Samstag, 24. Februar 2007
Aspen Matthews wehrt sich. Sie will es nicht zulassen, dass ihr Freund und ihr Vater wegen ihr leiden müssen. Am Staudamm kommt es zu einem Showdown, den die Soldaten so noch nicht erlebt haben.
Ihre Wehrhaftigkeit ist beeindruckend. Mit ihren Fähigkeiten, das Wasser zu beeinflussen kann sie den Angreifern mit ihren automatischen Waffen erfolgreich und optisch überaus großartig Paroli bieten. Aspen tanzt auf den Wasserfontänen herum und spielt mit den Wellen, als hätte sie etwas anderes gemacht.
In Muria hat Siphon andere Probleme. Um frischen Wind in die Politik der Stadt zu bringen, wurde er in den Rat gewählt. Zuerst hat er sich noch über seine neue Aufgabe gefreut, aber schließlich ist es für ihn vollkommen ermüdend den Sitzungen beizuwohnen. Die Gespräche drehen sich zu oft im Kreis. Ergebnisse sind selten und scheinen Muria nicht voran zu bringen. Siphon ist frustriert.
Erfrischend wirkt es da, dass er sich auch mal mit seinen engsten Freunden treffen kann. Allen liegt immer noch die Genesung von Kiani am Herzen.
Fathom präsentiert gleich zu Beginn der 10. Folge der Neuen Serie ein Wasserinferno. Angesichts der sich orgiastisch auftürmenden Wellenberge ist es kein Wunder, dass in diesem Band gleich vier Inker zum Einsatz kamen.
Sieht man einmal von Cannon Hawke ab, ist Fathom eine Serie, in der Männer zwar eine Rolle spielen, doch Frauen sind die diejenigen, die das Sagen haben. Aspen kann in dieser Episode zeigen, welche Kräfte sie inzwischen entwickelt hat. Zieht man Vergleiche zu vorhergehenden Szenarien dieser Art, dann stellt Aspen mit ihren Fähigkeiten so manchen ihrer Artgenossen in den Schatten.
Hierbei ist es interessant, auf welch vielfältige Art sie ihre Macht einsetzt. Sie wehrt Kugeln mit Wasserbarrieren ab. Sie schwebt auf einer riesigen Fontäne über allem anderen, während sie eine Sicherheitsglocke über ihren Freunden aufbaut. Waffen, die zu stark für sie selbst sind, irritiert sie mit einem simplen Trick: Sie verwandelt sich selbst in Wasser und die Rakete schießt durch sie hindurch.
Die Wirbelstürme, die sie auftürmt, stellen nachfolgend alles andere in die Schatten und schauen beinahe aus wie eine Szene aus The Day After Tomorrow.
Die beiden Co-Autoren J.T. Krul und der Erfinder der Serie Michael Turner locken stets ein bißchen mehr aus der Serienheldin heraus. In der abschließenden Szene, wenn der militärische Feind einsehen muss, dass Aspen wieder einmal entkommen ist und sie ein Unwetter zurückgelassen hat, entsteht eine sehr schöne apokalyptische Stimmung.
Michael Turner hat sehr Gefühl in den Charakter von Aspen gelegt. Einerseits im Zwiespalt mit ihrer Herkunft und ihrer Sympathie für die Menschen, von denen viele ihr stets wohlgesonnen waren, andererseits kann sie nicht ewig vor sich und ihrem Schicksal weglaufen. Schließlich zwingt Turner sie zum Handeln – es soll vorkommen, dass ein Charakter ein Eigenleben entwickelt, nachdem er mit genügend Hintergrundinformationen versehen wurde. Man gewinnt den Eindruck, so sei es auch hier gewesen. Nun kann Aspen nicht mehr anders und natürlich gibt es eine Schlußszene, die hoffen lässt, dass es zu einer Art größerem Showdown in der nächsten Zeit kommen wird.
Die zweite Heldin der neuen Serie wurde wieder geheilt und macht sich an ihr Waffentraining. Kiani hat überraschend feststellen müssen, dass auch sie über die Fähigkeit zur Wasserbeherrschung verfügt.
Im Gegensatz zu Aspen ist Kiani eine geborene Kriegerin, die lieber auf ihre Fähigkeiten mit dem Schwert vertraut – völlig zu recht, zieht man die grafische Umsetzung von Koi Turnbull in Betracht. Auf einer ganzen Seite präsentiert der Zeichner Kiani in anatomisch beeindruckender Gestalt. Hinzu kommen die wirbelnden Haare und die reizvolle Kolorierung von Paul Mounts.
Seine Arbeit an diesem Band ist besonders gelungen und die Darstellung des Kiani-Bildes ist ein nur ein kleines Beispiel für ein wirklich tolles Ergebnis.
Eine überaus spannende Fortsetzung mit tollen Bildern. Der Schluss ist ein Griff in die Vergangenheit und eine reizvolle Vorankündigung, die sehr neugierig macht. 🙂
Freitag, 23. Februar 2007
Cannon hält es nicht mehr aus. Immer schwieriger wird es, das zweite Ich im Zaum zu halten. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann es die Oberhand gewinnt. Cannon weiht Akiko ein.
Doch Erklärungen sind kaum noch notwendig. Akiko ist bereits zu lange die Assistentin dieses Mannes, der über schier unbegrenzte Mittel zu verfügen scheint. Sie hat sich in der Vergangenheit vieles zusammengereimt und ihre eigenen Schlüsse gezogen – vielleicht nicht immer richtig und nicht komplett, so ist sie doch sehr nah an der Wahrheit ausgekommen.
Cannon ist von derart viel Loyalität sprachlos. Aber Akiko ist außerdem eine Frau, die kein anderes Verhalten kennt. Insgeheim ahnte sie wohl, dass Cannon ihr eines Tages von ganz allein sein Herz öffnen würde.
Als es schließlich soweit ist, ist Akiko doch überrascht. Die Geheimnisse von Cannon reichen tiefer, als sie sich auch nur entfernt hatte vorstellen können. In der Tiefe seines Wohnhauses hat Cannon einen Schutzraum eingerichtet. Diese Abschirmung mag auch der Abhörsicherheit dienen, aber zuallererst ist es ein Versteck und ein Raum, der dem Schutz anderer dient. Cannon weiß, wozu sein Alter Ego Tarras fähig ist. Niemals soll dieser finstere Geselle aus Cannons Vergangenheit einem aus seiner nächsten Umgebung etwas antun können.
Akiko schließt Cannon im Schutzraum ein. Ihre strikte Anweisung lautet, nicht zu öffnen, so sehr Cannon sie auch zu überreden versucht.
Während Cannon seinen inneren Kampf ausfechtet, kämpft Akiko mit sich selbst, denn Tarras versucht unterdessen alles, um sie zu umschmeicheln und bedroht sie am Ende sogar.
Die abschließende Episode von Cannon Hawke löst alle losen Enden der bisherigen Erzählung auf. Cannon hat sich zu einem Endkampf entschieden, ein Kampf, der ihn in sein Inneres führt, dorthin, wo Tarras sich verkrochen hat.
Autor J.T. Krul inszeniert den Gang zu diesem Kampf, wie eine Art Abschied. Einen ähnlichen Gang nahm auch einmal Batman, als er von den Designer-Drogen loskommen wollte, die er zur Leistungssteigerung genommen hatte. Und ähnlich wie bei ihm, hat auch Cannon mit einer Persönlichkeitsänderung zu kämpfen. Und ebenso ähnlich harrt Akiko vor der Tür aus, wie es einst der Butler Alfred tat.
Soviel zu den Ähnlichkeiten. Der innere Kampf ist ein ganz anderer. Für Cannon ist die Auseinandersetzung, die sich nur in seinem Kopf abspielt, bitterer Ernst. Wenn er den Kampf verliert, endet auch in der realen Welt sein Leben. Da dieser Kampf allerdings eine reine Kopfgeburt ist, können auch Aspekte eingebunden werden, die in der realen Welt so nicht vorkommen – wohlgemerkt in der Welt von Fathom.
J.T. Krul nutzt diese Gelegenheit weidlich aus. Cannon bewegt sich nun in seiner ganz eigenen Matrix, in der alles möglich zu sein scheint, so auch gleich zwei Feinde: Der bereits verstorbene Tarras und jener, der in Cannon wiedergeboren werden möchte.
Interessant, und richtig spannend, ist es auch, wie Tarras an zwei Fronten gleichzeitig kämpft. Einerseits versucht er das Ego von Cannon endgültig zu unterdrücken, andererseits nutzt er die Gelegenheit, um endgültig nach draußen zu kommen. Während er gegen Cannon das Schwert schwingt, zeigt sich draußen eine Art Jekyll und Hyde, indem aus Cannon ein brutaler Mann wird, dem jedes Mittel zur Erfüllung seiner Ziele recht ist.
Zeichner Marcus To geht mit gewohnt versiertem Strich ans Werk. Da wird keine Linie zuviel gesetzt und kein Schatten geht daneben. To tobt sich während des Kampfes zeichnerisch aus. Teilweise nutzt er komplette oder sogar Doppelseiten, um grafisch richtig aus dem Vollen schöpfen zu können.
So wird der Kampf von Cannon und Tarras in ihren schillernden Rüstungen (dank der Farbgebung von Beth Sotelo) zu einen tollen actionlastigen Abschluss.
Gelungen ist die allerletzte Begegnungen von Tarras, in der er sich noch einmal aufbäumt und seine Panik herausschreit, bevor das Experiment seiner Mutter endgültig fehlschlägt und der böse Geist Cannon verlässt.
Das Fathom-Spin Off findet einen würdigen und sehr guten Abschluss. Nun, da Cannon wieder der Alte ist, bleibt mit Spannung abzuwarten, wie er weiterhin in Fathom zum Einsatz kommen wird. 🙂
Donnerstag, 22. Februar 2007
Ein Jahr nach der Infinite Crisis ist Gotham sicher. Nur ist Batman nicht derjenige, der für Ordnung sorgt. Sein Ersatzmann ist nicht sehr zimperlich und räumt ungewöhnlich hart auf. Die Polizei findet eine Leiche, die einmal ein Superganove war und vom Dach gestürzt wurde. War der Ersatzmann der Täter?
Die Frage stellt sich auch Batman, als er Harvey Dent wieder nach Hause entlässt. Ein Jahr nach der Infinite Crisis erwacht wieder die Hoffnung über der Stadt. Am nächtlichen Himmel erstrahlt wieder ein Fledermauszeichen und ruft den Dunklen Ritter herbei. Aber Batman ist nicht allein. Auch Robin hat den Weg zurück gefunden. Und mit seinem Auftauchen kehren auch alte Gegner wieder zurück. Eben noch ragte ein ganz normaler Wolkenkratzer in den Abendhimmel. Im nächsten Augenblick ist seine Spitze von einem Meer aus Schlingpflanzen verhüllt. Poison Ivy ist ebenfalls wieder in Gotham und hat ihren Kampf für Mutter Natur wieder aufgenommen.
Batman und Robin stehen sich ihr auf gewohnt versierte Art. In dem Jahr, in dem sie untergetaucht waren, haben sie nichts verlernt, im Gegenteil. Aber auch Ivy hat an ihrer Trickkiste gearbeitet und wartet den beiden Freunden mit Pflanzenmonstern auf, die es in sich haben.
Während Batman die Verbrechensbekämpfung wieder in die eigene Hand nimmt, hört auch ein anderer dunkler Rächern nicht damit auf, die Gangster auf eigene Faust zu jagen.
Ein Jahr nach der Infinite Crisis, die das gesamte DC Universum umkrempelte, ist Batman zurück und muss sich einem ähnlichen und doch veränderten Gotham stellen.
Gleich mehrere Zeichner stellen sich in der ersten Ausgabe der Herausforderung, dem Dunklen Ritter ein Gesicht zu geben. So entsteht unter der Regie von Autor James Robinson ein neuer Anfang und ein toller Querschnitt von zeichnerischen Stilen.
Die Infinite Crisis ist vorüber und ich gestehe, dass ich stellenweise nicht mehr weiß, wo oben oder unten ist. Als jemand, der in der Vergangenheit lesen durfte, wie Gesandte der Gerechtigkeitsliga von Erde 1 und der Liga für den Frieden von Erde 2 gemeinsam auf New Genesis landeten, hat es mich immer verwirrt, dass diese beiden Heldengruppen plötzlich auf einer Erde vereint waren.
Selbst langjährige und vollkommene Stammleser des DC Universums dürften angesichts der letzten Ereignisse ein ganz klein wenig erstaunt gewesen sein. Nachdem ein Jahr vergangen ist, kehrt nun wieder Ruhe ein? – Nicht ganz, denn die Aufräumarbeiten gehen weiter.
Einige Bösewichte, nicht unbedingt die erste Garde der Feinde, werden von einem Unbekannten sorgfältig verfolgt und erledigt. James Robinson scheint den Neuanfang nutzen zu wollen, um der Legende des Batman noch einige neue und ungewohnte Kapitel hinzufügen zu können. So entsteht anfänglich eine ungewohnte und auch gruselige Atmosphäre, wie sie in Batman – Das 100. Jahr aufkam.
Die Kapitel des vorliegenden Bandes, drei an der Zahl, grenzen sich inhaltlich und grafisch fein voneinander ab. Im ersten Teil, gestaltet von Leonard Kirk und Andy Clarke, ist die Stimmung einerseits außerordentlich düster. Die Schatten wurden wahnsinnig gut gesetzt, Linien und kleine Verläufe sehr gut und fein getuscht.
Besonders eindrucksvoll gelungen ist das Auftauchen des Dynamischen Duos – wenngleich ich mich frage, wie es Batman aushalten kann auf einem Flakscheinwerfer zu sitzen.
Die zweite Episode zeichnet sich im wahrsten Sinne des Wortes wieder einmal durch viel mehr Action aus. Don Kramer erhält die Gelegenheit, die beiden Helden auf unterschiedlichen in das von Ivy besetzte Gebäude hineinzuschicken. Jeder der beiden muss sich auf seine Art den grünen Gegnern stellen. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf den Pflanzen, die mit der nötigen Detailvielfalt zu Papier gebracht wurden.
Erfreulich ist es auch, wie erwachsen James Robinson die Auseinandersetzung zwischen Ivy und Batman präsentiert.
In diesem Sinne geht es weiter, wieder von Leonard Kirk und Andy Clarke arrangiert. Das ist nicht mehr das Gotham, in dem sich die irren Gegner die Klinke in die Hand geben, wie der Leser es ganz besonders anschaulich noch in Hush erleben konnte. In diesem Gotham nistet sich das echte Verbrechen ein, das der alten Garde aus Arkham keine Chance mehr lässt.
Batman kehrt zurück! Ebenfalls verschwunden gewesen ist das Dynamische Duo zurück und nur wenig ist noch so, wie es einmal war. Für Neulinge ein guter Einstieg ins DC Universum. 🙂
Der kleine Schiffsjunge ist das Leben in der Mannschaft von Kapitän Hackepeter leid. So macht er sich nächtens mit der Katze Nelson auf und davon. Auf der Suche nach einem Schiff, das ihn so weit wie möglich von Kapitän Hackepeter weg bringt, landet er leider ausgerechnet auf des Kapitäns Schiff Knurrhahn.
Der Kapitän ist zunächst äußerst wütend über Pittjes unerlaubtes Fernbleiben von der Mannschaft. Als er aber hört, dass der Junge in den Besitz einer Schatzkarte gekommen ist, ändert sich das sogleich. Die Knurrhahn setzt Kurs auf die Schatzinsel.
Seltsam aber ist, dass der Schatz auf dieser Insel kein großes Geheimnis ist. Warum also wurde der Schatz immer noch nicht geborgen? Und was ist mit jenen geschehen, die es versuchten?
Kapitän Hackepeter und seine Mannen schreckt die Aussicht auf etwas Furchtbares, das auf der Insel sein Zuhause hat, nicht. Ganz im Gegenteil, nach dem langen Aufenthalt im Hafen muss jetzt ein Abenteuer mit einer ordentlichen Beute her.
Wer sind diese furchtlosen Männer, die ihrerseits auf allen Weltmeeren gefürchtet werden? Neben Kapitän Hackepeter gehören Männer wie Staif Olafson zur Mannschaft, ein Nachkomme der Wikinger, der stets seinen Ahnen alle Ehre zu machen versucht. Kuddel Priembeiss ist ein Original von der Waterkant und steht seinen Kamerade in Verwegenheit in nichts nach. Auch der Schiffskoch Sham-Pu ist immer vorne dabei, wenn es eine ordentliche Keilerei gibt.
Auf der Insel angekommen stoßen Hackepeter und seine Leute schnell auf riesige Zyklopen, die sich wegen der Neuankömmlinge auf eine schöne frische Mahlzeit freuen. Hackepeter schreckt das immer noch nicht und langt richtig zu.
Pittje weiß von alldem nichts. Eigentlich wollte er ja auf dem Schiff auf die anderen warten – wäre da nicht Nelson, die Schiffskatze, die plötzlich mit einem ganz besonderen Spielzeug daher kommt: Einer Brosche aus purem Gold. Da gibt es auch für Pittje kein Halten mehr. Er und Nelson machen sich auf eine gefährliche Schatzsuche ins Innere der Insel.
Pittje Pit und Der Schatz der grünen Monster ist ein mittlerweile klassisch zu nennendes Cartoon-Abenteuer mit liebenswerten und zuweilen auch skurrilen Charakteren. In diesem bereits 1970 erschienenen 2. Abenteuer von Pittje Pit nehmen Autor Frans Buissink und Zeichner Eddy Ryssack den Leser mit auf eine wahrhaft witzige Comedy-Piraten-Reise.
Die Figuren, die hier mit viel Humor durch die Geschichte geleiten, sind typische Cartoon-Vertreter jener Zeit, zeichnerisch wie auch von ihrem Charakter her. Kapitän Hackepeter ist das Raubein, ein bißchen übergewichtig, häufig lauthals im Dialog und immer forsch voran stürmend, wenn es jemanden zu versohlen gilt. Der Schiffsarzt ist immer auf der Suche nach seiner oder einer neuen Mütze und auch keine Probleme damit, sich wegen seiner Kopfbedeckung mit einem Riesen anzulegen. So gesehen durchzieht die Charaktere eine gesunde Portion Naivität, wie es häufig bei derlei Figuren der Fall ist.
Der klügste und besonnenste der Mannschaft ist, wie kann es anders sein, auch der kleinste von ihnen und das ist selbstverständlich Pittje Pit. Pittje ist ebenfalls ein Junge, der weiß, wann es an der Zeit ist, das Weite zu suchen. Deshalb ist er mit weitaus mehr Vernunft gesegnet als seine Mannschaftskameraden.
Ausschlaggebend ist jedoch, dass dieses uralte Rezept des Geschichtenerzählens hervorragend funktioniert. Natürlich hat es ein wenig von den uralten Asterix-Folgen, aber es erinnert noch ein wenig mehr an das Konzept von Wickie und den starken Männern, das literarisch früher, tricktechnisch aber später erschien.
Zeichnerisch bietet Pittje feinste Cartoon-Szenen mit einem richtig kräftigen Tuschestrich und satten Farben. Die Bilder von Eddy Ryssack gehören zu einer wunderbar alten Schule, aus der sich nicht nur Können, sondern auch echtes Handwerk ablesen lässt. Was Hintergrundzeichnungen angeht, hält er sich zurück, dafür liegt das Hauptaugenmerk auf den Figuren, die manchmal für den Leser wie auf einer schönen Bühne agieren und sich bester Komödienmanier die Stichworte für den nächsten spritzigen Dialog liefern.
Da es sich auch um eine Monstergeschichte handelt, haben die beiden Macher sich nich lumpen lassen und gleich ein ganzes Rudel auffahren lassen. Die grünen Monster sind riesige grünhäutige Zyklopen, die ähnlich wie einst Polyphem in der Odysseus-Sage darauf warten, dass menschliche Kost an ihrer Küste angeschwemmt wird. – Und wenn es jemals ulkige Monster gegeben hat, dann sind es diese Zyklopen mit ihrem wunderbaren Sprachfehler!
Toller Cartoon, spaßige Comedy, unterhaltsam für alle, die jung geblieben sind oder einfach Spaß an einer ordentlichen Portion Humor haben! 😀
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Dienstag, 20. Februar 2007
Yorick führt ein kleines Telefonat mit seiner Freundin, die sich im Augenblick am anderen Ende der Welt befindet. Der junge Mann bestreitet sein Leben mehr schlecht als recht und hat sogar einen kleinen Kapuzineraffen bei sich aufgenommen, den er als Hilfe für Behinderte trainieren soll.
In einem Augenblick ist alles in Ordnung – oder besser, es ist so, wie jeder auf der ganzen Welt es gewohnt ist. Im nächsten Augenblick brechen alle Männer tot zusammen. Sie husten Blut, dann ist alles schnell vorbei.
Der Schock sitzt zunächst tief, als die überlebenden Frauen erkennen, dass sie nun in einer Welt ohne Männer leben. In einer Welt ohne Männer ist auch ihr Ende nicht mehr fern. Teilweise soll eine gewisse Ordnung aufrechterhalten werden. Das erweist sich jedoch als ziemlich schwierig. Nahrung ist rar, Leichen liegen überall herum. Die Verbindungen sind zusammengebrochen. Die Regierung hat kaum noch die Möglichkeit zu handeln. Der verbliebene Geheimdienst sucht das letzte weibliche Regierungsmitglied auf und macht sie zum Präsidenten.
Yorick unterdessen hat ganz andere Probleme, denn er hat als einziger Mann überlebt! Und sein Affe dürfte das letzte männliche Tier auf Erden sein. Der junge Mann unternimmt alles, um nicht entdeckt zu werden. Mit einer Gasmaske auf dem Gesicht macht er sich auf den Weg nach Washington. Dort hofft er seine Mutter zu finden. Aber insgeheim möchte er nach Australien, wo seine Freundin immer noch sein muss. Der Weg ist für den letzten Mann sehr gefährlich.
Die junge Frau, die ihm unterwegs begegnet und einen Müllwagen für Leichen fährt, will ihn nicht vergewaltigen, wie Yorick zunächst argwöhnt, sie will ihn verkaufen. Eigentlich ist abgesehen von seiner Mutter und einer amerikanischen Agentin namens 355, keine einzige Frau gut auf ihn zu sprechen.
In einem Land, in dem kaum ein Auto fährt, der Zug- und der Flugverkehr zum Erliegen gekommen ist, ist es schwer, jemanden zu finden, der sich versteckt hält. Trotzdem riskieren Yorick und 355 es und wollen die Wissenschaftlerin finden, die ihnen möglicherweise helfen kann.
Ein Männertraum wird wahr! Endlich kann der berühmte Spruch Und wenn du der letzte Mann auf Erden wärst … ausgetestet werden. Fast alle Frauen wollen den letzten Mann und tragen ihn auf Händen – nun, die Realität im Serienauftakt Y – The Last Man sieht vollkommen anders. Yorick und sein kleiner Affe Ampersand sind die letzten männlichen Lebewesen des Planeten Erde. In einem einzigen Moment sterben 48% der menschlichen Weltbevölkerung und jedes andere männliche Tier mit einem Y-Chromosom.
Autor Brian K. Vaughan zeigt, wie sehr ein solches Szenario zum Alptraum werden kann. Ähnliche Szenarien mit leergefegten Straßen kennt der SciFi-Fan aus Filmen wie Der Omega-Mann oder USS Charleston – Die letzte Hoffnung der Menschheit. In der von Vaughan beschriebenen Welt bricht schnell alles zusammen, da neben den Menschen auch die Tiere endgültig vom Aussterben bedroht sind. Warum dieses Endzeitszenario startet, wird noch nicht beantwortet. Mutmaßungen heizen die Phantasie der Leser an. Zwei Möglichkeiten wirken wahrscheinlich – aus der Sicht der Geschichte. Eine Möglichkeit davon ist Yorick selbst. Ist er der Auslöser der Epidemie? Oder sein Affe? Oder beide in Kombination? Oder gibt es noch eine andere Möglichkeit?
Vaughan lässt den Leser mit diesem Rätsel zurück, während er Yorick und 355 durch den Niedergang der Welt stolpern lässt.
Immer noch gibt es Machtkämpfe. Die Frauen sind bereit sich für einige verbliebene Regierungs- und Kongressposten zu schlagen und unterstützen ihre Argumente sogar mit Waffengewalt. Vaughan lässt nichts aus, nicht einmal jene Frauen, die den Verlust der Männer als Segen begreifen und sich als neue Amazonen sehen.
Mittendrin ist Yorick, der immer noch mit einer gewissen jugendlichen Naivität gesegnet ist und einem verlorenen Ehrgefühl hinterher trauert. Aber Ehre gibt es im Spiel ums Überleben nicht mehr zu verteidigen.
Pia Guerra bringt die Bilder dieser Geschichte zu Papier. Die Zeichnerin, die unter www.hellkitty.com Informationen über ihr Schaffen bereitstellt, schaffte mit Y – The Last Man ihren großen Durchbruch. Im Vergleich zur Galerie auf ihrer Homepage nimmt sie sich im vorliegenden Comic etwas zurück. Größere getuschte Schattenflächen sind selten. Schattierungen überlässt sie der farbgebenden Pamela Rambo.
Großartige Bilder wurden von J.G. Jones für die Cover der einzelnen Episoden angefertigt. Die Grundstimmung dieser Bilder kann sich in den Panels des Comics selbst nicht fortsetzen, aber Guerra gelingt es dennoch die Trostlosigkeit eines halb entvölkerten Amerikas einzufangen.
Ein gruseliges Szenario von Brian K. Vaughan in einer Zukunft ohne Männer. Die Endzeitstimmung wird sehr gut dargestellt und unterhält ungemein! 😀
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Montag, 19. Februar 2007
Harrison Banks bleibt gar keine andere Wahl. Wenn er endlich die Intrige aufklären will, die sein Leben zerstört hat, muss er nach Golden City zurückkehren. Was ihn in der Höhle des Löwen erwarten wird, kann er nicht einmal ansatzweise vermuten.
Die Aufgabe, die er sich selber gestellt hat, scheint unmöglich zu erfüllen zu sein. Banks geht das Wagnis ein. Mit einer alten Polizeiuniform angetan, der privaten Einheiten von Golden City, und einem reparierten Jetski dringt er in die Höhle des Löwen ein. Die Ankunft gelingt, doch von da an läuft alles schief.
Banks hat keinerlei Papiere bei sich und wird sogleich entdeckt. Die eine Wache kann er zwar noch ausschalten, doch dann ist schnell die Jagd auf ihn eröffnet. Der Aufenthalt auf Golden City könnte ungewohnter nicht sein.
Bisher haben Kopfgeldjäger Jagd auf ihn gemacht. Er verbrachte mehrere Monate in einem Hochsicherheitsgefängnis. Er gewann Freunde in Menschen, die er auf normalem Wege niemals kennengelernt hätte. In der jüngsten Vergangenheit ging er mehr Wagnisse ein als in seinem gesamten Leben zusammengenommen.
So ist es für äußerst ungewöhnlich nach so langer Zeit, seine Frau wiederzusehen, die es bisher nicht gemerkt hat, dass sie ein Leben an der Seite eines Doppelgängers führt.
Mit dem Eindringen in den streng gesicherten Komplex von Golden City gehen Banks’ Schwierigkeiten erst richtig los. Der Hinweis, den seine Mutter ihm hinterlassen hat, ist leider nicht vollständig, weshalb er auf Mutmaßungen angewiesen. Als er des Rätsels Lösung findet, ist es für ihn nicht nur eine unbequeme Wahrheit, sondern der blanke Horror. Was seine Mutter in der Vergangenheit tat, hätte er nicht erwartet.
Damals: Harrisons Mutter wünscht sich ein Kind. Aber sie ist auch eine mächtige Frau, die sich nicht auf herkömmliche Reproduktionstechniken verlassen will. Mit Hilfe einer Wissenschaftlerin schafft sie einen geheimen Komplex, dessen Techniken den Untergang für Harrison legten, obwohl sie ihn doch ursprünglich schützen sollten.
Harrisons Chancen scheinen endgültig aufgebraucht zu sein.
Die Akte Harrison, die fünfte Episode von Golden City stellt dem Helden Harrison Banks noch mehr Hindernisse in den Weg. Bisher glaubte man als Leser, es könne für ihn kaum noch schlimmer kommen. Diese Episode belehrt den Leser eines Besseren.
Sehr schnell merkt man, wie der Endspurt der Geschichte eingeläutet wird, denn es schließt sich so mancher Kreis und so manches Geheimnis wird gelüftet, so manche Vergangenheit enthüllt.
Die kleine Gruppe von Strandräubern, bei der Harrison einige Male Zuflucht gefunden hat, erfährt durch ein neues hilfreiches Mitglied etwas über das Verschwinden von Mifas Mutter. Ein alter Feind hat bereits vor vielen Jahren das wenige Glück einer kleinen Familie zerstört. Nicht nur durch dieses Ereignis wird wieder deutlich, wie ungeheuer sympathisch diese kleine Gruppe dargestellt ist. Man wird als Leser nicht mit der Nase darauf gestoßen, aber es erschließt sich einem nach und nach. Umso gemeiner ist es von Autor Daniel Pecqueur, wenn er es wagt, dieser Gruppe etwas zustoßen zu lassen. Im Gegensatz zu Harrison Banks, der ein reicher Pinkel ist, hat man sofort Mitleid mit Mifa und ihren Freunden, sobald ihnen etwas passiert. Allerdings spielt Pecqueur seinem Protagonisten um ein Vielfaches so übel mit. Spätestens jetzt möchte man Golden City auch verfilmt sehen, weil es im vorliegenden Band sehr viele Überraschungen hagelt, die einen bereits im Comic-Format auf eine abenteuerliche Achterbahnfahrt mitnehmen.
Pecqueur nutzt die Heimkehr von Banks, die Architektur von Golden City ausführlich zu beschreiben. Damit gibt er Nicolas Malfin reichlich Gelegenheit, Außenansichten zu zeigen und die Innenräume zu gestalten. Die Räumlichkeiten bestechen durch ein hochfeines Design und könnten geradewegs aus einem Science Fiction-Film stammen. Das Design setzt sich bis in die kleinste Kleinigkeit fort. Es würde nicht verwundern, wenn Malfin auch als Production-Designer bei Filmen oder Spielen tätig wäre.
Im Gegensatz zur hohen Technisierung von Golden City setzt Malfin mit der eher chaotischen Bauweise an der Küste und den Bildern des Meeres ein gutes Gegengewicht. Beide Bereiche können nur durch ihre Gegensätze wirken. Golden City als Handlungsort allein wäre auf die Dauer zu kühl. Diese These bekräftigt sich auch durch die Farbgebung von Pierre Schelle und Stéphane Rosa, die bereits in der Serie Kazandou ein sehr gutes Team bildeten und dort viel Erfahrung im Science Fiction-Genre sammeln konnten.
Golden City befindet sich auf der Zielgeraden und steigert sich weiter. Dank der verschachtelten und eindringlichen Erzählweise steigt die Spannung von Seite zu Seite. Top!
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Sonntag, 18. Februar 2007
In der Halbwelt, jener Welt, aus der sich Menschen am besten heraus halten, kursieren Gerüchte, die den Blutsaugern keineswegs gefallen. Jemand macht Jagd auf sie, noch dazu jemand aus den eigenen Reihen. – Vampirella ist zurück!
In einer kleinen Bar wurde vor kurzem ein neuer Blutspeicher angezapft und die Gäste lassen es sich wohl schmecken. Ein jeder hat etwas zu den Gerüchten beizutragen, Halbwahrheiten, Details, Ängste.
Vampirella, die Verräterin an ihrer eigenen Art, wurde hier gesehen und dort. Dieser und jener ist tot, ausgelöscht, in einer Ascheexplosion vergangen. Aber was ist ihr Ziel?
Auch darüber streiten sich die Gemüter. Angeblich soll sie sich auf einem heiligen Kreizzug befinden, der erst dann sein Ende findet, wenn der letzte Vampir tot ist – verständlich, dass die anwesenden Blutsauger von dieser Aussicht nicht gerade begeistert sind. Die Person um die sich letztlich alles dreht, heißt Lilith, jene Urmutter der Vampire, die wegen ihrer Brut bis zum jüngsten Tag verflucht ist.
Es sei denn, jemand nimmt sich des Problems an und tilgt die Blutsauger vom Angesicht der Erde.
Ein Streit bricht in der Bar aus. Auch unter Vampiren kann solch ein Streit mit einer kleinen Lokalrunde besänftigt werden. Aber als der nächste Blutspeicher, Mensch, angezapft werden soll, kommt es für die anwesenden Gäste völlig anders als erwartet.
Vampirella ist zurück!
Kein Vampir davor oder danach ist derart sexy aufgetreten und ist im Comic-Bereich zu einem Inbegriff der Blutsauger geworden.
Vampirella bildet einen äußerst gegensätzlichen Charakter. Einerseits ist sie mit äußerst großen weiblichen Attributen ausgestattet und kurvenreicher als die Serpentinen einer Gebirgsstraße, andererseits geht sie oftmals blutiger ans Werk als der Ur-Vampir, Dracula persönlich, schlechthin.
Vampirellas Vergangenheit ist darüber hinaus noch sehr ungewöhnlich. Immer wenn die Sprache auf ihre außerplanetare Herkunft von Drakulon kommt, entsteht so eine B-Movie-, wenn nicht sogar C-Movie-Geschmack, der angesichts der Verfilmung mit Ex-Bondgirl Talisa Soto in der Hauptrolle gar nicht so weit hergeholt ist. Drakulon als Hintergrundgeschichte spielt keine Rolle mehr, der Pulp-Geschmack bleibt.
Man darf aber auch nicht vergessen, dass Vampire lange Zeit nur im Pulp-Bereich überlebt haben, bevor sie mit Anne Rice & Co. und einem leicht schwülstigen Horror ein Comeback erlebten.
Vampirella hat nicht nur überlebt, sie hat sich außerdem noch einen Namen gemacht. Das mag auch an ihrem Outfit liegen: ein knapper roter Einteiler, hohe Stiefel, mehr nicht. Diese gewisse sexuelle Komponente hat sicherlich auch zum langen Comic-Dasein von Vampirella beigetragen. – Sex war aber schon zu Draculas Zeiten unterschwellig thematisiert und ist keine Erfindung von Vampirella. Bei ihr ist es eher eine Aussage wie: Wenn schon, denn schon. So teilt sie mit Dracula nur den hohen Kragen und das Rot seines Umhangs.
Neben ihren ganz eigenen Auftritten war sie ein beliebtes Crossover-Girl – mit Lady Death, Purgatori, Shi, Pantha, Chastity oder auch mit der Magdalena.
Aus dem Vampir-Genre ist Vampirella nicht mehr weg zu denken, zumal sie auch mit ihren Ausflügen in Romane und Mangas andere Wege beschritt.
Vampirella Revelations ist ein Prolog zu einem neuerlichen Feldzug der Vampir-Ikone. Wie bei den Fans so hat sich die schwarzhaarige Vampirin auch bei ihren Feinden in der Erzählung einen Namen gemacht – wie es sich gehört, ist es ein Name der gefürchtet wird.
Nette Kleinigkeiten dieses Auftakts sind zum Beispiel die Art und Weise, wie in der Vampirkneipe für Getränkenachschub gesorgt wird. Es ist eine Szene, die den Leser in die Geschichte hineinkatapultiert, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die Bilder unter der Federführung von Mike Lilly bleiben düster. Es bleibt ihm nicht viel Zeit, sich selbst und seine Fähigkeiten angemessen in Szene zu setzen. Dort, wo ihm mehr Platz bleibt, gelingt es ihm schon ganz gut, besonders als sie ihr Versteck verlässt. Der Auftakt insgesamt, von Mike Carey geschrieben, macht Hoffnung auf eine stark actionhaltige Handlung. Man darf gespannt sein. 🙂
Wer bei Dark Horse in diesen Tagen auf der Homepage vorbeischaut, findet zwei äußerst gelungene Bildwechsel vor. The Messengers zeigt eine gelungene Bildfolge im besten Sinne moderner japanischer Gruselfilme, die in den letzten Jahren auch vermehrt für den amerikanischen Markt adaptiert wurden. Beeindruckender, mit einem Blick, der einen wirklich anglotzt, ist die Werbung zu Blade Of The Immortal.
Dark Horse bietet gerade einen schönen Blick hinter die Kulissen von Rex Mundi (jüngst auch bei uns auf Deutsch erschienen). Im direkten Vergleich lassen sich hier sehr schön Script, Bleistiftskizze, die ausgeführte Zeichnung wie auch die kolorierte Fassung nebeneinander betrachten. Ein verdammt gelungenes Making Of, da sich hier der Arbeitseinsatz sehr schön ablesen lässt. Die Wirkung der Bleistiftzeichnungen ist bereits toll, aber sobald die Farbe ins Spiel kommt, wird es richtig spitze. Die magische Auseinandersetzung hat es in sich.
(Schaut Euch die Bilder mal ohne Lettering an. Es ist erstaunlich, wie gut die Szenen auch ohne Text funktionieren.)
Dark Horse war ja schon immer für Horror-Comics gut und hat sich in dem Bereich eine schöne Nische erobert. Buffy kehrt in Comic-Form für eine achte Season zurück. Aber auch sonst gibt die kleine Werkschau einige nette Neuigkeiten her.
In den USA läuft das Merchandising rund um Comics wie auch der Absatz von Comic-Action-Figuren auf Hochtouren. Bei uns sind viele dieser Schätzchen etwas schwieriger zu bekommen. Bei einem bekannten Internet-Auktionshaus finden manchmal regelrechte Schlachten um solche Figuren statt. (Achtet mal auf den 80 cm großen Batman aus Batman Begins.) Figuren des Superman Returns gingen irgendwie nicht so gut. Ein Kaufhaus in meiner Nähe bietet sie zur Zeit an wie Sauerbier. (Sie hätten aber auch ein wenig liebevoller gemacht sein können.)
Im Vergleich dazu sind die Figuren, die den Zeichnungen von Alex Ross nachempfunden sind, ein echter Hammer und wirklich gut getroffen.
Übrigens, wer noch Lesefutter braucht und einen kleinen Vorgeschmack von The Portent haben möchte (demnächst bei Cross Cult auf Deutsch), schaut mal bei Image Comics in den Webcomics nach. Es sind immerhin samt Cover satte 29 Seiten.
Samstag, 17. Februar 2007
Joe Canelli fristet ein ganz normales Polizistendasein. Die Polizisten kassieren unter der Hand kräftig ab, dafür kann das organisierte Verbrechen ungestört seinen Geschäften nachgehen. – Leider krempelt ein Mord dieses System gründlich um.
Canelli beginnt mit seinen Ermittlungen, die ihn tief in einen Sumpf aus Korruption und dunklen Machenschaften führen wird. Einer der Toten ist eine führende Persönlichkeit aus der Riege der Kriminellen. Canelli versucht den Ermittlungen alle Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die er aufbringen kann. Sein Großvater hat einen leichten Infarkt und muss ins Krankenhaus. Canelli selbst wird von Träumen geplagt, die sehr rätselhaft sind. Ein langer Gang, ein Fremder am Ende des Ganges. Der Gang ist ungewöhnlich. Er wirkt wie ein aufgehängter Steg.
Viel Zeit bleibt Canelli nicht, um mit seiner eigenen Psyche fertig zu werden. Auf den Tod des Kriminellen folgt bald das nächste Massaker. Diesmal ist die Aussage eindeutig, denn es gibt einen Augenzeugen. Polizisten haben das Massaker angerichtet. Sollte diese Information nach draußen dringen, wird der wackelige Frieden zwischen den Fronten zusammenbrechen.
Canelli muss sich entscheiden. Will er der Polizist bleiben, der sich aus allem herausgehalten hat? Der Polizist, den sein Großvater nicht leiden kann? Will er der Polizist sein, der er ist? Oberflächlich und korrupt, nur auf sich bedacht? Oder ein Polizist, der seinen Job macht, obwohl der Weg zwangsläufig lebensgefährlich sein wird?
Mit Kickback hat David Lloyd keinen reinen Thriller geschaffen, dafür ist die Geschichte viel zu vielschichtig. Canelli und seine Familie, seine Vergangenheit sind ebenso ein wichtiges Thema wie der eigentliche Kriminalfall. Über die Verbecherjagd findet Canelli wieder zu sich selbst.
Die Geschichte erschließt sich dem Leser zunächst über die Optik. Grafisch gewinnt man schnell den Eindruck von überarbeiteten Fotografien – aber es ist eben nur ein Eindruck. Denn in Wahrheit ist es kein Filmfotoroman, der hier mit einem Computerretuscheprogramm bearbeitet wurde. Lloyd hat seinen ganz eigenen Stil gefunden, um einer Geschichte Authentizität zu verleihen. Die schwarzen Linien sind extrafett gezogen, aber mit einer derartigen Präzision, als wären ihnen per Retusche noch einige Pixel hinzu gegeben worden.
Die Kolorierung folgt keiner gängigen Prozedur. Wer alte Schwarzweißfilme gesehen hat, die nachträglich koloriert wurden, in den frühen Tagen, als diese Prozedur noch von Hand erfolgte, kann sich einen gedanklichen Eindruck dieser Bilder von David Lloyd machen. Schatten sehen getuscht aus, könnten zum Teil aber auch mit einem Bleistift grob aufgerieben worden sein.
Grafisch wehrt sich die Geschichte ein wenig gegen den Betrachter – anders kann ich es nicht ausdrücken. Aber es ist auch eine Welt, die man nicht betreten möchte, die man lieber von außen betrachtet (ebenso wie V wie Vendetta, das von David Lloyd in Bilder gebannt wurde).
Lloyd arbeitet mit unterschiedlichen Perspektiven. Einmal sehen wir die Akteure von außen, wir können ihre Gefühle aus ihren Gesichtern ablesen. Ein anderes Mal sehen wir durch ihre Augen, wir sehen, was ihnen geschieht, aber wir sehen auch, was der Auslöser für ihre nächsten Handlungen sein wird.
So geschickt verstrickt der Autor Lloyd den Leser immer tiefer in die Handlung. Das ist nicht immer angenehm, aber es zwingt zum Dranbleiben – wenn man diesen erzählerischen Trick annimmt.
Neben der eigentlichen Handlung reist Canelli zu sich selbst. Aber wir verfolgen auch die Reise von Canellis Großvater, einer anderen wichtigen Figur in dieser Geschichte. Sein Großvater ist einerseits die Gewähr für einen Blick in die Vergangenheit, aber auch ein Ausblick auf die Zukunft.
Der Großvater hat eine Zeit des Aufbruchs kennengelernt, eine Zeit der Luftschiffe, als riesige zigarrenförmige Fahrzeuge durch die Luft fuhren (nicht flogen). Reisen besass eine majestätische Langsamkeit, es hatte etwas Schönes, aber auch etwas Exklusives. Mit dem Absturz der Hindenburg endeten die Träume des Großvaters und wurden zu einer lebenslangen Spinnerei. Sie wurden zu dem, was immer aus Träumen wird, die man wegen mangelnder Einsicht nicht zu Grabe tragen möchte.
Canelli selbst hat diesen Aspekt erkannt, nur seine eigenen Ängste kennt er bislang noch nicht. Da ist nur dieser Albtraum, der ihn verfolgt. Insgeheim ahnt er die Auflösung, insgeheim ist ihm nur allzu bewusst, wohin der unheimliche Weg führen wird, von dem er nächtens heimgesucht wird. Es ist der Weg, dem er sich täglich verweigert.
Erst als er sich ehrenhafter verhält und endlich das macht, was einen Polizisten eigentlich auszeichnet, was von ihm verlangt wird, löst sich der Knoten endlich auf.
Ein ungewöhnlicher Thriller von David Lloyd mit einem hoffenden Charakter in einer dunklen Stadt, grafisch außergewöhnlich, gelungen erzählt, spannend, vielschichtig. Spitze. 😀
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Freitag, 16. Februar 2007
Wir schreiben das Jahr 2039. Ein Mord wurde begangen. Die Polizei hat einen Verdächtigen im Visier und jagt den Unbekannten, den sie nur den Bat-Man nennt. Wer ist dieser geheimnisvolle Mann, über den kaum Informationen existieren?
Überwachungsfluggeräte ziehen ihre Kreise über Gotham City. Suchscheinwerfer leuchten jeden verdächtigen Winkel am Boden aus. Der Unbekannte kann und darf nicht entkommen. Aber sie haben nicht mit der Agilität des Flüchtigen gerechnet, der schier übermenschliche Fähigkeiten zu haben scheint.
In einer Stadt, in der nichts verborgen bleibt, eine Stadt, die dreckig und überbevölkert ist, einer Stadt, die keinerlei heimatliche Gefühle zu wecken vermag, ist der Gejagte trotzdem gruselig, denn er sieht aus wie eine riesige Fledermaus und jagt seinerseits den Verfolgern einen gehörigen Schrecken ein.
Die Jagd bleibt für den Fledermausmann nicht ohne Folgen. Schwer verletzt sucht er sein Versteck auf. Die wenigen Freunde, die er hat und die sein Geheimnis kennen, kümmern sich um ihn. Sobald er nur ein wenig wieder auf den Beinen ist, nimmt er die Spur wieder auf. Wer wollte ihn hereinlegen? Wer hat ein Interesse daran, Batman einen Mord anzuhängen? Wer war der Tote? Wer sind die Agenten, die sich plötzlich in den Fall einmischen?
Auf der anderen Seite stellt sich den ermittelnden Beamten die Frage: Wer ist dieser unbekannte, selbst ernannte Verbrechensbekämpfer? Bilder von ihm reichen zurück bis ins Jahr 1939. Aber diese Aufzeichnungen sind allenfalls Fragmente und keine Dokumentation. Außerdem scheint sich seine Gestalt etwas verändert zu haben in all den Jahren. Die Polizei steht vor einem Rätsel.
Auch Batman folgt seinen zu lösenden Rätseln, geduldig und unnachgiebig. Was er schrittweise erfährt, erschüttert selbst den hart gesottenen Ermittler, der schon alles gesehen zu haben glaubt. Seine Feinde gönnen ihm nichts. Sind es auch keine Superschurken, so gehen sie doch mit der gleichen Gewissenlosigkeit zu Werke. Aber Batman hat in all den Jahren nichts verlernt. Hartnäckig, und mit der Hilfe alter und auch neuer Freunde, bleibt er bis zum bitteren Ende an dem Fall dran.
Wie kann Batman über 100 Jahre alt sein? Auch Batman – Das 100. Jahr beantwortet diese Frage nicht – muss es auch nicht. Denn was Autor und Zeichner Paul Pope hier gestaltet hat, liest sich wie ein Neuanfang von Batman. Selbst angestammte Leser können den Bat-Man hier völlig neu entdecken.
Paul Pope zeichnet ein im wahrsten Sinne des Wortes düsteres Bild der Vereinigten Staaten der Zukunft. Die Verbecherjagd kann zentral gesteuert werden. Polizeischwadronen kontrollieren den Luft- und den Straßenraum. Pope zeichnet diese Welt in schnellen, skizzenhaften, abstrakten, manchmal krummen Strichen. Diese Welt ist kaputt. Es ist eine Welt geworden, in der ein Batman dringender gebraucht wird, als jemals zuvor. – Da gibt es nur eine Besonderheit: Die Superschurken sind weg. Sie haben nicht einfach ihren Job aufgegeben oder sind gestorben, weil die Natur schlicht ihr Recht einforderte. Nein, sie wurden beseitigt.
Einer, der sich deshalb gewaltige Vorwürfe macht, ist ein Polizist namens Gordon, seines Zeichens ein Enkel eines anderen Gordon, der den Bat-Man schon viel früher kannte. Dieser neue Gordon muss den Bat-Man erst noch für sich entdecken und seine Geheimnisse ergründen. Als es soweit ist, ist er bereit, so lange wie möglich zu schweigen, um die Vergangenheit dieses Helden zu schützen.
Gordon ist ein demoralisierter Cop, der von seinem Gewissen geplagt wird. Er dachte die Sache in Arkham, sei die schlimmste Sache, die ihm jemals passiert ist. Er hat sich getäuscht. Da er sich einmal nicht widersetzt hat, ist er zur leichten Beute geworden. Zuerst ist nur er sich selbst den eigenen Widerstand schuldig, als er sieht, dass einem Unschuldigen Schaden zugefügt werden soll. Je mehr er sich mit dem Bat-Man beschäftigt, umso mehr ist er sich bewusst, dass er es auch seiner Vergangenheit schuldet – und der seiner Familie.
Pope ist mit Gordon ein sehr guter Comic-Charakter gelungen.
Während Batman sehr im Dunkeln bleibt, scheint das Licht auf seinen engen Helferkreis schon heller. Eine Ärztin und zwei jugendliche Erwachsene opfern sich sehr für den geheimnisvollen Rächer auf, der selbst in ihrem Beisein den unwiderstehlichen Drang zu verspüren scheint, sein Gesicht nicht allzu häufig zu zeigen. Pope schildert auf behutsame und überzeugende Weise, wie sehr sein Leben ihr eigenes auf den Kopf stellt. Der neue Robin ist nicht wiederzuerkennen, aber er ist nicht minder begabt und auch nicht weniger haghalsig als seine Vorgänger.
Dieses Batman-Team muss mit viel weniger auskommen, als es der Leser gewohnt ist. Die Bathöhle ist eine miese Absteige geworden. Wenn die Mission geschafft ist, kommt kein ferngesteuertes Batmobil um die Ecke gerast. Mehr als ein (wenn auch besonderes) Motorrad ist für diesen Batman nicht drin.
Diese faszinierende, ungewohnte, aber hoch spannende neue Sicht zeichnet Paul Pope beinahe auf brutale Weise, die den Leser mitreißt und keine Ablenkung bietet. Dieser Batman, der auch schon mal ein falsches Gebiß einsetzt, um seine Feinde zu erschrecken, ist schwerer und dunkler als viele andere Geschichten des Dunklen Ritters – und schon ist ein Bezug gefunden: Popes Batman-Variante kann sich mit Frank Millers Batman messen. Es findet sich sogar eine kleine Anspielung darauf im vorliegenden Band. Pope hat seine Hausaufgaben gemacht.
Wie erzählt man Batman neu? Pope gibt eine eindrucksvolle Antwort: rasant, ungewöhnlich, überaus rätselhaft, spannend. Dieser Batman ist eine regelrechte Essenz dieses Charakters. 🙂