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Comic Blog


Dienstag, 25. Juli 2017

TEEN TITANS – MEGABAND 2 – TITANEN-BLUT

Filed under: Superhelden — Michael um 17:05

TEEN TITANS - MEGABAND 2 - TITANEN-BLUTDas Leben ist als Teenager nicht einfach. Als Teenager in Kombination mit einer Identität als Superheld ist es unendlich schwieriger. Und irre Gangster wie PROFESSOR PYG helfen nicht gerade dabei, den Alltag zu beruhigen. Ganz im Gegenteil, denn diesmal geht es den TEEN TITANS richtig an den Kragen. Sie müssen bluten. Irgend jemand hat es auf die vielfältigen Möglichkeiten abgesehen, die sich aus ihren Fähigkeiten ergeben. Wenig später, eigentlich auf einem Erholungsausflug, sind einfachere Wilderer, die Scherereien machen, geradezu ein Kinderspiel …

SCOTT LOBDELL, WILL PFEIFER, GREG PAK, TONY BEDARD etablieren die Kids, indem sie allerhand bekannte Details und Charaktere einfließen lassen. Prominentestes Mitglied dieser Riege ist zweifellos WONDER WOMAN. Da ein TITAN zufällig WONDER GIRL ist, kommt dieser Begegnung besondere Bedeutung bei. Kurzum, es wird mythologisch und Herkunft wird erneut ein großes Thema. Die TEEN TITANS schlagen sich tapfer und einmal mehr gewinnt ein Charakter an Kontur, indem endlich mehr zur Abstammung beigetragen wird. RED ROBIN hat das nicht mehr nötig. Seine Zeit an der Seite von BATMAN (der ab und zu mal über die Schulter blickt) hat das Fundament für einen fast manisch peniblen Helden gelegt.

Mit BUNKER, RAVEN, BEAST BOY, POWER GIRL, das erwähnte WONDER GIRL verhält es sich nicht ganz so. Keine der Heldinnen, niemand der Helden wurde in seine Rolle hineingeboren. BEAST BOY, der sich in eine unmögliche Anzahl von Tieren verwandeln kann, besitzt gleichsam auch eine gewisse Variabilität, was seine Persönlichkeit anbelangt. Nutzt die Gestalt einer kleiner Katze oder eines kräftigen Gorillas, ändert sich damit zwangsläufig sein Auftreten. Das neue POWER GIRL ist mit der weiß und rot gewandeten, erwachsenen Variante von SUPERGIRL nicht zu vergleichen. Dieses POWER GIRL erinnert durch seine Kräfte mehr an den Legionär COLOSSAL BOY.

Offenbar wird aber ihr aller Potential erkannt, denn AMANDA WALLER betritt die Bühne, um die TEEN TITANS für ihre Zwecke anzuwerben. Wenig später allerdings haben die TITANS mit sich selbst genug zu tun, weil es auch zwanghaftere Anwerbungen gibt, eben solche, gegen die eine Gegenwehr fast unmöglich ist. TONY BEDARD erzählt die Episode SCHACHMATT FÜR DIE KÖNIGIN, gezeichnet von MIGUEL MENDONCA, der mit seinem klaren Realismus ebenso gut für das STAR WARS Universum zeichnen könnte. In der Episode VON HELDEN UND SCHURKEN fällt seine Arbeit deutlich actionlastiger aus, durch den Auftritt eines gegnerischen Duos aus lebendem Gehirn und Gorilla zudem weitaus komischer.

Weiter vorne, sozusagen in umgekehrter Reihenfolge aufgelistet, schafft Inker DEXTER VINES mit seiner Arbeit noch mehr Feinheiten aus MIGUEL MENDONCAS Vorarbeit in der Folge DIE SUMME SEINER TEILE herauszuholen. Es zeigt sich an diesem Beispiel perfekt, wie unterschiedlich (aber immer noch gut) das Endergebnis ausfallen kann, wenn in weiteren Arbeitsschritten andere Kollegen des Zeichners am Rechner sitzen.

IAN CHURCHILL ist der zweite sehr gute Zeichner in diesem zweiten Megaband der TEEN TITANS, der das Geschehen vor dem DC-Event REBIRTH abschließt. CHURCHILL gehört zu jener Illustratorgarde, die sozusagen hochauflösend zeichnen. Gemeint sind damit ungemein feine Striche, teils sogar sehr zahlreich über das gewöhnliche Maß hinaus. Andere Vertreter dieses Stils sind z.B. GREG CAPULLO (SPAWN) oder der noch bekanntere JIM LEE (BATMAN, SUPERMAN). Inker wie DEXTER VINES oder NORM RAPMUND haben bei IAN CHURCHILL weitaus mehr zu tun als bei Zeichnerkollegen, die sich mit weniger Vorarbeit zufrieden geben. Aber ohne entsprechendes Tuschen sind die Stilistiken von CHURCHILL & Co. kaum vernünftig einzufangen.

Eine Gruppe wächst zusammen. Ein Team test sich gegenseitig aus, lernt zu vertrauen und reift an seinen zahlreichen Herausforderungen. Dank eines tollen Autorenteams und einiger Top-Zeichner liegen hier im abschließenden zweiten MEGABAND der TEEN TITANS moderne, perfekte Superheldenabenteuer vor. Klasse! 🙂

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Samstag, 08. Juli 2017

DIE NEUEN X-MEN 3 – INVASION DER DÄMONEN

Filed under: Superhelden — Michael um 18:23

DIE NEUEN X-MEN 3 - INVASION DER DÄMONENWOLVERINE, die ehemalige X23, mag es nicht, zur Langeweile gezwungen zu sein. Also heißt es, einmal den kleinen PICKLES geschnappt, dann rund um die Erde gebamft und die bösen Buben platt gemacht. In Kurzform sozusagen. Der Haken an der Sache ist, dass, ganz gleich wo WOLVERINE ankommt, die Verbrecher schon bekämpft wurden und für sie nichts mehr zu tun ist. Wer ist der geheimnisvolle Andere, der es wagt, ihr den Job streitig zu machen? Ach was! Zu versauen! Sie hatte sich doch so darauf gefreut!

Wieder zurück bei den X-MEN aus der Vergangenheit, die in der Zukunft gestrandet sind! Zu Beginn ist Ruhe angesagt. Und Ruhe ist für junge Leute, die es gewöhnt sind, an vorderster Front zu stehen und das Böse in seine Schranken zu weisen, wahres Gift. Manch einer, der nichts mit sich anzufangen weiß, beginnt damit, Blödsinn anzustellen. Das mag sich auch Autor DENNIS HOPELESS gedacht haben, als er sich überlegte, HANK MCCOY alias BEAST mit Magie experimentieren zu lassen. So kommt es schließlich zur INVASION DER DÄMONEN, wie die vorliegende Sammlung aus sechs Geschichten der X-MEN betitelt ist.

Während der APOCALYPSE-Kriege kam es zu einer Zeitreise, in deren Folge HANK MCCOY Geschmack an den seltsamen Möglichkeiten der Magie fand. Und war es nicht DR. STRANGE, der sagte, Magie und Wissenschaft seien einander nicht so unähnlich? Wenn jemand das Genie für eine der Disziplinen hat, warum sich nicht auch an einer weiteren ausprobieren? Zeichner MARC BAGLEY darf, bevor die Bombe platzt, sich mit relativ gewöhnlichen Problemen von Jugendlichen befassen, der Liebe nämlich. WOLVERINE findet zu ANGEL und BOBBY DRAKE alias ICEMAN will eigentlich zu seiner Homosexualität stehen, ist aber verdammt schüchtern und quasselt sich, sobald er einen Jungen anspricht, vor lauter Aufregung um Kopf und Kragen.

Viel Privatleben wird den Kids nicht gegönnt, auch CYCLOPS nicht, der, vorläufig auf den Rollstuhl angewiesen, sich plötzlich mitten in einem seiner Videospiele wiederzufinden glaubt. So darf MARK BAGLEY ein Szenario gestalten, in dem die Fantasien von Game-Designern und H.P. LOVECRAFT aufeinandertreffen (oder jene eines besonders spaßig aufgelegten MIKE MIGNOLA, ganz nach Bedarf). Dämonen greifen an, angeführt von der GOBLIN QUEEN. Derartige Wesen gibt es nicht zum ersten Mal im MARVEL-UNIVERSUM. Hier hat es aber den Anschein, als würde man Kreaturen des MOLE MAN durch eine in LSD-getränkte rosarote Brille betrachten.

MARK BAGLEY stellt mal eben das Leben in MIAMI BEACH auf den Kopf und weckt Erinnerungen an Zerstörungsorgien wie GODZILLA oder PACIFIC RIM. Mittendrin ein wenig CTHULHU und JURASSIC WORLD, sehr bunt, sehr strahlend koloriert. An der Spitze der Monströsitäten steht eine Frau, die rein äußerlich damals sehr schön den GREEN GOBLIN, gezeichnet von Altmeister JOHN ROMITA Sr., ergänzt hätte. Chaos? Klar, wenn Dämonen angreifen, entsteht Chaos. Aber MARK BAGLEY bringt eine herrliche Ordnung in dieses Chaos, zeichnet perfekte Szenenfolgen, Massenszenen und, besonders an der Seite von CYCLOPS, Bilder, die tatsächlich einem Gameblockbuster entsprungen sein könnten.

Viel weniger düster als die Abenteuer rund um APOCALYPSE. Die X-MEN beschäftigen sich mit einfacheren, menschlicheren Problemen, bevor sie es bunt, bunter, knallbunt krachen lassen. Zeichner MARG BAGLEY brennt hier zusammen mit seinem Koloristenteam ein echtes Feuerwerk ab. Klasse Spaß-Action! 🙂

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Donnerstag, 06. Juli 2017

ECHO 1 – ATOMIC DREAMS

Filed under: Superhelden — Michael um 18:19

ECHO 1 - ATOMIC DREAMSJULIE MARTINS Ehe ist gescheitert. Im Beruf läuft es schlecht. Der Kühlschrank ist so gut wie leer. Ihre Mahlzeiten teilt sie sich mit ihrem Hund. Eigentlich kann es nur besser werden. Als sie in der Nähe des MOON LAKE Fotos schießen will, ereignet sich über ihr in der Luft eine Explosion. In der Folge fällt eine Art Hagel vom Himmel. Kleine Kügelchen bleiben dort, wo sie auftreffen, haften. Julies Wagen wird bedeckt, aber auch sie selbst bleibt nicht verschont. Und wirklich seltsam wird es, als sich das Material zu einer Masse verbindet und auf ihrer Brust einen elastischen, metallisch glänzenden Panzer bildet, der sich nicht mehr abziehen lässt …

TERRY MOORE hat sich mit seiner hierzulande neuen Geschichte ECHO des Superheldengenres angenommen. Der Künstler, der seine Comics selbst schreibt und in schwarzweiß zeichnet, stellt einmal mehr eine Frau in den Mittelpunkt seines Abenteuers, das durchaus in zweiter ebenfalls dem Science-Fiction-Genre zugerechnet werden kann. In der ersten Folge, ATOMIC DREAMS, beginnt alles mit einem Test. Ein neues Material, schützende Eigenschaften, eine andere Frau als Testperson, schließlich eine Tote. Kaltblütiges Vorgehen, immer einem finanziellen Interesse vorweg, verschuldet den Tod eines Menschen.

An diesem Punkt kann sich der Leser schnell denken, was der Hauptfigur JULIE MARTIN blüht, wenn sie mit dem Material auf ihrem Körper erwischt wird. Denn die Jagd auf sie ist alsbald eröffnet. TERRY MOORE stellt ihr dringend benötigte Helfer zur Seite. Teils darf der Leser über diese Hilfsmannschaft so überrascht sein wie Julie selbst. Als Jäger steht der jungen Frau ein intellektuelles Schwergewicht gegenüber, sinnbildlich gesprochen. Genauer konzipiert TERRY MOORE die Agentin der NATIONAL SECURITY BRANCH mit dem Namen IVY RAVEN als weiblichen SHERLOCK. Tough, kühl, überaus intelligent, immer Herrin der Lage und Mutter.

Die durchgängige Besonderheit von TERRY MOORE ist die Vorstellung seiner Figuren und seine Erzählweise. Neue Facetten seiner Charaktere oder ihres Umfelds sind immer Überraschungen und der berühmte rote Faden, dem der Leser nur allzu gerne folgt, weil die Handlung Spuren ebenfalls auslegt, von denen nie vorhergesagt werden kann, wann und ob und schon gar nicht wie sie weiterverfolgt werden. Beispielhaft hierfür sind JULIES dunkler Gegner (jeder Superheld braucht zwangsläufig einen) sowie ein Motelbesitzer, der ein fragwürdiges Verhältnis zu Tieren hat und den man als Leser nicht zu sehen bekommt.

TERRY MOORE zeichnet so gut und so exakt in Schwarzweiß, dass der Leser Farbe nicht vermisst. Das darf mit Fug und Recht behauptet werden, denn der Erfolg des Comic-Autors spricht für diese Feststellung. ECHO entstand vor der hier in Deutschland erfolgreichen Serie RACHEL RISING und nach seinem ungewöhnlichen Einstand STRANGERS IN PARADISE. TERRY MOORE nimmt sich für Szenen Zeit, erlaubt den Lesern einen tiefen Einblick in seine Charaktere, bevor, sehr bildhaft, die Hölle losbricht. Während JULIE MARTIN Ehrfurcht, ja, Angst vor ihren neuen Kräften hat, setzt ihr Gegenspieler seine Kräfte gnadenlos und brutal ein. Bei den Endergebnissen dieser Schlächterei darf der Leser über das überaus gnädige Schwarzweiß dankbar sein.

ALBERT EINSTEIN und ROBERT OPPENHEIMER, zwei Wissenschaftler, die mit ihren Arbeiten nicht nur zu einer veränderten Weltsicht beigetragen haben, sondern mit ihrer Forschung aktiv die Zukunft gestalteten, ohne die Folgen gänzlich zu Ende zu denken, werden von TERRY MOORE hier vor den einzelnen Kapiteln zitiert. TERRY MOORE lässt die Worte dieser beiden Genies kommentarlos wirken. Kaum ein Satz der beiden Männer ist geeignet, Optimismus zu verbreiten. Diese Strömung stimmt auf die jeweilig nachfolgende Geschichte ein, die von Kapitel zu Kapitel düsterer wird. Und Strömung ist ein passender Begriff, wenn ein Unwetter über der Wüste in Nevada zum Vorhang für ein höllisches Szenario wird.

Ja, der Mann kann es! TERRY MOORE schickt seine noch ganz am Anfang stehende Superheldin in einen Albtraum. In präzisem Schwarzweiß illustriert stellt er in seiner Geschichte eine ganz normale Frau einem Konzern, der Army und einem Irren gegenüber. Flucht und Überleben wird zum ersten Ziel. An etwas anderes ist kaum zu denken. Ein sehr erwachsenes Superheldenabenteuer, mit kritischen Augen erzählt, mit Horror abgeschmeckt und mit vielen überraschenden Wendungen. Wer abseits der üblichen Heldenuniversen nach Lesestoff sucht, liegt hier richtig. Und TERRY-MOORE-Fans sowieso! 🙂

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Mittwoch, 17. Mai 2017

SUPERMAN MEGABAND 2 – STÄHLERNE ABENTEUER

Filed under: Superhelden — Michael um 16:33

SUPERMAN MEGABAND 2 - STÄHLERNE ABENTEUERDie Ereignisse in Metropolis gehen seltsame Wege. Feinde können aus den unmöglichsten Richtungen kommen. Mit Freunden verhält es sich ebenso. BIZARRO hat SUPERMAN schon enorm viele Probleme bereitet. Das Spiegelbild des Stählernen, äußerlich verdreht und stets das Gegenteil von dem aussprechend, was er eigentlich meint, erhält plötzlich eine Chance, die niemand nach so vielen Jahren und so vielen Auseinandersetzungen auch nur erahnt hätte: Heilung. Der Heilung könnte Normalität folgen. BIZARRO hätte seinen Wahn unter Kontrolle, könnte dauerhaft helfen, anstatt nur zu zerstören. Aber nach einer derart langen Supergegnergeschichte ist der Wandel alles andere als leicht.

Nach BLUMEN FÜR BIZARRO geben sich weitere alte SUPERMAN-Feinde die Ehre, allerdings in neuem Licht, Seite an Seite mit neuen Gegnern, die aber nicht rundweg in die Klassifizierung Feind fallen. Gleich in der zweiten Geschichte IN DEINER OBHUT, in wunderbarem Zeichentrickstil von SEAN CHEEKS GALLOWAY illustriert, muss sich SUPERMAN einiges einfallen lassen, um jemandem eben KEINEN stimmten Gefallen zu tun. DEREK FRIDOLFS erzählt modern, schnell, behutsam und mit sorgfältig gesetzten Wendungen. Hier steht er beispielhaft für alle Autoren dieser Geschichtensammlungen, die ihr Metier, ein rundes, auf Heftlänge erzähltes Abenteuer, perfekt beherrschen.

KRYPTON, der Heimatplanet des Stählernen, wird gleich zweimal auf ungewöhnliche Weise thematisiert. Zuerst tritt eine GREEN LANTERN auf, die sich schuldig an der Zerstörung des Planeten wähnt und für die die Existenz eines Kryptoniers eine irrsinnige Chance darstellt. Das andere Mal macht SUPERMAN Bekanntschaft mit einem Roboter, der von der Zivilisation seines kryptonischen Vaters übrig blieb und nun ein ganz besonderer Freund werden könnte. Dreht sich in der ersten Geschichte einiges um Schuld und Sühne und kehrt sogar ein alter Feind zurück, erinnert im zweiten Abenteuer vieles an DER GIGANT AUS DEM ALL. Zeichnen sich die Bilder in DIE DUNKLE LANTERN von NEIL EDWARDS durch starken Realismus aus, finden sich in der Robotergeschichte EINZELKIND Grafiken von EVAN DOC SHANER, die deutliche Verbeugung vor einem 1950er Jahre Szenario darstellen. Das hat ein wenig Ähnlichkeit mit der leichten Stilistik eines STUART IMMONEN, der ebenfalls an SUPERMAN-Stoffen arbeitete.

METALLO sorgt für den Grusel im folgenden MEGABAND mit dem Untertitel STÄHLERNE ABENTEUER. Der Cyborg mit dem kryptonischen Innenleben und der für den Stählernen ungemein gefährlichen Strahlung ist zur DC-FRANKENSTEINMONSTER-VARIANTE geworden. Es gibt nur noch ein erklärtes Ziel, nämlich SUPERMAN zu töten. Grafisch sehr eindrucksvoll gerät die Hatz in ENTTARNT durch Zeichner GABRIEL RODRIGUEZ. Während ein abgehalfterter Journalist die merkwürdige Beziehung zwischen dem DAILY PLANET und SUPERMAN aufzudecken versucht, arbeitet sich METALLO sehr nah an sein Ziel heran.

Sehr mystisch, sehr überraschend und gleich von fünf Zeichnern angelegt, kommt die Geschichte SELTSAMER BESUCHER daher. Es geht um nichts weniger als den Niedergang der guten alten Erde und den Exodus ihrer letzten Bewohner. SUPERMAN-Fans können sich auf ein Wiedersehen mit KAMANDI freuen, der sich hier allerdings lange von seiner Jugend verabschiedet hat. Mystisch wird das Szenario durch die Begleitung SUPERMANS über die Jahrmilliarden bis zum terrestrischen Untergang. Ganz ohne Augenzwinkern geht es aber nicht vonstatten, wenn eine der frühen Begegnungen von SUPERMAN und BATMAN geschildert wird. Irrwitzig wird dieses Aufeinandertreffen mit einem weiteren Verbündeten (für SUPERMAN kein Unbekannter) und einem Heer aus wiederbelebten Kreaturen (mit klassischem Namen).

Viele verschiedene Blickwinkel auf eine Ikone der Popkultur, abseits der neueren Handlungsstränge und Events. In 13 Einzelepisoden werden bekannten Figuren neue Seiten abgerungen und gleichzeitig können sich ältere Leser an jene Zeiten erinnert fühlen, an denen die Figur des SUPERMAN kleine und große Abenteuer erlebte, ohne dass auf eine bestimmte Zeitlinie besondere Rücksicht genommen wurde. Es gab Eckdaten, die eingehalten wurden, darüber hinaus gab es viele Überraschungen. Und genauso verhält es sich auch hier. Das ist berührend, philosophisch, mit toller Action, geheimnisvoll, überhaupt sehr facettenreich. Für Comic-Leser, die einmal eine schöne Bandbreite des Stählernen kennenlernen wollen, tolles Lesefutter! 🙂

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Sonntag, 09. April 2017

CAPTAIN MARVEL – Band 1

Filed under: Superhelden — Michael um 18:36

CAPTAIN MARVEL - Band 1 - Sie fürchtet weder Tod noch TeufelMs. Marvel, Warbird, Binary und CAPTAIN MARVEL: Carol Danvers, altgediente Heldin innerhalb der AVENGERS-Gruppe, hat einiges mitgemacht. Ihre Kräfte bekam sie durch die Kree, sie ist trockene Alkoholikerin und der ABSORBING MAN beleidigt sie gar als Sekretärin von CAPTAIN AMERICA. Dabei gibt es innerhalb des Superheldinnenkanons nur wenige Frauen, die derart tough ihr Ding durchziehen, wenn auch mit allerlei Höhen und Tiefen. Aber Carol Danvers steht immer wieder auf.

CAPTAIN MARVEL stellt sich den unterschiedlichsten Herausforderungen. Zeitreisen, Kämpfe gegen japanische Truppen, auch gegen Dinosaurier, Supergegner nicht zu vergessen. CAPTAIN AMERICA, SPIDER-WOMAN, IRON MAN oder, ohne Superkräfte, die BANSHEE SQUAD kämpfen an ihrer Seite. Über Abwechslung und Gefahren braucht sich CAPTAIN MARVEL wahrlich nicht zu beklagen. Aber die Heldin hat noch ein Problem. Wechselnde Identitäten machen eine Selbstfindung nicht einfacher. Obwohl sie sich stark für andere engagiert, bleibt das eigene Leben oftmals auf der Strecke.

Superhelden mit echten Problemen. Ein Credo moderner Superhelden, möchte man behaupten. Für diese CAROL DANVERS haben sich die beiden Autoren etwas ausgedacht, dem nicht so einfach beizukommen ist und von deren Gefährlichkeit die Frau hinter CAPTAIN MARVEL sehr überrascht wird. Das ist ein außerordentlicher Antrieb, der hier in der zweiten Hälfte einsetzt, während in der ersten Hälfte noch, man könnte sagen, Superhelden-Heilewelt herrscht.

Zwei Zeichner machen den vorliegenden ersten Sammelband (von zweien) zu einem optischen Erlebnis, weil sie einigermaßen unamerikanisch daherkommen. DEXTER SOY ist mehr der asiatischen Strömung auf dem Comicmarkt zuzuordnen, während FILIPE ANDRADE eine deutlich europäische Stilrichtung einschlägt. In SOYS Bildern finden sich Anklänge von Pat Lees Zeichenstil, ebenfalls ein Künstler, der für sich den Mangastil weiterentwickelte und sich mit den TRANSFORMERS einen Namen machte. DEXTER SOY hat es mit seiner Arbeit neben CAPTAIN MARVEL schon mit den GUARDIANS OF THE GALAXY, mit DEADPOOL und anderen Marvel-Charakteren zu tun. Seine Grafiken, die ein wenig von der Schnelligkeit eines Storyboards haben, werden von einer weichen Kolorierung, einer Imitation milchigen Farbauftrags, von Gouache und Markern, gestützt.

FILIPE ANDRADES Figuren und die figürliche Umgebung fallen durch eine geisterhafte, spinnenartig dürre Erscheinung auf. Optisch finden sich so Parallelen zu Künstlern wie Virginie Augustin (Das Schattenreich von Troy, Alim der Gerber). Zerbrechlich, mit verzierenden Linien, wie sie im Jugendstil zu finden sind, ergibt sich zur sehr starken, wuchtigen Bildführung von DEXTER SOY ein ziemlicher Kontrast und für die gesamte Serie entsteht ein völlig neues Grundgefühl. Das ist grafisch, so weit weg von Good Old Europe , sehr erfrischend, vor allem aber sehr eigenständig und auffällig.

Ich mag diesen Zeichenstil sehr, er zwingt zu genaueren, sorgfältigeren Betrachtung und lässt einen mehr entdecken. Dadurch wirkt das Superheldenleben auf einmal fremder, zauberhafter und gibt dem Szenario etwas mehr Magie, die doch in den letzten Jahren durch die Fülle des Angebots etwas reduziert wurde.

In gut drei längeren Handlungssträngen entwickeln die Comic-Autoren KELLY SUE DECONNICK und CHRISTOPHER SEBELA, die den Leser auf neuem Wege an den Charakter von CAROL DANVERS alias CAPTAIN MARVEL heranführen. Geerdet, flott, sehr einfallsreich und besonders im dritten Drittel unter dem Zeichenstift von FILIPE ANDRADE sehr originell. 🙂

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Link: filipeandradeart.blogspot.de (Blog von FILIPE ANDRADE)

Sonntag, 26. Februar 2017

RED HOOD & ARSENAL – MEGABAND 1

Filed under: Superhelden — Michael um 19:55

RED HOOD & ARSENAL - MEGABAND 1 - KÄUFLICHE HELDENRED HOOD und ARSENAL, zwei junge Helden, die schon vieles erlebt haben und dabei nicht jede Situation auf dem rechten Fuß erwischt haben. Nun will sie keiner mehr so richtig an ihrer Seite haben und irgendwie haben sie auch die Nase gehörig voll vom Heldengeschäft. Was liegt also näher, als wirklich ein Geschäft daraus zu machen, zu Miethelden zu werden? Wenn schon kein Ansehen, dann wenigstens Kohle! Klingt nicht schlecht, wenn es gut läuft, aber aller Anfang ist bekanntlich schwer.

SCOTT LOBDELL hat sich zweier jugendlichen Helden angenommen, die verdammt unkonventionell zu Werke gehen. Das Titelbild gibt einen hundertprozentigen Eindruck über das Duo, ein dynamisches zwar, aber weit entfernt von den Prinzipien eines BATMAN und GREEN ARROW, mit denen die beiden einstmals unterwegs waren.

JASON TODD ist RED HOOD. Der junge Mann stand früher als ROBIN an BATMANs Seite, wurde jedoch vom JOKER getötet, ein unerhörter Vorgang im DC-Universum, wo Helden äußerst sparsam ernsthaft verletzt werden oder gar umkommen. Wieder unter den Lebenden agiert er ausgerechnet unter dem Namen eines Kriminellen und darüber hinaus unter jenem Namen, der vom späteren JOKER kurz benutzt wurde. ROY HARPER nannte sich als Sidekick von GREEN ARROW früher SPEDDY. Aus dem trockenen Alkoholiker, versierten Bogenschützen und Technikgenie wurde ARSENAL. Die beiden Miethelden ziehen die Farbe Rot als Erkennungsmerkmal vor, aber immerhin mag JASON TODD auf das Fledermaussymbol nicht völlig verzichten.

Nach einigen ernsthaften Szenarien, umwälzenden Events gibt sich das Szenario um RED HOOD und ARSENAL creepy, anarchistisch, krachend. Das liegt natürlich auch an den Gegnern der beiden, die um einiges verrückter sind als jene, mit denen es ein BATMAN zuweilen zu tun bekommt. Die TOCHTER DES JOKERS oder auch UNDERBELLY bilden da die berühmte Spitze des Eisbergs. Eine junge Frau rennt mordend mit der abgezogenen Hautfratze des JOKERS durch die Gegend. UNDERBELLY könnte ein Bruder des Golgataners aus DOGMA sein, allerdings durchsetzt vom kriminellen Ehrgeiz eines PATEN. Manchmal geht es so wild und abgefahren wie in einem SPAWN-Szenario zu.

Grafisch ist Realismus Trumpf, trotzdem ist die Linie, auf der sich die Comic-Künstler tummeln, variabel gehalten. DENIS MEDRI, der den Auftakt zeichnet, liebt einen Strich von exakter Strenge, mit einer Spur Manga. PAOLO PANTALENA ist der Vertreter einer grafischen Richtung wie sie auch ein LEINIL FRANCIS YU pflegt. Vielleicht ist noch eine Prise PAT LEE mit dabei. Die Figuren sind etwas gestreckter, stets werden ein paar Linien mehr gesetzt, der Gesamteindruck ist etwas unruhiger als bei den peniblen Illustrationen eines DENIS MEDRI.

JAVIER FERNANDEZ lässt es hingegen krachen. Hier fühlt man sich in einen Fotoroman versetzt, einem nachempfundenen Film, dessen Bilder ein wenig reduziert, abstrahiert wurden. Trotz der verrückten Handlung, wirkt dieses Abenteuer besonders ernsthaft. JOE BENNETT hingegen holt eine sehr klare Linie in die Optik zurück. Freunde von Zeichnern wie PAUL GULACY (JAMES BOND: 007, CONAN) werden ihre Freude haben. Fette Außenlinien, genau platzierte Innenlinien, starke Schatten wecken, obwohl überzeichneter als damals, Erinnerungen ans BRONZE AGE der Comics.

In einer Zeit, da BRUCE WAYNE alias BATMAN verschwunden ist und die Verbrechensjagd anderen überlässt, machen sich RED HOOD und ARSENAL an den Kampf gegen die Schurken. Ob Nachahmer bekannter Gauner, Rückkehrer oder auch neumodische Lavazombies, die Geschwindigkeit der Erzählung von SCOTT LOBDELL ist hoch, die Illustrationen werden hohen Ansprüchen gerecht. Sehr actionlastig. Zwei Hauptcharaktere mit ebenfalls hohem Sympathiefaktor buhlen um die Gunst der Leser. Sie kommen nicht aus dem Comic-Nichts, raufen sich aber erst hier so richtig zusammen. Passt! Mehr davon! 🙂

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Donnerstag, 23. Februar 2017

THANOS – DIE INFINITY-EINHEIT

Filed under: Superhelden — Michael um 10:03

THANOS - DIE INFINITY-EINHEIT - MARVEL EXKLUSIV 121Adam Warlock ist ein Held ohne Erinnerung. Gerade erst neu geboren, gestrandet im Weltall, ohne zu wissen, wo er sich befindet und wann er wieder bei den Lebenden aufgetaucht ist. Das ist für ein Wesen seiner Machtfülle auch nicht so schlimm, denn Adam Warlock denkt und schon befindet er sich am Ort seiner Gedanken. Wenn die Gedanken allerdings gerade nicht so recht steuerbar sind und scheinbar Irrwege gehen, wird es selbst für einen Titanen wie Adam Warlock ein schwierige Angelegenheit hinter die Lösung des Rätsels zu blicken.

Autor Jim Starlin ist ein echter Veteran in Sachen Comics. Er hat die beiden großen Comic-Verlage kennengelernt und zum Beispiel in der Welt von BATMAN Spuren hinterlassen (mit der Geschichte um den Tod eines ROBIN). Für MARVEL arbeitete er am SILVER SURFER und die Handlung um ADAM WARLOCK ist am ehesten mit der Atmosphäre um den Surfer vergleichbar, der oft ein wenig verloren in seinem Umfeld wirkt. Immer auf der Suche nach einer neuen Familie im Universum, einer Bestimmung und dennoch dazu verdammt, allein seinen Weg zu beschreiten. ADAM WARLOCK könnte in THANOS – DIE INFINITY-EINHEIT kaum verlorener sein als der silberne Weltraumvagabund.

ADAM WARLOCK ist nur deutlich mächtiger als der Surfer. In seinem Zustand hat das Auswirkungen. Ein Kleinkind könnte nicht tapsiger sein. Sein Zusammentreffen mit zahlreichen bekannten Gesichtern, auch solchen, die ansonsten lieber im Hintergrund agieren, wird zu einer Nagelprobe für das gesamte Universum. Das Titelbild gibt bereits Aufschluss über das erste Zusammentreffen von ADAM WARLOCK mit ein paar sehr bekannten Helden, damals mehrheitlich RÄCHER genannt, heute modern nur noch AVENGERS gerufen.

JIM STARLIN erzählt von diesem Zusammentreffen mit einer herrlich naiven Nostalgie. Damals, zur Zeit der Entstehung vieler MARVEL-Figuren, waren die Konstellationen einfacher. Aber sie waren mitunter nicht weniger speziell. Besagter SILFER SURFER oder auch die Welt von THOR spielten mit leicht vergeistigten, philosophischen Szenarien. Da die Geschichte in einer Reihe rund um die Geschehnisse rund um THANOS handelt, ist DIE INFINITY-EINHEIT vor allem für jene gedacht, die diesem Strang folgen und zum engeren Kreis der MARVEL-Enthusiasten gehören. Denn wer hier einfach eine Superheldenkeilerei erwartet, der wird enttäuscht werden. Wer allerdings die mystischen und rätselhaften Ausflüge der FANTASTIC FOUR mit Begeisterung verfolgt hat, dem wird diese Geschichte gefallen.

ALAN DAVIS, der grafisch in den Fußstapfen eines JOHN BUSCEMA wandelt, zu den großen MARVEL-Illustratoren gehört, hat sich nun ADAM WARLOCK angenommen und stellt ihm einen altbekannten Feind des MARVEL-Universums gegenüber, der wiederum, wie kann es anders sein, anfangs aus dem Verborgenen agiert. Ganzseitige Bildcollagen, Doppelseiter, mystische Ansichten, hinreißende Space-Action, gruselige Charaktere werden von ALAN DAVIS mit Bravour in Szene gesetzt.

Aber wir sind im Weltall und deshalb braucht es zu passenden Atmosphäre noch einen ganz besonderen Kick. MARK FARMER tuscht die Bilder von ALAN DAVIS mit der nötigen Präzision, doch was die Bilder hier vor dem Auge explodieren lässt, ist die tolle Kolorierung von JORDAN BOYD und WIL QUINTANA. Beleg dafür ist ADAM WARLOCKs Erleben des Urknalls und des Zusammentreffens von ihm mit den Omnipotenzen, den allmächtigen Kreaturen, von das MARVEL-Universum einige zu bieten hat. Durch die Farbgebung erhalten die vernichteten Welten, irrwitzige Kreaturen, zersplitterten Planeten den letzten Schliff für ein Comic-Kleinod.

Für MARVEL-Hardcorefans, hier geht es ans Eingemachte, tief in die marvelsche Mystik und den Ideereichtum eines JIM STARLIN rund um die mythologische Übermacht eines THANOS und dem Chaos, das seiner Allmacht und Zerstörungswut folgt. Wunderbar illustriert von ALAN DAVIS und einem Top-Grafikteam. 🙂

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Dienstag, 21. Februar 2017

DIE NEUEN X-MEN 2 – DIE APOCALYPSE-KRIEGE

Filed under: Superhelden — Michael um 11:31

DIE NEUEN X-MEN 2 - DIE APOCALYPSE-KRIEGEMagie und Zauberei sollten Superhelden generell solchen überlassen, die sich damit auskennen. Und bei rechter Sicht auf die Dinge gibt es nur einen, der sich wirklich damit auskennt und das ist Dr. Strange. Hank McCoy alias Beast ist ein wissenschaftliches Genie, will sich aber keiner Möglichkeit zur Lösung eines Problems verschließen. Doch als blutiger Laie bittet er den Doktor um Hilfe. Leider überlässt der Magier ihm ein Artefakt, das noch für sehr viel Ärger sorgen wird …

Zeitreisen. Nicht zum ersten Mal, nicht zum letzten Mal sind X-Men in den Jahrhunderten, Jahrzehnten unterwegs. Diesmal geht die Reise in das alte Ägypten, in jene Tage, als Apokalypse noch ein kleiner Junge war, der von den Gewalttätigkeiten nichts wissen wollte und eigentlich nur davon träumte, den Grausamkeiten zu entkommen. DENNIS HOPELESS legt gerade in die zweite Hälfte der Geschichte besonders viel Gefühl. Fünf US-Hefte umfasst der vorliegende Sammelband und konzentriert sich im Kern auf das ungewöhnliche Zusammentreffen von KID APOCALYPSE, der Klon des Originals, und die junge Ausgabe von APOCALYPSE selbst.

Der Kämpfer ist in der später fast übermächtigen Kreatur bereits vorhanden. Aber eine Erziehung, die über Leichen geht, hat das Kind ebenso früh müde gemacht und die Seele zermürbt. Während sich Zeichner PACO DIAZ mit den Passagen beschäftigt, die sich rund um den gemeinsamen Einsatz von BEAST und DR. STRANGE drehen, ist MARK BAGLEY derjenige, der sozusagen die Einleitung gestaltet und den Leser nach der Überleitung durch PACO DIAZ ins alte Ägypten transportiert. Beide Comic-Künstler kommen sich technisch nahe, Unterschiede gibt es dennoch, so dass sie gut auseinander zu halten sind.

PACO DIAZ hat einen feineren Strich, grazil, zerbrechlich, penibel genau wie eine Bauzeichnung. Er begleitet mit seinen Bildern, das Aufeinandertreffen von realer Welt und des Jenseitigen, wo die Geister hausen, die ein DR. STRANGE sehen kann. Für diese Vielschichtigkeit, die sich in einer Mixtur von schwarzweißen und farbigen Bildanteilen äußert, ist er mit seiner Technik der richtige Mann. An machen Stellen gibt es sogar weitere bunte Überlagerungen. Es besitzt stellenweise den Charme von MARVEL-Animationen und einen spannende Tiefe, wenn sich Kreaturen einmischen, die der Fantasie eines H. P. LOVECRAFT entsprungen sein könnten.

MARK BAGLEY, MARVELS Zeichner, der schon mit dem ULTIMATE SPIDER-MAN und den FANTASTIC FOUR begeisterte, ist zu einem meiner Lieblingszeichner des MARVEL-Universums geworden. Hier ist ein kräftiger Strich zu finden, wie ihn Comic-Kollegen wie ALAN DAVIS pflegen, oder Vorgänger wie JOHN BUSCEMA lange vorher für MARVEL entwarfen. Das ist einerseits künstlerisch modern, andererseits aber auch traditionalistisch geprägt, alte Schule im besten Sinne. Es ist kein Wunder, dass MARVEL Künstlern wie ihm einige der wichtigen Comic-Serien anvertrauen.

In der zweiten Hälfte von DIE NEUEN X-MEN 2, DIE APOCALYPSE-KRIEGE, offenbart sich eine weitere Stärke von MARK BAGLEY. Die Mixtur aus Technik, Antike, Schwertkämpfen, Magie und historischen Gewändern beflügelt den Künstler zu grafischen Meisterleistungen. Es wäre wünschenswert, wenn MARVEL BAGLEY die Gelegenheit gäbe, noch einmal mit einem solchen Szenario arbeiten zu können.

Tolle Fortsetzung, mit einem präzise erzählten und gezeigten Fokus auf der jungen APOCALYPSE-Variante. Fans von MARK BAGLEY kommen voll auf ihre Kosten, Fans der X-MEN lernen eine klasse Facette dieses Teils des MARVEL-Universums kennen. 🙂

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Dienstag, 20. Dezember 2016

VENOM: SPACE KNIGHT 1 – Galaktische Symbiose

Filed under: Superhelden — Michael um 15:54

VENOM: SPACE KNIGHT 1 - Galaktische SymbioseFlash Thompson hat als Agent VENOM eine weite Reise hinter sich gebracht. Er kämpfte an der Seite der GUARDIANS OF THE GALAXY, doch nun ist er allein. Flash hat Geschmack an seiner Funktion als kosmischer Ritter und eilt nun von Krise zu Krise zu Krise … Inzwischen ist klar, dass es sich bei dem Symbionten, den er mit sich trägt, um einen Klyntar handelt, ein außerirdisches Lebewesen. Und ganz entgegen den Erfahrungen, die SPIDER-MAN immer wieder mit VENOM gemacht hat, hat sich der Symbiont nun erholt, hat alle seine Sinne beisammen und ist eine effiziente Verbindung mit dem ehemaligen Soldaten Thompson eingegangen.

Ein Superheld, dem unterhalb der Knie die Beine amputiert wurden und dank eines Symbionten zu einem Retter im Kosmos geworden ist. Nicht zum ersten Mal bereist ein MARVEL-Held die Weiten des Alls. Die erwähnten GUARDIANS, NOVA natürlich, aber auch die AVENGERS haben sich im Weltraum herumgetrieben. Mit VENOM: SPACE KNIGHT wandelt der Mensch unter dem Symbionten, Flash Thompson, ein wenig auf den Spuren einer Green Lantern, denn ein Agent des Kosmos ist nicht völlig auf sich allein gestellt.

Autor Robbie Thompson (bestimmt nicht verwandt oder verschwägert mit Flash) spielt mit den Fähigkeiten des Symbionten und zieht aus der Kulisse ähnliche Register wie es die Macher von STORM taten, allerdings darf außerdem nicht PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS vergessen werden. Flash Thompson erhält den Roboter 803 als Reisebegleiter, dessen einziger Wunsch es bis zu diesem Zeitpunkt ist, zerstört zu werden. Hier finden sich kleine Parallelen zum deprimierten Marvin aus dem Anhalter. Hier spielt einer gekonnt mit dem sehr weiten Genre. Autor Robbie Thompson kennt sich auf der kurios gruseligen Seite der Fantasie weidlich aus, schließlich gehört er nicht umsonst seit Staffel 7 zum Autorenteam von SUPERNATURAL.

Wer Spaß an Star Wars hat, national betrachtet an Perry Rhodan, oder an Werken von Comic-Künstler Don Lawrence, etwa Storm oder Trigan, der wird die Arbeit von Ariel Olivetti lieben. Olivetti zeichnet keine Comics, der Argentinier malt sie. Jedes Bild besitzt Posterqualität. Hierzulande konnte er mit dem Crossover Superman / Batman / Predator / Aliens eine optisch faszinierende Graphic Novel vorstellen. Ariel Olivetti nimmt sich gerne möglichst viel Raum für seine Bilder und Robbie Thompson legt die Geschichte so an, dass der Argentinier auch die Gelegenheit dazu erhält.

Einige ganzseitige Bilder gönnt sich Ariel Olivetti. Darüber hinaus arrangiert er die Einzelbilder einer Seite gerne so, dass ein toller cineastischer Eindruck entsteht. Die Grafiken verströmen nicht nur modernes Flair. Durch das Design der Figuren schleicht sich auch das wunderbare Flair früherer SciFi-Jahre ein. Hier könnte ganz im Stil der 1930er oder 1940er Jahre gleich ein anderer Flash, nämlich Flash Gordon um die Ecke kommen. Schöne Einfälle werden hier gekonnt umgesetzt. Anklänge an irdische Mythologie finden sich hier ebenso wie Vermischungen verschiedener, teils putziger Erdentiere, die ein spaßiges wie groteskes Auftreten haben.

Ein grafischer Knaller! Comic-Künstler Ariel Olivetti ist längst kein Geheimtipp mehr, dennoch sei dieses Weltraumabenteuer jedem ans Herz gelegt, der es bunt, einfallsreich, modern und nostalgisch zugleich mag und dazu noch mit 150prozentiger Perfektion illustriert. Klasse! 🙂

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Mittwoch, 14. Dezember 2016

BATMAN EUROPA

Filed under: Superhelden — Michael um 18:46

BATMAN EUROPAAngriff auf BATMAN! Das kennt der Dunkle Ritter. Er hat wahrhaftig gelernt, damit umzugehen. Aber diese neue Sorte macht ihm schwer zu schaffen. Sie erfolgte heimtückisch und überaus geschickt aus dem Hinterhalt und gleich an zwei Fronten. BATMAN findet schnell einen ersten Hinweis, doch von der Lösung des Falls, in dessen Mittelpunkt er selbst steht, ist er weit entfernt. Sogar wortwörtlich, denn er ist gezwungen, Gotham City zu verlassen und sein Jagdgebiet auf EUROPA auszuweiten. Seine erste Station lautet BERLIN.

BERLIN, PRAG, PARIS und ROM. Große Städte, große Namen. Hier fallen die beiden ewigen Gegenspieler, BATMAN und JOKER, ein. Weil beide von derselben Krankheit befallen sind, agieren sie gemeinsam. Eine sehr unglückliche Mischung, die dauerhaft von Misstrauen geprägt ist. Autor Brian Azzarello und Kollege Matteo Casali schmieden hier ein Paar zusammen, das nur unter Zwang gemeinsam handeln kann. Und selbst dann befindet sich BATMAN im Zweifel, oder der irre Clown an seiner Seite nicht doch plötzlich seine Aggressionen gegen den Dunklen Ritter richtet.

BATMAN EUROPA bietet einerseits ein gewohntes Bild der beiden Erzfeinde, andererseits ist die Präsentation dunkler, (alp)traumhafter und viel, viel bedrohlicher als gewohnt. Selbst der bei DC-Fans allseits bekannte Jim Lee, der mit seinen Arbeiten zu BATMAN und SUPERMAN viel Aufmerksamkeit erregte, reiht sich stilistisch in die surreale Atmosphäre dieser Reise nach EUROPA ein. Denn optisch wird an allen Ecken nach einer Veränderung gesucht. Hier findet sich eine aquarellartige Kolorierung. Ebenso sind, höchstwahrscheinlich computerisiert, Buntstifte und Kreide und Ölfarbe zum Einsatz gekommen.

Die grafische Krönung ist die Ausreizung optischer Eindrücke, wenn in der PARISER Episode versucht wird, einen scheinbaren 3D-Effekt zu erzielen, mit künstlerischer Fotoverfremdung inklusive. Man stelle sich gedruckte 3D-Vorlagen für die gute alte 3D-Brille vor, diese teilweise etwas verschwommen, an anderen Stellen übersch?rft. Hinzu kommt ein künstlerischer Eindruck, etwa, wenn Werke eines H. R. Giger im Vollrausch konsumiert würden. Seltsamerweise passt die Optik zur wahnsinnigen Handlung, auch hier mit einem wahnsinnigen JOKER inklusive.

Wahn mit Methode. BATMAN und JOKER sind schwer krank. Die Optik versucht gerade diesen Aspekt, die immer schwächer werdenden Helden auf ihre Art auszudrücken. Das funktioniert oft, ist aber im Ausdruck (Vorsicht Wortspiel) manchmal zu erdrückend. Faszinierend anzuschauen, gar keine Frage, nur passt es, sobald es zu krass wird, nicht mehr so ganz zu einem BATMAN-Abenteuer.

Zu ungewöhnlich für den BATMAN-Otto-Normalleser. Wer sich mit den üblichen Events innerhalb der Comic-Universen anfreunden kann, dem normal agierenden BATMAN folgt, wird mit diesem Experiment nicht ganz so viel anfangen können. Wer sehen möchte, wie sich ein Superheld einmal anders ausprobiert und durchaus neues Potential entdeckt, sollte einen Blick riskieren. 🙂

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