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Comic Blog


Dienstag, 19. Juni 2007

Poison Ivy – Flying Tigress

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:45

Poison Ivy 2 - Flying TigressChina. Die geheime Einsatzgruppe Women On War, kurz W.O.W., ist in ihrem zugewiesenen Gebiet angekommen. Die Begrüßung fällt sehr unangenehm aus. Eine japanische Zero schießt ihr Transportflugzeug ab. So hatten sich die als Nonnen verkleideten Frauen ihre Ankunft nicht vorgestellt.
Glück im Unglück heißt es für die außergewöhnlichen Frauen, als sie erleichtert feststellen, dass sie außer den beiden toten Piloten im Cockpit noch einen Piloten unter den Passagieren haben – dieser ist leider stark alkoholisiert.
Und betet, dass meine Leber durchhält. Sofort macht er sich ans Werk. Um die Maschine zu retten, ist es bereits zu spät. Jetzt geht es nur noch um Leib und Leben, denn die Zero hat bereits umgedreht, damit sie einen neuen Angriffsflug starten kann.

Die W.O.W. lassen sich nicht auf Dauer von solchen Widrigkeiten beirren. Ihre Fähigkeiten sind die Garanten für eine erfolgreiche Mission. Die jüngste in der Gruppe, Deckname Poison Ivy, kann mit ihrem Kuss töten. Boston Iceberg kann mit einer Berührung alles zu Eis erstarren lassen. Memory kann in Blitzgeschwindigkeit alles lernen, Gorgon Lady ist zwar blind, dafür verfügt sie über ein übermenschlich gutes Gehör. X-Raymonde ist telepathisch sehr begabt. Und Yum Yum Jaw ist die Frau für’s Grobe. Als Kannibalin ist sie dazu auserkoren, unliebsame Wachen außer Gefecht zu setzen.

Besondere Fähigkeiten sind noch kein Ersatz für gute Planung und Ausführung. Das müssen die sechs Frauen mit Sonderbefehl vom Präsidenten der Vereinigten Staaten bald feststellen. Poison Ivy ist außerdem enttäuscht. Ihr Bruder, den sie bei den Flying Tigers wähnte, einer amerikanischen Fliegereinheit, die dem chinesischem Oberbefehl unterstellt ist, hat sich unerlaubt ein Flugzeug genommen, um gegen die japanischen Feinde zu kämpfen. Seither gilt er als verschollen.

Es bleibt keine Zeit zum Trauern. Die chinesische Stadt Loiwing droht vom Feind mit Brandbomben angegriffen zu werden. Die W.O.W. haben sich geschworen, diesen Angriff unschädlich zu machen. Zu diesem Zweck haben sie sich einen waghalsigen Plan ausgedacht. Werden sie ihren Auftrag ausführen und lebend zurückkehren können?

In Poison Ivy 2 – Flying Tigress gehen die Abenteuer der Women On War nahtlos dort weiter, wo sie in der ersten Ausgabe endeten. Philippe Berthet und Yann erlauben sich neben einem ordentlichen Abenteuer-Feuerwerk einige Anspielungen auf bekannte Figuren aus Historie, Film und Comic.

Der rothaarige Pilot, der den W.O.W. das Leben rettet, erinnert ein wenig an Sonny Tuckson aus den Rex Danny-Comics. (Manchmal auch Buck Danny genannt.) Witzigerweise heißt der Pilot, der Sonny so ähnlich sieht, auch noch Sonny. Die W.O.W. finden sich bald im Lager der Fliegenden Tiger wieder (auch einst ein Thema bei Rex Danny). In einer ganz kleinen Szene findet sich einer jener Helden, der sogar die Hauptfigur einer amerikanischen Fernsehserie werden durfte. Greg Boyington, auch als Pappy Boyington bekannt, war 1942 erwiesenermaßen Angehöriger der Flying Tigers. Berthet und Yann nutzen die Legende der Jagdflieger für einen kleinen Witz, der das Fliegerass in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

Gegenüber des ersten Bandes, der sich der Einführung der verschiedenen Figuren, insbesondere der W.O.W., gewidmet hat, ist der Abenteuer-Charakter noch stärker geworden. Wer sich für eine gelungene Mischung aus 3 Engel für Charlie, Indiana Jones, Agenten-, Kriegs- und Mystery-Abenteuer begeistern kann, liegt mit der Lektüre der Fortsetzung von Poison Ivy goldrichtig. Oben drauf gibt es noch eine gute Portion Humor und fertig ist der Lesespaß.

Bei genauerer Betrachtung sind es die einzelnen Bestandteile, die sehr sorgsam gemischt wurden und so einen ungewöhnlichen Comic entstehen ließen. Die Prise Mystery entsteht durch die Fähigkeiten der Agentinnen. Der Schauplatz, das umkämpfte China, bietet reichlich Action und reißt den Leser sehr schnell mit. Die Luftkämpfe und Verteidigungskämpfe sind hochdramatisch geschildert und gezeichnet. Die Kapriolen am Himmel, mit der sich amerikanische (eigentlich chinesische) Curtiss P40 und japanische Zeros bekriegen, sind eindrucksvoll gestaltet und stehen den Klassikern des Comics auf diesem Gebiet in nichts nach.

Das Agentenszenario wird gehörig veralbert, wenn sich die als Nonnen verkleideten Agentinnen als Angehörige des Dritten Reiches gegenüber den Japanern ausgeben. Hier, bei einem der Achsenmächte des Zweiten Weltkriegs, ist man wenig begeistert über die Anwesenheit dieser merkwürdigen Betschwestern. Bei der kleinsten Aggression heißt es für die Damen: Kopf ab. Ein kleiner Sergeant ist nur zu gern bereit, zu diesem Zweck sein Katana auszuprobieren. In bester Manier, wie es schon in der Reihe Peter und Alexander geschah, werden hier die Asiaten durch den Kakao gezogen.
(Witzigerweise finden sich auch hier wieder Moskitos, die auch schon in der erwähnten Abenteuer-Reihe mit den beiden Freunden zur Geheimwaffe werden sollen. Ein zufälliger Gedankenstreich oder eine kleine Hommage an einen anderen Klassiker?)

Zuerst macht die Geschichte einen verschachtelten Eindruck. Schließlich werden verschiedene Handlungsstränge verfolgt. Aus der ursprünglichen Mission wird sehr schnell eine Rettungsaktion, bis es wieder in den Endspurt geht, der in eine Materialschlacht mündet. Die Zeichnungen und die schlichte, aber sehr plastische Kolorierung geben den Bildern Trickfilmcharakter.

Für die W.O.W. ist es dank ihres Mentors Roosevelt noch lange nicht das Ende. Auch für Tinkleberry und seinen Freund ist die Geschichte noch nicht aus – ihr Schicksal muss sich noch aufklären. Ein rasantes Abenteuer mit viel Spaß und spannenden Wendungen erzählt.

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Montag, 18. Juni 2007

Vampire Boy 3 – Die Erlösung

Filed under: Mystery — Michael um 19:27

Vampire Boy 3 - Die ErlösungDie blinde Fever und der Junge ohne Namen haben sich nach London geflüchtet. Sie glauben, sie hätten Ahmasi endgültig besiegt und wähnen sich nun in Sicherheit. Fever genießt die Avancen, die sie von einem indischen Illusionisten erhält. Der Junge kann endlich einmal in aller Ruhe Kind sein.
Doch das Unheil schwebt immer noch über ihren Köpfen. Irgendwie kann der Junge es spüren. Ein Zeitungsartikel bestätigt seine instinktiven Ahnungen. Tatsächlich hat es die ägyptische Priesterin geschafft, ihren Kopf zu finden. Mit einer neuen Identität und einem Schal um den Hals, der ihre nicht verheilende Wunde verbergen soll, macht sie sich an die Verfolgung.

Der Junge ohne Namen möchte die Angelegenheit mit Ahmasi endlich beenden. Es ist zu viel Zeit vergangen, während der er immer wieder von Ahmasi gejagt, gedemütigt und auf die verschiedensten Weisen gequält wurde. Es muss ein Mittel geben, um das unsterbliche Leben zu überwinden. Der will einen Weg finden, um Ahmasi zu vernichten. Inzwischen geht es nicht mehr nur um ihn. Zu viele unschuldige Menschen starben durch Ahmasis Hand, einzig weil sie dem Jungen ohne Namen ihre Hilfe angeboten hatten.

Eine Spur führt zu einem Friedhof. In einem alten Grab findet sich wirklich ein schriftlicher Hinweis aus einer unbekannten Quelle. Nun gibt es eine konkrete Adresse, wohin er sich wenden kann – wenn es ihm auch unbegreiflich ist, wer diese Botschaft für ihn in einem Grab in London deponiert haben dürfte. Doch die Nachricht ist keine Falle. In einer verfallenen Kirche erwartet den Jungen ein alter Mann, der der letzte in einer langen Kette von Wächtern ist, die immer gehofft hatten, den Unsterblichen zu begegnen. Denn nur sie wissen, wie ein Unsterblicher seine Existenz beenden kann.

Ahmasi ist in London eingetroffen. Mit ihr kommen Tod und Verzweiflung. Aus der Not wird ein Plan geboren. Der letzte Kampf gegen Ahmasi soll die Entscheidung bringen. Der Junge ohne Namen wird sich nicht mehr verkriechen, sondern setzt alles auf eine Karte, von der er hofft, dass sie gewinnen wird.

Mit Vampire Boy 3 – Die Erlösung findet eine hoch spannende Trilogie ihren Abschluss. Nach einer Reise durch die Zeit, der Wiederkehr in ein modernes Amerika, endet nun alles in einem dunklen verregneten London. Im Endspurt der Geschichte nehmen Autor Carlos Trillo und Starzeichner Eduardo Risso noch einmal Fahrt auf.

Doch zuvor hält eine Spur Melancholie in die Geschichte Einzug, die durch das lange Leben des Jungen ohne Namen absolut begründet ist. Er ist des Lebens müde geworden. Sein Finale mit Ahmasi ist Abrechnung und Rückblick zugleich. Die Idee einer Gruppe von Wächtern, die ein Auge auf die Unsterblichen haben, ist nicht neu (siehe Highlander), aber sie ist erfrischend einfach umgesetzt. Es handelt sich nicht um eine große Organisation. Sie wissen nicht einmal, wie viele Unsterbliche es gibt. Zwei alte Männer hegen ein wichtiges Geheimnis, nur bemuttert von einem Diener. Zuerst wird dem Leser eine neue Sorte Freak präsentiert. So, wie es dargestellt wird, würde der Leser Trillo diese Wendung der Geschichte sofort glauben. Aber Trillo wäre nicht Trillo, würde er es dabei belassen. Die nächste Wendung bringt eine schöne Überraschung. Mit Stil und Kultur steuert die Geschichte auf das Finale zu – beinahe jedenfalls.

Als erzählerisches und optisches Gegengewicht werden die Verbündeten und Feinde von Ahmasi gezeigt. Wieder einmal findet sich eine arme Seele, die Ahmasi zu Diensten ist. Diesmal jedoch ist es weniger ihrer Attraktivität zu verdanken. Als der kleine Mann sie kennen lernt, ist von dieser Attraktivität gerade nicht sehr übrig. Das neue Lockmittel lautet Unsterblichkeit. Nachdem dieser Gangster 2. Klasse gesehen hat, wie Ahmasi Kugeln widerstanden hat, ist es für ihn keine Frage mehr, was er auch besitzen möchte. Trillo nutzt diese Gelegenheit für eine sehr gemeine Pointe.

Trillo hat seinen Protagonisten leider nicht sehr viele Rückblicke im Endspurt gegönnt. Denn die Ansichten und kleinen Episoden aus der Vergangenheit gaben Trillo die Gelegenheit, aus dem Vollen seiner Phantasie zu schöpfen.
(Bei genauer Betrachtung gäbe diese sehr gelungene Trilogie die gute Gelegenheit für ein so genanntes Prequel. Und es ist schade, dass es höchstwahrscheinlich nicht dazu kommt.)

Die Arbeit von Eduardo Risso an Vampire Boy findet hiermit leider auch ihr Ende. Seine Licht- und Schatteneffekte sind unbestreitbar kleine grafische Meisterwerke. Zu den sehr guten Szenen gehören die Bilder von Ahamsis ersten Erlebnissen in London und das Eintreffen des Jungen ohne Namen in der alten Kirche, in der er endlich mehr über seine eigene Herkunft erfährt. Die Figur, die Risso besonders viel Spaß gemacht haben muss, scheint der kleine Gauner Mickey zu sein. Seinen ersten Auftritt hat Mickey als eine Art Pate, der ansieht, wie seine Begleitung von Ahmasi getötet wird. Nach und nach verliert Mickey seine gespielte Härte.
Der Showdown, den Trillo und Risso dem kleinen Mickey zugedacht haben, ist sogar ein bißchen traurig. In einem Film würden das Entsetzen und der Unglauben Mickeys bestimmt in Zeitlupe eingefangen.

Das Kindliche am Jungen ohne Namen wurde hier von Risso formvollendet eingefangen. Deshalb erschüttert der Test, den die Wächter an dem Jungen ausführen, noch viel mehr. Das Bild, wie der Junge gleichsam zusammen mit Jesus am Kreuz hängt, ist eindrucksvoll. Nicht zuletzt wurde eine Variante dieser Schlüsselszene als Cover ausgewählt.
Das Ende – das soll nicht verraten werden, einzig gesagt werden darf, dass es zelebriert wird. Die Optik wurde zurückhaltend eingesetzt, vielleicht, um den Akteuren noch mehr Würde zu verleihen, ganz gleich auf welcher Seite sie stehen und gleichgültig, was sie getan haben.

Dieses Finale ist derart gelungen, dass man zum Abschluss der Trilogie sagen kann: Nee, was war das gut! Einziger Nachteil dieser Trilogie: Schade, dass sie schon vorüber ist! 😀

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Freitag, 15. Juni 2007

Poison Ivy – Sumpfblüte

Filed under: Abenteuer — Michael um 23:09

Poison Ivy 1 - SumpfblüteEin Bayou in Louisiana. In den Sümpfen geht alles seinen gewohnten Gang. Aufregung bringen hier die allseits beliebten Ochsenfroschrennen und die Alligatorjagd. Tinkleberry hat dieses Leben satt. Auch der Trost seiner kleinen Schwester, liebevoll Swampy genannt, hilft ihm nicht darüber hinweg.
Die Aussicht auf eine Heirat und niemals aus diesem Nest herauszukommen, ist ihm ein Gräuel. Doch Tinkleberry hat einen Plan gefasst. Seine Zukunft liegt nicht auf dem Grund eines Sumpfes, sondern in der Luft. Heimlich hat er sich einen Ratgeber bestellt und übt die Bedienung eines Jagdflugzeugs.

Über Swampy brauen sich dunkle Wolken zusammen. Marie Laveau, als Seherin begabt und eine versierte Priesterin des Voodoo, sieht für Swampy eine dunkle Zukunft voraus. Ein kleiner extra für sie hergestellter Talisman soll sie beschützen. Wenig später schlägt das Schicksal schon zu. Zwei Unbekannte töten Swampy!

Nach ihrem Tod ist alles anders. Sie hat sich verändert. Plötzlich liegt ihre Kindheit hinter ihr. Auch körperlich hat sie sich verändert. Aus dem Kind ist über Nacht eine Frau geworden. Ihr Bruder ist auch nicht mehr da. Er hat seinen Traum wahr gemacht und ist zu einer Luftwaffeneinheit gegangen. Doch da ist noch etwas anderes, etwas Furchtbares. Swampy besitzt plötzlich eine Kraft, die aus ihr eine Waffe macht. Diese Veränderungen in ihrem Leben finden ihren Gipfel in einer Begegnung mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der mächtigste Mann der Erde sucht kurz vor dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg nach Frauen mit besonderen Fähigkeiten, die sich zu einer Sondereinheit formen lassen.

Eben befand sich Swampy noch in den Sümpfen. Nun ist sie Agentin im Dienste der USA. Ihr neuer Name lautet: Poison Ivy.

In den 30er, 40er und auch noch in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts waren Abenteuer möglich. In diesen Jahrzehnten des Umbruchs, als die Technik noch lange nicht ihre Höhepunkte erlebt hatte, als die Welt noch schwarzweiß war, erlebten Abenteuer-, Krimi- und Agentengeschichten eine große Blütezeit. Heute wird immer noch gerne auf die Vorlagen dieser Zeit zurückgegriffen. Indiana Jones ist das Paradebeispiel dieser ganz eigenen Mixtur aus unheimlichem Ambiente, Agenten, Krieg und einer Prise Phantastik als Kinofilm wie auch als Fernsehserie.
Poison Ivy von Philippe Berthet und Yann funktioniert auf ähnliche Weise. Das Schöne bei solchen Geschichten ist, dass sie eigentlich immer gelingen und mit allen Zutaten versehen werden können, die Spaß machen.

Poison Ivy entführt auf amüsante und phantastische Weise in eine Zeit, in der alles möglich war.
Der Startort der Erzählung ist perfekt gewählt. Die Bayous in den USA sind wegen ihrer Abgelegenheit und Urwüchsigkeit ein sehr urtümlicher Flecken Erde, auf die Uhren noch langsamer ticken – so ist jedenfalls die legendäre Sicht auf die Bajous. Hier blüht abseits von New Orleans der Voodoo und die Menschen sehen merkwürdig aus. Einige der Menschen, die in Poison Ivy auftreten, entsprechen genau diesem Klischee. Kleine Anspielungen und Vorkommnisse sorgen für ein deftiges Schmunzeln in den Mundwinkeln. Darunter fallen die erwähnten Ochsenfroschrennen. Wer hier verliert, kann sich auf die Suppe vorbereiten. In die Kategorie der sehr kauzigen Bewohner des Bajous fällt der Gehilfe von Marie Laveau, der immer die Drecksarbeit für sie erledigen muss. Die Auswahl der Zutaten für einen Voodoo-Zaubertrank kann sehr ungewöhnlich sein. (Von den verlangten Mengen einmal abgesehen.) Inmitten eines schönen Abenteuers entsteht so noch die perfekte Comedy.

Verschiedene unheimliche Ereignisse fesseln außerdem an die Geschichte. Swampys Wiedergeburt ist wirklich außergewöhnlich und auch im wahrsten Sinne des Wortes als solche zu erkennen. Hier kann der Einfallsreichtum des Teams Berthet und Yann nur gelobt werden, denn Optik und Erzählung agieren hier optimal Hand in Hand. Zuerst glaubt man sich noch in einer normalen Erzählung. Das Leben im Bajou ist zwar skurril, aber im Bereich des Möglichen. Die Zeichnungen sind glatt, geradlinig, schnörkellos und nichts wird dem Zufall überlassen. Sie transportieren das Gefühl, das beim Betrachten alter Fotografien und Filme aus dieser Zeit entsteht, sehr schön in das Comic-Genre. Das Flair wird durch die naturgetreue Wiedergabe von Fahrzeugen und Flugzeugen gestützt.

Plötzlich verändert sich nicht nur Swampys Leben radikal, die Geschichte nimmt auch eine völlig andere Richtung. Schuld daran ist der Voodoo, der hier nicht als pseudoreligiöse Show praktiziert wird, sondern tatsächlich Wirkung zeigt. Mit dem plötzlichen Leben als Erwachsene verfügt Swampy über die Fähigkeit, mit einem Kuss zu töten. Swampy findet sich bald in einem kuriosen Ausbildungscamp wieder, in dem noch andere Frauen mit außergewöhnlichen Begabungen zu finden sind. Hier haben Berthet und Vann ihrer Phantasie wirklich freien Lauf gelassen. Die ausgefallendste Agentin dürfte Yum Yum Jaw sein, die ungewöhnlichste Kannibalin seit Hannibal Lector.
Dank der Vielfalt und des Ideenreichtums über die gesamte Länge der Geschichte lässt einen die Handlung erst zum Schluss wieder los.

Wie erwähnt, erinnert Poison Ivy an die legendären Cliffhanger-Geschichten, die schon Indiana Jones zum Vorbild hatte. So ist es denn die einzige Nicht-Überraschung, dass auch dieses Abenteuer mit einem Cliffhanger endet. Leider, muss man aus Lesersicht sagen, denn die Anspannung erreicht zum Ende wirklich ihren Höhepunkt.

Sechs Engel für Roosevelt starten im Auftakt von Poison Ivy in ein unglaublich gutes Abenteuer, das mit einem hohen Charme-Faktor erzählt wird. Die Spannung und Unterhaltung entstehen hier aus dem großen Spaß, den die Macher bei der Erstellung dieses Comic-Kleinods gehabt haben müssen.

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28 Days Later – Die Zeit danach

Filed under: Mystery,Thriller — Michael um 19:48

28 Days Later - Die Zeit danachWoher kommt die Wut? Wie entstehen die Aggressionen, die den Menschen zum Monster werden lassen? Die Betrachtungen der Überwachungsvideos geben den beiden Wissenschaftlern darauf keine Antwort.
Aber die Bilder sind Ansporn genug. Sollte Wut, das Ausrasten einen biologischen Ursprung haben, sollte es genetisch begründet sein, lässt es sich vielleicht ausschalten. Wenn es sich ausschalten lässt, lässt sich damit auch Geld verdienen, viel Geld. Das ist Motivation genug. Dafür lassen sich auch schon einmal einige Regeln brechen, oder wenigstens soweit beugen, wie es noch einen legalen Anschein hat.

Warren und Clive sind zwei Wissenschaftler an der hoch angesehenen Universität von Cambridge. Für Warren ist klar: Sollte ein Durchbruch in der Aggressionsforschung erzielt werden können, müssen dazu menschliche Versuchsobjekte herhalten. Doch woher sollen diese Testpersonen kommen? Clive muss mitansehen, wie Warren eine Quelle für derlei Personen erschließt, die er nicht gutheißen kann: Kriminelle. Clives schlimmste Befürchtungen werden Realität. Das Experiment geht gründlich daneben. Schlimmer noch: Irgendwie wird die Aggression der Versuchsperson nicht eingedämmt, sondern gesteigert. Warren macht dem Experiment auf seine Art ein Ende.
In einer Nacht- und Nebelaktion verscharren die beiden Wissenschaftler den Leichnahm. Künftig wollen sie Schimpansen für ihre Forschungen verwenden. Diese sollten besser zu kontrollieren sein.

Wenig später wird für eine Familie ein Ausflug in die Parks rund um den Campus zum Horrortrip. Ein Schimpanse fällt über den jüngsten Sohn her. Nur mit vereinter Kraft können der Vater und der älteste Sohn das wahnsinnig gewordene Tier töten. Ein herbei geeilter Krankenwagen schafft den Jungen fort. Doch sie kommen nicht weit. Etwas hat das Kind so sehr verändert, dass er sogar das elterliche Fahrzeug ohne Rücksicht auf sein eigenes Wohlbefinden angreift.
Aus dem kleinen Chaos wird ein riesiges Desaster, das bald den Großraum London in seinem Würgegriff hält. Überall greifen Infizierte die immer weniger werdenden gesunden Menschen an.

28 Days Later – Die Zeit danach erzählt, wie England das normale Leben unter dem Druck der Seuche zusammenbricht. Cineasten werden sich an das Eingangsszenario des Films 28 Days Later erinnern. Jim wacht nach einem Unfall im Krankenhaus aus einem Koma auf. Im Krankenhaus ist außer ihm kein anderer Mensch mehr. Die Straßen von London sind wie leer gefegt. Doch wie konnte es dazu kommen?

Die Szenerie, die Jim nachträglich erzählt wird, kann der Leser am Beispiel der beiden Geschwister Sophie und Sid verfolgen, die diese Übergangszeit der Katastrophe hautnah miterleben. Die Ausbrüche kommen für die Einwohner vollkommen überraschend. Die Warnungen, die Wohnungen nicht zu verlassen, funktionieren nur bis zu einem gewissen Grad. Irgendwann muss die Wohnung einfach verlassen werden. Eben noch lebte man in einem zivilisierten Land und plötzlich wird man zu einem Gejagten.
Steve Niles hat diese Übergangszeit niedergeschrieben und ein Horrorszenario entwickelt, dass dem Kino-Schocker an Spannung in nichts nachsteht. Es fängt sehr harmlos an. Die Katastrophe ist dennoch sehr schnell vorhersehbar – aus der Sicht der Wissenschaftler Warren und Clive, die die Unwägbarkeiten ihrer Experimente sehr lange ignorieren, obwohl die Zeichen für einen Fehlschlag offensichtlich sind.

Für den Leser ist klar, wo die Ereignisse enden werden, deshalb hat Niles eine Erzählweise gewählt, die Haken schlägt und nicht geradlinig erfolgt. In vier Phasen, Episoden, werden die 28 Tage überbrückt, bis hin zu dem Zeitpunkt, als Jim erwacht. Die hauptsächlichen Dreh- und Angelpunkte dieser Geschichte sind Clive, der jüngere der Wissenschaftler, und die beiden Teenager. Die beeindruckendste Episode findet allerdings ohne die erwähnten Charaktere statt.

Inmitten von London hat ein Mann namens Hugh London zu seiner Stadt erkoren. Inzwischen macht er Jagd auf die Infizierten, die durch die Straßen streifen. Hugh hat Verhaltensmuster und Begabungen bei den monströsen Kranken ausfindig gemacht. Offenbar können sie nicht erkrankte Menschen durch Gerüche aufspüren. Reinlichkeit und Deos haben aus Menschen ein leicht zu erschnupperndes Jagdwild gemacht. Obwohl er einer der letzten gesunden Menschen in der näheren Umgebung ist, liegt er mit einem Konkurrenten im Krieg. Wer diesen Kleinkrieg begonnen hat, ist letztlich egal. Hugh beendet ihn auf eindrucksvolle und hinterlistige Weise. So entsteht für den Leser ein sehr hoher Spannungs-, aber auch, wie im Film, ein ebenso hoher Ekelfaktor, was an den sehr drastisch ausgeführten Bildern von Nat Jones liegt.

Die beste Optik trifft (nach meiner Meinung) der Zeichner Dennis Callero mit den Episoden Phase 1 und Phase 4. Darüber hinaus hat er noch durchgängig die Kolorierung der einzelnen Episoden übernommen.
Callero pflegt den Stil des nachgezeichneten Filmbildes, um den Zeichenstil und optischen Eindruck so zu umschreiben. Natürlich gibt es dazu keinen Film, aber Callero erweckt den sehr guten Eindruck, als habe er eine Film-Adaption zu Papier gebracht. Die Bilder sind sehr exakt geworden. Dank der eigenen Kolorierung hat er alles perfekt aufeinander abgestimmt.

Im Anhang findet sich das Script zur Phase 3 (der Episode mit Hugh in der Hauptrolle). Der Aufbau des Scripts, das sehr stark an ein Drehbuch erinnert und so die Parallelen der beiden Medien untermauert, mag sogar Nachwuchszeichnern als Muster für eigene Umsetzungen dienen.

Film und Comic besitzen eine gemeinsame Grundstimmung. Der Comic steht der Filmvorlage in Sachen Spannung und Erzählung in nichts nach. Fans des Films und des Genres werden angenehm überrascht sein und können bedenkenlos zugreifen. Ansonsten gilt für den Film wie auch für den Comic: Nichts für schwache Nerven. 😀

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Heimliche Helden 6 – Kater Karlo

Filed under: Cartoon — Michael um 13:39

Heimliche Helden 6 - Kater KarloHelden brauchen Bösewichte. So konnte auch Micky Maus nicht ohne Widerpart auskommen. Einer, der ihm schon sehr früh das Leben schwer machte, war Kater Karlo.
Die vorliegende 6. Ausgabe von Heimliche Helden stellt diese ruppige Figur in den Mittelpunkt, die im Laufe vieler Jahre ihren Charakter gewandelt hat und erstaunlich vielschichtig wurde. Das sehr umfassende Vorwort zum Thema listet verschiedene Stadien des Fieslings (auch seine Vorläufer) auf. Angesichts dieser kleinen Rundschau werden Erinnerungen wach: Kater Karlo, zu Beginn noch mit einem Holzbein ausgestattet, wie er in einem Cartoon-Western der Gegenspieler von Micky war. Oder jene wirklich hervorragende Slapstick-Episode auf dem Baugerüst, in der Donald Duck den guten Karlo als Vorarbeiter in den Wahnsinn treiben darf.
Aber Karlo blieb nicht eindimensional auf den Bösewicht reduziert. Im Laufe der Jahre wurden ihm sogar eine Gefährtin (Trudi) und Kinder zur Seite gestellt.

Aber das Hauptfeld von Karlo blieb das des Bösewichts. Mit den Geschichten In der Mausefalle, Carli Caruso und Überfall auf den Goldexpress wird ein guter Querschnitt aus dem Schaffen von Karlo gezeigt. Seine Gegner können über ihn sagen, was sie wollen. Karlo mag nicht immer der Findigste sein, aber er ist kein Aufgeber. Immer wieder denkt er sich neue Aktionen aus, um an das ganz große Geld zu kommen. Witzigerweise kommen gleich zwei Geschichten in einem Western-Ambiente daher, ein Genre, das bereits in seiner Trickfilm-Frühzeit gerne genutzt wurde.

Der Start des Bandes mit der Geschichte Munteres Bordleben zeigt Karlo als Privatmann, der sich nichts weiter gönnen möchte, als einen kleinen Angelausflug. Hier wird aus dem sonst so hartnäckigen Gegner ein Opfer von Donalds Bemühungen, die eigenen Neffen aus dem Feld zu stechen. Wer nur wenige andere Geschichten aus Karlos Abenteuern kennt, wird sich zwangsläufig wundern, wie geduldig Karlo all die Pannen über sich ergehen lässt – bis ihm schließlich doch der Geduldsfaden reißt.

Ein ganz anderes, ein eher ungewöhnliches Abenteuer, bietet sich mit der Geschichte Der Schatten des Drachen aus dem Jahre 1999, in der Karlo ein Gesetzloser ist, der schließlich Micky gegen einen gefährlichen Fürsten beisteht. Angesiedelt ist das Szenario im mittelalterlichen Japan. Damit erreicht Karlo endlich den Gipfel des sympathischen Gauners. Hier besitzt er einen eigenen Ehrbegriff. Er hat Witz und weiß andere charmant für sich einzunehmen, er kann sogar mit Kindern umgehen und ist sich für Drecksarbeit nicht zu schade. Die Geschichte, von Tito Faraci geschrieben und Paolo Mottura gezeichnet, hat nicht nur alles, was der Leser von einem Disney-Abenteuer erwarten kann. Es besitzt auch alles, was eine gute Helden-Geschichte ausmacht.
Mottura macht aus Karlo eine optisch sehr ansehnliche Figur. Irgendwie fühle ich mich ein wenig an einen Bud Spencer im Katerkostüm erinnert, immer schlagfertig, freundlich und ein wenig knurrig.

Von den insgesamt sechs Geschichten in diesem Band sind vier Stück deutsche Erstveröffentlichungen. Dazu gehört auch der Schatten des Drachen, dessen Erzähllänge deutlich über jene der anderen hinausgeht.
Mehr Humor und Slapstick, so wie es die Disney-Fans lieben, bieten die Geschichten In der Mausefalle und Überfall auf den Goldexpress. Sieht man einmal von Karlos Einsatzbereitschaft zu einem Überfall ab, ist sein Verkleidungstalent immer eine Lachträne wert – ganz besonders dann, wenn er sich in Frauenkleidung wirft. Mit Lippenstift und einem sorgfältig rasierten Kinn vermag er auch Micky zu täuschen, wenn auch nur kurze Zeit.

Karlo ist und bleibt ein Gauner. In Carli Caruso bietet sich ihm die Möglichkeit einer legalen Karriere, die er nicht zu nutzen weiß. Zwar ist er ein durchtriebener Verbrecher, aber auch ein Mann, der mit seiner Stimme, die Damenwelt zu begeistern weiß. – Langfristig betrachtet, ist es schade, dass diese Idee nicht weiterverfolgt wurde. (Jedenfalls ist mir nichts davon bekannt.)

Es ist schön, zu sehen, wie sehr sich Kater Karlo über die Jahrzehnte hinweg entwickelt hat. Er ist der grantige Kerl, der Gauner, der Schwerenöter, der Kämpfer und manchmal sogar ein Freund. Die 6. Ausgabe der Heimlichen Helden rund um Kater Karlo ist ein wirklich rundum gelungener Querschnitt aus Witz und Spannung.

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Mittwoch, 13. Juni 2007

Lucky Luke – Die Gesamtausgabe 1985 – 1987

Filed under: Cartoon,Klassiker — Michael um 18:38

Lucky Luke - Die Gesamtausgabe 1985 - 1987Ein neuer Auftrag für Lucky Luke: Wieder einmal muss er einen Treck in den Westen führen. Der einsame Cowboy hat viel Erfahrung darin, die ihm Anvertrauten durch die Prärie zu leiten, doch einen solchen Treck hat er noch nie geführt: Heiratswillige Frauen.
Im Osten gibt es nicht genügend Männer, in den Westen haben sich bisher nicht genügend Frauen gewagt. So sieht es im Westen besonders unordentlich aus. Männer, die sich in der Gegenwart von Frauen nicht benehmen müssen, schlagen häufiger über die Stränge. Was schert es einen Mann, der geteert und gefedert wurde, wenn er sich nach ein paar Tagen immer noch nicht von seinem schmutzigen Äußeren befreit hat – oder den lieben langen Tag nur in langen Unterhosen herumläuft. Wo keine Frau, da kein Richter in Sachen Körperpflege.

Das kann so nicht weitergehen, denkt sich der Bürgermeister von Purgatory und organisiert einen Transport mit Frauen an den kleinen (sehr kleinen) beschaulichen Ort. Gesagt, getan: Jede der Frauen, die sich einen Mann angeln möchte, sucht sich ein Exemplar nach einem Foto aus.
Lucky Luke lässt sich nach anfänglichem Zögern überreden, den Treck zu geleiten. Alles Nötige ist im Gepäck, sogar ein Coiffeur und Damenausstatter ist mit von der Partie. Luckys Bedenken zerstreuen sich zu seiner Freude bald. Selbst eine Begegnung mit feindlich gesinnten Indianern, verläuft zu seiner Überraschung sehr friedlich. Die Indianer lassen sich mit einer kleinen Modenschau milde stimmen. Doch schließlich geschieht etwas, was Lucky Luke immer und zu allen Zeiten abgelehnt hat: Eine Frau wirft sich ihm an den Hals. Sie wird Die Verlobte von Lucky Luke.

Gerade hat er noch diesen Schrecken in den Gliedern, da wird es für Lucky Luke erst richtig gruselig: Die Geisterranch ist ein düsterer Flecken Erde. Aber eine resolute alte Dame will sich nicht von dem Ruf der Ranch abschrecken lassen. Zusammen mit ihren Lieblingen, Bisons, zieht sie auf der Ranch ein. Als es ihr zu unheimlich wird, ist Lucky schnell zur Stelle.

In der Folge muss er sich noch in anderen kleineren Abenteuern behaupten, bis es wieder ein sehr gefährliches Abenteuer zu bestehen gibt. Nitroglyzerin heißt das furchtbare Wort, das gestandenen Kerlen den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Die Voraussetzung ist natürlich, dass dieser Kerl auch tatsächlich weiß, was Nitro. Leider besitzen die Daltons dieses Wissen leider nicht. Nitro muss der Ort, wo die Kiste hin soll. Da sie so schwer bewacht ist, kann es sich dabei nur um Gold halten. Fortan muss Lucky nicht nur dafür sorgen, dass das Nitro sein Ziel erreicht, er muss außerdem die Daltons davon abhalten, sich selbst und andere in die Luft zu jagen.

Aus heutiger Sicht sind die Abenteuer-Bände Die Verlobte von Lucky Luke, Die Geisterranch und andere Geschichten und Nitroglyzerin schon klassisch zu nennen. Lucky-Fans finden diese drei Bände in der Gesamtausgabe 1985 – 1987 zusammengefasst. Obwohl über 20 Jahre alt, zieht der Humor aus jenen Tagen immer noch. Angelehnt an die letzte der drei Bände, könnte man sogar sagen, er explodiert immer noch so gut wie eh und je.

Die Thematik der Emanzipation war in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts noch ein viel größeres Thema als es heute noch der Fall ist, wo vieles, was damals noch gefordert wurde, selbstverständlich ist. Autor Guy Vidal nutzt die alten Vorurteile und all die Vorlagen in Western, die das Frauenbild im Wilden Westen geprägt haben. Doch das Vergnügen ist nicht einseitig. Die Männer werden hier ebenso durch den Kakao gezogen. Ein Westmann ist gut als Cowboy, ansonsten ist er nur ein großes Kind geblieben, für das Körperpflege nur ein Thema ist, wenn sich jemand in der Nähe befindet, der sich an mangelnder Pflege stören könnte. – Entsprechend sieht es in einem reinen von Männern bewohnten Ort aus.

Vidal peppt die Geschichte außerdem durch sehr schöne Running Gags auf. Das Irish-Stew, das nach einem langen Tag serviert wird, schmeckt niemandem, schreckt sogar die Indianer ab. Luckys Alpträume sind Verwandlungen unterworfen. Aus springenden Schafen werden Schafe mit Frauenköpfen. Und nicht nur Jolly Jumper muss wiehern, wenn aus dem einsamen Cowboy dank seiner Verlobten ein geschniegelter Städter wird. (In einem rosaroten Anzug und gestreiften Hosen. Zu Hause wird sogar der Stiefel mit dem Pantoffel gewechselt.) Die Verlobte von Lucky Luke ist liebenswerter Ausflug in die kleinen Bissigkeiten, mit denen Mann und Frau sich ein bißchen das Leben schwer machen – natürlich nur in der Komödie, nicht im realen Leben.

Lucky Luke und Asterix waren schon immer für kleine Cameo Auftritte von Stars gut. Gezeichnet, versteht sich. In der längeren der Kurzgeschichten mit dem Titel Die Geisterranch finden sich passenderweise Alfred Hitchcock und Christopher Lee. Die Geisterranch selbst erinnert an das finstere Haus von Norman Bates. Hier wird auch deutlich, wo das Publikum von Lucky Luke zu finden ist: Cineasten werden an den kleinen Seitenhieben und Andeutungen ihre helle Freude haben. Die Verfolgungsjagden auf die Bisons besitzen Parallelen zur guten alten Slapstick-Zeit, der sich die Geschichten immer besonders annähern. Diese Spaßtechnik findet sich sehr gut umgesetzt auch in der Geschichte Die Rutsche. Ein Paradebeispiel ist die Hütte des Oldtimers, die solange zur Zielscheibe der Baumstämme wird, bis die Rutsche perfekt eingerichtet ist.

Das Highlight der kleinen Sammlung ist Nitroglyzerin. Es ist herrlich, wie zwei Seeleute zum Landtransport einer Fuhre Nitroglyzerin abgestellt werden. Neben den Daltons, deren Sprüche und Situationskomiken gewohnt gut sind, folgt auch ein Leichenbestatter der Ladung, immer auf der Suche nach neuen Kunden.

Morris ist der Zeichner dieser drei gesammelten Ausgaben. Es ist sehr schön, wie er es schafft, französischen Humor, der universeller nicht sein könnte, zu Papier zu bringen. Es zeigt sich wieder einmal, dass Lucky eine Leitfigur der Serie ist. Der besondere Humor entsteht wie so oft durch die tollen Nebenfiguren, die stets auf besonders feine Art etabliert werden und einem bereits nach wenigen Seiten ans vor Lachen geschüttelte Herz wachsen.

Perfekter Humor aus der Lucky Luke Reihe mit einer guten Mischung aus intelligentem und action-reichen Humor. Eine gute Mischung, die durch die Ansätze verschiedener Autoren in diesem Band entsteht.

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Dienstag, 12. Juni 2007

Universal War One 3 – Kain und Abel

Filed under: SciFi — Michael um 11:17

Universal War One 3 - Kain und AbelBaltimore, von allen nur Balti genannt, wollte immer ein echter Held sein. Als Football-Spieler war er ein Star. Die United Earth Forces geben ihm die Möglichkeit, ein richtiger Held zu werden.
Natürlich kommt alles ganz anders. Die große Karriere in einer Football-Mannschaft der Streitkräfte ist ihm nicht vorherbestimmt. Aber Balti will sich nicht geschlagen geben. Es gibt doch noch eine Chance, ein Held zu sein. Voller Todesverachtung stürzt er sich der unbekannten Mauer im All entgegen und verschwindet. Wenig später ist er wieder da. Älter und in anderer Kleidung, in einem unbekannten Raumfahrzeug – und tot.

Die verbliebenen Team-Mitglieder von Balti haben in der Mauer eine Raumstation gefunden. Sie haben keine andere Wahl und machen sich daran, die Station zu entern. Seltsamerweise stoßen sie auf keinerlei Gegenwehr. Nach den anfänglichen Auseinandersetzungen macht sie dieser Umstand äußerst stutzig. Sobald sie gelandet sind, wird es noch unheimlicher, als es in einer Raumstation in einer gänzlich unbekannten Umgebung schon sein kann. In den Zugängen finden sich Leichen, die dort bereits seit Jahrzehnten liegen müssen. Wie kann das sein?
Damit hören die Merkwürdigkeiten allerdings nicht auf. Die Daten des Computers zeigen an, dass die Verteidigungsanlagen seit langer Zeit nicht benutzt worden sind. Das müssten sie jedoch, denn schließlich haben sie vor kurzer Zeit noch hart zugeschlagen.

Kalish bekommt ganz langsam eine Ahnung. Sie haben sich nicht nur in der Mauer fortbewegt, sondern auch rückwärts in der Zeit. Dank seiner Kenntnisse in Physik kann Kalish seine Behauptungen untermauern. Alles klingt logisch, obwohl es für ein zeitlich lineares Wesen auch verwirrend ist – und für gute Freunde ist es sogar eine Chance. Sie befinden sich zeitlich vor Baltis Tod. Für Mario, Baltis Freund bedeutet es die einzigartige Gelegenheit, Baltis Tod ungeschehen zu machen.
Kalish warnt eindringlich vor einem Eingriff in das Zeitgeschehen, aber Mario will sich nicht beirren lassen. Was noch nicht geschehen ist, kann abgewendet werden. Oder nicht?

Nach zwei vorhergehenden Episoden, in denen die Leser die Charaktere dieser Geschichte eingehend kennen lernten und sich auch von einigen wieder verabschieden mussten, schlägt Denis Bajram einen eleganten Haken und wartet mit einer gekonnten Überraschung auf.

Die ersten Geschichten, Genesis und Die Frucht der Erkenntnis, aus der Universal War One-Reihe von Denis Bajram sorgten mit gekonnter Erzählung und tollen Action-Sequenzen für ungewöhnlich spannende Science Fiction Comics. Waren die ersten Episoden schon Überraschungen, schwenkt Bajram mit dem dritten Teil Kain und Abel in ein rätselhaftes Abenteuer, dessen Atmosphäre an SciFi-Ereignisse im Stile eines 2010 erinnern. Die Erzählung ist sehr ruhig. Der Leser muss sehr genau aufpassen, was geschieht, denn immer wenn Zeit in einer Science Fiction Geschichte ins Spiel kommt, können paradox erscheinende Szenarien entstehen.

Bajram schickt seine Akteure hier in der Zeit zurück. Wer in den vorhergehenden Episoden zurückblättert, wird schnell feststellen, wie gut Bajram vorausgeplant hat und bereits dort Details zu finden sind, die erst jetzt wirklich wichtig werden – und einen Sinn ergeben. – Kenner werden ein ähnliches Setting aus den frühen Tagen der Station Babylon 5 her kennen. Bajram mag davon angeregt worden sein, gleichwohl ist hier etwas völlig Eigenes entstanden.
Kalish, jener Soldat, der zwar sehr intelligent ist, aber ein deutliches Handicap wegen seines aufbrausenden Wesens hat, erkennt das Verfahrene der Situation. Ein Eingriff in die Zeitlinie, die Chance, die sich ihnen bietet, würde viele Leben retten, aber sie würde auch das zeitliche Gefüge, wie sie es kennen, verändern.

Drei Hypothesen dessen, was geschehen kann, führt Kalish ins Feld und keine davon klingt besonders beruhigend. Die zweifellos wichtigste würde bedeuten, dass es ohne Konsequenzen möglich ist, das Geschehene zu ändern. Ein Run auf die Zeit-Technologie würde eintreten. Wer es letztlich schaffte, diese Technologie zu beherrschen, könnte jedes Ereignis, jede Existenz beeinflussen. Kalishs Entschluss ist sehr rational und sinnvoll. Niemand darf jemals von dieser Möglichkeit erfahren. Alle müssen bleiben, wo sie sind und dieses Wissen bewahren.
Für den Leser überaus erfreulich ist der Umstand, dass Charaktere in einer Handlung wirklich einmal so handeln, wie es tatsächlich sinnvoll ist – wie wenig sie damit letztlich erreichen, ist der sehr guten Planung Bajrams zu verdanken, mit der er den Leser wieder einmal verblüffen kann.

Die Grundstimmung dieser Geschichte ist außergewöhnlich dunkel. Die Farben, die Bajram verwendet, sind zumeist Blautöne, nur durchbrochen vom Rot der Fliegermonturen. Eine Umgebung wie diese kann den Menschen auf Dauer verändern – nur zum Negativen, denn so viel Trostlosigkeit des Alls untergräbt wohl auf Dauer jedes noch so sonnige Gemüt.
In der Geschichte selber versuchen die Ingenieure, die für den Bau der Raumstation verantwortlich waren, mit ein wenig heimeliger Szenerie entgegenzuwirken. Der Effekt kann sich wie im Falle Marios auch in sein Gegenteil verkehren. Irgendwann, nach der zigsten Kneipe, die ausschaut, als habe sich ein American Diner aus den 50er Jahren materialisiert, wird der Erholungseffekt zunichte gemacht.

Die Geschichte steuert klar auf einen bestimmten Punkt zu. Diesen Wendepunkt versteht Bajram erstaunlich gut zu verschleiern. Dies gelingt ihm durch Rückblicke auf ein faszinierendes Experiment, Kalishs Erklärungen sowie die Charakterisierung der Akteure, allen voran Mario und Balti, Freunde, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten.

Eine sehr gelungene, ernsthafte Science Fiction Handlung. Der Schwerpunkt liegt diesmal auf der ausführlichen Beschreibung des Szenarios und einem ordentlichen Zeitreiserätsel. So unterhaltend und spannend kann SciFi mit wissenschaftlichem Kern sein. Top! 😀

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Sonntag, 10. Juni 2007

Jonny Double

Filed under: Thriller — Michael um 20:59

Jonny DoubleJonny Double hat schon bessere Zeiten gesehen. Er kennt die 60er aus eigener Erfahrung, als man(n) sich half und sich gegen Cops und andere miese Typen beistand. Viel ist davon nicht mehr übrig.
Inzwischen ist Jonny ein Privatdetektiv, der keine großen Aufträge bekommt. Ständig ist es schwierig, an die Miete zu kommen und ein Drink will auch bezahlt werden können. Das Leben ist schon lange nicht mehr einfach. Schon deshalb nicht, weil Jonnys Klienten auch noch umgebracht werden. Und eines haben er und seine Klienten gemeinsam: Im Falle des Falles weint niemand ihnen eine Träne nach.

Aber auch der niedrigsten Kreatur wirft der Schöpfer einmal einen Knochen hin. So ähnlich muss sich Jonny fühlen, als dieses blonde langbeinige Gerät in sein Büro (an der Bar) marschiert und ihn in eine Geschichte um viel Geld verwickelt.
Der berühmte Al Capone hat auf seine alten Tage Geld beiseite gelegt, Geld, das heute dem gehört, dem es gelingt, es sich zu nehmen. Ausgerechnet eine Bande von kleinen Gaunern, gerade erst aus den Windeln raus und noch nicht trocken hinter den Ohren, braucht Jonny, um an das Geld zu kommen.
Und nicht nur das. Ein zweiter Auftrag eines gut situierten Herrn lässt Jonny noch mehr Morgenluft schnuppern. Ein Mädchen droht auf die schiefe Bahn zu kommen. Jonny soll auf sie aufpassen. Jonny macht sich keine großartigen Gedanken darüber, dass sie ausgerechnet der kleinen Gaunerbande angehört, die ihn einspannen will.

Es kommt noch besser. Als Jonny auf das Konto des alten Al Zugriff erhält, gelingt es ihm nur mangelhaft seine Überraschung im Zaum zu halten. Die Beute beträgt nicht 300000, sondern mehrere Millionen Dollar. Selbst einem abgetakelten Detektiv, der Jonny nun einmal ist, ist klar, dass die Geschichte ganz plötzlich vom Kopf her stinkt.

Doch zu diesem Zeitpunkt ist es für einen Rückzieher längst zu spät.

Mit Jonny Double zeigt das erfolgreiche Team von 100 Bullets, dass es auch einen Thriller zu gestalten versteht. Autor Brian Azzarello führt einen klassischen Verlierer vor. Jonny Double, dessen Ursprungsversion eines abgehalfterten Typen bereits der Hauptcharakter von vielen Geschichten war, lernen wir an einem Punkt in seinem Leben kennen, an dem es so nicht mehr weitergehen kann. Es ist der typische Wendepunkt. Entweder geht es komplett den Bach runter oder es geht aufwärts mit der begründeten Sicht auf Hoffnung. Jonny sieht letzteres auf sich zukommen.

Es ist ein klares Muster, das von Azzarello hier aufgenommen wird. Aber nach einem solchen Auftakt, weiß man nie, was kommt. Denn es ist das Gesetz eines solchen Thrillers, unerwartete Wendungen einzubauen, die den Leser ein ums andere Mal an der Nase herumführen. So verhält es sich auch mit Jonny Double. Bei all den Steinen, die dem Helden in den Weg gelegt werden, behält Jonny stets den Kopf oben und versucht, einen kühlen Kopf zu behalten. Die Betonung liegt auf versucht, denn auch Jonny stolpert über die drei Steine, die jedem Antiheld im Weg liegen: Frauen, Alkohol und aufkeimende Habgier.
Jeder Sprung über diese Hürden ist eine Meisterleistung, die Jonny von Mal zu Mal sympathischer werden lassen. Er mag ein Verlierer sein, aber er ist kein Aufgeber.

Azzarello beschreibt diesen Prozess, den Jonny durchläuft, spannend und zuweilen auch mit einem gehörigen Augenzwinkern. Dieser Humor findet sich besonders im Aufeinandertreffen der Generationen, in jenen Momenten, in denen sich Jonny ein wenig Vergangenheit und Jugend zurückholen möchte. Aber sie finden sich auch in Situationen, in denen es kaum brutaler zugehen könnte. Bezeichnend ist auch der Einbau von kleinen Nebenhandlungen wie hier das abrupte Ende einer Beziehung, in der sich die Fronten innerhalb weniger Bilder verschieben. Vergleicht man Jonny Double mit anderen Geschichten, wird schnell deutlich, dass Azzarello sich selbst treu bleibt und einen ganz eigenen Stil pflegt.

Eduardo Risso gibt Jonny ein Gesicht. Sein Zeichenstil ist von einer scheinbar bestechenden Einfachheit. Jonny hat ein Boxergesicht, einen Schmollmund wie Elvis, aber er mag auch ein bißchen Marv sein, mit einem Ehrbegriff versehen, der zu schwer für die Gegenwart ist und für einen gebeugten Gang sorgt. Besonders deutlich wird der Unterschied auf jenen Seiten, auf denen Risso den Helden in die Vergangenheit entführt. Das Gesicht ist frischer, jünger und optimistischer und nicht so abgebrüht wie bei den Kids der Gegenwart.
Über den lässigen Strich, den Risso pflegt, kann man auch dankbar sein, weil die Geschichte später einen Killer zwischen die Seiten entlässt, der auf althergebrachte Weise Diebe zu bestrafen versteht.

Solche Szenen sind starker Tobak, allerdings ist es direkt von Beginn an deutlich, dass Jonny Double keine Mainstream-Geschichte ist. Sie erfordert Konzentration. Im Kino müsste man sehr genau aufpassen, um den Anschluss nicht zu verlieren, im Comic hat man den Vorteil, auch einmal zurückblättern zu können. Die Straßen von San Francisco haben schon viele Krimis gesehen. Mit Jonny Double sehen sie einen Thriller in der Vielschichtigkeit eines Basic Instinct.

Jonny Double nimmt einen mit auf den Weg des Verlierers, der über sich selbst hinaus wächst. Mit zunehmender Sympathie für den Helden steigt auch die Spannung. Das Ende ist nicht vorhersehbar. Beste Krimiunterhaltung zwischen Comic-Seiten. 😀

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Samstag, 09. Juni 2007

Marlysa – Der Waltras

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:40

Marlysa 7 - Der WaltrasDer Diebstahl gelingt. Der Dolch des Waltras ist in der Hand des frevelhaften Einbrechers. Aber viel Freude bleibt ihm nicht an seiner Beute. Bereits kurze Zeit später sind ihm die Wachen auf den Fersen.
In der neuen Arena von Jyllando führt Marlysa ein ruhiges Leben. Sofern man den Schaukampf vor hunderten von Zuschauern als ruhig bezeichnen kann. Marlysa allerdings genießt dieses Leben, ist es doch vergleichsweise gefahrlos zu ihren sonstigen Abenteuern. Neben der souveränen Handhabung ihrer Waffen ist ihr akrobatisches Geschick gefragt, welches sie zur Freude der Zuschauer über das normale Maß hinaus besitzt.

Ein Leben als schauspielernder Kämpfer hat ihr nicht lange etwas zu bieten. Was sie zurücklässt, sind viele gute Freunde, während ihr Freiheitsdrang sie wieder in die weite Ferne zieht – einem richtigen Abenteuer entgegen.
Ihre ereignislose wird schnell unterbrochen, als sich ihr ein unbekannter Wanderer in den Weg stellt. Für den Auftrag, den er ihr anträgt, hat sie wenig übrig. Eher rüde lehnt sie sein Ansinnen ab. Doch so leicht will der Fremde nicht aufgeben.

Baron Faradya hat einen Wunsch geäußert. Er will Marlysa kennenlernen. Die Abenteurerin, die diese Einladung hinter Gefängnisstäben in Empfang nimmt, ist nicht mehr in der Lage eine Ablehnung zu äußern. Ihre Überraschung währt nicht lange. Der Baron ist überaus entgegenkommend, und sein Anliegen ist sehr konkret. Ein Dolch wurde gestohlen, eine Waffe von großer Macht. Nur einer umherziehenden Kriegerin kann es während einer Jahrestagsfeier gelingen, in die schwer bewachte Festung des diebischen Fürsten Dormunt einzudringen.

Für eine Kämpferin wie Marlysa scheint die Aufgabe wie geschaffen zu sein. Ein Dolch sollte doch leicht zu stehlen sein. Hätte Marlysa zu diesem Zeitpunkt gewusst, wie attraktiv Dormunt ist, wäre ihre Begeisterung ganz anders ausgefallen – gut aussehende Männer waren in ihrem Leben schon oft für Ärger gut.

Mit der 7. Episode, einem Zweiteiler, Der Waltras kehrt Marlysa zurück. Wir sehen Marlysa eingangs, wie sie ein beschauliches Leben führt. In einer Arena hat sie zusammen mit einigen Freunden eine große Veranstaltung, heute würden wir sagen Show, auf die Beine gestellt, die Tausende von Zuschauern anlockt und regelmäßig begeistert. Die anderen Gladiatoren sind zufrieden mit diesem Leben und wissen auch, was sie daran haben und wem es zu verdanken ist, dass die Zuschauer so zahlreich kommen.

Gleich zu Beginn zeigt Autor Jean-Charles Gaudin auf eine sehr handlungsreiche, aber auch charmante Art, warum Marlysa in ihrer Welt so beliebt ist. Eine Figur, die derart sympathisch eingeführt wird, weiß auch den Leser schnell zu fesseln. Ihrer Freundlichkeit, ihrer Agilität und auch ihrer optische Erscheinung kann man sich nicht entziehen – nicht zuletzt ist es auch ihre Maske, jener geheimnisvolle Aspekt ihrer Identität, der Marlysa faszinierend erscheinen lässt.
Zeichner Jean-Pierre Danard hat sich mit ihrer Gestalt viel Mühe gemacht. Sie wirkt wie eine Brigitte Bardot, die in einer phantastischen Welt ihr Überleben sichert.

Marlysas Maske schadet ihrer Attraktivität keineswegs. Ihre knappe Bekleidung verdreht vielen Männern um sie herum den Kopf. – Wie sich nicht nur an Bösewicht Dormunt zeigt. Der Ritter, der ihr als Begleitung auf ihrer Reise zur Seite gestellt wird, Lowell, erliegt alsbald ihrem Charme. Es wäre falsch zu behaupten, dass Marlysas Bekleidung immer zweckmäßig ist – aber seien wir ehrlich: Eine knackig bekleidete junge Frau ist allemal besser anzuschauen als irgendein muskelbepackter Barbar.
Wer allerdings glaubt, der Einsatz von jungen Frauen in einem prallen Abenteuer ginge zu Lasten der Action, sieht sich gewaltig getäuscht.

Einige Szenen möchte ich ganz kurz herausstellen, weil sie wirklich bemerkenswert sind. Das Abenteuer beginnt mit einem bunten Spektakel, das sich erst nach dem Umblättern als Show entpuppt, bei der niemand zu Schaden kommt. Der Schaukampf in der Arena ist poppig bunt in Szene gesetzt. Fast könnte man meinen, pompöse Musik zu hören, die zu diesem Spektakel aufspielt.
Beeindruckender ist die Szenerie auf der Großen Achse geworden. Man stelle sich einen Highway vor – ohne Automobile, dafür mit phantastisch anmutenden Reittieren, einige recht überdimensional, welche die begradigte Strecke für ihre jeweilige Höchstgeschwindigkeit nutzen. Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, dass das Konzept der Autobahn so noch nicht im Bereich der Fantasy genutzt wurde.
Abschließend sei die Hetzjagd in den Kellergängen abseits des Verstecks des Waltras erwähnt. Wer bislang noch nicht von der Action überzeugt war, kann sich hier nicht mehr entziehen.

Die Welt von Marlysa ist eine Welt voller Details. Das macht sie sehr lebendig und liebenswert. Die Macher, Gaudin und Danard, orientieren sich an der Realität und steuern ein hohes Maß an eigenen Ideen bei. Ein gutes Beispiel für diesen Ideenreichtum ist der erste Auftritt von Dormunt. Angesichts der farblichen Pracht (eine tolle Arbeit von Yoann Guillo) und der Inszenierung fühlt man sich als Leser an eine indische Prozession aus alten Tagen erinnert, als noch Nabobs ihren Reichtum zur Schau stellten.

Man kann Marlysa nicht einfach nur spannend oder gut umgesetzt nennen. Dieses Fantasy-Abenteuer ist einfach schön und gehört zu den Comics, die man nach dem Lesen sehr zufrieden schließt – oder wieder von vorne beginnt.

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Mittwoch, 06. Juni 2007

Terminator – Hardware

Filed under: SciFi — Michael um 20:30

Terminator - HardwareDer erste Terminator konnte seinen Auftrag zur Eliminierung von Sarah Connor nicht erfolgreich zu Ende führen. Doch in der Zukunft wissen die Menschen, dass der Führungscomputer Skynet noch über weitere Quellen verfügt, um den Anführer der menschlichen Rebellion, John Connor, endgültig zu vernichten.

In der Zukunft:
Eine Einheit der Widerstandsbewegung verschafft sich Zugang zu einer von Skynets Zeitmaschinen. Im Auftrage John Connors wollen sie in die Vergangenheit, denn dort können sie ihrerseits verhindern, dass Skynet überhaupt entwickelt wird. Allein den Weg zur Zeitreiseeinrichtung ist hart und einige des Teams bleiben auf der Strecke. Skynet schickt den Menschen gleich vier Terminatoren hinterher. Die Jagd beginnt.

In der Gegenwart:
Nachdem die menschlichen Rebellen eingetroffen sind, gehen die Schwierigkeiten erst richtig los. Während sie einen der führenden Wissenschaftler des Skynet-Programms entführen, heften sich die Terminatoren an ihre Fersen, nachdem sie sich auf ihre bewährte Art Kleidung und Waffen besorgt haben.

Die beiden Bände „Hardware“ und „Software“ schließen die zeitliche Lücke zwischen den Handlungen der Kinofilme „Terminator 1“ und „Terminator 2“.

Erfreulich an der doch recht gut inszenierten Geschichte ist, dass man die Filme nicht gesehen haben muss. Sie bringt neue Ideen ein, wie einen Terminator, der halb menschlich ist und dafür konzipiert wurde, speziell das menschliche Gewebe der Cyborgs zu behandeln. Auch greift die Geschichte konzeptionell dem aktuellen dritten Teil „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ vor. Eine „Terminatrix“ ist hier bereits zu finden. Will man Vergleiche anstellen, muss man sagen, dass dieser weibliche Terminator maschinenhafter agiert und nicht diese Bosheit eines TX an den Tag legt, die für eine Maschine ungewöhnlich ist. Andererseits weiß sie die menschlichen (männlichen) Schwächen zu nutzen, um ihr Ziel zu erreichen.
Insgesamt ist es interessant zu betrachten, wie die Terminatoren im Team agieren, damit sie ihren Auftrag ausführen können.

Obwohl die Geschichte als Comic daher kommt, ist sie weitaus gewalttätiger als die Filme. Auf so manche Darstellung hätte man verzichten können, weil sie nicht zur Entwicklung der Handlung beiträgt. Für Terminator-Fans bietet der Comic eine nette Zwischenmahlzeit und ist trotz kleiner Schwächen spannend.