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Comic Blog


Mittwoch, 16. November 2005

Abenteuer zur See

Filed under: Klassiker,Mystery — Michael um 21:55

FAZ Comic-Literatur 11 - Corto MalteseDas kleine Segelschiff kreuzt auf dem Pazifik unter dem Kommando des brutalen Kapitäns Rasputin. Eigentlich erhofft sich niemand an Bord besondere Vorkommnisse bis zum eigentlichen Anlass der Reise: dem Kapern eines englischen Kohlefrachters. Wie so oft kommt es ganz anders. In einem treibenden Rettungsboot findet die Mannschaft des Segelschiffs einen Jungen, Cain, und ein Mädchen, Pandora, beide, wie sich später herausstellt, Kinder reicher Eltern. Für Rasputin ist klar, dass er für die Kinder ein ordentliches Lösegeld verlangen kann.
Als sie auch noch den auf eine Planke gefesselten Corto Maltese aus dem Wasser aufnehmen, nimmt Rasputins Plan eine endgültig andere Wendung.

Schnell wird der Abenteurer Corto Maltese zu einem ausgleichenden Faktor an Bord des Schiffes. Seine grundlegende Ehrenhaftigkeit, die er tunlichst zu leugnen versucht, hält den Jähzorn Rasputins häufig im Zaum. Nach der Kaperung des Kohlefrachters treffen sie auf ihre deutschten Kontaktleute. Die deutsche Marine versucht sich im Pazifik Stützpunkte einzurichten, bevor der Ernstfall eintritt und der Nachschub abbricht. (Der Erste Weltkrieg steht kurz bevor.) Corto wird die Aufgabe zuteil, an Bord des Segelschiffs auf die beiden jungen Geiseln aufzupassen.
Und wieder kommt alles ganz anders.

Ein Sturm verschlägt Corto und die ihm Anvertrauten auf eine einsame Insel geradewegs in die Arme von Eingeborenen, die keineswegs an einer friedlichen Lösung interessiert sind. Bald schon findet die Flucht statt, dramatisch zwar, aber glücklich. Während sich der junge Cain noch mit einem neuen Freund über Moby Dick unterhält, taucht vor ihnen ein deutsches U-Boot aus der Tiefe empor.

Abenteuer pur!
Manchmal sieht man einen Ausschnitt aus einem Film. Jahre später schaltet man das Fernsehen wieder ein und landet just genau in dieser einen Szene, die man damals bereits gesehen hat und die einem besonders im Gedächtnis geblieben ist.
Ähnlich erging es mir mit Corto Maltese.
Ich kramte ein bißchen und siehe da: ZACK, Ausgabe Nr. 7, Februar 1974. Hier findet sich die vierte Episode der Südseeballade. In dieser Darstellungsgröße wirken die Bilder von Pratt ein wenig zu einfach. In der Verkleinerung in der vorliegenden Ausgabe aus der FAZ Reihe der Comic-Literatur bekommen die Bilder einen eher grazilen Charakter.
Die Kolorierung wurde erneuert. So betrachtet gewinnen die Bilder insgesamt an Qualität. Zwar wird Pratts Abstraktionsfähigkeit und die Simplifizierung von Szenen stets gelobt, aber für meine Begriffe sollte es auch nicht übertrieben werden.

Für Pratt, und das steht außer Frage, ist die zeichnerische Darstellung auch ein erzählerisches Mittel, das ähnlich einer klaren einfachen Sprache nicht von der eigentlichen Handlung ablenkt.
So entspinnt sich schnell eine tolle Abenteuergeschichte. Da sie sich der gängigen Erzählweise entzieht und kein Muster auf sie anwendbar scheint, entsteht eine absolut unvorhersehbare und deshalb sehr spannende Geschichte.
Wer Vergleiche anstellen will, mag Der Seewolf oder Sohn der Sonne heranziehen. Ein ozeanisches, exotisches Flair, beinahe magisch, ohne jemals unrealistisch zu sein. Dies ist weniger ein Comic, eher ein Roman, eine Geschichte, die den Begriff Graphic Novel absolut verdient.

Feine einleitende Worte und schöne Aquarellzeichnungen von Pratt machen diese FAZ Ausgabe der Reihe zu einem wirklichen Schmuckstück, das selbst für jene interessant ist, die sonst mit Comics rein gar nichts anfangen können. 😀

Dienstag, 15. November 2005

Konkurrenz für den grünen Pfeil

Filed under: Comics im Film,Superhelden — Michael um 20:46

The Long Bow Hunter - Part 1Eine geheimnisvolle Frau ist auf der Jagd in Star City. Vermummt, tätowiert und mit einem Langbogen bewaffnet, verfolgt sie Kriminelle durch die nächtlichen Straßen und bringt sie zur Strecke. Dabei geht sie ebenso erbarmungslos vor wie ihre verbrecherischen Gegner.
Die Unterwelt gerät in Sorge. Shado, so der Name der jungen Frau, ist nämlich ein ähnliches Ärgernis wie der Green Arrow. Eine geheime Zusammenkunft eines Gangsterbosses mit einem seiner Untergebenen macht deutlich: Die Unterwelt verliert zu viele Männer. Dem gilt es endlich einen Riegel vorzuschieben.
Doch nicht nur Shado ist auf der Jagd. Auch der Green Arrow treibt sich in dunklen Gassen herum und tötet seine Kontrahenten.

Der grüne Pfeil ist zu einer Geschichte für Erwachsene geworden. Das schadet ihm keineswegs. Der Held ohne Superkräfte gehört zu jenen Charakteren, denen – neben Batman – im DC Universum besondere Sympathie zukommt. Allerdings hielt er sich in früheren Jahren stets zurück, verhielt sich ehrenvoll, obwohl er über eine tödliche Waffe verfügte. Besonders in dieser Fanfilm-Verfilmung hat sich ehrenhaftes Verhalten vollkommen verabschiedet. Nur ein toter Gangster ist ein guter Gangster.

Im Sinne der Ernsthaftigkeit, der sich Comicfilme in jüngster Zeit verschrieben haben, mag das richtig sein, aber mir mag es nicht so recht gefallen. Das hat nicht einmal etwas mit der überbordenden Gewalt zu tun. Vielmehr tritt die in den Comics dargestellte Präzision der Bogenschützen ziemlich in den Hintergrund, denn davon ist nicht mehr viel erkennbar. Ein am Boden liegender Mensch würde von einem Blinden mit Krückstock auch aus einem Meter Entfernung getroffen werden, um es einmal ganz platt zu formulieren.

Wie auch immer. Atmosphärisch hat es mir sehr gut gefallen und die 13 ( ! ) Minuten Spieldauer gehen viel zu schnell vorüber. Ich bin gespannt, ob es eine Fortsetzung geben wird. 😀

Hier findet Ihr den Film:
http://www.ifilm.com/ifilmdetail/2657982?htv=12&htv=12&htv=12
Die Homepage zum Film gibt es hier:
http://www.longbowhuntershort.com/

Montag, 07. November 2005

Comic-SciFi

Filed under: Comics im Film,SciFi — Michael um 20:42

A Scanner DarklyEs sieht aus wie ein Comic. Es ist experimentierfreudig wie ein Comic, ist aber ein Film.

Bob Arctor ist ein Drogen-Dealer, der mit der tödlichen Drogensubstanz D handelt. Fred ist ein Cop. Sein Auftrag lautet, Bob zu fassen. Zu diesem Zweck gibt sich Fred als Drogendealer Bob Arctor aus und konsumiert selber zu viel von D.
Irgendwann verfolgt er sich selbst.

Die Geschichten von Philip K. Dick haben seit vielen Jahren immer wieder einmal perfektes SciFi-Kino für Genre-Fans gebracht. Blade Runner, Total Recall oder Minority Report.
Vor vielen Jahren entstand die Zeichentrickumsetzung ungefähr von 1 1/2 Teilen von Der Herr der Ringe (von Ralph Bakshi). In Teilen wurde hier optisch ein ähnlicher Effekt angewandt wie in A Scanner Darkly: Real agierende Schauspieler wurden durch manuelles Nachzeichnen und Kolorieren in Trickfiguren verwandelt.
Im Film mit Keanu Reeves und Winona Ryder wurde diese Technik optimiert.
Das Experiment macht neugierig. Hier sollte ausnahmsweise eine Umsetzung für einen tatsächlichen Comicband zum Film mit Leichtigkeit zu bewältigen sein.

Eine Vorschau gibt es im Trailer-Angebot von Apple.

Solange kein schöner Zeichentrickfilm in Sicht ist, könnte A Scanner Darkly eine Alternative sein. 😀

Dienstag, 01. November 2005

Tarzan, unser Dschungelheld

Filed under: Klassiker — Michael um 19:38

TarzanLord und Lady Greystoke kommen an Bord des Segelschiffs Fuwalda in eine bedrohliche Situation. Eine Meuterei gegen die Schiffsoffiziere wird ihnen beiden beinahe zum Verhängnis. Da sie dem Anführer der Meuterer, Black Tom, das Leben gerettet haben, verschont er auch das ihre. Aber damit endet seine Menschlichkeit auch schon. Er setzt die beiden Engländer mitsamt ihrer Habe an der Küste Afrikas aus und verschwendet keinen weiteren Gedanken an sie.

Clayton und Alice arrangieren sich mit den Umständen. Zunächst richten sie sich auf einem Hochstand ein. Sehr schnell merken sie, wie lebensfeindlich die Umgebung für Menschen ist. Wenig später baut Clayton ein festes Haus, das für mehr Sicherheit sorgt. Die Situation beruhigt sich ein wenig. Als Clayton von einem riesenhaften Affen angegriffen wird und nur durch die Beherztheit seiner Frau mit dem Leben davon kommt, ist dies der Anfang vom Ende. Nachdem Alice noch einen gesunden Jungen zur Welt gebracht hat, stirbt sie kurze Zeit später. Clayton bleibt mit dem Kind allein zurück. Die Affenhorde hat indes nicht aufgegeben.
In einem unbeobachteten Moment tritt auch Clayton dem Tod gegenüber. Der kleine Junge hingegen wird von einer fürsorglichen Äffin an Kindes statt angenommen und in den folgenden Jahren aufgezogen.

Tarzan, so der Name (genauer die Bezeichnung), den der Junge von seinem neuen Stamm erhält, entwickelt sich zum Erstaunen der Affen sehr langsam. Außerdem kann sein Stiefvater ihn nicht leiden.
Im Laufe der Zeit jedoch setzt sich Tarzans Intelligenz immer mehr durch. Was ihm an Kraft fehlt, macht er mittels Geschicklichkeit und Ideenreichtum wieder wett.

Burne Hogarth ist ein meisterhafter Illustrator. Ich bin überzeugt, dass er heute zu den ganz Großen gehören würde. Zu seiner Zeit gehörte er zweifellos dazu. Der Bildaufbau hat eine gehörige Portion Theatralik. So wie sich die Szenen präsentieren könnten es Bildauszüge eines Bühnenstücks sein, vielleicht auch aus einem Film aus der guten alten Stummfilmzeit.
Es sind sprechende Bilder, in denen Gesichtsausdruck, Gestik und Haltung ungeheuer viel Information transportieren. Wegen des begleitenden Textes ergibt sich zwar der Eindruck eines Bilderbuches, ähnlich wie bei Prinz Eisenherz, aber in dieser Machart ist das keinesfalls störend, ganz im Gegenteil.

Der zweite Teil, von Joe Kubert, gefällt mir von den Zeichnungen weniger. Der Vergleich zwischen Hogarth und Kubert erinnert mich an etwas anderes, um meinen Eindruck zu verdeutlichen.
Vor vielen Jahren kam Star Wars (Krieg der Sterne) in die Kinos. Das löste wie üblich eine kleine Welle aus. So kam denn auch Star Crash (Sterne im Duell) ins Kino, ein unsägliches Machwerk mit David Hasselhof.
Ganz so schlimm ist die Geschichte, die Joe Kubert über Tarzan zu Papier gebracht hat, beileibe nicht. Aber der direkte Vergleich nimmt sich aus wie Star Wars zu Star Crash.

Im ersten Teil der Geschichte erlebt der Leser das Aufwachsen inmitten der Affen, in seinem Stamm. Welcher Art diese Affen sind, (Gorillas sind es nicht) bleibt dem Leser verschlossen. Schimpansen können es nicht sein, da der Anführer als 2 Meter großes Tier geschildert wird, keine Größe, die ein Schimpanse mit gebeugten Knien erreicht. Tarzans Sicht der Dinge ist nicht immer schlüssig. Das Wesen der Menschen erscheint ihm seltsam, barbarisch, aber er selbst hat kein Problem damit seinen Stiefvater und später den Anführer des Stammes zu töten.
So gesehen ist er um keinen Deut von den Eingeborenen entfernt, die einen Menschen ihren Göttern opfern wollen.

Im zweiten Teil der Geschichte, in der Tarzan endlich auf seine Jane trifft, wird einiges aus dem ersten Teil neu erzählt. Das ist etwas langweilig, zumal es grafisch ein deutlicher Qualitätsverlust ist. Über den zweiten Teil, über die Auswahl desselben, bin ich enttäuscht, denn es hat auch grafisch sehr schöne Abenteuer mit Tarzan gegeben, in denen sein Leben im Dschungel in erwachsenen Jahren toll erzählt wird.

Unter dem Strich bleibt Tarzan in dieser Ausgabe ein Muss für jene Comic-Fans, die einmal einen ganz anderen Hauptcharakter in Aktion erleben wollen und die jene Episoden lesen, die recht nah an der Vorlage von Edgar Rice Burroughs sind. 🙂

Freitag, 28. Oktober 2005

John Romita Jr. und Wolverine

Filed under: Die Künstler,Superhelden — Michael um 21:21

WolverineIn der letzten Zeit habe ich die Ausgaben von Spider-Man und Wolverine, die von John Romita Jr. gezeichnet wurden, mit recht großer Begeisterung verfolgt. Dabei ist Junior inzwischen etwas falsch. Zwar ist er der Sohn des legendären John Romita, einem Urgestein bei Marvel, aber als Jahrgang 1956 ist er weit davon entfernt ein Junior zu sein.
Sein zeichnerischer Stil ist im Gegensatz von so penibel ausgeführten Zeichnungen von Terry Dodson oder Jim Lee geradezu hingeworfen. Von Kevin Maguire (X-Men aller Zeiten) will ich gar nicht reden. Er wirkt nicht so elegant, vielleicht ist der Eindruck sogar manchesmal klotzig.
Im Auftakt von Michael J. Straczynski tuscht Scott Hanna Romitas Bilder und gibt ihnen noch etwas Graziles mit. In der neuesten Wolverine-Ausgabe (22) ist der Eindruck eher grob. Inker Klaus Janson macht seinen Job gut, zweifelsohne, aber es ist interessant, wie sich der Eindruck durch zwei verschiedene Inker verschieben kann.

Seltsamerweise habe ich Romita Jrs. Zeichnungen nicht immer gemocht. Eine Zeitlang empfand ich sie sogar als Frechheit.
Im aktuellen Band von Wolverine 22 findet ein Angriff von Superhelden statt (die von Hydra umgedreht wurden). Der folgende Kampf im Shield-Carrier ist für meine Begriffe ungeheuer dynamisch dargestellt. Perspektiven und Bildfolgen zwingen das Auge zu schnellem Überfliegen – na, wenigstens meine Augen, weil ich wissen will, wie es weitergeht. In diesen Szenen muss ich einfach wissen, wie es weitergeht.
Ein ähnliches Beispiel findet sich in Band 19. Hier tritt Elektra gegen Gorgon an. Obwohl Gorgon nicht einfacher gezeichnet sein könnte, ist die Figur einprägsam. Die Kampfszene ist besser geschnitten als manche Szene in einem Kinofilm.

Zuerst war ich skeptisch, ob Romita Jr. und Wolverine zueinander passen, aber er holt verdammt viel aus den Charaktere heraus – obwohl, und das kann ihm auch angekreidet werden, Romitas Figuren sich im Gesicht sehr ähneln. Schwamm drüber, selbst die allerbesten Zeichner wie ein Alex Ross haben ihre Schwachstellen.

Aber es gibt auch Ausnahmen: Fukuko. Hier zeichnet Romita Jr. ein asiatisches Frauengesicht, das mit unglaublich wenigen Strichen auskommt. Ich liebe das.

Apropos Wolverine: Der Abschluss der vorliegenden ersten Episode hat wohl den coolsten Cliffhanger seit langem. Das kleine Gespräch über die Mannstärke von Hydra und den Umstand, was Logan mit ihnen zu tun gedenkt, ist ein Faktum, warum Wolverine so beliebt ist.
(Eine ähnliche coole Szene gab es in jüngerer Zeit nur, als Peter Parker und Logan sich gegenüber stehen und beinahe prügeln. Das Größenverhältnis war einfach putzig.)

Infos zu John Romita Jr.:
Bilder bei Google
Kurzbiographie
Spider-Man von John Romita Jr. im Vergleich zu anderen Zeichnern 😀

Sonntag, 23. Oktober 2005

Kritische Comics

Filed under: SciFi — Michael um 21:11

Homero - Der ewige KriegComics greifen nicht selten soziale Missstände, Krieg und menschliche Katastrophen als Themen auf. In der Science Fiction sind die Umstände zumeist frei erfunden, aber nicht weniger realistisch als zum Beispiel bei historischen Themen.

Homero (Edition Kunst der Comics) befasst sich damit, was geschieht, wenn jegliches soziales Netz der Gesellschaft verloren gegangen ist und die Menschen, die aus den verschiedensten Gründen an den Rand gedrängt wurden, eingepfercht werden.
In der Eiswüste befindet sich ein heruntergekommenes Gefängnis. Hier sind die Freaks untergebracht, die Kranken, die Alten. Die Bewachung ist nicht minder übel dran und will es den Insassen auch nicht leichter machen. Gewalt, Hunger und Drogen bestimmen den Alltag.
Eines Tages tritt eine noch schlimmere Notsituation ein: Die Versorgungstransporte von außerhalb bleiben aus. Zur Eindämmung möglicher Aufstände lässt der Gehilfe des Direktors einen Söldnertrupp einfliegen. Mögliche Rädelsführer sollen ohne Umschweife getötet werden. Homero und seine Leute verrichten den Auftrag ohne Skrupel.
Erst als die Situation sich auch gegen sie richtet – denn ohne Nachschub von außen bleibt auch ihre Bezahlung aus – verhelfen sie einigen wenigen Häftlingen zur Flucht.

Die Autoren Antonio Guiral und Fernando Rubio erzählen ihre Geschichte, ohne allzu tief in die menschliche Psyche vorzudringen – jedenfalls nicht weiter, als die eigene Vorstellungskraft reicht. Ähnliche Szenen kennt der Betrachter bereits aus Gefängnisgeschichten, hier werden sie lediglich noch einmal überspitzt dargestellt.
In der Geschichte regiert der Wahnsinn und – wenn man es so nennen will – das pure Böse. Es ist eine reine Schwarzweißmalerei. Der Wechsel von Homero auf die Seite der Guten erklärt sich aus einer reinen Notwendigkeit heraus. Besser macht ihn das auch nicht.
Bei aller Gewaltdarstellung verzichtet der Comic auf allzu drastische Bilder. Das ist der Geschichte anzurechnen, die Oberflächlichkeit zieht den Band wieder deutlich ins Minus. Natürlich erwartet der Betrachter heutzutage kaum noch neue Erkenntnisse oder revolutionäre Sichtweisen von einer Geschichte, Comic oder nicht. Aber etwas mehr Tiefgang kann nicht schaden. Interessant ist lediglich der Schluss: Die Zurückgebliebenen weigern sich, das Unvermeidliche anzuerkennen. Sie warten weiterhin auf den Nachschubtransport, der niemals eintreffen wird.

Mit Der ewige Krieg (Carlsen) nach einer Vorlage von Joe Haldeman und umgesetzt durch die Federführung von Marvano verhält es sich völlig anders.
Im Weltall herrscht Krieg – es ist eine besondere Art von Krieg, in der für die Truppen im All die Zeit viel langsamer vergeht als auf der Erde. Für die Männer und Frauen an der Front spielt sich ein ganz anderes Zeitalter als Zuhause ab.
Auf der Erde herrscht Notstand, der technische Fortschritt wird vorangetrieben, in Folge der Überbevölkerung wird das Praktizieren von Homosexualität unter den Menschen gefördert. Bildung und Platz bedeuten Luxus.
Die Menschen im All verlieren jeden Bezug zum Ziel des Krieges. Ihre Angehörigen auf der Erde altern viel schneller, Leben der Soldaten werden mit künstlichen Gliedmaßen verlängert.

Ein drastisches Beispiel zeigt die Beziehung eines Soldaten und einer Soldatin zueinander. Eines Tages werden sie so weit voneinander an verschiedene Posten versetzt, dass die Möglichkeit, in Folge der Zeitversetzung sich jemals wieder zu sehen, gleich Null ist.
Der Soldat denkt an Selbstmord. Mein Leben gehörte der Armee. Ich würde ihr nicht auch noch meinen Tod schenken.
Eine realistisch anmutende Geschichte, mit der Joe Haldeman Teile seiner eigenen Kriegserfahrungen in Vietnam verarbeitete. (Auch als Roman erhältlich.) Wenn die Soldaten im All kämpfen und die Generation, die den Krieg begonnen hat, zwischenzeitlich auf der Erde wegen Überalterung stirbt, spätestens dann sollte jeder die Sinnlosigkeit eines kriegerischen Unterfangens erkennen.

Man merkt der Geschichte deutlich an, dass sie auf einer Romanvorlage fußt. Viele Blickwinkel und Details, sehr echt angelegte Akteure machen Der ewige Krieg nach meiner Meinung zu einem echten Klassiker. 🙂

Freitag, 21. Oktober 2005

The boys are back in town

Filed under: Superhelden — Michael um 18:57

Spider-Man und die neuen RächerEin neuer Auftrag: Befreiung aller Gefangenen aus einem Hochsicherheitsgefängnis.
Elektro übernehmen sie.

Schlechte Zeiten liegen hinter den Rächern. Es gibt sie nicht mehr. Nachdem die Scarlet Witch sogar für den Tod verschiedener Helden verantwortlich ist, weil sie ihre Chaos Magie nicht mehr unter Kontrolle halten konnte, hielt es die verbliebenen Rächer nicht mehr am Ort der zerstörten Rächerzentrale.

Eigentlich hatte sich Spider-Man auf einen ruhigen Abend eingerichtet. Da sorgt ein Stromausfall für ein Desaster in der ganzen Stadt. Spider-Woman, Luke Cage und Matthew Murdock (Daredevil) sind gerade zu Besuch auf dem Floss von Ryker’s Island, als auch Elktro der Gefängnisinsel einen Besuch abstattet.
Ein paar Helden schaffen es noch auf die Insel zu gelangen, darunter auch Spider-Man und Captain America. Aber sie kommen zu spät. Die Superschurken haben sich bereits aus ihren Zellen befreit und haben nichts besseres zu tun, als sich bei den Helden für ihren langen Aufenthalt auf Ryker’s Island in ihrer Form zu bedanken.

Carnage gehört noch zu den einfacheren Gegnern auf der Insel. (Ein Scherz 🙂 Wie gut, dass auch einer der mächtigsten Helden der Welt auf Ryker’s Island im Gefängnis sitzt: Sentry.

Hat das Ultimative Universum nun auch in den normalen Marvel-Alltag Einzug gehalten?
Fast scheint es so, denn der Auftakt der neuen Reihe, in der sich Spidey im Team der neuen Rächer wieder findet, ist dermaßen bombastisch geraten, dass es nicht nur Brian Michael Bendis zu verdanken ist, dass dieser Start so gut geraten ist. Zeichner David Finch übertrifft sich selbst.
Einige mögen diesen Kracher gewöhnungsbedürftig finden, da bereits zum Ende der alten Rächer alles in Schutt und Asche gelegt wurde. Auch die Wahl der Helden, die sich hier zusammenfinden, ist nicht unbedingt das, was der Otto-Normal-Marvel-Leser erwartet hatte: Wann hat man zuletzt etwas von Spider-Woman gehört?
Nun, wenigstens zur Optik steuert sie ordentlich etwas bei. Gleichwohl schlägt sie sich ebenso gut wie alle anderen Rächer auch.

Was sich hier an den verschiedenen Kriegsschauplätzen tut, ist absolut sehenswert. Spider-Man fällt zwar nicht unter die Räuber, so doch unter die Superschurken. Derart ist Spidey lange nicht mehr gefleddert worden. Die Szene ist sehr realistisch gestaltet. In so manchen Szenen vergangener Folgen diverser Spidey-Serien kam der Spinnenmensch schon häufig in Schwierigkeiten. Dieser Kampf ist so inszeniert, dass Spider-Man sogar sterben könnte – wenigstens von der Schurkenseite aus betrachtet, ist dies das Ziel der Aktion. Die Tatsache seines Maskenverlusts rückt hierbei vollkommen in den Hintergrund.

Der Auftritt des Sentry ist eine echte Überraschung. Der kleine Coup, den Marvel mit dieser vermeintlich verschollenen Heldenfigur vor einiger Zeit landete, ist wohl noch so manchem Marvel-Leser in Erinnerung. Sein Auftauchen in dieser Geschichte, vor allem sein Aussehen, hat etwas von einem Thor-Ersatz.
Sein Handeln ist vergleichsweise ebenso beeindruckend, weil die Leichtigkeit, mit der er Carnage besiegt, viel für die Zukunft erwarten lässt (man wünscht sich geradezu ein Aufeinandertreffen mit dem Hulk).

Die gesamte Szenerie ist wie ein Showdown angelegt. Es ist schmutzig, dunkel, die Örtlichkeiten muten an wie in einem Abwasserkanal, das Heranstürmen der Schurken macht einen apokalyptischen Eindruck. Die Brutalität der Szene – auch das – stützt diese Atmosphäre.
Der vorliegende Band, unabhängig davon, ob es eine neue Serie ist oder nicht, ist eine der wirklich erwachsenen Geschichten des Marvel-Universums, wo selbst Spideys Humor nicht mehr zündet. 🙂

Montag, 17. Oktober 2005

Magika – Ein echter Horrortrip

Filed under: Mystery,Thriller — Michael um 20:37

MagikaNew York. Justine Gallagher führt ein merkwürdiges Leben. Ihr Job als Polizistin genügt ihr nicht, sie ist außerdem noch als Aktmodell unterwegs, um ihre Kasse aufzubessern. Gerade erholt sie sich noch von einem Einsatz vor der Kamera (der für den Fotografen alles andere als befriedigend zu Ende geht), als sie von einer Geiselnahme im Empire State Building erfährt. Gegen den Befehl ihrer Vorgesetzten lässt sie sich auf dem Wolkenkratzer absetzen und beginnt eigenmächtig mit der Befriedung.

Eine andere Welt. In einem großen Gefängnis mit den gefährlichsten Insassen, die Diesseits und Jenseits jemals gesehen haben, vergeht eine der Aufseherinnen vor Lust nach einem besonderen Häftling: Vlad Tepes. Der brutale Tepes nutzt das ungewollte Schäferstündchen auch sogleich zur Flucht.
Aber bei der Verfolgung einer seiner Wächterinnen kommt es zu einem Versehen. Vlad Tepes findet sich plötzlich im New York der Gegenwart wieder. Justine, die vom Auftauchen dieses nackten Irren, mehr als verwirrt ist, legt sich trotzdem mit dem wahnsinnigen Mörder an.

Das Geheimnis lautet: Magika.
Eine gute und eine böse Seite befinden sich im ewigen Kampf miteinander. Das Gute hat bislang die Oberhand behalten und verschiedene Vertreter des Bösen eingekerkert. Justine wird zu einer Wächterin des Guten berufen und handelt sich damit erst so richtig Ärger ein.

Die Irren gehen um in Magika. (Erschienen bei Kult Editionen.)
Nur ganz selten hat man von Polizisten gehört, die sich im Nebenjob ausziehen. Justine Gallagher gehört zu dieser Spezies und so wie sie zu Papier gebracht worden ist, kann sie es sich auch leisten.
Außerdem ist sie eine Art weiblicher Demolition Man. Sie fackelt nicht lange, sondern schwingt sich ins Kampfgebiet und räumt auf. Freaks haben keine Chance mehr, der Justiz übergeben zu werden. Justine richtet erbarmungslos.
Diese Eine Frau sieht rot-Masche macht sie nicht unbedingt als Hauptfigur sympathisch.

Vlad Tepes musste bereits mehrmals für Horrorgeschichten herhalten, dabei sind die diversen Dracula-Geschichten noch nicht einmal mitgezählt. Hier ist er der ultimative Krieger. Vom Bruder verraten und vertrieben, kehrt er eines Tages zurück, besiegt die Türken und alle Verräter bezahlen mit dem Tod auf dem Pfahl. Sein erbarmungsloses Vorgehen gegen die Ungläubigen bringt ihm die Unterstützung Roms ein, bis man ihm vorwirft, mit einer Hexe verheiratet zu sein.
Der Rückblick ist im zweiten Band hervorragend umgesetzt, erzählerisch wie grafisch. Nach all den Morden, die Tepes begangen hat, bekommt man nach dem Verlust seiner beiden Kinder sogar ein wenig Mitleid mit ihm. Letztlich ist er aber nur in eine Falle geraten.

Die Wege dieser beiden Hauptfiguren werden durch das Konstrukt der Magika zusammengeführt. Inmitten eines riesigen Labyrinths steht ein gewaltiger Turm, der die miesesten Verbrecher aller Zeiten beherbergt. Hier liegt Tepes neben Stalin, Hitler, David Koresh (Verantwortlich für die Erstürmung der Sektierer-Festung in Waco, USA, durch die Polizei. Dabei starben über 80 Menschen.) und andere Wahnsinnige.
Justine Gallagher will ihre Anwesenheit in der anderen Welt sogleich dazu nutzen, Hitler eine Kugel durch den Kopf zu jagen.

Manchmal wundere ich mich doch sehr über die Faszination, die dieser Irre auf diverse Autoren ausübt. Nach der x-ten Hinrichtungs- oder Auferweckungsphantasie wirkt ein solches Szenario etwas ausgelutscht. Und ihn auf eine Stufe mit Jack the Ripper zu stellen, mutet auch reichlich taktlos an. Auf diese Passage hätte sehr gut verzichtet werden können.

Sieht man von diesem Ausrutscher einmal ab, findet der Leser eine reichliche Gewaltorgie vor, die ihre Paten bei Quentin Tarantino und Clive Barker gefunden hat. Die mysteriöse Frau im Hintergrund, die zwei irre Söhne hat und nicht sterben will, erinnert ein wenig an die jüngst vorkommenden Gestalten in Wolverine: Die Hand lässt grüßen.
Grafisch gibt es solide Handarbeit. Da gibt es schon einmal qualitative Unterschiede von Seite zu Seite, aber in der Mehrzahl kann sich die Geschichte sehen lassen. Richtig gelungen sind jene Seiten, in denen eine Farbtönung dominiert und eine intensive Atmosphäre schafft.

Leser, die einem ordentlichen Horror nicht abgeneigt sind, können hier zugreifen. Alle anderen, denen das Genre eher ein Graus ist: Finger weg. 🙂

Sonntag, 16. Oktober 2005

Nash – Blade Runner lässt grüßen

Filed under: SciFi,Thriller — Michael um 21:04

NashNash Tulsa ist auf seine Art ein ganz normaler Mann in dieser verrückten Welt. Seit er den Dienst bei der Armee quittierte, arbeitet er als Kopfgeldjäger. Seine Frau Ethel hat sich von ihm getrennt und arbeitet jetzt als Stripperin. Seine kleine Tochter Audrey hat eine Immunschwäche und lebt in einem Krankenhaus.
Sein Leben nimmt eine völlig andere Richtung, als Unbekannte Nashs kleine Tochter entführen. Die Hinweise verdichten sich, dass die Unbekannten außerdem den Rest von Audreys Familie töten wollen. Nash kann seine Exfrau nur knapp vor einem Attentäter schützen.

Die Vergangenheit meldet sich zu Wort. Die ersten Spuren erweisen sich als falsch und Nash muss gehörig Prügel einstecken. Bald jedoch meldet sich ein geheimnisvoller Militärangehöriger bei ihm. Und Nash erinnert sich.
Audrey entstand nicht durch natürliche Zeugung. So sehr Ethel und er sich auch bemühten, es hatte nie geklappt. Vermutlich lag die Ursache in verschiedenen Chemikalien, die Nash während seiner Militärzeit einnehmen musste. Professor Labory half ihnen schließlich weiter durch künstliche Befruchtung.

Die Spur führt nach Sao Paulo. Hier machen Nash und seine Exfrau im Haus von Laborys ehemaligem Kollegen Sangrenegra eine unheimliche Entdeckung: Die junge Tochter des Doktors sieht ebenso aus wie Audrey und besitzt die gleiche Immunschwäche.
Nash steht vor einem sehr großen Rätsel. Was er auch macht, immer wieder werden seine Nachforschungen vom gewaltsamen Vorgehen des Militärs durchkreuzt.

Jean-Pierre Pécau und Damour haben mit der Geschichte um Nash einen beinharten und abenteuerlichen SF-Reißer zu Papier gebracht, der zu keinem Zeitpunkt langweilig ist.

Die zeichnerische Umsetzung gefällt mir sehr gut. Es ist eine Mischung aus französisch-belgischer Schule und Manga. Als Euro-Manga würde ich es nicht unbedingt bezeichnen, aber Anleihen sind durchaus vorhanden. Sehr gut sind die Ansichten der Welt, in der Nash lebt. Sie schaffen eine sehr dichte Science Fiction Atmosphäre. Hier wird der Vergleich mit Mangas sehr deutlich. Die Ansichten sind sparsam gezeichnet, aber sehr exakt, die leichte Kolorierung erinnert an einen Zeichentrickfilm japanischer Machart.

Wer sich ein wenig in der populären Science Fiction auskennt, wird sich in dieser Welt schnell zurechtfinden. Manches schaut aus wie in Blade Runner oder Total Recall, überhaupt scheinen Anleihen oder Inspirationen aus den Ideen eines Philip K. Dick gezogen worden zu sein. Das schadet jedoch keineswegs und wer wenigstens die Filmumsetzungen mochte, zu denen auch Minority Report gehört, wird auch diesen Comic mögen.

Es ist eine Geschichte um (berühmt) berüchtigte Versuche des Militärs, die einen Ausnahmesoldaten zu schaffen wollen. Die Codenamen dafür lauten: Alphas, Kains, Liliths und Engel. Wer den Engeln begegnet, hat keine Zeit mehr sein Testament zu machen. Leider ist auch Nashs Tochter ein Ergebnis dieser Experimente. Das mag nicht sonderlich innovativ klingen, ist allerdings gut strukturiert erzählt. Die Geschichte verheimlicht auch nicht, welche Handlungen und Sci-Fi-Welten sie zum Vorbild hat. Einmal wird von einer Zeugin namens Ripley berichtet, die leider nicht weiter zu befragen ist, da sie glaubt, außerirdische Eier in ihrem Körper auszubrüten.

Im ersten Band Morgenstern ist die Strichführung noch recht dick geraten, beinahe wie ein Entwurf. In den Folgebänden Jenseits von Eden und Königin der Engel ändert sich das massiv. Hier haben die Striche einen beinahe zerbrechlich aussehenden feinen Charakter. Das erhöht den Zeichentrickcharakter noch mehr. Alleine in den All- und Laboransichten in Band 3 wird dieser Effekt besonders schön deutlich.

Geradlinige Science Fiction Action, perfekt in Szene gesetzt. 😀

Mittwoch, 12. Oktober 2005

Tatort – Zweierlei Blut

Filed under: Thriller — Michael um 19:27

Tatort - Zweierlei BlutDer MSV Duisburg spielt. Das Stadion kocht und auf den Rängen gibt es noch viel mehr Ärger als auf dem Platz. Ein Mann wird erstochen. Wie immer gibt es viele Augenzeugen, doch so richtig gesehen, hat niemand etwas.

Für Schimanski ist der Fall, so traurig der Anlass auch ist, eine willkommene Abwechslung. Tanner wohnt seit kurzer Zeit bei ihm und er könnte dem Kollegen jetzt schon an die Gurgel gehen. Thanners Putzfimmel macht die gesamte unsaubere Gemütlichkeit von Schimmis Wohnung zunichte.
Außerdem ist Bea Klein vom Erkennungsdienst eine echte Augenweide.

Der Tote soll von Punks umgebracht worden sein.
Schimanski versucht einen Fuß in das Milieu zu bekommen. Fiete und Kurti waren mit dem italienischen Freund der Mutter nicht einverstanden. Dieser fand bei der Messerstecherei im Stadion den Tod und Kurti war der letzte, der im Streit mit dem Toten gesehen wurde. Schimanski erarbeitet sich Fietes Vertrauen. Obwohl viel zu alt dafür, zieht er ein paar Male mit der Jugendbande herum, gibt ihnen Alkohol aus. Leider verliert er dabei auch seine vorgeschobene Tarnung. Als die Gang herausbekommt, dass der betrunkene Schimanski ein Polizist ist, findet dieser sich später zusammengeschlagen und nackt mitten auf dem Stadionrasen wieder.

Aber Schimmi gibt nicht auf. Während er in den Niederungen Duisburgs ermittelte, hat Thanner schon handfestere Ergebnisse vorzuweisen. Schließlich haben die beiden die Lösung.

Nicht immer findet ein Comic nur den Weg ins Kino, manchmal findet eine Geschichte auch den Weg vom Fernsehen ins Comic-Album.
Film-Adaptionen im Comic-Format sind keine Neuerung auf dem Comic-Markt, aber nur selten sind sie wirklich gut. Enttäuschungen finden sich auch in bekannten Werken wie Punisher oder auch James Bond 007 – Lizenz zum Töten.

Eine löbliche Ausnahme ist Tatort – Zweierlei Blut. 1991 verabschiedete sich Schimanski aus der Tatort-Reihe, 1992 erschien der vorliegende Band. Grafisch ist hier eine wirklich tolle Arbeit gemacht worden, bei der sich vergleichsweise amerikanische Kollegen auch mal eine dicke Scheibe abschneiden können. Martin Frei setzt die Vorlage mit vielen Details und sehr exakt um. Schimanski (Götz George) und sein Kollege Thanner (Eberhard Feik) sind stets erkennbar, zuweilen liefert Frei auch perfekte Portraits ab, was in einem Comic ab einer bestimmten Bildgröße alles andere als einfach ist.

Sehr schön werden auch die allseits bekannten Stimmungen der Folgen um Schimmi eingefangen. Da ist einmal die Beziehung vom Schimanski zu Thanner, die sehr viel von emotionalen Ausbrüchen und Gesichtsausdrücken lebt. Ferner gibt Schimanskis Hang, sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen, viel her. Hier wird es durch den nackten Schimmi im Stadion getroffen. Außerdem ist die Szene, in der Schimmi in Beas Armen einschläft, ein Paradebeispiel, obwohl der Tausendsassa endlich am Ziel angelangt ist.
Ein dritter Hauptdarsteller ist natürlich Duisburg. Zechen, heruntergekommene Straßen, der MSV, nicht alle Motive schmeicheln der Stadt, gestalten jedoch ein lebhaftes Bild von der Umgebung, in der die beiden Kommissare arbeiten.

Zu guter Letzt ist es eine schöne Verbeugung vor einem schönen Abschnitt der Tatort-Reihe und für alle, die realistische Comic-Geschichten mögen, ein tolles, spannendes Album aus Deutschland mit urigen Hauptdarstellern. 😀