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Comic Blog


Mittwoch, 13. Dezember 2006

Witchblade Animated

Filed under: Abenteuer,Cartoon,Mystery — Michael um 15:00

Witchblade AnimatedDie Magdalena, die Kämpferin des Vatikans bereitet sich auf ihre nächste Mission vor. Ein schändliches Verbrechen wurde begangen.
Die Kämpferin, die dazu auserkoren ist, die kirchlichen Gesetze zu schützen, hat die Befugnisse, alle erdenklichen Mittel einzusetzen – auch wenn es bedeutet, dass unschuldiges Blut vergossen werden muss.

Sara Pezzini ermittelt in einem neuen Fall. Die Trägerin der Witchblade wird zu einem Mord gerufen. Pater Brennan wurde äußerst brutal getötet. Sara nimmt diesen Fall persönlich und nimmt die Szene mit der erforderlichen Härte vor. Dank der Witchblade glaubt sie, auf jede Eventualität vorbereitet zu sein. Sie täuscht sich.
Als sie in die Lagerhalle eindringt, wird sie bereits erwartet. Aus einigen Darklings werden Hunderte. Und ihr Herr, die Darkness persönlich, ist auch nicht weit. Mit dem Eintreffen einer dritten Partei hat aber keiner der beiden gerechnet. Für die Magdalena geht es nicht nur um einen Toten. Sollte sie versagen, wird eine neue Macht auf Erden erwachsen, die niemand mehr aufhalten kann.

Witchblade Animated präsentiert dem Leser die Abenteuer der gefährlichsten Polizistin der Welt im inzwischen sehr bekannten Stil moderner Zeichentrick-TV-Serien. Gleichzeitig gibt es einmal mehr ein Crossover mit der Darkness und der Magdalena.

Mit der Serie Batman: Animated Series brach seinerzeit ein wahrer neuer Zeichentrick-Boom im Fernsehen aus. Die neue Dynamik der Szenen erhielt viele Fans. Ohne den Erfolg wären viele Nachzügler nicht möglich gewesen, so aus dem DC- und dem Marvel-Universum und vielleicht auch nicht die Witchblade-Anime-Serie, die aber im Gegensatz zum Original-Witchblade-Universum einen völlig anderen erzählerischen Weg verfolgt.

Die vorliegende Ausgabe Witchblade Animated spielt mit dem Zeichenstil aus den erwähnten Serien der westlichen Welt. Die Frauen sind schlank, sie haben dreieckig, abgerundete puppenähnliche Gesichter und meist sitzt ihre Kleidung viel zu eng – letzteres trifft auch auf die männlichen Actionhelden zu. Dem entgegen steht das Aussehen der Gegner, die meistens mehr Profil zu bieten haben und weniger glatt entworfen sind.
Autor Paul Dini werden Fans von Comic und Trickfilm vielleicht schon der erwähnten Batman-Serie her kennen (oder auch von Superman, Freakazoid, Droids, Hulk und anderen). Hier zeigt sich, dass Dini auch anderen Universen neue Blickwinkel entlocken kann. Man merkt dank der sehr konzentrierten Erzählung, dass man es hier mit sehr viel Versiertheit zu tun hat – kein Wunder bei einem solchen Veteranen auf dem Gebiet der Comics.
Wer allerdings glaubt, Dinis Ausflug in das Comic-Universum der Witchblade sei eher harmlos zu nennen, da seine bisherigen Erzählungen eher auf Kinder ausgerichtet waren, täuscht sich. In Sachen Action und Grusel steht Wichblade Animated den realistisch gezeichneten Episoden in nichts nach.

Das Team The BBC, die Künstler J. Bone, David Bullock und Darwyn Cooke, ist für die grafische Gestaltung verantwortlich.
Auch hier findet sich ein Veteran des Zeichentricks. Darwyn Cooke ist bekannt als Storyboard-Zeichner für The New Batman Adventures und trat als Schreiber für die Justice League in Erscheinung. Erstere Tätigkeit bürgt für die Qualität der Bilder im vorliegenden Band.
Wer die Bilder und Seiten mit anderen Episoden vergleicht, wird feststellen, dass versucht wurde, die Rasanz die einer Zeichentrick-Episode zueigen ist, auf das Papier zu bannen. Besonders deutlich wird das im zweiten Teil der Geschichte, wenn sich die Darkness völlig entfesselt seinen Feinden stellt.

Eine schöne Ausnahmeerzählung im Witchblade-Kosmos und ein gut gelungenes Comic-Experiment. Davon dürfte es mehr geben. 😀

Montag, 11. Dezember 2006

The Darkness: Prelude – Witchblade: Demon

Filed under: Mystery,Thriller — Michael um 21:05

The Darkness Prelude - Witchblade DemonDie Welt der Witchblade und der Darkness ist düster. Die beiden sind Spiegelbilder, bekämpfen einander oder kämpfen Seite an Seite. Diese beiden Episoden zeigen die neuen Horror-Klassiker in feinen Gruselepisoden.

Nicht zum ersten Mal steht die Witchblade einem Dämon gegenüber. Doch dieses Mal ist er menschlich, eine Tatsache, die den Dämon noch schrecklicher erscheinen lässt. Witchblade: Demon entführt in die Straßen der Großstadt, in der Sarah Pezzini als Polizistin arbeitet. Die merkwürdigsten Motive sind ihr nicht fremd: Dieser Killer will den größtmöglichen Schaden herbeiführen. Er tötet nicht einfach. Er philosophiert, wie er eine Kettenreaktion in Gang setzen kann, damit möglichst viele Menschen an seinen Taten zu leiden haben.
Dieser Killer ist ein Monster in Menschengestalt, ein Dämon.

Jackie Estacado war einmal ein Killer der Mafia. Jetzt ist er die Darkness, ein Wesen, dessen Kräfte sich in der Dunkelheit, in der Nacht vollkommen entfalten. In einem Zustand ohne Sonnenlicht sind der Darkness keinerlei Grenzen mehr gesetzt. Was mag geschehen, wenn ein Mensch, der von Natur aus eine Killernatur ist, diese auch noch in Form unbegrenzter Macht auf dem Silbertablett serviert bekommt? (Nun, es gibt auch Einschränkungen, über die Estacado nicht sehr glücklich ist.)
Ein Mann will sich verstecken. Er hat sich dafür einen unheimlichen Ort ausgesucht, ein ehemaliges Gefängnis. Ein Unwetter zieht auf und die Darkness ist bereits in der Nähe, als Richter und Henker zugleich.

Darkness und Witchblade sind in den letzten Jahren zu modernen Horror-Klassikern geworden. (Unlängst konnten Genre-Fans dieser Klassiker ein Zusammentreffen mit den Alten des Genres verfolgen.) Diese Vertreter des Horrors haben neue Fähigkeiten entwickelt und leben mit einer zweiten Identität, die sie bisweilen auch übermannt.
Und wie bei einer guten Horrorgestalt haben sie ihre Fähigkeiten eigentlich nicht gewollt, wissen sie jedoch später zu schätzen. Die Witchblade und die Darkness haben so manches Crossover-Abenteuer miteinander erlebt. Der vorliegende Band vereint zwei getrennte Geschichten, Short Stories, hervorragend erzählt.

In Demon schickt Autor Mark Millar Sarah Pezzini in einen atmosphärisch sehr dichten Thriller. Wer Filme wie Sieben oder Resurrection kennt, kann die Szenerie schnell nachempfinden, wer unbedarft an die Geschichte herangeht, wird wahrscheinlich noch mehr Spannung aus der Handlung ziehen können.
Zeichner Jae Lee (bekannt von den Inhumans, Hulk u.a.) beherrscht einen außergewöhnlichen Zeichenstil, der ohne jegliche Kolorierung auskommen könnte. Er ist modern, gezackt, leicht abstrakt ausgeführt, aber auch düster und so drückt Lee bisher jedem bekannten Comic-Universum, an dem er gearbeitet hat, seinen eigenen unverwechselbaren Stil auf. Waren es bisher Superhelden, die von ihm gezeichnet wurden, hat er mit der Witchblade (und der Darkness) Szenarien gefunden, die wie für ihn geschaffen scheinen.

Sind schon die großstädtischen Szenen und die Rückblicke des Dämons in der Witchblade-Episode sehr gut gelungen, ist das Prelude der Darkness mit alle seinen Schatten, Verstrebungen, den engen Gassen und den verwitterten Hauswänden außerordentlich gut.
Im Gegensatz zu anderen Geschichten, in denen die Darklings eine regelrechte Angriffsfront bilden und für sehr viel schwarzen Humor sorgen, setzt der Autor dieser Episode, Paul Jenkins, einzig auf das Grauen, das sich in der Dunkelheit manifestieren kann. Eben mit diesem Aspekt spielt auch Jackie Estacado und treibt sein Opfer so in den Wahnsinn. Vorzüglich geschrieben und gezeichnet.

Atmosphärisch dicht, düster, gruselig, zwei perfekte Episoden der Darkness und der Witchblade. 😀

Samstag, 09. Dezember 2006

Lara Croft Tomb Raider – Takeover

Filed under: Abenteuer,Mystery — Michael um 17:42

Lara Croft Tombraider - TakeoverGewonnen! Wieder einmal! Lara bringt das Objekt dahin zurück, wohin es gehört: Ins Museum. Der unbezahlbare Juwel schmückt Laras Dekolleté, während die Abenteurerin im langen Schwarzen in einer luxuriösen Limousine sitzt und ihrem Ziel entgegensteuert – und sich auf einen interessanten Abend freut. Denn ein aufregender Abend im Hollywood-Stil ist ihre Sache nicht. Doch die zahlreichen Scheinwerfer über dem Museum lassen darauf schließen, dass ihrer Bitte, die Übergabe des verschwundenen Juwels diskret abzuwickeln, nicht nachgekommen worden ist.

Abgesehen davon, dass jemand mit einem derart engen Abendkleid nirgends ohne Aufregung Eintritt findet, findet der Überfall gleich bei ihrer Ankunft statt. Einige dunkle Gestalten sind der Auffassung, dass der Juwel nicht in ein muffiges Museum gehört.

Lara bleibt keine Wahl. Sie muss sich gegen ihre Widersacher zur Wehr setzen, die sie bis zu dem Museum verfolgt haben. Der Juwel ist nicht nur ein wertvoller Edelstein, er ist auch ein Schlüssel. Ein geheimnisvolles Tor wartet darauf, geöffnet zu werden. Und an Lara ist es, genau das zu verhindern.

An Lara Croft und ihre Tomb Raider-Abenteuer haben sich schon die verschiedensten Zeichner ausprobiert. Unlängst erschien die grafisch absolut exzellente Episode The Greatest Treasure Of All, die einen photorealistischen Weg beschritt. Die vorliegende Episode aus Laras Leben Takeover erscheint mit realistisch gezeichneten Figuren und Action quer über die Seiten. Scott Benefiel schickt hier eine Lara ins Abenteuer, die eine regelrechte Sexbombe ist. Der grafische Stil, der hier aufgeboten wird, ist äußerst exakt, beinahe stilish zu nennen. Die Sichtführung ist perfekt gelungen und nimmt einen auf einen richtigen Actionritt mit.

Fans mögen Scott Benefiels Arbeit bereits von Ghost/Hellboy, Hulk oder, um im Top Cow-Universum zu bleiben, von der Witchblade her kennen.

In Takeover zieht das künstlerische Team komplett an einem Strang. Das fällt auf den ersten Blick auf. Inker Jasen Rodriguez spendiert den Figuren fette Outlines und fein ausgeführte Schatten. Die für die Farbgebung Verantwortlichen Frank D’Armata und Andrew Crossley tun ihr Übriges dazu um Hautfarben, Explosionen, Haare, Hintergründe und Effekte in ein richtiges Farbenfeuerwerk zu verwandeln. So entsteht eine Bildabfolge, die wie ein Auftakt zu einem noch viel größeren Actionfilm wirkt.

Museen sind ein beliebter Ort für actiongeladene Handlungen. Man werfe nur einen Blick auf Filme wie Das Relikt, Nachts im Museum und andere. Ein Museum bietet dank seiner Ausstattung und seiner Architektur eine reizvolle Kulisse. Autor James Bonny nutzt diesen Ausgangspunkt, damit Lara an riesigen zerberstenden Glasfenstern und Geschossen verzweifelt, über Abgründen hängt und schließlich in einem mythologisch ausgestatteten Raum einen neuen Showdown erfährt.
Ich mag Laras Abenteuer, die zeitweilig sehr ernsthaft sind (wie im oben erwähnten Greatest Treasure), aber sie bestechen auch durch Humor. Nicht umsonst ist Lara ein weiblicher Indiana Jones. So steht ihr in diesem Abenteuer wie Indy im Tempel des Todes eine Frau zur Seite, die von Abenteuern so gar keine Ahnung hat. Nach eigener Auskunft ist sie Schauspielerin, aber wie so oft in Los Angeles ist sie Kellnerin. Für Lara ist es Routine, für eine Kellnerin dürfte es der aufregendste Abend ihres Lebens sein – und für den Leser dank dieses Sidekicks eine überaus witzige Lektüre.

Grafisch perfekt ausgeführt, humorvoll und spannend, Lara at it’s best! 😀

Mittwoch, 06. Dezember 2006

Santaman

Filed under: Cartoon,Superhelden — Michael um 23:12

Santaman - Patron der GerechtigkeitAlles ist heil in Philanthropolis – bis zu jenem Tag. Plötzlich ist die kleine wunderbare Stadt echt angefressen: Im wahrsten Sinne des Wortes. Ein seltsamer Feind macht sich am Holz der Stadt zu schaffen. Die Unglücksserie versammelt kleine und größere Unglücke, in erster Linie sind sie aber enorm lästig und machen die Stadtoberen lächerlich.
Da gibt es nur eines: Es muss Hilfe von außerhalb her. Besondere Hilfe. Gladys, die Bürgermeisterin, schickt ihre Sekretärin mit einer eiligen Botschaft auf das Dach der Welt, nach Tibet.

Der Retter reagiert tatsächlich auf den Hilferuf und macht sich an die Arbeit. Seine ersten Ermittlungen gestalten sich äußerst schwierig, aber bald hat er eine heiße Spur. Schnell wird klar, dass die kleinen Unfälle nur vorgeschoben waren. Der Mann im Hintergrund hortet das Diebesgut auf ganz besondere Weise. Es kommt zu einer Verfolgungsjagd. Und der Verfolgte ist zuerst besser als der Retter.

Zuerst! Denn der Held ist ein ganz besonderer Mann, es ist Santaman!

Autor und Zeichner Daniel N. Djanie präsentiert dem Leser in der Geschichte Santaman – Patron der Gerechtigkeit den allseits bekannten Weihnachtsmann in einer völlig neuen Rolle: Als Superhelden, Streiter für Recht und Ordnung. Und es funktioniert.

Humor entsteht zuweilen, wenn Altbekanntes über den Haufen geworfen wird und in einen neuen Zusammenhang gesetzt wird, ohne das Bekannte gänzlich zu verleugnen. Hört sich merkwürdig an? Doch so lässt sich der Einsatz von Santaman als Superheld umschreiben.
Santaman kann den Kamin für seine Zwecke nutzen. Er schießt hindurch, wie eine menschliche Kanonenkugel. Statt eines Schlittens und einem rotnasigen Rudolfs nutzt er ein ps-starkes rotes Motorrad – natürlich wenigstens mit einem kleinen Geweih ausgestattet.
Santaman ist beinhart (wie jemand sein muss, der sich nächtens über die Dächer schwingt, um das Böse zu bekämpfen), ein wenig grantig, ein bißchen wie Uncle Sams Bruder.

Der Humor liegt hier auch in der Übertreibung. Es ist herrlich zu sehen, wie Santaman Lord Beaver verfolgt, wie einst Danny Glover in Predator 2. Letzterem kamen jedoch keine Tauben dazwischen. Und auch keine mannsgroßen Nagetiere. Auf diese Art werden die aus Superhelden-Comics altbekannten Raufereien zu einem humoristischen Reigen, bei dem kein Auge trocken bleibt.
Ganz besonders, wenn Santaman es sich nicht verkneifen kann, trotzdem noch zwischendurch Geschenke zu verteilen, um sich im nächsten Augenblick wieder in die Rauferei zu stürzen.

Humor findet sich auch in der Handlung wie auch in den Dialogen. Man kann als Leser Lord Beaver geradezu lispeln hören, wenn er mit verkniffenem Gesicht in die Kamera schaut. Wer den Schlussgag im Feng Shui Staatsgefängnis sieht, wird außerdem feststellen, dass Djanie sehr fein mit kleinen Anspielungen erzählt. (Aber keine Angst, auch ohne dass Wissen um die Anspielungen bleibt genug Witz für Lacher und Schmunzelei.)

Die Zeichnungen sind höchst unterschiedlich ausgearbeitet. Manchmal sind sie eher skizzenhaft, schnell hingeworfen, wie ein Film, der Geschwindigkeit aufnimmt. Im Gegensatz dazu gibt es Szenen und Charakterdarstellungen die feiner ausgearbeitet sind – auch zugunsten des Humors. Santaman selbst ragt aus der Menge der Figuren eindeutig mittels seiner Statur heraus. Viele Figuren sind eher knuffig, cartoony, als seien sie einer Zeichentrickserie entsprungen. Insgesamt erhalten die Bilder durch Daniel N. Djanies Arbeit enorm viel Charme.

Der Comic zum Fest: Santaman. Erfrischend anders und für so manchen herzhaften Lacher gut. 😀

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Samstag, 02. Dezember 2006

24 – Der offizielle Comic zur TV-Kultserie

Filed under: Comics im Film,Thriller — Michael um 21:43

24 - Der offizielle Comic zur TV-KultserieKeine Ruhe für Jack! Wieder einmal wird ein Einsatz für ihn zum längsten Tag. Moira O’Neal ist Mitglied der Irisch-Republikanischen Armee. – Und sie will überlaufen. Vorerst befindet sie sich in der Obhut der CTU. Jack Bauer wird angewiesen mit seinem Team auf den hochbrisanten Gast aufzupassen, bis das CIA-Team eintrifft und übernimmt.
Jacks Team macht sich mit der Überläuferin auf den Weg zu einem geheimen Versteck. Jack wäre nicht Jack, würde er nicht der Mann für schwierige Fälle sein. Allerdings zieht Jack das Unglück auch in höchstem Maße an. So ist es kein Wunder, dass sich kurze Zeit später ein IRA-Killerkommando an ihre Fersen heftet.

Die Episode Die letzte Kugel ist kaum beendet, da lässt Jack das Büro für einige Zeit hinter sich und ermittelt Undercover.
Nie wurde das Thema Umwelt größer geschrieben als in diesen Tagen. Friedliche Aktivisten kämpfen weltweit für den Erhalt der Natur. Natürlich geht der Großteil von ihnen dabei mit friedlichen Mitteln vor. Andere, wie G-Pace, bei Jack eingeschleust wurde, sind in der Wahl ihrer Mittel nicht so zimperlich. Wenn nötig wird auch über Leichen gegangen.
Jack hat es nicht leicht, das Vertrauen der Gruppe zu erlangen. Zu Trinetta, einer der Öko-Terroristinnen, dringt er jedoch leichter vor. Äußerst unprofessionell geht er sogar ein Verhältnis mit ihr ein. Dank ihrer Fürsprache wird ihm ein heikler Auftrag zugeteilt.

Als Jack mit seinem Auftrag in Alaska auch die Mitternachtssonne hinter sich lässt, kommt er aus dem Schlamassel nicht heraus. Das CTU schleust ihn in den engeren Kreis um einen Führer eines Drogenkartells ein. Er steigt tief hinab für seinen Auftrag und wird zum Junkie. Eine neue Bewährungsprobe wartet auf ihn. Das Kartell schickt ihn zusammen mit einem Aufpasser nach Los Angeles. Dort in einem Hotel soll ein besonderer Kontaktmann getroffen werden.
Aber es kommt ganz anders als geplant. Tschetschenische Terroristen besetzen das Hotel. Niemand konnte ahnen, dass es hier zu einem Treffen des amerikanischen und russischen Außenministers kommen würde. Was ein Fall zur Drogenbekämpfung sein sollte, weitet in sich Stufen zu einer massiven internationalen Krise aus.

Die Comic-Ausgabe von 24 beschert dem Thriller- und im Speziellen dem 24-Fan drei neue Episoden, in denen die Uhr wie gewohnt spannend tickt. Das Echtzeit-Feeling kann natürlich eins zu eins vom Fernsehschirm auf das Medium Comic übertragen werden. Die Autoren J.C. Vaughn und Mark L. Haynes komprimieren die Handlung, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen. Keine überflüssigen Informationen, schnell wird die Handlung vorangetrieben, keine besondere Vorstellung der Charaktere, 24 ist wie ein Sprung ins eiskalte Thriller-Wasser.

Comics zu Filmen oder Fernsehserien kranken manchmal daran, dass die Helden kaum oder nur schlecht wiederzuerkennen sind. Dank der Zeichner Renato Guedes und Manny Clark entstehen im vorliegenden Band mit den Episoden Die letzte Kugel und Mitternachtssonne exzellent gezeichnete Episoden. Stufen, von Manny Clark in Szene gesetzt, hinterlässt beinahe den Eindruck eines Filmfotoromans. Bei beiden Zeichnern kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Möglichkeit auf viel Mustermaterial zurückgreifen zu können, konsequent und mit hoher grafischer Qualität genutzt wurde.

Die Comics im vorliegenden Band lassen sich gut in das bestehende TV-Universum von 24 eingliedern. In der ersten Episode beginnt Jack Bauer seinen allerersten Tag bei der Counter Terrorism Unit. Die Seiten wurden für eine schnörkellose Gliederung mit vier bis sechs Bildern genutzt. Der Stil ist dokumentarisch, hart, zum Schluss sehr rasant. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Action.
In Mitternachtssonne wendet sich das Blatt. Jacks Interaktion mit den Menschen, mit denen er Undercover umzugehen hat, nimmt einen zentralen Punkt in der Erzählung ein. Hier entsteht die Spannung daraus, mit anzusehen, wie Jack nach und nach das Vertrauen der anderen gewinnt. Vaughn und Haynes geben dem Leser außerdem Informationen, die Jack fehlen. Dieses Spiel mit dem eigenen Hauptcharakter ist ein beliebtes Instrument im Thriller. Vaughn und Haynes setzen dieses Instrument auch virtuos im Comic ein. So entsteht Spannung pur.

Sind die ersten beiden auch grafisch toll gelungen, liegt die Messlatte der dritten Episode im wahrsten Sinne des Wortes noch einige Stufen darüber. Was Zeichner Manny Clark dem Auge hier bietet, ist ein ziemlicher Hammer. (Ich mag mich täuschen, aber der amerikanische Außenminister schaut aus wie Robert Redford mit Glatze und Schnauzbart.) Die Computerkolorierung wird derart ausgereizt, wie es nur selten in einem Comic zu sehen ist.
Hat man die ersten beiden Episoden zügig gelesen, weil einen die Spannung vorangetrieben hat, hält man in Mitternachtssonne häufiger inne, einfach nur, um die Bilder zu genießen.

Ein Thriller-Knaller nach der bekannten TV-Vorlage. Der Comic fängt die Atmosphäre dank eines tollen Artworks und einer spannenden Erzählweise hundertprozentig ein.

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Freitag, 01. Dezember 2006

Sillage 8 – Die menschliche Natur

Filed under: Abenteuer,SciFi — Michael um 21:50

Sillage 8 - Die menschliche NaturMackel-Loos, Nävis’ alter Lehrer ist tot. Die junge Frau ist in Schweigen verfallen. Ihre Freunde wissen sich keinen Rat mehr. Nävis lebt in sich gekehrt, wendet sich ab. Eigentlich gäbe es nur eine Lösung: Man musste Nävis mit Menschen zusammenbringen. Bisher ist sie die einzige ihrer Art im Sillage. Allerdings werden Menschen in einem ganz bestimmten System vermutet. – Der Haken: Dieses System befindet sich in feindlichem Gebiet.
Eine Kontaktaufnahme mit Menschen zu unternehmen und gleichzeitig einen interstellaren Krieg riskieren – dieses Risiko wollen die Oberen des Sillage nicht auf sich nehmen. Doch Nävis hat Freunde, die es wollen.

Der Aufbruch der Reise gestaltet sich heikel. Wewehs Fürsprache ist es zu verdanken, dass die Crew mit dem kleinen Schiff weiterfliegen kann.
Und tatsächlich, sie finden Menschen – aber sie sind so ganz anders, als sie es sich vorgestellt haben.

Nävis beobachtet sie, lange, von Tag zu Tag zögert sie den Zeitpunkt der Kontaktaufnahme heraus. Eines Tages kann sie sich nicht länger entziehen. Eine äußerst bedrohliche Situation erfordert ihr Eingreifen. – Seltsamerweise sieht sich von den anderen Menschen sonst niemand genötigt einem aus der eigenen Gemeinschaft zu helfen. Dies ist nur der Auftakt zu einem merkwürdigen Verhalten, dem Nävis sich allzu bald anschließt.

Weweh und Snivel stehen vor einem Rätsel. Schließlich reagiert Weweh beleidigt. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Mit Die menschliche Natur geht die Reihe Sillage in die achte Folge. Die Science Fiction Serie besticht durch einen hohen Einfallsreichtum, sympathische Hauptfiguren, aber auch durch ein recht pessimistisches und zuweilen trauriges Szenario.

Nävis ist einsam. Zwar hat sie eine recht behütete Kindheit genossen (siehe auch die Spin-Off- Serie Nävis) und befindet sich als Erwachsene in Gesellschaft vieler interessanter und auch liebenswerter Lebewesen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ihr andere Menschen fehlen. Auch Sillage, der riesige Weltraumkonvoi, hat darauf keine Antwort, denn bislang sind ihm noch keine anderen Menschen begegnet. Bisher konnte ein richtiger Niedergang von Nävis’ Stimmung beobachtet werden, der mit dem Tod von Mackel-Loos gipfelte.
Man kann es dem Autoren Jean David Morvan hoch anrechnen, dass dieser rote Faden so lange konsequent durchgehalten wurde.
Es bleibt für den Leser zu hoffen, dass sich Nävis’ Leben auch wieder zum Besseren wendet.

Nävis’ ist eine Art weiblicher Rambo, jedenfalls wird sie so behandelt, wie Rambo einst selbst gesehen werden wollte. Nützlich, gerne benutzt dank vielfältiger Fähigkeiten und doch nie richtig dazu gehörend als Diplomatische Agentin – hier liegt die Betonung eindeutig auf Agentin, weniger auf Diplomatie.
In Die menschliche Natur gerät Nävis’ Kriegsbemalung deutlich in den Hintergrund. Sie wird von Morvan und Zeichner Philippe Buchet viel gelöster dargestellt. Sehr schön anzuschauen sind die Szenen, wie Nävis sich nicht entschließen kann, den Kontakt zu den Menschen aufzunehmen und sie lieber aus der Ferne beobachtet – und ihre Umgangsformen zu studieren.
Manchmal liest man ein Album und es hat den Anschein, dass etwas hakt. Hier stimmt einfach alles. Die Zusammenarbeit zwischen Morvan und Buchet muss sehr gut funktionieren. Außerdem kennen sie das Genre.

Als Nävis den ersten Kontakt aufnimmt, fühlt sich der Fan an die Szene aus Die Zeitmaschine, wenn der Zeitreisende einen der Eloy aus dem Wasser holt, während die anderen nur teilnahmslos einem der ihren beim Ertrinken zuschauen.
Die Menschen, auf die Nävis stößt, führen ein seliges Blumenkinderleben. Entsprechend drastisch ist der Wechsel in der Erzählung, als sich herausstellt, dass die Menschen nicht nur Eloy sondern auch Morlok in einem sind und den unterirdisch lebenden Wesen aus der Zeitmaschine in Sachen Brutalität noch einiges voraus haben.

Die Entwicklung der Handlung und die Qualität der Zeichnungen stimmen auch im achten Band der Sillage-Reihe. Sillage, das ist Science Fiction, die sich bei all seinen Ideen sehr ernst nimmt. Sillage ist Science Fiction, die gegen die Erwartung des Lesers erzählt wird. Spannung mit Tiefgang, exzellent gezeichnet. 😀

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Sin City 7 – Einmal Hölle und zurück

Filed under: Thriller — Michael um 14:42

Sin City 7 - Einmal Hölle und zurückDer Commander geht einer für seine Ausbildung äußerst unüblichen Arbeit nach: er malt. Sein jüngstes Motiv ist schlüpfriger Natur. Nackte Frau unter Laken. Leider ist es seinem Auftraggeber nicht schlüpfrig genug. Der Künstler in ihm verweigert sich. Er könnte es so, wie der Kunde es wünscht, aber sein Starrsinn ist ihm im Weg. Lieber denkt er sich einen anderen Weg aus, um die nächste Miete aufzutreiben.
An diesem Wendepunkt angelangt, kreuzt eine Frau seinen Weg, nur um sich im nächsten Moment von einem Felsen in die Tiefe zu stürzen. Wallace zögert nicht lange. Der ehemalige Soldat einer Elitetruppe, hoch dekoriert, stürzt sich hinterher und rettet die junge Frau. Sein Leben bekommt einen neuen Sinn.
Durch einen dummen Zufall hat er eine Frau kennengelernt, die ein ähnliches Leben wie er führt. Und sie ist jemand, der sich ehrlich für ihn interessiert – und was noch viel wichtiger ist, sie versteht ihn außerdem noch.
Als Esther sehr unsanft wieder aus seinem Leben gerissen wird, sieht Wallace rot.

Ich werde jemanden umbringen. Ziehen Sie ihre Sachen an. Jemand, der im Hintergrund seine Fäden spinnt, möchte Wallace aus dem Weg haben. Doch die Menschen um ihn herum täuschen sich gewaltig in Wallace, den sie dank seiner langen Haare alle für einen späten Hippie halten.
Wallace ist wehrhaft, wie er gegen Gangster und Polizei beweisen muss. Dabei ist nicht völlig allein. Ausgerechnet Freunde aus der Zeit, die er hinter sich lassen wollte, stehen ihm bei. Lange sieht es sehr düster für ihn aus. Dann wendet sich das Blatt und Wallace startet seinen Rachefeldzug und seinen letzten Rettungsversuch, von dem er nicht einmal weiß, ob er noch rechtzeitig kommt.

Frank Millers letzte Geschichte der Sin City-Saga bildet einen opulenten Abschluss einer Thriller-Reihe, die so im Bereich der Comics ihresgleichen sucht. Auf satten 296 Seiten (plus Pin-Ups und Covern) erzählt er eine Geschichte, die zweifellos die intensivste der Reihe ist.

Wer ist Wallace? Wallace ist Soldat gewesen und bemüht sich nun, ein unbescholtenes Leben zu führen. Gleichzeitig hat Wallace Charakter. Er ist nicht bereit, sich zu verbiegen, auch nicht für Geld. Charakterfeste Menschen stolpern irgendwann über ihre Prinzipien. In diesem Fall ist es allerdings nicht sein Verschulden, sondern Kollege Zufall, der ihm in die Quere kommt. Miller lockt seine Helden gerne mit Frauen in die Falle, den falschen oder den richtigen Weg. Seine Frauen sind entweder sündhaft (böse) oder unschuldig. Damit folgt er den Gesetzen des Film Noir. – Miller wäre jedoch nicht Miller, würde er nicht mit diesen Gesetzen spielen und viel weiter gehen, als es besagte Filmgattung je getan hat.
Frauen werden in diesem Band für die Hauptfigur zu einem echten Problem. Miller lässt gleich drei verschiedene Typen auf Wallace los:
Nummer 1 braucht Schutz. Nummer 2 ist die Femme Fatale, die Wallace reinlegen soll. Nummer 3 ist die eiskalte Mörderin mit Hang zum Sadismus.

Wallace bleibt stets etwas rätselhaft. Als Leser weiß man nie, ob er in die Falle tappt, ob er sie erkennt oder ob er ein eigenes Spiel spielt. Wallace hebt die Spannung manchmal unerträglich hoch, weshalb man diesen Thriller erst zum guten Schluss wieder schließen kann.
Ist Wallace ein wichtiges Element in dieser Geschichte, ist der Makrokosmos des Verbrechens in Sin City eine weitere erzählerische Säule der Handlung. Nach und nach enthüllen sich die Hintermänner und deren Hintermänner und deren . . . Und mit jeder Enthüllung wird die Welt von Sin City schwärzer.

Einmal jedoch kommt Farbe ins Spiel. Wallace wird von seinen Feinden auf einen Drogentrip geschickt. Die Welt wird bunt. Puttenengel, Dinosaurier, Rambo, Moses, Captain America, Big Guy und Rusty, Lone Wolf und Cub und andere geben sich hier ein Stelldichein. Verwirrend für Wallace, äußerst spaßig für den Leser.

Wallace ist der für mich bislang sympathischste Charakter der Reihe. Zwar kämpft er gegen andere, aber er kämpft auch gegen sich selbst. Selbst wenn man in Aktion gesehen hat, verhält er sich weiter so, als könne er nicht gewinnen, ist zurückhaltend, beinahe schüchtern.

Mit Wallace hat Frank Miller einen Charakter erschaffen, dem der Leser so richtig die Daumen drücken kann. Die Handlung zieht den Leser hinein und lässt ihn nicht mehr los. – Mit diesem Werk bestätigt Miller vollkommen zu Recht, dass Sin City als Bester Internationaler Comic auf der Frankfurter Buchmesse 2006 ausgezeichnet wurde. 😀

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Mittwoch, 29. November 2006

Marshal Blueberry

Filed under: Abenteuer,Klassiker,Western — Michael um 18:33

Marshal BlueberryAn der mexikanischen Grenze herrscht das Chaos. Immer häufiger werden weiße Siedler von indianischen Banden überfallen und getötet. Die Übergriffe sind brutal und machen vor nichts halt: Männer, Frauen und Kinder. Fort Navajo füllt sich mit Flüchtlingen.
Wieder einmal wird Mike Blueberry ausgeschickt, um mit den Indianern zu verhandeln. Wieder einmal muss Blueberry sich beeilen, denn ihm wurde von seinen Vorgesetzten ein Ultimatum gesetzt. Doch dass es inzwischen Stimmen gibt, die Blueberry wegen seiner guten Kontakte zu den Indianern als Verräter bezeichnen, ist neu.

Die Verhandlungen gestalten sich äußerst zäh, obwohl Blueberry höchstmögliche Geduld an den Tag legt. Er hat Glück. Seine indianischen Freunde zeigen sich verständig.
Was nützt uns die Tapferkeit in einer Welt, die verrückt geworden ist?! So lautet das Fazit des Häuptlings, der gerade noch von Blueberry für die Tapferkeit seines Volkes gerühmt worden ist. Blueberry wähnt sich in einer glücklichen Position. Mit seiner kleinen Truppe macht er sich auf den Rückweg durch die dicht verschneite Landschaft.

Daheim sehen die Zurückgebliebenen die Angelegenheit ganz anders. Argwöhnisch werfen alle immer wieder einen Blick auf die Uhr, aber Blueberry ist noch nicht wie versprochen zurück.
Außerdem haben sie noch ganz andere Probleme. Die Waffen, mit denen die Indianer ausgerüstet wurden, stammen aus Fort Navajo. Leider konnte es dem verdächtigen Mr. Newman nie nachgewiesen werden. All dies stört die Indianer nicht. Für sie ist es eine willkommene Situation, dass die meisten Soldaten zu einer Strafaktion ausgerückt sind. So besteht die Verteidigung des Forts aus einer kleinen Stammbesatzung, alten Männern, Frauen und Kindern – Menschen, die sich verbissen wehren, aber kaum Aussichten auf Erfolg haben.

Unterdessen klärt die Blueberry die Angelegenheit auf seine Weise: durchgreifend, hart und wie immer ein wenig ungestüm, ohne Rücksicht auf sich selbst.

Marshal Blueberry schickt den Zeichner Jean Giraud an die Autorenfront. Wir schreiben das Jahr 1868. Chronologisch angesiedelt sind die Ereignisse zwischen den Blueberry-Alben 10 und 13. Die Zeichnungen hat der Künstler William Vance übernommen.

William Vance kennen Fans von Serien wie Bob Morane, Bruno Brazil oder auch XIII. Nach solchen Thrillern, in denen Vance bewiesen hat, dass er knallharte Geschichten zu zeichnen vermag, hat es ihn mit Blueberry auch in den Wilden Westen verschlagen. Man kaum wohl mit Recht behaupten, dass seine Strichführung er dem Westernhelden, der von Charlier und Giraud erschaffen wurde, einen ganz eigenen Charakter verleiht.
Girauds Zeichenstil in den früheren Jahren war schnell geführt, zuweilen skizzenhaft auf das Papier geworfen.
Im Gegensatz dazu ist Vance’ Zeichenstil eher dokumentarisch, wie der eines Gerichtszeichners, exakt in jedem Strich. Die Figuren wirken härter, besitzen aber einen ähnlichen Realismus wie seinerzeit die Zeichnungen von Giraud. Vance hat sich sehr auf Gesichter konzentriert. Wer die Szenen genau beachtet, wird sehen, dass er Gesichter häufig in den Mittelpunkt der Szene setzt. Die Mimik unterstreicht die Handlung. Bei den Belagerten im Fort lässt sich Verzweiflung ablesen, bei Blueberry ist es Durchsetzungsvermögen und Entschlossenheit.

Aus anderen Geschichten weiß der Leser, dass Vance auch ein Könner von Landschaft und Technik ist. Hier kann dies Talent nicht voll einsetzen, denn es herrscht Winter in Arizona, entsprechend liegt eine dicke Schneedecke über der Landschaft und es schneit zwischendurch immer wieder. Ein Blick auf das spannende Intro und die Bilder, in denen Pferde zu sehen sind, lässt erahnen, zu wieviel mehr Vance noch fähig ist.

Jean Giraud schreibt nun den Plot und hat die Aufgabe seines langjährigen Kollegen Jean-Michel Charlier übernommen. Auffällig ist die Humorlosigkeit der Geschichte. Es fehlt die Belmondo-Schnauze, eine gewisse Schnoddrigkeit, weshalb der Blueberry-Fan einfach nur einen harten Western zu lesen bekommt, ganz im Stile italienischer Spaghetti-Western der besseren Art. Aus Belmondo wurde ein Eastwood. Jeder mag für sich entscheiden, ob er diese Linie bei Blueberry mag.
Spannend wie seine Vorgänger ist es allemal.

Ein Blueberry aus einer neuen Sichtweise, härter als gewohnt. Western pur! 😀

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Sonntag, 26. November 2006

The Walking Dead 3 – Die Zuflucht

Filed under: Horror — Michael um 22:59

TheWalking Dead 3 - Die ZufluchtEin Gefängnis ist die Zuflucht der Flüchtigen unter der Führung von Rick Grimes. Nachdem sie Hershels Bauernhof hinter sich gelassen haben, da sie dort nicht mehr erwünscht waren, haben sie sich alle in ein Wohnmobil gezwängt und die Reise fortgesetzt. Der Anblick des mit einem dreireihigen Zaun umgebenden Großgefängnisses erscheint allen wie der heilige Gral.
Doch vor der Ruhe muss immer noch Ordnung geschaffen werden, damit die Gruppe einziehen kann. Das Aufräumen gestaltet sich schmutzig, wie immer, wenn es Zombies zu beseitigen gilt – eine Bezeichnung, an die sich alle Beteiligten bislang noch nicht richtig gewöhnt haben.

Aber in der Praxis haben sich alle bereits an die Situation gewohnt. Diese Gewöhnung will sich natürlich niemand eingestehen. Wer würde sich als zivilisierter Mensch gerne eingestehen, dass ihm der Tod von Menschen kaum noch nahe geht. Vielleicht gar nicht? So mancher der Gruppe trägt inzwischen eine grundtiefe Resignation mit sich herum. In Einzelgesprächen wird diese Resignation schon einmal eingestanden, in der Gruppe so gut wie nie. Alles schwankt zwischen den Extremen: himmelhohe Hoffnung, abgründige Verzweiflung.

Schnell stellen Rick und seine Freunde fest, dass sie im Gefängnis nicht alleine sind. Von den Untoten einmal abgesehen haben auch vier Häftlinge überlebt. Diese Häftlinge stellen ein weiteres Risiko dar, denn niemand vermag einzuschätzen, ob ihre Auskunft über ihre Straftaten der Wahrheit entspricht. – Wie sehr diese Annahme stimmt, zeigt sich bald auf grauenhafte Weise.

The Walking Dead überzeugt auf ganzer Linie mit seiner dritten Folge Die Zuflucht. Die Charaktere haben eine erstaunliche Tiefe gewonnen, was auch an den Schicksalsschlägen liegen mag, mit denen Autor Robert Kirkman sie ein ums andere Mal malträtiert – und den Leser gleich mit.

Die Welt, in der sich The Walking Dead präsentiert, ist außerordentlich realistisch geschildert. Der Niedergang der Zivilisation könnte drastischer nicht sein. Unabhängig davon, ob nun Zombies ein Rolle dabei spielen oder nicht, gibt es nichts mehr, was das Leben einfacher machen würde. Das Leben ist lediglich noch ein Resteverzehr. Die Überlebenden kommen einfach nicht genug zur Ruhe, um sich etwas Neues aufzubauen.
Kirkman stellt als willkommenen Ruhepol ein Gefängnis in Aussicht. Ehemals unbescholtene Bürger ziehen sich in den einstigen Verwahrraum für Schwerverbrecher zurück. Ricks Verantwortung, die stetig zu einer übermenschlichen Belastung wird, droht den ehemaligen Polizisten herunterzuziehen und macht ihn zu einem völlig anderen Menschen. Er taumelt zwischen Resten von Mitleid, Zorn, der pur und gewalttätig ausbricht, sich hinter Rache versteckt, und dem zwanghaften Glauben, die Gruppe führen zu müssen, da augenscheinlich sonst niemand dazu in der Lage ist. Zusätzlich wird seine Autorität angezweifelt – von seiner Frau, was ihn außerdem fertig macht.

Einzelschicksale werden dem Leser drastisch vor Augen geführt. Doppelselbstmord, Väter verlieren ihre Töchter, Gnadenakte an Untoten, aber auch blutige, rauschhafte Rache an Untoten. Mitten drin noch ein klein wenig kindliche Unschuld, so gut es eben geht von den Erwachsenen beschützt.
Kirkman schickt den Leser auf eine wirklich tragische Achterbahnfahrt. Zombies sind natürlich ein Bestandteil dieser Welt, aber sie sind wie in so mancher Genre-Geschichte überhaupt handlungsbestimmend.

Neben einem vorzüglichen Cover von Tony Moore gestaltet Zeichner Charlie Adlard mit höchstmöglicher Intensität. Schockeffekte aus den vorhergehenden Episoden finden hier eher beiläufig statt. Für die Charaktere ist die Bedrohung alltäglich geworden, so auch für den Leser.
Geschockt wird der Leser trotzdem, weniger durch die Untoten, mehr durch menschliche Untaten, die Adlard äußerst drastisch in Szene setzt.
Der Aufbau, die Abfolge der Bilder ist filmisch und wirkt wie nach einem Storyboard gearbeitet. Entsprechend wird auch die Technik eingesetzt, den Schock auf der nächsten Seite folgen zu lassen. Wer dadurch noch nicht von Intensität der Geschichte überzeugt wird, sollte spätestens bei der Ansicht der versteinerten Gesichter der Protagonisten in den Sog der Handlung geraten.

Der bislang intensivste Abschnitt von The Walking Dead. Spannend, aufwühlend, schockierend, ein Genre-Film im Comic-Format. Top! 😀

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Samstag, 25. November 2006

Smoke 2

Filed under: SciFi,Thriller — Michael um 18:59

Smoke 2Cain hat sich von seinen einstigen Auftraggebern losgesagt. Er wartet auf einer Bank am Bahnhof. Eine Fliege summt. Er verscheucht sie. Wenig später fährt ein Zug in den Bahnhof und entlässt seine Fahrgäste auf den Bahnsteig.
Während der folgenden Schießerei sind glücklicherweise keine anderen Passanten mehr anwesend. Cain kündigt. Das ist keine echte Überraschung für seine Auftraggeber, die das Killerkommando losschickten.

Unterdessen versinkt ganz England in einer Krise. Der Vorsitzende der OPEC befindet sich immer noch in Geiselhaft bei Recht-auf-Schönheit-Fraktion. Die übergewichtigen Geiselnehmer, die zahlreiche Schönheitsmaßnahmen im Austausch fordern, sind sich nicht so recht einig. Man streitet über das Abendessen und ob das Dienstmädchen als Warnung erschossen werden soll.
Der Ölpreis steigt in England munter weiter.
Cain kann sich mit der Hochpolitik nicht aufhalten. Immer noch ist er auf der Suche nach den Mördern seines ehemaligen Mentors.

Cineasten werden beim Auftakt der vorliegenden Episode deutliche Parallelen ziehen. Eine Fliege nähert sich einem dösenden Pistolero, der sie mit dem Lauf seiner Waffe einfängt. In der zweiten Folge von Smoke sind die Vorzeichen umgekehrt. Der geheimnisvolle Fremde kommt nicht mit dem Zug an wie in Spiel mir das Lied vom Tod, sondern er erwartet das Killer-Kommando mit stoischer Ruhe. Die Auseinandersetzung ist heftig und zeugt von Cains Präzision und Professionalität in seinem Beruf – sofern Beruf die richtige Bezeichnung für seine Tätigkeit ist.

Autorin Alex de Campi zeichnet auch im zweiten Teil von Smoke eine bitterböse, eine menschenverachtende Welt. Im Vergleich zur ersten Episode bietet diese Folge noch mehr Zynismus. Endlich haben es die Dicken absolut Leid. – Es sind keine Gerichtsurteile mehr vonnöten, niemand verklagt mehr die Produzenten von Schokoriegeln und koffeinhaltigen Brausegetränken, weil der Zucker sie dick werden ließ. – Diesmal läuft es anders: Die Dicken haben sich bewaffnet und setzen ihre Forderungen mittels Gewalt durch. Dieses Handeln scheint ein logische Konsequenz zu sein, wenn nicht in unserer, so wenigstens in der erzählten verrückten Welt.
Alex de Campi nimmt leider die Geiselnehmer nicht ernst. Ihr IQ scheint im Quadrat zu ihrer Gewichtszunahme abgenommen zu haben. Hätten sie ein endlich durchdachtes und kaltblütiges Verhalten wie ihre tätowierte Anführerin an den Tag gelegt, wäre die ganze geschilderte Aktion stimmiger gewesen.

Aber das ist der einzige Ausrutscher, den Alex de Campi sich geleistet hat. Ansonsten ist diese Zukunft absolut konsequent fortgeführt. Konzerne, Industrie und Hintermänner beherrschen die Welt. Regierungen sind hilflos, korrupt, das Königshaus ist komplett Gaga. Es kommt nur durch, wer sich der Gewalt anpasst. Natürlich sind auch die Mächtigen nicht völlig außer Gefahr. Noch gibt es die Leisen Männer, die selbst den Mächtigen das Fürchten lehren. Eigentlich befindet sich die ganze Welt in einem unsichtbaren Kriegszustand, der jenem des Kalten Krieges nicht unähnlich ist. Da, wo sich noch keine Symptome zeigen, brodelt er unter der Oberfläche.

Ein Außenseiter, bereits optisch als Albino gezeichnet, bricht aus dem System aus. Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet ein weißes, also optisch reines menschliches Wesen, sich anschickt, seine im System erlernte Schläue einzusetzen, um selbiges aus der Reserve zu locken.
Cain bleibt irgendwie gesichtslos, ebenso wie seine zeitweilige Gegenspielerin, die Tätowierte. Zeichner Igor Kordey greift diesen Aspekt auf und setzt sie vorbildlich um. Nur wer, Cain zu nahe kommt, kann sein Gesicht richtig sehen.
Kordey hat den richtigen Strich, um all die Gemeinheit dieser Geschichte mit schnellem, beinahe reporterhaften Strich auf das Papier zu bannen. Die Geiselnehmer hat er mit besonderer Finesse gezeichnet. Einer der Geiselnehmer, ein offensichtlicher Elvis-Fan, stirbt sozusagen in Großaufnahme – und merkt es zunächst nicht einmal. Das ist nichts für zarte Gemüter.
Der wirklich Gesichtslose ist bereits als Gegner auf dem Weg, genial von Kordey umgesetzt. Bildkompositionen, die neugierig auf die Fortsetzung machen.

Smoke ist ein knallharter Thriller geworden. Spannend, auch brutal, eine zynische Zukunftsgeschichte, wie sie zuletzt in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts geschrieben wurden. – Mit einer Spur Comedy, wie sie in unserem Jahrzehnt so populär wurde. 😀

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