Mittwoch, 26. September 2007
Mario war einmal ein glücklicher Mann. Am Tage seiner Hochzeit war er in dem Glauben, es geschafft zu haben. Welch ein Irrtum! Kurz nach der Eheschließung eröffnete ihm seine Frau, sie habe ihn nur geheiratet, um einen Vater für ihr ungeborenes Kind zu bekommen.
Das ist die Vergangenheit, und sie liegt lange zurück. Marios Erlebnisse in seiner Zeit beim Militär stellen alles in den Schatten, was ihm privat misslingen konnte. Er hat sprichwörtlich das Ende des Universums gesehen. An der von Kalish und weiteren Kameraden gilt es nun, das Ende der Welt abzuwenden. Aber sie haben nicht viel Zeit, denn bald werden sie von den Ereignissen eingeholt werden.
Aus ihrer Sicht befindet sich der kleine Einsatztrupp in der Vergangenheit. Also machen sie sich auf den Weg zur Erde, in die Heimat. Hier wollen sie alles dafür tun, um das scheinbar Unvermeidliche abzuwenden. Kalish nutzt seine alten Kontakte, um die feindlichen Pläne zu vereiteln. Ihr Vorhaben wird ein Wettrennen gegen die Zeit.
Die vierte Episode von Universal War One mit dem Titel Die Sintflut ist von einer guten Portion Melancholie geprägt. Es ist eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise auf die Erde. Der Leser erlebt die heimatlichen Gefühle der Akteure, ihre Erinnerungen, ihre Gedanken, ihre Einsamkeit. Hat Autor und Zeichner Denis Bajram seine Helden bisher schon sehr einfühlsam geschildert, im wahrsten Sinne des Wortes gezeichnet, erlebt der Leser nun das Juwel Erde aus der Sicht von Kalish, Mario und seinen Gefährten.
Mein armer Mario … Nur ein Idiot wie du kann glauben, dass dich eines Tages jemand lieben wird.
Besonders hervorzuheben ist Mario. Er ist ein Allerweltsheld, von Enttäuschungen massig bedacht, ein Mensch, der sich sehr in sich zurückgezogen hat. Er scheint immer auf der Suche nach dem großen Gefühl zu sein, in der Liebe wie auch in der Freundschaft. In einer Szene, bei den Vorbereitungen zum Start, ist es ihm wahrlich gegönnt, als er die Liebe noch einmal hautnah erfahren darf. – Wenngleich ihm dabei auch kein Mitleid zuteil wird, sondern echte Gefühle und Zuneigung.
Darüber hinaus ist Mario, der ausgelassen zur Erde zurückkehrt, nicht nur eine schöne Comic-Szene, sondern ganz allgemein eine schöne Szene. Mit Mario ist Bajram eine sehr liebenswerte Figur gelungen. Wenn Mario im Regen singt, möchte man fast mit einstimmen.
Diese Farben … Die Sonne … Es ist schön.
Die Erde ist ein heimlicher Darsteller in diesem Szenario. Trotz ihrer Technisierung in den Städten und im Orbit, dem zuweilen schlechten Wetter, gibt es immer noch die Refugien der Ursprünglichkeit, hier exemplarisch der mittlere Westen der USA mit seiner Weite – und wieder mit der Einsamkeit, die schon im All vorherrschte. Aber die Erleichterung, die von den Helden hier erfahren wird, ist sehr spürbar und nachvollziehbar erzählt. Ein freier Himmel, Weite bis zum Horizont, das sind alles nachvollziehbare Erlebnisse, die natürlich für einen Raumpiloten, der die Enge eines Raumschiffes gewohnt ist, etwas ganz besonderes sind.
Im Hintergrund tickt die Uhr. Der unheimliche Countdown, das Ultimatum, das vom Militär abgewendet werden will, ist auch die Triebfeder der Protagonisten. Sie kennen die Zukunft, genauer ihre Vergangenheit, so dass ihr eigens konstruierter Auftrag auch so etwas wie der Kampf gegen Windmühlen ist.
Das Inferno, von Bajram wahrhaft mit biblischer Gewalt inszeniert, setzt dem Bemühen der Helden eine absolute Vergeblichkeit entgegen. Vor dem Hintergrund der Bilder des 11. September sind diese letzten Seiten gruselig, aber sie entstanden nicht wegen des schrecklichen Ereignisses, sondern zeitgleich, unbeeinflusst davon.
Grafisch agiert Bajram wieder auf gewohnt hohem Niveau. Bajram verknüpft Texte und Bilder, so dass er gekonnt auf zwei Ebenen erzählt. Es gibt Ergänzungen, doch manchmal gehen die beiden Erzähltechniken auch unterschiedliche Wege und weichen voneinander ab. Das ist eine cineastische Technik, die Bajram trefflich einzusetzen versteht.
Eine packende Fortsetzung, sehr menschlich erzählt, tragisch, optisch toll inszeniert, für mich die bisher beste Erzählung der Reihe. Science Fiction, die Zukunft findet hier beiläufig statt und wirkt echt. Denis Bajram schreibt sich mit diesem Mehrteiler in die oberste Riege der Science Fiction Autoren allgemein. 😀
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Montag, 24. September 2007
Seit Urzeiten existiert eine schreckliche Kraft, deren einziges Verlangen es ist zu kämpfen … Wer auch immer sie in die Hand bekommt, kann dieses Verlangen nicht unterdrücken. Aber der, der sie tragen darf, ist auserwählt.
Takeru ist ein junges Mädchen und besucht noch die Highschool. Sie ist noch recht unbedarft. Von ihren engsten Anverwandten wird sie strengstens beschützt. Auch hat man ihr aufgetragen, nicht das alte Lagerhaus zu betreten. Aber in ihren Träumen war Takeru längst dort und hat Schreckliches erlebt.
Wenig später wird das kleine Gut von Takerus Familie von furchtbaren Gestalten angegriffen. Es sind Dämonen, die einen Auftrag zur Wiederbeschaffung einer alten Waffe haben. Die Waffe sieht merkwürdig aus und ähnelt einer Hand. Takeru, bereits in tödlicher Gefahr, erhält Zugriff auf die Waffe.
Das ist der Moment, in dem sich ihr ganzes Leben ändert. Plötzlich sind diese Dämonen keine Gefahr mehr für sie. Takeru kämpft wie eine Furie und lehrt dem Gegner das Fürchten.
Die Dämonen lassen sich immer neue Angriffe einfallen und schrecken auch nicht davor zurück, am helllichten Tage zuzuschlagen. Und im Hintergrund warten Feinde mit grauenhaften Gelüsten, von denen Takeru nicht einmal zu (alp)träumen wagte.
Witchblade – Takeru zeigt, wie eine amerikanische Comic-Erfindung in Japan funktioniert. Autor Yasuko Kobayashi und Zeichner Kasaza Sumita haben sich dieses Projekts angenommen und den Fantasy-Gehalt deutlich verstärkt.
Wer die Witchblade, das Original, in der Vergangenheit ein wenig verfolgt hat, dem ist nicht die mystische Hintergrund entgangen, der für diese Waffe eigens erdacht wurde. Ein Waffe, die nur von Frauenhand getragen werden kann und auch nur einer Frau gehorcht. Diese Waffe war im Besitz der verschiedensten Frauen, über Jahrhunderte hinweg, sogar die Jungfrau von Orleans wurde in die Reihe der Trägerinnen eingefügt.
Die Witchblade, mit ihrer Trägerin Sara Pezzini, wurde zu einer beliebten Crossover-Figur. Sie traf mit der Darkness und Lara Croft zusammen. Sie trat gegen Aliens und Predatoren an. Die Witchblade bekämpfte sogar die JLA.
In einem Crossover mit Dark Minds geriet die Witchblade der japanischen Erzählart bisher am nächsten. In Witchblade – Takeru jedoch geht sie mit einem völlig neuen Hintergrund in ihr auf.
Takeru ist ein Mädchen, das in den Besitz einer ungewöhnlichen Waffe oder auch Kraft gerät. Dieser Plot ist in einem Manga nichts Neues. Interessant ist allerdings der Werdegang, den Takeru in dieser Geschichte zeigt. Zu Beginn ist sie ein sehr unschuldiges Mädchen, eigentlich auch nach der ersten Begegnung mit der Witchblade, aber die Waffe übernimmt immer die Kontrolle, wie eine Droge, die den Menschen außer Kontrolle geraten lässt.
Dank der Erzählung von Kasaza Sumita funktioniert diese langsame Steigerung im Zusammenhang mit den Ausbrüchen der Gewalt ausgezeichnet. Kazana beschränkt sich auf einige wenige Charaktere, weshalb sich diese auch sehr ausgeprägt entwickeln können. Bleiben die Gegner eher nebulös, hat Takeru mit dem gleichaltrigen Kou einen guten Freund, der einmal ihr Feind werden könnte, da er in einer langen Reihe von Dämonenjägern einmal ein Nachfolger werden könnte. Da Takeru sich nun im Besitz der Witchblade befindet, die in Wahrheit eine Dämonenhand ist, könnten die Jugendfreunde sich durchaus einmal bekämpfen.
Doch bis dahin kann Takeru unter Beweis stellen, dass sie sich durch die Waffe sehr gut allein verteidigen kann. Dabei geht sie mit einer ungeheuren Brutalität zu Werke – die der ihrer Feinde in nichts nachsteht. Teilweise wirkt es so, als würde Takeru sogar dazu provoziert.
Yasuko als Erzähler schenkt dem Leser hier nichts. Kasaza setzt mit seinen Bildern auf dieser Handlung auf. In rasanten Bildern, aus den verschiedensten Blickwinkeln, werden die Kämpfe dargestellt und wirken in der Tat perfekt choreographiert.
Ich mag Erotik. Etwas, das nicht sinnlich ist, interessiert mich nicht. So äußert sich Kasaza in einer Stellungnahme im vorliegenden Band. Erotik erschöpft sich hier jedoch in den typischen Unter-den-Minirock-Blick-Bildern, die in Mangas nicht unüblich sind und einer sehr knappen Bekleidung, wenn die Witchblade zum Einsatz kommt.
Vergleicht man diese Erotik mit dem amerikanischen Original, findet sich auch dort die gleiche Oberflächlichkeit, die eher belustigt und so leider auch die Spannung nimmt. Der schlechte Einsatz von Sex in einer Geschichte nimmt, wenn alles andere stimmt, immer ein wenig die Luft raus.
So ist es auch hier. Denn ansonsten kann Takeru als Witchblade überzeugen. Sie ist weitaus animalischer als es Sara Pezzini je war. Der Horror-Faktor fällt hier viel größer aus als in der Vorlage – hält sich aber auch zurück und überstrapaziert das vergossene Blut nicht, wie es z.B. in einer ähnlich gelagerten Geschichte wie Maken X der Fall war.
Ein harter Auftakt einer Neuerzählung, eines Remakes auf japanische Art. Die Witchblade geht einen mystischeren Weg, aber auch gewalttätiger. Diese Witchblade unterscheidet sich sehr vom Original. Ring trifft Mutantenhorror, gruselig, mit sehr intensiv geschilderten Charakteren im Mittelpunkt. Gut. 🙂
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Freitag, 21. September 2007
Das Luftschiff liegt nach einer Bruchlandung mitten im Dschungel. In diesem Teil der Welt kann die Gefahr für Leib und Leben aus jeder Richtung kommen. Die Überlebenden wollen die gefährliche Reise dennoch versuchen – sie haben keine andere Wahl.
Sie klettern durch die Urwaldbäume. Die Äste sind derart dick, dass selbst drei oder vier Männer sie nicht umfassen können. Ihre Reise scheint eine Ewigkeit zu dauern, ohne Nahrung, ohne Wasser. Plötzlich zerreißt ein unheimliches Geräusch die angespannte Stille.
Ausgerechnet Herr Pad, der kleinste und älteste der Gruppe, hat eine waghalsige Idee. Doch kann die Reise auf einem der urweltlichen Wesen, die flussabwärts wandern, gefährlicher sein, als die Kletterpartie? Die Gruppe beschließt, das Risiko einzugehen. Zuvor müssen die Tiere erst einmal erreicht werden. Der letzte Teil des Weges bis zum Fluss wird zur ultimativen Mutprobe. Li ist die erste Leidtragende.
Damit nicht genug: Marc und Kim bleiben zusammen mit Li zurück. Während Li bewusstlos ist, müssen die beiden anderen mit ansehen, wie der Rest der Gruppe auf dem Rücken eines der gigantischen Wesen flussabwärts treibt.
Der Horror geht weiter. Marc und Kim tragen die verletzte Li tapfer weiter. Die Freunde können sich nicht entscheiden, wann das Grauen größer ist, tagsüber oder nachts. In der Zeit der größten Not stößt Alexa zu ihnen. Die lebenserfahrene Frau bringt den nötigen Optimismus mit in die kleine weit abgeschlagene Gruppe und ermöglicht Marc und Kim die nötige Ruhepause.
Der Dschungel ist nicht der einzige Feind. Auch das Militär ist den Flüchtlingen immer noch auf der Spur.
Aldebaran – Das Wesen läutet das Ende des Fünfteilers ein. Autor und Zeichner Leo schickt seine Helden auf einen abschließenden Parcour, der es in sich hat. Beinahe kann der Leser zu dem eigenen Schluss gelangen, dass Leo seine Protagonisten nicht überleben lassen will.
Zum Glück versteht es Leo, seine Leser ein ums andere mal in die Irre zu führen. Im Vergleich zu den vorherigen Folgen ist die Episode, die viele Fragen um die geheimnisvolle Mantrisse beantwortet, sehr stark auf Action ausgelegt. So gesehen entschädigt Leo die Leser, sofern sie Aktion vermisst haben, sehr. Die Reise durch den Dschungel und im späteren Verlauf über den Fluss bietet unterschwelligen Horror, viel Phantasie und eine tolle Darstellung einer fremden Fauna und Flora. Wer Abenteuergeschichten mag, die wirklich fernab jeglicher Zivilisation handeln, kommt hier absolut auf seine Kosten.
Die bereits erwähnte Phantasie von Leo wird schon durch das Titelbild des Bandes deutlich. Die außerirdische Kreatur ist so schlicht wie ein modernes Kunstwerk gestaltet, ist ebenso organisch wie auch überraschend. Die einfachen Konturen erzielen in diesem Zusammenhang eine außerordentliche Wirkung.
Die Bindung zwischen Marc und Kim verstärkt sich durch die neuerlichen Erlebnisse zusehends. Was die beiden durchmachen, stellt alle bisherigen Ereignisse in den Schatten. In einer Kleidung, die einer solchen Tour De Force keinesfalls gewachsen ist, begegnen sie seltsamen Kreaturen, die vielleicht sogar zum Lachen wären. Was ihnen da nachts das Leben schwer macht, wirkt zuerst wie ein Spaß – ein beliebter Trick von Leo, auf den man als Leser jedes Mal hereinfallen kann.
Wo die Phantasie Kapriolen schlägt, hat die Qualität der Bilder ein wenig gelitten. Sie sind bei weitem nicht schlecht – ein Leo, der nicht auf der Höhe ist, ist allemal zehnmal besser als so mancher andere Zeichner. Aber die Bilder wirken ein wenig nachlässiger. Schön zwar, aber Leo kann es noch besser, das hat er bewiesen.
Ein Schluss, der es in sich hat. Leo zeigt mit dieser Science Fiction Saga, dass er als Zeichner wie als Autor ein begnadeter Erzähler ist. Scheinbar mit leichter Hand und doch sehr intelligent geschrieben, bedeutet Das Wesen Spannung und Überraschung von Anfang bis Ende. 😀
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Donnerstag, 20. September 2007
Vom 18.-21. Oktober findet wieder begleitend zur Spielemesse SPIEL in Essen zeitgleich die Comic Action statt. Panini präsentiert in diesem Jahr 8 Zeichner, die internationale Bekanntheit erlangt haben.
Mit dabei am Panini-Stand, Halle 9, Stand 9-08, von Donnerstag bis Sonntag:
Bill Morrison (Simpsons)
Glenn Fabry (Preacher)
Simone Bianchi (Wolverine, Green Lantern)
Ariel Olivetti (Punisher, Batman)
Marko & Jelena Djurdjevic (X-Men, Thunderbolts)
Guiseppe Camuncoli (Captain Atom, X-Men)
Gabriele Dell’Otto
Quelle: Panini Pressemitteilung, September 2007
Mittwoch, 19. September 2007
John F. Kennedy ist Präsident der Vereinigten Staaten, Elvis ist aus der Armee entlassen und für die Beatles interessiert sich kaum jemand. Es ist die Zeit, in der korrupte Polizisten in den Bars von Gotham City Schutzgelder eintreiben.
In diesen unberechenbaren Tagen macht ein maskiertes Rächerduo Schlagzeilen. Ihre Namen: Batgirl und Robin. Eines Abends legen sie sich wieder mit der Polizei an, denn Two-Face soll nicht fortgesetzt im Schutz einer Polizeimarke Verbrechen begehen dürfen.
Die Erpressung scheitert, trotzdem müssen die beiden Vigilanten die Beine unter den Arm nehmen. Und nicht nur das. Polizeichef Gordon sieht sich gezwungen, gegen die beiden zu ermitteln, obwohl er langsam ihre Arbeit zu schätzen weiß.
Gordons bevorzugter Ermittler hat zwar bereits viel um die Ohren, aber Gordon traut nur ihm die Arbeit zu, als muss Detective Bruce Wayne diesen Fall auch noch übernehmen. Mit dem Widerwillen Waynes kann Gordon umgehen, mit dem Freund seiner Tochter Barbara nicht. Das kurze Zusammentreffen wenig später hinterlässt auf beiden Seiten keine Freude.
Bianca Steeplechase tritt gerne in der Maskerade eines Jokers auf, so kann sie ihre wahre Identität verschleiern und sich mit einem unheimlichen Flair umgeben. Mit ihrer kleinen Spende stößt sie bei Bruce Wayne allerdings auf Granit.
Mit seiner Einstellung wäre Wayne der ideale Partner der beiden Vigilanten, die er aufzuspüren versucht. Was er nicht weiß: Die selbsternannten Rächer haben sich im Keller von Wayne Manor, Bruce’ einstigem Familiensitz, den er wegen Schulden verkaufen musste, ein Versteck eingerichtet. Bald darauf ist das dynamische Duo wieder auf der Pirsch.
Verkehrte Welt: Was ist hier los? Mit den Zeichenkünsten von Dan Brereton, der hierzulande auch schon mit The Black Terror aufgefallen ist, entsteht nach einer Szenario-Vorlage von Howard Chaykin ein vollkommen anderes Gotham City.
Aus heutiger Sicht waren die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts noch äußerst düster. Die Einflüsse organisierter Banden wirkten noch nach. Die Halbstarken machten den Erwachsenen das Leben schwer und der Kalte Krieg erreichte mit der Kuba-Krise einen seiner Höhepunkte.
Gotham City presst aus dieser Zeit noch mehr düstere Atmosphäre heraus. Der Leser erkennt den Joker, Batgirl, Robin, auch Catwoman und Black Canary oder Croc (beide haben ihren Auftritt in Thrillkiller 62).
Inzwischen hat es einige Neuerzählungen von Superhelden gegeben. Batman und Superman stehen dabei in der ersten Reihe. In der Riege der Neuerzähler zählt sogar ein Frank Miller zur vordersten Kategorie. Entsprechende Versuche haben manchmal tolle Ergebnisse erbracht, hin und wieder gerieten sie auch zu einem simplen Aufguss oder einem Transport in die Gegenwart.
Chaykin und Brereton gehen den Weg zurück. Die Helden sind zwiespältige Persönlichkeiten ohne besondere Ausrüstungsgegenstände – sieht man einmal von einer Armbrustpistole ab. Batgirl ist die führende Persönlichkeit, jene die anleitet und Robin anführt. Wie bekannt handelt es sich bei ihr natürlich um Barbara Gordon, der Tochter des Polizeichefs. Eine sehr reife Frau, stark, fast zu stark für ihre Zeit, ist für den eher jugendlichen Robin auch Mutterersatz.
Brereton hat sie außerdem mit sehr deutlich ausgeprägten weiblichen Attributen versehen, die eher hinderlich bei einem Kampf sind. Von den athletischen Figuren, wie sie in neueren Produktionen zu finden sind, gibt es hier keine Spur. Aber die Wirkung ist nicht zuletzt durch die Aquarell-Technik viel realistischer.
Breretons Figuren sind kantiger, voluminöser und es gibt auch mal ein Speckpölsterchen zu sehen. Der Realismus seiner Arbeit rückt ihn in die Nähe eines Alex Ross.
Der Joker, hier eine Frau, ist wegen des geschlechtlichen Rollentauschs eine Spur gemeiner, grausamer und sadistischer. So driftet die Geschichte immer weiter zu einem Duell zwischen kämpferischen Frauen, von der eine aus Rache und Gerechtigkeitssinn handelt, die andere hingegen schlichten verbrecherischen Wahnsinn als Antrieb hat.
Eine völlig neue Entstehungsgeschichte von Batman, die Fledermaus fast Lückenbüßer, in einer herausragenden Gestaltung, die dank der Bildtechnik viel organischer wirkt, weniger glatt. Düster spannend mit Charakteren zwischen Mut und Verzweiflung. Ein Höhepunkt in der Batman-Saga. 😀
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Marc kann sich an das Leben im Gefängnis nicht gewöhnen. Seit dreieinhalb Jahren sitzt er nun in dieser Zelle, ohne Verurteilung, ohne zu wissen, wie lange dieses Martyrium noch dauern wird. Und die Verzweiflung wächst von Tag zu Tag.
Eines Tages wird Marc zu einer Arbeitsgruppe abbestellt. Der freie Himmel macht die Plackerei erduldbar. Als er mit einigen anderen Gefangenen an einer kleinen Brücke arbeitet, kommt ein Mann des Weges – der alte Herr Pad!
Marc kann seinen Mund nicht halten, ist er doch zu erfreut, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Allerdings ist ein Mann, der von einem Gefangenen erkannt wird, immer auch in der Gefahr kontrolliert zu werden. So kommt auch Herr Pad bald keinen Schritt weiter. Die kleine Kiste, die er dabei hat, muss von den Aufsehern näher in Augenschein genommen werden.
Herr Pad kennt die menschliche Psyche, die beinahe krankhafte Neugier. Kaum ist die Kiste geöffnet, erwartet die Wärter eine gefährliche Überraschung. Wenig später befindet sich Marc in Freiheit.
Die große Stadt, die Marc in den letzten Jahren nur von fern durch die Gitter sehen konnte, wird jetzt zum Unterschlupf. In der lichten Metropole Anatolia nahe der Küste wollen Pad und Marc untertauchen. Wie es sich bald zeigt, hat Herr Pad nicht uneigennützig gehandelt. Marc soll ihm einen Gefallen tun.
Nicht nur Marc hat sich eine Unterkunft in Anatolia gesucht. Auch Gwendoline lebt hier, die Reporterin, die seinerzeit miterlebte, wie Marcs Dorf vernichtet wurde. Und die Vergangenheit holt ihn ein, jedoch anders als er es sich gedacht hat.
Nellie sein einstiger Jugendschwarm ist verheiratet und Mutter. Nellies kleine Schwester hingegen ist erwachsen geworden. Kaum sehen die beiden sich wieder, erwacht auch das einstige Band zwischen ihnen wieder.
Herr Pad wirbelt ihrer beider Leben bald gehörig durcheinander.
In der dritten Folge des Science Fiction Comic-Romans Aldebaran mit dem Titel Das Foto wird der Leser zunächst von Autor und Zeichner Leo auf sehr leichte Weise in die Geschichte zurückgebracht. Nichts deutet auf die neuen Erkenntnisse hin, die sich bald abzeichnen werden und entsprechend aufrüttelnd sind.
Das Leben in Anatolia, das Leo schildert, ist halbwegs normal und einer Hafenstadt angepasst. Es ist eine sonnige Küste. Die Liebe zwischen Marc und Kim erblüht langsam, es gibt amouröse Abenteuer und Herr Pad ist sehr undurchsichtig. Über allem gibt es immer wieder Einblicke in die fremde Welt, durch die Vegetation und Tierwelt einerseits und die politische Ordnung andererseits. Wie in einem Überwachungsstadt schwebt ständig ein imaginäres Damoklesschwert über den Akteuren.
Mit dem Einschub um die Forscher Alexa und Driss gelingt Leo eine ganz tolle Passage, die nicht unbedingt Licht in das Dunkel des Geheimnisses um die Mantrisse bringt, sondern das Geheimnis noch vertieft. Als die beiden frustriert warten, sehen sie plötzlich im Meer eine Herde Gregoren, die einem ganz bestimmten Ziel zu folgen scheint.
Wenn Alexa betont, wie schön diese Lebewesen seien, kann man als Leser nur zustimmen. Die einfachen Formen und Farben der Gregoren könnten tatsächlich einer Natur (wenn nicht sogar unserer) entsprungen sein. Die Szene um die schwimmenden, sehr großen Tiere gehört wohl zu einer der schönsten in der fünfteiligen Aldebaran-Reihe.
Nach all dieser Schönheit ist das, was sich in der darauf folgenden Nacht abspielt, wahrhaft schockierend erzählt. Es gehört zu Leos tollem Geschick, auch nur soviel zu zeigen, wie es braucht, um die Phantasie des Lesers anzuheizen.
Mit zwei weiteren einfachen Bildern setzt Leo punktgenaue Akzente und vertieft das Geheimnis um die Mantrisse wie auch um Alexa und Driss.
Dabei ist die Leichtigkeit, wie sehr Leo seinen Lesern die Hauptfiguren ans Herz wachsen lässt, bewundernswert. Hier sind Geschichte und Charaktere sehr gut miteinander verflochten.
Science Fiction muss nicht an allen Ecken und Ende knallen. Leo zeigt, wie ruhig und doch ungeheuer spannend eine Geschichte aufgebaut werden kann, indem sie einem großen Geheimnis folgt. Erste Klasse! 😀
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Montag, 17. September 2007
Las Vegas. Stadt des Lasters und der Vergnügenssucht. Einige Menschen geben sich nicht mit einem überraschenden Gewinn zufrieden, der vielleicht niemals stattfinden wird. Schneller geht es mit einem Überfall.
Nach einer Serie von Überfällen geben sich die Gangster plötzlich auf einer Halloween-Veranstaltung die Ehre. Das Dämonenhaus ist eine Einrichtung eines Vereins, der Jugendlichen aufzeigen will was passiert, wenn man vom rechten Weg abweicht. Die in Spielszenen gezeigten Horror-Szenarios sind bei den Kids ein richtiger Hit.
Kaum rücken die Beamten des CSI, der Crime Scene Investigation, an, um sich an die Sicherung der Beweismittel zu machen, fällt ein Schuss – eigentlich nichts Ungewöhnliches im Rahmen der einzelnen Vorführungen. Doch der Schuss ist viel zu laut. Und er ist tödlich. Aus einem simplen Überfall wird die Suche nach einem Mörder. Zunächst scheint der Täter leicht auszumachen, aber die Spurensuche zeigt etwas anderes.
Für Gil Grissom ist der seltsame Mordanschlag eine Herausforderung. Ebenso verhält es sich mit dem Raubüberfall. Beide Ereignisse scheinen in keinerlei Zusammenhang zu stehen. Catherine Willows hilft bei dem Mord, während Sara Sidle und Nick Stockes sich um den Überfall kümmern. Bald entstehen die ersten Thesen. Wer versuchte dem Verlobten der Toten einen Mord unterzuschieben? Und handelt es sich bei den Räubern tatsächlich um jene, die schon andere Überfälle begangen haben? Oder sind es Trittbrettfahrer?
Das CSI mit Sitz in Las Vegas ermittelt nicht zum ersten Mal auch im Medium Comic. Alle drei Teams, aus Vegas und den Ablegerserien Miami und New York, hatten bereits ihre Auftritte mit Fällen wie Domino, Geheimidentität oder Blutiger Mord.
Mit der üblichen Spannungskurve, stetig steigend, bewegt sich auch der vorliegende Band Das Dämonenhaus mit traumwandlerischer Sicherheit über das Krimiparkett. Wer die Serie kennt, kann sich sogleich zuhause fühlen.
Ungewöhnliche Orte oder Ausgangssituationen sind ein Markenzeichen der drei Serien. Das Dämonenhaus ist eine Einrichtung, die Jugendlichen auf unterhaltsamen einen Einblick in Lebensumstände geben sollen, um sie gründlich abzuschrecken. Gewalt aller Orten, in der Familie, Drogensucht, Alkohol am Steuer, all diese Fehler des menschlichen Verhaltens lauern insbesondere in Las Vegas an jeder Ecke. Die Folgen werden den Kids extra drastisch und aus nächster Nähe vor Augen geführt. Theaterblut fließt in rauen Mengen.
Max Allan Collins und Co-Autor Matthew V. Clemens lassen das Ur-Team des CSI mit der gewohnten Lässigkeit ermitteln. Die Figur Grissom macht hier einen Schritt zurück. An vorderster Front agieren die Duos Willows/Brown und Sidle/Stokes. Willows und Brown übernehmen den Mord. Hier ist besonders Willows gefragt, da beide, Tatverdächtiger und Opfer, jeweils zwei Kindern im Grundschulalter haben. Wie in der Serie agiert ihr Charakter mit der nötigen Einfühlsamkeit. Auch wird klar, dass sie inzwischen auf der gleichen Augenhöhe mit Grissom arbeitet. Meister und Schüler sind beinahe gleichberechtigt.
Man mag sich streiten, welcher der beiden Fälle, die aus dem Dämonenhaus hervorgehen, spannender ist. Auf alle Fälle sind sie gut miteinander verflochten. Collins und Clemens machen ihre Arbeit ebenso gut, wie es ihre Kollegen der schreibenden Zunft im Fernsehen tun.
Gestalterisch spielt sich der Comic in zwei Varianten ab. Eher hektisch, sehr abstrahiert, werden Rückblicke und Schlussfolgerungen gezeigt. Das hat mitunter einen künstlerischen, skizzenartigen Charakter. Die eigentliche Ermittlungsarbeit wird normal illustrativ gezeigt. Gabriel Rodriguez und Ashley Wood teilen sich die Arbeit.
In den Illustrationen gibt es durchaus einen Wiedererkennungseffekt, der sich nicht immer einstellt, wenn auf der Basis von Filmen oder TV-Serien Comics entstehen. Am besten getroffen sind bestimmt Willows und Sidle, die beiden Damen des Teams, während die Männer nicht so klar getroffen sind. Grissom, im Film William Petersen, wirkt zu jung, während er sich doch altersgemäß inzwischen deutlich vom Rest der Gruppe absetzt.
Erzählung gut, die Optik stimmt, die Handlung hat es wieder einmal in sich, solide Krimi-Unterhaltung, die durchaus auch für eine Doppelfolge im TV gut gewesen wäre. Wer Krimis im Comic mag, die so dicht nicht gestreut sind, kann einen Blick riskieren. 🙂
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Freitag, 14. September 2007
Der Krieg tobt mit ungebrochener Härte. Die Soldaten sind erschöpft und am Ende ihrer Kräfte. Stetig kommt von der Befehlsstelle die Anweisung zum Vorrücken. Inmitten dieses Wütens erinnert sich ein Soldat an die Heimat, an die Liebe, die er zurücklassen musste.
Charles hat seinen Brief an die Heimat gerade beendet, als bereits der nächste Befehl eintrifft. Die Kompanie soll sofort aufbrechen. Das Ziel lautet Reims, doch das ist 30 Kilometer entfernt. Die Aufgabe scheint kaum lösbar angesichts ihres Zustandes.
Charles hat seinen Brief an die Heimat gerade beendet, als bereits der nächste Befehl eintrifft. Die Kompanie soll sofort aufbrechen. Das Ziel lautet Reims, doch das ist 30 Kilometer entfernt. Die Aufgabe scheint kaum lösbar angesichts ihres Zustandes.
Nanu?!
Charles erlebt ein Dé-Jà-Vu. Der Befehl, das Verlassen des Schützengrabens, das Vorrücken der Truppe, all das kommt ihm plötzlich allzu bekannt vor. Genau in diesem Augenblick schlägt das Schicksal zu. An den Angriff, der folgt, kann er sich bereits erinnern. Die Explosion vernichtet seine Kameraden auf einen Schlag. Und plötzlich hat er wieder diese Begegnung, die ihn schon zuvor im Mark erschütterte.
Doch das Blatt wendet sich. Aus den Rauchschwaden tritt ein mannshoher Schatten hervor, der das Monster, das Charles’ Leben beenden will, erschießt. Der langhaarige Mann ist alles andere als militärisch gekleidet und gehört auch keiner der kämpfenden Einheiten an. Außerdem ist seine Waffe ziemlichungewöhnlich – abgesehen davon scheint er die Waffen, die er benötigt, irgendwie erschaffen zu können.
Was geht hier vor?
Die Odyssee von Jackie Estacado findet in The Darkness – Level 2 ihre Fortsetzung. Ist das die Hölle, in die die Autoren Paul Jenkins und David Wohl ihn hier geschickt haben? Der Eindruck mag sich dem Leser aufdrängen. Umso spannender ist die Tatsache, dass Jackie diese Frage nicht klären kann.
Fest steht, dass es sich um keinen der Weltkriege handelt, nicht einmal um einen zukünftigen Krieg, denn der Feind ist monströs und verfügt über schweres Kriegsgerät, welches so noch nicht in Erscheinung getreten ist.
In Charles findet Jackie einen Weggefährten. Charles weiß sowieso nicht, wohin er soll, nachdem seine Kameraden aufgerieben worden sind. Also kann er auch an der Seite des merkwürdigen Fremden bleiben.
Jenkins und Wohl beschreiben eine Welt, die als Hölle angesehen werden könnte. Eine ständige Wiederholung von Sterben und Tod? So könnte die Hölle aussehen. Und wie es scheint, hält die Hölle für jeden einzelnen Gast die ganz persönliche Hölle parat. Für Charles ist es der Krieg.
Aber was ist es für Jackie Estacado?
Jenkins und Wohl haben für die Darkness, die dem Italo-Killer innewohnt, ein Erziehungsprogramm geschaffen. Als alle Waffen versagen, erschafft Jackie seine ganz eigene Kompanie von Darklings, die sich auf den Feind stürzen.
Dank der versierten Technik von Zeichner Tyler Kirkham ist der Comic dieser bekannten Horror-Comic-Figur auf einem gewohnt hohen Niveau. Das liegt nicht zuletzt auch an der guten Tuscheführung von Sal Regla und dem kolorierenden Studio F.
Braune Erdtöne, olivgrüne Uniformen, grellgelbe Explosionen, stahlblaue Darklings und schmutzigbeige Feindmonster bestimmen das Farbspiel der vorliegenden zweiten Episode der Level-Reihe der Darkness, die das Thema auf andere Weise anpackt und einen Estacado in unbekanntem Umfeld zeigt.
Die Ideen sprechen für sich. Das ist die Darkness einmal anders, gruselig, überraschend, ein Horrorspaß, mit Rätseln und Geheimnissen, zu kurz zwar, aber dennoch mit guten unvorhersehbaren Wendungen versehen. Gut. 🙂
Donnerstag, 13. September 2007
Yiu lebt in einer trostlosen Zukunft. Das Leben der Menschen ist stark verlängert. Aus heutiger Sicht ließe sich vielleicht auch von Unsterblichkeit sprechen. Doch im Sinne eines medizinischen Systems, dass immer teurer und unerschwinglicher wird, können nur noch die Reichen sich eine entsprechende Versorgung leisten.
In dieser Welt, öde, trostlos, lebensfeindlich, verdorben, ist ein richtiges Kind, geboren von einer richtigen Frau, eine Besonderheit, fast schon etwas Heiliges. Ein solches Kind verdient jegliche Beachtung, die nur möglich ist. Ein solches Kind zieht auch die Aufmerksamkeit krimineller Elemente und Terroristen auf sich. In dieser Zukunft sind die Bedingungen allerdings anders als in unserer Gegenwart: Neid kann zu einem wichtigen Antrieb für den Terrorismus sein. In diesem Fall ist es der Neid auf eine natürlich geborene Existenz.
Das Kind wird entführt. Die Forderung lautet: 198.000 Dollar. Trifft das Geld innerhalb von 48 Stunden ein, stirbt das Kind einen sauberen und schnellen Tod. Ansonsten wird es leiden, 72 Stunden lang.
Es geht nicht mehr um Leben und Sterben. Es geht nur noch darum, wie man stirbt.
In der Welt von Yiu sind Lebensformen entstanden, die es eigentlich so nicht geben dürfte. Diese Wesen ließen sich Menschen nennen – wenn sie es denn selber so wollten. Ihre Existenz ist brutal, einsam. Sie sind Die Armee des Neo-Mülls. Menschliche Körper, die nur dazu gezüchtet wurden, um ausgeschlachtet zu werden, als Ersatzteillager für den originalen Menschen, dessen Klon sie sind. Diese Wesen haben nichts zu verlieren, nur zu gewinnen.
Yiu ist nur 16 Jahre alt, als sie den Auftrag annimmt, das Kind zu befreien. Das kleine Mädchen befindet sich in einem elendig langen und schwer bewaffneten Zug, der sich seinen Weg durch eine verschneite Landschaft bahnt. Yiu hat nicht mehr viel Zeit, doch sie bewältigt die schwierige Aufgabe scheinbar mit absoluter Leichtigkeit.
Yiu – Die Armee des Neo-Mülls von Téhy, J.M. Vee und Vax entführt in eine Zukunft, die grauenhaft, düster ist. Eine Welt, in der sich High-Tech und tragische Gestalten treffen, eine Mischung aus Blade Runner und Runaway Train, schnell, wie der Zug, auf dem die Handlung stattfindet.
Téhy und J.M. Vee sind für das Szenario verantwortlich, das wohl zu den schlimmsten Zukunftsbildern der letzten Jahre im Comic-Genre, vielleicht auch im Science Fiction-Genre gehören dürfte. Die Autoren haben eine Hauptfigur geschaffen, die selber nicht ganz freiwillig diesen gefährlichen Auftrag übernimmt. Yiu ist selbst noch ein Kind, jedoch ein selbst ein gefährliches, hier sogar ein tödliches, dessen Fähigkeiten ein wenig an starke junge Frauen wie Dark Angel erinnern.
Der Start der Geschichte bietet eine kurze Einleitung, bevor Yiu zu Werke geht. Ihr Einsatz beginnt mit einem Absprung, den sie im freien Flug bewältigt. Noch im Flug gerät sie unter Beschuss, gleich bei ihrer Landung tötet sie ihre ersten Gegner. Yiu führt ihren Kampf mit äußerster Brutalität, aus der Not geboren, sie tötet, wie es sich gerade ergibt. Nicht elegant, so doch wenigstens so schnell wie möglich.
Zuerst ist es nicht ersichtlich, wohin sich die Geschichte bewegt. Sicherlich ist eine gelungene Action-Handlung unterhaltsam, aber sie hinterlässt keinen nachhaltigen Eindruck.
Yius Einsatz erfährt immer mehr Tiefe, je mehr Informationen sie über den vorliegenden Fall erhält. Es mag schwierig sein, Mitleid mit diesen Kreaturen zu empfinden, die das Kind entführt haben, aber ihre Motivation erfährt eine glasklare Begründung – jedenfalls aus einer verzweifelten, verdrehten Sicht heraus.
Denn verzweifelt sind diese Wesen, die sich bemühen, mittels zahlreicher Implantate doch ein Leben zu führen, wenigstens irgendein Leben.
Je mehr die Geschichte ihren Lauf nimmt, desto mehr raubt sie Illusionen über eine gute Wendung. Die Autoren lassen den Leser voll auflaufen. Ungewöhnlich, aber drastisch, realistisch, denn ein möglicherweise zu Herzen gehender Schluss hätte nicht gepasst – obwohl, bei genauer Betrachtung geht auch dieser Schluss zu Herzen, nur eben ganz anders, als man es erwartet hätte.
Die drastische Geschichte bringt hier auch eine drastische Optik mit sich. Téhy, der hier zweigleisig arbeitet, und Vax erschaffen hier zusammen mit dem kolorierenden Team von Oxom FX eine ungeheuer düstere Sicht auf die Handlung. Die Technik, das Design der Anzüge wie auch der Kreaturen könnte den Hirnen der Erfinder der Borg entsprungen sein. Wer sich diese SciFi-Wesen in einer verwahrlosten Zukunft vorstellt, die Star Trek so niemals zeigen würde, kommt der Atmosphäre, die sich bei Lesen einstellt, schon recht nahe.
Yiu ist keine Geschichte für Fans von Hochglanz-Science Fiction. Hier wird geschossen, geschlagen, seziert, zersäbelt, explodiert. Brutalität ist hier ein Abbild des Grundgefühls dieser Welt. Die Wesen des Neo-Mülls sind nichts wert und werden gnadenlos beseitigt. Die bildliche Darstellung fällt entsprechend aus und versteckt nichts.
Nichtsdestotrotz ist der Auftakt von Yiu grafisch höchst beeindruckend und aufwändig gestaltet. Hier werden viele Möglichkeiten der computerunterstützten Kolorierung bis an die Grenze ausgereizt.
Ultra spannend, aber auch ultra brutal, ein sehr genau durchstrukturiertes Szenario mit viel Hintergrundwissen der eigens erfundenen Welt in Szene gesetzt, man nehme zur Sounduntermalung einen fetzigen Heavy Metal Track und tauche ab in absolut düstere SciFi – nichts für schwache Gemüter! 🙂
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Dienstag, 11. September 2007
Dunk, der Knappe, muss mit dem Tod seines Ritters fertig werden, dem er fast sein ganzes Leben lang gefolgt ist. Was soll nun aus ihm werden? Schwert und Schild, die Waffen, die ihm von seinem Herrn geblieben sind, bergen die Antwort bereits. Dunk wird ein Heckenritter, ein Kämpfer ohne Lehnsherr, dem verpflichtet, dessen Sache gerecht ist.
Zuvor jedoch gilt es, sich einen Namen zu machen. Was kann besser sein, als ein Turnier mit namhaften Rittern, um sich selbst in Szene zu setzen und Respekt zu erwerben? Dunk macht sich auf den Weg.
Bald darauf kehrt er in einer Herberge ein. Dort lernt er Egg kennen, Eierkopp, einen kleinen kahl geschorenen Jungen, der nichts lieber möchte, als an Dunks Seite durch das Land zu ziehen und ihm als Knappe zu dienen. Dunk, der sich den Namen Ser Duncan, der Große gibt, lehnt das Ansinnen des kleinen Jungen ab. Dunk ist noch nicht lange genug auf eigenen Beinen, um noch jemand anderem zu zeigen, wie es im Leben zugeht. In Ashford Meadow angekommen, am Turnierplatz, gilt es schnell einen Fürsprecher zu finden, der bezeugen kann, dass Dunk tatsächlich zum Ritter geschlagen worden ist. Doch wer könnte für ihn sprechen, wenn nicht einer jener Adeligen, für die sein Herr einst stritt?
Dunk genießt das Umfeld. Ganz alleine bewegt er sich in der Welt der Ritter, in der Welt der Erwachsenen, in der er bisher bislang nur der Nachwuchs gewesen ist. Doch um wieviel schwieriger ist das Leben, wenn man auf sich allein gestellt ist? Allein? Nun, so alleine nicht, denn Egg hat sich nicht an das Verbot von Dunk gehalten und ist ihm gefolgt. Ob er will oder nicht, Ser Duncan hat nun einen Knappen.
Die anfänglichen Schwierigkeiten sind nichts im Vergleich zu dem Schlamassel, in dem sich Ser Duncan kurze Zeit später wieder findet. Ein Ritter muss die Hilflosen verteidigen, so hat er es bereits vor langer Zeit gelernt. Die junge Puppenspielerin, die ihm an Größe beinahe ebenbürtig ist, wird von Männern bedrängt, geschlagen und gedemütigt. Egg, der ihn zur Hilfe rief, sieht wie alle anderen Umstehenden, wie Dunk einen Prinzen niederringt. Der berühmte Kampf der Sieben gegen Sieben, ein Gottesurteil, soll über Ser Duncans Schicksal entscheiden. Doch welche sechs Ritter wollen für die Unschuld Dunks an der Seite eines vollkommen Unbekannten streiten?
Der Heckenritter basiert auf einer Kurzgeschichte des in Fantasy-Kreisen sehr bekannten Autors George R.R. Martin. Mit seinen Romanen über Das Lied von Eis und Feuer hat sich Martin seinen Platz in den Bestseller-Listen erobert. Mit Der Heckenritter ist er 100 Jahre in die Vergangenheit seines eigenen Epos gereist. Durch die Bearbeitung von Ben Avery ist eine schlichte, aber mitreißende Rittergeschichte entstanden, die von Zeichner Mike S. Miller mit dem nötigen Realismus in Szene gesetzt wurde.
Der Heckenritter hat diese tolle altmodische Atmosphäre, wie sie in klassischen Filmen zum Thema zu finden ist. Ivanhoe, Prinz Eisenherz, Die Ritter der Tafelrunde. Das besondere Turniergefühl kann in jüngster Zeit vielleicht noch Ritter aus Leidenschaft einfangen. So ist die Atmosphäre der Geschichte der zunächst wichtigste Bestandteil. Dunk ist zu Beginn der Handlung ein leeres Blatt, ein Charakter ohne sonderliche Tiefe, die er sich erst im Verlauf der Handlung erwirbt und durch seine Erfahrungen bereichert.
Dunk ist nicht dumm, aber er meint seine Grenzen zu kennen, die er als jemand zieht, der sich selbst als ein Ritter von niedrigem Stand sieht. Er ist sehr groß und stark, aber vielleicht nicht so behände wie andere Ritter, die mehr Übung in der Schlacht und auf dem Turnierplatz haben. Er sieht sich auf der gleichen Augenhöhe wie die Zuschauer. Zu diesem Zeitpunkt, am Anfang seiner Karriere als Ritter, erforscht er die ihm bekannte und doch aus dieser Sicht neue Welt wie ein Kind.
Es kann Avery und Miller nur zugute gehalten werden, dass sie sich für die Entwicklung Dunks so viel Zeit lassen. Aus dieser Entwicklung, der Beschreibung dieser Ritterwelt, die frei erfunden ist, entsteht seltsamerweise keine Langeweile. Es dauert vergleichsweise lange, bis die Action losgeht.
Bis es soweit ist, ist Dunk dem Leser so sehr ans Herz gewachsen, dass dieser unbedingt erfahren muss, wie Dunks Schicksal sich erfüllt. – Mir jedenfalls ging es so. Es ist selten geworden, gerade im Comic-Genre, dass eine Geschichte sich wirklich Zeit nimmt. Es ist einerseits eine Platzfrage, andererseits war ein Comic immer schon ein Medium für die schnelle Kost, für zwischendurch. Der Heckenritter bricht mit der Hektik, die sich im Comic eingebürgert hat und schafft es sogar einen Blick durch die Augen eines Ritters zu werfen.
Die Zeichnungen von Miller könnte man mit einem leichten Realismus beschreiben, der fast schon zerbrechlich wirkt. Die Kolorierung von Mike Crowell und dem übrigen Team übernimmt den Rest, so dass ein äußerst lebendiges Abbild dieser mittelalterlichen Welt entsteht.
Die Ritter in ihren prächtigen Rüstungen, die eigentlichen Turnierkämpfe, Ausstattung von Pferd und Reiter sind wunderbar anzuschauen. Die Drachen, die freilich nur in Träumen und Rückblicken zu sehen sind, geben den Anstoß in Richtung des Fantasy-Genres, der so sachte und unaufdringlich erfolgt, wie lange nicht mehr.
Ein tolles Ritterabenteuer, einfühlsam erzählt, ebenso versiert wie schön gezeichnet, eine richtiger Ausnahme-Comic, der ein Albenformat verdient gehabt hätte. Aber es ist gut zu wissen, dass auch im Heftformat solche Kleinode erscheinen. 😀
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