Freitag, 19. Februar 2010
Es braucht schon etwas mehr, um Wolverine unter den Tisch zu trinken als eine Flasche Whisky. Und es braucht auch etwas mehr, um ihn zu töten. Ein Gewehr hilft da wenig. Das haben schon ganz andere versucht, mit deutlich höherem Aufwand. So bleibt auch dieser Versuch im Ansatz stecken. Das heißt aber nicht, dass es nicht ausreicht, um den X-Man wütend zu machen. Eigentlich ist Wolverine grundsätzlich wütend, mal mehr, mal weniger. Doch wenn er so richtig ausrastet, dann bedarf es eines Superhelden, um ihn wieder auf den Boden zu bringen. Auch wenn es schwer fällt. Selbst einem Spider-Man.
Peter Parker ist auch nur ein Mensch. Eigentlich ist dies ein Umstand, der nur allzu bekannt ist, da es zum Grundkonzept der gesamten Figur gehört. Hier wird in den Geschichten Platonisch und Geburtstagskind ein Spidey gezeigt, der abseits von Superschurken ein halbwegs normales Leben hat. Es gibt Privatheit mit Freunden auf beiden Seiten der Identitäten, als Peter Parker wie auch als Spider-Man.
Er ist nicht oft da. Aber immer, wenn sonst keiner da ist. Und das zählt. Betty, eine Freundin von Parker, bringt die Qualitäten des jungen Mannes auf den Punkt. Nach den ganzen Umwälzungen im Marvel-Universum der letzten Zeit versucht Peter Parker im Privaten so gut wie möglich zurecht zu kommen. Ein neuer Tag brachte auch eine neue Chance. Mark Waid erzählt seine Geschichte abseits der Kloppereien und Helden und Schurken unterhaltsam und bringt die üblichen Schwierigkeiten des modernen Singles ein, der sich in seiner Verzweiflung auch mal auf ein Speed-Dating einlässt.
Eine Beziehung zu Wolverine, gleich welcher Art, ist schwierig. So ist Spider-Man der einzige, der mit einer gesunden Portion Gutmütigkeit, Geduld und auch Naivität an Wolverines Geburtstag da ist. Hier, vollkommen entgegengesetzt zur Geschichte mit Peters Freundin Betty, die auch in einem Geburtstag mündet, werden auch völlig andere Spaßfaktoren in den Mittelpunkt gestellt. Für Wolvie gehört eine zünftige Keilerei zu einem gelungenen Abend. Grafisch begleitet Paolo Rivera die Geschichte von Zeb Wells in sehr klaren, sauberen Linien, einem Stil, der auch für eine längere Handlungslinie passen würde. Geschichte, Bilder und Erzählgeschwindigkeit ergänzen sich hervorragend.
Eine schöne Überraschung ist die Episode um Man-Thing. Sicher können nicht viele etwas mit einem Wesen anfangen, dass keinen Ton von sich gibt und nicht einmal den holprigen Charme eines Dings besitzt. Die Marvel-Variante des Sumpf-Dings tritt hier in einer Erzählung von Stuart Moore auf. Eindringlich wird verdeutlicht, dass Man-Thing weder vollkommen dumm oder gefühllos ist. Joe Suitor arbeitet stilistisch ein wenig wie Pat Lee (Warlands, Wolverine, Cyber-Force). Die Bilder wirken an Mangatechniken angelehnt. Eine reduzierte Farbpalette, vornehmlich blasse Grautöne, entsprechendes Rot, Blau, Grün und Beige und das Spiel mit Unschärfen imitiert einen statischen Trickfilm. Das Ergebnis ist plastisch und auch elegant zu nennen.
Chris Bachalo ist mit seinem originellen und einprägsamen Zeichenstil ebenso vertreten. Der Anti-Venom, eine Figur, an die sich der Leser bestimmt erst gewöhnen muss, hat seinen Auftritt. Wer die Serie verfolgte, findet sich besser in die Geschichte ein. Dank der expressiven Zeichentechnik ist allemal lesenswert. Ein Bachalo rangiert auf Augenhöhe mit einem John Romita Jr.. Beide sind gewöhnungsbedürftig, aber wer ihre Bilder mag, kommt hier voll auf seine Kosten.
Feine Episoden, durchweg gut gezeichnet und erzählt, zeigen viele Facetten einer Figur wie Spider-Man und erklären den Erfolg dieses Comic-Helden, der stramm auf die 50 zugeht.
Stichwörter: none
Dienstag, 29. Dezember 2009
TAO ist ein gemeiner Verräter. Maxine hat seine Machenschaften entdeckt und will ihn aufhalten, nur mit seiner Brutalität hat sie nicht gerechnet. Für Maxine, den weiblichen Cyborg mit dem stählernen Unterkiefer, war TAO bisher nichts weiter als eine menschliche Denkfabrik. Zwar trieb ihn kriminelle Energie an, doch zu tatsächlicher Gewalt hielt sie ihn nicht für fähig. Aber Maxine ist nicht der Typ für tiefgehende Analysen. Vor ihrer Zugehörigkeit zum Team verübte sie Überfälle und auch jetzt noch stürmt sie lieber vor, haut drauf und fragt erst dann nach den Beweggründen des Gegners. (Leider ist das meistens auch die richtige Taktik.)
Wenn der Leser TAO hört, denkt er möglicherweise nicht an einen Superhelden. Abgesehen von der wahren Verwendung des Wortes, hat die Figur TAO auch nicht mehr viel mit einem Superhelden gemein. Leser der jüngst abgeschlossenen Reihe von Sleeper wissen, wer gemeint ist. Es gab also einmal die WILDC.A.T.S., die einen Krieg gegen ein außerirdisches Volk führten. Zurück auf ihrer Heimatwelt erkannten sie das Ende dieses Krieges. Waren sie auf der Erde schon Fremde, hatten sie sich ihrer Ursprungswelt noch mehr entfremdet. Das Team kehrte zurück, ohne zu ahnen, dass es längst ersetzt worden war.
Der Zugang ist im zweiten Teil der WILDC.A.T.S., obwohl er durchaus für sich alleine stehen kann, nicht gerade leicht. Als Leser der bekannteren Comic-Universen wie Marvel und DC findet das Auge Anhaltspunkte und Ähnlichkeiten und muss trotzdem scheitern. Statt mit einem fremden Team hat man es gleich mit zweien zu tun. In Sachen Erfindungsgeist müssen sich ein Alan Moore als Autor und auch diverse Zeichner wie Travis Charest, Jim Lee und Pat Lee nicht hinter den Vorläufern aus den goldenen und silbernen Comic-Tagen verstecken.
Die Zeichnungen lassen sich mit dem Wörtchen Elegant betiteln. Die Figuren stehen hier eindeutig im Vordergrund. Bilder eines Travis Charest wirken wie fein auf das Papier gemeißelt oder mit dem Silberstift gezeichnet. Die Linien sind ohne Überraschungen, fehlerlos und makellos. Die Zeichnungen sind überaus kühl und halten den Leser wie so oft in den Tagen der übermenschlich lang gestreckten und muskulösen Figuren auf Distanz. Neben unmenschlich erscheinenden Monstren agieren übermenschlich aussehende Helden. Selbst Deformationen wie Cyborg-Implantate können diesen Aspekt nicht überspielen.
Die anderen Zeichner kommen vielleicht mit kräftigeren Grafiken daher, insgesamt wird aber ein durchgängiger Stil bewahrt, der stets von der Technik eines Jim Lee (All Star Batman, Superman: Die Rückkehr) inspiriert zu sein scheint.
Außer dem erwähnten TAO kann sich der Leser auf Grifter, auch Cole Cash genannt im wahren Leben, freuen. In Point Blank wie auch im Schlussspurt von Sleeper hatte Cole Cash unlängst seinen Auftritt auf dem deutschen Comic-Markt. Hier lernt der Leser die Figur nicht als Geheimagent kennen, sondern als scharf schießender Superheld, verborgen hinter einer roten Maske, die so auch in einem Wildwestszenario getragen werden könnte.
Eine der schönsten Szenen, in denen die Künste eines Grifter nichts nützen, ist die Auseinandersetzung zwischen Overtkill (kann durchaus mit Overt-Kill aus Spawn verwechselt werden) und Maxine, gleichfalls ein Cyborg. Während sich die Cyborgs gegenseitig verprügeln (und schlimmeres) entwickeln sich zarte Bande zwischen dem Hünen und der im Vergleich zierlichen Maxine. Hier ist neben aller Schlägerei, Ballerei, Fliegerei und Hüpferei auch der Humor Trumpf.
Eine Superheldengeschichte von Alan Moore, die zwar rasant ist, aber keinem Vergleich mit Watchmen standhalten kann. Wer allerdings eine grafisch einwandfreie und technisch überaus vorbildhafte Heldenactiongeschichte sucht, in der es von Anfang bis Ende nur so kracht, wird hier unbedingt fündig.
Stichwörter: none
Dienstag, 14. Juli 2009
Magneto ist wieder da. Seine Kräfte haben ihn scheinbar nie verlassen. Vielleicht ist er sogar stärker als jemals zuvor. Es sollte eine Gala sein. Die Stimmung ist heiter, ausgelassen und freundlich. Magneto sprengt das Fest. Sein erstes Opfer ist Colossus, Aber magneto will sich nicht unnötig die Hände schmutzig machen. Er hetzt die beiden überlebensgroßen Sentinels, die eigentlich ausgemustert waren, auf die anwesenden X-Men.
Greg Land gehört zu den echten Ausnahmekünstlern. Seine Bilder sehen stets so aus, als habe er Fotos abgezeichnet. Seine Arbeiten zu Sojourn, einer Serie des leider nicht mehr existenten Crossgen Verlages machte Land auch hier bekannt. Als er zu Marvel wechselt, startet seine Karriere erst so richtig durch. Mit der Serie der Ultimativen Fantastischen Vier schuf er eine kleine grafische Bombe. Sein Namor dürfte der absolute Schönling, aber auch der gefährlichste Prinz bisher gewesen sein. Im Gegensatz zu manch anderem Zeichner findet der Leser bei häufig auch lächelnde oder gar lauthals lachende Menschen. Im vorliegenden Band ist dies auch nicht selten (obwohl die X-Men hier recht wenig zum Lachen haben).
Kritiker (und davon gibt es anscheinend gar nicht so wenig) werfen ihm seinen gekünstelten Zeichenstil vor, der ihnen viel zu stark an der Realität ist. Manche Ähnlichkeit zu realen Schauspielern sei schlichtweg durch das Einscannen einer Vorlage erreicht worden. Andere meinen, Greg Land zeichnete viel zu oft von sich selber ab. Im Internet finden sich immer wieder animierte überblendende Grafiken, in der verschiedene Helden in der gleichen Pose zu finden sind. Das mag irritierend sein, ist aber entschuldbar. Viele Zeichner können sich von solch einem Vorwurf nicht frei machen.
Der verstorbene Michael Turner (hier noch einmal mit einem Titelbild dabei), ein Terry Dodson (als Gastzeichner zugegen), ein Jim Lee, sogar ein Brian Hitch ist nicht frei davon, sich an einer Pose mehrmals zu versuchen. Davon abgesehen gibt es genügend Zeichner, die ihren Terminvorgaben nicht nachkommen, wodurch es zu verspäteten Veröffentlichungen kommt. Wenn Land einen Weg gefunden hat, wie es teilweise schneller geht, so soll es dem Leser recht sein. Das Ergebnis kann sich in jedem Fall sehen lassen.
Nicht weniger ausdrucksstark arbeitet David Yardin. Seine Version von Illyana Rasputin könnte geradewegs einem Spawn Szenario entsprungen sein. Oder sie ginge in gewisser Weise auch als Schwester der Angelus (aus The Darkness) durchgehen. Hörner, goldblonde lange Haare, knapp bekleidet (das ist stets ein Muss), rehartige Unterschenkel und Füße, dazu ein langer und dicker roter Schwanz: Fertig ist die etwas andere Mutantin. Grafisch weiß diese kleine Abschnitt des vorliegenden Bandes, der nur aus wenigen Seiten besteht, sehr gut zu gefallen. Viel lässt sich angesichts der Kürze nicht über die Geschichte sagen, zumal ihr Ende offen ist. Als Anheizer, der neugierig macht, taugt es allemal.
Der Auftakt von Ed Brubaker und Matt Fraction enthält viele kleine Einzelheiten, um die X-Men menschlicher zu machen. Es ist ein Blick hinter die Kulissen, den es zwar früher auch schon gab, der aber etwas intimer ausfällt, da die Zahl der Mutanten gehörig geschrumpft ist. Es zeigt den Hass verschiedener Homo Sapiens gegen den Homo Superior, der auch nach der katastrophe nicht von der Welt verschwunden ist. Das Marvel-Universum ist schmutzig, es hält nicht viel von seinen Helden (wie die Helden aus dem DC-Universum einmal in einem Crossover feststellten). Die Handlung ist spannend, in den kleinen Dosen, in denen sie verabreicht wird, aber alles in allem ist sie mehr Überleitung als zusammenhängende Konstruktion.
Ein Augenschmaus in der 100. Ausgabe der X-Men. Land und Dodson zeigen, was sie drauf haben. Die Zeitenwende der X-Men ist noch in vollem Gange. Die Zukunft wird zeigen, wohin sich alles entwickelt.
Links:
www.youtube.com/watch?v=SIfEEX8J7Mk (Wolverine Sketch Video von David Yardin, nur ein wenig wackelig)
Stichwörter: none
Dienstag, 16. Juni 2009
Sie quälen den Mann, der Logan heißt. Er ist ihnen unheimlich. Bevor sie ihn in den Tank gelegt haben, rasierten sie seine Haare. Komplett, nun, nur zwanzig Minuten später sind schon wieder die ersten Stoppeln auf Gesicht und Körper zu sehen. Alle Schläuche und Kontrolleinheiten sind angeschlossen. Die Operation kann beginnen. Zügig pumpt das Adamantium in Logans Körper, aber seine Regenerationsfähigkeit hält den fremden Stoff aus. Vor den Augen der Wissenschaftler übersteht dieser Mann eine Tortur, die kein menschliches Wesen überstehen sollte. Mehr noch: Logan erholt sich langsam, erwacht. Da geschieht das Unglaubliche: Stacheln entwachsen blitzartig seinen Handrücken. Ein Assistent bietet sich, Logan zu helfen. Wider besseres Wissen schickt der Operationsleiter den jungen Mann gnadenlos ins tödliche Verderben.
Aus der Sicht des Operationsleiters ist sogar diese Tragödie ein Erfolg. Logan tötet ohne mit der Wimper zu zucken. Er ist, wie der Professor bald beinahe am eigenen Leib erfahren muss, eine Bestie. In einer Kurzschlusshandlung gibt er den Befehl, Logan zu töten. Aber der Befehl wird zurückgenommen. Logan ist zu wichtig. Logan ist genau das, was er sein soll: Eine Waffe. Wenig später soll sich in einem neuen Test bewähren. Alleine tritt er einem Rudel Wölfe entgegen. Für einen normalen Menschen würde diese Situation das Todesurteil bedeuten. Aber für Logan?
Wolverine ist die Waffe X. Der Autor Barry Windsor-Smith hat die Geschichte nicht nur geschrieben, sondern zeichnete sie auch. Das ist nicht ungewöhnlich, aber auch nicht an der Tagesordnung, da beide Prozesse zeitintensiv sind. In dieser Handlung, erschienen von April bis August 1991, wirft ein Rückblick ein knallhartes Bild auf die Entstehung Wolverines. Vieles an seinem Verhalten wird durch diese Geschichte erklärt. Das Tier in Wolverine wird verständlicher, denn die Bemühungen, die ihn dazu machten (oder auch verdammten) sind nicht nur tiefgreifend, sie werden auch in aller Deutlichkeit geschildert.
Es ist ein Kammerspiel. Wie so häufig in der jüngsten Zeit geht es nicht kreuz und quer um die Welt, gibt es kein Inferno in irgendeiner Großstadt oder im Weltraum. Windsor-Smith behandelt die Entstehung Wolverines in einer abgeschirmten und entlegenen Forschungsstation im tiefen Winter. Wir sehen die Umwandlung des Mutanten Logan, seine Konditionierung und wir sind als Leser zugegen, als der Mensch in Logan das Tier in sich zurückzudrängen sucht. Denn um zu fliehen, braucht er wenigstens einen Teil seines gesunden Menschenverstands. Windsor-Smith macht aber gleichzeitig ganz deutlich, das auf dieser Seite von Logans Gehirn vieles verschüttet, wenn nicht sogar für lange Zeit verloren ist.
Der Engländer Windsor-Smith, Jahrgang 1949, machte in 70er Jahren des letzten Jahrhunderts durch eine vielbeachtete und erfolgreiche Umsetzung von Conan-Themen auf sich aufmerksam. Seit Beginn der 70er bis hinein in die 90er kann er auf Preise und Nominierungen in seinem Metier zurückblicken. 2008 wurde in die Eisner Awards Hall of Fame aufgenommen. Der grafische Stil ist hart wie seine Erzählweise. Er ist künstlerisch, das steht außer Frage, aber dort wo Zeichner heutzutage vergleichweise weiche Stile verfolgen, denen eher ein Glanz und Gloria anhaftet, rangiert Windsor-Smith eher in der Nähe von Frank Miller, sind seine Bilder doch eher militärisch prägnant. Aber die harte Ausdrucksform, das brutale wie in Stien gemeißelte Bild passt hier wie die berühmte Faust aufs Auge.
Denn Windsor-Smith versucht Logan so echt wie möglich zu machen. Das ist keine leichte Superheldengeschichte mit ein wenig Mutantendrumherum. Hier geht es um Folter, verbotene Experimente. Das wird von ihm ebenso ausdrucksstark und dunkel getuscht, wie die Vorlagen gezeichnet sind. Dass er sich jedoch auch weiterentwickelt hat, weicher in seiner Ausdrucksform geworden ist, zeigt sich in einer kurzen Sequenz im Anhang, die 2001 entstanden ist. Obwohl thematisch innerhalb der vorliegenden Handlung angesiedelt, fällt dieser Rückblick auf den Rückblick feiner aus, zerbrechlicher, sicherlich optisch auch etwas schöner, da der Tuschestrich hier viel weniger grob ausfällt.
Wolverine war nie ein Softie, doch hier ist er ein regelrechtes Tier, strotzt vor Kraft und Brutalität. Wer eine knallharte Superheldengeschichte lesen möchte, der jegliches weichgespülte Szenario abgeht und auch vor drastischen Bildern nicht zurückschreckt, sollte einen Blick auf den etwas härteren Wolverine werfen.
Wolverine, Waffe X: Bei Amazon bestellen
Link: www.barrywindsor-smith.com
Stichwörter: none
Montag, 15. Juni 2009
Der Unheimliche ist in der Nähe. Er schmiedet seine Pläne und doch nur ein Ziel: Batman. Immer noch will er seine Rache. Batman wird sich ihm stellen müssen. Selten zuvor wurde der Dunkle Ritter derart in die Ecke gedrängt. Denn Hush weiß ganz genau, wo er seinen Erzfeind treffen kann.
Paul Dini, Autor von Hush, Herz der Finsternis, ist Produzent und Autor diverser Fernsehserien wie Tiny Toon Adventures, Batman Beyond, Batman: The Animated Series oder Superman: The Animated Series. Für die ersten drei genannten erhielt er insgesamt fünf Emmys, den US-amerikanischen Fernsehpreis schlechthin.
Im vorliegenden 19. Sonderband über den Mitternachtsdetektiven lässt er Hush zurückkehren. Die Arbeit des einstigen Jugendfreunds von Bruce Wayne ist noch nicht vollends getan. Mit dem ersten Auftreten des geistig Verwirrten ehemaligen Arztes Dr. Elliot hatte es gleichzeitig ein Stelldichein der Spitzencharaktere aus der Batman-Reihe gegeben. Die Zeichnungen von Jim Lee hatten aus dem Ursprungshit etwas ganz Besonderes gemacht. Hush wird angetrieben von Hass und Neid. Alles was Bruce Wayne hat und hatte, war besser als das, was Tommy Elliot hatte, der Tod von Bruce’ Eltern eingeschlossen.
Paul Dini beleuchtet diese gemeinsame Vergangenheit näher, holt Jugendszenen hervor, zeigt, wie Tommy sich in dieser und jener Situation verhält. In einem Moment ist er noch beherrscht, im nächsten explodiert er und ist nicht mehr in der Lage die Fassade der höheren Erziehung aufrecht zu erhalten.
... hüte dich vor dem Mann, der aus der Ferne angreift!
Hush ist geheimnisvoll. Hinter seinen Gesichtsbandagen wirkt er wie eine wandelnde Mumie. Er hat in gewissem Sinne Stil und prahlt gerne damit, wie das vorangestellte Zitat Aesops zeigt, das er Batman zum Abschied an den Kopf wirft. Der gruselige Effekt passt und lässt ihn durch seine enorme Kaltblütigkeit auf Augenhöhe mit Batman agieren. Paul Dini hat sich, um das unter Beweis zu stellen, eine besonders gemeine Vorgehensweise ausgedacht, die auf mehr als nur Batmans Herz, genauer seine Gefühle abzielt. Dini zitiert Batman ebenso wie andere kleine Begebenheiten aus dem phantastischen Genre allgemein.
Das Krankenhaus ist ein gern gesehener Ort, wenn es um unheimliche Vorgänge geht. Patienten, die seelenlos agieren oder auch Operationssäle sind nicht erst Themen seit Anatomie und anderen Filmen und Romanen dieser Art. Auch sind wieder andere Gegner Batmans zu Gast (wie z.B. Scarecrow) oder es werden Feinde imitiert (wie z.B. Bane).
Zeichner dieser Ausgabe ist Dustin Nguyen (nicht zu verwechseln mit dem Schauspieler gleichen Namens). Es wäre zu kurz gegriffen, zu behaupten, dass Nguyen in einem neuen modernen Stil arbeitet. Künstler wie Mike Mignola oder Eduardo Risso arbeiten gerne mit ähnlich vereinfachten Comic-Stilen. Sie sind an die Realität angelehnt, wirken aber auch wie eine erwachsene Form von Trickfilmen aus dem Cartoon Network. Sie sind nicht ganz kindlich, aber sie sind auch nicht ganz erwachsen. Er ist an der Grenze zur realitätsnahen Zeichnung. Manchmal hart an der Grenze, dann gleitet er wieder in künstlerische Gegenden ab, wo sich auch ein Darwyn Cooke (neue Abenteuer von Spirit) mit seinen sehr cartoonähnlichen Zeichnungen finden lässt.
Die Grafiken sind durchweg sehr fein, schlank, beinahe zerbrechlich zu nennen. Um den Effekt dieser fragil scheinenden Bilder nicht zu zerstören, ist die Kolorierung nur sparsam vorgenommen worden. Texturen, Verläufe und Lichteffekte sind nur punktuell zu finden. Das Gesamtbild ist düster, grünlich, bläulich, die Rückblicke sind in kaltem Braun und Grau gehalten.
Düster, sehr düster, sehr spannend und originell. Paul Dini zeigt wie versiert er als Autor auf dem Gebiet der Comics ist. Und er zeigt, dass seine Erzählung aus der Batman-Reihe einmal zu einem Klassiker werden könnte.
Stichwörter: none
Sonntag, 10. Mai 2009
Ein privates Treffen, ein außergewöhnliches Treffen: Clark Kent, Bruce Wayne und Diana Prince. Träume haben die drei Helden zusammengeführt. Man könnte auch von Halluzinationen sprechen. Die Grenzen zwischen den Welten scheinen zu verschwimmen. Gerade noch saß Batman in seinem Jet und flog hoch über Gotham City. Im nächsten Moment taucht ein leichter Nebel in der Kanzel auf und dann … Er ist zwar noch in Gotham, aber das ist kein Gotham, das er kennt. Es riecht nach Friedhof, die ganze Atmosphäre ist gruftig. Bei genauer Betrachtung passt er in seinem Fledermauskostüm genau in das Szenario. Trotzdem gefällt es ihm nicht. Die beiden Männer, die er belauscht, wie auf Wache stehen und von magischen Schutzwällen sprechen, gefallen ihm noch weniger.
Ein neues Rätsel, eingeläutet von den drei großen DC-Helden. Einer der bekanntesten Comic-Autoren, Kurt Busiek, hat eine verschachtelte Geschichte entworfen, der es sich trotzdem sehr gut folgen lässt. Durch den geschickten Einsatz verschiedener Zeichner wird immer wieder die Aufmerksamkeit des Lesers gefordert. Das Auge muss sich neu einstellen, nach einigen Seiten gibt es stets einen neuen Kick. Diese Technik wurde schon mehrfach eingesetzt, aber hier gelingt es wie im Lehrbuch.
Der Leser (und vielleicht auch Fan des DC-Universums) darf sich neben den drei Helden auf zahlreiche Gastaustritte freuen. Rote Renner geben sich kurz die Ehre, die JLA fehlt auch nicht, ebenso wenig eine Green Lantern. Neben dem großen Rätsel im Hintergrund gibt es im Vordergrund satte Action, die zeitweise ein wenig an die große Auseinandersetzung von Superman mit Doomsday erinnert.
Gleich mehrere Zeichner haben sich zusammengefunden, um die drei großen Helden des DC-Universums zu feiern. Zeichner Mark Bagley macht den Anfang. Er ist der Zeichner der großen Augen und des breiten Lächelns. Comic-Fans werden seine tollen Bilder zu Ultimate Spider-Man kennen. Bagley idealisiert wie viele seiner Kollegen, aber er hat in seinen Figuren auch stets einen gewissen Püppcheneffekt. Das mag mit den Augenpartien zusammenhängen. Darüber hinaus setzt er gerne Muskelpartien ein (selber war z.B. ein Spider-Man derart drahtig wie bei seiner Ultimate-version). Seine Zeichnungen zeugen von großem Perfektionismus. Einzig könnte man negativ herausheben, dass seine Figuren zu lieb aussehen. Das ist bei einem Superman und einer Wonder Woman nicht schlimm, bei einem Batman jedoch, der jüngst vermehrt zu seinem eigenen Schurken mutiert (in der normalen wie auch in alternativen Erzähllinien), da passt es nicht so recht.
Scott McDaniel ist ein wenig mehr cartoony. Fans konnten seine Arbeiten hierzulande bei einigen Superman-Folgen erleben, in denen ein neues Supergirl ihren Einstand feierte. Neben all den Zeichnern, die doch sehr um sehr real anmutende Erscheinungsbilder bemüht sind, gibt er seinen Bildern einen beinahe abstrakten Anstrich. McDaniel reduziert nicht so sehr, wie es ein Darwyn Cooke macht, aber er begibt sich in diese Richtung. Allerdings pflegt McDaniel keinen bekannten Zeichentrickstil, doch, und das lässt sich nicht von der Hand weisen, könnte dies für besonders Actionreiche Szenarien ein guter Ausgangsstil sein.
Ein sehr gutes Zeichnerteam sind auch Tom Derenick und Wayne Faucher, denen es gelingt, eine Mischung aus Alan Davis und George PerezJohn Buscema, also deutlich härter, kantiger als bei einem John Romita, der runder und weicher zeichnete. Derenicks und Fauchers Bilder wirken wie gemeißelt, eigentlich mehr wie Marvel als DC (obwohl diese Trennlinie durch den heute weitaus häufigeren Zeichnertausch nicht mehr so strikt gezogen werden kann).
Ein schöner Höhepunkt der vielen Ereignisse im DC-Universum. Verschachtelt zwar, aber sehr viel geradliniger erzählt als die übrigen Geschichten, die das bestehende Gesamtszenario gründlich umgekrempelt haben.
Stichwörter: none
Sonntag, 03. Mai 2009
Der Joker wird aus dem Arkham Asylum entlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es ein ganz normaler Tag in Gotham City. Das Leben hat sich wieder etwas beruhigt. Es gibt Verbrechen, aber sie sind nicht ganz so abartig wie sonst und weniger spontan. Nun aber ist der Joker wieder da. Und er kann es ganz und gar nicht leiden, wie seine Gebiete verschachert, wie seine Einnahmequellen geschmälert wurden. Johnny Frost wird der neue Fahrer des Jokers. Der Clown der Unterwelt hält sich zurück, weiß seine Wutausbrüche unter Kontrolle zu halten. Beinahe jedenfalls.
Eine kleine Party, bei der Johnny glaubt, endlich angekommen zu sein, wird durch einen schrecklichen Zwischenfall wieder in die Realität zurückgeholt. Zwar hat der Joker die Anstalt verlassen, doch er ist so wahnsinnig und so gemeingefährlich wie eh und je.
Schluss mit lustig! Dieser Joker hat mit dem guten alten grinsenden Bananengesicht nichts mehr gemein. Das ist kein Joker, der seine Feinde an die Kerzen einer überdimensionalen Torte fesselt, das ist ein Joker, der seine Opfer häutet. Eine Harley Quinn verhaut ihre Gegner nicht mit einem Kirmeshammer, eher strippt sie auf einer Bühne. Killer Croc könnte sofort von Michael Clarke Duncan (u.a. Kingpin in Daredevil) gespielt werden. Und der Joker ist zweifellos von der tollen Darstellung Heath Ledgers im letzten Batman-Film The Dark Knight inspiriert. Fast möchte man sogar sagen, dass der Joker von Autor Brian Azarello noch einige Stufen auf der Leiter der Gewalt nach oben gehetzt wurde.
Ähnlich wie Kino lässt es sich als Leser nicht vorhersagen, wann diese weiß geschmickte Vulkan wieder ausbrechen wird. Auch im Sinne der Dramaturgie gibt Azarello keinen Hinweis darauf. Der Joker agiert zufallsgesteuert. Sicher hat er das eine oder andere Ziel, auch spannt er diverse Charaktere wie Schachfiguren vor den imaginären Karren, aber letztlich gibt es nur ein wirkliches Ziel, die Zerstörung. Oder wie Azarello seinen Twoface erklären lässt:
Er wird vor Ihrer Leiche stehen, mit Ihrem Blut an seinen Händen, und er wird laut lachen … nicht, weil Ihr Leben ihm nichts bedeutet … sondern weil der Tod für ihn die Pointe ist.
Johnny Frost ist einer dieser kleinen Handlanger, ein Redshirt, bereit, jeden Moment über die Klippe zu gehen. Hier sehen wir ihn als Erzähler, Analysator und Nebenfigur in einem. Johnny Frost ist einer der Verlierer, wie es sie in Krimis oder Thriller häufig gibt. Sie sind nicht richtig schlecht, aber auf der schiefen Bahn. Sie haben die meiste Zeit ihres Leben im Gefängnis verbracht. Sie sehen für sich keine Alternative. Ein Leben im Rahmen des Gesetzes scheint nicht machbar. Durch die Begegnung mit dem Joker muss Frost feststellen, dass er am Rand einer Klippe balanciert und dass ein Absturz nicht nur möglich, sondern im Beisein des Jokers der logische Schluss ist. Doch lange Zeit weigert sich Frost, diesen Schluss anzuerkennen, schließlich rettet er dem Joker sogar das Leben.
Lee Bermejo ist ein ziemlich ausdrucksstarker Künstler. Vor geraumer Zeit konnte der Batman-Fan den Dreiteiler Batman/Deathblow: Nach dem Feuer hierzulande lesen. Schon damals war Bermejos Hang zur Realität drastisch und dramatisch zugleich. Er gestaltete seinen eigenen Batman, zog ihn regelrecht an, zwar nicht wie es ein Alex Ross macht, sondern vielmehr wie ein Batman sich anziehen würde, wenn das Fledermauskostüm echten Ansprüchen genügen müsste. Das wirkt martialisch, militärisch und weitaus weniger technisiert als in den beiden jüngsten Verfilmungen mit Christian Bale.
Aber Batman ist hier eine absoluten Randfigur. Das Hautaugenmerk liegt auf dem Joker, wie ihn ein Heath Ledger in Ansätzen spielte. Bermejo macht seinen Joker noch echter und dank verschiedenster Szenen, von Azarello geschrieben, erhält er ausreichend Gelegenheit dazu, den Joker sehr facettenreich darzustellen. Verbunden mit einem starken Hang zum Perfektionismus ergeben sich für den Leser wahnsinnig tolle Bilder, mal normal getuscht und koloriert, dann wieder äußerst fein koloriert, fast in Titelbild-Qualität.
Batman? Der wird nur zum Schluss gebraucht. Als die Unterwelt ihr Auskommen mit dem Joker nicht alleine regeln kann, taucht der dunkle Ritter auf. Als Leser fragt man sich, wo er die ganze Zeit geblieben ist, war er doch in alter Zeit immer viel schneller zur Stelle und nicht erst wenn Twoface um Hilfe ruft. Aber Batman, so muss es in der Gegenwart auch akzeptiert werden, ist nur ein Mensch und kann immer nur an einer Stelle gleichzeitig sein.
Der Joker: Vor ihm haben alle Angst, sogar seine Kollegen. Brian Azarello präsentiert einen knallharten und brutalen Joker, der alle anderen Schurken aussticht. Der Joker ist nicht zu kontrollieren, er ist das Chaos, eine Urgewalt. Spannend erzählt von der ersten bis zur letzten Seite.
Stichwörter: none
Sonntag, 26. April 2009
Das kleine Neugeborene ist für das kinderlose Paar ein Geschenk des Himmels. Doch ein Mischling ist in Japan nicht gerne gesehen, obwohl es in japanischer Tradition aufwächst. Und es kommt der Tag, da die Wut sich nicht mehr unterdrücken lässt, da sich eine Macht ihren Weg bahnt, die das Kind nicht zu steuern vermag. An diesem Tag nimmt sich jemand anderes des Kindes an.
Zeitgleich zum Start des Wolverine-Kinofilms erwacht auch die Serie zu neuem Leben. Im Gegensatz zu mancher anderen Comic-Figur gehört Wolverine zu einer der langlebigsten auf dem deutschen Comic-Markt. Wolverine ist der Rächer, der bärbeißige Mutant, oft ein wenig im Schatten anderer Superhelden und doch hat er es geschafft, sich in die Herzen der Fans zu agieren.
Seine Langlebigkeit, infolge seiner Selbstheilungskräfte, bietet genügend Möglichkeiten immer neue Geschichten aus der Vergangenheit einzuflechten. Dabei enstehen und entstanden nicht unbedingt Geschichten, die Wolverine sympathischer machen, im Gegenteil. So ist auch dieser Blick in die Vergangenheit Wolverines nicht von Mitgefühl geprägt. 1943 sind mehrere japanische Familien in Kalifornien interniert worden. Wolverine ist hier nicht der große Befreier, er ist ein Peiniger, der über die Leichen von Frauen und Kindern geht.
Also sollte der Fan tunlichst den smarten Hugh Jackman vergessen und sich wieder zurückbesinnen auf die kleine, haarige, muskelbepackte und wölfische Figur, die Wolverine einmal war und von der Autor Daniel Way hier einiges zurückgebracht hat. In der Gegenwart weiß Wolverine um seine Fehler aus der Vergangenheit, aber er kann sie nicht wieder gut machen. Einzig kann er versuchen aufzuräumen. Sofern es ihn nicht vorher aufräumt. Wolverine wird hier von den Geistern der Vergangenheit einmal mehr eingeholt, ein beliebtes Thema bei Wolverine (erst jüngst geschehen mit Wolverine: Logan).
Aber es sind nicht nur die Opfer unmenschlicher Experimente, die Daniel Way hier beschwört, es ist auch ein Sohn, der Wolverine hier Schwierigkeiten macht. Nach X 23 gibt sich nun eine weitere wölfische Kreatur mit Klingen die Ehre. Daniel Way lässt den ebenfalls wölfischen und sehr geheimnisvollen Romulus im Hintergrund agieren. Wie ein Dr. Mabuse< zieht ein scheinbar Unsterblicher im Hintergrund die Fäden. Auch Parallelen zur Highlander-Serie sind spürbar. Way geht nicht den geraden Weg, er lässt Wolverine Hürden überwinden, bevor der Leser endlich die Zusammenkunft von Vater und Sohn bewundern darf. Cut! Fortsetzung folgt.
Bis zu diesem Punkt war es allerdings sehr spannend. Es wird gekämpft, doch in den meisten Fällen bleiben die Ergebnisse von Gewalt diffus. Da ist es erstaunlich, wenn Zeichner Stephen Segovia plötzlich die Zügel fahren lässt und zeigt, wie jemandem der Kopf zertrümmert wird, weil er seinen sadistischen Ausbilder böse angeschaut hat. (Natürlich muss er die textliche Vorlage Ways befolgen, doch diese Darstellung wirkt irritierend.) Segovia arbeitet ähnlich wie ein Leinil Francis Yu, etwas weniger zerbrechlich, aber seine Figuren sind ähnlich gestreckt und sehr statuenhaft. Die metallisch ausschauende Kolorierung von Matt Milla verstärkt diesen Eindruck noch. Interessant ist Segovias Nasentick, wenn man es so nennen möchte. Gerne schraffiert er den Nasenbereich, obwohl es von den Schattenrichtungen her unnötig erscheint.
Ein anderes zeichnerisches Kaliber ist Marcelo Frusin. Sehr viel reduzierter, mehr ein Pat Lee (Wolverine/Punisher) oder ein Sean Phillips. Betrachtet man die Zeichnungen wird auch sehr schnell deutlich, wie Frusin einen Wolverine im Film besetzt hätte: mit einem jungen Clint Eastwood. Unter der Maske fällt es freilich nicht mehr so auf. Autor Gregg Hurwitz, der hier eine abgeschlossene Geschichte abliefert, schreibt über einen Rachefeldzug Wolverines. Auch schon Thor empörte sich auf seine Art über den Tod einer alten Frau, die von Verbrechern eher zufällig getötet wurde. Aber Thor gab seiner Wut nicht dadurch Ausdruck, indem er die Gangster massakrierte. Wolverine kennt keine Grenzen. Ein Auge für ein Auge nimmt er wörtlich.
Wolverine trägt zwar immer noch eine Variante des klassischen X-Men-Kostüms, doch die klassischen Zeiten sind lange vorbei. Längst ist er Richter und Henker in einer Person geworden. Es mag seine Fans haben, es nimmt der Figur aber auch die Tiefe, wenn sie auf Dauer auf diese Eigenschaften reduziert wird. Spannend bleibt es dank guter Autoren und ebensolcher Zeichner.
Stichwörter: none
Sie waren einmal Kinder. Äußerlich, kurz nach der Geburt, sahen sie aus wie andere Kinder. Die Umstände ihrer Geburt hingegen waren mysteriös. 43 von ihnen wurden zwar geboren, doch waren bis kurz vor diesem dramatischen Zeitpunkt ihre Mütter überhaupt nicht schwanger. Sir Reginald Hargreeves nahm sich einiger dieser Kinder an. Er erzog sie (oder ließ sie erziehen) und sehr bald schon greifen die Kinder in das Weltgeschehen ein. Einer ihrer ersten Fälle führt sie nach Paris. Als der Eiffelturm Amok lief heißt es somit zu Beginn. Ein Amoklauf ist es zwar nicht, eher eine Art Diebstahl, aber letztlich ist Paris um einen Eiffelturm ärmer, denn dieses stählerne Konstrukt ist kein einfacher Turm.
Überhaupt ist hier nichts, wie es scheint. Die Spannungen unter den Kindern sind am Anfang unübersehbar. Eigentlich soll eine gewisse Hierarchie vorherrschen, aber bei Zehnjährigen gehen schon einmal die Pferde durch. Es sind eben Kinder, wenn auch ganz besondere. Weitere zwanzig Jahre später ist das Projekt einer kleinen Gemeinschaft, bestehend aus ungewöhnlichen Menschen mit Superkräften, gescheitert. Die ehemalige Nummer Eins ist lieber im Weltraum, nicht zuletzt, da sie nun den Körper eines Gorillas hat und nur noch ihr Kopf an einen Menschen erinnert.
Die Umbrella Company muss sich wieder zusammen finden, nicht zur Begeisterung aller Beteiligten, doch Sir Reginald ist verstorben und besondere Umstände zwingen die Mitglieder dazu, wieder aktiv zu werden.
Modern und ohne Ballast von Vorbildern präsentiert sich die Geschichte von Gerard Way, gezeichnet von Gabriel Bá. Dort, wo sich Parallelen zu anderen Superhelden-Geschichten ergeben könnten, reißen Way und Bá immer rechtzeitig das Steuer herum. Instinktiv oder absichtlich, das vermag wohl niemand zu sagen.
Hier ist ein wenig Anarchie im Spiel. Nicht alles wird gleich erzählt. Die laufende Erzählung, miteinander verschmelzende Rückblenden und Nebenerzählstränge wirken wie überraschende Hackentricks. Ein Zeitsprung von 20 Jahren lässt viel Raum, um diesen zu füllen und mit geheimnisvollen Andeutungen zu spielen und unerwartete Wendungen einzubauen. Wer nach dem Anblick von Nummer Eins‘ Gorillakörper dachte Das kann ja heiter werden, wird nicht weniger erstaunt sein, wenn Nummer Fünf nach zwanzig Jahren immer noch so aussieht wie vor zwanzig Jahren.
Verwirrend? Ja, das ist es auch zunächst. Die Erzählweise von Gerard Way lässt es nicht zu, dass mal eine Seite locker flockig übersprungen werden kann. Hier gilt es aufzupassen. Aber, und das muss fett und doppelt unterstrichen werden, wegen ihrer unkonventionellen Art macht die Erzählung auch in hohem Maße Spaß. Deshalb will man keine Seite überblättern. Ganz im Gegenteil ist es eher interessant, jede Seite nach erstmaligem Lesen noch einmal abzuklopfen. Das ist nicht ganz so düster wie die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, aber wenigstens ebenso spannend wie der erste Teil jener Saga.
Gabriel Bá gehört einer äußerst modernen Art der Comic-Zeichner an. Er ist stilistisch vergleichbar mit Kevin O‘Neill (League of extraordinary gentlemen), Guy Davis (B.U.A.P., Als die Zombies …) oder Jamie Hewlett, dem Zeichner, der den Gorillaz zu ihrem Äußeren verhalf. Ähnlichkeiten zu Bildern von Guy Davis? Das mag auch daran liegen, dass diese MTV-Clip-Optik oder auch Cartoon-Network-Optik nicht nur wegen ihrer geradlinigen Ausführung und Kantigkeit vergleichbar ist, sondern auch wegen ihrer Kolorierung, die einen großen Anteil an den Bildern hat. Dave Stewart, Haus- und Hof-Kolorist für Davis in Sachen B.U.A.P., folgt der kantigen Vorgabe der Grafiken und macht aus diesem Abenteuer ein kunterbuntes Action-Vergnügen.
In der Endausführung von Bá mögen die Zeichnungen leicht wirken, hingeworfen, dennoch geht ihnen eine Entwicklung voraus, die sich im Anhang in Auszügen ablesen lässt. (Man würde sich als Fan einmal eine schöne Sammlung solcher Entwicklungszeichnungen zu verschiedenen Serien in einem Band wünschen. Ich jedenfalls tu‘s.) Besonders faszinierend ist Nummer Eins oder auch Space Boy. Doch nicht nur die Figuren sind erwähnenswert, vielmehr hat die gesamte Gestaltung nicht nur Charme sondern auch einen gewissen Vorbildcharakter. Ist der Leser beim Endspurt angelangt, vermag er nicht mehr zu sagen, was ihn so vorantrieb. War es die Erzählung? Oder die Bilder, die deutlich eine Geschwindigkeit vermitteln und das Tempo zu dosieren verstehen?
Was zuerst wie ein Experiment wirkt, ist teilweise innovativ, nervenaufreibend, lustig, dramatisch, äußerst unterhaltend. Es geht seinen eigenen Weg, möglicherweise nicht für jedermann etwas, aber wer sich abseits bekannter SciFi- und Superhelden-Geschichten orientieren möchte, findet hier vielleicht Abwechslung. Einen Blick sollte man auf alle Fälle riskieren.
The Umbrella Academy, Weltuntergangs-Suite: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: none
Freitag, 24. April 2009
Ein Gott fällt. Orion, der Jäger, einer der Götter von New Genesis, der Welt, die in der Vergangenheit den Machenschaften von Darkseid immer wieder Einhalt gebot, ist tot. Der ehemals mächtige Krieger liegt auf einem Müllhaufen. Ein irdischer Polizist findet ihn und gerät dadurch in einen Strudel von Ereignissen, die er sich im Traum nicht vorgestellt hätte. Hinter den Kulissen, von den Helden unbemerkt, pirscht sich jemand an die Schurken heran und versucht sie zu einen. Libra, so nennt sich der Maskierte, will das Gleichgewicht wieder herstellen. So verspricht er es jedenfalls. Aber die Schurken sind misstrauisch. Vielen geht es um die alleinige Macht.
Unterweltsgrößen wie Lex Luthor fällt es schwer, sich einem großen Ziel unterzuordnen, wenn dafür die Belange anderer berücksichtigt werden müssen. Dennoch zeigen Libras Bemühungen bald die ersten Erfolge. Die Helden der Erde müssen sich unterdessen wie Schulkinder vorführen lassen. Zur Untersuchung des Todes von Orion wurden von den Wächtern von OA Alpha Lanterns entsandt. Mit aller zur Verfügung stehenden Überheblichkeit machen sich die Alpha Lanterns an die Arbeit.
Geheimnisvoll ist die Atmosphäre gleich zu Beginn des Auftakts zur Final Crisis. Bislang hat sich vieles verändert im DC-Universum und der Fan wusste zeitweise nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Mit den neuesten Ereignissen tritt etwas Ruhe ein. Einige kleine Erzählschnippsel zu Beginn sorgen für ein klein wenig Verwirrung, doch schon bald erfolgt die Erzählung höchst strukturiert, ein wenig wie in einer Soap Opera, aber überhaupt nicht vorhersehbar.
Wer ist Libra? Diese Frage kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden, doch es ist eine Frage, mit der sich auch die hier versammelten Superschurken auseinandersetzen. Da ist ein neuer Outlaw in der Stadt, den niemand jemals zuvor gesehen hat und will ihnen Befehle erteilen. Das ist ungewöhnlich genug. Ungewöhnlicher noch wird der Umstand, wenn dieses Wesen (die Frage des Geschlechts ist auch ungeklärt) seine Macht demonstriert und vor den Augen der versammelten Schurken einen Helden tötet (wenn auch nur einen relativ unbekannten). Und als wäre das nicht außergewöhnlich genug, ermitteln nicht nur Alpha Lanterns in einem Gottesmord, sondern auch noch ein ganz normaler Polizist.
Der Auftakt der Final Crisis bedeutet auch ein Wiedersehen. Ein paar alte Bekannte wie Doktor Light oder Mirror Master feiern hier ihren Kurzauftritt. Gegen passablere Helden wie den Flash ist es um sie nicht so gut bestellt, doch diese Kleinhelden von der League of titans ... Irgendwie scheinen die noch nicht ganz trocken hinter den Ohren zu sein. Es sind diese kleinen Episoden am Rande, die auch die Schurken menschlicher erscheinen lassen und damit mehr Volumen geben.
Grafisch kann sich der Fan hier nicht beschweren. Den Auftakt macht der langjährige Rächer-Zeichner George Perez, der auch das Zusammentreffen von JLA und Rächern in Szene setzte. Weitere eindrucksvolle Gastarbeiten, vielleicht noch einen Hauch realistischer (aber nur einen Hauch) werden von Tony Daniel, Aaron Lopresti, Ivan Reis und Philip Tan abgeliefert. Weitere Top-Zeichner geben sich in der Haupthandlung die Ehre. Ed Benes bereicherte mit seinen Arbeiten die Welt von Superman, JLA oder auch der Birds of prey. Carlos Pacheco schuf mit seinen Bildern zu den Episoden um einen bösen Batman und einen bösen Superman ein wunderschön gezeichnetes Comic-Erlebnis. Für den Großteil der Umsetzung ist schließlich J.G. Jones verantwortlich. Insgesamt, und das betrifft auch das ungleich größere Team für Tusche und Farbe, hat sich DC nicht lumpen lassen, um aus der ersten Episode der Final Crisis ein Fest für die Augen werden zu lassen.
Ein sehr guter Gesamteindruck, optisch wie erzählerisch. Der Autor Grant Morrison bereitet seine Geschichte so gut auf, dass man am liebsten gleich alles lesen möchte. Leider muss man sich bis zur Fortsetzung gedulden. Das ist aber auch der einzige Nachteil am Auftakt der Final Crisis.
Stichwörter: none