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Comic Blog


Freitag, 10. Oktober 2014

Lustiges Taschenbuch – Weihnachtsgeschichten

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 19:19

Lustiges Taschenbuch - WeihnachtsgeschichtenDa wollen die Kinder schon kein Geld zu Weihnachten und doch verlangen sie zu viel von Onkel Dagobert. Ein Weihnachtsfest draußen vor seinem Geldspeicher! Als ihn die Anfragen zu überrollen drohen und noch mehr Leute etwas von ihm wollen, nimmt Onkel Dagobert die Beine unter den Arm und flieht in ein Antiquitätengeschäft. Ein Märchenbuch nimmt seine Aufmerksamkeit gefangen. Aufklappbilder versetzen ihn augenblicklich in eine andere Welt. Die Figuren scheinen zum Leben zu erwachen und ehe es sich Onkel Dagobert versieht, haben die Helden der Geschichte ihn schon auf ihrer Reise mitgenommen.

Weihnachten bei Donald Duck und Micky Maus und all ihren Freunden und Verwandten ist selten so ähnlich wie bei uns. Oft geraten sie ausgerechnet an diesen besonderen Tagen des Jahres in Schwierigkeiten, die den sonst üblichen Abenteuern und Alltagsproblemen noch den sprichwörtlichen Stern auf die Tannenspitze setzen. Die eingangs erwähnte Geschichte über Onkel Dagoberts Erlebnisse im Antiquitätengeschäft sind ein sehr gutes Beispiel, wie ein etwas anderes Weihnachten bei den Ducks und Mauses aussehen kann. Die doppelte Handlung, einerseits jene, die Onkel Dagobert erlebt und jene, die das Buch ihm vorliest, ergänzen einander. Am Ende, damit verrate ich nichts Neues, wird das Herz des alten Knausers erweicht, denn Weihnachten ist gerade hier immer Weihnachten, mit all seinen Vorteilen und nur denen.

Micky Maus war schon vor langer Zeit der Meister des Phantastischen. In Fantasia geriet er zum Zauberlehrling, später tat er es dem guten alten Jack gleich und kletterte die Bohnenranke entlang in den Himmel hinauf. Hier ist er zurück in Asgardland, mit Goofy an seiner Seite und erlebt Abenteuer mit einem Drachen und fliegt auf einem riesigen Insekt durch das All. Das ist über die Maßen fantasievoll, sucht selbstverständlich seine Anlehnungen in moderner Fantasy, greift aber auch ganz besonders auf alte Mythen und Märchen zu. Nicht zuletzt musst Goofy eine Prinzessin wach küssen. Wer hätte so etwas dem alten Tollpatsch zugetraut?

Heldenhaft darf ein Supergoof nicht fehlen, Micky Maus trifft zum Fest seinen alten Widersacher Kater Karlo, aber am schönsten in dieser Ausgabe die Einsätze eines Onkel Dagobert. Donald Duck kann so richtig schön aus der Haut fahren, aber perfekt grantig sein, das schafft nur der alte Herr mit dem Geldspeicher. Großneffe Diddi, dreimal so anstrengend wie Tick, Trick und Track, entführt Onkel Dagobert kurzerhand zum Weihnachtsfest, eher zufällig und wohlmeinend, nichtsdestotrotz wird der gemeinsame Aufenthalt in einer Ferienhütte für den alten Herrn arg stressig.

Modernere Zeichenstile, gerade bei Micky Maus, zu beobachten, etwas forscher, peppiger, runder, mit dickeren Strichen bewahren den guten alten Geist der Disney-Welt, wie er den Leser in Entenhausen und Umgebung schon seit Jahrzehnten begleitet.

Eine schöne Einstimmung auf das Weihnachtsfest, auch ein prima Geschenk. Die Temperaturen spielen zwar noch nicht mit, aber Schnee ist zum Genießen der feinen Erzählungen, die mit viel Abwechslung daher kommen, nicht notwendig. Die Geschichten mit Onkel Dagobert sind die Spitzenreiter. Ausgerechnet der Geizhals, geboren aus einer Geschichte von Charles Dickens, hat das weiteste Herz. 🙂

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Mittwoch, 08. Oktober 2014

HERR LEHMANN

Filed under: Biographie — Michael um 19:17

HERR LEHMANNDer Schneider-Jürgen ist tot. Aber nichts Genaues weiß man nicht. Der Erwin hat es den anderen erzählt. Und jetzt rätselt man, woran der Schneider-Jürgen gestorben ist. Und eigentlich rätselt man nur deshalb, weil dieser Rainer an der Theke, der immer Kristallweizen trinkt, dem Schneider-Jürgen ähnlich sieht. Der Kerl, von dem man nichts weiß (außer der Tatsache, dass er ein Kristallweizen nach dem anderen trinkt), könnte von der Polizei sein und auf der Suche nach Drogen. Die Polizei tut sich jetzt in den Kneipen in West-Berlin um, hört man, also vielleicht ist der Kerl von der Polizei. Herrn Lehmann wird die Diskussion zu bunt, steht auf, geht hin und fragt einfach nach.

Herr Lehmann ist in gewisser Weise ein Philosoph. Er hat in seinem 30jährigen Leben Erkenntnisse gesammelt, zuletzt lange hinter dem Tresen. Einwände, passende und unpassende Antworten, Urteile und mitunter zutreffende Vorurteile gibt er gerne zum Besten. Irgendwie muss das Umfeld von Herrn Lehmann begriffen haben, dass Herr Lehmann ein etwas anderer Zeitgenosse ist. Eigentlich möchte er viel lieber Frank gerufen werden. Schließlich ist das sein Vorname. Aber Herr Lehmann hat sich zu Herrn Lehmanns Leidwesen durchgesetzt. Sven Regener schrieb den Kultroman um Herrn Lehmann, der die letzten Tage kurz vor dem Mauerfall in West-Berlin erlebt.

Alles beginnt mit einem fremden Hund, der Herrn Lehmann nach einer langen Nacht auf dem Bürgersteig aufhält und nicht vorbei lassen will. In schwarzweißen Bildern, mit aquarellierten Graustufen hat Comic-Künstler Tim Dinter den Roman in einer Graphic Novel eingefangen. Es ist ein großes West-Berlin, seltsam leer manchmal, in dem so mancher in Herrn Lehmanns Bekanntenkreis sich treiben lässt, von Kneipe zu Kneipe. In dieser Szene, deren Netz über den kapitalistischen Teil Berlin verwoben ist, stößt Herr Lehmann also auf diesen Hund. Nach Momenten der Angst wird eine Lösung gefunden, wie er mit diesem knurrenden und offensichtlich auf Konfrontation eingestellten Ungetüm fertig werden kann. Er macht den Hund betrunken.

Die Geschichte beschreibt ein Lebensgefühl. Nicht nur ein einzelnes. Es bildet sich aus einer ganzen Gruppe heraus, in deren Mittelpunkt, ob er will oder nicht (meistens will er nicht), Herr Lehmann steht. Wenn Not am Mann ist, in einer der Kneipen, die sein Boss besitzt, dann wird Herr Lehmann gerufen. Und Herr Lehmann kümmert sich. So ist die Bezeichnung Herr Lehmann nicht nur schnoddrig dahin gesagt, sie ist auch eine offenkundige Form des Respekts. Gibt es Probleme? Keine wirklichen. Na, gut, man fliegt als Hetero (und als Frau) mal aus einer Schwulenbar raus. Frauen kennen im Bereich Verliebtsein verschiedene Schattierungen. Herr Lehmann kannte bisher nur eine.

Und dann? Kommen eben doch echte Probleme und Veränderungen. Eine davon ist die 30. Denn die bezeichnet plötzlich das Alter von Herrn Lehmann. Karl bekommt echte Schwierigkeiten, solche, die Herrn Lehmann überraschen, aber denen er sehr gefasst begegnet und weitaus besser, als es die anderen in seinem Umfeld machen. Tim Dinter setzt die Erzählung um Herrn Lehmann in sehr klare Bilder um, die besonders ans Herz gehen, wenn der einmal lieb gewonnene Karl Schwierigkeiten macht. Die Gesichter der Figuren bleiben prägnant, gut erkennbar, in einem Bildausschnitt, der an das Pantoffelkino erinnert.
Eine der schönsten Szenen, auch eine, die Herr Lehrmann selbst in Schwierigkeiten bringen kann, ist, als er (weil er wieder einmal jemandem einen Gefallen tut) in der DDR, Ost-Berlin, mit 500 Westmark erwischt wird. Die einfache Darstellung, zusammen mit dem feinen Dialog, ist rundum gelungen und zeigt gleichzeitig, wie man’s macht.

Eine sehr umfangreiche Adaption des Erfolgsromans von Sven Regener ins Medium Comic. Als Graphic Novel von Tim Dinter gezeichnet, funktioniert der Witz, die Melancholie und Nostalgie der Handlung auch hier ausgezeichnet. Wer den Roman verpasst hat, lieber in optischen Kapiteln liest, wird den ganz eigenen Charme von Herrn Lehmann auch auf diesem Wege lieben lernen. 🙂

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Montag, 06. Oktober 2014

SPAWN: THE RECALL

Filed under: Comics im Film — Michael um 20:46

SPAWN: THE RECALLDie Hexe lebt zurückgezogen mit ihrem Sohn, auf der Flucht, immer auf der Flucht vor Entdeckung. Sie ahnt nicht, dass ihr kleiner Junge eine deutlich bessere Sicht auf die Halbwelt hat als sie. Bei einem normalen Einkauf in einem noch gewöhnlicheren Supermarkt zieht sich die Schlinge um die beiden ganz langsam zusammen und eine machtvolle Kreatur betritt das Diesseits.

Atmosphäre steht im Mittelpunkt. Ein quirliger Supermarkt versinkt plötzlich in düstere Stille. Die Besorgnis der Mutter wird endlich geweckt, ihr Sohn, der kleine Michael, ist verschwunden. Michael Paris, der Regisseur des Fan-Films um den Höllenkrieger SPAWN, beginnt mit einer Halbweltszene, deren Aufnahmetechnik an jene Sichtweisen erinnert, die auch ein Beutlin besaß, wenn er den einen Ring überzog. Die Realität verschwimmt, scheinbar entflammt, verwaschen wie bei einer Fata Morgana. Dann ist alles normal, Alltag. Bevor die Realität bricht.

Natürlich wartet man auf den Auftritt von SPAWN, der das Besondere an diesem Fan-Film ist. Seit der Kinoproduktion von 1997, die hinter den Möglichkeiten zurückblieb, die die Vorlage ihr bot, warten Fans dieser von Todd McFarlane erfundenen Figur auf einen neuen Auftritt. Dieser hier, inmitten von Supermarktregalen, ist kurz, aber eindrucksvoll und höchst gelungen.

Plötzlich geht das Licht aus. Das Böse hat die Jagd eröffnet, doch der Beschützer ist nah. Wie im kürzlich beschriebenen Fanfilm zu The PUNISHER endet auch hier leider alles mit einem Beginn. Jetzt kann es losgehen, mag man nach diesen leider nur wenigen Minuten denken. Jetzt darf SPAWN zeigen, was er kann. Einziger Trost: In kleinem Rahmen machen hier unabhängige Filmemacher vor, wie eine Comic-Umsetzung wirken könnte, wenn schon nicht auf der der Kinoleinwand, dann wenigstens im Fernsehen. Sehenswert!

SPAWN: THE RECALL auf youtube

Donnerstag, 02. Oktober 2014

THE PUNISHER – DIRTY LAUNDRY

Filed under: Comics im Film — Michael um 10:00

THE PUNISHER - DIRTY LAUNDRYDer Punisher, Frank Castle mit bürgerlichem Namen, lebt in einem alten Kastenwagen. Sein normales Leben liegt lange hinter ihm. Seinen Rachefeldzug hat er augenscheinlich ebenfalls zu den Akten gelegt. Eines Morgens, in einer von Gott verlassenen Gegend, einem verfallenen Stadtteil, sucht er einen Waschsalon auf. Ein kurzer Blick genügt, um die Lage in dieser Straße zu erkennen. Eine Bande drangsaliert die paar Menschen, die hier leben. Frauen werden vergewaltigt, Kinder zu Drogendealer und Junkies herangezogen. Wer etwas dagegen zu unternehmen sucht, wie etwa der alte Big Mike, endet im besten Fall im Rollstuhl. Frank Castle, der Punisher, sieht die Gewalt und das Elend, aber er hat gelernt, darüber hinweg zu sehen, als ginge ihn das alles nichts mehr an.

Drei Filme über den PUNISHER konnten in der Vergangenheit auf sich aufmerksam machen. Eine sehr frühe Version mit Dolph Lundgren, eine ambitionierte Variante mit Thomas Jane und eine an moderneren Comics angelehnte Version mit Ray Stevenson. Regisseur Phil Joanou holte den Schauspieler Thomas Jane gut acht Jahre nach der Hollywood-Version des Themas für einen Fan-Film in die Rolle des einsamen und verbitterten Bestrafers zurück.

Innerhalb des Marvel-Universums ist diese Figur integriert, aber auch seltsam fehl am Platz. Sie verfügt über keinerlei Superkräfte, allenfalls über einen enormen inneren Antrieb und sie tötet ihre Feinde. Auge um Auge, Zahn um Zahn, ist das einzige Gesetz, dem dieser Charakter folgt. Punisher ist der Dirty Harry oder Paul Kersey des Comics. Um der Figur im Film möglichst nahe zu kommen, ohne sie lächerlich zu machen, brauchte es einen Schauspieler wie Thomas Jane.

Fanfilme haben häufig den Nachteil, dass sie als genau das zu erkennen sind und ihnen die nötige Professionalität und glaubwürdige Darsteller fehlen. THE PUNISHER – DIRTY LAUNDRY wartet nicht nur mit dem einstmaligen Hauptdarsteller Thomas Jane auf, in einer Nebenrolle gibt sich auch noch Ron Perlman die Ehre, Filmfans sattsam von erfolgreichen Filmen und Serien wie Hellboy und Sons Of Anarchy her bekannt. Die beiden Schauspieler sorgen nicht nur mit ihrer Darstellung für die Qualität des Films. Die Besetzung sorgt mit intensivem Spiel allgemein für Erstaunen.

Zehn Minuten dauert der Film und die Art der Erzählung könnte auch die Einleitung zu einer kompletten Hollywood-Variante sein, jedenfalls wäre dies nach der starken wie auch gegen Ende sehr brutalen Sequenz fast zu erwarten. Der Schluss, der auch der Startschuss zu einem Comeback dieses Rächers sein könnte, enthüllt schließlich auch seine Identität. Einer der besten Fanfilme im Marvel-Universum!

THE PUNISHER – DIRTY LAUNDRY auf youtube

Montag, 29. September 2014

DAS DRITTE TESTAMENT – JULIUS III

Filed under: Mystery — Michael um 10:29

DAS DRITTE TESTAMENT - JULIUS III - Die Offenbarung 2Jenseits von Eden. Wer den Weg weit fort von den bekannten Gefilden wählt, kann auf Gegenden und Menschen, auf Stätten und Kulte stoßen, die er untergegangen glaubte. So dachten die Gefährten rund um den Auserwählten, dass die Abkömmlinge Kains, desjenigen, der den Bruder erschlug, in der Sintflut ausgelöscht wurden. Sie täuschten sich. Ist die Wanderung durch den scheinbar undurchdringlichen Dschungel nicht schon voller Entbehrungen und gefährlich genug, werden sie nach einem Akt der Menschlichkeit auch noch verfolgt und müssen verstärkt um ihr Leben fürchten.

Geheimnisse. Die Essener wussten um die geheimen Strukturen der Stämme Israels. Die Legende, von der Levi behauptet, sie sei die Wahrheit, bringt die übrigen Reisegefährten in Rage. Ein christlicher Sklave ließ sich davon überzeugen, der Bruder Jesu und für eine großartige Aufgabe ausersehen zu sein. In seinem Gefolge befinden sich die unterschiedlichsten Männer. Waren zu Beginn der Verheißung versprechenden Reise noch alle Begleiter (außer dem Römer Julius) in ihrer Begeisterung und der Überzeugung ihres Glaubens gefangen, wandeln sich diese Gefühle mit jeder neuen Gefahr und der Länge eines Weges, der kein Ende zu nehmen scheint.

In einer Zeit der Unterdrückung ist jede Hoffnung recht. Die beiden Autoren Alex Alice und Xavier Dorison benutzen dieses grundsätzliche historische Element und hetzen ihre Charaktere in der Fortsetzung von Das dritte Testament rund um den Römer Julius und die tiefsten Tiefen und gleichzeitig die höchsten Höhen. Die Strapazen verlangen den Wanderern alles ab. In jenen beschriebenen Tagen, die mit der Herrschaft des Römischen Reiches rund um das Mittelmeer einher ging, waren die Gefahren schon groß genug. Alice und Dorison verstärken das fantastische Element der Handlung, indem sie eine unheilvolle und teuflische Macht den angeblichen Bruder von Jesus verfolgen lassen.

Auffallend ist, wie dicht die Fortsetzung des Zweiteilers Die Offenbarung innerhalb der Geschichte um Julius geraten ist. Sie wirkt länger, als sie tatsächlich ist. Es liegt an der intensiven Beschreibung der Reise, die durch unterschiedlichste Landschaften und verschiedenste Bezugspunkte führt. Gleichzeitig gelingt Alice und Dorison noch das Kunststück die Charaktere klar zu positionieren. Der zweite Teil von Die Offenbarung ist nach einer gelungenen und konsequenten ersten Folge noch besser geraten.

Kleinste Passagen am Rande wie zum Beispiel die Sichtung einer Leprakolonie geben den Reisenden Gelegenheit zum Dialog und zeigen so, wo sie stehen. Das wird insbesondere später wichtig, wenn die Zweifel am Messias wachsen. Alice und Dorison präsentieren dramatische Szenen und menschliches Miteinander, das eigentlich einen Auftritt des Übernatürlichen unnötig macht, so kräftig ist die Geschichte zu diesem Zeitpunkt schon. Aber Comic ist nun einmal Kino auf Papier und auch auf diesem Gebiet kann dieses Abenteuer überzeugen.

Thimothee Montaigne (Zeichner) und Francois Lapierre (Farben) leisten gerade dann hervorragende Arbeit, wenn sie die Charaktere in den Wunder ungebändigter Natur zeigen. Wenn deutlich wird, wie gigantisch diese Welt ist und wie klein und machtlos der Mensch dagegen ist. Die Wüsten liegen hinter den Reisenden, nun durchqueren sie Dschungel, gelangen in entlegene Gegenden, wo Götzen angebetet werden und letztlich verschlägt es sie auf das Dach der Welt. So erschließt sich dem Leser ebenfalls ein großartiges Panorama, bestens illustriert, detailreich und technisch von hoher Perfektion.

Toller Abschluss des Zweiteilers, eine Vorausschau auf künftige Ereignisse, faszinierende Veränderung einer der Hauptcharaktere, Julius nämlich, spannend von Anfang bis Ende. Wer eine Mixtur aus Historie und Mystery mag, angesiedelt zur Blütezeit des Römischen Reiches, wird hier fündig. 🙂

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Samstag, 27. September 2014

RACHEL RISING 2 – Das Böse in dir

Filed under: Mystery — Michael um 16:23

RACHEL RISING 2 - Das Böse in dirTante Johnny ist schwer verletzt. Jet ist tot. Das Mädchen ist verschwunden. Nur Rachel hat den Unfall anscheinend unbeschadet überstanden. Rachel, die selbst von den Toten zurückkehrte, versucht ihrer nächsten Verwandten Trost zu spenden. Angesichts der zur vorläufigen Bewegungslosigkeit Verdammten will es nicht so recht gelingen. Leise Verzweiflung schleicht sich bei Tante Johnny ein. Und Jet? Nun Jet ist ein Sonderfall. Kurz bevor Earl sie einbalsamieren kann, weil er ihre Schönheit erhalten will, wacht sie auf einem metallenen Tisch in der Leichenkammer auf. Auch sie würde sich gerne bewegen. Leider ist das Genick immer noch gebrochen. Aber immerhin ergibt sie sich nicht, sondern teilt mit frechem Mundwerk gleich ungehemmt aus.

Hexen! Und der Teufel! Ja, es braut sich etwas zusammen über der Kleinstadt mit dem bezeichnenden Namen Manson. Autor und Zeichner Terry Moore gräbt nicht nur unter der Oberfläche einer amerikanischen Kleinstadt, in der so einiges seltsam ist, aber geduldet wird, er hängt ihr auch ein uraltes Geheimnis an, dem nur ein Fluch folgen kann. Die Wahrheit ist schrecklich und selbstverständlich versetzt sie die Betroffenen in Wut, auch nach 300 Jahren noch.

Die Lage hat sich nach dem ersten Band nicht beruhigt. Der Tod ist für die Beteiligten immer noch rätselhaft und selbst die Auflösung des unheimlichen wie auch widernatürlichen Vorgangs bringt keine Erleichterung, denn der Tod, der hier überlistet wird, hält Überraschungen bereit. Terry Moore hält auch nicht direkt ausgesprochene Ratschläge parat. Männer sollten es tunlichst unterlassen, Frauen, die sich übergeben müssen, zu helfen. Klingt zunächst merkwürdig, wer aber die entsprechende Passage liest und sieht, wird begreifen, dass hier Rückzug die bessere Alternative ist.

Neue Tote bringen nicht nur neue Schwierigkeiten, sie ermöglichen es Terry Moore auch mit einem sehr makabren Humor zu erzählen. Jet, die junge Frau, die nach ihrer Rückkehr zunächst auf jede Hilfe angewiesen ist, wird sozusagen zur schwarzhumorigen Spielwiese. Wenn Rachel einmal das gebrochene Genick ihrer Freundin vergisst oder wunderbar kurze Dialoge einfach nur Spaß machen und sich Pointe an Pointe reiht. Terry Moore stellt außerdem die Aufsässigen, in Form des Teufels, den Angepassten gegenüber und obwohl das Böse die Schwachstellen der anderen finden mag, werden doch am Ende beide Seiten bloßgestellt.

Geduld ist eine Tugend, die der Teufel besitzt. Aber er will auch seinen Spaß haben und so zögert er das erforderliche und angestrebte Ende über Gebühr hinaus. Das mag ihm gefallen, die Hexe Lilith hingegen ist nicht zum Spaß nach Manson gekommen. Terry Moore schickt zwei mächtige Kreaturen in die Handlung. Beiden gefällt es, ihre Macht zu demonstrieren. Auch Rachel muss diese bittere Erfahrung machen. Andere trifft es noch härter. Der Horrorfaktor steigert sich im zweiten Teil der Reihe von RACHEL RISING deutlich.

Die Guten, die Merkwürdigen und die Mörder. Earl ist einer der Guten, unscheinbar und mit seinem Beruf als Leichenwäscher ein Charakter von der traurigen Gestalt. Aber er ist auch jemand, der Vertrauen genießt und es nicht missbraucht. Der Doktor ist zweifellos merkwürdig, wie auch die angeknackste Jet zunächst stumm feststellt, aber in gewissem Sinn ist auch er harmlos und hilfreich. Die Mörder teilen sich ihr Betätigungsfeld und nicht jeder ist gleich böse zu nennen. Zoe, das kleine besessene Mädchen, ist zehn und letztlich auch bemitleidenswert, denn sie ist seit mehreren Jahrzehnten zehn und tötet gleichzeitig Menschen mit der gleichen Empathie, mit der andere Fliegen mit einer Klatsche erschlagen. Es genügt ein Moment teuflischer Unachtsamkeit und Zoe versucht die Flucht zu ergreifen. Terry Moore schafft durch Nebenfiguren ein Höchstmaß an Atmosphäre, streut kleine Gedankenanstöße ein, die hängen bleiben.

Ein Meister des schwarzweißen Comics. Es sind nicht nur gedankliche Anstöße, auch einprägende Szenen, manchmal nur wenige Bilder lang, verteufelt gut konstruiert und mit ebensolchen Einfällen, die echte Hingucker sind. Es werden zwar nicht Lämmer zu Wölfen, aber Terry Moore hat sich ähnliche Schockbilder einfallen lassen. Samt und sonders zeichnet er diese wie auch den gesamten Band mit einer ungeheuren schwarzweißen Präzision, die letztlich keine Farbe benötigt.

Eindringlicher, gruseliger, mit tollem Gespür für Atmosphäre geschrieben und toll gezeichnet und getuscht. Für Mystery-Fans und Freunde des leisen, immer näher schleichenden Horrors ein toller Lesetipp! 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.

Donnerstag, 25. September 2014

AMAZING SPIDER-MAN – Marvel Exklusiv 111

Filed under: Superhelden — Michael um 16:52

AMAZING SPIDER-MAN - Marvel Exklusiv 111Im November ist Kälte keine Überraschung. Wie sehr sie Spider-Man zu schaffen macht, ist allerdings selten. Einen Wagen der Seilbahn aufzufangen, wird zu einem noch übermenschlicheren Akt, als er ohnehin schon ist. Und das ist erst der Anfang. Ein Sturm zieht herauf, die Menschen bereiten sich mit Hamsterkäufen darauf vor, verbarrikadieren sich. Andere wiederum müssen genau in diese Kälte hinaus, Spider-Man natürlich, die Feuerwehr aber ebenfalls. Der Spinnenmann greift ein, obwohl er es extrem eilig hat, denn seine Beweggründe sind sehr persönlicher Natur, persönlicher denn je!

Zurück zu den Wurzeln. Während der einstige Erzfeind Spider-Mans im neuen Marvel-Universum, MARVEL NOW!, den Körper von Peter Parker übernommen und beschlossen hat, der beste und effektivste Spider-Man aller Zeiten zu werden, haben sich einige Autoren und Comic-Künstler dem Original angenommen. Allen voran hat David Morrell eine Doppelfolge geschrieben. Der Rambo-Erfinder und Autor von Romanen, denen eine gewisse Unheimlichkeit zugrunde liegt, erzählt hier eine stürmische Geschichte, in der die Elemente selbst zu Spider-Mans größtem Hindernis werden.

Frost heißt dieses Abenteuer. Menschlichkeit steht hier bei Morrell im Vordergrund. Peter Parker hat an der Erkenntnis zu knabbern, dass er ein Mensch ist, der trotz seiner Gabe und seiner körperlichen Sondereigenschaften, ganz normale Schwächen erfahren kann. Eine davon ist die Kälteempfindlichkeit, die ihn hier sehr hart trifft, aber zu seinem Glück seinen Spinnensinn nicht beeinflusst. Inmitten eines Blackouts und Schneesturms muss Peter Parker ein Ziel erreichen und sich gleichzeitig entscheiden, was ihm am wichtigsten ist.

Das schwarze Haus könnte auch der Titel einer Gruselgeschichte sein, bezeichnet hier jedoch die nächste Doppelfolge, in der sich alles um eine ziemlich spezielle Einrichtung für Superganoven dreht. Denn hin und wieder könnten sich Leser gefragt haben, woher die Gauner nicht nur ihre Kleidung beziehen (wurde einmal geklärt), ihre Ausrüstung (wird auch zeitweilig beantwortet), sondern wo sie ihre Verwundungen auskurieren, wenn ihnen wider Erwarten die Flucht gelingt. Wohin wendet sich so ein Erzganove, der schwer verletzt ist und einen sicheren Unterschlupf braucht? Autor Joe Casey beschreibt dieses Gangsterkrankenhaus und bringt Spider-Man in eine schier unglaublich gefährliche Situation.

Im Kampf mit Firebrand wird die freundliche Spinne von nebenan bis zur Unkenntlichkeit verletzt. Was zunächst tragisch ist, stellt sich alsbald als Glück im Unglück heraus, denn so wird Spidey anfänglich nicht erkannt und kann undercover agieren. Eine ungewöhnliche Situation, von Timothy Green in eindringlichen, starken Strichen gezeichnet, vergleichbar mit einem frühen Mike Mignola, realistisch zwar, aber schon mit einer Spur Abstraktion reduziert.

In kürzeren Abenteuern wird es privater, heiter bis dramatisch, nett verwoben mit der Wirklichkeit, mit echteren Problemen und weniger Superschurken. Spider-Man war schon ein gern gesehener Gast bei den Fantastischen Vier. Andersherum verhält es sich ebenso. New Yorker halten eben zusammen. So ist es kein Wunder, dass Johnny Storm, die Fackel, bei Peter Parker auftaucht und um Hilfe bittet. Klingt nicht normal? Doch am Ende stellt es sich genau als ein solch normales Problem heraus. Und dabei sieht es anfangs noch danach aus, als stehe der Weltuntergang vor der Tür und zentriere sich nun in Mary-Janes Wohnzimmer. Eine feine Erzählung, die am Ende nur noch von zwei Kurzgeschichten übertroffen wird.

Mit Kindern hat Spider-Man nicht nur in seiner Funktion als Lehrer an einer Schule zu tun. Auch im täglichen Heldenleben begegneten sie ihm schon, teils auf die schiefe Bahn geraten, teils als Bewunderer. Casey Mitchell hat es nicht leicht, eigentlich ähnlich schwer wie Peter Parker, als dieser noch nicht von einer radioaktiven Spinne gebissen worden war. Mit dem Hosenbund am Baseballkorb aufgehängt zu werden, ist noch eine der harmloseren Demütigungen, die er über sich ergehen lassen muss. Aber was wäre, wenn man einen Freund wie Spider-Man hätte? Bald zeigt sich, wie schwer es ist, eine derartige Behauptung in die Tat umzusetzen. Eine schöne Kurzgeschichte, die beweist, dass diese Form besonders im Comic funktionieren kann, da ein Bild tatsächlich manchmal mehr sagen kann als tausend Worte.

Ein toller Querschnitt mit Abenteuern des klassischen Spider-Man, weitgehend ohne die ganz bösen Ganoven, dafür sehr viel mit einem sehr herzlichen Peter Parker, der einer der besten Gründe dafür ist, warum die Superheldenfigur zu einer der populärsten weltweit wurde. Sehr schön. 🙂

AMAZING SPIDER-MAN, Marvel Exklusiv 111: Bei Amazon bestellen

Donnerstag, 18. September 2014

BATMAN – Hörspielserie

Filed under: Comics im Hörspiel — Michael um 19:15

BATMAN - HörspielserieJoker hat die besseren Karten: Eine geheimnisvolle Feldermaus macht die Stadt unsicher. Die Menschen sprechen flüsternd vom Batman. Das Reporterduo, Alexander Knox und Vicki Vale, macht sich auf die Jagd nach Beweisen. Diese liegen so manchem Ganoven Gothams durch persönliche Begegnung mit der menschlichen Fledermaus bereits hinlänglich vor, nur führen sie darüber keine Akten. Commissioner Gordon muss dergleichen Unterlagen haben, rückt sie aber nicht heraus. Batman unterdessen hat ein ganz anderes Problem. Aus Jack Napier wurde nach einem Kampf in einer chemischen Fabrik durch einen Unfall ein neuer wahnsinniger Feind: Joker.

Der Auftakt der Hörspielserie um den dunklen Ritter aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts folgte im Kielwasser der Verfilmung von Tim Burton. Michael Keaton spielte den Mitternachtsdetektiven wie auch das bürgerliche Ich namens Bruce Wayne. So mag es im Hörspielauftakt nicht verwundern, wenn sich genau diese Geschichte des Kinofilms in vielen Belange gleicht. Das Hörspiel arbeitet mit neuen Sprechern, kürzt die Handlung des Films zwangsläufig ein und verzichtet auch auf Passagen, so etwa die Romanze zwischen Bruce Wayne und Vicki Vale.

Das war’s! Kauf dir ein Eis, Bats! In der zweiten Folge, Wer zuletzt lacht …, kehrt der Joker zurück. Zuerst scheint es nur ein Gerücht zu sein, doch tatsächlich hat der irre Clown den Sturz vom Turm der Kathedrale überlebt. Der Reporter Alexander Knox, der guten Gewissens Werbung für eine Kunstveranstaltung betreibt, ahnt nicht, dass er damit nur dem Irren in die Hände spielt. Schlimmer noch: der Joker entführt Vicki Vale, um seine ursprünglichen Pläne in die Tat umzusetzen und ein Druckmittel gegen den Mitternachtsdetektiven zu besitzen.

Der große Knall, eine Explosion, die einfach alles in die Luft jagt, was Batman alias Bruce Wayne lieb und teuer ist, mag dem Comic-Fan aus der einen oder anderen Geschichte um den dunklen Ritter her bekannt vorkommen. Nach der ersten Folge, die der Handlung des damals groß angekündigten Kinoereignisses von Tim Burton nachempfunden war, geht die Geschichte nun eigene Wege. Eine Romanze zwischen Bruce Wayne und Vicki Vale entwickelt sich zaghaft. Der Joker darf aus dem Füllhorn des Wahnsinns schöpfen. Und Bob, the Goon (der im besagten Film das Zeitliche segnete, von Jokers Hand persönlich) erhält eine deutlich gewichtigere Rolle als Jokers zuverlässiger Handlanger.

Peter Wenke als Joker ist ein echter Knaller. Hier hatte jemand Spaß daran, mit seiner Stimme in die höchsten Kicherhöhen vorzudringen und dem Joker ein perfektes Gesicht in diesem Hörspiel zu verleihen. Die Lacher, das Markenzeichen des wahnsinnigen Gangsters, sind so, wie man es sich bei Lektüre der Comics vorstellt, auch in neueren Ausgaben, die dem Erscheinungsbild eines Heath Ledger folgen.

Die Schüler des Verbrechens: In der dritten Folge agiert der Joker mit einer neuen Idee aus dem Hintergrund heraus. Seine rechte Hand, Bob, the Goon, wird Lehrer an einer Schule, die den Ganovennachwuchs ausbilden soll. Die bemerkenswerteste Szene hier (man kann sie sich kaum in den Comics oder im Film vorstellen) ist jene, in der ein gewisser Jason Batman die Vorderreifen des abgestellten Batmobils abmontiert und klaut. Bei all den technischen Spielereien, die das Fahrzeug aufzuweisen hat, ja, es kann sogar autonom fahren, gehört eine Diebstahlsicherung (auch der Schutzschild aus dem Film) nicht zur Ausrüstung. Der Sprecher von Batman, Nick Benjamin, ist hier sehr schön bei Batman angekommen. Im Zusammenspiel mit der Figur des Jason (Fans erraten schnell, dass es sich hierbei um Jason Todd handelt) findet sich szenische Tiefe. Batman kann in noch sechs weiteren Hörspielen den Joker bekämpfen, andere namhafte Gegner finden sich nicht.

Sicherlich eine eher kindgerechte Aufarbeitung, auch für heutige Verhältnisse bestimmt nicht ohne Nostalgiewert, andererseits nimmt die kleine Serie gut Fahrt auf, nicht zuletzt dank der Hauptsprecher Nick Benjamin und Peter Wenke, die zusehends mit Rollen verwachsen. Fein! 🙂

Sonntag, 14. September 2014

Batman – Gotham Knight – Hörspiel

Filed under: Comics im Hörspiel — Michael um 16:45

Batman - Gotham Knight - HörspielDie Gangster sind nicht dumm. Der Mann in Schwarz hat sich technische Spielzeuge zugelegt, die auch Batman gefährlich werden können. Aber warum das Risiko unnötig in die Höhe treiben? Wenn man auch per Jetpack frühzeitig entkommen kann? Aber die Farbe Schwarz? Warum? Die Antwort sollte Batman nicht erstaunen und doch wundert sie ihn ein wenig. Viel Zeit kann er trotzdem nicht auf die Analyse von feindlichen Beweggründen verwenden. In Gotham City ist der Teufel los, im übertragenen Sinne zwar, aber Gegner wie Scarecrow geben sich die größte Mühe dem Original so nahe wie möglich zu kommen.

Der Mann in Schwarz: Ein Wiederhören mit zwei Stimmen, die maßgeblich am Erfolg einer Serie hierzulande beteiligt waren. Die Serie hieß Miami Vice, die deutschen Synchronstimmen von Don Johnson und Philip Michael Thomas hießen Reent Reins und Lutz Mackensy. Beide markante Stimmen waren in der Vergangenheit immer wieder in Hörspielen zu hören, aber selten vereint. Reent Reins übernimmt hier die Rolle des Commissioner James Gordon, des direkten Kontakts zu Batman und tatsächlich hat die Stimme eine dunklere Färbung mit den Jahren bekommen, eine Klangfarbe, die zur väterlichen Ausfüllung des Charakters von Commissioner Gordon passt. Lutz Mackensy hingegen darf mit seiner scheinbar ewig jugendlichen Stimme den Wahnsinn eines gefährlichen Kriminellen erschallen lassen. Hier klingen Können und Spaß an der Arbeit durch.

Die erste Folge der Trilogie über den Gotham Knight etabliert diese düstere Megastadt als kriminelles Babel, aber auch als Touristenmagnet. Ausgerechnet auf einer Aussichtsplattform, die in Anspielung auf einen der bekanntesten Batman-Zeichner, Jim Aparo auf dem Aparo-Tower gelegen ist, darf der dunkle Ritter in beeindruckendem Hörkino erstmalig so richtig zeigen, was er drauf hat. Sascha Rotermund orientiert sich, wie die gesamte Trilogie, an der filmischen Neuinterpretation (mit Christian Bale) des Mitternachtsdetektivs. Rauchig gesprochen als maskierter Rächer, locker als Privatperson und Playboy Bruce Wayne. Letzterem hört man sehr gerne im Zusammenspiel mit Charakteren wie Commissioner Gordon oder dem erfindungsreichen Lucius Fox (gesprochen von Wolf Frass) zu.

Krieg: Der heimliche Held des Batman-Universums, jedenfalls in früheren Zeiten, Alfred Pennyworth, agiert hier ähnlich wie in der Batman-Trilogie mit Christian Bale. Gesprochen von Jürgen Thormann, der in den Filmen auch Michael Caine in der Rolle des Butlers synchronisiert, bekommt die Figur stets etwas sehr Vornehmes, auch Unnahbares sowie eine sehr professionelle Note. Erfrischend in dieser Episode ein ganz normales Bandenkrieg, dem Batman beikommen muss, ohne dass sein technisches Spielzeug noch seine Erscheinung besonders viel Eindruck hinterlässt.

Die beiden Polizisten Montoya und Allen bilden ein schönes Gegengewicht zur Arbeit des dunklen Ritters. Sie bieten einen großen Teil der Stimme des Menschen auf den Straßen Gothams, jene, die meist nur aus der Ferne einen Blick auf Batman werfen. Oder wie sie auf einen Schattenriss in der Türscheibe zu Commissioner Gordons Büro.

Monster: Wer tötet die Menschen nicht nur, sondern frisst sie zugleich auf? Batmans Suche nach diesem ungewöhnlichen Killer wird gruseliger, anstrengender. Nach der Jagd auf die normalsterbliche Unterwelt Gothams ist dieser Feind nur schwer auszumachen. Er hält sich im Dunkel und will nicht gejagt werden. Batman muss an Scarecrow vorbei, der nicht nur dieses seltsame Wesen geschaffen, viel schlimmer noch, eine große Schar Anhänger beeinflusst hat, gegen die sich Batman auch noch zur Wehr setzen muss.

Wurde das berühmt berüchtigte Arkham Asylum bisher hauptsächlich erwähnt (und nur kurz besucht), werden die Folgen jetzt offen sichtbar. Während Batman diese modern geschaffenen Dämonen verfolgt, stellt er sich auch seinen inneren Feinden, düsteren Erinnerungen, als er nach Wegen der Kontrolle über seine Ängste suchte. Die dritte Episode von Gotham Knight bietet eine spannende Doppelsicht auf den dunklen Ritter, in Gegenwart und Vergangenheit. Beide sind dramatisch, in beiden muss sich ein Mann beweisen. Im ersteren Fall das andere Ich, im letzteren Fall ein noch junger Bruce Wayne persönlich.

Ein Kaleidoskop aus Gotham City: Batman wird im Kopfkino dank einer tollen Interpretation durch Sascha Rotermund lebendig. Die Besetzung ist punktgenau und nimmt, nach einer Einführung in das Comic-Universum, besonders in der zweiten und dritten Episode Fahrt auf. Egal, auf welchem Weg der Fan zu Batman gefunden hat, über die Filme oder die Comics selbst, hier wird er auf jeden Fall mit neuen, sehr guten Abenteuern fündig. 🙂

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Links: Jürgen Thormann in Batman

Montag, 08. September 2014

Lanfeust von Troy 11 – Cixis Geheimnis 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:29

Lanfeust von Troy 11 - Cixis Geheimnis - Teil 3Das ändert die Lage! Cixi gerät in Panik. So hatte sie es nicht geplant. Als geheimnisvoller Rächer macht sie die Nächte in Eckmül unsicher, darauf bedacht, die Macht des selbst ernannten Despoten zu schwächen. Leicht macht sie sich ihre Aufgabe nicht. Sie führt nicht nur ein gefährliches Doppelleben, sie ist seit neustem sozusagen ein Doppelleben, ein Umstand, der sie in andere Umstände bringt und damit im übertragenen Sinne in des Teufels Küche. Denn wer die Angelegenheiten des Herrschers, Thanos, stört, könnte sehr schnell Opfer jener Experimente werden, die in den weiten Kellergewölben auf seinen Befehl durchgeführt werden.

Adrien Floch, als Zeichner kein Unbekannter hierzulande, arbeitete er schon bei den Schiffbrüchigen von Ythag mit Autor Christophe Arleston zusammen. Olivier Vatine, bisher Stammzeichner von Cixis Geheimnis, begnügt sich nun mit dem Storyboard und überlässt Adrien Floch den Feinschliff. Was für eine düster dunkle Welt TROY doch geworden ist! Wenn eine Frau wie Cixi, die nicht gerade für ihre Sanftmut oder die Fähigkeit, besonders einfühlsam zu sein, Schwierigkeiten mit einem Mann hat, der die Welt zu verwüsten sucht und sie ihren Eigennutz hintenan stellt, dann muss in TROY einiges im Argen liegen.

Der Strich von Olivier Vatine und Adrien Floch harmoniert sehr gut miteinander. Sehr fein ausgeführte Linien, aus denen fragile Körperlichkeiten gleich welcher Art entstehen. Diese Feinheit macht in den seltener auftretenden Nebenfiguren und einigen besonderen Ideen am meisten Spaß für das Auge und somit den Leser, der in der Fantasy skurrile Einfälle zu schätzen weiß. Aber mehr noch reizen die Übersichten zum Hinschauen, zum Flanieren während des Blätterns, denn die Bilder, die auch einem Reiseführer über Eckmül gut zu Gesicht stehen würden, vermitteln schöne Stimmungen dieser Fantasy-Welt, die sicherlich sehr mittelalterlich ist, aber auch aus unterschiedlichen Stilen zusammengesetzt scheint.

Das mag an den sehr verschiedenen Einflüssen liegen, die von den verschiedensten Bürgern aus Winkeln TROYs in diese Weltstadt der Fantasy getragen werden. Säulen, Ornamente, Rundbögen und Spitzbögen, goldene Kuppeln und abgetakelte Holzbauten, schmale Gassen und weite Palastgänge, die zum Lustwandeln einladen. Es ist ein lebendige Stadt, die weder von Christophe Arlston noch seinen zeichnenden Künstlerkollegen jemals in ein enges Korsett gezwängt und mit einer allzu starken Stilistik erstickt wurde. Da Eckmül auch mit anderen Serien, die auf TROY handeln, wächst, ist es gut, dass die Stadt vor allem durch einige wenige herausragende Punkte einprägsam ist.

Verweigerung des Bekannten: Thanos, der Bösewicht, ist mächtig und gut aussehend. An anderer Stelle, in den sonst üblichen Geschichten mit fantastischem Einschlag wäre er der Gute, der Held, barbarisch vielleicht, aber äußerlich immerhin der Held. Es sterben Kinder, Alte und Tiere und selbst Cixi ist eigentlich nicht zur Heldin geboren. Zu arrogant ist die junge Frau, die selten aus Uneigennützigkeit handelt. Und trotzdem will man ihrer Geschichte folgen, weil Christophe Arleston seine Heldin zum Umdenken, zur Verhaltensänderung zwingt.

Enttarnung: Ja, der Finstere Schatten wird demaskiert. Aber wird Cixi auch enttarnt? Christophe Arleston hat sich ein kleines Kabinettstückchen einfallen lassen und beschreibt wie Cixi ihr Gesicht wahren kann. Es ist einer von zahlreichen gelungenen Einfällen.

Cixis Geheimnis ist nun abgeschlossen, die Reihe um Lanfeust von Troy, der in diesem Abschnitt nicht mitspielt, ist es nicht. Die Trilogie um Cixi zeigt treffend, wie stark selbst jene Charaktere werden können, die bislang nur Nebenrollen hatten. Sehr schön! 🙂

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