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Comic Blog


Donnerstag, 14. Mai 2009

Cubitus 20 – Ausflug ins Grüne

Filed under: Cartoon — Michael um 11:07

Cubitus 20 - Ausflug ins GrüneEine Seefahrt, die ist lustig … Wenn sie stattfindet. Cubitus hat inzwischen in Sachen Reiseschwierigkeiten seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht. Sein Herrchen Boje gibt sich immer allergrößte Mühe und doch geht dann einiges schief. Schade für die beiden, aber … gut für den Leser, denn so bleibt kein Auge trocken. Der Titel des neuen (20.) Albums lautet treffend: Ausflug ins Grüne. Gleich der Beginn zeigt, wie unterschiedlich Herrchen und Hundchen dieses Motto nehmen. Im Garten brennt die Sonne. Boje nutzt die Gelegenheit, um die Blüten rot anzumalen, während Cubitus das Sonnenbaden einläutet. Ganz stilecht natürlich mit Badewanne.

Dupa, Autor und Zeichner, schickt seine kleinen Helden in mehrseitigen Geschichten hinaus ins Grüne. Mögen Sie Vivaldi? lautet die nächste Frage. Wenn solch eine Frage gestellt wird, ist klar: Zu Anfang mag Vivaldi noch wunderbar sein, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt … Was sich anhört, wie der Beginn einer klassischen Klamotte, erhält durch eine kleine, aber sehr wichtige Zutat die Möglichkeit, sich in alle Richtungen entfalten zu können und dadurch unberechenbar zu werden. Und zugleich wird es ein Brüller.

Weniger phantastisch fällt ein reiner Parkausflug aus. Eine kleine Verwechslung nur (man merkt schon: kleine Hindernisse, große Wirkung) bringt die beiden Helden wieder durcheinander. Kurz darauf, bei einer Bootspartie, geraten sie sogar mit dem Gesetz in Konflikt. Dupa hat übereifrige Gesetzeshüter, so auch in Form von Steuerbeamten, gerne als Widersacher dabei. Der überzogene Wahn, einen Gesetzesübertreter zu fangen, verspricht allerhand Albernheiten und Slapstick.

Urlaub, das große Thema hinter dem Motto, Ausspannen, Relaxen wird von Dupa benutzt, um einige Widersinnigkeiten auf der Jagd nach dem schönsten Erlebnis in der schönsten Jahreszeit zu zeigen. Dupa bringt sich auch selbst wieder ins Spiel, nämlich als Verursacher all jener Schwierigkeiten, die Boje und Cubitus diese Erholung oft verleiden. Wie ist es doch schön, als Hund und Herrchen erfahren, dass Dupa höchstpersönlich in Urlaub fährt und gerade diese freie Zeit des Autors Freizeit für Cubitus und seine Freunde bedeutet. Plötzlich sind Cubitus und Paustian, die Katze von nebenan, die besten Freunde. Wer ist also schuld: Dupa.

Besser wäre es allerdings zu sagen, dass der Leser es Dupa verdankt, einige Zeit vom Alltag abgelenkt zu werden und in einen tollen Spaß einzutauchen. Im 20. Album der Reihe des kugeligen flauschigen Hundes ist der Erfindungsreichtum von Dupa ungebrochen. Wenn der Vorgarten zu klein wird, lässt er seine Helden in die Welt aufbrechen, nicht nur die Welt gleich nebenan, sondern auch die ganz große Welt. Eine wunderbare Geschichte, in der Paustian Cubitus an den Rand des Nervenzusammenbruchs treiben darf. Aber selbst diese Geschichte treibt das Konstrukt Urlaub noch nicht auf die Spitze.

Das I-Tüpfelchen in dieser Hinsicht kommt kurz vor Schluss des Bandes. Vorher jedoch hat Dupa viele andere kuriose und humorige Spitzen gesetzt. Er kann mit wenigen Strichen tolle Gesichtsausdrücke schaffen, in denen sich beinahe alles finden lässt, was zu einer Komödie dazugehört. Der gierige Schupo, der kaum an sich halten kann darüber, dass er eine wahre Liste von Vergehen aufschreiben darf, gehört ebenso dazu wie das kleine Kaninchen, ganz weit im Hintergrund, das grinsend auf die beiden Helden zeigt, als es sieht, dass es einmal nicht im Mittelpunkt des Interesses der Jäger steht, sondern Boje und Cubitus, die vor einem Kugelhagel flüchten.

Spaßige Episoden von unterschiedlicher Länge, sehr schön um das Thema Urlaub drapiert. Dupa zeigt den alljährlichen ausbrechenden Wahnsinn, die Jagd nach der Erholung und dem besonderen Freizeiterlebnis in vielen überspitzten (aber auch so manches Mal sehr treffenden) Szenen. Klasse! 🙂

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Dienstag, 12. Mai 2009

Kreuzzug 2 – Der Qa’dj

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:53

Kreuzzug 2 - Der Qa'djHierus Halem. Die Stadt erlebte zahlreiche Angriffe und fand immer wieder neue Herren. Im Augenblick regiert Sultan Ab’dul Rasim über die Stadt und verteidigt sie gegen die Christen. Von den internen Streitigkeiten und den Plänen beider Seiten, christlich wie muslimisch, wissen die beiden Ritter in der Wüste nichts. Zu unbesorgt war ihr Aufbruch, zu groß ihre Hoffnung. Aber die Hoffnung war trügerisch. Als die beiden Freunde den Brunnen erreichen, machen sie eine furchtbare Entdeckung, die für sie nur eines bedeuten kann: Den Tod.

Ein riesiges zerstörtes Rad liegt am Fuße des Brunnens im Wasser. Hier gibt es nichts mehr zu trinken. Die Hinterlassenschaften des Herrns der Maschinen haben diese wichtige Quelle vergiftet. Gunther von Flandern und sein Freund Nakasch stehen vor dem Ende. Genau in diesem Augenblick materialisiert sich eine Gestalt aus dem Wüstensand.

Jean Dufaux verlässt die Pfade der historischen Kreuzzüge nicht vollends, doch er kreiert hier ein paar sehr phantastische Einfälle, flechtet sie ein in die Abenteuer des Gunther von Flandern. Sehr klein, im Anschluss an das Vorwort, erinnert Dufaux an ein Fernseherlebnis aus seiner Jugend: Der Dieb von Bagdad, mit Sabu und Conradt Veidt. Veidt, der als Magier Jaffar die Augen hypnotisch aufriss, die Winde beschwor und tödliche Spielzeuge bastelte … Dufaux beschwört diese Atmosphäre aus seinen Kindertagen, allerdings mit einer erwachsenen Handlung. Im Gegensatz zu erwähnten Verfilmung ist Kreuzzug keine märchenhafte Kinderunterhaltung.

Mag der Auftakt, Gunthers Begegnung in der Wüste mit dem alten Mann, den er für einen Sandteufel hält, auch harmlos sein, so ändert sich diese Herangehensweise sehr schnell. Spätestens mit der Begegnung mit den Flagellanten ist wieder klar, dass die Handlung sehr ernsthaft vorangetrieben werden wird. Eine große Ansammlung von Menschen, schon arg gezeichnet von früheren Exzessen, geißelt sich in einem langen Zug durch die Wüste. Auch wollen sie nicht von gotteslästerlichen Augen bei ihrem Tun beobachtet werden und greifen sofort an. Dem sanften Ekel folgt das Mysterium, der Grusel (auch ein wenig HdR), als die beiden Freunde die Pforte von Samarand erreichen.

Dahinter beginnt ein Reich unter Gestein, Felsen und Bergen, ohne Sonnenlicht. Hier verbirgt sich ein jüdisches Volk vor religiösen Eiferern, christlich wie muslimisch. Wie in einer Hommage an ein Wüstenbild aus Star Wars finden Gunther und Nakasch das Skelett des Mammunth Goul, riesig anzuschauen. Mit dem Eintritt in dieser Reich und einigen anderen Wendungen ist letztlich eine Vorhersehbarkeit der Handlung nicht mehr gegeben. Zu viele neue Einfälle machen es möglich, dass Dufaux in die Richtung erzählen kann, die ihm beliebt, ohne dass der Leser diese auch nur erahnen kann.

Philippe Xavier kann sich all die neuen Komponenten der Geschichte zunutze machen, um sich mehr dem Phantastischen und dem Grauenvollen zuzuwenden. Die junge Frau, Syria von Arkos, gerät in die Fänge eines Wüstenstammes und der Herr der Maschinen hat seinen Auftritt. Dies sind nur zwei Beispiele von mehreren, die sich optisch nahtlos ineinander fügen und hier weitaus deutlicher mitreißen, als noch in der ersten Episode.

Mit dem Herrn der Maschinen erwartet den Leser eine Art altertümlicher Gegner von Mad Max. Anders als es der Leser vielleicht aus anderen Rittergeschichten her kennt, in denen eine Sorte Raubritter ihren Auftritt hat, ist der Herr der Maschinen und sein Gefolge eher eine Horde in der Art, wie sie Minas Tirith im dritten Teil der Verfilmung von HdR angegriffen hat. Xavier nutzt auch die Gelegenheit, um den Aufmarsch dieses Heeres auf einer ausklappbaren Vierfachseite zu zelebieren. Das lässt einen erst einmal tief Luft holen und das Geschehen genießen. Inzwischen hat sich Xavier in das Szenario hineingesteigert. Er feilt und überlässt kein Bild dem Zufall. Jede Seite atmet Atmosphäre, bildhaft gesprochen, und macht die zweite Episode in ihrer Gesamtheit zu einem Comic-Erlebnis.

Der zweite Teil bietet eine deutliche Steigerung zum Auftakt der kleinen Reihe. Der Einfallsreichtum, die Spannung, die Dramatik, auch der phantastische Aspekt sind ausgeprägter. Jean Dufaux löst sich von der Historie und wandelt nun treffsicher auf neuen Pfaden, nicht ohne die eine oder andere Anspielung am Wegesrand abzulegen. 🙂

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Montag, 11. Mai 2009

Kreuzzug 1 – Simoun Dja

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:55

Kreuzzug 1 - Simoun DjaGunther von Flandern ist bereit für seine Überzeugung, seinen Ruf und seine Ehefrau zu opfern. So, wie es von den anderen Kriegern um ihn herum bestimmt wird, kann er sich nicht dem Kampf anschließen. Zu planlos, ja, auch sinnlos erscheint ihm dieses Vorgehen. Gunther unterzieht sich einer Prüfung. Er kann nicht ahnen, dass das Böse längst Einzug gehalten hat und auf beiden Seiten der Kriegsparteien seine Anhänger sucht.

Acht Kreuzzüge hat die Geschichte gesehen, sieht man einmal vom unglückseligen Kinderkreuzzug ab. Der Kreuzzug, den Jean Dufaux hier beschreibt, gehört nicht zur Historie und bedient sich jener Epoche, um eine phantastische Handlung zu erzählen. In jener Zeit, in der man noch an Geister, Dämonen und Hexen glaubte, galt das Sinnen und Streben zur Eroberung des Heiligen Landes nur vordergründig als hehres Ziel. In Wahrheit ging es nur um Macht und Geld. Viele, die in der Heimat nichts zu verlieren hatten, versuchten lieber in der Ferne unter der Bürde des Kreuzes ihr Glück und verloren letztlich auch noch ihr Leben.

Dufaux lässt diese Bereiche nicht unbesehen, aber er verfährt auf ungewöhnliche Weise mit ihnen, indem er das phantastische Element einbringt. Gleich zu Beginn wird der Leser Zeuge einer eher ungewöhnlichen Szene. Eine junge Frau gelangt zu einem einsam gelegenen Gebäude mitten in der Wüste. Sie empfängt von einer anderen Frau, fast ein Geist, einen Spiegel. Kurz erwehrt sie sich eines Angreifers und tötet ihn.
Die Szene ist seltsam genug und sie wird im Nachhall noch seltsamer, als der vermeintlich tote Angreifer später wieder die Handlung betritt.

Das Heilige Land wird von Dufaux als Horrorvision angelegt. Beide religiöse Seiten, die christliche wie auch die muslimische, haben einige recht furchtbar anmutende Ansichten zu bieten, im wahrsten Sinne des Wortes. An der Seite von Sultan Ab’Dul Rasim wird der Leser zum Mufti von Alkar geleitet, einem weisen, asketischen Mann, der auf einem Hügel aus Totenschädeln thront. Dieser Anblick steht im direkten Kontrast zu der Wärme und der Pracht der nächtlichen Szenerie auf den Straßen der Stadt. Und Dufaux gibt seinem Zeichner Philippe Xavier noch mehr Gegensätze dieser Art vor. Er geizt nicht mit Scheußlichkeiten, verdeutlicht immer wieder die andere Zeit und ihre Härte sowie das Furchtbare eines Krieges, der mit Schwertern und Pfeilen geführt wurde.

Krieg: Ein I-Tüpfelchen ist eine ausklappbare Vierfachseite, die in ihren Ausmaßen besondere Gestaltungsmöglichkeiten zulässt. Dadurch erhält die Geschichte, die eine sehr cineastische Erzählweise an den Tag legt, ein noch größeres Kinoflair. Krieg ist auch der Faktor, der die guten Charaktere zum Handeln zwingt. Während jene, die den Krieg suchen, ihn antreiben, von ihm aufgerieben werden, gehen jene, die ihn aufhalten wollen, andere Weg. Gunther von Flandern, wegen seines Handelns bei den seinen als Feigling verschrieen, produziert leider auch einen gemeinen Cliffhanger, denn just in dem Moment, als man als Leser sämtliche geheimnisvollen Anspielungen angenommen hat, bleibt einem nichts anderes übrig, als die Fortsetzung zu erwarten.

Philippe Xavier zeichnet kühle Bilder. Es sind Traumgestalten, etwas zu schön, um wahr zu sein. Die jungen Frauen sind ein wenig ätherisch anmutend einerseits, aber auch stets an der Grenze zum Vollweib, mit den Rundungen dort, wo sie hingehören. Die männlichen Figuren sind ähnliche Modelltypen, wie Schauspieler. So fühlt man sich (vor allem als Kinogänger) an Filme wie Troja oder, naheliegender noch, Königreich der Himmel erinnert. Bei älteren Charakteren gönnt sich Xavier mehr Freiheiten. Hier kann er aus dem gewohnten Muster ausbrechen und mehr spielen. Unterschiedliche Gesichtszüge, Doppelkinn, Bärte oder Falten, im Alter werden die Gesichter individueller, ein Merkmal, das bei den jungen Figuren außer Acht bleibt.

Bei aller Schönheit bildet das Kriegsgeschehen, der Kampf und die Gewalt das genaue optische Gegenteil. Visionen und Halluzinationen, grausamer Art, wie sie ein Robert von Tarent sie empfängt, sind eines Horrorromans würdig und könnten hier grafisch auch einem Berni Wrightson entsprungen sein. Die sonstige Optik mit ihrer Kühle (vielleicht hervorgerufen durch die häufig sehr starren Augenpartien) erinnert an einen Paul Gulacy (James Bond: Serpent’s Tooth, Conan). Darüber hinaus bietet das Titelbild ein gutes Indiz für die Qualität des gesamten Bandes, denn diese steht außer Frage.

Eine gruseliger Auftakt, voller Mythen, Geister und Dämonen. Beiderseits der Schlachten und Intrigen werden Männer und Frauen immer wieder gefordert und versucht. Jean Dufaux verwendet den Hintergrund der Kreuzzüge für ein ganz eigenes Epos über seelische Abgründe und jenseitige Kreaturen, denen der Glaube nichts gilt. 🙂

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Sonntag, 10. Mai 2009

Trinity 1

Filed under: Superhelden — Michael um 18:57

Trinity 1Ein privates Treffen, ein außergewöhnliches Treffen: Clark Kent, Bruce Wayne und Diana Prince. Träume haben die drei Helden zusammengeführt. Man könnte auch von Halluzinationen sprechen. Die Grenzen zwischen den Welten scheinen zu verschwimmen. Gerade noch saß Batman in seinem Jet und flog hoch über Gotham City. Im nächsten Moment taucht ein leichter Nebel in der Kanzel auf und dann … Er ist zwar noch in Gotham, aber das ist kein Gotham, das er kennt. Es riecht nach Friedhof, die ganze Atmosphäre ist gruftig. Bei genauer Betrachtung passt er in seinem Fledermauskostüm genau in das Szenario. Trotzdem gefällt es ihm nicht. Die beiden Männer, die er belauscht, wie auf Wache stehen und von magischen Schutzwällen sprechen, gefallen ihm noch weniger.

Ein neues Rätsel, eingeläutet von den drei großen DC-Helden. Einer der bekanntesten Comic-Autoren, Kurt Busiek, hat eine verschachtelte Geschichte entworfen, der es sich trotzdem sehr gut folgen lässt. Durch den geschickten Einsatz verschiedener Zeichner wird immer wieder die Aufmerksamkeit des Lesers gefordert. Das Auge muss sich neu einstellen, nach einigen Seiten gibt es stets einen neuen Kick. Diese Technik wurde schon mehrfach eingesetzt, aber hier gelingt es wie im Lehrbuch.

Der Leser (und vielleicht auch Fan des DC-Universums) darf sich neben den drei Helden auf zahlreiche Gastaustritte freuen. Rote Renner geben sich kurz die Ehre, die JLA fehlt auch nicht, ebenso wenig eine Green Lantern. Neben dem großen Rätsel im Hintergrund gibt es im Vordergrund satte Action, die zeitweise ein wenig an die große Auseinandersetzung von Superman mit Doomsday erinnert.

Gleich mehrere Zeichner haben sich zusammengefunden, um die drei großen Helden des DC-Universums zu feiern. Zeichner Mark Bagley macht den Anfang. Er ist der Zeichner der großen Augen und des breiten Lächelns. Comic-Fans werden seine tollen Bilder zu Ultimate Spider-Man kennen. Bagley idealisiert wie viele seiner Kollegen, aber er hat in seinen Figuren auch stets einen gewissen Püppcheneffekt. Das mag mit den Augenpartien zusammenhängen. Darüber hinaus setzt er gerne Muskelpartien ein (selber war z.B. ein Spider-Man derart drahtig wie bei seiner Ultimate-version). Seine Zeichnungen zeugen von großem Perfektionismus. Einzig könnte man negativ herausheben, dass seine Figuren zu lieb aussehen. Das ist bei einem Superman und einer Wonder Woman nicht schlimm, bei einem Batman jedoch, der jüngst vermehrt zu seinem eigenen Schurken mutiert (in der normalen wie auch in alternativen Erzähllinien), da passt es nicht so recht.

Scott McDaniel ist ein wenig mehr cartoony. Fans konnten seine Arbeiten hierzulande bei einigen Superman-Folgen erleben, in denen ein neues Supergirl ihren Einstand feierte. Neben all den Zeichnern, die doch sehr um sehr real anmutende Erscheinungsbilder bemüht sind, gibt er seinen Bildern einen beinahe abstrakten Anstrich. McDaniel reduziert nicht so sehr, wie es ein Darwyn Cooke macht, aber er begibt sich in diese Richtung. Allerdings pflegt McDaniel keinen bekannten Zeichentrickstil, doch, und das lässt sich nicht von der Hand weisen, könnte dies für besonders Actionreiche Szenarien ein guter Ausgangsstil sein.

Ein sehr gutes Zeichnerteam sind auch Tom Derenick und Wayne Faucher, denen es gelingt, eine Mischung aus Alan Davis und George PerezJohn Buscema, also deutlich härter, kantiger als bei einem John Romita, der runder und weicher zeichnete. Derenicks und Fauchers Bilder wirken wie gemeißelt, eigentlich mehr wie Marvel als DC (obwohl diese Trennlinie durch den heute weitaus häufigeren Zeichnertausch nicht mehr so strikt gezogen werden kann).

Ein schöner Höhepunkt der vielen Ereignisse im DC-Universum. Verschachtelt zwar, aber sehr viel geradliniger erzählt als die übrigen Geschichten, die das bestehende Gesamtszenario gründlich umgekrempelt haben. 🙂

Donnerstag, 07. Mai 2009

Thomas der Trommler

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:43

Thomas der TrommlerDer 30jährige Krieg: Der junge Thomas muss erleben, wie seine Eltern während eines Überfalls getötet werden. Zu seinem Glück wird er von dem Feldwaibel Geronimus aufgegriffen. Das Raubein erinnert sich an den eigenen Sohn, den er in der Heimat zurücklassen musste und nicht schützen konnte. Aber für Thomas kann er noch etwas tun. Hier kann er wieder gutmachen, was er in der Vergangenheit an Schuld auf sich lud. Es dauert nicht lange und die beiden, Thomas und Geronimus, wachsen sich gegenseitig ans Herz. Mehr noch: Weitere Gefährten stoßen zu den beiden. Allmählich entstehen neue Bande, der Freundschaft und des Respekts. Thomas wird zum Anführer einer kleinen Gruppe von Spezialisten und tapferen Kämpfern. Immer öfter werden die Trommler zu besonders gefährlichen Einsätzen ausgeschickt.

Aus Sicht der ganz alten Fans, die das aus heutiger Sicht kultige YPS-Magazin gelesen haben, wird es eine kleine Wiedersehensfeier, wenn sie damals bei den Ausgaben dabei waren, in denen auch Thomas, der Trommler, abgedruckt wurde. YPS hatte natürlich auch lustige Inhalte, doch es waren gerade die ernsten, die spannenden Geschichten, die nachhaltig beeindruckt haben und die in Erinnerung blieben.

Peter Wiechmann hat sich eine außergewöhnliche Spielzeit für seine Geschichte ausgesucht. Der 30jährige Krieg gehört zu den Epochen, die im Gegensatz zum Mittelalter in seiner ganzen Bandbreite relativ selten thematisiert werden. Im Bereich des Comics trifft dies vermutlich noch viel, viel seltener zu. Umso kostbarer ist diese Geschichte. Wiechmann erzählt sorgfältig und untermauert seine Handlung mit Fakten rund um den Krieg im Speziellen und dem Leben jener Zeit im Allgemeinen.

In jeder Lebenssituation von Thomas eilt die Handlung schmissig voran. Der Junge reift (frühzeitig) zum Mann, die Umstände lassen ihm keine andere Wahl. Menschen wachsen aus Verzweiflung über sich hinaus, weil sie den Krieg nicht mehr ertragen. Peter Wiechmann bewegt sich mit Thomas in einem zu allen Zeiten düsteren Szenario. Nachdem der Leser miterleben musste, wie Thomas zu diesem Leben kam, klärt sich später in einzelnen Episoden auch die Herkunft seiner Gefährten, die recht unterschiedlich geraten sind. Ein Mann aus Böhmen, ein Riese aus Frankreich, ein Messerwerfer aus Spanien und ein Tartar. Diese Episoden sind eher trauriger Natur, musste doch jeder von ihnen die Heimat verlassen.

Im Gegensatz dazu sind zwar die Handlungen der Gegenwart nicht weniger kämpferisch, dafür blitzt auch einmal ein Witz durch, manchmal auch ein Galgenhumor. Der meiste Spaß kommt auf, als die Trommler einen magischen Scharlatan entlarven. Ansonsten haben die Trommler eher weniger zu lachen. Der Schwerpunkt der Erzählungen liegt auf der Entwicklung von Spannung und diese stellt sich jeweils ungeheuer schnell ein.

Die dazugehörige Atmosphäre haben zwei Zeichner mitzuverantworten, die beides Ausnahmetalente sind. Josep Gual und Juan Sarompas. Die Bilder sind rein schwarzweiß ausgeführt, auf altmodische mit Pinsel oder Feder, aber man merkt ihnen ihr Alter nicht an. Beide Künstler arbeiten sehr dynamisch, der Strich macht die Bilder lebendig. Allerdings gibt es zwischen beiden Künstlern auch Unterschiede.

Josep Gual arbeitet in seiner Darstellung gerne mit vielen feinen Pinselstrichen. Gesten und Haltungen, Mimiken wirken ungeheuer echt und stets bemüht, das Bild etwas ausstrahlen zu lassen. Angesichts der Knochenarbeit und des Zeitdrucks, wie es Gual es selbst beschreibt, sind die Bilder eine ungeheure Leistung. Gual kann sich mit seinen Fertigkeiten nicht nur mit modernen Zeichnern messen, er kann ihnen immer noch als Vorbild dienen.
Juan Sarompas arbeitet auf ähnlich hohem Niveau wie Gual, aber etwas flüchtiger. Seine Figuren sind weniger rund, sie sind kantiger, wirken härter. Er setzt wunderbar traurige wie auch dramatische Szenen um. Tolle Perspektiven und Bewegungen der Figuren lassen seine Darstellungen, etwas Actionreicher aussehen, obwohl das im direkten Vergleich gar nicht der Fall ist.

Ungeheuer spannende Abenteuer, grafisch mit wahnsinnigem Feingefühl umgesetzt. Peter Wiechmann entführt in eine selten für Erzählungen genutzte Zeit. Mit viel Sinn für Atmosphäre erwacht hier einer der furchtbarsten Kriegszeiten der Geschichte zu neuem Leben. 🙂

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Dienstag, 05. Mai 2009

PARADISE

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:46

PARADISEDie junge Frau hatte sich nicht vorgestellt, in einem Harem zu erwachen. Genau gesagt weiß sie nicht mehr, was sie sich eigentlich vorgestellt hat, denn ihr Gedächtnis lässt sie im Stich. Nur ab und zu blitzen Erinnerungsfetzen aus ihrer Kindheit durch. Sie sieht sich, wie sie mit einem kleinen schwarzen Leoparden spielte. Aber darüber hinaus? Andernorts weiß man sehr wohl, wer sie ist. Und für jene ist es klar: Sie müssen diese junge Frau in ihre Hände bekommen, bevor es die andere Seite schafft.

Wie stelle ich mir Afrika vor? Wenn ich noch nie da gewesen bin? Nur auf Hörensagen und Beschreibungen angewiesen? Dürer zeichnet 1515 ein Rhinozeros, ohne es selbst gesehen zu haben. Wie im großen Mondschwindel wirft Benoit Sokal, der Autor, einen scheinbaren Blick auf ein weit entferntes Land. Das, was er nicht genau erkennen kann, dichtet er hinzu, macht es phantastischer, schöner, aber auch grauenhafter, als es in Wirklichkeit ist. So wird Afrika, in Form des erfundenen Landes Mauranien, zu einem PARADISE, einem verlorenen Paradies.

Mit PARADISE gehen ein Computerspiel und ein Comic Hand in Hand. Die Vorgehensweise eines Adventures erklären ein wenig die Erzählweise, die Sokal hier gewählt hat und die sich doch sehr von seinen Geschichten um den schnabelbewehrten Detektiven Inspektor Canardo unterscheiden. Die einzelnen Kapitel stellen eine junge Frau in den Mittelpunkt, die ihre Identität vergessen hat, aber offensichtlich Ann Smith aus Genf ist. Ann Smith hat ein Buch über Mauranien geschrieben, allerdings vor über 100 Jahren. Irgendetwas stimmt hier nicht.

Die junge Frau fühlt eine ungewisse Verbundenheit zu einem schwarzen Leoparden im Besitz des Prinzen von Madargane. Infolge der Kriegswirren beschließt sie, das Tier eigenhändig aus der Stadt und somit aus der Gefahrenzone zu schaffen. Doch zuvor und auf dem Weg gilt es verschiedene Aufgaben zu bewältigen. Der Aufbau ist klassisch, spannend und man muss sich fragen, warum derlei Produktionsweg nicht häufiger gewählt worden ist. Fast könnte man den Comic als Lösungsbuch beschreiben. Wichtig ist aber: Das eine braucht das andere nicht, um alleine zu bestehen.

Von Anfang an ist die Atmosphäre bedrohlich. Die Stadt und das Land wirken düster, mit Flecken der Heiterkeit, der Historie. Moderne Waffen werden von den Aufständischen gegen uralte Strukturen geführt. Die Hitze ist in den Bildern und der Handlung spürbar. Feuchtigkeit und Staub erschweren das Leben der einfachen Menschen. Mit der Überheblichkeit von Tuaregs reiten die Molgraven durch das Land, zu stolz, um zu Lebzeiten einen Fuß auf den Erdboden zu setzen. Mystik lockt an jeder Ecke. Das Afrika, das der Leser zu kennen glaubt, wartet mit immer neuen Überraschungen auf.

Sokal selbst zeigt im Vorfeld der Geschichte einige Stimmungs- und Entwicklungsbilder. Was sich dort sehen lässt, geht technisch und künstlerisch weit über das hinaus, was Sokal gewöhnlich in Inspektor Canardo zeigt. Zieht man diese Entwicklungsbilder in Betracht und die vollendete Aquarelltechnik muss man sagen, dass es schade ist, dass er nicht die gesamte Gestaltung des Comics übernommen, ohne die Leistung von Brice Bingono schmälern zu wollen, der hier als Hauptzeichner agiert.

Bingono zeichnet in einer optischen Mischung aus Pat Lee (Warlands) und Hans Bacher (Alfred J. Quak). Sein Hang zum Realismus ist allerdings stark ausgeprägt, jedoch blitzt hier und da ein wenig mehr Cartoon durch. Sehr schön wird das in den Szenen aus der Vergangenheit Anns veranschaulicht, als sie mit dem kleinen Leoparden spielte. Zuweilen erinnert das Figurendesign auch an Figuren aus Der Prinz von Ägypten (aus dem Hause Dreamworks). Mit der Zeit, von Kapitel zu Kapitel wird das Design härter, etwas schwerer auch steifer. Die optische Wirkung der Flüchtigkeit, des schnellen Eindrucks geht etwas verloren. Das mag auch mit dem zunehmenden Drama und der Härte der Geschichte zusammenhängen.

Farblich werden von Jean-Francois Bruckner immer neue Farbstimmungen gefunden, die eindeutig das jeweilige Thema bestimmen und dem Leser sofort zeigen, ob er sich noch bequem zurücklehnen, die Szene in sich aufnehmen kann, oder ob Schnelligkeit, Drama, Tragödie angesagt sind. Automatisch weiten sich die Augen und rasen über das Papier. Das geschieht nicht selten. Auch bremsen die Texte in solchen Situationen den Lesefluss kaum aus.

Aus einem Absturz in einem fernen Land wird ein handfestes Abenteuer. Benoit Sokal hat ein vielschichtiges Szenario mit vielen faszinierenden Einblicken in ein erfundenes afrikanisches Land geschaffen. Wer jenseits von Löwenkönigen und Wolfsjungen einen ernsteren Zeichenstil mag und ein packendes Drama bevorzugt, wird mit den Bildern von Brice Bingono perfekt in diese fremde Welt eintauchen können. 🙂

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Sonntag, 03. Mai 2009

Batman Joker

Filed under: Superhelden — Michael um 18:32

Batman JokerDer Joker wird aus dem Arkham Asylum entlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es ein ganz normaler Tag in Gotham City. Das Leben hat sich wieder etwas beruhigt. Es gibt Verbrechen, aber sie sind nicht ganz so abartig wie sonst und weniger spontan. Nun aber ist der Joker wieder da. Und er kann es ganz und gar nicht leiden, wie seine Gebiete verschachert, wie seine Einnahmequellen geschmälert wurden. Johnny Frost wird der neue Fahrer des Jokers. Der Clown der Unterwelt hält sich zurück, weiß seine Wutausbrüche unter Kontrolle zu halten. Beinahe jedenfalls.

Eine kleine Party, bei der Johnny glaubt, endlich angekommen zu sein, wird durch einen schrecklichen Zwischenfall wieder in die Realität zurückgeholt. Zwar hat der Joker die Anstalt verlassen, doch er ist so wahnsinnig und so gemeingefährlich wie eh und je.

Schluss mit lustig! Dieser Joker hat mit dem guten alten grinsenden Bananengesicht nichts mehr gemein. Das ist kein Joker, der seine Feinde an die Kerzen einer überdimensionalen Torte fesselt, das ist ein Joker, der seine Opfer häutet. Eine Harley Quinn verhaut ihre Gegner nicht mit einem Kirmeshammer, eher strippt sie auf einer Bühne. Killer Croc könnte sofort von Michael Clarke Duncan (u.a. Kingpin in Daredevil) gespielt werden. Und der Joker ist zweifellos von der tollen Darstellung Heath Ledgers im letzten Batman-Film The Dark Knight inspiriert. Fast möchte man sogar sagen, dass der Joker von Autor Brian Azarello noch einige Stufen auf der Leiter der Gewalt nach oben gehetzt wurde.

Ähnlich wie Kino lässt es sich als Leser nicht vorhersagen, wann diese weiß geschmickte Vulkan wieder ausbrechen wird. Auch im Sinne der Dramaturgie gibt Azarello keinen Hinweis darauf. Der Joker agiert zufallsgesteuert. Sicher hat er das eine oder andere Ziel, auch spannt er diverse Charaktere wie Schachfiguren vor den imaginären Karren, aber letztlich gibt es nur ein wirkliches Ziel, die Zerstörung. Oder wie Azarello seinen Twoface erklären lässt:

Er wird vor Ihrer Leiche stehen, mit Ihrem Blut an seinen Händen, und er wird laut lachen … nicht, weil Ihr Leben ihm nichts bedeutet … sondern weil der Tod für ihn die Pointe ist.

Johnny Frost ist einer dieser kleinen Handlanger, ein Redshirt, bereit, jeden Moment über die Klippe zu gehen. Hier sehen wir ihn als Erzähler, Analysator und Nebenfigur in einem. Johnny Frost ist einer der Verlierer, wie es sie in Krimis oder Thriller häufig gibt. Sie sind nicht richtig schlecht, aber auf der schiefen Bahn. Sie haben die meiste Zeit ihres Leben im Gefängnis verbracht. Sie sehen für sich keine Alternative. Ein Leben im Rahmen des Gesetzes scheint nicht machbar. Durch die Begegnung mit dem Joker muss Frost feststellen, dass er am Rand einer Klippe balanciert und dass ein Absturz nicht nur möglich, sondern im Beisein des Jokers der logische Schluss ist. Doch lange Zeit weigert sich Frost, diesen Schluss anzuerkennen, schließlich rettet er dem Joker sogar das Leben.

Lee Bermejo ist ein ziemlich ausdrucksstarker Künstler. Vor geraumer Zeit konnte der Batman-Fan den Dreiteiler Batman/Deathblow: Nach dem Feuer hierzulande lesen. Schon damals war Bermejos Hang zur Realität drastisch und dramatisch zugleich. Er gestaltete seinen eigenen Batman, zog ihn regelrecht an, zwar nicht wie es ein Alex Ross macht, sondern vielmehr wie ein Batman sich anziehen würde, wenn das Fledermauskostüm echten Ansprüchen genügen müsste. Das wirkt martialisch, militärisch und weitaus weniger technisiert als in den beiden jüngsten Verfilmungen mit Christian Bale.

Aber Batman ist hier eine absoluten Randfigur. Das Hautaugenmerk liegt auf dem Joker, wie ihn ein Heath Ledger in Ansätzen spielte. Bermejo macht seinen Joker noch echter und dank verschiedenster Szenen, von Azarello geschrieben, erhält er ausreichend Gelegenheit dazu, den Joker sehr facettenreich darzustellen. Verbunden mit einem starken Hang zum Perfektionismus ergeben sich für den Leser wahnsinnig tolle Bilder, mal normal getuscht und koloriert, dann wieder äußerst fein koloriert, fast in Titelbild-Qualität.

Batman? Der wird nur zum Schluss gebraucht. Als die Unterwelt ihr Auskommen mit dem Joker nicht alleine regeln kann, taucht der dunkle Ritter auf. Als Leser fragt man sich, wo er die ganze Zeit geblieben ist, war er doch in alter Zeit immer viel schneller zur Stelle und nicht erst wenn Twoface um Hilfe ruft. Aber Batman, so muss es in der Gegenwart auch akzeptiert werden, ist nur ein Mensch und kann immer nur an einer Stelle gleichzeitig sein.

Der Joker: Vor ihm haben alle Angst, sogar seine Kollegen. Brian Azarello präsentiert einen knallharten und brutalen Joker, der alle anderen Schurken aussticht. Der Joker ist nicht zu kontrollieren, er ist das Chaos, eine Urgewalt. Spannend erzählt von der ersten bis zur letzten Seite. 🙂

Die Saga vom Dunkelelf 11 (Hörspiel)

Filed under: Comics im Hörspiel — Michael um 15:15

Drizzt - Die Saga vom Dunkelelf 11 - Der magische SteinBruenor kämpft sich zurück an die Oberfläche. Er weiß nicht, wie er den Kampf gegen den Drachen überlebt hat, aber er weiß, dass er diese Chance nutzen muss. Denn sie ist immer noch sehr gering. Vor ihm, auf seinem Weg durch die verschlungenen Stollen, warten viele, sehr viele Dunkelzwerge, die ihm allein durch ihre Übermacht den Garaus machen können. Aber Bruenor hat ein Ziel. Wenn er schon sterben soll, dann bestimmt nicht in einem stinkenden Schacht, sondern in Freiheit unter einer hell strahlenden Sonne.

Derweil reisen Drizzt und Wulfgar dem Meuchelmörder Artemis Entreri und dem entführten Halbling Regis hinterher. Regis sinnt darüber nach, wie er seinem Schicksal entrinnen könnte. Eine Idee könnte die Reise wenigstens verzögern, aber reicht das? Er hofft auf die Hilfe seiner Freunde, aber kann er sich ihrer sicher sein? Am Ende der Reise, das ist so sicher, wie die Götter existieren, wartet Pascha Pook auf Regis, mit keinem geringeren Wunsch, als den Halbling vom Leben zum Tode zu befördern und das so langsam wie möglich und so intensiv wie nötig.

Wolfgang Bahros Stimme wurde schon vermisst. Etwas knurrig, arrogant von oben herab klingend, schmeißt sich Wolfgang Bahro so richtig in seine Rolle als Pascha Pook, dem Herren der Diebesgilde von Calimhafen. Kleine Gespräche im Vorfeld, aber erst recht das Wiedersehen von Pook mit Artemis Entreri und dem lange vermissten und noch häufiger verwünschten Halbling Regis wird zu einem wunderbaren Kammerstück mit einem wahrlich gemein klingenden Wolfgang Bahro. Die meisten werden Wolfgang Bahro als Jo Gerner aus Gute Zeiten, schlechte Zeiten in Erinnerung haben. Dort ist er zwar auch nicht der netteste Charakter, aber immerhin ein Charmeur. Darauf kann Bahro hier ganz verzichten und so richtig böse sein.

Wie böse das ist, lässt sich ohne Problem an der Glanzleistung von Philipp Otto hören, der den Halbling Regis spricht und in große Schwierigkeiten gerät. Nachdem er zuletzt einen Widerpart zur Figur des Meuchelmörders Artemis Entreri bildete, ist er nun in die Fänge von Pascha Pook geraten, der den Diebstahl seines magischen Edelsteins auf das Bitterste gerächt sehen möchte. Philipp Otto jammert, klagt, bittet und bettelt, schreit, so wird die Figur des Halblings gemartert. Das hört sich so grauslich an, dass man die entsprechenden Bilder vor Augen hat und geradezu mitleidet.

Fantasy kann für einen Schauspieler oder einen Synchronsprecher eine ziemliche Befreiung sein, denn hier vermag er sich in sagenhaften Gestalten einmal abseits der üblichen realen Rollen zu betätigen. Jürgen Holdorf kann als Werratte Rassiter sich richtig gehen lassen, Gauner und Monster zugleich sein. Robert Missler verkörpert den schurkischen Händler Sali Dalib, der die Helden in eine Fall locken möchte. Hier, wie in einigen anderen Szenen mit Bruenor und seinen Freunden, kommt der Spaß hervor. Wenn es in der Wüste heiß her geht oder in einem fliegenden Kampfwagen noch viel heißer gegen Piraten angegangen wird, dann bleibt kein Auge trocken.

Wieder einmal kann sich Uwe Hügle als Bruenor herzhaft polternd in den Vordergrund spielen. Selten klang ein Zwerg besser und echter. Die kleine Gemeinschaft zwischen ihm, Cattie-Brie und Wulfgar bildet ein hervorragendes stimmliches Dreieck. Aber auch neue Konstellationen, Drizzt und Wufgar auf ihrer gemeinsamen Reise zur Rettung des Halblings, sorgen für weitere Spannungsmomente. Wenn Wulfgar sich entgegen bisheriger Erfahrungen aus einer Situation nicht herausschlägt, sondern herausredet, ist dies nur eines von vielen Beispielenn für eine überaus gelungene Stimmung, die in der Hauptsache über die Spielfreude der Sprecher transportiert wird, aber nicht nur.

Musik und Effekte sorgen für ein starkes räumliches Empfinden und das berühmte Kino für die Ohren. Kämpfe außen, aber besonders die Szenen im Inneren von Mithril-Halle, wenn Bruenor nach einer Fluchmöglichkeit sucht, bieten eine einfangende Atmosphäre. Wenn das Hörspiel nach rund 80 Minuten endet, sind es eher gefühlte 120, die man als Zuhörer mit beiden Ohren und inneren Augen in der Welt der vergessenen Reiche verbracht hat.

Nicht zuletzt dank der tollen Stimme von Tobias Meister als Drizzt ein absolutes Hörvergnügen. Zum Gruseln, zum Mitleiden, zum Lachen. Ein rundherum gelungenes Hörvergnügen und Fantasy-Fans uneingeschränkt zu empfehlen. 🙂

Drizzt, Die Saga vom Dunkelelf 11, Der magische Stein: Bei Amazon bestellen

Freitag, 01. Mai 2009

Star Trek: Countdown

Filed under: SciFi — Michael um 14:48

Star Trek: CountdownEine Supernova droht den Planeten Romulus zu vernichten. Doch der Senat will die Bedrohung nicht erkennen. Die romulanischen Wissenschaftler sind zu einem anderen Ergebnis gekommen als der Föderationsbotschafter Spock, der seit Jahren auf Romulus lebt. Aber Spock will so leicht nicht aufgeben. In dem Minenarbeiter Nero und seiner Crew findet er Verbündete. Ein waghalsiger Plan soll den Planeten retten. Und die Zeit drängt.

Nach der klingonischen Heimatwelt ist nun auch Romulus in höchster Gefahr. Ähnlich wie ein Jor-El steht auch ein Spock wie ein einsamer mahnender Rufer vor dem Senat. Ihm wird angesichts seiner Forschungsergebnisse keinerlei Glauben geschenkt. Obwohl sich der alte Halbvulkanier um Integration bemüht, herrscht unter den Romulanern immer noch ein ungesundes Misstrauen.

Das romulanische Reich steht vor dem Aus. Willst du einen Neuanfang, mach’ erst einmal das Alte kaputt. Dies scheint eine goldene Regel innerhalb des Star-Trek-Universums zu sein, wenigstens, was die Kinofilme anbelangt. Die Enterprise unter Captain Kirk wurde zerstört, die Enterprise unter Captain Picard auch. Praxis war für die Friedensbemühungen zwischen den Klingonen und der Föderation verantwortlich. Spock musste sterben und kam durch einen Zaubertrick wieder. Data musste abtreten. … Und kam auch durch einen Zaubertrick wieder.

Nun ist also J.J. Abrams, durch seine Fernsehprojekte mittlerweile eine lebende Legende, mit einer 11. Kinoepisode aus dem Star-Trek-Universum an der Reihe. Der Comic erzählt die Vorgeschichte zu einem Neustart, der einem ähnlich erscheinen mag, wie jüngst die Neukonzeption eines James Bond. Wir begegnen den alten Recken, allen voran Spock, dem Picard im nächsten Jahrhundert begegnete. Die Freundschaft der beiden ist hier ein wichtiges Thema, schließt sie doch eine enge Bindung ab. Data konnte durch seinen Zweitkörper reaktiviert werden. Worf hat seine Position im klingonischen Reich endlich gefunden.

Wenn einen viele Jahre diverse erfundene Charaktere begleitet haben und diese nun den letzten Weg beschreiten, schwingt ein wenig Wehmut mit. Nach den verschiedenen Zerstörungsspielchen hat man einen Feind erfunden, der seinen Schmerz (leider mit keinem teilen möchte) betäuben will, indem er eine Totalzerstörung der bekannten Welten anstrebt. Mit Vulkan will er anfangen, die Erde soll als nächstes ran, dann die klingonische Heimatwelt … Für die richtige Schlagkraft sorgt Borgtechnologie.

Aus Fan-Sicht ist es ein schönes Wiedersehen. Spock dürfte nicht nur innerhalb des Star-Trek-Universums, sondern innerhalb des gesamten SciFi-Genres eine faszinierende Gestalt sein, obwohl sie jene ist, die am wenigsten Emotionen offenbart. Hier wie in einem seiner letzten Auftritte an Bord der Enterprise, während der Reise in ein unentdecktes Land, ist er von einer menschlichen Altersweisheit befallen. Auf Romulus wie auf Vulkan ist er ein Außenseiter geworden. Spocks Auftreten ist stets von einer grundsätzlichen Ruhe geprägt. Im vorliegenden Band trifft das auf die meisten Charaktere zu. Es herrscht Abschieds, auch Untergangsstimmung, wie es sich sehr schön an Gesprächen zwischen Spock und Picard, aber auch zwischen Data und LaForge ablesen lässt.

Die grafische Umsetzung ist glasklar. Zeichner David Messina unterstützt mit seinen Bildern die ruhige, gemäßigte Atmosphäre der Geschichte. Es lässt sich nicht behaupten, dass es keine Action gibt, allerdings zelebriert Messina die Szenen eher, als sich dazu verleiten zu lassen, Geschwindigkeit vorzutäuschen oder gar vorzutäuschen, er habe einen Film zu Papier bringen wollen. Messina zeichnet einen Comic, der auf einer Fernseh- und Kinoserie fußt. Er gestaltet die Figuren so lebensnah wie möglich, beinahe etwas puppenhaft, aber sehr gut erkennbar. Einzig Nero, im neuen Film von Eric Bana gespielt, ist hier austauschbar. Data, Spock, Picard, LaForge, sogar Worf geben hier schöne Bilder ab.

Messina verlässt sich bei seinen Bildern auch stark auf die Kolorierung, die er teilweise unterstützt hat. Szenen im All geraten sehr plastisch. Die Figuren sind sparsam koloriert, aber stets so, dass möglichst viel Tiefe und Volumen entsteht. Eine leichte Unschärfe im Hintergrund, die Einfärbung von Linien bei Falten und Schatten sorgt für Effekte, wie sie noch von der Zeichentrickserie her bekannt sind. Das hat nichts von einem Film, mehr von einer künstlichen Bühne.

Eine sehr schöne Vorgeschichte, von der man sich gewünscht hätte, dass sie als Überleitung stärker für die neue Kinoverfilmung genutzt worden wäre. Grafisch ist sie bestens und sehr Fan-freundlich gelöst. Mit einem Tränchen im Augenwinkel kann man hier von seinen liebgewonnenen Star-Trek-Charakteren Abschied nehmen. Sehr gut. 🙂

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Wraithborn

Filed under: Mystery — Michael um 10:08

WraithbornSchon mal ein Monster fertig gemacht? Melanie Moore ist eines dieser ganz normalen Girlies … Gut, eigentlich führt sie eher ein unbeachtetes Randdasein in der Highschool. Sie ist Luft für die anderen und nichts an ihrem Verhalten wird daran etwas ändern. Melanie geht Ärger aus dem Weg. Sie setzt sich nicht für andere ein. Sie hält sich raus. Ein abendlicher Besuch auf dem Marinette Cemetery ändert das schlagartig. Ein Mann, dessen Kopf blutüberströmt ist, wirft sie zu Boden und hält ihr einen leuchtende Klinge vor das Gesicht. Melanie hält ihn für einen Mörder, einen Triebtäter oder schlimmeres. Sie verliert das Bewusstsein.

Als sie erwacht, erscheint alles wie ein böser Traum. Aber das ist es natürlich nicht. Wenig später materialisiert sich ein ätherisch ausschauenden Frauengestalt auf dem Friedhof: Brigit. Sie ist auf der Suche nach der Wraithborn. Zu ihrem Pech hat diese Waffen bereits den Besitzer gewechselt und ist in Händen gelandet, die weder ausgebildet sind, sie zu führen, noch weiß dieser Besitzer, dass er eine Waffe hat: Melanie. Alles, was Melanie sehr schnell herausfindet, ist, dass sie gejagt wird. Monströsitäten, dämonisch, hündisch verfolgen sie durch die Stadt, bis sich plötzlich und unerwartet eine dritte Partei einmischt und ihr Interesse an der Waffe bekundet.

Wraithborn, eine magische Waffe. Eine Auserwählte wider Willen. Dämonen, Konkurrenten um ein Erbe. Joe Benitez und Marcia Chen haben sich einer ganzen Reihe von bekannten Elementen angenommen und diese rigoros zu ihren Bedingungen neu gemischt. Der Fan wird dies oder jenes wiedererkennen. Voodoo Child, Buffy, Witchblade, Magdalena, als Gegenspieler lässt etwas wie die Darkness finden. Manche Monster erinnern an Mutanten aus Warhammer, Ekelpakete aus The Tenth oder Zenobiten aus Hellraiser. Benitez und Chen kennen ihr Genre, kein Wunder, haben sie doch schon ausreichend daran mitgefeilt und gearbeitet.

Benitez ist für seine grazilen Figuren einerseits bekannt, aber auch für seine bombastischen Figuren, die vor Muskeln nur so platzen. Im direkten Vergleich könnte er mit Tony Daniel verwandt sein, jenem Zeichner, der einmal mit The Tenth auf sich aufmerksam machte. Wie Daniel verleiht auch Benitez seinen Frauengestalten kilometerlange Beine, übertrieben gesprochen, macht aus ihnen elfengleiche Sexbomben mit großen Augen und anderen übergroßen weiblichen Attributen. Als Leser verzeiht man ihm, nicht nur, weil es gut ausschaut, sondern weil es sehr gut ausschaut. Benitez zeichnet seine Zoe, seine Kiara, später auch seine Melanie in Posen und Szenen, die geradewegs aus einem Storyboard entsprungen sein können und die höchstmögliche Bewegungen vortäuschen müssen.

Denn Benitez geht mit größtmöglicher Präzision und einem Hang zum vorgetäuschten Realismus zu Werke. Zwar sind die kleinen und großen Monster, die sich in Wraithborn finden, nicht echt (das will ich jedenfalls hoffen), aber sie mit allerlei Hingabe zum hässlichen Objekt entworfen. Brigits Hunde, die Hauptübel, denen sich Melanie alias Wraithborn stellen muss, sind es denn auch, die an die Mutanten aus Warhammer erinnern. Andere gestalten könnten jederzeit auf Verwandtschaftsbesuch bei Resident Evil auftauchen. Benitez, man kann es nicht oft genug sagen, versteht sein Handwerk. Zwischen schönen Frauen und Monstern füllt er die gesamte Bandbreite eines modernen Zeichners aus, der sich die Zeit nehmen kann beste Arbeit abzuliefern und dazu noch auf der Welle der MTV-Generation zu schwimmen, obwohl er ihr eigentlich schon eine Generation voraus ist.

Wer sich auf allerfeinste Horror-Action einstellen mag, diverse Anleihen aus anderen Produktionen nicht als Makel empfindet, eine sehr gepflegte Zwischenmahlzeit auf diesem Gebiet braucht, sollte zugreifen. Wer Gewalt, auch blutiger Natur, in Comics nicht so gerne mag: Finger weg. 🙂

Links: www.wraithborn.com