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Comic Blog


Montag, 06. Januar 2020

SAVAGE AVENGERS 1

Filed under: Superhelden — Michael um 18:36

SAVAGE AVENGERS 1 - DIE STADT DER SICHELNDAS WILDE LAND! Ausgerechnet die HAND treibt dort ihr Unwesen. Die vermummten Attentäter hatten schon oft mit anderen Klingenträgern zu tun. Selbstverständlich gehörte WOLVERINE dazu. Für den X-MAN ist es fast ein besonderes Vergnügen, die Assassinen vom Leben in den Tod zu befördern. Diesmal aber bleibt für ihn nicht mehr viel zu tun, denn ein neuer Krieger hat das Schlachtfeld betreten, nicht minder kampferfahren und fast ebenso hart im Nehmen. Sein Name: CONAN. Als BARBAR bekannt, verdingt er sich als SÖLDNER und DIEB. Attentäter der HAND sind für ihn kaum nennenswerte Gegner. Bei WOLVERINE sieht die Lage schon ganz anders aus! So einen Feind hatte CONAN noch nie!

Manchmal, nicht oft, betrachtet man die Fülle der Comic-Erscheinungen, gerade bei den beiden großen amerikanischen Verlagen DC und MARVEL, gibt es Überraschungen. Dieser Auftaktband zu SAVAGE AVENGERS gehört dazu. AVENGERS gab es in der Vergangenheit, der Gegenwart viele und bestimmt wird es in der Zukunft noch mehr geben. Unendlich viele Teams waren oder sind dort zu finden. Wenn mal wieder ein neues aufgestellt werden soll und zufällig eine Liste seitens der Bestandsmitglieder eingesehen wird, wer denn mal wieder in die Reihen aufgenommen werden soll, stellt sich schnell die Frage, wer war eigentlich noch nicht dabei?

Kurios waren bereits die DARK AVENGERS. Die SAVAGE AVENGERS gehen noch einen Schritt weiter, denn sie versuchen gar nicht erst das Original zu kopieren. Der PUNISHER, WOLVERINE, ELEKTRA, VENOM, DR. VOODOO und (verdammt speziell hier) CONAN geben sich hier die Ehre in einem sehr FANTASY-lastigen Szenario. Schön ist, dass Autor GERRY DUGGAN nicht mit den Charakteren experimentiert hat, sondern jeden davon in seiner ursprünglichen Konzeption behandelt. Da wurde nichts extra für die Handlung getrickst. CONAN besitzt das Herz und das Hirn des HYBORISCHEN ZEITALTERS, WOLVERINE lässt das Tier raus und der PUNISHER wird durch ein paar (sehr gemeine) Vorkommnisse bis aufs Blut gereizt.

Auf diesen dreien MARVEL-HELDEN liegt das Hauptaugenmerk der Handlung. DR. VOODOO, ELEKTRA sind eher Nebenfiguren. VENOM hingegen ist ein Werkzeug für die Handlung und nimmt einen sehr wichtigen und äußerst (!) ungewöhnlichen Part ein. Das hätte kein Leser, selbst der größte MARVEL-FAN jemals vorhersehen können. Hut ab vor GERRY DUGGAN, dass er sich keinerlei Grenzen gesetzt hat. Was dabei herauskommt, ist über die Maßen aufregend, spannend und gelungen.

Zwei Illustratoren sind hier zu nennen: DAVID FINCH hat die, wieder einmal, höchst perfekten Cover der hier versammelten fünf Kapitel geliefert (die Einleitung, im Prinzip ein sechstes Kapitel, entstammt einer Ausgabe des FREE COMICBOOK DAY). Der Hauptzeichner und Tuscher allerdings, MIKE DEODATO JR., steht DAVID FINCH technisch in keinster Weise nach. Hart realistisch, rau, sehr düster, dem Szenario völlig angemessen. Denn die Handlung startet im WILDEN LAND, aber es wird ein Trip, der ausschaut, als marschierten die SAVAGE AVENGERS geradewegs in die Hölle. Im übertragenden Sinne, weil das Ziel DIE STADT DER SICHELN ist. Und anstelle des Teufels eine alte Gottheit herausbeschworen wird, eine Art gigantischer menschenfressender ZENTAUR.

Man merkt, es wird außerordentlich phantastisch, selbst für solche Leser, die schon häufiger mit CONAN zu tun hatten. Es gibt ordentlich viel Magie, einen ziemlich besonderen Auftritt von VENOM (von dem man wahrlich schon viel gesehen hat). Kurz gesagt, die Kämpfe reichen von der normalen Auseinandersetzung, sehr heftigen Momenten (die der Leser von WOLVERINE durchaus gewohnt ist) bis hin zur bombastischen Gigantomanie, in der es blockbustermäßig kracht!

Eine blutige Angelegenheit, stark vom Genre FANTASY dominiert. Wer die normalen AVENGERS gewöhnt ist und etwas ähnliches bei den SAVAGE AVENGERS erwartet, liegt hier total falsch. Wer CONAN mit neuen Freunden möchte, der ist hier goldrichtig! Fetzig hart illustriert von MIKE DEODATO JR. und streng düster durcherzählt von GERRY DUGGAN. Hier werden keine Gefangenen gemacht! Stark! 🙂

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Freitag, 03. Januar 2020

MILES MORALES: SPIDER-MAN 1

Filed under: Superhelden — Michael um 18:29

MILES MORALES: SPIDER-MAN 1, TAGEBUCH EINES JUNGEN HELDENEin jugendlicher SUPERHELD hat es alles andere als leicht. Der Alltag eines Schülers ist schon streßig. Schlägt man sich dann noch die Nächte um die Ohren, um irgendwelchen Ganoven SUPERSCHURKEN die Flötentöne beizubringen, stellt sich irgendwann, meist sehr schnell, ein ziemlicher Erschöpfungszustand ein. SPIDER-MAN alias PETER PARKER konnte ein Lied davon singen. Und bei MILES MORALES, ebenfalls ein SPIDER-MAN, sieht es nicht besser aus. Außerdem, da lange nicht so erfahren wie die übrigen SUEPERHELDEN, sammelt der Junge täglich neue Eindrücke, die irgendwie verarbeitet werden wollen. Zeit für ein TAGEBUCH!

Eigentlich als Schulprojekt gedacht, eröffnet sich für MILES MORALES so eine Möglichkeit, seine neuesten Erfahrungen zu verarbeiten. Zwar werden diese Gedanken (auch ein Teil des Schulprojekts) niemals von einem anderen Menschen gelesen werden, aber immerhin kann er sich so alles einmal von der Seele schreiben. Und das ist nicht eben wenig.

RHINO, eine KINDERARMEE, CAPTAIN AMERICA, STARLING, TOMBSTONE sind ein paar Begegnungen, mit denen sich MILES MORALES alias SPIDER-MAN herumschlagen muss. Und natürlich LYLE DUTCHER nicht zu vergessen. Der KONREKTOR hat es ebenso auf MILES MORALES abgesehen. Schüler, die zu spät und übermüdet in der Schule erscheinen, sind für den Pädagogen ein rotes Tuch. Hier mag sich Autor SALADIN AHMED ein wenig an die Filmlegende FERRIS BUELLER erinnert haben (auch diesem Schüler hing ständig eine schulische Nemesis im Nacken). Aber SCHULE ist SCHULE und SUPERSCHUKREN sind SUPERSCHURKEN.

Bei letzteren hat sich SALADIN AHMED ein ungewöhnliches MARVEL TEAM-UP einfallen lassen. RHINO kämpft an der Seite von SPIDER-MAN. Das würfelt nicht nur sehr verschiedene Fähigkeiten zusammen, es mischt auch zwei sehr unterschiedliche Generationen. Das äußert sich nicht nur in den Ausdrucksweisen der beiden. Binnen kurzer Zeit wird das Duo auch noch zum Trio um CAPTAIN AMERICA komplettiert. Kling zuerst schräg, funktioniert aber sehr gut.

MILES MORALES setzt als SPIDER-MAN einen neuen Startpunkt. PETER PARKER ist mit den Jahren an Erfahrung gealtert, längst aus der Schule heraus, arbeitete als Lehrer, wurde von DR. OCTOPUS ersetzt und erlebte vieles mehr. Mit MILES MORALES konnte noch einmal bei Null angefangen werden, in einem neuen Jahrtausend und den Erfahrungen, die Jugendliche in diesem Jahrtausend (den ersten beiden Jahrzehnten) nun einmal machen. Das ist, stellt man Vergleiche an mit jenen Zeiten, als SPIDER-MAN noch von JOHN ROMITA (Senior) gezeichnet wurde, nicht mehr ganz so bierernst wie damals. Durch Zeichner (und Tuscher) JAVIER GARRÓN wird dies umso deutlicher.

Der Comic-Künstler zeichnet sehr gut, sehr sauber, aber auch verspielter und rückt damit mehr in die Nähe eines Künstlers wie ED MCGUINNESS, der ebenfalls im MARVEL-UNIVERSUM als Zeichner unterwegs ist, hierzulande aber bekannter für seine Arbeiten für SUPERMAN, BATMAN und Konsorten sein dürfte. JAVIER GARRÓN kommt eine spezielle Aufgabe zu. Während sich viele Zeichner auf besondere Ereignisse auf den Superheldenschlachtfeldern, im Weltall oder an anderen ungewöhnlichen Orten konzentrieren können, darf JAVIER GARRÓN, wie bei SPIDER-MAN zu erwarten, auch die private Seite eines Superhelden abdecken. Und das bedeutet: SCHULE. Unterricht, Freunde, Rivalen, Liebe, Lehrer. Das volle Paket also. Die private Seite tritt selbstredend etwas kürzer als die nächtlichen Abenteuer des vornehmlich schwarz gewandeten SPIDER-MAN. Die Leser sollen schließlich keine Comic-Folgen von BEVERLY HILLS 90210 vorgesetzt bekommen.

Es hat Drama, wie nicht anders zu erwarten ist, wenn Kinder entführt werden. Es hat Witz, durch das Zusammentreffen von RHINO und SPIDER-MAN sehr schön umgesetzt. Es hat Action satt, nicht zuletzt durch Feinde wie TOMBSTONE, der nun mal gar keiner ist, der Gefangene macht. Es hat neue interessante Figuren wie STARLING, die wie eine junge, frische Version des VULTURE daher kommt, so dass SPIDER-MAN seine eigenen Erfahrungen mit einem Geflügelgegner machen darf. Es hat einen starken Autoren wie SALADIN AHMED und einen nicht minder tollen Illustratoren wie JAVIER GARRÓN, dessen Arbeit durch einen Koloristen wie DAVID CURIEL regelrecht geadelt wird. Top! 🙂

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Sonntag, 15. Dezember 2019

DER PLANET DER SUPERMEN

Filed under: Superhelden — Michael um 18:59

DER PLANET DER SUPERMENWer sind die drei SUPERMEN, die plötzlich auf der Erde auftauchen, offenkundig mit einem Raumschiff angereist? Zunächst bleibt ihre Ankunft rätselhaft, doch sie sind nicht feindselig, sondern geben sich eher als Hilfstruppen SUPERMANS, denn selbst der schnellste Superheld kann nicht an jedem Brennpunkt auf der Erde zur selben Zeit sein. Außerdem gibt es da noch ein anderes Problem, weniger terrestrisch, als vielmehr extraterrestrisch, auf dem Planeten NIBIRU, wo die ehemaligen KANDORIANER NEW KRYPTON gegründet haben. Kaum bauten sie ihr Paradies, griff der Feind in Gestalt von APOKOLIPS an…

NEAL ADAMS, ein Urgestein des amerikanischen Superheldencomics, gibt sich mit DER PLANET DER SUPERMEN einmal mehr die Ehre. Der Zeichner, Jahrgang 1941, kann auf eine lange Karriere zurückblicken. Maßgeblich mitgeprägt haben seine Arbeiten das DC-Universum. Sein BATMAN ist auch heute noch eine gern gelesene Legende. Gemeinsam mit TONY BEDARD hat er DER PLANET DER SUPERMEN geschrieben. TONY BEDARD fiel hierzulande mit seinen Arbeiten zu CROSSGEN auf (NEGATION). Comics sind manchmal auch Familiensache, deshalb ist ein Sohn von NEAL ADAMS, JOSH, als Tuscher dabei.

Der Zeichenstil von NEAL ADAMS wird gerne als dynmisch bezeichnet. Man könnte noch die Attribute kraftvoll, theatralisch hinzufügen. Er lässt SUPERMAN teilweise wie auf einer Bühne agieren. Nicht nur der Held posiert. Freunde und Feinde erhalten jeweils einen ordentlichen Auftritt. Letztere gehören hier zu den ganz großen Gegnern. Einerseits LEX LUTHOR, andererseits DARKSEID von APOKOLIPS. Diese abgründige Gesellschaft setzt nicht auf Raumschiffe zur Fortbewegung, sondern benutzt für längere Strecken SCHALLRÖHREN, dem BEAMEN recht verwandt, mit dem Unterschied, dass gleich ganze Armeen in einem Rutsch durch diese TUNNEL geschickt werden können. Für NEAL ADAMS bedeutet das, die Angreifer wie nach dem Aufziehen eines Theatervorhangs in Stellung bringen zu können.

Unverkennbarer Stil: NEAL ADAMS. Der Künstler ist sehr lange im Geschäft, und er kann es noch. Heutzutage gibt es eine neue Generation, die sehr fein arbeitet. MIKE MGNOLA war so jemand, als er noch DC-Abenteuer mit der JUSTICE LEAGUE zeichnete. Jünger noch im Geschäft, gehört ein JIM CHEUNG ebenfalls dazu (machte in diesem Jahr hier mit dem Neustart der JUSTICE LEAGUE auf sich aufmerksam). Dagegen ist NEAL ADAMS gröber, es wird organischer getuscht, mit waghalsigem Strich, weniger, wie bei den genannten Künstlern, mit einem Fineliner. NEAL ADAMS beansprucht die Seiten großflächig, mit einzelnen Bildern, halbseitig, meist mit 3-5 Bildern. Das funktioniert, wenn man künstlerisch an der Story beteiligt ist. In jedem Fall fliegt einem optisch die ACTION gut um die Ohren und SUPERMAN wird optimal in Szene gesetzt.

Der FAN des SUPERMAN-Universums, genauer der Ganoven von APOKOLIPS, kann sich auf das Wiedersehen mit einer Reihe von bekannten Gesichtern freuen. Als die JUSTICE LEAGUE hierzulande noch GERECHTIGKEITSLIGA hieß, kam es zu einer der frühen Konfrontationen mit diesen Schurken. Bereits damals lernte der Leser hier ORION DEN JÄGER kennen, DARKSEIDS Sohn, der dank seiner Erziehung bei den NEW GODS aber zu einem guten Charakter heranwuchs. Bei Figuren wie KALIBAK oder GRANNY GOODNESS ist allerdings Hopfen und Malz verloren. Waren böse, bleiben böse!

TONY BEDARD und NEAL ADAMS haben eine Geschichte zu Papier gebracht, in der es richtiggehend kracht. Da wird einiges vorausgesetzt, klar! LEX LUTHOR, Erzfeind von SUPERMAN? Doch, sollte man wissen. DARKSEID, der übermächtige Tyrann eines Planeten, der eher als Kreuzung aus Abfallentsorgung und radioaktiver Mülldeponie daher kommt? Sollte man kennen. Es gibt keine gesonderte Einführung in die Hintergründe. Die Verbindung von LOIS LANE zu SUPERMAN? Wer das nicht weiß, der hat, auch was das Pantoffelkino anbelangt, jahrzehntelang hinter dem Mond gelebt. Aber sitzt das Grundwissen gibt es nur noch ein wenig von KANDOR aufzusatteln, jenen Kryptoniern, die lange Zeit in besagter Flaschenstadt in der FESTUNG DER EINSAMKEIT in ziemlicher Sicherheit zubrachten und nun einen richtigen Planeten bevölkern, der von APOKOLIPS fortwährend angegriffen wird.

Wer nun glaubt, dann gäbe es gar nichts mehr zu entdecken, der täuscht sich gewaltig. Denn TONY BEDARD und NEAL ADAMS haben sich einen schönen Clou des Abenteuers einfallen lassen. Hier wird ein neues Licht auf die Verhältnisse der ERDE, NEW GENESIS (der Heimat der NEW GODS) und APOKOLIPS geworfen.

Wer kann, der kann! Das trifft auf NEAL ADAMS zu, der hier ein abgefahrenes Meisterstück abliefert. Einfach im guten Geist der 1970er, 1980er Jahre, vor dem Wandel der Comics zu mehr Ernsthaftigkeit. Hier verteidigt SUPERMAN ganze Welten, liefert eine tolle ONE-MAN-SHOW mit einprägsamen Bildern, freakigen Schurken, klassischem Artwork. Top! Nicht nur für NEAL ADAMS FANS! 🙂

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Dienstag, 20. August 2019

X-MEN: BLUE 5 – DIE LETZTEN TAGE DES SOMMERS

Filed under: Superhelden — Michael um 16:25

X-MEN: BLUE 5 – DIE LETZTEN TAGE DES SOMMERSEin POISON! Und nicht irgendeiner. Sondern eine Mischung aus einem außerirdischen Wesen und WOLVERINE! Gefährlich, unberechenbar, wahnsinnig vor Zorn. Der Symbiont bringt weitere tödliche Fähigkeiten mit, die den versammelten X-Men das Leben außerordentlich schwer machen. JIMMY HUDSON, der Sohn WOLVERINES aus einer anderen Realität, ist sich seiner Situation durchaus bewusst. Er will den Symbionten gar nicht verlieren. Angesichts der Gefahr, die er für seine Umgebung darstellt, muss eine Aufspaltung herbeigeführt werden. Da die X-MEN nicht mit voller Kraft operieren, braucht es schließlich DAKEN, den Sohn WOLVERINES dieser Realität, um den Feind aufzuhalten.

Verwirrung? Ja und nein. Mit den X-MEN: BLUE, jenem Team, das aus der Vergangenheit in unsere comicale Gegenwart wechselte, entstehen unvorhersehbare Ereignisse. In der Vergangenheit noch, also in jenen Tagen, als die X-MEN einheitlich in einer gelbblauen Uniform auftraten, war MAGNETO der Erzfeind schlechthin. Heutzutage haben sich die Grenzen verschoben, hat Mitgefühl oft die Oberhand gewonnen. MAGNETO gilt inzwischen eher als verirrte Seele, die vielleicht noch gerettet werden kann. JEAN GREY stößt in seinem Geist auf die Ursachen seines Zorns, seiner Trauer, seines Antriebs, weit zurückliegend in den Tagen des ZWEITEN WELTKRIEGS.

CULLEN BUNN zeigt eine Welt in stetem Krieg. Ohne Krieg geht es nicht. Selbst eine Zukunft ist nicht mehr davor gefeit. MAGNETO tritt die Flucht nach vorn an und trifft auf eine zerstörte Welt, in der die REAVERS das beherrschende Element sind, brutale CYBORGS, auf deren Speiseplan Menschen ganz oben stehen. CULLEN BUNN arbeitet mit solchen Episoden, die einem schmalen roten Faden folgen, nämlich dem Schicksal der X-MEN, die sich aus gutem Grund nicht so recht entscheiden können, in ihre Zeit zurückzukehren. Denn es gibt ja immer etwas zu tun.

Letztlich kreiert CULLEN BUNN ein großartiges Mosaik von einer Gruppe, die immer wieder aufs Neue zwischen die Fronten gerät. Der Zusammenhalt wird auf die Probe gestellt. Und die Fähigkeiten werden aufs Äußerste ausgereizt. Darüber hinaus scheinbar auch zu allen Zeiten, denn der Leser darf sogar verschiedene Versionen, alte wie junge, der X-MEN: BLUE bewundern. Unterstützt von fantastischen Zeichnern entstehen Episoden erste Güte. Sogar die oder andere besondere Folge ist dabei.

Eine ist der erwähnte Zeitsprung von MAGNETO, durch den er die erwachsenen Versionen seiner alten Gegner (bzw. zeitweiliger Freunde oder Alliierten) begegnet. Die Apokalypse, wenn man so will, hat zu diesem Zeitpunkt bereits stattgefunden und eigentlich gibt es nicht mehr viel zu verteidigen. Die Welt könnte kaum mehr in Trümmern liegen. Vor dieser Kulisse, zum Schutz der wenigen Überlebenden (den beide Seiten sehr unterschiedlich interpretieren), geraten sich die alten Rivalen einmal mehr in die Haare. Hier mischt MARCUS TO als Zeichner kräftig mit (Farben von MATT MILLA).

MARCUS TO ist mir hierzulande das erste Mal so richtig durch das FATHOM-Spin-off KIANI aufgefallen. Eine klare Technik, sehr realistisch, in Richtung JIM LEE, aber nicht ganz so hart skizziert, zeichnet seine Bilder aus. Seit FATHOM hat er sich noch perfektioniert und lässt mehr Details zu. Von ihm ist noch einiges zu erwarten, gehört er doch zu jener Illustratorengarde, die in den 1980ern auf die Welt kamen und die alten Recken mit den Geburtsdaten in den 1950ern so langsam ablösen. Aber MARCUS TO soll hier nur stellvertretend für die tolle Qualität der Bilder stehen, die darüber hinaus noch von NATHAN STOCKMAN, ANDRES GENLOET und JORGE MOLINA abgeliefert werden.

Hervorragend in jeder Ausgabe. Die jungen X-MEN haben ihre ganz eigenen Qualitäten gegenüber den alten Versionen ihrer Selbst. Eine Spur Naivität schwingt mit, die Weltverbesserungsattitüde ist glaubhafter. Die Zeichnungen unterstreichen die Jugendlichkeit dieser Ansichten sehr schön. Bestens illustriert und mit viel Herz für die Charaktere von CULLEN BUNN erzählt. Sehr schön! 🙂

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Montag, 12. August 2019

FANTASTIC FOUR 1 – DIE RÜCKKEHR

Filed under: Superhelden — Michael um 14:59

FANTASTIC FOUR 1 - DIE RÜCKKEHRDie FANTASTIC FOUR sind Geschichte. So jedenfalls glaubten es lange Zeit die auf der Erde zurückgebliebenen BEN GRIMM (alias DAS DING) und JOHNNY STORM (alias DIE FACKEL). REED RICHARDS (alias MR. FANTASTIC) und SUSAN STORM (alias DIE UNSICHTBARE) sowie die FUTURE FOUNDATION bereisen Universen und Welten, die von FRANKLIN RICHARDS geschaffen wurden. Die Fantasie ist die einzige Grenze. Die Reisen könnten ewig so weitergehen, wenn nicht eines Tages ein Wesen erschiene, das nichts Geringeres im Sinn hat, als jedes von FRANKLIN RICHARDS geschaffene Universum zu vernichten und damit auch Milliarden von unschuldigen Leben. Es ist Zeit für eine Wiedervereinigung der FANTASTIC FOUR. Und nicht nur der Originalvariante, sondern auch all jener, die einst als Aushilfskräfte dem Team einmal angehörten.

Bevor es zurückgeht in die alte Welt, muss die neue Welt zuerst abgerissen werden. Das gelingt mittels einer Kreatur, GRIEVER, die einen gehörigen Hass auf die Schaffenskraft der FANTASTIC FOUR und der FUTURE FOUNDATION (in Form des Sohnes von REED und SUSAN, FRANKLIN RICHARDS) angehäuft hat. Nach einem nostalgisch anmutenden Beginn der Geschichte kann DAN SLOTT hierbei nun aus dem Vollen schöpfen und fährt ein regelrechtes Aufgebot an SUPERHELDEN auf, weitaus mehr, als man selbst als FANTASTIC FOUR FAN hätte vorausahnen können. Wer einen Blick auf die Rückseite des Bandes wirft, erhält einen kleinen Vorgeschmack darauf: ANT-MAN, GHOSTRIDER, SHE-HULK, BLACK PANTHER, HULK, MEDUSA von den INHUMANS und noch mehr.

In dem grafischen Feuerwerk, das nun entbrennt, finden sich irre Szenen, die es selbst in einem Comic-Universum von MARVEL so noch nicht gab. VIELFALT lacht, Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf, dafür hagelt es eine Menge Überraschungen. Diese werden von COMIC-KÜNSTLERN wie SARA PICHELLI, STEFANO CASELLI, NICO LEON, SIMONE BIANCHI und SKOTTIE YOUNG in Szene gesetzt. Zumeist findet unter ihnen eine grafische Annäherung statt. Eine Zwischenepisode aus dem Leben von DR. DOOM ist allerdings eine gehörige Ausnahme. LATVERIA hat einen neuen Despoten. Das passt dem vorigen Despoten alias DR. DOOM überhaupt nicht. Mittels seiner (mehr oder minder) neuen Kräfte macht er sich an die Rückeroberung SEINES Landes. SIMONE BIANCHI macht daraus ein optisch magisches, fantastisches Event (obwohl nur der Auftakt zur großen Attacke erzählt wird).

Interessanterweise (ein feiner Dreh von DAN SLOTT) findet sich just zu dem Zeitpunkt, da sich die FANTASTIC FOUR wieder vereinen, ein neues Quartett, das sich anschickt die bestehende Lücke auszufüllen. Die FANTASTIX sind da! Und die legen sich nicht nur mit Ganoven an (der allseits beliebten WRECKING CREW, mittlerweile zur Originalbesetzung auch fraulich verstärkt), sondern zwiebeln sich in der Folge auch mit den FANTASTIC FOUR. Dann heißt es ORIGINAL gegen FÄLSCHUNG. Das ist nicht so verzwickt inszeniert, wie der Start von DIE RÜCKKEHR und macht ziemlich Spaß. Exzellent illustriert, mit einem netten Clou zum Schluss.

MARVELS FIRST FAMILY ist zurück. Es hat etwas gedauert. Der letzte Abschied ist schwer gefallen, aber das Warten sich doch gelohnt (Denn hätte irgendwer an ihrer RÜCKKEHR gezweifelt? Sie kommen doch immer zurück! 🙂 ) Grafisch aufwändig. Es hat Witz (immer noch die besten Komiken neben SPIDER-MAN), ist einfallsreich und hat gruselige und spaßige Action. Hach, ein Rundumsorglospaket! 🙂

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Sonntag, 30. Juni 2019

DAS DING UND DIE FACKEL 2 – FAMILIENTREFFEN

Filed under: Superhelden — Michael um 17:41

DAS DING UND DIE FACKEL 2 - FAMILIENTREFFENImmer noch auf der Suche nach der Familie! REED RICHARDS, SUSAN STORM-RICHARDS und die beiden Kinder, allesamt Angehörige der FANTASTIC FOUR, sind im MULTIVERSE verschollen. Für die Zurückgebliebenen, JOHNNY STORM alias FACKEL und BEN GRIMM alias DING, ist der Zustand kaum zu ertragen. Außerdem schwinden mit der Abwesenheit der anderen die Kräfte von DING und FACKEL. Als sich die Möglichkeit ergibt, nach den verschollenen Familienmitgliedern zu suchen, greifen die beiden Superhelden zu. JOHNNY STORM, ermutigt von einer Notlüge, und BEN GRIMM begeben sich auf die Suche. Doch die Ergebnisse ihrer Reise sind mehr als nur ernüchternd. Und dann kommt der Tag, als sie fern ihrer Erde im MULTIVERSE stranden …

CHIP ZDARSKY hat viele schöne Ideen in der zweiten Folge um DAS DING UND DIE FACKEL untergebracht. Ohne das Multiverse wären diese nicht umzusetzen gewesen. (Seit wann wird die Idee eines MULTIVERSE in der Populärliteratur eigentlich so überschwänglich gefeiert?) Ein verbesserter DOOM, leidlich menschenfreundlicher, trifft auf eine wissenschaftliche Versammlung von REED RICHARDSen. Das Spiel mit unterschiedlichen Inkarnationen hat in den letzten Jahren die Fantasie der Autoren ordentlich befeuert. Herausragend waren sicherlich die MARVEL ZOMBIES oder jüngst das SPIDER-VERSE, von dem es hier auch einen Ableger zu bestaunen gibt. Sehr zum Verdruss von BEN GRIMM und JOHNNY STORM, die sich in der Welt, in der sie gestrandet sind, mit der SPIDER-BATTLEWORLD herumschlagen müssen.

Da werden natürlich Erinnerungen an die Gladiatorenerfahrungen eines HULK wach (PLANET HULK), zuletzt auch in THOR 3 auf der großen Leinwand zu bewundern. Große fette böse Viecher machen den Kämpfern das Leben schwer. Ein irrer PETER PARKER, hier eine Mischung aus Spinnenmann, CAPTAIN AMERICA und MAD MAX, ist keine Figur, die sich von zwei Helden von außerhalb vorführen lassen will. ACTION ist vorprogrammiert, von einer leichten Brise Wahnsinn angehaucht.

Die beiden agierenden Zeichner haben einen unterschiedlichen Strich. Dieser unterscheidet sich auf dem ersten Blick in der Schwere der Ausführung. RAMÓN K. PÉREZ führt eine leichtere, dünnere Feder, stilistisch fast schon europäisch zu nennen, treffsicher. DECLAN SHALVEY ist das gewichtige Kaliber, härter, teils punkiger, für die deftigen Action-Szenen, in denen es kracht, der richtige Mann. In den eher tänzerischen Szenen (wie in einer Fechtszene zwischen zwei DOOMs aus alternativen Realitäten) ist RAMÓN K. PÉREZ derjenige, der die passende Atmosphäre auf das Papier bringt.

Eine Reihe von finsteren Gestalten hatten über die Jahrzehnte hinweg ihren Händel mit den FANTASTIC FOUR. Diverse Male hat es auch dunklere Varianten gegeben (die beste sicherlich in HOUSE OF M mit DR. DOOM an der Spitze). Manchmal denkt sich auch ein Freak wie der THINKER seine eigenes Team aus. Was dank des Einfallsreichtums von CHIP ZDARSKY dabei herauskommt, ist kurios, gruselig, fast schon ein Experiment, wie es die ULTIMATES in einer Imitation aus der östlichen Hemisphäre herausforderte. Immerhin hat der THINKER seine grauen Zellen stark angestrengt, um seinen Traum, nämlich einmal REED RICHARDS alias MR. FANTASTIC zu sein, wahr werden zu lassen. Aber das ist nur ein Übergang zu einem Finale, dessen Endergebnis gewünscht ist, aber so in dieser Form nicht vorherzusehen war.

CHIP ZDARSKY gehört zu den Comic-Autoren, deren Erzählungen ziemlich über die Erwartungen der Leser hinauswachsen. Dank des MULTIVERSE-Spielfelds stehen ihm dazu alle Möglichkeiten offen und man gewinnt den Eindruck, hätte er mehr Seiten zur Verfügung gehabt, wären diese noch ein ganzes Stück mehr ausgeschöpft worden. Grafisch anders als im ersten Teil, stilistisch eigen und wiedererkennbar von RAMÓN K. PÉREZ und DECLAN SHALVEY sehr schön illustriert. Die FANTASTIC FOUR sind wieder am Start! 🙂

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Sonntag, 19. Mai 2019

X-MEN BLUE 4 – ZU DEN WAFFEN!

Filed under: Superhelden — Michael um 18:14

X-MEN BLUE 4 - ZU DEN WAFFEN!Sekundäre Mutationen treffen die X-MEN unvorbereitet. BEAK, ein junger Mutant, der lange unter seinem vogelähnlichen Aussehen gelitten hat, sogar eine Verbesserung erlebte, muss mit regelrechtem Entsetzen miterleben, wie sich seine Gestalt wieder von der eines normal aussehenden Menschen entfernt. Die X-MEN an seiner Seite stehen den Veränderungen hilflos gegenüber. Jegliche Schlagkraft hat dem scheinbar unkontrollierten Wachstum nichts entgegenzusetzen. Alles, was den X-MEN bleibt, ist, jene zu schützen, die den menschlichen Angriffen oder solchen von SENTINELS hilflos ausgesetzt sind.

Autor CULLEN BUNN stützt sich auf vergangene Ereignisse, die es wieder einmal schafften, die Welt der X-MEN gehörig aus den Angeln zu heben, alles kräftig durchzuschütteln und ein riesiges Chaos zu hinterlassen. Ein Tanztee, in dem die MUTANTEN mächtig mit sich selbst beschäftigt sind und den Rest der Welt vergessen.

Nehmen wir ERIK LEHNSHERR alias MAGNETO, der sich hier auf eine gerechtere Seite als sonst schlägt, weil seine geliebten MUTANTEN zugunsten einer groß angelegten Veränderung derselben als Versuchskaninchen benutzt werden. Das Zauberwort lautet MOTHERVINE. Eine sekundäre Mutation wird bei MUTANTEN zutage gefördert. Leider klappt dieser Prozess nicht immer reibungslos und manchmal auch zum gesundheitlichen Nachteil des jeweiligen Individuums. In einem Zweikampf muss MAGNETO erfahren, wie gewaltig die Macht eines MUTANTEN mit einer sekundären Veränderung werden kann. Fast gelingt es SEBASTIAN SHAW den sonst so allgewaltigen MAGNETO im HELLFIRE CLUB zu besiegen.

Nicht mehr alles schwarz oder weiß! Es gab eine Zeit, da war bei den X-MEN alles strikt getrennt. Wer wo stand und mit wem, an wessen Seite, das war klar wie Kloßbrühe. Das hat sich in X-MEN BLUE 4, Untertitel ZU DEN WAFFEN!, gehörig geändert. Das Titelbild gibt schon einen kleinen Hinweis, denn die dort abgebildete Truppe ist außergewöhnlich. POLARIS (mit den grünen Haaren), die Tochter von MAGNETO, mittig vorneweg. Links flankiert von WOLVERINES SOHN JAMES HUDSON (von einer alternativen Erde), rechts flankiert DAKEN, WOLVERINES SOHN (von dieser Erde), links oben XORN, rechts oben BLOODSTORM (die vampirisierte STORM einer alternativen Erde). Und zum guten Schluss im Hintergrund die blinde GAZING NIGHTSHADE.

CULLEN BUNN verlässt alte Pfade völlig. Die neue Mischung macht letztlich alles möglich. Überraschungen warten an jeder Ecke, so zum Beispiel ein HAVOK, CYCLOPS BRUDER, auf der Seite der bösen MUTANTEN oder auch ein VENOM, der Seite an Seite mit CYCLOPS, ANGEL und anderen in einem Raumschiff durchs Alle treibt. Es ist eine komplexe Geschichte mit vielen Sequenzsprüngen und vielen, vielen mit SUPERKRÄFTEN ausgestatteten Figuren. Das macht umso mehr Spaß, da sich hier ein paar großartige Illustratoren an die Umsetzung gemacht haben.

Gleich vier Zeichner, nämlich JORGE MOLINA, MIKE PERKINS, R.B. SILVA und MARCUS TO, treiben die action-reiche Handlung voran. Versiert sind sie alle, technisch perfekt, so dass jeder Fan für sich seinen persönlichen Favoriten ausfindig machen kann. Die Bilder, die mir am besten gefallen, stammen von JORGE MOLINA (eröffnet den Reigen von Beginn an) und MARCUS TO, dessen Grafiken und Darstellung ist einfach nur elegant finde. Die Dynamik in Bewegungsabläufen und Haltungen seiner Figuren ist ungeheuer organisch und variantenreich. Er hat ein paar Action-Szenen zu bewältigen, die nicht nur in sich sehr komplex sind, sondern auch sein sehr gutes Auge für den Aufbau einer Seite offenbaren.

Eine gelungene Mischung von Teams, vorgegeben selbstveständlich von CULLEN BUNN, wird von den Künstlern in Stimmungen gezeichnet, die zeitweise an die tollen Finale beispielsweise auf X-MEN oder X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND. Zugute kommen dem Ganzen das Quartett aus Schurken, HAVOK, BASTON, MISS SINISTER und EMMA FROST. Wenn diese gegen MAGNETO antreten, wird für den Leser ein Comic-Fest daraus.

MOTHERVINE, eine neue Bedrohung der MUTANTEN, steht im Zentrum des vierten Bandes um die X-MEN BLUE (eine der Reihen u.a. neben GOLD und RED). Obwohl seitens der sogenannten Bösen eingesetzt, kann niemand MOTHERVINE kontrollieren. Ein feiner roter Faden zeiht sich durch das von CULLEN BUNN orchestrierte und vorzüglich illustrierte (scheinbare) Chaos. Beste X-MEN-Action! 🙂

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Mittwoch, 24. April 2019

BATMAN & HARLEY QUINN

Filed under: Superhelden — Michael um 18:41

BATMAN & HARLEY QUINNVerdienen Verbrecher eine zweite Chance in GOTHAM? BATMAN hat wirklich viele kennengelernt, die anders waren als die üblichen Ganoven, denen es genügt, nur mit ein Schusswaffen Unheil zu stiften. Eine davon ist POISON IVY. Sie ist keine einfache Kriminelle. Sie hat sich, durch ihre körperliche Konstitution bedingt, eine Aufgabe gestellt. Die Pflanzen sollen einmal den Planeten zurückerobern und den Menschen verdrängen. Jeglicher Plan, der das ermöglicht, kann nur der bestehenden Ordnung zuwider laufen. Aber hin und wieder stößt ihr Ansinnen auch auf Verständnis, sogar dann, wenn selbst POISON IVY gar nicht damit rechnet.

Nicht jeder der hier vertretenen Zeichner folgt dem Vorbild der ANIMATIONSSERIE sklavisch. DAVID HAHN ist einer Künstler, der einen guten Mittelweg zwischen der Annahme des grafischen Vorbilds und einem eigenen Stil findet. Sein BATMAN erinnert optisch mehr an die 1960er Jahre Variante als an die der viel gerühmten ANIMATIONSSERIE. RICK BURCHETT ebenso wie CRAIG ROUSSEAU geben der ursprünglich sehr exakten Grafikstruktur einen leicht skizzenhaft, ungenauen Touch mit. SANDY JARRELL ist sehr nah am Original, fügt aber eine Menge Details hinzu, die den Bildern die Leichtigkeit nehmen. Herausragend und deutlich im Geiste des Originals zeichnet LUCIANO VECCHIO die Abenteuer, die sich rund um BATMAN und HARLEY QUINN drehen.

Man merkt vielleicht schon an der Aufzählung der Zeichner (nicht einmal alle sind genannt), dass hier viele Köche am Werk sind. Das grafische Stil ist ein wichtiger Bestandteil der Erzählung. Handlung und Zeichnungen ergänzen einander. Der Erfolg der ANIMATIONSSERIE (bzw. SERIEN, denn die Reihe um SUPERMAN muss schließlich auch dazu gezählt werden) war von der Optik abhängig. Hier wurde BATMAN in gute alte HOLLYWOOD-NOIR-Zeiten zurückgeholt und obwohl das Design streng auf Perfektion getrimmt war, wurde hier ein Nerv getroffen (noch einmal ergänzt durch famose Sprecher und die wunderbare Musik der leider verstorbenen SHIRLEY WALKER). Man lässt diesen Nerv teils zu sehr fallen.

In der Gesamtheit fällt die Optik nicht so gut aus wie in den vorangegangenen beiden Bänden der BATMAN ADVENTURES. Darüber hinaus kann so manche Szene oder auch Sequenz besser eingeordnet werden, wenn man als Zuschauer den ANIMATIONSFILM BATMAN UND HARLEY QUINN gesehen hat, in der es gleich mehrere folgenschwere Begegnungen gibt. Wenn der FLORONIC MAN und SWAMP THING aufeinander treffen, NIGHTWING gar aus sehr persönlichen Gründen auf der Suche nach HARLEY QUINN ist, dann wird das Verhalten nachvollziehbarer.

Die erwähnte Begegnung zwischen FLORONIC MAN und SWAMP THING fällt kurz, knackig, pointiert und sehr düster für die Verhältnisse dieses ANIMATIONSUNIVERSUMS aus. Hingegen ist die Doppelfolge um HARLEY QUINN, TASK FORCE EX. Mit Gastauftritten von DEADSHOT und BOOMERANG zeigt die ehemalige Therapeutin, dass sie sehr gut ohne ihren PUPSIE (JOKER) zurechtkommt. Freilich nicht ohne Unterstützung, denn die Action spielt sich nicht umsonst in einem ZOO ab. Hier zeigt Zeichner LUCIANO VECCHIO seinen Kollegen, wie eine Episode in diesem Universum aussehen muss. Erst recht, wenn sie von TY TEMPLETON erzählt wird, der sich in der BATMAN ADVENTURES auskennt.

Für echte Fans der BATMAN ADVENTURES: Hier steht nicht nur der Spaß im Vordergrund, obwohl man das Leser annehmen könnte. Weit gefehlt, denn die Zeichnungen können auch der Aufhänger für ernste Charakterentwicklungen sein. Mit einigen Highlights dank Zeichner LUCIANO VECCHIO. 🙂

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LINKS hier im COMICBLOG:

BATMAN ADVENTURES 1
BATMAN ADVENTURES 2
BATMAN UND HARLEY QUINN (ANIMATIONSFILM)

Freitag, 19. April 2019

HIT-GIRL IN ROM

Filed under: Superhelden — Michael um 17:23

HIT-GIRL IN ROMEin Herz und eine Krone, HIT-GIRL und eine VESPA. Aber ROM hat noch mehr zu bieten, als eine Hommage an einen Filmklassiker mit AUDREY HEPBURN und GREGORY PECK. ROM hat den VATIKAN, das Herz der katholischen Kirche. Man sollte glauben, für jemanden wie HIT-GIRL gäbe es gerade an einem solchen Ort nicht viel zu tun. Weit gefehlt! Im Schatten des Glaubens wuchern Elemente, die sich einen frommen Anstrich geben, darüber hinaus aber von abgrundtiefer Bosheit und Machthunger erfüllt sind. Und all das unter dem Deckmäntelchen eines Habits. Auf HIT-GIRL wartet nicht nur ein neuer SIDE-KICK, sondern auch DONNA GIUSTINA, Anführerin eines mafiösen Ordens.

MARK MILLAR hat den Staffelstab um seine in der Serie KICK-ASS ersonnenes HIT-GIRL weitergegeben. Nun ist er beim Autoren RAFAEL SCAVONE angelangt. Komplett respektlos (ein Markenzeichen des KICK-ASS-Universums) lässt er HIT-GIRL zwischen die Mordsgesellen fahren, die in ein religiöses Outfit gekleidet auftreten (mit wirklich nur wenigen Ausnahmen), dem Herrn und seinem Heiligen PIETOSO huldigen und keiner Probleme damit haben, ihre Feinde auf die denkbar grausamste Weise zu massakrieren. Das mag zuerst merkwürdig und krass wirken, greift jedoch letztlich nur die bekannten dunklen Seiten kirchlicher Aktivitäte auf, mit denen schon andere Autoren wie ALEJANDRO JODOROWSKY (DER SCHRECKLICHE PAPST) oder THOMAS GIFFORD (ASSASSINI) spielten. RAFAEL SCAVONE legt mit seiner DONNA GIUSTINA noch eine Schippe drauf.

BÖSE FRAUEN: Spätestens seit BUFFY, sozusagen der URMUTTER DER SICH PRÜGELNDEN FRAUEN, lassen sich die Ladies im Pantoffelkino und auf der großen Leinwand nichts mehr gefallen. HIT-GIRL ist eine Folge davon und das Mädchen selbst, noch nicht einmal in der Pubertät, hat ihrerseits auch schon Gegnerinnen gehabt, die ihr in Sachen Gewaltausübung und Spaß am Gemetzel in Nichts nachstehen. RAFAEL SCAVONE kreiert mit DONNA GIUSTINA eine alte Frau, eine bitterböse Hommage auf DON VITO CORLEONE, die ihren Feinden eigenhändig einen Pferdekopf unter die Bettdecke schieben würde, ließe sich damit noch jemand hinter dem Ofen hervorlocken. DONNA GIUSTINA, verhutzelt wie die Hexe bei HÄNSEL UND GRETEL, hält sich mit derlei Kinkerlitzchen nicht auf. Sie erdrosselt schon mal einen Untergebenen mit dem Rosenkranz, wenn ihr die aufgetischte Suppe nicht schmeckt.

HIT-GIRL selber kann die Erwachsenen mit einen Puppengesicht täuschen, das auch CHUCKY gut zu Gesicht stehen würde. RAFAEL ALBUQUERQUE (ja, noch ein RAFAEL) zeichnet der Kleinen sehr viel Unschuld in die Miene, mittig von den blonden Pferdeschwänzen der überaus braven Frisur. Die schmale Statur verrät nicht, welche Energie in dem Mädchen steckt und eine Mordlust, wie sie unter den SICH PRÜGELNDEN FRAUEN des 21. Jahrhunderts unerreicht sein dürfte. Und dann ihr momentaner SIDEKICK: Keine CATWOMAN, eher ein CATGIRL mit langfingrigen Tendenzen. Mörderische Qualitäten müssen erst noch erlernt werden. RAFAEL ALBUQUERQUE schafft charakterstarke, sehr einzigartige Figuren. Man gewinnt optisch den Eindruck, als würde HIT-GIRL in Actionszenen gegen die Mönche aus DER NAME DER ROSE antreten.

MARCELO MAIOLO unterstreicht die feinen, mit dünnstem Strich gezeichneten Bilder mit intensivem Farbenspiel, manchmal mit einer leichten goldenen Tönung, dem Reisebeginn einer Städtetour durch ROM angemessen, wenn das Licht rund um das KOLOSSEUM zum Verweilen einlädt, selbst HIT-GIRL, die beim Gedanken an blutige Gladiatorenkämpfe ins Schwelgen gerät. Darüber hinaus gibt MARCELO MAIOLOS Farbgebung der Action schönen filmischen Schwung.

Ein brutaler Thriller-Knaller der etwas anderen Superheldenart. Wer schon mit KICK-ASS oder HIT-GIRL in Berührung kam, wird hier Überraschungen erleben, denn natürlich bietet ROM auch Attraktionen in Sachen Mord und Totschlag. Andere Länder, andere Killersitten eben. RAFAEL ALBUQUERQUE gehört zu den Zeichnern, die man sich als Comic-Fan für die Zukunft merken sollte.

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Mittwoch, 17. April 2019

BATMAN – DER WEISSE RITTER

Filed under: Superhelden — Michael um 17:00

BATMAN - DER WEISSE RITTERDer JOKER hatte eine große Liebe und ihr Name war nicht HARLEY QUINN. Sein Name war BATMAN. Es ist durchaus eine platonische Liebe und niemals würde der JOKER die Beziehung zum DUNKLEN RITTER auf diese Weise titulieren. Für HARLEY QUINN allerdings ist die Lage eine andere. Der Blick von außen hat ihr die Abhängigkeit ihres Geliebten von der rächenden Fledermaus gezeigt. Für sie gibt es nur einen Ausweg, will sie ihn endgültig für sich gewinnen und außer Lebensgefahr außerhalb der Reichweite von BATMAN unterbringen. JOKER muss nach ARKHAM ASYLUM.

Unter DC BLACK LABEL werden eigenständige abgeschlossene Stories veröffentlicht. SEAN MURPHY, der sich mit AMERICAN VAMPIRE einen Namen gemacht hat, erzählt als Zeichner und Autor mit DER WEISSE RITTER eine Geschichte, die sich ruhig in den offiziellen Erzählstrang des DUNKLEN RITTERS einreihen dürfte. Es ist augenscheinlich eine BATMAN-Geschichte von einem Fan für Fans. Hier ist ein Rundumsorglospaket um den Mythos des MITTERNACHTSDETEKTIVEN entstanden, mit einem Haufen seiner Feinde, dem Erzfeind schlechthin, JOKER, sehr genauen und tiefen Charakterzeichnungen von Feind und Freund wie eben NIGHTWING, BATGIRL, COMMISSIONER GORDON und natürlich BATMAN selbst.

BATMAN wurde schon außerhalb der langen Reise, die er durch die Comic-Zeiten machte, in außergewöhnliche Situationen versetzt. In Crossover, in die Zukunft, in alternative Handlungstränge bzw. Entstehungsgeschichten. DER WEISSE RITTER von SEAN MURPHY sichert sich unter diesen Werken mindestens einen Platz in den TOP TEN. WAS GESCHIEHT: Kurzum, der JOKER, ursprünglich JACK NAPIER, wird wieder normal und kehrt unter letzterem Namen in die Gesellschaft zurück. Medikamente ermöglichen es ihm, nicht erneut dem Wahnsinn zu verfallen. In seiner weitaus menschlicheren Gestalt begleitet ihn seine ehemalige Therapeutin auf dem Weg, ein besseres GOTHAM zu gestalten, bestenfalls ohne einen BATMAN.

Der JOKER steht eindeutig im Mittelpunkt dieser Geschichte. Ein Mensch, der seinem Feind verfallen ist. Das Titelbild spricht eine deutliche Sprache. Der JOKER kniet in einer Art STALKER-SCHREIN. Ein paar wenige Zeitungsartikel über BATMAN wechseln sich mit weitaus mehr Devotionalien anderer Natur ab. Darunter befinden sich figürliche Darstellungen BATMANS, Fahrzeugmodelle und Literatur. Kerzenlicht erhellt das Szenario. Bereits hier sieht der BATMAN-Fan, wie gut SEAN MURPHY seine Hausaufgaben gemacht hat. Schon das BATMOBIL als solches nimmt einen großen Stellenwert innerhalb der Geschichte ein, sogar sehr aktiv. Denn SEAN MURPHY spielt mit den verschiedenen Fahrzeugen wie z.B. aus BATMAN ANIMATED, BATMAN (mit MICHAEL KEATON) oder der DARK KNIGHT-TRILOGIE (mit CHRISTIAN BALE). Und das sind nur drei Fahrzeuge!

Neben der technischen Perfektion des Strichs, der überaus fein ausfällt und Fahrzeuge, Kulissen, Charaktere, Innenausstattungen, Perspektiven ganz wunderbar und mit filmischer Finesse aufs Papier bringt, besticht SEAN MURPHY auch mit tollen, ganz eigenen optischen Charakterinterpretationen. Obwohl er natürlich immer am urspürnglichen Design angelehnt bleibt. JACK NAPIER, der zivile Name des späteren JOKERS (wie er in BATMAN mit MICHAEL KEATON in der Titelrolle auftrat), hat mit seiner spitzen Nase und dem gestreckten Kopf etwas von einem PINOCCHIO, der wieder ins menschliche Leben zurückkehrt. Als JOKER ist er die MARIONETTE, Opfer ihrer manischen Züge, fast fremdgesteuert durch die Leidenschaften, denen er sich ergibt.

Wie zerbrechlich die Gestalt des JOKERS ausfällt, sieht man einerseits an der bulligen Figur des BATMAN, dessen Auftreten stark an die Konzeption des DARK KNIGHT von FRANK MILLER erinnert (durchaus eine weitere Verbeugung innerhalb der zahlreichen BATMAN-Abenteuer). Andererseits wissen auch die Schurken zu gefallen, insbesondere die Gestaltungen von KILLER CROC, BANE und nicht zuletzt von CLAYFACE, der höchstwahrscheinlich hier seinen seltsamsten Auftritt aller BATMAN-Zeiten hat.

BATMAN, DER WEISSE RITTER, von SEAN MURPHY (und MATT HOLLINGSWORTH, Farben) lässt nichts vermissen. Er hat reichlich Bezüge zum Original, ist sogar eine wahre Fundgrube der Anspielungen. Darüber hinaus variiert er das Thema aber auf vielerlei Weise, setzt nichts voraus, so dass Neugierige, Neueinsteiger hier leicht Anschluss finden. Die grafische Gestaltung ist allererste Sahne, angesiedelt zwischen Action-Feuerwerk und Charakterstudie. Toll! Für BATMAN-Fans und solche, die es werden wollen! 🙂

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