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Comic Blog


Mittwoch, 18. August 2010

Alim der Gerber 4

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:53

Alim der Gerber 4 - Dort, wo die Blicke glühenDer Sumpf scheint undurchdringlich. Nicht nur die Natur birgt Gefahren. Geheimnisvolle Angreifer scheuen sich nicht, den Anführer der Expeditionsgruppe, Khelob, anzugreifen. Mehr glücklich als geplant kann er überleben. Alim, der mit der Gruppe eher ungewollt unterwegs ist, aber keine andere Wahl hat, wird inmitten einem vom Meutereigedanken aufgewühlten Soldatentruppe, auch noch zum Heiler von Khelob. Dabei sähe er diesen, nach allem was geschehen ist, lieber tot als lebendig. Langsam nähern sich die Wanderer der Propheteninsel, wo sich ihrer aller Schicksal erfüllen soll.

Viel Zeit ist vergangen. Alim kann nicht mehr damit rechnen, seine Tochter jemals wiederzusehen. Allerdings weiß Autor Wilfrid Lupano, was er seinen Lesern schuldig ist, die er auf den Leidensweg von Alim führte. Aber Alims Schicksal ist es nicht alleine, das hier seine Auflösung erfährt. Auch Khelob, fanatischer Hohepriester, und Torq Djihid, sein loyaler und brutaler Heerführer, werden an das Ende ihres Weges gelangen. Wilfrid Lupano gelingt der Trick, zeitweilige Sympathie für diese bislang als Verbrecher und menschliche Monster dargestellten Männer herauszuarbeiten.

Jesameth und Blicke, die glühen. Alles dreht sich um den Gott, von dem viele Antworten erwarten. Wilfrid Lupano gibt sie ihnen. Es sind nur nicht die, die auch der Leser vielleicht nach der bisherigen Erzählung erwartet hat. Durch den Wechsel der Geschichte in den Dschungel und später auf die paradiesische und doch ungewöhnliche Insel entstehen viele neue Aspekte, die Lupano mit den bestehenden Ereignissen verknüpft. Damit ist auch schon ein Erfolgsgeheimnis des Vierteilers gelüftet: Die zwanglose Schilderung der Länder, ihrer Kulturen und Vegetationen, all das schafft einen dichten Teppich, auf dem sich die Handlung mit der Leichtigkeit eines Flipperballs bewegt. Jeder Anstoß befördert die Geschichte weiter und vor allem: Unvorhersehbar.

Virginie Augustin, die mit diesen vier Ausgaben ihr Serien-Debüt gibt, hat eine tolle Leistung vollbracht. In der optischen Tradition neuerer Werke des Studio Ghibli ist eine grafisch pralle Geschichte entstanden. Virginie Augustin hatte mit unterschiedlichen Herausforderungen umzugehen. Besonders herrlich sind ihre Darstellungen der Städte gelungen. Kostüme wandeln vor diesen Kulissen. Viele verschiedene Gesichtausdrücke machen aus den Figuren Schauspieler. Augustins Technik ist es zu verdanken, dass aus den Ereignissen um Alim und seine Tochter Bul mitreißende Comic-Schicksale werden.

Ähnlich wie bei einer Prinzessin Mononoke (einem Film aus dem Studio Ghibli) täuscht der grafische Stil zunächst. Manch einer der älteren Generation mag die Zeichnungen mehr in Richtung ebenfalls älterer Zeichentrickserien rücken. Letztlich kommt Alim der Gerber aber stellenweise auch mit einer optischen Härte daher, wie SciFi-Fans von Akira her kennen. Die scheinbare Einfachheit mancher Strichführung macht Augustin durch die eigene, sehr natürlich wirkende Farbgebung wieder wett. Manchmal weiß ein ausführender Künstler am besten, wie seine Bilder koloriert aussehen sollen.

Eine schöne Zuspitzung der Ereignisse, die noch allerhand Überraschungen und Wendungen bereithält. Wilfrid Lupano weiß seine Leser mit traurigen Geschehnissen zu schocken. Virginie Augustin lässt diese Fantasy-Welt durch ihre feinen Bilder zum Leben erwachen. In seiner Gesamtheit eine tolle Abenteuergeschichte. 🙂

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Sonntag, 15. August 2010

Luc Orient – Planet der Angst

Filed under: SciFi — Michael um 20:08

Luc Orient - Planet der AngstDer Planet Terango: Noch immer sind Luc Orient und seine Freunde auf dem fremden Planeten. Nachdem sie den Einheimischen im Kampf gegen den Tyrannen Sectan geholfen haben, sind sie nun auf der Suche nach weiteren Verbündeten in der weiten Wildnis des urwüchsigen Planeten. An der Seite seines außerirdischen Freundes Galax-Ahj erkundet Orient die Buchten eines größeren Gewässers, als ein Unfall die Freunde zum Halten zwingt. Kurz darauf finden einen weiteren auf dem Planeten ansässigen Stamm, allerdings werden sie zunächst alles andere als freundlich begrüßt. Die Drachenmenschen legen sie herein. So hatte sich Luc Orient eine Kontaktaufnahme nicht vorgestellt. Wenig später findet er sich nicht nur in einem Befreiungskampf wieder. Für seine Freunde und ihn geht es um Leben oder Tod.

Greg und Eddy Paape schufen in der zweiten Hälfte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts einen Helden, der so ganz in die Erzähltradition jener Zeit passte. Das Universum war irgendwie hipp, bunt, ein wenig fifty-futuristisch. Vieles wirkte wie die Auswüchse von Barbarella. Es ist auch abseits anderer bekannter SF-Epen wie Storm, Trigan oder phantastischer Geschichten aus der Reihe Yoko Tsuno. Es wirkt kitschiger, ohne diese Beschreibung nun negativ zu verstehen. Vergleichweise könnte die SF-Serie Dani Futuro herangezogen werden, die wie Luc Orient im französischen Magazin Tintin erschien.

Die 60er und die 70er Jahre brachten gerade im Phantastik-Bereich eine Quietischi-Klicki-Bunti-Utopie unter die Leser, Ausläufer einer Zeitperiode, als die Fahrzeuge noch besonders bauchig und später mit Heckflossen ausgestattet waren. Es war die Zeit, als ein schöneres Wohnen mit Elementen von kugeligem und knallbuntem Plastik in Verbindung gebracht wurde. In dieser Atmosphäre entstanden diese Science-Fiction-Geschichten, deren Optik heutzutage manchmal belustigt, die dank Autoren wie Greg ebenso spannend waren wie aktuell erzählte Geschichten.

Luc Orient ließ, sofern er sich auf fernen Gestaden bewegte, natürlich optische Freiheiten, die ein versierter Zeichner wie Eddy Paape zu nutzen wusste. Fremdartige Vegetation und unheimliche Tiere, rauchende Landschaften waren eine perfekte Kulisse, um jugendliche Leser in andere Welten zu entführen. Kleidung, Erscheinungsformen intelligenter Wesen, seltsam einfach anmutende, aber enorm zerstörerische Waffen und grimmige Endgegner legten schon vor Jahrzehnten die Grundlage für Konzepte, die sich immer noch in allen Bereichen von Comic, Film, Unterhaltungsroman oder auch Computerspielen finden.

Keine Schwarzweißmalerei: Durch seinen Einsatz erwirbt sich Luc Orient das Vertrauen der Drachenmenschen. Auf Angriffslust folgt Freundschaft, nicht generell durch das gesamte Volk, aber immerhin: Das Böse gibt es nicht. Eddy Paape schafft eine Kreuzung zwischen Mensch und Gorilla. Auf der grauen Haut der muskulösen Wesen prangt ein bunter Drachenkamm von der Schädeldecke hinunter zum Nacken. Demgegenüber stehen geflügelte Kreaturen, ebenfalls intelligent, das Volk der Berge, das viel schlanker und andersfarbig daherkommt. Nimmt man die Menschen und ihre Freunde des Planeten Terango hinzu entsteht so ein vielfältiges Gemisch, mit dem Paape besonders in Action-Szenen sehr gut zu spielen vermag.

Klassische Abenteuer: Unterhaltung pur, sorgfältig erzählt, technisch versiert, Tiefgang wird hier nicht benötigt. Ein knalliges und völlig rundes Space Opera Abenteuer, mit allem was das Leserherz begehrt. Auch seit seinem ersten Auftritt 1967 gehört Luc Orient immer noch in die erste Liga der Comic-Reihen. 🙂

Zack Album 16, Luc Orient, Planet der Angst

Freitag, 13. August 2010

Jeff Jordan Gesamtausgabe 3

Filed under: Cartoon — Michael um 19:18

Jeff Jordan Gesamtausgabe 3Jeff Jordan wähnte sich auf der sicheren Seite, als er die Reise nach Gomen antrat, einem kleinen Emirat am Persischen Golf. Er hatte nicht mit derartigen Problemen gerechnet. Denn kurz nach seiner Ankunft wird er auf unsanfte Weise entführt und eingesperrt. Doch Jordan hat nicht nur den nötigen Schneid, er hat auch einen Unimog, mit dem er sich durch ein verschlossenes Tor selber Auslass verschafft. Leider ist er völlig auf sich allein gestellt, in einem fernen und unbekannten Land. Augenblick! Auf sich allein gestellt? Nicht so ganz, da zwei viel bekanntere Freunde Jordans bereits zur Rettung nahen.

Maurice Tillieux dürfte einer der wenigen Comic-Zeichner weltweit sein, die wegen ihrer Arbeit ins Innenministerium einbestellt wurden. Nun, spezifizieren wir es noch auch die westliche Welt. Dennoch ist dieser Vorfall sicherlich ein Kuriosum in der Karriere von Tillieux, der diesen Besuch sogar zusammen mit seinem Kollegen Morris (Lucky Luke) absolvierte. In der vorliegenden Gesamtausgabe, die im Vorfeld viele interessante Details aus dem Wirken von Maurice Tillieux vorstellt, vereinen sich außerdem die vier Alben Geheimauftrag für Jeff Jordan, Anschlag im Reisfeld, Heiße Jagd nach kalten Pelzen und Eine explosive Erfindung.

Das französische Kino hat nicht wenige Klassiker geschaffen. Ein Film davon ist Lohn der Angst mit Yves Montand, eine Geschichte über einen schier unmöglichen Transport von Nitroglyzerin. Nicht selten haben sich Comic-Autoren filmischer Vorlagen bedient. Maurice Tillieux griff die Grundidee, einen Lastwagen über eine gefährliche Gebirgsstraße zu schicken, in Anschlag im Reisfeld wieder auf.

Es sieht funny aus, ist aber auf jeder Seite spannungsgeladen. Zwar gibt es die Trottel, die immer wieder versuchen, die allseits beliebten Helden Jeff Jordan, Teddy und Inspektor Stiesel aufzuhalten (auch mit dem nötigen Ernst) und trotzdem scheitern. Die Schwierigkeiten, die sie dem Trio bescheren, sind allerdings immens. Nicht weniger spannend, dafür weitaus lustiger (oder besser: gewohnt lustig) sind die anderen Geschichten in diesem Band. Als Comic-Fan meint man sogar eine kleine Hommage zu entdecken. Die Abenteuer um eine gigantische Forschungsanlage wie auch um geheimnisvolle Explosionen in einem Garten könnten auch einem Roger Leloup (Yoko Tsuno) eingefallen sein.

Während ein Geheimauftrag für Jeff Jordan den arabischen Diktator tölpelhaft aussehen lässt, sind es die französischen Gangster nicht minder, dafür lassen sie sich bei ihrem Mordgeschäft aber viel ausgeklügeltere Methoden einfallen. Nun ist ein Teddy, der Kamerad von Jeff Jordan manchmal nicht weniger tölpelhaft (das liegt auch in seiner Funktion begründet, wenn ihm Stiesel diesen Part nicht abnimmt), dafür ist er jedoch ausaußerdentlich sympathisch. Hier darf er mit einer Idee brillieren, die ihresgleichen sucht. Maurice Tillieux nimmt in seiner Geschichte Der heiße Wind so ganz nebenbei Fahrzeugtuner auf die Schippe.

Teddy ersteht einen Oldtimer und lässt diesen mit einer Unmenge von PS ausstatten, die selbst den stärksten Asphaltboliden alt aussehen lassen. Der Gipfel ist jedoch sein Tandem-Auto, wenn man es so nennen mag, eine herrliche Konstruktion. Die Idee zur Handlung mit einem Auto holte Tillieux vermutlich aus Jupp Heister und Herr Jemine. In dieser Humorreihe trat Tillieux als Texter in Erscheinung, ließ es sich aber nicht nehmen, beinahe jede Seite auch vorzuzeichnen. Alte Comic-Hasen werden die Spaßattacken um einen alten Ford T auch unter dem Namen Marcus und Herr Müller kennen.

Geschichten auf Albenlänge, Kurzgeschichten, sogar illustrierte Erzählungen, die Bandbreite von Maurice Tillieux war groß. Dieser dritte Sammelband der Reihe Jeff Jordan zeugt von seinem erzählerischen Talent, in das er sich nicht hineinreden lassen wollte und immer wieder unter Beweis stellte, dass er damit richtig lag. Ein vorbildlicher Klassiker! 🙂

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Donnerstag, 12. August 2010

Prince of Persia – Vor dem Sandsturm

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:39

Prince of Persia - Vor dem SandsturmDie Halunkenbande, die hier vor dem Richter erscheinen muss, wirkt nicht so, als sei sie besonders vermögend. Schlimmer noch: Eigentlich dürften sie nicht im Besitz königlicher Gegenstände sein, dennoch behaupten sie (wenigstens in diesem Fall), keine Diebe zu sein. Ein jeder erzählt seine Geschichte. Scheich Amar, der scheinbar der Anführer der Gruppe ist, berichtet, wie er einstmals den berühmten Prinzen Dastan traf, lange bevor dieser ein Prinz war. Scheich Amar saß damals hinter Gittern, wegen einer kleinen harmlosen Geschichte. Das versteht sich von selbst. Und Prinz … nun, der einmal ein Prinz sein wird. Dieser fand sich in der Zelle wieder, weil er einer Prinzessin zu nahe getreten war. Weshalb auch sonst.

Bekommen die einen Schwierigkeiten wegen einer Frau, haben die anderen Probleme weil sie eine Frau sind. Dinarzad wird noch als junge Frau verkauft und in einen Harem gebracht. Aber seltsamerweise, bei aller Pracht und sehr guter Behandlung, lässt sich kein Mann blicken. Doch schneller, als ihr lieb ist, erfährt sie, was es mit dem seltsamen Harem auf sich hat. Für sie besteht zunächst keine Gefahr. Aber die Liebe lässt sie ein Wagnis eingehen und sehr bald steht ihr Leben auf dem Spiel.

Vor dem Sandsturm: Scheich Amar, in der Verfilmung des Computerspiels Prince of Persia von Alfred Molina gespielt, führt den Reigen der Geschichtenerzähler an, für die es hier um Kopf und Kragen geht. Jordan Mechner, an der Grundgeschichte des Films wie auch an den zugrunde liegenden Computerspielen beteiligt, ist der Autor der vorliegenden Geschichtensammlung und mit seinem beruflichen Hintergrund bestens geeignet, um diese Abenteuer mit Leben zu füllen.

Es sind spannende Abenteuer, schlitzohrige und traurige Erlebnisse. Einige besitzen viel Herz, andere erzählen von Kriegern. Wer den Film nicht gesehen, die Spiele nicht gespielt hat, wird den Geschichten trotzdem folgen können. Jedes einzelne Erlebnis (ich möchte es nicht unbedingt immer als Abenteuer bezeichnen) wird von einem anderen Zeichner gestaltet. Das Titelbild wurde eigens von Todd McFarlane (Spawn) gezeichnet. Sein Bild gehört zu jenen Darstellungen, die um mehr Realismus bemüht sind.

Eine besondere Variante dieser Bilder findet sich mit der Geschichte von Sharzad, die eine Episode aus dem Leben von Prinzessin Tamina und Asoka erzählt. Zeichner Tommy Lee Edwards fertigt seine Bilder dergestalt an, als seien sie von Fotografien abgemalt, genauer gesagt, durchgepaust worden. Eine ausgefeilte Kolorierungstechnik sorgt für einen sehr plastischen Eindruck und sicherlich für die lebendigste Geschichte des vorliegenden Bandes.

Exemplarisch für einen eher manga-orientierten Zeichenstil steht die erste Handlung um Scheich Amar. Bernard Chang stilisiert und arbeitet mit sehr sauberen und klaren Linien. Eine ebenso klare Farbgebung mit scharfen Abgrenzungen bildet eine Vorstufe zur Zeichentrickatmosphäre. Diese erreicht Cameron Stewart mit seinen Bildern über einen Lebensabschnitt von Roham, einem tapferen Krieger. Seine Bilder rücken in die Nähe eines Darwyn Cooke (The Spririt). Tom Fowler hat sich der Überleitungen zwischen den einzelnen Erzählungen angenommen. Der Strich ist etwas ruppig, auch fett, er karikiert ein wenig. Fowler versteht sich auf Gestalten, die sich gut voneinander abgrenzen und eigenen Charakter besitzen.

Ein gelungener Band zum Film, vorbildlich in seiner Ausführung, unterhaltsam und spannend. Jordan Mechner füllt mit seinen Kurzgeschichten einige Hintergründe und rückt Nebenfiguren mit leichter Hand in den Vordergrund. 🙂

Prince of Persia, Vor dem Sandsturm: Bei Amazon bestellen

Links:
cameronstewart.blogspot.com (Blog von Cameron Stewart)
www.sintitulocomic.com/2007/06/17/page-01/ (SIN TITULO, Online-Comic von Cameron Stewart)
bigbugillustration.blogspot.com (Blog von Tom Fowler)

Samstag, 07. August 2010

Kirihito 3

Filed under: Thriller — Michael um 14:28

Kirihito 3Dr. Urabe hat seine monströse Natur angenommen. Er wehrt sich nicht mehr gegen sie. Langsam höhlt sie ihn aus, treibt ihn dem Ende entgegen, denn er erkennt sich als das, was er ist. Einmal noch möchte er eine gute Tat vollbringen. Nicht, um etwas zu entschuldigen. Das kann er nicht. Kirihito ist in einer ähnlichen dunklen Verzweiflung. Im Gegensatz zu Dr. Urabe hat er sich zur Rache entschlossen. Mehr und mehr Fakten kommen an das Tageslicht. Mit den Enthüllungen wächst auch Kirihitos Entschluss seine Rachegedanken in die Tat umzusetzen, doch als es dann soweit ist …

Ein versöhnliches Ende, mit einem lachenden und einem weinenden Auge erzählt. Aber der dritte und abschließende Band kommt auch an dramatischen Wendungen und Ereignissen nicht vorbei. Kirihito Osanai, der Arzt, der von der Monmo-Krankheit befallen worden ist, hat nach einer sehr langen Odyssee endlich einen Rückzugsort gefunden. Immer noch haben die Menschen eine gewisse Grundfurcht vor ihm. Sein Äußeres, entstellt durch die Krankheit, an einen Hund erinnernd, lässt sie glauben, er werde sich vielleicht auch einmal so verhalten, wenn er in Wut gerät. Tatsächlich aber brauchen sie seine Fähigkeiten als Arzt, da sich sonst niemand um sie kümmert.

Osamu Tezuka, Autor und Zeichner dieses Dreiteilers, aufgrund seiner Verdienste und jahrzehntelangen Arbeit auf dem Gebiet des Manga und des japanischen Zeichentrickfilms als Manga-Gott verehrt, besticht diese Geschichte allein schon durch ihre Länge und den bis ins Kleinste durchdachten Handlungsbogen.

Was würden Ärzte für ihre Patienten wie auch für ihre Forschungen auf sich nehmen und verantworten? Osamu Tezuka gibt darauf keine einseitige Antwort. Allein aus dem Schicksal der Hauptfigur Kirihito entstehen eine Reihe von Ansätzen. Auch unterteilt Tezuka seine Antworten nicht in Schwarz oder Weiß. Über eine variantenreiche Grautönung entsteht ein realistisches Bild, aber kein tröstliches. Denn selbst jene, die helfen wollen und sich darum bemühen, geraten zu oft an ihre Grenzen oder verstricken sich in Entschuldigungen, um es gar nicht erst zu versuchen. Dahinter steckt keine böse Absicht, sondern ein eingefahrenes System. Tezuka, der 1989 starb, zeigt eine Gesellschaftsordnung, die aktueller denn je ist.

Mit rund 280 Seiten ist auch der dritte Band ein großes Lesevergnügen. Tezuka nimmt den Leser mit um die Welt und schafft dramatische Szenen, die von Einfallsreichtum und Einfühlungsvermögen in die eigenen Figuren zeugen. Kirihito findet Freunde und verliert sie wieder, teilweise durch sehr drastische Ereignisse. Der Tod seiner Freundin Lihua, mit der Kirihito bereits so viel durchgestanden hat, ist nur ein Beispiel für die wendungsreiche und häufig erschütternde Geschichte.

Die losen Enden der einzelnen Handlungsfäden münden langsam in das Finale. Langsam bedeutet, dass Tezuka seine Geschichte wirklich bis zur letzten Seite auskostet und einen ausführlichen Epilog kreiert, der wenigstens Hoffnung verspricht. Mehr darf der Leser nicht erwarten. Ein glorreiches Happy End wäre auch viel zu viel verlangt gewesen. Tezuka schickt seinen Helden um die Welt, dennoch erinnert es mit seinen vielfältigen Szenen an ein Kammerstück. Selten nur gibt es Außenaufnahmen, die Größe oder Weite vermitteln. Tezukas Welt ist eng und klein, denn es gibt auch kaum einen Ort, an den Kirihito fliehen könnte, um dort wirklich sicher zu sein.

Die Bilder schwanken zwischen höchst realistisch und eher kimba-niedlich. Dieser Gegensatz ist durchweg, vom ersten Band an, gewöhnungsbedürftig, ist aber gleichzeitig ein Gestaltungsmittel. Es gibt und nimmt Schärfe aus der Handlung. Manchmal entsteht der Eindruck einer gruseligen Gutenachtgeschichte, manchmal ist es ein beinharter Thriller und Verbrecherhatz. Die vielen Aspekte in Kirihito, gestalterisch wie auch erzählerisch, machen es unmöglich, die richtige oder die eine Schublade dafür zu finden bzw. es in ein Genre einzugrenzen.

Mitreißend, tiefgründig, manchmal unerträglich spannend, so präsentiert sich der dritte und letzte Teil über Kirihoto. Osamu Tezuka hat in dieser 1970 in Japan zuerst erschienenen Geschichte eine Handlung geschaffen, die angesichts vieler neuer Krankheitsgeißeln auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung immer noch wirkt und hoch aktuell ist. 🙂

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Donnerstag, 05. August 2010

Mouse Guard 2 – Winter 1152

Filed under: Abenteuer — Michael um 21:10

Mouse Guard 2 - Winter 1152Eine Schneedecke, die für Menschen eine geringfügige Erschwernis darstellt, kann für kleinere Wesen nicht nur bei der Fortbewegung eine Katastrophe bedeuten. Leider müssen die Mäuse nach draußen in die unwirtlich gewordene Landschaft. Die Umstände zwingen sie dazu. Gelingt es ihnen nicht, benachbarte Dörfer zu erreichen, geraten ihre Angehörigen in große Not. Schnee und Kälte sind aber nicht die einzigen Gefahren. Eulen und Fledermäuse behindern sie. Daheim lauert weiterhin der Verrat. Und was ist mit diesen Wieseln? Ist die Kolonie der Mäusefeinde tatsächlich verlassen?

Zurück in den Maus-Territorien. Zeichner und Autor David Petersen setzt die einmal begonnene, im Jahr 1152 handelnde Geschichte um die Mäuse der beschaulichen Siedlung Lockhaven fort. Mit dem ersten Band, Herbst 1152, griff Petersen eine alte Idee auf. Mäuse lebten unerkannt und unbeobachtet in einer eigenen kleinen Zivilisation. Die dramatischen Ereignisse um Kämpfe und Verrat des ersten Teils münden nahtlos in den zweiten Teil Winter 1152. Aus den Auseinandersetzungen zwischen den Mäusesiedlungen wird ein Kampf gegen die Natur, als Nahrung und Arzneien sich dem Ende zuneigen und andere Siedlungen um Hilfe gebeten werden müssen.

David Petersen hat eine Welt fern unserer modernen Zeit geschaffen. Mittelalterlich anzuschauen, aber auch sehr klein, kleiner noch als zwergenhaft. Es ist eine Welt der Geheimnisse, die der Leser zusammen mit den Hauptdarstellern, den Mäusen, zusammen entdeckt. An der Seite der Lehrlinge kann diese überaus gefahrvolle Welt erkundet werden. So gelangt der Leser an ungewöhnliche Orte, von denen er niemals vermutet hätte, dass sie existieren.

Ein untergegangenes Reich: Nicht jenes der Mäuse ist gemeint, vielmehr jenes der Wiesel. Es ist eine von vielen Orten, die einen in Spannung versetzen. Rollenspieler dürfte hier ein Kribbeln packen, ist dieses Abenteuer an manchen Stellen doch wie zum Mitmachen angelegt. Das Format des Buches, quadratisch, mag an ein Bilderbuch erinnern und wurde auch 2008 mit dem Eisner Award in der Kategorie Bester Comic für Kinder ausgezeichnet, doch der zweite Teil (wie eigentlich auch der erste Teil) wirkt zu erwachsen für Kinder. Sprechende Tiere machen keine Kinder-Literatur aus. Für ältere Leser, die auch den Charme der Figuren und der Erzählung erfassen können, die ein Faible für das Phantastische haben, dürfte Mouse Guard ein kleines Fest sein.

In meist zwei bis vier Bildern pro Seite darf einerseits der Wanderung der Wache durch die verschneite Landschaft, andererseits den Geschehnissen daheim in Lockhaven gefolgt werden. David Petersen bedient sich sehr feiner Striche. Die Mäuse sind kleine gedrungene Fellknäuel, sehr umrisshaft gezeichnet. Sie leben aus ihrem Handeln und ihren Worten heraus, viel weniger aus einer Mimik, die kaum vorhanden ist. Wie Bedrohung gänzlich ohne Worte funktionieren kann, zeigt die hervorragend inszenierten Begegnungen mit einer Eule und dem anschließenden Kampf im Schnee.

David Peterson zeichnet seine Figuren nicht derart ausführlich, wie es seine Kollegen in der anhängigen Bildergalerie machen. Dafür ist der Gesamteindruck, Integration der Charaktere in die Kulisse, Seitenaufteilung und vieles mehr, derart füllig, dass es filmisch, theatralisch wirkt. Nicht zuletzt sorgt eine plastische und realistische Farbgebung wie auch ein gelungenes Spiel aus Licht und Schatten für einen satten Eindruck, der das Auge förmlich einfängt. Daürber hinaus strahlen die Bilder Ruhe aus, selbst bei packenden Szenen. Peterson nimmt sich nicht nur die Zeit, seine Geschichte zu erzählen, er lässt seinem Leser auch die Zeit, diese ausführlich zu genießen.

(Wenngleich die Spannung manchmal so groß ist, dass man einfach schneller weiterblättern muss. Jedenfalls ging es mir so. Allerdings habe ich dann hinterher wieder vor vorne begonnen. Das ist auch eine Möglichkeit.)

Wunderbar! So lässt sich das Fazit in einem Wort zusammenfassen. Mit seiner Mäusewache ist David Peterson eine rundum gelungene grafische Erzählung gelungen, an der es nichts auszusetzen gibt. Wer Fantasy mag, die trotz ihrer mausischen Hauptdarsteller überaus spannend und höchst menschlich ist, sollte unbedingt einen Blick riskieren. 🙂

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Link: www.davidpetersen.net (Homepage von David Petersen)

Montag, 02. August 2010

Siegfried 2 – Die Walküre

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:15

Siegfried 2 - Die WalküreDie Dämmerung ließ sich nicht aufhalten. Odin wollte noch warten, aber die Zeit wurde zu lang. Die letzte Walküre kehrte nicht heim. Tief betroffen, von großen Befürchtungen durchdrungen, schickt Odin seine Raben in die Welt hinaus, mit dem Befehl, die Vermisste zu suchen und zu finden. Siegried weiß, noch ahnt er etwas von den Schwierigkeiten in den göttlichen Sphären. Er will die Menschenwelt finden. Seine Zeit an der Seite von Mime war lang, auch glücklich, nun gilt es aber weitere Menschen zu finden und an der Seite derer zu leben, zu denen er gehört.

Das Schicksal ist vorbestimmt. Die Walküre will den Lauf der Welt nicht verändern. Sie will Gewissheit. Einzig, sollte Siegfried versagen, wird sie eingreifen. Doch dafür braucht sie einen Einblick in die Zukunft, für den sie bereit ist teuer zu bezahlen. Sehr teuer. Derweil geht Siegfried seinen Weg, der voller Gefahren ist, der ihn kämpfen lässt, bis schließlich, durch einen Zufall, Wege kreuzen und er der Zauberin Völva begegnet. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Märchenhaftigkeit und außergewöhnlich schöne Bilder sorgen für einen vollkommen neuen Blick auf den Siegfried-Mythos. Autor und Zeichner Alex Alice hat etwas Zeit für die Fortsetzung seiner Siegfried-Geschichte gebraucht. Aber das Warten hat sich gelohnt. Es ist eine Geschichte um das Unvermeidliche geworden. Und es ist eine Geschichte, die gelesen werden will. Wenn nötig, mehrmals. Am besten mehrmals. Denn Alex Alice hat die Handlung verschachtelt. Visionen geben Vorausschauen über die Zukunft, während sie geschieht oder schon geschehen ist. Das klingt merkwürdig, funktioniert aber bestens.

Grafisch variiert Alex Alice zwischen höchst realistischen Bildern und Figuren wie auch Charaktere, die geradewegs aus einem Zeichentrickfilm für Kinder entsprungen sein können. Daraus entsteht einerseits die märchenhafte Seite der Bilder, andererseits verstärkt es die Traumatmosphäre der Handlung. Die Welt der Götter, der Riesen und der Menschen ist eine grandiose Kulisse, in der es keine Ansiedlungen gibt. Hier regiert die Natur mit überschwänglicher Kraft. Die Berge ragen schroff empor, düstere Sümpfe fangen das Tageslicht ein, Wasser gräbt sich seinen Weg durch die unendlich scheinende Landschaft.

Alex Alice lässt hierbei Ausblicke entstehen, die wundersam wirken, aber nicht unecht. Es sind Ausblicke, die ein Wanderer auf den Hochalmen der Alpen haben kann. Neben der Natur wirken die Götter und die göttlichen Wesen. Beeindruckend die (wenigen) Szenen, in denen Odin vor den Leser tritt. Noch beeindruckender ist das Zusammentreffen von Odin und seiner fehlgeleiteten Walküre. Alex Alice inszeniert hier wie auf einer Theaterbühne, leise, aber kraftvoll, anrührend.

Mime: Ohne die Figur des Nibelungen-Schmiedes wäre auch der zweite Teil der Saga um Siegfried nur halb so gut. Wo er im ersten Teil ein wenig störend wirkte, sorgt er hier, dass die Theatralik nicht ins unfreiwillig Komische abdriftet. Mime ist der komische Faktor, soll auch komisch sein, nicht die anderen. Mime ist eigentlich der Mensch in dieser Handlung. Wenn er sich beschwert, Nibelungen würden nicht auf Berge klettern, kann man als Leser nur bekräftigend nicken. Nur ein Held oder ein Wahnsinniger würde auf diesen Berg klettern (der eigentlich ein schlafender Riese ist). Und Siegfried ist ersteres, während Mime eher an letzteres glaubt.

Es ist die Geschichte einer Wanderung. Sie erzählt außerdem von Wundern, von Reifung und einer inneren Dramatik. Alex Alice zeigt den Entwicklungsprozess eines Helden in tollen, sehr aufwändig gestalteten Bildern. Ein sehr schönes Epos. 🙂

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Link: alexaliceblog.blogspot.com (Blog von Alex Alice mit vielen Beispielen seines Könnens. Man beachte das Bild von Sieglinde.)

Freitag, 30. Juli 2010

Der schreckliche Papst 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:17

Der schreckliche Papst 1 - Giuliano della RovereRom ist ein Sündenpfuhl. Wir schreiben den Beginn des 16. Jahrhunderts. Das römische Reich ist untergegangen, an seiner Stelle hat sich das Christentum erhoben und ausgebreitet. Im Vatikan werden Intrigen gesponnen, es wird geschachert und massakriert. Als im Jahres des Herrn 1503 Papst Alexander VI. stirbt, herrscht in Rom kurz darauf Ausnahmezustand. Die Stadt verfällt in einen Zustand ungezügelten Hurens und Saufens. Selbst Geistliche zeigen sich mit ihren Geliebten auf den Straßen. Alles ist erlaubt, bis die Morgenglocken läuten. Denn dann werden zehn Tage lang Trauer das Leben bestimmen. Wer in dieser Zeit über die Stränge schlägt, wird exkommuniziert. Die Römer mögen zügellos sein, auch gierig und maßlos, aber sie sind nicht vollends blöde.

Das Volk der Straße ist ein Amateur gegen die Kaste der Schacherer und Mörder im roten Kardinalsgewand. Der Autor, Alejandro Jodorowsky, ist für Geschichten bekannt, die eine härtere Gangart besitzen und kein Blatt vor den Mund nehmen. Mit seinen Meta-Baronen stellte er seine Fantasie im Bereich Science Fiction unter Beweis. Juan Solo entführte den Leser in die mitleidlose Welt eines Kriminellen, der am Ende zum heiligen Schweinehund wird.

Schweinehunde sind sie hier alle, heilig ist keiner von ihnen. Drastisch erzählt Jodorowsky vom Schrecklichen Papst. Giuliano della Rovere, einem Erzfeind der mächtigen Borgia-Familie, der durch seine unerbittlichen Ränkespiele, wie auch durch Mord auf den Thron Petri steigt. Der Papst, der in der wahren Historie der Begründer der berühmten Schweizer Garde war, ist ein wahrhaftiger Teufel auf Erden. Gefühle findet er allenfalls beim Sex mit seinem Geliebten oder anderen Gespielen. Andererseits, so niederträchtig dieser Charakter auch ist, so ist Giuliano della Rovere auch ein Kind seiner Zeit. Seine Feinde würden ähnlich handeln oder haben es bereits. Die Verwandten, die Giuliano della Rovere um sich schart, sind nur allzu schnell bereit, den Zielen des Papstes ebenso skrupellos zu folgen.

Theo lautet der Name des Zeichners, angesichts dieser tollen Leistung ein Name, den man sich merken muss. Seit zehn Jahren hat er sich auf historische Zeichnungen spezialisiert, ein Umstand, den man als Leser jeder Seite anmerkt. Nicht nur das alte Rom mit seinen Innenansichten und Außenfassaden ist sehenswert und atmosphärisch, auch die Gesichter, die wirken, als seien sie alten Gemälden und Skulpturen jener Zeit entsprungen, tragen zur Dichte der gesamten Handlung bei. Denn durch die von Jodorowsky entworfene Handlung stehen sich schöner Schein und charakterliche Bestialität direkt gegenüber.

Die Zeichnungen sind höchst realistisch, beschönigen nichts, lassen aber auch Raum für die Fantasie jedes einzelnen. Nicht alles muss gezeigt werden. Theo und Jodorowsky halten Grenzen ein. Sieht man einmal von Cesare Borgia ab, der durch eine Entstellung bereits als böse gekennzeichnet ist, so sind die sonstigen Charaktere von einer äußerlichen Neutralität. Ließ Jodorowsky seine Titelfigur Juan Solo noch mit einem Schwanz auf die Welt kommen, sind diese Gestalten im ersten Teil von Der schreckliche Papst geradewegs der Renaissance entsprungen, krankhaft schön, wie ein roter pausbackiger Apfel mit einem Wurm darin.

Großen Anteil am tollen Ergebnis der Bild hat sicherlich auch Sebastien Gerard. Ein milchiger Farbauftrag mildert die Tuschestriche ab. Helles römisches Licht reißt die dunklen Machenschaften der Akteure aus dem Verborgenen.

Jodorowsky erzählt von teuflischen Menschen im Herzen des Vatikans, von Gier, von Macht und Gewalt. Von Theo teuflisch gut in Szene gesetzt. Wegen Gewalt und Sex vielleicht nicht jedermanns Sache. Wer allerdings schon Werke von Jodorowsky gelesen hat, wird nicht erschrecken. 🙂

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Link: www.7heo.com (Auf Theos Homepage finden sich wunderbare Zeichnungen. Allein die Illustrationen zu den Titelbildern von Der tönerne Thron sind einen sorgfältigen Blick wert.)

Montag, 26. Juli 2010

Predators

Filed under: SciFi — Michael um 19:38

PredatorsEin Sturz durch die Baumkronen in einen fremden Dschungel ändert alles, selbst für Männer, die viele Schwierigkeiten gewöhnt sind. Obwohl Schwierigkeiten für Krieg arg untertrieben definiert sind. Drake hat viele Schwierigkeiten dieser Art erlebt. Doch das hier ist neu. In sehr kurzer Zeit muss Drake miterleben, wie die Männer um ihn herum von einem unbekannten Feind abgeschlachtet werden. Aber Drake gibt nicht auf. Und die Überraschung folgt auf dem Fuß. Es gibt nicht nur Jäger in diesem Dschungel. Noland, ein anderer Mensch, hat nicht nur bereits lange Zeit auf diesem fremden Planeten überlebt, ihm ist es auch gelungen, einen der Fremden zu töten.

Viel gebracht hat es ihm indes nicht. Immer noch muss er sich verborgen halten, denn wo dieser eine Feind herkam, von dort folgen ihm immer neue nach. Die beiden Männer, beide Soldaten zwar, sind sehr verschieden. Noland hat im Laufe der Jahre seine Erfahrungen gemacht. Der Sieg über den Feind ist zweitrangig, wenn das eigene Überleben nicht gesichert ist. Drake hingegen will sich nicht mit einer Opferrolle abfinden. Lieber will er sterben, als so dahinzuvegetieren wie Noland.

PREDATORS: Lange erwartet, nun endlich in den Kinos. Nach den Auftritten von Arnold Schwarzenegger und Danny Glover als Gegner des außerirdischen Jägers stürzen sich nun Lawrence Fishburne (Matrix) als Noland und Adrien Brody (Splice) als Royce in die Schlacht. Der vorliegende Comic-Band erzählt die Vorgeschichte dieser beiden Charaktere. Während Noland der ehemalige Soldat ist, verkörpert Royce den eiskalten und professionellen Killer.

Marc Andreyko erzählt Nolands Vorgeschichte und lässt ihn wie zufällig in die Handlung hineinspazieren. Am Beispiel von Drake, der Nebenfigur, erfährt der Leser binnen weniger Seiten, wie sich die Predatoren ihre Beute in ihr spezielles Jagdareal holen. Sie agieren nun nicht mehr wie in den ersten beiden Teilen (und den beiden AvP-Ablegern) auf der Erde, sondern dort, wo noch nie ein Mensch (oder fast keiner) vorher gewesen ist. Zeichner Guilherme Balbi stellt die Handlung in harten und kantigen Bildern dar. Seine Arbeit erinnert an einen Kollegen, Mel Rubi, der sich auch schon mit Aliens, Predatoren und auch Terminatoren beschäftigte.

Natürliche Auslese heißt es in der zweiten Episode dieses Bandes, der die Figur den Royce vorstellt. Zeichner Gabriel Guzman arbeitet feiner als sein Kollege Balbi und versucht auch optisch viel näher an Schauspieler Adrien Brody heranzukommen. Das gelingt ihm sehr häufig. Guzman kommt ebenfalls die Aufgabe zu, auf Predatoren verzichten zu müssen. Ähnlich wie einst Dutch ist Royce ein Söldner, aber auch ein Killer. Er wird bezahlt, um zu töten. Royce kennt kein Mitgefühl. Hier sterben Menschen am Fließband.

Blutig. Wie Autor Andreyko hat auch David Lapham die Aufgabe jemanden vorzustellen, der in höchstem Maße unsympathisch ist, eine Tötungsmaschine mehr nicht. Das ist kurzfristig interessant, was aus dieser Figur wird, will man eigentlich gar nicht wissen. Fast gönnt man es ihm, wenn es ihn erwischen würde. Lapham erzählt die Vorgeschichte zu dieser Figur konsequent bis zum Finale, von dem leider schon zu ahnen war, wie es sich abspielen wird.

Knallhart und brutal: Die Predatoren holen sich die schlimmsten Kämpfer und Killer als Beute von der Erde. In der zweiten Hälfte besonders gut gezeichnet, thematisch nur nicht jedermanns Sache. Für SciFi-Fans und Predatorenfreunde einen Blick wert. 🙂

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Link: Batman: Dead End (Immer noch eine kultige Kurzfilmbegegnung von Batman mit Aliens und Predatoren von Filmemacher Sandy Collora.)

Die Blueberry Chroniken 0 – Blueberry Spezial

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:49

Die Blueberry Chroniken 0 - Blueberry SpezialDie Kavallerie hat sich in Stellung gebracht. Längst überblicken die Soldaten das Versteck der Apachen, die sich ringsum einen Gefangenen versammelt haben. Reverend Younger, der Gefangene, hat mit seinem Leben abgeschlossen, als vollkommen unerwartet weitere Hilfe ins Spiel kommt. Blueberry erhofft sich durch die Gefangennahme des Häuptlings eine Pattsituation. Leider legt er sich ausgerechnet mit Geronimo an. Der Anführer der Chiricahuas hat zu viel mitgemacht, um sich durch einen hergelaufenen Taugenichts gefangen nehmen zu lassen. Gebannt verfolgen Indianer wie auch die Kavalleristen die ungewöhnliche Prügelei, die quer durch einen schmalen Fluss verläuft. Am Ende ist Geronimo der bessere Kämpfer.

Als in einem Album noch Platz übrig war, übernahm Jean-Michel Charlier die Aufgabe, diesen zu füllen. Auf mehreren Seiten stellte er den Werdegang und den Lebensweg von Mike S. Donovan, allseits bekannt als Blueberry zusammen. Diese Zusammenfassung ist hier, ergänzt durch interessantes Bildmaterial, vor Apachen nachzulesen. Es ist selten, dass eine Comic-Figur derart langlebig ist, dass sie derart viel erlebt und auch derartig in die reale Geschichte, hier des Wilden Westens, eingearbeitet worden ist.

Der vorliegende Sammelband greift mehrere Geschichten auf. Die längste unter ihnen, Apachen, ist auch als Einzelausgabe erschienen und nimmt innerhalb der gesamten Reihe eine Sonderstellung ein. Jean Giraud, der spätere Moebius, wandelt hier zwischen seinen Zeichenstilen. In jungen Jahren sehr versiert mit einem skizzenhaften Strich, in späteren Jahren sehr reduziert, dafür um ein mehrfaches exakter. Hier kommt beides zusammen und es entsteht ein Blueberry wie aus dem Lehrbuch für angehende Zeichner. Neben der Zusammenfassung der Geschichte konnte der Leser Teile der Handlung auch bereits im Zyklus um Mister Blueberry bewundern, genauer in den Episoden Geronimo, der Apache und Dust.

Das Gesamtwerk hat ein wenig vom Jugendstil, etwas Verschörkeltes, ein wenig verspielt, mit sehr gutem Blick gezeichnet, vor einer teilweise knallharten Geschichte um Blueberrys Begegnung mit Geronimo. Zwei große Kernbereiche tun sich auf: Die Befreiung des Reverends Younger aus der Hand der Apachen und die Befreiung junger Apachenkinder aus der Hand des Reverends. Während die Indianer sich schlicht rächen wollten, versucht der Reverend in einem ungewöhnlichen Waisenhausprojekt aus den für ihn Wilden zivilisierte Menschen zu machen. Wie zivilisiert der zivilisierte Mensch wirklich ist, wird von Jean Giraud eindrucksvoll und an verschiedenen Stellen gezeigt.

Farblich ist Apachen weit von den Anfängen der Reihe entfernt. Vorbei die Zeiten, als eine Szene oder ein Bild in einer Farbe daherkam oder ein Cowboy ganz in Rot vor einem blauen Hintergrund zu sehen war. Hier wird farblich ins Detail gegangen, sicherlich auch zurückhaltend, aber auch jeweils sehr kräftig. Insofern verstärkt sich der Eindruck eines Jugendstils. Girauds Frauendarstellungen könnten auch von Alfons Mucha stammen.

Apachen wird durch kleinere Geschichten und schlichte Begegnungen ergänzt, die für Comic-Fans nicht uninteressant sind. Blueberry trifft Buddy Longway (hierzulande in den 70ern durch YPS recht bekannt geworden), Red Dust (Comanche), MacCoy und Cartland. Gerade in der Begegnung mit letzteren wird deutlich, wie eindrucksvoll reine Schwarzweißzeichnungen sein können. Denn hier begegnen sich nicht nur die Figuren, sondern jeder maßgebliche Zeichner hat seine Figur in Szene gesetzt. Der Effekt ist beeindruckend. Letztlich ist dies natürlich eine Spielerei, ebenso wie die anderen kleinen Episoden (wie auch ein Schwarzweißfotoroman). Dem Fan mag es gut zur Ergänzung dienen.

Was noch fehlte: Die Spezial-Ausgabe der Blueberry-Chroniken trägt die letzten Teile der Reihe zusammen, die sich ansonsten schwer innerhalb der normalen Geschichten einordnen. Fans kommen hier auf ihre Kosten. 🙂

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Link: www.blueberry-lesite.com/blueberry.htm (Offizielle Homepage, schön gemacht.)