Mittwoch, 08. September 2010
Roland kehrt auf sein Lehen zurück, nur um zu erfahren, dass König Artus von den Aufsässigkeiten seines Untertanen erfahren und ihm die Verwaltung des Lehens entzogen hat. Als Heißsporn, der Roland nun einmal ist, lässt er unwirsch alles hinter sich und reitet, wohin der Wind ihn führt. An einem einsamen Strand, weiteren Demütigungen entkommen, versucht er Ruhe zu finden und Einkehr zu halten. Da bemerkt er in der Brandung Schiffstrümmer und einen menschlichen Körper. Jemand hat Schiffbruch erlitten. Schnell ist Roland herbei und zieht den Unglücklichen an Land. Als in der einbrechenden Dunkelheit ein unheimlicher Ton vom Meer her ertönt, ist der ehemals geschundene Fremde stark wie Berserker. Allerdings nur kurz, dann übermannt ihn die völlige Erschöpfung.
Und schon steckt Roland wieder zum Hals in einem neuen Abenteuer, wie er es sich nicht erträumt hat. Vergessen sind die Querelen mit König Artus. Francois Craenhals setzt im vorliegenden zweiten Sammelband der Reihe um Roland, Ritter Ungestüm mit drei Abenteuern die Geschichten um das Leben des Heißsporns fort. Das Nebelhorn, Die heilige Harfe und Das Geheimnis des König Artus führen Roland in die Welt der Wikinger, der Iren und an den Hof des legendären König Artus.
Hexerei ist im Spiel. Oder vielleicht auch eine Art Hypnose. Roland gerät in eine Intrige und gleichzeitig an eine ganz besondere Gegnerin. Die von Craenhals entworfene Geschichte ist gleich von Beginn an spannend. Der rätselhafte Fund erinnert an neuere Geschichten um mysteriös an den Strand geworfene Verletzte. Dieser hier hat jedoch ein intaktes Gedächtnis. Doch er wurde konditioniert und ist zeitweise nicht Herr seiner Handlungen. Rolands Gegnerin ist eine Priesterin, machtvoll, von ihrem Volk respektiert und dezent hervorgehoben, indem eine Gesichtshälfte vollkommen schwarz gezeichnet ist. Craenhals lässt seinen Helden hier von einer Messerschneide auf die nächste tanzen.
War ein Nebelhorn der Auslöser des ersten Abenteuers, ist ein scheinbar harmloser Gegenstand wie eine Harfe im zweiten Abenteuer der Stein des Anstoßes. Und war es das Aufbegehren eines Einzelnen gegen das Schicksal, ist es nun der Wille zur Freiheit, der die Iren gegen ihre Besatzer, die Wikinger, zu Felde ziehen lässt. Dieses Abenteuer ist nicht weniger spannend, allerdings etwas dichter, mit echter wirkenden und auch sympathischeren Charakteren. Craenhals lässt sich sogar einen leicht mythologischen Kampf entspinnen, der auch optisch seinen Reiz hat.
König Artus! Mehr muss man nicht sagen. Diese fabelhafte Königsgestalt, ihre Sage, die Tafelrunde bieten reichlich Material zur Handlungsgrundlage. Craenhals hingegen weicht von der gängigen Darstellung ab. Plötzlich ist Artus unnachgiebig, sogar nachtragend und sogar ein wenig intrigant. Warum er sich so verhält, liegt in seinem Geheimnis begründet, das Craenhals weitaus verschachtelter als in den vorherigen Abenteuern langsam lüftet.
Die verschieden aufgebauten und abwechslungsreichen Abenteuer wissen durch eine versierte grafische Umsetzung zu überzeugen, die nach all den Jahren immer noch sehr gut ist. Francois Craenhals verstand sich auf optisch ansprechende Aktionsszenen ebenso wie das Kammerspiel. Sicherlich war er auch inspiriert von bekannten Kinofilmen seiner Zeit (eine Annahme die durch die Informationen im Anhang gestützt wird). Manchmal ist die Inszenierung ein wenig theatralisch, aber das lässt die Umsetzung umso wärmer, liebevoller erscheinen als manche neuere Rittergeschichten, die zuweilen mechanisch kühl sind und moderne Verhaltensweisen auf alte Zeiten übertragen.
Herrlich abenteuerliche, auch romantische Unterhaltung mit ritterlichen Helden, Fieslingen auf der anderen Seite. Mit heldenhaften Kämpfen, Intrigen und wie bereits im ersten Sammelband einfach schön in Szene gesetzt. 🙂
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Dienstag, 07. September 2010
Das zerbrechliche Gefüge des Jenseits, des Fegefeuers, droht in einem Aufruhr der Toten zerstört zu werden. Die Anführer einer Vereinigung, die sich selbst den Namen Bruderschaft des Abgrunds gegeben haben, werden von der Obrigkeit gefangen gesetzt und sollen letztlich hingerichtet werden. Ein Akt, darüber scheinen sich die Beteiligten bewusst zu sein, der nur von relativ kurzer Dauer ist, da die Seelen einst wiederkehren werden.
Eine Welt der Illusionen, eine Endstation. Das Licht der Sterne durchbricht die Dunkelheit und schenkt nur wenig Licht. Autor und Zeichner Eric Liberge hat in den ersten beiden Bänden eine Welt jenseits des Todes kreiert, die einer Ansicht einer griechischen Unterwelt nahe, jedoch viel raumgreifender und weitaus bizarrer ist. Der Held der Geschichte, mittlerweile unter seinem neuen Namen Monsieur Mardi-Gras unterwegs, starb durch eine Lappalie und hat keinen sehnlicheren Wunsch, als wieder in die Welt der Lebenden zurückzukehren.
Eric Liberge hat eine hoch komplexe Geschichte geschaffen, die es allein schon durch die Wucht ihrer Bilder schafft, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Es ist eine Welt ohne optische Grenzen. Ob Monsieur Mardi-Gras sein früheres Ich riesenhaft zwischen den Sternen erkennt oder ob einzig für ihn gigantische Grabmäler vor dem Hintergrund des Weltalls erscheinen, immer ist der Anblick faszinierend und bannend. Auf einer ganzen Seite betritt der Leser zusammen mit Mardi-Gras das Tor zum Kreis des Hochmuts. Selten war das Totenreich derart schaurig schön.
Mit sehr fein gezeichneten Linien, die in den Bildern, gerade bei der Darstellung der Skelette, beinahe zu zerbrechen drohen, baut Liberge seine Grafiken vordergründig auf. Demgegenüber stehen die fetten, schwarzen Flächen des Weltalls, durchsetzt von haarfeinen Trümmern oder die Ruinen, in denen Victor Tourterelle (der Name, den Monsieur Mardi-Gras in der Welt der Lebenden inne hatte) herumirrt, verfolgt für seine Vermessenheiten und seine Eitelkeiten. Dann explodiert regelrecht die Hölle.
Es ist keine Hölle, wie der Leser sie aus anderen Darstellungen gewöhnt sein mag. Sie ist nicht rot und heiß. Sie ist düster, grau, bräunlich, grünlich verdorben, in kaltes Blau gehüllt. Sie sieht eingeäschert aus, trostlos, leer, hohl. Eric Liberge ist ein trefflicher Blick auf das Ende von allem gelungen. Hier wächst nichts, keine Hoffnung, nicht einmal Leid. Es ist einfach nur öde Leere, angefüllt mit Trugbildern, die schattenhaft aufplatzen, angreifen und verpuffen. Ebenso wie es die Hauptfigur immer wieder trifft und abstraft, schafft es auch Liberge magische Bilder entstehen zu lassen, die diese wahnsinnigen Momente perfekt vermitteln.
Nichts für jedermann: Die Geschichte, die unter Knochen handelt, ist Tragödie, Drama, Niedergang einer Welt und eines Einzelnen. Die unterschwellige Frage, ob da sonst gar nichts mehr ist, wird furchtbar und ebenso bar aller Hoffnung beantwortet. Weiterhin ungewöhnlich im Comic-Genre, aber auch ungewöhnlich gut. 🙂
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Montag, 06. September 2010
Während draußen die Gläubigen jedweder Religion in heller Aufregung sind, die Presse verzweifelt versucht einen Blick auf das Geschehen im Inneren der riesigen Kathedrale zu werfen, tobt drinnen ein Kampf, den die Welt noch nie gesehen hat. Selbst Yiu, die sich überreden ließ, ein kleines Team anzuführen, müsste sich an dieser Stelle eingestehen, dass Hilfe Not tut. Allerdings schrumpft dieses Team auch bedenklich und mit ihm die Hoffnung auf einen Sieg. Yiu gibt alles. Für jemanden, der als einer der besten Killer in dieser ohnehin verflucht gewalttätigen Gesellschaft gilt, ist das eine verdammt große Menge an Können, Schweiß und Blut. Und alles nur aus einem Grund, der aufrichtiger nicht sein könnte. Yiu riskiert ihr Leben einzig, um ihren kleinen Bruder Ji-A zu retten.
Plötzlich bluten die Herzen. Und nicht nur das. Doch nach vielen Kämpfen, manche würde es Gemetzel nennen, sind diese, vergleichsweise kleinen Wunden, die in aller Stille anrühren. Das Autorentrio Tehy, Guenet (gleichzeitig als Zeichner hier vertreten) und J.M. Vee lassen nach einem fulminanten Kampf etwas Ruhe einkehren. Es gibt kaum einen optischen Vergleich, für diese Auseinandersetzung, die von den drei Machern hier aufgefahren wird. Ein Wesen, ein Anti-Gott, der Kraft seiner Stimme, Gegner in Flammen aufgehen lassen kann, stellt für ihre Heldin Yiu eine immense Herausforderung dar. Nach allem, was Yiu bereits erledigt hat (im wahrsten Sinne des Wortes), gerät die zerbrechlich wirkende Frau an ihre Grenzen.
Obwohl die Welt um Yiu herum, diese moderne Apokalypse, vielschichtig angelegt ist und ungeheuer viele Details die Darstellung bereichern, steht nicht die Science Fiction im Vordergrund. Yiu ist ein Sci-Fi-Fantasy-Kracher. Jedes einzelne Bild von Guenet belegt diese Aussage. Wenn er in bester Schwermetall-Manier Massenszenen über die Seite ausbreitet oder in Breitwandoptik seitenübergreifend malt, dann liegt dem Leser hier echtes Action-Kino im Albenformat vor.
Ein milchig, mit deutlich sichtbarem Pinselstrich geschaffener Farbauftrag taucht die Bilder in ein zumeist feuriges Licht. Überall schießt und brennt es. Es explodiert, platzt, stürzt ab, geht in Flammen auf. Das darf man nicht ernst nehmen. Entsprechend wirkt die Figur des antichristlichen Wesens, so hoch wie ein Einfamilienhaus und unkaputtbar, alptraumhaft, unrealistisch, fast schon wie eine Kreation von Clive Barker, der eine besonders abscheuliche Gestalt für sein Hellraiser-Universum schaffen wollte.
Die gesamte Konstellation, die Erzählung wie auch die Grafiken, ist eigentlich eine derartige Überspitzung, so dass sämtliche Erscheinungen in Sachen Horror und Science Fiction hier über den Leisten gezogen werden. Wenn zig religiöse Gemeinschaften auf einem riesigen Schlachtfeld in den Kampf der letzten Tage ziehen, wenn der Anti-Gott sich immer wieder regeneriert, machtvoll ist und trotzdem den Hass von Yiu lernen will, dann schwelgen Tehy, Guenet und Vee geradezu in einem Bombastepos, dessen erzählerische Grenzen nach oben offen sind. Alles ist möglich.
Wer auf knallharte Action steht, sollte einen Blick in diese Achterbahnfahrt werfen. Selten musste ein Action-Held derart viel aushalten, selten wurde ein Konzept so strikt durchgezogen. Würde der Text einen nicht zum Lesen zwingen, würde sich die Umblättergeschwindigkeit von Seite zu Seite erhöhen. Action-Kino im Albenformat! Aber nichts für schwache Nerven. 🙂
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Freitag, 03. September 2010
Ein Heulen ist in finsterer Nacht zu hören. Der kleine Junge, Bertrand Russell, liegt in seinem Bett und hört die unheimliche Laute mit Schaudern. Gerne würde er ergründen, was es damit auf sich hat. Ein Geheimnis scheint mit diesen Tönen einher zu gehen. Mehr noch. Ein Geheimnis liegt auch auf seiner Familie. Das Wissen um das Schicksal seiner Eltern wird ihm verwehrt. Auf eigene Faust macht sich Russell auf die Suche nach der Antwort. Dieser Antrieb, die Suche nach etwas, wird ihm Zeit seines Lebens begleiten, manchmal auch verfolgen. Nicht immer zum Guten, nicht immer ohne Widerstand und schon gar nicht auf leichten Füßen. Und nicht ohne Fehler zu machen, in der Mathematik wie im Leben.
Mathematik und Logik sind schwierige Felder, höchst komplex, kompliziert. Für die meisten Menschen sind es böhmische Dörfer oder aber nur interessant, wenn sich dadurch ein konkretes Anwendungsgebiet erschließt. Stellt sich die Frage: Wer sind die relativ wenigen Menschen, die sich mit Leidenschaft dafür interessieren, auf dem Gebiet der Mathematik forschen und ihr Leben dieser Wissenschaft widmen. Und im Zusammenhang mit Bertrand Russell, der im Mittelpunkt der Erzählung steht: Wie nah ist Philosophie am Leben des Menschen? Und: Braucht es dergleichen überhaupt?
Die Autoren Apostolos Doxiadis und Christos H. Papadimitriou haben den Mathematiker, Logiker und Philosophen Bertrand Russell als zentrale Figur gewählt. Im Rahmen einer Vorlesung, gehalten vor den Ereignissen im Jahre 1940, als die USA aktiv in den Zweiten Weltkrieg eingriffen, erzählt Russell über sein Leben und enthüllt Stück für Stück, welche Faszination für ihn Mathematik und Logik bedeuteten. Er berichtet vom Wahnsinn, der in der Suche nach Wahrheit zu finden ist. Mathematik erfordert Beweise, auch solche, die der menschliche Geist nicht sofort zu ergründen vermag, weshalb er lange gegen die sprichwörtlichen Windmühlen anrennt.
Was nützt ein Beweis, der auf etwas Unbewiesenem aufbaut?
Russell bezieht sich hier auf die Mathematik, aber er zeigt, dass diese Frage auf das Leben übertragbar ist. So ist der Schritt zur Logik nicht weit und von dort zur Philosophie noch viel kürzer. So wird es für Russell in der Tat Eine epische Suche nach Wahrheit. Die beiden Autoren zeigen ein interessantes wie auch spannendes Leben. Russell lebte allerdings kein fehlerfreies Leben. Auch wurde es ihm nicht allzu leicht gemacht. Sein hehres Ziel, zusammen mit seinem Freund, dem Mathematiker Alfred North Whitehead, der Mathematik einen soliden und beweisbaren Grundbau zu geben, wird nach 10 Jahren Arbeit erschüttert. Der Verlag ist nicht bereit das Werk auf eigene Kosten zu veröffentlichen.
Andere Ideen, die leicht und völlig unerwartet daher kommen, erschüttern auf einen Schlag die Bereiche Logik und Mengenlehre. Das Russell′sche Paradox, so Russell selber, so klein es sei, sei dasjenige Konstrukt, an das sich viele noch nach seinem Ableben erinnern werden, im Gegensatz zu anderen Schriftsätzen von ihm (derer es weitaus mehr gibt, als hier überhaupt Erwähnung finden). Russells Wertvorstellungen, auch im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen, zieht man die Mathematik heran, vermischen sich mit der echtenWelt. Er erlebt zwei Weltkriege. Letzterer wandelt seine pazifistischen Ansichten.
Vergleiche zur Realität, zur tatsächlichen Historie wie auch zu den Biographien der erwähnten Mathematiker, Logiker und Philosophen erübrigen sich. Sie haben existiert. Ob sie in dieser oder jener Situation tatsächlich so handelten, wie hier beschrieben, ist für die Erzählung und die diversen Aussagen der Geschichte nicht wichtig.
Ein interessantes Leben, eine leichtfüßige Sicht auf die Mathematik, die Logik und die Philosophie: Fragen und Antworten suchen als Lebenszweck. Niemals stehen bleiben, produktiv sein, vor allem: Eigene Gedanken und Selbstbewusstsein entwickeln. Das gesamte Team von Logicomix hat einen sehr schönen, mit 351 Seiten, inkl. Anhang, auch sehr umfangreichen Comic geschaffen, der in Ruhe gelesen werden will. Ein ungewöhnliches Projekt, ein Comic-Roman, der gleichzeitig einen geschichtlichen Abriss abseits von Russells Lebensweg zeigt. Sehr gut. 🙂
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Donnerstag, 02. September 2010
Die Zeit wird knapp. Nüchtern und ohne jegliche Sentimentalität betrachtet werden nur wenige diese Tauchfahrt überleben. Die Fragen, die sich stellen: Wer wird zu den Überlebenden gehören? Und wie lange kann man diese Auswahl vor dem Rest der Mannschaft verborgen halten? Diejenigen, die sich zur Zeit nicht an Bord des U-Bootes aufhalten, plagen ganz andere Schwierigkeiten. Ihr Aufenthaltsort ist dunkel, kalt und unheimlich. Nur langsam erschließt sich ihnen die Bedeutung des unterirdischen Gewölbes. Sauerstoff haben sie im Gegensatz zu ihren Mannschaftskameraden mehr als genug. Auch müssen sie sich keine Gedanken darüber machen, vom Wasserdruck zerquetscht zu werden. Zum Problem wird das Wesen, das sie in der Finsternis verfolgt. Unerbittlich und grausam.
Besser: Xavier Dorison nimmt den Leser mit auf einen Höllentrip, der den ersten Teil deutlich übertrifft und mit sehr intensiver Atmosphäre zu überzeugen weiß. Wir erinnern uns. Auf einer uralten Spur stößt ein U-Boot in naher Zukunft in ozeanische Tiefen vor, in denen eigentlich noch niemand vorher gewesen sein dürfte. Der Fund eines U-Boots aus dem Zweiten Weltkrieg belehrt die Besatzung der USS Nebraska nicht nur eines Besseren, sie müssen auch noch feststellen, dass sie die Spur tatsächlich zu einer Art Kultstätte geführt hat. Oder ist es noch mehr als das?
Das ist die zentrale Frage, die wechselhaft beantwortet werden kann. Was ist es wirklich? Was ist Halluzination, was ist echt? Neben der immer wieder für den Leser auftauchenden Frage, welcher Schauspieler wurde denn hier als Vorlage für einen Charakter genommen (es gibt wieder viel zu entdecken), ist die Antwort darauf sehr schwierig. Obwohl es manchmal sehr eindeutig scheint. Da Autor Xavier Dorison die Geschichte auf drei Folgen angelegt hat, kann man sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht sicher sein, ob der Fortgang des SciFi-Horror-Thrillers diese Vermutungen bestätigt oder nicht. Bisher war Dorison immer für Überraschungen gut.
Dunkelheit, die Enge des U-Boots, das Unheimliche der Tiefsee und die Größe der unterseeischen Tempelanlage bestimmen das Aussehen des zweiten Teils von Heiligtum mit dem Untertitel Der Weg in den Abgrund. Die engen Räume des U-Bootes lassen keine Weitschweifigkeit zu. So ist die Wirkung dort jene eines Kammerspiels. Christophe Bec, der Künstler, stellt dieser Enge eine auf den ersten Blick einfache, dafür aber umso wirkungsvollere Kulisse gegenüber. Größe war seit jeher ein Merkmal von Tempelanlagen, schließlich symbolisierten sie auch die Größe eines Gottes (oder Götzen). Geht es danach, wohnt in den abgebildeten Hallen und Gängen, hinter den gigantischen Durchgängen etwas verdammt Großes.
Christophe Bec muss hier mit starken Kontrasten arbeiten. Licht und Schatten sind hart voneinander getrennt. In den Räumen und Kulissen ist kein Platz für Graustufen. Der unheimliche Effekt, sattsam bekannt aus zahlreichen Gruselstreifen in Kino und auch TV, greift auch auf diesen Seiten dank ausgewählter Perspektiven und zum Teil sehr raumgreifender Bilder. Dem gegenüber stehen Großaufnahmen von Mimiken, die den Schrecken verdeutlichen. Die Auslöser solcher Schrecken, Gewalttaten, hält Bec recht klein. Diese Geschichte bezieht ihren Horror nicht aus Blut.
Nicht nur die Handlung des zweiten Teils ist besser, auch die Zeichnungen wirken sicherer. Kinderkrankheiten scheinen ausgemerzt. Selbst in kleinen, sehr zerbrechlich wirkenden Bildern gelingt es Christophe Bec verstärkt an der Vorlage zum jeweiligen Charakter zu bleiben. Weiterhin lässt er sich nicht lumpen und lässt neben Bruce Willis, LL Cool J und Scott Glenn auch Schauspieler wie Matt LeBlanc und Liev Schreiber auftreten.
Eine Spitzenfortsetzung. Die Kenntnis des ersten Teils ist Pflicht. Mit dieser zweiten Episode wächst sich Heiligtum zum einem Thriller-Erlebnis aus. Man darf auf den abschließenden dritten Teil sehr gespannt sein. 🙂
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Sonntag, 29. August 2010
Ein kleiner Ausflug mit dem Motorrad. Yoko hat zwar keine Schwierigkeiten, ihrem Freund Knut zu folgen, doch ist seine Maschine deutlich höher motorisiert. Er ist kein schlechter Fahrer, aber er ist auch nicht sehr vorausschauend. Auf der Spitze des Hügels sind Bienenkästen aufgestellt. Im nächsten Moment fliegen die Bienen, die Kästen und Knut auf seinem Motorrad gleich mit. Da die Warnung an die nachfolgende Yoko beinahe zu spät erfolgt, kann sie den Bienen so gerade noch ausweichen. Die beiden machen sich trotz stacheliger Gegenwehr daran, das Malheur zu beheben und geraten prompt in ein kleines Abenteuer.
Wie alles begann: In den ersten Kurzgeschichten um Yoko Tsuno, veröffentlicht im Album Unter Hochspannung, finden sich bereits viele Elemente der späteren Gesamtreihe, die einen hohen Reiz der Serie ausmachen. Technik, auch technische Spielereien (ein leichtes Bond-Flair), ein gewisses Maß an unheimlicher Atmosphäre und viel Herz. Die japanische Elektronikerin Yoko Tsuno wird entsprechend vorgestellt. Bereits in der Geschichte Überfall in Dolby-Stereo kommt Yoko einem Kriminalfall auf die Spur.
Aus heutiger Sicht ist diese Geschichte auch ein kleines Zeitdokument, präsentiert Autor und Zeichner Roger Leloup doch auch das Straßenbild jener Zeit und einen Stand der Technik der einen Meilenstein auf dem langen Weg bis zur heutigen technologischen Spitze aufzeigt. So sind die Versuche der deutschen und österreichischen Post, Briefe mit Raketen über die Alpen zu befördern, aus aktueller Sicht eine kuriose Idee.
Unheimlicher wird es mit dem Fall Die Schöne und das Ungeheuer, der die Begegnung mit einer Art technischem Yeti mitten in der Großstadt erzählt. Die gruselige Unterstimmung findet sich in vielen von Leloups Geschichten. Teils hat er sie sehr stark in bekannten Umgebungen eingesetzt (wie in Die Orgel des Teufels), teils entführte er den Leser mit ihnen auch ins Weltall. Maschinenwesen lautet der Titel dieses Sammelbandes, der neben Unter Hochspannung (Kurzgeschichten, die rein irdisch angesiedelt sind) auch die beiden Geschichten Die Stadt der Verbannten und Ethera aus dem Vinea-Erzählraum enthält. Letztere verwenden ebenfalls die perfekte Mixtur aus Rätseln, Abenteuer, sehr viel Technik und auch Gruselstimmung, die mit aufsässigen und lebensbedrohenden Maschinenwesen ganz von alleine entsteht.
Optisch darf der Leser hier einen direkten Vergleich zwischen dem Anfangsstadium einer Comic-Figur und seinem späteren Aussehen anstellen. In den frühen Auftritten ist Yoko mehr Mädchen als Frau, auch comichafter angelegt. In der späteren Ausarbeitung legt Roger Leloup seine Heldin weiblicher an. Der Wandel zeigt sich bereits in der Kurzgeschichte Der Trick mit den Bienen. Aber da es hier um Maschinen geht, muss auch diese Stärke Leloups hervorgehoben werden. Die Maschinenwesen, Roboter, sind teilweise niedlich, teilweise auch Furcht einflößend.
In den Wesenheiten wählt Leloup ein leichteres Aussehen als bei seinen übrigen Maschinen und Konstruktionen. Leloup liebt eindeutige Gestaltungen. Ungeordnete, sehr verschnörkelte Konstruktionen findet man bei Leloup nicht. Er ist ein Pragmatiker, sieht seine Raumschiffe, Weltraumstationen immer auch vom Standpunkt eines Benutzers. Ein ordentlicher Aufbau, Stromlinienformen ziehen sich konzeptionell durch seine Entwürfe für alles, das mit der außerirdischen Kultur Vinea zu tun hat. Die glatten und exakten Zeichnungen sorgen auch für eine gute Lesbarkeit, das Auge findet Ruhepunkte im Aufbau, der Genuss stellt sich für den Leser ganz von selbst ein. Anders gesagt: Leloup ist von der alten Schule, immer noch eine der besten, die es im Comic gibt.
Einmal Erde, zweimal Vinea hin und zurück: Wer Fan von Yoko Tsuno ist, kommt an diesen Geschichten nicht vorbei. Neulinge können durch die Vinea-Geschichten etwas verwirrt sein. Der Lesegenuss ist binnen kurzem auf jeden Fall gegeben, denn Roger Leloup hat einen Klassiker gestaltet, dessen Einfallsreichtum und Ausarbeitung zu den besten seines Genres gehört. 🙂
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Freitag, 27. August 2010
Talinn, Evrane und Lorky haben ein Problem. Wie alle Heranwachsenden sind sie mit manchen (oder auch vielen) Ansichten nicht einverstanden. Besonders, wenn es ihre Zukunft betrifft. Talinn möchte Knappe werden, doch daheim hält sein Vater ihn nicht für fähig, dieses auch zu leisten. Besser wäre es, er hülfe auf dem Hof, wie es sich für einen Bauernsohn gehört. Evrane mag sich weder mit ihrer Stellung als Mädchen noch als Bauerntochter anfreunden. Sie übt den Schwertkampf. Sie will dazu gehören, obwohl ihre Mutter sie in ihre Schranken weisen will. Und Lorky? Der kleine Lorky will einfach da sein, wo etwas los ist. Eine Weissagung erklärt ihm, dass er davon bald mehr haben wird, als ihm möglicherweise lieb ist.
Jean-Charles Gaudin, Fantasy-Freunden von Marlysa her bekannt, startet mit Angor eine Reihe, die ein sehr jugendliches Abenteuer erzählt und ein wenig an Klassiker wie Taran von Lloyd Alexander erinnert. Nur hat der Leser hier die Wahl, sich seinen persönlich sympathischsten Helden herauszusuchen. Charakterlich sind die Hauptfiguren verschieden genug. Talinn, in sich gekehrt, ehrgeizig und hilfsbereit. Evrane, behutsam, bedacht, kämpferisch, auch ein wenig mütterlich zu den anderen. Lorky, die Jungenrolle in der Geschichte, der Naseweis, manchmal zu schnell mit der falschen Aktion bei der Sache. Und alle haben das Herz am rechten Fleck.
Dimitri Armand kann nicht verleugnen einen leichten Hang zu Disney-Filmen zu besitzen, insbesondere solche, die mit menschlichen Figuren arbeiten. Wer Filme wie Atlantis oder Der Schatzplanet gesehen hat, wird die Ähnlichkeit schnell feststellen. Schlanke Staturen, schmale, relativ spitz zulaufende Gesichter mit vergleichsweise großen, ausdrucksstarken Augen. Durch feinere Ausarbeitung und Kolorierung, die für Volumen sorgt, entsteht eine recht realistische Zeichnung. Mit all diesen Fertigkeiten, auch den Fähigkeiten zur Abstraktion, wie die Brakyas, eine Monstergattung, beweisen, empfiehlt sich Armand auch, in die Fußstapfen des verstorbenen Carlos Meglia treten zu können. (Canari wurde wegen des Todes des Zeichners nicht mehr vollendet.)
Bis auf die Brakyas verzichtet die Welt von Angor (weitestgehend) zunächst auf andersartige Gestalten. Vieles wirkt mittelalterlich, aber auch wie ein sehr sauberes Mittelalter. Dimitri Armand zeichnet sauber, penibel, jede Form von Perspektive beherrschend. Einige Szenen sind besonders spannend gelungen, allein durch die Wahl der Kameraführung. Die Ausstattung macht einen tollen Eindruck. Von Angor möchte man mehr sehen und es sind auch solche Einblicke wie in einen normalen Haushalt, die der Welt eine besondere Dichte geben.
Da Effekte relativ selten sind, ziehen sie umso mehr Aufmerksamkeit auf sich. Wie bereits auf dem Titelbild ersichtlich ist, spielt ein leuchtender Gegenstand eine besondere Rolle. Daraus ergeben sich, gerade zum Schluss, ein paar interessante Einblicke. Ein neuer Freund ist hier ein Stichwort, dessen Gestaltung sehr gelungen ist.
Ein gefälliger und sehr schön gestalteter Auftakt. Die Rätsel sind sparsam gesät, so behält die weitere Entwicklung der Handlung größtmöglichen Spielraum. Alles ist möglich. Für Fantasy-Freunde, die mehr an Abenteuern als an Schlachten und Kämpfen interessiert sind, könnte die Geschichte einen Blick (oder mehr) wert sein. 🙂
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Mittwoch, 25. August 2010
Die drei Drachenritterinnen haben sich noch nie zuvor gesehen. Sie erwachen in diesem finsteren Raum und wissen nicht, wie sie hierher gekommen sind. Nachdem sie einander vorgestellt und sich von ihren Fesseln befreit haben, machen sie sich an die Lösung der dringlichsten Frage: Wie kommen wir hier wieder heraus? Das gestaltet sich jedoch sehr viel schwieriger, als die drei Frauen es sich vorgestellt haben. Sobald sie eine Tür aufgebrochen haben, wartet ein gewaltiges Höhlenlabyrinth auf sie. Im nächsten Augenblick, sie haben sich noch nicht von ihrer Überraschung erholt, strömt ihnen ein Rudel vom Übel befallener Monstren entgegen. Ab jetzt bleibt nur noch der Kampf.
Andernorts versucht ein Mann die Rätsel der Drachen zu ergründen. Damit hat er sich eine gefährliche Aufgabe gestellt, sind es doch einzig Jungfrauen, die nicht vom Übel in der Nähe von Drachen befallen werden und somit auch die einzigen sind, die in den Orden zu Rittern ausgebildet werden. Pater Hassan verwahrt ein Stück eines Zehs eines Drachen in seinem Laboratorium auf. Er beobachtet das langsame Wachstum des Übels rundherum. Seine Suche ist vom Geist eines Wissenschaftlers geleitet. Ein edles Motiv, aber nicht zur Gänze das einzige.
Auf den großen Kampf gegen einen Drachen müssen die Leser in dieser Episode verzichten. Die in sich abgeschlossenen Geschichten der einzelnen Bände aus der Reihe Die Legende der Drachenritter fügen sich wie Mosaiksteine zu einem großen Bild dieser Fantasy-Welt zusammen. Auf der einen Seite steht der einzelne Ritter oder auch eine Kampfgemeinschaft im leicht überschaubaren Gefecht gegen einen Drachen. Auf der anderen Seite existieren verschiedene politische Positionen innerhalb wie außerhalb der einzelnen Drachenorden. Hier geht es um Macht. Manche wollen die Orden entmachten. Einige wollen neutral bleiben. Wieder andere wollen die weltliche Macht brechen und die Orden an die Spitze einer neuen Ordnung setzen.
Das Autorenduo AnGe setzt sich mit dieser Reihe ein eigenes kleines Denkmal. Die Vielfalt der Reihe ist vorbildlich und zeigt jüngst einmal mehr, was alles aus einer Welt im Comic herauszuholen ist. Auch ist es ihrer Erzählkunst zu verdanken, dass stetig neue Charaktere etabliert werden können, die immer neue Facetten dieses Universums zeigen. Die Wirkung wird durch den steten Wechsel der Zeichner noch verstärkt.
Francisco Ruizge pflegt einen realistischen, aber auch reduzierten Zeichenstil. Mit klaren knappen Linien, die sich bereits aus dem Titelbild ersehen lassen, entstehen Bilder, in denen eindeutig die Charaktere im Vordergrund stehen und weniger die Kulissen. Diese beherrscht er zwar, allerdings haben AnGe der Weltenzeichnung in diesem Band keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. So fällt es Ruizge zu, die kämpfenden Frauen ebenso zu begleiten wie auch den Intrigenspielen an der Oberfläche. Das ist sehr gut gelungen und die Wirkung ähnelt einem Blick durch eine Kamera, die immer den besten Winkel sucht, um die Emotionen seiner Darsteller einzufangen.
Die von Stephane Paitreau und Eiko Takayama eingesetzten Farben, geben den Zeichnungen von Ruizge die nötige Fülle. Licht ist stets in ausreichendem Maße vorhanden, auf extreme Helldunkeleffekte wird verzichtet. Weitere Effekte wie Füllmuster zur Darstellung von Gesteinsoberflächen oder ähnlichem erfolgen sparsam, ohne abzulenken.
Vorzüglich: Einerseits als ernsthafte Fantasy-Geschichte mit sehr gut geschilderten Charakteren, andererseits einer der herausragenden Bände der Reihe (die meist überdurchschnittlich ist). Mit Francisco Ruizge wurde ein Zeichner für diese Episode gefunden, der seine Bilder mit schöner Einfachheit entwirft und ein Auge für klare Linien hat. Ein im besten Sinne feiner Albenstil. 🙂
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Dienstag, 24. August 2010
Die fünf Torpedobomber fliegen akkurat in Formation, als die ersten Schwierigkeiten auftauchen. Am Himmel sind merkwürdige blinkende Lichter zu sehen. Schon hat der Bomberverband die Orientierung verloren. Das nur wenig später aufsteigende Suchflugzeug empfängt noch eine Nachricht des Staffelkommandanten. Dieser warnt die Empfänger, ihnen nicht zu folgen, denn die sähen aus wie … Kaum reißt die Nachricht ab, als das Suchflugzeug auf des Rätsels Lösung stößt und selbst vom Himmel verschwindet. Aber nicht aus der Geschichte.
Heute. Eine Vielzahl von Flugzeugabstürzen rund um den Globus haben die gesamte Menschheit erschüttert. Nachrichtensendungen berichten, Experten haben sich an die Ursachenforschung gemacht. Eine Lösung für diese weltweit gleichzeitig auftretenden Katastrophen ist nicht in Sicht. Alle stellen nur Fragen, grübeln über Theorien, Antworten finden nur im Ausschlussverfahren statt. Derweil häufen sich weitere mysteriöse Ereignisse und lang gehütete Geheimnisse kommen ans Licht.
Christophe Bec hat eine interessante Verschwörungstheorie als Grundlage seiner Geschichte genutzt. Das Blue Beam Project ist ein mehrstufiger Plan zur Einung der Weltgemeinschaft unter eine einzige Glaubensrichtung. Verkürzt gesprochen. Mysteriöse Ereignisse und Naturkatastrophen werden als Vorboten gedeutet. Ein neuer Messias wird der Welt vorgestellt. Sendungen auf verschiedenen Wellenlängen sollen göttliche Botschaften vortäuschen und das Unterbewusste des Menschen erreichen. Schließlich werden Projektionen von außerirdischen Raumschiffen am Himmel dazu verwendet, um eine externe Bedrohung der Menschheit vorzuspiegeln.
Christophe Bec verwendet eine Verschwörungstheorie auf der Basis des 1996 verstorbenen Journalisten Serge Monast. Der Kanadier Monast entwickelte wohl in den frühen 90er Jahren Theorien über die Verschwörung zur Begründung einer neuen Weltordnung, herbeigeführt durch die NASA, National Aeronautics and Space Administration, und der UNO. (Mel Gibsons Charakter in Fletchers Visionen soll auf die reale Figur von Monast zurückgehen.) In der vorliegenden Ausgabe ereifert sich ein Schriftsteller namens Barnes in einem Fernsehinterview über das Blue Beam Project und stellt es ausführlich vor.
Bec arbeitet mit Versatzstücken, die scheinbar unzusammenhangslos erscheinen. Er nimmt nicht nur für seine Charaktere gerne reale Schauspieler als Vorlage, er verwendet auch reale Ereignisse und fügt sie passend in seine Geschichte ein. Es ist zweckmäßig, diese auch wiederzuerkennen. Im Auftakt stößt der an UFO-Mythologie interessierte Leser auf das Verschwinden einer Bomberstaffel im allseits bekannten Bermuda-Dreieck im Dezember 1945, zuzüglich des Verschwindens des später ausgeschickten Suchflugzeugs. Der berühmte Flug 19, fünf Flugzeuge des Typs TBF Avenger, inspirierte schon Steven Spielberg für seine Unheimlichen Begegnungen der Dritten Art.
Auf seine Art schafft Bec eine moderne Version einer Begegnung mit Aliens und die berühmte Frage, ob da sonst gar nichts mehr ist (außer uns), wird sogar eindrucksvoll beantwortet.
Optisch erwartet den Leser, wenn schon nicht ein Kino-Blockbuster, so doch wenigstens ein TV-Blockbuster im Stile von V. Christophe Bec lässt es sich nicht nehmen, selbst auf diesen SF-Klassiker aus den 80er Jahren hinzuweisen. Zitate finden sich auch mit der Wiederkehr der Titanic, der echten, wie auch mit einem feurigen Meteoritenhagel im Stile von Armageddon. Bec überlässt nichts dem Zufall. Er setzt auf klare Linien, was manchmal einen etwas hölzernen Eindruck in den Gesichtern der Akteure hinterlässt, in den sonstigen Darstellungen aber überhaupt nicht stört. Im Gegenteil entsteht hier ein stark dokumentarischer Eindruck. Farblich setzt Bec diese Linie fort. Die Bilder wirken, als habe Bec Fotografien in farblicher reduzierter Fassung in Comic-Bilder übersetzt.
Weiterhin sehr rätselhaft, aber immerhin wirft Christophe Bec dem Leser ein paar Lösungsansätze hin, während er aber noch selbst den aufmerksamsten Betrachter im Unklaren lässt, wie es nun ausgehen wird. Spannend. Die Kenntnis des ersten Teils ist ein Muss. 🙂
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Freitag, 20. August 2010
Huck Finn möchte seinen Bruder finden. Mehr ist ihm von seiner Familie nicht geblieben. Er und sein schwarzer Freund Charley Williams können sowieso nicht lange an einem Ort bleiben, denn Charley wird wegen Mordes an Huck gesucht. Doch das soll Charley nicht wissen. Um unterzutauchen, um sein altes Leben endgültig hinter sich zu lassen, hatte Huck eine einmalige Gelegenheit genutzt und seinen eigenen Tod inszeniert. Eine Leiche konnte nicht von der Polizei gefunden werden, aber die zahlreichen von der Polizei gefundenen Indizien sprechen für einen Mord. Da passt es sehr gut ins Konzept, dass ausgerechnet Hucks Verschwinden mit dem Verschwinden eines Schwarzen zusammenfällt, der ohnehin unbeliebt gewesen ist.
Huck und Charley leben das Leben der Hobos immer intensiver. Die Tramps, die auf der Eisenbahn reiten, teils aus der Notwendigkeit, einen Job finden zu wollen, teils als Flucht, teils, weil sie so sind und nichts anderes kennen wollen, werden zu Hucks und Charleys Begleitern. Die Reisen bergen Gefahren. Die Bremser, Bahnmitarbeiter, wollen sie verjagen, wenn nötig auch einfach vom Zug werfen. Andere Hobos können gefährlich sein. Aber in dieser Zeit, in der Jobs Mangelware sind und manche Menschen aberhunderte von Kilometern zurücklegen, nur um einem Gerücht über eine Anstellung hinterherzujagen, entsteht auch Enthusiasmus, eine Strömung, die Besseres verspricht.
Eines Tages glaubt Huck, eine Spur gefunden zu haben. Ein geheimnisvoller Snake könnte ein neuer Anführer sein, einer, der die Hobos zusammenführt, eine Einheit unter den Arbeitern herstellt. Und dieser Snake könnte sogar Hucks verschollener Bruder sein.
Zwei Katzen auf dem heißen Blechdach. Sie sind Katzen, Streuner. PhilippeThirault und sein Co-Autor Steve Cuzor, der hier auch als Zeichner arbeitet, schicken ihre Helden gleich zu Beginn, geradezu titelgebend auf eine alte herrschaftliche Plantage, die in ihrer Optik an das Anwesen aus dem berühmten Drama nach der Vorlage von Tennesse Williams erinnert. Allerdings gab es dort nur eine Katze namens Elisabeth Taylor. Thirault und Cuzor gönnen den beiden Freunden lediglich einen kurzen Ausflug. Der Schwerpunkt neben der Suche nach Hucks Bruder liegt auf den Wahnvorstellungen von Charley.
Seit dieser eine Gitarre eines Fremden übernahm, dieser ihn in Drogenrausch versetzte, erkennt Charley häufig und meist vollkommen unerwartet jene dämonische Gestalt namens Lucius wieder. Zu Hucks Leidwesen wird Charley dadurch unberechenbar. Thirault und Cuzor haben sich einiges einfallen lassen, um selbst den Leser im Unklaren zu lassen, ob Charleys Visionen und Fähigkeiten nun echt sind oder nicht.
Die beiden Erzähler berichten von einem harten Los. Steve Cuzor setzt dies in mitleidlosen Bildern um. Es gibt keine Unterschichtromantik, dafür aber Andeutungen. Der Schrecken darf im Kopf entstehen. Cuzor zeigt den Weg zum Drama. Größere Katastrophen werden mitunter gezeigt. Wenn ein Lokführer seine Maschine nicht wegen eines auf den Schienen liegenden Autowracks nicht drosselt, da er es den Hobos zeigen will und der gesamte Zug in einer regelrechten Weltuntergangsstimmung entgleist, ist die Szene sinnbildlich für die gesamte Handlung. Hier bremst niemand (na, kaum jemand) für den anderen.
Optisch darf sich der Leser auf eine glatte 1 freuen. Steve Cuzor zeichnet Bilder, die an einen Entwicklungsweg des jungen Jean Giraud (Blueberry) hin zum alten Moebius erinnern. Vergleichsweise kann auch ein Colin Wilson (ebenfalls Blueberry) genannt werden. Cuzor hat einen sicheren Strich, pinselartig aufgetragen, immer nur so dick wie nötig. Die Farben, per Computer aufgetragen von ihm und Meephe Versaevel, beschränken sich auf Grundstimmungen. Allzu viele Feinheiten finden sich hier nicht, so dass es eine Konzentration auf die feinen Zeichnungen von Cuzor gibt. Der Gesamteindruck ist optimal.
Tolle Fortsetzung: Das Leben auf der Wanderschaft wird eindrucksvoll von Philippe Thirault und Steve Cuzor forterzählt. Beide Figuren wachsen einem ans Herz. Eine stimmige und technisch feine Grafik machen dieses Abenteuer zu einem Erlebnis. 🙂
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