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Comic Blog


Montag, 17. Mai 2010

The Goon 5

Filed under: Mystery — Michael um 18:48

The Goon 5 - Über die schrecklichen Konsequenzen von TugendWas für eine Stadt, die am Boden liegt? Was braucht eine Stadt, die keine Identität mehr besitzt? Keinen Stolz? Keinen Mumm? Sie braucht ein Monument für ihr Ego. Und wenn es nur so etwas Banales wie Football ist. Aber was hat der Goon mit Football an der Schiebermütze? Eigentlich nichts. Doch in gewissem Sinn hat der Goon unter seiner meterdicken rauen Schale einen weichen Kern. Also hilft er bei der Aufstellung einer Football-Mannschaft, die, das weiß wohl jeder, nicht unbedingt gut spielen, dafür aber noch viel besser den Gegner verkloppen können muss. Das ist ein Talent des Goon. Und der Männer, die er kennt. Schnell ist die Mannschaft beisammen. Und tatsächlich schneit nun nichts mehr schief gehen zu können.

Die Dimension des fleischfressenden Auges ist nicht etwa der Name einer neuen Fastfood-Kette, nein, es ist wirklich eine Dimension, in der fleischfressende Augen ihr Unwesen treiben. Als wäre die Dimension des Goon nicht schon schrecklich genug, so müssen er und sein Freund Franky auf eine Rettungsmission der besonderen Art. Sollten sie versagen, steht das Schicksal der Welt auf tönernen Füßen. Oder auf der Kippe. Auf jeden Fall kann da einiges den Bach runtergehen, wenn die beiden diesen verdammten Augen nicht ordentlich in den Hintern treten. So merkwürdig sich das auch anhören mag. Leider ist es damit noch lange nicht getan, denn wieder daheim geht es erst so richtig los!

The Goon, Klappe, die 5. Ja, ist es wieder so weit? Ja! Dank Eric Powell, Autor, Zeichner und Erfinder dieser wunderbaren Figur, darf der Leser sich wieder einer haarsträubenden Phantasie erfreuen, die zwar seltsame, aber auch wahnsinnig unterhaltsame Blüten treibt. The Goon nimmt sich weder selbst besonders ernst noch wichtig. The Goon will nicht politisch korrekt sein. Hier wird eine dicke Lippe riskiert und wer sie gegenüber dem Goon riskiert, der bekommt Haue. Wenn die Autoren von MAD sich mit den Autoren der Bud Spencer und Terence Hill Filme zusammengetan hätten, vielleicht bei einem kurzen LSD-Trip, könnte ein ähnliches Ergebnis entstanden sein.

Dabei ist der Goon keinesfalls eine platte Angelegenheit. Eric Powell lässt es sich nicht nehmen und kreiert eine außerordentlich spaßige Version der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Leg dich nicht mit den Geistern der Weihnacht an! In feiner Bleistift-Sepia-Buntkreide-Optik findet sich eine Kurzgeschichte, die bisherige Goon-Charaktere toll einbindet und gleichzeitig den Grundgedanken der Dickensschen Handlung wiedergibt. Powell ist zwar nicht der erste Autor, der Scrooge eine gehörige Tracht Prügel zukommen lässt (siehe: Scrooged, letztlich aber macht er genau das, was der Leser mit Scrooge, dem bösen alten Mann, der geläutert werden soll, gerne machen würden.

Dr. Hieronymous Alloy war ein Böser, wurde ein Guter und droht nun wieder auf die dunkle Seite abzugleiten, wenn der Goon nichts unternimmt. Eric Powell (mit Roben Powell) arbeitet grafisch in einer tollen Mischtechnik. Einerseits schimmert Bleistift durch und sorgt für butterweiche Schattierungen, andererseits sorgt eine fett getuschte Außenlinie für den nötigen Kontrast zu Hintergrund. In der mehrteiligen Geschichte um den guten/bösen Doktor lässt sich diese Arbeitsweise sehr gut bestaunen. Ab und zu wird auch mal ganz rabiat auf verschiedene Filter eines Grafikprogramms zurückgegriffen. Mal ist der Farbauftrag milchig, mal wirkt er wie mit Aquarellfarben realisiert. Meistens entsteht so ein sehr plastischer Effekt, manchmal sogar ein wenig dreidimensional.

Hinreißend anders, auch mutig, ein wenig Anarchie hinzugerührt: Eric Powell zeigt, was Comic kann, was Comic anderen Medien voraus hat. Weiterhin Wahnsinn mit Methode, mit viel Humor erzählt und toll gezeichnet, handwerklich top. 🙂

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Samstag, 15. Mai 2010

Fegefeuer

Filed under: Mystery — Michael um 19:48

FegefeuerBenjamin Tartouche hat Glück. Er wohnt allein in einem großen Haus. Seine Zukunft … nun, die könnte besser aussehen. Aber noch ist nicht alle Tage Abend. Sein einziger Freund wohnt zwar weit weg. Eine Freundin hat er auch nicht. Aber immerhin hat er ein großes Haus ganz für sich allein. Da muss eine Versicherung her. Man kann nie wissen. Benjamin weiß vieles nicht. Auch nicht, dass er einem miesen Schwein von Versicherungsmakler aufsitzen wird. Dass seine gesamtes Leben den Bach runtergehen wird. Dass er sterben wird. Und damit nicht genug.

Mit einem Schlag kann sich alles ändern. Nicht zum Besseren. Autor und Zeichner Christophe Chaboute entwirft ein Szenario über ein Leben, das, nimmt man die bestehenden Sicherheitsnetze wie Versicherungen und anderes von der Gesellschaft verlangte heraus, auf einer Klippe balanciert und schließlich ohne Netz und doppelten Boden herunterfällt. Schlimmer noch: Die viel beschworenen und allseits beworbenen Netze funktionieren nicht. Noch schlimmer: Am Grunde des Abgrunds geht es noch tiefer hinab.

Nur diese Ausgangssituation und das Danach genügen vielfach schon für eine Geschichte. Chaboute schickt seinen Helden, einen Jedermann, in ein Zwischenreich, ins Fegefeuer. Chaboute entwirft eine Zwischenstation. Hier wird sich entscheiden, welche Aufzugkabine Benjamin Tartouche betreten darf. Die nach oben oder jene nach unten. Tartouche ist ein Jedermann. Andere würden sagen, er sei ein Niemand. Was soll so einer schon verbrochen haben, um das Fegefeuer zu verdienen? Ja, was? Christophe Chaboute fragt letztlich anders herum: Was hat so einer getan, um das Leben verdient gehabt zu haben?

Nichts. Aber auch im Jenseits gibt es eine zweite Chance. Benjamin Tartouche muss einen Menschen finden und diesem ins Gewissen reden, so sehr, dass eine vollkommene Richtungsänderung eintritt. Kleine Wunder geschehen sofort. Große brauchen etwas länger. Eine kleine Aufforderung wirkt recht schnell. Die Änderung eines Charakterzuges ist Arbeit. Verzweifelte Arbeit, wie Christophe Chaboute sehr schön zeigt.

Das Besondere an der vorliegenden Geschichte ist nicht, was Christophe Chaboute alles erzählt. Interessant ist, was zwischen den Zeilen liegt und wie der Autor den Leser in die Handlung einbezieht. Wie er die alltäglichen kleinen Sünden zeigt, die sich aufsummieren, selbst in einem kurzen Leben. Wie er die Hoffnungen zeigt, die Ängste, die Verzweiflung, eigentlich ein allzu echtes Leben, wie es im Comic nicht eben oft vorkommt. Als Schutzpuffer lässt Christophe Chaboute mittels des Fegefeuers wieder etwas Abstand entstehen. Trotzdem greifen die Emotionen zu. Man muss mit Benajmin Tartouche hoffen und bangen.

Die Zeichnungen sind einfach gehalten, auf den ersten Blick überraschend, später aber genau richtig, da sie Luft zur Entfaltung der eigenen Gedanken lassen. Man erkennt Leidensgenossen von Tartouche wieder. Frank Zappa, Van Gogh, Napoleon oder sogar Einstein. Niemand war genial oder mächtig genug, um dem Vorhof zur Endstation zu entgehen. Chaboute arbeitet mit harten Linien, mit einem Strich, der zu Karikaturen passt. Die Kolorierung ist auf das Nötigste beschränkt. Teilweise fällt sie sogar ganz beiseite, denn die Geister haben selbst ihre Farben verloren. Sie sind weiß.

Eine feine Geschichte. Ein wenig philosophisch, mit leichter Hand gezeichnet. Eine kleine Reise, die den Leser bei der Hand nimmt. Ein Comic mit Botschaft? Ja, auch das. Aber Christophe Chaboute erzählt nur über die Wahrheiten, die sowieso schon jeder kennt. Ungewöhnlich. Gut. Und auch ungewöhnlich gut. 🙂

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Das Wolkenvolk – Seide und Schwert 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:44

Das Wolkenvolk - Seide und Schwert 2 - MondkindNiccolo hat neue Gefährten auf seiner Suche nach den Drachen gefunden. Seinem Ziel ist er deshalb noch nicht näher gekommen. Im Gegenteil: Je mehr er vom Reich der Mitte kennenlernt, desto weiter scheinen sich die Drachen und mit ihnen der lebenswichtige Aether zu entziehen. Doch seine eigenen Geschicke und die seiner neuen Freunde geraten durch das Zusammentreffen mit Unsterblichen noch mehr durcheinander. Verängstigt, aber auch fasziniert, beobachten sie den Kampf zweier Unsterblicher. Als die Waage zugunsten eines der beiden Kämpfer auszuschlagen scheint, löst sich die im Zweikampf unterlegene Frau. Sie bittet Niccolo um einen Teil seines Chis, wohl wissend, was sie damit auslösen wird.

Mondkind, so der Name der jungen Frau, kann den Kampf zwar vorläufig für sich entscheiden, doch nun ist sie für immer mit Niccolo verbunden. Nugua und Feiquing, der falsche Drache, können nur tatenlos zusehen. Mondkind verlässt sie wieder. Die drei Freunde reisen weiter. Ein Mönch könnte mit seinem Wissen weiterhelfen. Aber wo lässt sich einer finden? Wahrscheinlich in einer Herberge, seinen Rausch ausschlafend. Oder doch nicht?

Abenteuer, Gefahren, Rätsel, wundersame und gruselige Orte, neue Freunde, neue Feinde: Niccolos Reise durch das alte China ist eine Reise in ein verwunschenes Land. Wer diverse Filme aus dem Reich der Mitte kennt, wie Tiger and Dragon, Hero und viele andere, hat die unglaubliche Artistik, die wahnwitzigen Kampffertigkeiten oder auch die merkwürdige Magie dieser fernen Kultur auf der Leinwand erleben können. Kai Meyer, Autor der Romanvorlage dieses zweiten Teils von Seide und Schwert aus der Wolkenvolk-Trilogie hat sich die einfallsreichsten Teilstücke dieser phantastischen Erzählungen herausgenommen und diese durch viele weitere Bausteine komplettiert.

So ist eine Welt entstanden, die auf den ersten Blick bekannt erscheint, aber doch immer aufs Neue überrascht. Die Comic-Adaption durch Yann Krehl verkürzt die Handlung, bündelt sie, so dass keine Atempause gestattet ist. Ein Schritt auf der Wanderung der Gefährten ist ein Schritt zu einem neuen Ort der Wunder.

Aus erkalteten Lavafeldern greifen dämonenähnliche Wesen an. Eine alte Stadt treibt auf einem Lavastrom dahin. Unsterbliche fliegen auf riesigen Kranichen. Und so ganz nebenbei werden in der Wolkenstadt, die immer tiefer zu sinken droht, Intrigen gesponnen. Ralf Schlüter zeichnet die Bilder zu diesem Szenario in einer Mischung aus Bilderbuchoptik, Manga, Zeichentrick und hier und da auch ein wenig Disney-Look (betrachtet man sich den falschen Drachen Feiquing).

Je mehr Platz er sich für seine Bilder nimmt, umso eindrucksvoller wird die Geschichte untermalt. Allerdings wird viel Platz benötigt, denn die Geschichte ist verschachtelt, vielschichtig und lang. Die Aufteilung der Seiten geschieht immer wieder neu. Keine bestehende Aufteilung wird beibehalten. Auf der Seite beginnt die Entdeckungsreise aufs Neue, aber stets ist die jeweilige Komposition gelungen und sehr gefällig für das lesende Auge. Wo die Tuschung durch Horst Gotta harte Linien, scharfe Kanten auf das Blatt wirft, entschärft die weiche Kolorierung diesen Effekt wieder und führt die Bilder zurück zur ursprünglichen Weichheit der zugrunde liegenden Skizze.

Eine Achterbahnfahrt durch das Reich der Mitte im zweiten Teil der Geschichte um das Wolkenvolk. Schön erzählt, phantasievoll umgesetzt, ausgefeilt, liebevoll. 🙂

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Mittwoch, 12. Mai 2010

Largo Winch 14 – Im Namen des Dollar

Filed under: Thriller — Michael um 18:02

Largo Winch 14 - Im Namen des DollarLargo Winch befindet sich weiterhin unter Mordverdacht und auf der Flucht. Die offizielle Beweislage spricht gegen ihn. Scheinbar ist auch jedermann, abgesehen von seinen engsten Freunden, bereit zu glauben, dass der smarte Geschäftmann schuldig ist. Was war geschehen? Ein Traditionsunternehmen, angesiedelt in der Herstellung von Wintersportartikeln, hat Werke geschlossen und 2500 Mitarbeiter entlassen. Bei einer Gesprächsrunde im Fernsehen erschießt sich der ehemalige Geschäftsführer im Beisein von Largo Winch vor laufender Kamera. Alle sind schockiert. Genau das erwartet jeder durch das gierige Geschäftsgebaren der Großkonzerne: Geld geht über Leichen.

Largo Winch, ein junger Mann, der sich wider Erwarten an der Konzernspitze der Gruppe W behaupten konnte, ist nicht gewillt einen unberechtigten Mordverdacht auf sich sitzen zu lassen, noch will er die Untersuchungen dazu den offiziellen Stellen überlassen. Außerdem will er sich nicht die Verantwortung für dubiose Machenschaften unterschieben lassen. Wer auch immer derart menschenverachtend mit den Arbeitnehmern der Herstellerfirma Speed One umgegangen ist, wird dafür Rede und Antwort stehen müssen.

Mit dieser Fortsetzung findet das jüngste Komplott gegen Largo Winch seinen Abschluss. Autor Jean van Hamme hat seinen Helden international agieren lassen, gegen Großindustrielle, Gangster und Kleinganoven. Aber selbst im eigenen Land ist er nicht sicher. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten können auch die Großen sehr tief fallen. Bisher jedenfalls, im ersten Teil der Handlung, sah es nicht nur so aus, als sei Largo Winch (zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes) zum Abschuss freigegeben, es sah auch so aus, als werde es ihm diesmal wirklich an den Kragen gehen.

Jean van Hamme fackelt nicht lange, wenn es um Abenteuer geht. Dafür schickt er seinen Helden auch zur besten Unterhaltung des Lesers durch die Hölle. Ausgangspunkt für das Desaster innerhalb seines Konzerns, dem sich Largo stellen muss, ist ein finanztechnischer Trick, durch einige Manager viel Geld machen wollen. Das Zauberwort heißt Stock Options. Wer auf dem Börsenparkett nicht fit ist, kann sich zunächst durch eine kurze Erklärung mit dieser Praktik vertraut machen. Viel wichtiger ist jedoch, wie viel Schindluder mit dieser Praktik getrieben werden kann. Van Hamme nutzt genau diese Möglichkeit zur Grundlage seiner ausgefeilten Kriminalgeschichte.

Sehr elegant flechtet van Hamme noch weitere Erzählstränge ein. Für die langjährigen Fans wird die Charakterentwicklung Largos und seiner Freunde fortgeführt. Der Mikrokosmos der kleinen Ortschaft, die durch den Werksverlust in Mitleidenschaft gezogen wird, wird nicht vergessen. In den Reihen der Hochfinanz gären die Intrigen. Stein auf Stein entwirft van Hamme eine wie selbstverständlich ablaufende Kettenreaktion. Hier ist Weiterblättern angesagt. Das hat neben der hervorragenden Erzähltechnik van Hammes aber auch noch andere Gründe.

Ohne Philippe Francq wäre Largo Winch kein derartiger Erfolg beschieden. Francq weiß jede Szene perfekt zu gestalten. Gleich zu Beginn verfolgt der Leser eine spektakuläre Flucht über einen reißenden winterlichen Gebirgsfluss. Largo Winch treibt erschöpft auf einen riesigen Wasserfall zu. Ein Entkommen scheint unmöglich … Dank der sehr realistischen Strichführung, einer sicheren Inszenierung und einem guten Auge für die Bildaufteilung ist auch der spätere Kampf in den Vorstandsetagen und den piekfeinen Restaurants nicht weniger spannend. Außerdem kann sich Francq in dieser Ausgabe einen kleinen Spaß nicht entgehen lassen. Mit Harvey Wilcox, einem der Drahtzieher der dunklen Machenschaften, tritt ein Mann vor die Kamera, der einem Brad Pitt stark nachempfunden ist. Eine Yuppie-Frisur, ein kantiges Kinn und ein leicht jugendlich naiver Gesichtsausdruck tragen dazu bei, dass die Darstellung dieser Figur schon beinahe in die Karikatur abgleitet.

Insgesamt besticht Philippe Francq wieder durch seine großartigen Kulissen, weshalb die Mischung aus Thriller und Wirtschaftskrimi die optischen Maßstäbe aufrecht erhält, die sich die Reihe gleich zu Beginn gesetzt hat.

Ein kurzer Rückblick klärt zwar über die bisherigen Geschehnisse auf, eine Lektüre des ersten Teils der Handlung wäre allerdings besser. Denn dann lässt sich dieser abschließende zweite Teil noch viel besser genießen. Für Comic-Thriller-Fans absolut empfehlenswert. 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.

Sonntag, 09. Mai 2010

Engel

Filed under: Cartoon — Michael um 13:55

EngelDa stinkt doch was! Der kleine Yesod, von Beruf Engel, der die Stufen zum Keller der Kirche hinabsteigt, ahnt schon etwas. Was dort unten, knallrot und mit einem langen Schwanz ausgestattet, gleich in einer ganzen Horde sein Unwesen treibt, sind Dämonen. Leider will ihm diese Entdeckung niemand glauben. Auch Engel haben es nicht leicht. Ganz und gar nicht. Wenn man, wie diese beiden Engel hier, sein Dasein auf einem Außenposten fristet, ist es hin und wieder sogar langweilig. Und da die Beobachtung hier nicht so gut funktioniert (denn die Menge der Engel wird andernorts benötigt), finden sich alsbald dunkle Mächte und Verführer, die den Pfarrer auf ihre Seite ziehen wollen. Ob das gut geht?

Was haben Engel nicht schon alles mitgemacht? Sie wurden aus dem Himmel verstoßen, wollten in den Himmel zurück. Sie wollten gar Gott persönlich an den Kragen. Sie fühlten sich ungeliebt, verliebten sich in Menschen, verteidigten sie vor dem Ende der Welt. Sie zogen in den Krieg gegen Dämonen … Genau wie hier! Genau wie hier? Nein, nicht ganz. Während der Leser aus diversen Fantasy-Szenarien wie Romanen oder Filmen, auch Comics große, martialisch aussehende Krieger mit Flügeln gewohnt ist, sehen die Engel von Didier Teste, Künstlername Dieter, und Olivier G. Boiscommun eher wie Putten aus, zumindest jene, die ein wenig mehr Fleisch auf den Rippen haben.

Nicht nur das: Diese Engel sind auch viel, viel kleiner. Die ersten beiden, denen der Leser begegnet, Yesod und Jeliel, tun Dienst (genau das) in einer Kirche, fernab vom Trubel. Es passiert nicht allzu viel in dieser Idylle, in der es im Gottesdienst sogar Besucher gibt. Bis … die Dämonen wieder da sind.

Dieter entwirft mit diesen putzigen Wesen, die Dämonen eingeschlossen, von der Größe eines Unterarms, eine ungewohnte Heerschar, die dem Engel-Genre, wenn man es so nennen will (warum nicht, Vampire haben inzwischen auch ihr eigenes Genre), frischen Wind einhaucht. Auf den ersten Blick entsteht der Eindruck einer Komödie, schließlich aber schlägt die gesamte Handlung der insgesamt hier vorliegenden drei Episoden in ein handfestes Fantasy-Abenteuer um. Das Augenzwinkern bei der Schilderung der beiden Engel, die durch weibliche Verstärkung erst zu dritt, später zu viert sind, findet sich aber durchweg, weshalb die Handlung allseits nicht nur spannend und unterhaltsam, sondern auch ein Spaß ist.

Aus den anfänglich von Olivier G. Boiscommun nackert gezeichneten Figuren werden nach ihrer Strafversetzung ins belagerte Notre-Dame gewappnete Engel. An Orten mangelt es nicht. Kirchen, ein Mädcheninternat, endlich sogar die Hölle sind die Austragungsorte der Kämpfe von Gut gegen Böse, von denen sich schließlich zeigt, dass sie gar nicht so weit auseinander liegen. Boiscommun beherrscht sein Szenario mit einem ausgesprochenen Sinn für Putzigkeit und findet seinen ganz eigenen Weg dies darzustellen.

Im Vergleich aller drei Episoden wird in der ersten Episode, die passenderweise Psalm 1 heißt, noch viel ausprobiert. Die Bilderzahl pro Seite ist höher, sie sind entsprechend kleiner als in der dritten Episode. Die Farbgebung ist rauer, der Farbauftrag etwas willkürlicher, die Farben fließen besser, es gibt Sprenkel. Im weiteren Verlauf professionalisiert Boiscommun dies. Alles wird milchiger, der Farbauftrag wird deckender, weniger durchscheinend. Die Technik wird sicherer, die Farben kräftiger, leuchtender. Im Gegensatz zu ersten beiden Episoden könnte in Psalm 3 der Computer die Wahl für die Kolorierung gewesen sein.

Dämliche Dämonen: Nach einem Ausflug in das stets beliebte Besessenheitszenario landen unsere Helden schließlich in der Hölle. Dämonen sind hier die Bewohner. Allerdings solche, die auch der Pixar-Schmiede entschlüpft sein könnten. Durch die Konzeption entstehen Bilder, die vollkommen ohne Worte wirken und einfach zum Lachen anregen. Wer hier durch die Seiten blättert und nicht grinsen muss, ist selber Schuld.

Eine ungewöhnliche, hier in einer Ausgabe zusammengefasste, Trilogie: Ein heiteres Abenteuer bis hin zum totalen Spaß. Sehr liebevoll gezeichnet, völlig unangestrengt erzählt. Die Engel steigern sich außerdem von Abenteuer zu Abenteuer. Das ist, im wahrsten Sinne des Wortes, phantastisch (gut). 🙂

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Donnerstag, 06. Mai 2010

Comanche 4 – Roter Himmel über Laramie

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:58

Comanche 4 - Roter Himmel über LaramieEin Brief erreicht die Triple Six Ranch, ein Ereignis, das selten genug vorkommt. Absender des Schreibens ist Red Dust, der, ebenfalls selten genug, diesen Brief geschrieben hat. Red ist immer noch auf der Jagd. Der berüchtigte und gemeingefährliche Verbrecher Dobbs hinterlässt auf seiner Flucht eine Spur von Leichen. Red Dust bleibt ihm auf der Fährte, kommt auch immer näher, war bislang aber zu spät, um das Schlimmste zu verhindern. Langsam schwinden Dusts Kräfte. Der Cowboy ist erschöpft und sucht wenigstens vorübergehend nach einer Bleibe. Eine kleine Postkutschenstation bietet eine Gelegenheit für ein warmes Essen und eine Mütze voll Schlaf.

Die neuen Bekanntschaften, die Red Dust dort macht, werden ihn eine Weile begleiten. Denn eine Postkutsche ist ein lohnendes Ziel für Dobbs. Während sich die Fahrgäste am nächsten Morgen unter der Obhut eines wohl bekannten Kutschers auf den Weg machen, behält Dust das Fahrzeug auf seiner holprigen Strecke aus einiger Entfernung im Auge. Dust hat nun einen Köder.

Dobbs wird gejagt! Autor Greg lässt Red Dust Wort halten. Bevor Braggshaw im letzten Band verstarb, versprach Dust dem Prediger, er werde Dobbs aufhalten. Prinzipien hin oder her, nach Ansicht des Predigers gibt es Menschen, auf die keinerlei Prinzipien anwendbar sind, die sich selbst zur Bestie aufgeschwungen haben. Greg hat dieses Konzept mit seiner Figur Dobbs umgesetzt und in dieser abschließenden Episode um die Verbrecherjagd konsequent fortgesetzt.

Der Worte sind genug gewechselt. Und deshalb: Drama, Drama, Drama! Wer den ersten Teil, die Einführung zu dieser Verbrecherhatz verpasst hat, sollte dies nachholen. Wer direkt eine knackige Verfolgungsjagd möchte, ganz klassisch Gut gegen Böse, der ist hier genau richtig. Hermann (war gut, ist gut, bleibt gut), der geniale Zeichner dieser Reihe, hat nur Zeit für eine kurze Ruhephase. Ein trauriges Motiv einer Familie, die über einem Leichnam trauert, verrät, was noch alles auf den Leser zukommen wird. Ließe sich denken, Greg hingegen übertrifft diese Erwartungen. Ein toll inszenierter Anschlag auf die Postkutsche leitet zu einem weiteren Dramaabschnitt über.

Kann Hermann zuvor noch die Fahrgäste der Postkutsche per Portraitbild vorstellen, ist die Farmerfamilie im abgelegenen Tal so vorgestellt, dass der Leser auch optisch Sympathie für sie entwickeln kann. Nach der Farm folgt eine kleine Ortschaft, die Dobbs mit seinem Kumpan (ein alter Bekannter) unter seine Knute zwingt. Damit ist die Spitze noch nicht erreicht. Ähnlich wie in neueren Kriminalfilmen werden die Verbrecher in ihrem Verhalten immer unmenschlicher. Die Emotionen, die Hermann in die Gesichter dieser Männer legt, beeindrucken. Wie er die Szenen optisch sprechen lässt, wirkt ausgetüftelt. Aber, ob nun besonders talentiert, instinktiv angelegt oder handwerklich besonders geschickt, am Ende spielen Analysen keine Rolle.

Der Start des Finales besticht durch einen klassischen Auftakt. Die Nacht bricht herein. Ein Mann kommt allein in einer Stadt und nimmt das Gesetz in seine Hand. Der grafische Weg bis zu diesem Punkt war sehr gut. In den Schluss legt Hermann noch einmal alles hinein. Das muss man nicht alles beschreiben, sondern als Western-Fan wie auch als Comic-Begeisterter einfach genießen.

Ein toller Abschluss eines Zweiteilers in absoluter Perfektionierung, die der gesamten Handlung die Krone aufsetzt. Nach einem brillanten Anlauf der Serie erreichen Greg und Hermann hier einen ersten Gipfel. 🙂

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Mittwoch, 05. Mai 2010

Comanche 3 – Die Wölfe von Wyoming

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:55

Comanche 3 - Die Wölfe von WyomingDas Geld des Viehzüchterverbandes und damit die Zukunft der Gegend steht auf dem Spiel. Dobbs heißt das unheilverkündende Wort. Diese Familie überfällt am laufenden Band und stiehlt, was nicht angeschraubt oder festgewachsen ist. Mit dem alten Sid Bullock, dem Kutscher, und seiner Schläue haben die Banditen jedoch nicht gerechnet. Eine wilde Verfolgungsjagd geht gerade noch einmal glimpflich aus. Ein Fahrgast, ein Prediger, versteht seinen Colt mit der Virtuosität eines Scharfschützen zu nutzen. Dieser Mann, Braggshaw, ist Red Dust nicht geheuer. Ein Mann Gottes sollte nicht so gut mit der Waffe umgehen können. Besser wäre es, den Mann so schnell wie möglich wieder los zu werden. Doch die Mannen der Triple Six Ranch können die Hilfe des ungewöhnlichen Gottesmannes sehr gut gebrauchen.

Ein Dobbs allein ist schlimm, eine ganze Familie ist eine Teufelsbrut. Autor Greg kreiert ein Western-Monster. Dobbs, der größte der Köpfe auf dem vorliegenden Titelbild, ist ein Alptraum. Ein Verbrecher, der keinen Argumenten zugänglich ist, weder logisch noch unlogisch. Dessen Motivation Geld heißt, aber nicht immer. Der tötet, bloß weil ihm jemand unbequem ist. Der mit einer Leichtigkeit einen Menschen tötet, mit der andere eine Fliege zerquetschen. Ein Mann, dem selbst die eigene Familie nichts bedeutet. Mit dieser Figur zwingt Greg seinen Helden, an eine Grenze zu gehen.

Für eine Weile dabei: Ein Prediger namens Braggshaw. Ausgerechnet der selbst ernannte Gottesmann räumt mit den Verbrechern ohne lange Zaudern auf. Wo Dust die Fäuste benutzt, greift Braggshaw gleich zum Colt. Neben der Auseinandersetzung zwischen ihm und Dust über Glaubensfragen und Prinzipien, erzählt Greg über die Jagd nach dem Geld, das sich eigentlich gar nicht von der Stelle rührt, weil … Nun, das ist eine der humorvolleren Seitenarme der Geschichte. Allerdings nur so lange, bis der Autor die einzelnen Fäden ins vorläufige Finale zusammenführt.

Hermann zeichnet hier eine hoch dramatische wie auch sehr aktionsgeladene Geschichte. (Endlich sehe ich einmal, wie Red Dust seinen Colt zieht. Wie er auf die Art so schnell sein kann, ist mir schleierhaft, aber anscheinend funktioniert es. Meistens jedenfalls, wie es sich in Die Wölfe von Wyoming zeigt. Es gibt immer einen, der schneller ist.) Nach einem Tag voller spannender Ereignisse, die dem Drama und der Charakterentwicklung ebenso Rechnung tragen wie den Schießereien, die ein Western auch braucht, taucht die Handlung in die Nacht ab. Hier beweist Hermann einmal mehr seine Meisterschaft des Tuschestrichs wie auch der Fähigkeit, perfekt mit Licht und Schatten zu arbeiten.

Mit den Dobbs gestaltet Hermann wunderbare Verbrechervisagen. Die Familienähnlichkeit wurde über die ganze Strecke toll beibehalten, alle sind ungepflegt, fast eine Familie von Lee van Cleefs. Ohne die Vornehmheit, die den Rollen des Schauspielers sonst anhaftete. Die Nachtsequenz ist nicht der Höhepunkt dieser Handlung, er ist ein Höhepunkt der gesamten Reihe.

Ein Klassiker: Der erste Teil einer Verbrecherjagd, brillant erzählt und in Szene gesetzt. Die Wölfe von Wyoming haben alles, was ein guter Western braucht. Nur auf das Ende müssen die Leser bis zum zweiten Teil warten. 🙂

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Montag, 03. Mai 2010

Reisende im Wind 6 – Buch 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:33

Reisende im Wind 6 - Buch 2Das Mississippi-Delta ist riesig. Dieses Land ist nicht zu bändigen. Hier ist der Mensch nichts. Wer seine Hand ins Wasser hält, muss damit rechnen, dass sie ihr abgebissen wird. Trotzdem ist es ein Paradies. Wer die Regeln beachtet, wer vorsichtig ist, kann überleben und erlebt eine Welt ohnegleichen. Die alte Isabeau, die hier endlich eine Heimat fand, zeigt der jungen Isabeau die Schönheit dieser Landschaft, allerdings nicht ohne durch ihre Erzählung beständig zu mahnen, sich in Acht nehmen zu müssen.

Der Kreis schließt sich. Mit dieser Doppelfolge beendet Autor und Zeichner Francois Bourgeon die Geschichte um Isabeau de Marnaye, die der Leser in Abenteuern um die Reisenden im Wind begleiten durfte. Gleichzeitig hebt er eine neue Generation aus der Taufe, eine junge Frau namens Isabeau Murrait, kurz Zabo. Der gemeinsame Vorname ist Programm. Beide Frauen sind stark, energisch, auch rebellisch. Beide behaupten sich, müssen auch ihre Leidensfähigkeit beweisen. Besonders die ältere Isabeau, die aus ihren Erinnerungen erzählt, hat viel Schreckliches erlitten.

Der zweite Teil beginnt mit einer sehr leichten Erzählung über die umstände des Bürgerkrieges. Für einen Zivilisten waren beide Seiten gleichermaßen gefährlich. Reisen konnten das Ende bedeuten, führte man sie auf offiziellen Wegen durch. Bilder und Off-Text führen zu einer kleinen Behausung weit abseits im Bayou. Francois Bourgeon zeigt eine Welt, an der die Zeit vorüberzieht. Gleichzeitig offenbart er dem Leser eine magische Landschaft, urwüchsig, nicht zähmbar, in der jedes Hochwasser Veränderungen herstellt und alte Wegmarken keine Gültigkeit mehr haben.

Die alte Isabeau fand eine Zeit des Glücks. Nach all den Mühen, die sie auf dem afrikanischen Kontinent erlebte, jenen Schrecken, die sie anfänglich in der Neuen Welt erwarteten, erlebt sie auch eine Ruhephase. Mit sehr sicherer Hand zeichnet und erzählt Bourgeon die Erlebnisse von Isabeau und ihrer kleinen Tochter. Bis das Monster Mensch wieder in ihr Leben eingreift.

Sehr gezielt wählt Bourgeon seine Szenen aus und kombiniert auf routinierte wie auch auf sehr schöne Weise Text und Bild. Das Unheil kommt auf Zehenspitzen. Man ahnt als Leser, dass etwas geschehen wird, kann dieses Unheil aber noch nicht benennen. Das ist von Bourgeon gewollt, es schürt die Spannung und macht die herannahende Katastrophe noch grausamer, obwohl der Tod eher belanglos sein Werk vollzieht.

Francois Bourgeon ist ein Meister des erzählenden Bildes. Das Zusammenspiel von Bild und Text ist eine Sache, szenenweise völlig auf Text zu verzichten, eine ganz andere Sache. Solche Szenen unterstreichen die Ruhe in der vorliegenden Erzählung, in der es zwar viele Höhepunkte gibt, von denen man als Leser aber zu keinem Zeitpunkt den Eindruck hat, der Autor habe sie auf Biegen und Brechen gesucht. Oftmals wirken seine Bilder sehr groß. Sie sind nicht wirklich größer oder besser aufgeteilt als auf anderen Seiten, aber die Gegensatz zwischen Nahaufnahmen und Totalen ist sehr fein arrangiert, um diesen Effekt zu erreichen.

Bourgeons Bildern liegt eine aufwendige und sehr genaue Tuschearbeit zugrunde. Der Farbauftrag ist zart, die Wirkung ist zumeist hell, selbst in dunklen bis düsteren Abschnitten. Nur ein einziges Mal findet sich auf einer Seite ein richtig dunkles Bild, in dem Schwarz dominiert. Dieses Bild hat ebenfalls keinen Text, umso stärker fällt seine Bedeutung aus, umso eindringlicher wirkt es auch durch die Einfachheit des Motivs.

Eine nur scheinbar einfache Geschichte auf überaus geniale Art erzählt. Der Zweiteiler um Das Mädchen vom Bois-Caiman dürfte zu einer der besten grafischen Novellen der letzten Jahre gehören. Eine Vorkenntnis der Ursprungsreihe der Reisenden im Wind ist nicht erforderlich.

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Samstag, 01. Mai 2010

Star Trek – Spock

Filed under: SciFi — Michael um 14:50

Star Trek - SpockVulkanier sind nicht für Small Talk bekannt. Leider ist der Vulkanier an Bord des Schiffes der einzige andere Mitreisende. Aber Saurianer sind hartnäckig. Und Spock hat auch gelernt, eine gewisse Höflichkeit zu zeigen. Nach und nach entwickelt sich ein Gespräch. Der Weg von Romulus zurück in das Gebiet der Föderation ist lang und nicht ungefährlich. Er führt durch die Neutrale Zone. Grund genug immerhin für den Saurianer, sich abzulenken. Öffnet sich Spock auch nicht im Gespräch, so sind doch die vielen Fragen Anregung genug, um so manche Erinnerungen wach zu rufen.

Es war einmal ein Captain namens Kirk. Es gibt Figuren, die können ohne die anderen nicht. Kirk, Spock, McCoy, das berühmte Trio aus Star Trek ist eines der Beispiele aus der Popkultur, die nicht nur bei vielen Menschen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben, sondern deren spätere Popularität dazu beitrug, ein regelrechtes Universum um die Enterprise herum zu errichten.

Den Fernsehserien folgten Kinofilme, Handlungsbögen wurden auf Romanserien ausgeweitet, Prequels, Sequels, Lückenfüller. Kurzum, die Fans von Star Trek hatten die Qual der Wahl. Nach einer Durststrecke kommt nun eine neue Sorte Material heran, die mit Fans schreiben für Fans überschrieben werden kann. Ein Ergebnis ist die vorliegende Geschichte von Scott und David Tipton, die einen sehr vielschichtigen Spock zeigt und sehr viele Stationen aus seinem Leben erzählt, Episoden zwischen den Episoden sozusagen.

Handlungsübergreifend befindet sich ein gealterter Spock auf einer Reise von Romulus zur Erde. Fans erinnern sich daran, dass in der Nächsten Generation einen Gastauftritt hatte und an der Seite von Captain Picard agierte. Die Reise wird auch eine Reise in die Erinnerungen, hin zu Wendepunkten und zu einigen bekannten Gesichtern.

Merken Sie sich diese Tage, Picard. Denn wenn sie enden, werden Sie ihrer nie wieder gewahr.

Fans dürfen sich auf Captain Christopher Pike freuen, ebenso auf Captain Picard. Christine Chapel hat einen Gastauftritt, sogar Lieutenant Saavik findet sich in einer Szene. Immer hadert Spock mit den beiden Hälften seines Charakters, dem Menschen und dem Vulkanier. Und so mancher hat Schwierigkeiten damit, mit seinen Gefühlen gegen Spocks Wände anzulaufen, die er um seine Gefühle herum errichtet hat. Nur in sehr kurzen Momenten gestattet sich Spock, seinen Gefühlen nachzugeben, jedoch nur für sich allein, ohne Zeugen.

Scott und David Tipton haben in den vergangenen Jahrzehnten gut aufgepasst und flechten kleine Abschnitte in Spocks Lebens, die sich nahtlos in das Star Trek Universum einfügen. In diesem vorliegenden Fall von einer reinen Handlung zu sprechen, wäre zu einfach. Es ist eine Charakterstudie von Spock, die viele Facetten offenlegt und vertieft. Der Grund der Reise, den die Tiptons hier zugrunde legen, ist außerordentlich gut gewählt und als Fan lässt sich nur unterstreichen, dass eine solche Stellungnahme zu dem Thema seit langem fehlte, ja, beinahe sträflich vernachlässigt wurde.

David Messina, inzwischen fest im Star Trek Universum angekommen, nach anderen phantastischen Ausflügen zu Vampiren (Angel) zeichnet möglichst exakt und nah an den filmischen Vorlagen. In einer Skizzensammlung im Anhang dieses Comic-Bandes wirken seine Bleistiftvorzeichnungen noch realistischer. Durch die Tuschung gehen Feinheiten verloren, die allerdings manchmal durch die Kolorierung des farbgebenden Trios Elena Casagrande, Federica Manfredi und Arianna Florean zurückgeholt werden.

Eine Episode voll wohltuender Melancholie, unabhängig des Science Fiction Universums, in der sie handelt, ist sie sehr menschlich erzählt, ruhig. Für Fans von Star Trek, die sich einigermaßen auskennen, ist diese Verbeugung vor einer der bekanntesten Filmfiguren sehr gut, alle anderen dürften wenigstens den Grundgedanken der Serie hierdurch erfassen können und werden neugierig auf mehr.

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Links: Homepage von David Messina, davidmessinart.blogspot.com
(Mit vielen Eindrücken seiner bisherigen Arbeiten.)
Homepage von Federica Manfredi, federicamanfredi.blogspot.com

Mittwoch, 28. April 2010

XIII – Die Verschwörung

Filed under: Comics im Film — Michael um 20:02

XIII - Die VerschwörungMartha und ihr Mann Abe versorgen den fremden Mann, obwohl die Schusswunden, die der Fremde davongetragen hat, ihnen mehr als nur Unbehagen bereiten. Abe, ein ehemaliger Marine, ist sich mehr als sicher, dass mit dem Fremden etwas nicht stimmt, vor allem, nachdem er gesehen hat, wie schnell der abgestürzte Mann die Verwundungen wegsteckt. Aber Martha will davon nichts wissen. Der Fremde erinnert sie an ihren Sohn, der in die Fußstapfen seines Vaters trat, aber nicht lebend aus einem Kampfeinsatz zurückkehrte. Langsam kehrt der Mann, der die römischen Ziffern XIII auf der Brust tätowiert hat, ins Leben zurück. Er weiß viel, nur wer er ist, das entzieht sich seiner Kenntnis. Das Einsatzkommando, das ihm kurze Zeit später nach dem Leben trachtet, kann er leider nicht fragen.

Wie komprimiert man sage und schreibe 19 Comic-Bände auf knappe drei Stunden Film? Gar nicht. Das ist auch nicht nötig. Sicherlich muss eine Comic-Verfilmung einen Geschichte oder eine Reihe nachempfinden. In den meisten Fällen kann sie nicht mehr leisten. Über viele Jahre hinweg schrieb Autor Jean Van Hamme an der Thriller-Reihe. Van Hamme, der auch für ähnlich starke Thriller-Serien wie Largo Winch (ebenfalls verfilmt) und Wayne Shelton verantwortlich ist, verfolgt mit der vorliegenden Geschichte ein düsteres Verschwörungsszenario.

Die erste amtierende Präsidentin der USA wurde erschossen. Eine Geheimorganisation, deren Mitglieder mit römischen Ziffern durchnummeriert sind, hat die Vereinigten Staaten bis in die höchsten Ebenen infiltriert. Der Mann mit der Nummer XIII, der sich augenscheinlich für die Ermordung verantworten muss, wird nicht nur vom Staat USA gejagt. Seine eigenen Mitverschwörer sind hinter ihm her. Und zuerst weiß XIII nicht mehr über sich als eben diese Zahl. Ein Streifschuss am Kopf hat seine Erinnerung ausgelöscht.

Stephen Dorff, den Comic-Fans vielleicht aus der ersten Blade-Verfilmung kennen, spielt hier einen ganz normalen Mann im Sinne eines Jason Bourne. Allerdings wird er nicht aus dem Wasser gefischt, sondern an einem Fallschirm hängend aus einem Baum geangelt. Dorff spielt seine Figur sehr zurückhaltend, fast ängstlich. Aus Furcht wird Sorge, als er feststellt, dass so gut wie jeder, mit dem er in Kontakt kommt, jederzeit sterben kann. Dafür sorgt Val Kilmer, der immerhin auch einen Auftritt als Batman hatte, seither aber etwas zugelegt hat und nicht mehr ganz in der oberen Riege der Hollywood-Schauspieler vertreten ist wie noch vor einigen Jahren.

Kilmer, wie auch Stephen McHattie als General Carrington (zuletzt als Kapitän in 2012), sind Vertreter eines etwas kantigeren Männergesichts und kommen so den von William Vance in der Originalserie gezeichneten Charakteren näher. Dorff, zwar durchtrainiert, aber kleiner und schmächtiger, fällt etwas aus der Rolle. Wie im Comic hampelt die Handlung nicht herum. Wer der Wahrheitsfindung seitens der Verschwörer aber auch der Regierung im Weg steht, hat entweder sehr schlechte oder fast schon gar keine Karten. Die ersten Menschen, die XIII helfen, sterben auf brutale Weise.

Prinzipiell gibt es nichts, was an dieser Verfilmung stören könnte. Für eine Fernsehproduktion, die immerhin mit beinahe drei Stunden Laufzeit aufwarten kann, lässt sich die Handlung Zeit und baut die Spannung Schritt für Schritt auf. Sie verfügt nicht über die visuellen Mittel (sprich den finanziellen Rückhalt) einer Bourne-Trilogie, aber das muss sie auch nicht, denn Film und Handlung sind sehr solide und gehen über das gewohnte Fernsehmaß hinaus. Es wird geschossen, immer nur, um zu töten. Es wird auch gefoltert oder wenigstens angedroht. Will man einen qualitativen Vergleich, könnte der Filmfan eine Neuverfilmung des Schakals heranziehen.

Ein paar Überraschungen, sorgfältig zusammengeführte Handlungsbögen und eine immer schneller angedrehte Spannungsschraube verhelfen zu einem netten TV-Abend. Stephen Dorff weiß in der Hauptrolle zu überzeugen und ist ein guter Sympathieträger, der sich immer mehr in den Machenschaften von I verstrickt. Wer als Comic-Fan nicht den haarklein umgesetzten Comic erwartet, sondern eine adäquate Verkürzung, findet einen gelungenen Thriller vor.

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