In der letzten Zeit habe ich die Ausgaben von Spider-Man und Wolverine, die von John Romita Jr. gezeichnet wurden, mit recht großer Begeisterung verfolgt. Dabei ist Junior inzwischen etwas falsch. Zwar ist er der Sohn des legendären John Romita, einem Urgestein bei Marvel, aber als Jahrgang 1956 ist er weit davon entfernt ein Junior zu sein.
Sein zeichnerischer Stil ist im Gegensatz von so penibel ausgeführten Zeichnungen von Terry Dodson oder Jim Lee geradezu hingeworfen. Von Kevin Maguire (X-Men aller Zeiten) will ich gar nicht reden. Er wirkt nicht so elegant, vielleicht ist der Eindruck sogar manchesmal klotzig.
Im Auftakt von Michael J. Straczynski tuscht Scott Hanna Romitas Bilder und gibt ihnen noch etwas Graziles mit. In der neuesten Wolverine-Ausgabe (22) ist der Eindruck eher grob. Inker Klaus Janson macht seinen Job gut, zweifelsohne, aber es ist interessant, wie sich der Eindruck durch zwei verschiedene Inker verschieben kann.
Seltsamerweise habe ich Romita Jrs. Zeichnungen nicht immer gemocht. Eine Zeitlang empfand ich sie sogar als Frechheit.
Im aktuellen Band von Wolverine 22 findet ein Angriff von Superhelden statt (die von Hydra umgedreht wurden). Der folgende Kampf im Shield-Carrier ist für meine Begriffe ungeheuer dynamisch dargestellt. Perspektiven und Bildfolgen zwingen das Auge zu schnellem Überfliegen – na, wenigstens meine Augen, weil ich wissen will, wie es weitergeht. In diesen Szenen muss ich einfach wissen, wie es weitergeht.
Ein ähnliches Beispiel findet sich in Band 19. Hier tritt Elektra gegen Gorgon an. Obwohl Gorgon nicht einfacher gezeichnet sein könnte, ist die Figur einprägsam. Die Kampfszene ist besser geschnitten als manche Szene in einem Kinofilm.
Zuerst war ich skeptisch, ob Romita Jr. und Wolverine zueinander passen, aber er holt verdammt viel aus den Charaktere heraus – obwohl, und das kann ihm auch angekreidet werden, Romitas Figuren sich im Gesicht sehr ähneln. Schwamm drüber, selbst die allerbesten Zeichner wie ein Alex Ross haben ihre Schwachstellen.
Aber es gibt auch Ausnahmen: Fukuko. Hier zeichnet Romita Jr. ein asiatisches Frauengesicht, das mit unglaublich wenigen Strichen auskommt. Ich liebe das.
Apropos Wolverine: Der Abschluss der vorliegenden ersten Episode hat wohl den coolsten Cliffhanger seit langem. Das kleine Gespräch über die Mannstärke von Hydra und den Umstand, was Logan mit ihnen zu tun gedenkt, ist ein Faktum, warum Wolverine so beliebt ist.
(Eine ähnliche coole Szene gab es in jüngerer Zeit nur, als Peter Parker und Logan sich gegenüber stehen und beinahe prügeln. Das Größenverhältnis war einfach putzig.)
Infos zu John Romita Jr.:
Bilder bei Google
Kurzbiographie
Spider-Man von John Romita Jr. im Vergleich zu anderen Zeichnern

Apropos Marvel: eine Frage oder auch Anregung für einen eigenen Eintrag: Was hast Du für eine Meinung/ Erfahrung zu den Ausgaben der Marvel essential und Marvel Masterworks-Reihen?
Ich habe bisher noch nichts davon in der Hand gehabt, aber online schon einiges darüber gelesen und werde wohl mein Glück über ebay versuchen, wenn auch aus finanziellen Gründen eher langfristig. Bei den Essentials habe ich noch etwas Zweifel ob ich mit schwarz-weiß-Ausgaben wirklich zufrieden wäre - auch wenn Masterworks in der Regel sehr teuer sind verzichte ich dann evt. lieber bzw. warte auf günstige Gelegenheiten bei ebay.
Kommentar von nite owl — Montag, 31. Oktober 2005 @ 3:15
Du meinst sicher einmal Marvel Essentials und Masterworks.
Mit beiden habe ich leider keine Erfahrung. Bei ganz alten Marvel-Comics könnten die Essentials aber funktionieren, da hier sehr darauf geachtet wurde, dass sie auch in SW funktionieren.
Eher reizen könnten mich die Masterworks. Bei beiden habe ich mich aber wegen der Preise bisher zurückgehalten.
Ich wünschte mir, Panini würde mehr Marvel-Geschichten im FAZ-Format herausbringen - natürlich mit entsprechendem Umfang und zu diesem Preis, denn das sind in der letzten Zeit wirkliche Comic-Vergnügen.
Kommentar von Michael — Montag, 31. Oktober 2005 @ 19:51