Freitag, 03. Oktober 2008
Der Heilige der Killer – ein Mythos oder alptraumhafte Realität? Wie konnte ein Mensch in den Besitz dieser furchtbaren Macht kommen? Der Mann hat immer nur getötet. Im Bürgerkrieg. Im Kampf gegen Indianer. Im Duell gegen mieses Gesindel. Aber nie tötete er einen Unschuldigen. Eines Tages rettet er eine junge Frau vor Indianern. Sein Leben scheint eine Wende zu nehmen. Die junge Frau sieht als einzige etwas in ihm, was nichts mit Tod und Zerstörung zu tun hat. Er lässt sich auf dieses andere – bessere – Leben ein, liebt, lebt, wird Vater. Alles ist gut, bis zu dem Tag, als seine Frau und sein Kind am Fieber erkranken. Um Medizin zu holen, muss er nach langer Zeit wieder in eine Stadt.
Es ist der Schmerz über den Verlust, der den Wunsch nach Rache gebiert, ein Gefühl, das so stark wird, dass neben ihm nichts anderes mehr Platz hat.
Garth Ennis erzählt im Vorwort von seiner Liebe zum Western, zu all den Abenteuern, die er im Fernsehen erlebte, in denen John Wayne eine große Rolle spielte. Von John Wayne zum Heiligen der Killer ist es jedoch ein weiter Weg. Denn wo für manchen Revolverhelden die Geschichte endet, geht es für den Heiligen der Killer erst richtig los.
Ennis schickt seinen Antihelden in die Hölle. Hier treffen wir, typisch Ennis, den Teufel und den Engel des Todes bei einer Partie Poker. Während der Revolverheld an der Spitze all der Seelen, die er ins Jenseits geschickt hat, in die Hölle einreitet, geschieht etwas völlig Unerwartetes in der Hölle: Ein Sprichwort geht in Erfüllung. – Welches das ist, kann der Leser sicher schnell herausfinden. So mancher verwendet es, um die Unmöglichkeit eines Zustands herauszustreichen.
Garth Ennis bastelt sich seine ganz eigene höllische Legende, voller Brutalität, Freaks, verzweifelten Gestalten – den Teufel eingeschlossen – und mit viel schwarzem Humor.
Dieser Humor wird in den beiden folgenden Episoden Denn er wusste nicht, was er tat und Good Old Boys noch einmal in luftige höhen getrieben. Wenn Ennis die Geschichte über das Arschgesicht anstimmt, entsteht eine Handlung, die jedem Nullbock-Kid eine Warnung sein sollte. Es ist für Ennis recht ungewöhnlich, dass als Lösung einer Geschichte ein vergleichsweise ernsthaftes Ziel in Betracht gezogen wird. Denn sogleich mit den guten alten Jungs kehrt Ennis zum gewohnten Hinterwäldlerhorror zurück.
Jody und T.C., die beiden, die dem Preacher das Leben schwer machten, zeigen einmal mehr aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Die Hinterwäldler führen einigen Gangstern aus der Stadt vor, wie man in den Sümpfen seinen Gegner fertig macht. Mit allen Mitteln. Das ist ein Ennis, der mit dem Spaßfaktor Gewalt spielt und einen Sinn in der Handlung vollkommen außer Acht lässt.
Wo ist der Preacher? – Keine Spur von ihm. Garth Ennis beschränkt sich auf Geschichten aus dem Preacher-Universum. Ohne den Preacher vermisst man als Leser auch Steve Dillon nicht, den Stammzeichner, der den maßgeblichen Figuren ein Gesicht gegeben hat.
Zum Einsatz kommen Gastzeichner, die auf ihre Art überzeugen, aber nicht an Steve Dillon heranreichen. Steve Pugh versucht sich an einer Imitation des Dillon-Stilsm skizziert aber aufwändiger, etwas unsicherer auch, ufert mehr aus, häufig auch in Karikative. Sind die Waffen auf den Covern von Glenn Fabry (genial wie immer) schon regelrechte Wummen, sind sie im Comic selbst Kanonen mit ebensolcher Durchschlagskraft. Mit der Figur des McCready ist eine Abart eines Kindergesichts geschaffen worden, ein dreckiger Billy the Kid mit einhundertprozentig psychopathischen Tendenzen. Der Ekelfaktor ist durch die Erzählung von Ennis bereits hoch, durch die Bilder von Steve Pugh wird er um einige Faktoren gesteigert.
Die Bilder von Carlos Ezquerra, die die Episode um den Heiligen der Killer abschließen, müssen sich auch optisch hinter der Umsetzung von Steve Pugh anstellen. Die gruseligen Effekte von Pugh werden von Ezquerra ein wenig ins Lächerliche gezogen.
Richard Case, der sich grafisch der Geschichte des Arschgesichts annimmt, ist ein Vertreter von harten, wie gemeißelten Linien. Es ist gewöhnungsbedürftig, modern zwar, aber auch ausdrucksstärker als Ezquerra, der in der letzten Geschichte um die guten alten Jungs wieder federführend ist. Hier werden Ezquerras Zeichnungen wieder besser, da er ganz offensichtlich Dillons Bildern und Vorlagen nacheifert.
Ennis bleibt Ennis. Wenn man sein eigenes Vorbild ist, kann einem niemand etwas vormachen. Ein interessanter Einblick in die Hintergründe des Preaecher-Universums. Die Auswahl der Gastzeichner trübt das Vergnügen ein wenig, aber nur ein wenig, denn die Geschichten sind stark genug, um die Optik zu überwiegen. 🙂
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Das Dritte Reich sieht seinem Ende entgegen. Aber aufgeben will es nicht. Zu diesem Zweck hat Rasputin dem Führer ein Wunder versprochen. Auf einer kleinen Insel startet das Experiment, für das unglaubliche Energien benötigt werden. Schließlich ist es soweit, es passiert – nichts. So glauben es jedenfalls die anwesenden deutschen Soldaten. Für die später eintreffende amerikanische Spezialeinheit ergibt sich ein völlig anderes Bild. Professor Broom, den alliierten Soldaten als Berater zugeteilt, versucht das Vertrauen des roten Jungen zu gewinnen. Und es gelingt: Broom wird für Hellboy zum Vater.
Als Hellboy seinen Vater viele Jahre später wieder trifft, ist er zutiefst erschüttert. Der alte Mann ist nicht mehr er selbst. Die Expedition, mit der er lange unterwegs war und während derer er sogar als verschollen galt, hat einen verwirrten, ängstlichen Menschen aus ihm gemacht. Kurz darauf greift eine unheimliche Kreatur an. Hellboy verteidigt seinen menschlichen Mentor, aber zu spät.
Pünktlich zum Kinostart des zweiten Hellboy-Films startet die Reihe der Hörspielumsetzungen zu den weltbekannten Comics von Mike Mignola um den paranormalen Ermittler der besonderen Art. Hier sind die Jäger selber Freaks, die sich jedoch für die gute Seite entschieden haben. Wie es sich gehört, startet die Reihe mit der ersten Erzählung über Hellboy, genauer über seine Entstehung und seinen ersten großen Einsatz. Aufgeteilt in zwei Folgen ist die Saat der Zerstörung …
Wer es noch nicht weiß, dem soll die Spannung nicht verdorben werden.
Bekannte Sprecher – natürlich auch aus der Verfilmung – machen das Hörspiel zu einem Hör-Comic-Erlebnis. Besonders dominierend wegen seiner markanten Röhre ist natürlich Hellboy selbst, gesprochen von Tilo Schmitz, der Synchronstimme von Ron Perlman (Hellboy) oder auch Ving Rhames. Kernig, tief, brummig, kurz, als hätte er ein Reibeisen verschluckt, erzählt Hellboy hier aus der Vergangenheit, von seiner Ankunft. Nach diversen einstimmenden Szenen – so der deutschen und alliierten Soldaten und des sympathischen Professor Broom – ist er also da, der kleine rote Junge, auf den zunächst geschossen wird, obwohl gerade einmal 40 Zentimeter groß ist.
Professor Broom, gesprochen von Gerd Samariter, gibt einen akustisch knuffigen Professor ab, der leider viel zu schnell das Zeitliche segnet. So kommt denn zügig das komplette Team zum Einsatz, denn Brooms Tod steht in Verbindung zu einer missglückten Expedition der Cavendish-Brüder. Neben Hellboy greifen nun auch Abe Sapien und Liz Sherman ins Geschehen ein. Star Wars Fans dürfen sich auf Joachim Tennstedt freuen, der Anthony Daniels die Stimme lieh (oder auch Billy Crystal, John Malkovich oder …) und auch für die Figur des Abe Sapien zur Verfügung stand. Neben dem alten Synchronexperten steht eine nicht minder erfahrene Expertin für die Figur der Liz Sherman zur Verfügung. Genre-Fans kennen sie als Stimme von Shannon Doherty (Charmed), ein breiteres Publikum brachte sie als Stimme von Renee Zellweger in Bridget Jones 1 +2 zum Lachen.
Michael Prelle sorgt mit seiner russisch eingefärbten Stimme für einen sehr gruselig klingenden Rasputin, der sich stimmlich auf dem gleich hohen Niveau seiner Kollegen befindet. Doch nicht nur die Stimmen sorgen für die dringend benötigte Atmosphäre eines gruseligen und abenteuerlichen Hörspiels. Effektreich und mit schönen musikalischen Einspielern entsteht hier ein feines Kino im Kopf, ganz so wie es sich der Hörspiel-Fan generell wünscht und der Fan von Hellboy es selbstverständlich verlangt.
Robert Schlunze, Autor der Hörspieladaption, outet sich selbst als Hellboy-Fan, beste Voraussetzungen für ein gelungenes Spielbuch, dem hier eine besondere Aufgabe zukommt, nämlich, die Augen zu ersetzen. Jenen, die bislang die Comics nicht gelesen haben, wird nichts fehlen, jene, die sie gelesen haben, werden ihre eigenen Bilder automatisch ergänzen. Der Aufbau, mit diversen Rückblenden, Einschüben und Erinnerungsstücken, im Comic leicht lös- und einfügbar, da Mignola weiß, dass seine Leser auch einmal zurückblättern können, ist im Hörspiel schwieriger umsetzbar, gerade bei Passagen, die sich durch erhöhte Aktion ausweisen. Schlunze beschränkt sich auf das Nötigste, um im gegenwärtigen Handlungsstrom den Fluss aufrecht zu erhalten. Das Ergebnis ist ein in seiner Dramatik immer weiter steigendes Hörvergnügen.
Eine Fan-Umsetzung, was will der Comic-Leser mehr. Dank originaler Stimmen, einer kinoähnlichen Atmosphäre hat Hellboy nun einen weiteren Weg gefunden, um neue Fans zu gewinnen – angesichts dieser tollen Umsetzung kann das nicht ausbleiben. 🙂
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Donnerstag, 02. Oktober 2008
Rache! Die Baba Jaga kann und will Hellboy nicht verzeihen. – Aber das interessiert Hellboy sowieso nicht. Eine Hexe ist wie die andere. Und dieser ganze Haufen, der ihn zu sich gelockt hat, kann sich den Mund fusselig reden, niemals wird er sein so genanntes Erbe als König der Hexen antreten. Deshalb dreht er ihnen den Rücken zu und marschiert zur Tür heraus. – Wo kommt der ganze Schnee auf einmal her? Oh! Kacke! Hellboy steckt wieder in Schwierigkeiten, großen Schwierigkeiten sogar, denn diesmal hat es ihn weitab in die Fremde verschlagen, fern der Heimat. Fern der irdischen Dimension.
Während sich die Hexen überlegen müssen, wer denn nun ihr neuer Herrscher oder ihre neue Herrscherin wird, hat Hellboy ganz andere Probleme. In seiner Vergangenheit hat er viele Feinde kennen gelernt. Sie waren unheimlich, brutal, auch zahlreich, aber so zahlreich? Vor ihm steht, von den eisigen Winden gepackt und umweht, ein Heer von untoten Kriegern, die nur ein Ziel haben: Hellboys Tod.
Hellboy lässt sich nicht beirren. Dumm ist er auch nicht. Eine Übermacht vermag er zu erkennen, also flieht er. – Geradewegs in ein Wolfsrudel hinein, deren einzelne graue Gesellen weitaus größer sind als gewöhnliche Wölfe.
Hellboy ist in der Welt der Baba Jaga angekommen und dort kann sie mit machen, was sie will. Das glaubt sie jedenfalls. Nicht jeder ist mit den Plänen der Baba Jaga einverstanden, auch nicht in ihrer Welt. Das ist letztlich nur ein kleines Glück für Hellboy, der daraus nur eine Verschnaufpause ziehen kann. Mike Mignola nutzt hier eine offene Rechnung aus, um Hellboy mal wieder so richtig in die Bedrouille zu schicken. Mignolas Held muss sich verdammt anstrengen, damit er dieser Falle entgeht.
Thematisch schafft Mignola eine ähnliche Grundlage wie im neuen Kinofilm um den roten Ermittler. Die Hexen müssen sich es auf den Kopf zusagen lassen, dass sie verblassen, wie alle Kinder der Erde langsam verblassen. Als ein Teil der mythologischen Figuren besitzen sie zwar noch Macht, doch sie nutzen sie nicht. Gruagach, auch ein alter Bekannter, will den Hexen eine Königin verschaffen, ein Wesen, das so mächtig ist, dass sich sogar die Hexen vor ihr fürchten. Hier entspinnt sich eine Handlung, von der Hellboy nichts erfährt, da er alle Hände voll zu tun hat.
Zu diesem Zweck hat sich Mignola ein Duell ausgedacht, wie es lange nicht zu sehen war – ich möchte es gerne mit jener scheinbar ausweglosen Auseinandersetzung zwischen Spider-Man und Morlun vergleichen. Auch Hellboy begegnet hier einem Gegner, den er aus eigener Kraft nicht zu besiegen vermag. Mit Koschej ist Mignola eine ungemein kraftvolle und ausdrucksstarke Figur gelungen. Dieser Feind ist jemand, der tötet, damit er selber sterben kann. So erhofft es sich jedenfalls durch die Hand der Baba Jaga, die ihn als Handlanger gegen seinen Willen am Leben erhält.
Was für ein schönes, was für ein schreckliches Ding du bist.
Besser lässt sich diese Figur nicht umschreiben als mit den Worten der Baba Jaga. Ein Komödiant würde als Titel vielleicht Apokalypse für zwei wählen. Obwohl es ein beständig hin und her wogender Kampf ist, verliert er zu keiner Zeit seine Dramatik. Mignola, so scheint es, hat sich an ähnlichen Kämpfen aus der Mythologie orientiert, in der Auseinandersetzungen bis an das Ende aller Tage nicht selten sind.
Die Inszenierung dieser und der parallel laufenden Handlung obliegt Duncan Fegredo, der hier das Kunststück vollbringt, sich grafisch Mignola anzunähern, aber dennoch eine eigenständige Handschrift behält. Die Technik erinnert auch hier an einen äußerst feinen Holzschnitt, eckig, gebrochen, immer etwas abstrahiert. Und er passt gekonnt zu der unheimlichen Atmosphäre, in der ein optischer Höhepunkt den nächsten jagt. Ob der wieder auferstandene Hexenjäger, die Hexen selbst, das Heer der Untoten, Peruns Auftritt, der Kampf gegen Koschej, das kleine helfende Mädchen … Die Liste der interessanten und fesselnden Szenen in diesem Band ist lang.
Die Action ist hier auch maßgeblicher als zuvor in anderen Ausgaben. Die Menge all der Wendungen, in denen sich Hellboy seiner Haut erwehren muss, oder in denen die Baba Jaga mit ihrer Bösartigkeit auch vor Göttern nicht Halt macht, erweckt jedenfalls diesen Eindruck.
Die Details, mit denen Fegredo aufwartet, sind mannigfaltiger als bei Mignola, allerdings kann sich Fegredo auch über viele verschiedene Sets dank der erzählerischen Vorlage von Mignola freuen. Die Farben von Dave Stewart geben jeder Szene das richtige Licht. Stewart ein Topprofi auf diesem Gebiet, kennt die B.U.A.P. und andere phantastische Szenarien schon länger und versteht sich mit hoher Eleganz auf kontrastierende Farbgebungen, die Plastizität verleihen, aber keine drei dreidimensionale Form imitieren wollen.
Hellboy muss sich einer seiner größten Herausforderungen stellen. Mike Mignola ist ein tolles Szenario in einer Mischung aus Märchen, Mythos und Endzeit gelungen – fast ein wenig japanisch. Duncan Fegredo zeichnet teuflisch gut. Seine düsteren Ansichten aus dieser und der jenseitigen Welt gefallen ungeheuer gut und sind hoffentlich nur ein Vorgeschmack auf weitere Arbeiten. 🙂
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Mittwoch, 01. Oktober 2008
Nathan hatte einen furchtbaren Alptraum. Wieder musste miterleben, wie seine Familie getötet wurde. Eines Tages jedoch erhält er die Chance zur Rache. Als er im Krankenhausbett erwacht, ist sein amputiertes Bein wieder da. Aber dennoch: Etwas ist anders. Früher hat ein ganz normales Auftreten auf den Boden keine Fußabdrücke im Beton hinterlassen. Aus einer anfänglichen Panik erwächst sehr bald Gewissheit dank der Hilfe der Justice Society of America. Nathan hat eine flüssige Metalllegierung in seinem Körper aufgenommen, die ihn schützt und neue Kräfte verleiht. Leider hat er diese noch ganz und gar nicht unter Kontrolle. Die JSA schafft mit einem neuen – sehr ungewöhnlichen – Kostüm Abhilfe. Und ob er es will oder nicht: Citizen Steel ist geboren.
Die JSA sucht neue Mitglieder. Die Stammbesatzung kann zwar prächtig aufräumen, wie sie in einem Einsatz gegen Neonazis beweist, die ihren Captain Nazi freipressen wollen. Derweil macht sich Superman immer noch so seine Gedanken darüber, warum Starman hier ist. Der Held aus der Legion der Zukunft ist in der Gegenwart gestrandet. Nach eigener Aussage hat er eine Aufgabe, leider ist er auch geistig verwirrt, was weder seine Aufgabe vereinfacht, noch das Zusammenleben mit Starman.
Starman ist nicht das größte Problem. Damage droht seine Beherrschung zu verlieren, als er Zoom begegnet, der ihn vor einiger Zeit entstellte. Nur ein sehr beherztes und vorsichtiges Eingreifen von Liberty Belle kann schlimmeres verhindern. Und dann ist da noch …
Viel los in der zweiten Ausgabe der JSA mit dem Untertitel KINGDOM COME II! Wer sie, die JSA, noch nicht kennt, der hat jetzt die Gelegenheit dazu. Die Einführung ist recht gelungen. Ein paar Neulinge kommen zu Wort, Liberty Belle und ihr Ehemann Hourman werden genauer vorgestellt. Und schließlich erscheint derjenige, auf den man sich als Leser natürlich freut, wird er doch gleich auf dem Cover gezeigt: Der Superman von Erde 22.
Hört sich merkwürdig an, ist aber so. Das Multiversum ist in sich zusammengebrochen. Auf der übrig gebliebenen Erde kehrt man nun die Reste zusammen. In all den Jahren kann man als Leser sehr gut den Überblick verlieren über all die Ereignisse, die mal dieses oder jenes bewirkt haben. Flash, mit einer Suppenschüssel auf dem Kopf, Green Lantern, frisch beim Fasching eingekleidet oder auch Power Girl, die wohl mit den meisten Muckies gesegnete Helding unter den kryptonischen Frauen. Da ist ein Starman, der aus der Zukunft kam, noch der am wenigsten verwirrende Charakter, denn er ist selbst vollkommen verwirrt. – Harmlos ist er deshalb noch lange nicht.
Verharmlost werden hier mal wieder leichtfertig die Nazis mit ihren Auftritten als Captain Nazi oder auch Reichsmark (dürfte die blödeste Namensgebung für einen Bösewicht in Comics sein). Aber amerikanische, auch frankobelgische Autoren nehmen’s mitunter recht locker, was dieses Thema anbelangt.
Und trotzdem fällt der vorliegende Band nicht durch. Warum? Es sind Ausrutscher, denn die Geschichte fängt sich – nach der Einführung von Citizen Steel – mit einem unheimlichen Feind und einem neuen Freund. Geoff Johns hätte mit diesem Teil eher beginnen sollen und der vorliegende Band wäre perfekt gewesen.
Die Halbgötter sind dran. Nicht solche in weiß, auch nicht Ottonormalheld, sondern jene, die sich den Anschein einer Verwandtschaft zu bekannten Mythologien geben. Der Gegner ist von einer solchen Stärke, dass er in Nullkommanichts mit diesen Möchtegerns aufräumt. Wie in einem Krimi kann sich die JSA nur mit den Funden der Leichen begnügen, bevor sie auch nur einen Schritt hin zur Lösung machen kann. Daneben kommt dieser Besuch eines alten Superman, eines gebrochenen Mannes, der nicht nur seine Familie, seine Freunde, vielmehr eine ganze Welt verloren hat – noch eine. Er ist ein Mann, der mit Neid auf diese Welt schaut, in der alles besser ist, wenigstens die Helden, vielleicht sogar die Bösewichter. Dieser Superman ist zurückhaltend, gebrochen. Geoff Johns lässt diese Figur schnell zwischen den anderen Charakteren aufgehen, bevor er die berühmte Bombe platzen lässt.
Als Zeichner liegen die beiden Dale Eaglesham und Fernando Pasarin auf Augenhöhe zueinander. Zuerst hat Eaglesham eine kleine Schwäche, so wirken seine Bilder gröber als die des später einsetzenden Pasarin, aber das scheint eine Folge der Tuschearbeit zu sein. Im ersten Kapitel noch teilen sich Ruy José und Rodney Ramos diese Arbeit, während sie später jeder für sich allein an den jeweiligen Kapiteln arbeiten. Insgesamt sind die Zeichnungen sehr fein und ausdrucksstark geraten, fast so, als würden Nachfolger von Alan Davis hier am Werk sein. Optisch darf sich der Leser auf eine absolut tolle Arbeit freuen.
Ein Knaller, nicht zuletzt wegen der eingestreuten Cover von Alex Ross, der Superhelden anziehen kann wie kein zweiter. Geoff Johns hat schon mehrfach bewiesen, dass er mit alternativen Heldenwelten umzugehen versteht. Hier setzt er diesen Beweis fort (bis auf den einen Tritt in den Fettnapf). Hinter dem Alltag der Superhelden wächst langsam eine Mischung aus Krimi und Tragödie heran.
Dienstag, 30. September 2008
Vor langer Zeit war alles in Ordnung. Vor langer Zeit, als die Menschen noch keine Macht besaßen, als sie wenige waren. Vor langer Zeit … Inzwischen haben die Menschen die Oberfläche erobert. Sie haben die alten Zeiten und die alten Wesen vergessen. Aber die anderen wissen sehr genau um die Menschen und ein paar, nicht viele, aber ein paar sind nicht länger bereit, die Macht den Menschen zu überlassen. Von all dem weiß Hellboy zu diesem Zeitpunkt nichts. Ehrlich gesagt will er sich darüber auch keine rechten Gedanken machen, denn er hat es geschafft – irgendwie jedenfalls. Er ist mit Liz zusammen. Endlich. Aber ob so ein roter Teufel mit einer Menschenfrau lange zusammen sein kann? Ob das gut geht?
Hellboy ist unordentlich, auch launisch, überall laufen Katzen herum. Dennoch sollte Liz nicht derart böse auf ihn sein. Oder ist da noch etwas anderes? Vielleicht aber hängen die Schwierigkeiten einfach damit zusammen, dass sie eine Frau ist. Wer weiß das schon? Da trifft es sich, dass ein neuer Einsatz ruft.
In einer Auktion der gehobenen Art wurden sämtliche Besucher massakriert. Die Täter scheinen keines natürlichen Ursprungs zu sein. Hellboy, Liz, Abe und einige Agenten der B.U.A.P., der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, machen sich an die Arbeit.
Hellboy hat einen zweiten Sprung auf die Leinwand geschafft. Wer es nicht erwarten kann, der kann sich mit dem Roman zum Film schon vorab ein Bild von der Geschichte machen. Wie erwähnt, wird Hellboy etwas gegönnt, die lang erwartete Beziehung, die sich im ersten Film anbahnte und nun um die ersten Schwierigkeiten herumschippern muss – damit ist dem rothäutigen Helden mehr gegönnt, als er auf diese Art je im Comic erleben durfte. Robert Greenberger hat die Drehbuchvorlage von Guillermo Del Toro zum Roman umgesetzt.
Der Einstieg erfolgt schnell und auch für neue Hellboy-Fans sehr verständlich. Greenberger, ein Mann vom Fach, wie seine Biographie ausweist, versteht sich auch eine flotte Erzählweise, dem Thema angemessen und ohne von seinen Lesern zu verlangen, dass sie erst einmal das Hellboy-Universum studiert haben müssen, um in der Geschichte voranzukommen – das dürfte entsprechend auch auf den Film zutreffen. Bereits im ersten Teil konnten die Zuschauer die Handlung ohne Vorkenntnisse genießen. Greenberger zeigt einen Hellboy, der immer noch staunend durch die Welt geht. Er entdeckt die Liebe und genießt – sehr zum Schrecken seines Vorgesetzten Manning – auch das Bad in der Öffentlichkeit. Hellboy, der im ersten Teil für die Presse nur ein verwaschenes Schemen auf unscharfen Photografien war, könnte der Welt kaum besser bestätigen, dass es ihn gibt.
Hellboy braucht einen Feind und er bekommt ihn. Die Figur des Prinzen Nuada, der die alte Ordnung herstellen möchte, ist selbst im Roman faszinierend dargestellt. Ein Kämpfer, ein Krieger, der für seine Ziele über jedwede Leichen geht, ganz gleich, ob sie Menschen sind oder dem Reich der Mythologie entstammen. Während des Einstiegs in diese fremde Welt, die Greenberger hier schildert, entstehen – sofern der Leser diese gesehen hat – Bilder aus Filmen wie Cabal – Die Brut der Nacht oder auch Pan’s Labyrinth, ebenfalls wie Hellboy II von Regisseur Del Toro geschrieben und in Szene gesetzt. Es funktioniert sehr bildlich auf unterschiedliche Arten. Die Kenntnis der einen oder anderen Mythologie mag hier auch hilfreich sein, vielleicht sogar des HdR, damit die Bilder im Kopf schneller bei der Hand sind.
Er hat eine Waffe in der Hand!
Das ist seine Hand!
Derlei Missverständnisse und kleine Szenen sorgen für den Hellboy-typischen Humor neben einem großen Angebot an Phantastik. Wie sehr und wie gut beides miteinander in Einklang gebracht werden kann, zeigt der Auftritt eines Neuen im Team: Johann Krauss. Von menschlicher Gestalt ist von ihm jedoch nicht mehr viel Menschliches vorhanden. Untergebracht in einem Schutzanzug, der ihn zusammenhält, beherbergt, soll er für eine bessere Disziplin im Team sorgen. Für Hellboy wird er damit zusätzlich zum roten Tuch. Johann Kraut ist bei Hellboy nicht sehr beliebt. Das fremdartige dieser neuen Figur kommt im Roman nicht so gut heraus, die Optik ist hier sehr viel maßgeblicher am Eindruck beteiligt, als die reine Beschreibung.
Überaus kurzweilig erzählt, für einen Filmroman auch sehr gut erzählt – vielleicht in einer Tradition mit Alan Dean Foster, Genre-Fans werden den Namen kennen – entfaltet sich hier ein zusätzliches Bild vor dem Leser. Gedankengänge, die im Kino entgehen, geben hier mehr Tiefe und Hintergrund. Für Fans lesenswert, wer sich die Spannung im Kino nicht verderben will, sollte noch ein wenig mit dem Lesen warten. 🙂
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Montag, 29. September 2008
Kai Falke hat es geschafft. In Barcelona erfüllt sich für ihn der Traum so manches Spielers. Er ist der Neue bei Barca. Mannschaft und Trainer nehmen ihn herzlich auf. Alle? Nein, nicht alle. In seinem Mitspieler Stefan hat Kai mehr als nur einen Rivalen. Fast ist es ein Gegenspieler in der eigenen Mannschaft. Kai ist trotz der Aufregung über das neue Leben auch etwas bedrückt. Er ist allein in dieser großen weltoffenen Stadt. Bei einem Ausflug nach Tossa allerdings macht er die zufällige Bekanntschaft mit den Pablitos, einer Jungengruppe, die gerne Straßenfußball spielt und in der Mannschaft von Barca seine Helden hat. Der Profifußballer freundet sich mit den Jungen an. In dieser Umgebung, an einem familiären Tisch willkommen geheißen, hat er die Gelegenheit ein Stück Heimat zu finden.
Kai Falke ist wieder da. Ein Sport-, ein Fußballcomic, mit leichter Hand erzählt, freundlich, sehr ehrlich, einfach menschlich. Der Leser trifft mit Kai Falke einen Fußballspieler abseits aller Allüren und Werbeverträge. Hier sind Sport und Mensch im Mittelpunkt. Kai – im Original Eric Castel – bereitet sich hier auf eine Begegnung mit dem 1. FC Köln vor, eine Begegnung, die aus aktueller Sicht eher utopisch erscheint. Man könnte auch sagen, dass Barca sich um diesen Gegner nicht ganz so große Sorgen machen müsste, wie sie es in der Vergangenheit der 70er Jahre gemacht haben.
Als Kai kurz nach seiner Begegnung mit den Pablitos sein Debut als Barcelonista gibt, ist die Aufregung in Tossa natürlich groß. Raymond Reding und Francoise Hugues haben mit Kai eine Art großen Bruder erschaffen, ein Vorbild, sehr unaufdringlich und verantwortungsbewusst. Außerdem ist er ein Pechvogel, der sich das Los eines Kameraden sehr zu Herzen nimmt, besonders dann, wenn er glaubt, das Verschulden läge bei ihm.
Kai Falke fällt durch seine positive Erzählweise auf. Es ist ein Jugendcomic und mag hierzulande an Jugendtage mit Burg Schreckenstein, den Fünf Freunden, 3 Fragenzeichen und natürlich ZACK erinnern, in dem Kai Falke seinen Auftritt hatte. Nach all den vielen Jahren – oder besser Jahrzehnten – hat Kai Falke nichts von der Übertragung dieser positiven Lebenseinstellung und damit von seinem Charme verloren.
Grafisch lässt sich Kai Falke in Reihen wie Michel Vaillant oder Dan Cooper einordnen. Aus heutiger Sicht ist es die Zeit der alten Schule, die so nicht mehr umgesetzt wird und sich weiter entwickelt hat – nicht zuletzt wegen vieler neuer technischer Möglichkeiten. Die Bilder verpflichten sich dem Realismus, wirken ein wenig wie ein Fotoroman. Experimente gibt es nicht und braucht es auch nicht. Fußball lebt von Bewegung. Diese Bewegungen sind in Spiel und Training so gut umgesetzt, dass das Mitfiebern selbst beim Umblättern außerordentlich leicht fällt. Die Dramatik eines nervenaufreibenden Fußballspiels lässt sich hier ebenso ablesen wie in einem Sammelalbum, in dem Momentaufnahmen verschiedener Spiele abgebildet sind.
Eine einfache Kolorierung und präzise gesetzte Tuschestriche setzen nicht nur die Momentaufnahmen der Spiele perfekt in Szene, sondern beziehen auch Barcelona, diese prächtige und vor Leben strotzende Stadt, in die Geschichte mit ein.
Ist es zuviel verraten, wenn gesagt wird, dass alles gut ausgeht? Nein, aber bis es soweit ist, gelingt es Reding und Hugues ihre Hauptfigur höchst sympathisch werden zu lassen. Die Schnelligkeit, mit der das gelingt, trägt sehr zur dramatischen Erzählung um diesen Fußballhelden bei. Zusammen mit den Pablitos erlebt der Leser ein jung gebliebenes Fußballabenteuer – vielleicht aus besseren Fußballtagen – eines, das auch heute noch den Spaß und das Interesse am Fußball zu wecken vermag. 🙂
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Es waren einmal neun Gefährten, denen wurde eine höchst gefährliche Aufgabe auferlegt. Einen Ring sollten sie zerstören. Der Ringträger, ein Halbling, sollte von ihnen an sein Ziel begleitet werden, wo er endlich seine schwere Bürde in einen fürchterlichen Vulkan werfen könnte. – Aber der dunkle Herrscher und Saruman, der weiße Zauberer, warfen ihre schrecklichste Waffe ins Feld: Die Simpsons. – Häh? Was, wie? Die Simpsons? Geht’s noch? Ja, es geht noch, denn einige Autoren und Zeichner durften mal so richtig ins Halloween-Horn zur Attacke blasen.
Der Comic-Typ – wie kann es anders sein – geleitet durch diese Ausgabe, in der es von Nonsens und Anspielungen nur so kracht. Nichts und niemand bleibt verschont, am allerwenigsten die Simpsons. Planet der APUs, unter diesem Namen erspäht der Leser nur ein Filmplakat, ein kleiner Seitenhieb, der sofort eine ganze Geschichte erkennen lässt. Kurz darauf findet sich der Leser in einem verballhornten Herrn der Ringe wieder, ziemlich genial gemalt von Dan Brereton, den hierzulande so mancher von The Black Terror, den beiden Thrillkiller-Geschichten (Batman) oder auch The Last Battle her kennen mag. In letzterem Abenteuer begab er sich schon auf historisch phantastische Pfade zur Zeit der alten Römer. Nach den sehr exakt gezeichneten Abenteuern der Simpsons mag Breretons Aquarelltechnik zunächst verblüffen, aber sobald man sich auf dieses Wagnis einlässt, kommt ein stimmiges und spaßiges Leseerlebnis dabei heraus.
Der Comic-Typ – ja, der schon wieder – begegnet dem Leser mehrere Male in kleinen Zwischenspielen. Zahlreiche Events, Cons, wie der allzeitliche Fan es auf Neudeutsch sagt, locken, um sich einmal so richtig und so anders verkleiden zu können. Die bekannten jahreszeitlichen Höhepunkte wie Karneval oder Halloween reichen da nicht mehr aus. Und so schmeißt sich der Comic-Typ in die wahnwitzigsten Kostüme – mit der Betonung auf witzig. Selbst ohne die Titel des jeweiligen Kostüms ist es zumeist ein leichtes die Bedeutung zu verstehen. Das Zückerchen sind Verkleidungen wie der klingonische Batman oder als Raumschiff Enterprise.
Was zuerst als das Kraftwerk der Schmerzen betitelt wird, verwandelt sich bereits in der Einleitung in das Lexikon des lasterhaften Limericks. Alphabetisch sortiert geht es durch horrorhafte Situationen, mit Limericks unterlegt und aufs Schönste illustriert von Hilary Barta. Da bleibt nichts verschont, kein Monster aus der Lagune, kein Frankenstein oder Serienmörder, kein noch so blutiges oder schleimiges Film- oder Romanereignis. Dave Stewart, auf seine Art schon ein Phantastik-Veteran, ist für die Farbe in dieser köstlichen Episode verantwortlich.
Und so geschah es … In der Nacht der neunzehn Schreie sind die Simpsons doch tatsächlich verstorben und zurück bleibt der, von dem man es am wenigsten erwartet hätte: Opa. Aber es geht schließlich um Grusel, um Halloween, deshalb, sind die Simpsons nicht völlig weg, sondern geistern herum. – Es stellt sich die Frage, was besser ist: Ein lebender oder ein toter Simpson. Spaß machen sie beide. Nur Opa nicht, der plötzlich sehr einsam ist.
Illustrationen, die sich sehr gut als Poster machen würden – wie der Angriff des 20 Meter großen Bart-Riesenbabies – sind noch zusätzliche Schmankerl, die zur Auflockerung beitragen.
Ein gruseliger Spaß abseits der üblichen Normgrafiken. Hier durfte probiert und gemacht werden, Humor ohne Grenzen mit kleinem absurden Ekelfaktor, der dem Begriff Trash eine ganz neue Bedeutung gibt. Sehr gut. Für Simpsons-Fans wärmstens zu empfehlen. 🙂
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Eine Reise in 80 Tagen um die Welt? Unmöglich und ganz besonders für diesen Goofy Phileas Fogg, der doch in diesem Herrenclub nur den Tee serviert. So ist denn auch vor der Abreise erst noch Spülen angesagt, bevor der Koch ihn überaus ungern – und das ist harmlos ausgedrückt – gehen lässt. Die Abenteuer rund um den Globus wiegen die Startschwierigkeiten mehr als auf.
Fata Morganas als Rettung in höchster Not, fliegende Teppiche, eines der energiesparendsten Transportmittel überhaupt, und chinesische Raketen erweisen sich als perfekte Fahrzeuge ihrer Zeit und ihrer Hemisphäre. Am Ende … Ja, da wartet schon das nächste Abenteuer.
Goofy, einer der sympathischsten Charaktere im Universum von Walt Disney, brachte den damaligen Kids die Historie und Klassiker aus der Literatur auf seine ganze eigene und sehr besondere Art nahe. Stets mit einem Augenzwinkern, nicht immer sehr nahe an der Vorlage, ähnelt ein Ausflug mit Goofy einer humoristischen Achterbahnfahrt. Die Kenntnis der Vorlage kann hilfreich sein, ist aber – und das ist das Schöne – keine Pflicht. Im Gegenteil, wer hier nicht neugierig auf die Originale wird, die hier so liebevoll karikiert werden, ist selber schuld.
Von Jules Verne, der die Vorlage zu Reise um die Welt in 80 Tagen schrieb, geht es weiter zu einem anderen Vertreter der klassischen Phantastik: H.G. Wells. Sein Unsichtbarer geistert in der nächsten Geschichte herum. Bekleidungslos unsichtbar ist Goofy auf der Suche nach einer Lösung für sein Problem und stolpert dabei über eine sehr neugierige Hauswirtin. Die allseits beliebten Entkleidungsszenen sind hier gefragt. Wenn der letzte Kopfkissenbezug oder der letzte Verband fällt, ist der Gute weg.
Nach einem Ausflug zu Schillers Wilhelm Tell geht es 20.000 Meilen unter dem Meer weiter, um schließlich bei einer ur-amerikanischen Legende zu enden. P.T., Verzeihung, G.T. Barnum, Chef eines Zirkus, liebt die Show, nein, er lebt die Show, das Showbusiness. Goofy fügt sich hier wie in jede Geschichte gut ein, aber als ein Charakter, der unterhalten will, trifft er noch direkter als sonst wie die berühmte Faust aufs Auge. Sobald er das Kindermädchen von George Washington als Attraktion verpflichten kann – immerhin 160 Jahre alt, die Gute – bleibt kein Auge trocken.
Die Umsetzung der Geschichten erfolgt nicht in gewohnten Aufteilungen, sondern arbeitet mit passenden Verzierungen und Formen. Kreisrund, rahmenlos, Bilder in der Form einer Badewanne oder eines Bilderrahmens, Raketen nutzen eine ganze Seite und alles verbunden durch eine vollkommen klare Linienführung. Das Auge kann sich außerdem an unaufdringlichen, aber sehr kräftigen Farben erfreuen.
Die Sprechblasen, sonst häufig ein rein weißes Ärgernis auf farbigen Flächen, gehen hier durch eigene Kolorierung in den Grafiken richtig auf. Es entsteht ein kunterbunter Gesamteindruck, immer knuffig und sehr ausgewogen.
Klassiker im neuen Gewand, die schon selber Klassiker sind. Goofy ist zeitlos in der Zeit unterwegs, chaotisch und charmant, immer noch modern, jugendlich, jugendfrei und mit einem Humor versehen, der bei Alt und Jung zündet. Dazu noch mit einer exakten grafischen Darstellung versehen, die das Auge des Lesers sehr gut führt. 🙂
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Die weißen amerikanischen Eindringlinge haben keinen Glauben. Sie sehen die Resultate, aber sie wollen lieber nachforschen, ergründen, eine Lösung finden. Soldaten, die an Gelbfieber starben, dürfen nicht wieder aufstehen und als Zombies unter den Lebenden wandeln. Schlimmer noch: Sie scheinen unter dem Einfluss einer fremden Macht zu stehen, der sie gegen ihren Willen handeln lässt. Kuba will die Amerikaner nicht. Der Präsident sieht das anders. Er schickt W.E.S.T.: Das Weird Enforcement Special Team.
Am 7. Januar 1902 wird auf Kuba ein weiterer Tod festgestellt. Diesmal ist es kein Soldat, sondern ein Geschäftsmann, der am Gelbfieber gestorben ist. Edward Nash war Vorsitzender der United Fruit Company. Ein Mann in einer solchen Position stirbt nicht einfach so. Die Presse wittert eine große Geschichte. Obwohl der verantwortliche General Wood alles dementiert, machen schlimme Gerüchte und Vermutungen die Runde. Islero, ein für die Unabhängigkeit Kubas kämpfender Santero, soll für die Tat verantwortlich sein.
Kurz nach der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert bemühte sich die immer noch junge USA anderen Staaten ringsherum auf die demokratischen Beine zu helfen. Kuba ist für die Befreiung von den spanishen Herrschern allerdings nicht besonders dankbar. Aber den Kubanern fehlen auch die Mittel, angemessen zu reagieren. Während einige die Hilfe von außen suchen, greifen andere zu eher abergläubischen Mitteln: Santeria.
Im Kern des unheimlichen Widerstands steht die karibische Form des Voodoo. Diese geheimen Riten wirken nur leider für die amerikanischen Besatzer auch bei Ungläubigen. Das Team, das sich solcher Fälle annimmt, wurde entwickelt und geschrieben von Xavier Dorison und Fabien Nury. Anders als vergleichbare Gegner des Bösen und Löser unheimlicher Fälle wie die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, B.U.A.P. oder Mulder und Scully bewegt sich W.E.S.T. näher an der historischen Realität. Sind letztere Ermittler schon relativ normal, ist es das Team von W.E.S.T. erst recht. Neben einer unheimlichen Komponente besitzt die Geschichte die Kulisse eines Vorkriegsszenarios, in dem sich Geheimagenten und Intrigen die Klinke in die Hand drücken.
Bemerkenswert ist die Dichte der einzelnen Handlungsstränge, von denen jeder einzelne schon für eine eigene Geschichte ausreichen würde. Morton Chapel, der Chef des Teams, verfügt augenscheinlich über eine bewegte Vergangenheit. Eingangs wird der Leser bereits mit Chapels traumatisierter Tochter Megan konfrontiert. Sobald sie ihren Vater nur sieht, erwacht sie aus ihrer Starre und verfällt in einen hysterischen Schreiwahn. Szenen wie diese machen es dem Leser schwer mit Chapel zu fraternisieren.
Optisch ein gealteter Lex Barker, eine Mischung aus Abenteurertyp und Pinkerton-Agent, hoch aufgeschossen, hager, stets ernsthaft steht dieser Mann ansonsten sehr unterschiedlichen Charakteren vor, die ihre Aufgabe aber nicht weniger ernst nehmen. Bart Rumble, ein irisches Urgestein, ist der sympathischste der vier Teammitglieder. Er ist herzlich, leidenschaftlich, er kann einstecken und austeilen. Er ist ein Profi, der sich in gefährlichen Situationen sehr im Griff hat – was angesichts einiger Szenen ziemlich beeindruckend ist.
Christian Rossi, westernerprobt an der Seite von Jean Giraud bei Jim Cutlass, zeichnet ein Kraftpaket von einem Mann, der in einem Ringerkostüm auch auf einem Jahrmarkt auftreten könnte. Auch die beiden anderen Figuren, Doktor Lennox und Joey Bishop, haben Format und einen guten Wiedererkennungswert. Der grafische Stil besitzt, äußerst passend, eine dokumentarische Form. Wie ein Gerichtszeichner seziert Rossi die Zeit, den Ort, die handelnden Figuren mit scharfem Blick und sicherer Hand. Mit Ocker, Orange, aber auch kaltem Grau und Blau schafft er eine gespenstische Atmosphäre, die auf der Grenze zum Western wandelt und mit den Erinnerungen an bräunlich verblasste Fotografien der besagten Jahrhundertwende spielt.
Darüber hinaus arbeitet er mit ähnlich zerbrechlich anmutenden Darstellungen eines späteren Giraud, aber ohne allzu sehr in die Abstraktion oder zu große Einfachheit zu verfallen.
Eine Geschichte, die in der ins Abseits gedrängten Ecke der amerikanischen Geschichte spielt. In dieser frühen Kubakrise schaffen Dorison und Nury eine perfekt atmosphärische Gruseldämmerung mit überzeugenden Charakteren. Rossis grafische Umsetzung ist wie geschaffen für dieses Genre – wie er schon zuvor unter Beweis gestellt hat. Sobald W.E.S.T. Kuba erreicht, kann der Leser sich den Bildern nicht mehr entziehen. Wer sich Grusel und Freiheitskampf Seite an Seite in historischer Umgebung vorstellen kann und mag, wird hier sehr mitreißend und niveauvoll unterhalten. 🙂
W.E.S.T. 3 – El Santero: Bei Amazon bestellen
Hüte dich vor dem, was du dir von einem Djinn wünschst! Aladin fand einst die Lampe, die sein Leben verändern sollte. Vieles hat sie ihm eingebracht. Nun ist er sogar der geliebte Kalif, dessen Geschichte sich das Volk auf den Straßen erzählt. Die Wahrheit jedoch ist vielschichtig. Aladin hat den Djinn aus der Lampe nicht so unter Kontrolle, wie er gerne hätte. Eine Frage bringt sein ganzes Leben durcheinander – um es vorsichtig auszudrücken. Aladin möchte seine Zukunft kennen. Die Antwort, sein Sohn werde ihn dereinst töten, gefällt ihm ganz und gar nicht. Leider hat der Djinn eine Lösung parat.
Viele Jahre später möchte ein inzwischen erwachsener junger Mann mehr über seine Herkunft herausfinden. Merkes, ein Seemann, hat ihn wie einen Sohn aufgezogen, nun zieht es Sinbad hinaus in die Welt. Nur ausgerüstet mit dem, was er am Leibe trägt und einem Beutel, in dem allerlei Zauberwerk versammelt ist, macht er sich auf die Suche nach einem Krater von Alexandria. Doch das ist viel leichter gedacht, als getan. Denn der Krater will nicht nur gefunden, sondern auch gefüllt werden, damit er seiner Bestimmung nachkommen kann.
Willkommen im Orient! Sinbad ist wieder da. Nicht wenige werden mit der putzigen Zeichentrickserie um den Seefahrer aufgewachsen sein. Manche werden sich an das Auge des Tigers erinnern und ein paar weniger kennen vielleicht noch Douglas Fairbanks jr. in der Rolle des dreisten und sympathischen Abenteurers. Sinbad – wie er hier genannt wird und nicht Sindbad – nimmt sich, was er braucht. Überleben ist auf den Straßen, zwischen den Basaren, Häfen und Händlern das A und O. Manchmal gilt es auch, sich eines zornigen Bruders zu erwehren, dessen Schwester Sinbad entehrt hat.
Christophe Arleston, der als Comic-Autor mittlerweile auf eine beachtlich große Anzahl von Alben zurückblicken kann, zeigt an besagter Szene sehr schön, dass Sinbad nicht nur ein kleiner Schaumschläger ist, sondern auch einer, der sich seiner Haut zu erwehren weiß. Im Kampf heiligt der Zweck, das Überleben, die Mittel.
Man wird als Leser schnell warm mit diesem Halunken, der nicht nur eine scharfe Klinge führt, denn mit Worten, spitz wie auch charmant, ist er ebenso gut.
Durch die Augen eines ehemaligen Disneyaners, Pierre Alary, erlebt er der Leser diese wundersame Märchenwelt. Äußerst interessant sind seine Entwicklungsstudien, die zuerst noch einen älteren reiferen Sinbad zeigen. Angekommen in der Endversion ist er ein junger Mann mit Bart, jemand, der seine Jugend hinter Barthaaren versteckt.
Obwohl Alary zehn Jahre als Animateur bei Disney verbracht hat, ist sein Zeichenstil sehr von der zuckersüßen Ausdrucksform der Disneyschen Welten entfernt. Und dort, wo man als Leser glauben könnte, dass er sich dieser Form annähert, führt er dieses Vorurteil ad absurdum. Denn je putziger hier jemand ausschaut, desto gefährlicher ist es, er oder sie. Der Leser sieht dies am Beispiel der Zauberin Turabah, die wie die minderjährige Schwester von Pocahontas wirkt. Auch der Djinn kann eine optische Verwandtschaft zum Djinni aus Aladdin, der Disney-Produktion von 1992, nicht leugnen. Sein Verhalten indes ist alles andere als komisch.
Es entsteht zuweilen der Eindruck, als zerpflücke Alary alte Vorbilder mit großem Genuss. Dafür arbeitet er aber auch sehr klassisch – und sehr gut – mit Vorzeichnung und Tusche. Die daraus entstehenden Grafiken haben zwangsläufig etwas weiches, abgerundetes, sehr lebendiges. Da schwingen die Linien, laufen sanft aus. Das Hinsehen macht hier richtig Spaß.
Die Kolorierung von Jean-Paul Fernandez verwendet alles, was das Grafikprogramm hergibt. Aber Fernandez passt sich auch den Zeichnungen an, arbeitet zurückhaltend und färbt den Grafiken von Alary nicht den Rang ab.
Ein sehr flüssiges Leseerlebnis, sehr gut von Arleston erzählt – das wird langsam zur Gewohnheit – dank der Abweichungen von bisherigen Erzählungen auch völlig unvorhersehbar. Alary und Fernandez liefern stimmige märchenhafte Grafiken, deren manchmal im Gegensatz zu der sehr erwachsenen Erzählweise steht. Für Freunde gepflegter Abenteuer sicher empfehlenswert. 🙂
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