Samstag, 05. Mai 2007
Vom 7. bis zum 10. Juni öffnet das Comicfestival in München wieder seine Pforten. Täglich von 10.00 bis 19.00 Uhr dreht sich alles im Alten Rathaus und in den Kunstarkaden am Marienplatz alles rund um das Thema Comic. Erwartet werden u.a. Hermann, Francis Bergèse, Marko Djurdjevic, David Lloyd und auch Timo Würz, nationale und internationale Zeichnergrößen. Mehr Infos unter www.comicfestival.de.
Wer einen Blick in ein außergewöhnliches Großer-Bruder-Projekt werfen möchte, sollte sich die ersten drei Tage von We Watch ansehen. Zeichnerisch erleben die Kandidaten eine ziemlich aufregende Zeit. Schade nur, dass es momentan unter www.wewatch-comic.de nicht so richtig weitergeht. Dieses Projekt hat das Zeug zu einem kleinen Online-Comic-Klassiker.
Wer schöne schwarzweiße Knuffel-Comics mag, sollte einen Blick auf die Seite von Bob Flynn werfen. Die Comics Snowmen and Sneak-Attacks und The Bottomless Closet sind Funnies im besten Sinne und machen einen Heidenspaß beim Lesen. Unter bob.bigw.org/bobcomic/ findet Ihr außerdem noch Informationen über Bob. 😀
Freitag, 04. Mai 2007
Die Jagd ist eröffnet. Wieder einmal sind Yorick, Agentin 355 und Dr. Mann auf der Flucht. Yorick hat seinen Spaß dabei, von Cowgirls verfolgt zu werden. Für Mann und 355 ist es bitterer ernst.
355 muss erneut unter Beweis stellen, wie kaltblütig sie in einer bedrohlichen Situation bleiben kann. Die Reise geht weiter, allerdings sind sie die Schwierigkeiten, die durch das Beisein des letzten Mannes entstehen, leid. Während Yorick bei einer alten Freundin und Kollegin zurückbleibt, wollen Dr. Mann und 355 dafür sorgen, dass der kleine Affe Ampersand die lebensrettenden Medikamente erhält. – Ampersand ist zwar ein nervtötendes Tier, aber immerhin scheint er auch das einzige männliche Tier (nach Yorick) zu sein.
Die ehemalige Agentin 711 ist zunächst sehr gastfreundlich. Das ändert sich jedoch über Nacht. Plötzlich findet sich Yorick in einem Sadomaso-Alptraum wieder. Fein kopfüber aufgehängt, an Händen und Füßen gefesselt, entpuppt sich Agentin 711 als Domina, die keinen Widerspruch duldet.
Aus dem vermeintlichen Sexspiel, für das Yorick keinerlei Interesse entwickeln kann, wird eine Reise in seine Erinnerungen und sein innerstes Selbst.
Dieser Trip ist allerdings nicht die einzige Hürde, die Yorick zu nehmen hat. In Arizona ist die Straße durch Überreste einer militaristischen Untergrundbewegung versperrt. Nichts und niemand, weder Hilfslieferungen noch sonstige Unterstützungen, konnte die teilweise verminte Landstraße passieren. Die Entscheidung fällt den drei Reisenden sehr schwer. Die Zeit drängt, wenn Dr. Mann mit ihren Forschungen noch etwas ausrichten will, dann muss es bald geschehen. Einen anderen Weg zu suchen, hieße, einen riesigen Umweg zu machen.
Dr. Mann erwägt, eine eigene Lösung auszuprobieren. Leider geht sie davon aus, dass in dieser Welt noch ausreichender Menschenverstand vorhanden ist. Nur haben die Waffen längst die Oberhand über den Verstand gewonnen. Dr. Mann bringt sie alle in Gefahr.
Die vierte Episode von Y – The Last Man besitzt den schönen Untertitel Offenbarungen. Das Fehlen von Männern hat Verhaltensblüten heranwachsen lassen, die niemand vorhersehen konnte. Y ist ein Road-Movie durch ein zusammengebrochenes Amerika als Abbild der gesamten Welt.
Yorick muss sich in dieser Folge erklären. Der berühmte einzige Mann auf der Welt glaubt immer noch an die große Liebe zu seiner Freundin, die sich leider auf der anderen Seite des Globus in Australien befindet. Angesichts der Probleme, in den ehemaligen USA von der Ost- zur Westküste zu gelangen, bedeutet die Reise nach Down Under eine lebenslange Aufgabe zu werden.
Trotzdem hat Yorick seine Hoffnung, die Freundin wiederzusehen, noch nicht verloren. Die Frage ist, warum? Als sich Agentin 711 mit Peitsche und Drogen in das Unterbewusstsein Yoricks hackt, erfährt auch der Leser einiges über den Mann und viele Fragen klären sich.
Es lässt sich nicht sagen, ob dieses Wissen um Yoricks Person gleich zu Beginn der Handlung als Hintergrundinformation des Autoren Brian K. Vaughan existiert hat, gleichwohl fügt es sich aber gut in die Handlung ein und klärt tatsächlich einige offene Fragen. Die Antworten sind logisch und treffend – realistisch, denn was als Traum eines Mannes im Witz klassifiziert wird, ist in Wahrheit unter diesen Verhältnissen nur noch beklemmend. Yoricks Gefühle, die im Mittelpunkt dieser Teilepisode stehen (und die sich später noch zeigen), werden für den Leser sehr glaubhaft dargestellt.
Ebenso realistisch ist das Land, wenngleich es etwas zu leer erscheint. Man könnte sich auch Flüchtlingsströme vorstellen, die durch das Land ziehen und mit der Sperre dieser wahnsinnigen Frauen kurzen Prozess machen. Wie es ausschaut, und auch in vorherigen Episoden geschildert wurde, bleiben die Menschen lieber an angestammten Orten, als ihr Glück in viel versprechenderen Landstrichen zu versuchen.
Realistisch ist auch die Gewalt, die sich wieder eingeschlichen hat und offen praktiziert wird. Der Westen ist wieder wild, wahrscheinlich wilder, als es die alten Siedler und Pioniere je gekannt haben. Vaughan beschreibt Land, in dem durch den Tod der Männer der Wahnsinn endlich seinen Durchbruch erleben konnte – ohne von den meisten überlebenden Frauen als solcher erkannt zu werden.
Zeichnerin Pia Guerra hat in dieser Ausgabe Verstärkung durch Goran Parlov erhalten, der ihren zeichnerischen Stil aber sehr gut aufgreift. Ein Unterschied ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen und könnte ebenso gut ein Experiment von Guerra gewesen sein.
Guerras Zeichenstil ist schnörkellos und wird von Inker José Marzán Jr. mit der gleichen Exaktheit umgesetzt. Dieser Effekt, wie auch die zugrunde sparsame liegende Kolorierung von Zylonol lässt einen halbdokumentarischen Charakter der Handlung entstehen. Nichts lenkt von der Geschichte ab. Man muss sich nicht in Details vertiefen, sondern kann die Handlung uneingeschränkt verfolgen.
Die Spannung steigt! Das Ziel des reisenden Trios rückt näher, doch mit jedem Schritt entweicht die Hoffnung ein Stück weiter weg. Ein gelungenes und schlüssiges Endzeitszenario mit einigen Rätseln im Hintergrund, die noch der Lösung bedürfen. Perfekte Unterhaltung.
Y – The Last Man 4 – Offenbarungen: Bei Amazon bestellen
Donnerstag, 03. Mai 2007
Black Adam, der mit göttlicher Macht ausgestattete Potentat, hält Hof. Er ist von seiner Anstrengung, ein stabiles Bündnis sicherer Staaten zu schnüren, absolut überzeugt. Für dieses Ziel geht er mit jeder erforderlichen Gewalt zu Werke.
Er hat ein leichtes Spiel, da sich im Augenblick niemand wirklich gegen ihn und seine Pläne stellen kann, denn noch nie waren Helden derartige Mangelware auf der Erde. Es ist das Jahr nach der Infinite Crisis.
Während sich Superman, besser gesagt, Clark Kent, in seinen Kochkünsten schult, versieht er seinen Job als Reporter eher schlecht. Wer hätte gedacht, dass Kent einmal beim Daily Planet gefeuert wird? Ein Interview muss her. Über Metropolis hat sich ein neuer Held etabliert. Sein Name ist Supernova. Auch Clark ist neugierig darauf, was hinter dem Fremden mit den außergewöhnlichen Energiekräften steckt. Leider ist er dazu auf ein gewöhnliches Interview angewiesen. Dank seines Kräfteverlustes ist es ihm verwehrt, kurz per Röntgenblick hinter die Maske zu schauen. Booster Gold indessen, ein Held zum Mieten, fühlt sich durch den ehrenhaften Supernova um seinen Job gebracht und ist entsprechend wütend. Eine richtige Heldentat muss her, die ihm wieder neue Sponsoren einbringt. Aber ein Desaster, an dem ein Held sich austoben kann, ist ja nie dann zur Stelle, wenn man eines braucht.
In Opal City mag es Ralph Dibny kaum glauben. Ein Kult versucht mit merkwürdigen Mitteln Superboy wieder zum Leben zu erwecken und ist fest überzeugt davon, es schaffen zu können. Wonder Girl gehört dem engsten Kreis des Kults an. Auch Ralph soll mitmachen. Er verlangt einen Beweis. Sie versprechen ihm, seine Frau ins Leben zurückzuholen.
Ralph wird von seinen Emotionen überwältigt. Ähnlich ergeht es auch Adrianna, die von Black Adam ein einmaliges Angebot erhält. Sie bekommt die Chance, göttliche Kräfte zu erhalten. Niemals wieder gäbe es für sie eine bessere Möglichkeit, ihrem Volk zu helfen und es zu beschützen.
Sind ihre Motive auch edel und geht sie auch mit großem Enthusiasmus zu Werke, so sind die Probleme von Renee und The Question ganz anderer Natur. Sie sind auf der Spur von Intergang. Die Verbrecherorganisation, die ihre Krallen in alles zu schlagen versucht, was sich nicht rechtzeitig wehrt und entsprechende Maßnahmen ergreift, will die beiden nervtötenden Detektive endgültig kaltstellen. Für Renee wird die Jagd auf Intergang zu einer ganz persönlichen Tragödie.
Wer die grobe Zusammenfassung der zweiten Ausgabe von 52 mit den Wochenabschnitten 10 – 18 stellt schnell fest: Hier kommen viele Ereignisse zusammen, die einen leicht puzzleartigen Charakter haben. Da kann der Überblick schon mal verloren werden, doch wie bei einem Puzzle kommt nach und nach ein Teilchen zum anderen und das Gesamtbild offenbart sich.
Die geschilderten Ereignisse sind noch nicht einmal komplett wiedergegeben. Neben den Figuren wie Black Adam, Ralph Dibny (der frühere Elastoman), Booster Gold, Supernova geben sich auch Helden wie Green Lantern, Green Arrow, Batwoman, Starman und Lobo die Ehre. The Question werden manche Comic-Fans vielleicht noch unter dem Namen Das Schemen kennen (Eigentlich auch ein treffender Name für den Detektiven, der seine Identität mittels einer Art hautfarbenen Latexschicht schützt, die sein Gesicht konturlos erscheinen lässt. Ein Nebel verschleiert seine Maskierung.) Wer genau aufpasst, wird außerdem einen Blick auf Metamorpho erhaschen, der früher mal dem Batman-Team angehörte.
So weit, so viele Charaktere.
Interessant und wirklich gut aufgebaut sind die Tragödien in diesen Geschichten. Leider kann ich nicht allzu sehr in die Tiefe gehen, um nicht zu viel zu verraten. Aber die verschiedenen Autoren wie z.B. Geoff Johns, Greg Rucka oder Mark Waid (und noch mehr) schenken den Helden wahrlich nichts. Besonders Ralph Dibny und Renee stechen dabei heraus. Ersterer ist bald dem Wahnsinn nahe, letztere wird in eine tiefe Gewissenskrise gestürzt. Neben diesen Szenarien, die sehr erwachsener Natur sind und ähnliche Tiefe erreichen wie in besseren Kriminalserien aus der amerikanischen Fernsehschmiede, finden sich auch neue Rätsel.
Wer ist Batwoman? fragt dieser Sonderband auf dem Cover. Fans werden sich vielleicht noch an eine andere Batwoman erinnern. Kathy Kane wurde vermutlich von einem Mitglied der Mordliga getötet. Die neue Batwoman hat einen kurzen, aber knallharten Auftritt, der auch grafisch ein Knaller ist. Tatsächlich ist das Rätsel interessant – und wird auch immer wieder gerne aufgegriffen, wie die Zeichentrickverfilmung Rästel um Batwoman zeigt, die im Stile der beliebten Trickserie Batman – The Animated Series gedreht wurde.
Einen ähnlichen Knallerauftritt legt auch Booster Gold hin. Nachdem ich ihn bei einem Auftritt in der Trickserie der Justice League gesehen hatte, hat er hier ähnliche Probleme: Ein Mietheld wird eben nicht sehr ernst genommen. In diesem Band allerdings wächst er deutlich über sich hinaus.
Nach all diesen Überraschungen ist es keine Überraschung mehr, dass die grafische Umsetzung der gesammelten Abenteuer absolut Top ist. Besonders schön sind die Bilder nach den Vorzeichnungen von Keith Giffen. Die Episoden um Black Adam und Starman sind sehr gelungen.
Letztere setzen all den düsteren Ereignissen einen guten entschärfenden Humor den gesamten Geschehnissen gegenüber.
Gelungen, tragisch, spannend, sehr komplex, das DC-Universum einmal anders und doch vertraut. Wie könnte man sagen: DC wird ultimativ, ohne das Universum zu wechseln. 😀
Mittwoch, 02. Mai 2007
Der Ghost Rider will aus der Hölle entkommen. Doch so oft er es auch versucht, immer gerät er dabei in eine bestens vorbereitete Falle Luzifers. Je größer Ghost Riders Zorn und Verzweiflung darüber sind, desto höher ist der Grad der Freude bei dem Fürsten der Finsternis.
Aber Johnny Blaze, der Ghost Rider, erhält eine unerwartete Chance. Ein kleiner Dämon, der sonst nur dafür zuständig ist, dass die Hölle weiter ausgeschachtet wird, damit für die verdammten Seelen mehr Platz ist, will Ghost Rider bei der Flucht helfen. Johnny kann dem Angebot nicht widerstehen. Endlich ist er wieder zurück auf der Erde.
Die Welt ist nicht besser geworden während seiner Abwesenheit. Nicht nur das, konnte er in der Hölle unterwegs sein, so oft und so lange er wollte, geht ihm sofort nach seiner Ankunft das Benzin aus. Eine helfende Hand, von einer freundlichen Truckerin gereicht, missdeutet er als neuen Schachzug Luzifers. Nur ihrem Mitleid ist es zu verdanken, dass sie ihn doch noch mitnimmt.
Verglichen mit diesen kleinen Schwierigkeiten der Eingewöhnung sind die nachfolgenden Geschehnisse wahre Katastrophen. Johnny will es sich zuerst nicht eingestehen, aber er kam nicht alleine. Luzifer hat einen Trick benutzt und treibt sich nun ebenfalls auf den schier endlosen Highways herum.
Vorerst kann Johnny den Teufel bekämpfen, denn Luzifer hat seine Persönlichkeit auf 666 verschiedene Menschen aufgeteilt, die gerade frisch verstorben sind. Ihre Untaten sollen den Ghost Rider dazu bringen, jeden einzelnen zur Strecke zu bringen. Wenn am Ende nur noch einer übrig ist, kann Luzifer seine Macht auf Erden endlich voll entfalten. Leider ist Johnny etwas unbedacht. Bevor er sich dem Teufel in aller Konsequenz stellen kann, tritt ihm ein anderer Held entgegen.
Stephen Strange, Meister der Magie, tritt dem Ghost Rider in guter Absicht gegenüber. Er will ihn anleiten. Johnny hingegen ist so häufig vom Teufel getäuscht worden, dass er nicht mehr zwischen Original und Fälschung unterscheiden kann. Dr. Strange hat es wahrlich schwer, sich gegen den Ghost Rider zu wehren, der jedes Register seines kämpferischen Könnens zieht.
Der Ghost Rider ist zurück. Eben war er noch auf der Leinwand und nun ist er in einer vorzüglichen Ausgabe über sein neuerliches Eintreffen auf der Erde zu sehen. Daniel Way hat die Rückkehr des höllischen Motorradfahrers sehr intensiv beschrieben. Neben der Auseinandersetzung mit dem Höllenfürsten trifft der Leser außerdem Dr. Strange, jenen magischen Fels in der Brandung, der schon in so mancher anderer Serie seinen Auftritt hatte.
Daniel Way kennt sich im Marvel-Universum aus, schrieb er bereits für Wolverine, Spider-Man, Venom und auch Hulk. Der Ghost Rider ist in der Welt von Marvel sicherlich ebenso ungewöhnlich wie Dr. Strange. Alles, was irgendwie magisch angehaucht ist, fügt sich nicht so leicht ein wie Mutanten, Superhelden und Superverbrecher. Hatte auch der Silver Surfer seine Begegnung mit der Hölle in Form von Mephisto, ist die höllische Geschichte um den Ghost Rider viel gruseliger gelagert. Nach der Episode um die Marvel Zombies im Ultimativen Universum ist Horror bei Marvel noch verständlicher. Frühere Ausflüge in das Genre wie Dracula und Frankensteins Monster sind vergleichsweise harmlos. (Nun, Horror war früher auch viel harmloser als heute.)
Diese Geschichte um den Ghost Rider wandelt auf dem Grat zwischen Grusel, Horror und einem dunklen Humor, der in den letzten Jahren immer mehr Einzug in das Genre gehalten hat.
Für den Humor ist (wer hätte das gedacht?) der Teufel zuständig. Luzifer präsentiert sich als Charakter, der enormen Spaß an seinem Leben und seiner Arbeit hat. Er ist ein sehr gutes Gegengewicht zu Johnny Blaze, der doch arg frustriert und verzweifelt ist. In der Hölle ist Luzifer der Herrscher mit Macht, aber erst auf der Erde kann er so richtig die Sau rauslassen. Auf Erden erinnert er mehr an einen Slasher-Helden im Sinne von Freddy Krueger, der mit der optischen Darstellung des Teufels aus dem Ridley Scott-Film Legende gekreuzt wurde. Natürlich verzichtet die Geschichte auf ähnliche Auswüchse wie in Horror-Filmen, aber die humorvollen Szenen können durchaus als Hommage an solche Filme verstanden werden.
Johnny ist eine Figur, die mehr ein Spielball anderer wie auch ihrer eigenen Emotionen ist. So gleicht sie ein wenig dem Hulk, einem Charakter, der auch einer Verwandlung unterworfen ist und die ihm sehr viel Schmerz eingebracht hat. Das Auflehnen gegen das Schicksal einer solchen Figur, die ihm Grunde bemitleidenswert ist, ist immer für eine spannende Geschichte gut. Daniel Way weiß, wie er eine Geschichte zu erzählen hat, bei der ein Leser bis zum Ende am Ball bleibt.
Grafisch haben Javier Saltares (Zeichner), Mark Texeira (Tusche) und Dan Brown (Farben) das Heft in der Hand. Die Geschichte wurde zwar per Computer koloriert, imitiert aber eine von Hand gemalte Optik. Bis auf wenige Ausnahmen dominiert eine düstere Optik und Farbgebung. Die Kontraste von Dunkelblau, Flammenrot und Sonnengelb entfalten sehr oft eine tolle Wirkung in den einzelnen Szenen. Manchmal könnte die Ausarbeitung noch etwas detailfreudiger sein, aber vor dem Hintergrund der häufigen Erscheinungsweise der in diesem Band zusammengefassten Episoden hat das Grafik-Team eine tolle Arbeit gemacht.
Die Hölle auf Erden war lange nicht mehr so gut. 😀
Montag, 30. April 2007
Blüdhaven ist ein Trümmerfeld. Nachdem Chemo über der Stadt explodierte, ist Blüdhaven ein apokalyptischer Ort geworden. Rechtschaffene Menschen, die es nicht mehr rechtzeitig nach draußen geschafft haben, verstecken sich. Mutierte Metas versuchen ihre neue Macht auszunutzen.
Die Teen Titans sind machtlos. Per Regierungsverordnung ist es ihnen verboten worden, einzugreifen. Zunächst halten sich die Titans daran. Immer noch herrscht der Irrglaube vor, dass alles, was die Regierung initiiert, auch richtig sei. Aber nicht alle legen viel Wert auf solche Verordnungen.
Innerhalb der Mauern von Blüdhaven, das von Regierungstruppen abgeriegelt wurde, die selbst den ehemaligen Bewohnern der Stadt keinen Zutritt gewähren, sind andere am Werk, die helfend eingreifen und ein bestimmtes Ziel verfolgen. Die Suche der Atomic Knights kreuzt sich mit ihren Feinden. Die Nukleare Legion, eine Bande von Gangstern, die alle unterschiedliche durch Strahlung kontaminiert und verändert wurden sind noch nicht einmal ihre härtesten Gegner. Auch die Regierung hat unter der Leitung von Father Time ein altes Team reaktiviert. Der ehemalige Freedom’s Ring wurde zu SHADE, einer Abwehreinheit gegen Metawesen. Unter der Führung des wahnsinnigen Major Force befolgen sie die Befehle des undurchsichtigen Father Time.
Ganz langsam wird das Ziel aller in diesen Trümmern eindeutig. Irgendwie hat Captain Atom seine Tour de Force überlebt. Jeder scheint an dem im Koma liegenden Helden interessiert zu sein.
Bald sich auch die Titans zurück. Sie wollen den Behörden nicht länger Glauben schenken und die seltsamen Maßnahmen nicht länger gutheißen. Und sie kommen nicht allein. An ihrer Seite kämpft die legendäre Green Lantern namens Hal Jordan. Darauf hat Major Force nur gewartet.
Die Secret Six sind Verbrecher. Catman, Deadshot, Knockout, Scandal Savage, Mad Hatter und Ragdoll stehen bereits sehr lange auf der falschen Seite des Gesetzes. Als Team nehmen sie Attentatsaufträge an. In einer Welt, in der die wahren Helden genug mit sich selbst beschäftigt sind, können die Secret Six in aller Ruhe ihrem Beruf nachgehen. Eigentlich läuft es gut für sie. Doch genau an dem Tag, an dem sie sich etwas mehr Ruhe gönnen, setzt jemand die Six auf seine Abschussliste.
Scandal muss erleben, wie ihre Freundin Knockout in einer Explosion scheinbar ihr Leben verliert. Deadshots Frau und Tochter werden zum Köder und zur Zielscheibe. Und das ist erst der Anfang.
Einen prallen Lesespaß bietet die Monster Edition mit Ein Jahr nach der Infinite Crisis. Der vorliegende Band beweist: Das DC-Universum lebt – auch ohne die wirklich besonderen Helden, die das Universum über Jahrzehnte zusammengehalten haben.
Trotzdem muss der Leser nicht auf alte Bekannte verzichten. Hal Jordan ist zurück, wenngleich es eher ein Gastauftritt ist – allerdings mit einem Paukenschlag, das lässt sich nicht anders sagen. Batman-Fans können sich vielleicht noch an die äußerst amerikanische Heldentruppe erinnern, gegen die das einstige Batman-Team antreten musste. Wie es sich sehr bald zeigt, ist die Gruppe unter Major Victory nicht mehr mit den Individuen identisch, die einstmals Batmans Leuten gegenüber traten. Selbst in dieser Ausgabe findet ein Austausch statt. Altbekanntes wird mit neuen Elementen gemischt. Die Geschichte der Infinite Crisis wird jedoch in einer Weise fortgeführt, die so richtig auf den Putz haut und fast schon zu viel Inhalt mit sich führt.
Als wären vier Gruppen, die Titans, die Nukleare Legion, die Atomic Knights und Shade noch nicht genug, erwarten den Leser der Auftritt von Hal Jordan, diverse Neuhelden und Kriminelle, Captain Atom und zum guten Schluss auch die nukleare Familie. Letztere ist eine richtig nette kleine Überraschung und sorgt für einen wirklich humorvollen Auftritt. Ein sprechender Hund war zuletzt das Zünglein an der Waage in MIB. Eine ähnliche Charakter-Konzeption erwartet den Leser auch hier.
Während Die Schlacht um Blüdhaven eher konventioneller erzählerischer Natur ist, wird mit den Secret Six so richtig aufgetrumpft. Diese sechs Gangster sind erstens eine gelungene Mischung und zweitens dürfen sie sich auch wie Gangster verhalten. Diese Bande verdient ihr Geld mit dem Töten von Menschen, nicht immer, aber immer öfter. Und auch aus persönlichen Motiven heraus werden Feinde lieber umgelegt, als am Leben gelassen.
Gail Simone, die Autorin dieses Mehrteilers, hat die Gelegenheit genutzt, um diesen Gangstern sehr viel Profil und Geschichte zu verleihen. Simone ist manchem Leser als die Autorin der Birds of Prey bekannt, einer Serie, die hierzulande nicht sehr erfolgreich war. Nun darf sie aus den Secret Six lebende Menschen machen, die lieben, hassen, ihr Leben bestreiten müssen, sich auch ausruhen, ihren Vergnügungen nachgehen und die sich, obwohl nicht immer alles passt, zusammenraufen, um einem der ihren zu helfen.
Interessant ist, wie sogar der Mad Hatter, der verrückte Hutmacher, ein alteingesessener Gegner von Batman, an Profil gewinnt. Als Beispiel genommen ist er viel näher an seiner literarischen Vorlage, als er es in der Vergangenheit war. Simone steigert den Mann auch viel weiter in seine Phantasien hinein. – Derart weit, dass es ab einem bestimmten Punkt sogar Mitleid erregend wird.
Der Realismus der Geschichte erinnert ein wenig an jene Erzählstrukturen, wie der Comic-Fan, sie auch vom Marvel-Universum her kennt. Besonders Catman kann mit seiner Vergangenheit gewisse Parallelen zu Wolverine nicht leugnen.
Zeichner Dan Jurgens gestaltet auf seine gewohnt versierte Art die Geschichte um Blüdhaven (zusammen mit Gordon Purcell). Brad Walker kann sich im eher düsteren Szenario um die Secret Six austoben. So sind die Geschichten auch grafisch sehr gegensätzlich, aber immer äußerst passend.
Mir persönlich sagt die echtere Geschichte um Catman und Co. mehr zu. Unter dem Strich bleibt ein echter Knaller, der Dank seines enormen Umfangs viel Lesevergnügen im neuen DC-Universum bietet. 😀
Freitag, 27. April 2007
Eine sehr schöne Projektvorschau findet man diesen Tagen zur Umsetzung der Johannes Offenbarung, jenes Kapitels in der Bibel, in dem die Apokalypse die Welt der Menschen heimsucht. Unter www.apokalypse-comic.de findet der Comic-Interessierte wirklich tolle Interpretationen des Themas. Von den ersten Skizzen der erscheinenden Figuren wie auch der ersten Seiten entsteht ein gruseliger Eindruck von Wahnsinn und Endzeit. Das Projekt von Andreas Köhn und Eckart Breitschuh hat es in sich. – Nicht umsonst wird die Offenbarung gerne von Horror-Autoren als Inspiration herangezogen.
Wer noch nicht genug Horror-Eindrücke sammeln konnte nach dieser schönen Vorschau, der mag einen Blick auf die zweite Episode von Death Jr. werfen. Weniger humorvoll, dafür grafisch beeindruckender ist die erste Episode von Occult Crimes Taskforce. Ein Blick unter www.imagecomics.com lohnt sich immer.
Wer Spaß an gelungenen (und auch großen) Bildergalerien hat, möge einen Blick auf die Online-Werkvorstellung von Samwise, Metzen, Twincruiser und Thammer werfen unter www.sonsofthestorm.com werfen. Es lohnt sich. Besonders Warcraft-Fans werden es mögen.
Donnerstag, 26. April 2007
Die Festen des Himmels schwanken. Trümmer fallen von hoch oben auf Engel und Verbindungsbrücken herab. Das Böse begegnet den Mächten des Guten. Heere von Engeln stellen sich dem gigantischen Biest.
Die Erschütterungen, die an den Grundfesten der Sphären rütteln, greifen auch auf die Erde über. Das ehemalige Paradies ist zu einem Trümmerhaufen verkommen. Erdbeben haben aus einer lebenswerten Welt einen apokalyptischen Platz gemacht. Die Arbeit der Rettungskräfte reicht nicht aus, um der vielen Verletzten Herr zu werden. Inmitten dieses Chaos taumelt der Engel Gabriel durch den Schutt und die Trümmer. Er kann das Grauen um sich herum kaum aushalten, noch richtig begreifen.
Das ist nicht schlimm. Das Wichtigste ist zu leben. Wenn auch nur eine Minute länger.
Die Worte einer Sterbenden reißen den Himmelsbewohner aus seiner Lethargie und zwingen ihn zum Nachdenken. Zu diesem Zeitpunkt sterben die Sphären unaufhörlich weiter. Jeder Turm, der im Himmel einstürzt, reißt mit seinen Trümmern ein Loch in die Hölle. Wer glaubte, Höllendämonen könnten nicht in Panik geraten, sieht sich angesichts des Schreckens unter den Höllenbewohnern gewaltig getäuscht.
Die Suche geht weiter. Nach der Flucht Gabriels haben sich der Engel, Anya und der Junge verloren. Getrennt voneinander irren sie umher. In einer Welt, die der Phanatasie eines M.C. Escher entsprungen sein könnte, läuft der Junge planlos umher. Als er auf Anya trifft, freut er sich keineswegs. Mittlerweile glaubt er daran, eine Aufgabe erfüllen zu müssen. Der Junge ist allerdings nicht mehr so hilflos, wie noch zu dem Zeitpunkt, als er von Gabriel gerettet wurde.
Gabriel hält es nicht mehr auf der Erde. Er will zurück in den Himmel. Woanders ist eine Klärung seiner Fragen nicht möglich. Das Chaos erleichtert seine Rückkehr nicht gerade. Die alten Wege scheinen versperrt oder nur schwierig passierbar zu sein. Die Abkürzungen werden bewacht. Gabriel lässt sich nicht aufhalten und kämpft sich durch. Die Wahrheit ist viel schlimmer, als er geahnt hat.
Der dritte Teil von Das verlorene Paradies zeigt dem Leser drei Welten am Rande des Abgrunds. Alles ist irgendwie führungslos geworden. Die Engel haben einen Plan, scheinen ihn jedoch äußerst kopflos zu verfolgen. Die Dämonen wollen ihren verhassten Feind vernichten, während die Menschen zum Spielball einer höheren Macht geworden sind, der sie nichts entgegenzusetzen haben.
Das Autorenduo Ange und der Zeichner Philippe Xavier skizzieren hier eine düstere Apokalypse riesigen Ausmaßes. Hoffnung ist hier kaum zu finden. Erst zum Schluss gestatten die Macher einen Funken Licht am Ende des Tunnels und lassen den Leser gleichzeitig mit einem Augenzwinkern bis zur nächsten abschließenden Folge zurück.
Geschichten um das Ende der Welt sind seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in. Sie treten in den verschiedensten Formen auf. Wissenschaftlich, mittels absoluten Horrors oder auch religiös. Wie das Ende der Welt aussehen kann, haben uns die Offenbarung wie auch George A. Romero oder Stephen King erzählt. Eine wirklich klassische Herangehensweise wird uns von Ange vorgelegt. Der Himmel läutet hier das Ende ein. Himmel ist hier nicht gleichzusetzen mit einem Willen. Die Strukturen des Himmels sind hier ebenso verkrustet wie auch komplex. Gut bedeutet nicht gleichzeitig gut. Nicht jeder ordnet sich einem Befehl unter. Es gibt Widerspruch und sogar Rebellion. Die Engel wenden sich gegeneinander und Gott scheint ferner denn je zu sein. Wieder ruht die Hoffnung auf einem Kind, dessen Kräfte das Böse aufhalten sollen. Schließlich stellt sich heraus, dass Irren nicht nur menschlich, sondern auch himmlisch ist – nicht göttlich.
Im Zentrum der Ereignisse steht der Engel Gabriel (nicht zu verwechseln mit dem Erzengel gleichen Namens). Er ist tatsächlich zwischen den Welten hin und her gerissen. Aus dem Wesen, das einmal eine fest umrissene Aufgabe hatte und wusste, wo sein Platz im Leben war, ist ein Wanderer geworden, der entwurzelt und ziellos umher läuft. Gabriel ist eine einfache Figur. Er muss keinem Beruf nachgehen und keine Familie beschützen oder ernähren. Das Einzige, was Gabriel konnte, war zu kämpfen. Das ist ihm nun verwehrt. Auf der Erde hat er keine Flügel, sein Schwert ging verloren. Sein Antrieb ist verloren. Erst als er den Kampf wieder aufnehmen will, entwickelt er auch eine neue Durchsetzungskraft, die ihm hilft gegen Widerstände anzugehen – ob er auch gegen sie bestehen kann, ist eine ganz andere Frage.
Fast scheint es, als hätten Ange ihren Gabriel auf eine neue Aufgabe angesetzt, nämlich sich selber zu finden.
Eine ähnliche Aufgabe haben sie auch Anya zugedacht, die sich zwar nicht mit Schwertern erwehren muss, aber dafür einen inneren Kampf gegen sich selbst bestreitet.
Philippe Xavier hat mit seinem äußerst präzisen Strich eine sehr schwierige Aufgabe zu erfüllen. Als Zeichner muss er zwischen drei Welten hin und her springen. Monster wechseln einander mit himmlischen Engeln, himmlische Architektur löst das Chaos auf der Erde ab. Die Übergänge und die Gegensätzlichkeiten machen den optischen Reiz dieses Bandes aus.
Besonders gelungen ist der sterbende Himmel und auch das Biest, das Monster, das die himmlische Festung bestürmt. Wollte man die Bilder mit einem Wort benennen, könnte man sie als ästhetisch beschreiben. Es herrscht eine durchgängige klare Schönheit von Linien und Formen vor.
Ein fantastisches Abenteuer mit Hochglanzoptik in einer Apokalypse, die keine Sphäre verschont. Auch in der dritten Episode wird die Spannung hoch gehalten. Derartig kämpferisch hat man Engel selten gesehen.
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Dienstag, 24. April 2007
Die Flüchtlinge unter der Führung des ehemaligen Polizisten Rick Grimes vertragen sich nicht sehr gut mit den Insassen des Gefängnisses, in das sie sich geflüchtet haben. Einerseits werden sie von den Zombies bestürmt, andererseits wollen die ehemaligen noch lebendigen Häftlinge ihre ungewünschten Gäste auch loswerden.
Wenn sich zwei streiten, freuen sich die Zombies. Mitten in die Auseinandersetzung der Lebenden platzen die lebenden Toten mit ihrem grausamen Hunger. Die gemeinsame Verteidigung hält dem Ansturm der Zombies stand. Rick nutzt die Gelegenheit, um ein Problem aus der Welt zu schaffen. Dexter, der Anführer der Sträflinge, überlebt die Attacke der Zombies nicht. Tyrese hat beobachtet, wie Rick eine Wendung der Ereignisse herbeigeführt hat.
Inmitten dieser Ereignisse taucht eine Besucherin auf, die bislang alleine in der Wildnis überlebte. Michone, eine junge Frau, hat sich ihren Weg mit einem Schwert gebahnt. In ihrem Schlepptau, zieht sie zwei Zombies hinter sich her, die sie so präpariert hat, dass sie ihr nicht mehr gefährlich werden können. Die Anwesenheit dieser Untoten hat es ihr ermöglicht, größere Ansammlungen der Zombies beinahe unbehelligt zu passieren.
Gleich als sie das Gefängnis erreicht, kann sie Otis helfen, der ebenfalls zum Gefängnis zurückkehrt. Ihre Vorgehensweise ist versiert, schnell und gnadenlos. So beeindruckt sie auch so manchen anderen der Flüchtlinge.
Nachdem wieder eine Gefahr gebannt ist, konzentrieren sich die Menschen wieder auf sich selbst. Alles scheint noch mehr aus den Fugen zu geraten. Der gemeinsame Feind, die Untoten, sind vorerst jenseits des Gefängniszauns. Einige wenige von ihnen, die noch in verschiedenen Gebäudeblocks eingesperrt sind, stellen kaum eine Gefahr dar. – Denken sie.
Nachlässigkeit und eine neue Auffassung von Moral (oder auch eine ganz alte, das ist Ansichtssache) reißen die ohnehin brüchige Fassade der Gruppe immer mehr ein. Allen voran scheint Grimes seiner Rolle als Anführer der Gruppe immer weniger gerecht werden zu können. Körperlich sowieso angeschlagen, gestattet er seinem Verstand immer häufiger einen Ausweg mittels purer Gewalt zu suchen. Seine Taten sind erschreckend, seine Erklärungen sind fadenscheinig. Was ist aus der alten Regel geworden, die sie eigens aufgestellt haben?
Wer tötet, stirbt. Diese Regel ist nicht mehr haltbar. Und die Tragödien scheinen kein Ende nehmen zu wollen. Diesmal kommt die Bedrohung von innen.
The Walking Dead 4 – Was das Herz begehrt nimmt den Leser mit auf den Grund der seelischen Abgründe der Protagonisten. Die Menschen, die so lange den Zombies widerstanden haben, sind innerlich zerrissen, aufgewühlt, einsam und verzweifelt. Manch einer kann nicht mehr und übertritt Grenzen, die denjenigen ebenso schockieren, wie jene, die um ihm sind.
Robert Kirkman, der Autoren-Shooting-Star der Comic-Szene, überrascht in dieser vorliegenden vierten Ausgabe der Walking Dead-Reihe mit einem Drama, in der die Zombies eine Bedrohung sind, die austauschbar ist. Jedes andere Endzeit-Szenario ist denkbar, was die Charaktere an den Rand des Wahnsinns treiben könnte. Im Mittelpunkt steht natürlich der ehemalige Polizist Rick Grimes. Ausgerechnet ein Gesetzeshüter übertritt die alten Regeln immer häufiger. Er stellt eigene Regeln auf. Das Wohl der Gruppe steht über allem anderen. Wer dem im Weg steht, muss aus demselben geschafft werden. Das können Untote sein, aber auch Lebende.
Sicherlich kämpfen die Menschen auch um Normalität. Beziehungen werden hoch gehalten, nur um schließlich aus noch größerer Höhe zu fallen. Kleidung zählt nichts mehr. Nach all dem Konsumterror sind die Leute froh, als sie frische Gefängniskleidung anziehen können. Für Individualität ist kein Platz mehr. Alle sind gezwungen und gefordert, an einem Strang zu ziehen. Inmitten des Gefängnishofes entsteht eine Anbaufläche, bei der viele mit anpacken müssen.
Und plötzlich platzt der Knoten. Rick und Tyrese stehen sich gegenüber. Der eine tötete aus Rache. Der andere tötete, um die Gruppe zu schützen. Eine Affäre wie auch Eifersucht werden zum Auslöser eines heftigen Kampfes. Das alles wird von Kirkman mit einer enormen Intensität geschildert, wie sie so in den Vorläuferbänden noch nicht zu finden war. Zwar war stets um Realismus und Spannung bemüht und schaffte es, das Echte an der Situation bis aufs Itüpfelchen herauszuarbeiten, doch hier ist es ihm zweifelsfrei am besten gelungen. Aus einem mehr oder weniger gewöhnlichen Streit entsteht eine hochdramatische Szene, wie es sie nur selten in Comics findet.
Die Intensität mag auch darin begründet sein, dass Kirkman die Schilderung der Figuren bisher so gut gelungen ist und diese regelrecht in der Geschichte heranwuchsen.
Ausführender Zeichner ist auch diesmal wieder Charlie Adlard. Die Grautöne entstammen der Arbeit von Cliff Rathburn. Die Bilder unterstreichen die düstere Atmosphäre. Eine farbliche Ausführung scheint besonders angesichts der Dramatik in diesem Band undenkbar. Besonders auffällig sind die Knaller, die dem Leser von Adlard präsentiert werden. Ganzseitig wird der Leser ein ums andere mal schockiert. In diesem Fall sind es viele Zusammenbrüche der Charaktere. Die Erschöpfung ist greifbar. Das packt. Der schnelle Strich von Adlard erhöht den halbdokumentarischen Charakter der Geschichte.
Spannung, Drama, Verzweiflung. Kirkman zeigt, wie realistisch Comics erzählt werden können. Nur ganz selten werden Comic-Charaktere derart genau beschrieben, beinahe schon seziert. Perfekter Horror mit absolutem Tiefgang.
The Walking Dead 4 – Was das Herz begehrt: Bei Amazon bestellen
Montag, 23. April 2007
2051. Es ist eine andere Welt. Sie ist von einem fremden Licht durchstrahlt, aber ihre Leichtigkeit täuscht, wie besonders zwei Besucher bald erkennen müssen. Auch hier kann die Strafe auf dem Fuß folgen. Nur wer noch gebraucht wird, kann der Auslöschung entgehen.
Eine Droge ist es, die den Erleuchteten dieser Welt ihre Macht schenkt. Diese Macht ist nicht für jeden gedacht, und ihre Wirkung ist ebenso umkehrbar. Schnell kann aus dem Segen eine zerstörerische Kraft werden, die das Bewusstsein eines Unglücklichen sprengt. Abseits dieser künstlichen Welt existiert die Realität. Gnade existiert hier ebenso wenig. Im Augenblick der künstlichen Zwistigkeiten kommt es im Vereinigten Amerika zu einem furchtbaren Zwischenfall. Es ist nicht nur ein Experiment, was soeben stattfindet, sondern es das Experiment. 15000 Menschen nehmen an ihm teil. Die Kameras zeichnen gerade ein Interview mit dem leitenden Wissenschaftler auf, als das Experiment grauenhaft beendet wird. Soldaten dringen in die Forschungsstation ein und begehen ein Massaker.
Diese furchtbaren Ereignisse haben auch Auswirkungen jenseits des Atlantiks. In Portugal lebt Alex Boniak ein halbwegs normales Leben in einer verschmutzten Atmosphäre und unter einer Lichteinstrahlung, die ebenfalls schädlich ist. An diesem besonderen Tag besuchen ihn alte Freunde aus Amerika – und nicht zu vergessen Ana, die Frau, die Alex einmal nachhaltig beeindruckt hat.
Inzwischen weiten sich die Geschehnisse im Labor im Vereinigten Amerika zu einer landesweiten Revolte aus. Die Bilder, die im Fernsehen übertragen werden, sind erschütternd.
Der Besuch der Freunde kommt nicht zufällig. Was zunächst nach einer spielerischen Tour von Alex mit Petro und Bajdo durch Lissabon aussieht, wird bald zu einer Offenbarung, der Alex nicht so leicht trauen kann. Denn Drogen betrügen seine Sinne. Oder zeigen sie ihm tatsächlich die Wahrheit? Sieht er all das wirklich oder bildet er es sich nur ein? Sind diese Drogen nützlich?
In Experiment Alpha lebt Alex im Jahre 2051 ein ganz normales Leben. An die Luftverschmutzung und die Überschwemmungen im übervölkerten Lissabon hat er sich gewöhnt. Die eingeschränkte Lebensweise in dieser High-Tech-Welt ist zur Normalität geworden. Doch da ist noch mehr. Es existiert noch eine andere Welt dahinter. Diese Welt ist vollgestopft mit Anweisungen und Befehlen, die jedem in allen Details vorschreiben, wie er sich zu verhalten hat.
SciFi-Begeisterte werden sicherlich die eine oder andere Parallele zu bekannten Genre-Geschichten herstellen können. Dieses 2051 wird durchzogen von Anweisungen, die den Bürger zu Gehorsam und Konsum anhalten. Die berühmteste Vorgabe ist sicherlich 1984. Die Idee, als Romanvorlage wie auch in der späteren Verfilmung, findet sich außerdem wieder im Film von John Carpenter mit dem Namen Sie leben!. Hier erliegen die Menschen allerdings einer außerirdischen Indoktrination. Sind es dort Fernsehsignale, die den Bürger beeinflussen, sind es hier Drogen. In normalem Maß genossen (sofern das geht), helfen sie der Administration bei der Beeinflussung. Bei einer Überdosis (sofern man diese überlebt) sieht man plötzlich klar.
Alex ist der Held dieser Geschichte. Er ist jung, etwas naiv vielleicht. Er gönnt sich den Luxus eines Haustiers in dieser Welt, in denen Städte sich bis zum Horizont hinziehen. (Obwohl es das bereits gibt.) Im Gegensatz zu manchen anderen ist er in einer Art privilegierter Stellung. Er wirft einen Blick auf eine Welt, in der Sauberkeit und Ordnung und verwahrloste Stadtteile nah beieinander liegen. Alex stellt keine Fragen. Er lebt so vor sich hin. Die Antworten, die er von Petro und Bajdo erhält, gehören zu Fragen, die er niemals selbst gestellt hätte. Und wenn er es recht betrachtet, überfordern ihn die Antworten sogar, denn sie sind derart unglaublich, dass sie sein gesamtes Weltbild von einem Augenblick zum anderen in Frage stellen.
Die Figur und die Welt, die der Autor, Zeichner und Kolorist in Personalunion Vukasin Gajic hier entwirft, sind absolut stimmig geworden. Zunächst fällt der Einstieg etwas schwer, weil die Szenerie sehr ungewöhnlich ist. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser, denn zuerst sieht der Leser die Welt so, wie sie nur von Wenigen gesehen wird. Diese Welt kennen SciFi-Fans aus Cyberspace-Geschichten, aber auch eine Spur Magie lässt sich nicht verleugnen. Diese Andersartigkeit wird bald von Realität abgelöst. Der Lichterglanz und all die klaren Strukturen des künstlichen Realismus stehen dem Dreck und den verschachtelten Straßenzügen gegenüber. Die Gewalt und Brutalität ist in beiden Welten gegenwärtig. Experiment Alpha lebt von diesen Gegensätzen und genau das macht auch den Reiz daran aus.
Durch Gajic ist auch eine Geschichte wie aus einem Guss entstanden. Sie ist aufregend, beunruhigend, spannend und sie hat, alleine was die Geschichte selbst betrifft, das Zeug zu einem Comic-Klassiker.
Darüber hinaus ist sicherlich auch die grafische Umsetzung wegweisend. Vollkommen zu Recht verlässt sich Gajic auf die farbliche Gestaltung. Kommen Figuren mit einer Outline aus, ist jegliche Schattierung und Oberflächenstruktur so formvollendet eingesetzt, dass sich vor dieser Perfektion der Computer-Kolorierung nur der Hut ziehen lässt.
Ein SciFi-Erlebnis der besonderen Art. Bekannte Elemente verschmelzen mit neuen Aspekten vor einer grandiosen grafischen Gestaltung, die auf einem sehr hohen Level zeigt, was im Comic möglich ist. So toll kann Science Fiction erzählt werden.
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Mittwoch, 18. April 2007
Der Förster wacht über das Dorf und den Wald. Seine Aufgabe ist wichtig, denn beide müssen strikt getrennt werden. Jegliche Übertretung kann den zerbrechlichen Frieden zerstören.
Es gibt eine alte Legende im Tal, die besonders von einem Alten gerne erzählt wird. Der Baron, der Besitzer der Ländereien, war einmal ein ruheloser Jäger. Er bejagte alles und ärgerte sich, dass ausgerechnet der goldene Hirsch ihm immer wieder entkam. Genau in jenen Tagen trat der Rote in sein Leben. Die schaurige Kreatur bot dem Baron eine Kugel an, die ihr Ziel niemals verfehlte. Mit diesem Drama hielt ein ganz besonderer Hass im Tal Einzug. – Von da an gab es keine Gnade mehr.
Diese Erfahrung muss auch der kleine Kasper machen, als er sich törichterweise im Wald verläuft. Sofort machen sich die Moosmännlein und Moosweiblein über ihn her. Es macht keinen Spaß bei lebendigem Leib gefressen zu werden, doch zum Glück naht die Rettung schnell. Förster Gereon ist mit seiner Gehilfin zur Stelle und macht Schluss mit diesem Unsinn. Glücklicherweise ist er ein gestandenes Mannsbild, das beiderseits der unsichtbaren Grenzen Respekt genießt.
Für Kaspers Bruder Lukas ist die Angelegenheit noch nicht ausgestanden. Er schließt einen Pakt mit dem Roten und wird zum nächsten Freischütz – niemals verfehlt seine Kugel ihr Ziel. Seine ersten Opfer sind Angehörige des Moosvolks. Ein bitterer Kampf beginnt.
Der Förster greift ein. Doch es könnte beinahe zu spät sein, denn der Freischütz hat den empfindlichen Frieden nicht nur gestört, sondern beinahe vollkommen zerstört. Die Wildschweine wollen Rache. Unter ihrem König sammeln sie sich zum Gegenangriff.
Die Mysterien in Argstein sind absolut fantasievoll und finden trotzdem nicht in Mittelerde oder in einer asiatischen Mythologie statt, sondern in unseren heimischen Wäldern – irgendwo vor sehr langer Zeit.
Autor Josef Rother nimmt uns mit auf eine Reise, als es in den europäischen Wäldern noch unheimlich war und seltsame Kreaturen in den Wäldern lebten. Wer einen Vergleich sucht, kann durchaus Prinzessin Mononoke heranziehen. Die im Anime geschilderte Welt mit ihren Tieren und Geistern, die in den Wäldern ihr Zuhause haben, ist ebenso artenreich und phantastisch wie jene in Argstein – Das Gesetz des Waldes.
Zwischen der Welt der Menschen und den Wesen des Waldes herrscht eine strikte Trennung. Gemäß den Gesetzmäßigkeiten, die der Leser spätestens seit Goethe her kennt, treibt ein Versucher sein Unwesen, der diese Trennung einreißen will, um Chaos zu stiften und Seelen zu sammeln. Hier heißt er der Rote. Gibt sich der Teufel noch so, wie wir ihn kennen, sind die Mooswesen und die Aufhocker ganz anderer Natur. Besonders letztere sind interessant. Als Aasfresser sind nicht nur sehr ekelhaft, sondern sie besitzen von ihrem Äußeren her auch eine leichte Ähnlichkeit mit Ghouls. Dachte ich schon, dass Aufhocker eine Erfindung von Josef Rother sind, wurde ich eines Besseren belehrt.
Es versteht sich von selbst, dass Rother all diese mythologischen Gestalten sehr gut einsetzt, um Spannung zu inszenieren und die Geschichte voran zu treiben. Wie im erwähnten Film ist das Auftauchen der Wildschweine auch ein Höhepunkt der Geschichte. Riesig, gewalttätig, wenig wortgewandt brechen sie über das Dorf herein. Mit Wildschweinen diskutiert man nicht. – Sehr schön ist es zu lesen, wie der Förster zwischen den Welten wandert und beide zu einen wie auch abzugrenzen versucht. Am Ende muss er sich für seine Welt, die der Menschen entscheiden. Aber er bleibt fair dabei. Der Förster ist eine faszinierende Comic-Gestalt geworden.
Die Zeichnungen hat das Comic-Talent Eckart Breitschuh übernommen. Seit Jahren ist er in der deutschen Comic-Szene bekannt. Unter der kolorierenden Verstärkung von Manuel Clavel sind leicht karikierende Zeichnungen entstanden.
Wer kennt sie nicht, all die Försters vom Silberwald und die Wildhüter, die den Wilderer jagen. Ihre große Filmzeit ist lange vorbei, aber hier werden sie auf gewisse Weise noch einmal lebendig. Gemischt mit einer gehörigen Portion Fantasy steht in vorderster Front der Förster, der einen optischen Eindruck hinterlässt wie ein deutscher Bud Spencer (mit ein klein wenig Rambo darin). Ausgerechnet eine puppenhafte Blondine ist seine Gehilfin. Zusammen geben sie optisch ein interessantes und gegensätzliches Duo ab.
Die Zeichnungen wirken häufig etwas übertrieben, überzogen, so wie es der Leser aus überzogenen Zeichentrick-Sitcoms her kennt.
Gemeinsam mit dem Humor ergibt sich ein bisweilen urkomisches Lesevergnügen, das auch schnell wieder in absolute Dramatik und Spannung abgleitet. Das hat was und sollte das Duo Rother/Breitschuh tatsächlich schon an einer Fortsetzung arbeiten, darf man sehr gespannt sein.
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Übrigens: Wer weitere Infos will, schaut mal unter www.argstein.com nach. 😀