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Comic Blog


Samstag, 27. September 2008

Cosa Nostra 1 – Die Anfänge

Filed under: Thriller — Michael um 18:26

Cosa Nostra 1 - Die AnfängeLeonardo Teresi erzählt von seinem Leben und seiner Stadt. Bricks, so rufen sie ihn, schaut aus wie ein kleiner Ire. Mit seinen neun Jahren hat er schon viel gesehen und viel gehört. Dabei steht er immer nur an einer Ecke und wartet darauf, dass er gebraucht wird. Kleine Aufträge, die einen Laufburschen benötigen, fallen immer wieder einmal für Bricks an. Dazwischen wartet er, beobachtet und nimmt den Leser mit auf eine Reise in sein New York, so, wie er es erlebt hat.

Es ist eine große Zeit der Einwanderer. Viele freuen sich auf den Neuanfang, wissen um den Wert ihrer Chance in diesem jungen Land. Doch sie können auch nicht so schnell vergessen. Es bilden sich Enklaven. Stadtteile wie Little Italy oder China Town entstehen. Die Familienväter sind einem Leben ohne Aussicht entkommen, damit ihre Kinder es einmal besser haben.

Mancher Sohn sieht sein Heil nicht im Lernen und einem ehrlichen Job. Es gibt Geld, das leichter verdient werden kann, auch aufregender. Wo Geld zu holen ist, entstehen Rivalitäten. Unter Gangstern werden solche Rivalitäten auf die harte Tour ausgefochten. Es gibt Bosse, solche, die zur Nachfolge herangezogen werden und auch solche, die nicht länger die Opferlämmer sein wollen.

David Chauvel und Erwan Le Saec erzählen die Geschichten von einem Salvatore Lucania, der später als Lucky Luciano berühmt wurde. Wir erfahren von Frank Costello und Alfonso Caponi, dessen späterer Name Al Capone um die Welt ging. Schutzgelder werden erpresst, die ersten Drogen verkauft. Der Band fragt: Wie konnten jene berühmten Gangster zu dem werden, was von ihnen als historische Figur blieb?
Bricks’ Geschichten beginnen mit einer Erpressung. Durch einen geschickten Plan soll einem Einwanderer das ersparte Geld abgeknöpft werden. Doch die Alten haben die Rechnung ohne die Jungen gemacht.

Vor der unspektakulären, sehr abgeklärten Erzählweise von David Chauvel zeichnet Erwand Le Saec sehr fein linierte Bilder, fast ein wenig an naive Kunst angelehnt – ohne durch das Wort naiv den künstlerischen Wert des Comics schmälern zu wollen. Le Saec balanciert stilistisch auf einer Grenze von Naiv zu Pieter Bruegel, detailverliebt, exakt. Er zeichnet Wölfe, junge Wölfe in Menschengestalt, die sich zu neuen Rudeln zusammenschließen.

Kleidung, Möbel, Straßenzüge, Frisuren, Fahrzeuge, Uniformen und viele andere Kleinigkeiten ergeben zusammen mit dem zerbrechlich anmutenden Aufbau der Seiten kleine Fenster in die Vergangenheit.

Die eindringlichste Geschichte im vorliegenden Band ist sicherlich So starb Herman Rosenthal. Bricks erzählt über einen Abschnitt aus dem jüdischen Verbrechertum, das neben anderen Verbrecherinitiativen, allen voran der italienischen, in der Erinnerung verblasst – obwohl ein Name wie Bugsy Siegel in der Wahrnehmung vieler untrennbar mit Las Vegas verbunden ist.
Herman Rosenthal erlebt eine Zeitenwende des Verbrechens. Bit Tim ist krank. Andere wie Polizeileutnant Charles Becker sehen ihre Chance gekommen, um sich ihre Pfründe zu sichern. Jemand wie Rosenthal, ein Protegé von Big Tim, wehrt sich gegen den Wechsel, denn es geht auch um Ehre. Für andere wie Arnold Rothstein, ebenfalls ein Protegé, geht es nur um Geld. Entweder man hat es und lebt. Oder man ist tot.

Obwohl Rosenthal zu den, wenn auch harmloseren, Verbrechern gehört, zittert man mit ihm. Wie in einer Buchdokumentation muss man mit ansehen, wie Rosenthals Leben Stück für Stück den Bach runtergeht. Wenn Herman 500 Dollar angeboten werden mit der Aufforderung, New York zu verlassen und eine Weile unterzutauchen, bis die Luft wieder rein ist, packt man sich als Leser an den Kopf, weil er diesen Vorschlag ablehnt.
David Chauvel stellt die Ereignisse sehr intensiv und nachvollziehbar dar. Dort, wo historische Lücken und Fragen existieren, schließt und beantwortet er diese nicht freimütig, sondern überlässt dem Leser auch mal das Grübeln.

Ein packender Stück Geschichte, aufgezeigt an vielen Einzelschicksalen, Durch einen gelungenen Kniff sehr mitfühlend und dramatisch erzählt. Optisch stimmig und atmosphärisch belebt der Band über die Anfänge der Cosa Nostra auf sehr originelle Weise. Jene, die an alten Gangstergeschichten interessiert sind und historische Ausflüge in dieses Genre vermissen, werden hier ein schönes Leseziel finden. 🙂

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Oder bei Schreiber & Leser.

Donnerstag, 18. September 2008

Torpedo 5

Filed under: Thriller — Michael um 18:01

Torpedo 5Ein Killer macht überall seine Arbeit. Nichts kann ihn aufhalten, nichts kann ihn ablenken oder schockieren. Luca Torelli ist auf Kuba. Zusammen mit seinem treuen Partner Rascal macht er sich ans Werk. Nackte Frauen und kubanische Stürme, nichts hält den Auftragsmörder von seinem Job ab … Na, etwas erschweren sie seine Arbeit schon. Ein bißchen. Aber nicht sehr. Denn so richtig wütend wird Torpedo doch nur, wenn ihm jemand sein Geld vorenthalten will. – Meistens jedenfalls.

Letzte Runde! Torpedo darf sich zum Abschluss der fünfteiligen Reihe noch einmal so richtig austoben. – Und nutzt jede Gelegenheit dazu. Mehr noch: Die Zeit für mancherlei Abrechnung scheint gekommen. Titel wie Geheiligte Vendetta oder Der Tag der Boshaftigkeit erzählen darüber Bände. Manchmal, ja, manchmal schlägt Torpedo sogar für seine Verhältnisse über die Stränge und das Grinsen im Gesicht des Lesers über seine Untaten versteinert schlagartig.

Zuallererst jedoch geht es für Torpedo ins Ausland, nach Kuba, zu jener Zeit, als die Stimmung zwischen den USA und Kuba noch in Ordnung war. Als Kuba nur die Bedeutung von Zuckerrohrschnaps, heißen Rhythmen und noch heißeren Bräuten hatte. Torpedo ist aber nicht zum Tanzen und Saufen nach Kuba gekommen, noch weniger zum Vergewaltigen, was er hin und wieder auch ganz gerne praktiziert, nein, er hat einen Job: Er soll jemanden umlegen.

Trotz aller Gewalt zelebrieren Jordi Bernet und Enrique Sánchez Abulí ein Spaßfest, das jedes noch so kleine Klischee über Latinos, Latinas, Kuba, Südamerika, südamerikanische Gangster, Revolución, Salsapartys ausgräbt. Daneben finden sich kleine Anleihen, Seitenhiebe und Verbeugungen vor den kleinen und großen Vorbildern. Einen großen Spaßfaktor bedeutet hier auch das Auftreten von Gangster-Drillingen, schön abgestuft groß, mit gleich geschnittenen Gesicht und mit den Namen Joe, Jack und Averell gesegnet. Die drei eifern einem Cartoon-Quartett nach und benehmen sich ein wenig wie eine Mischung aus den drei Stooges und den Marx Brothers.

Adieu Schönling heißt die Überschrift über das Ende eines Mannes, der sie alle haben kann. Mit alle sind natürlich die Frauen gemeint. Dieser Umstand lässt den unbändigen Jähzorn in Torpedo hoch kochen, ebenso wie in der Geschichte Pietro, einer Episode aus Torpedos Jugendjahren.
Letztere Geschichte gehört zu denen, die es ganz besonders in sich haben und nicht so recht zu begreifen sind. Mag die Geheiligte Vendetta besonders aus italienischer Sicht begreiflich sein, der Gewaltausbruch zur Normalität gehören, ist dies in der erwähnten Geschichte, in der Torpedo ein Ehepaar mit einem Bügeleisen zu Krüppeln schlägt nicht verständlich. – Na ja, einen schlechten Tag hat jeder mal, oder? So Torpedos abschließender Kommentar dieser Episode. Nur das Glucksen eines Säuglings, dem er bereits vor seiner Wiege mit erhobenen Bügeleisen gegenüber steht, hält ihn von einer weiteren unseligen Tat ab.

Spätestens jetzt sollte jedem Leser klar sein, dass Torpedo niemand ist, den man sonderlich leiden kann, der des Mitleids in irgendeiner Form würdig ist. Luca Torelli, so Torpedos bürgerlicher Name, kennt seit seiner Geburt nichts anderes als die Gewalt. Die verschiedenen Altersstationen, von denen auch hier wieder etwas zu bestaunen sind, werden von Jordi Bernet mit einem unglaublichen Geschick zu Papier gebracht.

Da ist der ständig strenge Blick Torpedos (ganz wie Clint Eastwood), das wahnhafte Gesicht, der ohnmächtige Zorn, das freche Grinsen und der relativ harmlose Großkotz. Hier ist alles auf dem richtigen Punkt. Da sitzt nichts schief, da passt die Perspektive, die Schatten betonen, was besonders gesehen werden soll. Bei merkwürdigen Gestalten wie den Drillingen (oder drei Brüdern) und den Jackson-Brüdern Chuck und Jock kann Bernet so richtig aufdrehen. Letzteren gönnt der den disneyschen Bösewicht-Look aus den frühen Zeichentricktagen, ein Aussehen, das manche Szene umso pikanter macht.

Gewalt, Sex und Abartigkeit sind noch einmal eine Stufe höher gestiegen in dieser letzten Ausgabe. Der Beigeschmack ist bitterer, sicherlich kann man lachen, sogar herausprusten, doch dafür muss man auch die verdammt bittere Pille in Kauf nehmen, die es zu schlucken gilt. So leicht lassen Bernet und Abulí den Leser diesmal nicht davon kommen. Glänzende Unterhaltung ist es trotzdem, da Abulí tolle Szenarien verfasst und diesen riskanten Gang über das Drahtseil gewagt hat. Wenn man auf der anderen Seite ankommt, muss man erst einmal tief durchatmen. 🙂

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Der Feind 2 – Die Hexe

Filed under: Mystery — Michael um 11:57

Der Feind 2 - Die HexeDer alte Feind, der, der diesen Namen auch verdient, spinnt sein Netz und Yasmine Giggs scheint keine andere Möglichkeit zu haben, als mit großen Schritten hineinzutappen. In ihrer Erinnerung ist es nicht besser als in der Gegenwart. Nur von einer kleinen Puppe beschützt sieht sich die nur unwesentlich größere Yasmine ihrem Vater gegenüber, der einen riesigen Schatten über sie wirft. Überall ist Blut, alles ist rot. Die Ängste der jungen Frau sind nicht unbegründet, denn die Polizei glaubt, dass ihr Vater für Ritualmorde verantwortlich ist.

Die Spur führt nach Julesburgh in Texas. Dort haben weitere Ritualmorde stattgefunden. Ein Fernsehsender hat Aufnahmen gemacht, auf denen der Abtransport der Leichen durch die Behörden zu sehen ist. Außerdem – und das ist für Yasmine der weitaus wichtigere Teil – ist unter den erschütterten Schaulustigen ganz kurz Yasmines Mutter zu erkennen.

Wenig später trifft Yasmine in Julesburgh ein und wünscht sich bald, sie wäre nicht hergekommen.

Der alte Feind ist wieder da! In den letzten Jahren las und hörte der Leser und Zuschauer diesen Begriff eher selten. Werke über Satanismus, Ritualmorde und Besessenheit haben nicht den reißerischen Effekt, den Vampire haben und weswegen sie entsprechend beliebt sind. Interessante Werke zu Ritualmorden und Auftritten des Teufels waren Dust Devil oder auch Das Ritual, mit Martin Sheen glänzend besetzt. In Produktionen wie End Of Days fragt man sich unwillkürlich, warum der Teufel höchstpersönlich sich selbst so sehr ins Geschehen stürzen muss.

Der Feind, erzählt von Thierry Robberecht, verfährt weitaus eleganter. Der Feind ist der Gentleman im Hintergrund. Er ist ein Aufblitzen, ein Erkennen, ein Schattenriss, manchmal auch nur ein Befehl. Das Endresultat findet sich dann in Form von blutigen Lettern an der Wand.
Träume, Visionen, kurze Momente des Sehens verzerren für die Akteure die Realität, schaffen eine Art teuflischen Stasi, der allgegenwärtig zu sein scheint und von dem man auch als Leser nicht weiß, wer es eigentlich ist. Der Leser weiß mehr als Yasmine, aber er tappt in mancherlei Hinsicht auch im Dunkeln.

Mit Julesburgh hat Robberecht einen Ort in den USA geschaffen, der die uramerikanischen Eigenschaften besitzt, wie sie auch schon Rambo zu schaffen machten. Mit Misstrauen, Kleingeist und der Bereitschaft versehen, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen, ist Julesburgh der Alptraum für jeden, der sich auch nur das kleinste Vergehen zuschulden kommen lässt. – Sollte man meinen.
In Wahrheit brodelt es hinter den Fassaden. Bereits vor Unzeiten wurde eine Vorfahrin Yasmines wegen Hexerei in Julesburgh verbrannt. Ein furchtbarer Mord und ein Verdacht auf Inzest werfen zusätzlich Holz ins Feuer der Bürgerseele. Der Feind weiß, wie er das Volk aufzuwiegeln hat. Zusätzlich findet er immer neue Getreue.

Die Atmosphäre, dargestellt durch den Zeichner Alberto Pagliaro und den Koloristen Cosimo Lorenzo Pancini, ist in jedem Moment bedrohlich. Die gewählten Grundtöne bestehen aus dunkelgrau, braun, dunkelrot, manchmal durchschossen von einem Orange oder einem blassen Gelb. Hautfarbe, Haut überhaupt, repräsentiert stets die Versuchung, eine Abkehr vom Weg, ein Umstand, der in Yasmines Gedanken immer wiederkehrt.

Es schaut so aus, als seien die Zeichnungen komplett am Rechner eingefärbt worden. Die Tuschestriche müssten so ebenfalls in bewährten Grafikprogrammen entstanden sein, wie die Farbaufträge es sind. Manche Striche haben die typische Ausfransung und zuweilen leicht krumme Linienführung, ein Merkmal einer Arbeit mit dem Zeichentablett. Das stört nicht weiter und kann durchaus auch als kreativer Ausdruck verstanden werden.
Für die Kolorierung wurden sehr weich ineinander übergehende Farbtöne gewählt, manchmal auch verstärkt durch den einen oder anderen Filtereffekt eines Grafikprogramms (ich sag’ nicht welches, aber die Auswahl hierfür ist nicht allzu groß).

Insgesamt gehen die Geschichte und die Bilder sehr schön ineinander auf, bilden eine Einheit. Es entsteht der Eindruck eines Bausteingeflechts, der nicht zuletzt durch die kleinen Einschübe in die Haupthandlung verstärkt werden, die so wie Mosaiksteinchen wirken. Das Ziel der Geschichte ist kaum zu erkennen. Was Satan bezwecken mag, ist nur undeutlich zu erkennen. Längst hat der Feind die Fäden in der Hand. Im Verlauf dirigiert er so immer stärker, vehementer über mehr Leichen gehend, bis ein gemeiner Cliffhanger den Leser neugierig zurücklässt.

Der Teufel schlägt zu, nicht weit oben als Drahtzieher, sondern mitten unter den Menschen, in einer Kleinstadt. Des Teufels Pläne wirken wie ein Experiment, aber mit Bedacht ausgeführt. Thierry Robberecht zieht den Leser unmerklich hinein in den Wahn, der sich um die Hauptfigur Yasmine ausbreitet. Düster, auch makaber, ein wenig zynisch an manchen Stellen, etwas erotisierend – der Teufel kommt nicht ohne aus – und auf jeder Seite spannend. Wer Horrorgeschichten mag, die mit sehr viel Fingerspitzengefühl erzählt sind, kann Gefallen an dieser Fortsetzung finden. 🙂

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Dienstag, 16. September 2008

Warhammer 40.000 – Tod und Verderben

Filed under: SciFi — Michael um 18:11

Warhammer 40.000 - Tod und VerderbenOrks und Kobolde können einem Krieger mit ihrer Taktik gehörig den Tag verderben. Irgendwie hat dieses grüne Pack keinerlei Spaß am Leben. Warum sonst würden sie sich gegenseitig bei der Erstürmung über den Haufen rennen? Warum sonst würden sie sich sogar in den Rücken schießen? – Gut, ihre Zielgenauigkeit ist nicht die beste, aber ein wenig Mühe könnten sie sich trotzdem geben. Ob schlecht in Kriegsführung oder nicht, es reicht aus die Festung auf Demaris Tertiary zu Fall zu bringen. Denn die Orks sind nicht nur vollkommen irre, sie sind auf ihre Art auch eine Art Urgewalt.

Außerdem sind sie dumm wie ein Stück nasses Brot. Oberst Izraell Honor Castillian vom 96sten Regiment überlebt durch einen Zufall und fällt in eine Grube mit Abfall und Exkrementen. Derart verunstaltet erinnert sein Aussehen an einen sehr schmächtigen Ork – jedenfalls sehen das die Orks so, die den überlebenden Soldaten finden und für ein kurioses dürres Ekelpaket halten. In einem Käfig sitzend, gehalten wie ein Haustier, muss der Oberst mit ansehen, wie das Leben der Orks seinen Lauf nimmt. Schließlich ist das Chaos so groß, dass ihm die Flucht gelingt. Oberst Izraell Honor Castillian sinnt auf Rache.

Mit Warhammer 40.000 – Tod und Verderben stehen die Orks im Mittelpunkt der Geschichte. Abgedreht, wahnsinnig, irrsinnig daher plappernd kämpfen sie, meucheln sie, metzeln sie gegen den Feind, untereinander, wenn es ihnen in den Sinn kommt (welcher Sinn?). Dan Abnett und Ian Edginton veranstalten ein Woodstock für Orks, ohne Musik, dafür mit umso mehr Schlamm.

Orks müssen dem Leser Spaß machen, ansonsten braucht er diese Ausgabe von Warhammer 40.000 gar nicht erst zur Hand zu nehmen. Die Dialogtexte wurden in orkischer Umgangssprache verfasst. Eine gefährliche Mixtur aus Kölsch, Rheinisch und Berlinerisch. Optisch schmeißen sich diese Wesen in die seltsamsten Rüstungen, tragen obendrein die abgeschlagenen Häupter ihrer Feinde als Trophäen spazieren und sitzen an den Steuern und Kanonen von den merkwürdigsten gepanzerten Fahrzeugen, die trotzdem über eine ordentliche Schlagkraft verfügen, die ihnen ihre Feinde, die Menschen, gar nicht zugetraut haben. – Im Spiel mögen die Menschen besser aussehen, aber Orks machen viel mehr Spaß!

Zeichner Daniel Lapham harmoniert in den ersten beiden Kapiteln mit dem Koloristenteam Aeronik (man weiß nie, wer sich hinter einem Farbstudio genau verbirgt) sehr gut. In der mittlerweile typischen Photoshop-Wischtechnik, die allerdings auch gekonnt sein will, werden die Zeichnungen eingefärbt. Es entstehen viel Tiefe, düstere Schatten, gute Kontraste. Kolorist Lads Helloven gibt sich nicht mehr ganz so viel Mühe und bleibt sehr oberflächlich, fast schon ein wenig eintönig.

Nach der Spaß-Attacke durch die Orks – wenn auch einer recht blutigen Attacka, Verzeihung, Attacke, aber so sind sie eben – folgen zwei weitaus ernsthaftere Kurzgeschichten aus menschlicher Sicht. Letztere Geschichte, Tod aus den Lüften, gezeichnet von Lui Antonio, koloriert von J.M. Ringuet weiß in allen technischen Punkten zu begeistern. Mit der gleichen Exaktheit, mit der Antonio bei den Zeichnungen zu Werke gegangen ist, führt Ringuet die Kolorierung aus. So ist eine grafisch schöne Episode entstanden, mit ein wenig Trickfilmflair, nur leider zu kurz.

Ein völlig anderer Band als sein Vorgänger aus dem Warhammer 40.000-Universum. Weniger ernsthaft, mit größerem Spaßfaktor, besonders für Fans des Strategiespiels zu empfehlen. Wer von jeher Ork-Fan ist, ganz gleich aus welchem Universum, und eine Verquickung (tolles Wort) mit SciFi mag, könnte sich mit diesem Band auch gut unterhalten. 🙂

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Montag, 15. September 2008

Madame Mirage 2

Filed under: Superhelden — Michael um 20:14

Madame Mirage 2Fast Food ist nicht gut für die Gesundheit. So ein Hot Dog mit allem, Sauerkraut und seltsamen Saucen, besonders wenn sie mit Botox in hoher Konzentration versetzt sind, können dem menschlichen Organismus schon mal den Garaus machen. Tom Ragg ist tot. Was Tom nicht wusste: Er war nur ein Köder. Auf der Gegenseite glaubt man, dass Madame Mirage diesen Köder mit Pauken und Trompeten geschluckt hat, aber jemand, der sich mit Gangstern der übelsten Sorte anlegt, ist nicht so dumm zu glauben, dass sich diese Gangster nicht auch Gegenmaßnahmen überlegen würden.

Madame Mirages Gegner hat sich einen passenden Namen ausgewählt: MousetrapDer erste Achtungserfolg, den Madame Mirage gegen das Syndikat erzielte, hat die Gangster arg nervös werden lassen. Autor Paul Dini hat eine Schurkenjägerin geschaffen, die keine Gefangenen macht. Der Lockvogel, der ihr vor die Nase gesetzt wird, beißt in seinen Hot Dog, noch voller Genuss, nur um im nächsten Augenblick zu spüren, wie das Botox seine Arbeit macht. Als Mittel zur Gesichtsstraffung durch die Lähmung von Gesichtsmuskeln durchaus beliebt, ist es im Bereich der Atemmuskulatur eher hinderlich.

Für Mirage ist alles ein großes Spiel. Ihr Äußeres ändert sie mit einem Fingerschnippen – jedenfalls in dieser Geschwindigkeit. Man könnte sie als einen modernen Fantomas bezeichnen, nur überaus weiblich und kurvenreich, darüber hinaus auf der richtigen Seite des Gesetzes stehend, dafür aber auch als Richter und Henker in einer Person.

Kenneth Rocafort hat Madame Mirage ein sehr modisches Outfit beschert, laufstegverdächtig gut, knapp geschnitten und mit dem nötigen Dekolleté, das einen richtigen Gangster natürlich nicht lange ablenkt. Das weiß auch Madame, die auch mal ein Double vorschickt und über die Klinge springen lässt. Beide Seiten verwenden ihre Lockvögel. Mirage handelt nach der Prämisse: Mitgefangen, mitgehangen.
Die Bilder sind verhalten brutal. Madame Mirage zieht zwar mit einer Art chirurgischer Präzision zu Felde, aber sobald sie zuschlägt, muss es effektiv sein – was nichts anderes als tödlich bedeutet. Entsprechend fallen die Todesszenen aus, nicht übermäßig blutig, aber sie verheimlichen auch nichts. Der Gegensatz von Brutalität und wunderschönem Jäger macht einen Teil des Reizes der Reihe aus. – Doch wer weiß? Vielleicht ist diese wunderschöne Larve, die Madame präsentiert, auch nur dahergezaubert.

Eine spannende Episode. Es ist aber empfehlenswert, die erste Folge als Einstieg gelesen zu haben, da etwas Grundwissen der Serie Voraussetzung ist. Gangster, Superhelden und Thriller erfreuen sich mit Madame Mirage einer weiteren Variante, die einen zusätzlichen Blickwinkel ins Spiel bringt. Wer es etwas weniger ernsthaft, mit etwas mehr Charme mag, doch nicht weniger dramatisch, sollte einen Blick riskieren. 🙂

Comics Filme Mutationen

Filed under: Meldungen — Michael um 10:27

Comics Filme MutationenComicverfilmungen im Kölner Filmhaus
19. bis 21. September 2008

Graphic Novel-Verfilmungen, bunte Comic Movies und schräger Trash – das Filmhaus Kino Köln zeigt eine Auswahl von dreizehn Comicverfilmungen. Im Rahmenprogramm diskutieren Comiczeichner mit Filmerfahrung, Ralf König und Reinhard Kleist, mit Film- und Comicexperten.
Es gibt eine Ausstellung von Reinhard Kleist, die Comiczeichner-Show „Mädchen Monster Missgeschicke“ und ein Manga-Special mit Judith Park.

FILME:

Freitag, 19.9.2008:
17.00 Uhr: WIE DIE KARNICKEL, D 2002
21.00 Uhr: AMERICAN SPLENDOR, USA 2003
23.00 Uhr: OLD BOY, Südkorea 2003

Samstag, 20.9.2008:
16.30 Uhr: PERFECT BLUE, Japan 1997
18.00 Uhr: PERSEPOLIS, Fr/USA 2007
18.30 Uhr (Studio, Eintritt frei): TIM & STRUPPI – GOLDEN FLEECE
22.00 Uhr: A HISTORY OF VIOLENCE, USA 2005
22.00 Uhr (Studio): BATMAN HÄLT DIE WELT IN ATEM, USA 1966

Sonntag, 21.9.2008:
17.00 Uhr: SAKURAN, Japan 2006
18.00 Uhr: (Studio): MOEBIUS REDUX, D 2007
19.00 Uhr: GHOST WORLD, USA/GB/D 2001
19.30 Uhr (Studio, Eintritt frei): TIM & STRUPPI – BLUE ORANGES
21.00 Uhr: HULK, USA 2003

ZEICHNER:
19.9.2008, um 19.00 Uhr: Gesprächrunde COMIC UND FILM, anschl. Signierstunde mit Reinhard Kleist und Ralf König
20.9.2008, um 20.00 Uhr: MÄDCHEN MONSTER MISSGESCHICKE anschl. Signierstunde mit Flix, Christian Moser, Ralph Rute
21.9.2008, um 15.30 Uhr: Signierstunde mit Judith Park

Quelle: Newsletter Kölner Filmhaus, September 2008
Weitere Infos: www.koelner-filmhaus.de

Donnerstag, 11. September 2008

Madame Mirage 1

Filed under: Superhelden — Michael um 17:51

Madame Mirage 1Plötzlich gibt es Helden. Keine normalen Menschen, die sich durch besondere Taten hervortun, sondern solche, die durch Biotechnik und Kybernetik tatsächlich in der Lage sind, übermenschliche Leistungen zu vollbringen. Doch was Helden recht ist, ist den Schurken auch billig. Letztere sind bald in der Überzahl. Eine neue Form der Kriminalität entsteht und anders als in den bekannten Märchen über Superhelden stellt sich den bösen am Ende niemand mehr in den Weg. Niemand? Eine elegant gekleidete Frau wirft ihren langen Schatten voraus, einen Schatten, der besonders auf jene fällt, die sich dem Verbrechen verschrieben haben.

Die meisten Supergangster haben ihre Kostüme abgelegt, agieren im Verborgenen und treten in maßgeschneiderten Anzügen spazieren. Nur noch die wenigsten stellen ihre besonderen Fähigkeiten zur Schau, höchstens zur Einschüchterung oder bei der Einfädelung eines halbseidenen Geschäfts.
Madame Mirage ist anders. Furchtlos, mit einer peniblen Planung und tödlicher Konsequenz geht sie ans Werk und erklärt dem organisierten Verbrechen den Krieg.

Paul Dini ist ein Veteran auf dem Gebiet der Comics und hat schon eine Reihe von gestandenen Namen durcheinander gewirbelt, insbesondere im Animationsbereich. Harley Quinn, Zatanna oder Black Canary sind nur einige wenige Namen aus seinen Arbeiten. Mit Madame Mirage hat er nun eine Art weibliches Gegenstück zum Shadow entworfen, hierzulande eher durch die Verfilmung mit Alec Baldwin bekannt.

Das wirklich Geheimnisvolle fehlt Madame Mirage allerdings. Zwar hat sie eine Menge Tricks auf Lager, aber sie ist auch sehr frech, besitzt natürlich auch Charme, aber letztlich fällt es durch die Sexbomben-Aura, die sie umgibt, auch schwer, diese Figur ernst zu nehmen. Ihre Kontrahenten nehmen sie jedoch wegen ihrer Effizienz sehr ernst. Diese, ihre Feinde, lassen sich nicht so einfach über einen Kamm scheren. Neben dem normalen Gangster macht der Lese auch die Bekanntschaft mit einem wahren Muskelberg, dessen Selbstheilungskräfte denen sehr bekannter Comicfiguren in nichts nachstehen.

Kenneth Rocafort könnte eine künstlerische Kreuzung aus Sean Philips und Leinil Francis Yu. Rocafort arbeitet gerne mit interessanten Perspektiven, beleuchtet eine Szene oder eine Figur gerne von mehreren Seiten. Insgesamt entsteht ein sehr zerbrechlicher Eindruck der Zeichnungen. Seine Fähigkeiten konnte er auch schon eindrucksvoll bei Hunter Killer und Cyber Force unter Beweis stellen. Farblich treten das Imaginary Friends Studios, Rocafort selbst und Blond auf das Gaspedal. Hier werden einige Farbtechniken miteinander gemischt, immer auf das beste Ergebnis bedacht: Verläufe, feine Pinselstriche, oder auch mit der groben Kelle aufgetragen, Wolkenspielchen, farblich multipliziert, ineinanderkopiert, Photoshop sei Dank, alles ist möglich, viele Wege führen nach Rom.

Ein sehr nettes Superhelden-Rache-Szenario, das auf die Fortsetzung neugierig macht. Paul Dini legt hier den Grundstein für eine längere Geschichte – bei einem Veteran, der den Umgang mit Serien gewöhnt ist, könnten so noch einige Überraschungen ins Haus stehen. 🙂

Lost Girls

Filed under: Klassiker — Michael um 17:47

Lost GirlsAlice hat einen Spiegel. Dieser Spiegel bildet nicht nur das ab, was sich vor ihn stellt. Er ist auch magisch. Er beobachtet fast schon sezierend, kühl, distanziert und ist so der vollkommene Gegensatz zu den Geschehnissen. In den Ausschnitten seines Blickfelds geht es zur Sache, wild, ungestüm. Alice vertreibt sich die Zeit mit Sex. Sonst hat sie nichts, nur den Spiegel natürlich, ein Relikt. Aber jetzt? Was ist sie jetzt? Diese Frage hängt über ihrer Existenz, aber Alice hat keine Lust, sie zu beantworten. Obwohl, Lust hat sie schon, auf andere Frauen, zur Not auch auf sich selbst.

Gealterte Kinder
Diese Überschrift, die Alan Moore, Autor dieser Trilogie, dem ersten Band voranstellt, beschreibt perfekt in zwei Worten den Kern der gesamten Handlung.
Aber um den Kern herum ist viel Platz für weitere Deutungen.

Alan Moore nimmt den Leser nicht an die Hand. Er verrät nicht, mit keiner Silbe, was er hier eigentlich ausdrücken will. Ist es anspruchsvolle Pornographie – sofern es so etwas überhaupt gibt? Ist es eine Verbeugung vor der Literatur, die sehr früh dort aufhört, wo Moore mit großen Schritten weitergeht? Will er kleine Mythen, ja, beinahe Ikonen der Literatur zerstören, indem er sie alt und nackt, eher bis auf die armselige oder verlorene Seele entblößt, präsentiert?
Will er den Leser (oder wieder einmal die Gesellschaft) mit einer offensichtlichen Provokation hereinlegen, die am Ende keine ist, sondern nur ein Experiment und das nicht einmal sehr gewagt, sondern wohl berechnet?

Alice, Dorothy Gale und Wendy Darling sind in die Jahre gekommen.
Lady Fairchild hat eine Vorliebe für junge Frauen entwickelt. Mit höchstem Interesse verfolgt der Spiegel die Szenen und kleinen Episoden, wie auch die Stellungnahmen der Bediensteten und die eher tapsigen Annäherungsversuche eines Hoteldirektors.
Dottie Gale, Fräulein Gale, ist in die Jahre gekommen. Die Zeiten in Oz sind lange vorbei und auch Wendy blickt zuweilen sehnsüchtig zu den Tagen des Fliegens an der Seite von Peter Pan zurück …

Ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Das Leben scheint aus den Figuren verschwunden zu sein und um zu retten, was noch zu retten ist, flüchten sie sich in sexuelle Phantasien. Mann/Frau, Frau/Frau, Mann/Mann, Alt/Jung, verschiedenste Stellungen und Techniken, zu zweit, zu dritt, in größeren Gruppen, orgiastisch, harmlos, im höchsten Fall anstrengend, Neugier, Erinnerungen. Sex ist Leben, bedeutet Gefühl. Sex liefert den Beweis, am Leben zu sein.

Ist da sonst gar nichts mehr? Im Leben der drei Frauen jedenfalls nicht, die sich zuerst kennen, dann lieben lernen, Erinnerungen austauschen, darin schwelgen, so etwas wie Freundinnen werden. Alan Moore entblößt sie als sinn- und nutzlose Gestalten, aber nicht hirnlos. Sie sind einsam und dekadent und zu keiner Zeit kann die Darstellung ihrer sexuellen Ausschweifungen reizen, antörnen, erotisch sein.

In einer Blumen- und Bienenoptik, einer jugendstilartigen Imitation, einer frühlingshaften Lieblichkeit geht es pornografisch zur Sache und wird nichts verheimlicht oder verschleiert. Ein alternder Gentleman trauert einem verlorenen Sexualleben hinterher, ergötzt sich an erotischen Texten und Bildern, lauscht den Ausschweifungen anderer, fühlt sich zuerst von einem anderen Mann genötigt und lebt dann doch ein kleines schwules Abenteuer aus. Peter Pan führte die drei Kinder zu höchsten Höhen, doch anders als es seinerzeit James Matthew Barrie konzipiert und erdacht hat.

Das blumige Aussehen, eine ziemliche grafische Leistung von Melinda Gebbie, ahmt die Bonbon-Optik andere Darstellungen dieser bekannten Figuren nach, sei es aus dem Haus Disney oder auch muntere Klassiker wie Der Zauberer von Oz.
Es imitiert naive Kunst, aber auch sehr verwackelte, leicht primitiv aussehende grafische Techniken. Abgrenzend malt Gebbie hervorragende Tuschzeichnungen, die an Jugendstil erinnern. Randzeichnungen erinnern an die Geschichte von den schwarzen Buben. Hauptsächlich lässt sich eine Linie finden, die immer wiederkehrt, aber daneben wird viel ausprobiert, sind die Grafiken auch bewusst einfacher gehalten. Irgendwann verlieren sich die traumatisierten Figuren in einem abschließenden Traum – oder auch Alptraum – der aus einem seitenlangen paradiesischen Gerammel in einem irdischen Alptraum namens Krieg mündet.

Die Frauen bleiben zurück, die Männer verlassen das Hotel, den Mikrokosmos. Sie können sich dem kommenden Krieg nicht entziehen. Die Frauen treten die endgültige Flucht in den ultimativen und dauerhaften Orgasmus an, eine Reise ohne Wiederkehr. Am Ende ist Sex zur Sucht geworden. Alle können nicht mehr anders, in der Erinnerung, in der Gegenwart, beiläufig, zur Entspannung, die eigentlich ständig gefragt ist.
Und nach einem schier endlosen Sex-Marathon wird die Lust langweiliger und langweiliger, wird der Sex monströs, bedrohlich.

Text und Bild gehen Hand in Hand, täuschen, versetzen schließlich in Staunen, wenn echte Gefühle gewaltsam durchbrechen und die sexuellen Handlungen zu einem oberflächlichen bedeutungslosen Mischmasch machen. Es ist Alan Moores Können zuzuschreiben, dass er den Leser in einen Strudel hinab zu ziehen vermag, der all das anrührt, was Menschen im Unterbewusstsein, im Traum oder auch bewusst mit sich herumschleppen oder glauben, dass sie es mit sich herumschleppen – nicht umsonst weckt einer der Akteure die Erinnerung an einen Psychoanalytiker, dessen Naivität und Schlussfolgerungen hier immer für einen Lacher gut sind.

Jeder Leser muss am Ende selber wissen, was er aus diesem Werk für sich mitnimmt. Literatur und Pornografie schließen einander nicht aus, was bereits eine Reihe von Autoren vor Alan Moore bewiesen hat. Ob Moore mit diesem Werk sich dazu gesellen kann, ob er die sich eigens gestellte Aufgabe erfüllt hat, ob es genial, gewitzt oder platt ist, lässt sich schwerlich sagen. Es ist eine Entmystifizierung von Literatur, bei der man sich auch immer in der Position wähnen sollte, dies überzeugend tun zu können. Wer meint, Alan Moore habe diesen Standpunkt erreicht und pornografische – nicht erotische – Darstellungen vertragen zu können, sollte einen Blick riskieren. Alle anderen besser nicht. 🙂

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MangaMagie 2008 – Über 1000 Teilnehmer

Filed under: Meldungen — Michael um 10:14

MangaMagie 20081067 TeilnehmerInnen wetteifern um den Sieg 2008 – Anfang Mai startete zum 7. Mal der bundesweite Nachwuchszeichenwettbewerb „MangaMagie“. Nach Sichtung der Bewerbungen (Einsendeschluss 31.8.2008) verzeichnete der Ausrichter des Wettbewerbs – die Bahnhofsbuchhandlungen Ludwig GmbH – eine Rekordbeteiligung von 1067 TeilnehmerInnen in den zwei Altersgruppen „Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren“ (572 Teiln.) und „junge Erwachsene zwischen 18 und 26 Jahren“ (495 Teiln.).

Gegenüber den letzten Jahren ist das eine deutliche Steigerung (2007: 886 Teiln., 2006: 928 Teiln.). Erstmals hat MangaMagie damit mehr als 1000 TeilnehmerInnen, die sich mit einem eigenen achtseitigen Manga um Preise bis zu 1000 € bewerben.

Die Wettbewerbsbeiträge durchlaufen ein mehrstufiges Bewertungsverfahren, bevor die Jury auf einer letzten Sitzung im Rathaus Köln (am 29. September 2008 ab 11.00 Uhr/Rathaus der Stadt Köln/Spanischer Bau, Raum A 119 „Theodor Heuss“) die Gewinner ermittelt, die aber erst bei der Preisverleihung am 25.10.2008 bekannt gegeben werden.

Zur Jury gehören: Dr. Winfried Gellner, Köln, Juryvorsitzender; Christpher End und Sabine Rudert, Nistertal, Redaktion Magazin AnimaniA; Francesco Farkas, Stuttgart, Panini Verlags GmbH; Andreas Füser, Stadt Köln Stabsstelle Medien; Sarah Götschel, Comicabteilung der Buchhandlungen Ludwig Köln; Annett Graf, München, Verlagsgruppe Droemer/Knaur; Yvonne Hoffmann, Egmont Manga & Anime Köln; Dr. Joachim Kaps, Hamburg, Tokyopop GmbH; Babette Kraus, München, Heyne Belletristik; Annelie Kretzschmar, Berlin, und Maren Marmulla, Dortmund, Manga-Magie Gewinnerinen 2007; Marlis Sauer, Schulamt für die Stadt Köln/Jugend Art Galerie; Kai-Steffen Schwarz, Hamburg, Carlsen Verlag GmbH.

Quelle: Pressemitteilung – Buchhandlung G. Ludwig GmbH, 10. September 2008

Mittwoch, 10. September 2008

Freaks of the Heartland

Filed under: Mystery — Michael um 11:35

Freaks of the HeartlandEine kleine Plastikpistole. Mehr braucht ein Kind nicht, um in andere Welten zu entfliehen. Damals jedenfalls. Das Elternhaus liegt dunkel da. Innen ist es wenig herzlich, die Stimmung ist angespannt. Andere Welten können besser sein. Das ist Trevors Geheimnis. Und nicht das einzige. Auch die gesamte Familie hat ein Geheimnis. Eingeschlossen in der Scheune, verborgen vor den Blicken anderer, hat Trevor noch einen Bruder. Trevor hat sich bislang wenig Gedanken um das Schicksal seines Bruders Will gemacht. Will ist angekettet, sein Essen besteht aus Abfall. Das ist alles nicht richtig, aber Trevor hat auch nicht die Macht das zu ändern. Nur in der Nacht, da nimmt er Will manchmal die Kette ab und sie gehen raus an die frische Luft, so wie richtige Brüder.

Das amerikanische Herzland, der Bibelgürtel, der Korngürtel, Gegenden in den Vereinigten Staaten, wo die Uhr anders tickt. Langsamer. Hier lebt der amerikanische Kleinstadtgeist, die Unwissenheit, das religiöse Herz. Und in dieser trotzdem von Gott verlassenen Gegend ereignet sich eine Tragödie. In diesen Gegenden, wo man noch amerikanischer ist als alle anderen, können unerwartete Ereignisse verstörend sein. Behinderungen, Missbildungen können als persönliche Strafen ausgelegt werden – sogar als solche von Gott – sie treffen ins Herz, als persönliche Schmach, die irgendwie ungerechtfertigt erscheint. Aber ob passend oder nicht, niemand darf davon erfahren. Die Vorgehensweisen sind dramatisch, drastisch und unmenschlich. Die eigentliche Herausforderung eines Gottes wird nicht erkannt und so machen sie alles noch schlimmer.

Dieses Grundschema findet sich bereits in manchem Western. Beliebt und gut erzählt sind hier die Varianten, in denen ein Indianer oder Halbindianer Mitglied einer weißen Familie ist. Paradebeispiele sind Denen man nicht vergibt (mit Burt Lancaster, Audrey Hepburn) oder auch Flammender Stern (mit Elvis Presley). Während in den Western die Familie wenigstens zu ihren Kindern oder sonstigen indianischen Verwandten steht, ist dies hier im Falle missgestalteter Kinder nicht mehr so. Die Kinder werden vor der Welt versteckt oder sogar getötet.

Die Erwachsenen ergehen sich in Verzweiflung und Angst. Nicht so die anderen leiblichen Kinder, jene, die mit ihren missgestalteten Geschwistern aufgewachsen sind und die menschliche wie auch liebevolle Seite an ihnen entdeckt haben.
So ein Junge ist Trevor. Sein Herz, das wirkliche Heartland in dieser Geschichte, zeigt ihm, was richtig ist. Er nutzt den einzigen Ausweg, den Kinder häufig nur haben. Er rennt weg und nimmt seinen Bruder Will mit.

Steve Niles, für seine Horrorphantasien in 30 Days of Night bekannt, entwirft hier ein sehr einfühlsames Bild, leicht tragisch, leicht gruselig, in jedem Falle menschlich und immer noch aktuell. Erzählerisch wie auch optisch zeitlos sind diese Ängste, die alles Fremde bei den Menschen hervorzurufen scheinen, immer noch vorhanden und bereiten gesellschaftliche Schwierigkeiten. Hier packt Niles diese Ängste in einen Mikrokosmos, in dem bestimmte Personen die Eckpunkte und Antriebskräfte bilden.

Trevor ist der Junge, der Unbescholtene, derjenige, der weiß, weil er mit Will aufgewachsen ist, weil er hinter die Fassade blickte. Der Vater ist der gottesfürchtige Uramerikaner, das Familienoberhaupt, das sich selbst für verflucht hält, weil es etwas falsch gemacht hat. Natürlich hat es etwas falsch gemacht, weil die anderen ihm nicht gehorcht haben. Da ist die Mutter, die Angst hat, die wegschaut. Da sind die anderen Familien, in denen es ähnlich ist. Und der Sheriff, die Stimme, derjenige, der nicht begreifen will und alle anderen kommandiert.
Am Ende ist da noch will, etwas anders ausschauend, sehr groß, langsam, aber er hat noch etwas, das nicht oft zu sehen ist, eine andere Kraft, eine besondere, ein Geheimnis.

Ebenso wie dieses Geheimnis bleibt auch der von Greg Ruth gezeichnete Will diffus. Ruth vermerkt im Anhang, dass er Will äußerlich nicht richtig packen konnte. Die Veränderungen, die Will durchläuft, kleine Variationen nur, sind deutlich sichtbar, aber das schadet keineswegs. So entsteht der Effekt des Nicht-Hinschauen-Sollens. Guck da nicht hin! Man macht es dennoch, flüchtig, weil man neugierig ist. Aber man schaut ganz schnell hin, so dass nur ein kurzer, ein verwaschener Eindruck verbleibt. Genauso erscheint Will. Als habe Greg Ruth ihn nicht richtig studieren, ihn nicht angaffen wollen, um ihn am Ende nicht bloßzustellen und zum Schauobjekt zu degradieren. Nur Trevor darf ihn wirklich so sehen, wie er ist.

Der Leser lernt im Laufe der Geschichte auch, Trevor zu vertrauen. Kinderaugen sehen die Wahrheit – wenn sie nicht aktiv betrogen werden. Die geschilderte Wahrheit ist furchtbar und ein Armutszeugnis für die so genannten Erwachsenen. Feinfühlig, beinahe unspektakulär, eigentlich unamerikanisch erzählt. Nicht in letzter Konsequenz neu, aber sehr interessant. Optisch ein Zuckerstück, wenn auch ein sehr düster angelegtes. 🙂

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