. Schön gestaltet, treffend erzählt. Einzig hätte dem feinen Postskriptum ruhig eine komplette Seite eingeräumt werden dürfen. Ansonsten: Top! 🙂

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