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Comic Blog


Sonntag, 24. Februar 2013

Die Geißeln von Enharma 2 – Das verrückte Volk

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:26

Die Geißeln von Enharma 2 - Das verrückte VolkVor der Nahrungsaufnahme steht die Jagd. Man kann sie elegant bestreiten, als Gestaltwandler in Form einer Raubkatze oder man es sie plump angehen. Mit einer Steinaxt auf hühnergroße Vögel. Von denen nach einem satten Schlag nichts mehr zum Verzehr übrig bleibt. Raulnir schiebt die Schuld für das Jagdversagen gerne beiseite. Da trifft es sich, dass Fanta, die Gestaltwandlerin, erfolgreicher war und die Gruppe dennoch satt wird. In den Ruinen von Sirfall sind die Nöte des Hungers nur noch nebensächlich. Diese versunkene Zivilisation kündet von der Macht des Monsters, einem untoten Drachen, der ein Reich in der Blüte seiner Zeit zugrunde richtete. Welche Chancen sollen da ein paar Söldner haben, wenn es einem ganzen Volk nicht gelang, das Übel aufzuhalten?

Mal ehrlich, wenn es legendäre Auftragsmörder und Söldner gibt, die kaum einer jemals gesehen hat, die aber in aller Munde sind, würde man die Gelegenheit als unbekannter Auftragsmörder und Söldner nutzen, um diese bekannten Identitäten anzunehmen und so Nutzen aus einer gewissen Prominenz zu ziehen? Würde man so etwas tun? Nun, jemand, der intelligent genug ist, um die möglichen Konsequenzen zu erkennen, würde so etwas nicht machen. Glücklicherweise, für den Leser selbstverständlich, sind jene, die sich für Die Geißeln von Enharma ausgeben, nicht ganz so schlau. Allerdings sind sie ebenso rücksichtslos, kaum weniger gewalttätig und wollen wie alle anderen in dieser fremden Welt überleben.

Sylvain Cordurie hat eine Gruppe zusammengestellt, wie sie kaum unterschiedlicher zusammengesetzt sein könnte und sicherlich, neben den Fantasy-Comic-Fans, auch Fantasy-Rollenspieler begeistern sollte. Eine Gestaltwandlerin, ein Zauberer, der mehr schlecht als recht in der Magie bewandert ist, ein Hau-drauf, ein Untoter und ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen gegen den Rest der Welt. Genauer: gegen ein großes Monster, sehr großes Monster und die Plage der Untoten, die damit einher geht. Die Sirfalliten könnten eine Möglichkeit der Gegenwehr kennen, sind aber nicht die besten Verbündeten.

Dieses Volk, von Stephane Crety wie Abkömmlinge von Mandrills gestaltet, mag, urig wie es ist, auch an Pikten erinnern. Gruseliger, sehr modern und in jedem neuen Horrorfilm einsetzbar, sind die geflügelten Ghule, deren Leckerbissen Untote sind, die aber auch gerne selbst für Nachschub sorgen und sich an Lebende heranmachen. Aus einer abenteuerlichen Phase wird so ein toll gezeichnetes, neudeutsch gesagt, Horror-Event. Aber das ist nur der eine Handlungsstrang. Der andere führt dem Leser die Macht des Monsters vor Augen und präsentiert außerdem ein Fahrzeug, das frühe Warcraft-Enthusiasten ebenfalls Vergleiche ziehen lassen wird.

Ein walähnliches Wesen, mit einem Aufsatz auf dem Rücken, der eine Besatzung aufnehmen kann, dient zur Flucht aus einer umkämpften Stadt. Das letzte Drittel des zweiten Teils dieser Trilogie ist eine infernalische Sequenz, die keine Zeit zum Luftholen lässt. Eine optische Achterbahnfahrt entlockt den Helden letzte Kraftanstrengungen, die vorführen, wie gut sie es dann doch noch gelernt haben, sich als Gruppe durchzusetzen. Dabei wissen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie sehr bald alle ihre Kräfte noch brauchen werden. Die Farbenpracht, von Simon Champelovier aufgetragen, verwendet eine zurückhaltende Palette, lasierend, auf Natürlichkeit bedacht. Die Qualität des Titelbildes findet sich auf dem selben Niveau im Innenteil wieder.

Eine sehr gelungene Fortsetzung einer Halunkengeschichte im Fantasy-Milieu. Neben Abenteueratmosphäre findet sich Horror und eine sehr dichte Weltuntergangsstimmung. Spannend erzählt, von Stephane Crety mit sehr eigenem Stil gezeichnet. Fein. 🙂

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Donnerstag, 22. Dezember 2011

Barracuda 2 – Narben

Filed under: Abenteuer — Michael um 12:43

Barracuda 2 - NarbenDer junge Mann erkennt die Frau sofort wieder. Sie hat Schuld daran, dass er nicht mit seinem Vater auf See sein kann, sondern auf dieser Insel im Müßiggang auf die Rückkehr des Schiffes warten muss. Er greift sich die nächstbeste Waffe, übersieht sogar die Pracht seiner Umgebung, rennt an den Strand, um dort regelrecht übermannt zu werden und seine Rachsucht erstickt zu sehen. Alles wegen einer Frau, wegen der Frau, gegen die nicht nur er machtlos ist.

Hass ist die treibende Kraft. Liebe spielt eher eine untergeordnete Rolle. Allenfalls Leidenschaft spornt die einzelnen Menschen, jeden auf seine Weise, an. Entstand zu Beginn der Reihe noch das Gefühl, als sei des Piraten oberstes Gebot, Reichtum zu mehren und deshalb Schiffe zu überfallen, wandelt sich dieses Bild mit der Fortsetzung gehörig. Jeder einzelne Charakter trachtet nach seiner persönlichen Rache. Dona del Scuebo, die als Sklavin verkauft wurde, frönt ihrer Rache täglich, indem sie ihren Herrn erniedrigt und zum Gespött macht. Andere müssen noch ein wenig warten, bis sie am Ziel dieser Wünsche sind. Mit der Landung des Kapitäns Morkam (siehe Titelbild) setzt sich eine immer schneller ablaufende Spirale in Gang.

Feinde treffen wieder aufeinander: Autor Jean Dufaux entschlüsselt einige Motivationen seiner Figuren. Manche sind edler Natur, aber nicht uneigennützig. Die meisten wollen ein Ziel erreichen und verletzen auf diesem Weg mit Worten und Waffen. Nur wenige halten sich vornehm im Hintergrund und harren der Dinge, die da bald ausbrechen werden. Dufaux betitelt die zweite Folge mit Narben. Ebenso gut hätte er es Tanz auf dem Vulkan nennen können.

Das Netz aus Begierden und Abstoßung wird von Jeremy weiterhin brillant in Szene gesetzt. Es wirkt wie eine Vervollkommnung eines Manga-Stils, mit mehr Nuancen allerdings. Beste Beispiele sind die Figuren von Mr. Flynn und seines Mündels, die auch in entsprechenden Manga-Genreproduktionen eine herausragende Stellung einnehmen würden. Neben der sehr realistischen Darstellung von Menschen lebt die Geschichte von einer sehr schön gestalteten Ausstattung, modischen Ansichten jener Epoche und natürlich dem Flair einer karibischen Insel, die jedoch nur oberflächlich eine Idylle ist.

Doch bevor es in die Wildnis geht, überrascht Jeremy mit den Spitzen der Zivilisation jener Tage, die sich besonders in Gotteshäusern äußerte. In aller Pracht zeigt uns der Künstler den spanischen König vor einer Altarwand, im Gebet versunken, bevor die Handlung, weitaus gruseliger, an ein Totenbett fortschreitet und den Grundstein für spätere Ereignisse gelegt werden. Eindringlich lassen sich diese Bilder nennen, die das Piratengenre hervorragend aufgreifen. Sie besitzen auch ein romantisches Element, ein furchtbares und nehmen, moderne Stoffe kommen selten ohne aus, eine sexuelle Komponente hinzu, die mal mehr, mal weniger stark thematisiert wird.

Das Finale soll hier natürlich nicht verraten werden. Dennoch verdient es eine ausdrücklich Erwähnung, da es optisch wie erzählerisch höchst gelungen, spannend inszeniert und ineinander verschachtelt ist. Hier haben sich Dufaux und Jeremy zweifellos von filmischen Techniken inspirieren lassen. Der Eindruck ist sicherlich modern zu nennen, aber auch passend, der der Szenerie Schnelligkeit verliehen wird, ohne den Leser zu hetzen. Im Gegenteil fügt Dufaux auch bremsende Elemente ein, die zum Schmunzeln einladen, während es parallel dazu um Leben und Tod geht. Damit trifft Dufaux jedoch das Herz vieler Piratenerzählungen.

Weiterhin packend erzählt: Dufaux präsentiert Einzelschicksale, Rachegeschichten und baut im Hintergrund an politischen Plänen, von denen einige Charaktere noch nicht einmal ahnen können, dass sie darin verstrickt werden. Bestens und mit viel Liebe zum Genre von Jeremy illustriert. 🙂

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Sonntag, 29. Mai 2011

Missi Dominici 2 – Tod

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:44

Missi Dominici 2 - TodMalassah will Blut sehen. Noch gibt es genügend Gefangene und Sklaven, die dem finsteren Gott, einem Feind des Christengottes geopfert werden können. Mehr noch: Für jeden getöteten Krieger der Liven soll ein Gefangener sterben. Durch die Hilfe ihres Gottes wie auch seines Sohnes Jelami, einem irdischen Jungen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten wollen sie die Germanen besiegen. Langsam wachsen in Jelami jedoch Zweifel an seiner Funktion. Er sieht das Grauen der Opferzeremonien und verfolgt die Gräueltaten mit immer größerem Abscheu. In der Tat ist der Junge für die Männer, die hinter den Kulissen ihre Fäden ziehen, nur ein Werkzeug. Und noch haben sie genug Macht über ihn, um ihre Ziele weiterzuverfolgen.

Es tobt ein geheimer Krieg, hinter dem Krieg. Diejenigen, die mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet wurden, bedienen sich der Normalsterblichen für ihre Zwecke. Aber manchmal ist es auch genau umgekehrt. Wenn die Normalsterblichen doch eine besondere Fähigkeit besitzen, nämlich jene, die Vertrauen haben, zu überzeugen, zu täuschen. Die beiden Ritter der Missi Dominici, jener Geheimorganisation, die danach trachtet, alle jene mit besonderen Fähigkeiten unter ihrem Mantel zu vereinen, sucht jene, gerade junge Menschen, die noch nicht wissen, dass sie gesegnet sind, um sie nicht zum Werkzeug des Bösen werden zu lassen. Aber nicht alle wollen ihre jeweilige Macht für das Gute einsetzen.

Gemäß des Prinzips der Gegensätze gibt es auch eine Gruppe, die ihre Macht nur zu ihrem eigenen Nutzen einsetzt. Diese Konstellation zeigte Autor Thierry Gloris in der ersten Ausgabe von Missi Dominici und beleuchtet nun neben dem Fortgang der Handlung insbesondere die Vergangenheit des Ritters Wolfram, der sich bisher durch großen Kampfgeist und Mut hervortat und dabei gleichzeitig ein ziemliches Raubein war. Gloris erschafft einen von Gott verlassenen Mann, dessen Kindheit ein Alptraum war, der nur das Überleben gelernt hat und am Ende zu dem wird, was er gefürchtet und verabscheut hat.

Thierry Gloris lässt seinen Helden jedoch nicht ins Leere laufen, sondern schafft einen Wendepunkt. Das neue Leben wird ungewohnt und zunächst wieder mühevoll, aber schließlich dankbarer. Die Rückblicke, wie der gesamte Band von Benoit Dellac gezeichnet, werden in seinem Sepiaton von Anouk Bell koloriert. Diese episodenhaft eingestreuten Eindrücke von Wolframs Vergangenheit sind einerseits in Form einer mittelalterlichen Realität erzählt, andererseits rücken die mysteriösen Aspekte immer mehr in den Vordergrund.

Die Missi Dominici trachten nach Erweiterung ihres Verbundes. Als die beiden Helden ihr Ziel erreichen, kann auch der weitaus jüngere Mann des Duos, de Guivre, seine Fertigkeiten zeigen. Wieder einmal geht es in die Vergangenheit, in geisterhaftes Blau getaucht. Und Thierry Gloris lässt seine Helden scheitern. Mit fortschreitender Geschichte wird die Handlung nicht nur unheimlicher, auch gruseliger, sondern nimmt auch mehr Fahrt auf. Ob Gloris Vorbilder bei anderen Erzählern findet, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, manche Szene kann jedoch als eine Art Hommage gedeutet werden.

Benoit Dellac versteht sich auf eine klassische grafische Darstellung im Stile eines oder auch eines . Männliche Figuren sind sehr markant gezeichnet, Frauenfiguren wirken stilistisch allerdings eher wie an Mangadarstellungen angelehnt. Die Technik ist abwechslungsreich. Fette, sehr dichte Strichführungen finden sich ebenso wie leichte, zerbrechliche. Benoit Dellac trägt dabei auch der jeweiligen Stimmung Rechnung, wie sich besonders an einem geisterhaften Rückblick ablesen lässt. Leider kommt es zu selten zu sehr raumgreifenden Bildern, halbseitig oder größer, denn hier kann Benoit Dellac richtig aus dem Vollen schöpfen und sein Talent für Breitwandbildkompositionen beweisen.

Spannend von Anfang bis Ende, ein echter Seitenumblätterer. Mittelalterliches Szenario gepaart mit Mystery, aus der nach und nach eine handfeste Gruselgeschichte wird, mit ein wenig Indiana-Jones-Atmosphäre. 🙂

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Mittwoch, 26. Januar 2011

Dede 1 – Sind Sie tot, Madame?

Filed under: Cartoon — Michael um 12:51

Dede 1 - Sind Sie tot, Madame?Sind Sie tot, Madame? Die Antwort auf diese Frage erhält Detektiv Deschamps, kurz Dede, natürlich nicht mehr von der vor ihm im Sesselsitzenden alten Frau. Denn die ist tatsächlich verstorben. Wann und wie entzieht sich seiner Kenntnis. Dede ist noch voller Verwunderung, als eine mysteriöse Anruferin ihn zu einer weiteren Adresse schickt. Wieder erwartet ihn eine Tote, in entspannter Haltung, von Verwesung keine Spur. Es ist nicht so, als würde Dede seinen Beruf nicht mögen, schließlich lebt er davon. Aber in die Irre geführt, vielleicht auch zum Narren gehalten zu werden, übersteigt seine Geduld. Doch seine Auftraggeberin gibt nicht auf. Und so ist er am nächsten Tag wieder bei der Arbeit und folgt auf der merkwürdigen Spur.

Ein neuer Ermittler betritt die Szene: Dede. In Paris, Dede beweist es einmal mehr, weiß man das Leben zu lieben und Gemütlichkeit, eine Partie Schach, ein Glas Wein gehören einfach dazu. Aus dieser Gemütlichkeit wird Dede gleich zu Beginn herausgerissen. Seine Zielorte besitzen gleichfalls eine gewisse Gemütlichkeit, nur die Belebtheit fehlt ihnen.

Frank Erik Weißmüller, kurz Erik, versetzt den klassischen Detektiven mit Trenchcoat in die Neuzeit. Dede ist ein wenig schnodderig, natürlich kennt er die Menschen, so wie Detektive nun einmal die Menschen kennen. Überrascht ist er aber doch hin und wieder. Dieser Fall gehört dazu. Hier geht es nicht um das große Geheimnis, hier geht es um Menschen, die sehr egoistisch handeln und dafür über Leichen gehen. Ein ebenso klassischer Mordfall eben.

Erik erzählt den Krimi mit Gespür für Humor. Die Blicke in die Gesichter der Toten, die den Detektiven immer anzugrinsen scheinen, der kleine Junge, der Dede aufhält, ein gruseliger Traum lockern auf und bilden schöne Zwischenschritte hin zu einem ausgedehnten Finale, wie es sich für einen Krimi gehört. Grafisch entwirft Erik seine Bilder und Seiten klassisch per Bleistift (wie sich auch wunderbar anhand der Skizzen seines Webcomics DEAE EX MACHINA sehen lässt). Über die Tuschearbeit erfolgt allerdings eine leichte Abstrahierung. Der Tuscheauftrag wirkt verspielt, wellig. Was sich in der Skizze sehr geschlossen ausgenommen haben mag, sieht in der getuschten Fassung zusammengesetzt, konstruiert, auch sehr kühl aus. Daraus entsteht eine Atmosphäre, wie sie aus alten in schwarzweiß gefilmten französischen Krimis her bekannt ist und hier etwas parodiert wird.

Die Kolorierung ist sehr zurückhaltend ausgeführt und nimmt eine enge Farbpalette in Anspruch. So kühl die Konstruktion der Zeichnungen durch die Tusche wirkt, so sehr unterstützen die Farben diesen Eindruck. Ocker, kaltes Grau und Braun, ein sehr helles Gelb, blasses Blau und Rot geben der Szenerie ein nächtliches Ambiente, selbst in den Tagesszenen. Eine Schattierungstönung oder auch ein Lichtauftrag jeweils genügen zur räumlichen Gestaltung.

Ein vergnüglicher Auftakt mit einem knurrigen jungen Detektiven aus Paris. Das Flair von Klassikern des Genres verbunden mit francobelgischem Humor und technisch versierten Zeichnungen. Das passt! 🙂

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Link: Eriks DEAE EX MACHINA (Webcomic)

Freitag, 18. Juni 2010

Hellboy – Baba Jaga, Sarg in Ketten, Köpfe

Filed under: Comics im Hörspiel — Michael um 10:22

Hellboy - Baba Jaga, Sarg in Ketten, KöpfeHellboy mag es nicht, wenn Kindern ein Leid geschieht. Die Legende um die Baba Jaga, die Hexe, die nächtens über die Friedhöfe streift und die Ruhe verstorbener Kinder stört, passt nicht in sein Konzept eines friedlichen Miteinanders. Sein Eingreifen zieht aber nicht nur Gutes nach sich. Anders in Japan: Hellboy hörte von Dämonen, die in einem finsteren und einsam gelegenen Haus ihr Unwesen treiben. Als sich der Welt bester paranormaler Ermittler auf den Weg macht, um diesem Spuk eine Ende zu bereiten, findet er allerdings nur ein Gasthaus vor, dessen Wirt ihn mit der üblichen japanischen Höflichkeit empfängt. Auch die anderen Gäste freuen sich über seine Ankunft. Vielleicht sogar ein wenig zu sehr …

Auf den Hellboy-Fan warten gleich drei Kurzgeschichten, gewohnt gut umgesetzt. Hellboy, der weltbeste paranormale Ermittler hat wieder alle Hände, auch die steinerne, voll zu tun. Die Geschichten um Hellboy haben den Charme der Unterschiedlichkeit. Mike Mignola macht immer wieder Ausflüge in mystische Gefilde, die von anderen Gruselautoren vernachlässigt oder komplett übergangen wurden. Russland, Japan, England. Länder, deren Mystik verschiedener nicht sein könnte. Ein anderer Autor hätte von der Baba Jaga die Finger gelassen, jener Hexengestalt, die in einem überdimensionalen Mörser durch die Luft reitet und sich mit einem Stößel abstößt.

Dergleichen könnte sich nicht nur völlig verrückt lesen, sondern auch anhören. Das geschieht jedoch in beiden Fällen nicht, denn die Inszenierung um die Baba Jaga besitzt einerseits das wunderbar Skurrile, andererseits besitzt es auch genug Action und das besondere Unheimliche, das der Welt von Hellboy anhaftet. Tilo Schmitz, Sprecher des Hellboy, hat die nötige Tiefe in seiner Stimme, um einen 2,13 Meter großen paranormalen Ermittler zu sprechen. Er kann aber auch das ebenso große Herz, den Übermut, die ebenso große Klappe und den noch viel größeren Humor von Hellboy ausgezeichnet spielen.

Das beweist er mit der Folge um die japanischen Dämonen. Seltsamer könnte ein Fall kaum sein (und Hellboy hat viele seltsame Fälle erlebt): Köpfe. Das ist eigentlich unmissverständlich und trotzdem eine Überraschung. Da die einzelnen Episoden relativ kurz sind in diesem Hörspiel, eine Umsetzung eines Teils einer hierzulande erschienenen Comic-Ausgabe, soll hier nicht zu viel verraten werden. Wichtig allerdings zu erwähnen, ist die Spiellaune der japanischen Dämonen. John Ment, Bernd Hölscher, Philipp Otto und Uwe Hügle können hier so richtig über die Stränge schlagen. Es ist herrlich zu hören, wenn Schauspieler einmal abseits aller Realität in Figuren eintauchen dürfen.

Bernd Hölscher und Uwe Hügle dürften Fantasy-Fans als Wulfgar und Bruenor aus Drizzt bekannt sein, entsprechend dürfte der Unterschied in den Stimmen auffallen.

Abschließend heißt es: Sarg in Ketten. In England ist es eindeutig gruseliger als anderswo. Das liegt nicht nur am Land selbst, sondern auch an Hellboys Vergangenheit. Ganz in der Nähe kam er auf die Welt, aber die letzten Geheimnisse um seine Herkunft sind immer noch nicht geklärt. Diese Episode von der Gruselstimmung her die stärkste, für einen nichteingeweihten Neuhörer aber auch bestimmt die unverständlichste. Sarg in Ketten beweist, dass Hellboy eine Serie zum Dranbleiben ist, egal ob als Comic oder Hörspiel.

Ein schönes Zwischenspiel für Gruselfreunde, insbesondere aber für Fans von Hellboy, der es hier wieder einmal krachen lässt. Wie in den bisherigen Folgen auch stimmt wieder das Kino-im-Kopf-Gefühl, eine Vorkenntnis vorheriger Ereignisse und Charaktere ist jedoch wichtig, um das richtige Hellboy-Gefühl zu bekommen. 🙂

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Montag, 28. September 2009

Der dunkle Turm 2

Filed under: Mystery — Michael um 19:48

Der dunkle Turm 2 - Der lange HeimwegDer König wartet schon. Ein gigantischer Vogel trägt Roland zur Audienz und wird auf höchst ungewöhnliche Art begrüßt. Damit hat Roland nicht gerechnet. Der unheimliche Herrscher mit den Spinnenarmen und der schwarzen Haut schmeichelt Roland, schlägt gar ein Bündnis vor. Vieles von dem, was für Roland bisher selbstverständlich war und was er zu wissen glaubte, ist plötzlich in Frage gestellt. Aber nur kurz, denn die Folterqualen, die Roland wenig später aushalten muss, zeugen von der wahren Natur des scharlachroten Königs.

Das Grafik-Team, Jae Lee und Richard Isanove, schafft es etwas ganz Außergewöhnliches: Die Mischung aus klassischer Kunst und moderner Technik. Wer sich manches Bild betrachtet, kann bei Vergleichen zu dem Schluss kommen, dass Lee und Isanove die alte Schule kennen. Sollte das nicht der Fall sein, könnten sie sich ohne Frage in diese alte Schule einreihen, obwohl sie sich modernster Zeichnungsumsetzung und Kolorierung bedienen.

Wer sich alte Bilder betrachtet, großformatige Wandgemälde sogenannter alter Meister, dem wird zweifellos das Spiel mit der Kleidung auffallen. Ebenso finden sich großartig angelegte Faltenwürfe in mamornen Statuen, wie sie zur Zeit von Michelangelo entstanden. Lee und Isanove spielen weltmeisterlich mit Falten. Bei ihnen werden sie beinahe zur Landschaft, besitzen geradezu organische Strukturen und gewinnen außerordentlich an Volumen. Die Falten, Hubbel, Erhebungen werden auf Körper, menschliche, tierische und pflanzliche fortgesetzt, so dass sich die Bilder dem Betrachter ein wenig entgegenwölben und eine hohe Plastizität ausstrahlen. Besonders in den großformatigen Bildern, die gleich eine ganze Seite einnehmen, ist dieser Effekt besonders deutlich.

Aus einem Raben wird Marten Broadcloak, der Mann, den der junge Revolvermann Roland über die Maßen hasst. Ein Rabe, eine teuflische Personifizierung (immer gerne als Bösewichtvogel genommen wie in Die Vögel oder Omen II), könnte dank der vergrößerten Ansicht des Auges auch eine schwarze Explosion genannt werden. Selbst in einzelnen Bildern schwankt der Eindruck von Bewegung und Statik. Der Blick rast auf das Auge zu, springt hinüber zur Gesamtansicht des Raben. Nur eine Seite weiter enthüllt sich die wahre Natur des Tiers: Marten Broadcloak. Der Magier wird mit seinem wehenden Umhang seinem Namen völlig gerecht. Unter einem verkommen aussehenden Kleidungsstück, das sich wie eine Felswand auftürmt, verrät ein bloßes Bein die schwammige Nacktheit des Mannes darunter. Der rötliche Dunst im Vordergrund, der nicht minder rote Hintergrund, durchzuckt von einem Blitz ist Atmosphäre pur und steht exemplarisch für ein durchgehend dichtes Erscheinungsbild, das einem Bühnenbildner eingefallen sein könnte.

Wie der Titel es schon andeutet (Der lange Heimweg), handelt es sich um die Geschichte einer Reise. Und die Geschichte einer Flucht. Ähnlich wie in Der Talisman (einem Roman, an dem Stephen King auch beteiligt war) bewegt sich der Leser hier durch zwei Welten und eine ist gruseliger als die andere. Normalerweise strahlt Rolands Welt schon genug Fremdheit aus. Durch die Fantasien, die Roland in seinem Fieberwahn erleben muss, verdoppelt sich nicht nur der optische Hindernislauf. Die Dramatik, die sich alleine in einzelnen Szenen findet (die beschriebene Szene ist vergleichsweise harmlos und wird grafisch noch durch manch andere Szene überflügelt), lässt die Atmung ebenso schneller werden wie ein rasanter Action-Film oder Mystery-Thriller.

Ob es die Schwierigkeiten sind, die sich bei der Überquerung über eine Hängebrücke mit einem Pferd im Schlepptau ergeben. Ob es der Kampf mit einem Marten Broadcloak ist oder die Begegnung mit dem scharlachroten König selbst: Die Szenen atmen Theatralik und Horror wie auch eine derbe, dunkle und auch schwermütig zu nennende Fantasy, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist, aber mit Sicherheit eine gewisse Einmaligkeit mitbringt.

Für Fans des Dunklen Turms wird die Lektüre der Romanreihe mit diesem zweiten Comic um einige Antworten bereichert, doch bestimmt nicht um alle. Der maßgebliche Stephen King, die beratende Robin Furth und der adaptierende Peter David bewegen sich hier in einer surrealistischen Welt, die Seite an Seite mit einem Salvador Dali entstanden sein könnte. Der Anhang, der eine fast ebenso große Seitenzahl wie die eigentliche Erzählung beansprucht, liefert nicht nur weitere Hintergrundinformationen zur Welt des Dunklen Turms, sondern auch zum Projekt selbst.

Eine tolle Fortsetzung. Zum Verständnis ist die Lektüre des ersten Teils Pflicht, aber es ist damit zu rechnen, dass insbesondere Fans des Dunklen Turms hier zugreifen, deshalb ist höchstwahrscheinlich Vorwissen vorhanden. Ein sehr umfangreiches wie auch inhaltsreiches Projekt dunkler Fantasy mit einer grafisch herausragenden Umsetzung. Für Fans absolut empfehlenswert, alle anderen sollten sich erst einmal Vorschauseiten ansehen und über dieses einzigartige Werk Kings weitergehend informieren. 🙂

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Samstag, 29. August 2009

Okko 2 – Das Buch der Erde

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:26

Okko 2 - Das Buch der ErdeDie Frau, die in dem kleinen natürlichen Tümpel ein Bad nimmt, sieht wunderschön aus. Obwohl ein Makel diese Schönheit stört, ihr fehlt ein Arm, können die Männer nicht den Blick abwenden. Setzuka bemerkt die versteckten Männer bald. Sie erwidert die Blicke der ungebetenen Besucher stoisch. Nichts scheint ihre beherrschung durchbrechen zu können. Kurz darauf, Okko und seine kleine Gruppe wurden unter Setzukas Dach eingeladen, erfolgen wenig freundschaftliche Gespräche. Aber das alles spielt bald auch keine Rolle mehr. Das Lager wird angegriffen. Aus den Kriegern, die offensichtlich nicht viel füreinander erübrigen können, werden zwangsweise Verbündete: Die Toten greifen an!

Wer die opulenten chinesischen Kinoepen mag, wird Okko lieben. Autor und Zeichner Hub hat hier eine Geschichte geschaffen, die nicht nur von ihrer Andersartigkeit und Abenteuerlichkeit lebt. Sie dreht sich auch wie eine Spirale in immer größere Höhen, mit immer neuen Überraschungen, mit fein gesponnen phantastischen Elementen und einer Gruppe, die sich aus gut aufeinander abgestimmten Charakteren zusammensetzt.

Wer hier genauer hinsieht, wird natürlich gleich Parallelen zu Rollenspielen gleich welcher Art herstellen. Aber auch zu Ur-Gruppen wie den Mannen um einen Robin Hood lassen sich Verbindungen herstellen. Ein Anführer, ein riesenhafter Kämpfer, ein Mönch und sein Lehrling und brandneu dabei: Eine schlagfertige Frau, die sich in der unwirtlichen Gegend, der Kulisse dieses Abenteuers, auskennt. Die Aufgabe, die sich Okko, der herrenlose Samurai und Anführer, selbst gestellt hat, ist das Auffinden und Bestrafen zweier seltsamer Mönche, die das Zeichen des Raben benutzen.

Leider scheint niemand einen Orden mit diesem Zeichen zu kennen. In den Bergen existieren sieben Klöster. Trotz der widrigen Wetterumstände will Okko alle Klöster besuchen, um den Orden zu finden. Hub, der das Szenario alleine geschrieben hat und nur bei dem Storyboard mit Emmanuel Michalak zusammenarbeitete, schafft nicht nur ein sehr düsteres Abenteuer, sondern auch eine sehr lebensfeindliche Welt, die den Protagonisten alles (wirklich alles) abverlangt. Hier entsteht sehr schnell eine endzeitliche Stimmung. Die Wege, die gezeigt werden, sind lang, schmal, zerklüftet. An jeder Ecke atmet es Beschwerlichkeit.

Die Landschaft stellt sich gegen die Helden, aber auch andere Schwierigkeiten warten. Hier wird es weitaus phantastischer und gruseliger. Dämonen und lebende Tote greifen die Helden an, wunderbar phantasievoll gestaltet. Sie sind das Gegenstück zum riesigen Noburo, dessen Gesicht immer von einer dämonischen Maske verdeckt wird. Hub umgibt seine Helden mit Rätseln, er hält sie undurchsichtig, obwohl sie zu den Guten gehören. So sind die Fähigkeiten von Noburo faszinierend. Im Kampf ist er ein Gigant. Er steckt Verletzungen weg. Hinter der Maske kann sich der Leser regelrecht eine brummige, fast schon leidenschaftslose Stimme vorstellen.

Eine schöne Idee ist Nuuk, ein Nezumi (eine Ratte, die durch jahrelange Dressur sogar leidliches Sprechen gelernt hat). Nuuk ist eines jener Elemente in einer Handlung, die zunächst nettes Beiwerk sind, sich aber als I-Tüpfelchen entpuppen, indem sie zur rechten Zeit am rechten Ort zur Warnung oder als Triebfeder dienen.

Stephane Pelayo unterstützt Hub bei der Kolorierung. Die Farben sind um Düsternis bemüht. Lila, dunkles Blau, Ocker, dunkles Türkis und kaltes Braun stehen allenfalls einem dunklen Rot und einem mehr oder minder leuchtenden Orange gegenüber. Zuerst werden Kämpfe, kleine Auseinandersetzungen gestaltet, später sind es Scharmützel, bis im Finale eine ausgewachsene Schlacht daraus, die wider Erwarten am Tage stattfindet und trotzdem einen düsteren Eindruck hinterlässt. Denn der Feind greift in der gleichen Farbe wie der staubige, unfruchtbare Boden an. Diese Bilder reichert Hub mit kleinen Details an. Massenszenen und Breitwandbilder liegen ihm. Hier agiert er wie ein Regisseur, der nicht kleckern, sondern klotzen will.

In allen Belangen, auf der Erzählebene wie auch auf der grafischen Ebene, wunderbar gemacht, für Fans chinesischer Fantasy perfekt. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite (eher lässt es sich nicht weglegen), mit einem sehr dunklen Flair umgesetzt. Noch besser als der erste Teil (dessen Lektüre nicht Pflicht ist, aber es steigert den Lesegenuss). 🙂

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Montag, 11. Mai 2009

Kreuzzug 1 – Simoun Dja

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:55

Kreuzzug 1 - Simoun DjaGunther von Flandern ist bereit für seine Überzeugung, seinen Ruf und seine Ehefrau zu opfern. So, wie es von den anderen Kriegern um ihn herum bestimmt wird, kann er sich nicht dem Kampf anschließen. Zu planlos, ja, auch sinnlos erscheint ihm dieses Vorgehen. Gunther unterzieht sich einer Prüfung. Er kann nicht ahnen, dass das Böse längst Einzug gehalten hat und auf beiden Seiten der Kriegsparteien seine Anhänger sucht.

Acht Kreuzzüge hat die Geschichte gesehen, sieht man einmal vom unglückseligen Kinderkreuzzug ab. Der Kreuzzug, den Jean Dufaux hier beschreibt, gehört nicht zur Historie und bedient sich jener Epoche, um eine phantastische Handlung zu erzählen. In jener Zeit, in der man noch an Geister, Dämonen und Hexen glaubte, galt das Sinnen und Streben zur Eroberung des Heiligen Landes nur vordergründig als hehres Ziel. In Wahrheit ging es nur um Macht und Geld. Viele, die in der Heimat nichts zu verlieren hatten, versuchten lieber in der Ferne unter der Bürde des Kreuzes ihr Glück und verloren letztlich auch noch ihr Leben.

Dufaux lässt diese Bereiche nicht unbesehen, aber er verfährt auf ungewöhnliche Weise mit ihnen, indem er das phantastische Element einbringt. Gleich zu Beginn wird der Leser Zeuge einer eher ungewöhnlichen Szene. Eine junge Frau gelangt zu einem einsam gelegenen Gebäude mitten in der Wüste. Sie empfängt von einer anderen Frau, fast ein Geist, einen Spiegel. Kurz erwehrt sie sich eines Angreifers und tötet ihn.
Die Szene ist seltsam genug und sie wird im Nachhall noch seltsamer, als der vermeintlich tote Angreifer später wieder die Handlung betritt.

Das Heilige Land wird von Dufaux als Horrorvision angelegt. Beide religiöse Seiten, die christliche wie auch die muslimische, haben einige recht furchtbar anmutende Ansichten zu bieten, im wahrsten Sinne des Wortes. An der Seite von Sultan Ab’Dul Rasim wird der Leser zum Mufti von Alkar geleitet, einem weisen, asketischen Mann, der auf einem Hügel aus Totenschädeln thront. Dieser Anblick steht im direkten Kontrast zu der Wärme und der Pracht der nächtlichen Szenerie auf den Straßen der Stadt. Und Dufaux gibt seinem Zeichner Philippe Xavier noch mehr Gegensätze dieser Art vor. Er geizt nicht mit Scheußlichkeiten, verdeutlicht immer wieder die andere Zeit und ihre Härte sowie das Furchtbare eines Krieges, der mit Schwertern und Pfeilen geführt wurde.

Krieg: Ein I-Tüpfelchen ist eine ausklappbare Vierfachseite, die in ihren Ausmaßen besondere Gestaltungsmöglichkeiten zulässt. Dadurch erhält die Geschichte, die eine sehr cineastische Erzählweise an den Tag legt, ein noch größeres Kinoflair. Krieg ist auch der Faktor, der die guten Charaktere zum Handeln zwingt. Während jene, die den Krieg suchen, ihn antreiben, von ihm aufgerieben werden, gehen jene, die ihn aufhalten wollen, andere Weg. Gunther von Flandern, wegen seines Handelns bei den seinen als Feigling verschrieen, produziert leider auch einen gemeinen Cliffhanger, denn just in dem Moment, als man als Leser sämtliche geheimnisvollen Anspielungen angenommen hat, bleibt einem nichts anderes übrig, als die Fortsetzung zu erwarten.

Philippe Xavier zeichnet kühle Bilder. Es sind Traumgestalten, etwas zu schön, um wahr zu sein. Die jungen Frauen sind ein wenig ätherisch anmutend einerseits, aber auch stets an der Grenze zum Vollweib, mit den Rundungen dort, wo sie hingehören. Die männlichen Figuren sind ähnliche Modelltypen, wie Schauspieler. So fühlt man sich (vor allem als Kinogänger) an Filme wie Troja oder, naheliegender noch, Königreich der Himmel erinnert. Bei älteren Charakteren gönnt sich Xavier mehr Freiheiten. Hier kann er aus dem gewohnten Muster ausbrechen und mehr spielen. Unterschiedliche Gesichtszüge, Doppelkinn, Bärte oder Falten, im Alter werden die Gesichter individueller, ein Merkmal, das bei den jungen Figuren außer Acht bleibt.

Bei aller Schönheit bildet das Kriegsgeschehen, der Kampf und die Gewalt das genaue optische Gegenteil. Visionen und Halluzinationen, grausamer Art, wie sie ein Robert von Tarent sie empfängt, sind eines Horrorromans würdig und könnten hier grafisch auch einem Berni Wrightson entsprungen sein. Die sonstige Optik mit ihrer Kühle (vielleicht hervorgerufen durch die häufig sehr starren Augenpartien) erinnert an einen Paul Gulacy (James Bond: Serpent’s Tooth, Conan). Darüber hinaus bietet das Titelbild ein gutes Indiz für die Qualität des gesamten Bandes, denn diese steht außer Frage.

Eine gruseliger Auftakt, voller Mythen, Geister und Dämonen. Beiderseits der Schlachten und Intrigen werden Männer und Frauen immer wieder gefordert und versucht. Jean Dufaux verwendet den Hintergrund der Kreuzzüge für ein ganz eigenes Epos über seelische Abgründe und jenseitige Kreaturen, denen der Glaube nichts gilt. 🙂

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Mittwoch, 11. März 2009

IRON MAN 1 – Die fünf Albträume

Filed under: Superhelden — Michael um 17:15

IRON MAN 1 - Die fünf AlbträumeTabora in Tansania. Es ist eine kleine Stadt. Sie ist ihren Bewohnern eine Heimat, aber sie ist nichts besonderes. An dem Tag, als die drei Attentäter ihren Wagen mitten unter den Passanten anhalten und sich in die Luft sprengen, ändert sich das. Iron Man befindet sich zu diesem Zeitpunkt im All und repariert eine Raumstation. Wieder auf dem Boden hofft er als Tony Stark auf einige Momente der Entspannung, aber er sieht sich getäuscht. Das Attentat hat wegen seiner Sprengkraft nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die verwendete Technik ist verdächtig. SHIELD schaltet sich ein.

Unterdessen spricht Ezekiel Stane bei dem Vorstand von Jones-Reynolds-Jones vor. Zwar hat er keine Waffe dabei, gefährlich ist er dennoch. Stane braucht keine Waffe. Der junge Mann hat inzwischen derart viele Modifikationen an seinem eigenen Körper vorgenommen, dass sein Körper zur Waffe geworden ist. Für ihn gibt es nur ein Ziel: Er möchte ein verbesserter Iron Man werden, eine Art Iron Man 2.0.

Nach dem Erfolg des Kinofilms um den Industriellen Tony Stark und seinen Werdegang zu einem der bekanntesten Superhelden des Marvel-Universums kehrt der Eiserne nun auch mit einer neuen Comic-Serie zurück. Tony Stark ist hier Direktor von SHIELD und er ist IRON MAN. Ein Posten wäre schon aufreibend genug, beide gehen an die Substanz. Tony würde gerne Teile seines Playboy-Lebens zurückholen, allein die Zeit ist viel zu knapp dafür.

Matt Fraction, ein junger Wilder im Comic-Gewerbe, sozusagen ein Shooting Star unter den Comic-Autoren, hat sich mit diversen Publikationen einen Namen gemacht. Neben IRON MAN schrieb er auch für X-Men, Spider-Man oder Punisher. Mit einigen One Shots für Thor fiel er besonders auf. Nun widmet er sich IRON MAN und verdammt ihn prompt zum alten Eisen. Die Technik geht weiter, evolutionär könnte man sagen. Der Sohn seines alten Feindes Obadiah Stane, Ezekiel (sehr prophetisch), macht sich Tonys Technik zunutze und verbessert sie. Zwar hat Tony seit der Entstehung seines Alter Egos IRON MAN selbst viele Verbesserungen erfahren, aber nie waren sie derart drastisch, wie es sein neuer Feind anstrebt.

Fraction holt außerdem Terroristen wieder als Gegner hervor. Jüngst nach dem 11. September 2001 wurden sie stark im Marvel-Universum thematisiert. Der Anschlag selber fand Erwähnung, aber z.B. auch Captain America trat Attentätern auf verschiedene Weise entgegen. Der Civil War griff die Thematik von terroristischen Anschlägen ebenfalls auf, immerhin kostete ein Anschlag sogar Cap das Leben. IRON MAN nennt sie Genozid Guerillas, hauptsächlich Männer, die zu lebenden Bomben werden.

Ein Paradebeispiel dieses Szenarios, gezeichnet von einem der Ausnahmekünstler im Comic-Gewerbe: Salvador Larroca, findet in Manila auf den Philippinen statt. Larroca weiß ohnehin, wie ein realistisches Bild zu Papier zu bringen ist. Die Farbgebung allerdings macht das Szenario, das nicht nur spannend ist, zunehmend gruseliger. Die Attentäter beginnen zu glühen, bevor sie explodieren. Ihr Skelett scheint durch die Haut. Die Farbgebung ist sehr fein und weitestgehend ohne erkennbare Abstufungen aufgetragen. Einziger Nachteil ist die manchmal metallisch schimmernde Hautfarbe der Menschen, die stellenweise auch etwas zu dunkel angelegt ist. Aber das ist angesichts der tollen grafischen Eindrücke nur Korinthenkackerei.

Spannung und Drama (arme Pepper) werden hier perfekt von Matt Fraktion und Salvador Larroca verschürt und serviert. Ob die Terroristenthematik ins Superhelden-Genre passt, muss jeder Leser für sich selber entscheiden. Rein optisch ist dieser Serienauftakt eines der Zückerchen der letzten Zeit. 🙂

Freitag, 05. Dezember 2008

B.U.A.P. 6 – Garten der Seelen

Filed under: Mystery — Michael um 17:48

B.U.A.P. 6 - Garten der SeelenDie illustre Gesellschaft hat sich zu einem nicht minder großen Ereignis versammelt. In jenen Tagen haben alte Kulturen Hochkonjunktur und erfreuen sich in den so genannten besseren Kreisen einem großen Interesse. Das Auswickeln von uralten Mumien ist zu einem beliebten Spektakel während eines heiteren Abends geworden. – Doch niemand erwartete, dass eines Tages einmal eine jener ausgemergelten Toten die Augen aufschlagen würde. Beinahe 150 Jahre später erreicht ein gewaltiger Mann Indonesien und macht sich auf die Reise zu einer geheimen Insel, wo er bereits sehnsüchtig erwartet wird. Aufmerksam hat er die Nachrichten über einen nicht minder geheimnisvollen Fischmenschen verfolgt, der zusammen mit einer noch weniger geheimnisvollen Organisation einer Monsterplage in Nebraska den Garaus machte.

Dieser Fischmensch namens Abraham Sapien fühlt sich im Augenblick außerordentlich zwiegespalten. Stärker als in den letzten Monaten fühlt er sich mit seiner Vergangenheit konfrontiert, die immer stärker in die Gegenwart durchbricht. Ihm ist bereits bewusst, dass er nicht immer so gewesen ist. Vor langer Zeit führte als normaler Mensch ein Leben, wenngleich ihn die anderen Mächte, die Wissenschaft, das Dunkle schon immer fasziniert hat. Nun eröffnet sich ihm eine Spur in die Vergangenheit. Abe, wie ihn seine Freunde nennen, ist nur zu gern bereit, dieser Spur zu folgen und endlich Klarheit zu erhalten. Captain Daimio, der Leiter der B.U.A.P., begleitet ihn.

Ein Mann braucht seine Geheimnisse. Erst diese lassen ihn interessant werden. Wenn ein Mann seine eigenen Geheimnisse nicht kennt, dann hat er ein Problem. Wer als Leser die Abenteuer der Helden der B.U.A.P., der Behörde zu Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, verfolgt hat, glaubt schon lange nicht mehr, dass Hellboy derjenige mit den größten Geheimnissen ist. Abe Sapien ist auf dem besten Wege ihn dahingehend abzulösen. Mike Mignola und John Arcudi geben sich allerdings nicht nur der Aufklärung der Vergangenheit des grünen Helden zufrieden, sondern sie bereiten gleich die nächsten Verwicklungen und Verstrickungen vor.

Wieder einmal sind geheimnisvolle Erinnerungen und Gedanken ein Teil der Erzählung. Gleichwohl enthüllen sie überhaupt nichts, im Gegenteil, diese Szenen verursachen dem Leser noch mehr Kopfzerbrechen über die Vergangenheit dieses Captain Daimio. Allerdings findet Johann Kraus eine Spur, die …
Nun, das soll nicht verraten werden. Dennoch ist es ein gutes Beispiel von Mignolas und Arcudis Technik kleine Einsprengsel in den Hintergrund der hauptsächlichen Handlung zu säen und die Erwartung auf künftige Ereignisse noch mehr zu schüren. Hier reisen sie auf der Schiene jeder guter Storyliner, die einen lang angelegten roten Faden spinnen – wie es sich für eine Serie gehört, die ihre Leser bei der Stange halten will. Wie gut, dass die Phantasie der Macher schier ungeheuerlich groß ist und mit für den Leser grausamer Stetigkeit an der Spannungsschraube dreht.

Im Vordergrund folgen wir Abe Sapien auf die seltsame Insel mit noch seltsameren Bewohnern, die nichts anderes im Sinn haben, als der Welt einen Teiluntergang zu bescheren. Ein wenig empfindet man als Leser die Atmosphäre im Sinne eines Jules Verne-Romans, vordergründig natürlich von Die geheimnisvolle Insel oder eines Die Insel des Dr. Moreau, den ein ähnlich begabter H.G. Wells einst schrieb. Alles hier ist victorianisch angehaucht, ist alt, etwas vergammelt. Die Bilder von Guy Davis zeigen wunderbar altmodische Monströsitäten, wie sie eher zu den berühmten Kuriositätenkabinetten auf Jahrmärkten passen.

An der Wildnis, seltsamen Maschinen und Bomben, am Haus im Dschungel, der Mumie, Liz Shermans Visionen und so manch anderem grafischen Kleinod kann Guy Davis wieder zeigen, wie er mit seiner Technik und der tatkräftigen Hilfe des Koloristen Dave Stewart die perfekten Bilder für die Erzählungen rund um die B.U.A.P. schafft. Durch Davis’ Bilder entsteht eine Art von Reisetagebuch. Die Zeichnungen sind schnell, wirken flüchtig, nachträglich durch die Kolorierung verstärkt. Erstaunlich ist die Eleganz der Bilder bei aller Skizzenhaftigkeit. Diese Bilder könnten auch von einem Gerichtsmaler entworfen worden sein.

Wenn Davis sich, wie es bei den Entwürfen im Anhang auch sehr gut zu sehen ist, sich mit Monstern auseinandersetzen kann, läuft er zur Höchstform auf. Die Hybriden, beispielhaft eine Kreuzung aus Muräne und Vogel, wirken so wahnsinnig, aber auch im höchsten Maße organisch und richtig. Der Gipfel der Phantasien ist der Weltuntergang, den Liz Sherman vor Augen hat. Gleichzeitig ist es auch ein gruseliger Ausblick dessen, das einmal sein soll – so behauptet es jedenfalls Liz’ Jenseitskontakt. An diesem Bild hätte ein H.P. Lovecraft seine helle Freude gehabt.

Ein Kreis schließt sich – mit einem Paukenschlag: Das Geheimnis von Abe Sapien wird gelüftet. Neue Rätselfäden werden dem Leser wie Appetithäppchen angeboten. Mignola und Arcudi beherrschen ihr Handwerk inzwischen auf den Punkt genau und mit stetig wachsender Dosierung in der Rezeptur. Durch die Bilder von Davis und die Farben von Stewart ist diese Reihe zu einem Werk wie aus einem Guss geworden. Toll. 🙂

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