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Comic Blog


Mittwoch, 14. Februar 2007

Tomb Raider – Kleinode

Filed under: Abenteuer — Michael um 15:00

Tomb Raider - KleinodeLara spielt gerne Spielchen und unternimmt stets das Erforderliche, um ihr Ziel zu erreichen. An diesem Abend hat sie ein Rendezvous mit einem mächtigen Mann, der etwas besitzt, das sie haben will.
Ihre Spur führt sie diesmal nicht zu den Relikten ferner Vergangenheiten, sondern in die neuere amerikanische Geschichte, als die Straßen Chicagos noch von Banden regiert wurden und in Blut und Alkohol schwammen. Ein Name wurde in dieser Zeit zu einer finsteren Legende: Al Capone oder auch Scarface genannt. Nicht alles, was in jenen Tagen geschah, wurde auch aufgeklärt. Immer noch existieren viele offene Fragen. Al Capone selbst wurde nicht wegen seiner schlimmsten Verbrechen vor Gericht gebracht.

Was ihm das Genick brach, war schließlich das Finanzamt. Die Haft beendete von Jahr zu Jahr seinen Status als überragender Gangsterboss. Aber bereits als er verhaftet und sein Vermögen vom Staat eingefroren wurde, entstanden die ersten Gerüchte, dass Capone Vorsorge getroffen hatte. Es sollte ein geheimes Verlies voller Wertsachen existieren. – Mehr Gerüchte sind nicht notwendig, um Lara Croft auf den Plan zu rufen.

Nach ihrem kleinen Rendezvous mit einem Gangster der neuen Generation, der ihr während einer Auktion ein interessantes Stück vor der Nase wegschnappte, hat sie sich dieses Stück nun auf anderen Wege beschafft: Den Hut, den Al Capone bei seiner Verhaftung 1931 trug. Und siehe da, im Hut verborgen findet Lara genau den Hinweis, den sie suchte. Die Jagd beginnt.

Abwasserkanäle sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren! Krokodile waren jedenfalls kein fester Bestandsteil des Kloakensystems. Lara versteht es jedoch, sich gegen diese noch lebende, überdimensionale Handtasche zu wehren. Und der Auftrag ist bald erfüllt und der verlorene Gegenstand gefunden.
Eben noch in der Kloake findet sich Lara schon auf einer Auktion wieder, die nicht minder gefährlich für sie ist. Lara hat schon neue Aufträge an den seltsamsten Orten entgegen genommen. So ist es kein Wunder, dass ihr auch inmitten der glanzvoll gekleideten Menschen eine weitere Bitte angetragen wird.
Die Schatzjägerin hat ein goldenes Herz und zögert nicht lange. Honduras wartet.

Kleinode, so der Untertitel des Tomb Raider Sonderheftes, wartet mit zwei äußerst unterschiedlichen Geschichten aus dem Leben der Lara Croft auf. Erzählerisch wie auch gestalterisch könnten die beiden beinhalteten Geschichten Scarface’s Treasure und Sphere Of Influence kaum gegensätzlicher sein.

In der ersten Geschichte rund um die Hinterlassenschaft von Al Capone geben sich Autor Geoff Johns und Zeichner Mark Texeira die Ehre. Texeira, der auch ein exzellentes Cover zur Geschichte gestaltet hat, besticht in der Handlung selbst durch einen sehr einfachen, aber treffsicheren Strich. Da Johns die Geschichte im Untergrund des modernen Chicago spielen lässt, ist die Hintergrundausgestaltung der Szenerie vernachlässigbar. Texeira kann sich voll und ganz auf die Action konzentrieren. Dies nutzt er auch weidlich aus, denn Lara bekommt alle Hände voll zu tun.
Johns liefert eine sehr nette Pointe zum Schluss ab – Reichtum ist eben relativ und die Auffassung davon ist auch an die jeweilige Zeit gebunden.

War die erste Geschichte noch in der aktuellen (und mittlerweile klassischen) Machart erstellt – zeichnen, tuschen, Kolorierung per Computer – glänzt die Geschichte um die Sphere Of Influence im ungewohnten Schwarzweiß. Zeichnerin Joyce Chin bringt das Abenteuer in leichtem Bleistiftstrich zu Papier. Gleichzeitig unterstützt sie die einfarbigen Bilder mit einer großen Detailvielfalt. Der skizzenhafte Charakter der Zeichnungen lässt während des Lesens nichts vermissen. Für Comic-Fans mag er noch interessanter sein, da er einen viel deutlicheren Einblick in das Können Chins vermittelt und sie zeigen lässt, wie gut ihre Technik und ihr Talent ist.
Auch Autor Kevin McCarthy gelingt eine schöne Pointe. Ganz anders freilich und mehr auf Lara Croft zugeschnitten, aber nicht weniger gelungen als in der Geschichte um das Erbe von Capone.

Zwei Blickwinkel auf Lara Croft, die auf sehr schöne Weise zeigen, was sich aus dem Charakter alles herausholen lässt und wie gut sie in das Medium Short Story passt. Eigentlich ist Kleinode ein perfektes Beispiel dafür, wie man Comics und im Speziellen Geschichten erzählt. 😀

Dienstag, 13. Februar 2007

Wolverine – Saudade

Filed under: Superhelden — Michael um 20:37

Wolverine - SaudadeWolverine hat sich seinen Urlaub redlich verdient. Nach all seinen Kämpfen gegen Superschurken und normale Gauner trifft er in Brasilien ein. Natürlich hält er Kontakt nach Hause. Xavier hat einen Mutanten entdeckt, dem Wolverine nachgehen soll.
Nachgehen ist das richtige Wort, denn kaum hat Wolverine das Telefonat beeendet, wird sein Motorrad gestohlen. Seltsamerweise gelingt es drei Kindern, dieses Kunststück zu vollbringen. Eines der drei hat eine ungewöhnliche Fähigkeit. Es kann den Gleichgewichtssinn eines Menschen vollkommen durcheinander bringen. Auch Wolverine bleibt davon nicht ausgenommen. Binnen Sekunden findet er sich am Boden wieder.

Wolverine macht sich auf die Suche. Bald geht es um mehr als um ein Motorrad. Aus eigener Erfahrung weiß Wolverine, wie schwer es Kinder haben können. In der brasilianischen Gegend, in der er gelandet ist, verhält es sich noch etwas anders. Diese Kinder werden gejagt. Jemand bezahlt Todeskommandos, um ihm Kinder zu bringen. Zu welchem Zweck dies geschieht, bleibt vorerst noch im Dunkeln.
Logan stöbert die Kinder und sein Motorrad auf. Schnell versteht er sich gut mit den Kids, spricht er doch ihre Sprache und ist so ganz anders als andere Erwachsene. Doch die Situation gerät außer Kontrolle. Die Todesschwadron, der die Kinder einmal entkommen sind, findet sie wieder. Wolverines Urlaub wächst sich zu purem Grauen aus.

Wolverine – Saudade ist ein außergewöhnliches Abenteuer aus Wolverines Leben. Einerseits ist es sehr realitätsnah geworden (nicht zuletzt wegen seines Handlungsortes), andererseits hat sich ein europäisches Erfolgsduo des Superhelden angenommen: Jean-David Morvan und Philippe Buchet sind die Macher hinter der erfolgreichen Sillage-Reihe. Die beiden Comic-Veteranen beantworten auf eindrucksvolle Weise die Frage, was geschieht, wenn europäische Comic-Künstler auf amerrikanische Comic-Legenden treffen.

Wieder einmal verlässt Wolverine seine angestammte Umgebung. Slums und Freaks, die andere Menschen jagen, kannte er bereits aus früheren Jahren. Die gezielte Jagd auf Kinder ist jedoch auch für ihn nicht alltäglich – sieht man einmal von der Jagd auf Mutanten jeglichen Alters ab.
Morvan und Buchet geben dem Thema Wolverine noch mehr Ernsthaftigkeit mit, als der Leser es von diesem Charakter ohnehin gewohnt ist. Logan alias Wolverine ist schon immer ein Charakter gewesen, der so manche Angelegenheit persönlich genommen hat und der sich sehr schnell als Beschützer für bedrohte Menschen hervorgetan hat. Ganz besonders Frauen und Kinder konnten immer mit seinem Schutz rechnen.
Hier setzt er sich für Kinder ein, die tagtäglich Bedrohungen ausgesetzt sind, wie wir sie hier auf der anderen Seite des Erdballs nur aus Reportagen her kennen. Morvan und Buchet versuchen diese Bedrohung so realistisch wie möglich zu schildern. Sehr selten nur wurde Wolverine derart zugerichtet, wie es hier der Fall ist. Das Erfolgsduo erspart ihm rein gar nichts.

Die Bedrohung, auf rein realistische Art, ist bereits gefährlich genug. Surrealer, aber nicht weniger drastisch wird es, als Wolverine dem Feind, der bislang hinter den Kulissen agierte, gegenüber steht. Dergestalt hat sich Logan wohl noch nie zur Wehr setzen müssen.
Ohne über diesen Feind zu viel zu verraten, lässt es sich doch sagen, dass dieser Feind eine durchaus zwiespältige Erscheinung ist, denn er ist nicht durch und durch böse, obwohl er sich durch sein Werk auch bereichert. Man könnte diesen Charakter mit der Überschrift versehen: Der Zweck heiligt die Mittel. Nicht umsonst haben Morvan und Buchet diesem Wunderheiler ein messiasähnliches Äußeres gegeben – eigentlich eine bitterböse Anspielung und auch ein gelungener Coup, denn die beiden Erzähler spielen geschickt mit der Erwartungshaltung des Lesers, um sie sogleich abgrundtief zu enttäuschen.

Buchet hat bereits mit Sillage bewiesen, zu welch außerordentlich guten Bildern er in der Lage ist. Hier muss er die Phantasie einer SciFi-Saga hinter sich lassen und sich der echten Welt widmen. Buchets Bilder fangen den harten Alltag und die Umwelt Brasiliens sehr gut ein, aber sie lassen auch nicht das Lebensgefühl dieses Landes außen vor, das sich insbesondere auch die Musik und den Tanz ausdrückt. Wolverine eine Salsa tanzen zu sehen, ist eine schöne kleine Episode – zumal der Leser Wolverine nur sehr selten so heiter und ausgelassen sehen kann.
Umso drastischer fällt der Kontrast durch die Schießereien und Wolverines Verletzungen aus. Denn so ausgelassen Woverine hier ist, noch härter sind seine Verletzungen. Seine Selbstheilungskräfte werden auf eine harte Probe gestellt. Es bedarf sogar der Rettung von außen – nur anders als erwartet. Die übrigen X-Men kommen so gut wie gar nicht zum Zug.
Auch mit diesem Band zeigt Buchet, warum er mit zu den Top-Zeichnern im Bereich Graphic-Novel gehört.

Saudade: Es ist so eine Art Wehmut nach den Dingen, die man hätte erleben können. Morvan und Buchet verwenden eine grandiose und echt anmutende Kulisse für eine Erzählung aus dem Leben eines Comic-Urgesteins. Härter, menschlicher, echter, eine der besten Geschichten rund um den kleinen, stark behaarten Mutanten. 😀

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Montag, 12. Februar 2007

Kenya 2 – Begegnungen

Filed under: Abenteuer,Mystery — Michael um 19:50

Kenya 2 - BegegnungenDieses Lebewesen ist größer als eine Giraffe und viel stämmiger als ein Elefant. Trotzdem steht es mit der größten Selbstverständlichkeit neben zwei Giraffen und lässt sich die Spitzen eines Baumes schmecken.
Die kleine Jagdgesellschaft hat noch nie ein solches Tier gesehen. Das hindert John Remington, den Schriftsteller, nicht daran, es sofort erlegen zu wollen. Innerhalb der Gruppe bricht Streit aus. Man einigt sich darauf, das Tier, wenn möglich, lebend zu fangen. Die Jagd beginnt. Aber wie fängt man ein Tier, das so groß wie ein mehrstöckiges Gebäude ist? – Auch wenn es so aussieht, als handele es sich dabei um einen Pflanzenfresser.

Die Expedition rund Kathy hört gebannt von den Erlebnissen des Safari-Helfers. Die Geschehnisse scheinen vollkommen abstrus zu sein. Unheimlich und ganz selbstverständlich unglaubwürdig. Allerdings häufen sich die Indizien, die für die Wahrheit der Erzählung sprechen. So finden sie einen Fußabdruck des riesigen Baluchitherium, einem Vorläufer der heutigen Nashörner. Außerdem sehen Kathy und ihre beiden Begleiter, der französische und der deutsche Lehrerkollege, inmitten einer Elefantenherde ein Geschöpf, das enorme Ähnlichkeit mit einem Mammut besitzt.

Selten war Afrika so unheimlich wie in Kenya. Der Untertitel Begegnungen ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen. Jede Figur der Handlung bestreitet ihre ganz persönlichen Begegnungen, von denen viele eine äußerst fatale Richtung nehmen.

Kathy, eigentlich Lehrerin, hat sich in den Busch aufgemacht. Die Berichte über die verschollene Expedition sind sehr beunruhigend. Kurzzeitig sieht es so aus, als könne ihre Reisegruppe eine reine Tatortsuche werden, bis sie schließlich ihre eigenen Begegnungen haben – gänzlich andere als jene der Jagdsafari.
Rodolphe, Autor, und Leo bauen auf sehr unheimliche Weise eine unerträgliche Spannung auf. Aus dem afrikanischen Busch wird ein Lovecraft’sches Szenario. So manches Wesen mag aus dem Biologieunterricht oder der Evolutionsgeschichte her bekannt vorkommen. Andere wiederum wirken, wie aus einer Horrorgeschichte entsprungen, deren Design der Fantasie eines H.R. Giger entstammen könnten. Und schließlich sind da noch die seltsamen Lichter über Kenya.

Ähnlich wie im zweiten Teil derLiga der außergewöhnlichen Gentlemen tut sich was am Himmel. Nichts, was technisch in diesen 30er Jahren existiert, könnte hinter diesen Lichtern stecken. Bislang beschränken sich diese Lichter auf die Auslöschung von Spuren. Und immer noch lassen Rodolphe und Leo den Leser im absoluten Dunkeln tappen – im Gegenteil setzen sie auf die bestehenden, ungelüfteten Rätsel noch mehr auf. Die beiden Erzähler spielen mit Anspielungen.
Auch der Baron hat seine Entdeckungen gemacht (fast eine kleine Verbeugung vor Tommyknockers von Stephen King). Das Ende der Geschichte hat eine Vorankündigung, die einer der besten Cliffhanger seit langem ist. Man muss von jetzt ab einfach wissen, wie es weitergeht. Interessanterweise schwebt über dieser Situation auch noch das Damoklesschwert eines neuen Krieges. Während in Afrika die Spannung steigt, driftet Europa auf die Katastrophe zu.

Rodolphes Charaktere sind keine weichgespülten Helden. Die einen sind skrupellos, andere furchtbar naiv, heldenhaft und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, andere sind einfach nur geile Fieslinge. Tatsächlich kann der Leser einige der Charaktere unmöglich leiden können. Aber auch das macht den Reiz von Kenya aus. Vorzeigemodelle dieser mustergültigen miesen Typen sind der Schriftsteller und Großwildjäger Remington sowie der Baron. Während der eine eher poltert, versucht der andere eine charmante Oberfläche zu wahren.
Diese beiden bilden einen guten Gegensatz zur resoluten Kathy, die immer mehr die Initiative an sich reißt und die Männer wie Statisten aussehen lässt.

Das wirklich Schöne an Kenya ist die Tatsache, dass es sich als Geschichte nicht deckeln lässt. Kenya folgt keiner Richtung. Die Details, die Funde wie auch die Charaktere, haben bereits ein solch großes Netz über die Geschichte gespannt, dass spätestens mit dem zweiten Teil ein sehr großes Rätsel entstanden ist – wohl eines der besten Comic-Rätsel.

Mystery, Grusel, Abenteuer, Rodolphe und Leo setzen die unheimliche Erzählung fort und bringen neue Spielarten hinein, die nicht vorherzusehen waren: Genial gut. 😀

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Sonntag, 11. Februar 2007

Hulk

Filed under: Comics im Film,Superhelden — Michael um 18:28

HulkDas Experiment misslingt. Bruce (Eric Bana) stößt seinen Freund beiseite, schirmt die darauf folgende Strahlung mit seinem Körper ab. Als Bruce im Krankenzimmer erwacht, müsste er eigentlich tot sein, doch die heilende Wirkung der Nanomeds scheint bei ihm eingesetzt zu haben. Zum ersten Mal hat die Forschung des Teams Erfolg gehabt. So scheint es und Bruce’ Freundin Betty (Jennifer Connelly) ist skeptisch. Zu Recht, wie sich bald herausstellt.

In der Vergangenheit. Auf einer militärischen Basis forscht der junge Wissenschaftler David Banner (Paul Kersey) an den Möglichkeiten körperlicher Regenerationen. Die Ergebnisse sind nicht ermutigend. Doch Banner hält durch. Als sich Erfolge einstellen, wird ihm die Fortführung der Experimente bei Menschen untersagt. Banner wagt sich an den Selbstversuch, hält diese Tests allerdings geheim. Seine DNS verändert sich nachhaltig. Als er Vater wird, ist das Resultat sehr schnell klar: Banner hat die Veränderungen an seinen Sohn weitergegeben. Und noch eines ist gewiss. Banner verfällt nach und nach dem Wahnsinn. Schließlich endet die Existenz der Familie mit einer Katastrophe.

In der Gegenwart. Eines Abends ist es soweit. Bruce kann seine Wut nicht mehr beherrschen. Das Hemd platzt auf, die Haut wird grün, Bruce wächst und wächst: der Hulk ist geboren. Kaum das erste Mal präsent, zerlegt der grüne Gigant das Labor nach allen Regeln des Chaos und ohne Rücksicht auf Verluste. Das Zerstörungswerk bleibt der Öffentlichkeit nicht verborgen, auch nicht General Ross (Sam Elliott), der Bruce argwöhnisch beobachten lässt. Auch Bruce’ alter Vater (Nick Nolte) wurde aus dem Gefängnis entlassen. Dieser will die gesamte Macht seines Sohnes entfesseln. Ein Mordanschlag auf Bruce’ Freundin Betty scheint dazu die beste Methode zu sein. Drei Hunde, die mit Bruce’ DNS verändert wurden, machen sich auf die Jagd nach der Tochter des Generals.
Dies ist gleichzeitig der Auftakt der Jagd auf Bruce selbst. Sein Vater, das Militär, NSA und private Wirtschaft, die einen wollen ihn töten, die anderen wollen ihn testen, alle wollen ein Stück, um es für ihre Zwecke zu nutzen. Doch am Ende scheint es für alle Beteiligten das Beste zu sein, den Hulk zu vernichten.

Regisseur Ang Lee, der mit „Tiger and Dragon“ weltweit von sich reden machte, hat mit „Hulk“ ein wirkliches Kunststück auf die Leinwand gezaubert. Bislang kannte man den grünen Giganten nur von der Fernsehserie mit Bill Bixby (Bruce Banner) und Lou Ferrigno (Hulk) in den Hauptrollen. Die Serie war ein Event, das später von drei Fernsehfilmen gekrönt wurde. Doch hatte damals noch ein Bodybuilder die Rolle des Hulk inne, standen Lee und seiner Mannschaft dank digitaler Technik weitaus effizientere Methoden zur Verfügung, um den wütenden Mann zum Leben zu erwecken.
Letztlich, und das muss allen Beteiligten klar gewesen sein, fiele oder stände mit der Darstellung des Hulk der ganze Film. Die Beteiligten mussten aber auch sehr bald überzeugt gewesen sein, dass es funktionieren würde. Denn auf der Basis des Drehbuches wird das Erscheinen des Hulks sehr hinausgezögert und die Geduld der Zuschauer auf eine harte Probe gestellt. Freilich kommt selbst bis zum ersten Auftauchen des Hulks keine Langeweile auf.

Die Bildsprache des Films, die Aufteilung deren Filmbilder in symbolische Comicseiten, der Bilder sich vergrößern, verkleinern und verschieben, ist nicht außergewöhnlich. Akteure an verschiedenen Standorten, die miteinander telefonieren, gemeinsam durch eine Trennung auf der Leinwand darzustellen, wurden schon so in Komödien gezeigt. Der Einsatz dieser Verfahrensweise bei verschiedenen Perspektiven ein- und derselben Szene oder in Überschneidungen ein- und desselben Bildes erhöht den Comic-Charakter allerdings sehr stark. Auf diese Weise nimmt der Film sich ein gehöriges Stück seiner eigenen Ernsthaftigkeit, während die doch tragische Geschichte den Film wieder aufwertet.

Dann erscheint der Hulk und was den Zuschauer dann erwartet, ist schier unglaublich. Na, letztlich ist er das ja auch. Dieser Hulk ist riesig. Er kommt der gezeichneten Figur sehr nahe, besonders jener aus den guten alten Tagen als noch Zeichner wie John Buscema die Marvel-Crew bevölkerten. Der neue Film-Hulk wächst auf eine Größe von gut 4 Metern heran, schlägt alles kurz und klein, wenn die Wut ihn übermannt und aus dem Abschussrohr eines Panzers wird dann schon mal ein besserer Baseball-Schläger.
Kurzum, diese Darstellung des Hulk muss das Herz des Comic-Fans erwärmen. Außerdem hat der Kinobesucher lange keine bessere vom Computer generierte Figur gesehen.

Über die Neugestaltung der Handlung bzw. Anpassung an unsere modernen Zeiten kann man streiten. Die Entstehung gefällt mir persönlich nicht ganz so gut, aber das ist am Ende wirklich Geschmackssache. Eigentlich ist es doch eine kosmetische Korrektur und Radioaktivität ist nach wie vor im Spiel. Leider müssen die Fans auf Supergegner verzichten. Über mutierte Hunde und Bruce’ veränderten Vater geht es nicht hinaus. Andererseits gibt es mit dem Hulk ein derart gigantisches Erlebnis, dass ein überbordender Gegner, wie man sie in den beiden Spider-Man Verfilmungen kennen lernte, weder notwendig noch sinnvoll ist.

Natürlich darf auch in diesem Film ein Kurzauftritt von Comic-Altmeister Stan Lee nicht fehlen. Als die Filmfigur Bruce morgens zur Arbeit in das Institut geht, kommt ihm Stan Lee als Chef des Sicherheitsdienstes entgegen und er gibt dabei einem anderen Wachmann Anweisungen: Lou Ferrigno, muskulös wie eh und je, nur nicht mehr grün.

Unter dem Strich bleibt wirklich ein riesiges Leinwanderlebnis, dessen DVD-Extras wie die Erläuterung der Herstellung der Hundekampfszene echte Sahnehäubchen sind.

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Samstag, 10. Februar 2007

Marlysa – Die Lebensfrau

Filed under: Abenteuer — Michael um 13:40

Marlysa - Die LebensfrauMarlysa hat sich zur Abreise bereit gemacht. Der Aufenthalt in der kleinen Herberge war überaus erholsam. Erfrischt will sie die Weiterreise antreten, da ereignet sich ein unerwarteter Zwischenfall.
Oder doch nicht? Eine schöne Frau, noch dazu allein reisend, muss in dieser wilden Welt immer mit Schwierigkeiten rechnen. Zwei Gauner wollen sie aufhalten. Noch im Stall zeigt Marlysa, die Frau mit der weißen Maske, den beiden Kerlen, wie wehrhaft sie ist. Aus einer gemütlichen Reise wird ebenfalls nichts. Auf ihrem Weg muss sie beobachten, wie eine Kutsche von schwer bewaffneten Soldaten überfallen wird. Marlysa zögert keinen Moment und greift ein.

Die Wachen, die den Weg der Kutsche begleiteten, büßen ihre Wachsamkeit und Opferbereitschaft mit dem Leben. Noch im Sterben vertrauen sie Marlysa ihre Schutzbefohlene an. In der Kutsche findet sie eine uralte Frau, dem Tode näher als dem Leben. Die junge Kriegerin kann sich nicht erklären, was die fremden Krieger, die sie in die Flucht geschlagen und getötet hat, von der alten Frau gewollt haben. Doch sie übernimmt die Aufgabe, die Frau zu ihrem vorbestimmten Ziel zu bringen.

Vorerst muss Marlysa jedoch an ihrem Image arbeiten. Der nächste Aufenthalt findet im Vorfeld eines Turniers statt, bei dem Marlysa sich als Zweikämpferin beweisen will. Ob im Abendkleid oder in der Rüstung eines professionellen Kämpfers, Marlysa macht immer eine gute Figur – Aber das genügt nicht immer, wie sich alsbald herausstellt.
Auch die unbekannten Krieger geben so schnell nicht auf. Schneller als Marlysa lieb ist, haben die Fremden sie und die alte Frau wieder aufgespürt. Noch einmal gelingt den beiden die Flucht dank der Hilfe eines freundlichen Druiden. Endlich lüftet sich das Geheimnis um die alte Frau ein bißchen.
Leider bedeutet das auch für Marlysa, dass die Schwierigkeiten jetzt erst so richtig losgehen.

Marlysa – Die Lebensfrau von Jean-Charles Gaudin und Jean-Pierre Danard ist ein schönes Fantasy-Abenteuer. Glücklicherweise ist es nicht jenseits aller bekannten Fantasy konzipiert, weshalb der Einstieg in die Geschichte leicht fällt und der Leser sich schnell zurecht finden kann.

Marlysa ist keine übliche junge Frau. Sie ist eine Kämpferin mit einer bewegten Vergangenheit, die aber für diese Geschichte so gut wie keine Rolle spielt. (Der Leser muss die vorhergehenden Geschichten nicht kennen.) Sie ist kein Überwesen und verliert auch Kämpfe, mitunter überschätzt sie sich sogar. Sie ist klug, aber manchmal auch zu vertrauensselig. Kurzum, sie ist erfrischend normal, einzig ihr Kämpferherz hebt sie sehr von anderen Charakteren der Geschichte ab.
Doch sie ist keine x-beliebige Frau, denn hinter ihrer Maske verbirgt sie ein Geheimnis – welches furchteinflößend sein muss, wie sich an der Reaktion jener ablesen lässt, die Gelegenheit bekommen, sie ohne Maske zu sehen. Da ihr Herz aus Gold ist (natürlich nur sprichwörtlich) findet sie häufig schnell Freunde – nicht immer, weshalb auch Enttäuschungen vorprogrammiert sind.
Mit Marlysa ist als überaus sympathische Frau die zentrale Figur dieser Fantasy-Geschichte. Und weil man sie einem so früh so sehr ans Herz wächst, bleibt man als Leser auch sogleich am Ball.

Eine derart sympathische Figur in einem Comic ist selten. Ich kann nicht einmal so recht deuten, wo die Ursache dafür begraben liegt. Vermutlich sind es viele Kleinigkeiten, die über die ganze Handlung verteilt sind.
Am Ende jedenfalls kann man nur sagen: Prima, dass sie das so toll hinbekommen hat!

Die Lebensfrau beschreibt ein Thema, dass auf (entfernt) ähnliche Weise auch einmal in Star Trek angepackt worden ist. Die Frage lautet: Muss das Leben immer als Kind beginnen? Aus dem Mythos des rückwärts gewandten Lebens entsteht schnell eine Eigendymanik, die ungeheuer viele Ideen nach sich zieht – die von Gaudin auch sehr schön vor dem Leser ausgebreitet werden.
Diese Erfahrungen und Empfindungen als solche, wie die Schwäche des Alters oder die Entdeckungen der Jugend sollten eigentlich nichts Besonderes sein. In dieser Konzentration zeigt Gaudin jedoch, wie groß das Geschenk all dieser Lebensabschnitte doch sein kann.

Die Bilder sind ausgefeilt gezeichnet von Danard. Marlysa ist eine Kämpferin, athletisch gebaut und mit einem Lächeln ausgestattet, das ihre Herzensgüte nach außen trägt. Danard setzt das Konzept seines Kollegen Gaudin hervorragend um.
Doch damit endet Danards Arbeit noch nicht. Er gestaltet eine Welt, mittelalterlich anmutend zunächst, die bald mit vielerlei Gestalten, Bauten und Tieren aufwartet und eine märchenhafte Kulisse entstehen lässt. Dank der farblichen Gestaltung von Angélique Césano wird dieser Eindruck noch unterstrichen.
Besonders knuffig anzuschauen sind die faunähnlichen Lebewesen, ein Volk wie eine Mischung aus Ziegen und Zwergen, zuerst ein bißchen teuflisch, später heldenhaft und freundlich.
Danard zeichnet schnörkellos. Man könnte auch sagen hell. Danards Art zu zeichnen verträgt sich ungeheuer gut mit der erzählerischen Art von Gaudin. So ist es kein Wunder, dass Marlysa bereist in die sechste Runde geht – und hoffentlich noch weitere Fortsetzungen schafft.

Geradlinige Fantasy für ein richtig schönes Lesevergnügen. Prachtvoll, spannend, sympathisch. 🙂

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Donnerstag, 08. Februar 2007

Blueberry Chroniken 4 – Das eiserne Pferd und die Sioux

Filed under: Abenteuer,Klassiker,Western — Michael um 19:10

Blueberry Chroniken 4 - Das eiserne Pferd und die SiouxEine Verbindung beider us-amerikanischer Küsten ist der Traum vieler Geschäftsleute und Reisender in den noch sehr jungen Vereinigten Staaten. Die Eisenbahngesellschaften Union Pacific und Central Pacific bewegen sich während ihres Baus quer durch das ganze Land aufeinander zu – sehr zum Leidwesen der Indianer, denn mit dem eisernen Pferd kommen immer mehr Weiße, die ihre Lebensgrundlage bedrohen.
Doch nicht nur die Indianer sind bedroht. In der Geschichte Das eiserne Pferd wird sehr schnell deutlich, wie hart auch der Konkurrenzkampf der Gesellschaften untereinander ist, denn je länger die Strecke des Einzelnen ist, umso mehr Eisenbahnlinie kann hinterher vermarktet werden. Spionage und Sabotage mit allen Mitteln sind an der Tagesordnung. Und Blueberry gerät wieder einmal zwischen die Fronten.

Bereits auf dem Hinweg geraten Blueberry und sein neuer Weggefährte Red in Gefahr. Eine riesige Bisonherde, die bewusst in Panik versetzt wurde, droht die beiden Reisenden zu zertrampeln. Die Reise wird nach überstandener Gefahr nicht leichter. Bald schon treffen Blueberry und Red auf Blueberrys alten Freund Jimmy. Schnell ist klar: Jemand wiegelt ganz bewusst die Indianer auf, um den Vormarsch der Union Pacific zu verlangsamen, wenn nicht sogar zu stoppen.
Im Lager der Eisenbahner angekommen ist es für Blueberry noch vor seinem offiziellen Amtsantritt Streit zu finden. Der Gegner heißt Steelfingers, ein Raubein und Verbrecher, der einst eine Hand verlor und durch eine stählerne Hand ersetzte, die er eigens in Europa anfertigen ließ. Mit Steelfingers hat Blueberry gleich von Beginn an einen Feind gefunden, der ihm noch viele Schwierigkeiten machen wird.

Blueberrys Mission ist klar. Da niemand weiß, warum die Indianer derartig in Aufruhr geraten sind, wird der abkommandierte Soldat zu ihnen geschickt, um zu vermitteln. Der junge Mann legt all seine Fähigkeiten und sein ehrliches Mitgefühl in die Waagschale, aber seine Mission gerät zur schwierigsten seit langem. Die Indianer haben keine Geduld mehr. Nur mit Mühe sind sie von einem Treffen auf Häuptlingsebene zu überzeugen. Sitting Bull und Red Cloud erklären sich bereit, Blueberry zu treffen. Leider stehen seine Bemühungen unter einem schlechten Stern, weil Steelfingers seine eigenen Interessen verfolgt, die zufällig mit denen der rivalisierenden Central Pacific Gesellschaft übereinstimmen.

Der Halunke Jethro Steelfingers versteht es sich, sich geschickt auf neue Situationen einzustellen. Was Blueberry sich nicht vorstellen konnte, geschieht. Steelfingers überredet die Indianer zu einem Zugüberfall. Plötzlich geht es für Blueberry und seine Freunde nicht nur um das Geld der Eisenbahngesellschaft, sondern um das nackte Überleben.

Die vierte Zusammenfassung der Abenteuer in den Blueberry Chroniken erweckt eine weitere dramatische Zeit in den jungen Vereinigten Staaten zum Leben: Die große Zeit des Eisenbahnbaus. Jean-Michel Charlier und Jean Giraud mischen wieder einmal harte Fakten und geschichtliche Ereignisse gekonnt mit abenteuerlicher Fiktion. Erneut entsteht ein Western-Epos, das damals zur Zeit seiner Entstehung wie auch heute den Leser festnagelt und erst wieder loslässt, wenn die letzte Seite gelesen ist.

In diesen Chroniken mit der Überschrift Das eiserne Pferd und die Sioux sind die Geschichten Das eiserne Pferd, Steelfingers, Die Fährte der Sioux und General Gelbhaar zusammengefasst. Alle vier Geschichten gehen beinahe nahtlos ineinander über und bilden so einen sehr spannenden Handlungsbogen.
Sehr auffallend ist in diesen vier Geschichten ist die Verachtung, mit der der Großteil der Weißen den Indianern begegnet. Wer sich über die gut aufbereiteten Informationen im Vorfeld der Handlung über jene Zeit hinaus Details anliest, muss zugeben, dass Charlier die Atmosphäre des Hasses und der Verachtung den Indianern gegenüber perfekt eingefangen wurde.
Gleichwohl kommen Charlier und Giraud auch an der Geschichte nicht vorbei, so ist klar, dass Blueberrys Misserfolg vorherbestimmt ist. Sein Bemühen ist verzweifelt, kleine Erfolge liegen eher in seinem Überleben. Sein Pech ist es außerdem, dass er in der Befehlsstruktur der Armee gefangen ist.

Blueberry, wie von Giraud als Belmondo in Reinkultur gezeichnet, kann gegen den Starrsinn von General Allister nicht an, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, die Indianer per Waffengehalt zu befrieden und dies auch im tiefsten Winter – selbst gegen Frauen, Kinder und Greise.
Man kann nicht anders, als dieses Westerndrama gebannt zu verfolgen.

Girauds technische Fähigkeiten und sein Talent in dieser Zeit stehen außer Frage. Selbst aus heutiger Sicht gibt es rein gar nichts an den Bildern auszusetzen. Auffällig sind jedoch ein wenig besseren Bilder, wenn Indianer in Szene gesetzt werden, die natürlich wegen ihrer Aufmachung und ihrer Kleidung optisch weitaus mehr zu bieten haben. Vielleicht hat Giraud sie lieber gezeichnet als das übrige Szenario. – Das mag natürlich ein völlig subjektiver Eindruck sein.
Für Humor in diesem Band sorgt selbstverständlich die alte Saufnase Jimmy, der mit Red einen ebenbürtigen Kumpanen erhält. Zum Ausgleich auf der weiblichen Seite taucht Guffie Palmer auf, die Leiterin einer kleinen Variete-Truppe. Giraud zeichnet die resolute Frau mit einem wirklich tollen Schmiss, der ihr lautes Verhalten großartig unterstreicht.

Besser kann Western nicht sein. Ein tragisches Drama aus den Pioniertagen im Wilden Westen. Charlier und Giraud waren ein tolles Team. 😀

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Dienstag, 06. Februar 2007

Die Drachenjäger – Der Bucaramanga

Filed under: Abenteuer,Cartoon — Michael um 21:17

Die Drachenjäger - Der BucaramangaWas macht man mit Drachen? – Man jagt sie. Und man kann sogar davon leben. Meistens jedenfalls. Wenn man die Jagd überlebt!
Der kleine Hector spielt wieder einmal den Drachenköder, kopfüber an einem Baum hängend, etwas durcheinander und ängstlich. Derweil warten die glorreichen Drachenjäger in ihrem Versteck. Der eine strickt, der andere regt sich über ihre derzeitige finanzielle Situation auf.
Gwizdo ist ein sehr unleidlicher, kleiner Kauz. Seine Klappe ist größer als seine Kraft – und auch mit seinem Mut ist es manchmal nicht weit her. Wozu auch? Wenn es hart auf hart kommt, ist sein Partner Lian Chu der Mann für’s Grobe. Gleich zu Beginn zeigt Lian Chu wieder einmal, was er kann. Eigentlich sollte sich Gwizdo darüber freuen, denn der Drache wird besiegt, allerdings bleibt von einem Drachen, dem im wahrsten Sinne des Wortes die Luft ausgeht, nicht mehr viel Bedrohliches übrig – jedenfalls nichts, was ein Auftraggeber bezahlen würde.

Drachen mit dem Gefährlichkeitsgrad eines Schosshündchens bringen kein Geld, können aber zu einer gefährlichen Situation führen, bei der selbst die abgebrühtesten Drachenjäger besser die Flucht ergreifen.
Kurzum, die Lage für die Drachenjäger ist nicht nur schlecht, sie ist geradezu furchtbar übel. Da trifft es sich, dass die drei furchtlosen Recken auf einen noch furchtloseren Ritter stoßen, der gerade auf dem Weg zu seinem nächsten Auftrag ist. Und wenn Gwizdo etwas von einer hohen Belohnung hört, ist er nur allzu schnell bereit, den prinzlichen Ritter von seiner Mission abzubringen. Stehe niemals zwischen Gwizdo und einer hohen Belohnung!

Der Auftrag ist jedoch gefährlicher als alle bisherigen Drachenjagden zusammen. Gwizdo und Lian Chu sollen den berühmt, berüchtigten Bucaramanga zur Strecke bringen, den schlimmsten und schrecklichsten Drachen schlechthin. Aber selbst ein furchtbarer Drache muss erst einmal gefunden werden, was nicht einfach ist. Gwizdo geht dafür an die Grenzen seines Selbstwertgefühls und seiner Geduld. Als es dann soweit ist, glauben alle Beteiligten, dass es besser gewesen wäre, den Auftrag abzulehnen, denn der Bucaramanga ist wirklich das Furchtbarste, was ihnen jemals begegnet ist.

Die Drachenjäger ist die Comic-Umsetzung der überaus erfolgreichen Zeichentrickserie gleichen Namens. Obwohl Zuschauer und Leser es mit einem Fantasy.Szenario zu tun haben, ist hier nichts so recht so, wie man es eigentlich gewohnt ist. Die Welt ist zerrissen. Die Erde teilt sich auf in kleine bis mittelgroße schwebende Inseln aus Erde und Steinen, die im besten Fall durch Hängebrücken verbunden sind. Gefahr lauert allerorten. Wer einen Auftrag nicht ausführt, riskiert auch schon einmal selber zum Futter zu werden.

Verrückt, ja, aber genial verrückt! Unter der Federführung von Autor Laurent Turner wurde die Atmosphäre der Serie perfekt eingefangen. Gwizdo, der leicht hysterische und cholerische Gnom, würde seinem Partner eigentlich das Leben zur Hölle machen, hätte Lian Chu, stark wie ein Baum, nicht eine Eselsgeduld. Der Leidtragende ist am Ende der noch kleinere Hector, weil er stets um sein Leben bangen muss, da nicht sicher ist, ob in seiner Rolle als Köder die anderen auch rechtzeitig zur Stelle sein werden. Die humorigen Situationen, die alleine daraus entstehen, sind Brüller. Turner führt den Slapstick der Serie auf beste Weise fort.

Kleine Nebenschauplätze oder auch Charaktere komplettieren die Witzpalette des ersten Drachenjäger-Bandes. Prinzen, die mit einem breiten Grinsen durch die Lande ziehen und sich gebärden wie Schlagersänger auf Abwegen, stets geneigt in gefahrvollen Momenten ein- und durchzugreifen. Ebenso merkwürdig und für mehr als einen Lacher gut ist der Meuchelmörder, dessen beste Freundin eine Fliege ist.

Zeichner Mathieu Venant setzt den erzählten Humor perfekt um. Gwizdo, klein und hager, großäugig und großmäulig, Gift und Galle spuckend, mal kleinlaut, mal schnell auf der Flucht, mal vollkommen ins Lächerliche gezogen – Gwizdo ist eine Art Louis de Funès des Comics, immer kurz vor dem Herzinfarkt vor lauter Aufregung.
Ist Gwizdo aus der französischen Komik entlehnt, ist Lian Chu wohl eher der Italiener. Nicht ganz ein Bud Spencer, so doch wenigstens so gutmütig, immer bereit zu einer Schlägerei und nie um Mut verlegen. Der Drachenjäger mit den fassdicken Oberarmen ist bei weitem nicht die einzige Figur, die optisch Comedy in Reinkultur ist. Bis in die letzte Nebenfigur sind die Wilden und Zivilisierten dieser abgedrehten Welt absolut gelungen.
Lorien drückt mit seiner feinen Farbgebung dem Album seinen Stempel auf. Da bleibt es nicht aus, dass Trickfilmatmosphäre zu 100% auf die Comicseiten transportiert wird.

Humor, Slapstick, Brüller, Lacher auf Fantasy-Niveau. So präsentierte sich das gute, alte Schwert- und Magie-Genre lange nicht. Wer lachen will: Zugreifen! 😀

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Geniale Bilderflut

Filed under: Meldungen — Michael um 21:11

100 x Ultimate Spider-ManZum Jubiläum des Ultimate Spider-Man haben sich Zeichner hingesetzt und mit ihrem ganz persönlichen Strich ihren Tribut entrichtet. Das Ergebnis ist äußerst eindrucksvoll und bietet wohl einen absolut genial ausschauenden Vergleich zwischen unterschiedlichsten Zeichenstilen. Selbst für Nicht-Spidey-Fans wirklich sehenswert: The Ultimate Spider-Man 100 Visual Guide

Bilder einer ganz anderen Art, nicht minder spannend, bringen uns den guten Hellboy auf den Bildschirm zurück – als Spiel (auf den nächsten Film müssen wir leider noch etwas warten). Wenn ich mir allerdings die Screenshots betrachte, dann lässt sich die Wartezeit mit dem Spiel sehr gut überbrücken: Hellboy Spiel 😀

Montag, 05. Februar 2007

Hellboy – Saat der Zerstörung

Filed under: Abenteuer,Mystery — Michael um 20:54

Hellboy 1 - Saat der Zerstörung1944. Auf einer schottischen Insel inmitten eines uralten Steinkreises will ein Magier ein Tor öffnen. Die Deutschen an seiner Seite hoffen auf das versprochene Wunder. – Aber es geschieht nichts? Ein Irrtum.
An anderer Stelle ist etwas durch ein Portal auf die Erde gelangt. Ein kleiner Junge mit knallroter Haut – und Hörnern, einem Schwanz und einer steinernen Hand. Hellboy ist das.

In den folgenden Jahren wird Hellboy von Trevor Bruttenholm aufgezogen. Aus dem kleinen Jungen wird ein paranormaler Ermittler, wohl der beste, den es jemals gegeben hat. Alles könnte wundervoll sein – jedenfalls nach den Maßstäben von Hellboy, der nicht allzu anspruchsvoll ist – da kehrt Bruttenholm von einer Expedition zurück. Etwas Finsteres wurde in den eisigen Höhen erweckt und nicht nur das. Bruttenholm kehrte als einziger Expeditionsteilnehmer zurück und nicht allein. Plötzlich sind Frösche da, mannsgroße Frösche. Von da ab hat Hellboy alle Hände voll zu tun.
Denn das Projekt Ragnarök, in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs von den Nazis initiiert, endete nicht mit dem vermeintlichen Fehlschlag auf der schottischen Insel. Die Helfer des unbekannten Magiers sind immer noch aktiv und führen den Plan ihres Meisters fort.

Die Spur führt für Hellboy und seine Kollegen zum Anwesen der Cavendishs, der Familie, die maßgeblich an der Finanzierung der Expedition beteiligt war. Über dem Haus schwebt ein böser Geist. Während Hellboy sich mit weiteren Froschmonstern auseinander setzen muss, stellt sich sein Begleiter Abe Sapien auf seine ganz spezielle Weise den Gefahren. Der amphibische Mensch taucht in die Katakomben des Anwesens auf Spurensuche hinab.
Für Hellboy nähert sich eine Vorhersage ihrer Erfüllung – aber der Ermittler hatte schon immer ein Problem mit Autoritäten und mit solchen, die ihn für ihre Zwecke missbrauchen wollen.

Mit dem Auftakt von Hellboy – Saat der Zerstörung säte Mike Mignola auch seinen ganz persönlichen Ruhm und legte den Grundstein für eine zunächst kleine und inzwischen stetig wachsende Comic-Legende. Seine an feinen Holzschnitt erinnernden Bilder schafften es, den milden bis heftigen Grusel von Hellboys Abenteuern perfekt zu unterstreichen. Beinahe erhielten sie so einen halb dokumentarischen Charakter, eine amerikanische Grusellegende, wie sie nur aus englischen Geistergeschichten her bekannt ist.

Mignola verwendet in seinem Auftakt Altbekanntes und eigene Einflüsse. Es entsteht ein Grusel-Mix aus detektivischer Arbeit, Action und einer Prise Geheimnis. Diese anfänglich schwer durchschaubaren Handlungsstränge verdichten sich von Seite zu Seite – oder auch nicht. Mignola legt sehr früh Fährten aus. Frösche sind zu einer alarmierenden Besonderheit im Hellboy-Universum geworden. Abe Sapiens Vergangenheit und seine Fähigkeiten sind ein wichtiger inhaltlicher Kern im Spin-Off B.U.A.P.. Vergangenheit ist Mignola sehr wichtig. Jede Figur scheint von Beginn an sehr ausgereift zu sein und eine sehr tiefgehende Hintergrundgeschichte zu besitzen. Selbstverständlich vergisst Mignola auch seinen eigentlichen Helden nicht, denn seine Hintergrundgeschichte ist der Auslöser des ganzen Abenteuers.

Mittels faszinierender Schattenrisse und düsterer Kompositionen erschafft Mignola eine schwarzweiße Welt, die doch bunte und graue Töne zu besitzen scheint. Ist man als Leser einmal von der Geschichte gefangen, vergrößern sich die Bilder und es entstehen Farben vor dem inneren Auge.
Wie auch die Geschichte selbst, gewinnen die Bilder eine enorme Eigendynamik. Unglaublich gelungen ist die Darstellung von Geschwindigkeit. Es muss sich immer vor Augen geführt werden, dass nur schwarze und weiße Flächen zur Verfügung stehen und auch, wie man es aus Mangas her kennen mag, keine grauen Flächen durch Raster eingezogen werden.

Wie der Anhang auch zeigt, ist weder der Zeichenstil, geschaffen für Hellboy, noch der Hauptcharakter von Jetzt auf Gleich entstanden. Hellboy hat eine Entwicklung durchgemacht, wurde vereinfacht und doch mit einer höchstmöglichen Unverwechselbarkeit versehen.
Schön ist es, wenn Mignola sich kleine Seiteneinschübe erlaubt. So ist der Ausflug auf die Brücke eines Raumschiffes interessant, der während der potentiellen Erweckung der alten Götter stattfindet. – Schade, dass es hiervon nicht mehr zu lesen gibt. Ein Ausflug von Mignola ins All könnte bestimmt viele neue Ideen bringen. (Immerhin hat er auch an Comic-Umsetzungen der Aliens gearbeitet. Ein solcher Ausflug wäre also kein Novum.)
Mignolas Humor in der kleinen Geschichte am Ende des Bandes bildet einen gelungen Abschluss dieses innovativen Comic-Auftakts. Hellboy tritt gegen Anubis an. Wie dies geschieht, sollte jeder interessierte Grusel-Fan selber lesen, denn mehr darüber zu berichten, hieße, zuviel vorweg zu nehmen.

Ein neuer Weg innerhalb des Grusel-Comics und der Comics allgemein. Ein toller Auftakt, geheimnisvoll, spannend von Anfang bis Ende. Oder auch mit einem Wort: Cool. 😀

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Sonntag, 04. Februar 2007

Ishanti – Die Tränen der Isis

Filed under: Abenteuer,Cartoon — Michael um 20:50

Ishanti - Die Tränen der IsisIshanti führt ein schönes Leben im Palast. Ihre Ausbildung zur heiligen Tempeltänzerin verläuft gut, doch irgendwie ist sie nicht zufrieden. So nutzt sie jede Gelegenheit, um den Palast zu verlassen. – Sehr zum Leidwesen ihres guten Freundes Mun.
Mun hat es nicht leicht mit dem jungen Mädchen. Zu ihrem Glück ist er ein Mann von großer Geduld. Eines Tages geschieht etwas Aufregendes. Besuch aus Saba trifft am königlichen Hof ein. Und mit diesem Besuch kommt Ofra Nektu, eine begnadete Tänzerin, der jede Tempeltänzerin nur nacheifern kann.
Doch dieser dient nicht nur den schönen Künsten. Ofra hat noch ein ganz anderes Ziel.

Hinter den Kulissen haben sich einige Götter zusammengetan, um etwas Unordnung, oder auch eine neue Ordnung in den Götterhimmel zu bringen. Allen voran Anubis und Horus haben einen Weg gefunden, wie sie sich an die Spitze der Götterschar zu bringen gedenken. Natürlich denken die Götter gar nicht daran, sich selbst die Finger schmutzig zu machen. Dafür haben sie immer einen Handlanger parat. Dieser Halunke heißt Razor El Naktub. Von Hause aus in einer verantwortungsvollen Position und sehr unangenehm für Menschen in niedrigen Stellungen, buckelt Razor wohlweislich vor Anubis und folgt den göttlichen Anweisungen.

Ohne es zu wollen wird Ishanti von ihrem Freund Tyi, einem Baulehrling, in ein haarsträubendes Abenteuer hineingezogen.

Ishanti ist der Prototyp eines jungen Mädchens, das mit einem enormen Talent in einem bestimmten Bereich gesegnet ist und dennoch auf ein noch reicheres Leben hofft, in dem es mehr erleben kann und die Welt da draußen kennenlernt. Sie ist ein bißchen jugendlich naiv, sehr freundlich, abenteuerlustig – mit einem Wort ist sie überaus sympathisch.
Die Welt, in der sie lebt, könnte für uns aus heutiger Sicht fremder nicht sein. Es ist eine Welt, in der Götter lebendig und Teil des Alltags sind.

Es ist aber auch eine Welt der Abenteuer und der Wunder. Der Nil ist ein Lebensspender und göttlich. Er kann helfen und töten. Tiere sind ein fester Bestandteil des Lebens, als Freund, zur Nahrung und als Feind.
Diese Welt betrachtet Ishanti gemeinsam mit ihrem kleinen Katzenbegleiter Ramses durch riesengroße, braune Kulleraugen. Tyi, der ihr richtiger Freund sein will und sie am liebsten vom Fleck weg heiraten möchte, und Mun, der väterliche Freund, sind als genaue Gegensätze konzipiert. Der eine ist die Versuchung in Person und sehr unvernünftig, der andere versucht den Ärger von Ishanti fernzuhalten.

Ishantis Welt und ihr Abenteuer sind für den Leser aber auch mit großem Humor durchdrungen. Es beginnt im Kleinen mit Ramses, der als Katze ein außergewöhnlicher Racker ist. Er besitzt einen ähnlichen Charakter wie die kleinen Katzenkinder in Aristocats und ist auch ein wenig kindlich wie Idefix, einer der tierischen Gefährten im Comic-Genre schlechthin. Wie sehr Ramses tatsächlich eine Verbeugung vor diesem Comic-Hund sein kann, findet sich in vielen Anspielungen. Besonders deutlich wird dies in einer Szene, in der Razor und sein Gefährte im Nil Schiffbruch erleiden. Der Kommentar von Razors Diener: Fluctuat Nec Mergitur, bei Teutates! Was ist das für eine komische Sprache? will Razor wissen. Keine Ahnung, es kam einfach so über mich, gibt der Diener zur Antwort.
Dadurch wird sehr deutlich in welche Richtung die Verbeugung von Crisse und Besson geht: Uderzo und Goscinny, durch Asterix und Obelix im Comic-Olymp gelandet sind.

Freilich haben Crisse und Besson noch nicht ganz zum Asterix’schen Humor gefunden, aber auch der kleine Gallier startete nicht von Null auf Hundert. Außerdem kann Ishanti noch nicht von einer ganzen Reihe von Insider-Witzen zehren.
Aber insgesamt besticht Ishanti durch einen derart liebenswerten Humor, dass man die Geschichte einfach lieben muss. Schuld daran sind nicht zuletzt Razor und seine göttlichen Spießgesellen. Selten haben sich Götter derart präsentiert. Außer Anubis und Horus, der ein wenig kurz geraten ist, geben sich auch Opet und Sobek (in gestalt von Nilpferd und Krokodil) die Ehre. Hier wird intrigiert, was das Zeug hält im besten Sinn einer besonders gemeinen Soap-Opera.

Ähnlich wie im Serienauftakt Canari entsteht unter der Zeichenfeder von Didier Crisse und Fred Besson ein Bilderfeuerwerk, die eine hohe Kunstfertigkeit der beiden Macher zur Schau stellt. Anders lässt es sich nicht beschreiben. Aber Crisse und Besson gehen noch einen deutlichen Schritt weiter. Was hier gezeigt wird, ist eine exzellente Computerkolorierung, die so perfekt ausschaut, dass es mich wirklich interessieren würde, wie lange die beiden für eine Seite gebraucht haben.
Es heißt, dass Don Lawrence, Altmeister von Trigan und Storm, am Ende ca. eine Woche für eine Albenseite gebraucht hat – und er arbeitete noch auf herkömmliche Weise. Zum Vergleich möchte ich behaupten, dass bei machen Seiten mit großer Detailvielfalt ähnlich viel Zeit ins Land gegangen ist. Künstlerisch und technisch betrachtet ist Ishanti ein absoluter Augenschmaus geworden.

Wie die erwähnten Uderzo und Goscinny haben auch Crisse und Besson ihre Charaktere überzeichnet, knubbelig, grazil oder wuchtig und in vielen anderen Formen, aber stets im besten frankobelgischen Stil, der bereits vor vielen Jahrzehnten bgeisterte, doch hier auf penible Weise in ein neues Jahrtausend transportiert wurde.

Großartige Grafiken, sehr cartoony, sehr detailverliebt, sehr penibel ausgearbeitet und mit einem feinen Humor geschrieben. Lange gab es nicht mehr ein so liebevoll gestaltetes Szenario im alten Ägypten. 😀

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