Donnerstag, 15. Juni 2006
Latveria. Seit dem vermeintlichen Tod von Dr. Doom liegt ein scheinbarer Frieden über dem Land. Trotzdem hat Spider-Man für seine beiden Reisebegleiter alle verfügbaren Sicherheitsmaßnahmen getroffen.
Das Ziel der Reisenden: Die Zeitmaschine von Dr. Doom. Doch Doom wäre nicht Doom, hätte er nicht für seine Abwesenheit verschiedene Fallen und Wachen zurückgelassen. Als Spider-Man hinter die schützenden Mauern gelangt ist, kommen seine Begleiter nach. Zwei Menschen, die wichtigsten Personen in Peter Parkers Leben, gewandet mit uralten Rüstungen des Iron Man.
Ein normaler Tag in Spider-Mans Leben: Er schwingt sich durch sein geliebtes New York und weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er nicht der Jäger, sondern einmal mehr der Gejagte ist.
Ehe er sich der Spinnenmensch versieht, fällt Morlun wieder über ihn her. Ihre letzte Begegnung liegt lange zurück. Der Fremde will nur eines Spideys Lebensenergie. Der Kampf wird mörderisch.
Eine spektakuläre 25. Ausgabe des Netzschwingers
Spider-Man wird häufig von seiner Vergangenheit verfolgt. Alte Feinde sind eigentlich die harmslose Variante. Was ihn wirklich verfolgt, ist seine eigene Vergangenheit: der Verlust der Eltern, von Onkel Ben, Gwen Stacy, diverse Freunde. Andererseits ist es eine (wenn auch eher manchmal peinliche) Gesetzmäßigkeit, dass der Freund (meist) tot bleibt, während Feinde schon mal wieder das Licht der Welt erblicken. Nicht immer einfallsreich oder gar logisch, aber so doch wenigstens recht spektakulär.
Morlun war durch einen klugen Schachzug Spideys vor einiger Zeit geschwächt worden, so dass diese vampirähnliche Kreatur nicht in der Lage war, dem Spinnenmann die Lebensenergie zu entziehen. Morluns Diener erschoss den geschwächten Meister schließlich aus Rache für all die Jahre der Demütigung. Nun ist Morlun zurück und es besteht kein Zweifel daran, dass diese, selbst für Marvel-Verhältnisse, außergewöhnliche Figur, imstande ist, Spider-Man den Garaus zu machen.
Der Autor, der Morlun dereinst in das Marvel-Universum einführte, J. Michael Straczynski (allseits beliebter Erfinder von Babylon 5), hat keine Figur ins Feld geführt, die viele Worte macht. Auf ihre Weise hat sie damit ein wenig mit dem Hulk gemein, denn beide folgen in der Hauptsache ihren Instinkten und Bedürfnissen. Für Morlun heißt das: Hunger!
John Romita jr. verlieh Morlun zuerst eine Gestalt in Zusammenarbeit mit Straczynski. Zeichner Mike Deodato übernimmt nun dieses Erbe und setzt auf deutlich mehr Realismus. Morluns Gestalt ist deutlich aristokratisch und wer bisher keine Vergleiche zum ebenso allseits bekanntesten Vampir von Literatur und Film angestellt hat, wird nun nicht umhin kommen, Parallelen zu ziehen. Die Leichtigkeit, mit der Morlun, den Kampf bestreitet, läuft seiner doch eher schmalen Gestalt zuwider. Eine ähnliche Zerstörungswut legen nur die besonders starken Charaktere im Marvel-Universum an den Tag.
Morlun ist eine jener Kreaturen, welche die Phantasie des Marvel-Fans (zum Beispiel meine) anregen. Wie würde Morlun gegen den Hulk bestehen? Oder das Ding? Den Juggernaut? Diese Gestalt ist zusätzlich andersartig, da sie außerdem wirklich bösartig ist. Entgegen der Beteuerungen kurz vor seinem (vermeintlichen) Ableben bei seinem ersten Auftritt, er habe nur Hunger gehabt, bereitet es ihm Freude, dem Gegner ein Leid zuzufügen. Wenn er lächelnd zum nächsten Schlag ausholt, entsteht der Eindruck einer fast schon zu gruseligen Gestalt für dieses Universum.
Mike Deodato muss sich hier nach der textlichen Vorlage von Reginald Hudlin mit einem Szenario auseinandersetzen, dass von lauter Action nur so wackelt. In derart dichter Folge erlebt der Leser auch nicht immer einen Kampf – dieser zieht sich über die komplette Episode. Zeitweilig gehen die Bilder auf sehr schön konstruierte Weise ineinander über und erhöhen so die optische Geschwindigkeit des Zweikampfes. Deodato weiß sehr gut mit Licht und Schatten umzugehen, so entsteht der Effekt einer beinahe hollywoodmäßigen Ausleuchtung der einzelnen Schauplätze.
Eine mitreißende Episode, die ich erst weglegen konnte, als sie zu Ende war – und ich von Seite zu Seite immer schneller blätterte. Gemeinerweise endet dieser Teil mit einem recht drastischen Bild, das zugleich ein Cliffhanger ist. Ich für meinen Teil war lange nicht mehr derart auf die nächste Folge von Spidey gespannt.
Liebe kann zu großen Problemen führen, auch bei den X-Men. Havok und Lorna versuchen ihre Probleme zu bewältigen. Gambit versucht seiner zwiespältigen Gefühle Herr zu werden. Rogue ist mehr als nur missmutig gestimmt. Die Neue, Foxx, ist ihr ein Dorn im Auge. Die Überraschung aller X-Men ist groß, als Foxx die Maske fallen lässt.
Der Fuchs im Hühnerstall, Mystique, hat das Alleinsein satt. Nachdem die Bruderschaft der Mutanten keine Rolle mehr spielt und ehemalige Bösewichte bei den X-Men Unterschlupf fanden, will sie auch kein Dasein am Rande mehr fristen. Freilich ist ihre Vorgehensweise nicht dazu angetan, Begeisterung unter den ehemaligen Gegnern hervorzurufen. Selbst ihre Kinder, Rogue und Nightcrawler alias Kurt Wagner, äußern ihren Unmut, jedes auf seine Weise. Während Rogue verabscheut, wie Mystique versuchte sie und Gambit auseinander zu bringen, ist Nightcrawler deutlich verhaltener in seiner Argumentation.
Und nicht nur das! Onyxx, ein Schüler, ein Riese und ähnlich steinern anzuschauen wie das Ding der Fantastischen Vier, ist ebenfalls in Foxx verliebt. Er kann es nicht ertragen, dass er durch Mystique genarrt wurde. Eine weitere Tragödie nimmt ihren Lauf.
Wenn die Realitäten sich verändern, kann dies Im Zeichen der Hexe geschehen. Eben noch kämpften die X-Men in Ostafrika gegen Hightech-Piraten, die Waffenmeister, da bricht, so scheint es, das Ende der Welt über sie herein. Plötzlich vermischen sich die Realitäten. Die Dimensionen gehen ineinander über. Zwar sind X-Men immer noch X-Men, aber es geht nicht mehr um Gerechtigkeit, sondern nur noch um das blanke Überleben.
Wenn einer sich amüsieren will, dann kann er was erleben. Ähnlich ergeht es Dr. Hank McCoy, dem Beast, in Eine Nacht in der Oper. Zusammen mit Kitty Pride möchte er einen schönen Abend erleben. Leider hat sich Hanks Äußeres mit den Jahren ziemlich verändert. Das Beast von einst existiert nicht mehr und hat einem katzenartigen Wesen mit blauem Fell Platz gemacht. Eben muss er sich noch mit einem hochnäsigen Portier herumärgern, als ihn die Welt der Verbrecher einholt und er wieder zeigen kann, was in ihm steckt.
Vier verschiedene Geschichten aus dem Universum der X-Men sind diesmal die Garanten für Spannung und Unterhaltung in der vorliegenden 65. Ausgabe der X-Men-Reihe. Der Auftakt ist auch gleichzeitig ein Abschluss einer Fortsetzungsgeschichte. Bizarres Liebesdreieck löst den Plan Mystiques auf. Die Idee der blauen Gestaltwandlerin kommt überraschend, aber ist nicht ungewöhnlich im Handlungsstrang der X-Men. So mancher Bösewicht hat bisher die Chance wahrgenommen, um die Seiten zu wechseln. Einer der bekanntesten dabei dürfte wohl der Juggernaut gewesen sein, der gleichzeitig auch zu einer sehr tragischen Figur gemacht wurde. Das Rezept, einem beinahe geläuterten Charakter einen neuen Tiefschlag zu versetzen, um ihn zu prüfen, funktionierte bei sehr exzellent. Mystique hingegen ist ein ganz anderes Kaliber. Sie produziert lieber Tragödien, als sich selbst in die Opferrolle zu begeben. So betrachtet verarbeitet Autor Peter Milligan Mystiques Charakter außergewöhnlich gut. Natürlich ist dem Leser sofort klar, dass Mystiques Plan, erst Unfrieden zu stiften, um dann in der Gemeinschaft der X-Men aufgenommen zu werden, nicht aufgehen kann. Zu sehr ist sie noch in ihren intriganten Verhaltensweisen verhaftet, die sie über die Jahre zu einer wahren Meisterschaft gebracht hat.
Zeichner Salvador Larroca setzt diesen Liebesreigen trefflich in Szene, der sich in Sachen Action deutlich zurücknimmt und stark auf die emotionale Ebene der X-Men abzielt. LIQUID!, das für die Farben verantwortliche Studio, liefert hier eine passable Leistung ab – passabel deshalb, weil LIQUID! Schon aufwändiger zu Werke ging. Dieser Qualitätslevel ist aber nur selten über längere Zeit aufrecht zu erhalten, denn letztlich dürfte es in der Produktion auch einen nicht unerheblichen Kostenfaktor ausmachen. Immerhin findet sich im Innenteil ein schönes Cover eines Kampfes zwischen Rogue und Gambit, koloriert von LIQUID!, das zeigt, wozu die Farbschmiede handwerklich in der Lage ist.
Der erste Teil der Geschichte Im Zeichen der Hexe bringt endlich einmal wieder die Arbeit eines meiner Lieblingszeichner: Alan Davis. Seine Bildkompositionen, die mich an das Zeichnerurgestein John Buscema erinnern, finde ich ungeheuer ausdrucksstark. Ich weiß nicht, wie groß die zeichnerische Freiheit von Davis war oder wie stark die Vorgaben von Autor Chris Claremont waren. Die doppelseitige Darstellung der Dimensionssprünge hat jedenfalls einige schöne Einfälle (der Hulk mit eigenem Dress, das Ding in X-Men-Uniform) und besticht durch eine tolle Dynamik.
Die Geschichte selbst ist eine gute Mischung zwischen Charakterentwicklung, einer gehörigen Portion Rätsel und natürlich mit viel Action abgeschmeckt.
Die letzten beiden Geschichten, die verstärkt auf Angel einerseits und das Beast andererseits eingehen, runden diese Ausgabe ab.
Wieder einmal bestätigt dieser Band, warum die X-Men zur erfolgreichsten Superhelden-Reihe (oder besser: Reihen) gehören. Ein pralles Lesevergnügen!
Freitag, 09. Juni 2006

Schickt Eure Lösung bis zum 12. Juni 2006, 23.59 Uhr an michael@kleinerkrieger.de. (Betreff: Hellboy-Gewinnspiel nicht vergessen.)
Das Exemplar von Hellboy 7 – Seltsame Orte wird unter den ersten zehn richtigen Lösungseinsendungen verlost. Vergesst bitte nicht die Angabe von Namen und Adresse, damit Euch bei Gewinn die Comic-Ausgabe zugesendet werden kann.
Viel Glück!
Gewinnspiel mit freundlicher Unterstützung durch Cross Cult
Mittwoch, 31. Mai 2006
Ein Detective von Scotland Yard verbringt seine Nacht gewohnt alleine in seinem Apartment. Nach eigener Aussage mag Charlie Northern hübsche Mädchen, aber es ist keines in seiner Nähe. Dafür stehen seine Regale voller Bücher, die Verschwörungstheorien zum Inhalt haben. Northern ist 45 Jahre alt, 30 Jahre davon hat er als Raucher hinter sich gebracht. Northern ist ein vollkommen desillusionierter Mensch, denn vor langer Zeit verlor er seinen Glauben.
Unerwartet erhält Northern Besuch von einem alten Freund. Die Begegnung ist auch von Spott geprägt, denn Northerns alter Freund Marcel ist als Priester inzwischen im Vatikan angekommen. Marcel übersieht Northerns beißenden Humor und hat eine große Bitte. Im Vatikan wurde ein Kardinal ermordet. Nun sehen sich einige Kirchenobere genötigt, Hilfe von außen heranzuziehen, da es einige zu geben scheint, die den Fall längst aufgeklärt sehen. Northern ist für sie die beste Wahl. Ein Polizist, der seinen Glauben verloren hat, wird den Fall in der Schaltzentrale kirchlicher Macht ohne Druck zum Abschluss bringen können.
Northern nimmt den Fall widerstrebend an und wird an den Vatikan ausgeliehen.
In Rom angekommen realisiert Northern schnell, dass die Widerstände größer sind, als er ursprünglich angenommen hat. Spuren wurden verwischt, die Zeugen verhalten sich widersprüchlich oder verweigern sich. Mysteriösen Hinweisen auf schwarze Messen und Teufelsanbeter begegnet Northern mit seinem ihm ureigenen Zynismus.
Northern konnte nicht ahnen, dass der Fall für ihn persönlich werden würde. Kardinal Toscianni, einer derjenigen, die den verstorbenen Kardinal Richleau zuletzt lebend sahen, entwickelt sich zu einem wahrhaftigen Feind. Der Polizist von Scotland Yard lässt sich zusehends von seinem Zorn leiten, während hinter den Kulissen die Wahrheit offen gelegt wird. Am Ende wird Northern gezwungen, sich endgültig mit seinem Glauben auseinanderzusetzen.
Die Offenbarung bringt den Autoren Paul Jenkins und den Zeichner Humberto Ramos wieder zusammen. Beide sind sie Spider-Man-Veteranen und wie sie in ihren Arbeiten gezeigt haben, dem phantastischen Genre nicht abgeneigt.
Ramos zeigte sein Talent zu gruseligen Szenarien mit dem Spider-Man-Mehrteiler Der Hunger, der von Paul Jenkins geschrieben wurde. Besonders drastisch zeichnete Ramos die Welt der Vampire in dem Mehrteiler Crimson.
Der Mehrteiler Revelations, hier zusammengefasst zu Die Offenbarung setzt weniger auf drastische Szenen, sondern setzt mehr auf die zynische Hauptfigur, Detective Northern, einerseits und die atmosphärischen Zeichnungen andererseits.
Ramos ist ein Zeichner, der seine Charaktere stets sehr überzeichnet darstellt – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Grenze zum Cartoon ist nicht weit entfernt, umso erstaunlicher ist es, wie gut sich seine Bilder mit phantastischen, ja auch ernsthaft gruseligen Themen vertragen. Bösewichter, skurrile Charaktere sind seine absolute Spezialität. Sei es der Kardinal Toscianni, seltsame Verwandlungen oder der kleine Priester mit der riesigen Brille, sie alle (und noch vieles mehr) zeigen ein gerüttelt Maß an handwerklicher Fähigkeit, die durch die feinen Szenenideen und Perspektiven noch einmal mehr unterstrichen wird.
Bisher konnten Ramos’ Bilder im typischen Comicstil bewundert werden: Getuschte Outlines, per Computer koloriert.
Durch die Hilfe der Koloristen Leonardo Olea, Edgar Delgado und Edgar Clement ergibt sich etwas völlig Neues. Schwache, braun skizzierte Outlines, leicht bräunlich schraffierte Schattierungen und cremig ausgeführte Farbflächen ergeben einen Zeichentrickeffekt. Die Bilder schaffen den schönen Spagat zwischen der Düsternis im Vatikan, Regenszenarios wie in Sieben und der Heiterkeit eines sonnigen römischen Nachmittags in der Innenstadt. Letztere Bilder sind allerdings Ausnahmen, weshalb die Farbzusammenstellung eigentlich die miesmutige Stimmung von Northern abbildet.
Jenkins hat eine Geschichte geschrieben, die erfreulich diffus bleibt und nicht jedes Detail bis ins Letzte aufklärt. Angerissen werden die Geheimnisse von Fatima, derer es bislang drei gab. Jenkins setzt diesen Geheimnissen eines hinzu, das wohl schrecklichste. Der Vatikan, oder besser religiöse Institutionen, sind seit langem Zielscheibe von Autoren und stets für eine Geschichte gut. Erfreulicherweise malt Jenkins seine Ansichten der Kirche nicht vollkommen schwarz, wie es derzeit häufiger vorkommt. Deshalb ergibt sich ein vielschichtiges Szenario, es wandeln sich die Sichtwinkel der einzelnen Charaktere und zum Schluss muss der Leser sich völlig neu orientieren.
Die Figur des Charlie Northern, des ungläubigen Thomas, gefällt mir ausgesprochen gut. Ein Anlass in seinem Leben hat ihn zum Raucher gemacht und brachte ihn dazu, seinem Glauben abzuschwören. Northern raucht seit 30 Jahren, stirbt aber nicht. Jede Zigarette wird während des Anzündens beschimpft, oder lässt Northern seine Wut in Wahrheit an jemand anderem aus? Der zerrissene Charakter von Northern ist jedenfalls ungeheuer gut getroffen und er ist der eigentliche Kern der Geschichte, die sich nur um ihn dreht, ob er will oder nicht.
Mein Fazit: Verdammt düster, gruselig, rätselhaft, eine dieser Geschichten, die es mehrmals zu lesen lohnt. 😀
Freitag, 26. Mai 2006
Drei Meerjungfrauen begeben sich an einen verwunschenen Ort in den Tiefen des Meeres. Jede von ihnen hat einen verzweifelten Wunsch. Die Bog Roosh, eine Meereshexe, verspricht ihnen die Erfüllung ihrer Wünsche, wenn sie als Gegenleistung Hellboy fangen und zu ihr bringen. In den Abgründen des Ozeans hat Hellboy seine wohl schicksalsträchtigste Begegnung.
In der Bog Roosh findet Hellboy eine mächtige Feindin, die aber weniger ihrem Hass sondern mehr ihrer Verzweiflung folgt. Die Apokalypse darf nicht eintreten, sie muss mit der Vernichtung Hellboys enden. Dazu hat sie sich einen furchtbaren Plan ausgedacht. Natürlich reagiert Hellboy mit seiner gewohnt knurrigen Art auf diese Zukunftsaussichten.
Hellboys alptraumhafte Reise geht weiter und führt ihn an die Gestade eines Schiffsfriedhofes. Was mit einem altmodischen Trinkgelage unter Seeleuten beginnt, mündet in einer gruseligen Handlung. Hellboy muss sich einem Feind stellen, der bereits von der Inquisition vernichtet schien.
Verwunschen! Anders lässt sich die Stimmung im vorliegenden siebten Band der Hellboy-Reihe nicht beschreiben. Stimmung ist der wohl wichtigste Aspekt in diesen Geschichten. Sei es Der dritte Wunsch oder Die Insel, Autor und Zeichner Mike Mignola hat hier Geschichten entworfen, die einem Traum ähneln, manchmal die düstere Bedrohung eines Märchens haben und sich sehr eng mit dem Charakter Hellboys auseinandersetzen.
Manchmal, wenn sich eine Figur sehr etabliert hat, gilt es offene Fragen zu klären. Kleine Anrisse, die es bisher gab, werden in die Erinnerung der Leser zurückgeholt und vervollständigt. Vieles ergibt dann einen Sinn – und die Zukunft der Figur ist plötzlich noch einmal viel spannender geworden.
So verhält es sich mit den beiden Geschichten. Wie Mignola selber schreibt, hielt er es nach dem Erscheinen des Hellboy-Filmes für notwendig, seinem Hauptdarsteller mehr Erklärungen zur Seite zu stellen, nachdem einzelne Bereiche bereits durch den Film gelüftet worden waren – was er selber sich für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben hatte. So wird der Fan hier viele Antworten finden, deren mystische Atmosphäre etwas an Cthulhu erinnert.
Der dritte Wunsch hat Elemente eines klassischen Märchens, was die Anwesenheit der drei Meerjungfrauen nur bestätigt. Besonders einer ihrer Wünsche spricht Bände. Mignolas Interesse an Märchen, Legenden und landesspezifischen Mythen wird hier für jeden Leser offensichtlich. In dieser Geschichte verwebt Mignola die phantastischen Bestandteile so dicht, dass im Gegensatz zu vergangenen Handlungen meiner Meinung nach etwas ganz Besonderes entstanden ist.
Das Märchenhafte gefällt mir ungeheuer gut. Das Sagenhafte war bisher häufig in Mignolas Geschichten in Erscheinung getreten und war stets gelungen. Mignola beherrscht eine Kurzgeschichte ebenso wie eine Erzählung. Doch hier wagt er sich an die Wurzeln Hellboys heran, und ich denke durch diese erzählerische Herangehensweise wird er auch angestammte Fans überraschen. Hellboy-Neulinge können sicherlich an dieser Stelle sogar einen schönen Einstieg in dieses Comic-Universum schaffen.
Die Insel definiert Mignola in einem Vorwort selbst als harte Nuss. Die geheimnisvolle Atmosphäre der Geschichte ist außergewöhnlich. Hellboy bewegt sich in einem Szenario zwischen Traum und Realität. Die Hintergrundgeschichte, ein Rückblick in die fernste Vergangenheit, kann Hellboy selbst nur als Beobachter erleben, aber natürlich beeindruckt sie ihn keineswegs. Die Starrköpfigkeit seines Charakters, sich weiterhin gegen das Schicksal wehren zu wollen, das ihm zugedacht war (und ist), macht ihn sehr sympathisch.
Der Epilog lässt den Leser ahnen, welche Schwierigkeiten noch vor Hellboy liegen, der sich mit seiner Standhaftigkeit einmal mehr den unerbittlichen Zorn seiner Feinde auf sich zieht.
Nicht nur durch die Vorworte gibt Mignola in diesem Band einen Einblick in seine Arbeits- und Denkweise während einer Konzeption seiner Geschichten. Auch durch die sehr schönen Skizzen (leider nicht verwendeter) Seiten und des nachfolgenden Sketch Books erhalten der Fan und auch der Comic-Interessierte feine Eindrücke vom zeichnerischen Alltag eines Mike Mignola. Die Ansichten enthüllen, wie viel Arbeit und Handwerk letztlich in einer Geschichte steckt.
Der Band schließt wieder mit verschiedenen Pin-Up-Interpretationen von Hellboy einiger namhafter Zeichner, von denen ich persönlich das Hellboy-Portrait von Helge Vogt sehr beeindruckend in seiner Ausführung fand.
Persönliches Fazit: Traumhafte Geschichten in einem traumhaft gut gemachten Band der Hellboy-Reihe. 😀
Mittwoch, 24. Mai 2006
Der weltweit bekannte Starzeichner Gosho Aoyama wird den Comic-Salon 2006 in Erlangen besuchen. Bisher schaut es so aus, dass Gosho Aoyama am 16. und 17. Juni auf der Messe zu Gast sein wird.
Der japanische Manga-Zeichner hat in seinem Heimatland bisher 53 Ausgaben seines kleinen Helden veröffentlichen können. (43 Ausgaben davon sind bisher auf dem deutschsprachigen Markt bei EMA erschienen.)
Natürlich hat Gosho Aoyama auch noch ein privates Interesse an seinem Deutschlandbesuch: Am 18. Juni will er die japanische Fußballmannschaft im Spiel gegen Kroatien anfeuern.
Der 12. Comic-Salon findet vom 15.-18. Juni in Erlangen statt. Weitere Infos gibt es unter www.comic-salon.de.
Quelle: Presseinfo EMA, Comic-Salon Stadt Erlangen
Freitag, 19. Mai 2006
Die Wüste. Die kleine Familie haust in einer zerbrechlichen Hütte unter der unbarmherzigen Sonne des Planeten. Ein Warnruf von Tochter Mai Lan ruft Vater und Mutter herbei. Ein Sandwal hält Kurs auf die kleine Behausung. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nichts diese riesigen Wesen aufhalten kann. Alle drei retten sich unweit auf einen Felsen. Wenig erfreut sehen sie mit an, wie der Sandwal glücklicherweise nur einen Teil der Hütte auf seiner Wanderung einreißt. Glück im Unglück, wie es zunächst scheint.
Eine größere Gefahr geht jedoch von anderen Menschen aus. Abseits in den grünen Schluchten des Planeten existieren schlichte Siedlungen. Ihr Überleben ist davon abhängig, ob es Nachwuchs gibt. Mai Lan kommt nun in ein Alter, in dem sie nicht nur eine Schule besuchen müsste, sondern sie soll auch zu einer Mutter erzogen werden. Als man sie den Eltern wegnehmen will, wehren sich diese, jedoch erfolglos.
Für Mai Lan beginnt ein vollkommen neuer Lebensabschnitt. Obwohl sie entkommen kann, ist eine Rückkehr zu ihren Eltern unmöglich. Aber Mai Lan hat eine besondere Fähigkeit, die sie mit den Wesen des Planeten verbindet, besonders sie zu den Iums, halbintelligenten humanoiden Wesen, die in den bewaldeten Schluchten leben, pflegt sie ein beinahe freundschaftliches Verhältnis.
Im Orbit. In einem riesigen Raumschiff erwachen eine junge Frau und ein Mann aus dem Kälteschlaf. Voller Schrecken müssen sie feststellen, dass sie an Bord die einzigen Überlebenden sind. Sie sind vollkommen auf sich allein gestellt. Eine Kommunikation mit dem Planeten unter ihnen oder gar mit der Erde ist vollkommen unmöglich.
ALDEBARAN. Die Forschungen an der Mantrisse, einem riesigen im Ozean lebenden Wesen, sind weiter fortgeschritten. Es muss eine Verbindung zu Betelgeuze bestehen und die Forscher sind gewillt, dieser Verbindung auf den Grund zu gehen. Alsbald macht sich eine Expedition in die Weiten des Raums auf.
Atmosphärisch dicht präsentiert sich der Auftakt zur Science Fiction Reihe BETELGEUZE, einem Ableger der Reihe ALDEBARAN. So einfach die Grafik (wie auch die Geschichte selbst) auf den ersten Blick erscheinen mag, so präzise ist sie auch. Was zu Beginn wie eine andere Erde aussieht, entpuppt sich nach und nach als fremdartiger als so manche andere Planetenfiktion.
Wer den Auftakt von BETELGEUZE liest, wird sich ein wenig an Frank Herberts Wüstenplaneten erinnert fühlen. (Jedes Wüstenszenario erinnert den Genre-Fan mittlerweile wohl daran.) Das Raumschiff im Orbit birgt Anleihen an 2001 und die Szenerie auf ALDEBARAN mag den Betrachter ein bißchen auf die Fährte von Star Trek IV oder Abyss führen. Das schmälert das Lesevergnügen keineswegs. Was anfangs recht unspektakulär daher kommt, ist eine sorgsam aufgebaute Weltenbeschreibung einerseits und eine unglaublich feine Charakterzeichnung der verschiedenen Figuren andererseits. Nach vielen doch sehr actionlastigen Szenarien hat mich BETELGEUZE mit seiner ruhigen Erzählweise sehr beeindruckt. Obwohl es ein so genanntes Spin-Off ist, sind Kenntnisse der Mutterserie absolut nicht notwendig, ein weiteres Plus für den vorliegenden Band.
Grafisch ist die Einfachheit der Zeichnungen sehr gelungen. Trotz dieser Einfachheit bilden sie die Welt rund um Mai Lan, später um Inge, wie auch um Kim, exakt und mit der so gerade benötigten Detailfreude ab. Nichts lenkt den Betrachter von der Geschichte ab, so dass sich der Band wie ein Kinofilm liest. Anders kann ich es nicht ausdrücken.
Gemeinerweise schließt BETELGEUZE mit einem Cliffhanger. Ich kann nur sagen, ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung und die neuerlichen Ideen, die sich Autor und Zeichner LEO einfallen lässt. 🙂
Freitag, 12. Mai 2006
Deutsche Manga-Zeichnerinnen gehen auf Tour quer durch Deutschland. Wer einmal die Macher live erleben und natürlich auch einmal über die Schulter schauen mag, kommt an einem der Termine nicht vorbei.
Mit auf Tour sind Alexandra Völker (Catwalk), das DuO (Mon-Star Attack), Gina Wetzel (Orcus Star), Lenka Buschová (Freaky Angel) und Ying Zhou-Cheng (Shanghai Passion). Selbstverständlich können sich Fans auch Autogramme abholen.
Termine
29.5.2006, 15-18 Uhr, Mayersche Buchhandlung am Neumarkt, Neumarkt 2, 50667 Köln (Tour-Eröffnung)
30.5.2006, 15-18 Uhr, k Presse + Buch Medienzentrum, Wandelhalle, HBF, 20095 Hamburg
31.5.2006, 15-18 Uhr, Grober Unfug, Zossener Str. 32, 10961 Berlin
1.6.2006, 15-18 Uhr, Comic Combo Leipzig, Karl-Liebknecht-Str. 2, 04107 Leipzig
2.6.2006, 11-13 Uhr, Ultra Comix, Vordere Sterngasse 2, 90402 Nürnberg
2.6.2006, 15.30-18 Uhr, Buchhandlung Hugendubel, Karlsplatz 11-12, 80335 München
3.6.2006, 13-16 Uhr, Buchhandlung Hugendubel, Steinweg 12, 60313 Frankfurt
(Quelle: Presse-Info EMA)
Ein neuer Wettbewerb ruft weitere Manga-Talente ans Zeichenbrett und an den Computer. STABILO, ein Hersteller für Schreibgeräte, und EMA (Egmont Manga und Anime) rufen von Mai bis November 2006 in neun Ländern wieder den Comic Campus aus.
Die besten Einsendungen werden wieder in einem Magazin (Shinkan Special 2006) veröffentlicht werden. Wer zusätzlich noch ein bißchen Glück hat, könnte so seinen Traumberuf finden. Die Gewinnerin vom Vorjahr, Diana Liesaus aus Dresden, wird von EMA als Zeichnerin unter Vertrag genommen.
Auf die Gewinner warten außerdem Geldpreise und Zeichensets von STABILO.
Mehr Informationen zum Wettbwerb finden sich unter:
www.comic-campus.com, www.manganet.de und www.stabilo.com.
(Quelle: Presseinfo EMA)
Montag, 08. Mai 2006
Eine unbekannte Sonde nähert sich der Erde. Die Möglichkeit, außerirdische Technologien zu bergen und für die eigenen Zecke zu nutzen, ruft den Lexcorp Konzern auf den Plan. Wie es der Zufall will, sind auch zwei Reporter des Daily Planet an dieser Geschichte interessiert: Lois Lane und Clark Kent.
So kommt es, dass Superman bei der Bergung der Sonde zugegen ist und feststellt, dass die Sonde mit kryptonischen Schriftzeichen versehen ist. Die Nachricht der Sonde versetzt ihn in helle Aufregung. Wie es ausschaut, existiert eine verschollene Siedlung von Krypton im Weltraum. Kryptonische Landsleute! Superman muss sie unbedingt finden, denn die Siedlung schwebt in großer Gefahr. Um diese Stadt im tiefen Weltraum zu erreichen, ist er allerdings auf die Hilfe von Lexcorp angewiesen. Alleine macht er sich hoffnungsvoll auf den Weg. Bald muss er feststellen, dass ihn das pure Grauen erwartet.
Noch hadert Superman mit sich selbst. In einer alternativen Dimension war er gezwungen, eines seiner ehrenvollen Gesetze zu brechen. Damit eine folgenschwere Gefahr abgewendet werden konnte, musste er töten. Als er diesen schwarzen, schlanken, wilden und äußerst kampfstarken Aliens begegnet, sieht er sich einem Feind gegenüber, der sich jeglicher Kommunikation verschließt und nur daran interessiert ist, sich zu vermehren. Gemeinsam mit einer (vermeintlichen) Kryptonierin an seiner Seite geht es am Ende selbst für Superman nur noch darum, zu überleben.
Ein moderner Superman, angepasst mit einer etwas wilderen Haarpracht, eine Lois Lane, mit neuer Frisur, stellen sich hier einer legendären Filmmonströsität: dem Alien, dereinst konzipiert von niemand geringerem als dem Schweizer Künstler H. R. Giger. Superman hat bereits diverse andere Crossover überstanden. Er trat gegen den Terminator an, stand im Ring einem Muhammad Ali gegenüber, kämpfte Seite an Seite mit Spider-man und begegnete sogar Bugs Bunny.
Die Aliens in diesem vorliegenden Band, der einen Mehrteiler des Darkhorse Verlages in sich vereinigt, bilden eine deutlich erwachsenere und brutalere Qualität seiner sonst eher gemäßigten Abenteuer. Das Hadern mit der eigenen Vergangenheit, der Einsamkeit einerseits und der Tötungstat andererseits, ist nicht eben neu, bekommt aber in dieser Geschichte eine ganz neue Qualität.
Autor und Zeichner Dan Jurgens geht mit einer außerordentlichen Exaktheit zu Werke. Außenlinien sitzen perfekt und Schatten werden zuweilen sparsam, manchmal stark kontrastierend eingesetzt. Sein Supermann orientiert sich sehr schön an althergebrachten Vorlagen, wirkt aber jugendlicher, nicht zuletzt wegen der Haarsträhnen, die sich in der Bewegung immer wieder selbstständig machen. Als Autor stand er vor der Herausforderung jemanden gegen die Aliens antreten zu lassen, der sich gegen das Töten als Mittel zum Zweck sträubt (ähnlich wie einst Green Lantern). Die Idee, Superman langsam herausfinden zu lassen, wie die Aliens beschaffen sind und welche Fähigkeiten sie haben, wird erst interessant, wenn der Leser über die Aliens genauestens Bescheid weiß.
Der Trick, den Dan Jurgens eingebaut hat, nämlich Supies Kräfte langsam aber stetig abzuschalten, erhöht den Reiz der Geschichte enorm. Ganz zum Schluss tritt der Stählerne den Monstren mit den normalen Kräften eines Sterblichen gegenüber und teilt auch das bekannte Schicksal derer, die einem Facehugger begegnen.
Die andere Hälfte der Geschichte, denn Lois Lane muss schließlich auch etwas zu tun haben, gestaltet sich deutlich konventioneller und hat somit deutliche Parallelen zu den Filmen wie auch zu einigen Romanen, die im Alien-Universum spielen.
Überraschend jedoch ist, nachdem beide Handlungsstränge sich wieder vereinen, wie Superman durch die Reaktivierung seiner Kräfte das in ihm reifende Alien-Embryo wieder los wird.
Eines der besseren Crossover! 😀