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Comic Blog


Donnerstag, 20. November 2014

Die Welt der Schlümpfe 2

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 16:03

Die Welt der Schlümpfe 2 - Schlumpfige WeihnachtenSchlumpfige Weihnachten. Alles schläft … Moment mal! Alles schläft? Nun, da der Schnee die Landschaft zudeckt, geht in der Natur alles gemächlicher, langsamer und so manches Tier verschläft diese anstrengende Jahreszeit lieber gleich. In Winterschlaf im Schlumpfland hat die Angelegenheit leider einen Haken. Fauli schläft sowieso das ganze Jahr über lieber. Und was für einen Siebenschläfer gut ist, ist dem Fauli gerade recht. Also, schnell in das Fell des kleinen Nagers gekuschelt und in schöne Träume eingetaucht. Nur vermissen ihn wenig später seine schlumpfigen Freunde und eine Suchaktion folgt auf dem Fuße.

Kurzgeschichten entführen den Fan der Schlümpfe in die Winterzeit und die Weihnachtszeit. Wie es das Titelbild bereits ankündigt, wird es turbulent. Einen nicht unerheblichen Anteil daran trägt Gargamel, der selbst in der beschaulichen Jahreszeit nicht von seiner Jagd auf Schlümpfe lassen kann. Bei aller Boshaftigkeit versinkt der Zauberer gerne im Selbstmitleid. Gargamel kann sich überhaupt nicht erklären, warum er zu Weihnachten keine Geschenke vom Weihnachtsmann erhält. Ein schlumpfiges Fest wird es hauptsächlich für die Schlümpfe. Für Gargamel wird es zu einem Kampf gegen seine bösen Wunschträume, bis zum Ende der Geschichte.

So gezwungen darf der Leser noch eine der halbwegs besseren Seiten des Zauberers kennen lernen. In Die kleine Tanne und Die seltsamen Schneemänner ist es mit dieser Gutmütigkeit schon wieder vorbei. Die kleine Tanne besitzt ein, zwei brutale Momente, die ziemlich unerwartet sind und verwundern, aber so schnell sie kommen, sind sie auch schon wieder vorbei. Monster sind in der Welt der Schlümpfe eben auch das, was sie in der übrigen Welt sind: Monster. Und keine Kuschelkreaturen. Die seltsamen Schneemänner sind zwar auch nicht zum Kuscheln da, dafür haben sie einen guten Charakter.

Und die armen Schneemänner sind infolge des nahenden Frühlings auf der Suche nach einer neuen Heimat oder wenigstens einem Versteck, in dem sie die warmen Jahreszeiten überdauern können. Das ist niedlich kindgerecht, auch im Kampf gegen Gargamel und hat, wie in Die kleine Tanne, nichts von einem Schlumpf, der mit einem Beil einem Drachen die Schwanzspitze abhakt. In Weihnachten für den kleinen Paul darf der Weihnachtsmann selbst eingreifen. Die Schlümpfe werden einerseits zu seinem Beschützer, andererseits zum Ersatzweihnachtsmann. Das hat Herz und bildet einen schönen Abschluss des zweiten Bandes aus der Welt der Schlümpfe.

Viele Spuren im Schnee, zur Weihnachtszeit und im Winter. Meist fröhlich, herzlich, immer schön gezeichnet, ganz im gewohnten Stil. Macht nicht nur zur Weihnachtszeit Spaß. 🙂

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Sonntag, 16. November 2014

STILLE NACHT

Filed under: Cartoon — Michael um 18:01

STILLE NACHT - Die Weihnachtsgeschichte ohne WorteMaria und Joseph führen ein bescheidenes Leben. Sie ergänzen sich perfekt. Er arbeitet in der Schreinerei, sie führt die Bücher. Bis eines Tages ein Engel erscheint und die frohe Botschaft verkündet. Maria ist schwanger, aber Joseph ist nicht der Vater. Das kommt selbst für den guten Mann überraschend, der sich schlussendlich belehren lassen muss, dass Gottes Sohn in Maria heranwächst und Joseph seine Maria ganz schnell heiraten soll. Gesagt getan. Und wieder scheint alles perfekt zu sein. Wäre da nicht diese Volkszählung, für die sich die beiden auf den Weg machen müssen, obwohl Maria inzwischen hochschwanger ist.

Die Schafshirten befinden sich gerade in einer kleinen Auseinandersetzung, wer denn auf die Schafe aufpassen soll, als sich der Engel, der Gesandte Gottes meldet und auf seine unnachahmlich Weise Gehör verschafft. Zuvor hatte er derart schon Maria die frohe Botschaft überbracht. So recht verstanden haben es die Hirten nicht, machen sich jedoch auf den Weg, um das Baby mit dem Heiligenschein zu finden. Soll eben der Hund solange auf die Schafe aufpassen.

Die Weihnachtsgeschichte ohne Worte. Aber mit einer gehörigen Portion Humor erzählt. Frank Flöthmann, der mit dieser Erzählweise seinen ganz eigenen Stil gefunden hat, bringt durch diese Interpretation der Erzählung über das Elternpaar des Christkindes eine Version, die vielleicht auch jenen einprägsam ist, die in Zeiten von Smileys und Hashtags mal eben auf die Schnelle wissen wollen, was an Weihnachten so Sache ist. Was zuallererst auffällt: Wortlosigkeit braucht Platz. Zwei Bilder, ein Bild auf einer Seite oder sogar ein Bild auf einer Doppelseite. Die Figuren treten als Icon-Männchen auf, sehr reduziert also. Ihre Zeichensprache, wortlos, bildhaft und verständlich, benötigt Raum, denn gerieten sie zu klein, ginge vielleicht die Schnelligkeit der Botschaftserfassung verloren. Und es ist erstaunlich, wie gut diese gelingt.

Zwar kann ein wenig Grundkenntnis über die STILLE NACHT nicht schaden, wenn allerdings Joseph Maria prallen Bauch befühlt und (in Symbolsprache) von einem Boxer spricht, ist wie an jeder anderen Stelle der Erzählung unzweifelhaft, was gemeint ist. Nur allzu wenige Variationen und Grundformen sind notwendig, damit nicht nur Figuren entstehen, sondern auch noch durch den Blick auf das Geschehen komplettiert werden. Da findet sich natürlich der Smiley grundsätzlich überall. Da wird mit den Mitteln des Piktogramms gearbeitet, wie es dem modernen Menschen überall heutzutage begegnen kann. Da findet sich aber auch eine gewisse Anarchie und Verniedlichung, wie sie der Leser vielleicht aus Kultserien wie South Park her kennt. Frank Flöthmanns Reduzierung ist freilich noch viel radikaler.

STILLE NACHT ist nicht Flöthmanns erstes Werk. Der comic-begeisterte Grafiker erzählt auf seine Art bereits Grimms Märchen ohne Worte. In Männer ohne Worte nimmt er das ohnehin wortkargere Geschlecht und seine Schwächen auf die Schippe. Da Maria in der stillen Nacht die einzige Frau ist (sieht man von einer hilfsbereiten Herbergsmutter ab), dürfen sich auch hier die Männer insgesamt warm anziehen. Die Krone der Schöpfung, symbolisiert durch Joseph, die Hirten und die heiligen drei Könige, sind etwas tollpatschig, verspielt, allerdings sehr gut durch himmlische Mächte zu inspirieren. Die drei Hirten erinnern in ihrem Auftreten ein wenig an die drei Stooges, lösen ihre Querelen aber gewaltfrei. Und modern wie die heiligen drei Könige sind, holen sie ihre Geschenke für ein Kind natürlich im Spielzeugladen. Das Schmunzeln wächst beim Betrachten der Bilder von Seite zu Seite. Mit dem Aha-Effekt (ich hab’s ohne Worte verstanden!) kommt das Lachen.

Joseph wird ungewollt Vater und sucht den Notausgang. Ein Engel hält ihn auf. Zur rechten Zeit, denn ansonsten wäre die Geschichte allzu früh vorbei und der Spaß zu kurz. Frank Flöthmann hat einen schönen Weg gefunden, die Geschichte zur STILLEN NACHT neu zu erzählen. Zeitlos lustig mit zeitloser Botschaft! 🙂

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Links: 2-f.de (Homepage des Comic-Künstlers)

Donnerstag, 13. November 2014

I.R.$. 14 – Die Überlebenden von Nanking

Filed under: Thriller — Michael um 19:08

I.R.S. 14 - Die Überlebenden von NankingZuerst wurde Larry zu diesem Fall gezwungen. Als der Zwang sich in Luft auflöst, er die Kontrolle zurückgewinnt, langsam nur, aber auf Dauer, beginnt ihn die Sache doch richtig zu interessieren. Nur leichter wird seine Aufgabe dadurch nicht. Ganz im Gegenteil. Das Rätsel ist und bleibt eine harte Nuss. Es kann nur gemutmaßt werden, wie es sich damals, vor so vielen Jahrzehnten, abgespielt hat. Jede Idee führt in eine andere Richtung, was eine globale Suche nicht vereinfacht, die mangels Vertrauter im näheren Umfeld zu einer Mammutaufgabe ausarten würde, wenn Larry nicht doch noch den richtigen Einfall hätte …

Larry B. Max wird von Autor Stephen Desberg in einen Fall gehetzt, der einer der größten und schwierigsten ist. Larry ist nicht nur höchst persönlich involviert, er muss auch noch ein Rätsel lösen, dessen Spuren über Jahrzehnte hin verwischt wurden. Larry B. Max, der Ermittler des I.R.S., sieht sich von mehreren Seiten unter Druck gesetzt. Er selbst ist durch den Tod des Mörders seiner früheren Freundin in arge Bedrängnis geraten. Nur deshalb, weil er erpresst wird, hat er sich bereit erklärt, Yamashitas Gold zu finden. Der Goldschatz, dereinst während der japanischen Übergriffe auf China von einer hoch stehenden Familie aus dem Kreis der organisierten Kriminalität geraubt, wurde auf schlaue Weise versteckt.

Stephen Desberg kennt die Mechanismen eines auf internationalem Parkett spielenden Thrillers sehr genau. Faszinierende Orte lösen sich mit schönen Frauen und gefährlichen Umgebungen ab. Das Titelbild verrät dem Leser bereits etwas. Neben den Rückblicken in eine kriegerische Vergangenheit, verschlägt es Larry B. Max auch unter Wasser auf der Suche nach gigantischen Buddha-Statuen, die doch nur Fassade für einen ebensolch riesigen Schatz sein sollen.

Ebenso verwoben sind Rückblenden aus Larrys Leben, seiner Gegenwart und Szenen aus den letzten Kriegstagen, als japanische Einheiten das aus China gestohlene Gold, offiziell, für den Kaiser in Sicherheit bringen sollen. In den Farben alter Schwarzweißaufnahmen entspinnt sich ein Drama, immer nur in Auszügen erzählt, dem sich Stephen Desberg zugunsten eines Dreiteilers gerne mehr Erzählzeit hätte nehmen können. Da die Anteile aus Gegenwart und Vergangenheit außerordentlich komplex sind, der Platz aber begrenzt ist, hastet er zwangsläufig manchmal arg zu schnell durch die Szenarien.

Bernard Vrancken, mit der farblichen Unterstützung durch Coquelicot, pflegt weiterhin einen reduzierten Realismus. Die Bilder könnten auf der Basis eines Films entstanden sein. Eine gleichfalls reduzierte Kolorierung imitiert leicht unscharfe Fotografien, die in Teilbereichen nachgetuscht worden sind. Gerade in den historischen Aufnahmen ist die Wirkung des so entstandenen Effekts sehr schön eingesetzt. Die Action hält sich in Grenzen, so dass Vrancken sich auf die Interaktion der Charaktere konzentrieren kann. Überbordende blutige Szenen werden gerade so eben gezeigt. Spannung entsteht hier nicht durch Gewalt, sondern durch gewissenhaftes Inszenieren und Erzählen.

Eine Gaunerin wird vom Saulus zum Paulus. Ein Ganove kehrt zurück. Larry B. Max wird in dieser wendungsreichen Fortsetzung einiges abverlangt, sehr zur Freude des Lesers, dem viele Gelegenheiten zum Mitfiebern geboten werden. Und er kann auch nicht vor Larry auf des Rätsels Lösung kommen. Beste Thriller-Unterhaltung. Die Kenntnis des Vorgängerbandes, Yamashitas Gold, ist Pflicht. 🙂

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Oder bei Finix Comics.

Montag, 10. November 2014

HOLMES 2 – Der Schatten des Zweifels

Filed under: Thriller — Michael um 18:44

HOLMES - Zweiter Band - Der Schatten des ZweifelsNicht nur das Verhalten von Sherlock Holmes war einer gewissen Gewöhnung unterworfen. Besonders Dr. Watson kann beurteilen, wie schwierig das Auskommen mit dem genialen Freund mitunter war. Die Familie des Verstorbenen entwirft sich vor den Augen des Doktors noch merkwürdiger. Im Traum führt der alte Freund den Doktor auf eine mysteriöse Spur. Erinnerungen sind männlich geprägt. Die beiden Brüder, der kleine Sherlock, der etwas ältere Mycroft, verbringen die Zeit mit ihrem Vater. Eine Mutter fehlt in diesen Bildern. Der Vater, inzwischen pflegebedürftig, kann oder will keine Auskunft geben. Zusammen mit seiner Frau folgt Dr. Watson den Spuren in die Vergangenheit.

Der Schatten des Zweifels ist über dem Erbe des Sherlock Holmes aufgezogen. War er wirklich der über die Maßen intelligente Ermittler, der die Schurken dank der überragenden Geistesfähigkeiten dingfest machte? Oder war er am Ende ein Scharlatan, der es zuwege brachte selbst den engsten Freund zu täuschen und einen Erzfeind zu erschaffen, der lediglich in der Fantasie existierte? Dr. Watson kann und will diese Botschaft nicht glauben. Die Spur zur Lösung des Rätsels führt ausgerechnet nach Frankreich. Unterdessen betreibt der junge Wiggins seine eigenen Nachforschungen. Einst von Sherlock Holmes entdeckt, tritt er nun in die Fußstapfen seines Vorbilds und schlittert in eine der irrsinnigsten Schlägereien, die London je erlebte.

Luc Brunschwig beleuchtet den jungen Mann namens Simeon Wiggins genauer, von dem der Leser bislang auch hätte annehmen können, es handele sich um eine Art Aufschneider. Der Zusatz auf seiner Visitenkarte, Wärmstens empfohlen von Mr. Sherlock Holmes, ist eine Referenz der besonderen Art, die neugierig macht, aber auch nicht sehr glaubhaft klingt. Allerdings wird den jeweiligen Gegenübern, immerhin den Erwachsenen, schnell klar, dass Mr. Wiggins einiges von dem über die Landesgrenzen hinaus bekannten Privatdetektiven gelernt hat. Aus dem Straßenjungen von einst ist ein Mann mit Umgangsformen geworden. Luc Brunschwig verwebt hier elegant die Lebensgeschichte des jungen Mannes, das Schicksal von Sherlock Holmes mit einem weiteren in der Schwebe befindlichen Kriminalfall.

Es ist nicht nur Spannung der leisen Art, wie sie im ersten Teil noch dominierte. In manchen Passagen geht es handfest zur Sache. Das ist besonders in einem Fall kurios anzuschauen und zu lesen. Cecil, der Comic-Künstler, geht in einem sehr anschaulichen Anhang, Making of, auf die rasante Sequenz ein, in der sich die Polizei Londons kaum des Mobs erwehren kann. Es herrscht Lynchstimmung auf den Straßen. Die Besonderheit sind die ausufernden Massenszenen, die Cecil hier bewältigen muss und es mit dem gleichen Blick schafft, der auch Künstlern von wandgroßen Historiengemälden zueigen ist, die es schaffen, in jedem Bildausschnitt ein kleines Drama einzubauen.

Das Making of trägt einiges dazu bei zu erkennen, wie Cecil den Bildaufbau betreibt und neben der rigorosen Charakterisierung der einzelnen Figuren auch das alte London und das ländliche Frankreich wiedererstehen lässt. Obwohl die Hintergründe oft nur der Kulisse dienen und eine nachgeordnete Rolle spielen, befördern sie die Geschichte fühlbar wie ein Blick auf alte Fotografien. Auffällig, bereits in der Handlung selbst, ist die Vorstellung eines neuen Mitspielers, Dr. Dudley Parks, der vor Jahren von Sherlock Holmes verdächtigt wurde, Jack the Ripper zu sein. Wie akribisch diese (und andere) Charaktere vorbereitet wurden, lässt das Skizzenbuch im Anhang erahnen. Gleichzeitig, mit der Beleuchtung der Arbeitsprozesse, wird auch der Arbeitsaufwand hier hervorragend gezeigt. Originalblätter dürften sogar in Bilderrahmen ein schönes Zuhause finden.

Mysteriöse Ereignisse bilden die Grundlage für stärkere Dramatik als im ersten Teil. Erzählung und grafische Gestaltung sorgen für sehr präzise Charakterdarstellungen und vertiefen insbesondere die Figur des Dr. Watson, der hier endgültig aus dem Schatten seines großartigen Freundes ins Licht tritt, allen eigenen Zweifeln zum Trotz. Eine weiterhin sehr schöne und würdige Fortsetzung um die Figur des Sherlock Holmes. 🙂

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Freitag, 31. Oktober 2014

Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 1

Filed under: Klassiker — Michael um 9:53

Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 1Es war einmal ein Page, der zu einer herausragenden Comic-Figur wurde. An der Seite seines Freundes Fantasio erlebte dieser ganz in roten Stoff gewandete Spirou die unglaublichsten Abenteuer. Und so richtig groß begann alles mit einer Erbschaft. Doch zuvor waren die kleinen Geschichten, zu denen Jije den Grundstein legte und nachdem das Fundament stand, übergab er die Zeichenfeder an Franquin. Diesen Wechsel konnten die Leser anhand des vollendet kopierten Strichs zunächst nicht einmal bemerken. Zurück zur Erbschaft, im wahrsten Sinne des Wortes: Franquin, der am Beginn seiner Zeichnerkarriere war, machte die Figuren Spirou, Fantasio und das Eichhörnchen Pips zu den seinen.

Wie wird es enden? Die Frage lässt sich zu Beginn eines dieser alten Abenteuer nicht beantworten. Einzig lässt sich mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit vermuten, dass es gut ausgehen wird. Denn auf Fridolin, wie Spirou hierzulande auch einmal in längst vergangenen Tagen hieß, warteten noch weitere Geschichten. In der Mitte der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts schwang noch ein durch schwarzweiße Slapstick-Streifen inspirierter Humor in Spirous Abenteuern mit durch. Es fällt nicht schwer, in den gummiartigen Verrenkungen der Figuren die schlaksigen Bewegungen eines Tramps mit Bowler und Spazierstock wiederzuentdecken.

Alles geht! Radar, der Roboter ist ein weiteres Beispiel für die Goldgräberstimmung jener Tage. Alles konnte ausprobiert werden, Geschichten entstanden wie aufs Geratewohl ersonnen. Ein weitaus weniger breites Spektrum, als es heutzutage vorhanden ist, ließ größere Spielräume. Die Abenteuerlichkeit, mit der Spirou und Fantasio nicht nur mit einem verrückten Wissenschaftler, sondern auch mit seiner Kreatur, Radar, konfrontiert werden ist maßgeblich für die gesamte Reihe geworden. Denn der Grundgedanke, Alles geht!, zieht sich bis heute durch Handlungen.

Aufregung, Aufregung, Aufregung! Diese ist ein besonderes Merkmal der Geschichten jener Tage. Ein wenig Ruhe, Zwischenentspannung, ist sehr selten. Bei den Abenteuern auf Albenlänge dringt der episodenhafte Charakter der einzelnen Abschnitte durch. Ein Höhepunkt jagte den nächsten. Das legte sich bereits etwas in Spirou bei den Pygmäen. Der Humor kümmerte sich damals, wie heute sicher einige bemängeln werden, nicht um Political Correctness.

Das Album Spirou im Wilden Westen konnte hingegen fröhlich mit den Vorurteilen spielen, ohne dass es jemanden stören musste. Wo im alten Europa die Kultur die Zivilisation fest im Griff hatte, herrschten in Amerika abseits der großen Städte noch die rauen Sitten des Wilden Westens. Franquin konnte auf den Spuren von Jijes Western-Erzählungen wandeln, den, aus heutiger Sicht, Western von gestern einfließen lassen. Betrachtet man sich einzelne Szenen, darf der Cineast sich fragen, ob hier nicht auch ein Robert Zemeckis für den dritten Teil der Zurück in die Zukunft Trilogie in dieses Abenteuer gespinkst hat. Oder so manches gehört vielleicht schon zu den Urtümlichkeiten eines Westerns, ist Allgemeingut geworden. Franquin hat zu seiner Verbreitung sicherlich einiges beigetragen.

Schmuggel, so der Titel der letzten in der ersten Gesamtausgabe vorliegenden Episode, zeigt eine deutliche Veränderung im Vergleich zu den ersten Schritten von Spirou unter Franquins Feder. Die Proportionen der Figuren werden noch genauer aufeinander abgestimmt, die Zeichnungen wirken weniger zappelig als in den Anfangstagen. Bis in die kleinste Nebenfigur hinein wird auf ein stimmiges Äußeres geachtet. Die Choreographie der Slapstick-Szenen wurde perfektioniert ( Stichwort: Motorrad verliert seinen Beiwagen, samt Mitfahrer).

Die Anfänge eines Zeichners, eine Entwicklungskurve, die stetig nach oben weist. Ein interessantes Werk Comic-Geschichte, schöne Comic-Abenteuer aus der Frühzeit einer Figur, die den Comic-Markt erobert hat, wie nur wenige es geschafft haben. Franquin zeigt, wie fein ein Künstler zu arbeiten versteht, wenn aus einem Lehrling langsam ein Meister wird. Toll! 🙂

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Montag, 27. Oktober 2014

JOMMEKE 8 – Die Paradiesinsel

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 20:21

JOMMEKE 8 - Die ParadiesinselEs sollte ein schöner Inselausflug werden. Nachdem das Schlimmste überstanden schien und der Kapitän den Kindern ihren kleinen Trick verziehen hatte, wäre der kurze Aufenthalt auf der Paradiesinsel zur Krönung der Reise geworden. Hätte das Schiff seine Weiterfahrt nicht ohne sie fortgesetzt. Aber die Kinder, allen voran Jommeke sind findig und lassen sich nicht unterkriegen. Mit tollen Ideen und der Hilfe neuer, ungewöhnlicher Freunde richten sie sich in ihrem neuen Leben ein. Aber bis es so weit ist, müssen die Kinder so manche Hürde nehmen. Die Feststellung, wie schwierig das Miteinander mit ungezähmten Ziegen sein kann, ist nur der Anfang.

Die Paradiesinsel aus der Reihe JOMMEKE beschreibt einen alten Kindertraum. In der Vergangenheit hatte die Serie bereits in Deutschland ihren Auftritt unter dem Titel Peter und Alexander. JOMMEKE selbst entstand 1955, zum Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts folgte der deutsche Auftritt der liebenswerten Comic-Figur und seiner Freunde. Es ist eine Erzählkultur, die sich in die Hochzeiten einer Enid Blyton einreiht, als Kinder Abenteuer erlebten, die Bösen jedoch stets ausmanövriert werden konnten und alles irgendwie ohne Gewalt auskam.

Der Zeichner Jef Nys schuf den blonden Jungen Jommeke und seinen Freund Filiberke, immer begleitet vom grünen Papagei Flip. Seit seiner Geburt hat Jommeke bereit in über 250 Alben seine Abenteuer erlebt. Im Rahmen der Kinderabenteuer könnte man ihn aufgrund der Strichführung auch einen jugendlichen Tim nennen (ohne Struppi, dafür mit einem schwarzen Puddel namens Pekkie an seiner Seite). JOMMEKE ist ein tolles Beispiel für die gute alte Comic-Zeit, deren Konzepte sich hervorragend zeitlos bewähren. Hier wird Spannung über Spaß und Einfallsreichtum aufgebaut. Im übertragenen Sinn verarbeitet Jef Nys den Robinson-Gedanken weitaus kindgerechter als es ein Johann David Wyss mit der Schweizer Familie Robinson vermochte.

Jef Nys arbeitete mit einfachen Figuren und befolgte die Regeln jener Tage, denen sich auch überseeische Figuren wie Micky Maus unterordneten. Eine Grundfigur erfährt diverse Abwandlungen, denn eine sympathische Konstruktion benötigt nicht viele Veränderungen. Blond, schwarze Haare, etwas andere Kleidung, Schleifchen, lange oder kurze Hosen zu allgemein dünnen, leichten Strichen schaffen im Nu ein Comic-Universum mit einer Vielzahl von Charakteren, die man durch diese Vereinheitlichung gleich ins Herz schließen mag. Jef Nys hatte viele Ideen, wie er diese kleinen Abenteurer in Szene setzen konnte.

Ein Hund imitiert einen Menschen, ein Chor aus 420 Papageien und Affen bewirtschaften eine beispielhafte Siedlung. Humor entsteht hier mit leichter Hand und sichtlicher Freude an komischen Situationen. Den Auftakt des Abenteuers bildet ein Gewinnspiel. Hierzu müssen Fragen beantwortet werden. Filiberke, der unbedingt den Hauptgewinn möchte, holt sich Hilfe bei der Beantwortung der Gewinnspielfragen bei seinem Freund Jommeke. Hier wird noch richtig nach der richtigen Lösung gesucht. Den schnellen Weg per Mausklick gab es noch nicht. Allerdings sind die Fragen auch so schwer, dass selbst ein gewiefter Junge wie Jommeke ins Schwitzen gerät. Hier mag sich ein Lächeln angesichts einer gewissen Nostalgie einstellen. Andererseits wird auch das Internet beileibe nicht jede Antwort auf die sehr unterschiedlichen Fragen parat haben.

Tiere sind ein Trick, den Jef Nys anwendet, um geradezu seitenweise fröhlich zu fabulieren. Derart beschrieben, mag sich eine der Regeln in Die Paradiesinsel etwas geschwollen anhören, aber natürlich wird hier auch munter überzogen. Und es darf ein jeder herausfinden, welche tierischen Helfer ihm oder ihr am Besten gefallen. Die vielen Papageien sind zugegeben meine Favoriten.

Für Kinder geschrieben, lustig, spannend, abwechslungsreiche Unterhaltung, von großer Fantasie angetrieben. Ein Klassiker, der die Jahrzehnte zu recht überdauert hat und jung geblieben ist. 🙂

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Link: Trailer zu JOMMEKE

Freitag, 17. Oktober 2014

Fantastic Four 3 – Planet der Zukunft

Filed under: Superhelden — Michael um 20:22

Fantastic Four 3 - Planet der ZukunftWenn sich drei der schrecklichsten Ungeheuer zusammen schließen, um die Fantastic Four zu besiegen, kann das nur das Ende der ungewöhnlichsten Familie aller Zeiten bedeuten. Wenn sich diese Ungeheuer aber untereinander misstrauen und Ränke schmieden, kann diese Uneinigkeit eine Chance sein. Annihilus eröffnete den Fantastic Four die Gefahren der Negativ Zone. Kang überlistete die Zeit. Und Doktor Doom will seinen ärgsten Rivalen, Mr. Fantastic alias Reed Richards, einfach nur am Boden sehen, besser noch unter der Erde. Diesmal könnte es ihm sogar gelingen.

Das Ende? Nur von dieser Serie. Weitere Folgen von Marvels First Family stehen bereits in den Startlöchern. Die Fantastic Four, die Fantastischen Vier sind ein ziemlich einzigartiges Konzept innerhalb der Superhelden-Universen. Über die Jahre hinweg haben sie es nicht einfach gehabt. Immer waren andere erfolgreicher, dabei bieten kaum andere Superhelden derart vielfältige Möglichkeiten an Superhelden-Action, Science Fiction, sogar Fantasy und Comedy.

Matt Fraction und Karl Kesel greifen in die Vollen, fahren nicht nur drei der gefährlichsten Gegner der Fantastic Four auf, die kleine Superhelden-Familie ist auch noch von der Auflösung bedroht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Als würden Doktor Doom, Kang der Eroberer und Annihilus nicht genügen, verlieren die Helden nicht nur ihre Kräfte, sie wenden sich auch gegen sie. Besonders drastisch, auch optisch, muss Ben Grimm, das berühmte Ding diese Erfahrung machen. Der Held, der keiner Prügelei aus dem Weg geht, muss hilflos mit ansehen, wie sich seine Steinhaut zuerst abschält und anschließend die Epidermis auflöst. Selbst Johnny Storm, die Fackel, kann kaum noch Witze darüber machen.

Wer die ersten beiden Folgen verpasst hat, kann hier den Anschluss kaum noch finden. Nicht nur die originalen Fantastic Four, die sich auf eine Zeitreise begeben haben, treffen hier auf den Leser, eine Ersatzvariante vertritt die Vier so lange in der Heimat. Zusätzlich greift eine alternative Realität, die eine besondere Variante der Fantastic Four bereit hält. Wenn diese Formation mit der Stammbesetzung zusammen in Aktion tritt, können sich die Fans der F4 auf einen sehr ungewöhnlichen Reigen freuen. Denn auch der gute Doktor Doom erfährt eine Transformation.

In einer Fernsehserie bedeutete das von Fraction und Kesel angewendete Konzept: dran bleiben, dran bleiben, dran bleiben. Wer einmal wegschaut, eine Seite überblättert, könnte schon den Faden verlieren. Die Autoren haben eine sehr komprimierte Handlung entwickelt. Fast fühlt man sich, um bei diesem Vergleich zu bleiben, an Fernsehserien erinnert, die vor der vorzeitigen Absetzung stehen und auf den letzten Drücker noch recht viel zur Aufklärung der bisherigen Handlungsfäden einbauen wollen.

Grafisch führt Mark Bagley den Abschluss an. Der Zeichner, der mit dem Ultimativen Spider-Man Marvels Ultimativem Universum zum Durchstarten verhalf, überzeugt hier weiterhin in einer Stilistik, die eine Mischung aus dem Strich eines Alan Davis und des viel zu früh verstorbenen Mike Wieringo darstellt. Beide sind Top-F4-Veteranen und Mark Bagley reiht sich auf das Beste in die Gruppe dieser feinen Illustratoren ein. Mit Raffaele Ienco kommen feinere Strukturen ins Spiel. Das erinnert mitunter an Richard Corben, mehr mit Realismus versehen als bei Bagley, nicht so gedrungen wie bei Corben. In der zweiten Hälfte des vorliegenden Bandes kann er besonders mit vielen gelungenen Actionszenen überzeugen.

Ein feiner Abschluss, zumindest vorläufig. Die Fantastic Four sind einfach anders, mitunter trauen sich die Autoren hier mehr, weil sie auch sehr viel mehr Spielraum haben. Eine Achterbahnfahrt, zum Mitzittern für F4-Fans bestens geeignet. Die Kenntnis der ersten beiden Bände ist Pflicht. 🙂

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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Walt Disneys Fröhliche Weihnachten

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 19:19

Walt Disneys Fröhliche WeihnachtenWeihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe und der Besinnung auf das Wesentliche. Es ist auch ein Fest der Ruhe. Doch kann es in der Nähe von Donald Duck jemals richtige Ruhe geben? Ist der Erpel nicht zu quirlig und viel zu leicht zur Weißglut zu bringen? Das Angebot, eine Hütte von Onkel Dagobert über die Weihnachtstage nutzen zu dürfen, hätte ihm bereits seltsam vorkommen sollen. Eine derartige und noch dazu freiwillige Großherzigkeit kann unmöglich so gemeint sein, wie sie Donald und seinen drei Neffen zunächst erscheint. Und tatsächlich hat die Sache einen Haken. Zwar ist alles für ein schönes Weihnachtsfest in der Hütte vorhanden. Aber für alles muss kräftig in die Tasche gegriffen werden.

Am Ende wird alles gut. Es ist ja nicht nur Weihnachten, sondern es ist auch eine Walt-Disney-Geschichte. Auf dem Weg dahin darf es allerdings durchaus sehr turbulent zugehen. Besonders in diesem Band, Walt Disneys Fröhliche Weihnachten, wird diese Aussage mehrmals bewiesen. Heißer Trank und kalte Füße heißt es in einer Geschichte, die den Leser mit nimmt auf eine kleine Freizeitveranstaltung, in der es im Schnee einen Diamantring zu finden gibt. Fast alle, die einen Schnabel haben, sind hier vertreten. Die drei Pfadfinder vom Fähnlein Fieselschweif, bekannt auch als Donalds Neffen Tick, Trick und Track, wollen lieber ihr Geld mit einem Geschäft verdienen, als auf pures Glück (oder Technik wie Onkel Dagobert) zu setzen.

Kalte Füße holen sich die Suchenden, den heißen Trank werden die drei Neffen anfangs aber trotzdem nicht los. Das hat etwas von der Rasanz einer Slapstick-Komödie wie Eine total total total verrückte Welt. Jeder Versuch, es hier anfangs richtig zu machen, kann und muss einfach scheitern. Jane Gilbert (Text) und Vicar (Zeichnungen) bekommen dennoch die Kurve, indem Verlust oder Sieg, je nachdem, des einen zum Stein des Anstoßes des anderen werden. Weihnachten spielt hier, eine Ausnahme, eine untergeordnete Rolle. Schnee darf hier als verbindendes Element gesehen werden.

Herzliche Tierwelt. Pluto und Jiminy Grille spielen nicht gemeinsam in einer Handlung, sondern treten getrennt in Kampf dem Weihnachtsbaum und Wie ein hungriger Wolf auf, aber dafür gehören ihre Episoden bestimmt zu den schönsten im vorliegenden Band Fröhliche Weihnachten. Plutos Schwäche ist gleichzeitig seine Stärke. Pluto spricht nicht. Alles, jede Gemütsregung drückt sich nur über Haltung und Mimik aus. Wenn er also mit den Backenhörnchen aneinander gerät, weil Backenhörnchen nun einmal nicht in einen Weihnachtsbaum gehören, wird das beinahe zu einem Lehrgang für Komik, Kari Korhonen sei Dank, denn er entdeckte einen Zeichentrickfilm aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder und schrieb ihn zu einer Comicgeschichte um.

Jiminy Grille, bekannt aus Pinocchio trifft in seiner Geschichte nicht nur auf einen hungrigen Wolf, einem einfachen, nicht jenem von den drei kleinen Schweinchen. Dafür begegnet er Klopfer (aus Bambi) und später noch den Sieben Zwergen (aus Dornröschen). Es ist ein kleines Abenteuer über einen kleinen Mann, dem schließlich, bei aller Wintersnot, geholfen wird. Kurz und knackig wird hier das Thema Freundschaft und Mitgefühl zur Weihnachtszeit beschworen.

17 kleinere und größere Geschichten beschwören den Kern von Weihnachten, den Weihnachtsmann manchmal vorneweg. Dieser hat seinen feinsten Auftritt an der Seite von Minnie Maus. Existiert der gemütliche Mann im hohen Norden wirklich? Minnie ist nicht die erste, die sich diese Frage stellt. Unter dem Schutz eines Amuletts verfällt sie in ein im Schnee in tiefem Schlaf, nur um wenig später gerettet in einem warmen Bett zu erwachen und die Begegnung ihres Lebens zu haben. In diesem neueren Abenteuer, in dem einmal mehr eine Randfigur ihre Hauptrolle hat, gibt es einen Blick hinter die Kulissen des Weihnachtsgeschehens, leiser und komisch erzählt. Im nachfolgenden Einseiter mit Donald Duck ist es nicht minder komisch, aber Donald Duck eben) deutlich brachialer.

Eine sehr schöne, sehr abwechslungsreiche Sammlung von weihnachtlichen Erzählungen, sogar Aufgabenstellungen (was wünscht sich Donald Duck zu Weihnachten?). Geschichten für Junge und jung Gebliebene, die auf ihre heitere Art auch die Jugend erhalten helfen (meine Meinung), wenn nicht ganzjährig, dann wenigstens zu Weihnachten. 🙂

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Mittwoch, 15. Oktober 2014

HOLMES 1 – Abschied von der Baker Street

Filed under: Mystery — Michael um 21:31

HOLMES - Erster Band - Abschied von der Baker StreetSherlock Holmes ist verstorben. Bei den Reichenbachfällen fiel er im Kampf gegen seinen schlimmsten Feind. Wirklich? Nicht nur der Tod seines Freundes gibt Dr. Watson Rätsel auf. Die Merkwürdigkeiten mehren sich. Als Dr. Watson im ehemaligen Domizil in der Baker Street eintrifft, ist er zunächst ebenso schockiert wie alle anderen Anwesenden. Zwar kann ihn Wiggins, der sich in der Nachfolge des Meisterdetektiven sieht, beruhigen, da die Wohnung ganz offiziell gelehrt wurde. Aber die Böden und Wände wurden nachträglich von Einbrechern aufgerissen, ganz offensichtlich auf der Suche nach etwas, das sich nicht in den sonstigen Hinterlassenschaften von Sherlock Holmes befand. Was kann das gewesen sein?

Abschied von der Baker Street. Noch mitgenommen vom Tode seines Freundes hatte Dr. Watson anderes im Sinn, als noch einmal in die Baker Street zurückzukehren. Zu viele Erinnerungen liegen dort begraben, wie er bei einem kurzen, aber schmerzvollen Besuch feststellen muss. Luc Brunschwig erfasst mit der ersten Folge von HOLMES ein grundlegendes Gefühl, das auch den Erzählungen von Arthur Conan Doyle zueigen ist. Der Einstieg erfolgt zu jenem Zeitpunkt, der die Sherlock-Holmes-Fans immer noch zu schockieren vermag, so oft aus der Persepktive von Dr. Watson davon berichtet wird.

Was geschah nach dem Tod von Sherlock Holmes? Luc Brunschwig verknüpft in diesem Band mit eben dieser Frage noch eine weiterer nicht weniger wichtiger Fragen. Woher kam Sherlock Holmes? Wie konnte ein derart gefährlicher Feind wie Professor Moriarty so lange unentdeckt bleiben? Wer war Sherlock Holmes eigentlich und was verheimlichte er selbst seinem besten Freund? … Nun, offensichtlich ist immerhin Sherlocks Bruder Mycroft der Ansicht mehr gewusst zu haben.

Ist der Leser zu Beginn noch ein ebensolch gefestigter Anhänger des genialen Detektivs, wenn nicht des genialsten überhaupt, beginnt sich das Bild langsam zu wandeln. Zweifel entstehen. Der Leser erfährt Indizien, an Beweise will man einfach noch nicht glauben, die ein immer schlechteres Fazit unter die letzten Tage des deduzierenden Kriminalisten ziehen. Cecil überträgt das Manuskript von Luc Brunschwig in graue und braune Farbschattierungen, die den Charakter jener Epoche sehr schön transportieren und sicherlich die von alten Fotografien her gewohnten Eindrücke jener Tage einfangen.

Mit einem Handlungsstrang ist es nicht getan und so wird der Leser in Zeiten mit zurückgenommen, in denen die Eltern von Sherlock Holmes zueinander fanden. Zur deutlichen Abgrenzung ändert sich hier die Farbstimmung. Das Heim des späteren Meisterdetektiven ist ein gutes, doch Luc Brunschwig lässt Probleme leise anklingen. Ärger ist die Charakterschilderung von Sherlock Holmes, denn frühzeitig offenbaren sich finstere Charakterzüge, gleichzeitig werden hier die Wurzeln für spätere Verhaltensweisen gelegt. Das dürfte besonders den hart gesottenen Fans der Figur gefallen, denn Luc Brunschwig ist hier respektvoll und schlüssig mit der Figur von Arthur Conan Doyle umgegangen (der hier in anderer Funktion sogar einen Gastauftritt hat).

Nicht nur ein Abschied von der Baker Street. Es gibt eine Reihe von anrührenden Momenten, die bis an das Grab von Sherlock Holmes führen. Eine literarische Figur öffnet ihre Geheimnisse und offenbart mittels ihres Lebens ein ganz eigenes Rätsel, das nun seine Nachfolger lüften müssen. Die Geschichte nimmt den Leser, insbesondere den, der die Originalfigur lieben gelernt hat, langsam gefangen. Luc Brunschwig wirft ein Netz aus und geleitet seine Leser in immer engeren Bahnen hin zum Zentrum. Hier wächst die Spannung aus dem Rätsel, aus den vielschichtigen Charakteren und auch aus der Möglichkeit, mehr von Dr. Watson zu erfahren.

Ein abschließendes Fazit könnte lauten: So hätte es auch Arthur Conan Doyle selbst gemocht und falls er dazu gedrängt worden wäre, hätte er seinem Sherlock Holmes einen solchen Lebensepilog bescheren können. Ganz im Geiste des Originals, stimmig illustriert, mit einem Händchen für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sehr schön. 🙂

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Sonntag, 12. Oktober 2014

George A. Romeros EMPIRE OF THE DEAD 1

Filed under: Horror — Michael um 17:55

George A. Romeros EMPIRE OF THE DEAD - Erster AktSie war Polizistin. Das hat sie nicht vergessen. Und sie weiß auch noch zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Menschen zu fressen, ist böse. Menschen können böse sein. Und da draußen gibt es noch etwas anderes, das böse ist. Es ist kein Mensch. Es ist kein Zombie. Sie junge Frau hieß Xavier. Sie gehörte zur SWAT. Ihr Verlust fiel auf, doch fand man sie erst heute. Ihre ruhige Art, auch die merkwürdige Idee, eine Pistole verwenden zu wollen, macht sie zu einer Anwärterin für Experimente. Penny Jones ist Wissenschaftlerin und sie hat genau nach einem Untoten wie Xavier gesucht. Aber Xaviers Verstand funktioniert gut genug, um zu beschließen, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Als George A. Romero die lebenden Toten in die Nacht entließ, waren die Dämmerung und der darauf folgende Tag bestimmt noch nicht eingeplant. Der Jahre später dank einiger populärer Videospiele einsetzende Hype um diese Kreaturen war ganz bestimmt nicht vorherzusehen. Aber immerhin nutzte der Erfinder dieses Genres die Gelegenheit und kehrte auf die Bühne der Horrorkreativen zurück. Nach filmischen Fortsetzungen seines Untotenuniversums wagt Romero mit seinem EMPIRE OF THE DEAD als nächster Filmschaffender den Schritt ins Medium Comic und führt dort seine Geschichten fort.

ERSTER AKT. George A Romero verschließt sich eines weiteren Hypes nicht und führt diese in seiner neuen Horrormär zusammen: Zombies und Vampire. Die Welt hat die Existenz der Menschenfresser als alltäglich hingenommen, in die Normalität aufgenommen. Wenn nun noch Vampire existieren sollten und weitaus länger ihr Unwesen trieben, wäre dies zur Aufrechterhaltung einer gewissen Ordnung unzweifelhaft ein Desaster. Dabei leben diese Kreaturen mitten unter den Menschen und besetzen sogar Machtpositionen. Die Ordnung muss noch aus einem anderen Grund aufrecht erhalten werden. Vampire wollen nicht nur Macht, sondern auch Nahrung. Zombies haben das Gleichgewicht der Lebenden und Toten empfindlich gestört und sind zu Nahrungskonkurrenten geworden.

George A. Romero konzentriert sich zuerst auf seine Untoten und knüpft dort an, wo er bereits in LAND OF THE DEAD die ersten Schritte unternahm. Zombies verdummen nicht gänzlich, bewahren sich neben einem Erinnerungsvermögen an ihre ursprüngliche Existenz auch ein minimales Bewusstsein, bei dem einen mal mehr, bei dem anderen weniger. Auch die Menschen sind bereit diesen Umstand anzuerkennen und nützen ihn für ihre Zwecke: einer neuen Form des Gladiatorenkampfes zur Unterhaltung der Massen. Zombies gegen Zombies.

Alex Maleev ist einer jener Zeichner, die einen sehr intuitiven, sehr dokumentarischen Strich haben. Der schnelle Moment wird hier eingefangen Die Welt ist ein dunkler Ort. Selbst am Tage voller Schatten. Die Menschen jagen sich selbst und die Untoten in den Gassen, in den U-Bahn-Schächten, in der ehemals vor Leben überquellenden Metropole New York. Das hat beinahe expressionistische Züge. Die Hingeworfenheit mancher Szene schützt vor zu viel Details und lässt den Betrachter einige Einzelheiten vervollständigen, falls dieser als Fan des Genres mit ähnlichen Szenen bereits in Berührung kam.

Vampire sind gut. Zombies sind besser. Einige Vampire haben ihre Position noch nicht begriffen. Manche Zombies begreifen sehr wohl. Der Mensch ist stärker. Und selbst ihre untoten Cousins instrumentalisieren sie. Hier werden sie zu Resteverwertern degradiert. Da die Menschheit nichts von der Existenz der Blutsauger erfahren soll, entsorgen die Zombies die noch nicht vollkommen verstorbenen Opfer der Vampire. Hier kämpft sich schwarzer Humor nach vorne, der ansonsten zugunsten einer sehr ernsten, düsteren Atmosphäre nicht weiter in Erscheinung tritt.

Eine konsequente Weiterentwicklung der Welt nach einer Zombieapokalypse, wie sie George A. Romero bereits an anderer Stelle beschrieb. Die Zutat Vampire ist neu, gut eingearbeitet, ein Genre-Mix, über den bisherige Puristen entscheiden müssen, ob er ihnen gefällt oder nicht. Romero vermischte die mittlerweile beiden klassischen Kreaturenarten in moderner Erzählweise und baut Komplexität auf, die sich, das ist bei den Erzählsträngen zu erkennen, in der Fortsetzung noch stärker ausweiten lassen wird. Spannender Horror, in dem bestimmt auch etwas düstere Science Fiction verborgen ist. 🙂

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