Donnerstag, 08. November 2007
Slhoka und seine Begleiterin Svendai sind auf dem Weg über die Grenze, als sie geradewegs in eine Offensive aus Zeide hineinlaufen. Im tiefen Schnee der Berge finden sie sich in einem Grabenkrieg mit anschließendem Schusswechsel wieder. Zuerst können die beiden unfreiwilligen Verbündeten sich noch durchmogeln, doch alsbald wendet sich das Blatt.
In einer anderen Welt, einer unsichtbaren, ist man mit Slhoka nicht zufrieden. Seine Macht ist außerordentlich, aber er könnte noch viel mächtiger sein, wenn er im Vollbesitz dieser besonderen Kräfte wäre. Leider gelang die Kraftübertragung nicht. So ist nun Leidjill, Slhokas große Liebe, im Besitz der anderen Hälfte der Kräfte. Und es gibt nur eine Möglichkeit für Slhoka, an die andere Hälfte dieser macht zu gelangen.
Der junge Mann wähnte sich bereits in genügend Schwierigkeiten. Gegen seine Geliebte vorzugehen, ganz gleich unter welchen Einflüssen des Feindes sie gefangen ist, ist schon schwierig genug. Den allerletzten Schritt zu machen, den Ratschlägen jener unbekannten Götterstimmen zu folgen, ist für ihn ein Wahnwitz.
Derweil sind die irdischen Schwierigkeiten schon groß genug. Die Häscher, allen voran der Coroner, sind ihm dicht auf den Fersen. Nicht zuletzt wegen Leidjill, die dank der ihres Teils der Macht, Verbindung zu ihm aufnehmen kann.
Im Herrschaftsbereich ändert sich plötzlich alles. In Zeide ist auch Slhoka am falschen Platz. Er nahm diesen gefahrvollen Weg nur auf sich, weil er einem verstorbenen Freund einen letzten Gefallen tun wollte. In Zeide ist man von seiner Redseligkeit nicht so recht überzeugt. Im Gegenteil freuen sich die Machthaber darüber, dass ihnen der Mutant in die Falle gegangen ist – eine Falle, aus der Slhoka zu ihrem Entsetzen wieder entkommen kann.
Damit geht das Abenteuer erst so richtig los.
Krieg, Technik, Magie und Helden. Offenbarungen, hilfreiche Geister, Götter, Widerstandskämpfer. Detaillierte Welten, wahnwitzige und rachsüchtige Herrscher. Explosionen, Völkermord, jugendlicher Leichtsinn, die große Liebe. All das und noch mehr findet sich in der Welt von Slhoka Gunja.
Inzwischen hat sich die von Ulrig Godderidge geschriebene Geschichte gefestigt, nachdem alle Charaktere, Kulturen und politische Situationen eingeführt sind. Der Leser begegnet Slhoka mit seiner Begleiterin in einer verfahrenen Lage, gleich im Anschluss an die Ereignisse in Band 2.
Mitten im Tiefschnee ist ihr Flugzeug niedergegangen. Die ersten Bemühungen, das Fluggerät wieder flott zu bekommen, scheitern auf eindrucksvolle Weise unter Artilleriebeschuss.
Dieser Auftakt ist bezeichnend für die gesamte Handlung, die von einer Station zur nächsten springt und dabei eine sehr schöne Dynamik entwickelt. So betrachtet, erinnert das Konzept an die guten alten Cliffhanger-Geschichten. Nur findet sich hier der Cliffhanger nicht am Ende der Geschichte. Godderidge findet zu jeder Szene oder jedem Kapitel eine offene Frage, eine verfahrene Situation, die den Leser am Ball bleiben lässt. So legt man Slhoka erst zur Seite, wenn alles gelesen ist.
Die Kluft zwischen Technik und Mystik, zwischen einer gewaltigen Militärmaschinerie und einer erbärmlich ausgestatteten Guerilla ist noch größer geworden. Ist der Leser mit der unglaublichen Macht von Slhoka konfrontiert, die ihren Ursprung in einer anderen Dimension hat (und noch größer sein konnte), bedient die Entwicklung einer Massenvernichtungswaffe die technische Seite der Waage.
Es ist schön herausgearbeitet, wie sich die Beziehungen der einzelnen Figuren zueinander verschieben. Shani, der Rachegeist empfindet Zuneigung zu Slhoka, dem sie zuvor nur Verachtung entgegenbrachte. Die Liebe obsiegt über Konditionierung und wird zur Richtschnur in einem Gefüge, in dem der Wahnsinn in den Herrscherhäusern umzugehen scheint. Für Slhoka gibt es während der gesamten Handlung keinerlei Ruhepause. So wird der, der am wenigsten mit diesen Ereignissen zu tun haben will, zum meist gesuchten Subjekt in dieser Geschichte.
Autor Godderidge erschafft eine Welt und eine Handlung, die es geradezu erzwingt, dass Zeichner Adrien Floch seine Vielfältigkeit unter Beweis stellt. So reisen wir mit Slhoka durch den Winter, durch Schützengräben, militärische Gefechte, durch fremde Dimensionen mit riesigen steinernen Götzenköpfen, durch Dschungel, riesige Paläste und Empfangshallen und mit Fluggeräten über Abgründe und Meere. Der Zeichner, der sich auch mit Serie Ythag hervorgetan hat, pflegt einen feinen Comic-Stil, der einerseits hervorragend zu sehr technischen Bildern passt, aber auch organische Formen wie Landschaften und Figuren schön darstellt – und bei letzteren vor allem bereits eine optische Sympathie herstellen kann.
In diesem vor Action strotzenden dritten Teil der Saga ändern sich einige Beziehungen, die politische Situation ist angespannter als jemals zuvor. So wird die Handlung für den Leser zu einer Tour De Force, der in Sachen Erzählung, Gestaltung und Spannung keine Fragen offen lässt. Das Ende scheint hoffnungslos und es lässt den Leser schlichtweg atemlos zurück. Sehr gute SciFi-Unterhaltung. 🙂
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Mittwoch, 07. November 2007
Cassie geht mit dem sportlichen Jungen in der Nacht spazieren. Es ist eine ganz normale Verabredung – nun, vielleicht nicht für Cassie. Die junge Frau hat einen Hinweis erhalten. Jemand tötet Cheerleader. Könnte ihr Begleiter dieser Jemand sein?
Wer kennt sie nicht? Die Splatter-, Slayer- und Slasher-Filme? – Nun, ich hoffe, höchstens all jene die über 18 Jahre alt sind, obwohl abgespeckte Versionen dieser Genre-Filme auch in Varianten ab 16 Jahre ihr Publikum finden.
Ein Slasher, ein irrer Killer, aus welchen Beweggründen auch immer, ist aus dem Kino nicht wegzudenken. Freddy, Michael oder Jason sind die bekannteren Vertreter ihrer Art. Aber auch eher namenlose oder austauschbare Gesellen wussten, was man im letzten Sommer getan hat oder welche düsteren Legenden noch erzählt werden müssen.
Verschiedene Gesetzmäßigkeiten finden sich in Slasher-Filmen wieder – was auch in der Zeitschrift MAD vor vielen Jahren einmal verhöhnt wurde. Renne immer in einen Keller – weil es daraus ganz bestimmt kein Entkommen gibt. Habe auf jeden Fall Sex mit jemandem – wenn Du in der nächsten Szene dran glauben willst. Falls nicht, sei wenigstens das einzige überlebende Mädchen, das sich den Slasher mit einer Stricknadel oder einem anderen zweckentfremdeten Gegenstand vornimmt.
Ein solches Mädchen ist Cassie, die Tochter eines Slasher-Monsters, einer Köchin in einer Kantine, die mit Vorliebe aus den Kids Hackepeter machte, die sich gegenüber ihrer Tochter schlecht verhalten hatten. Aus Cassie wurde allerdings kein zweiter Jason, sondern sie stellte sich ihrer wiedergängerischen Mutter und vernichtete sie.
Damit nicht genug. Cassie gewinnt außerdem einen Helfer. Äußerlich leicht mit einem Slasher zu verwechseln (auch wegen der Gasmaske, die er bei Einsätzen trägt), ist Vlad ein wertvoller und starker Begleiter, der nicht nur austeilen, sondern auch einstecken kann.
Tim Seely ist der Erfinder dieser Slasher-Parodie, die nun endlich kommt – denn ganz ehrlich, es ist erstaunlich, dass etwas ähnliches so lange auf sich warten ließ.
Traten sogar die Original-Slasher im Comic gegeneinander an, wie z.B. Leatherface und Jason Voorhees, begegnen uns nun neue Kreationen wie Bobby, Laura und Vater Wrath, Lloyd und Jimmy sowie die Lunch Lady. Ihre Motive sind unterschiedlich, ihre jeweilige Rache ist fürchterlich und schaurig einfallsreich. Tim Seely greift tief in die Ideenkiste. So sind, abgesehen vielleicht von der Lunch Lady, der Mutter von Cassie, die Gestalten äußerst ausgefallen.
In der Galerie der Slasher, im Anschluss an die Episoden aufgelistet, sind die beiden Duos besonders gelungen. Das Mädchen Laura, das den Zombie-Priester Vater Wrath kontrolliert, und schließlich die Eigeninitiative übernimmt, ist zusätzlich der Stein des Anstoßes für Cassie einmal Party-Luft zu schnuppern und das zu tun, was Jugendliche in ihrem Alter schon mal so tun: Spaß haben. Bisher war Cassies Leben von Spaß weit entfernt. Das junge Ding, das an der Seite von Vlad für Ordnung unter den Freaks sorgt, wird nicht von der Lust auf das Töten oder aus Rache angetrieben. Schiere Angst ist es, die Furcht, einmal genau so zu werden wie ihre Mutter, eine Wiedergängerin, die wahllos Menschen tötet.
Das zweite Duo ist allerdings das I-Tüpfelchen, denn der Slasher treibt sich auf einer Comic-Convention herum und lässt dabei so illustre Namen wie Robert Kirkman und Steve Niles über die Klinge springen. (Der Genre-Fan wird in diesen Namen die Macher z.B. hinter The Walking Dead und 30 Days Of Night erkennen.)
Alleine diese Episode ist mit solch abgrundtiefem schwarzem Humor erzählt, dass man als Leser zwischen Lachen und Staunen schwankt, da der Einfallsreichtum derartige Blüten treibt, wie man es seit den Killerbabies in der Wiege des Schreckens vielleicht nicht mehr gesehen hat.
Die Erzählung wäre in diesem Fall nur halb so gut ohne die beiden Zeichner Federica Manfredi und Stefano Caselli. Gerade bei Federica Manfredi, die federführend bei den Episoden 2 und 3 ist, muss man sich fragen, warum diese talentierte Künstlerin in den letzten Jahren nicht schon häufiger in Erscheinung getreten ist. Allerdings agiert sie auch nicht Genre-fremd, da sie schon Vampire in Szene setzte. Der Seitenwechsel hat ihr gut getan. Aber es ist nicht nur der zeichnerische Stil, sondern auch die Farbgebung, die dank Davide Amici in einem deutlichen Anime-Stil ausfällt.
Doch auch die erste Episode, von Stefano Caselli gezeichnet, weiß dank der Kolorierung von Sunder Raj sehr zu gefallen, da er einen gemäldeartigen Stil bevorzugt, den ich persönlich bevorzugen würde, aber der auch ungeheuer arbeitsintensiv ist.
Hack/Slash ist Trash, und will Trash sein. Aber es ist guter Trash, der unterhalten will und dies mit Bravour schafft. Die Voraussetzung ist natürlich, dass man über die gewollt komischen Vertreter der Monster- und Slasher-Filme lachen kann. Dank der beiden Zeichner Stefano Caselli und Federica Manfredi spielt Hack/Slash grafisch außerdem noch in der Oberliga der Comics mit. Perfekte Genre-Unterhaltung mit einem ordentlichen Schuss Albernheit. 😀
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Montag, 05. November 2007
Captain America ist ein Gefangener. Der Mann, der bereits im Zweiten Weltkrieg die amerikanischen Truppen in höchstgefährlichen Situationen angeführt hatte, war auch der Initiator gegen die neue Gesetzesrichtlinie. Auf der anderen Seite stand Iron Man und sein Alter Ego Tony Stark, erster Befürworter des Gesetzes. Aus den Freunden wurden unerbittliche Feinde.
Die beiden Journalisten Ben Urich und Sally Floyd erhalten die Gelegenheit, die beiden Kontrahenten Captain America und Iron Man zu befragen. Urich ist besonnener als seine Kollegin, ruhiger, auch beruhigend. Im Gespräch mit einem desillusionierten Captain America kann er Sally trotzdem nicht zurückhalten. Sally redet sich ihren gesamten Frust von der Seele.
Nachfolgend treffen sie auf Tony Stark, der mit seiner zweiten Identität Iron Man einen neuen technischen Höchststand erreicht hat. Außerdem ist er zum Direktor von Shield, der internationalen Eingreiftruppe der UN aufgestiegen. Obwohl er der Gewinner des Konflikts ist, hat er persönlich nur verloren. Zusätzlich sind die beiden Reporter Machenschaften auf die Spur gekommen, die das Ansehen dieses mächtigen Mannes gehörig ankratzen. Ihnen ist sogleich klar, dass sie diese Informationen niemals werden veröffentlichen können.
Ein gefangener Captain America kann immer noch zu einer Gefahr werden. Dieser Auffassung sind die verschiedensten Fraktionen, nicht nur die offiziellen Stellen. Als Cap die Stufen zum Gerichtsgebäude erklimmt, mehr oder minder sorgsam bewacht, fallen Schüsse. Das Symbol einer ganzen Ära bricht getroffen zusammen.
Der Bürgerkrieg zwischen den Helden findet sein Ende mit Civil War – Der Tod eines Traums und einem sehr lauten Knall. Wenn Helden ihr Ende finden, wird es ja häufig belächelt. Na, die werden schon wiederkommen. Irgendwie. Captain Americas Ende soll aber wohl nicht nur ein Meilenstein im Comic sein, sondern auch ein Zeichen sein, eine Aussage. Wer die Helden und Schurken in der schaurigen Episode am Ground Zero stehen sieht, entdeckt nicht nur Parallelen, sondern auch ein durchgehendes Konzept.
Cap trat nicht nur gegen Kriegsverbrecher, Schurken und außerirdische Invasoren an. Zuletzt kam er auch gegen Terroristen zum Einsatz, besonders unter dem Eindruck der Katastrophe vom 9.11.2001. Civil War ist nicht nur ein sehr großes verlagsinternes Crossover geworden. Es ist zugleich auch umwälzender als das vergleichbare jüngste Großereignis bei DC.
Iron Man selbst vergleicht seinen Sieg mit dem Desaster, dass auch für König Pyrrhus ein Sieg war. Ein Sieg, der so teuer mit Menschenleben erkauft wurde, dass von einem Sieg kaum die Rede sein konnte. Angespornt durch legendäre Anführer wie König Artus sah sich auch Tony Stark als Architekt einer neuen sicheren Weltordnung, ein Visionär für das Gute. Für Captain America bedeutete diese neue Weltordnung nur den Erstickungstod der Freiheit.
Beide Ansichten prallen aufeinander, nicht bereit auch nur einen Millimeter zurückzuweichen, so dass am Ende alles auf der Strecke bleibt, auch solches, was beiden Seiten lieb und teuer ist.
Marvel gestaltet hier den Niedergang des Helden-Mythos, des einfach gestrickten Supersoldaten, des edlen Rächers. Obwohl sich viele mit dem Unvermeidlichen abfinden und sich registrieren lassen, gärt es unter der Oberfläche weiter. Neue Konflikte scheinen nur aufgeschoben zu sein.
Insgesamt lässt sich sagen, dass dieser Band, von Autoren wie Paul Jenkins, Brian Michael Bendis oder Warren Ellis geschrieben, ein ziemlich dichtes trauriges Bild liefert. Zwar zeichnet sich auch ein Neubeginn ab, so die Gründung von Omega Flight, dem neuen kanadischen Superteam, aber der Niedergang ist offensichtlich. – Wenn die Thunderbolts zu einer tatsächlichen Ansammlung von Verbrechern und Psychopathen verkommen, ist dies ein deutliches Zeichen. Illustre Namen wie Bullseye, Venom oder der Grüne Kobold unter einem Dach? Das kann nicht gut gehen.
So aufwühlend und auch niederschmetternd diese Handlung für die Fans auch sein dürfte, so toll ist die optische Gestaltung, in der zweifelsohne wieder einmal die von Marc Silvestri dominiert und die anderen, die ebenfalls gut sind, doch in den Schatten stellt. Entsprechend dramatisch fallen die Szenen um Omega Flight (gigantische Neuvorstellung) und die neuen Thunderbolts aus.
Ein sehr düsterer Abschluss, wie ein weiterer Auftakt zur Revolution geschrieben, der Tod eines Mythos. Der Abschied von Iron Man und Captain America voneinander, äußerst ruhig erzählt, sehr intensiv in Szene gesetzt, dürfte einer der Wendepunkte in der Historie des Marvel-Universums sein. Praller, sehr ernsthafter Lesespaß. 😀
Sonntag, 04. November 2007
Es ist eine Scherbe, ein unscheinbares kleines Bruchstück, die verborgen im Schnee auf einen Finder wartet. Im Gebirge, fernab jeglicher Zivilisation, liegt sie seit Jahrtausenden versteckt vor sterblichen Augen. Die Scherbe jemals zu finden, wäre eigentlich eine Unmöglichkeit. Eigentlich.
Von all dem ahnt Drizzt Do’Urden, der Dunkelelf, nichts, als er sich den Weg durch den unwegsamen Schnee bahnt und sogleich eine unliebsame Begegnung mit einem Pärchen Tundra-Yetis hat. Es bleibt keine Zeit für Diskussionen. Die monströsen Kreaturen gehen sofort zum Angriff über. Aber anders als jene der Dunkelelfenkultur, die er hinter sich gelassen hat, kämpft er nicht allein. Ein Zwerg ist bald zur Stelle und hilft dem Bedrängten in höchster Not.
Auch Akar Kessel, der Finder der unscheinbaren Scherbe, erreicht bald einen Punkt im Gebirge, der für das Bruchstück wie geschaffen scheint. Er wirft die Scherbe in den Schnee, und vor seinen Augen wächst ein gigantisches grünes Artefakt in die Höhe, wie ein unirdischer Turm. Kessel hat sein Ziel erreicht. Vorerst.
Denn der Dämon, der Äonen damit verbrachte, auf den Fund der Scherbe zu warten, will dieses Stück endlich wiederhaben. Leider hat er nicht mit Kessels Plan gerechnet und zu Beginn ist er von dessen Idee überhaupt nicht begeistert. Doch bei näherer Betrachtung tun sich für Errtu, das geflügelte Monstrum, ungeahnte Möglichkeiten auf.
Die Bedrohung für die Menschen, Zwerge und anderen Völker ist indes viel realistischer und näher. Die Barbaren kommen!
R.A. Salvatore ist mit der Saga um den Dunkelelf etwas ganz besonderes gelungen. Er schuf mit der Heldengruppe um Drizzt Do’Urden eine äußerst sympathische Party. Enger Freund von Bruenor Heldenhammer, neuer Freund von WulgarCattie-Brie, bewegt sich Drizzt als gebürtiger Drow in einem Umfeld, dem jeder andere Dunkelelf nur Verachtung entgegenbringt. Drizzt, von Hause aus eigentlich der Feind jedes Lebewesens, ist in Begleitung einer magischen Panther-Kreatur namens Guenhwyvar, einer teuren Freundin aus seiner Jugendzeit, die sich nach einem Kampf in ihrer magischen Sphäre wieder regenerieren kann.
Die Vergessenen Reiche sind eine gefährliche Welt. In der vorliegenden Ausgabe, basierend auf den Romanen von Salvatore, hier adaptiert von Andrew Dabb, zieht ein neuer Sturm auf. Nicht nur die Barbaren bedrohen die heile Welt, in der sich neue Freundschaften entwickeln. Der Zauberer und der Dämon ziehen Truppen zusammen, begründen Allianzen.
Langsam wird der Leser dieser fremden Welt nahegebracht. Ausgerechnet Riesen sind es, die die so ungleichen Männer Drizzt und Wulfgar zu Freunden machen.
Es ist natürlich immer eine heikle Angelegenheit, wenn erfolgreiche Romane für das Comic-Genre adaptiert werden. Dies trifft auch auf Verfilmungen zu. Plötzlich werden Figuren optisch umgesetzt, von denen man bislang eigene Bilder hatte. Heikler wird es noch, wenn ein Schauspieler, oder, wie in diesem Fall, der Zeichner wechselt.
Um es vorweg zu schicken: Bilder können eigentlich nie den eigenen Vorstellungen gerecht werden, weshalb man eine Umsetzung als eigenständige Erzählung werten und einen Vergleich besser unterlassen sollte.
Bruenor und Drizzt sind die alten Hasen. Sogar Regis, der Halbling, könnte als solcher gewertet werden. Im Rahmen seiner Möglichkeiten steigt er langsam zu einem sehr wichtigen Mitglied dieser Heldengruppe auf. Wulfgar und Cattie-Brie sind eher jugendlich unbedarft. Sie gehören zu den Charakteren, durch deren Augen man die Geschichte staunend betrachten kann.
Die Zeichnungen von Val Semeiks sind solide ausgeführt. Dank der Tuscheausführungen verschiedenster Inker entstehen dennoch immer neue Eindrücke. Fast könnte man es ein Leerstück nennen, wie eine Tuschetechnik ein Bild, die Grundzeichnung verändern, beeinflussen kann, zum Besseren, wie auch zum Schlechten. So sind von fetten Linien und Flächen bis hin zu feinen Linien und ebensolchen Schraffuren alle Stile vertreten.
Die feinen Umsetzungen gefallen mir persönlich besser, denn sie lassen Semeiks Zeichnungen eleganter erscheinen.
Spannende Unterhaltung aus den Vergessenen Reichen mit einer der neuen Fantasy-Legenden: Drizz Do’Urden. Für Kenner der Fantasy-Reihe mag die Comic-Umsetzung gewöhnungsbedürftig sein, für Leser, die gute phantastische Unterhaltung mit Menschen, Zwergen, Elfen, Riesen, Orks, Zauberern und Dämonen suchen mit Kämpfen, Abenteuern, Intrigen, Freundschaften, Liebe, Magie und allem, was dazu gehört, der ist hier genau richtig. 🙂
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Im WDR2 Programm am 5. November (Montag) kommt im Stichtag eine Sendung zum 30. Todestag von Rene Goscinny, dem Mann, der mit seinem Humor maßgeblich zum Erfolg von Asterix, Lucky Luke oder Umpa-Pah beigetragen hat.
Die Beiträge werden im Radio um 09.40 Uhr und um 17.40 Uhr gesendet.
Quelle: WDR2-Programmhinweis
Freitag, 02. November 2007
Malta. Ein geheimer Auftrag. Das seltene und wichtige Dokument soll in den Besitz der katholischen Kirche gelangen. Doch so einfach, wie sich der Auftrag zunächst anhört, ist er nicht. Pater Vince, als Leibwächter für Pater Ornello abgestellt, wiegt sich anfänglich in einer sicheren Position.
Aber er hat sich schwer getäuscht. Der Handel geht viel zu leicht vonstatten. Ein instinktives und auch erlerntes Misstrauen stellt sich ein. Nicht zu Unrecht, denn wenig später werden sie von zwei äußerst hartnäckigen Verfolgern durch die maltesische Nacht gejagt.
Die Fahrt geht durch die altehrwürdigen Gassen, vorbei an mittelalterlichen Befestigungsanlagen, die ein beliebter Drehort für historische Filme sind – und gerade jetzt genutzt werden. Die Bestürzung der beteiligten Schauspieler, Statisten und des Drehteams ist groß, als sich vor ihren Augen plötzlich eine echte Action-Szene abspielt.
Vince entschädigt sich großzügig für all die Aufregungen mit einem kleinen Techtelmechtel mit einer Stewardess, die ihm bereits bei der Ankunft schöne Augen machte – ohne zu wissen, dass Vince ein ordinierter Pater ist.
Zurück in Rom beichtet Vince sogleich all seine Missetaten Noch ahnt er nicht, dass seine Verdienste ihn geradewegs die Türen zu einer noch viel wichtigeren Stellung geöffnet haben: Unter dem neuen Namen Trias wird er der dritte Janitor, einer von zwölfen, und gehört fortan einer geheimen Schutztruppe an, von der nur sehr wenige Eingeweihte im Vatikan wissen.
Aber ist Vince auch wirklich bereit für dieses Leben? Schönen Frauen kann er einfach nicht widerstehen. Andererseits, wer ist dieses kleine Mädchen, das ihm auf Malta begegnet ist und wenig später in Rom seinen Weg kreuzt? Wie kommt sie zu der Behauptung, dass sie bereits seit seiner Geburt über ihn wacht?
Der Janitor reiht sich mit seinem Serienauftakt Der Engel aus Valletta in Thriller wie Illuminati, Assassini oder Das geheime Dreieck ein, die das Wirken des Vatikans und der katholischen Kirche als Basis für einen soliden Thriller nutzen.
Aus der Realität weiß man um Organisationen wie Opus Dei oder auch der Schutztruppe im Vatikan, der Schweizer Garde. Der Vatikan, die Kirche insgesamt, weiß immer noch mit einigen schwarzen Löchern aufzuwarten, die sich perfekt dazu anbieten, sie zu füllen und eigene Geschichten daraus zu kreieren. Das umfangreiche Archiv der Kirche bietet außerdem einen Ansatzpunkt für den Beginn dieser Handlung, geht es doch sogleich um die Beschaffung eines wichtigen Dokuments.
F. Boucq und Y. Sente halten sich nicht mit Vorreden auf. So erleben wir Pater Vince bei seiner täglichen Arbeit als Leibwächter im Priestergewand. Es ist ein wenig schade, dass man durch das Cover bereits von Vince’ Berufung weiß, denn so geht ein Teil der Überraschung verloren, die wenigstens die Stewardess am Morgen nach der Liebesnacht hat, als sie Vince in seiner tatsächlichen Berufskleidung sieht. (Ein Überraschungseffekt, den die beiden Macher für den aufmerksamen Leser beinahe in einer Art Fußnote verstecken.)
Die gezeigte Nacht- und Nebelaktion weiß ebenso zu begeistern wie die fremdländische Umgebung, denn Malta ist recht selten Schauplatz eines Thrillers, im Roman wie im Comic. Alleine die Fahrzeuge und die fein abgebildeten Straßenzüge machen die Verfolgungsjagd zu einem Erlebnis.
Mit der sorgfältig konstruierten Handlung beweisen F. Boucq und Y. Sente gleichzeitig, dass Action nicht notwendig ist, um Spannung zu erzeugen. Bereits die geheimnisvolle Tätigkeit von Vince ist für viele Fragen gut, die einer Klärung bedürfen. Damit nicht genug. Würde schon Vince’ kurze Vergangenheit im Dienste der katholischen Kirche für eine Geschichte reichen (Und überhaupt, was hat es mit dem Dokument auf sich?), wird er nun zu einem Mitglied einer noch geheimeren Gruppe. Es existieren nur zwölf Janitoren und keiner kennt den anderen. Damit agieren sie noch geheimer als die Doppelnull-Agenten.
Vince erledigt seine Aufgabe ernsthaft, doch die Kommentare, in Form einer Beichte, aus dem Off eröffnen dem Leser auch eine gewisse charmante Naivität. Vince macht seine Arbeit und lässt sich treiben. Obwohl er einen großen Karrieresprung in kurzer Zeit bewerkstelligt, stellt er keine Fragen – und der Leser erkennt: Dort, wo Vince arbeitet, stellt man keine Fragen. Vince ist ein gutes Werkzeug, und er nimmt sich hinter seiner Aufgabe sehr zurück.
Aber als Leser erkennt man auch, wie sehr er Gefahr läuft, über seine Leidenschaften in Form attraktiver Frauen zu stolpern.
Wer überwacht die Überwacher? Angesichts der Geheimhaltung dürfte sich dieser Frage noch einige Spannung entwickeln, weil F. Boucq und Y. Sente gerade diesen Erzählstrang bereits in Form der Journalistin Laura Pride vorbereiten.
Die seltsamen mystischen Andeutungen und Ereignisse sind noch nicht einzuordnen, aber gerade vor Themen wie den Templern verstehen F. Boucq und Y. Sente auch hier die richtigen Knöpfe zu drücken und mit den Erwartungen des Lesers zu spielen.
Vor einer sehr schönen gestalteten Kulisse mit interessanten Charakteren baut sich eine ungewöhnlich dichte Spannung auf, sehr ernsthaft und realistisch erzählt und ebenso realistisch gezeichnet. Sebastien Gerard stützt die im besten Sinn klassische Gestaltung mit einer leichten und versierten Farbgebung. Perfekte Thriller-Unterhaltung im Comic-Format.
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Donnerstag, 01. November 2007
Das Schiff jagt in die Tiefen der See hinab. Die einzigen Beobachter sind Fische, die mit diesem merkwürdigen Objekt nichts anzufangen wissen. Innen, mit ähnlichem Erstaunen, beobachtet Aspen ihren zurückgekehrten Bruder, der, immer noch in wässriger Form, immerhin gelernt hat, eine humanoide Gestalt zu formen.
Während Aspen sich über das Zusammensein mit ihrem Bruder freut, ist Cannon Hawke mit den Kontrollen des Schiffs beschäftigt. Eine Bemerkung lässt sie in Erinnerungen an die Vergangenheit abgleiten. Noch einmal erlebt die junge Frau, wie ihr Bruder von einem Verteidigungsstrahl getroffen und zu einem Wesen aus Wasser wird.
Aspen und ihre Freunde sind nicht die einzigen, die die Probleme ihrer Vergangenheit wälzen. Auch Kiani, die sich inzwischen wieder erholt hat, hat einige neue Fähigkeiten, die sie erst einmal verarbeiten muss. Die Begegnung mit den Menschen hat sie nicht nur verletzt, sondern auch in eine tiefe Krise gestürzt. Doch insgeheim hofft sie auf eine neue Begegnung, denn mit ihren neuen Kräften hat sie letztlich nur eines im Sinn. Sie will sich rächen.
Kianis geheimer Wunsch geht schneller in Erfüllung, als sie erwartet hat, als irgendjemand ihres Volkes erwarten konnte.
Von all dem ahnen Aspen und ihre Begleiter nichts. Der Krieg ist auf den Grund des Ozeans zurückgekehrt.
Mit dem Krieg, den neuerlichen Schlachten und Action-Szenen, scheint es, als halte eine neue Qualität in die Auseinandersetzungen zwischen Ober- und Unterweltlern Einzug. Man könnte glauben, Michael Turner höchstpersönlich habe wieder den Zeichenstift in die Hand genommen. Um es vorweg zu nehmen. Die sehr erfahrenen Künstler Koi Turnbull und Marcus To, bisher mit der neuen Serie Fathom schon beschäftigt, letzterer sogar mit der Ablegerreihe um Cannon Hawke, scheinen dem großen Meister, der leider nur noch durch besondere Cover auf sich aufmerksam macht, nacheifern zu wollen.
Fathom ist eine Action-Serie und lebt von entsprechenden Szenen. So startet die 12. Folge der neuen Reihe mit einem sehr schönen Bild des heranrasenden Unterwasserschiffes. Fathom lebt außerdem von seinen unterschiedlichen Szenen, so kehrt mit dem Umblättern auch gleich wieder Ruhe ein, denn die nötige Zeit, um die Charaktere weiterzuentwickeln, bleibt. Das Schicksal, das die Autoren J.T. Krul und Michael Turner ihren Figuren zugedacht haben, ist langfristig angelegt und auch für Überraschungen gut.
Eine dieser Überraschungen ist der Charakter der Kiani, die nun wie Cannon Hawke eine eigene Ablegerreihe erhält. Kiani, die Kämpferin ist durch einen Zwischenfall mit ähnlichen Kräften gesegnet wie Aspen – ob, es ein wirklicher Segen ist, wird sich noch herausstellen.
Krul und Turner wollen unterhalten. Sie treiben die Serie zügig voran. Nach einigen Einlagen und Handlungssträngen zu Lande geht es nun wieder unter Wasser weiter. Das Autorenduo beendet diese neuerliche Verlagerung des Handlungsschwerpunkts mit einem Knall – mit einem gemeinen Cliffhanger, einer Technik, die von den beiden meisterhaft beherrscht wird.
Optisch ist die Ausgabe, gerade wegen ihrer Unterwasserbilder, wieder ein kleines Zückerchen. Die Kampfszenen würden in einem Videogame jeden Simulatorfan begeistern. Die Schiffe sind phantasievoll, die Rüstungen aufwendig und die perspektivische Umsetzung zieht den Leser sogleich in das Geschehen.
Die Unterwasser-Action ist zurück. Schneller, blitzend, gut erzählt. Kolorist Paul Mounts gibt den tollen Bildern von Koi Turnbull und Marcus To den letzten Kick! 🙂
Mittwoch, 31. Oktober 2007
Lex Luthor und Brainiac heißen die Feinde, die der Justice League of America, kurz JLA, das Leben schwer machen. Inzwischen ist es den Helden auch klar, wie es zu dem Großangriff der Schurken kommen konnte. Brainiac kontrolliert sie mittels mikroskopisch kleiner Parasiten.
Die Zeit zum Gegenschlag ist gekommen. In der Festung der Einsamkeit versammeln sich die Freunde und lauschen einem Plan, der ihnen zunächst nicht so recht behagen mag. Die Metal Men schlagen das Tragen zusätzlicher Rüstungen vor, die ein Eindringen der Miniroboter Brainiacs unmöglich machen sollen.
Wenig später rollt ein Großangriff der Helden gegen Gorilla Grodd. Das Untier, ausgerüstet mit der Macht des gelben Rings von Siniestro, macht ihnen den Kampf so schwer wie möglich.
Doch nicht nur Wonder Woman, Green Lantern, Green Arrow und Red Tornado haben einen schweren Kampf zu schlagen. Auch Captain Marvel findet sich in einer Auseinandersetzung wieder. Allerdings hat er es nicht nur mit seinem Erzfeind Black Adam zu tun, sondern muss noch gegen seine Verwandten antreten, die durch Brainiacs Roboter manipuliert sind.
Der Kampf hat Folgen. Wenig später treffen zwei Titanen aufeinander: Superman und Captain Marvel.
Und das ist erst der Anfang. Nachdem die Helden allesamt mit speziellen Rüstungen gewappnet sind, ziehen sie in die Schlacht.
Wenn Alex Ross seine künstlerischen Fähigkeiten anwendet, dann entsteht für die Augen des Fans ein wahres Fest. Justice ist ein solcher Leckerbissen geworden. In dem vorliegenden Sechsteiler findet sich alles und jeder, der im DC-Universum Rang und Namen hat. Alleine das Cover hat bereits Poster-Qualität – im Gegensatz zu anderen Produktionen setzt sich diese Qualität im gesamten Heft fort.
Das Besondere an Ross‘ Figuren ist der 50er-Jahre-Look. Er zieht diese Helden so an, wie man sich im Jahrzehnt des Umbruchs Superhelden vorstellte – ja, so wie es Joe Shuster und Jerry Siegel sich vorstellten. Ross setzt diesen Vorstellungen seinen Fotorealismus auf, hier stark unterstützt durch das handwerkliche Geschick von Doug Braithwaite. Mehr von seinen Arbeiten sieht man unter www.dougbraithwaite.com, wo sehr schön heraus gearbeitete Bilder zu sehen sind.
Begeistern könne in diesem Band einige großformatige oder doppelseitige Bilder. Beispiele für eine perfekte Arbeit sind hier der Auftritt der gerüsteten Helden, die Tafel der Schurken, der Kampf zwischen Supie und Captain Marvel wie auch einige Szenen mit Green Arrow und Black Canary.
Die Vielfalt, die ein absolutes Plus des gesamten Abenteuers wie auch des vorliegenden Bandes ist, ist zugleich auch ein Minuspunkt, weil die Bilderflut wie in einem überbordenden Action-Film geradezu erschlagend ist. Angesichts der Qualität mag man das aber (mehr als) billigend in Kauf nehmen.
Auch der Einfallsreichtum versteht zu begeistern. Die Rüstungen von Hawkman und Hawkgirl sind genial anzuschauen, Batsies rotschwarzes Outfit erinnert an Batman Beyond (hierzulande: Batman Of The Future).
Die Handlung steht ein wenig hinter der Optik zurück – immerhin können die Bilder einen Vorgeschmack davon geben, wie ein JLA-Film aussehen könnte, dessen Verfilmung im Augenblick heiß diskutiert wird, da DC wohl endlich einen cineastischen Gegenangriff auf die X-Men starten will.
Was sich in jedem Fall mit Fug und recht behaupten lässt, ist, dass es sich hier um einen echten Action-Klopper handelt, der unter der Federführung eines Top-Produzenten wie Jerry Bruckheimer entstanden sein könnte.
Hammer-Unterhaltung, Riesenbilder in einer Top-Produktion toller Künstler und eines Erzählers, der den Kraftakt vollbringt, nahezu (fast) alles und jeden des DC-Universums in einer Sonderreihe unterzubringen. 😀
Montag, 29. Oktober 2007
Fernab in der Stadt Lankhmar finden sich die buntesten, die gruseligsten, die leidenschaftlichsten und abenteuerlichsten Gestalten. Inmitten einer Stadt, die ein Schmelztiegel für vielerlei Schichten ist, treffen sich zwei liebenswerte Halunken, Schurken, Diebe, die sehr bald die dicksten Freunde werden. Die Geschichte nennt sie: Fafhrd und der Graue Mausling.
Viele Abenteuergeschichten sind häufig auch Erzählungen über Männerfreundschaften. Fafhrd und der Graue Mausling beschreibt eine solche Freundschaft. Zwei sehr unterschiedliche Männer gehen gemeinsam durch Dick und Dünn, geeint durch ein ähnliches Schicksal, dem Verlust ihrer jeweiligen großen Liebe.
Der eine, ein großer starker Mann, rothaarig, bärbeißig und humorvoll ist ein Barbar. Fafhrd ist Mann, den kein Wässerchen trüben kann. Der Graue Mausling ist flink, geschickt, etwas kleiner, mit etwas mehr Manieren gesegnet und ein Dieb.
Beide sind perfekt dazu geeignet, sich gegenseitig zu ergänzen.
Howard Chaykin hat sich der Geschichten von Fritz Leiber um die beiden ungleichen Freunde angenommen und sie für das Comic-Genre adaptiert. Für die Umsetzung konnte kein Geringerer gefunden werden als Mike Mignola, der dank seiner überaus erfolgreichen Serien um Hellboy und die B.U.A.P. gerade auf seinem Zenit angelangt ist – wo er hoffentlich noch lange bleibt.
Fafhrd und der Graue Mausling ist aus der Sicht des Lesers aber auch eine kleine Zeitreise. Wir können sehr schön sehen, dass die Umsetzung dieser Geschichten ein Abschnitt auf der Entwicklungsleiter seines Schaffens ist. Zweifellos ist seine Arbeit zu diesen Geschichten noch nicht so reduziert wie z.B. in Hellboy. Einen direkten Vergleich kann mit den jeweiligen Titelbildern anstellen, die ganz bestimmt neueren Datums sind, da sich hier der Zeichenstil findet, der Mignola so populär gemacht hat und inzwischen sogar kopiert wird.
In beiden Schaffensperioden hat Mignola einen geschulten Blick entwickelt. Das Wesentliche steht perfekt im Zentrum eines jeden Bildes, eine Landschaft, eine Perspektive, ein Gesicht, ein Kampf. Mignola hält sich nicht mit überflüssigen Details auf. Trotzdem bleibt das Auge lange hängen, denn die Atmosphäre in der Komposition sowie Licht und Schatten stimmt.
Atmosphäre ist ein Kern dieser Welt, in der Fafhrd und der Graue Mausling zu Hause sind. Die Gassen in der verrufenen Stadt Lankhmar ähneln denen anderer phantastischer Städte aus der Pulp-Ära, so auch denen von Robert E. Howard. Die Magie ist so echt wie Kriminalität, sie dümpelt unter der Oberfläche, brodelt, ist jederzeit zum Ausbruch bereit und wird von niemandem verstanden – manchmal noch nicht einmal von einem Zauberer. Besonders jene letzte Eigenart wird von Fritz Leiber oder besser dem adaptierenden Howard Chaykin sehr schön Szene gesetzt. War schon ein Schwert stärker als schwarze Magie, kann sie gegen eine tiefe Freundschaft überhaupt nicht bestehen. Natürlich machen Leiber bzw. Chaykin ihren Helden nicht leicht.
Obwohl man als Leser sicherlich davon ausgeht, dass die beiden Helden ihr Abenteuer unversehrt überstehen werden, entsteht doch häufig der Eindruck, dass die beiden Männer diesmal nicht den Sieg davontragen werden. – Wenn ein Autor diesen Eindruck erwecken kann und man befindet sich als Leser doch erst in der Mitte des Buches, dann ist er ein hervorragender Erzähler.
Leibers Trick? Vielleicht ist es die Eigenart, nicht jede offene Frage zu beantworten, sondern ein ungewisses Element übrig zu lassen. – Oder sogar Figuren zu installieren, die mit diesen Ungewissheiten spielen.
Ningaubel und Schilba sind solche Kreaturen, beständig unter einem Umhang verborgen, herrscht bei der einen dunkler Schatten unter der Kapuze, während bei der anderen ein Sternenmeer zu glänzen scheint. Diese magischen Wesen haben an den beiden Halunken einen Narren gefressen und stehen ihnen hilfreich zur Seite.
Das wirklich Gelungene, und dies zeigt sich auch an den erwähnten Figuren, die geheime Zutat, wenn man es so nennen will, ist der Humor. Männer unter sich pflegen eine eigene Sprache, sie werden etwas kindischer, lassen sich selber auch hochleben, nehmen den anderen auch mal hoch. All das, und mehr, findet sich wieder im Verhältnis zwischen Fafhrd und dem Grauen Mausling und wird, was wohl der wichtige Aspekt ist, absolut echt geschildert.
Die für mich persönlich stimmigste Geschichte ist Der Fluch der Wiederkehr. Hier passt einfach alles. Der Gruselfaktor, die langsam ansteigende Spannung, bis zu einem Showdown der Extraklasse. Leiber wie auch Chaykin zeigen, wie auf engstem Raum eine Geschichte entstehen kann, wie ein Geheimnis Schritt für Schritt enthüllt wird. Der Kampf gegen die Geisterhunde dürfte ein Höhepunkt in der Fantasy-Literatur sein.
Kraftvolle Fantasy-Erzählungen, dichter, als es zunächst den Anschein hat, klassisch und immer noch modern, mit sympathischen Hauptfiguren, die mit List und Tücke, aber auch mit brutaler Gewalt vorgehen. Vom Schicksal gebeutelt, von den Göttern (und Hexen) geliebt, nehmen Fafhrd und der Graue Mausling den Leser mit auf eine außergewöhnlich schöne und aufregende Lebensreise.
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Samstag, 27. Oktober 2007
Im Jahre 1565 hat Conrad Gessner keinerlei Hoffnung mehr. Gefesselt an den Pfahl des Scheiterhaufens erwartet er die Vollstreckung des Todesurteils. Plötzlich taucht ein Monster aus der Nacht auf und greift die Versammelten an. Doch für Gessner kommt jede Hilfe zu spät.
Der Jäger schenkt dem Toten auf dem Scheiterhaufen keine Beachtung mehr. Das Monster ist es, dem er hinterher jagen muss. Diese Aufgabe ist nicht leicht, denn die Kreatur scheint stärker zu sein als die bisher bekannten Wesen. Der Jäger verschwindet in der stürmischen Winternacht.
Da Vinci und Van Helsing treffen den Namen der Rose.
Das Einhorn: Es gab eine Zeit, bevor Halbgötter in Weiß das Land bevölkerten und Ausstellungen mit plastinierten Leichen um die Welt reisten. In jenen Tagen ließ sich das Studium am menschlichen Körper nur mit dem Aufschneiden bewerkstelligen. Von diesen Tagen und Erfahrungen, den ersten Operationen, die sich bewährt hatten (oder auch nicht) künden heute noch alte Gemälde aus jener Zeit. Im Geheimen trafen sich gelehrte Männer, auch gegen die Weisung der Kirche, und vertieften ihr Wissen. Autor Mathieu Gabella und Zeichner Anthony Jean nutzen diese geschichtlichen Hintergrundinformationen, um eine Welt wiederzubeleben, in der Wissen bestraft werden konnte. Sie setzen eine zweite Säule aus dunkler Fantasy und eine dritte Säule mit opulenter Ausstattung hinzu. Heraus kommt eine äußerst innovative Geschichte, die auf ihre Art vorerst unvergleichlich ist.
Historie und Fantasy haben sich schon immer gut vertragen. Neben der realen Bedrohung, mit der sich die Ärzte jener Zeit auseinandersetzen müssen, entführt das Element der Mystery den Leser in ein sehr geheimnisvolles Szenario. Aber im Klartext: Ambrosius Paré ist ein bärbeißiger Mann, der über ein – für seine Zeit – beachtliches Wissen auf dem Gebiet der Anatomie verfügt. Zwar ist er der Chirurg des Königs, doch für seine Kollegen mit geschultem Wissen in Latein und Griechisch ist er nur ein Barbier, der innerhalb ihrer Zunft eigentlich nichts zu suchen hat. Paré hat ein respektables Alter erreicht, er lässt sich nichts sagen und ist nur schwer zu beeindrucken. Wie groß sein Können ist, zeigt sich bei einem Eingriff an den Augen eines Patienten.
Alleine diese wenigen Ereignisse, die bereits zu Beginn stattfinden, sind derart aufregend, dass sie einfach fesseln. Aber Gabella hat seine Hausaufgaben gemacht. Er belässt es nicht bei der spannenden Schilderung eines Arztes der Renaissance. Im nächsten Augenblick verstirbt ein alter Freund in den Armen des Arztes. Glaubt man sich in einem historischen Thriller, findet sich kurz darauf ein großzügiger Umgang mit Blut und Innereien, nur um wenig später erneut einem phantastischen Geschöpf zu begegnen. Diese Mischung aus Golem und Homunkulus bringt ein gruseliges, magisches Element mit ein.
Durch die Augen von Ambrosius taucht der Leser immer tiefer in die Geheimnisse der Geschichte ein. Die Bilder, die sich ihm dabei offenbaren, sind mystisch, grausam, einfallsreich – vor allem sind sie von einer ungeheuer guten Inszenierung beseelt.
Denn grafisch kommt Anthony Jean nicht nur mit einem ganz eigenen Stil daher. Als Zeichner und Kolorist in Personalunion ist er maßgeblich für die schaurige Atmosphäre der Handlung verantwortlich. In dieser Zeit des geistigen Aufbruchs trennte sich das Licht von den Schatten, und es scheint, als habe Jean diesen Grundgedanken wörtlich genommen.
Ob es sich um Außen- oder Innenaufnahmen, tagsüber oder nachts, ob es Straßen, Gassen, Gebäude oder Landschaften, ob es Menschen oder Monster sind, alles ist perfekt aufeinander abgestimmt.
Bilder wie die Übersicht über Paris hätte man gerne ohne Textkästen gesehen. Bilder von Innenräumen, in bräunliches oder graues Licht getaucht, sind nur wenige Beispiele für eine elegante Inszenierung, die ein Beleuchter eines Kinofilms nicht besser bewerkstelligen könnte.
Sicherlich arbeiten Autor und Zeichner hier auch sehr gut Hand in Hand. Beide scheinen in gewisser Weise auch das Abstruse zu lieben. Wann gab es schon Schlägereien mit Knochen oder wurde die Flüssigkeit von Innereien zur Ablenkung eingesetzt. Es entsteht eine mythische düstere Stimmung, die sich vielleicht mit einem Film wie Der Pakt der Wölfe vergleichen lässt.
Nach einem Gespräch zwischen Ambrosius und dem legendären Nostradamus verdichtet sich die Geschichte immer mehr – und es ist wirklich beeindruckend, wie viel Information und Handlung das Duo in diesem Album zu erzählen vermag, ohne zu langweilen oder zu aufdringlich zu sein. Jemand, der sich einen Umberto Eco mit Action und hohem Gruselfaktor vorstellen kann, findet in dieser Geschichte perfekte Unterhaltung.
Faszinierend erzählt und gestaltet, grafisch eine Perle auf dem Gebiet der Comics, von Gabella und Jean an der Grenze zu einem neuen Genre geschrieben und gezeichnet. Der Auftakt von Das Einhorn straft alle jene Lügen, die den Comic immer noch für eine oberflächliche Angelegenheit halten. Wenn Gabella und Jean ihre eigene Steilvorlage aufnehmen können, sollte aus dieser Reihe ein Meilenstein des phantastischen Comics werden. 😀
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