Montag, 11. September 2006
Simpsons-Zeichner Phil Ortiz ist auf Signiertour. Seine Stationen:
26.9.2006 Comic-Galerie Wien, Albertgasse 24, 1080 Wien, 14-16 Uhr
27.9.2006 Manor Basel, Greifengasse 22, 4005 Basel
28.9.2006 Manor Basel, Greifengasse 22, 4005 Basel
30.9.2006 Ultra Comix, Vordere Sterngasse 2, 90402 Nürnberg, 14-16 Uhr
2.10.2006 Karstadt in Stuttgart, Königstraße 27-29, 70173 Stuttgart, 16-18 Uhr
5.10.2006 X-tra Boox, Berliner Straße 20, 60311 Frankfurt, 16-18 Uhr
6.10.2006 Karstadt in Gießen, Seltersweg 64, 35390 Gießen, 16-18 Uhr
7.10.2006 Frankfurter Buchmesse, Panini-Stand 3.0 K 845, 14-16 Uhr
8.10.2006 Frankfurter Buchmesse, Panini-Stand 3.0 K 845, 11-13 Uhr
Für alle Fans wahrscheinlich eine schöne Gelegenheit, um die Wartezeit bis zum Kinofilm ein wenig zu überbrücken. 🙂
Quelle: Panini Pressemitteilung
Samstag, 09. September 2006
Supermans Geschenk an Lois ist ein absoluter Volltreffer. Die Reporterin kann es kaum erwarten, sich wie der Stählerne für einen Tag in die Lüfte zu schwingen.
Gleichwohl muss Lois Lane auch erfahren, dass das Leben einer Superheldin nicht nur aufregend ist, sondern auch voller Überraschungen sein kann. Zunächst ist sie noch damit beschäftigt, ihre neuen Fähigkeiten auszuprobieren, da stellen einige echsenartige Invasoren aus dem Erdinneren ihr neu erworbenes Talent auf die Probe – beinahe jedenfalls. Obwohl Lois voller Elan ans Werk gehen möchte, sind bereits andere Helden dabei das Problem zu lösen.
Doch die Hauptarbeit hat trotzdem Superman.
Nicht nur Lois hautenges Superheldenkostüm ist dafür verantwortlich, dass die klassischen Helden Samson und Atlas, gerade auf Zeitreise, in einen freundschaftlichen Wettstreit mit Superman um die Gunst der attraktiven Reporterin treten wollen. – Nicht zuletzt, weil Samson als Zeitreisender Informationen hat, die in dem berechtigte Hoffnungen wecken. (Informationen übrigens, die der Leser ebenfalls bereits seit Ausgabe 1 hat.)
Superman hat nicht viel Zeit, sich mit diesem Problem auseinander zu setzen. Bald schon wartet eine höchst unangenehme Situation auf ihn – ausgelöst durch schwarzes Kryptonit. Ist er auch inzwischen gegen grünes Kryptonit immun, greift diese Abwehrkraft gegen das schwarze Gestein seiner Heimatwelt noch nicht. Die Auswirkung sind bedrohlich für die ganze Menschheit.
Wie gut, dass Ausnahmereporter und Kolumnist JimmyOlsen der Menschheit den Tag retten kann.
Die zweite Ausgabe von All Star Superman kann mit dem genialen Auftakt der Reihe mehr als nur mithalten. Autor Grant Morrison lässt seiner Phantasie völlig freien Lauf – so mag es jedenfalls für den Leser wirken. Das Ergebnis ist eine vollkommen erfrischend erzählte Superman-Geschichte. Freilich hat er auch den enormen Vorteil, dass er von den Fesseln der bisherigen Handlungsstränge befreit ist, seine eigene Vergangenheit erfindet und so eine völlig neue Gegenwart erschafft.
Superman wähnt sich im Sterben begriffen. Das ist kein Geheimnis, denn genau auf dieser Grundlage fusst auch das Geschehen des vorliegenden Bandes. Dieser Superman macht insgesamt ein ziemlich gelockerten Eindruck. Das Heldentum ist nicht mehr seine vordringlichste Aufgabe. Superman erledigt seine Aufgaben mehr nebenbei und konzentriert sich auf die Abwicklung seiner Angelegenheiten.
Natürlich lässt ihn Grant Morrison dabei nicht so einfach gewähren. Der Auftritt der klassischen, biblisch einerseits, mythisch andererseits, geprägten Giganten Samson und Atlas zeugt von dem Humor, mit dem Morrison diese Erzählung gestaltet. Die beiden mythischen Recken erfüllen so ziemlich jedes sexistische Klischee, geben sich so männlich es eben geht und stehen dabei dem heute männlich korrekten Mann absolut entgegen – herrlich zu lesen und dank Zeichner Frank Quitely auch herrlich anzuschauen.
An dieser Stelle darf auch die hervorragende Arbeit von Jamie Grant nicht unerwähnt bleiben. Sie hat die digitale Tusche und die Kolorierung übernommen. Dank ihr erscheinen die Figuren tatsächlich wie mythische Gestalten – etwas barockig, wenn man es so nennen kann.
Morrisons Spiel mit den Charakteren wird in der zweiten Episode dieser Ausgabe noch amüsanter. Ein Jimmy Olsen, wie ihn die Leser so noch nicht kannten, übernimmt eine überaus ungewöhnlich Aufgabe (nun, die hatte er schon häufig, aber das hier ist wirklich ungewöhnlich). Außerdem gestattet Morrison seinem Olsen ein deutlich forscheres und selbstbewußteres Auftreten, was der Figur sehr gut steht – obwohl sie immer noch mit Supies Signaluhr ausgestattet ist und sich so aus jeder ausweglosen Situation retten kann.
Morrison nimmt Olsen diese letzte Rettungsmöglichkeit und überrascht den Leser so einmal mehr.
Ein sehr schönes Lesevergnügen! Selbst jene Comic-Fans, die ansonsten mit Superhelden nichts anfangen können, werden mit dieser leicht ironischen Variante ihren Spaß haben können. 😀
Donnerstag, 07. September 2006
Zeichentrick-Unterhaltung rund um die Uhr ist dank des Internets kein Problem mehr. Die Video-Suchmaschine von Google fördert so manches feine Ergebnis zutage.
Lupin The Third, Samurai 7, Burst Angel oder auch Superman. In Superman Retires wird der Stählerne von Mr. T herausgefordert, wie einst Rocky im dritten Teil der Boxer-Saga. Und wer Gefallen an Superman und den Mechanical Monsters gefunden hat, kann sich die Zeit mit Eleventh Hour, Electric Earthquake oder Supie, der gegen einen mad scientist antritt (wieder einmal), vertreiben. Wer sucht, wird einige Zeichentrick-Episoden aus den Fleischer-Studios finden und einige Zeit beschäftigt sein. 🙂
Interessant auch der kleine Film Batman Legends von Bat In The Sun Production, ähnlich ambitioniert wie Grayson von Untamed Cinema, auf ziemlich hohem Niveau für einen Fanfilm, aber den erwähnten Robin-Film erreicht er qualitativ nicht (aber viel fehlt nicht).
Wer abschließend noch nicht genug hat, schaut unter den Musikvideos nach der Adolf-Variante von Walter Moers, dessen Kleines Arschloch bald in die zweite Kino-Runde geht.
Dienstag, 05. September 2006
Manchmal findet sich im Internet wirklich ein kleines Schätzchen: Superman: The Mechanical Monsters ist ein 10 Minuten langes Zeichentrick-Abenteuer des Stählernen aus dem Jahre 1941.
Wer sich den Film anschaut und neuere Trickserien kennt, die nach der außerordentlichen Neuauflage von Batman das Licht des Fernsehens erblickten, kann auch Vergleiche zur letzten Superman-Serie anstellen.
Die Animationen sind nicht auf aktuellem Niveau, doch sie sind sehr flüssig geraten, selbst nach heutigen Maßstäben. Die Musik klingt ein wenig nach Wochenschau, alles in allem ein nettes Filmchen, nicht nur für Comic-Nostalgiker.
In den Internetkommentaren stellte jemand einen Vergleich zu Sky Captain And The World Of Tomorrow an. Betrachtet man das Roboter-Design, könnte der Vergleich treffender kaum sein, ganz besonders bei der Ansicht des Schattens. Bei Sky Captain hat wohl jemand seine Hausaufgaben gemacht.
Mich erinnerten die Roboter auch noch an eine kleine Bugs Bunny-Episode.
Der kleine Trickfilm steht zum kostenlosen Download in verschiedenen Formaten und Dateigrößen unter archive.org bereit.
Montag, 04. September 2006
Simon Bisley gehört sicherlich zu den Künstlern, die ein sehr unterschiedliches Echo bei den Betrachtern hervorrufen. – Das liegt wohl weniger an seinen Fähigkeiten, als an seinen Motiven.
Bisley machte mit Arbeiten für FAKK 2 von sich reden, zeichnete Judge Dredd im Megacity Blues und brachte die Begegnung von Dredd und Batman im Kampf um Gotham City zu Papier. Einer Figur wie Lobo, die bereits recht unkonventionell ist, drückt er zusätzlich seinen leicht anarchistischen Stempel auf. Seine Interpretation eines Aliens dürfte sogar einem H. R. Giger das Gruseln lehren. Halbnackte Frauen mit riesigen Brüsten und noch größeren Kanonen gehören zu seinem Standardrepertoire. Monster in allen Farben mit gigantischen Zahnreihen, überdimensionalen Muskeln und implantierten technischen Ersatzteilen sind ebenfalls Motive, bei denen er sich so richtig austobt.
Bisley hat zuweilen einen grafischen Stil in seinen Bildern, der seine Motive eher verharmlost, ironisiert. Auf manchen Betrachter mögen seine Bilder provozierend wirken – was angesichts der Zusammenarbeit mit dem Heavy Metal-Label auch durchaus beabsichtigt sein mag.
Wenn Bisley den leichten Witz in seinen Bildern aufgibt, dann erinnern seine Werke ziemlich an Grafiken von Richard Corben. Beide Grafiker lassen sich dank ähnlicher Genres in ihren Motiven schön vergleichen.
Nach eigener Aussage in einem Interview hat Bisley sich sein Können selbst erarbeitet. Dann ging sein Weg über T-Shirt-Motive, Album- und Magazin-Cover für Computerspiele. Kurz darauf wurde das Label 2000 A.D. auf ihn aufmerksam.
Mehr zu diesem Interview.
Jeder mag über Bisleys Motive sagen, was er will, aber ich denke, in seinen Bildern liegt eine Menge Kraft. Das Schöne ist, dass sie auch stark vergrößert wirken und sich neben moderner Kunst nicht verstecken müssen – ganz im Gegenteil.
Aktuell gibt es zwar nicht viel Neues von ihm zu entdecken, aber dafür ist sein bisheriges Werk umso reichhaltiger. 😀
Links:
Simon Bisley Homepage
Bilder von Simon Bisley
Simon Bisley – Artikel auf Wikipedia (engl.)
Lobo-Bilder von Simon Bisley
FAKK 2 Bilder bei Amazon
Richard Corben Homepage
Auskunft über Richard Corben unter lambiek.net
Donnerstag, 31. August 2006
Gwen Dawson, von den Manhattan-Dawsons, gehört ganz eindeutig zum Jet-Set. Gerade ist sie mal wieder in Monaco. – Leider ist auch Mary in Monaco. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Gwen und Mary teilen den gleichen Körper.
Gwen ist die harmlose Frau, Mary ist die eiskalte Auftragsmörderin. Gwen weiß nichts von ihrem zweiten Ich, Mary allerdings ist über ihre andere Identität im Bilde.
Während Mary ihrer Arbeit nachgeht, wird Gwen abgeschaltet. Und Mary hat inzwischen gewaltige Probleme. Ihre Versuche, mit ihrem anderen Ich Kontakt aufnehmen zu wollen, sind anscheinend nicht unbeobachtet geblieben. Prompt wird ihr eine Falle gestellt. Sie bekommt es mit Verwandten zu tun. Killer wie sie, die sie stoppen sollen.
Mary hat es schwer gegen die eigene Verwandtschaft, aber schließlich kann sie sich durchsetzen.
Gwen indessen fühlt sich zusehends verwirrt. Auf ihrem Heimflug flüchtet sie sich gerne in Phantasien, um sich die Zeit zu verkürzen. Seltsamerweise wählt sie dafür ausgerechnet die Version eines weiblichen 007. Unterbewusst scheint sie verstanden zu haben, wenngleich sie die Stimme, die sich manchmal zusätzlich zu Wort meldet, lieber ignoriert.
Zwei Personen in einem Körper, eine genetisch konstruierte gespaltene Persönlichkeit: Das kann auf Dauer nicht gut gehen.
@thena Inc. – The Manhunter Project ist ein ungewöhnliches Projekt in der Welt der Comics. Die bildhafte Darstellung ist eindrucksvoll exakt, die textliche Gestaltung wie auch die Ausführung ist gewöhnungsbedürftig, aber wegen ihrer Andersartigkeit auch erfrischend neu – und auch sehr schnell ungewöhnlich spannend.
Autor Brian Haberlin hat an sehr vielen Produktionen im Bereich Comic mitgearbeitet. Er kennt die gestalterische Seite in vielfältiger Weise (u. a. Farben: Kiss Psycho Circus, Spawn, Cover: Spider-Man), aber auch die erzählerische Seite wie er in der Serie Witchblade oder mit Veröffentlichungen Die neun Ringe von Wu-Tang und Jinn gezeigt hat. Mit @thena Inc. bewegt er sich auf gewohnt phantastischem Gebiet, aber mit einer sehr starken Tendenz zu Thriller und Science Fiction.
Seine Aufgabe, zwei Personen in einer einzigen Figur zu manifestieren, dazu noch zwei völlig gegensätzliche Charaktere, löst er mit einigem Geschick, aber auch mit einigen Überraschungen.
Mary, die leicht psychopathische Killerin, versucht mehr und mehr in Gwens Welt einzudringen. Als Gwen schläft, hinterlässt Mary mit Lippenstift eine Botschaft auf einem Spiegel. Gwen, die später erwacht und diese Botschaft findet, deutet die Worte als Botschaft eines Stalkers. – Mary freut sich kurz über das Erschrecken Gwens, doch schließlich findet Gwen die Möglichkeit eines Stalkers cool!
Vielleicht gehört in man in gewissen Schichten nicht dazu, wenn man keinen Stalker hat. Für Gwen jedenfalls ist es das ultimative Mode-Accessoire.
Die Ironie, die alleine schon durch dieses kleine Erlebnis zum Ausdruck kommt, findet sich in so mancher Wendung des Comics. Haberlin setzt dem Schock den Humor gegenüber und nimmt den brutalen Szenen so die Schärfe – eigentlich very british, so schwarz ist der Humor.
Gestalterisch steht ihm Zeichner Jay Anacleto zur Seite, ein ziemliches Talent und Schwergewicht in Sachen fotorealistischer Zeichnungen. Zahlreiche Beispiele dazu finden sich mit Cover-Abbildungen oder Pin-Ups wie zu Aria. Im vorliegenden Band zum @thena-Auftakt ist Anacleto gezwungen, Momentaufnahmen zu kreieren. Gemäß einer filmischen Prämisse, dass sich schöne Menschen am besten verkaufen, sind auch Anacletos Menschen schön. Was vielleicht widersinnig im Rahmen eines brutalen Thrillers erscheinen mag, wirkt umso mehr, wenn schöne Menschen auf recht ernsthafte Weise unschöne Dinge tun. – Andererseits würde es dem Konzept von genetischer Perfektion nicht entsprechen, würde Mary auch einen weiblichen Mr. Hyde abgeben.
Womit wir wieder beim Thema wären, denn nichts anderes ist die Person Gwen/Mary, eine gespaltene Persönlichkeit im Stile des Grusel-Klassikers von Robert Louis Stevenson. Die neue Auslegung des Themas, der Transport in eine Zeit von Matrix und Johnny Mnemonic, grafisch topp umgesetzt und auf ungewöhnliche Weise erzählt, sollten allen gefallen, die Thriller und die Welt von William Gibson mögen. 😀
Link: Brian Haberlin
Mittwoch, 23. August 2006
Captain Jack Sparrow ist zurück! Und auf der Flucht! Mal wieder! Mittels eines Sarges kann er aus der Festung entkommen. Endlich hat er den Hinweis gefunden, den er so dringend gesucht hat.
Ein Schlüssel? Nein, es ist die Zeichnung eines Schlüssels. Und was macht ein Schlüssel? – Die Erläuterung dieser Frage verwirrt die Besatzung der Black Pearl ebenso wie Sparrow selbst. Es ist an der Zeit die Segel zu setzen, nur wohin genau? Ungefähr da lang. Jacks Verwirrung hat einen guten Grund, wie es ihm bald von dem noch halbwegs lebendigen Stiefelriemen Bill auseinandergesetzt wird. Der gefürchtete Davy Jones, Kapitän des legendären Flying Dutchman, will den Pakt einlösen, den Sparrow einst mit ihm schloß. Sparrow wollte Kapitän der Black Pearl werden und er war Kapitän der Black Pearl: Nun ist Zahltag.
Jacks einzige Hoffnung: Sofort an Land, denn Jones kann kein Land betreten. Jacks Panik überträgt sich schnell auf seine Besatzung. Eiligst wird der Kurs auf das nächste Eiland angelegt.
Inzwischen hat Will Turner ein ganz anderes Problem. Ihm und seiner Verlobten Elisabeth Swann wird zur Last gelegt, einem Piraten zur Flucht verholfen zu haben. Die Eastindia-Company, eine mächtige englische Handelsgesellschaft, hat ein besonderes Interesse an Jack Sparrow. Es wird Zeit für einen weiteren Pakt. Will und Elisabeth entgehen ihrer Hinrichtung, wenn Will ein besonderes Stück von Sparrow entwenden kann: Einen Kompass, der überall und nirgends hinzeigt und den Jack stets bei sich trägt. Im Gegenzug soll Sparrow englische Kaperbriefe erhalten, die ihn bemächtigen seine Piraterie auf legalem Wege zu betreiben. Will nimmt an und macht sich auf die Suche.
Seine Suche entpuppt sich als völlig neues Abenteuer, denn ehe er sich versieht, hat ihn Jack Sparrow mit auf eine Reise genommen, die ihn in die Nähe einer anderen Geisterbesatzung bringt.
Und nicht nur das: Elisabeth gelingt die Flucht. Durch eine List gelingt es ihr, die beiden Männer, mit denen sie so viel verbindet, nach langer Reise wieder zu finden. Obwohl bereits so gefährliche Situationen hinter den dreien liegen, gehen die Abenteuer jetzt erst richtig los.
Fluch der Karibik 2 wurde von Autor Stefano Ambrosio auf der Basis des Original-Drehbuches erzählt. Ambrosio ist bereits durch seine Arbeiten an der Disney-Comic-Serie Micky X bekannt. Die Kinovorlage des zweiten Teils des Welterfolgs der Piratensaga macht es ihm einerseits leicht, andererseits muss er auch ziemliche Kürzungen vornehmen und kann nicht auf jeden Witz eingehen. Ambrosio gelingt es aber, den Kern der Erzählung herauszuziehen und die Schlüsselszenen hervorzuheben.
Im Comic wie im Film steht Jack Sparrow dabei natürlich im Mittelpunkt. Hektik, verschreckte Augen, Panik, chaotisches Verhalten, Selbstsucht, mit dem Kopf durch die Wand, diese und noch mehr Attribute stehen für die Figur des Jack Sparrow. Sein bisweilen tapsiges Verhalten erkennt der Leser sofort wieder, aber auch ohne den Film gesehen zu haben, kann sich der Leser der Nervensäge Jack Sparrow nicht entziehen.
In dieser Comic-Geschichte kommt der gestalterischen Zunft, allen voran Zeichner und Inker Giovanni Rigano eine besondere Aufgabe zu. – Nicht nur, wo Disney draufsteht, ist auch Disney drin, sondern auch, wenn es so gestaltet ist. Wer moderne Disney-Klassiker wie Atlantis oder Tarzan gesehen hat, hat auch sogleich den zeichnerischen Stil vor Augen, in dem die Comic-Umsetzung zu Fluch der Karibik 2 zu Papier gebracht wurde. Rigano ist es zu verdanken, dass Sparrow auch im Comic eine so tolle Figur macht. Und nicht nur das. Angesichts der Umsetzung ist es erstaunlich, dass es noch keine Zeichentrickserie zur Filmtrilogie gibt, denn die hier gezeichneten Figuren können die Grundlage für diese Serie bieten. Rigano und seine Kollegen, die hier kolorierend zur Tat schreiten, Silvano Scolari, Andrea Cagol und Stefano Attardi leisten hier ganze Arbeit. Schwarze Outlines werden hier auf das nötigste beschränkt. Feine Hintergründe und farblich schön gestaltete perspektivische Ansichten geben den Bildern eine filmische Tiefe, wie der Disney-Fan sie bereits aus Filmen und Trickserien her kennt.
Besonders beeindruckend ist hier natürlich das Schiff von Davy Jones (wie auch Davy Jones selbst).
Der Comic zum Film schafft es, völlig für sich alleine zu stehen und gewinnt der Geschichte sogar neue Aspekte ab. Die italienische Comic-Schmiede von Disney leistet hier ganze Arbeit, spannend und etwas für’s Auge: Fans von Abenteuern kommen hier voll auf ihre Kosten. 😀
Dienstag, 22. August 2006
Eigentlich wollte Lara Croft nur ihrer gewohnten Arbeit nachgehen: Archäologie. Aber wie so oft kommt es ganz anders im Leben der Schatzjägerin. Die Arbeit im Mittleren Osten ist bereits schwierig genug, doch wenn man zusätzlich von riesigen Käfern angegriffen wird, die einen in eine märchenhafte Welt verschleppen, die nur aus Mythen bekannt ist, dann kann das Abenteuer beginnen.
Scheherazade, eine Name aus tausend und einer Nacht, eine Frau, die Nacht für Nacht Geschichten erzählt, nur damit sie am Leben bleibt. Nur ein Mythos ist ein Mythos, die Realität sieht noch etwas anders aus. Scheherazade befindet sich in der Gewalt eines Dämons, der sie zwingt, sie auf ewig zu unterhalten – oder besser, solange ihr ständig etwas Neues einfällt. Scheherazade ist dieser Aufgabe ein wenig überdrüssig geworden. Als Lara Croft durch einen magischen Zufall bei ihr erscheint, hat sie eine Idee. Lara kann ihre Stelle einnehmen. Aber Lara wäre nicht jene legendäre Abenteurergestalt würde sie sich so leicht in ihr Schicksal fügen.
Sie zieht Scheherazade auf ihre Seite, findet neue Freunde in einer von einem Dämon geschaffenen Welt. Das einzige Ziel lautet: Entkommen.
Tomb Raider: Arabian Nights wurde von Zeichner Billy Tan toll in Szene gesetzt. In altbewährter Aquarelltechnik, die sich wunderbar von den inzwischen üblichen Computerkolorierungen abhebt, begibt sich Lara Croft auf eine Reise und in ein Abenteuer, das selbst für sie ungewöhnlich ist. Tan ist ein begehrter Künstler, bewegte sich stilsicher auf dem Parkett von Marvel, der Fantasy (Red Sonja) und wie im vorliegenden Fall im Universum von Top Cow, der amerikanischen Verlagsschmiede von Lara Croft, die hierzulande bei Inifinty erscheint. Neben Lara setzte er auch die Witchblade, Darkness sowie Aspen (Fathom) in Szene.
Häufig hat Tan auf inzwischen übliche Weise gearbeitet, vom Zeichenbrett in den Rechner, hier geht er auf erfrischende und überraschende Weise einen sehr künstlerischen Weg. So wird in der Tat jedes Bild zu einem kleinen Kunstwerk. Tans Bilder werden so greifbarer, durch den Farbauftrag wird der Comic organischer, zurück zu den Wurzeln könnte man sagen – wenn Tan nicht mit einem Programm gearbeitet hat, dass diese Technik simuliert, war diese Arbeit eine Herausforderung, da Fehler hier nicht so leicht korrigiert werden können.
Er spielt sehr schön mit den Farben und Lichtern. Die künstlerische Technik harmoniert mit der märchenhaften Geschichte. Das dürfte dem Leser spätestens dann bewusst werden, wenn die Jagd über Gebirgshöhen geht – auf dem Rücken von fliegenden Teppichen.
Autorin Fiona Avery ist eine versierte Comic-Autorin. Sie hat für Witchblade geschrieben – in dem tollen Dreiteiler Witchblade Obakemono, ebenfalls eine Zusammenarbeit mit Billy Tan. Auch für Tomb Raider hat sie schon vorher Szenarien verfasst.
Im erwähnten Witchblade Dreiteiler hat sie bewiesen, dass sie sich in ein Thema, eine Mythologie einarbeiten kann. Sicherlich kann sie stets nur einen Ausschnitt für ihren Text wählen, aber wer die Geschichte liest, kann das größere Hintergrundwissen in vielen Details erkennen. Avery stellt auch gerne bestehende Fakten und Mythen auf den Kopf. So ist der Leser von Öllampen gewohnt, dass ein Geist aus der Öffnung schießt – ob nun gut oder böse, das sei dahin gestellt. Für Lara geht es genau in die andere Richtung – geradewegs in die Lampe hinein.
Lara Croft hat viele Abenteuer erlebt. Sie sah die wahnsinnigsten Artefakte, kämpfte an der Seite der Witchblade, begegnete lebendigen Göttern und sogar Sagengestalten wie Morgan Le Fey. Doch mit der Geschichte aus Tausendundeiner Nacht hat Fiona Avery der Tomb Raider-Reihe eine wirklich außergewöhnliche und schöne Episode hinzugefügt.
Fazit: Fein gestaltet, schön erzählt, ein kleines Highlight im Tomb Raider-Universum.
😀
Links: Billy Tan, Fiona Avery
Samstag, 19. August 2006
Black Canary gibt sich die Ehre. In einer miesen Spelunke schenkt sie dem allerletzten Pöbel hinter der Theke Whisky und Bier aus. – Aber der Job gefällt ihr ganz und gar nicht. Dieses Missfallen lässt sie die anwesenden Gäste schließlich auch massiv spüren. Auslöser ihres Dampfablassens ist eine unerlaubte Hand auf ihrem Gesäß – sie ist eine durchsetzungsfreudige Frau, die sich nichts mehr gefallen lassen will.
Vicki Vale, Reporterin, hat ihre Durchsetzungsfähigkeit und ihr Selbstbewusstsein mit schweren Verletzungen bezahlt. Jetzt ringt sie mit dem Tode. Nur Spezialisten können ihr noch helfen. Ein Kasper aus Metropolis soll Batman den Gefallen tun und einen bestimmten Arzt aus Paris holen. – Und Superman macht sich tatsächlich, wenn auch ziemlich wütend, auf den Weg.
Batmans eigentliches Augenmerk liegt allerdings auf seinem neuen Begleiter Dick Grayson. Der Junge, der erst vor kurzer Zeit seine gesamte Verwandtschaft verloren hat, soll in die Fußstapfen des Mitternachtsdetektiven treten. Der unrasierte Grobian im Fledermausdress ist jedoch nicht zimperlich in der Wahl seiner Mittel – auch nicht gegenüber einem Zwölfjährigen. Wo Grayson übernachtet, ist Batman gleichgültig und Nahrung kann sich der Junge schließlich auch selber fangen.
Gut für Dick, dass Butler Alfred im Gegensatz zu Batman ein Herz für Kinder hat.
All Star Batman geht in die zweite Runde. Autor Frank Miller erweitert hier nicht nur die wenig sympathische Gestalt Batmans, sondern er lässt auch noch andere Charaktere auf der Bühne auftreten. Black Canary ist eine zwar gut aussehende, aber leicht psychopathische Frau, durchtrainiert, aber gemeingefährlich. Man sollte meinen, mit all diesen Eigenschaften ist sie die perfekte Frau für Batman – zumal sie in der Bar jemanden verprügelt, der einem Oliver Queen alias Green Arrow recht ähnlich sieht.
Die Geschichte um Batman selbst bezieht ihren Unterhaltungswert weniger aus der Action, sondern vielmehr aus der doch recht anderen Erzählweise und den andersartigen Charakteren. Frank Miller versteht es auf ungewohnte Art beide Leserlager auf die Geschichte einzuschwören: Jene, die Batman seit langem kennen und jene, die ihn neu kennen lernen. Für beide Leserschaften hat Miller einiges zu bieten. Batmans Charakter ist sehr, sehr ungewohnt für Stammleser und ebenfalls sehr ungewöhnlich für jene, die dachten, sie würden den typischen Superhelden kennen.
Batman ist endgültig zu einer Figur geworden, bei der die Trennlinie zwischen ihm und denen, die er jagt, sehr, sehr dünn geworden ist.
Er ist ein großes, auch gemeines Kind, ist stolz auf das, was er erreicht hat, will beeindrucken – eigentlich benimmt er sich wie ein tödlich gekränkter Mensch, der ein Superheld sein will und rein gar nichts von Edelmut hält.
Miller setzt in dieser Geschichte ganz auf die Fähigkeiten seines Co-Stars, dem Zeichner Jim Lee. Und dieser zeigt hier, warum er im Bereich Comic wirklich ein Star ist: Seine Bilder sind unglaublich gut geworden. Dank ihm erhält das Thema Batman eine völlig neue Dimension. – Im wahrsten Sinne des Wortes.
Bereits in Hush, einem anderen ungewöhnlichen Batman-Mehrteiler, hatte Lee die Gelegenheit, die Bathöhle auf Papier zu bannen. Die Einblicke, die er dem Leser dort nahe brachte, waren schon toll. Das Ausklappbild der Bathöhle im vorliegenden Band toppt diese Einsichten noch einmal. Die Perspektive ist einzigartig gewählt (das Bild zieht sich über 6 Seiten) und besticht durch viele Details: Batmans Fahrzeugsammlung, seine Rüstungssammlung, ein hochtechnisiertes Batmobil im Einsatz und viele andere Kleinigkeiten – die dank der versierten Tuscheumsetzung von Scott Williams und der Farbgebung von Alex Sinclair noch beeindruckender wirkt.
Da der Leser bestimmt ein wenig staunt über so viel High Tech, ist es sehr zu verstehen, warum Batman beleidigt ist, als Dick Grayson nicht eingestehen will, wie sehr ihn das Ganze in Erstaunen versetzt. Batmans Meinung über das Kind: Ich glaube, ich mag ihn nicht. So ein Arsch.
Nein, dieser Batman ist weder zimperlich, noch kann man ihn wirklich leiden – aber dafür ist die Geschichte eine echte Ausnahmeerscheinung. Miller und Lee geben mehr als nur ihr Bestes! 😀
(Für Fans von Miller gibt es außerdem noch eine Coversammlung zu All Star Batman, die Miller in seinem sofort erkennbaren Stil geschaffen hat.)
Freitag, 18. August 2006
Ein Friedhof, ein offenes Grab, ein Unhold verübt ein unbeschreibliches Verbrechen, dass selbst den erfahrenen Detective Dietz nach so vielen Jahren Dienst schockiert. Die Beschreibungen eines Augenzeugen machen den Fall umso rätselhafter. Aber Dietz lässt sich nicht irritieren. Er vertieft sich in die reinen Fakten, drängt seine aufgewühlten Gefühle in den Hintergrund. Leider sind die Fakten nicht so, wie er es gerne hätte: Sie werfen weitere Fragen auf und mögliche Antworten lassen keine rationalen Schlüsse zu.
Dietz befindet sich scheinbar auf der Spur eines Unholds, der seit hunderten von Jahren verstorben ist. – Was natürlich Unsinn ist. Aus Dietz’ Sicht.
Es bleibt nicht bei einem Toten. Bald werden Dietz und sein Kollege Bennett zu einem weiteren Tatort gerufen. Die nächste Tat ist schlimmer als die vorherige. Eine Gruppe ausgewachsener Männer umringt die Toten und kann es kaum fassen. Dietz und Bennett überspielen ihren Schock. Der Tag war lang. Dietz fährt nach Hause, er macht es sich bequem, sofern das nach all den Ereignissen möglich ist.
Plötzlich fährt ihm der Schrecken in die Glieder. Dietz erhält ungebetenen Besuch. Doch Dietz ist nicht ängstlich, er macht sich an die Verfolgung des Unbekannten und streckt diesen mit seiner Schusswaffe nieder. Die Freude währt nur kurz und wird schnell durch eine Überraschung abgelöst. Dietz hat den Falschen erwischt.
Die Toten stellen sich auf Dietz’ Seite. Leider nützt Dietz diese Verstärkung nicht sehr viel, denn der Mörder ist uralt, verschlagen und mächtig. Selbst die Toten haben ihm kaum etwas entgegen zu setzen. Schließlich gerät selbst Dietz’ Familie in Gefahr.
The Lurkers ist eine sehr dicht erzählte Horror-Geschichte. Ein Polizist gerät ungewollt in eine Welt der Schatten, des Zwielichts und wird mit Gestalten, Legenden und dem Grauen konfrontiert, die er bislang eher für pure Phantasie gehalten hat. Dietz ist ein waschechter Cop, lang gedient, erfahren und abgeklärt. Der erste Fall, der noch kein Mord ist, mit dem er es hier zu tun bekommt, geht selbst ihm hart an die Nieren. Weit aufgerissene Augen künden von dem Schrecken, der von den Fundorten ausgeht.
So muss es sein, wenn man den Verstand verliert. Wenn man anfängt Dinge zu sehen. Dietz, der Cop, der glaubte, den Durchblick zu haben, erlebt die Welt plötzlich aus einer völlig neuen Sicht.
Autor Steve Niles und Zeichner Hector Casanova nehmen den Leser mit auf eine Reise in eine verwunschene Wirklichkeit, die nichts als die Nacht oder wenigstens die Dunkelheit kennt.
Die Erzählung geht konsequent ihren Weg von Beginn an. Es findet sich keine zögerliche Stelle, keine Irreführung des Lesers, obwohl dieser mal mehr als Dietz weiß (oder zu wissen glaubt), mal auf dem gleichen Wissensstand ist wie der Hauptcharakter. Zu Beginn lässt es sich noch annehmen, dass der Irre vielleicht doch noch menschlicher Natur ist. Später hat der Leser das Wissen um die Übernatürlichkeit Dietz voraus.
Steve Niles erfindet eine neue Grusel-Legende, ähnlich der von Vampiren, Werwölfen oder Ghouls und fügt diesen einen Nachtmahr hinzu, der im Gegensatz zu den eher tierischen Horrorgestalten mit einer enormen Schläue zu Werke geht – und mit der Brutalität eines Gangsters, der einem Cop das Leben schwer machen will. Aber im Grundsatz hat Niles ein Wesen erschaffen, das sich hinter bestehenden Klassikern nicht zu verstecken braucht.
Die Geschichte hat sogar bei aller Dramatik (und einem gewissen Ekelfaktor) etwas Romantisches, was nicht zuletzt an den Toten liegt, die in der Dunkelheit ein beinahe schüchternes Dasein fristen. (Es erinnert ein wenig an eine alte französische Gruselmär.)
Wer den Comic betrachtet, wird möglicherweise Stilähnlichkeiten zu einem anderen Meister des Makabren herstellen können. Hector Casanova setzt die Geschichte von Niles um, wie es vielleicht ein Tim Burton machen würde. Wer Produktionszeichnungen, aber auch die phantastischen Filme wie Corpse Bride, Sleepy Hollow oder Nightmare Before Christmas, dieses außergewöhnlichen Regisseurs kennt, wird auch den gestalterischen Stil dieses Comics ziemlich genau vor Augen haben. Er muss nur die eher putzigen Ausgestaltungen beiseite lassen und die gruseligen Aspekte hernehmen und schon befindet man sich in der Welt des Hector Casanova. Dank ihm gelingt es Dietz’ Feind wirklich, einen Schauer zu erzeugen – er ist richtig eklig, gruselig, am Ende kann der Leser ihn wirklich flüstern hören. So gut finde ich ihn gelungen.
The Lurkers, die in der Dunkelheit lauern, herumschleichen, haben einen hohen Gruselfaktor, sind atmosphärisch gezeichnet und haben mich als Freund von Horrorgeschichten sehr angesprochen. Die Schlusssequenz hat sogar etwas von Poesie, selten in Comics zu finden – aber es funktioniert, wie der gesamte Band, ausgesprochen gut. 😀