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Comic Blog


Mittwoch, 31. Oktober 2007

Justice 5

Filed under: Superhelden — Michael um 23:15

Justice 5Lex Luthor und Brainiac heißen die Feinde, die der Justice League of America, kurz JLA, das Leben schwer machen. Inzwischen ist es den Helden auch klar, wie es zu dem Großangriff der Schurken kommen konnte. Brainiac kontrolliert sie mittels mikroskopisch kleiner Parasiten.
Die Zeit zum Gegenschlag ist gekommen. In der Festung der Einsamkeit versammeln sich die Freunde und lauschen einem Plan, der ihnen zunächst nicht so recht behagen mag. Die Metal Men schlagen das Tragen zusätzlicher Rüstungen vor, die ein Eindringen der Miniroboter Brainiacs unmöglich machen sollen.

Wenig später rollt ein Großangriff der Helden gegen Gorilla Grodd. Das Untier, ausgerüstet mit der Macht des gelben Rings von Siniestro, macht ihnen den Kampf so schwer wie möglich.
Doch nicht nur Wonder Woman, Green Lantern, Green Arrow und Red Tornado haben einen schweren Kampf zu schlagen. Auch Captain Marvel findet sich in einer Auseinandersetzung wieder. Allerdings hat er es nicht nur mit seinem Erzfeind Black Adam zu tun, sondern muss noch gegen seine Verwandten antreten, die durch Brainiacs Roboter manipuliert sind.
Der Kampf hat Folgen. Wenig später treffen zwei Titanen aufeinander: Superman und Captain Marvel.

Und das ist erst der Anfang. Nachdem die Helden allesamt mit speziellen Rüstungen gewappnet sind, ziehen sie in die Schlacht.

Wenn Alex Ross seine künstlerischen Fähigkeiten anwendet, dann entsteht für die Augen des Fans ein wahres Fest. Justice ist ein solcher Leckerbissen geworden. In dem vorliegenden Sechsteiler findet sich alles und jeder, der im DC-Universum Rang und Namen hat. Alleine das Cover hat bereits Poster-Qualität – im Gegensatz zu anderen Produktionen setzt sich diese Qualität im gesamten Heft fort.

Das Besondere an Ross‘ Figuren ist der 50er-Jahre-Look. Er zieht diese Helden so an, wie man sich im Jahrzehnt des Umbruchs Superhelden vorstellte – ja, so wie es Joe Shuster und Jerry Siegel sich vorstellten. Ross setzt diesen Vorstellungen seinen Fotorealismus auf, hier stark unterstützt durch das handwerkliche Geschick von Doug Braithwaite. Mehr von seinen Arbeiten sieht man unter www.dougbraithwaite.com, wo sehr schön heraus gearbeitete Bilder zu sehen sind.
Begeistern könne in diesem Band einige großformatige oder doppelseitige Bilder. Beispiele für eine perfekte Arbeit sind hier der Auftritt der gerüsteten Helden, die Tafel der Schurken, der Kampf zwischen Supie und Captain Marvel wie auch einige Szenen mit Green Arrow und Black Canary.

Die Vielfalt, die ein absolutes Plus des gesamten Abenteuers wie auch des vorliegenden Bandes ist, ist zugleich auch ein Minuspunkt, weil die Bilderflut wie in einem überbordenden Action-Film geradezu erschlagend ist. Angesichts der Qualität mag man das aber (mehr als) billigend in Kauf nehmen.
Auch der Einfallsreichtum versteht zu begeistern. Die Rüstungen von Hawkman und Hawkgirl sind genial anzuschauen, Batsies rotschwarzes Outfit erinnert an Batman Beyond (hierzulande: Batman Of The Future).

Die Handlung steht ein wenig hinter der Optik zurück – immerhin können die Bilder einen Vorgeschmack davon geben, wie ein JLA-Film aussehen könnte, dessen Verfilmung im Augenblick heiß diskutiert wird, da DC wohl endlich einen cineastischen Gegenangriff auf die X-Men starten will.
Was sich in jedem Fall mit Fug und recht behaupten lässt, ist, dass es sich hier um einen echten Action-Klopper handelt, der unter der Federführung eines Top-Produzenten wie Jerry Bruckheimer entstanden sein könnte.

Hammer-Unterhaltung, Riesenbilder in einer Top-Produktion toller Künstler und eines Erzählers, der den Kraftakt vollbringt, nahezu (fast) alles und jeden des DC-Universums in einer Sonderreihe unterzubringen. 😀

Dienstag, 05. Juni 2007

Astro City – Der gefallene Engel

Filed under: Superhelden — Michael um 17:07

Astro City - Der gefallene EngelSteeljack ist wieder aus dem Knast. Es ist da draußen schwer für einen Ex-Knacki. Noch schwieriger ist es für einen Ex-Verbrecher, der sich mit Superhelden angelegt hat.
Steeljack erinnert sich an die Zeit, als er ein kleiner Junge war und die Engel fliegen sah. Was hätte er nicht alles dafür gegeben, so wie sie zu sein? Ein Superheld? Er wollte auch ein Held sein und war bereit alles dafür zu tun – und alles dafür zu bezahlen. Doch irgendwie kam alles ganz anders. Schneller, als ihm in der Gegenwart lieb ist, geriet er auf die schiefe Bahn. Irgendwann lernte er wirklich die Engel kennen. Zu diesem Zeitpunkt stand er längst auf der falschen Seite.

Wieder draußen, nach so vielen Jahren, in dem das Leben an ihm vorbeizog, ist es nicht leichter geworden. Für jemanden, dessen Haut aus Metall besteht, sind selbst Aushilfsjobs schwer zu finden. Als Tellerwäscher kann er auch nicht lange bestehen, denn seifiges Wasser und Metall lassen die Teller aus seinen Händen rutschen. Steeljack zieht sich frustriert immer weiter in sich zurück.
Da wird ihm ein Auftrag angetragen, mit er niemals gerechnet hätte. Irgendjemand lässt Menschen aus seinem Viertel verschwinden. Kleine Gauner, die sich mittels Technik und bescheidener Fähigkeiten, zu Super-Verbrechern aufgespielt hatten. Niemand von außerhalb interessiert sich für das Verschwinden dieser Menschen. Jeder glaubt, dass die Polizei sich um diese Fälle nicht kümmern wird – im Gegenteil, die vorherrschende Meinung lautet, man werde ehemaligen Verbrechern nicht helfen. Ein verschwundener Gauner ist eine Akte, die endgültig geschlossen werden kann.

Hier kommt Steeljack ins Spiel. Er ist nicht der Beste, den sie finden können. Er ist auch kein intelligenter Detektiv, aber – und das ist sein besonderer Vorteil – er kann sehr viel einstecken. Zuerst weiß er nicht, wo er überhaupt anfangen soll. Er fragt herum und klappert die Verwandten der Verschwundenen ab. Wie es sich bald zeigt, taugt selbst das schlimme Schicksal der Gauner nicht zur Abschreckung. Ein junges Mädchen will sich auf den gleichen Pfad wie ihr Vater begeben. Steeljacks versucht sie zu überzeugen, dass sie einen Fehler macht. Ihre Reaktion erinnert ihn zwangsläufig an sich selbst, als er in ihrem Alter war.
Seine Arbeit bringt nichts. Im Gegenteil, denn die Menschen sterben weiter. Und es begegnen ihm hoffnungslose Menschen wie El Hombre, der Held, der sich seine Bedrohungen selber schuf und kläglich damit scheiterte. Eigentlich sollte Steeljack dadurch endgültig abgeschreckt werden, aber ab einem bestimmten Moment erwacht sein Ehrgeiz. Schwach ist er zu Beginn und wird endlich von dem tiefen Wunsch zu helfen abgelöst. Die Spur wird heißer. Leider will niemand auf Steeljacks Vermutung hören, obwohl er sie mit Indizien untermauern kann.

Steeljack steht allein. Aufgabe kommt jedoch nicht mehr in Frage.

Astro City – Der gefallene Engel zeigt die (oder eine) Welt der Superhelden, in es lebensechter zugeht. Die Menschen haben hier eine Menge Probleme und Sehnsüchte, die durch die Superhelden noch genährt werden – ja, man könnte sagen, gäbe es das Vorbild der Helden nicht, gäbe es auch viel weniger Verbrecher.
Kurt Busiek, der Fans von seiner sehr guten Arbeit an den Rächern her bekannt sein dürfte, hat mit Astro City eine Plattform bearbeitet, in der die Sicht von unten viel bedeutsamer bei der Erzählung ist.

Busieks Held in dieser Geschichte, der gescheiterte Superverbrecher Steeljack, dürfte wohl zu den traurigsten Exemplaren seiner Gattung gehören. Das liegt nicht zuletzt an den Zeichnern Alex Ross (Cover) und Brent Eric Anderson. Steeljack sieht aus wie ein metallener Robert Mitchum. Groß und schwer kann seine Erscheinung zwar noch beeindrucken, aber die Kraft ist aus der Haltung verschwunden. Die Schultern haben zuviel Belastung ertragen. Steeljack ist ein riesiges Kind. Alle Illusionen sind verloren gegangen. Misstrauen und Selbstzweifel beherrschen ihn. Aus Steeljack ist der typische Antiheld geworden, der im Selbstmitleid ertrinkt, bis er erkennt, dass er der einzige Mensch ist, der das Unheil aufhalten kann. Er entscheidet sich, über den eigenen Schatten zu springen und den Weg zu Ende zu gehen – egal, was geschehen mag. Insgeheim hat er seinen wahrscheinlichen Tod auch in die Gleichung aufgenommen. Mittlerweile ist er davon überzeugt, dass es das wert ist.

Außer der vorzüglich beschriebenen Figur Steeljack steht sein altes Viertel im Mittelpunkt der Handlung. Zwar bildet es auch die Plattform, auf der erzählt wird, aber es ist ebenso ein vielschichtiger Protagonist.
Gemäß alter Krimi- und Thrillervorlagen ist dieses Viertel auf Einzelschicksalen gebaut. Der Friedhof, der für Steeljack ein wichtiger Anlaufpunkt ist, zeugt davon. Hier findet er sich nicht nur er ein, um sich stets bei seiner Mutter zu entschuldigen, dass er es nicht besser gemacht hat. Hierher kommt auch die nächste Generation, bereit, die gleichen Fehler zu machen wie, bereit dafür, so großspurig zu sein und zu behaupten, man würde es als Superverbrecher zu mehr bringen als die alten Herrschaften.
Superverbrecher wie auch Superhelden sind jenseits der allseits bekannten Figuren aus dem DC- und Marvel-Universum angesiedelt. Manche Figur macht einen etwas lächerlichen Eindruck, wird aber im Rahmen der Geschichte außergewöhnlich gut hergeleitet (wie im Falle von El Hombre und der Schildkröte).

Was die realistischen Eindrücke im ersten Ansatz festigt, sind die tollen Cover der einzelnen Episoden von Alex Ross. Dank ihm wirken Steeljack, El Hombre und Schildkröte ziemlich realistisch, beinahe wie Entwürfe zu einer Verfilmung. Gerade das Auftauchen der Schildkröte aus dem Wasser ist dergestalt angelegt.
Die Hauptarbeit der Bilder erledigt Brent Eric Anderson versiert und ohne Experimente. Aber jegliches grafisches Abweichen von den üblichen Darstellungen hätte vielleicht auch zu sehr abgelenkt.

Auch so können Superhelden sein: Realistischer, mit sehr viel Gemüt und Stil erzählt. Steeljack ist eine hervorragende Figur geworden, die sich in einem spannenden Thriller behaupten muss. 😀

Sonntag, 18. Februar 2007

Ein kleiner Comic-Streifzug

Filed under: Meldungen,Webcomics — Michael um 1:22

DC - Alex Ross FigurenWer bei Dark Horse in diesen Tagen auf der Homepage vorbeischaut, findet zwei äußerst gelungene Bildwechsel vor. The Messengers zeigt eine gelungene Bildfolge im besten Sinne moderner japanischer Gruselfilme, die in den letzten Jahren auch vermehrt für den amerikanischen Markt adaptiert wurden. Beeindruckender, mit einem Blick, der einen wirklich anglotzt, ist die Werbung zu Blade Of The Immortal.
Dark Horse bietet gerade einen schönen Blick hinter die Kulissen von Rex Mundi (jüngst auch bei uns auf Deutsch erschienen). Im direkten Vergleich lassen sich hier sehr schön Script, Bleistiftskizze, die ausgeführte Zeichnung wie auch die kolorierte Fassung nebeneinander betrachten. Ein verdammt gelungenes Making Of, da sich hier der Arbeitseinsatz sehr schön ablesen lässt. Die Wirkung der Bleistiftzeichnungen ist bereits toll, aber sobald die Farbe ins Spiel kommt, wird es richtig spitze. Die magische Auseinandersetzung hat es in sich.
(Schaut Euch die Bilder mal ohne Lettering an. Es ist erstaunlich, wie gut die Szenen auch ohne Text funktionieren.)

Dark Horse war ja schon immer für Horror-Comics gut und hat sich in dem Bereich eine schöne Nische erobert. Buffy kehrt in Comic-Form für eine achte Season zurück. Aber auch sonst gibt die kleine Werkschau einige nette Neuigkeiten her.

In den USA läuft das Merchandising rund um Comics wie auch der Absatz von Comic-Action-Figuren auf Hochtouren. Bei uns sind viele dieser Schätzchen etwas schwieriger zu bekommen. Bei einem bekannten Internet-Auktionshaus finden manchmal regelrechte Schlachten um solche Figuren statt. (Achtet mal auf den 80 cm großen Batman aus Batman Begins.) Figuren des Superman Returns gingen irgendwie nicht so gut. Ein Kaufhaus in meiner Nähe bietet sie zur Zeit an wie Sauerbier. (Sie hätten aber auch ein wenig liebevoller gemacht sein können.)
Im Vergleich dazu sind die Figuren, die den Zeichnungen von Alex Ross nachempfunden sind, ein echter Hammer und wirklich gut getroffen.

Übrigens, wer noch Lesefutter braucht und einen kleinen Vorgeschmack von The Portent haben möchte (demnächst bei Cross Cult auf Deutsch), schaut mal bei Image Comics in den Webcomics nach. Es sind immerhin samt Cover satte 29 Seiten.