Zum Inhalt springen


Comic Blog


Sonntag, 10. Februar 2013

Spider-Man – Das Ende der Welt

Filed under: Superhelden — Michael um 18:54

Spider-Man - Das Ende der WeltPeter Parker hat eine richtige Aufgabe. Er schießt keine Fotos mehr von seinem anderen Ich, Spider-Man. Er kann als Wissenschaftler und Erfinder arbeiten. Seine Ergebnisse finden Eingang in den Alltag der Menschen. Sie sind nützlich. Sie helfen. Spider-Man ist, bei aller Hilfsbereitschaft, eine Maske geworden, die mit Chaos einher geht. Und so sehr sich der Netzschwinger auch bemüht, so geht bei seiner Hilfe auch immer einiges mehr zu Bruch, als es eigentlich sollte. Als der todkranke Dr. Octopus verkündet, er wolle in seinen letzten Tagen die Erde mittels eines planetaren Satellitennetzwerkes retten, glaubt ihm Peter Parker kein Wort. Er weiß auch, dass dies ein Fall für Spider-Man ist. Angesichts der Ankündigung des vielarmigen Meisterverbrechers weiß er auch, dass es um nichts Geringeres geht als um Das Ende der Welt.

Dieser Dr. Octopus ist zu einer wahren Monströsität geworden. Im Angesicht des Todes hat er die Sinistren Sechs um sich versammelt. Zum letzten Mal, wie es scheint. Wenn eine Figur die Bezeichnung Erzfeind als Gegenstück zu Spider-Man verdient, dann ist es der ehemalige Wissenschaftler, der durch einen Unfall zu einem genialen und nicht minder brutalen Meisterverbrecher wurde. Dan Slott, der sich als Autor hauptverantwortlich zeichnet (bis auf kleine Ausnahmen), bildet einen Dr. Octopus ab, der abgrundtief verbittert ist und nur noch voller Hass agiert. Das setzt sogar bisherigen Verhaltensweisen die Krone auf. Das Szenario selbst ist entsprechend großes Kino, denn es geht quer um die Welt.

Zwei großartige Zeichner stechen hier in dieser Storyline deutlich hervor. Stefano Caselli und Humberto Ramos sind beide Marvelisten. Caselli betreute außer der freundlichen Spinne von nebenan auch die Avengers. Humberto Ramos, mit einem ganz eigenen, fast überdreht zu nennenden Strich unterwegs, überzeugte vor geraumer Zeit mit seiner Interpretation des Venom, nahm sich aber auch schon des Spinnenmanns an. Obwohl technisch unterschiedlich, fügen die beiden Künstler ihre jeweiligen Handlungsstränge sehr schön zusammen.

Stefano Caselli fährt eine klinisch schöne klare Linie, angesiedelt zwischen Realismus und leichtem Disney-Stil. Seine Helden sind proper, seine Bösewichte schöne Weiterentwicklungen bestehender Charaktere und mittlerweile von hoher Anziehungskraft. Eine neue Spider-Man-Rüstung, ein beinahe borgscher Dr. Octopus auf gegnerischen Seiten und ein Electro, der seit seinem ersten Erscheinen deutlich ernsthafter geworden ist, ferner ein Rhino, der einem roten Hulk fast ebenbürtig scheint. Das besonders feine Element, vor allem auch im Sinne von grafischen Überraschungen, ist Mysterio mit seinen optischen Spielereien.

Die Figuren von Humberto Ramos sind knuddeliger anzuschauen, ein wenig mehr vom Zeichentrick inspiriert, vielleicht weniger von der großen Leinwand als vielmehr vom Pantoffelkino. Wenn Ramos sich in Bombastszenen verliert, besonders eindrucksvoll mit einem Kampf gegen Sandman, dann wirkt die Action noch eine Spur rasanter als bei seinem Kollegen Caselli.

Frischen Wind, und nicht nur nebenbei, bringen andere Helden außer Spider-Man und den Avengers. Herausragend, ein kleines Zückerchen auf ihre Art, sind die Big Hero 6, in Japan ansässig, mit ungewöhnlicheren Einsatzmethoden, etwas anders agierenden Gegnern und schöner Kräfteverteilung. Das trägt nicht zu viel zum Haupthandlungsstrang bei, zieht aber das Netz von Dr. Octopus um den Globus noch etwas enger.

Ein dicker Knaller, der, auf die Leinwand gebracht, mehr als nur mit der Avengers-Verfilmung konkurrieren könnte. Ein verzweifelter Spider-Man, eine scheinbar unüberwindliche gegnerische Macht und der Countdown läuft. Dan Slott hetzt die freundliche Spinne von nebenan durch einen halsbrecherischen Parcours. Perfekte Superheldenunterhaltung. 🙂

Links:
stekart.blogspot.de (Stefano Caselli)
www.humbertoramos.com (Humberto Ramos)

Freitag, 08. Februar 2013

Lou Cale 5 – Das Zentauren-Tattoo

Filed under: Thriller — Michael um 11:12

Lou Cale 5 - Das Zentauren-TattooHalloween. Die Kinder freut es. Am Abend ziehen sie von Haus zu Haus. Sie sammeln Süßigkeiten und ärgern die Erwachsenen. Manche Erwachsene ärgern sich etwas zu sehr und rutschen schon einmal aus. Nicht vom Regen in die Traufe, sondern gleich ins Meer. Nun könnte der Mann, der da vom Steg nach unten fällt und mit seiner Taschenlampe ins finstere Nass leuchtet, an einen schlechten Halloween-Scherz glauben, sähen die beiden am Meeresgrund angeketteten und kopflosen Leichen nicht täuschend echt aus. Dem Schrecken der Entdeckung folgt die Polizei und eine Ermittlung, die zunächst ins Leere verläuft. Keine Köpfe. Keine Fingerkuppen. Nur eine Tätowierung, identisch bei beiden. Bei der männlichen wie auch der weiblichen Leiche.

Das organisierte Verbrechen erlebt seine erste große Blütezeit und beschert der Polizei eine Menge Arbeit. Aber nicht nur diese setzt sich mit den Verbrechern auseinander. Auch den Zeitungen geht der Stoff nicht aus. Lou Cale hat wichtige Strippen gezogen, die nötigen Bekannten, um immer gleich zu wissen, wo was geschehen ist und befindet sich häufig im Zentrum der Ermittlungen, am Puls der Ergebnisse, immer eine Nasenlänge vor seinen Kollegen. Aber Lous eigene Nachforschungen wirbeln auch Staub auf und so findet er sich manchmal selbst im Zentrum des Interesses finsterer Elemente wieder.

Das Künstlerduo Eric Warnauts und Guy Raives nimmt den Leser im fünften und abschließenden Reihe um den Reporter Lou Cale mit in die 50er Jahre. Das Wörtchen Mafia ist mittlerweile ein Markenname für das organisierte Verbrechen geworden. Der Fall ist zwar außergewöhnlich, doch zunächst immerhin ein gewöhnlicher Mordfall. Erst nach und nach kristallisieren sich Einzelheiten heraus, die eine erhöhte Gefährlichkeit der Umstände unterstreichen. Lou Cale bringt nicht nur sich, sondern auch andere in Schwierigkeiten.

Ausgewählte Schauplätze wie eine Sektionshalle, ein Diner, die Hochbahn, der verrottete Pier, auch das ferne Sizilien liefern feine Ansichten einer verlorenen Lebensart und vermitteln eine Mischung aus crime noir und jenen Tagen, als der Schwarzweißfilm auf der endgültigen Kippe zum Farbfilm stand. Lou Cale, als Charakter, ist ein Mann, der sich nie zur Gänze einmischt, den lebensnotwendigen Abstand wahrt. So schafft er auch die Zeitenwende. Die Schlussszene verrät, was ihm wirklich wichtig ist.

Die Geschichte ist untermauert von den Eindrücken eines längst vergangenen Jahrzehnts, den Straßen New Yorks, allen modischen Einflüssen und auch den moralischen Vorstellungen, die hier über unterschiedlichste Charakterdarstellungen eingefangen werden. Der Strich erinnert an einen flotten Herge, realistischer als Tim und doch spielen Warn’s & Raives mit den bekannten Knopfaugen. Guido, der Eisverkäufer und gerade eine Figur, die als Italiener noch über einige Kontakte in die Unterwelt verfügt, ist das beste Beispiel hierfür.

Die Schattierungen der mit leichten Strichen festgehaltenen Figuren, Gegenstände, Kulissen und Strukturen kommen mit einer Stufe aus. Wichtiger sind Einzelheiten, die wie kleine Hinweise der Lebensumstände sind. Ein Kristallleuchter an der Decke, dessen Kerzen am helllichten Tag entzündet sind. Wäsche auf der Leine. Buntglasfenster. Ein Schnitt in den Unterbauch einer Frauenleiche bei einer Autopsie. Oder das bunte und sommerliche Taormina auf Sizilien, das einen starken Kontrast zum verlebten Brooklyn bildet.

Ein gelungener Thriller im Stil der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Vorkenntnisse aus den vor mehreren Jahren erschienenen ersten vier Bänden sind nicht erforderlich. Eric Warnauts und Guy Raives haben ihre Figuren und die Zeitperiode so gut im Griff, dass alle Informationen ausreichen, um die Geschichte unterhaltsam und spannend voranzutreiben. 🙂

Lou Cale 5, Das Zentauren-Tattoo: Bei Amazon bestellen
Oder bei Finix Comics.

Montag, 04. Februar 2013

Die gläsernen Schwerter 2 – Ilango

Filed under: Abenteuer — Michael um 13:54

Die gläsernen Schwerter - Buch 2 - IlangoEine prachtvolle Stadt, weiß und strahlend, mit einem Herzen aus Stein. Die Flüchtlinge vor der Stadt, im Elend lebend und auf der Baustelle des Staudamms schuftend, verfluchen ihr Leid, sehen jedoch keinen anderen Ausweg. Jedes Aufbegehren wird im Keim erstickt. Yama und ihr Mentor Miklos erfahren die Lage am eigenen Leib. Miklos reagiert richtig und zieht sich mit der hitzköpfigen Yama für den Augenblick zurück. Mit etwas Geduld werden sie Orland finden, jenen Mann, der Yamas Familie ins Unglück stürzte, für den Tod von Yamas Vater verantwortlich ist und Yamas Mutter verschleppte. Doch Yama würde vielleicht weniger leidenschaftlich handeln, wüsste sie um das Schicksal ihrer Mutter und die Existenz eines Jungen namens Ilango.

Eine starke Welt, die ihre Lebendigkeit, auch Wahrhaftigkeit, will man einen Ausdruck für das echte Gefühl, das diese Welt umgibt, finden, sind sehr groß dank der grafischen Meisterschaft von Laura Zuccheri. Ohne Frage ist diese Welt an alte, längst vergangene Zivilisationen angelehnt. Vielleicht schwingt auch hier und dort eine filmische Anleihe mit, doch in ihrer Gesamtheit, ihrer Mixtur ist das bildhafte Ergebnis äußerst eindrucksvoll. Sylviane Corgiat bringt als Autorin ein zweites Kind ins Spiel, einen Jungen, jünger als das Mädchen Yama, aber nicht weniger störrisch, mürrisch und ganz und gar von einem eigenem Sturkopf beseelt.

Die Pracht der Stadt Karelane steht im totalen Gegensatz zur Slum-Atmosphäre der Flüchtlingsansiedlung. Hier treffen asiatische Elemente auf ägyptische. Auch könnte Laura Zuccheri von den Moai, den steinernen Wächtern der Osterinseln, inspiriert worden sein. Es ist eine Stadt, die mit ihrer Inszenierung auch Erinnerungen an Filmklassiker wie Die zehn Gebote aufkommen lässt. Die erste Hälfte der Handlung des zweiten Teils stellt die Umgebung ausführlich vor, die Machtstrukturen innerhalb der Stadt wie auch innerhalb von Orlands kleiner Familie, die sein tyrannisches Verhalten zu erdulden hat. Doch hier wie auch übergeordnet gärt der Widerstand und steht kurz vor dem Ausbruch.

In der zweiten Hälfte der Geschichte gerät das Fass zum Überlaufen. Ihre Arroganz wird den Wachen zum Verhängnis, ihr Glaube an ihre Unbesiegbarkeit, der sich spätestens dann erschöpft, wenn die Unterdrückten eine reale Chance sehen, sich mit Erfolg zu wehren. Das Mittel dazu lautet Überzahl. Sehr bald kehrt sich dieses Prinzip leider um, wenn die Soldaten Einzelne oder kleine Gruppen von der Hauptmenge abtrennen. Die Aufteilung der Handlung kann mit Zahnrädchen beschrieben werden, die mehr und mehr, auch kräftiger ineinander greifen, je mehr die Handlung voranschreitet. Wenige Akteure werden von Vernunft geleitet. Viele verlassen sich auf ihre Instinkte und Leidenschaften und schaffen so, ein altes Wortspiel, Leiden.

Obwohl es sich um eine Fantasy-Geschichte handelt, werden phantastische, magische Elemente sparsam eingesetzt. Interessante Details geben dieser Welt Dichte. Jene Flüsterer, die für das staatliche Wohl eifern und vom Wegesrand her aus geschnitzten Bäumen heraus die Arbeiter auf dem Weg zum Staudamm zu indoktrinieren suchen, imitieren auf ihre Art neuzeitliche Propaganda und besitzen gleichzeitig eine gewisse Gruseligkeit in der Art und Weise, wie sie grafisch ausstaffiert wurden. Es sind solche und viele andere Kleinigkeiten, die auf eine regelrechte Entdeckung warten.

Eine sehr schöne Fortsetzung, sehr stimmig umgesetzt, mit toller Atmosphäre und feinen Illustrationen von Laura Zuccheri, die sich hier für weitere Publikationen eindrucksvoll empfiehlt. Für Fans von Fantasy udn Abenteuern. 🙂

Die gläsernen Schwerter, Buch 2, Ilango: Bei Amazon bestellen

Samstag, 02. Februar 2013

Der Glöckner von Notre Dame 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 14:26

Der Glöckner von Notre Dame 1 - Der Tag der NarrenDer alte Mann erinnert sich an seine Tage in Paris. Als er jung und naiv war, dem Theater zugetan und sich schließlich nach einem Bühnendesaster in die Gassen hinaus flüchtete und zunächst vom Regen in die Traufe kam. Wer sich unter die Bettler, die Gauner und Diebe, die Ärmsten der Armen in Paris wagte, spielte eine Spiel mit dem Tod. Unbarmherziger noch als der Teufel selbst waren wohl diese Ausgestoßenen, denen nicht vergeben wurde und die nichts zu vergeben hatten. Diese leidvoll Erfahrung muss auch der Dichter Pierre Gringoire machen, der kurzerhand aufgeknüpft werden soll. Nur eines könnte ihn noch retten, die Hand einer Frau nämlich. Einer Frau, die ihn heiraten möchte. Da liegt bereits der Strick um seinen Hals, doch keine Frau will sich erbarmen. Bis auf …

Der Glöckner von Notre-Dame ist eine der berühmtesten Geschichten der Weltliteratur mit einem die Epochen übergreifenden Thema. Liebe. In dieser hier gezeigten Konstellation mit der bezaubernden Esmeralda im Mittelpunkt ist die Tragödie vorprogrammiert. Geliebt von drei Männern kann das Unglück mit aller Macht zuschlagen. Nach der Vorlage von Victor Hugo haben Robin Recht (Adaption, Storyboard) und Jean Bastide (Zeichnungen, Farben) einen zauberhaften Historiencomic zu Papier gebracht, der durch seine dramatische und grafische Umsetzung ein tolles Stück Comic-Kultur geworden ist.

Bereits die Eingangsseite imitiert eine holzschnittartige Begrüßung, ein Tor in eine vergangene Welt. Sicherlich ist die Umsetzung träumerisch, weniger realistisch als der Roman selbst oder auch die Verfilmungen, jeweils mit Charles Laughton und Anthony Quinn in den Titelrollen. Aber diese Comic-Umsetzung besitzt auch nicht das süßliche Ambiente eines Disney-Musicals, wenngleich Djali, die Ziege, sich von diesen Einflüssen nicht frei machen kann. Jean Bastide, technisch auf Augenhöhe mit anderen Perfektionisten seiner Zunft (wie z. B. Theo mit Der tönerne Thron). Hier ist französisch-belgische Schule ebenso zu sehen wie ein wenig Manga-Einfluss in der Figur der Esmeralda, auch Phoebus besitzt Anklänge dieser Stilistik.

Eine zarte, aquarellhafte Farbgebung, eine opernhafte Inszenierung der Bilder macht aus dem ersten Teil der Geschichte ein regelrechtes Kinoerlebnis. Mit den Farben der Abenddämmerung, in der die Lichter von Laternen und Fackeln Glanzpunkte setzen, mischt sich leichtes Lila mit orangefarbenen Tönen. Es könnte eine heitere Farbgebung sein, zöge die Handlung die Heiterkeit nicht wieder nach unten. Wenn der Spott auf Quasimodo entlarvt wird. Wenn der Glöckner nur als Werkzeug dessen dient, der sich vorher als tröstlicher Vater aufspielte. Jeder für sich, alle für niemand. In der Feier sind die Außenseiter vereint, in ihrer Abneigung unerbittlich. So lächerlich die Prüfung und die folgende Hinrichtungsprozedur dem Leser erscheinen mag, so ernst ist sie für die Figur des Pierre Gringoire.

Aber sie ist auch beispielhaft für viele kleine Minigeschichten und Charaktere, deren Auftritte eine schöne Schwere präsentieren, eine starke Hintergrundgeschichte und so die Dichte des Haupthandlungsstrangs verstärken. Da benötigt es nur wenige Worte, die passende Konstellation innerhalb einer Bildsequenz, um dem gerne bemühten Subtext Volumen zu verleihen.

Namensgebend ist der Glöckner erst einmal ein Spielball, scheinbar kaum in der Lage, seine eigene Existenz zu erfassen, während alle anderen um ihn herum ihre Ziele verfolgen und nur versuchen, am Leben zu bleiben. Vielschichtige Handlung, schön adaptiert, wunderbar illustriert durch Jean Bastide, bleibt die zeitlose Geschichte von Victor Hugo auch hier ein Klassiker. 🙂

Der Glöckner von Notre Dame 1, Der Tag der Narren: Bei Amazon bestellen

Montag, 28. Januar 2013

B.U.A.P. 10 – König der Furcht

Filed under: Mystery — Michael um 16:40

B.U.A.P. 10 - König der FurchtBilder aus anderen Tagen, nicht unbedingt besseren Zeiten. Liz fällt es schwer, die alten Fotografien zu betrachten, auf denen sich die Mitglieder der B.U.A.P. von einst wiederfinden. Hellboy grinst in die Kamera, die übliche Zigarre im Mundwinkel. Abe Sapien hat noch nicht das eigenständige Auftreten und schaut eher zurückhaltend. Eine Vision gibt Liz darüber Aufschluss, wie die Lösung des Krieges gegen die finsteren Geschöpfe aussehen mag. Hellboy kann es nicht schaffen. Aber Liz hat die Macht dazu, eine Macht, die sie tief in sich vergraben hat, weil sie sich insgeheim davor fürchtet.

Ein Weltenkrieg geht zu Ende. Kein Weltkrieg, obwohl er global stattfindet. Ein Weltenkrieg, denn verschiedene Welten stehen einander gegenüber. Die der Menschen, die des Okkulten. Hätte H. G. Wells zu seiner Zeit einem solchen Projekt gegenübergestanden, vielleicht wäre etwas in dieser Form dabei herausgekommen. Allerdings ist die 10. Folge der B.U.A.P., mit dem Titel König der Furcht, vielschichtiger als der Krieg der Welten von Wells. Mike Mignola, Erfinder von Hellboy, der mit B.U.A.P., der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, eine sehr erfolgreiche Ablegerserie geschaffen hat, muss eine Reihe von Handlungssträngen zu ihrem Ende führen.

Ein Geist kommt nach Hause. Aus einer Figur, die einen ähnlichen Sympathiegrad erreichte wie vielleicht ein Boba Fett in Star Wars, haben Mike Mignola und John Arcudi konsequent eine Nebenfigur gestaltet, beinahe ohne Worte agierend, rein aus einer dunklen Äußerlichkeit heraus mitreißend. Lobster Johnson, ein Held aus den späten Tagen des Zweiten Weltkriegs, kehrt an den Ort seiner persönlichen Verdammnis zurück und wird endgültig befreit. Die Art und Weise, wie dies vonstatten geht, ist düster-romantisch zu nennen. Sicher gibt es keine Liebenden, die hier zueinander finden, dennoch existiert eine Atmosphäre, die an typisch englische Schauermärchen erinnert. Ein sehr spezielles Schlussbild dieser eingeschobenen Episode verstärkt diesen Eindruck noch.

Plötzlich verschieben sich die Fronten, bieten sich Feinde als Verbündete an. In Abe Sapien, dem langjährigen Mitstreiter an der Seite von Hellboy werden Zweifel geweckt. Auch seine Kollegen von der B.U.A.P. werden ein wenig misstrauisch angesichts einer Vertrautheit mit einem Feind, der die Menschen zuvor noch gnadenlos bekämpfte. Mike Mignola und John Arcudi schaffen im einen Handlungsstrang noch einmal Verwirrung, während parallel dazu Liz Sherman vor der größten Aufgabe ihres Lebens steht. Mignola und Arcudi haben den Punkt einer normalen Mystery-Handlung weit überschritten. Längst hat die Handlung ähnlich epische Ausmaße angenommen, wie es in Ausgabe 12 von Hellboy der Fall war.

Guy Davis, im Traumduett mit dem Koloristen Dave Stewart, kann mit seiner skizzenhaften Stilistik einige ruhige Momente einfangen, auch erlösende Szenen, für das Auge wirkungsvoller sind natürlich jene Szenen, die an mythische Erzählungen von Lovecraft erinnern oder auch an die glanzvollen Zeiten japanischer Monsterfilme. Das ist unheimlich, sehr phantasievoll, auch ein wenig trashig, aber weder die Autoren noch der Zeichner haben sich je gescheut, Grenzen zu überschreiten und alle Mittel auszuschöpfen.

In den Grafiken bleibt für den Leser noch Raum für Interpretationen. Gerade die Monster, menschengroß und schleimig eklig oder hoch wie ein Wolkenkratzer, bleiben immer etwas diffus. Die Gestaltung lässt sich kaum mit etwas bisher Bekanntem vergleichen. Die herangezogenen Genres (s. o.) mögen den Entwürfen entfernt nahe kommen, doch selten haben sich Grafiker so weit von bekannten Vorstellungen aus der einschlägigen Literatur oder Filmindustrie entfernt.

Ein Knallerende einerseits, mit vielen verknüpften Enden andererseits. Mignola und Arcudi haben im Laufe der Zeit viele Bälle losgetreten, haben aber keinen Faden verloren, sondern führen nun alles zusammen. Sehr phantastisch, selbst für das Genre ungewöhnlich, sehr gut, doch Vorkenntnisse sind Pflicht. Weder Hellboy noch B.U.A.P. sind noch Lektüre für zwischendurch. B.U.A.P. ist zu einem Eckpfeiler des Genres geworden. 🙂

B.U.A.P. 10, König der Furcht: Bei Amazon bestellen

Samstag, 26. Januar 2013

Roland Ritter Ungestüm 6

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:51

Roland Ritter Ungestüm 6Die aufmerksamen Beobachter haben nicht unrecht. Zwei junge Männer, starke Krieger, charakterlich unterschiedlich, aber nicht weniger leidenschaftlich als der andere, lieben dieselbe Frau. Spitze Bemerkungen fallen bei solchen Männern auf fruchtbaren Boden und wenig später ist bereits eine herrliche Keilerei im Gange. Jedenfalls für denjenigen, der die Oberhand bei einem solchen Gerangel behält. Die Rückkehr nach Rotteck hält allerdings noch andere Überraschungen für Roland bereit. Ein ganz besonderer Anblick erweckt alte Gefühle zum Leben, bringt sie im Inneren des Heißsporn beinahe zur Explosion.

Zuvor jedoch hat Roland Abenteuer in fernsten Ländern zu bestehen, die ihn noch weiter weg führen als bislang zuvor. Francois Craenhals lässt den immer noch jungen und forschen Ritter in Der Bogen des Saka gar mit einer mythischen Waffe in Berührung kommen, einer nervenaufreibenden Suche und einem komischen Kauz, der schließlich alles daran setzt, seinen ganz persönlichen Auftrag, sein Lebenswerk zu Ende zu führen. Es ist eine Episode mit eindringlicher wie auch trauriger Dramatik.

Abenteuerlicher geht es in der nachfolgenden Episode Yama, Prinzessin von Alampur zu. Roland, der zum stolzen Besitzer einer Karanwanserei geworden ist, prallt auf eine vollkommen andere Zivilisation: Indien. Roland erfährt von einer Entführung, die sich ausgerechnet in seiner Herberge zugetragen hat. Der Umstand, dass es sich bei der Entführten um eine junge Frau königlichen Geblüts handelt, macht die schmähliche Tat noch schlimmer. Roland versucht zu helfen und jagt dem bereits hinterher eilenden Reitknecht der Prinzessin hinterdrein. Zusammen erleben sie ein Abenteuer, wie es selbst Roland in seiner langen Laufbahn als Ritter noch nicht kannte.

Ein zügige Erzählung, durchmischt mit Begegnungen der anderen Art lassen den Ritter diese Welt neu kennen lernen. Nicht nur Elefanten, die er nie zuvor gesehen hat, spielen dabei eine Rolle. Wie bisher sind auch diese drei Abenteuer im vorliegenden 6. Sammelband der Reihe liebevoll altmodisch zu nennen. Das Spiel mit den Klassikern, ob aus Roman, Film oder Comic her bekannt, macht den Reiz dieser Reihe aus, die mit starken wiederkehrenden Charakteren arbeitet und eine romantische Atmosphäre scheinbar nebenbei bereitet.

Liebe, Sehnsüchte, Eifersüchteleien, familiäre Bünde treiben Roland immer aufs Neue um, brachten ihn sogar fern der Heimat in ein ungewöhnliches Finale, wie es noch niemals in dieser Serie zu sehen war (und vermutlich, verschlägt es Roland nicht noch einmal dorthin, auch nie wieder zu sehen sein wird). Aber Die Rückkehr nach Rotteck, in die heimatlichen Gefilde, spült Erinnerungen nach oben und hält für Roland eine gigantische Überraschung parat. Francois Craenhals beschert seinem Helden die wohl schlimmste Verletzung bislang, kein gebrochenes, eher ein unheilbar verliebtes Herz. Eine Liebe, die nicht sein darf, diesmal noch weniger als zuvor, obwohl sie noch drängender der Erfüllung harrt.

Von oben intrigiert der berühmte König Arthur auf seine Weise, alles andere als ein nachsichtiger Monarch, wie er ansonsten gerne dargestellt wird. Freunde versuchen den Ritter aufzurütteln und riskieren jegliche Freundschaft, indem sie die Aussichtslosigkeit der Liebe in die Waagschale werfen. In einer anrührenden Szene scheint Roland endgültig an seinem Schmerz zu zerbrechen.

Francois Craenhals zeichnet mit eindeutigem Schwerpunkt auf seinen Figuren, deren Mimik, mit theatralischer Optik, sehr versiert und technisch auf gleich bleibendem Niveau, wie man es als Fan von Rittergeschichten in dieser klassischen Form erwarten darf. Die Farbgebung ist bunt, aber nicht poppig, leicht unangestrengt, experimentiert nicht und schafft einfach ein schönes Endergebnis.

Sehr viel Abwechslung bieten die hier versammelten drei Episoden, eine charakterliche Weiterentwicklung, fast schon ein Heldenfall, ordentliches Drama in einem klassisch erzählten Mittelalter. War schön, bleibt schön. 🙂

Roland Ritter Ungestüm 6: Bei Amazon bestellen

Mittwoch, 23. Januar 2013

CHEW – Bulle mit Biss 5 – Erste Liga

Filed under: Thriller — Michael um 17:39

CHEW - Bulle mit Biss 5 - Erste LigaFurchtbarer Job. Katzen retten. Falschparker aufschreiben. Einen Schottenrock tragen. Aber plötzlich ist die Arbeit gar nicht so schlecht. Nicht wegen des Erfolgserlebnisses. Nein. Der Grund ist … Tony Chu wird von seinen Kollegen gemocht. Dieses Wohlgefühl, diese Atmosphäre ist für den Polizisten Chu derart ungewohnt, dass er für seine neue Aufgabe sogar Sympathie entwickelt. Und vielleicht wäre sogar etwas noch Größeres daraus geworden, hätten sich nicht ein paar üble Gauner dazu entschlossen, ihm das neue Leben gründlich zu vermiesen.

Baseball. Eines jener Spiele, die in den Vereinigten Staaten heiß und innig geliebt werden, anderswo auf dem Globus aber auf weitaus weniger Interesse stoßen. Die Hauptfigur, Tony Chu, erlebt hier einen Tiefpunkt ihrer Karriere. Aus seinem alten Posten entfernt, freundlich ausgedrückt, darf er nun auf einem Elektrozweirad Dienst verrichten, mit einer lustigen Leuchte auf dem Helm und angetan mit einem Schottenrock (eine mehr oder minder große Schikane). Da ist er nun unterwegs, gewinnt den neuen Job sogar lieb und sogleich wird er von John Layman und Rob Guillory in einen ganz besonders finsteren, auch ekelhaften Alptraum geführt, selbst für einen Cibopathen.

Es kann für einen Menschen, der aus dem Geschmack einer jeden Substanz auf ihre Herkunft und ihr Schicksal schließen kann, äußerst befremdlich sein, in etwas hinein beißen zu müssen. Der Saft von Roter Beete wird so zu einer der wenigen Nahrungsmittel, die im Kopf keinerlei fürchterliche Bilder erzeugen. In einer Welt, von John Layman kabarettistisch an die Realität angelehnt, in der sich die Freaks die Klinke in die Hand geben, scheint es ausgesprochen schwer, noch weitere Spitzen zu setzen. Und doch gelingt es Layman einmal mehr. In Laymans Welt ist der Dschungel überall.

Die geheimen Baseball-Bettgeschichten will ein bislang unbekannter Autor zu Papier bringen. Ein Ding der Unmöglichkeit, da er über keinerlei Kenntnisse aus den liederlichen Bereichen des amerikanischen Volkssports verfügt. Gäbe es nicht Tony Chu bliebe es auch dabei. Besticht dieser Abschnitt der Handlung auch durch Dramatik und einige Ekelfaktoren, lässt Layman auch den Humor an anderer Stelle nicht außer Acht. Hier kommen Chus ehemaliger Polizeipartner und ebenfalls der sehr wichtige Widersacher ins Spiel. Nicht zu vergessen ist Chus Tochter, deren Begabungen mehr und mehr ins Zentrum des Geschehens gerückt werden.

Rob Guillory darf hier als Zeichner so richtig vom Leder ziehen. Lässt man einmal die Handlung um Tony Chu außen vor und betrachtet nur die Geschichte um John Colby, Chus ehemaligen Partner, der gleichfalls seinen Schreibtisch im alten Job räumen musste, erhalten Begriffe wie Toyboy ein vollkommen neues Gewicht. Seine Anstellung in der USDA, mit einem ausgewachsenen Löwen als Partner arbeiten zu müssen (generell arbeitet man dort mit Tieren zusammen), bringt weitere augenzwinkernde Aspekte. Dieses Augenzwinkern setzt sich im Hinblick auf eine Figur wie Hershel Brown fort, der aus Schokolade funktionsfähige Waffen fertigen kann. Angesichts druckbarer Waffenteile in den USA ist dieser Teil der Handlung beinahe schon Realsatire.

Mit Wut muss Rob Guillory diverse Szenen lang umgehen. Die einen brechen vulkanös aus, anderen gehen vergleichsweise geringer in die Luft. Manchmal hat es grausame Folgen, auch drastisch anzuschauen, manchmal endet es in Anbetracht des Ergebnisses mit einem Schmunzeln. Guillorys Cartoontechnik veralbert, freundlich formuliert, zahlreiche amerikanische Mythen, und wirkt mittlerweile ein wenig wie Rock ’n‘ Roll auf Papier.

Das wird gemein: John Layman schickt seinen Helden Tony Chu durch die sprichwörtliche Hölle (als hätte er es ihm bis hierher leicht gemacht). Fetzig und gewohnt eigen illustriert Rob Guillory. CHEW festigt ihren Stellenwert als sehr eigenständige Reihe mit zutiefst bissigem Humor. Auch im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen. 🙂

CHEW, Bulle mit Biss 5, Erste Liga: Bei Amazon bestellen

Montag, 21. Januar 2013

THE WALKING DEAD 16

Filed under: Horror — Michael um 16:03

THE WALKING DEAD 16 - Eine größere WeltMenschen. Ihnen ist nicht zu trauen. Vor allem sollte man ihnen mit Misstrauen begegnen, wenn sie sich zu verteidigen wissen. Ein Kämpfer kann Probleme bereiten. Dieser Neue da, dem es gelingt eine nicht unerfahrene Michonne blitzschnell zu entwaffnen, ist brandgefährlich. Dennoch sind die Menschen um Rick Grimes, den ehemaligen Polizisten, nicht vollkommen blind für echte Angebote. Es könnte da draußen wirklich Menschen geben, mit denen man sich zusammenschließen könnte. Hoffnung. Insgeheim glimmt sie in allen. Insgeheim wollen sie vertrauen. Einmal nicht enttäuscht werden. Ausgerechnet Ricks Sohn gibt den entsprechenden Anstoß in die richtige Richtung.

Keine schöne neue Welt. Die Hoffnungen sind geschwunden und just in diesem Augenblick taucht eine weitere Verheißung aus dem Nichts auf. Ein Mann, der ausgerechnet den Spitznamen Jesus trägt, erzählt von einer Zuflucht, die einen Neuanfang für die Gruppe um Rick Grimes böte. Autor Robert Kirkman macht es seinen Charakteren weiterhin nicht einfach. Weder die dem Fan alt bekannten Figuren, jene, die den bisherigen Parcours überlebt haben, noch den Neulingen wie jenem Paul Monroe, Jesus, der sich erst einmal gegen Michonne anlegt, die ihr Geschick im Kampf häufig bewiesen hat.

Wer sind die Guten? Viele Barrikaden wurden seit Beginn der Serie, seit dem beschriebenen Niedergang der Zivilisation eingerissen. Die Gruppe um Rick Grimes, die sich oft bemüht hat, ihre Menschlichkeit zu bewahren, hat auch gelernt ihr Leben mit aller Härte zu schützen. Gegen jeden und alles. Robert Kirkman hat seine Helden in die Verrohung geführt. Das Misstrauen steht über allem anderen. Da hat es selbst ein Mann mit dem Spitznamen Jesus schwer. Doch in einer Zeit, in der die Bedrohung zum Alltag geworden ist, erwacht der zaghafte Wunsch nach Normalität.

Spielte The Walking Dead zu Beginn sicherlich noch mit einer gewissen Sensationslust und lockte mit dem Auftreten möglichst vieler mordgieriger Bestien in unterschiedlichen Verwesungsstadien, hat sich diese Tendenz seit längerer Zeit sehr gewandelt. Robert Kirkman psychologisiert seine Figuren haarklein und macht sie hier nicht zum ersten Mal zu Eindringlingen. In der neuen Siedlung sind sie nicht die einzigen Gewaltbereiten, aber ganz bestimmt geht ihnen das Töten leichter von der Hand als jenen, die dort ein normales Leben zu führen versuchen. Ein wenig ist The Walking Dead auch in die Endzeitstimmung eines Mad Max verschoben worden. Die Gruppe schottet sich ab, erwartet einen neuen Feind. Rick wird zum Road Warrior, allerdings nicht wider Willen.

Charlie Adlard hat mit seiner ganz eigenen grafische Darstellung einen hohen Wiedererkennungswert erzielt, der einem frühen Mike Mignola vergleichbar ist. Adlards Strichführung ist reduziert, aber weniger hart als bei einem Mignola. Ein wenig Intuitivität schwingt mit. In den Kerncharakteren hat er schöne wie auch wichtige Unterschiede herausgearbeitet. Dank Robert Kirkman erhält Adlard auch genügend Gelegenheit die Charaktere zu präsentieren. Die Untoten gibt es noch, möchte man sagen, ihre Auftritte, auch ein gewisser Ekelfaktor, der mit ihnen einherging, geraten stark in den Hintergrund. Vor die Apokalypse hat sich ein Wiederaufbaugedanke geschoben, mit neuen Schwierigkeiten und auch neuen Ansichten.

Wer die Reihe verfolgt hat, kann sich noch an diverse Zwischenstationen und Örtlichkeiten erinnern. Die neue Zufluchtsstätte erinnert an eine Mischung aus Reihenhäusern und Containersiedlung inmitten eines Forts. Neben Mad Max ist der Western schon lange in The Walking Dead angekommen und zweifellos das stärkste Vorbildelement für diesen Zweig des Horrorgenres.

Eine Wendepassage. Neue Verbündete werden ins Spiel gebracht, gewohnte Bedrohungen werden mit antrainierter Leichtigkeit abgewendet oder beseitigt. Das Misstrauen gewinnt die Oberhand. Von einem versierten Charlie Adlard gezeichnet kündigt sich ein neuer Abschnitt von The Walking Dead an. 🙂

THE WALKING DEAD 16, Eine größere Welt: Bei Amazon bestellen

Sonntag, 20. Januar 2013

Ich, der Drache 2 – Das eiserne Buch

Filed under: Abenteuer — Michael um 12:53

Ich, der Drache 2 - Das eiserne BuchIm Inneren der Festung muss es schnell gehen. Die Zwillings geburt war nicht vorherzusehen. Die Erinnerung an die Geburt, das nachfolgende gemeinsame Aufwachsen und das stete Gefühl, immer in der zweiten Reihe zu stehen, nicht ein einziges Mal der Beste zu sein und immer wieder mit dem Versagen im Angesicht des Vaters konfrontiert zu werden, hat einen tiefen Zorn in Prinz Jorkin Belmonth geschürt. Die Konsequenzen konnte in der Vergangenheit niemand erahnen. Und auch jetzt, angesichts der Bedrohung an den Mauern der Festung, kann sich niemand vorstellen, wie Jorkin seine Stellung missbrauchen will. Das Blatt könnte sich sehr schnell für die Belagerten wenden, gäbe es nicht die Drachen.

Bilderflut: Juan Gimenez setzt seine außergewöhnliche Drachensaga mit dem eisernen Buch fort und schafft die Verbindung zwischen Charakterentwicklung und unglaublicher Aktionsszenen vor den Toren der Burg. Gestaltwandler waren gerne ein Thema von Fantasy-Autoren. Die Verwandlung in einen Drachen, in dieser bombastisch gemalten Form ist vielleicht nicht einzigartig, aber sie ist fantastisch umgesetzt. Juan Gimenez hat sich zu einem Meister der bildstarken Fantasy und Science Fiction (Space Opera) entwickelt, der hier außerdem klassische Aspekte einfügt, die auch einem Bühnenstück von Shakespeare zu Gesicht stehen könnte.

Eine dramatische Geburt gleich zweier Säuglinge, die an den Armen miteinander verwachsen sind und vorsichtig wie auch rüde mittels eines Dolches getrennt werden. Die Verwandlung eines Drachens und die lang herbei gesehnte Zusammenkunft mit der Mutter. Der Verrat eines jungen Mannes, der sich zu unaussprechlichem Leid auswächst und bestätigt, was immer wieder durch die Literatur geistert: Verräter mag niemand. Nicht jene, denen sie schaden. Aber auch nicht jene, denen sie nützen. Verrätern ist nicht zu trauen. Selbst wenn der Verrat in gutem Glauben ausgeführt wurde. Am Ende verbirgt sich, so wie hier, doch nur Eigennutz dahinter.

In einer verschachtelten Handlung, die Gegenwart, Vergangenheit, die Geschehnisse in und vor der Festung miteinander verflechtet, erlebt der Leser den Niedergang eines adeligen Geschlechts, hervorgerufen durch die geschwisterliche Rivalität der Erben einerseits und dem unversöhnlichen Hass der Angreifer andererseits. Juan Gimenez verwöhnt den Fantasy-Fan nicht nur mit einem sehr dunklen Szenario, das sich bis auf die Magie der Drachen der Zauberei sehr enthält, er hält auch einige sehr spektakuläre Ansichten bereit. Mate Trofen ist eine faszinierende Frauengestalt, im Gesicht entstellt, von Hass zerfressen, agiert mit toller inhaltlicher Stärke. Der Angriff der beiden Drachen auf die feindliche Armee ist optisch ein Fest.

Die grafische Technik von Juan Gimenez, feinste Strukturen mit einem leichten Farbauftrag zu verbinden, Tiefe und Realismus auf den Seiten zu erzeugen, geradezu Comic-Kino zu schaffen, wird in dieser Fortsetzung noch besser als im ersten Teil. In der Gestaltung der Drachen liegen sicherlich auch Elemente verborgen, die sich ein anderer Designer zunutze gemacht hat: H. R. Giger. Schwarz schimmernd, sehr verschlungen, als hätten organische Strukturen ihren Weg auch an die Oberfläche gefunden, ölig glänzende Muskeln, lederne Schwingen. Das Titelbild spricht Bände und verspricht eher zu wenig als zu viel.

Das Farbspektrum ist winterlich zu nennen. Die Farben sind kräftig, doch stellt sich kein frühlingshafter oder sommerlicher Eindruck ein. Jeder bunte Schein, von dem so wenige nicht gibt, muss sich nach vorne kämpfen. Juan Gimenez erzeugt eine Welt, in welcher der Himmel stets verhangen ist. Seltene lichte Stellen, noch weniger Morgenröte vermögen den Rauch zu vertreiben, der von der Belagerungsarmee und deren Feldlager aufsteigt.

Eine sehr schöne, sehr, sehr dicht erzählte Fortsetzung, in der Juan Gimenez all sein Können zum Ausdruck bringt. Auf seine Art sicherlich auch ein sehr positiver Anschub im Bereich Fantasy-Comic. 🙂

Ich, der Drache 2, Das eiserne Buch: Bei Amazon bestellen

Freitag, 18. Januar 2013

Die Frau ist frei geboren

Filed under: Biographie — Michael um 12:58

Die Frau ist frei geboren - Olympe de GougesHeirat? Allein das Wort könnte Begeisterung in Marie auslösen, wenn es denn der richtige Mann wäre. Aber dieser Metzger, obwohl zum gräflichen Mundschenk aufgestiegen, passt nicht in Maries Konzept. Doch es ist nicht die Zeit, in der unverheiratete junge Frauen sich ihren Gatten immer selbst aussuchen dürfen. Wir schreiben das Jahr 1764. Marie gibt dem Drängen des Mannes nach. Monsieur Aubry ist ein Mann seiner Zeit, seines Standes vielleicht auch. Er hat gelernt, wie Ehefrauen zu sein haben. Gefolgsam. Verstehen sie sich dann noch auf Nützliches, Schreiben und Rechnen, können somit im Geschäft aushelfen, ist es gut. Sind sie fruchtbar, verstehen sich auf Fertigkeiten, die eine Frau lieber im Verborgenen ausübt, ist es besser. Monsieur Aubrys Worte. Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Marie wird in Schwierigkeiten geraten.

Manchmal gibt es Geschichten und Biographien, die einem erst einmal wieder aufzeigen müssen, wie hart erkämpft das Selbstverständliche in unserer Zeit zuweilen ist. Oder noch nicht selbstverständlich ist. Oder nicht überall. Die beiden Comic-Macher Jose-Louis Bocquet (Autor) und Catel Muller (Zeichnerin) haben sich in diesem sehr ambitionierten Projekt einmal mehr zusammengefunden, um die Geschichte einer Frau zu erzählen, die teilweise eine Lebensart vormachte, um die es heute in der westlich dominierten Welt kaum noch oder immer weniger Diskussionen gibt.

Die Frau ist frei geboren heißt es in der Überschrift. Gleichberechtigung würde es noch mehr auf den Punkt bringen. Doch in jenen Tagen, als Olympe de Gouges noch unter anderem Namen geboren wurde und aufwuchs, nämlich, war selbst die Freiheit einer Frau, die Selbstbestimmung, ein selten anzutreffendes Gut. Auf über 460 Seiten, inklusive vieler Zusatzinformationen zur Historie und historischen Figuren, breitet sich ein Land im Umbruch aus. Im Jahre 1748 wird die kleine Marie Gouze geboren, ein uneheliches Kind der Liebe, wächst heran in unterschiedlichen Umgebungen und erhält so sehr verschiedene Blickwinkel auf das Leben, die ihr sehr bald verdeutlichen, was sie nicht vom Leben will.

Marie kommt in dieser sehr leicht erzählten Biographie früh mit dem Adel in Form des Vaters in Berührung, der naiv in den Tag hinein lebt. Das bürgerliche Leben bleibt ihr infolge der Verheiratung ihrer Mutter wie auch ihres eigenen späteren Lebens ebenfalls nicht fremd. Erst als sie ihre Gegenwart selbst in die Hand nimmt, sich aus der männlichen Verantwortung heraus zieht, kommt Bewegung in ihr Leben. Die Probleme werden aber nicht geringer. Denn Olympe de Gouges, wie sie sich im Laufe ihrer schriftstellerischen Karriere nennt, legt sich mit Mut mit vielerlei Menschen etablierter Kreise an. Sie stellt ihre eigene Meinung über das leibliche Wohl und gerät zusehends in Gefahr. Dieses selbstbestimmte Leben, vor niemandem zu Kreuze kriechen zu wollen, endet 1793 auf dem Schafott.

Jose-Louis Bocquet und Catel Muller beschreiben in scheinbar unzähligen Begebenheiten die Entwicklung einer Frau, heraus aus dem Bürgertum, allgemein hin zu einem Menschen, der mit Nachdruck nicht nur eine eigene Meinung vertritt, sondern auch Thesen entwickelt, damit an die Öffentlichkeit tritt und bittere Niederlagen einstecken muss. Das Theater wird Olympes Sprachrohr, ein hart erkämpftes Feld, auf dem das Publikum gnadenlos jubelt oder verreißt. In schwarzweißen Bildern, in leicht naiver künstlerischer Anmut, entsteht ein Ausschnitt auf eine Zeit, die geradewegs auf den Sturz einer Gesellschaftsordnung zustrebt. Mit der Hinrichtung des König geschieht das Unfassbare. Von da an ist alles möglich und niemand mehr sicher.

Obwohl Olympe de Gouges dies vor Augen gehabt haben muss, schweigt sie nicht, bricht das freche und sympathische Mundwerk immer durch. Doch am Ende hilft auch ein halbwegs juristischer Winkelzug nicht mehr. Der Prozess ist im wahrsten Sinne des Wortes kurz. Die Biographie, so harmlos sie beginnt, reißt bald mit, nicht zuletzt der Dichte der Erzählung wegen und ist auch sicherlich der Wahrhaftigkeit der Charaktere geschuldet.

Ein Leben in einer bewegenden Zeit, ein aufrechte Frau, für ihre eigene Meinung eintrat und auch wusste, was sie riskierte. Liebe, Humor, Drama, originell nacherzählt von Joes-Louis Bocquet und Catel Muller. Nicht nur für Freunde von Gesellschaftsgeschichte. 🙂

Die Frau ist frei geboren, Olympe de Gouges: Bei Amazon bestellen