Montag, 25. Februar 2008
Die Reise geht weiter. König Holernes, Andrax’ treuer Freund, begleitet den Abenteurer aus Vergangenheit. Alles ist ihm lieber als der eigene Palast, wo die Königin die Staatsgeschäfte auch ohne bewerkstelligt. Als König, so Holernes Einsicht, ist es nicht nur langweilig. Er ist überflüssig geworden.
An Andrax’ Seite ist das ganz anders. Gefahren lauern an jeder Ecke. So ist es auch diesmal. Eine vermeintlich harmlose Schiffsüberfahrt wird plötzlich höchst gefährlich. Mitten im Meer öffnet ein Strudel seinen Schlund und droht das Schiff zu verschlingen.
Dank einer riesigen Meeresschildkröte kann Andrax dem Untergang entkommen, doch seine Freunde, allen voran Holernes, bleiben vorerst verschwunden. Sicher gelandet scheint das Glück für Andrax doch zu schwinden, denn urzeitlich anmutenden Menschen fallen über ihn her. Nicht für lange allerdings. Bald schon lässt eine neue Gefahr den versammelten Kämpfern das Blut in den Adern gefrieren. Andrax ergreift die Initiative und rettet einen seiner Gegner vor der Bestie. Die Dankbarkeit lässt ebenfalls nicht lange auch sich warten. Die Fremden wollen den Drachentöter als neuen König. Damit ist der Amtsinhaber Corax jedoch nicht einverstanden. Wieder muss sich Andrax etwas einfallen lassen.
Auch andere Landstriche bieten keinen Frieden. In grüneren Gefilden angelangt bringt die Rettung einer holden Maid Andrax und Holernes in die nächsten Schwierigkeiten. Damit nicht genug. Ein stählerner Gott wacht über diese Menschen, die von einem Götzenkult streng und unnachgiebig regiert werden. Diese Mönche sind nur auf ihren Vorteil bedacht. Was sie haben wollen, nehmen sie sich. Wer nicht kooperiert oder widerspricht, hat mit empfindlichen Strafen, wenn nicht sogar mit dem Tod zu rechnen.
Aber der Tod kann einen Kämpfer überall und aus den unterschiedlichsten Gründen treffen. Und manchmal ist es simple Eifersucht, wie Andrax später bei den Germanen miterleben muss.
Vier Abenteuer nehmen den Leser mit auf Andrax’ lange Reise durch eine irdische Welt in ferner Zukunft, in der alles möglich zu sein scheint und höchste technische Errungenschaften neben blanker Barbarei existieren können.
Es ist die Gedankenwelt von Peter Wiechmann und Jordie Bernet, aus einer Zeit, als Comic-Magazine keine Seltenheit waren, als erzählt wurde um der Erzählung willen und sich die Leser von diesen fernen Welten gerne mitreißen ließen.
Andrax, der Sportler, den es wegen eines Experimentes in diese Zukunft verschlug, ist bereits in dieser Rolle gereift. Der Schrecken über diese neue Zeit ist einer furchtlosen Neugier gewichen. Andrax ist getrieben, auf der Suche nach Antworten auf seine Fragen. Das gestaltet sich allzu schwer, denn vielerorts ist die Kultur zurück geschritten auf ein mittelalterliches Niveau, manchmal sogar noch weiter zurück. In einigen Fällen haben sich die Technik der Vergangenheit und die neue Barbarei der Zukunft sogar vermischt.
Sklaven für die Königin lautet der Auftakt dieses Bandes, der drei längere und ein etwas kürzeres Abenteuer umfasst. Aus den urzeitlichen Feinden in dieser Geschichte werden schnell Freunde. Als sie überfallen werden, weil sie als Sklaven verschleppt werden sollen, steht ihnen Andrax mit Ruhe und Taktik zur Seite. Gegen eine Übermacht und skrupellose Erpresser ist er aber auch machtlos.
Andrax ist edelmütig. Dies gehört zu seinen Haupteigenschaften. Er setzt sich bedingungslos für andere, selbst Fremde oder einstweilige Feinde, ein.
Schon der Versuch wäre tollkühn, denkt er kurz vor dem Angriff auf einen riesigen Dinosaurier. Dennoch wagt er es, weil er das Leben eines Menschen in Gefahr sieht. Andrax ist der Ur-Typ eines Helden, mit dem einfach mitgefiebert werden muss. Sein sympathischer Charakter lässt einfach keine andere Wahl.
So sind Sagen entstanden. Andrax als Siegfried.
Er nimmt sich selbst nicht allzu ernst, wie auch die Erzähler ihre Geschichten nicht allzu ernst nehmen. Viele Anspielungen, wie die Nibelungen, finden sich in diesem Band. Einiges wirkt ähnlich, auch parodiert und ist doch auf allen Seiten spannend. Andrax’ Abenteuer werden stets mit einem Augenzwinkern erzählt. In Der stählerne Gott wird ein Roboter verehrt, der ein wenig an Archie, den Mann aus Stahl erinnert. Dank Jordie Bernet sind die Mönche, die ihm huldigen gruselig biestig und gemein und wenigstens ebenso bösartig wie es in späteren Jahren jene aus 300 sein sollten, die Leonidas den Feldzug verweigerten.
Das Schöne ist wieder einmal, dass alles passieren kann. Selbst wenn der Leser glaubt, alle Bestandteile der Geschichte zu kennen, ist es trotzdem absolut ungewiss, wie die Handlung ihren Lauf nehmen wird.
Nur eines ist gewiss. Andrax wird als Sieger hervorgehen. – Und das ist gut so.
Über Bernets gestalterische Qualitäten lässt sich nicht streiten, im Gegenteil. In diesen Geschichten ist er gezwungen, alles aufzubieten, was die Historie, die Natur, Science Fiction und einiges mehr aufzubieten haben. Rüstungen, Schiffe, Muskeln, Monster, Landschaften und mechanische Giganten setzt Bernet mit diesem unnachahmlich leicht ausschauenden Pinselstrich in Szene. Wegen Bernet wird aus dieser Pulp Fiction noch etwas mehr.
Wer erinnert sich nicht an die Jugend, an die Kindheit, als die Phantasie noch Abenteuer beschwor, die im Geiste oder im Spiel ausgelebt wurden. Andrax schwebt auf diesen phantastischen Ideen, in denen alles möglich war und wo hinter der nächsten Biegung schon der nächste Feind lauert.
Ein gelungener zweiter Band der Andrax-Reihe. Spaß, Grusel, Spannung und noch mehr. Hier darf ein Held noch ein Held ohne eigene Abgründe sein, sympathisch, aufopfernd, herzlich. Dabei noch humorvoll und trotz der vielen Lebensjährchen auf dem Buckel erfrischend unverbraucht. Toll. 🙂
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Sonntag, 24. Februar 2008
Das Drama über den neuen Weg des Jedi Dass Jennir geht in die letzte Runde. Er und seine Kameraden haben die Spur des vermissten Mädchens, Bomos Tochter, aufgenommen. Ein Sklavenhändler besitzt die nötigen Informationen und gibt den Käufer des Mädchens preis. Nun sollte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Bomo seine Tochter wieder in die Arme schließen kann.
Die zuerst unfreiwillig zusammengefundene Gemeinschaft genießt für den Augenblick die Annehmlichkeiten eines zivilisierten Planeten, ein gutes Mahl und noch angenehmeres Klima. Es scheint fraglich, dass alle den Weg bis zum Ende mitgehen werden.
Jennir sieht sich getäuscht. Selbst auf sein Anraten hin will sich jetzt niemand mehr der Verantwortung entziehen. Die Reaktionen fallen mitunter sogar heftig aus. Der Groll sitzt bei so manchem des Teams sehr tief. Der letzte Akt beginnt, und die kleine Gruppe macht sich an den Angriff auf das Anwesen des Mannes, der Bomos Tochter kaufte.
Der letzte Akt wird auch in der zweiten Hälfte des Bandes, in der Geschichte Das Bauernopfer aufgeschlagen. Wyl Tarson und seine Helfer stehen kurz vor dem Ziel. Nur noch eine massive Tür trennt sie von der Möglichkeit, ihre Mission abzuschließen.
In der Zwischenzeit hat Darca Nyl ganz andere Probleme. Sein Kampf gegen den dunklen Jedi nähert sich dem Ende. Nyl hat nicht mehr genügend Kraft und Ausdauer. Genau in diesem Augenblick wendet sich das Blatt und ein Protagonist betritt den Kampfplatz, mit dem keiner der beiden Kontrahenten gerechnet hat.
Tragisch, traurig, dramatisch. Mit diesen drei Worten lassen sich die beiden Schlussepisoden von Dark Times und Das Bauernopfer umschreiben. Das Imperium wächst.
Grafisch beeindruckend auch im Finale präsentiert sich Dark Times, gezeichnet von Douglas Wheatley, geschrieben von Welles Hartley. Dank der Farbgebung von Ronda Pattison ist Dark Times eines der herausragenden Comic-Ereignisse von Star Wars.
Bei der Darstellung der verschiedenen Spezies dürfte jedem Star Wars Fan das Herz aufgehen. Die Ansichten von Darth Vader vor dem riesigen Hologramm des Imperators sind exzellent – und erinnern freilich an jene Szene aus Das Imperium schlägt zurück. Neben der grafischen Gestaltung ist auch der Inhalt der Szene interessant. Eine Gruppe Klonkrieger hat die Ausführung der Order 66 verweigert. Darth Vader erhält den Auftrag, an den aufmüpfigen Klonkriegern ein Exempel zu statuieren.
Aber der Leser muss sich gedulden, denn dies ist nur ein Nebenschauplatz und wird auch nicht weiter verfolgt. Letztlich dient es nur dazu, Vader als Charakter mit Jennir auf der anderen Seite zu vergleichen.
Ähnlich wie Vader am Ende über den vermeintlichen Verlust und Verrat von Padmé fiel, ist auch Jennir in der Gefahr der dunklen Seite anheim zu fallen – allein, weil er Bomo einen Freundschaftsdienst erweist.
Doch dies ist nicht die Tragik an der Geschichte (und soll auch hier nicht verraten werden, da sich Hartley eine wirklich barbarische Auflösung hat einfallen lassen).
Weniger barbarisch, aber gleichermaßen dramatisch ist die Geschichte von Rob Williams und Brandon Badeaux, die ein Himmelfahrtskommando der Rebellen auf eine schwierige Mission schicken.
Auch hier darf sich Leser wieder auf Darth Vader freuen, dessen Rolle an den Geschehnissen wichtiger ausfällt als in der Episode zuvor.
Die Szene in den dunklen Gewölben, in denen sich Vader einem seiner Art stellt, einem Jedi, der durchaus ein Sith hätte werden können, trägt auch noch ein wenig zur Erklärung von Vaders Charakter bei. Die Handlung, das Ende einzelner Figuren ist sehr düster und greift jene Mentalität auf, die ein Tarkin vorgab. Kein Mitleid, kein Erbarmen, nur Vorteile suchend, auch gegen eigene Leute, das ist das Imperium. Wer nicht untergehen will, schwimmt mit oder geht unter. Nach diesem einfachen Prinzip wird mit den Protagonisten verfahren.
Michel Lacombe, Zeichner von Das Bauernopfer, arbeitet mit starken, auffallenden Schwarzflächen, lässt aber dem Koloristen Will Glass noch viel Spielraum, seine Kunstfertigkeit zu zeigen.
Das Ergebnis ist anders als in Dark Times, aber immer noch auf einem hohen Niveau.
Ein gelungener, wenn auch tieftrauriger und düsterer Abschluss zweier Fortsetzungsgeschichten. Hier sind Könner auf ihrem Gebiet am Werk gewesen. Das äußert sich in Spannung und Lesevergnügen. Für Liebhaber betont realistischer Star Wars Geschichten sehr zu empfehlen. 🙂
Samstag, 23. Februar 2008
Wie Variety meldet, wird die Serie The Boys auch für die Kinoleinwand umgesetzt. Garth Ennis beschreibt darin eine Welt, in der es zwar Superhelden gibt, allerdings sind sie alles andere als erwünscht (oder immer nur gut) – eigentlich unterscheiden sie sich kaum von den Gangstern, die sie jagen. Eine kleine Gruppe, The Boys, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Helden in Ihre Schranken zu weisen.
Zwischenzeitlich wird die Fortsetzung der Comic-Adaption von The Dark Tower: The Long Road Home richtig zelebriert in den USA. Auf der von Marvel eigens eingerichteten Dark Tower Seite kann der Leser sich auch ein paar Worte vom Meister persönlich anhören: Stephen King, Autor der Buchvorlage, äußert sich zum Comic. Darüber hinaus bietet die Seite viel Bildmaterial der Serie.
Mr. T, beliebtes Mitglied des A-Teams, der Verhauer von Rocky und jüngst als Nachtelf-Irokese unterwegs, findet sich nun auch im Comic: Unter mohawkmedia.co.uk lassen sich die ersten 20 Seiten des Comics als PDF herunterladen.
Freitag, 22. Februar 2008
Zum neuen Film Jumper mit den Star Wars-Veteranen Hayden Christiansen und Samuel L. Jackson erscheint zusätzlich eine Comic-Vorgeschichte (vielleicht hierzulande nicht). Trotzdem kann der interessierte Leser sich bei Oni Press ein Bild davon machen: 23 Seiten sind zur Ansicht online.
Wer noch nicht weiß, um was es bei Jumper geht, kann sich auf dieser Trailerseite einen Überblick verschaffen. Action gibt es in diesem SciFi-Spektakel jedenfalls reichlich.
(Aber seien wir ehrlich: Echte Comic-Fans warten auf Jacksons Auftritt als Nick Fury. 😀 )
Donnerstag, 21. Februar 2008
Nicht eine, nein, hunderte von Jägerinnen existieren auf der Welt, aber es gibt nur eine Buffy. Sie ist diejenige mit Erfahrung im Kampf gegen das Böse. Folglich wurde sie zur Anführerin eines ganzen Jägerinnen-Corps. Aber selbst das hält das Böse nicht im Zaum.
Im guten alten Schottland befindet sich eine der Zufluchten der Jägerinnen. Hierhin haben sich die Mädchen (und Xander) nach der fürchterlichen Katastrophe von Sunnydale zurückgezogen. Dort, einst Buffys Heimat, erinnert nur noch ein Krater an das kleine amerikanische Städtchen. In Schottland ist das Leben ganz anders geworden – und nicht leichter. Aus vielen Jägerinnen ein großes Team zu schmieden ist sehr viel leichter als getan.
Hab dir doch gesagt, entweder „Xander“ oder „Sergeant Fury“.
Xander fühlt sich halbwegs wohl. Ein Auge fehlt zwar, dafür kommt er sich wenig vor wie ein Comic-Held. Er liebt den Vergleich mit dem Kommandanten von Shield, einer Schutz-Organisation aus dem Marvel-Universum. Von seiner Position aus kann er helfen. Xander ist reifer geworden. Ein Umstand, der sich nicht von Dawn behaupten lässt, die ihre Zeit im Inneren der Burg verbringt und sich nicht sehen lassen darf. Zwar ist sie nicht viel reifer geworden, dafür aber umso größer, so groß, dass sie in der Lage ist, jemanden zu zertreten. Ihr Verhältnis zu ihrer Schwester Buffy ist arg gespannt. Sie wünscht sich Willow zurück, die für sie eine Art Mutterersatz geworden ist, aber Willow ist weit weg und niemand weiß wo.
Derart viele Aufgaben und Probleme sollten eigentlich den Alltag ausfüllen, und Buffy hat wirklich genug zu tun, doch leider weiß sie nicht, dass es noch immer Menschen und Wesen gibt, die ihr bewusst nach dem Leben trachten. Neben einer militärischen Einheit, die versucht, ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen, um diese Terrorzelle auszuheben, hat sich auch Amy wieder eingefunden. Für eine gewisse Zeitspanne zum Dasein einer Ratte verdammt, ist Amy wieder da – und nicht allein. Sie hat einen neuen Freund, der ein starkes Interesse an Buffys und insbesondere Willows Ableben hat.
Viel Feind,viel Ehr’. Das schien schon immer Buffys Motto zu sein und daran hat sich auch in der 8. Staffel nichts geändert, die nun als Comic erscheint, da die Serie im Fernsehen nicht fortgesetzt wurde und Autor Joss Whedon auch leider nicht die Gelegenheit bekam wie im Falle Firefly, einen Kinofilm nachzureichen. Buffy ist hier endgültig erwachsen geworden, obwohl ihr dieser Zustand immer noch befremdlich erscheint, denn sie hat viel Zeit ihrer Jugend verloren und im Kampf verbracht. Von ihrer Zeit als Tote will man als Fan gar nicht reden.
Es hat sich viel getan. Amerika liegt hinter den Hauptfiguren, Schottland ist die neue Wahlheimat. Neue Freunde finden sich, aber alte Feinde sind immer noch gegenwärtig, denn wenn es nach Buffys Feinden geht, hat sie zu viele offene Rechnungen hinterlassen. Eine dieser Feinde ist Amy, jene Hexe, mit der besonders Willow zu tun hatte. Amy hat einen Freund, den die Serienfans kennen, hier aber weniger wiederzuerkennen ist – aus gutem Grund. Joss Whedon schöpft aus dem Vollen. Die Jägerinnen ergehen sich in Übungen und realen Kämpfen gegen untote Schotten. Zwei Hexen bekriegen sich am Himmel mit mächtigen Zaubern. Buffy irrt in einer Vision durch ein Traumland (an einem glibberigen Höhleneingang passiert sie sogar einen schlafenden Gamoreaner, siehe Die Rückkehr der Jedi-Ritter). Kurzum, Whedon unterliegt nicht mehr den finanziellen Grenzen einer Studioproduktion und kann es richtig krachen lassen.
Der Humor, der zuweilen in den Buffy-Episoden vorhanden war, fällt hier geringer aus – allerdings nahm er auch mit zunehmender Ernsthaftigkeit und höherem Gruselfaktor in der Serie ab. Es gibt noch die kleinen Anspielungen und Szenen, die aus dem Rahmen fallen (wie Dawn als badende Riesin in einem Teich im Wald) , doch der Witz, hervorgerufen durch gesprochenes Wort oder Tonfall, fehlt.
Das schadet dem Unterhaltungswert nicht im geringsten, da Whedon sich mehr auf die Entwicklung des Horrors konzentrieren kann.
Unterstützung erhält er dabei in den vorliegenden Episoden von den Zeichnern Georges Jeanty (Der lange Weg nach Hause) und Paul Lee (Die Kette). Jeanty fällt mit dem Staffelauftakt die größere Aufgabe zu. Er ist sehr bemüht mit seinen Bildern an den Originalschauspielern zu bleiben. Häufig gelingen ihm auch wirklich schöne Ansichten. Zwar sind diese immer ein wenig reduziert, doch dank der sehr guten Tuschearbeit von Andy Owens bleiben die Menschen hinter den Figuren erkennbar. Wo die Ausstattung ein wenig zurückbleibt, gibt es für Jeanty in den Massenszenen umso mehr zu tun.
Zum Thema Farbe konnte Dave Stewart gewonnen werden, Veteran von B.U.A.P. und Conan. Aber er zeigt auch ganz eindeutig wo seine grafischen Vorlieben liegen. Wenn es Monster sind, sieht die Kolorierung besser aus, wenn die grafische Vorlage, auch bei Menschen, etwas verwackelt ist, sieht er zu, dass er diese noch aufwertet.
Eine wirklich tolle Cover-Galerie rundet den ersten Band der Reihe ab. Die Bilder von Jochen haben Posterqualität.
Echtes Buffy-Feeling im Comic von Buffy-Autor Joss Whedon. Endlich ist die Jägerin wieder da. Und wie! Die Feinde sind einfallsreich wie eh und je, Buffys Probleme sind nicht weniger, eher noch größer geworden (auch im wahrsten Sinne des Wortes). Ein gutes Team führt die Serie (leider nur) als Comic fort. Als Fan von Buffy darf man sowieso dankbar sein, als Horrorfan dankbar für unterhaltsames und spannendes Lesefutter. 😀
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Brodie hat nicht viel in seinem Leben richtig gemacht und irgendwie ist alles aus den Fugen geraten, doch eine Sache muss richtig laufen. Wenigstens will er nicht völlig als Vater versagen. Aber eigentlich hat er das längst. Und nun gilt es die Scherben aufzulesen und zu kleben, was noch zu kleben ist.
Marla, seine Ex, die Mutter seines Sohnes, hat es wieder einmal übertrieben. Sie hängt mit den falschen Leuten ab, den total falschen Leuten, die Sorte, denen man nur mit vorgehaltener Waffe Vorschriften machen kann. Brodie hat kein Problem damit, denn damit kennt er sich aus.
Von Frauen jedoch versteht er rein gar nichts. Zwar hat er die Mutter seines Sohnes aus dieser erbärmlichen Lage herausholen können, doch damit ändert sich so gut wie nichts. So klein der Junge ist, er ist derjenige, der auf seine Mutter aufpassen soll. Brodie begeht den erneuten Fehler, die beiden alleine zu lassen.
Sein nächster Fehler ist es, in die Falle zu gehen. Brodie soll eine Akte gestohlen haben, eine wichtige Akte, eine Akte, von der es ansonsten keine Kopie mehr gibt. Die Männer, die sich Brodie auf die Spur setzen, sind alles andere als zimperlich. Für eine Information gehen sie über Leichen, skrupellos, beinahe amüsiert.
Aber dann machen die anderen einen Fehler. Sie töten seine Frau, entführen seinen Sohn. Warum? Wegen einer Akte? Was ist so wichtig an dieser Akte?
Brodie sucht Hilfe. Das ist nicht leicht, denn diejenige, die ihm weiterhelfen kann, ist eine Wissenschaftlerin, die bestimmt nicht freiwillig einem flüchtigen Kriminellen behilflich sein will. Brodie nimmt sich, was er braucht. Und er hat Glück. Ihre Neugier treibt sie schließlich dazu an, sich mit diesen merkwürdigen Daten zu beschäftigen. Dank ihr kommt Brodie einer unglaublichen Erfindung auf die Spur. Einer Erfindung, die für ihn die einzige Möglichkeit darstellt, seinen Sohn wiederzufinden. Die ungewöhnliche Jagd beginnt.
Brodie’s Law erinnert unwillkürlich an Murphy’ Law, nach dem alles schief geht, was nur schief gehen kann. Brodie ergeht es nicht besser. Er ist tough und smart, aber sein Spitzname, wenn er einen hätte, lautet auch nicht Lucky. Gleich zu Beginn befindet er sich im freien Fall, verfolgt, selber als Verfolger, als Entführer, undercover – dieser Fall wird für ihn zu einer Jagd, die sein gesamtes Leben für immer verändert.
Wie Renny Harlin im Vorwort zurecht erkennt, wird der Anti-Held hier in einer neuen Form dargeboten. Der Rächer ist nichts neues, der verkleidete Rächer auch nicht, ein Rächer allerdings, dessen verschiedene Identitäten nicht mit dem Ablegen einer Verkleidung verschwinden. Seine Verkleidung ist durch die Erfindung, die ihm durch Zufall in die Hände gefallen ist, beinahe perfekt. Wenn er sich in jemand anderen verwandelt, streift er nicht nur den Körper, sondern auch den Geist über – und mit der Rückverwandlung bleibt immer etwas zurück: Erinnerungen, Gefühle, Wünsche, Ängste, Zorn und noch mehr, das Brodie mit jeder Verwandlung seelisch beeinflusst und nicht unerheblich fertig macht.
Wenn ein Held einen Weg findet, um seine Feinde zu bekämpfen, dieser Weg aber gleichzeitig an den Rand des Abgrunds und darüber hinaus führt, eröffnet sich ein Plot, der über eine einfache Rache-Geschichte hinausgeht.
Die Erlebnisse, die Brodie durch seine vorübergehenden Identitäten hat, sind teilweise ungewöhnlich, seltsam, aber auch pikant. Interessanterweise verschwinden nicht alle seine körperlichen Merkmale während eines Einsatzes, weshalb der Körpertausch immer auch Gefahren in sich birgt und keine Garantie für Erfolg bedeutet. Seitens der Erfinder des Comics Daley Osiyemi und David Bircham und Autor Alan Grant werden Brodie also genügend Steine in den Weg gelegt.
David Bircham ist zugleich der Zeichner dieses im besten Sinne ungewöhnlichen Thrillers. Die Bilder sind das zweite Merkmal, an dem der Leser nicht vorbei kommt, ohne zwischendurch zu staunen.
Bircham zeichnet tough guys, extreme Ausführungen dieser Art sogar. Die Gesichter sind eckig, mit breiten Nasen und ebensolchen Kinnen versehen, die Körper sind ebenfalls breit, muskulös. Brodie, Killer, Gangster und Cops platzen beinahe vor Kraft. Was den Männern billig, ist den Frauen recht. Model-Figuren und –Gesichter stehen den männlichen Ur-Typen gegenüber. Dennoch hat diese Art der Darstellung Methode. Vereinzelte Charaktere fallen ganz bewusst aus diesem Schema heraus und machen sie so zu etwas Besonderem. Beispiele sind hier Sticks’ energische Frau oder der geheimnisvolle Dr. Jameson. Bircham überzeichnet auch den Realismus. Mal sind Augen und Mund etwas größer als es die Proportion erlaubt, doch er setzt es ein wie eine Kameraeinstellung, die heranzoomt. Wut, Verzweiflung werden so noch drastischer, die Rasanz wird erhöht. Die Darsteller schauen den Leser direkt ein, beziehen ihn ein, zerren ihn mit.
Diese Machart wirkt wie ein Trip, den die Farbgebung noch unterstützt, denn Bircham setzt auch hier weniger auf Realismus als auf Emotion. Rote, gelbe, blaue abgemilderte Farbtöne begleiten das dominierende Schwarz. Sie setzen Akzente, wirken mitunter metallisch, sterilisieren die Gewalt, abstrahieren sie, mildern sie ab. Die Farben untermalen eine Art Traumzustand Brodies, der sich mit wechselnden Identitäten verstärkt. Einmal sogar gleitet Brodie gänzlich in einen Traum, eine Vision ab, als ihm jene Figur begegnet, deren Zeichen er auf dem Rücken trägt.
Hart, schnell, rau, Brodie ist ein Rächer wie aus dem Buche, aber auch ein Gejagter, der gegen äußeren wie auch innere Feinde kämpfen muss. Ein ungewöhnlicher neuer Charakter einer neuen Thriller-Generation, widersprüchlich, menschlich. Die grafische Gestaltung macht aus Brodie’s Law ein besonderes Lese-Erlebnis. Für Freunde von Thriller- und Gangster-Geschichten zu empfehlen. 🙂
Brodie’s Law – Projekt Jameson: Bei Amazon bestellen
Mittwoch, 20. Februar 2008
Die Erde ist zerstört. Die letzten Überlebenden der Flugstaffel, die Schwadron Purgatory, die den Stein zu diesen Ereignissen maßgeblich ins Rollen brachten, sind in einer Zukunft angekommen, die aus menschlicher kaum grauenhafter sein kann. Die ICC hat die Macht übernommen. Die Menschheit wird von einem Konzern regiert.
Die Menschheit hat sich auf dem Mars eingefunden. Die wenigen, die sich noch daran erinnern können, gedenken in Wehmut dem einstigen Paradies, das durch die schreckliche Waffe der ICC vernichtet wurde. Aber nicht alle denken an Aufgabe. Ein paar wenige Menschen sind bereit für einen Aufstand alles zu riskieren.
Ein einziger groß angelegter Angriff auf die Zentrale der ICC scheint die letzte Lösung zu sein. Scheitert der Angriff, wird es auch keinen weiteren Aufstand geben, denn damit wäre der Widerstand im Keim erstickt.
Die Widerständler haben einen Trumpf. Durch Zufall haben Kalish und Kate ein Geheimnis mit zum Mars gebracht, das Geheimnis der Teleportation. Diese technische Errungenschaft wollen sie für einen Überraschungsangriff nutzen. Allerdings müssen sie sich beeilen. Wenn diese Technik der ICC in die Hände fällt, dann kann sie nichts mehr aufhalten. Ein Totenschädel, das Motiv auf Kalishs Kopftuch, wird zum Symbol der Aufständischen, als der Angriff anrollt.
Hinter den Kulissen bleibt die ICC nicht inaktiv. Kates Vater wird festgenommen, weil man ihr bereits auf der Spur ist. An hoher Stelle ist man nicht davon überzeugt, dass sie vor 30 Jahren verschwunden ist, wie ihr Vater behauptet.
Und man rechnet bereits mit einem Angriff.
Der Universal War One geht in die finale Runde. Nach dem Schluss des fünften Bandes wurde der Leser mit großer Bestürzung und einem ebenso großen Rätsel zurückgelassen. Kalish war tot, hatte sich aufgehängt. Die Situation schien unauflösbar. Nun ändert sich alles. Es ist Kalish nicht erlaubt, sich aus der Verantwortung zu drücken. Abschließend zeigt uns Autor und Zeichner Denis Bajram eine Menschheit nach dem Leben auf der Erde, die nur noch ein Schatten ihrer selbst ist.
Der Mars wurde nach der Zerstörung in Erde 3 umbenannt – das klingt nicht weniger zynisch als einen Wald abzuholzen und den späteren Straßen Namen zu geben wie Ulmenweg, Eichenstraße oder ähnliches. Dieser Eindruck, der sich für den Leser einstellt, wird auch von Kate gestützt. Der Mars sei nicht mit der Erde vergleichbar. Und es sei nur natürlich, dass die Kernwelt der ICC ein Planet mit dem Namen eines Kriegsgottes sei. Trübsinnig, trostlos, hoffnungslos, staubig, rot, von einer terrageformten Welt ist man hier weit entfernt. Alles wird überwacht, es gibt kein Miteinander mehr, nur noch ein stetes Neben- oder Gegeneinander. Angesichts eines derartigen Überwachungsstaates scheinen die Bemühungen eines Widerstandes zum Scheitern verurteilt.
Denis Bajram führt den Leser zuerst in die tiefsten Niederungen, an der Seite der verbliebenen Hauptfiguren, nur um schließlich einen Knall, eine Auflösung zu präsentieren, die es in sich hat und so nicht zu erwarten war.
Hass wird zur Triebfeder der Zivilisation, der Vergrößerung und ihrer Vernichtung. Der Hass eines einzigen Menschen, dem man alles genommen hat, genauer, dem man das nahm, was er als das wichtigste auf der Welt ansah, weil es für ihn so selten war.
Dieses Motiv kommt in Kriminalfällen nicht selten vor. Eine Rache dieses Ausmaßes jedoch sollte es in einer Geschichte, auch nicht in der Science Fiction, so gut wie gegeben haben. (Ich lasse mich gerne berichtigen.)
An einer Stelle wird erwähnt, wie sich die Figuren des Dramas nach und nach einfinden, um ihre Plätze einzunehmen. Genau das darf unterstrichen werden, denn am Ende bleibt ein Drama, unabhängig von seinem Genre.
Wer als Autor mit der Zeit spielt, seine Charaktere in der Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit hin und her springen lässt, muss aufpassen, dass der die Kontinuität nicht sprengt. Den berühmten Gedankenspielen im Hinblick auf Zeitreisen entgeht Bajram auf äußerst elegante Weise.
Die Zeitlinie lässt sich einfach nicht verändern.
So einfach ist das. Was geschieht, wird in jedem Fall geschehen. Es ist nicht vorbestimmt, doch eine Person wird den Lauf der Dinge nicht ändern können, selbst wenn dies gewollt ist. Das mag etwas von der Unveränderbarkeit des Schicksals an sich haben. Die Vorgehensweise Bajrams ist allerdings etwas anders. Irgendwie scheinen sich die Akteure instinktiv nicht zu trauen, den Lauf der Geschichte, so wie sie ihn kennen gelernt haben, zu verändern. Irgendetwas scheint immer dazwischen zu kommen, irgendwie scheinen sie sich nie mit aller Kraft zu bemühen – obwohl sie sich das natürlich immer selber vormachen.
Will man diese Version einer Zukunft mit anderen Geschichten vergleichen, ließe sich ein Philip K. Dick heranziehen. Aus seinen Geschichten entstanden Filme wie Blade Runner oder Total Recall. Bajram bewegt sich mit seinen Bildern wie ein erzählerischer Erbe in seiner Geschichte um das Schicksal der gesamten Menschheit. Die Kälte des Alls, eine schöne Vergangenheit, eine tröstende Oase, funktional gestaltete Fahrzeuge und Raumschiffe stehen einer tempelartigen Ansicht kurz vor dem Untergang gegenüber.
Farblich scheinen die einzelnen Passagen perfekt aufeinander abgestimmt. Wer die im Anhang befindlichen Ansichten von Bajrams Vorgehensweisen betrachtet, kann durchaus zu diesem Schluss gelangen. Großes Kino zwischen Comic-Seiten, das kann gar nicht oft genug gesagt werden.
Ein Finale, das es in sich hat und einem Paukenschlag gleichkommt. Alle Fragen dieses Dramas werden geklärt, die Auflösung ist spannend und tragisch zugleich. Grafisch übertrifft sich Bajram zum guten Schluss noch einmal und stützt diesen mit seinen Bildern seine Version des Kampfes zwischen Gut und Böse (und den vielen Facetten dazwischen) auf zum Teil geniale Weise.
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Montag, 18. Februar 2008
Von allen Seiten versuchen die Manager des Konzerns Einfluss auf den jungen Erben Largo Winch zu nehmen. Nach dem Tod von Nerio Winch ist der junge Mann Alleinerbe. Ein abenteuerliches Leben liegt trotz seiner jungen Jahre bereits hinter ihm, ein eher angepasstes inmitten von Zahlen und Geldhaien vor ihm – denkt er. In Wahrheit war sein Leben nie gefährlicher als jetzt.
Sein Konzern wird angegriffen, sein Konzern, genauer, seine Manager wollen sich wehren. Eigentlich ist Verteidigung nur recht und billig, aber Largo denkt noch zu sehr in Kategorien von Angriff und Notwehr. Im Geschäft sind die Prioritäten anders. Dort zählt nur die absolute Vernichtung des Gegners.
Derweil zieht sich die Schlinge völlig unbemerkt zusammen. Weit entfernt von den USA, in der Schweiz, nimmt ein Intrigenspiel seinen Lauf, das seinesgleichen sucht. Largo ahnt von all dem nichts und hat auch andere Dinge im Kopf. Gerade lernt er seine Traumfrau auf einem Fest kennen, als sich eine neue, eine handfeste Gefahr eröffnet.
Der Grüne Schütze treibt sein Unwesen. Sein Ziel sind die Wirtschaftsbosse, jene, für die nach seiner Meinung Geld alles ist. Der Grüne Schütze redet nicht nur, er handelt. So ereignet sich auf den anfangs harmlosen Fest eine Tragödie. Matt Northridge, ein Magnat auf dem Gebiet der Petrochemie, wird sein erstes Opfer.
Largo weiß bald gar nicht mehr, auf welche Bedrohung er sich zuerst konzentrieren soll. Die Anschläge mehren sich, während er außerdem noch an einer Konzernleitung teilhaben soll. Und schließlich ist da noch die Liebe. Melanie Wagner, die Frau, die er auf dem Fest kennen lernte, kann er nicht vergessen. Doch welches Geheimnis umgibt die Frau, die nicht nur charmant ist und umwerfend aussieht, hoch intelligent ist und dazu äußerst schlagfertig? Bevor Largo diese Fragen beantworten kann, muss er noch dringlichere Probleme angehen.
Der Coup führt den Leser zurück zu den Anfängen, als Largo Winch noch ein junger Mann ist, der zwar Durchsetzungsfreude besitzt, dem es jedoch an Erfahrung auf dem Parkett der Hochfinanz fehlt. Aus der Feder von Autor Jean van Hamme stammt die Geschichte um den jungen Mann, der von einem Milliardär unter seine Fittiche genommen wird. Kurze Zeit später ist der Ziehvater tot und Largo in einer Situation, die er sich nie hätte träumen lassen. Der Leser darf an der Seite von Largo diese Welt erkunden, sich über den Luxus freuen, sich über die Bedrohung ängstigen, misstrauisch sein, blauäugig, aber enthusiastisch, zielstrebig. An seiner Seite wird der Leser über das Ohr gehauen, auf das Übelste hereingelegt und dennoch – der Mut geht nie verloren.
Mit Largo Winch hat Van Hamme in der Comic-Variante eine überaus sympathische Identifikationsfigur gefunden, mit der ein Leser liebend gerne Abenteuer erlebt.
Keine Spuren. Kein Ärger. Du hast zwar wenig Erfahrung, aber diese Spielregel solltest du inzwischen kennen.
Ja. Und es ist ein mieses Spiel.
Wie mies dieses Spiel ist, dafür kann Van Hamme seitens des Lesers nur gedankt werden. Denn Spannung steht im Vordergrund, eine vielschichtig angelegte Intrige bildet das Fundament. Immer, wenn der Leser dem Glauben verfällt, er wüsste nun, wie sich alles aufbaut, fällt er auf einen Hakenschlag von Van Hamme herein.
Dabei geht Van Hamme geschickt zu Werke. Ich weiß nicht, ob der Autor seinen Edgar Wallace so gut kennt, wie wir hierzulande, doch der meuchelnde Mörder mit Pfeil und Bogen klingt wie eine Verbeugung vor dem Grünen Bogenschützen (The Green Archer, 1923) des englischen Krimiautors. In beiden Fällen ist der Einsatz eines Bogenschützen natürlich bestechend. In Largo Winch trifft dies sogar noch mehr zu. Diese Welt ist moderner, klinischer, kälter, aber auch verkitschter. High Tech trifft die gute alte Gier, die Rücksichtslosen, die Raffgierigen. In ein solches Szenario passt ein mit dem Bogen schießender Rächer sehr gut hinein und sorgt für das Quäntchen Geheimnis am Rande. Der Bogenschütze wirkt zu Beginn wie eine verrückte Idee, wenn sich die Toten mehren, ändert sich diese Meinung schnell.
Zeichner dieser überaus erfolgreichen Abenteuer ist Philippe Francq, dessen ebenso treffsicheren Zeichnungen, die kühle Atmosphäre, die spannenden Momente und die humorvollen Szenen genau einfangen. An letzterem fehlt es auch nicht, wie vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Spitzfindigkeiten und süffisante Anspielungen, feine Auseinandersetzungen von Menschen, die in der feinen Gesellschaft zu Hause sind, sorgen für Erheiterung wie auch für ordentlichen Witz. Francq hatte die schwierige Aufgabe, diese doch eher starren Szenen mit der gleichen Sorgfalt umzusetzen wie eine aktionsgeladene Sequenz. Da es ihm gelingt, das Mienenspiel einer Person in solchen Dialogen zum Einsatz zu bringen, kann der Leser in den Gesichtern ebenso lesen wie im Text.
Ein fesselndes Intrigenspiel in der Hochfinanz, angesiedelt im pulsierenden New York, mit packenden Action-Einlagen und einer Reihe von Rätseln, die nur spärlich gelüftet werden und die Neugier auf die abschließende Fortsetzung schüren.
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Oder bei Schreiber & Leser.
Freitag, 15. Februar 2008
Wonder Woman wird gebraucht! Im Museum spielen sich unheimliche Vorgänge ab. Mit Giganta und Cheetha sind zwei alte Erzfeindinnen aufgetaucht, die nichts anderes im Sinn haben, als sich bei Wonder Woman zu rächen. Plötzlich hat Wonder Woman ein noch ein viel größeres Problem: Die echte Wonder Woman erscheint und greift sie an. Wonder Woman x 2?
Das Rätsel lüftet sich alsbald, sehr zum Verdruss von Donna Troy, die für Diana Prince einspringen wollte. Doch irgendwie sind die Fußstapfen der Vorgängerin allzu groß, denn Diana hat eine Flut an Feinden hinterlassen.
Diana versucht unterdessen ein normales Leben zu führen – als Agentin des Amtes für Metawesen an der Seite von Nemesis und unter dem Befehl von Sarge Steel. Die Wahl wird ihr aber sehr schwer gemacht. Sehr bald schon ist klar, dass die Feinde nicht locker lassen werden. Die echte Wonder Woman muss wieder zum Einsatz kommen, ob sie will oder nicht.
Wonder Woman ist wieder da! Allzu lange haben die Leser auf diese Heldin warten müssen, die in der letzter Zeit nur im Verbund mit anderen Helden zu bewundern war, so zum Beispiel bei der JLA.
Wer könnte als Zeichner für die Amazone besser geeignet sein als Star-Zeichner Terry Dodson, der zusammen mit Rachel Dodson auf eindrucksvolle Weise zeigt, wie Heldinnen (und auch Schurkinnen) aussehen können. Hoch gewachsen, sportlich, ausgestattet mit einem breiten Kreuz, einer voluminösen Oberweite, häufig langen und wehenden Haaren, einem sinnlichen und makellosen Gesicht und … na, sie haben eben alles, was man(n) sich so vorstellen kann.
Allerdings ist die Heroine immer schon ein dralles Persönchen gewesen. Dodson hat sich nicht allzu weit von den alten Vorlagen aus den guten alten Tagen entfernt. Einzig lässt es sich mit Fug und Recht behaupten, dass diese Wonder Woman einen viel muskulöseren Eindruck hinterlässt.
Mythische Figuren haben es unter den Superhelden nicht immer leicht gehabt. So ist ein Erfolg, wie ihn ein Thor im benachbarten Marvel-Universum hat, eher ungewöhnlich. Mythische Helden führen ansonsten eher ein Randdasein. Bei Marvel können Herkules und Mars ein Lied davon singen.
Das mag auch mit den Feinden zusammenhängen. Mythologische Monster, mit denen sich Wonder Woman in diesem Band auch herumschlagen muss, hinterlassen bisweilen einen unfreiwillig komischen Eindruck.
Das lässt sich von den Schurken, mit denen es Wonder Woman gleich zu Beginn in diesem Auftakt zu tun bekommt, nicht behaupten.
Man fühlt sich an eine Hommage erinnert. Riesige Frauen sind in Comics nicht ungewöhnlich, doch Giganta macht in ein paar Szenen eine deutliche Verbeugung vor der 50 Foot Woman. Wenn Giganta durch die Straßenschluchten turnt und Donna Troy als Kettenanhängsel um den Hals trägt, ist das natürlich nicht dazu gedacht sonderlich ernst genommen zu werden – aber es macht einen Heidenspaß!
Denn so merkwürdig die Gegner manchmal auch wirken mögen, so garantieren sie doch eine sehr große Gestaltungsfreiheit, die den übrigen Szenarien verwehrt bleiben.
Wenn es einmal bei Superman albern wird (auch unfreiwillig), dann kann sich der Leser mitunter schon die Haare raufen. Wer hätte nicht gerne einmal den Joker oder Myzplytyk in die Wüste geschickt. Bizarro ist wenigstens noch etwas bemitleidenswert, aber balanciert mit seinem Verhalten neuerdings auf einem sehr schmalen Grad.
Hier ist das nicht so. Bei Cheetah, Giganta oder Dr. Psycho wird niemand eine unterschwellige Ernsthaftigkeit erwarten. (Bezeichnend ist außerdem noch, dass es sich bei den Herrschaften allesamt um irre Akademiker handelt.) Darüber hinaus ist die Anlehnung anderer Figuren und Organisationen schon nicht mehr unterschwellig zu nennen. Ein Sarge Steel ist die Nick Fury-Kopie schlechthin. Von dem Amt für Metawesen wollen wir gar nicht erst reden.
Der Gesamteindruck ist entscheidend und dieser fällt sehr gut aus.
Herkules ist hier ein wunderbar eigensinniger Schönling – und ein ganz mieser Hanswurst dazu – Circe, die Zauberin aus der Odysee, gibt eine sehr garstige Wonder Woman ab, als es ihr gelingt, Dianas Macht an sich zu reißen. Die übrigen Feinde, die bald erscheinen, viele aus Wonder Womans Vergangenheit, wirken wie Gegenstücke aus einem verwandten Universum.
Dank der herausragenden Fähigkeiten eines Terry Dodson ist die Wirkung aber auch genial gut.
Dodson muss auch zugute gehalten werden, dass er ein Meister der Ausstattung ist. In einem anderen Leben hätte er Modedesigner werden können. Die Outfits, die er entwirft, haben es in sich, sind perfekt geschnitten und bemustert. Verschiedene Schuhe und Stiefel, die hier zu sehen sind, wären bei den modebewussten Kids echte Renner und sollten technisch sogar machbar sein.
Sehr schnell hat Dodson mit seinen Bildern die ungeteilte Aufmerksamkeit des Lesers. Dafür bedankt er sich im Verlauf der Handlung mit immer besseren Ansichten, auch großformatigen.
Gary Frank, Geraldo Borjes und Jean Diaz übernehmen die beiden abschließenden Epsisoden. Sie sind gute Zeichner – nur eben nicht so gut wie Dodson, der hier einmal mehr seine Meisterschaft unter Beweis stellt.
Ein richtiges echtes Comic-Vergnügen. Aufschlagen, lesen, staunen, Spaß haben. Dieses ganz einfache Lesegefühl wird manchmal von den Machern vernachlässigt. Die Dodosons wie auch Autor Allan Heinberg haben begriffen, wie es geht und präsentieren hier eine tolle Steilvorlage. Klasse! 😀
Donnerstag, 14. Februar 2008
Obwohl Obi-Wan hier ein wenig ungläubig schaut, entspricht es doch der Wahrheit. Die überaus erfolgreiche Zeichentrickserie Clone Wars, die sich mit den Geschehnissen zwischen Star Wars Episode II und Episode III beschäftigt, findet auf der großen Leinwand ihre Fortsetzung. Da das Lesefutter aus dieser Zeitperiode etwas weniger wird, kann man sich nur auf dieses Spektakel freuen. Wer allerdings erwartet, den Zeichenstil der Serie zu sehen, dessen Erwartungen werden nicht erfüllt. Es wird besser! Das Design wurde beibehalten, aber mittels 3D-Animation umgesetzt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
George Lucas meint, dass noch nicht alle Star Wars Geschichten erzählt sind: Na, hoffentlich! 😀
Links: Der Trailer zu Clone Wars, Die offiziellen Informationen zu Clone Wars