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Comic Blog


Montag, 14. Mai 2007

Batman – Der dunkle Ritter schlägt zurück

Filed under: Superhelden — Michael um 19:53

Batman - Der dunkle Ritter schlägt zurückNichts ist mehr in den Vereinigten Staaten so, wie es war. Die Helden von einst haben sich zurückgezogen, dienen der Regierung oder sind einfach verschwunden.
Batman will diesen korrupten und degenerierten Zustand seines Landes nicht länger dulden. Mit der Befreiung alter Freunde legt Batman den Grundstein zu einer kleinen Revolution. Zunächst wendet er sich einem Mann zu, der schon lange in einer alptraumhaften Welt lebt. Ein weites Meer hält in gefangen. Nackt und waffenlos stellt er sich immer wieder Furcht erregenden Monstern. Eines Tages erhält er sein altes Leben zurück. – Atom kann wieder wachsen! Aber zuerst schmuggelt Catgirl den ehemaligen JLA-Helden heraus: Im Mund. Natürlich versucht sie, ihn nicht herunterzuschlucken. Aber im Eifer des Gefechts kommt es schon einmal zu ungewollten Reflexen.

Batman kämpft nicht allein. An seiner Seite streitet Catgirl, die als ehemaliger Robin aktiv war. Nun ist auch Atom wieder dabei. Die neuen Aktionen der Helden erregen auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. In einer doch recht merkwürdig gewordenen Welt, in der nackte Nachrichtensprecherinnen sich über die Meldungen aus aller Welt auslassen, ist die Rückkehr von verschollenen Helden immer noch eine Sensation. In einer Welt, in der Superman nach der Pfeife der Regierung tanzt, scheint Gegenwehr etwas Außergewöhnliches zu sein. – Doch was soll Superman machen? Wenn er sich zur Wehr setzt, werden die letzten Abkömmlinge seines Volkes in der Flaschenstadt Kandor sterben.

Für Batman ist Krypton reine Nebensache. Was zählt ist das Hier und Jetzt. Die Bekämpfung von Lex Luthor und dem außerirdischen Genie Brainiac ist wichtiger. Bald wird auch der gute alte Flash befreit, der wie ein Hamster im Laufrad sein Leben fristete. Selbst auf die Freaks will Batman nicht verzichten. Der inzwischen wahnsinnig gewordene Plasticman stößt auch zur Gruppe. Superman wagt einen Versuch, Batman zu stoppen. Doch der dunkle Ritter hat vorgebeugt. Mit durch Kryptonit verstärkten Kampfhandschuhen prügelt Batman den Stählernen windelweich.

Mit Batman – Der dunkle Ritter schlägt zurück ist die Fledermaus-Version von Frank Miller wieder da. Um die Welt ist es schlechter bestellt, als jemals zuvor. Batman kann aber nicht mehr alleine vorgehen, um das Böse zu bekämpfen. So sammelt er nach und nach alte und neue Recken um sich. Bruce Wayne will tatsächlich eine Revolution.

Frank Miller ist ein Ausnahme-Autor im Bereich der Comics. Die Themen, die er zu Papier brachte, sind stets drastisch geschildert. Seine Welten sind gewalttätig und verzweifelt. Seine Helden sind tragisch, aber mutig. Miller überspitzt, karikiert und drückt einer Geschichte seinen ganz persönlichen Stempel auf. – Meistens jedenfalls. Miller spaltet die Gemüter, denn seine Darstellung und seine Erzählweise sind nicht jedermanns Sache.
Bei Themen wie Sin City oder 300 fällt es schwer, ihn in Relation zu anderen Comic-Schaffenden zu stellen. Seine Arbeiten in diesen Geschichten haben zu viele Alleinstellungsmerkmale. Als er sich den altbekannten Helden namens Batman vornahm, wurde er vergleichbar. Der dunkle Ritter kehrte mit einem Paukenschlag zurück und stellte ein ganzes Genre auf den Kopf. Mit dieser, man könnte sagen, Fortsetzung ist Batman wieder da.
Dieser Batman will sein altes Leben zurück, alte Freunde sollen an seiner Seite sein, neue Freunde sollen nach seinen Regeln agieren. Dieser Batman will der Zukunft ein Ende machen, denn die Vergangenheit war besser. Bleiben wir bei Millers Erzählweise: Diese Geschichte ist ein gewaltiges Mosaik. In wahrhaft vielen kleinen Bausteinchen entwickelt Miller nicht nur eine völlig andere Comic-Welt, sondern er setzt auch noch viele, viele Charaktere Stück für Stück zusammen – oder er demontiert sie.

Man kann den Eindruck gewinnen, dass Miller Superman nicht leiden kann, denn der Stählerne ist nicht wieder zu erkennen. Sicherlich kann man Clark zugute halten, dass er der Erde nicht den Rückenzugekehrt hat, wie es z.B. Green Lantern tat. Er hat nicht so schnell aufgegeben, wie es der Flash in seinem Laufrad tat. Aber Superman hat resigniert. Er ist kein Mann der Tat mehr. Er hat beschlossen, dass es keine Opfer mehr geben darf – auf keiner Seite. Für Batman ist er nur noch ein schwächliches Hindernis. Viele Helden von Miller haben ihre Illusionen und ihre Ideale verloren. Diese alten Helden gehören dazu. (Einzig Plasticman ist immer noch so durchgeknallt wie immer.)
Die neuen Helden wie Catgirl oder die Batmen kennen es noch nicht anders. Sie hatten nie richtige Ideale. Für sie steht die Action im Vordergrund. Diese Verrohung und Verkommenheit zieht sich durch die gesamte Gesellschaft. Viele Menschen glauben etwas zu sagen zu haben, aber etwas Sinnvolles kommt kaum dabei heraus. – Wenn es recht betrachtet wird, hat Miller unsere Meinungsvielfalt und die Unmenge an Leuten, die eine Expertise abgeben können, auf die absolute ironische Spitze getrieben.
Das macht den Comic absolut lesenswert. Dunkler bis tiefschwarzer Humor wartet hier an jeder Ecke. Dazwischen quillt die Verzweiflung hervor.

Der Geschichte steht die optische Darstellung gegenüber, die zweifellos einen Miller-Stil hat, aber an seine Spitzenwerke nicht heranreicht. Hier hätte er sich durchaus mehr Mühe geben können. Manches kleine Bild schlittert an der Krakelei vorbei. Andererseits entsteht ähnlich wie in seiner Erzählweise ein optisches Mosaik. Diese Klötzchenbauweise erfordert viel Aufmerksamkeit. Millers Geschichte ist nicht so glatt gestriegelt, wie so manches andere epische Werk aus dem DC-Universum.
Wer es nicht nur erzähltechnisch, sondern auch optisch unbequem mag, wird mit dieser Miller-Geschichte einen sehr langen Lesespaß vorfinden.

Ein gemeines Werk aus dem DC-Universum von Comic-Legende Frank Miller. Nicht jedermanns Sache, außergewöhnlich, hoch spannend und komplex, mit vielen überraschenden Wendungen.

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Freitag, 01. Dezember 2006

Sin City 7 – Einmal Hölle und zurück

Filed under: Thriller — Michael um 14:42

Sin City 7 - Einmal Hölle und zurückDer Commander geht einer für seine Ausbildung äußerst unüblichen Arbeit nach: er malt. Sein jüngstes Motiv ist schlüpfriger Natur. Nackte Frau unter Laken. Leider ist es seinem Auftraggeber nicht schlüpfrig genug. Der Künstler in ihm verweigert sich. Er könnte es so, wie der Kunde es wünscht, aber sein Starrsinn ist ihm im Weg. Lieber denkt er sich einen anderen Weg aus, um die nächste Miete aufzutreiben.
An diesem Wendepunkt angelangt, kreuzt eine Frau seinen Weg, nur um sich im nächsten Moment von einem Felsen in die Tiefe zu stürzen. Wallace zögert nicht lange. Der ehemalige Soldat einer Elitetruppe, hoch dekoriert, stürzt sich hinterher und rettet die junge Frau. Sein Leben bekommt einen neuen Sinn.
Durch einen dummen Zufall hat er eine Frau kennengelernt, die ein ähnliches Leben wie er führt. Und sie ist jemand, der sich ehrlich für ihn interessiert – und was noch viel wichtiger ist, sie versteht ihn außerdem noch.
Als Esther sehr unsanft wieder aus seinem Leben gerissen wird, sieht Wallace rot.

Ich werde jemanden umbringen. Ziehen Sie ihre Sachen an. Jemand, der im Hintergrund seine Fäden spinnt, möchte Wallace aus dem Weg haben. Doch die Menschen um ihn herum täuschen sich gewaltig in Wallace, den sie dank seiner langen Haare alle für einen späten Hippie halten.
Wallace ist wehrhaft, wie er gegen Gangster und Polizei beweisen muss. Dabei ist nicht völlig allein. Ausgerechnet Freunde aus der Zeit, die er hinter sich lassen wollte, stehen ihm bei. Lange sieht es sehr düster für ihn aus. Dann wendet sich das Blatt und Wallace startet seinen Rachefeldzug und seinen letzten Rettungsversuch, von dem er nicht einmal weiß, ob er noch rechtzeitig kommt.

Frank Millers letzte Geschichte der Sin City-Saga bildet einen opulenten Abschluss einer Thriller-Reihe, die so im Bereich der Comics ihresgleichen sucht. Auf satten 296 Seiten (plus Pin-Ups und Covern) erzählt er eine Geschichte, die zweifellos die intensivste der Reihe ist.

Wer ist Wallace? Wallace ist Soldat gewesen und bemüht sich nun, ein unbescholtenes Leben zu führen. Gleichzeitig hat Wallace Charakter. Er ist nicht bereit, sich zu verbiegen, auch nicht für Geld. Charakterfeste Menschen stolpern irgendwann über ihre Prinzipien. In diesem Fall ist es allerdings nicht sein Verschulden, sondern Kollege Zufall, der ihm in die Quere kommt. Miller lockt seine Helden gerne mit Frauen in die Falle, den falschen oder den richtigen Weg. Seine Frauen sind entweder sündhaft (böse) oder unschuldig. Damit folgt er den Gesetzen des Film Noir. – Miller wäre jedoch nicht Miller, würde er nicht mit diesen Gesetzen spielen und viel weiter gehen, als es besagte Filmgattung je getan hat.
Frauen werden in diesem Band für die Hauptfigur zu einem echten Problem. Miller lässt gleich drei verschiedene Typen auf Wallace los:
Nummer 1 braucht Schutz. Nummer 2 ist die Femme Fatale, die Wallace reinlegen soll. Nummer 3 ist die eiskalte Mörderin mit Hang zum Sadismus.

Wallace bleibt stets etwas rätselhaft. Als Leser weiß man nie, ob er in die Falle tappt, ob er sie erkennt oder ob er ein eigenes Spiel spielt. Wallace hebt die Spannung manchmal unerträglich hoch, weshalb man diesen Thriller erst zum guten Schluss wieder schließen kann.
Ist Wallace ein wichtiges Element in dieser Geschichte, ist der Makrokosmos des Verbrechens in Sin City eine weitere erzählerische Säule der Handlung. Nach und nach enthüllen sich die Hintermänner und deren Hintermänner und deren . . . Und mit jeder Enthüllung wird die Welt von Sin City schwärzer.

Einmal jedoch kommt Farbe ins Spiel. Wallace wird von seinen Feinden auf einen Drogentrip geschickt. Die Welt wird bunt. Puttenengel, Dinosaurier, Rambo, Moses, Captain America, Big Guy und Rusty, Lone Wolf und Cub und andere geben sich hier ein Stelldichein. Verwirrend für Wallace, äußerst spaßig für den Leser.

Wallace ist der für mich bislang sympathischste Charakter der Reihe. Zwar kämpft er gegen andere, aber er kämpft auch gegen sich selbst. Selbst wenn man in Aktion gesehen hat, verhält er sich weiter so, als könne er nicht gewinnen, ist zurückhaltend, beinahe schüchtern.

Mit Wallace hat Frank Miller einen Charakter erschaffen, dem der Leser so richtig die Daumen drücken kann. Die Handlung zieht den Leser hinein und lässt ihn nicht mehr los. – Mit diesem Werk bestätigt Miller vollkommen zu Recht, dass Sin City als Bester Internationaler Comic auf der Frankfurter Buchmesse 2006 ausgezeichnet wurde. 😀

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Dienstag, 03. Oktober 2006

Frank Millers Robocop

Filed under: Comics im Film,SciFi,Thriller — Michael um 17:27

Frank Millers RobocopRobocop hat ein Problem. Seine Rüstung sieht einmal mehr aus wie ein Schrottplatz auf zwei Beinen. Und sein Wagen sieht einmal mehr aus wie ein Schrottplatz auf vier Rädern. Das hindert den Ausnahmepolizisten, den besten Cyborg, den die Welt je gesehen hat, nicht daran, Kindesentführern das Handwerk zu legen. Auf seine unnachahmliche Art nimmt er die Verfolgung auf.
Verbrecher haben weder Gnade noch gnädiges Verhalten von ihm zu erwarten. Die Entführer bekommen denn auch ihre eigene Medizin zu schmecken. (Um im Action-Jargon zu bleiben.)

Robocop, der einstige Polizist Alex Murphy aus Detroit, lässt gemäß seiner Programmierung ungern unerledigte Arbeit zurück. So hebt er gleich einen Kinderhändlerring aus. Erbarmungslos, wie der Leser es erwartet.
Obwohl der stählerne Polizist seinen drei Hauptdirektiven folgt, von denen die wichtigste wohl der Schutz der Unschuldigen ist, hat Robocop auch Feinde aus den eigenen Reihen. Immer noch gibt es den Plan, Robocop durch eine bessere Nachfolge-Variante zu ersetzen. Leider sind diese Varianten absolute Blindgänger. Ihre Gehirne kommen mit dem neuen Zustand nicht klar. Einer schießt sich lieber selbst eine Kugel in den Kopf, als diesen Zustand länger zu ertragen.

Murphy kommt kaum dazu, seine letzte Instandsetzung zu genießen. Eine neue Polizeitruppe hat ihre Arbeit aufgenommen und steht in direkter Konkurrenz zur regulären Truppe und steht außerdem einer Bande von kriminellen Irren im Verhalten kaum nach. Nicht nur Robocop, sondern auch seine frühere Kollegin Lewis legt sich mit diesen Wahnsinnigen an.
Derweil zieht sich die Schlinge um Robocop immer enger zusammen. Dr. Love, eine vom Ehrgeiz zerfressene Geschäftsfrau, setzt alles daran, um Robocop in Mißkredit zu bringen. Bei einer neuerlichen Instandsetzung werden Robocops Direktiven verdoppelt und verdreifacht. Sein Polizeidienst gerät zur Farce, Murphy wird zu einem Polizisten, der andere wegen eines weggeworfenen Bonbonpapierchens ermahnt.
Aber Murphy ist noch zu menschlich. Der programmierte Irrsinn hält nicht lange vor. Allzu schnell kommt es zum offenen Schlagabtausch.

Frank Millers Variante des Robocop-Themas erinnert stark an den offiziellen zweiten Kinofilm des stählernen Wächters. Kein Wunder, hat sich doch Steven Grant der Vorlage des Meisters angenommen und daraus eine Adaption für das Genre Comic gemacht. Die Geschäftsfrau, die ihren Robocop auf die Straßen bringen will. Murphy, dessen Vergangenheit ihn immer wieder einholt, der sein altes Leben nicht vergessen kann. Die Straßen, die vor durchgedrehten Mördern nur so wimmeln. Aber Frank Miller hätte nicht einen Ruf zu wahren, würde er seinen Geschichten nicht einen gewissen Miller-Charme aufdrücken.
Grant schafft es, in seiner Adaption diesen Charme zu erhalten.

Eine unverwechselbare Seite von Millers Erzählweise ist sein Zynismus und seine Ironie. Die Welt, in der Robocop seinen Dienst versieht, ist unmenschlich, gemein, bitterböse. Die Medien geben dieöffentliche Meinung vor. Für die sich auf den Straßen allerdings niemand mehr zu interessieren scheint. Letztlich werden so all die Phrasen, die uns tagtäglich auf diesem Weg erreichen, als leere, nutzlose Worthülsen entlarvt.
Miller baut Spaß an der Gewalt in seine Geschichten ein, ob er damit auch seine Leser entlarvt, sei dahingestellt. Ob Mann, ob Frau, alle sind sie Getriebene. Unter dem Strich lässt sich allerdings sagen, dass die Frauen eher jene sind, die auch das Hirn haben. Nimmt man Murphys alte Kollegin hinzu, haben sie zuweilen auch noch die besseren Muskeln oder die besseren Kampftechniken.

Murphy ist eine Figur, die Miller sehr entgegen kommt, da sie einigen Archetypen entspricht, die Miller bereits verwendete. Mit dem Unterschied, dass Robocop tatsächlich auf der richtigen Seite des Gesetzes steht.
Angeblich waren die Geschichten zu Robocop 2 und 3 der Grund, warum Miller sich aus Hollywood zurückzog und nie die Erlaubnis zur Verfilmung seiner ureigenen Handlungen mehr geben wollte. Bei Sin City besann er sich eines besseren.

Dass Detroit zu einer Freakshow gerät, in der ein Cyborg der einzig Normale ist, liegt außerdem an den Fähigkeiten des Zeichners Juan Jose Ryp. Teilweise könnten die Verbecher kaum ekelhafter dargestellt sein. Gewalt und nicht zuletzt die verschiedenen Endresultate sind ein Merkmal der Handlung. Ryp spart selten etwas aus, verdeckt allzu heftige Details eher durch einen gewaltigen Blutschwall.
Ryp ist ein detailversessener Zeichner, Wände, Fensterscheiben, Fahrzeuge und vieles mehr splittern in ungeheuer viele Einzelteile auf. Gesichter, Körper, Kleidung und Haltungen sind mit einem tollen Blick für Exaktheit gezeichnet. Brutal einerseits, ist der Comic andererseits auch ein gutes Beispiel für handwerkliches Können eines Comic-Zeichners.
Ryp trat ebenfalls als Zeichner von Lady Death oder Treshold in Erscheinung.

Frank Millers Robocop erschien als neunteilige Serie bereits ab 2003. Bereits zu Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts schickte Miller Robocop gegen den Terminator in einem vierteiligen Crossover ins Rennen, so ganz konnte er die Figur trotz der schlechten Erfahrungen wohl doch nicht loslassen.
Inzwischen erschien Frank Millers Robocop in der Dark Side Reihe der italienischen LaGazzetta dello Sport, einer Comic-Edition ähnlich der Reihen, wie sie jüngst von BILD und FAZ aufgelegt wurden. Doch wie der Titel der Reihe, Dark Side, verrät, legt die LaGazzetta dello Sport mehr Wert auf Action: Aliens, Blade, Conan, Spawn, Hulk, Hellboy sind nur einige Beispiele.
Auch Avatar Press, der amerikanische Verlag, der sich die Rechte an Robocop sicherte, bringt die Miniserie im folgenden Monat als Sammelwerk heraus.

Wer Action-Comics, Frank Miller und insbesondere Robocop mag, liegt mit diesem Sammelband absolut richtig.

Links: Avatar Press, Robocop bei IMDB, Robocop 2 bei IMDB, Robocop Archive, LaGazzetta dello Sport / Dark Side

Samstag, 19. August 2006

All Star Batman

Filed under: Superhelden — Michael um 15:38

All Star Batman 2Black Canary gibt sich die Ehre. In einer miesen Spelunke schenkt sie dem allerletzten Pöbel hinter der Theke Whisky und Bier aus. – Aber der Job gefällt ihr ganz und gar nicht. Dieses Missfallen lässt sie die anwesenden Gäste schließlich auch massiv spüren. Auslöser ihres Dampfablassens ist eine unerlaubte Hand auf ihrem Gesäß – sie ist eine durchsetzungsfreudige Frau, die sich nichts mehr gefallen lassen will.

Vicki Vale, Reporterin, hat ihre Durchsetzungsfähigkeit und ihr Selbstbewusstsein mit schweren Verletzungen bezahlt. Jetzt ringt sie mit dem Tode. Nur Spezialisten können ihr noch helfen. Ein Kasper aus Metropolis soll Batman den Gefallen tun und einen bestimmten Arzt aus Paris holen. – Und Superman macht sich tatsächlich, wenn auch ziemlich wütend, auf den Weg.

Batmans eigentliches Augenmerk liegt allerdings auf seinem neuen Begleiter Dick Grayson. Der Junge, der erst vor kurzer Zeit seine gesamte Verwandtschaft verloren hat, soll in die Fußstapfen des Mitternachtsdetektiven treten. Der unrasierte Grobian im Fledermausdress ist jedoch nicht zimperlich in der Wahl seiner Mittel – auch nicht gegenüber einem Zwölfjährigen. Wo Grayson übernachtet, ist Batman gleichgültig und Nahrung kann sich der Junge schließlich auch selber fangen.
Gut für Dick, dass Butler Alfred im Gegensatz zu Batman ein Herz für Kinder hat.

All Star Batman geht in die zweite Runde. Autor Frank Miller erweitert hier nicht nur die wenig sympathische Gestalt Batmans, sondern er lässt auch noch andere Charaktere auf der Bühne auftreten. Black Canary ist eine zwar gut aussehende, aber leicht psychopathische Frau, durchtrainiert, aber gemeingefährlich. Man sollte meinen, mit all diesen Eigenschaften ist sie die perfekte Frau für Batman – zumal sie in der Bar jemanden verprügelt, der einem Oliver Queen alias Green Arrow recht ähnlich sieht.

Die Geschichte um Batman selbst bezieht ihren Unterhaltungswert weniger aus der Action, sondern vielmehr aus der doch recht anderen Erzählweise und den andersartigen Charakteren. Frank Miller versteht es auf ungewohnte Art beide Leserlager auf die Geschichte einzuschwören: Jene, die Batman seit langem kennen und jene, die ihn neu kennen lernen. Für beide Leserschaften hat Miller einiges zu bieten. Batmans Charakter ist sehr, sehr ungewohnt für Stammleser und ebenfalls sehr ungewöhnlich für jene, die dachten, sie würden den typischen Superhelden kennen.
Batman ist endgültig zu einer Figur geworden, bei der die Trennlinie zwischen ihm und denen, die er jagt, sehr, sehr dünn geworden ist.
Er ist ein großes, auch gemeines Kind, ist stolz auf das, was er erreicht hat, will beeindrucken – eigentlich benimmt er sich wie ein tödlich gekränkter Mensch, der ein Superheld sein will und rein gar nichts von Edelmut hält.

Miller setzt in dieser Geschichte ganz auf die Fähigkeiten seines Co-Stars, dem Zeichner Jim Lee. Und dieser zeigt hier, warum er im Bereich Comic wirklich ein Star ist: Seine Bilder sind unglaublich gut geworden. Dank ihm erhält das Thema Batman eine völlig neue Dimension. – Im wahrsten Sinne des Wortes.
Bereits in Hush, einem anderen ungewöhnlichen Batman-Mehrteiler, hatte Lee die Gelegenheit, die Bathöhle auf Papier zu bannen. Die Einblicke, die er dem Leser dort nahe brachte, waren schon toll. Das Ausklappbild der Bathöhle im vorliegenden Band toppt diese Einsichten noch einmal. Die Perspektive ist einzigartig gewählt (das Bild zieht sich über 6 Seiten) und besticht durch viele Details: Batmans Fahrzeugsammlung, seine Rüstungssammlung, ein hochtechnisiertes Batmobil im Einsatz und viele andere Kleinigkeiten – die dank der versierten Tuscheumsetzung von Scott Williams und der Farbgebung von Alex Sinclair noch beeindruckender wirkt.
Da der Leser bestimmt ein wenig staunt über so viel High Tech, ist es sehr zu verstehen, warum Batman beleidigt ist, als Dick Grayson nicht eingestehen will, wie sehr ihn das Ganze in Erstaunen versetzt. Batmans Meinung über das Kind: Ich glaube, ich mag ihn nicht. So ein Arsch.

Nein, dieser Batman ist weder zimperlich, noch kann man ihn wirklich leiden – aber dafür ist die Geschichte eine echte Ausnahmeerscheinung. Miller und Lee geben mehr als nur ihr Bestes! 😀
(Für Fans von Miller gibt es außerdem noch eine Coversammlung zu All Star Batman, die Miller in seinem sofort erkennbaren Stil geschaffen hat.)

Samstag, 15. Juli 2006

300 – Der Film

Filed under: Comics im Film,Klassiker — Michael um 14:17

300 - Der FilmDer Film zu 300, der Graphic Novel von Frank Miller, wird fleißig produziert. Unter 300themovie.warnerbros.com finden sich im Production Blog einige interessante Infos über die Umsetzung des bildgewaltigen Comics. Die verschiedenen Ansichten von Bildumsetzungen haben mich ziemlich beeindruckt. – Sicher, Kollege Computer schafft heute alles, aber wie sich ein Bild von der Aufnahme bis zur fertigen Szene wandelt, wirkt immer noch wie ein kleiner Zaubertrick. Insbesondere hier, da die Bilder ein metallisches Leuchten erhalten, um der (im wahrsten Sinne des Wortes) spartanischen Grundstimmung gerecht zu werden.

Mittwoch, 29. März 2006

Sin City 5 – Familienbande

Filed under: Thriller — Michael um 21:43

Sin City 5 - FamilienbandeDwight McCarthy hat einen Auftrag, einen sehr persönlichen Auftrag: Rache. Mit der kleinen Japanerin Miho an seiner Seite wird dies eine der blutigsten Nächte, die Sin City jemals erlebt hat.

Alles beginnt mit einer anderen Rache. Nach vielen Jahren hat Don Magliozzi endlich erfahren, wer seine geliebte Nichte Andrea ermordete. Bruno, ein Killer, der sich inzwischen als Politiker einen Namen in Sin City gemacht hat, musste seine Missetat zum Bettgespräch machen. Ein großer Fehler, wie er bald beim Essen in einem seiner Lieblingsrestaurants feststellen muss.
Dieser Anschlag, dessen Fakten Dwight aus einer verlorenen Seele herauslockt, birgt ein Geheimnis, weshalb Dwight und Miho eine Falle aufstellen.

Die Falle schnappt alsbald zu und Miho zeigt einmal mehr, wozu sie in der Lage ist. Die kleine Japanerin ist einerseits attraktiv, andererseits ist sie im wahrsten Sinne des Wortes ein Todesengel. Dwight kann sich glücklich schätzen, sie an seiner Seite zu haben. Zwar hat Miho auch einen eigenen Willen, wie sie eindrucksvoll unter Beweis stellt, wenn man sie beleidigt, aber sie gehorcht, wenn es ihr angebracht erscheint und sie jemanden unter ihren Schutz gestellt hat.

Langsam aber sicher nähern sich Dwight und Miho ihrem Ziel. Im Sinne eines alten Filmtitels lässt sich sagen: Leichen pflastern ihren Weg. Die beiden Rächer schenken ihren Feinden nichts. Am Ende geht es um Familie und ein Mafiaboss muss erkennen, dass nicht nur Italiener den Wert einer Familie zu schätzen wissen.

Zurück in Sin City!
Rache ist ein häufiges Thema in Sin City, es schwingt wenigstens unterschwellig mit, wenn es nicht sogar absolut in den Mittelpunkt gestellt wird wie hier. Obwohl Frank Miller dieses Thema oft verwendet, wird es trotzdem nicht langweilig, da Miller seine Charaktere sehr sorgfältig gestaltet und auf diese Weise immer neue Wege beschreiten kann.

Dwight darf hier beweisen, dass er nicht nur der knallharte Typ ist, der sich an der Seite der Prostituierten eisenharte Gefechte mit Kriminellen liefert. Der Ausspruch Harte Schale, weicher Kern ist auf ihn absolut zutreffend. Wie er sich seine Informationen beschafft, wie er sich auch um Miho sorgt (obwohl sie das überhaupt nicht nötig hat), sein Verständnis für die Ursache der Vendetta, all das stellt ihn in bester Tradition eines Verbrechers und Gauners mit Herz dar.
Miho! Es fällt schwer, etwas über Miho zu schreiben. Miho spricht nicht, ihre Taten sprechen für sie. Selten, wirklich sehr selten, hat das Thriller-Genre eine derart brutale und gewalttätige Frau gesehen, die außerdem ihr Handwerk mit höchster Eleganz ausübt.
Und Miller wäre nicht Miller, würde er nicht mit seinen Figuren spielen. Im Gegensatz zu allen anderen, ganz besonders im Gegensatz zu ihrem Handwerk wird Miho in blütenreinem Weiß dargestellt. Für Miller muss sie ein Racheengel sein und niemand würde einem Racheengel einen Vorwurf über das machen, was ein Racheengel eben tun muss. Bei aller Artistik, die sie bei ihrer Arbeit an den Tag legt, verliert sie nie ein Wort. Das nährt die Idee des Racheengels, der absolut emotionslos seinen Auftrag ausführt, weil er von der Gerechtigkeit seines Handelns überzeugt ist.

Die Gegenspieler, die Miller kreiert, sind nicht eindimensional, sie haben durchaus Charakter. Aber sie sind immer sehr schlecht, jeder auf seine Art, der eine aus reiner Bosheit, der nächste vielleicht aus Verzweiflung. Miller spielt mit diesen Figuren. Er hetzt sie auch aufeinander und ich unterstelle ihm einfach einmal, dass er sich auch selbst davon überraschen lässt, was passieren wird.
Als Dwight dem kleinen Gangster Vito die Wahl lässt, ob dieser seinen Kumpanen umlegt oder selber durch die Hand Mihos stirbt, ist der Ausgang dieser kleinen Episode doch nicht so gewiss, wie es zunächst den Anschein hat. Es sind genau diese Kleinigkeiten, die Millers Geschichten ausmachen.

Grafisch sind wieder sehr schöne Einstellungen dabei – wenn man es so nennen kann, da der Begriff eher dem Film zugeordnet ist, aber mit etwas Glück werden wir diese Geschichte auch auf der Leinwand sehen.
Die Umgebung ist wieder einmal düster geraten. Es ist wieder Nacht in Sin City und der Leser gewinnt den Eindruck eines Settings aus der Zeit der schwarzen Serie. Dunkle Ecken, Abgründe, festungsähnliche Villen und monströse Gauner und Verbrecher. Der Mafiaboss sieht aus, wie es das Klischee will. Hager, teuflisch, gebückt. Er ist, um ihn mit Schauspielern zu vergleichen, kein Brando, eher ein magerer Davi. Zum Schluss fährt Dwight endlich den alten Cadillac, den er die ganze Zeit haben wollte. Damit schließt sich der Kreis von Millers Anspielungen, die hier in dieser Geschichte etwas offenkundiger zutage treten.

Ich habe die Geschichte sehr genossen. Sie beginnt langsam, fast freundlich, sogar mit einer Prise Humor. (Ich möchte behaupten, dass sich Miller hier selbst als Barkeeper karikiert.) Später driftet der Humor in Tarantino-Sphären ab. (Wer Kill Bill gesehen hat, wird verstehen, was ich meine.) Während der Zeit des Lesens war ich richtig gebannt und wollte mich auch durch nichts ablenken lassen. Besseres lässt sich kaum über eine Geschichte sagen: Sin City 5 – Familienbande fesselt einfach.
Thriller- und Miller-Fans kommen auch an dieser Geschichte nicht vorbei. 😀

Dienstag, 29. November 2005

Dieser feige Bastard

Filed under: Thriller — Michael um 22:00

Sin City 4 - Dieser feige BastardHartigan ist ein Cop, einer von der Sorte, die selbst den Kollegen ein Dorn im Auge sind. Er ist altgedient, mürrisch, hat seinen Job stets mit Leidenschaft verfolgt und ist nicht korrupt. Damit gehört er in Sin City zu einer aussterbenden Gattung.
Tatsächlich ist es um seine Gesundheit nicht gut bestellt. Hartigans Herz macht so kurz vor der Pensionierung nicht mehr richtig mit. Das hindert ihn jedoch nicht daran, einem Kinderschänder das Handwerk legen zu wollen. Sein Partner ist von dieser Aktion nicht begeistert, handelt es sich bei dem Verbrecher doch um den Sohn von Senator Roark. Die Roarks sind eine feste Größe in Stadt und Land und niemand legt sich ungestraft mit ihnen an.

Hartigan setzt sich gegen seinen Kollegen durch und stellt den Kindermörder, bevor er die kleine Nancy töten kann. Hartigan kennt weder Gnade noch geht er mit Samthandschuhen an die Angelegenheit heran.
Ein alter Mann stirbt. Ein kleines Mädchen lebt. Fairer Tausch.
Mit dieser Einstellung rettet er Nancy, bevor ihm sein Kollege doch noch in den Rücken fällt. An diesem Abend endet das Leben, wie er es kannte. Nichts von dem, was nach dem Job erstrebenswert schien, ein ruhiges Leben mit seiner Frau, bleibt übrig. Senator Roark will Rache an dem Mann, der seinen Sohn zum geschlechtslosen Krüppel machte. Hartigan lässt alles über sich ergehen: Den Hass, der ihm von allen Seiten entgegen schlägt, weil man ihn der Kinderschändung bezichtigt. Die Wut des Senators, die Schläge seiner Kollegen, die jahrelange Einzelhaft.

Eines erhält ihn am Leben: Einmal pro Woche erhält er einen Brief von Nancy, der er im Alter von elf Jahren das Leben rettete. Sie verschleiert ihre Identität und Hartigan schweigt beharrlich, damit sie weiterhin am Leben bleibt. Eines Tages kommen die Briefe nicht mehr. Hartigans einzige Freude verwandelt sich in grenzenlose Sorge. Er muss aus dem Knast raus, um Nancy, die er bedroht glaubt, zu retten. Dafür ist er bereit alles zu tun. Einfach alles.

In der Kinofilmumsetzung war Dieser feige Bastard die dritte Episode. Hartigan wurde von Bruce Willis dargestellt, der rückblickend betrachtet, von keinem anderen Schauspieler besser auf die Leinwand gebracht werden konnte.
Unabhängig davon ist die Geschichte um den alten Cop eine ganz klassische Geschichte, wie sie sich immer wieder einmal in amerikanischen Kriminalgeschichten findet. Der amerikanische Cop ist ein einsamer Wolf, eine Art mythischer Sheriff der Großstadt. Ähnlich wurde er thematisiert in Romanen wie Die Bronx oder Die Chorknaben.

Hartigan ist einer jener Cops, denen außer ihrem Polizistendasein nicht viel geblieben ist, weshalb sie auch zur Selbstaufgabe zum Wohle anderer neigen. Diese Einstellung und natürlich die Abscheu vor jeder Art von Gesetzesbrechern, ausgestattet mit enormen Einsteckqualitäten, macht sie zum Schrecken all jener, die sich bislang in verbrecherischer Sicherheit wiegen konnten und sich unantastbar fühlten. So verhält es sich jedenfalls mit dem Auftakt der Geschichte und ich möchte behaupten, Frank Miller hat einige Anspielungen in die Geschichte eingebaut.

Nach seinem Haftaufenthalt ist Hartigan kein Cop mehr. Er selbst hat nichts mehr zu verlieren, er kann nur noch letztmalig zum Schutz der kleinen Nancy beitragen. Das macht ihn zu einer Art Mann sieht rot, dessen Originaltitel Death Wish hier viel treffender ist. Hartigan und Kersey (aus Death Wish) sind sich in ihrer Verzweiflung sehr ähnlich, Hartigan geht nur dank seiner Ausbildung viel versierter zur Sache.
Sein Umgang mit dem Stilett spricht eine deutliche Sprache. Die Tötung eines Verbrechers wird zu einer gewissen Kunst hochstilisiert, denn am Ende ist es genau das, was Hartigan am besten kann. Einzig sein Motiv und seine Opferbereitschaft unterscheiden ihn von den Bösen.
Ich bezweifle, dass jeder Leser geneigt ist, sich mit Hartigan zu identifizieren, aber zweifellos wird er ihn bewundern für das, was er tut und er wird ihn bemitleiden für das, was ihm zustößt.

Das Killerduo Mr. Shlubb und Mr. Klump, das sich in einer pseudointellektuellen Sprache ergeht, findet eine Entsprechung in einem etwas älteren Killerduo: Mr. Kidd und Mr. Wint aus Diamonds are forever (Diamantenfieber), jenes schwule Killerpärchen, das James Bond das Leben schwer machte.
Mr. Shlubb und Mr. Klump leben ihre Leidenschaft weniger in ihrem Beruf aus, den sie eher mit der Einstellung eines Chirurgen angehen, als vielmehr mit hochgeistigen Gesprächen. Diese Vorgehensweise erinnert doch sehr an ihre filmischen Verwandten. In beiden Fällen nehmen sie der Geschichte die Härte und sorgen für ein Schmunzeln.

Nancy! Ja, Nancy. Der Auftritt von Jessica Alba als Nancy gehört wohl zu den Szenen in einem Film, welche die Augen der Zuschauer an die Leinwand nagelte. Wer diese Empfindung auf den Comic überträgt, wird die Versuchung verstehen, der Hartigan ausgesetzt ist und der er sich doch erwehren kann. Ich möchte behaupten, der Comic von Frank Miller schafft die Darstellung der Versuchung noch viel treffender, was nicht zuletzt an Millers Umsetzung von Nancys körperlichem Einsatz liegen mag, der um einiges freizügiger ausfällt als im Film.

Bislang kannte man die rein schwarzweiße Darstellung von Millers Geschichten. Im vorliegenden Band Dieser feige Bastard wird aus Senator Roarks Sohn ein verunstaltetes Ekel, welches eine ebenso unfeine gelbe Hautfarbe hat. Miller hat Umgangssprache wörtlich genommen. Yellow (gelb) findet im Englischen Anwendung für Feigheit. Damit ist auch That Yellow Bastard erklärt.

Qualitativ ist Dieser feige Bastard sicherlich auf gleicher Höhe wie Stadt ohne Gnade. Wegen des Themas ist diese Geschichte allerdings die gruseligste. Am Ende fand ich es sehr schade, dass Miller seinem Protagonisten nicht wenigstens ein kleines Happy End gönnt. In jedem Fall ist es für mich ein großartiger Thriller. 😀

Freitag, 07. Oktober 2005

Das große Sterben

Filed under: Thriller — Michael um 14:06

Sin City - Das große SterbenDwight McCarthy ist wieder zurück. Das Gesicht ist neu, die Haarpracht auch, aber die Probleme sind die alten geblieben. Als er sich mit Shellie eingelassen hat, der Kellnerin, die in der Vergangenheit so nett zu ihm gewesen ist, sollte es nur ein vergnügliches Stelldichein werden. Doch jetzt könnte es bedrohlich werden.
Shellies Ex weiß noch nichts von seinem Status in der Beziehung zu Shellie und ist auch nicht bereit, diese Tatsache zu akzeptieren. Jack Rafferty, Iron Jack genannt, ist ein Mann, der sich gerne vor seinen Kumpels profiliert, indem er Frauen schlägt und wie Dreck behandelt.
Solche Typen bringen stets den Kavalier in Dwight zum Vorschein. Jack muss nicht lange warten, bevor Dwight Jacks Kopf in die Toilettenschüssel taucht.

So gedemütigt macht sich Jack mit seinen Kumpels davon. Shellie bleibt unbehelligt, aber Dwight möchte auch verhindern, dass anderen Frauen nichts geschieht. Einen Warnruf von Shellie überhört er.
Die Verfolgungsjagd führt in die Altstadt von Sin City. Ein Polizeiwagen, der sich an die Fahrzeuge, dreht in der Altstadt gleich wieder um, denn die Altstadt wird von den Prostituierten beherrscht und kein Polizist, geschweige denn die Mafia, wagt sich hierhin.

Jack und seine Kumpels sind betrunken. Sie geben nichts auf diese Geschichten. Sehr schnell haben sie ein Opfer auserkoren. Becky befindet sich nach einem langen horizontalen Arbeitstag auf dem Heimweg. Sie hält die Bande auf Abstand, erkennt aber auch, dass diese nicht locker lassen werden. Sie führt sie in eine Sackgasse.
Dwight kann nicht eingreifen. Die Falle schnappt zu. Die tödlichste Killerin der Mädchen verrichtet erbarmungslos und präzise ihre Arbeit.

Was nach einem Akt der üblichen Selbstverteidigung der Mädchen ausschaut, wird zu einer Katastrophe. Einer von der Bande war kein gewöhnlicher Krimineller.

Da werden Weiber zu Hyänen.
Dieser altbekannte Spruch ist hier nicht ganz zutreffend. Die Gruppe der Mädchen ist weitaus schlagkräftiger.
Die Kampfmaschine, die kleine tödliche Miho, ist einer der gefährlichsten Charaktere, die in Comics jemals gegen Bösewichter angetreten sind. Frank Miller hat Miho sehr klein, beinahe verletzlich aussehend geschaffen. Umso erstaunlicher sind für den Leser ihre Kampfeswut und ihre Brutalität. Hinzu kommen ihre Beweglichkeit und ihr sehr guter Umgang mit allen möglichen Waffen. Ihre Präzision macht das Maß voll.
Und in der ganzen Zeit gibt Miho keinen Laut von sich.

Wie der Titel dieser verfilmten Geschichte aus dem Universum von Sin City schon besagt, Das große Sterben, ist Gewalt ein sehr zentraler Punkt. Mehr noch als in den beiden Geschichten zuvor führt nur Gewalt für alle Beteiligten zum Ziel.
Die einen sind Dilettanten, andere sind absolute Profis, wieder andere sind eher Handwerker. Dwight balanciert irgendwo dazwischen. Er ist die Sorte Mann, der es nicht so recht begreifen kann, wenn eine Frau zu Gewalt greift. Interessant ist seine Beziehung zu Gail, der Anführerin der Mädchen. Für ihn ist sie seine Kriegerin, seine Amazone, die perfekte Mischung aus Brutalität und Sexualität. Dwight ist einfach vernarrt in diese Frau und setzt alles daran, ihr zu helfen.

Die Schauplätze im vorliegenden Band sind sehr gut ausgewählt und spielen eine wesentliche Rolle. Die Teergruben mit ihren steinernen Dinosaurierfiguren in Lebensgröße liefern Atmosphäre. Der schmale Zugang bei dem Austausch von Geiseln und Beweisstücken erinnert auch textlich an die Thermophylen, den Schlachtort der Spartaner gegen die Perser. Miller verarbeitete dieses historische Thema bereits zusammen mit seiner Frau Lynn Varley in Miller’s 300.

Ist die vorliegende Geschichte auch nicht im klassischen Altertum angesiedelt, so verhalten sich ihre Protagonisten wenigstens auf mittelalterlichem Niveau. Das Schlachtfeld wechselt zwischen Festung und städtischem Dschungel.
Dazwischen findet sich Millers sehr schwarzer Humor, der hier meist mit Gewaltszenen in Einklang gebracht wird. Zu diesem Zeitpunkt ist der Leser bereits so sehr von der Geschichte gefesselt, dass das Lachen zur Befreiung wird und eine kurze Verschnaufpause gewährt. Diese währt allerdings nicht lange. Wenn der Showdown startet, hält der Leser (zumindest ging es mir so) schlichtweg die Luft an. 😀

Samstag, 01. Oktober 2005

Eine Braut, für die man mordet

Filed under: Thriller — Michael um 17:41

Eine Braut, für die man mordetAls Sally von ihrem Luden umgebracht werden soll, ist Dwight McCarthy zur Stelle. Eigentlich hatte er nur Fotos von diesem sexuellen Akt machen sollen. Als der Lude durchdreht, um das Geheimnis seines kleinen Techtelmechtels zu wahren, rettet Dwight die Prostituierte.
Dwight lebt nur noch ein kleines unscheinbares Leben. Er hält das mörderische Tier in sich im Zaum. Er trinkt nicht mehr und versucht Ava, die Frau, die ihm das Herz brach, zu vergessen. Denn Ava hat ihn verlassen, weggeworfen, als sie ihn nicht mehr brauchte und den größten Gangsterboss der Stadt geheiratet.

Plötzlich ist Ava wieder da. Verführerisch wie damals. Und Dwight lässt sich verführen. Er glaubt ihre Horrorgeschichte einer furchtbaren Ehe, über Folter und Machtspielchen. Er glaubt, dass ihr Mann Damien Lords sie töten wird.
Sein erster Ausflug in die Villa des Mannes, der ihm die Frau genommen hat, verläuft wenig erfreulich. Dwight wird erwischt. Obwohl er sich als Spanner ausgibt, lässt Damien nicht die Polizei rufen. Er übergibt Dwight an den riesenhaften Manute, den Aufseher seiner Leibwächter.

Dwight sieht für sich nur eine Chance. Er muss sich Verstärkung holen. Wie gut, dass Marv, ebenfalls ein riesenhafter Berserker, nicht an sich halten kann, wenn es um den Schutz von Frauen geht.
Marv nimmt sich Manute vor und Dwight holt sich Damien als Gegner. Doch dann läuft alles aus dem Ruder. Dwight wurde wieder einmal reingelegt.

Frauen sind nicht gut für harte Kerle!
Dwight McCarthy, die Hauptfigur dieser zweiten Geschichte aus Sin City in Eine Braut, für die man mordet, kann ein Lied davon singen. Ava, ist eine Frau, die einen ganz besonderen Reiz auf die Männer ausübt. Durch ihren Körper, ihre Stimme, ihr Aussehen, wie sie sich gibt. Das ist im Comic schwer darzustellen, sollte aber für die männlichen Leser nachzuvollziehen sein.
Ava sorgt nicht nur dafür, dass ein anderer Körperteil als das Gehirn beim Mann das Kommando übernimmt, sie vernebelt den Männern um sie herum auch vollkommen den Blick auf die Realität.

Dwight ist ein Charakter, der nicht nur gegen andere, sondern auch gegen sich selbst kämpft. Aus dieser Tatsache zieht er die Sympathie des Lesers. Und Frank Miller bedient sich auch wieder des Mitleids des Lesers, denn wie so häufig ist auch Dwight eine verlorene Seele. In Basin City, kurz Sin City genannt, scheint es nur verlorene Seelen zu geben.
Miller zeigt aber auch die vermeintlich Standhaften. Ein Polizist verfällt Ava, obwohl er kurz zuvor noch prinzipientreu auf seine Ehe verwies.
Am Ende steht wie üblich der Tod. Das ist nichts Neues bei Miller und verrät natürlich auch nicht, wer nun den Tod findet.

Erfreulich zu vermerken ist, dass Miller die Geschichten nicht chronologisch, sondern wie eine Art Puzzle zu erzählen scheint. Durch diesen Umstand ist wieder Marv mit von der Partie, der es Dwight abnimmt, gegen Manute anzutreten. Einzelne Szenen aus anderer Perspektive finden sich, die der Leser aus Stadt ohne Gnade wieder erkennt. Und der Leser wird auch feststellen, dass Miller vorausdachte, indem Miller im ersten Band Szenen am Rand spielen ließ, die nun eine wichtige Funktion haben.

In dieser Geschichte wird auch deutlich, nach welchem Muster sich Sin City für den Leser erschließt. Nach dem Auftakt durch Marvs ureigene Geschichte findet sich der Leser im zweiten Teil sehr schnell zurecht. Szenen und Charaktere, die der Leser erkennt, fesseln weiter – und es wird langsam zur Tatsache, dass man sich auch in Schwarzweiß nicht von Nancy losreißen kann.
Ich glaube, selbst Frank Miller hat etwas für Nancy übrig.

Im Anhang findet sich ein Interview mit Frank Miller. Seine Erläuterungen zu seinem beruflichen Werdegang und seinen Arbeiten sind ein interessanter Blick hinter die Kulissen. Man übertrug ihm seinerzeit die sinkenden Schiffe Daredevil und Batman. Er hatte das Glück, nichts falsch machen zu können. Zu dem Zeitpunkt konnte er nur dabei gewinnen. Sein Traum war es, Krimis zu schreiben. Er hat dieses Element, so oft es eben ging, in seine diversen Arbeiten einfließen zu lassen.

Es wäre unfair, die vergangenen Arbeiten von Miller aus dieser Sicht als Fingerübungen zu betrachten. Letztlich ist es aber gut, dass Miller endlich in seinem nach seiner Sicht wahren Element angekommen ist. 😀

Mittwoch, 28. September 2005

Stadt ohne Gnade

Filed under: Thriller — Michael um 20:49

Sin City - Stadt ohne GnadeMarv ist verliebt in Goldie. Die schöne junge Frau sucht bei ihm Schutz. Aber Marv ist ziemlich betrunken und Goldie ist nach der Liebesnacht tot. Kurz nachdem Marv neben der Toten aufwacht, ist auch schon die Polizei zur Stelle.
Für Marv bleibt nur ein Schluss: Nur zwei Menschen können von Goldies Tod wissen. Der Mörder und er. Und Marv hat die Bullen nicht angerufen.
Ihm bleibt vorerst nur die Flucht und der Wunsch nach Rache.

Bald nachdem Marv seine Fühler ausgestreckt und von seiner Bewährungshelferin Lucille verarztet worden ist, erscheinen bereits die ersten Killer und wollen Marv umlegen. Aber Marv will Antworten und so ist er es, der am Ende die Fragen stellt und die Leute umlegt. Seine Antworten erhält Marv über den Rücken von Leichen. Es ist nicht einfach und die Wunden und Blessuren, die er dabei davon trägt, sind zahlreich. So zahlreich, dass selbst er es kaum ertragen kann, wie es scheint.

Auf einem Bauernhof außerhalb der Stadt gerät er auf eine wirklich heiße Spur und mitten hinein in einen Alptraum. Lucille ist die Gefangene des Killers. Als Marv das erste Mal gegen Kevin antritt, hat er keinerlei Chance. Kevin ist wahnsinnig schnell, stark, brutal und lautlos.
Im weiteren Verlauf der Geschichte gerät Marv in einen absoluten Alptraum. Am Ende, das weiß er ziemlich schnell, wird es nicht gut für ihn ausgehen. Selbst wenn er gewinnt, wird er dennoch verlieren.

Marv beendet seinen Rachefeldzug. Es ist blutig, sehr brutal und er zahlt alles, was man ihm angetan hat (und noch antun wird), zehnfach zurück.

Mehr habt ihr nicht drauf, ihr Weicheier?
Mit Sin City – Stadt ohne Gnade hat Frank Miller endlich seine Bestimmung gefunden. Seine Batman Interpretationen haben mir nicht gefallen und mit Ronin konnte er mich auch nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Frank Miller verträgt sich einfach nicht mit Farbe.
In Schwarzweiß ist die Sachlage ganz anders.
Wenn ich mir die Bildkompositionen in Stadt ohne Gnade anschaue, und anders sind sie wirklich nicht zu nennen als Kompositionen, dann scheint es fast als habe Frank Miller das Rad des Comics neu erfunden.

Es gibt einige wirklich herausragende Szenen in diesem Band. Dazu gehören Marvs erste Begegnung mit zwei Killern, der erste Kampf mit Kevin und Marvs Wanderung durch den Regen in Sin City.
Alleine die Regenszene zeigt, was ein Comic mit Bildsprache alles erreichen und erzählen kann. In einer anderen Szene wird Miller sogar nostalgisch. Marvs Sprung in die Tiefe auf einer einzelnen Seite erinnert doch sehr stark an das Dark Knight Cover vor dem nächtlichen Blitz.

Millers Geschichte um Marv entführt in die guten alten Zeiten des Film Noir, als die Welt schwarzweiß war und die Ganoven Narbengesichter und riesige Kanonen mit sich herumtrugen. Fast meint man in Marvs Nachtclub gleich Edward G. Robinson oder Humphrey Bogart um die Ecke kommen zu sehen – vorausgesetzt, man hätte es in Hollywood in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts gewagt, solche brutalen (und anzüglichen) Filme zu drehen.
Als alles vorüber zu sein scheint und Marv alleine auf einer Seite steht und über sein Werk sinniert, enttäuscht ist, weil Kevin nicht geschrieen hat, dann gehört das zu den monströsesten Szenen, die es wohl in Comics gegeben hat.

Seltsamerweise kann der Leser Marv es nicht übel nehmen. Marv hat Schlimmes erlebt, niemand ist jemals gut mit ihm umgesprungen. Die Gegner dachten, niemand werde Marv vermissen. Möglicherweise hatten sie damit sogar recht, doch sie rechneten nicht damit, dass er es ihnen so schwer machen würde.
Miller erzählt eine Geschichte, in der niemand unschuldig ist, am allerwenigsten Marv. Trotzdem mag man ihn, vielleicht weil er der Einzige in diesem Spiel ist, der noch einen Ehrenkodex hat und Mitleid verdient.

Doch es soll nicht zuviel in einen Comic hineininterpretiert werden. 🙂

Für mich bleibt zum Schluss nur, dass ich einen der besten Krimis seit langem gelesen habe und das war zufällig ein Comic. 😀