Dienstag, 22. Februar 2011
Die Spur führt nach Paris. Während die normalen Bürger schlafen, solche, die nicht einer geheimdienstlichen Tätigkeit nachgehen, ist die Arbeit für Alix und ihren französischen Partner Rosseau in vollem Gange. Der Verfolgte lässt nichts unversucht, damit er und seine Unterlagen, die er in einer schlichten Aktentasche mit sich führt, entkommen können. An diesem Tag ist Alix das Glück nicht hold. Bei einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd durch das erwachende Paris geschieht das Unerwartete …
Dabei hatte drei Wochen zuvor in Tokio alles routiniert begonnen. Alix wurde in die Suche nach dem Kriegsschatz der Japaner eingebunden. Mit stoischer Ruhe nahm sie an den Ermittlungen der Amerikaner teil. Als sich schließlich eine handfeste Spur herauskristallisierte, machte sie sich zusammen mit Rousseau auf den Weg. Da begannen die Schwierigkeiten erst so richtig …
Conrad und Wilbur schließen die Reihe um die weiße Tigerin ab: Paris sehen und sterben. Die weiße Tigerin, Alix Yin Fu, hat nun endgültig das Ende ihrer Ausbildung erreicht. Mehrmals wurde ihr nach dem Leben getrachtet, sie wurde verraten und Freunde sind selten, lebende Freunde noch seltener, aber so ist nun einmal das Agentengeschäft in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Beide Comic-Macher haben diese Abschlussgeschichte zusammen entworfen. Dabei finden sie eine gelungene Mixtur aus Agentenhatz, Schatzjagd und ein wenig LOST.
Conrad und Wilbur nutzen die Technik eines Vorausblicks, um gleich darauf in die Vergangenheit zurückzueilen und zu zeigen, wie es dazu kommen konnte. Vom städtischen Flair eines Nachkriegs-Paris geht es in ein mit Trümmern übersätes Tokio und von dort auf eine Insel, wo sich der Aufenthalt von Alix und Rousseau zu einem wahren Alptraum auswächst. Hier haben sich die beiden Autoren einiges einfallen lassen. Wieder gilt: Man sollte sich von Conrads beschwingten cartoonähnlichen Bildern nicht täuschen lassen. Hier geht es beinhart zur Sache. Hinter den Kulissen ist es gewalttätig und manchmal auch pervers. Spannung, Spaß und leichter Grusel sind hier garantiert.
Je größer, je besser: Wenn Conrad sich so richtig auf einer Seite auslassen kann, kommen atmosphärische Schmuckstücke zum Vorschein. Seine ganzseitigen Bilder von Tokio und Shanghai wie auch der Insel sind perfekte Einstiege in die jeweiligen Handlungssequenzen. Der Tuschestrich ist schnell und organisch ausgeführt. Farbe durfte hier ein wenig laufen. Dadurch sind starke Bilder entstanden, aus alter Schule, als die Zeichner der Tusche noch erlaubten, auszureißen. Das findet sich nicht mehr so oft. Der Eindruck ist künstlerischer, offener. Diese Art zu zeichnen passt zur gezeigten Zeitperiode und zur Rasanz vieler Szenen, denn Conrad hat Verfolgungsjagden, Feuergefechte, Zweikämpfe zu gestalten.
Julien Lois folgt der kräftigen Strichführung mit einer ausgewogenen Farbmischung einer zurückhaltenden Palette und knalligen Farben. Rot und Orange ziehen beispielsweise die Aufmerksamkeit auf sich. Ein roter Citroen 15 CV, Alix in orangefarbener Kluft vor dschungelartiger Kulisse. Stets ist Alix ein Farbtupfer, ein Mittelpunkt des Geschehens. Es findet keine Überkolorierung statt, sondern immer nur so viel, wie es braucht, um filmisch zum nächsten Bild überzuwechseln.
Ein schöner und überaus spannender Serienabschluss. Für die weiße Tigerin, im Team mit dem dreifarbigen Drachen Rousseau würde man sich noch einen weiteren Zyklus wünschen. Doch so muss vorerst gesagt werden: Schade, dass es vorbei ist. 🙂
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Link: Die weiße Tigerin 1 online lesen
Montag, 21. Februar 2011
Die Gangster haben es eilig. Das verschlossene Tor des Flughafens hält sie nicht auf. Ihr Wagen prescht hindurch. Viel Zeit bleibt ihnen nicht, um sich zu orientieren, denn die Polizei ist ihnen dicht auf den Fersen. Doch das Päckchen, das sie bei sich haben, dürfen die Cops auf keinen Fall finden. Das ausgesuchte Versteck ist allerdings alles andere als geschickt gewählt. Die Polizisten nehmen an, die Gangster hätten mittels des Flugzeugs fliehen wollen, aber in der Maschine, die einem jungen Piloten namens Cliff Secord gehört, wird lediglich ein Päckchen untergebracht. Cliff, der die Beute kurz darauf findet, denkt gar nicht daran, den rechtmäßigen Besitzer des Päckchens zu finden. Im Gegenteil: Sehr schnell erkennt er die Möglichkeiten und beschließt diese unverhoffte Gabe zu nutzen.
Dave Stevens hat eine wunderbare Comic-Arbeit hinterlassen. Einerseits eine feine Superheldengeschichte, die bis auf das letzte I-Tüpfelchen durchdacht und gestaltet ist, andererseits eine ebenso gleichwertige Hommage an die Abenteuer der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts. In dieser Zeitspanne ist vieles nicht mehr ganz so neu, aber immer noch aufregend. Autos und Flugzeuge haben einen bestimmten technischen Standard erreicht, so dass aus heutiger Sicht ein wenig verwunschen aussehen. Und so falsch ist dieser Eindruck nicht, denn mit dem Rocketeer setzt sich dieser Eindruck fort. Wirkt die Kleidung wie die modische Fortführung eines Cowboys, ist der Schutzhelm eine Verbeugung vor alten Rittertopfhelmen.
Diese sehr genauen Gestaltungen ziehen sich durch den kompletten Auftritt des Rocketeer (man bemerke auch die Parallele zum Musketeer). Jede einzelne Figur wie Cliff Secord (der Mann hinter dem Rocketeer), seine Freundin Betty, sein Kumpel Peevy bis hin zu den gemeinen Kerlen wie Marco oder später Jonas und Lothar haben ihr individuelles und unverwechselbares Äußeres erhalten. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Dave Stevens liebt die theatralische Einstellung, wie sie auch die Filme jener Zeit zeigten, schwarzweiß natürlich, immer noch inspiriert vom Stummfilm, als die Mimik stärker, die Augen größer und die Gestik ausgreifender war.
Der erste Teil des Rocketeer lässt sich nicht nur auf die einzelnen Kapitel, in die Dave Stevens seine Geschichte unterteilte, herunterbrechen. Vielmehr ist jede einzelne ähnlich penibel gestaltet und konstruiert, wie es auch die Bilder sind. Häufig findet sich mit dem letzten Bild einer Seite ein Mini-Cliffhanger oder wenigstens ein noch mehr Spannung versprechender Übergang: Ein Wagen schießt über einen Abhang, die Düse des Raketenrucksacks versagt mitten in der Luft oder die Gesichtsausdrücke der beiden Männer kurz vor dem berühmten WOW-Bild. Das sind nur ein paar wenige Beispiele für den durchgängig anziehenden Aufbau der Handlung, wie sie sich auch im zweiten Teil, nämlich Cliffs Abenteuer in New York. wiederfindet.
Dominieren in der ersten Hälfte Szenen auf dem Flughafen, in der Luft und ist das Szenario insgesamt heller, so ist das Abenteuer in New York dunkler. Dave Stevens entführt den Leser in Nachtclubs, Varietes und natürlich in die Luft. Das Szenario hier ist dichter, auch unheimlicher und durch die Einflüsse der Theaterszenerie auch amüsanter. Dank der neuen Farbgebung von Laura Martin strahlen die Bilder wie nach einer schönen Restaurierung. Angesichts der Perfektion, mit der Stevens seine Bilder bereits in Schwarzweiß anlegte, hätte ihn diese plastische Kolorierung vermutlich begeistern können. Der durchweg tolle Eindruck des Gesamtausgabe des Rocketeers wird durch die gesammelten Titelbilder zum Rocketeer und den redaktionellen Teil perfekt.
Ein Comic-Kleinod: Wunderschön illustriert, mit viel Sinn für Humor und Spannung im Stile rasanter Abenteuer der 30er und 40er Jahre erzählt. Perfekte Unterhaltung. 🙂
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Dienstag, 15. Februar 2011
Frankreich ist in Gefahr. Burgund, verbündet mit dem englischen Thron, will das Reich an sich reißen. Die Truppen bestürmen Paris. Wenn die Burgunder den König wie auch den Thronfolger fangen können, wäre die Machtergreifung nur eine Frage der Zeit. Sehr kurzer Zeit. Denn der König von Frankreich ist psychisch erkrankt und häufig nicht mehr Herr seiner Sinne. Trotzdem sind tapfere Männer bereit, für diesen König, seinen Sohn und ihr Frankreich einzustehen, mit dem Leben, sollte es notwendig sein. Zu ihrem Leidwesen ist es notwendig. Sehr bald schon bestürmen die Burgunder Paris von allen Seiten und besetzen strategisch wichtige Punkte. Es bleibt nur die Flucht, doch der Feind ist nicht gewillt, auch nur einen königstreuen Mann aus Paris entkommen zu lassen. Ein wilder Kampf entbrennt.
Nicolas Jarry und France Richemond haben sich einer französischen Epoche angenommen, die aus heutiger Sicht von Kriegszügen, Intrigen und Schlachten nur so wimmelt. Es ist eine Art französischer Rosenkrieg, in dem England seine Hand nach Frankreich ausstreckt, in einer Zeit, in der die beiden Länder noch enger miteinander verbunden waren. Der Leser erlebt den Einstieg in die Handlung im Jahre 1418, als die Konflikte bereits seit Jahrzehnten andauern. Im Zentrum des geschilderten Geschehens steht Tanneguy du Chatel, ein dem Königshaus treu ergebener Ritter und Vogt von Paris.
Zu Beginn der Handlung zieht sich die Schlinge um Paris bereits zu. Zwei mögliche Thronfolger wurden bereits umgebracht. Charles, Sohn von Charles VI. ist als einziger übrig, der den mittlerweile dem Wahnsinn anheim gefallenen König beerben könnte. Theo, der Zeichner des vorliegenden Historienabenteuers, der sich mit diesem Werk in die erste Garde der Comic-Künstler malt, macht aus Tanneguy einen gestrengen und disziplinierten Recken, der in seinem Handwerk aufgeht.
Dieses Handwerk zeigt sich allzu bald in sorgfältig inszenierten, auch choreografierten Kämpfen innerhalb und außerhalb von Paris. Keiner vermag wohl zu sagen, was im Einzelnen in den Kriegswirren vonstatten ging, wer sich wann wie genau verhielt. Diese Lücken werden mit aller Dramatik gefüllt, die sich aus den historischen Vorgaben ergibt. Ein verzweifelter Ausfall, Verfolgungsjagden, ein Ablenkungsmanöver und vieles mehr werden so realistisch und hautnah bebildert, so dass ein sehr lebendiges Szenario entsteht. Stadtansichten und Landschaften, Rüstungen und intrigante Zusammenkünfte nehmen Motive alter Meister und setzen sie in einer Comicvisualisierung um. Theo zeichnet mit einer ungeheuren Brillanz und hohem technischen Geschick.
Farblich entsteht (trotz der tageszeitlichen Wechsel) der Eindruck, als stünde ein Sonnenuntergang nach einem heißen Tag kurz bevor. Kühle geben nur die Szenen innerhalb von Gewölben. Lorenzo Pieri verabreicht den Bildern von Theo eine leicht unirdische Atmosphäre, in der immer die richtigen Lichtverhältnisse zum dramatischen Szenario passen.
Ein tolles historisches Szenario, das alles bereithält, was ein Drama benötigt, ein Monumentalfilm auf Papier. Sehr schön erzählt, noch besser gezeichnet von Theo.
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Montag, 14. Februar 2011
Isabeau de Marnaye muss sich nicht nur gegen die Männer in ihrer Begleitung behaupten. Eine Frau gilt in Afrika nicht viel und zu sagen hat sie gar nichts. Umso größer sind die Befürchtungen ihrer weißen Begleiter, Isabeau könnte bei dem bevorstehenden Besuch eines leibhaftigen Königs etwas Falsches sagen und so Katastrophe auslösen.
Francois Bourgeon erzählt vordergründig ein historisches Abenteuer. Mehr als nur zwischen den Zeilen ist gehörige Kritik an den damaligen Zuständen ablesbar. Der Sklavenhandel wäre nicht möglich gewesen, hätte es auf dem afrikanischen Kontinent nicht Formen des Besitzes von Menschen gegeben. Die Hierarchien waren steiler, als es der Europäer zu dieser Zeit noch kannte. Ein Menschenleben war dort wie auch später an Bord des Sklavenhändlerschiffes nichts wert. Menschen gingen verloren, sprangen aus Stolz lieber den Haien vor die Fänge. Andere wurden verschenkt und sind doch nur als Witz gegenüber dem Beschenkten gedacht, der eine alte, vollkommen unterernährte Frau bekommt.
In dieses Szenario schickt Francois Bourgeon eine junge, im besten Sinne emanzipierte Frau, den Männern um sie herum eher unschicklich, aber nicht zu bändigen. Isabeau de Marnaye ist nicht die einzige, die ungewöhnliche Situationen erlebt. Auch die Charaktere, die ihr zur Seite gestellt sind, können durchweg überzeugen. Spannende und abenteuerliche Szenen wie ein Schießwettstreit (auch thematisch bereits auf dem Titelbild zu erkennen), der Angriff eines Löwen lösen sich mit Absurditäten ab. Dieser entstammen entweder der vorherrschenden Kultur und sind von einem Europäer nicht zu begreifen oder es sind die Europäer selbst, die wie in hier an einem Duell anzusehen, durch blanken Wahnsinn in den Tod gehen.
Francois Bourgeon setzt seine Geschichte aus vielen Einzeldramen zusammen. Er schickt seinen Leser in ein Wechselbad der Gefühle. Er reißt mit, erweckt Mitleid, auch Abscheu, schafft Freude und ist ein im besten Sinne vorbildlicher Autor im Bereich Graphic Novel. Denn seine Bilder entstehen auf die gleiche penible Art. Jede Seite folgt einem durchdachten Aufbau. Es gibt keine Experimente. Der Leser soll der Handlung gut folgen können, mit der nötigen Geschwindigkeit der Handlung folgen. Die Gewichtung zwischen Handlung, Bild und Dialog stimmt einfach.
Bourgeon zeigt ein buntes Afrika, aber kein farbenprächtiges. Es ist kein Afrika, das mit einer Safari-Romantik aufwarten kann. Das Leben dort ist beschwerlich, die Wege sind beschwerlich, Natur, Tiere und der Mensch sorgen für ständige Gefahren. Die Schluchten sind tief, es ist heiß, auch dreckig, aber eines ebenfalls: Geheimnisvoll. Bourgeon zeigt die unangenehmen wie auch die unerklärlichen Seiten Afrikas jener Tage, jene Seiten, die Afrika aus europäischer Sicht so fremdartig machten. Grafisch macht er dies mit der ihm eigenen Perfektion, die sich nicht nur in der Ausstattung niederschlägt oder auch später den gezeigten Schiffen (für die er ein Faible zu haben scheint), er macht überdies Afrika zu einem Darsteller.
Zeitweilig arbeitet er je nach Bildanteil reduziert mit dieser leichten aquarellartigen Kolorierung, die durch den Tuschestrich eingezäunt wird. So führt er den Blick des Betrachters über das Bild und letztlich über die gesamte Seite.
Ein sehr schöner, weil spannender und interessanter Teil der Reihe, wunderbar gestaltet, mit einer sich zuspitzenden Handlung. Ein moderner Klassiker. 🙂
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Freitag, 11. Februar 2011
Endlich gibt es wieder X-Men zu bestaunen. Nachdem Wolverine in die Vergangenheit vor die erste X-Men-Trilogie führte, geht es mit der Thematik der First Class ähnlich weit zurück. Alle dem Zuschauer bekannten Mutanten (das betrifft weniger den Comic-Leser) sind jünger, entsprechend neu besetzt. Es ist eine Zeit, als Charles Xavier und Erik Lehnsherr noch Freunde waren. Der spätere Professor X und Magneto werden in einer Zeit gezeigt, die aus heutiger Sicht eine Welt darstellt, die am Rande des Abgrunds, sprich des Atomkriegs stand. Die berühmten 13 Tage zwingen die X-Men zum Eingreifen.
Für den Comic-Fan bedeutet das aber auch, Mutanten wie Emma Frost, Beast und Havok auf der Leinwand zu sehen. Es gibt außerdem ein Wiedersehen mit Mystique und Bösewicht Sebastian Shaw (gespielt von Kevin Bacon) betritt die Bühne. Mit James McAvoy (als Xavier, Comic-Fans bekannt aus WANTED) und Michael Fassbender (als Lehnsherr, hier in Inglourious Basterds aufgefallen) sind die beiden späteren Gegenspieler charakterstark besetzt.
Die Action und die Tricktechnik scheinen bei all dem auch nicht zu kurz zu kommen. Der Trailer macht jedenfalls Lust auf mehr. Trailer: X-Men: First Class
Der Bussard hatte sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Keine Jagd auf Zombies mehr. Nur noch Ruhe und Frieden. So zog sic der Bussard unter das Wurzelwerk eines Baumes zurück, träumte und lauschte. Und allmählich hörte er etwas. Nicht alle Stimmen sind freundlich. Aber eine schließlich offenbart ihm ein Geheimnis. Es ist ein derart wichtiges Geheimnis, dass der Bussard sein eigens gewählte Ruhestätte aufgibt und wieder unter die Lebenden zurückkehrt. Der Jäger der Untoten besucht den Goon, warnt ihn auf seine nicht minder geheimnisvolle Art. Und das ist der Auftakt zu einer neuen Schlacht, denn der Krieg gegen den Zombie-Priester ist noch nicht vorüber.
Eric Powell, Erfinder, Erzähler und Zeichner des Goon, verfolgt die bisherige Handlungslinie weiter. Wie in jedem Kampf zwischen Gangstern, wenn unklar ist, wer welche Oberhoheit über welche Gebiete hat, gibt es Folgekämpfe, wenn sich die aus ihren Löchern wagen, die bislang nur zusahen. Zur Überraschung des Goon erheben nun Kleingangster Ansprüche, die sich durch den Goon gegen die Zombies geschützt sahen. Da nun diese Gefahr kaum noch der Rede wert ist, muss sich der Goon mit äußerst weltlichen Bedrohungen auseinandersetzen. Auf seine Art. Fans wissen genau, was das bedeutet.
Eric Powell wäre nicht mit diesem Erfindungsreichtum ausgestattet, würde er es bei diesen weltlichen Querelen belassen. Zigeunerflüche sind nur ein milder Horror, dem sich der Goon mit aller Tatkraft stellt. Denn Powell schickt neue Gegner ins Rennen: Zombie-Babys. In entsprechenden Filmen immer für einen Lacher gut, kleckert Powell nicht, er klotzt. So gibt es gleich eine ganze Horde dieser Kreaturen, die zusätzlich mit einigen ungewöhnlichen Fähigkeiten ausgerüstet sind. Ganz nebenbei zollt Powell noch einem der Spannungsfilme schlechthin seinen Respekt. (Ich wage allerdings zu behaupten, dass viele heutzutage mit dieser nachgespielten Szenerie nicht mehr viel anzufangen wissen, schlicht, weil sie sie nicht kennen.)
Nach vielen guten Ideen, einer kurzweiligen Handlung, die dem Horror-Fan ziemlich Spaß machen sollte, haben einige Gastzeichner mit Goon-Kurzgeschichten ihren Auftritt. Besonders hervorzuheben hierbei sind die Arbeiten von Neil Volkes und Kyle Hotz. Aber diese Handlungen über kinderfressende und schrankbewohnende Monster sowie Echsenwesen sind nichts gegen das Satan’s Sodomy Baby, ein kleines Sonderheft, ursprünglich nur in geringer Auflage gedruckt und schnell vergriffen.
Powell ist jemand, der hier und dort schon über das Ziel hinausgeschossen ist und seinem Goon damit eher schadete, als nützte. Das Baby gehört in die Klasse von Erwachsenencomics, die vor rund 25-30 Jahren bereits in Deutschland kursierten und sich durch Abartigkeiten hervortaten. Mehr nicht. Ebenso verhält es sich mit dem Sodomy Baby, von dem Powell ganz genau zu wissen schien, warum er es aus der regulären Reihe herausnahm. Ob sich darüber in den USA jemand aufgeregt hätte, darüber kann kein Zweifel bestehen (wenn schon Verfilmungen wie Die letzte Versuchung Christi und Die Passion Christi mit Protesten aufgenommen werden, kann hieran kein Zweifel bestehen). Fazit: Eine Episode, die auf Skandal abzielt, aber eigentlich ziemlich schwach ist.
Grafisch finden Goon-Fans einen Powell, der verdammt gute grafische Eindrücke hinterlässt. Inzwischen wünscht man sich von einem Zeichner seines Kalibers auch Ausflüge in andere Szenarien. Hellboy war bereits beim Goon zu Gast. Warum nicht einmal anders herum?
Geballte Horrorspaßunterhaltung mit einem absoluten Kick unter die niedrigste Gürtellinie. Aber auch das ist Eric Powell, der mit seiner Zeichentechnik tolle Stimmungen schafft. Wenn eine Verfilmung selbiges hinbekommt, darf man sich freuen. 🙂
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Donnerstag, 10. Februar 2011
Die beiden Polizisten haben den Laden bereits sehr lange beobachtet. Endlich kommt dieser kleine Gangster, um den sich bei der Observierung alles dreht. Keine Frage, dass sie nicht länger warten wollen und sich daran machen, den Kerl zu verhaften. Amerikanische Polizisten haben aber leider häufig ein Problem: Es gibt eine ganze Batterie von Ermittlungsbehörden, die der Polizei übergeordnet sind und die, falls es ein Wörtchen mitzureden gibt, eine Aktion im Keim ersticken können. Als Tony Chu und sein Kollege John Colby die kugelsicheren Westen anlegen, ihre Waffen laden, mit einem fröhlichen Hasta La Vista, Baby auf den Lippen, taucht kurz darauf ein Agent der FDA auf und bereitet der Aktion ein Ende. Was bleibt noch zu tun? Auf Staatskosten Hühnchen essen? Das hätten sie besser nicht getan.
Ein Cibopath: Tony Chu ist solch ein Mensch und hat damit wohl ein gigantisches Problem. Zwar hat er es sich beruflich zunutze gemacht, die Qualen, die damit einher gehen, mindert es nicht. John Layman schickt nicht nur eine neue Figur ins Feld der Comicliteratur, er kreiert auch noch einen Cibopath. Gehen die bisherigen Charaktere von Profilern stets ein wenig ins Phantastische (oder auch mehr), wie es Beispiele aus TV-Serien vormachten (Frank Black aus Millennium oder Samantha Waters aus Profiler), so ist Tony Chu nur die konsequente Weiterentwicklung eines solchen Charakters.
John Layman geht sogar noch einen Schritt weiter. Wie jede dieser Serien (bei Mystery-Reihen ist das mittlerweile Pflicht) gibt es auch hier einen rätselhaften roten Faden. Das reale Beispiel der Vogelgrippe wird hier aufgenommen und fortgeführt: Der Verzehr von Hühnern ist verboten worden und unter Strafe gestellt. Seither hat sich ein regelrechter Schwarzmarkt entwickelt und der FDA, der Food and Drug Administration, kommt nun eine weitaus größere Aufgabe als bisher zu.
Tony Chu ist ein recht bemitleidenswerter Kerl. Er reiht sich in die einzelgängerischen Helden ein, wirkt jedoch zerbrechlicher, anfälliger, einsamer. Er hat sich eine harte Schale zugelegt, ist misstrauisch, zielstrebig und erfüllt so ziemlich jeden Charakterzug, der ihn seinem Chef überaus unsympathisch macht. Kurzum, Tony Chu muss sich an allen Fronten herumschlagen. Sein neuer Mentor, Agent Savoy von der FDA, ist kaum ein Trost, da er durch diesen in immer schwierigere Situationen gerät.
Das ist von Beginn an spannend, nimmt sich aber nicht so ernst. Entsprechend fällt der grafische Stil aus, den Rob Guillory einsetzt, um der Geschichte Bilder zu geben. Optisch ist Guillory mit seinen Zeichnungen in der ungefähren Nähe von Guy Davis einzuordnen, aber es finden sich auch Elemente aus Cartoon-Serien neuerer Zeit, was die Proportionen von Körpern und Gesichtern angeht (z.B. Ben 10). Auch wer Dylan Dog mag, findet hier seinen Einstieg. Guillory hat für sich einen eigenen Cartoony-Mittelweg gefunden, sicherlich auch in der Tradition eines Will Eisners. Mit der Abkehr von der Realität wird manche Szene nicht weniger spannend, dafür aber weniger eklig.
Denn Tony Chu ermittelt eben auch in Mordfällen. Er bezieht seine Bilder über eine empathische Umsetzung dessen, was er über seine Geschmacksknospen empfängt. Entsprechend fallen seine Ermittlungen aus. ZU beschreiben, in welche Gegenstände Tony Chu hinein beißt, hieße auch die Spannung, deshalb soll das an dieser Stelle unterbleiben. Der Hinweis darf allerdings erlaubt sein, dass John Layman in seinem Skript einiges hat einfallen lassen.
Ungewöhnlich, mit vielen neuen Einfällen und einem mysteriösen roten Faden: John Layman und Rob Guillory haben einen sehr guten Start geschafft, mit einer Mischung aus Cop-Thriller und Mystery-Serie. 🙂
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Dienstag, 08. Februar 2011
Nachdem bereits die ersten Bilder kursierten, gab es pünktlich zum Superbowl einen Spot zu sehen, der den ersten Rächer Captain America in Aktion zeigt. Wieder einmal haben die FX-Spezialisten per Computer zugeschlagen und aus Chris Evans einen schmalen Strich in der Landschaft gemacht, der erst durch das Supersoldatenserum zum First Avenger wird.
Marvel-Fans haben Chris Evans bereits als Human Torch bei den Fantastic Four auf der Leinwand bewundern dürfen. Sein neuer Marvel-Charakter ist etwas disziplinierter, auch das Umfeld ist zunächst ein anderes, denn es geht zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs und sein Gegner ist niemand anderes als der Red Skull (gespielt von Hugo Weaving, bekannt aus Matrix und HdR).
Insgesamt ist die Besetzung gelungen: Tommy Lee Jones sollte in dieser Comic-Verfilmung für die nötige Ernsthaftigkeit sorgen (über seinen Auftritt in Batman Forever sollte besser Stillschweigen bewahrt werden). Neal McDonough (Band of Brothers) übernimmt die Rolle des Dum Dum Dugan. Hayley Atwell, die durch ihre Rolle in Die Säulen der Erde mehr Bekanntheit gewann, spielt Peggy Carter, die einen Test zur Kugelsicherheit von Caps Schild auf ihre Art durchführt.
Jetzt heißt es nur einmal wieder warten. Verkürzen kann man sich die Wartezeit allerdings mit dem Teaser wie auch mit einem kleinen Online-Comic, den Marvel auf der offiziellen Seite bereitstellt: captainamerica.marvel.com
Montag, 07. Februar 2011
Diese Kreatur stürzt die Welt ins Chaos. Ihr Name ist Vandal und obwohl sie den Krieg verliert, gewinnt sie am Ende doch, denn die Welt liegt in Schutt und Asche. Das Urteil steht fest, die Strafe ist einzigartig. Dieser Zerstörer erfährt allerdings keine Hinrichtung, sondern wird in einem schwarzen Loch entsorgt. In eine lebenserhaltende Rüstung eingeschlossen schießt man Vandal in die vermeintliche Leere, ins endgültige Nichts. Leider bestätigt sich eine Theorie, die besagt, ein Schwarzes Loch öffne einen Transportkanal hin zu einem Weißen Loch. Dieses Weiße Loch liegt ausgerechnet im Universum des lebenden Planeten Pandarve. Und so gelangt der Zerstörer in eine neue Welt, wo er seine alte Tätigkeit wieder aufnimmt.
Storm und seine Freunde, Rothaar und Nomad, hatten gerade eine Zuflucht gefunden, die Ruhe und Frieden versprach. Die Wasserwelt, auf der sie sich befinden, bietet ein übersichtliches Leben. Der Einschlag eines Asteroiden, die darauf folgende gigantische Wasserfontäne, beenden diese Beschaulichkeit. Ruhiger geworden, doch keinesfalls frei von Neugier taucht Storm mit einem Fischer hinab in die Tiefe, um das zu bergen, was von außen in ihre Welt eingedrungen ist.
Öffne den Sarg nicht! Das möchte man stets rufen, wenn eine Sarg, eine Kiste oder ein ähnliches Behältnis gefunden wird. Obwohl jemand ein reges Interesse daran gehabt haben muss, etwas für immer zu verbergen, einzuschließen, zu sichern, gibt es immer einen, der unbedingt wissen muss, was sich darin befindet. Martin Lodewijk spielt mit diesem beliebten Motiv, das schon im Pandora-Mythos vorkommt. Einen gibt es immer, der das Ding aufmacht. Etwas wie Vandal, der Zerstörer, kam jedoch noch nie aus der Box.
Dieser Eiserne, der in seiner Rüstung, die eigentlich ein ewiger Gefängnis sein sollte, unbesiegbar scheint, entfacht einen weiteren Flächenbrand im Universum von Pandarve, dem sich Künstler Don Lawrence mit großer Hingabe angenommen hat. Er überrascht mit einigen großformatigen Bildern, Massenszenen, auch einigen farblichen Experimenten und kann seine Technik hier noch einmal verfeinern.
Licht ist hier ein maßgebliches Gestaltungselement. Eine rosafarbene Unterwasserwelt, der im Feuer auferstandene Vandal oder auch die Begegnung mit dem Richter aus einer fernen Welt unter dem gewaltigen Rumpf eines Raumschiffs in kühles, grünes Licht getaucht, sind nur wenige Beispiele für die Experimentierfreude von Don Lawrence. Inzwischen ist er, mit dem 16. Band der Reihe STORM an einem Punkt angekommen, an dem er seine Bilder mit einer genialen Leichtigkeit auf das Papier zu bringen scheint. Betrachtet man die Bilder im umfangreichen Anhang des Bandes, wird die Schönheit der Bilder noch deutlicher, die selbst in der Vergrößerung immer noch phantastisch sind.
Eine in sich geschlossene Geschichte mit einem Bösewicht, der außer Zerstörung keine anderen Ziele kennt. Storms Kampf könnte aussichtslos sein, gelänge Martin Lodewijk nicht eine nette Wendung. Don Lawrence ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt. Toll. 🙂
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Dave Lizewski will eines Tages nicht mehr wegschauen. Warum nicht ein Superheld sein? Und helfen? Wenn offensichtlich ein Verbrechen geschieht? Wen man Zeuge bei einem Autoaufbruch wird? Oder bei einer Schlägerei? Dave, der sich den klangvollen Namen KICK-ASS gibt, kann sich anfangs nicht so recht als Arschtreter etablieren. Ohne Superkräfte ist es eben schwer, ein Superheld zu sein. Ein Paar Schlagstöcke und ein Taser sorgen für mehr Selbstsicherheit, aber kaum mehr. Schließlich gibt es kein Zurück mehr, denn mit dem Auftauchen von KICK-ASS betreten auch andere Superhelden die Szene, weitaus besser ausgerüstet und viel rigoroser im Vorgehen. Doch da KICK-ASS derjenige ist, der auf Youtube Millionen von Klicks eingeheimst hat, steht er als erster auf der Abschussliste der Gangster, die Rache geschworen haben.
Hätte Quentin Tarantino einen Comic-Film drehen wollen und nach einer Vorlage gesucht, wäre KICK-ASS von Mark Millar und John Romita Jr. ohne Zweifel in die engere Wahl gekommen. So aber nahm Matthew Vaugn den Ball auf (Regie) und wird nun höchstwahrscheinlich auch KICK-ASS 2: Balls to the wall inszenieren. (Derzeit beschäftigt mit X-Men: First Class.) Kein Wunder, denn das Ende dieses Films (so wie es bei jeder Superheldengeschichte der Fall zu scheint) ist auch ein Anfang.
Aber zurück zum tatsächlichen Anfang. Mark Millar und John Romita Jr. nahmen sich mit ihrem KICK-ASS, der Comic-Vorlage zum Film, der Frage an, warum gibt es eigentlich keine wirklichen Superhelden. Helden mit Superkräften kannten beide Comic-Macher zur Genüge. Millar und Romita Jr. hatten zusammen an Wolverine gearbeitet. Romita Jr. war sogar mit seinen Arbeiten an Spider-Man in die Fußstapfen seines Vaters getreten. (Aber es sieht so aus, als hätte er noch einige Superhelden mehr gezeichnet.) Nach so vielen ernsthaften Superhelden musste ein weniger ernsthafter Stoff her.
In den letzten Jahren waren gerade die Superhelden um mehr Akzeptanz bemüht. Gerade bei Marvel wurden die Themen düsterer (Civil War, Secret Invasion, Captain America umbringen usw.). Ernsthaftigkeit bedeutete: Drama, Drama, Drama. Jemand wie KICK-ASS, ein stinknormaler Junge, der glaubt, dass nun Schluss sein müsse mit dem Zuschauen, dem Weglaufen, dem Maulhalten, verspricht da eigentlich keinen Spaß. Und eigentlich ist es das zuerst auch nicht.
Dave Lizewski, gespielt von Aaron Johnson, der sich in die Verkleidung des KICK-ASSwirft, ist nicht nur ein stinknormaler Junge mit allen Begierden, Hoffnungen und Verzweiflungen eines Teeangers. Er ist auch ein Pechvogel. Bei aller Tatkraft endet sein erster Einsatz im Krankenhaus, zusammengeschlagen, angestochen und überfahren. Da hört für viele Kinozuschauer der Spaß auf. Aber eben nicht für jene, die Gewalt im Kino im Sinne von Tarantino oder Saw mögen. Spätestens, wenn HIT-GIRL die Szene betritt, ein elfjähriges Superheldenmädchen, das ihre Gegner im wahrsten Sinne des Wortes auseinandernimmt, wissen Leser und Kinozuschauer, dass sie es nicht mit den herkömmlichen Superhelden zu tun haben. (Da stinkt selbst ein Lobo ab.)
Die echteste Szene blitzt in KICK-ASS‘ erstem erfolgreichen Einsatz auf, als er sich ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen (die er ja bereits kennt) in den ungleichen Kampf gegen drei Schläger wirft und richtig einstecken muss. KICK-ASS drückt in der Folge auf die Tube, veralbert das Genre, die typischen Gangster, wie sie in amerikanischen Filmen immer wieder auftauchen. Es nimmt Kampfszenen hoch, indem es ein kleines Mädchen eben jene Gangster abschlachten lässt, ein Wort dafür, das ausnahmsweise kein Wortspiel ist. Es veralbert Internet-Hypes, amerikanische Nachrichten, die Teenager-Zeit, nur um am Ende in die Schiene des eigentlichen Superheldentums zurückzukehren und die Persiflage wieder zu verlassen.
Da geht es zur Sache: KICK-ASS macht einerseits Spaß, ist aber auch blutig derb und bedient auch jene, die eigentlich mit Comics nichts am Hut haben. Nicolas Cage als Pseudo-Batman BIG DADDY wäre als bekannter Name überhaupt nicht nötig gewesen, um die Produktion mitzutragen. Die Zeiten, in den Batman die Welt in Atem hielt, sind lange vorbei. Quietschebunt, aber nichts für Kids. 🙂
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