Zum Inhalt springen


Comic Blog


Samstag, 12. Juni 2010

Baker Street 2

Filed under: Cartoon — Michael um 10:46

Baker Street 2 - Sherlock Holmes und der Club der tödlichen SportartenEin Schmierfink terrorisiert London: Der Schänder. Kein Portrait der Königin ist vor ihm sicher. Zielgenau hat er jedes Gesicht ihrer Majestät mit einem Bart versehen. Scotland Yard ist bis auf die Knochen blamiert, wenn es nicht sehr bald den Übeltäter aufspüren kann. Seltsamerweise hat ausgerechnet Sherlock Holmes noch nichts von diesem Jack The Bearder gehört, wie der Unhold von der Presse liebevoll genannt wird. Als Holmes und sein Kollege Dr. Watson von Inspektor Lestrade zu einem Treffen mit einem Informanten geführt werden, eskaliert die Situation plötzlich vollkommen unerwartet. Wenn auch nicht unbedingt zum Schaden aller. Immerhin geht ein Wunsch von Dr. Watson in Erfüllung.

Dieser Anschlag, mit dem niemand vorher rechnen konnte (an dem der Leser aber einen ziemlichen Spaß haben darf), ist der Auftakt zu einem Fall, der Sherlock Holmes alles abverlangt. Autor Pierre Veys präsentiert dem Leser einen Detektiven, Verzeihung, einen Meisterdetektiven in der Krise. Ein wenig kindisches Verhalten (ein Siegertyp, der nicht verlieren kann und einen Sieg stets bestätigt und bewundert sehen möchte) und der Drang, Recherchen bis zum Exzess zu treiben fördern noch lange nicht die nötige Intuition zur Lösung eines Kriminalfalles. Diese Erfahrung muss Sherlock bitterlich weinend machen. Wenn die ihn Umstehenden fragend anblicken und die Lösung aus seinem Mund binnen Augenblicken erwarten, ihm aber die Antwort nicht gelingt, muss auch der Leser schmunzelnd schlucken.

Der Club der tödlichen Sportarten kann nur in einem Land entstehen, das stets Entdecker und Abenteurer hervorbrachte. Der Club der tödlichen Sportarten ist nichts für weichgespülte Jackass-Fans. Ein Fehler kann hier das Leben kosten. All die Albernheiten und die nicht weniger interessanten Todesarten werden von Pierre Veys genüsslich und für den Leser höchst vergnüglich verarbeitet. Ein besonderer Leidtragender in dieser Angelegenheit ist wieder einmal Inspektor Lestrade, der mit einer hochtrabenden Vorwitzigkeit zu Werke geht, die dem Original gar nicht so fern ist.

Eine Lupe?! Was soll ich denn damit machen? Halten Sie mich für einen Clown?

Dank Nicolas Barral, dem Zeichner, funktioniert ein guter Teil des hier ausgesäten Humors optisch, ohne Worte. Wenn ein Sherlock Holmes bei seinen Ermittlungen wie ein Irrer am Tatort herumkraxelt, entlockt das bei aller Akrobatik bereits ein Schmunzeln. Gelungener sind noch die Holmeschen Gesichtausdrücke. Hier findet sich von Verzweiflung, Traurigkeit, Hochmut oder Arroganz bis hin zu überschwänglicher Freude und Entschlossenheit alles. Andere Charaktere, auch Watson, werden etwas zurückhaltender gezeichnet.

Nicolas Barral zeichnet mit ähnliche leichtem Strich wie ein Morris und beherrscht auch die Karikatur ausgezeichnet. In einigen Charakteren meint man Anleihen von bekannten Gesichtern auszumachen. Auch Nicolas Barral zeichnet jene zerbrechlich wirkenden Figuren wie einst Morris. Ausdrucksstarke Köpfe, dünne Gliedmaßen, schmale Füße, mitunter voluminöse Oberkörper. Das ist nicht mit den Werken des Altmeisters identisch, aber stilistisch in der selben Tradition.

Eine treffliche Krimiparodie, der sich auch Leser in Unkenntnis eines Sherlock Holmes nicht verschließen können. Allein, wer erleben möchte, wie allgemein bekannte englische Lebensart liebenswert spöttelnd beschrieben wird und Kriminalfälle von einem selbsternannten Genie gelöst werden, sollte einen Blick riskieren. 🙂

Baker Street 2, Sherlock Holmes und der Club der tödlichen Sportarten: Bei Amazon bestellen

Mittwoch, 09. Juni 2010

Missi Dominici 1 – Das Kind des Tierkreises

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:40

Missi Dominici 1 - Das Kind des TierkreisesDas Kind des Tierkreises besitzt besondere Fähigkeiten. Die Reiter der Apokalypse haben sich auf die Spur des Kindes gesetzt, konnten bisher aber nicht seiner habhaft werden. Brutal überfallen sie mit gemeinsamen Kräften ein Dorf und löschen die Einwohner aus. Von all dem wissen die Missi Dominici nichts. Fern von Rom versuchen sie heilige Reliquien zu finden, um diese in den Schoß der Christenheit zu überführen. Der alte Ritter Ernst Wolfram hat auf dieser Reise nur ungern einen unerfahren Jungspund an seiner Seite. Ronan Chantilly de Guivre ist jedoch nicht nur ein junger Mann. Auch in ihm schlummern Fähigkeiten, die ihn von den normalen Menschen abheben.

Riga. Abweisend und von Eis und Schnee überdeckt liegt die befestigte Stadt an der Küste. Eine Bastion der zivilisierten Welt, voller Halsabschneider, ganz gleich aus welcher gesellschaftlichen Schicht. Den beiden Reisenden bleibt keine Wahl. Sie müssen hier an Land und ihrer Fährte folgen. Die Spur führt in das Land der Liven, Feindesland, ein Gebiet der Heiden. Doch ahnen die beiden ungleichen Reisegefährten bereits die Gefahr, die in der Zukunft auf sie wartet, so werden sie von den Anfeindungen innerhalb der angeblich sicheren Stadt völlig überrascht.

Zu Beginn der 13. Jahrhunderts ist die Welt größer, geheimnisvoller und eine Reise ist noch etwas ganz besonderes. Neben Wegelagerern warten Kriege auf die Menschen. Und das Böse! Willkommen im Mittelalter, in einer unwirtlichen Gegend zu einer menschenfeindlichen Jahreszeit. Im tiefen Winter schickt Autor Thierry Gloris sein ungleiches Gespann auf die Suche nach einer Reliquie. Die beiden Helden, junger Recke, alter Recke, präsentieren ein klassisches Miteinander. Ein bärbeißiger Ritter, der lieber alleine sein Werk verrichtet, ein junger Kämpe, unerfahren, aber weise genug, um auf das Wissen und die Legende seines Vorgesetzten zu vertrauen.

Benoit Delac zeichnet diese Welt, in die eine große Dosis dunkle Fantasy einfließt, mit starkem Realismus. Die Darstellung der beiden Helden, insbesondere des alten Ritters, ist hervorragend. Die Figur selbst gibt durch ihr zwiespältiges Verhalten wie auch ihr geheimnisvolles Wesen viel Spielraum zur Gestaltung. Sei es der Jähzorn, der sehr leise Humor, aber auch das andere Wesen, das in Wolfram lebt, mit den nötigen Strichen, elegant geschwungen, treffsicher gesetzt, erwacht der Ritter vor den Augen des Lesers zum Leben. Und eine ganze Welt gleich mit.

Denn es ist diese treffsichere und sehr ausdrucksstarke Darstellung, die ein sehr kaltes, schmutziges, möglichst realistisches Mittelalter auf die Seiten bannt. Zwischen sieben und elf Bildern pro Seite treiben die Handlung voran. Rückblicke auf Legenden, Kämpfe oder andere Auseinandersetzungen kommen mitunter mit weniger Bildern aus, Seitenaufteilungen variieren, kultivieren eine stete Unruhe, so dass die Augen immer im Fluss bleiben und keine Gewöhnung einsetzt. Die Komposition zwingt den Leser, am Ball zu bleiben.

Farblich kann der Leser bereits auf dem Titelbild erkennen, was ihn im Comic erwartet. Wie die gezeigte Welt ist die Farbpalette mit vielen kalten Tönen aus Braun, Grau, Blau und Ocker gemischt. Feuer und Blut stellen die warmen Farben, nie erlösend, meist nur in vernichtender Funktion. Das ist vollkommen ausreichend im Sinne jener fernen Lande und kurzen Wintertage und sogar sehr atmosphärisch.

Ein sehr dichter und epischer Auftakt, fesselnd von Beginn an, mit einem Heldenduo, das, ungleich zwar, einen sehr schnell mitreißt. Zu verdanken ist dies einem Duo aus Autor und Zeichner, das zum ersten Mal, aber, wie das Ergebnis zeigt, perfekt zusammengearbeitet hat. 🙂

Missi Dominici 1, Das Kind des Tierkreises: Bei Amazon bestellen

Dienstag, 08. Juni 2010

Spirou + Fantasio Spezial – Operation Fledermaus

Filed under: Cartoon — Michael um 20:27

Spirou + Fantasio - Operation FledermausIn einer Zeit als in Belgien das Essen noch in Zeitung eingewickelt verkauft wurde, war Belgien ein besetztes, aber kein mutloses Land. Widerstand erfolgte bewaffnet, aber auch in kleinen Dingen. So wird einigen deutschen Soldaten einfach der Erwerb von einigen Portionen Schnecken verweigert. Aus gutem Grund. Spirou entgeht durch diesen Akt der Hilfe noch einmal der Entdeckung. Der Krieg geht unterdessen mit aller Härte weiter. Ständig überqueren deutsche Bomberstaffeln das Land. Entsprechende Antworten der Alliierten folgen. Unten am Boden versuchen sich die Belgier so es eben geht mit der Lage zu arrangieren. Einige tapfer, andere auf dem leichten Weg der Kollaboration.

Spirou und Fantasio, natürlich auch Pips, kämpfen mit Leib und Leben für die Sache der Freiheit. Eine Geheimwaffe könnte ein Wende im Krieg herbeiführen, würde sie nur auf der richtigen Seite eingesetzt. Operation Fledermaus wird zur schwierigsten Aufgabe, derer sich die beiden Freunde jemals gegenüber sahen.

Blick zurück: 1942 ist ganz Belgien von der deutschen Wehrmacht besetzt. Ein kleiner Page und ein Journalist (und Erfinder) versuchen auf ihre Art Widerstand zu leisten. Humor ist Trumpf in diesem Kriegsszenario, aber selbst Spirou + Fantasio kommen hier nicht ohne jegliches Blutvergießen aus. Unter dem Strich jedoch dürfte dieses Abenteuer zu den besten Sonderausgaben gehören. Auf satten 62 Seiten, die dieses Abenteuer umfasst, gibt es unglaublich viel mitzufiebern, gibt es eine sehr dichte Geschichte und sehr viel zu entdecken.

Yann Lepennetier in Hochform: In einem ausführlichen Anhang wird geschildert, dass die vorliegende Episode ursprünglich eine Unvollendete war, begonnen mit dem verstorbenen Zeichner Yves Chaland, landete sie nach dessen Tod 1990 erst einmal für lange Zeit in der Schublade. Yann scheint die nachträgliche Bearbeitungsmöglichkeit dieser Geschichte ein zusätzlicher Ansporn gewesen zu sein. Denn es gibt nicht nur viel für Comic-Fans zu entdecken, sondern eine große Anzahl von Details mag Anreiz sein, sich mit der wirklichen Geschichte zu beschäftigen, deren Grausamkeit hier wenigstens gestreift und nicht unter den Teppich gekehrt wird.

Schließlich lautet der Kern der Geschichte: Widerstand. Spirou arbeitet im Hauptquartier der Gestapo, während Fantasio in den Diensten einer Zeitung steht, der Kollaboration nachgesagt wird. So sind beide etwas zweifelhaft angesehen, obwohl sie nach Kräften bemüht sind, Informationen zu sammeln und an die Alliierten weiterzugeben. Sicherlich herrscht hier eine starke Schwarzweiß-Malerei. Die Deutschen sind durchweg schlecht oder verkommen oder schlimmer. Bei den Belgiern finden sich Grautöne, so bei den Widerständlern, den normalen Bürgern, den Kollaboratören und den Opfern.

Einiges wird der Geschichte entlehnt, so Spirous Gegenspieler der Gestapo, aber auch ein jüdisches Mädchen, das Spirou kurz versteckt und später, nach dem Rückzug der Deutschen verschwunden ist. Spirou muss erfahren, dass sie deportiert wurde. Neben tragischen Begebenheiten, auch fantastischer Action, humoristischen Einfällen finden sich auch Anspielungen und Gedenkbilder an die Großen des Humors und des Comics. Franquin erhält ein Denkmal. De Funes, Gabin und Bourvil haben einen Gastauftritt. Fast schon in Suchbildern entdeckt man Figuren von Willy Vandersteen. Wastl, im Original Jerom, ist hierzulande ziemlich in Vergessenheit geraten.

Olivier Schwartz liefert einen Comic-Band ab, dessen Zeichnungen wie Retro aussehen, aber besser sind. Im Gegensatz zu manch anderen Retro-Zeichnungen, die manchmal zu einfach oder zu bemüht aussehen, wirken die Bilder von Schwartz stilistisch sehr sicher und handwerklich routiniert. Seine Bilder hätten ebenso gut die Vorlage dieses ganz besonderen Stils sein können, wären sie nicht Jahrzehnte später entstanden. Ein Merkmal dieser schönen Arbeit ist auch die Detailfreude. Immer wieder gibt es etwas zu entdecken, so z.B. ein Zyklotrop, der im Tross der Nazi-Wissenschaftler mit seiner Erfindung eines Zyklomobils nicht zum Zuge kommt, während eine Mondrakete von Tim und Struppi den Geschmack der skrupellosen Erfinder schon eher zu treffen scheint.

Beste Cartoon-Comic-Erzählkunst: Yann hat bereits oft bewiesen, dass er zu den Besten gehört. Im Zusammenspiel mit Olivier Schwartz kann er dies untermauern. Dank der hervorragenden Umsetzung durch Schwartz wird der vorliegende Band zu einem echten Erlebnis der gesamten Reihe. Ungewöhnlich, aber auch sehr gut. 🙂

Spirou + Fantasio Spezial 9, Operation Fledermaus: Bei Amazon bestellen

Montag, 07. Juni 2010

Star Trek – Nero

Filed under: SciFi — Michael um 18:52

Star Trek - NeroHass ist der Antrieb. Irgendwann, vielleicht in der Gegenwart, vielleicht in der Vergangenheit, wird Nero wieder auf Spock treffen. Und dann wird der Romulaner seine Rache haben. Wenn Vulkan vor den Augen Spocks explodiert, wird der Zorn in Nero vielleicht begraben. Doch so einfach, wie Nero sich diese Tat vorstellt, ist es nicht. Vorerst kann Spock in der Zeit entkommen. Für Nero und seine Männer bleibt nur das Warten. Das endlose Warten in klingonischer Gefangenschaft.

Willkommen auf Rura Penthe! Eis bedeckt den Planeten. Nur wenige ist hier das Überleben vergönnt. Aber kaum jemand geht an die Oberfläche. Falls doch, ist es eine Bestrafung. Unter der Oberfläche befindet sich ein klingonisches Gefängnis. Jeder Aspekt für sich allein genommen ist eine Todesfalle. In dieser Kombination, unter der Aufsicht des Klingonen Koth, ist es die Hölle. Nero wartet. Stoisch lässt er alles über sich ergehen. Jede Folter, jede Erniedrigung, denn insgeheim weiß er: Seine Zeit wird kommen.

Die eigentliche Comic-Geschichte zum Neustart von Star Trek mag komplexer gewesen sein, dieser Teilabschnitt der Vorgeschichte ist noch versierter. Ein Bösewicht ist stets ein heimlicher Handlungsheld. Der jüngste Kinofilm hielt diesen ein wenig zu sehr im Hintergrund. Grund genug, sich einmal verstärkt mit dieser Figur zu befassen.

Roberto Orci und Alex Kurtzman geben die Geschichte vor, Mike Johnson und Tim Jones erledigen den Text. Viele Köche stellen hier einen vorzüglichen Brei her, um das Sprichwort einmal abzuwandeln. Nero muss warten. Zwar fliegen er und seine Mannschaft wie auch Spock in die Vergangenheit. Die Endpunkte sind allerdings verschieden. Die Romulaner, denen Nero und seine Männer angehören, geraten in die Fänge alter Klingonen, in einer Zeit (über die ein Worf ungern spricht), in der die Technik nicht modern, die Klingonen aber so kriegerisch wie immer sind.

Star-Trek-Fans können sich auf den Strafplaneten Rura Penthe freuen, von dem selbst Kirk und Pille nur mit Mühen entfliehen konnten (Star Trek VI). In einer Geschichte, die sehr auf den Charakter Neros eingeht, seine Entwicklung und seine Stärke aufzeigt, wächst Zeichner David Messina deutlich über sich hinaus und liefert Bildkompositionen ab, die die Messlatte für künftige Comics aus dem Star Trek Universum (auch aus seiner Feder) höher legt. Die Düsternis des romulanischen Hauptcharakters spiegelt sich in den Bildern wider. Sehr starke Kontraste zwischen Hell und Dunkel, beinahe theatralisch inszeniert, stehen einem ausdrucksstarkem SciFi-Szenario gegenüber.

Technisch perfekt wird das romulanische Zwischenspiel auf der klingonischen Gefängniswelt dargestellt. Fast wünscht man sich als Fan, der letzte Kinofilm hätte noch um ein paar erklärende Szenen aus dieser Geschichte bereichert werden können. Weitere hier gezeigte Szenen sind die I-Tüpfelchen. Auch hier werden Fans einiges erkennen, auch solches, das in der Chronologie der Star Trek Reihe manchmal in Vergessenheit gedrängt wurde.

Ein sehr gelungener Band mit wichtigen Informationen zum letzten Kinofilm, hervorragend mit viel Gefühl für dieses Universum erzählt und einem David Messina, der sich grafisch selbst übertrifft. 🙂

Star Trek, Nero: Bei Amazon bestellen

Samstag, 22. Mai 2010

Badlands

Filed under: Mystery — Michael um 19:42

BadlandsRapid City. Der Zug hält. Jonny Hamilton hat sein vorläufiges Ziel erreicht. Weiter geht es per Postkutsche. Gerade angekommen hält sich Jonny nicht lange mit den Befindlichkeiten am Ort auf. Geradewegs marschiert er zum Friedhof, wo er sich am Grab seines Vaters endgültig verabschiedet. Eine Verkettung für den Wilden Westen nicht gerade seltener Umstände führt zur Bekanntschaft mit einem Mann, der seinen Vater kannte. Nach dem Grab erhält Jonny so auch die Gelegenheit, einen Blick auf die Hütte seines Vaters zu werfen. Dieser Besuch bringt eine Wende in Jonnys Leben, denn es offenbaren sich Fähigkeiten, die er von seinem Vater geerbt hat und die alten Herren nur Unglück einbrachten.

In dieser Einzelausgabe, obwohl im Wilden Westen angesiedelt, findet der Leser nicht die übliche Handlung eines Westerns. Angesichts der vielen Mythen und Rituale der amerikanischen Ureinwohner ist es eher ungewöhnlich, dass Mystery noch nicht häufiger auf den Wilden Westen traf. Ganz im Stile eines Romans von Jack London verirrt sich ein junger Mann in die Einöde: Deadwood. Eine Endstation im Nirgendwo mit gestrandeten Seelen. Eigentlich will niemand hier sein. Es gibt einen Friedhof, die Endstation der Endstation. Der Vater des jungen Mannes lebte etwas außerhalb des Ortes. Seine Hütte ist heruntergekommen, ein Erbe gibt es nicht. Oder doch?

Ein Buch, belegt mit einem Fluch. Der junge Mann will das Buch unbedingt behalten, obwohl es seinem Vater nichts Gutes einbrachte. Aber es auch das einzige Hab und Gut, das von seinem Vater übrig geblieben ist. Sentimentalität geht vor Selbsterhaltungstrieb. Axel Gonzalbo schreibt erfreulicherweise eine einzelne Geschichte. Eine Fortsetzung ist nicht vorgesehen. Gonzalbo besinnt sich auf die gute alte Tradition, einen guten und fundierten Einstieg in die Handlung zu finden und dann geht es auch schon los.

Jonny Hamilton in Schwierigkeiten: Ein Buch bringt seinem Besitzer den Tod. Und nicht nur das. Rachegeister machen sich auf, um den Besitzer des Buches zu finden. Wer dabei im Weg steht, muss sterben. In einer Mischung aus FOG (ohne Nebel) und Necronomicon, ein paar Einflüsse aus Poltergeist 2 entsteht eine spannende Verfolgungsjagd auf Leben und Tod. Gonzalbo fackelt nicht lange. Die Hintergründe der einzelnen Charaktere enthüllen sich Stück für Stück, werden eingeflochten, sofern Zeit bleibt. Hier bedeutet das: Wenn sich die Flüchtenden Zwangspausen gönnen, gelangen weitere Einzelheiten ans Licht.

Mit Jean-Claude Cassini tat sich schon mit Western-Themen hervor. Seminole, Tequila Desperados zeigten seine Fertigkeiten neben dem Piraten-Szenario Bouffe-Doublon. Mit Badlands liegen nun auch Bilder von ihm hierzulande vor. Schade, dass dies nicht früher der Fall war, denn Cassini hat einen sehr schönen Stil, eine Mischung aus einem späteren Jean Giraud, einem Mike Wieringo (manchmal Ähnlichkeiten bei Jonny), etwas John Romita Jr. (insbesondere bei der Darstellung der Indianer ersichtlich) und ein wenig John Buscema, was die Rasanz und die Tuscheführung anbelangt. (Aber bei aller Finesse geht ihm auch ein Fehler durch. Wer genau hinschaut, entdeckt ihn.)

Farblich greift Axel Gonzalbo wieder ein. In gedeckten Tönen wie Braun, Beige, Ocker, Meerblau und Meergrün, eher kalten als warmen Farben zeigt Gonzalbo ein South Dakota, das an Alaska erinnert. In jedem Fall findet sich der Leser in kälteren Regionen wieder, nicht in westerntypischen staubigen Ebenen und kargen Felsen. Hier gibt es dichte grüne Wälder, viel Schatten, Regen und Schlamm. Die Rachegeister kündigen sich mit kleinen Blitzen an, überspringen mitunter sehr modern einige Meter und machen sich für die Verfolgten unberechenbar. Alles in allem ist die Atmosphäre optimal eingefangen.

Eine schöne Einzelgeschichte: Western trifft Mystery. Mit Badlands beweisen die Macher Axel Gonzalbo und Jean-Claude Cassini, dass dies keine schlechte Mischung ist. Prima. Mehr von diesem Team. 🙂

Badlands: Bei Amazon bestellen

Jonah Hex – Der Film

Filed under: Comics im Film — Michael um 17:10

Jonah Hex - Der FilmDjango, zieh′ dich warm an. Jetzt kommt: Jonah Hex. In diesen Tagen steht eine weitere Comic-Verfilmung ins Haus. Bereits seit 1972 existiert der ehemalige Konföderierte, gezeichnet durch eine scheußliche Brandnarbe, immer auf der Suche nach Händel und Streit. Jonah Hex ist keine Lichtgestalt, er ist nicht einmal wie der erwähnte Django ein Rächer, der auch nur entfernt das Herz erwärmen könnte. Jonah Hex hat Pech gehabt, im Sinne eines schlimmen Schicksals, darüber hinaus gibt es nichts, was diesen Antihelden sympathisch macht. Man könnte sagen, er ist ein wenig wie der Hulk, nur als Mensch mit (großen) Knarren und ohne eine friedliche Geheimidentität.

Josh Brolin, bekannt aus No Country For Old Men und Planet Terror, spielt den garstigen Revolverhelden mit tiefer Reibeisenstimme. An seiner Seite, extra für die Verfilmung erfunden, tritt die Prostituierte Leila gegen die Feinde an, gespielt von Megan Fox, anscheinend nicht mehr bei Transformers dabei, nun als Blickfang im Wilden Westen angelangt. Damit die Besetzung auch stimmt, wurde mit John Malkovich ein Bösewicht gefunden, der als Widerling mehr als erprobt ist (siehe: In The Line Of Fire, Con Air u.a.).

Es wäre wünschenswert, wenn im Zuge einer neuen Western-Welle (nein, das soll kein Wortspiel sein), es auch Jonah Hex mit ein paar Ausgaben über den großen Teich schafft. Einer der Zeichner der jüngsten Ausgaben ist Jordi Bernet, hierzulande bekannt durch Torpedo.

Links:

http://www.dccomics.com/dcu/graphic_novels/?gn=4426
http://www.dccomics.com/dcu/comics/?cm=14513
http://jonah-hex.warnerbros.com/
http://www.imdb.com/title/tt1075747/
http://www.moviemaze.de/filme/3476/jonah-hex.html

Die Saga vom Dunkelelf 14 (Hörspiel)

Filed under: Comics im Hörspiel — Michael um 15:36

Die Saga vom Dunkelelf 14 - Gefährliche BegegnungenDer Feind hat sein Ziel erreicht. Weit oben auf dem Grat der Welt, einer Gebirgskette, wartet Drizzt auf den Angriff. Der Feind kommt. Endlich steht nichts mehr zwischen ihm und dem verhassten Dunkelelfen. Während Drizzt um sein Leben kämpft, steht es für die ihn suchenden Gefährten kaum besser. In den dunklen Gängen tief im Gestein der Berge lauern ihnen die Drows auf. Hier werden keine Schlachten geschlagen, in denen Gefangene gemacht werden sollen. Keine Verhandlungen, kein Taktieren, sondern Frontalangriff ist das Mittel der Wahl.

Drizzt ist von der eigenen Verwandtschaft gefangen. Schlimmer noch: Er soll der Göttin Lloth geopfert werden. Ein Dunkelelf darf nicht gegen seine Art handeln. Drizzt hat noch mehr getan als das. Nicht nur seine Abkehr vom eigenen Volk war im Auge der Drow schändlich. Sein Handeln führte auch zum Niedergang des Hauses seiner eigenen Familie. Vierna Do′Urden, die Schwester von Drizzt, über den Verlust der Macht wahnsinnig geworden (vielleicht war sie es auch schon vorher, bei Dunkelelfen kann man so sicher nicht sein).

Inzwischen hat sich ein wichtiges Rätsel gelüftet. Es ist die Lösung auf verschiedene Fragen. Doch damit steht niemand der Gefährten um Drizzt besser da. Am allerwenigsten Drizzt selbst. Erzähler Tobias Meister, die Stimme von Drizzt, in der vorherigen Folge in der Handlung eher zum Beobachter geworden, ist diesmal wieder mitten drin. Es geht gegen einen alten Feind, nicht vollends unerwartet (besonders nicht für die, die mit den Romanen vertraut sind), aber auf sehr ungewohnte Art. Ein Kampf darf zuerst kein richtiger Kampf sein. Das ist schon ungewöhnlich, später jedoch, in Anbetracht des sehr schön geschilderten zweiten Kampfplatzes und der folgenden Wendungen, entsteht vor dem geistigen Auge eine irrsinnig tolle Kulisse.

An anderer Stelle raufen sich die Gefährten wieder zusammen. Langsam nähern sich Wulfgar (Bernd Hölscher) und Catti-Brie (Annabelle Krieg) einander an. Auch ihr zwergischer Adoptivvater Bruenor vermittelt zwischen den beiden. Wie immer herrlich polternd und brummelig: Uwe Hügle, der mit seiner Stimme beispielhaft zeigt, wie ungeheuer plastisch eine Figur nur durch die Stimme angelegt sein kann.

Thibbledorf Pwent, eigentlich ein Nebencharakter, ein zwergischer Schlachtenwüter, wird gespielt von Helmut Gentsch und zeigt, wie dankbar außergewöhnliche Charaktere für Sprecher (und für die Handlung) sein können. Wer bislang dachte, ein Drow sei unbesiegbar und jemand, der klein ist wie ein Zwerg, habe sowieso keine Chance gegen Dunkelelfen, wird hier eines Besseren belehrt.

Neben den vielen Beispielen für schöne Dialoge und spannende Szenen ist auch der Aufbau des Hörspiels beispielhaft. Zwar ist die Vorkenntnis von Folge 13, Das Vermächtnis ein Muss, gleichzeitig lässt es sich wunderbar hören, wie die einzelnen Stränge und offenen Fragen zusammengeführt werden und Szene für Szene die Spannung steigt. Musik und akustische Effekte sorgen desweiteren für das Ohrkinogefühl und machen aus der 14. Episode bis zum Schluss einen Ohrenschmaus.

Des Rätsels Lösung macht aus der vorliegenden Episode eine Geschichte voller Wendungen und Überraschungen: Perfekte Fantasy-Unterhaltung in bewährter Qualität. 🙂

Drizzt, Die Saga vom Dunkelelf 14, Gefährliche Begegnung: Bei Amazon bestellen

Freitag, 21. Mai 2010

Das Einhorn 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:33

Das Einhorn 3 - Die schwarzen Wasser von VenedigVenedig: Die Bevölkerung feiert den Karneval und alles bereitet sich auf die denkwürdige Zeremonie der Vermählung mit dem Meer vor. Jeder auf seine Weise. Während die einen sich eine schöne Zeremonie wünschen, wollen andere, finstere Mächte, das Schicksal der gesamten Menschheit auf das Fürchterlichste beeinflussen. Kaum sind die Reisenden, die genau das verhindern wollen, in Venedig angekommen, werden sie bereits entdeckt und gejagt. Ihre Flucht ist waghalsig, doch etwas anderes bleibt ihnen nicht übrig. Ihre Häscher scheuen kein Risiko um der Männer habhaft zu werden. Gäbe es die Primordialen in ihrer Gruppe nicht, wäre jeder Fluchtversuch vergebens.

Der Mensch hat zu viel erreicht. Seine Möglichkeiten sind immens. Selbst im Jahr 1565 scheint es keine Grenze mehr für ihn zu geben. In der dritten Ausgabe wird der Kampf gegen die Kirche, die danach drängt, die Oberhand über die Menschen zu behalten, immer dringlicher. Wie in vielen anderen Thrillern auch ist die Kirche hier zum Widersacher der Menschheit geworden, die mit ihren ganz eigenen Wertvorstellungen und Zukunftsvisionen eine Richtung für die Menschheit festlegen will. Mathieu Gabella beschreibt Machenschaften, die erst langsam Gestalt annehmen. Zu Anfang war alles noch diffus, das Szenario war fremdartig, nicht zuletzt wegen der Kreaturen, um die es sich insgeheim dreht.

Kreaturen: Primordiale. Diese Wesen, die wie zusammengesetzt aussehen (was letztlich auch möglich ist, wie die Geschichte erzählt), sind der Ursprung für Legenden, für die Darstellungen seltsamer Gestalten, mythischer Wesen, vielleicht auch für mythologisch aussehende Wasserspeier. Optisch wirken sie, als habe man den bekannten (und unbekannten) Gestalten die Haut, das Fell, die Federn oder die Schuppen abgezogen. Das hat auf den ersten Blick einen leichten Ekelfaktor, der sich angesichts der wissenschaftlichen Betrachtungsweise in der Erzählung schnell gibt.

So faszinierend in der Gestaltung, so aufwendig in der Umsetzung. Für Anthony Jean ergibt sich (nicht nur) durch die vielen Einzelheiten und unterschiedlichen Facetten der Primordialen ein Höchstmaß an Arbeit. Die Einblicke in die Vielfalt der Primordialen, die hier entstehen, sind faszinierend und muten manchmal als tatsächlich biologisch existierende Wesen an. Die mythischen Figuren, die hier nachgebaut werden wirken auf gruselige Weise schön. Einen besonderen Eindruck hinterlassen die Tritonen und die Nymphen, beides Wasserwesen, die hier mythologisch Vorbilder für Meerjungfrauen und Meermänner gewesen sind.

Der Leser darf im Laufe der Geschichte dem Zusammenbau einer Wasserprimordale beiwohnen, sicherlich ein Höhepunkt der Handlung, wenn auch nicht der Höhepunkt, denn dafür haben sich Anthony Jean und Mathieu Gabella erzähltechnisch wie optisch etwas sehr Spezielles ausgesucht: Die Hydra. Jenes Wesen, einst von Herkules angeblich erschlagen, bildet hier ein grandioses Fundament in vielerlei Hinsicht. Dieses neunköpfige Ungeheuer ist derart gigantisch entworfen, dass viele Monster, die sich bisher in Comic, Film und Roman ein Stelldichein gaben, kläglich dahinter verblassen. (Selbst ein Godzilla kann nach Hause gehen.)

Bei all den Details und der erzählerischen Pracht heißt es: Aufpassen. Die Erklärungen, die hier durch die einzelnen Personen erfolgen, auch die Konsequenzen, die sich durch einzelne Handlungsweisen ergeben, wollen aufmerksam gelesen werden. Allerdings ist die Spannung nach einigen Seiten bereits so groß, dass sich die Aufmerksamkeit zwangsweise einstellt. Beide Macher beweisen hier ein außerordentliches Talent.

Eine im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Geschichte: Die Kenntnis der bisherigen Geschichte ist ein Muss. Die Bilder sind außergewöhnlich, plastisch und handwerklich von großer Perfektion. 🙂

Das Einhorn 3, Die schwarzen Wasser von Venedig: Bei Amazon bestellen

Donnerstag, 20. Mai 2010

Die Druiden 5 – Der Schicksalsstein

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:50

Die Druiden 5 - Der SchicksalssteinDie Gefährten um Gwenc′hlan kommen ihrem Ziel wieder ein Stück näher. Die Gefahren werden unterdessen nicht weniger. Einem Mönch kommt eine ganz besondere Schlüsselrolle zu: Gwenole. War er bisher ein Verfechter des wahren Glaubens, wird er zusehends durch Visionen und Träume in Verwirrung gestürzt. Schließlich sogar ist er hoffnungslos verzweifelt. Was dem einen sein innerer Kampf, sind den anderen die äußeren Gefahren. Gwenc′hlan ist schnell bereit, eine fremde Angelegenheit zu seiner eigenen zu machen, wenn die anderen sich als Freunde erweisen. So führt der Weg von den Pikten zu den gefürchteten Wikingern und hier scheint sich endlich aller Schicksal zu vollenden.

Neue Freunde, neue Feinde. In der fünften und vorletzten Ausgabe der Reihe Die Druiden suchen die Gefährten den Schicksalsstein, der sie ihrem eigentlichen Ziel, dem Kessel von Dagda, näher bringen soll. Druiden und Mönche arbeiten Seite an Seite gegen eine geheime Bruderschaft, den Anhängern von Esus (kein Schreibfehler). Diese Esuiten agieren verschlagen und brutal. Sie werben schließlich mit Skothen an, Söldner. Sogar die Wikinger bieten sich als unerwartete Verbündete an. Währenddessen entwickelt sich Taran, der Schüler von Gwenc′hlan prächtig und vervollkommnet seine Fertigkeiten als Heiler.

Zu Beginn der Reihe hat Jean-Luc Istin munter aus anderen, bekannten Szenarien zitiert. Das ist kein Vorwurf, eigentlich ist es inzwischen ein Markenzeichen Istins, der dies auch schon zu anderen Gelegenheiten praktizierte. Bezeichnend aber ist, wie Istin nach einiger Erzähldauer die Kurve kriegt, manchmal plötzlich, manchmal schleichend etwas ganz Eigenes, mitunter auch etwas Besonderes entsteht. Es lässt sich nicht sagen, wie groß der Anteil von Thierry Jigourel an der Handlung ist. Vielleicht ist er auch für viele entscheidende Anstöße verantwortlich.

Ein Paradebeispiel des Kurvekriegens findet sich mit dieser Comic-Reihe. Bereits mit der zweiten Ausgabe erfolgte ein Schwenk, der mit Band 3 vollzogen war. Mittlerweile fühlt man sich als Leser der älteren Generation an klassische Kinofilme erinnert. Als Leser von Anderswelten wird man vielleicht Vergleiche zur Hammer und Kreuz Trilogie ziehen, nicht vollends thematisch, aber was die Intensität und die Dichte der Erzählung anbelangt allemal.

Durch die tolle Arbeit, ein echtes grafisches Zückerchen, wirkt die Geschichte wie auch die mittelalterliche Welt ungeheuer lebendig. Verantwortlich für die überdurchschnittlich guten Zeichnungen wie auch die farbige Umsetzung ist Jacques Lamontagne. Sehr feine Außenlinien, auch Begrenzungslinien teilen die einzelnen Bilder ein, umrahmen Figuren und Gegenstände, Gebäude, Fahrzeuge. Jede einzelne Figur ist durch ihr individuelles äußeres sehr schön charakterisiert. Zuweile auch sehr stark. Als Vergleich mag die Verfilmung Der Name der Rose herhalten. Hier wie dort sind die Mönche mit sehr einprägsamen Gesichtszügen versehen.

An der Vielfalt der Figuren herrscht kein Mangel. Druiden, Mönche, Kirchenleute, Pikten, Wikinger, sogar ein Kurzauftritt von Nymphen tragen zur Atmosphäre der Erzählung bei und schaffen ein reiches Abbild einer phantastischen Geschichte. Stimmung wird durch Beleuchtungen und Umgebungen erzeugt. Sei es der helle freundliche Tag, die nächtliche Reise oder die Wanderung durch die Nebel mit seinem geisterhaften Blau. Eine nächtliche Mission ist dank ihrer Kolorierung besonders dramatisch gelungen.

Es gibt nur wenige drastische Bilder, die auch die Brutalität dieser Zeit bezeugen. Die beiden Erzähler setzen diese sparsam und punktgenau ein. Jacques Lamontagne zeigt nur so viel, wie nötig ist. Abgesehen von einer recht einprägsam gestalteten Szene, die außer den Leser vor allem eine bestimmte Figur der Geschichte beeindrucken soll, wird vieles der Phantasie des Lesers überlassen.

Ein spannungsgeladener und überraschender fünfter Teil: Der Startschuss zum Finale könnte dramatischer nicht sein. Außerdem: Ein grafischer Höherpunkt des phantastischen Comics. 🙂

Die Druiden 5, Der Schicksalsstein: Bei Amazon bestellen

Dienstag, 18. Mai 2010

Die Maxiausgabe der Minimenschen 7

Filed under: Cartoon — Michael um 17:12

Die Maxiausgabe der Minimenschen 7In einer anderen Welt, in der noch Affenmenschen ihr zu Hause sind, wirkt zunächst alles friedlich. Die Eindringlinge unter Renauds Führung gehen vorsichtig zu Werke … Ach, Unsinn! Dank Cedille, der einzigen Frau, des Teams, sind die Schwierigkeiten vorprogrammiert. Welcher Forscher würde auf die Idee kommen und ein Abendkleid mit in den Dschungel nehmen? Doch es bleiben nicht einzigen Schwierigkeiten. Ein alter Bekannter ist wieder da. Der Herzog hat nicht vergessen, welche Schmach ihm durch die Minis zuteil wurde. Dank der Affenmenschen hat er nun sogar eine Armee. Eine, die nicht leicht zu kontrollieren ist, aber immerhin eine Armee.

Unendliche Weiten. Die Welt ist nicht mehr groß genug für die Minimenschen. So geht es hinaus, in den Kampf mit Affenmenschen. Ins All und in ein Querformat. Und schließlich zurück zur Erde, die so ganz anders ausschaut, als es die Minis gewöhnt sind. Doch zuerst die normale Erde: Renaud und seine Freunde verschlägt es zu einem Ort, in dem bereits ein Abenteuer in bester Comic-Science-Fiction-Tradition stattgefunden hat. Bereits damals bereiteten die dort lebenden Affenmenschen gehörige Schwierigkeiten. Die Minimenschen wären nicht die Minimenschen würde es nicht immer noch eine Möglichkeit geben, ein vorheriges Abenteuer zu toppen. Eslapion, die Zuflucht der Minis wird angegriffen.

In diesem Abenteuer, Von Minimenschen und Menschenaffen, etablieren sich zwei Charaktere, Cedille und Sonntag. Erstere ist eine ähnliche Nervensäge wie die unter Comic-Fans allseits bekannte Steffani aus Spirou + Fantasio. Sonntag hingegen ist schwarz (weshalb die Namensgebung etwas anders hätte ausfallen können), was ihm aber in Der Planet Ranxerox sehr schnell zum Vorteil gegenüber den Weißen gereicht. Denn er muss nicht unter den Bräuner, eine Vorsichtsmaßnahme, notwendig, um die Auswirkungen des nächsten Planetenbesuchs in gewohnter Färbung zu überstehen. Na, fast wenigstens.

So ungewöhnlich dieses zweite albenlange Abenteuer auch ist, so einfallsreich die Ideen sind, sie sind vergleichsweise normal gegen Das weiße Loch. In dieser nachfolgenden Geschichte färbt sich die Welt nicht nur komplett weiß (mit hellblauen Schattierungen), ein unbekannter Feind greift auch die verbliebenen Menschen (ebenfalls käseweiß) an und pflastert die Landschaft mit Lego-Steinen zu.

Pierre Seron löst sich von jeglichen erzählerischen Fesseln. Science Fiction Fantasy ist Trumpf. Hatte Seron eine zeitlang seiner Faszination am Fliegen freien Lauf gelassen und diese Begeisterung häufig eingeflochten (Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Szenarien waren stets sehr gut, eigenständgi und innovativ.), wird es nun derart phantastisch, dass ein Vergleich zu anderen Großen im SciFi-Comedy-Bereich angebracht ist. Es ist nicht ganz der Humor eines Douglas Adams, aber sicherlich in seiner Mischung aus julesvernschem Klamauk nicht weit davon entfernt.

Grafisch bleibt sich Seron treu. Seine Figuren, den bewundernswerten Strich hat er vollkommen perfektioniert, so dass auch neue Charaktere einem sehr schnell wie alte Bekannte erscheinen. Bei der Gestaltung der Affenmenschen, der Börks, ist stets ein Augenzwinkern mit dabei. Da die Börks auf dem Kriegspfad sind, darf eine entsprechende Aufmachung nicht fehlen. Den Spaß muss jeder selbst gesehen haben. Die Gestaltung der Raumschiffe und anderer phantastischer Elemente erinnert ein wenig an Yoko Tsuno. Die erwähnte weiße Welt ist ein genialer Husarenstreich und sicherlich einer der Höhepunkte der Reihe.

Toll: Pierre Seron beweist hier ein besonderes Händchen für besonders einfallsreiche phantastische Komödien. Schöne Gags, Spaß und Spannung, beste Cartoon-Technik. So soll das sein. 🙂

Die Maxiausgabe der Minimenschen 7: Bei Amazon bestellen