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Comic Blog


Mittwoch, 22. November 2006

Canari – Die goldenen Tränen

Filed under: Abenteuer,Mystery — Michael um 17:39

Canari 1 - Die goldenen TränenDas Schiff mit den karibischen Gästen nähert sich langsam der mexikanischen Küste. Canari will sich mit ihren Geschwistern aufmachen, um heiliges Wasser zu holen. Gerade dieses Wasser lässt sich gut bei den Gästen verkaufen. Der Ausflug in den Dschungel wird durch das Gequengel und die Unberechenbarkeit der kleinen Geschwister erschwert. Canari, als ältester Tochter, wird die Verantwortung bald zu groß. Kya, die Schwester, und Xuma, der zweitjüngste Sohn, finden sich nach einem Bad im heiligen Wasser schnell wieder, aber der jüngste, Xaotil, bleibt verschwunden.

Voller Sorge machen sich die Drei auf die Suche nach dem Bruder, allen voran Canari, die genau weiß, welche Verantwortung auf ihr lastet. Und sie weiß, dass sie das in sie gesetzte Vertrauen ihrer Eltern enttäuscht hat. Die Panik treibt die Kinder dazu an, sich in noch verbotenere Gefilde zu wagen.
In der Folge eignet sich Xuma einen Armreif an, der eigentlich als Opfergabe für die Götter gedacht war. Das Abenteuer nimmt seinen Lauf.

Andernorts. Wayne ist ein begeisterter Surfer. Warum er ausgerechnet in diesen kleinen verschlafenen mexikanischen Ort wollte, ist seinen Begleitern ein absolutes Rätsel. Er kann es weder ihnen noch sich selbst so recht erklären, was ihn hierher führte. Eines Tages erhielt er eine Postkarte aus dieser Gegend. Es fehlt der Absender, aber er ist neugierig geworden und seither besucht er diesen Ort, sooft er kann. Fakt ist, dass er sich hier wohl fühlt.
Wayne wartet auf den Tsunami, auf die Riesenwelle, die er eines Tages reiten will.

Canari kann nicht warten. Die Suche nach ihrem Bruder wird zum Abenteuer ihres Lebens. Plötzlich erwarten sie fremde Krieger, Dimensionstore und untote Monster, die den Geschwistern hinterher jagen. Gnome, Panther und Götter kreuzen ihren Weg, doch die Kinder geben nicht auf.

Canari – Die goldenen Tränen überrascht den Leser mit grandiosem Artwork und einer Geschichte, die Abenteuer pur ist! Selten hat eine Serie wohl einen so tollen Start hingelegt.

Mittel- und Südamerika bieten für phantastische Geschichten dank einer hohen historischen und mythologischen Dichte einen hervorragenden Nährboden für gute Szenarien. Ein solches haben Autor Didier Crisse und Zeichner Carlos Meglia kreiert.
Crisse ist zum Beispiel mit der Serie Atalante mythologisch vorbelastet und konnte dort bereits zeigen, wie er mit hohem Einfallsreichtum an eine solche Aufgabenstellung herangeht. Canari ist ein junges Mädchen eines archaischen Volkes. Die Götter sind allgegenwärtig, die Natur ist berauschend und bunt, aber auch feindselig. Es kreucht und fleucht an allen Ecken, Vögel fliegen bei Störung auf, Panther sind auf der Jagd, kleine rote Kobolde machen den Menschen das Leben schwer. (Oder verwirren sie wenigstens.) Die Atmosphäre und die Umgebung sind absolut stimmig. Die sorgfältige Gestaltung betrifft auch die Charaktere. Jeder einzelne ist rundum nachvollziehbar und fügt sich hervorragend in das Szenario ein.
Kleine Details, Malereien, Schminke, Schmuck und vieles mehr komplettiert jede Figur höchst individuell.

Canari startet recht harmlos, geheimnisvoll. Der Stil erinnert an alte Zeiten, in denen abendfüllende Disney-Filme noch etwas Besonderes waren. Canari ist im besten Sinne auf dem gleichen Niveau wie Das Dschungelbuch oder Taran und der Zauberkessel.
Wie Canari, Xuma und Kya habe ich als Leser die Handlung mit großen Augen verfolgt. Der Dschungel, der Dimensionssprung der Kinder ist gleichfalls ein Dimensionssprung für den Leser, denn er wird mit all der Fülle der Einzelheiten von der Geschichte festgehalten, bis sie zu Ende ist.

Das wirklich Besondere des vorliegenden ersten Teils von Canari ist die zeichnerische Ausführung, denn die nimmt sehr starke Anleihen am Zeichentrickfilm. Schwarze Outlines gibt es nicht. Wie eben im Vergleich zu Disney angesprochen, erinnert auch die Ausgestaltung optisch an diese Klassiker – handwerklich ist die Ausführung top. Carlos Meglia arbeitet mit allen Finessen: fein ausgearbeitete Hintergründe, beinahe gemäldeartig, vordergründig finden sich eher wenig schattierte Figuren. Farbige Outlines erhöhen den Zeichentrickcharakter, hier und dort verwendete Unschärfen erhöhen den Effekt von Kameraeinstellungen. Meglia verwendet auch die Möglichkeit, den Leser im Rücken der agierenden Figuren zu postieren, als vierte Person, wenn man es so nennen will.
Da Meglia intensiv mit Perspektiven arbeitet, die Kamera auch mal schräg hält, sind die Wirkungen der einzelnen Seiten sehr dynamisch. Die jeweilige Aufteilung ist stets anders und hält neue Überraschungen bereit.
Canari ist ein aufwendig gestaltetes, optisches Meisterwerk.

Toller Auftakt, eine phantastische Geschichte mit sympathischen Charakteren und spannender Handlung. Die Bilder sind ein Hammer! 😀

Canari 1 – Die goldenen Tränen: Bei Amazon bestellen

Montag, 20. November 2006

Blueberry Chroniken 3 – Der verlorene Reiter

Filed under: Abenteuer,Klassiker,Western — Michael um 13:52

Blueberry Chroniken 3 - Der verlorene ReiterDas Halbblut: Die Auseinandersetzung zwischen den Apachen und den weißen Kolonisten in Texas droht in einen neuen offenen Konflikt auszuarten. Ein Reiter ist in dringender Mission unterwegs. Seine Nachricht kann einen weiteren Krieg verhindern. Doch nicht alle sind an der Verhinderung eines bewaffneten Konflikts interessiert. Während man in Camp Bowie die Rückkehr des Reiters erwartet, haben sich bereits Apachen an dessen Fersen geheftet, um die Nachricht in die Hände zu bekommen.

Die Mission würde auch kläglich scheitern, gäbe es da nicht einen Heißsporn namens Blueberry, seines Zeichens inzwischen Leutnant. Er erklärt sich bereit, Leutnant Craig zu retten, obwohl die Hoffnung nicht mehr sehr groß ist. Blueberrys Vorhaben wird zusätzlich durch ein Ultimatum erschwert. Ist er nicht rechtzeitig mit der Antwort zurück, die Craig überbringen sollte, setzt sich die Armee in Bewegung.

Die Spur der Navajos: Das zweite Abenteuer führt Blueberry und seinen neuen Freund, den alten Vagabunden Jim Mac Clure, geradewegs in die Höhle des Löwen. Der Präsident hat sich zu Verhandlungen mit den Apachen unter der Führung unter Cochise bereit erklärt. Blueberry will diese Nachricht an den Häuptling überbringen, der sich mit seinem Volk auf mexikanischen Boden zurückgezogen hat. Crowe, Blueberrys Blustbruder, führt die beiden Freunde immer tiefer auf mexikanisches Territorium.
Nach einiger Zeit reitet Crowe voraus. Er überzeugt Cochise davon, mit Gebrochener Nase zu sprechen. Der Häuptlingsstab von Cochise soll Blueberry freies Geleit gewähren. Leider sind nicht alle Indianer von diesen Gesprächen begeistert und wollen lieber mit den von den Mexikanern zugesagten Waffen in den Krieg ziehen. Einsamer Adler und seine Getreuen, die Blueberry unlängst Schwierigkeiten machten, wollen Crowe mit allen Mitteln aufhalten.

Der Sheriff: Ein kleiner Ort namens Silver Creek. Hier Sheriff zu sein, bedeutet, in sein eigenes Todesurteil eingewilligt zu haben. Die Gebrüder Bass haben Silver Creek fest in der Hand und beherrschen es mit der nötigen Gewalt. Der Stadtrat fasst einen Plan. Ein neuer Sheriff muss her. Wenn sich schon keiner aus dem Ort bereit erklärt, muss die Armee einen Sheriff stellen.
Jim Mac Clure, der gerade in Silver Creek weilt und bereits eigene Erfahrungen mit den Revolverhelden gemacht hat, die dort ihr Unwesen treiben, kennt den richtigen Mann für diesen Job: Blueberry.
Auch Blueberry hat nichts dagegen, diese Arbeit zu übernehmen. Aber er hat auch eine Bedingung. Jim, der ihm diese Arbeit aufgehalst hat, soll ihn als Hilfssheriff begleiten. Bald finden sich die beiden in Silver Creek wieder und der Ärger geht erst so richtig los.

Die dritte Folge der Blueberry Chroniken erzählt von einigen Geschehnissen, die sich während Blueberrys Dienstzeit als Leutnant zutragen. Der Bürgerkrieg ist vorüber, aber der Friede ist nicht stabil, denn die Konflikte mit den Indianern schwelen ständig.
Wer nach den Episoden Das Halbblut, Die Spur der Navajos und Der Sheriff noch daran zweifelt, dass Jean-Paul Belmondo die bildliche Vorlage für Gebrochene Nase Blueberry war, dem kann nicht mehr geholfen werden. Wer diverse Filme von Belmondo gesehen hat, kann eigentlich auch nicht daran zweifeln, dass der Abenteurer, den Belmondo häufig verkörpert hat, auch ein charakterliches Vorbild für Blueberry war.

Die ersten beiden Episoden sind ganz tolle Wild-West-Geschichten, die sich des Themas Indianer-Konflikt annehmen. Autor Jean-Michel Charlier kennt sich nicht nur in der Geschichte des Wilden Westens aus, sondern er hat auch in filmischen Western eifrig seine Hausaufgaben gemacht. Die Figur des Jim Mac Clure erinnert an die Fuzzys, die kauzigen Alten, die dem Genre-Fan in Western immer wieder begegneten. Besonders deutlich wird das in der abschließenden Episode Der Sheriff.
Hier finden sich starke Parallelen zum Klassiker Rio Bravo. Wie John Wayne muss auch Blueberry sich gegen eine Übermacht an Revolverhelden durchsetzen. Es fehlen auch nicht das Revolverwunderkind, damals gespielt von Ricky Nelson, und der Säufer und der Alte. Die letzteren beiden werden von Jim MacClure in Personalunion dargestellt, lassen aber den tragischen Aspekt der filmischen Vorlage vermissen.
Es sei Jean-Michel Charlier aus heutiger Sicht verziehen, denn er wusste damals auch, wie man aus all diesen Zutaten etwas eigenständiges, teilweise etwas Neues und ganz wichtig, etwas Gutes macht.

Charlier ist ein toller Erzähler. Das Halbblut und Die Spur der Navajos ist ein spannender Zweiteiler, in denen Charlier so richtig zeigt, was er kann. Blueberry wird während der gesamten Dauer der Geschichte gejagt, muss sich verstecken, kämpfen und die eine oder andere bittere Pille zu schlucken. Blueberry hat den Vorteil, nicht nur als Charakter, sondern auch als Geschichte, sehr menschlich bleibt. Hinzu kommt, dass auch Nebenfiguren mit genügend Details ausgestattet werden, um jederzeit nachvollziehbar zu sein.

Es ist schwierig noch etwas über Zeichner Jean Giraud, was noch nie gesagt wurde. Viele mögen Giraud seinen späteren Minimalismus nicht verziehen haben oder ihn gerade dort auf der Höhe seines Schaffens sehen.
Unabhängig davon lässt sich nur sagen, dass Giraud auch mit diesen drei enthaltenen Geschichten zeitlos gute Comics gezeichnet hat. Inzwischen lässt sich sogar behaupten, dass Girauds Zeichenstil von einst wieder topmodern ist.
Schön ist der Vergleich der einzelnen Geschichten anzuschauen. Es mag ein subjektiver Eindruck sein, aber ich meine eine deutliche Verbesserung des Tuschestrichs von der ersten bis zur letzten Geschichte festgestellt zu haben.
In Das Halbblut findet sich eine eher dickere Strichführung. In Der Sheriff finden sich sehr viele feinere Linienführungen.

Was die ersten beiden Episoden vermissen lassen, weil sie sehr ernsthaft angelegt sind, findet sich in Der Sheriff vermehrt: Humor. Besonders nett ist der kleine Abschnitt des Westpoint-Absolventen, der zuerst anstelle von Blueberry nach Silver Creek geschickt werden soll. Humor, der ohne Worte funktioniert, ist ohnehin der beste.

Informationen rund um den Wilden Westen, die Apachenkriege und Gesetzlose runden diese vorzügliche Ausgabe ab. Für Western- und Comic-Fans ein absolutes Muss und Highlight. 😀

Samstag, 18. November 2006

Tomb Raider Journeys 7

Filed under: Abenteuer,Mystery — Michael um 15:34

Tomb Raider Journeys 7Der Wilde Westen lebt, wenigstens im australischen Outback, wo sich die Bevölkerung in der Weite des Kontinents verliert.
Eine einsame Revolverheldin geht langsam über die Hauptstraße des verschlafenen Ortes. Keine Menschenseele lässt sich blicken. Welchen Weg nimmt ein einsamer Reisender, wenn er nach langer Reise in eine Stadt kommt? Natürlich geradewegs in den Saloon.
Es ist ein Ort ohne Namen. Die Revolverheldin hört auf den Namen Lara Croft und sie hat sich diesen Ort ausgesucht, um hier auf jemanden zu warten. Der Saloon ist ebenso verwaist wie der Ort, trotzdem freut sich der Barkeeper nicht über die neue Kundschaft.

Waffen, Prügeleien und Erbrochenes ist in meiner Bar verboten. Lara machte sich noch nie besonders schnell Freunde und brachte sich stets in gefährliche Situationen. Doch hier ist nur eine Frage der Auslöser und schon fliegen die blauen Bohnen. Die Übermacht, der sich Lara gegenüber sieht, bloß weil sie nach einem Mann fragte, der ihr helfen könnte, den Ameo-Stam zu finden, ist erdrückend. Der Barkeeper hebt seine Regel wieder auf – weil ihm schlicht die Mittel fehlen, sie durchzusetzen, da er bereits im Kugelhagel sitzt.
Aber Lara hat einmal ein Versprechen gegeben: Sie wird keinen Menschen töten.

Lara Croft wäre nicht so weit gekommen, würde sie an mangelndem Einfallsreichtum leiden. Alsbald wimmelt der Ort vor Menschen, die sich mit jedem beschäftigen, nur nicht mit ihr.

Tomb Raider Journeys 7 entführt den Leser Down Under.
Autorin Fiona Kai Avery wird Fans der Witchblade bereits aus der vorzüglichen Mini-Serie Obakemono bekannt sein. Bewegte sie sich in der Witchblade-Variante in Japans altertümlicher und mythischer Geschichte, beschreitet sie mit dem vorliegenden modernen Western neue Pfade. (Mehr über ihre Arbeit unter www.finaavery.com.)
Hier hat Avery ihre Hausaufgaben gemacht. Ähnlich wie Gary Cooper in High Noon muss sie alleine mit ihren Gegnern fertig werden – allerdings sieht sie dabei nicht so verbittert aus. Wie immer ist alles für Lara nur ein Spiel. Heiter, gelassen, mit dem nötigen Biss geht sie die Lösung ihrer Probleme an, was noch dadurch erschwert wird, dass sie als einzige Frau gegen einen Haufen Männer anstehen muss.

Die Geschichte selbst ist unter der Oberfläche geheimnisvoll und erst zum Schluss eröffnet es sich dem Leser genauer, was Laras Beweggründe sind. Die Reise geht weiter – wie kann es anders sein, denn Lara ist eine Getriebene, besitzt keinerlei Sitzfleisch. Avery hat sich gut in das Tomb Raider-Universum eingearbeitet.

Zeichner Manny Clark hat sich dieser Tomb Raider-Geschichte angenommen. Sein Zeichenstil weicht etwas von den Standard-Bildern ab, ist exkater, beinahe etwas technisch. (Reine Tuschebilder von ihm können auch gekauft werden.) Seine Arbeiten finden sich in Tomb Raider, The Ray oder Vision. Für Clarks Zeichenstil scheint die an Action reiche Handlung gerade recht zu sein.
Wie Lara sich durch die einzelnen Szenen kämpft ist wieder einmal sehenswert. Da wird gesprungen, sich überschlagen, geschossen, für einen Zeichner findet sich in so mancher Haltung eine kleine Herausforderung. Ganz zweifellos ist Clark niemand, der sich lange mit Großeinstellungen von Gesichtern abgibt.

Tyson Wengler könnte mit seinen Farben noch ein wenig mehr aus den Bildern herausholen können. Genügend Beispiele im Tomb Raider-Universum gibt es dazu.
Unter dem Strich bleibt eine solide Action, aber auch eine Episode, die Teil einer größeren Geschichte ist. Dieser Teil ist viel versprechend gut. 🙂

Donnerstag, 16. November 2006

Fathom – Neue Serie 8

Filed under: Abenteuer,SciFi — Michael um 19:08

Fathom - Neue Serie 8Die Menschen sind weiterhin in der Offensive. Wie so oft rollt die Maschinerie professionell und mit tödlicher Präzision. Die militärischen Führer folgen dem Schauspiel in sicherer Position aus ihrer Kommandozentrale heraus. Die Angreifer sind bestens gerüstet und haben bereits Erfahrung im Angriff auf die unterseeisch lebenden Völker. Doch dieser Angriff ist neu. Er erfolgt nicht aus dem sicheren Inneren eines U-Bootes heraus. Diesmal sind Kampftaucher auf der Jagd.

Auf der Jagd, oder besser auf der Suche, sind auch andere. Aspen Matthews hat ihren geliebten Ozean weit hinter sich gelassen und befindet sich nun an einem Ort, der ganz und gar nicht ihrer Natur entspricht: der Wüste.
Unter Begleitung eines Freundes hat sie sich auf die lange Reise gemacht, um ihren Vater zu finden. Sie kann sich nicht erklären, warum der einstige Seebär, der das Meer ebenso liebte wie sie, sich in diese Einöde zurückgezogen haben soll.

In Muria, der unterseeischen Siedlung, ereifert sich das Volk immer noch über den Angriff der Menschen. Saba wurde zerstört, eine Reaktion soll ausbleiben. Der junge Krieger Siphon mag nicht untätig bleiben. Seine Rede ist flammend, verurteilt die Unentschlossenheit des Rates – vollkommen zu recht, wie sich bald herausstellen wird.

Fathom geht mit der 8. Folge aus der Neuen Serie in eine weitere spannende Runde. Der Mix aus Abenteuer und Unterwasser-Krieg funktioniert hält für SciFi-Fans eine Reihe von Überraschungen bereit – dank des Autoren-Teams J.T. Krul und Michael Turner

In dieser Ausgabe ist besonders die Arbeit von Paul Mounts hervorzuheben. Er ist für die hervorragende Kolorierung verantwortlich. Einige Bilder sind echte Highlights. Seien es die Szenen in Muria oder auch die Kommandozentrale (hier besonders die Großaufnahmen), die Farben vermitteln eine enorme Atmosphäre. Das Wasser, der wohl wichtigste Aspekt in Fathom, lässt bei genauem Hinsehen erahnen, wie viel Arbeit in diesen Bildern steckt.

Sicherlich ginge es nicht ohne die tollen Vorlagen von Zeichner Koi Turnbull. Durch die Portraitzeichnungen von Maylander und Aspen erfährt der Leser sehr viel über die Charaktere, ohne dass auch nur ein einziges Wort Dialog oder Off-Text hinzugefügt werden muss. Gefurchte Stirn, hochmütiger Gesichtsausdruck, angespannt, konzentriert, die Augen zusammengekniffen, Stachelfrisur, hagere Wangen und eine faltige Oberlippe. Einerseits wird Maylander als knallharter Offizier gezeigt, andererseits steht dem die doch sehr nervöse Handhaltung entgegen. Ein richtig tolles Bild! Bei Siphon und Aspen schaffte es das Team, dass ähnliche Stimmungen eingefangen wurden. In ersterem Fall sei besonders auf die schöne Collage während Siphons Ansprache verwiesen. Es kommt sogar ein wenig Zeichentrick-Atmosphäre auf.
Besser kann das Medium Comic kaum die Brücke zum Medium Film schlagen und zeigen, wie artverwandt sie sind.

Wer den Unterwasserkampf betrachtet, wird vielleicht (sofern er den Film kennt) Parallelen zum Film Feuerball ziehen, der gerade wegen der Unterwasserkampfszenen damals für Furore sorgte.
Das Szenario hier ist natürlich ungleich phantastischer. Kianis Verteidigung gegen die menschlichen Angreifer zeigt, wie detailverliebt Paul Mounts zu arbeiten versteht. Kaltes Blau, Meeresgrün und grelles Gelb, die Kombination dieser Farben lassen auch eine sehr schöne bildliche Tiefe entstehen.

J.T. Krul und Michael Turner wären nicht jene versierten Erzähler, würden sie nicht perfekt mit Spannungsbögen arbeiten. Auch wissen sie, wann sie die Schraube anziehen müssen, um ihre Leser so richtig auf die Folter zu spannen. – Also auch hier wieder eine Parallele zu guten alten Film, im wahrsten Sinne des Wortes, als die Kutsche auf den Abgrund zuraste und in die Tiefe fiel: Und die Folge endete.
Auch die beiden Autoren arbeiten hier gerissen mit Cliffhangern, die mit dieser Folge wohl einen Spannungshöhepunkt erreichen. 😀

Mittwoch, 15. November 2006

Cannon Hawke 2

Filed under: Abenteuer,Mystery,SciFi — Michael um 18:37

Cannon Hawke 2Stark verdichtetes Wasser – Grundlage für schier grenzenlose Energie. Wie immer kann eine neue Energiequelle zum Guten oder auch zum Schlechten angewendet werden. Shalla ist ein Geschäftsmagnat, dem der Verwendungszweck relativ gleichgültig ist, wichtig ist einzig, dass es seinen Zwecken dient.
Der Geschäftsmann, der bereits häufig wegen unlauterer Praktiken aufgefallen ist, aber seinen Kopf immer aus der Schlinge heraushalten konnte, hat in Japan seine Heimat entdeckt. Dank seiner Entdeckung, oder besser Mitbringsels, ist man von behördlicher Seite her gerne bereit, über solch nichtige Kleinigkeiten wie windiges Geschäftsgebaren hinwegzusehen. Such’ dir die richtigen Freunde. – Shalla hat sie gefunden und nutzt seine neue Machtposition natürlich weidlich aus.

Stark verdichtetes Wasser – das bedeutet die Benutzung einer fremden Technologie. Das Volk, dem diese Technologie gehört, sah sich bereits menschlicher Angriffe ausgesetzt, hat jedoch auch seinerseits mehrere Male zugeschlagen und Chaos unter den Menschen verbreitet. Dieses Volk ist nicht mehr bereit, die Menschen gewähren zu lassen. Hitzige Diskussionen klären sehr schnell die Fronten und die Wünsche derer, die einen Schlag gegen die Menschen führen wollen.

Während all diese Ereignisse ein immer dichter werdendes Netz um Cannon Hawke herum weben, sieht sich dieser mit seinem eigenen Unterbewusstsein konfrontiert. Die fremde Intelligenz, die ihm vor geraumer Zeit implantiert wurde, gewinnt von Tag zu Tag mehr die Oberhand. Halluzinationen quälen den Mann, der ansonsten stets Herr der Lage zu sein scheint und selbst in den verzwicktesten Situationen nicht aufgibt.

Mit dem zweiten Band von Cannon Hawke nimmt die Geschichte deutlich Fahrt auf. Die Charaktere sind eingeführt, Cannons Ringen mit sich selbst kann selbst von Neueinsteigern in das Fathom-Universum nachvollzogen werden. Im Stile moderner Action-Filme entspinnt sich eine phantastische Geschichte (an der sich Hollywood durchaus eine Scheibe abschneiden darf).
Autor J.T. Krul setzt die gespaltene Persönlichkeit recht gut als erzählendes Element in der Handlung ein. Eine zweite Persönlichkeit, die Hawke sozusagen den Platz im eigenen Körper streitig machen will, lässt viele Möglichkeiten offen. So natürlich auch die Möglichkeit ausgerechnet dann zum Ausbruch zu kommen, wenn Hawke es am allerwenigsten gebrauchen kann. Ansätze dazu gab es bereits, und ich muss zugeben, dass man als Leser durch diesen Aspekt nicht vorhersagen kann, welche Wendung die Geschichte nehmen könnte. Besser geht es nicht!

Cannons Gegner rückt mehr und mehr aus der geheimnisvollen Ecke ins Licht der Handlung. Die Darstellung des Bösewichts gefällt mir ausnehmend gut, da er von J.T. Krul sehr ausgefeilt angelegt wurde und eindeutig Tiefe besitzt – die manchmal bei Fieslingen und Gegnern etwas vernachlässigt wird.

Zeichner Marcus To verwirrt mich etwas. Langsam darf sich der Leser fragen, wen er besser findet: den Meister Michael Turner selbst oder Marcus To. Sicherlich ist Michael Turner viel detailverliebter, aber Marcus To ist ähnlich exakt und lässt dem Betrachter mehr Raum. Bei Michael Turner kann es schon einmal passieren, dass Details und Action in ihrer Wirkung einander aufheben. Marcus To findet ein gesundes Mittelmaß.
Seine Zeichnungen lassen eine schöne filmische Atmosphäre entstehen. Dies zeigt sich besonders in der abschließenden Actionszene, in der Cannon erneut seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann.
Die Farben, besonders deutlich bei Licht- und Wassereffekten, werden von Rob Ro und Beth Sotelo fein eingesetzt. Dank der beiden wird der zweite Band von Cannon Hawke zu einem optischen Leckerbissen.

SciFi-Fans kann man den nachträglichen Einstieg in dieses SpinOff von Fathom mehr als nur empfehlen. Und wer mehr auf Action im Stile von Bond Wert legt, sollte erst recht einen Blick riskieren. 😀

Dienstag, 14. November 2006

Shaun Of The Dead

Filed under: Horror — Michael um 20:00

Shaun Of The DeadSeien wir ehrlich: Die Welt hält Engländer bestimmt für ein sehr langweiliges Volk. Wer Shaun kennen lernt, der täglich wie alle anderen roboten geht, wird das nur bestätigen können.
Seine Initiative ist nicht die größte. Als Verkäufer muss er sich 17jährigen Aushilfsverkäufern herumschlagen. Selbst erst 29 Jahre alt, scheinen Shaun bereits sämtliche Klischees eingeholt zu haben. Er liebt es, bequem im Pub zu sitzen und hat es nach Jahren immer noch nicht geschafft, mit seiner Freundin einmal richtig alleine zu sein. Seinen Freund Ed, einen notorischen Schnorrer und Tunichtgut, schmeißt er nicht hinaus, weil sein Herz zu weich dafür ist – und seien wir ehrlich: Shaun würde am liebsten ein Leben wie Ed führen. Auf der Couch sitzen, Gras einwerfen, Videospiele spielen.

Eines Tages ändert sich Shauns beschauliche Welt, in der sich alles so schön eingespielt hat. Auf dem Weg zur Arbeit bewegen sich alle so wie sonst auch, aber sie haben auch einen etwas eigenartigen Appetit auf Menschenfleisch entwickelt – das muss daran liegen, dass der Großteil von Londons Bevölkerung sich mittlerweile in Zombies verwandelt hat.
Zunächst behält Shaun lieber seinen Platz vor dem Fernsehschirm. Schließlich ereilt ihn doch die Sorge um seine Mutter, gezwungenermaßen auch um seinen Stiefvater. Er und Ed gehen verschiedene Pläne durch. Wo können Flüchtlinge sich in London noch in Sicherheit wähnen? Natürlich in einem Pub. Sobald die Mutter gerettet ist, muss auch noch die Freundin Elizabeth gerettet werden – ob sie will oder nicht.

Eine immer größer werdende Gruppe bahnt sich ihren Weg durch das von Untoten verseuchte London. Gezänk unter den Flüchtigen macht den Weg nicht leichter. Shaun und seine Weggefährten begegnen den Zombies mit äußerster Brutalität, nachdem sie gelernt haben, sich zu wehren. Dafür ist ihnen jedes Mittel und jedes Werkzeug recht.

Shaun of the dead war ein Überraschungserfolg im Kino und die Comic-Adaption von Autor Chris Ryall kann den britischen Humor ebenso transportieren. Eine romantische Komödie. Mit Zombies. So umschreibt der Untertitel die Geschichte sehr treffend.
Wie jeder guter Junggeselle zwischen 20 und 40 kann sich Shaun nicht so recht entschließen, ob er erwachsen werden soll oder nicht. Eine eigene Familie ist nicht einmal geplant und der gemeinsame Haushalt mit der Freundin scheint in unerreichbarer Ferne zu liegen. Shaun, seine Situation und seine Freunde sind viel zu echt, um nicht wahr zu sein. Daraus entspinnt sich eine Komödie einerseits, andererseits, ab einem gewissen Zeitpunkt aber auch eine richtige Horrorgeschichte.

Es ist wirklich zum Schießen, wie sich in den unpassensten Momenten kleine Zänkereien und Eifersuchtsszenen entwickeln, während überall die Zombies über alle anderen herfallen könnten. Ebenso köstlich anzuschauen ist es, wie aus alten Vinyl-Platten Wurfgeschosse werden und Shaun und Ed sich streiten, was wertlos genug ist, um einem Zombie an den Kopf geworfen zu werden. Am Ende liegt die einzige Lösung darin, sich wieder in einen langsam schlurfenden Menschen zu verwandeln, der unter den anderen langsam schlurfenden Zombies nicht mehr auffällt.

Zeichner Zach Howard machte bereits mit Zeichnungen zu Scarecrow von sich reden, ebenso bei Nightwing, arbeitete an Grafiken für das Hellboy-Rollenspiel. Mit Kolorist Thompson Knox, bereits ein Team bei Scarecrow, liefert er stilistisch einzigartige Bilder ab, die die Atmosphäre der Geschichte perfekt einfangen.
Manchmal sind es gerade die Nebenfiguren, die besonderen Spaß machen. Hier macht es den Eindruck, als habe es besonders der Nichtsnutz Ed den beiden Künstlern angetan. Das Team nimmt die Vorlage der beiden ursprünglichen Autoren Simon Pegg und Edgar Wright virtuos auf. So entsteht eine gelungene Comic-Umsetzung einer etwas anderen Komödie.

Humor und Horror liegen in manchen Geschichten nahe beieinander. Shaun of the dead greift dieses Konzept genial auf. 😀

Samstag, 11. November 2006

Tomb Raider 38

Filed under: Abenteuer,Mystery — Michael um 17:24

Tomb Raider 38Irgendwann in der Zukunft. Lara Croft ist ein Mythos. Vieles, was wir heute über sie wissen glauben, entstammt Videospielen, Comics und auch Kinofilmen. Die wahre Lara Croft war anders.
Wer das Museum zu ihren Ehren betritt, erhält genau diesen Eindruck. Hier finden sich echte Artefakte aus ihrem Leben, jene Dinge, die sie über die Jahre hinweg gesammelt und bewahrt hat.
Bereits sehr früh wusste Lara schon, was sie werden wollte. In jungen Jahren, als kleines Kind, begleitete sie ihre Eltern bei einer Ausgrabung. Ihr ist es zu verdanken, dass hierbei ein ganz besonderes Artefakt geborgen werden konnte. Von diesem Augenblick an steht es für Lara fest: Sie wird ein Schatzjäger, ein Abenteurer, manche würden sagen, ein Grabräuber – doch nur böse Zungen würde das behaupten.

Vor den Augen des Betrachters der wertvollen Gegenstände im Croft-Museum entsteht eine völlig neue Lara, eine die niemand kannte. Die Besucher – und andere aufmerksame Betrachter – sind fasziniert.
Das Hologramm, Polly Gon, dem Erscheinungsbild von Lara Croft nachempfunden, wie jeder sie aus den Videospielen her kennt, führt die Besucher von Station zu Station und fasziniert sie mit immer neuen Begebenheiten aus dem Leben einer Abenteurerin, der keine Situation zu brenzlig sein konnte.
Kann es sein, dass ein Programm Gefühle entwickelt? Polly Gon verhehlt ihre Enttäuschung nicht, denn diese Führung wird ihre letzte sein. Es ist beschlossene Sache, dass sämtliche Artefakte wieder an ihre Ursprungsorte oder in ihre Herkunftsländer zurückgebracht werden sollen. Damit verliert das Museum seine Berechtigung und wird schließen.

Lara hat ein langes und spannendes Leben gelebt. Sie jagte auf Motorrädern durch enge Gassen, hetzte und turnte durch Labyrinthe, die sich ein krankes Genie ausgedacht haben muss, wich den geschicktesten Bogenschützen der Welt aus, tauchte in haiverseuchten Gewässern – doch was wurde aus dieser Frau, der scheinbar nichts etwas anhaben konnte?

Die 38. Ausgabe von Tomb Raider enthüllt die ganze Wahrheit über Lara Croft. Endlich erfährt der Leser wirklich, wer sie war und was aus ihr wurde. Es ist kein Zufall, dass die Geschichte im englischen Original den Titel Alpha Omega heißt – Anfang und Ende: Und vielleicht ein neuer Auftakt.

Die vorliegende Geschichte rollt das Thema Lara Croft von einer neuen Seite auf und ermöglicht es dem Autor Dan Slott eine Handlung im Tomb Raider-Universum aufzubauen, ohne auf bisherige Handlungsstränge Rücksicht nehmen zu müssen.
Slott lässt viele kleine Ideen einfließen. Polly Gon erinnert wahrhaftig an eine Videospiel-Figur (nicht zuletzt aber auch an eine Comic-Variante). Oder die kleine Lara, die mit großen Augen beobachtet, wie ein uralter Tempel vor ihr zusammenstürzt. Sobald der Leser glaubt, es handele sich um eine reine Rückschau aus der Sicht der virtuellen Museumsführerin, schwenkt die Handlung in eine andere Richtung (die hier freilich nicht verraten werden soll).
Interessanterweise ist die neue Lara Croft nicht mehr so nett, wie sie der Leser bisher kannte. Ein wenig ihres Edelmutes ist ihr eindeutig abhanden gekommen. Man könnte behaupten, sie wird dem Titel der Serie endlich gerecht: Tomb Raider.
Von einer Lara Croft, die eine Spur skrupelloser ist, könnte sich der Leser durchaus mehr wünschen.

Tomb Raider-Geschichten haben in der Regel einen hohen zeichnerischen Stellenwert. Zeichner Francis Manapul reiht sich in die gewohnt gute Qualität der Serie ein. Zwar ist ein eigener Zeichenstil erkennbar, dennoch hält er sich im Rahmen der Ähnlichkeit, die Zeichner wie Andy Park und andere vorgegeben haben. Comic-Fans werden seine Arbeiten von Tomb Raider her kennen, Retro Helix, Monster Fighters, GI Joe, The Darkness, aber auch viele Cover, die er für Witchblade geschaffen hat. Einen guten Überblick gibt seine Homepage unter www.francismanapul.com.
Action, Details und Perspektiven sind perfekt umgesetzt. Deshalb ist eigentlich schade, dass die Rückblicke in die Vergangenheit der wahren Lara Croft nur so kurz ausfallen.

Unter dem Strich bleibt eine tolle neue Episode aus dem Tomb Raider-Universum, neu erzählt, spannend von Anfang bis Ende und einer gelungenen Auflösung. 🙂

Freitag, 10. November 2006

Comics und Mangas

Filed under: Meldungen — Michael um 19:49

Inu YashaNachdem der MangaMagie V-Wettbewerb so tolle Resonanz hatte, verwundert die Meldung nicht, dass sich Inu Yasha ziemlich häufig verkauft hat: Nämlich 1 Million mal. Quelle: Ehapa Presse-Mitteilung
Eine bessere Resonanz kann es wohl kaum geben. Bleibt abzuwarten, ob die diesjährigen Gewinner einmal den Sprung in eine ähnliche Liga schaffen. Aber Daumen drücken, kann nicht schaden. 🙂

Weniger ein Wettbewerb, mehr eine Bewertung war der Aufruf, den das kleine Magazin Prisma vor geraumer in Leben rief. Johan de Mor hatte sich bereit erklärt, eingehende Comics zu bewerten und zu schauen, ob ein echtes Talent dabei ist.
Unter www.prisma.de/galerien/_g_comics/1.html kann man sich den Favoriten von Herrn de Mor Glitzerchen von Ulrike Beyer aus Wuppertal anschauen. Außerdem warten noch viele andere Einsendungen auf Betrachter.

Mittwoch, 08. November 2006

Scooter Girl

Filed under: Cartoon,Klassiker — Michael um 15:34

Scooter GirlAshton Archer hat gerade ein kleines Techtelmechtel in der Öffentlichkeit beendet. Leider ist seine Freundin dadurch derart derangiert, dass sie sich erst einmal zu Hause neu schminken muss. Freundin ist ein weiter Begriff, weshalb Ashton die Gelegenheit nutzt und paar Meter weiter bereits die nächste Frau aufreißt.
Gott, bin ich gut!, denkt Ashton. Gott, ist er gut!, denkt sich auch Angela, die er gerade vernascht hat.

Ashton ist die Art von Junge, die nicht an mangelndem Selbstbewusstsein leidet. Die Geschichte seiner Familie und damit all der Wüstlinge, die ihr Schicksal durch das Wohlwollen von Frauen bestimmten, ist jahrhunderte lang.
Sein Leben ist das Paradies auf Erden. Überall ist er der Erste, nicht nur bei den Frauen. Sei es im Sport, im Scooter Club, im Unterricht, Ashton Archer ist ein Gewinner: Bis sie kommt!

Margaret ist zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Drake neu an der Schule. Mit ihr beginnt Ashtons Niedergang. Der coole Typ wird zum Clown – und er hasst es, ein Clown zu sein. Obwohl er sich wahnsinnig zu Margaret hingezogen fühlt, kommt er nicht umhin, sie zu hassen. Am Ende besiegelt sie seinen Untergang. – Oder wird es schließlich doch Liebe sein? Ashton versucht alles Mögliche, um Margaret zu entkommen. Er wechselt den Wohnort, freundet sich mit Leuten an, die er vorher nicht einmal angesehen hätte. Wie kann es ihm gelingen, ihre Zuneigung zu erlangen? Nach all den Katastrophen, die Ashton in ihrer Nähe passieren, wäre ihm damit schon sehr geholfen.

Scooter Girl zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben des überaus beliebten Schulabsolventen Ashton Archer. Diese Sorte Junge wird einerseits bewundert (und alle wollen so sein wie er), andererseits missgönnt so mancher ihm auch seine unverdiente allgemeine Zuneigung.
Auf dieser Basis hat Autorin und Zeichnerin Chynna Clugston eine wundervoll schwungvolle Komödie zu Papier gebracht. Geschickt verwendet sie die verschiedensten Rezepte für Liebeskomödien und schafft eine richtig liebenswürdige unterhaltsame Handlung.

Einerseits ist die Geschichte herrlich altmodisch und ist mit entsprechenden Zeitbildern versehen. Wer uralte Streifen mit Doris Day und Rock Hudson gesehen hat, kann das Gefühl nachempfinden, dass in Scooter Girl mitschwingt. Mods und Scooter vermitteln weitere Atmosphäre, die irgendwo in den Swinging Sixties liegt, bevor die Blumenkinderzeit ihren Durchbruch hatte.
Andererseits wird Scooter Girl auch sehr modern erzählt. Musiktitel weisen auf einen ganz eigenen Soundtrack hin, der die Szenerie perfekt untermalen soll. Die Zeichnungen sind ein wenig mangaesk, die Figuren erinnern aber auch an den Stil von Modezeichnungen. Das ist nicht von der Hand zu weisen, da Mode, das Outfit der Akteure auch ein wichtiges Merkmal der Charakterisierung ist.

Dank der Tolpatschigkeit Ashtons wechselt die Szenerie zwischen Situations- und Dialogkomik. Da gibt es sehr viel Slapstick, wie selbst Margaret angesichts von Ashtons Kapriolen einmal feststellt.
Sidekicks, wie das Mädchen, das immer wieder etwas abbekommt, ohne etwas dafür zu können, tauchen immer wieder auf. Kleine Einlagen, wie Ashtons Opa, der einen Herzanfall vortäuscht, um der Schwester in den Ausschnitt starren zu können, lockern die Handlung auf. Humor ist also Trumpf in Scooter Girl, was diese Comic-Erzählung zu etwas Besonderem in der Comic-Landschaft macht.

Chynna Clugston kann bereits auf diverse Projekte zurückblicken (Blue Monday), zeichnete auch für Marvel, Dark Horse und Nickelodeon, was auch einiges über die Bandbreite ihrer Arbeiten aussagt.
Wer eine gelungene Liebeskomödie lesen möchte, die man erst nach der letzten Seite mit noch schmerzendem Zwerchfell wieder beiseite legen kann, liegt mit Scooter Girl absolut richtig. 😀

Samstag, 04. November 2006

Jimmy Wynberg – Der Niedergang der Weißen

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:22

Jimmy Wynberg - Der Niedergang der WeißenJimmy Wynberg besucht in den Ferien gute Freunde in Afrika. Die Aussicht, nach dem Ende der Ferien wieder nach Europa zurückzumüssen, reizt ihn überhaupt nicht. Zunächst genießt er seine letzten Ferientage, aber dann gerät er ihn höchste Gefahr.

Auf der Farm seines Freundes Schatzy fühlt er sich außerordentlich wohl. Inmitten dieses wundervollen Landstrichs möchte Schatzy eine Herberge einrichten. Die ersten Gäste, eine Frau mit einer Tochter in Jimmys Alter, mögen ihre Unterkunft. Jimmy freundet sich sogar mit Helene, dem Mädchen an, aber er muss feststellen, dass seine Vorstellungen von den Menschen dieses Landes gänzlich andere sind als von Helene. Ihre rassistische Einstellung kann er nicht leiden. Die beginnende Freundschaft endet so schnell, wie sie begann.

Da trifft es sich, dass Jimmy von Minister M’Boula eingeladen wird. In Europa hatte Jimmy das Glück sich mit dessen Sohn Napoleon anfreunden zu können. Jimmy freut sich sehr auf das Fest. Aber das Wiedersehen mit Napoleon fällt nicht so aus wie erwartet. Die Kluft zwischen Schwarz und Weiß, kulturelle Missverständnisse tun sich immer wieder grundlos auf – auch zwischen den Freunden.
Die Annäherung zwischen den Kulturen, von Minister M’Boula gefördert, stoßen nicht bei allen auf Entgegenkommen. Viele haben sich mit den alten verkrusteten Strukturen abgefunden, nutzen sie zu ihrer persönlichen Bereicherung aus. Bald ist Jimmy in eine Intrige verwickelt, in der es für ihn um das nackte Überleben geht. Denn obwohl er noch jung an Jahren ist, hat er sich bereits mächtige und skrupellose Feinde geschaffen.

Jimmy Wynberg – Der Niedergang der Weißen ist ein vollkommen klassisch frankobelgisch erzähltes und gezeichnetes Abenteuer. Zeichner Daniel Desorgher wuchs bis zum Alter von 12 Jahren im Kongo auf. Zusammen mit Autor Stephen Desberg bringt er eine Geschichte zu Papier, die den schmalen Grat der Verständigung recht gut inszeniert.
Nichts ist wirklich schwarz oder weiß, genauer, gut oder böse. Eine Seite verdammt die andere, ohne genaues Wissen oder auch wider besseres Wissen. Wer verletzt wird, warum auch immer, zieht sich schnell auf das Gebiet der Vorurteile zurück, denn dort kann er sich sicher wähnen. Man kann sich dort auf seine Gefühle verlassen und muss nicht nachdenken.
So ergeht es Napoleon, Minister M’Boulas Sohn, der wütend über Jimmys schlechte Gewinnermentalität ist. Sicher kann sich ein Gewinner freuen, doch er sollte sich hüten, den Verlierer runterzumachen. Napoleon deutet Jimmys Freude denn auch als weißes Geschwätz.

Ein wenig erinnerte mich der vorliegende Band, dessen Vorgänger noch in einem anderen Verlag erschienen, an eine Episode aus Peter und Alexander bei einem ihrer Ausflüge nach Afrika. Das Abenteuer-Duo, das mit ihrem Papagei, unterwegs ist, weist einen ähnlichen Zeichenstil auf. Außerdem erinnert Schatzy, Jimmys Mentor in Afrika, sehr an Nero aus Die Abenteuer von Nero und Co. Ob es tatsächlich Parallelen zu diesen doch recht alten Vorlagen gibt oder nicht, sei dahingestellt, der Stil mag altmodisch sein, aber er ist auch erfrischend geradlinig. Keine Schnörkel, keine Experimente, es ist eine zeichnerische Gestaltung, in der sich ein Leser sofort heimisch fühlen kann.

Die Erzählung ist so angelegt, dass sie sich ab einem gewissen Zeitpunkt von einem Schülererlebnis zu einem Abenteuer, fast einem Thriller wandelt. So gesehen, erinnert die Handlung an frühere Weihnachtsvierteiler. Es ist eine Geschichte für die ganze Familie und jede Altersstufe. Ein bißchen erzieherisch vielleicht, aber immer unterhaltsam und spannend. 🙂