Mittwoch, 09. März 2011
Der neue Junge an der Schule, Gene Khan, ist nicht gerade ein Ausbund an Heiterkeit und Freundlichkeit. Seine Kleidung trägt er wie ein junger Bruce Lee, sein Gebaren ist aristokratisch, aber es gibt einen Grund für seine Anwesenheit. Tony Stark, der Junge, der erst vor kurzem seinen Vater verlor und außerdem jegliche Einflussmöglichkeit auf das Erbe seines Vaters, versucht unterdessen hinter die schmutzigen Geheimnisse des Nachfolgers an der Spitze des Stark-Konzerns zu kommen. Seine Ausrüstung, ein gepanzerter und mit Lasern bestückter Fluganzug, ist ihm dabei eine große Hilfe. Obwohl Tony anfangs noch seine Schwierigkeiten hat, das Gerät perfekt zu beherrschen. Viel Zeit zum Üben bleibt ihm jedoch nicht, denn wo ein Held auftaucht, sind die Schurken nicht mehr fern.
Was wäre gewesen, hätte Tony Stark seine IRON-MAN-Rüstung bereits als Teenager entwickelt und wäre die Handlung nicht so verlaufen, wie es der Marvel-Fan aus dem normalen und dem ultimativen Universum her kennt? Ähnlich wie es bei Spider-Man sowieso schon der Fall war, ist Tony Stark plötzlich auf sich gestellt. Sein Vater kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Fortan lebt er bei der Familie seines Freundes Rhodey und muss hilflos mit ansehen, wie Obadiah Stane die Firma seines Vaters über nimmt und frühere Ideale mit Füßen tritt.
Hilflos? Nein, nicht ganz. Tony Stark, das Wunderkind, das sich im normalen High School Unterricht gehörig langweilt, hat eine Rüstung entwickelt, die nicht nur ihresgleichen sucht, sondern auch von Stane zur Erweiterung der Produktpalette von Stark Industries gewollt wird. Freundlich ausgedrückt: Denn geht es nach Stane, dient der Anzug zur Entwicklung eines ultimativen Soldaten. Dreidimensional animiert, aber im Stile eines herkömmlichen Zeichentrickfilms gehalten, erinnert IRON MAN – Die Zukunft beginnt an Anime-Serien, indem er dort mit Kamerafahrten und Einstellungen seine Vorbilder zu finden scheint. Dieser IRON MAN richtet sich selbstverständlich an ein junges Publikum, denn von einem Playboy Tony Stark, wie aus den Comics und den beiden neueren Kinofilmen her bekannt, ist hier weit und breit nichts zu sehen.
Die Konzeption dieses Tony Stark ist stark an Peter Parker alias Spider-Man angelehnt, allerdings muss Tony sehr schnell lernen, dass er die Verantwortung nicht alleine tragen muss. Rhodey und Pepper werden zu treuen Begleitern und Helfern. Pepper nervt in dieser jugendlichen Form etwas, dafür ist ein Obadiah Stane, stimmlich von Jörg Hengstler interpretiert (lange Jahre als Stimme von Avery Brooks / Benjamin Sisko in der Serie Deep Space Nine zu hören), umso raubeiniger. Rhodey wird gesprochen von Wanja Gerik, der SF-Fan kennt ihn als Stimme von Anakin Skywalker / Hayden Christensen (SW Episode 2 und 3). Tonys deutsche Stimme, David Turba, ist dem Kinogänger durch die Synchronisation des Schauspielers Shia LaBeof her ein Begriff. Alle Sprecher hängen sich richtig rein, so dass die Figuren überaus lebendig wirken.
Die ersten fünf Folgen offenbaren sehr bald einen neue Feinde: Obadiah Stane ist letztlich nur ein Unternehmer mit krimineller Energie (konzeptionell ein kleiner Lex Luthor mit dem Aussehen von Professor X), aber Gegner wie der MANDARIN sind von einem ganz anderen Kaliber. Hier ist der Anime-Einfluss deutlich zu erkennen. Auch die kleineren Bösewichte wie Unicorn und Killer Shrike können optisch diesen Einfluss nicht verleugnen. Fans dürfen sich außerdem auf einen Auftritt von Whiplash freuen, der nicht weniger hartnäckig ist als seine Realfilmvariante (in Gestalt von Mickey Rourke). Dank dieser Gegner und einiger bombastischer Einfälle (im wahrsten Sinne des Wortes) fallen die Action-Szenen krachend rasant aus. Wer von den Comic-Seiten her einiges kennt, kommt hier auf seine Kosten.
Ein Neubeginn, jugendlich erzählt, altbekannte Charaktere in frischem Gewand. Optisch ansprechend, flott gefilmt, bunt, sympathisch, schön animiert. In diesem Stil, vielleicht etwas erwachsener erzählt, darf es mehr geben. 🙂
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Mystic Falls könnte wie jede amerikanische Kleinstadt sein, hätten nicht Vampire diese Ortschaft als Zuhause auserkoren. Elena und ihr Bruder, die ihre Eltern verloren haben und unter der Obhut ihrer Tante stehen, geraten mitten hinein in eine Auseinandersetzung, deren Wurzeln in ferner Vergangenheit liegen. Stefan und Damon Salvatore, so jugendlich wirkend, sind in Wahrheit Vampire, die mittels verhexter Ringe in der Lage sind, am Tage umherzustreifen. Stefan, der ein Auge auf Elena geworfen hat, besucht sogar die High School. Nachdem die beiden ein Paar geworden sind, Elena (gespielt von Nina Dobrev) sich langsam an die Tatsache gewöhnt, dass ihr Freund ein Vampir ist, ziehen dunkle Wolken auf. Denn die Vergangenheit will nicht ruhen.
Warum sieht Elena aus wie Katherine? Die Vampirin, die für ie Verwandlung der Salvatore-Brüder verantwortlich war, sieht Elena verblüffend ähnlich. Eine Lösung auf diese Frage deutet sich an, aber vieles bleibt im Dunkeln. Weder Stefan und Damon können zunächst die Fragen, die Elena verständlicherweise hat, beantworten. Damon hat sowieso kein Interesse an der Kopie. Obwohl eine derart lange Zeit vergangen ist, hat er nie aufgehört, Katherine zu lieben. Der Vampir, der ansonsten eiskalt ist und über Leichen geht, hat hier seine Schwachstelle. Er kennt nur ein Ziel: Katherine aus der Gruft zu befreien, in der sie seit einer gefühlten Ewigkeit gefangen ist.
Schnelligkeit, keine Verschnaufpausen zeichnen diese Vampirserie aus, die deutlich auf ein jüngeres, auch romantisch interessiertes Publikum ausgerichtet ist, aber den brutalen Aspekt, den ein Vampir nun einmal mit sich bringt, nicht verdrängt. Das Konzept der beiden Brüder, Stefan und Damon, funktioniert hier hervorragend. Stefan ist der Besonnene, beherrscht, um seine Menschlichkeit ringend, während Damon sein Vampirdasein angenommen hat und seine Macht auch liebt und auslebt.
Paul Wesley (trat schon als Bruder von Lex Luthor in der Serie Smallville in Erscheinung) spielt Stefan mit der gebotenen Zurückhaltung, sehr ernsthaft. Weitaus interessanter, weil viel vampirischer, ist die Rolle von Damon, gespielt von Ian Somerhalder. Somerhalder, der optisch ein realer Bruder von Rob Lowe (Brothers and Sisters) sein könnte, ist die perfekte Besetzung für den düsteren Sunnyboy, der zusehends an seiner Liebe zu Katherine zerbricht.
Die Serie nimmt sich bei Spezialeffekten ebenso wie bei Gewalt ziemlich zurück. Wenn die Vampire ihre Fähigkeiten zeigen, ist der Eindruck in Ordnung, aber der Schwerpunkt der Reihe liegt nicht auf kämpferischen Auseinandersetzungen, wie es noch eine Serie wie Blade tat. Das Geheimnisvolle, die Entwicklung der Figuren zueinander und ständig neue Rätsel, sind die treibenden Kräfte der Reihe. Drehbuchautor Kevin M. Williamson, maßgeblich am Zustandekommen der Serie nach den Romanen von Lisa Jane Smith beteiligt, hat bereits mit früheren Filmen wie Scream oder The Faculty bewiesen, dass er nicht nur eine Handlung rasant vorantreiben kann, sondern auch mit Themen, die im Umfeld von High School und College spielen, sehr gut umgehen kann und die Zielgruppe kennt.
Reizvoller wird die Serie noch durch weitere Zutaten. Vampire sind nicht die einzigen ungewöhnlichen Wesen auf der Welt. Vampirjäger sind hier nicht weit, auch Hexen haben ihren Platz gefunden. Neben den Beziehungen innerhalb der Serie ist das Hintergrundgeschehen sehr ausführlich ausgearbeitet und sorgt für immer neue Überraschungen. Mystic Falls wird so zum Übernatürlichkeitsmagneten, eine Konzeption, die Vampire Diaries mit parallel laufenden Serien und auch Vorläufern gemeinsam hat.
Durch großen Abwechslungsreichtum, eine comic-artige Erzählung ist die zweite Hälfte der ersten Staffel ein sehr kurzweiliges Vergnügen. Das Zusammenspiel der drei Hauptcharaktere Elena, Stefan und Damon ist stimmig. Die einzelnen Nebenfiguren, allen voran Alaric, der vermeintliche Geschichtslehrer, und Bonnie, die Hexe, sind geschickt eingewoben und werden von Folge zu Folge wichtiger. Spannend und gut. 🙂
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Montag, 07. März 2011
Rupert Everett hat es nicht in die Verfilmung von Dylan Dog geschafft. Der Schauspieler, der optisch die Figur des Privatdetektiven für übernatürliche Fälle inspirierte, ist inzwischen ein wenig zu alt dafür. Stattdessen hat sich Brandon Routh für die Rolle gefunden. Comic-Fans kennen den Schauspieler bereits aus seiner Rolle des Stählernen in Superman returns. Dylan Dog, hierzulande bekannt, auch gemocht, aber beileibe nicht mit dem gleichen Erfolg versehen, wie es in Italien der Fall ist, ist eine Horror-Grusel-Serie mit durchaus auch humorigen Einfällen. Ein treffendes Wort zur Beschreibung könnte skurril sein, einfallsreich und unheimlich passen auch. Dylan Dog mag ein wenig an Figuren wie John Constantine erinnern, ist aber noch unkonventioneller und wirkt weitaus smarter.
Die Runde der anonymen Untoten heißt den Neuen herzlich willkommen. Das Unnormale ist normal. Zombies, Werwölfe, die allseits beliebten Vampire, Dämonen, sie alle haben ihre eigene kleine Ecke in der Welt. Übertritt einer die Grenze und baut Mist, dann ist Dylan Dog zur Stelle. Sam Huntington, ebenfalls in Superman returns als Jimmy Olsen zu sehen, spielt den untoten Gehilfen von Dylan Dog. Als Vampir dürfen sich die Zuschauer auf Taye Diggs freuen. Diggs hat seine Erfahrung in Horrorfilmen (Haunted Hill), dürfte einer breiteren Zuschauerschaft, vor allem einer weiblichen, eher aus Private Practice her bekannt sein.
Der Trailer macht Spaß. Ganz offensichtlich liegt, betrachtet man den Film als Horrorvergnügen, der Schwerpunkt auf letzterem. Zur Erreichung von mehr Zuschauern ist mehr Spaß vonnöten. Immerhin bleibt die Romantik außen vor, trotz einer gut aussehenden Anita Briem, die in der Fernsehserie The Tudors und der Neuverfilmung (so ungefähr jedenfalls) von Die Reise zum Mittelpunkt der Erde dabei war.
Mit Tricks, Spezialeffekten und Masken wird nicht gegeizt, bleibt nur noch abzuwarten, ob der Geist der Comic-Reihe eingefangen worden ist und ob der Erfolg so ausfällt, dass es vielleicht eine Fortsetzung gibt. Zuallererst muss der Film aber erst einmal zu uns in die Kinos kommen, das ist auch keine Selbstverständlichkeit. 🙂
Link zum Trailer: Dylan Dog: Dead Of Night
Samstag, 05. März 2011
Die Männer stehen getreu zu ihrem Fürsten, nur untereinander entspinnt sich ein tödlicher Zwist. Wittich und Heime gehen voller Wut aufeinander los. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, wann einer der beiden fällt. Für Dietrich von Bern ist dies kein Option. Er wagt den gefährlichen Schritt und stellt sich zwischen die Streitenden. Sehr bald wird die Tiefe des Zwists sichtbar, denn Heime richtet eine ungeheuerliche Anklage an Wittich. Dietrich bleibt keine Wahl, er muss den Anschuldigungen nachgehen. Die Konsequenz trifft ihn, der tief im Herzen an absolute Ritterlichkeit glaubt, ins Mark. Am Ende trennt sich Dietrich von einem seiner Gefolgsleute, bitterlich gekränkt und enttäuscht.
Sagenhaft: Ein perfektes Wort für diesen zweiten Teil der Lebensgeschichte von Dietrich von Bern und seiner Mannen. Beschäftigen sich Peter Wiechmann (Autor) und Jose Rafael Mendez Mendez (Zeichner) zu Beginn mit einer rein ritterlichen Auseinandersetzung, wie sie in der Realität auch hätte stattfinden können, wird es in der Folge weitaus phantastischer. Die Begegnung mit der Fürstin Saba, mehr noch das Aufeinandertreffen mit dem Zwergenkönig Laurin strahlen eine sehr schöne erzählerische Kraft aus. Wie bereits aus dem ersten Teil gewohnt, gehen Erzählung und Illustrationen Hand in Hand, so dass eine klassisch anmutende und eine durchweg spannende Handlung entsteht.
Dietrich von Bern wird von Peter Wiechmann in eine Richtung geschickt, die geradewegs in die Konfrontation ehemaliger Freunde hineinführt. Hieraus entstehen Legenden, das sind Konstellationen, die in Geschichten zu an den Nerven zerrender Spannung führen können und mitreißen. So ungewöhnlich, auch altmodisch die Erzählweise aus heutiger Sicht wirken mag, so unverbraucht und frisch ist sie inzwischen wieder, da sie einerseits langsamer, behutsamer und bedeutsamer im Gegensatz zu neueren Publikationen ist. Andererseits sind die Episoden zentrierter, sehr stark auf dem Punkt und gönnen sich keine Abschweifungen.
An Jose Rafael Mendez Mendez, dem Zeichner, ist es, stets den Kern einer Szene einzufangen. Er versteht es auf außergewöhnlich schöne Art, die mittelalterliche Welt zu gestalten. Kämpfe sind perfekt choreographiert, Bewegungen und Posen sind stimmig und ausdrucksstark. Dietrich von Bern rückt hierbei mehrfach in den Vordergrund, ein Umstand, der nicht selbstverständlich ist angesichts einer Vielzahl von Charakteren, die seinen Weg kreuzen oder mit ihm teilen.
Hervorzuheben ist hier die eher für sich allein stehende Episode Der Frevel einer Fürstin. Saba, so heißt die Dame, schickt ihre Leibwächter in den Kampf gegen Dietrich, rein zum Vergnügen und ohne jede Gnade. Besonders der junge Hüne Ecke, der um ihre Gunst buhlt, wirft sich in den Kampf und weigert sich schließlich, obwohl besiegt, aufzugeben. Wie sich Dietrich gegen den mindestens eineinhalb Köpfe größeren und jüngeren Mann beweist, ist sehenswert und so viele Jahre nach seiner Entstehung grafisch immer noch richtungsweisend.
Genau umgekehrt ist das Verhältnis im Kampf Dietrichs mit dem Zwergenkönig Laurin, aber grafisch nicht weniger beeindruckend. Konzentrierte sich Jose Rafael Mendez Mendez vorher auf den Kampf Mann gegen Mann, zeigt sich hier nun ein Reiterkampf, komplizierter darzustellen, aber wunderbar gelöst. Gerade in jenen Momenten, als Laurin sein Heil unter einer Tarnkappe sucht und Dietrich an den Rand der Niederlage treibt, ist sehenswert.
Ein hervorragender zweiter Teil: Wer Band 1 mochte, kommt an dieser Folge nicht vorbei. Wer toll gestaltete Sagen mit perfektem Strich und ruhiger, stilsicherer Erzählung sucht, liegt hier genau richtig. 🙂
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Mittwoch, 02. März 2011
Der Wanderer war zwanzig Jahre lang fort. Er hat viel gesehen. Eine Gestalt wie Hellboy, mit steinerner Hand, abgesägten Hörnern, roter Haut, einem Schwanz und merkwürdigen Füßen, flößt ihm weder Angst noch Respekt ein. Allenfalls macht es ihn neugierig. Hexenkugeln bringen die beiden sehr ungleichen Männer auf die richtige Spur. In der Hütte, die sie zunächst verlassen vorfinden, liegt die menschliche Haut einer Frau auf dem Bett. Die beiden Männer warten. Lange kann es nicht mehr dauern, bis die Hexe nach Hause zurückkehrt. Aber die Hexenjäger täuschen sich. Die Gefahr lauert ganz woanders.
Für den Mystery-Fan findet sich hier ein abwechslungsreicher Querschnitt durch das Hellboy-Universum und gleichzeitig ein Beispiel dafür, wie gute unheimliche Comics heutzutage funktionieren können. Einfallsreichtum und der Weggang von bestehenden Monströsitäten wie den allseits beliebten Vampiren oder Werwölfen machen diese Geschichten aus, die aus dem unerschöpflichen Fundus von Mignolas Ideen wie auch globalen Mythen und Legenden zehren.
Die hier vorliegende Geschichtensammlung untertitelt sich mit der umfangsreichsten Handlung Der Krumme. Mike Mignola, der Hellboy-Erfinder, und Zeichnerlegende Richard Corben entwerfen vor den Augen des Lesers eine klassische Mär um Hexen, teuflische Versuchung und versuchte Priester und das Eingreifen von Hellboy, der sich in einer höchst abgelegenen Gegend behaupten muss. Richard Corben, der sich einen klangvollen Namen im Bereich phantastisch orientierter Comics gemacht hat, versteht sich auf monströse Kreaturen, die ein wenig an Bodybags erinnern, weniger an den Film als vielmehr an die Stimmung, die allein bei diesem Wort mitschwingt.
Corben gelingen abstoßende Wesen, manchmal höchst glibberig wirkend. Seine Figuren tragen den Wahnsinn in ihren Augen, ein Grinsen ist zumeist nicht von dieser Welt. Seine Menschen, die Kreaturen allgemein haben stets einen etwas kleinwüchsigen Charakter, in dem der Kopf besonders ausdrucksstark ist. Allgemein weiß Corben über die Gesichter viel zu transportieren, die er, so oft es eben geht, im richtigen Licht darstellt. Ein Strahler oder ein Spot wird so positioniert, dass er eine besonders theatralische Atmosphäre schafft. Corben inszeniert seine Szenen im Stile alter schwarzweißer Horrorfilme mit modernen Horroreffekten.
Realistischer im Stil ist die Arbeit von Jason Shawn Alexander. Die Auseinandersetzung zwischen Hellboy und dem wiedererwachten Piraten Blackbeard würde als Sequenz für einen dritten Kinofilm taugen. Blackbeard ist ein Raubein, nicht adelig oder schwelgt in Geheimnissen. Er ist geradeheraus, er will wie Hellboy auf die Kacke hauen und das machen die beiden vor der düsteren Kulisse eines Sumpfes mit dem milchigen Auftrag (nachgemachter) echter Farben. Der Tuschestrich ist schnell, etwas abstrakt, der Arbeit eines Jordi Bernet (Torpedo) durchaus verwandt.
Über die Arbeit von Mike Mignola muss nicht mehr viel gesagt werden. Auch nicht über Guy Davis, der hier eine Geschichte zeichnet und mittlerweile mit der Ablegereihe B.U.A.P. fest etabliert ist. Interessanter allerdings ist die Arbeit von Duncan Fegredo mit der Geschichte Das Mal, da dieser Zeichner einen guten Mittelweg zwischen Mignolas Vorgaben und eigenem Zeichenstil gefunden hat. Mignola schreibt, er habe die Handlung in der U-Bahn entworfen. Tatsächlich ist die Geschichte kurz und knackig, zügig erzählt, schnell gelesen, aber ein sehr gutes Beispiel für eine wirklich packende Kurzgeschichte.
Ein sehr spannender Querschnitt aus dem Hellboy-Universum, der unterhält, ohne in die allgemeine Handlungslinie einzugreifen. Als Schnupperband, für Mystery-Fans ohne Vorkenntnisse lesbar. 🙂
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Samstag, 26. Februar 2011
Papa Schlumpf wird das Dorf für einige Zeit verlassen. Damit auch alles seinen ordentlichen Gang während seiner Abwesenheit nimmt, wird er diesmal einen Stellvertreter auswählen. Die Schlümpfe sind verdutzt über diese Ankündigung. Bisher übernahm niemand in Abwesenheit von Papa Schlumpf die Aufsicht. In der Nacht machen sich die Schlümpfe ihre Gedanken, wer wohl ausgewählt werden wird. Als Papa Schlumpf am nächsten Morgen seine Entscheidung verkündet, wollen sie ihren Ohren nicht trauen.
Die Schlümpfe dürfen nicht sterben: Wie bereits andere frankobelgische Erfolgskonzepte wird auch die Reihe der Schlümpfe ohne den ursprünglichen Zeichner (bzw. die Macher) fortgesetzt. Das Kreativduo Alain Jost und Thierry Culliford schreibt die Texte, während Zeichner Pascal Garray das Abenteuer um Schlumpfine greift ein gestaltet. Das Thema Emanzipation findet nicht zum ersten Mal Einzug in den Cartoon, aber sicherlich musste sich Schlumpfine bisher noch nicht so behaupten.
Folgen wir ihrer roten Mütze! (Nicht der Sandale.) Es dauert, bis Schlumpfine die gesammelte Schlumpfschar hinter sich verschlumpfen kann. Dummerweise ist sie gezwungen, sich zu behaupten, schließlich hat ihr Papa Schlumpf genau zu diesem Zweck das Zepter während seiner Abwesenheit überlassen. Jost und Culliford lassen nichts aus (was der moderne Mann hoffentlich längst gelernt haben mag). Eigentlich kann ein weiblicher Schlumpf nach Ansicht männlicher Schlümpfe nicht viel und so besteht Schlumpfines Überzeugungsarbeit darin, eine Aufgabe nach der anderen zu bestehen und ihre Mitschlümpfe zu überzeugen. Ihre größte Aufgabe wird auch gleich ihre gefährlichste.
Ein albenlanges Abenteuer: Zeichner Pascal Garray hat die Schlümpfe sehr vollendet verinnerlicht, vielleicht etwas rundlicher, noch putziger. Sie sind die Stars, ebenso wie Gargamel und seine Katze Azrael bekannte Nebenfiguren sind. Andere auftretende Charakter fallen hinter dieser Gestaltung zurück, aber ihre Auftritte sind auch recht kurz. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Schlümpfen, deren Alltagsleben fein gezeigt wird, mit all den Problemen, die dabei auch zu meistern sind (Staudammbau, ein Wildschwein im Dorf).
Die Linien sind fein und genau gesetzt. Selbst in der Verkleinerung, die zwangsläufig auftritt, wenn ein Schlumpf neben einem Normalgewachsenen wie Gargamel steht, wurde auf die nötigen Details geachtet. Hier kann sicherlich eine vergrößerte Ansicht per Computer hilfreich gewesen sein. Überraschungen in den Ansichten der Schlümpfe gibt es damals wie heute nicht: Schräg links, schräg rechts und seitlich. Eine Ansicht wie z.B. auf dem Titelbild von schräg hinten ist selten. Dafür gibt es deutlich mehr verschiedene Schlümpfe zu entdecken. Hierbei ist der Gärtnerschlumpf mit seiner Strohmütze und seinen Holzschuhen eine der schönsten Varianten.
Eine gelungene Fortführung, deutlich für ein gemischtaltriges Publikum geschaffen, für die Jüngeren wie auch die Junggebliebenen, mit einer guten Balance zwischen Textwitz und Situationskomik. 🙂
Die Schlümpfe 28, Schlumpfine greift ein: Bei Amazon bestellen
Das schwarze Insekt sticht zu. Der gestochene Schlumpf wird von einem Schwindel erfasst, dann einen Farbwechsel und endlich große Wut. Fortan verspürt er den Wunsch, andere Schlümpfe zu beißen und zu Seinesgleichen zu machen. Und tatsächlich vermehren sich die Schwarzschlümpfe in Windeseile. Die Epidemie scheint kaum aufzuhalten, bis Papa Schlumpf eine Idee hat.
Schlumpfimumpf! Da sind sie wieder! Nachdem sogar Hollywood die Smurfs auf die große Leinwand holt, dreidimensional animiert und ebenso ausgestrahlt, darf sich der Fan klassischer Cartoons auch hierzulande an den Schlümpfen erfreuen. In dieser Hochzeit der Rückblicke auf Klassiker und erfolgreiche Serien beginnt die Neuauflage selbstverständlich mit der legendären Auseinandersetzung zwischen Blauschlümpfen und Schwarzschlümpfen. Während die einen schlumpfen, rufen die anderen nur GNAK!. Aus einem Insektenstich wird schließlich eine Kettenreaktion, die in eine merkwürdige Schlacht mündet, die das Ende der Blauschlümpfe bedeuten könnte.
Y. Delporte und Peyo beginnen mit einer ausgesprochenen Idylle. Die Welt der Schlümpfe ist strebsam, aber friedlich (weitestgehend). Mit dem Auftauchen der Schwarzschlümpfe ändert sich das auf amüsante Art. Papa Schlumpf, in diesen frühen Tagen optisch noch der einzige (bis auf den Brillenschlumpf), der in roter Mütze, roter Hose und Bart aus dem Rahmen fällt, muss sich anstrengen, will er ein Gegenmittel gegen die furchtbare Seuche Schwarz finden. Seite für Seite finden Delporte und Peyo neue humorige Szenen, um die Handlung zu beschleunigen.
Etwas gemächlicher geht es in der Folgegeschichte Der gefangene Schlumpf. Der Zauberer Gargamel, ein Feind der Schlümpfe der ersten Stunde, benötigt einen Schlumpf für einen Zaubertrank (das sind Rezepte!). Eine groß angelegte Rettungsaktion sorgt für Spannung, denn der Käfig, in dem Gargamel den Schlumpf gefangen hält, ist nicht eben leicht zu knacken. Der Titel Der fliegende Schlumpf spricht thematisch für sich. Aktion wird hier groß geschrieben, wenn der Schlumpf auf Biegen und Brechen versucht abzuheben.
Die Schlümpfe verkörpern ein perfektes Rezept für Spaß im Comic: Sie sind klein, knuffig und sie sind viele. Ihre weiteren Mutationen, Schlümpfe mit besonderem Aussehen und Fähigkeiten, sorgten für stets neue Ideen. Ihre Konstruktion, der Aufbau des Körpers (kleine Hände, große Füße, Stummelschwanz), der runde Kopf (mit Segelohren, großen Augen und Knubbelnase) mit der sockenförmigen Mütze obenauf, ist einfach, aber auch einfach gelungen. Wer vergleicht, frühere Darstellungen mit heutigen Zeichnungen, wird eine Modernisierung feststellen, leichte Verschiebungen in den Proportionen (das Verhältnis von Hand und Fuß fällt nicht mehr so unterschiedlich aus).
Die Kolorierung wie auch die Anlage der Hintergründe ist schlicht, traditionell sollte man sagen, denn mehr braucht es auch nicht, um die Geschichten zu erzählen. Was die Schlümpfe hier vormachen, findet sich mitunter heute noch modernen Cartoons. Die hier vorgestellte Erzählweise funktioniert noch immer, doch so schön schaffen es nur die wenigsten.
Spaß für die Jüngeren sollte Spaß für die ganze Familie sein. Und das ist es auch hier. Niedlich geschlumpft, seitenweise für Schlumpfer gut. 🙂
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Freitag, 25. Februar 2011
1986. Die Natur erobert sich New York zurück. Die Straßen stehen meterhoch unter Wasser. Stürme peitschen die See unablässig gegen die Stadtgrenzen. Vögel nisten in Wolkenkratzern, Pflanzen wuchern aus zerbrochenen Fenstern. Valerian, der auf der Jagd nach einem unerlaubten Zeitspringer in dieser Epoche landet, ist schockiert. Damit hat er nicht gerechnet, auch hat ihn niemand vorgewarnt. Schlimmer noch: Kaum hat er sich einen Überblick verschafft, stürzt die Freiheitsstatue, auf der er steht, in sich zusammen. Valerian treibt in den Wellen, dem Tode durch Ertrinken nahe, als ein Schiff sich zu ihm heranarbeitet und die Besatzung ihn aus dem Wasser fischt.
Es beginnt in der Vergangenheit der Erde und endet weit draußen im All. Erfolgsgeschichten im Bereich Comic gibt es, in dieser Langlebigkeit sind sie selten. Nach Abschluss der Reihe liegt nun Band 1 der Gesamtausgabe vor, chronologisch sortiert. Zu Beginn war Valerian noch alleine auf seinen Missionen im Dienst des Raum-Zeit-Service unterwegs. Es gilt zu verhindern, dass Ganoven in den Zeitstrang eingreifen und Änderungen herbeiführen, gewollte wie ungewollte. Einem solchen Unhold folgt Valerian ins Jahr 1000.
Zu Beginn haben Jean-Claude Mezieres (Zeichner) und Pierre Christin (Autor) ihrer Geschichte deutlich lustigere Komponenten beigefügt. Der Auftakt war mehr funny, eher komödiantisch ausgelegt. Das Zusammentreffen von Zukunft und Mittelalter bot genügend Reibungspunkte, um frisch von Leber weg zu erzählen und für den Helden genügend Stolpersteine bereitzuhalten. Aber Valerian sollte nicht alleine bleiben. Ausgerechnet im Mittelalter trifft der Held auf Veronique, die ihn fortan begleiten sollte. Das leicht erzählte erste Abenteuer Schlechte Träume, war schön, machte Spaß, aber erst mit dem zweiten und dritten Band nahm die Reihe richtig Fahrt auf.
Die Stadt der tosenden Wasser vermischt Bekanntes (New York) mit apokalyptischer Szenerie (New York unter Wasser) und phantastischer Handlung. Nach wie vor ist Valerian dem Gauner aus der ersten Episode auf der Spur, die Handlung ist immer noch an ein jugendliches Publikum gerichtet und doch findet sich die in 60er und 70er Jahren mal mehr, mal weniger aufschäumende Weltuntergangsstimmung in der Geschichte. Den wirklichen Sprung zu wahrer Phantastik und vollendeter Eigenkreation schaffte die Serie mit dem dritten Band Im Reich der tausend Planeten. Ab diesem Band war alles möglich.
Hatte es bereits einen kleinen grafische Sprung von Band 1 zu Band 2 gegeben, so wurde die Verniedlichung der Charaktere im dritten Abenteuer noch weiter zurückgeschraubt. Diese, im Gegensatz, Verernstlichung tat der Serie unglaublich gut, im wahrsten Sinne des Wortes. Der leichte Strich von Jean-Claude Mezieres kreiert ein völlig unverkrampftes fremdes Universum, bunt, schnell, unheimlich, schön, bombastisch, rasant und einfallsreich. Was Mezieres hier zeigt, lag damals in dieser Masse noch nicht vor wie heute. Es war ein wenig mutig, die Fantasie so fließen zu lassen und Welten derart lebendig vor Augen zu führen und stellte auch einen Sprung weg von Abenteuern älterer Machart in dieser Richtung dar (so z.B. Flash Gordon).
Humor und Anspielungen sind Trumpf in der Reihe. Bereits in der zweiten Folge erinnert der Wissenschaftler Schroeder äußerlich an Jerry Lewis in seiner Rolle als verrückter Professor. Interessanterweise nahm die Reihe auch Ideen und Kostüme vorweg (wie das im redaktionellen Teil sehr schön ausgeführt wird), die später einem viel größeren Publikum im Rahmen einer Kintopp-Space-Opera bekannt wurden.
Ein Comic-Science-Fiction-Klassiker in einer Gesamtausgabe, immer noch jung und frisch, obwohl die Reihe zuallererst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgelegt wurde. Valerian und Veronique wurden mit großem Spaß am Erzählen zu Papier gebracht, ein Spaß, der sich komplett auf den Leser überträgt. Klasse! 🙂
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Mittwoch, 23. Februar 2011
Das Mönchlein hat Mariottes Aufmerksamkeit geweckt, doch noch verweigert sich der junge Mann standhaft gegen die Verführungsattacken der nicht minder jungen, aber weitaus erfahrenen Frau. Es ist eine der wenigen heiteren Begebenheiten in diesen Tagen, in denen Wölfe ihr Unwesen treiben und die Menschen mit Furcht in die Nacht hinausblicken. Jacot hat seine Erfahrungen mit Wölfen. Er vertraut Mariotte eine Theorie an: Nicht nur Wölfe können dem Menschen gefährlich werden, sondern auch der menschgewordene Wolf. Der Werwolf. Nach einem furchtbaren Zwischenfall muss er Mariotte ein Versprechen abgeben, nämlich das Monster zu töten. Und Jacot, den das Schicksal so hart traf, willigt ein.
Man mag annehmen, Francois Bourgeon habe mit den beiden ersten Teilen der Trilogie lediglich Anlauf genommen, denn was er hier zeigt, ist eines der besten Mittelalterabenteuer und kann längst als Klassiker betrachtet werden. Mit satten 141 Seiten skizziert Bourgeon auf bombastische Weise ein mittelalterliches Abenteuer vor einer grandiosen Kulisse und zeigt die Epoche mit all ihren furchtbaren, schmutzigen, aber auch heiteren Facetten.
Wieder zieht Bourgeon Legenden hinzu, die Geschichten in dieser Geschichte, ein Form damaliger Unterhaltung, als aus Gerüchten schnell Mythen wurden. Der Ort der Handlung, das beschauliche Montroy, hat reichlich davon zu bieten, angefangen bei der alles überragenden Burg, deren felsiger Untergrund blutrot verfärbt ist. Ob nun vom Blute Hingerichteter oder vom Eisen, das den Berg durchzieht, mag der Betrachter für sich selbst entscheiden. Zu jener von Bourgeon geschilderten Zeit ist erstere Variante aber eher für gespannte Zuhörer geeignet, die fürchterliche Legende als Soap des Mittelalters.
Francois Bourgeon erschafft ein Miniaturabbild des Mittelalters mit weiteren kleinen Zellen und Szenen, die der gesamten Geschichte eine enorme Lebendigkeit verleihen. Straßenszenen, Belustigung, Häuser, Gassen, Klöster und Mönche, Gasthäuser, abendliches Treiben, ländliche Umgebung, Bären, sogar Werwölfe bereichern die Handlung, höchst dramatisch, anrührend und von Anfang bis Ende von einer sehr realistischen Gestaltung. Bourgeon entwirft seine Charaktere bis ins kleinste Detail. Klein ist hier auch wörtlich zu verstehen. Bourgeon nutzt einerseits den ihm zur Verfügung stehenden Platz mit vielen Einzelbildern auf einer Seite weitestgehend aus, während auf anderen Seiten (vornehmlich zu Beginn eines Kapitels oder zum Ende) fast eine seitenfüllende Darstellung gewählt wird.
Drama: Was wird aus dem Ritter, seinem Knappen und der jungen Begleiterin? Das Drama ist schleichend. Liebe entsteht und wächst. Verantwortungen, tragische Verwicklungen, Anicet, der Knappe, wächst sogar über sich hinaus. In diesem Mammut-Comic-Band, der auch die Bezeichnung Roman verdient, einen Vergleich von seiner Komplexität und Intensität mit Werken wie Der Name der Rose standhalten kann, knüpft Bourgeon all jene losen Ende zusammen, die er im ersten Band entwirrte und im zweiten Teil ein wenig außen vor ließ. Mit einem feinen Fingerspitzengefühl für Dramatik werden neue Charaktere eingeführt und finden Szenen statt, die bezeichnend für die Grobheit und Herzlosigkeit jener Tage waren.
Die Jahreszeit spielt mit: Im Herbst beginnt es mit all seiner Tristheit, um dann in die gnadenlose weiße und dunkle Kälte des Winters überzuwechseln. Das Spiel mit dem Winter, wenn der Schnee die Landschaft zudeckt und verformt, ist schon oft ein beliebtes Motiv von Künstlern gewesen, ist es doch ein natürliches Element der Verfremdung. Auch Francois Bourgeon weiß den Schnee elegant zu nutzen. Einerseits lässt er die Umgebung unheimlicher erscheinen, andererseits lassen sich vor dem Schnee Prachtgewänder und Rüstungen besser inszenieren, ist der Kontrast zu den warmen Farben der Innenräume größer. Trostlosigkeit wechselt sich mit Herrlichkeit ab.
Nicht nur ein Comic-Meisterwerk, auch ein gelungener und spannender Comic-Roman, vielschichtig, mit einem tiefen Einblick in mittelalterliches Leben und Alltag, Sitten und Gebräuche. Mit dem dritten Teil der Trilogie hat sich Francois Bourgeon selbst übertroffen. 🙂
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Dienstag, 22. Februar 2011
Die drei Gefährten werden für Plünderer und Mörder gehalten. Für die Bauern, die schon sämtliches Übel über sich ergehen lassen mussten, ist das Ende der Geduld erreicht. Sie wollen sich wehren und verlangen Rache. Da kommen der Ritter, die junge Mariotte und der ebenso junge Knappe Anicet gerade recht. Man sucht das Weite. Leider sieht Anicet hier seine Gelegenheit gekommen, um Mariotte loszuwerden. Bevor sie hinter ihm aufsitzen kann, ist er schon hinter dem Ritter her. Als dieser merkt, was geschehen ist, ist es bereits zu spät. Mariotte ist in den Händen der wütenden Menge und muss um ihr Leben fürchten. Der Adelige, der sich die rachsüchtige Meute anhört und entscheiden soll, ist ihr leider keine Hilfe.
Ritterlich, verwunschene Zeit, wenn Epochen sich überlagern und Schicksale verschmelzen. Mitunter ist der Leser aufgefordert, aufzupassen, wenn Francois Bourgeon seine Gefährten der Dämmerung ins Abenteuer schickt, denn im Zwielicht wird die Fantasie geboren, wenn das Auge die Dinge nicht mehr richtig wahrnehmen kann und der Geist das Gesehen ergänzt. Dieser Eindruck zieht sich durch die gesamte Geschichte. Dyarden, Duhren, Duhrten, Dymannen … Die Unheimlichen, die zunächst nur mit Furcht in der Stimme genannt werden, haben viele Bezeichnungen. Doch ganz gleich wie sie genannt werden, mit ihnen hat Bourgeon Kreaturen in Szene gesetzt, die sich hinter einem Umhang verbergen und entgegen ihrer geringen Größe in hohem Maße gefährlich sind.
Die beiden Erzählebenen, jene des Mittelalters wie auch zur Zeit römischer Herrschaft (wie sich an einem Bild klar ersehen lässt), vermischen sich schließlich stark. Bourgeon erzählt, er erklärt nicht. So ist nicht jeder Sprung von Zeitebene zu Zeitebene sofort ersichtlich, zeitweilige Verwirrung kann folgen. Die drei Augen der Blaugrünen Stadt (ein wirklich rätselhafter Titel) gehört zu den Comics, die getrost mehrmals hintereinander gelesen werden können, bis sich alles erschließt. Die Handlung lebt sehr stark von ihrer Atmosphäre, auf die Bourgeon vielleicht mehr Wert gelegt hat, als auf eine schnellere Handlung. In die Handlung eintauchen ist hier beinahe wörtlich zu nehmen.
Optisch treten alte Bekannte auf: Kobolde. Nachdem sie in der ersten Folge der Trilogie den Teil darstellten, von dem nicht ersichtlich war, ob es sich um einen Traum handelte oder nicht (dem Leser war es am Ende klar), erscheinen die Kobolde hier so gleich als Freunde und Weggefährten. Die Dhuarden (eine weitere Schreibweise) sind ihr gruseliges Gegenstück, auch monströs, gierig, brutal, häßlich. Bourgeon lässt die drei Weggefährten, Mariotte, Anicet und den Ritter hier selbst zu Legenden werden, während sie noch die Legende erleben. Grafisch erschafft Bourgeon traumartige Gebilde und erzählt (besonders in der zweiten Hälfte) dazu eher ablenkend als unterstützend.
Die Bilder sind anfangs noch hell, später werden sie düsterer und dichter. Stets wirken sie zerbrechlich durch den feinen Strich, mit dem Bourgeon sehr klein arbeitet und bereits durch die Tusche sehr sorgfältige und schöne Bilder abliefert. Durch die aquarellartige Kolorierung kommen noch mehr Emotionen hinzu, anfangs freundlich, später ein graugrüner Alptraum, der schließlich rot platzt und sich in ein wieder freundliches, morgendliches Szenario wandelt.
Durch die Augen von Mariotte: Gerade ist sie noch auf der Flucht, da entdeckt sie das Meer mit großen, kindlich blickenden Augen. Mittels dieser Szene lässt sich der Rest der Geschichte besser verstehen, der sich am besten aus einer absolut neugierigen Perspektive schauen lässt. Denn hinter allem Grauen steckt auch ein Funke Schönheit, wie Bourgeon mit seiner Gestaltung der Blaugrünen Stadt beweist.
Keine leichte Kost, sehr düster, einfallsreich, angesichts des ersten und dritten Bandes mehr ein Übergang, der sehr stark auf Atmosphäre setzt. Für Fans unheimlicher Comics empfehlenswert, die Kenntnis des ersten Teils vorausgesetzt. 🙂
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