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Comic Blog


Donnerstag, 20. Oktober 2016

ENTENHAUSENS MOST WANTED

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 8:50

ENTENHAUSENS MOST WANTED - Schwere Jungs und leichte BeuteEin Streifzug mit den Bösewichten Entenhausens durch die Jahrzehnte, für Comic-Interessierte sogar durch die Entstehungsländer. Es gibt einen Wandel in den Zeiten, auch in den Figuren. Mit ENTENHAUSENS MOST WANTED wurde verlagsseitig ein Querschnitt der Auftritte der bekanntesten Gauner erstellt. Die Panzerknacker, Kater Karlo, Gundel Gaukeley und das Schwarze Phantom geben sich die Ehre.

Allen gemein ist ihr Einfallsreichtum und ihre Hartnäckigkeit, ihren jeweiligen Widersacher auszutricksen oder um eine ordentliche Summe zu erleichtern. Ganz vorne dabei in diesem Reigen sind natürlich Dagobert Duck und Micky Maus. Schwere Jungs und leichte Beute verspricht der Untertitel des vorliegenden Bandes. Das ist nur bedingt richtig, vergisst es doch einerseits das schwere Mädel und andererseits müssen die Gauner in diesem Band für ihren Misserfolg ordentlich schuften. Denn das Böse gewinnt in Entenhausen nie.

Mit den Panzerknackern durch dick und dünn, sogar durch die Jahrhunderte. Neben einem sehr frühen Auftritt der Beagle Boys, wie sie im Original heißen, darf der Leser die Gaunerbande in die Vergangenheit begleiten, als Dagobert Duck schon reich, aber sein Geldspeicher, so wird vermutet, lange noch nicht so mit findigen Abwehrmitteln gegen Halunken versehen war. Das Abenteuer Verbrechen in der Vergangenheit entpuppt sich kalauernder Raubzug für den Leser, denn mit einem derart raffgierigen Bertel wie hier haben die Panzerknacker einfach nicht gerechnet.

Die kurioseste hier vorliegende Erzählung erschien 1981 in Brasilien und hieß übersetzt Knäckar, der Schreckliche. Man stelle sich einen Panzerknacker vor, der sich zu Karneval als Asterix verkleidet. Hier ist klassischer Slapstick am Werk, eine Menge Parodie. Mit Ivan Saidenberg ist zwar der Autor der Geschichte bekannt, aber leider nicht der Zeichner. Eine gehörige Portion Humor und den Mut über den Tellerrand hin zu anderen Comic-Universen zu spinksen, haben beide besessen.

Der Abwechslung wegen löst Kater Karlo den Reigen der Schurken ab. Der Erzfeind von Micky Maus findet seine schönste Episode in diesem Band ausgerechnet in Ein Gauner auf Verbrecherjagd. Hier der Erzfeind zum Erzfreund, denn der kleine Detektiv, der ihm sonst im Nacken hängt, wird selbst zum Opfer einer Entführung und der einzige, der ihm helfen kann, ist Kater Karlo. Der Halunke, der durch das Zusammenspiel mit seiner Frau Trudi (als Motivatorin) sehr gewinnt, kann sich hier in einem extra langen Abenteuer als Sympathiefigur beweisen.

Gundel Gaukeley, Hexe mit Entenschnabel, verspricht sich einiges vom Einsatz von Bertels erstem Zehner als magischem Katalysator. Ihre Versuche sind beharrlich, wie es ein Klassiker von Carl Barks, die Geschichte Die Irrfahrten des Dagobert Duck vormacht. Ganz im Sinne einer Zauberin Circe verschlägt es die Ducks, Dagobert, Donald und die drei Neffen, in den Bann der Hexe, die auch gleich die magischen Tricks ihrer legendären Kollegin ausprobiert, Tierverwandlungen inklusive. Gelungen wie eine gute amerikanische Komödie und einer etwas überdrehten Entenfamilie.

Das schwarze Phantom ist sicherlich ein gruseliger Vertreter seiner Zunft. Im Gegensatz zu den anderen Verbrechercharakteren ist seine wahre Identität etwas ungewiss, wie der redaktionelle Teil des Bandes aufklärt. Seine Auftritte hingegen sind aberwitzig, mit weiteren Gaststars versehen und zünden in solchen Momenten besonders stark. Ein schwarzes Phantom, dass sich mit einer weiteren Hexe des Disney-Universums (neben Gundel Gaukeley) verbündet, nämlich Madame Mim, lässt einen andauernd schmunzeln.

Aber das interessanteste Abenteuer mit dem Phantom ist sicherlich, in Anlehnung an einen Roman von Stephen King (SIE), Wo ist Micky Maus?. Das Schwarze Phantom entführt Micky Maus. Dieser ist inzwischen ein bekannter Bestseller-Autor. Nur kommt in seinen Romanen der Bösewicht, hier das Schwarze Ekel genannt, nie gut weg. Micky soll das endlich ändern.

Ein praller Überblick für alle Freunde der Gauner und Ganoven in Entenhausen. Der Sonderband verdeutlicht ihren starken Stellenwert, ihre verdiente Langlebigkeit sowie, auch das, ihre sympathischen Seiten. Klasse! 🙂

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Mittwoch, 10. August 2016

BILLY THE CAT – Gesamtausgabe 2

Filed under: Cartoon — Michael um 10:37

BILLY THE CAT - Gesamtausgabe 2Würstchen könnte vor Eifersucht platzen! Da gelingt es doch tatsächlich dieser kleinen Katze, die sozusagen aus dem Nichts aufgetaucht ist und von Marina aus dem Urlaub mit zurückgebracht wurde, die Herzen der Menschen in der Familie im Sturm zu erobern. Und er, der Bassett, der sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich Zugang zum Kühlschrank zu bekommen, muss vor kleineren Hunden aus der Nachbarschaft den Tyrannen geben, damit sein Magen ausreichend gefüllt wird. Es kommt sogar noch dicker (ein gutes Wortspiel, da Würstchen mit seiner Fülle die Waage derart in Beschlag nimmt, so dass die Gewichtsanzeige gar nicht mehr zu sehen ist). Würstchen erkennt in BILLY den kleinen Jungen wieder, der ihn einst piesackte und dem er diesen grauenhaften Hundenamen zu verdanken hat …

Es war einmal ein böser Junge, der starb und nicht in den Himmel kam. Er wurde auf die Erde in Gestalt einer kleinen Katze zurückgeschickt und erlebte dort eine für ihn merkwürdig veränderte Welt. Plötzlich verstand er die Sprache der Tiere und war gezwungen, nett zu anderen Lebewesen zu sein, wollte er in dieser neuen Gestalt überleben. Zu seinem wichtigsten Freund wurde ein weißer Kater, den der kleine BILLY Onkel Hubert nannte. Dieser Kater wurde zu einem Wegweiser in dieser Katzenexistenz, bevor es BILLY gelang zumindest als kleine gelbschwarz getigerte Katze zu seiner Familie zurückzukehren.

War die erste Hälfte der Erzählungen kindgerecht, aber auch mit einem ernsten Unterton behaftet, verschiebt sich die zweite Hälfte mit den abschließenden drei Alben der zweiten Gesamtausgabe deutlich mehr zur Unterhaltung hin, obwohl es auch kritische Anmerkungen gibt, die von einer Figur wie Sanktifer ausgestoßen werden. Die Geschichten Ein Hund namens Würstchen, Onkel Hubert in Gefahr und Billys Wahl sind aber in erster Linie Abenteuer. Einzig zum guten Schluss wird es noch einmal wirklich mysteriös.

Stephen Desberg behandelt in EIN HUND NAMENS WÜRSTCHEN eher weltliche Themen. Ein Hund tyrannisiert kleinere Tiere, damit sie ihm Futter bringen. Dieses Würstchen ist ein Bassett mit Beinen so kurz, dass der Bauch fast auf dem Boden schleift, und Ohren so lang, dass Würstchen häufig auf sie tritt. Ihm steht ein Spatz als Sprachrohr und Gehilfe zur Seite. Nachdem sich Desberg und Zeichner Stephan Colman entschlossen hatten, mehr auf den tierischen Pfaden disneyscher Handlungen zu wandeln, wirkt dieses Bösewicht-Duo wie eine Persiflage auf solche amerikanischen Konstrukte.

Nichtsdestotrotz ist es ein komisches Duo, welches, insbesondere als es den beiden Kumpanen gelingt, in das Haus aufgenommen zu werden und dort zu bleiben, zur Hochform aufläuft und man sich ein wenig an Sylvester und Tweety erinnert fühlt. Zu BILLY, der auch im Trickfilm angekommen ist, schließt sich mit diesem Vergleich der Kreis. Im ausführlichen 50seitigen redaktionellen Teil in der zweiten Gesamtausgabe wird dieser neue Wirkungskreis von BILLY beschrieben, auch wie es mit ihm zeitweilig im Comic weiterging, aber schließlich ohne Desberg und Colman.

Eine Hauptfigur ist immer nur so gut, wie die Nebenfiguren es ihr erlauben. BILLY, eine putzige, vorwitzige Katze, die ihr Leben lieben lernt, hat mit WÜRSTCHEN, SANKTIFER und ONKEL HUBERT, um nur eine Auswahl zu nennen, sehr ausgewogene Nebencharaktere, denen es zeitweilig sogar gelingt, ihm die Show zu stehlen. Ein jeder vermag sogar, oder Schurke oder guter Kumpel, Sympathie zu wecken. Einzig die Ratten verweigern sich einem positiv emotionalen Zugang (siehe auch Titelbild), allenfalls mag man Mitleid mit ihnen haben. Beim Design ist Colman deutlich gruseliger in der Präsentation der üblen Gesellen, als es zum Beispiel es die Disney-Produktion in Basil der große Mäusedetektiv betrieben hat.

Gelungenes entgegengesetztes Flair: Das Heim, in dem BILLY aufwuchs, ist sehr heimelig, die Stadt, in die es ihn immer wieder verschlägt, ist oft abweisend, überfrachtet mit Verkehr und Reklame und Colman gelingt es sogar, sie laut aussehen zu lassen. Woran liegt es, dass die Stadt plötzlich diesen Eindruck macht? Nun, ONKEL HUBERT IST IN GEFAHR. Die positive Weltsicht des weißen Katers, der die Frauen liebt und einen schrottreifen Cadillac sein Zuhause nennt, ein wichtiger Faktor der ersten Geschichten, geht hier ein Stück weit verloren.

Die Geschichten um BILLY THE CAT von Stephen Desberg und Stephan Colman sind Abenteuer eines in einer Katze wiedergeborenen kleinen Jungen, die mehr Tiefe besitzen als die üblichen cartoony gezeichneten Handlungen. Liebenswert, tragisch und komisch, spannend, mit tollen Kulissen angereichert, sind sie tolle Unterhaltung für alle Freunde des Genres. 🙂

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Samstag, 13. Juni 2015

PLANET DER AFFEN – ZEITENWENDE 2

Filed under: SciFi — Michael um 19:19

PLANET DER AFFEN - ZEITENWENDE 2: KATAKLYSMUSSchimpansen sind weniger wert. Schimpansen müssen arbeiten. Orang-Utans denken. Gorillas kämpfen und sorgen für Ordnung. Die Affengesellschaft ist streng untergliedert. Jeder ist an dem Platz, an den er gehört. Eine große Katastrophe, die Affenstadt heimsucht, rüttelt an den Grundfesten dieser Ordnung. Lange schon schwelte ein Konflikt. Nicht alle waren mit dieser über die Jahrhunderte gewachsenen Ordnung zufrieden. Affe tötet niemals Affe, Affe sperrt Affe ein. So sehr der Affe die Relikte einer vergangenen menschlichen Zivilisation ablehnt, verbirgt, leugnet, so sehr ist er doch bereit, viele ihrer Regeln und Verhaltensweisen zu übernehmen und gleichzeitig alles zu verteufeln, was angeblich menschlich ist. So lange Mensch nur ein dummes, stummes Wesen ist, geht diese Taktik auf. Aber was wäre wenn es Menschen gibt, die jene lange Periode nach dem großen Krieg überdauert haben … Menschen von einst.

Eine Zeitenwende, die sich gut in die bestehenden Kinoabenteuer einfügt. Taylor, der Astronaut, der so viel Unruhe in die Affengesellschaft brachte, ist noch nicht gelandet, dennoch herrscht ein gewisser Unmut. Affe tötet zwar nicht Affe, von Gleichberechtigung sind Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen aber weit entfernt. Die Autoren Gabriel Hardman und Corinna Bechko unterwerfen die Affengesellschaft weiteren Katastrophen, lassen einen geheimnisvollen Feind auftauchen und stellen Doktor Zaius, jenes unerbittliche Ratsmitglied, das später dem Astronauten Taylor das Leben schwer machen wird, zunehmend in den Mittelpunkt eines apokalyptischen Szenarios. Am Ende, hieran kann kein Zweifel bestehen, ist die Motivation von Zaius gegenüber den Menschen absolut nachvollziehbar.

Katastrophen. Ein großes Wort und leicht dahin gesagt. Das sich hier abspielende Feuerwerk, in einer Inszenierung, ganz im Geiste der Originalkinoserie, die zwar effektiv war, trotzdem auf ihr Budget Rücksicht nahm, bricht wie ein erbarmungsloser Sturmwind über die Affenstadt und die Umgegend ein. Die Zerstörung nimmt auf niemanden Rücksicht, weder auf Affen noch Menschen. Die Verzweiflung der Affen wird in verschiedenen Sequenzen gezeigt. Neben der großen, alles übergreifenden Katastrophe sind die persönlichen einiger Figuren die traurigsten und runden letztlich den Charakter von Doktor Zaius noch weiter ab. Der Orang-Utan bewahrt eine seltsame Ruhe, unter der es brodelt und dank seines kühlen Kopfes und seiner Intelligenz übernimmt er die Führung in einer Struktur, in der es sich beweist, dass Gorillas mit Haudrauf-Mentalität bei weitem nicht die perfekten Anführer sind.

Die Art der Zeichnungen von Damian Couceiro erinnern stellenweise an einen sehr frühen Mike Mignola (Fafhrd und der graue Mausling), als dieser noch lange nicht seinen reduzierten Stil gefunden hatte. Und sie führt mit ihren feinen Linien, einem stilisierten Ausdruck, in dem nichts unnötig hinzugefügt wird, in einen steten Lesefluss. Die Augenführung wird nur so lange aufgehalten, bis die Dialoge erfasst sind. Das hat bestenfalls einen filmischen Charakter und baut die Atmosphäre der alten Filmserie packend in einen modernen Comic ein. Das optische Szenario ist durchweg dramatisch düster. Weltuntergangsstimmung herrscht farblich in der ersten Hälfte vor (schöne Kolorierung von Darrin Moore), während die zweite Hälfte in einer shakespeareartigen Grundhaltung aufgeht, nicht nur mit Überraschungen aufwartet, sondern sich stark auf die Figuren konzentriert.

Gabrel Hardman und Corinna Bechko greifen Aspekte des zweiten Teils der damaligen fünfteiligen Filmreihe auf, als es hieß: Rückkehr zum Planet der Affen. Damals fing die zweite Folge schon die Science-Fiction-Auffassung der 70er Jahre ein, etwas schriller in seinen Effekten, etwas poppig gruseliger in seiner Optik, als es zuvor gehandhabt wurde. Damian Couceiro findet auch hier den richtigen Strich, damit diese alte Dystopie gut in die Neuzeit hinübergerettet wird. Das Stichwort lautet hier: Strahlenverseuchung. In einer grafischen Ausrichtung, die etwas reduziert, funktioniert das ausgezeichnet.

Tolle Fortsetzung der ZEITENWENDE, stimmig in die Gesamtgeschichte des PLANETEN DER AFFEN eingegliedert, ein Wiedersehen mit alten Bekannten wie Doktor Zaius, Cornelius, Zira und anderen inklusive. Feine Zeichnungen von Damian Couceiro fangen die Originalatmosphäre ein. Die Kenntnis des ersten Teils ist Pflicht. Nicht nur, aber ganz besonders für Fans dieser SciFi-Universums. 🙂

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Samstag, 27. September 2014

RACHEL RISING 2 – Das Böse in dir

Filed under: Mystery — Michael um 16:23

RACHEL RISING 2 - Das Böse in dirTante Johnny ist schwer verletzt. Jet ist tot. Das Mädchen ist verschwunden. Nur Rachel hat den Unfall anscheinend unbeschadet überstanden. Rachel, die selbst von den Toten zurückkehrte, versucht ihrer nächsten Verwandten Trost zu spenden. Angesichts der zur vorläufigen Bewegungslosigkeit Verdammten will es nicht so recht gelingen. Leise Verzweiflung schleicht sich bei Tante Johnny ein. Und Jet? Nun Jet ist ein Sonderfall. Kurz bevor Earl sie einbalsamieren kann, weil er ihre Schönheit erhalten will, wacht sie auf einem metallenen Tisch in der Leichenkammer auf. Auch sie würde sich gerne bewegen. Leider ist das Genick immer noch gebrochen. Aber immerhin ergibt sie sich nicht, sondern teilt mit frechem Mundwerk gleich ungehemmt aus.

Hexen! Und der Teufel! Ja, es braut sich etwas zusammen über der Kleinstadt mit dem bezeichnenden Namen Manson. Autor und Zeichner Terry Moore gräbt nicht nur unter der Oberfläche einer amerikanischen Kleinstadt, in der so einiges seltsam ist, aber geduldet wird, er hängt ihr auch ein uraltes Geheimnis an, dem nur ein Fluch folgen kann. Die Wahrheit ist schrecklich und selbstverständlich versetzt sie die Betroffenen in Wut, auch nach 300 Jahren noch.

Die Lage hat sich nach dem ersten Band nicht beruhigt. Der Tod ist für die Beteiligten immer noch rätselhaft und selbst die Auflösung des unheimlichen wie auch widernatürlichen Vorgangs bringt keine Erleichterung, denn der Tod, der hier überlistet wird, hält Überraschungen bereit. Terry Moore hält auch nicht direkt ausgesprochene Ratschläge parat. Männer sollten es tunlichst unterlassen, Frauen, die sich übergeben müssen, zu helfen. Klingt zunächst merkwürdig, wer aber die entsprechende Passage liest und sieht, wird begreifen, dass hier Rückzug die bessere Alternative ist.

Neue Tote bringen nicht nur neue Schwierigkeiten, sie ermöglichen es Terry Moore auch mit einem sehr makabren Humor zu erzählen. Jet, die junge Frau, die nach ihrer Rückkehr zunächst auf jede Hilfe angewiesen ist, wird sozusagen zur schwarzhumorigen Spielwiese. Wenn Rachel einmal das gebrochene Genick ihrer Freundin vergisst oder wunderbar kurze Dialoge einfach nur Spaß machen und sich Pointe an Pointe reiht. Terry Moore stellt außerdem die Aufsässigen, in Form des Teufels, den Angepassten gegenüber und obwohl das Böse die Schwachstellen der anderen finden mag, werden doch am Ende beide Seiten bloßgestellt.

Geduld ist eine Tugend, die der Teufel besitzt. Aber er will auch seinen Spaß haben und so zögert er das erforderliche und angestrebte Ende über Gebühr hinaus. Das mag ihm gefallen, die Hexe Lilith hingegen ist nicht zum Spaß nach Manson gekommen. Terry Moore schickt zwei mächtige Kreaturen in die Handlung. Beiden gefällt es, ihre Macht zu demonstrieren. Auch Rachel muss diese bittere Erfahrung machen. Andere trifft es noch härter. Der Horrorfaktor steigert sich im zweiten Teil der Reihe von RACHEL RISING deutlich.

Die Guten, die Merkwürdigen und die Mörder. Earl ist einer der Guten, unscheinbar und mit seinem Beruf als Leichenwäscher ein Charakter von der traurigen Gestalt. Aber er ist auch jemand, der Vertrauen genießt und es nicht missbraucht. Der Doktor ist zweifellos merkwürdig, wie auch die angeknackste Jet zunächst stumm feststellt, aber in gewissem Sinn ist auch er harmlos und hilfreich. Die Mörder teilen sich ihr Betätigungsfeld und nicht jeder ist gleich böse zu nennen. Zoe, das kleine besessene Mädchen, ist zehn und letztlich auch bemitleidenswert, denn sie ist seit mehreren Jahrzehnten zehn und tötet gleichzeitig Menschen mit der gleichen Empathie, mit der andere Fliegen mit einer Klatsche erschlagen. Es genügt ein Moment teuflischer Unachtsamkeit und Zoe versucht die Flucht zu ergreifen. Terry Moore schafft durch Nebenfiguren ein Höchstmaß an Atmosphäre, streut kleine Gedankenanstöße ein, die hängen bleiben.

Ein Meister des schwarzweißen Comics. Es sind nicht nur gedankliche Anstöße, auch einprägende Szenen, manchmal nur wenige Bilder lang, verteufelt gut konstruiert und mit ebensolchen Einfällen, die echte Hingucker sind. Es werden zwar nicht Lämmer zu Wölfen, aber Terry Moore hat sich ähnliche Schockbilder einfallen lassen. Samt und sonders zeichnet er diese wie auch den gesamten Band mit einer ungeheuren schwarzweißen Präzision, die letztlich keine Farbe benötigt.

Eindringlicher, gruseliger, mit tollem Gespür für Atmosphäre geschrieben und toll gezeichnet und getuscht. Für Mystery-Fans und Freunde des leisen, immer näher schleichenden Horrors ein toller Lesetipp! 🙂

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Sonntag, 14. September 2014

Batman – Gotham Knight – Hörspiel

Filed under: Comics im Hörspiel — Michael um 16:45

Batman - Gotham Knight - HörspielDie Gangster sind nicht dumm. Der Mann in Schwarz hat sich technische Spielzeuge zugelegt, die auch Batman gefährlich werden können. Aber warum das Risiko unnötig in die Höhe treiben? Wenn man auch per Jetpack frühzeitig entkommen kann? Aber die Farbe Schwarz? Warum? Die Antwort sollte Batman nicht erstaunen und doch wundert sie ihn ein wenig. Viel Zeit kann er trotzdem nicht auf die Analyse von feindlichen Beweggründen verwenden. In Gotham City ist der Teufel los, im übertragenen Sinne zwar, aber Gegner wie Scarecrow geben sich die größte Mühe dem Original so nahe wie möglich zu kommen.

Der Mann in Schwarz: Ein Wiederhören mit zwei Stimmen, die maßgeblich am Erfolg einer Serie hierzulande beteiligt waren. Die Serie hieß Miami Vice, die deutschen Synchronstimmen von Don Johnson und Philip Michael Thomas hießen Reent Reins und Lutz Mackensy. Beide markante Stimmen waren in der Vergangenheit immer wieder in Hörspielen zu hören, aber selten vereint. Reent Reins übernimmt hier die Rolle des Commissioner James Gordon, des direkten Kontakts zu Batman und tatsächlich hat die Stimme eine dunklere Färbung mit den Jahren bekommen, eine Klangfarbe, die zur väterlichen Ausfüllung des Charakters von Commissioner Gordon passt. Lutz Mackensy hingegen darf mit seiner scheinbar ewig jugendlichen Stimme den Wahnsinn eines gefährlichen Kriminellen erschallen lassen. Hier klingen Können und Spaß an der Arbeit durch.

Die erste Folge der Trilogie über den Gotham Knight etabliert diese düstere Megastadt als kriminelles Babel, aber auch als Touristenmagnet. Ausgerechnet auf einer Aussichtsplattform, die in Anspielung auf einen der bekanntesten Batman-Zeichner, Jim Aparo auf dem Aparo-Tower gelegen ist, darf der dunkle Ritter in beeindruckendem Hörkino erstmalig so richtig zeigen, was er drauf hat. Sascha Rotermund orientiert sich, wie die gesamte Trilogie, an der filmischen Neuinterpretation (mit Christian Bale) des Mitternachtsdetektivs. Rauchig gesprochen als maskierter Rächer, locker als Privatperson und Playboy Bruce Wayne. Letzterem hört man sehr gerne im Zusammenspiel mit Charakteren wie Commissioner Gordon oder dem erfindungsreichen Lucius Fox (gesprochen von Wolf Frass) zu.

Krieg: Der heimliche Held des Batman-Universums, jedenfalls in früheren Zeiten, Alfred Pennyworth, agiert hier ähnlich wie in der Batman-Trilogie mit Christian Bale. Gesprochen von Jürgen Thormann, der in den Filmen auch Michael Caine in der Rolle des Butlers synchronisiert, bekommt die Figur stets etwas sehr Vornehmes, auch Unnahbares sowie eine sehr professionelle Note. Erfrischend in dieser Episode ein ganz normales Bandenkrieg, dem Batman beikommen muss, ohne dass sein technisches Spielzeug noch seine Erscheinung besonders viel Eindruck hinterlässt.

Die beiden Polizisten Montoya und Allen bilden ein schönes Gegengewicht zur Arbeit des dunklen Ritters. Sie bieten einen großen Teil der Stimme des Menschen auf den Straßen Gothams, jene, die meist nur aus der Ferne einen Blick auf Batman werfen. Oder wie sie auf einen Schattenriss in der Türscheibe zu Commissioner Gordons Büro.

Monster: Wer tötet die Menschen nicht nur, sondern frisst sie zugleich auf? Batmans Suche nach diesem ungewöhnlichen Killer wird gruseliger, anstrengender. Nach der Jagd auf die normalsterbliche Unterwelt Gothams ist dieser Feind nur schwer auszumachen. Er hält sich im Dunkel und will nicht gejagt werden. Batman muss an Scarecrow vorbei, der nicht nur dieses seltsame Wesen geschaffen, viel schlimmer noch, eine große Schar Anhänger beeinflusst hat, gegen die sich Batman auch noch zur Wehr setzen muss.

Wurde das berühmt berüchtigte Arkham Asylum bisher hauptsächlich erwähnt (und nur kurz besucht), werden die Folgen jetzt offen sichtbar. Während Batman diese modern geschaffenen Dämonen verfolgt, stellt er sich auch seinen inneren Feinden, düsteren Erinnerungen, als er nach Wegen der Kontrolle über seine Ängste suchte. Die dritte Episode von Gotham Knight bietet eine spannende Doppelsicht auf den dunklen Ritter, in Gegenwart und Vergangenheit. Beide sind dramatisch, in beiden muss sich ein Mann beweisen. Im ersteren Fall das andere Ich, im letzteren Fall ein noch junger Bruce Wayne persönlich.

Ein Kaleidoskop aus Gotham City: Batman wird im Kopfkino dank einer tollen Interpretation durch Sascha Rotermund lebendig. Die Besetzung ist punktgenau und nimmt, nach einer Einführung in das Comic-Universum, besonders in der zweiten und dritten Episode Fahrt auf. Egal, auf welchem Weg der Fan zu Batman gefunden hat, über die Filme oder die Comics selbst, hier wird er auf jeden Fall mit neuen, sehr guten Abenteuern fündig. 🙂

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Links: Jürgen Thormann in Batman

Montag, 11. August 2014

JLA – ERDE 2

Filed under: Superhelden — Michael um 22:18

JLA - ERDE 2Eine andere Erde. Die Menschen leiden. Eine Verbrecherorganisation, der sich keine Macht der Welt kraftvoll genug entgegenstellen kann, regiert mit aller zur Verfügung stehenden Gewalt. Selbst ein Widerwort kann den sofortigen Tod bedeuten. In dieser verdrehten Welt gibt ein Ultraman den Ton an und ein Owlman wie auch eine Superwoman folgen ihm. Aber so widerstandslos ist ihnen die Ausbeutung der Erde dann doch nicht gegönnt. Ein hoch intelligenter Alexander Luthor sucht nach einer Möglichkeit, eine Wende herbeizuführen.

Grant Morrison (Autor) und Frank Quitely (Zeichner) sind eines jener Comic-Künstlerduos, denen es gelungen ist, Comic-Geschichten zu schaffen, die aus der Vielfalt der Erscheinungen herausragen, weil sie es wagen, einmal alles auf den Kopf zu stellen. In All Star Superman erzählten sie kurzerhand das Ende des Stählernen. In JLA – ERDE 2 kreieren sie eine Variante der JLA in Form des Crime Syndicate of America, so dass jeglicher Spaß, den sich andere Finsterlinge mit der JLA erlaubten, daneben blass aussieht.

Sie sind böse, weil sie böse sein müssen. Manche Systeme dulden eben keine Veränderung, weil sie ganz einfach nicht möglich ist. Diese Grundrichtlinie steht dem ehrgeizigen Plan von Alexander Luthor entgegen, nämlich diese Erde jener Utopie anzugleichen, die der Leser längst an der Seite von so illustren Helden wie Superman und Wonderwoman kennengelernt hat. Natürlich gibt es ein Problem. Die Grundrichtlinie sagt es aus und damit fängt das Schlamassel für beide Seiten an. Denn ganz gleich wie viel Schaden die eine Seite der andere zufügen will, sie sind letztlich wie zwei Magneten, die einander abstoßen.

Frank Quitely zeichnet penibel, mit Strichen, die auf den Punkt genau angesetzt sind, ultrafein gezogen, hier und dort etwas karikierend, immer sehr ausdrucksstark, mit grundsätzlich sehr muskulösen Gestalten, manchmal sogar drall. Kinn ist Frank Quitely an einem Gesicht sehr wichtig, die Lippen zeitweilig auch wulstig zu nennen, fast schmollend, sehr auffallend bei einem Alexander Luthor. Die Besonderheit dieser Geschichte, die Variationen der uns bekannten Helden, sind in ihrer Andersartigkeit faszinierend, weil sie gerade in den Nebenrollen extra überzogen scheinen.

Ein dem Flash an muskulöser Statur in nichts nahestehender Johnny Quick ist drogensüchtig und wirkt noch operettenhafter als es die eigentlichen, klassischen Helden ohnehin sind. Die Nebenbösewichte gestatten sich gerne ein fieses Grinsen und könnten auf ihre Art auch in eine Reihe wie The Boys passen, sind sie doch ein gutes Stück aufmüpfiger als die Originalgauner der Erde 1. Wirken diese Nebenganoven überdreht, ist das Haupttrio eher titanisch, auf beiden Seiten des Spiegels.

Kampf gegen Brainiac. Hier wird das alte Thema neu aufgelegt, gruseliger in jedem Fall. Die Auflösung ist ebenfalls anders, dank eines Ultraman auch brutaler, obwohl sich auch bei DC in den vergangenen Jahren wie bei sämtlichen Comicschmieden viel in dieser Hinsicht verändert hat.

In der Tat ein moderner Klassiker im Bereich der Superheldencomics. Gut gegen Böse, spiegelbildlich, machtlos gegeneinander. Toll erzählt von Grant Morrison, in perfekt eigenem Stil gezeichnet von Frank Quitely, von dem man leider viel zu wenig hierzulande sieht. Für JLA-Fans unverzichtbar. 🙂

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Mittwoch, 19. März 2014

ZAUBER 2

Filed under: Mystery — Michael um 17:35

ZAUBER 2In der Hölle hat ein Teufelchen die Macht ergriffen und denkt gar nicht daran, diese Macht wieder abzugeben. Der wahre Herrscher Maldoror indes sucht einen Weg zur Rückkehr in die Unterwelt. Ohne einen Funken der früheren Stärke gestaltet sich dieses Ansinnen als äußerst schwierig. Da muss die List helfen. Mit etwas Nachdruck vielleicht. Blanche will sich, da sie und ihre Getreuen hoffnungslos unterlegen sind, mit anderen Mitteln einen Aufschub zur endgültigen Machtergreifung ihres Bruders beschaffen. Ein Trick hilft ihr dabei. Die Kämpfe und Nachforschungen der beiden so unterschiedlichen Geliebten sind langwierig, gefahrvoll und führen zu unerwarteten Veränderungen.

Jean Dufaux, als Szenarist im Bereich Comic ein Autor mit einer breit gestreuten Themenvielfalt vertreten, erobert mit dieser märchenhaften Geschichte, einem gehörigen Schuss Fantasy, Träumerei, Kämpfen und Humor ein weiteres Genre für sich und findet gleichzeitig eine selten ausgefüllte Nische innerhalb fantastischer, mittelalterlich anmutender Szenarien. Mit der Darstellung der Unterwelt beschreitet er gleichfalls einen seltenen Weg. Will jemand einen atmosphärischen Vergleich, wird er ihn am ehesten filmisch in Legende von finden. Betont sei nur der atmosphärische Vergleich, ansonsten haben beide Geschichten nicht miteinander gemein.

Die optisch regelrecht filmische Umsetzung des 2. Teils ist grandios und noch schöner als im Auftaktband. Die Figuren sind eingeführt und können nun aufspielen. In einer Mischung aus Disney-Stil, etwas Strichtechnik eines Uderzo und einer ordentlichen Portion Realismus entsteht ein Potpourri aus feingliedrigen, schlanken Gestalten, grotesken Charakteren, insbesondere in der Unterwelt, realistischen Accessoires und Hintergründen entfaltet sich diese ganz besondere Welt in großzügigen Seitenaufteilungen und natürlichen Farbtönen, erdig, grünlich. Es ist eine Welt im Dämmerzustand, in der es nur selten einen blauen Himmel zu sehen gibt. Licht zeigt sich in Effekten, durch Fenster in dunkle Läden strahlend oder glitzernd durch das Laubdach eines Waldes.

Horibili, zwergenartig, optisch eine Mischung aus Obelix und Alexandre Dumas dem Älteren, entpuppt sich als Bindeglied zwischen den einzelnen Handlungssträngen. Sicherlich verfolgt jeder der beiden Haupthelden sein Ziel, sind auch die Nebenfiguren mit ihren eigenen Ideen zugange, doch ohne Horibili, der scheinbar von allen Seiten nach allen Regeln der Kunst drangsaliert wird, geriete einiges ins Stocken. Dabei ist der Einfallsreichtum wie auch das Improvisationstalent des Zwergenwüchsigen interessant, ganz besonders zu dem Zeitpunkt, als dem Herrn der Unterwelt den Weg hinab weist, obwohl ihm doch eigentlich alle Zugänge verschlossen sind.

Die Unterwelt lebt optisch von ihren Gestalten. Räumlich ist sie eher ein unaufgeräumter alter Kasten, mehr Backstage als eine Bühne des Bösen. Die neue Herrscherin hat sich den Respekt ihrer Untertanen noch nicht so recht verdient. Einzig jene, die sich durch sie einen Vorteil erhoffen, reagieren mit entsprechender kriecherischer Freundlichkeit. Die Idee, eine mächtige Figur in einen Kinderkörper zu stecken, ist nicht neu (siehe auch Pandarve in der Gestalt von Alice aus dem Wunderland in der Reihe Storm). Hier wirkt sie aber noch verletzlicher, auch verlorener auf ihrem Posten.

Ihr gegenüber sind die Kreaturen der Unterwelt, die auch der Kreativschmiede aus dem Hause Lucas entsprungen sein könnten, gefährlicher anmutend, nicht unbedingt gruseliger. Sie besitzen auch eine leicht niedliche Komponente, wie sie auch den Machern um Jim Henson eingefallen sein könnten. (siehe auch Der dunkle Kristall) Dämonen sind hier auch Komödianten, aber immer bösartig.

Genügend Fragen bleiben offen. Seiten wechseln, Charaktere wandeln sich. Das lässt Vorfreude auf die Fortsetzung entstehen. Eine schöne Erzählung mit einer ganz eigenen Linie und Optik. Jean Dufaux und Jose Luis Munuera perfektionieren mit der zweiten Folge von ZAUBER das märchenhafte Fantasy-Abenteuer als eigenständiges Genre im Comic. 🙂

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Samstag, 04. Januar 2014

SAGA 2

Filed under: SciFi — Michael um 18:22

SAGA 2Eltern, die mit der Verbindung zum jeweiligen Partner nicht einverstanden sind, können tatsächlich das geringste Problem im Leben eines Paares sein. Wenn beide nämlich von unterschiedlichen, außerdem noch miteinander im Krieg befindlichen Völkern abstammen, ein Kind aus dieser Verbindung hervorgegangen ist und die kleine Familie durch die Galaxis gejagt wird, sind Eltern wirklich das allerletzte Problem, um das man sich Sorgen machen muss. Riesen können zum Beispiel ein Problem sein. Nackte Riesen. Oder Roboter mit homoerotischen Träumen. Ein Kopfgeldjäger, sogar einer der besten auf seinem Gebiet, darf ebenfalls nicht vergessen werden. Alana und Marko, die Eltern auf der Flucht, haben es gewiss nicht leicht. Das wissen sie spätestens, als sie eine der ungewöhnlichsten Geburten des Universums erleben. Und in diesem Universum ist schon vieles ungewöhnlich. Aber das?!

Inzwischen ist ein Punkt in der Geschichte erreicht, in der SAGA nicht mehr mit Star Wars verglichen werden kann, der Vergleich hinkt sogar. Neben ein paar tragischen Momenten setzt SAGA weitaus mehr auf Comedy, als es noch im ersten Band der Fall war. Ein szenisches Zitat erinnert an Lexx. Manches ist abgedrehter, als es ein Film wie Barbarella je war. Action wird durch nichts begrenzt. Das Markenzeichen dieser Serie, grenzenlos mögliche Kreaturen, lässt Kämpfe, Auseinandersetzungen im großen und kleinen Stil, in allerlei Wahnwitzigkeiten ausarten. Diese sind absolut sehenswert. Der Leser darf sich oft überraschen lassen, vielleicht auch schockieren (das dürfte aber bei der Zielgruppe von SAGA eher nicht der Fall sein).

Brian K. Vaughan vertieft die Hintergrundgeschichte der beiden Liebenden, erzählt über ihr Kennenlernen und jenes Ereignis, den Akt, der überhaupt erst zum Auslöser von SAGA wurde: das Kind. Letztlich bleibt es nicht bei einem Kind. Ein weiteres wird bei seiner Geburt sogleich zum Zerstörer, ein anderes erwärmt ein scheinbar kaltes Herz und wird zum Begleiter eines Kopfgeldjägers. Die Handlung teilt sich in die Sichtweisen von Gejagten und Jägern. Letztere, der Freilanzer Der Wille wie auch Prinz Robot IV, eine humanoide Kreatur mit einem 70er-Jahre-Fernseher als Kopf, agieren aus unterschiedlichen Motiven, die sich mit der Zeit sogar verschieben. Man könnte sagen, ein schlichter Jagdauftrag wird für beide persönlich.

Fiona Staples hat ihre Figuren derart gut im Griff, dass bereits wie kleine Schauspieler agieren, sich auch geradezu für eine Verfilmung empfehlen (Heath Ledger und Shannyn Sossamon wären vor einigen Jahren das Traumpaar für die Besetzung der Hauptrollen gewesen. Wer weiß, woher die optische Inspiration für die beiden Charaktere stammt.) Staples lehnt sich mit ihren Kreaturen an die Realität an, macht aus Maulwürfen Sicherheitsleute, kreiert auf einer Doppelseite eine grafisch beeindruckende Geburt und vervollkommnet die Hauptcharaktere zur lebendigen Perfektion.

Mein persönliches Sahnehäubchen dieser Ausgabe sind die Wehweiber. Selten waren Hexen gruseliger und mit einem simplen Trick einfallsreicher. Dies wird hier einzig noch durch die Auflösung der Szene überboten, in der sich jemand etwas besonderes einfallen lässt, um der gefahrvollen Situation zu entkommen. Noch schöner, am schönsten, aber natürlich auch gestalterisch aufwendiger fallen die Titelbildillustrationen von Fiona Staples aus, die den einzelnen Kapitel voran gestellt sind. Hier beeindruckt sie mit einer tollen grafischen Eleganz und dem fotografischen Blick für den richtigen Moment.

Eine Odyssee im wahrsten Sinne. Haken schlagend geht die Reise der Flüchtlinge weiter, deren Zahl nun zugenommen hat. Entsprechend sind die Verfolger auch mehr geworden und ihre Motivation hat sich deutlich verändert. Brian K. Vaughan zeigt, was passieren kann, wenn ein Erzähler seine Phantasie von der Leine lässt und eine talentierte wie auch technisch versierte Künstlerin an seiner Seite hat. Top! 🙂

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Donnerstag, 25. Juli 2013

Pelikan Protokoll 1 – Erste Phase

Filed under: SciFi — Michael um 9:50

Pelikan Protokoll 1 - Erste PhaseDer menschliche Geist, vielfach erforscht und doch gibt es so viel zu lernen und zu erfahren. Die vielfältigen Abläufe des Gehirns, das komplexe Zusammenspiel einer inneren und einer äußeren Welt hat sich bisher, sehr zum Verdruss mancher Institution, einer genauen Steuerung von außen, einer regelartigen Verhaltensweise entzogen. Die Willkür des menschlichen Geistes wird zur Bedrohung, so scheint es und einige Mächtige im Hintergrund sind nicht gewillt, die Menschheit wie einen führerlosen Zug in die Zukunft rasen zu lassen, an deren Ende nur eines warten kann … Auslöschung? Was wie ein Experiment beginnt, erinnert auch an ein Spiel. Selbst jene, die das Experiment leiten, sind sich nicht im Klaren über den genauen Verlauf. Nur einer scheint den Überblick zu besitzen: A.D.A.M.

Weltweit werden Menschen entführt. Die Auswahl ist scheinbar willkürlich. Sie verschwinden einfach und finden sich zusammen in einer Art Gefängnis. Zuerst protestieren sie. Sie haben Angst. Sie verweigern sich. Versuchen zu entkommen. Bis sie sich in das Unvermeidliche fügen. Fast alle. Was wäre wenn? Experimente mit Menschen, Erwachsenen wie auch Kindern, sind nicht neu und in den weiten Bereichen rund um das menschliche Gehirn und dem Verhalten in bestimmten Situationen immer wieder gern probiert. So werden diesen Probanden getestet und Situationen ausgesetzt, die insbesondere gern an Charakteren rüttelt. Die Versuchsanordnung, die von Richard Marazano (Der Schimpansenkomplex) hier ersonnen wurde, ist ein wirklich gruseliger Ausgangspunkt.

Das Gefängnis, dem Umstand nach zweifellos ein solches, gewinnt durch eine Umbenennung kaum an Qualität, erhält aber einen etwas freundlicheren Charakter, indem die Insassen neutraler als Einheiten, die Bewacher als Kameraden, die experimentierenden Ärzte als Berater bezeichnet werden. Allesamt sind sie die Bewohner. Richard Marazano beschreibt eine Hölle für Menschen, die sich offensichtlich nichts haben zu schulden kommen lassen und sich nun zur Hilflosigkeit verdammt sehen. Denn neben der ungeklärten Frage nach dem Warum für ihren Gefängnisaufenthalt, haben sie auch keine Ahnung Wo sie sich befinden.

Jean-Michel Ponzio, der zusammen mit Richard Marazano schon Der Schimpansenkomplex schuf, hat es hier mit einer Geschichte zu tun, die weniger mystisch, dafür umso menschlicher in Szene gesetzt wird. Die Umgebung des Gefängnisses ist kalt, stählern, eisern, wie das Innere einer längst verlassenen Fabrik, die eigens zu diesem Zweck umgebaut oder angepasst wurde. Jean-Michel Ponzio arbeitet stilistisch, als setze er eine Fotoserie in Zeichnungen um. Jede Figur ist zu jeder Zeit, in jeder Haltung und Perspektive wiedererkennbar. Es ist eine grafische Lösung, die sich keinen Fehltritt, keinen falschen Strich leistet. Es ließe sich auch sagen, dass Ponzio die optische Dokumentation für seine Zusammenarbeit mit Marazano entdeckt hat.

Diese Stilistik, die durchaus auch sehr kühl ist, sezierend, nüchtern, klar setzt jeden vorkommenden Charakter den voyeuristischen Blicken des Lesers aus. Jeder Charakter, Kameraden und Berater eingeschlossen, ist auf dem Prüfstand. Das ist bei der klinischen Atmosphäre binnen kurzer Zeit gruselig, ein unheimlicher Thriller, der auch durch die Zwielichtfarben, die vorherrschende künstliche Beleuchtung im Inneren des Gefängnisses befördert wird. Tageslicht dringt in den Innenbereich dieses Ortes nicht vor.

Die Vorgeschichte, oder auch Einleitung, ist kurz. Zwischeneinschübe (nicht jeder Mensch kann so einfach verschwinden, ohne dass nicht wenigstens einen gibt, dem dieses Verschwinden auffällt) zeigen die Welt außerhalb des Gefängnisses. In der relativ nahen Zukunft handelnd, präsentiert sich Hoffnungslosigkeit in smoggelbem Licht, leicht diesig. Drinnen oder draußen, ob Macht oder Ohnmacht, so geben es die Bilder wieder, es ist sich alles eins und macht keinen Unterschied.

Faszinierend. Kann mehrmals gelesen werden, ist vielschichtig, auch zwischen den Zeilen. Richard Marazano hat seine Technik für Plot, komplexe Handlung und Charaktere einmal mehr perfektioniert. Technisch perfekte Zeichnungen komplettieren diesen SciFi-Thriller und Auftakt einer vierteiligen Erzählung. 🙂

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Dienstag, 02. April 2013

Malcolm Max – Kapitel 1 – Body Snatchers

Filed under: Mystery — Michael um 9:40

Malcolm Max - Kapitel 1 - Body SnatchersIm Jahre 1889 sind Leichen zu einer ganz besonderen Ware geworden. Zum Zwecke anatomischer Studien lassen sich Leichen gut verkaufen. Leichendiebe sind sogar auf den Friedhöfen unterwegs und rauben Gräber aus. Malcolm Max und seine Gehilfin Charisma Myskina verfolgen eine heiße Spur. Nachts auf einem Friedhof in London versuchen sie einige dieser Ganoven bei ihrer Arbeit zu beschatten, um den Drahtzieher hinter den Leichenrauben zu fangen. Leider kommt ihnen eine übereifrige Journalistin namens Fiona Pankhurst in die Quere, die zwar mutig, aber auch sehr sorglos ein Foto der Grabschänder schießt. Kurz darauf ist sie samt ihrer sperrigen Kamera auf der Flucht. Mit wehendem Rock ist das Fliehen jedoch keine leichte Aufgabe und es wäre nicht geglückt, gäbe es nicht einen Malcolm Max, der galant und tatkräftig zur Seite seht.

Aber es ist nicht die Nacht von Fiona Pankhurst. Der langjährige Autor von Gespenstergeschichten, Peter Mennigen, stellt seine interessante Frauengestalt, emanzipiert und forsch, auf schöne Weise vor, bevor er sie nach allen Regeln gruseliger Kunst, als eher prominentes Opfer entlässt. Malcolm Max, ein Ermittler in den dunklen Gefilden des viktorianischen Zeitalters, erblickte zunächst im Hörspiel das Licht der Unterhaltungswelt und betätigt nun mit dem ersten Band einer neuen Comic-Reihe einen weiteren, sehr guten Schritt. Durch den Illustrator Ingo Römling entsteht eine modern und technisch sehr versiert gestaltete Geschichte, die Auge und lesefreudiges Hirn anspricht.

Malcolm Max will nicht nur betrachtet, sondern auch gelesen werden. Neben einigen sehr humorvollen Passagen, auch gegen den Strich eingebaut, wie gerade jene erste Kussaufforderung von Charisma Myskina zeigt, breitet sich eine Atmosphäre aus, wie sie gerade neuere Publikationen des Genres gerne verwenden. Gruselig charmant, mit spitzen Stift, zwischen kantig und weich werden Fans von Stilistiken eines Mike Mignola (Hellboy) oder eines Rob Guillory (Chew) sofort Gefallen an den Bildern von Ingo Römling finden. Allerdings stilisiert er nicht ganz so stark wie seine Kollegen und bleibt noch in der Nähe seiner Entwurfskizzen, die noch deutlich realistischer als das Endprodukt ausfallen.

Das erste Comic-Album: Angesichts der Qualität des ersten Bandes von Malcom Max stellt sich eigentlich nur eine Frage: Warum erst jetzt? Ingo Römling arbeitete schon im Gruselbereich (Die Toten), doch eine Geschichte von dieser Länge war noch nicht dabei. Malcolm Max ist als Figur ein langer Schlacks, mit ebenfalls länglichem Gesicht (und einer gewissen Ähnlichkeit zu einem in meinem Raum bekannten Schauspieler, Adrian Linke) und einer dandy-haften Gestalt. Interessant ist, wie auch die Collage von verschiedenen Personen im gesellschaftlichen Treiben am Theater oder bei Ausstellungen verwendet wird. Hier finden sich Bildaufbauten wie sie auch in der so genannten Bildenden Kunst späterer Jahrzehnte beliebt gewesen sind.

Im Sinne von Gruselgeschichten neuerer wie auch klassischer Machart gibt es allerhand Motive zu entdecken. Anspielungen auf Das Schweigen der Lämmer oder Im Auftrag des Teufels sind ebenso zu finden wie das Einschleichen so ungewöhnlicher Themengebiete wie Voodoo. Letztlich greift optisch alles sehr schön ineinander, so dass ein sehr geschlossenes und damit sehr ansprechendes Werk entsteht.

Ein Nachteil: Wie die Titelgebung des Bandes verrät, handelt es sich um Kapitel 1, nicht Buch 1 und so endet dieses Album erst einmal mit einem gemeinen Cliffhanger und einer Menge unaufgelöster Fragen. Freunde viktorianischer Geschichten, auch andere versierte Leser werden vielleicht erste Schlüsse ziehen, auflösen werden sie jedoch erst Peter Mennigen und Ingo Römling.

Toller Auftakt, aus deutschen Landen endlich einmal wieder und es zeigt sich, dass sich Produktionen hierzulande nicht hinter dem frankobelgischen Kollegium zu verstecken brauchen. Erzählung, Spannung, Bildsprache und Technik fesseln von der ersten bis zur letzten Seite. Ein fein aufbereiteter Anhang bietet einen schönen Blick in die Entstehung des vorliegenden Bandes und der Hauptfiguren. 🙂

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