Zum Inhalt springen


Comic Blog


Dienstag, 09. Oktober 2007

30 Days Of Night: Agent Norris

Filed under: Mystery — Michael um 23:27

30 Days Of Night: Agent NorrisDas Eis schmilzt, und der Mann kommt wieder frei. Aber aus dem Mann, dem Agenten des FBI ist ein Vampir geworden. Der Befreier, der so dumm war, eines der Monster aus dem Eis zu holen, muss bald mit ansehen, wie der Vampir flieht.
Der Befreier will seine Versagen wieder gut machen. Er verlässt Barrow, die Ortschaft, die vom Bösen heimgesucht wurde und folgt dem ehemaligen Agenten nach Los Angeles, die nun alles andere als eine Stadt der Engel ist.

Gleich bei seiner Ankunft stöbert John Ikos ein Vampirnest auf. Die Härte und die Abgebrühtheit, mit der dieser Jäger vorgeht, sind in Los Angeles ungewöhnlich. Blitzschnell hat er zwei der Blutsauger für immer vernichtet. Bei seiner nächsten Begegnung hat er es nicht mehr so einfach, denn gegen die Übermacht der Night Crew hat er keine Chance.
Wie er schlicht und einfach feststellt: Ich und mein Großmaul.

Sein Glück ist es, dass die Vampire neugierig sind. Ihr Anführer will diesen Norris selber sehen, dessen Name immer weitere Kreise in der Vampir-Szene zieht.
Auch der Mann aus Barrow setzt seine Suche fort. Ohne es zu wissen, gerät er in eine Auseinandersetzung verschiedener Gruppierungen innerhalb der Vampire. Als er eine Rettungsaktion durchführen will – wieder einmal eine äußerst ungewöhnliche – verbündet sich ein Fremder mit ihm.

30 Days Of Night ist im Vampir-Genre unlängst einem Trend gefolgt. Die Vampire rangieren in ihrer Konzeption auf einer ähnlichen Höhe wie jene in Blade. Härter, brutaler, gemeiner, düsterer und mit einem Gebiss versehen, dass jedes Raubtier vor Neid blass werden lässt. Inzwischen hat auch die Filmindustrie den Kick entdeckt, der von dieser Vampir-Reihe ausgeht. 30 Days Of Night läuft jüngst im Kino.

Verantwortlich für diesen Schocker ist Autor Steve Niles, der eine Geschichte verfasst hat, die sich nicht lange bitten lässt. Eine Ortschaft, 30 Tage Dunkelheit, einige wenige letzte Menschen, die ihr Dorf nicht verlassen haben und eine Horde Vampire, die es genießen, sich nicht alle 12 Stunden verstecken zu müssen. Dieser 30 Tage währende Horror zog folgerichtig Fortsetzungen nach sich, die den Leser auf die gleiche schnelle Weise ins Geschehen werfen.

Agent Norris ist ein Opfer jener langen Nacht. John Ikos hat den FBI-Agenten gerettet – eher aus Dummheit und Neugier, weniger, weil er es tatsächlich wollte.
So ist die erste Episode im vorliegenden Band sehr bedrohlich und eindringlich – leider krankt sie an der zeichnerischen Darstellung, die hier doch sehr einfach ausgefallen ist. Im Gegensatz dazu ist die Szene spannend, ja aufregend sogar, da sich nicht sagen lässt, wie John Ikos aus dieser Sache wieder herauskommt, ob er überleben wird.

Mit dem Start der Episode The Journal Of John Ikos ändert sich die grafische Gestaltung. Zeichner Nat Jones, unter der Farbgebung von Jay Fotos, haben einen wilden Bildeindruck geschaffen, der die dunklen Ereignisse in Los Angeles perfekt unterstreichen. Der bärtige Ikos wirkt durch sein hinterwäldlerisches Auftreten total fehl am Platz in diesen heruntergekommen Häusergassen, in deren Schatten die Vampire lauern.
Hier ist der Hauptdarsteller sehr gelungen und echt geworden.
Der Kontrast zwischen Jäger und Beute, hier die Vampire, die den Spieß bald umdrehen, könnte nicht größer sein. Der Trapper steht einer Bande im Lack- und Leder-Outfit gegenüber. Eine Schrotflinte steht gegen atemberaubende Geschwindigkeit und ein fürchterliches Gebiss.
Die Auseinandersetzungen sind hart und schenken dem Leser nichts.

Der mittlere Teil ist eine sehr moderne Vampir-Geschichte (er ist von den drei Episoden auch der umfangreichste), die nicht nur auf der aktuellen Welle mitschwingt, sondern auch eigene Akzente setzt.
Gegen Ende sind die Grafiken von Zeichner Brandon Hovet in der abschließenden Episode Agent Norris: Mia vergleichsweise nicht so aussagekräftig. Sein Zeichenstil ist aber nicht ungewöhnlich und findet sich ähnlich auch bei Kelley Jones , einem anderen Veteran von Grusel-Comics.

Unter dem Strich eine phantastische Vampir-Schauergeschichte mit einer ordentlichen Portion Action, sehr geradlinig erzählt mit einem hervorragenden Mittelteil. Fans des Genres werden diese Kost sicherlich mögen. Wer zartbesaitet ist, sollte besser keinen Blick riskieren. 🙂

30 Days Of Night – Agent Norris: Bei Amazon bestellen

Sonntag, 07. Oktober 2007

Die Gilde – Astraban

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:32

Die Gilde 1 - AstrabanAstraban hatte einen schönen Abend in der Taverne. Er und seine Freunde haben eifrig dem Bier zugesprochen und machen sich nun auf den Heimweg. Derweil wird unweit eine junge Frau von Attentätern angegriffen. Obwohl nicht mehr ganz nüchtern, macht sich Astraban auf zu ihrer Rettung.
Zuerst sieht es so aus, als könne sich die junge Frau sehr gut alleine verteidigen – doch ein wenig Hilfe kann nicht schaden. Mit einem kleinen Trick, den Astraban in der Gilde der Alchimisten gelernt hat, sorgt er für Ablenkung. Allerdings hält die Täuschung nicht lange vor. Erst eine ordentliche Rechte mit einem anderen Mittel ausgeführt schlägt die Angreifer in die Flucht.

Doch die Heldentat bringt Astraban kein Glück.

Kurze Zeit später, Astraban wacht gerade aus seinem Katerschläfchen auf, als einer der Häscher aus der vergangenen mit erhobenem Schwert über ihm steht und ihn töten will. Für den jungen Burschen bleibt nur das Heil der Flucht, denn der Gegner ist zahlreich. Astraban erregt darauf das Interesse des Vaters der jungen Frau. Eine positive Wende für sein Leben erwächst daraus für ihn nicht. Wieder in den Gassen der Stadt erwarten ihn Meuchelmörder, die ihre Arbeit ernster nehmen als ihre Vorgänger.

Um Astrabans Überleben zu sichern, helfen ihm seine neuen Freunde, seinen Tod vorzutäuschen.
Für den Alchimisten beginnt ein neues Leben, das er so weder gewollt noch vorhergesehen hat. Sobald er nach seinem Tod wieder erwacht, beginnt das Abenteuer seines Lebens erst richtig.

In Die Gilde 1 – Astraban taucht der Leser in ein mittelalterliches Szenario ein, in dem alle Charaktere tierischen Ursprungs sind. Seit Disney und Co kennt der Leser solche Welten, die inzwischen auch in ernsthaften Szenarien Einzug gehalten haben. Aktuelle Beispiele dafür sind Blacksad, Mit Mantel und Degen oder Inspektor Canardo.
Der Auftakt der Gilde, in dem wir Astraban kennen lernen (ich hatte immer den Eindruck, Askaban sagen zu müssen), wurde von Miroslav Dragan geschrieben und Oscar Martín gezeichnet.

Der Start ist rasant und scheint gemäß der Gesetzmäßigkeiten des Knalleffekts geschrieben worden zu sein. In Kinofilmen, Romanen oder Comics wird dieser Effekt gerne eingesetzt, um den Zuschauer oder Leser gleich von Beginn an zu fesseln.
Normalerweise flacht die Kurve danach etwas ab. Die Charaktere und das gesamte Umfeld werden genauer vorgestellt. Die Gilde behält hingegen das Tempo nahezu bei. Nachdem Astraban selber zur Zielscheibe geworden sind ruhige Momente selten. Ist es nicht die Action, sind es die Liebe oder tragische Momente, welche die Geschichte vorantreiben.

Astraban ist eine Figur, die unbedarft in diese Situation gerät, die ihr gesamtes Leben umkrempelt. Der Mut, den der junge Mann an den Tag legt, macht ihn sogleich sympathisch. Sein Vorgehen ist nicht kopflos, sondern durchaus taktisch zu nennen. Astraban ist klug, verliert aber angesichts einer möglichen Liebe doch vorübergehend seinen Kopf. – Und auch die spätere Rache lässt ihn die Kontrolle verlieren. Da Astraban zu diesem Zeitpunkt aber alles verloren hat, lässt sich dies jedoch gut nachvollziehen.

Wer glaubt, eine Geschichte, die mit Tierfiguren agiert, sei harmloser eitel Sonnenschein, sieht sich gewaltig getäuscht. Wie in den bereits erwähnten Serien trifft dies nicht zu und Die Gilde macht da keinen Unterschied.
Kämpfe, Täuschungsmanöver, Intrigen stehen in ihrer Konsequenz jenen der realistisch gezeichneten Erscheinungen in nichts nach. Martín schenkt den Figuren nichts. Ein Stich erfordert Blut, ein Schlag fordert seinen Tribut. Verletzungen erfordern auch eine längere Heilung. Das Leid, das Astarban erfährt, erzeugt Mitleid des Lesers. Was Dragan seinem Helden hier zumutet, schafft einen Helden, der im Verlauf der Geschichte durch eine Art privater Hölle geht.

Die Zeichnungen sind sehr schön ausgeführt, technisch versiert und vielen optischen Finessen versehen. Neben tollen Stadtansichten fehlt auch der Zoom auf den Protagonisten nicht, während der Hintergrund nur unscharf dargestellt wird. Martín zeichnet und koloriert hier in Personalunion. Beides ist wunderbar gelungen, konzentriert sich auf das Wesentliche und verzettelt sich nicht zu sehr in Details.

Martín und Dragan lassen bei aller Dramatik auch den nötigen Humor nicht vermissen. Ein gutes Beispiel für den gelungenen wie auch passenden Witz, der ein wenig an alte Mantel-und-Degen-Filme erinnert, ist die Wandlung, die Astraban nach seinem Ableben durchmachen muss, um nicht doch noch von seinen Verfolgern erkannt zu werden. Astraban unterstreicht seine Verwandlungen und Verkleidungen mit verschiedenen Mimiken, die zurecht albern wirken – und richtig Spaß machen. Auch in anderen Situationen schafft das Macher-Team den wichtigen humoristischen Ausgleich zu dem doch sehr ernsten Historien-Krimi.

Tolle Unterhaltung mit Tiercharakteren vor historischer Kulisse. Exquisite Gestaltung mit Zeichentrickeffekt, aufwendig, auf den Punkt genau erzählt, mit einer Hauptfigur, die sehr sympathisch geworden ist und im Verlaufe der Geschichte regelrecht mitreißt. 😀

Die Gilde 1 – Astraban: Bei Amazon bestellen

Freitag, 05. Oktober 2007

Gaston – Ausgewählte Katastrophen

Filed under: Cartoon — Michael um 19:31

Gaston - Ausgewählte KatastrophenGaston ist kein normaler Büroangestellter. Nichts liegt ihm ferner als seine eigentliche Arbeit. Post zu sortieren und zu beantworten ist absolut zweitrangig. Lieber tüftelt er etwas aus und raubt seinen Kollegen den letzten Nerv.
Für die Leute in seiner engsten Umgebung, nicht nur im Büro, ist die Nähe zu Gaston eine Art Abenteuerurlaub. Demel, ein Kollege mit Weisungsbefugnis (aber ohne echten Erfolg damit), gehört zu den Personen, die am meisten zu leiden haben. Es ist erstaunlich, aber bei all den Katastrophen, die das Leben für Gaston wie für die anderen bereithält, halten seine Kollegen ihn immer noch für liebenswert.

Die große Cartoon-Serie um den schmalen Bürojobber, von André Franquin, vorbildhaft für andere Cartoons, ist ein zeitloses Vergnügen für alle, die Comic mit Comedy in Reinform verbinden. In der vorliegenden Ausgabe zum 40jährigen Bestehen des Carlsen Verlages wurde Ausgewählte Katastrophen zu einem Band zusammengefasst.
Für Comic-Nostalgiker ist es eine vergnügliche Zeitreise, für Neulinge könnte es der Beginn einer wundervollen Freundschaft zum Medium Comic werden.

Gaston ist nicht faul, wie es zuerst den Anschein haben mag. Irgendwie wurde er von Franquin als verkapptes Genie konzipiert, dessen Aufmerksamkeitsspanne etwas kurz ist. Kurz, Gaston ist mit seiner Arbeit vollkommen unterfordert.

Seine Erfindungen sind zahllos, so hat es jedenfalls den Anschein. Die Leiter in der Bibliothek tauscht er gegen einen Stuhl aus, der sich an einem Zahngestänge nach oben kurbeln lässt. Nach einiger Zeit geht man auch nicht mehr über den Büroflur, sondern man fährt in bequemen Bürostühlen hängend an der Decke entlang. Pfannkuchen werden dank einer Zumischung von Latex zu kleinen Heißluftballons. Ein handelsüblicher Schirm mutiert zur Einmann-Wetterzone. Mit einem Gewehr werden Möhren zu Kaninchen geschossen, damit sie gestärkt den Jägern entkommen können. Ein neues Politurmittel wird zur unentrinnbaren Falle. Eine Erfindung zur Kaminsäuberung gerät ungewollt zu einer Flugabwehr, die einen Düsenjäger vom Himmel holt.

Freilich ist es für den Hobby-Koch damit nicht getan. Leider hat er auch noch außerordentliches Pech. Krankheiten wie Erkältungen quälen Gaston, Sonnenbrand, der er sich durch seine Erfindungen selber einhandelt und natürlich erkennen seine Freunde nicht sein Genie, weshalb er sich immer wieder so mancher Attacke ausgesetzt sieht.
Gaston ist herzensgut – wie die Frauen eher erkennen als die Männer. Fräulein Trudel kann von diesem jungen Mann, der ihr selbst gezüchtete Kakteen schenkt, gar nicht genug bekommen.

Franquins Humor ist nicht nur zeitlos. Eigentlich können Leser jeder Altersstufe über Gaston lachen. Vom feinen Humor, dem liebevollen Witz, der kurzen knackigen Pointe, dem Witz am laufenden Band (dem Running Gag) oder der puren Slapstick-Comedy ist alles dabei.
Dabei finden zahlreiche Beziehungen der auch Objekte immer wieder von Franquin Anwendung. Zu den klassischen Beziehungen gehören seine Kollegen Demel und Krause. Der Texter und der Zeichner sehen sich oft mit den neuesten Erfindungen konfrontiert oder anderen Einfällen, die entweder alles in Brüche gehen lassen oder anders für Chaos sorgen. Ein besonderes Ziel hierbei ist Herr Bruchmüller, der ein ums andere Mal in der Redaktion erscheint, um endlich die Verträge unter Dach und Fach zu bringen. Selbst als Gaston sogar eingeschlossen wird, vereitelt er indirekt die Vertragsunterzeichnung.

Gastons Tierliebe wird für seine Kollegen zusätzlich zur Belastungsprobe. Eine Katze, die dauernd nur Unsinn im Kopf hat (ihrem Herrchen damit sehr ähnlich ist), ist ebenso der Stein des Anstoßes wie die Lachmöwe, die ein Lächeln nur dann zustande bringt, wenn anderen etwas Schlimmes widerfährt.
Es ist Franquins Talent als Erzähler zu verdanken, dass aus kleinen Dingen ständig ein großer Lacher wird. – Wer das nicht glaubt, möge die kleinen Episoden um Gaston und eine Nuss einer näheren Begutachtung unterziehen.
Außerdem zeigt Franquin sehr schön, wie sehr es zu einem Bumerang werden kann, wenn man seine Mitmenschen triezt. Der Polizist, der kein gutes Haar an Gaston und seinem Oldtimer lässt, sieht sich jedes Mal einer Katastrophe mittlerer Größe ausgesetzt, sobald er neuerlich seinen Strafzettelblock zückt. – Für den Leser ist es ein Glück, dass der Schupo einfach nicht dazu lernt.

Schlechte Laune? Gaston lesen, schon ist wieder ein Lächeln da. Für jeden Humor-Typ ist etwas dabei. Eine der außergewöhnlichsten (scheinbar) Endloskomödien in der Literatur mit Witz, Charme und sehr viel Menschlichkeit. Die ausgewählten Katastrophen bringen Licht in einen regnerischen Herbstabend. 😀 😀 😀

40 Jahre Carlsen Comics – Gaston – Ausgewählte Katastrophen: Bei Amazon bestellen

Fundstücke – Leserbrief in primo 1972

Filed under: Meldungen — Michael um 15:38

Kurt aus München schreibt in primo Nr. 26 im Jahre 1972:

Jo-Jo und ähnliche Comics sollten in primo mehr in den Vordergrund treten. Brutlitäten jeder Art sollten vermieden werden!

Die primo-Redaktion antwortete:

Schönen Dank für Deinen Brief, lieber Kurt.
…
Zum anderen, primo ist eine Comic-Zeitschrift. Wir bemühen uns, Brutalitäten nicht zu verherrlichen. Aber bei realistischen Abenteuerserien, wie beispielsweise Eisenherz oder dem Sheriff, lassen sich harte Szenen nicht immer vermeiden. Sie gehören zum Ablauf mancher Geschichten, die ohne Auseinandersetzung langatmig wären. Auch in lustigen Stories, wie bei Jo-Jo, geht’s machmal recht stürmisch zu. Mit einer allzu großen Verniedlichung wäre Euch, unseren Lesern, nicht gedient. Wir glauben, dass Ihr alt genug seid, um zwischen einer Story, einem Comic-Strip und dem Alltag zu unterscheiden!

So der kurze Leserbrief-Dialog in primo vor 35 Jahren.
1973, also ein Jahr nach diesem Brief, wurde Schweinchen Dick im ZDF wegen seiner Gewalt abgesetzt. Inzwischen haben sich derart viele Einflüsse in Sachen Gewaltdarstellung etabliert, die man sich in jenen Tagen nicht einmal vorzustellen gedachte. Vergleicht man Serien, die damals in primo und anderswo erschienen, solche, in denen Gewalt echt wirkte, mit heutigen Serien, ist der Level nicht sonderlich gestiegen – mein persönlicher Eindruck.

Prinz Eisenherz, Kuma, Rahan, El Cid, Der Sheriff, Andrax, Luc Orient, Tarzan und Co zeigen auch viele Kämpfe. Was sich geändert hat, sind wohl die Auswüchse. Zombies im Marvel-Universum? Wer hätte das jemals gedacht? Der Fun-Splatter hat inzwischen auch in den Comics Einzug gehalten. Diese sollten eigentlich, wie auch ähnlich gelagerte Filme oder Spiele, nur einer entsprechenden Altersstufe vorbehalten sein.
Klar, dass das nicht funktioniert!

Früher versuchten die Kids in Kinofilme zu gehen, die weit jenseits ihrer Altersstufe lagen. Ausweiskontrollen waren damals ebenso wie heute Mangelware. Klar, es war auch ein Spiel, aufregend, weil es verboten war. Heute ist der Zugang zu Filmen jenseits der 16- oder 18-Grenze noch viel einfacher, eigentlich nichts Besonderes mehr.

Die Diskussion über die Gewalt in Medien wie auch in Comic und Trickfilm reicht recht lange zurück. Darstellungen von Einschüssen in Körpern werden schon lange nicht mehr nur eindringend, sondern auch mit schönster Detailfreude auch austretend gezeigt.

Gibt es im Comic nun eine Übergewaltätisierung oder alles noch im grünen Bereich?
Keine Ahnung.

Übrigens: Der erwähnte Jo-Jo ist Gaston. Damals glaubte man wohl, ein französisch klingender Name würde auf dem deutschen Comic-Markt nicht weit kommen.

Donnerstag, 04. Oktober 2007

G.P. Taylors Schattenbeschwörer

Filed under: Mystery — Michael um 17:23

G.P. Taylors SchattenbeschwörerThomas Barrick hat es nicht leicht. Der Junge hat seine gesamte Familie verloren. Er weiß auch, wer die Schuld daran trägt. Doch mit seinen dreizehn Jahren vermag er nichts gegen die Macht des Pfarrers Obadia Demurral auszurichten – oder doch?
In einer sehr finsteren Nacht schleicht Demurral mit seinem Gehilfen Beadle zum Strand. Demurral ist im Besitz eines Kerub, einer kleinen Statuette in Form eines Engels, der sehr mächtige Kräfte innewohnen. Es existieren nur zwei dieser Statuetten, und gemäß der magischen Gesetze können sie niemals getrennt sein. Langsam nähert sich ein Schiff, das bald darauf zerschellt. Aber wo ist der fehlende Kerub? Demurral muss ihn unbedingt finden.

Die Gemeinde versammelt sich, um über die Bergung des in der Nacht gesunkenen Schiffes zu beraten. Schnell findet sich eine Lösung, die natürlich von Pfarrer Demurral gnädigst bevorzugt wird. Niemand will aufbegehren. Einzig der Waisenjunge Thomas Barrick stellt sich offen gegen den teuflischen Priester, der seine Macht missbraucht. Hat der Junge hier kein Glück, klebt ihm zudem das Pech an den Fersen. Bei einer Flucht durch den Wald gerät er in die Nähe der Klippen und stürzt in die See. – Aber er wird gerettet.

Er findet sich wenig später in der Höhle wieder, die er nach dem Verlust seines elterlichen Zuhauses zu seinem Heim machte. Allerdings ist er nicht mehr alleine dort. Ein anderer Junge hat hier eine Zuflucht gefunden, ein Junge von schwarzer Hautfarbe, fern der Heimat Afrika und auf der Suche nach einem Gegenstand, der seinem Volk entwendet wurde. Zunächst ist Thomas über die Anwesenheit des Fremden empört. Als Raphah sich ihm vorgestellt hat und deutlich wird, dass sie einen gemeinsamen Feind haben, ändert sich Thomas’ Verhalten, wollte er doch stets einen Verbündeten gegen Demurral haben.

Doch bevor die beiden Jungen gegen den Pfarrer bestehen können, gilt es noch weitere Abenteuer zu bestehen. Außerdem müssen sich weitere Verbündete finden, denn selbst zu zweit sind ihre Chancen nur gering. Nach und nach stellen sich weitere Mitstreiter auf ihre Seite, so auch der gefürchtete Schmuggler Jacob Crane. Ein gefährlicher Plan nimmt Gestalt an.

In einer immer größer werdenden Welt, die aus dem Dorf ausbricht, in dem sich zuerst alles zuträgt, handelt die Geschichte des Schattenbeschwörers, die hier nach dem Bestseller von G.P. Taylor in Roman und Hörbuch nun als Comic in der Bearbeitung von Tony Lee vorliegt.

Die in einer ganzen Reihe erschienen Kapitel der Vorlage sind hier in einem Band zusammengefasst. Gleich zwei Zeichner haben Schattenbeschwörer bearbeitet. Pedro Delgado liefert die Vorlage, während Stephen Jorge Segovia seine Bilder an den Arbeiten seines Kollegen ausrichtet, um die Optik beizubehalten. Als Koloristen sind hier Eva De la Cruz, Kieran Oats und Ian Sharman zuständig. Ihre Arbeit gibt ein gutes Beispiel, wie unterschiedlich sehr ähnliche Grundzeichnungen nach Tusche und Kolorierung ausfallen können, und unterstreicht die Wichtigkeit dieser Arbeitsabschnitte.

Das düstere Titelbild des Sammelbandes steht beispielhaft für die gesamte Erzählung, die seinen jungen Protagonisten und erwachsenen Helfern nichts erspart. Ihnen gegenüber steht ein Priester, der sich von Gott abgewendet hat, weil er sein eigenes Gottesreich auf Erden errichten will. Irdische Macht besitzt er bereits, himmlische Macht soll folgen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Zu Beginn steht ein Szenario dessen Atmosphäre anfänglich an den Film Das Schloss im Schatten (Moonfleet, 1955) von Fritz Lang erinnert. Auch dort findet sich zur Zeit des 18. Jahrhunderts ein Waisenjunge, der von einem Schmuggler unter seine Fittiche genommen wird.

Auf Magie jedoch verzichtete Lang seinerzeit. Davon wimmelt es jedoch in G.P.Taylors Geschichte. Mythen und Legenden erzählen von dunklen Gestalten, die in den dichten Wäldern und in den Tiefen des Meeres hausen. Der christliche Glaube peitscht die Dorfbewohner, er schenkt ihnen keine Hoffnung. Ausgerechnet ein fremder Junge fern der Heimat, der seinen Gott anders nennt, aber durchaus den gleichen meint, schenkt einigen Menschen neue Zuversicht, sich dem eigenen Schicksal zu stellen.

Taylor (und auch Tony Lee mit seiner Comic-Adaption) überrascht mit ungewöhnlichen Einfällen. Erstes Beispiel ist der Kerub. Eine sehr kleine Figur, nicht größer als eine Hand, besitzt außerordentliche Kräfte. Ihre Kräfte sind neutral, deshalb kann auch Demurral sie verwenden und für seine Zwecke nutzen.
Wer Demurral betrachtet, wird Ähnlichkeit mit anderen Bösewichtern feststellen, wie sie in klassischen Jugendromanen Kindern immer wieder das Leben schwer machen. Demurral jedoch ist dunkler, gemeiner, bösartiger, ja sogar dämonisch zu nennen – und auch optisch oft so dargestellt, wenn nur seine glitzernden Augen und sein gruseliges Lächeln in der Dunkelheit zu sehen sind.
Mit neuem der zehn Kapitel entstehen neue Wendungen. Die Pläne scheinen sich zu zerschlagen, oder ihre Umsetzung zumindest zu erschweren. Kurz, die Helden gehen durch ihre ganz eigene Hölle, in der die unheimlichen Kreaturen des Landes immer mehr Oberhand gewinnen. Ein alternatives Ende der Geschichte, von Taylor ursprünglich erdacht, zeigt deutlich, wie finster der Autor auch noch den Schluss gestalten wollte. Aus der Sicht des Leser ist es ungewöhnlich, wie wenig Mitleid Taylor mit seinen Figuren hatte.

Pedro Delgado und Stephen Jorge Segovia zeichnen sehr unterschiedlich. Delgados Zeichenstil nähert sich der grafischen Gestaltung eines Humberto Ramos oder Francisco Herrera. Segovia könnte, wenn man ihn ließe, auch gut im Superhelden-Genre agieren. Zeichnungen, die von ihm zu finden sind, deuten darauf hin, dass er an Wolverine, Superman und Co seinen Spaß hätte.
Fakt ist leider, dass die Zeichnungen der beiden unter den Qualitäten der Koloristen zu leiden haben. Die Sorgfalt der ersten Kapitel durch Eva De la Cruz geht durch ihre Kollegen im weiteren Verlauf leider etwas verloren.
Dem Gesamteindruck des vorliegenden Bandes mit immerhin 240 prallen Seiten schadet das allerdings kaum.

Fantasy und Grusel pur: Die Umsetzung des Jugendbuch-Bestsellers von G.P. Taylors fesselt von der ersten bis zur letzten Seiten durch neue Wendungen und phantastische Einfälle. 🙂

G.P. Taylors Schattenbeschwörer: Bei Amazon bestellen

Morea – Das Blut der Engel

Filed under: SciFi — Michael um 15:21

Morea - Das Blut der EngelMorea Doloniac führt ein ganz normales Leben auf Kuba im Jahre 2082. Sie arbeitet für einen der mächtigsten Konzerne der Welt, dem DWC, und ist zugleich eine der Erbinnen dieser Firma, wenngleich sie in der Rangfolge auch ziemlich weit hinten steht.
Als sie zur Arbeit geht, ist alles so wie immer. Sie verabschiedet sich von ihrem Freund, nicht ahnend, dass bereits ein Killerkommando in den Wolkenkratzer eindringt, um alle Angehörigen der Doloniacs auszulöschen.

Morea hat außerordentliches Pech. Auch sie wird erschossen – nur um im Krankenhaus wieder aufzuwachen. Ihre Wunde ist verheilt, während ihr Blut noch ihren Oberkörper bedeckt. Nicht nur für den Sanitäter kommt diese Tatsache einem Wunder gleich. Dachte Morea, dies sei der Gipfel ihrer Probleme, sieht sie sich bald gewaltig getäuscht. Ihre unbekannten Feinde geben nicht so schnell auf.
Da trifft es sich, als im Moment höchster Not ein Unbekannter ihren Weg kreuzt und sie rettet.

Es kann nur eine geben, trifft in diesem Fall nicht zu, denn Morea gehört zu einer ganzen Reihe von Unsterblichen, die auf dem Planeten weilen. Ähnlich wie es der Fantasy-begeisterte Leser von Highlander her kennt, haben auch diese von Christophe Arleston geschaffenen Unsterblichen eine Schwachstelle: Sie können verbrennen. Das bedeutet ihren endgültigen Tod.
Morea, die Erbin eines Multimilliardenunternehmens, ist jedoch nicht allein. Pünktlich zu ihrem Ableben findet sich ein Lehrer ein, der ihr beibringen will, wie sie sich als Unsterbliche künftig zu verhalten – und zu verteidigen hat!
So weit, so ähnlich.

Der Leser findet eine Umgebung vor, die recht selten in dieser Form anzutreffen ist. Aus Kuba, der ehemals kommunistischen Hochburg in Spuckweite zum riesigen kapitalistischen Nachbarn USA ist ein gigantisches Handelszentrum geworden. Hier reihen sich riesige Wolkenkratzer aneinander.
Die Luftfahrzeuge, fliegende PKWs und Motorräder, die hier von Zeichner Thierry Labrosse gestaltet werden, erinnern, ebenso wie das gesamte Umfeld an Szenarien wie Das fünfte Element und Blade Runner. Auf dem Boden ist kein Platz mehr, weshalb die Gebäude in den Himmel sprießen. Die Architektur ist verspielt, geschwungen, fast könnte man sagen französisch, zieht man das Set-Design von Das fünfte Element zum Vergleich heran.
Am Boden herrscht ein zivilisiertes Durcheinander. Es ist ein wenig ungepflegt, aber bei weitem nicht so schmutzig wie im erwähnten Blade Runner. Hinzu kommt ein strahlendes Sonnenwetter, kurzum, der Handlungsort ist ein irdisches Paradies, das von der Hochfinanz weidlich ausgenützt wird.

Wie in Das fünfte Element ist der Hintergrund auch mystisch zu nennen, stehen sich doch zwei rivalisierende Parteien gegenüber, die sich selbst Drachen und Engel nennen. Im Gegensatz zur religiösen Mythologie verschiedener Glaubensrichtungen handelt es sich bei diesen Gruppen jedoch nicht um Gut und Böse, vielmehr sind es Wesen, die einzig um die Vorherrschaft kämpfen. Aus der Sicht der Drachen sind die Engel freilich die Bösen, denn ihre Vorstellung einer menschlichen Zukunft aus Gewalt, Sklaverei und der Vorherrschaft durch eine Minderheit behagt den Drachen überhaupt nicht.
Engel haben in Comics schon länger keinen besonders guten Leumund mehr. Oft schon wurde das so genannte Böse zum Missverstandenen, Fehlinterpretierten oder Opfer von feindlicher Propaganda. Inwiefern Morea hier tatsächlich schon die Wahrheit offenbart wurde, wird die weitere Entwicklung der Geschichte zeigen.
Angesichts von Arlestons Erzählkunst, die er bisher mit seinen Troy-, Lanfeust-, Ythag-Arbeiten und vielen anderen bewiesen hat, kann man sicherlich auf einige Überraschungen gefasst sein.

Wie paradiesisch das Gelände ist, zeigt sich auch am späteren Trainingsort von Morea und ihrem neuen Mentor Terkio. Ist das Training mit dem Schwert schon eine Hommage an Highlander, ist es der schlanke, in Ehren ergraute, bärtige und mit einem Pferdeschwanz versehene Terkio erst recht. Es wäre kaum glaubhaft, würde Labrosse behaupten, er habe bei dem Entwurf zu Terkio keinen Sean Connery vor Augen gehabt.

Labrosse ist als Künstler vergleichbar mit Terry Dodson. Wie der amerikanische Comic-Künstler setzt auch Labrosse hauptsächlich auf Außenlinien und nur wenige Tuscheschatten (von schwarzer Kleidung einmal abgesehen). – Dodson (mit Frau Rachel) hingegen setzt auf verschieden starke Linien, während Labrosse es doch eher bei einer Linienstärke belässt und diese auch nicht so exakt ausgeführt werden wie bei den akribischen Dodsons. Es ergibt sich ein eindrucksvoll realistisches Gesamtbild durch die menschlichen Figuren, aber auch durch Land, Architektur, technische Ausstattung wie auch durch die cineastischen Blickwinkel, mit denen Labrosse gerne arbeitet, wenn die Action die Handlung zeitweise bestimmt.

Farblich hält sich der Kolorist Didier Arpin sehr zurück. In der Regel gönnt er dem Szenario eine Grundfarbe und einen Schattierungston. Mit einer aufwendigen Farbgestaltung könnte eine viel plastischere Optik erzielt werden. Dank der realistischen Gestaltung hingegen, die bereits ein hohes Maß an Atmosphäre vermittelt, konnte aber auch darauf verzichtet werden.

Ein spannender Auftakt mit vielen bekannten Inhaltselementen, durch den sehr versierten Christophe Arleston gekonnt neu gemischt und einen sehr begabten Thierry Labrosse in Szene gesetzt. Die Mischung aus Science Fiction und mythologischer Auseinandersetzung wartet mit einer sympathischen Hauptfigur auf, die trotz ihrer Unsterblichkeit sehr menschlich bleibt und das Beste aus der Situation zu machen versucht. 😀

Morea – Das Blut der Engel: Bei Amazon bestellen

Dienstag, 02. Oktober 2007

Torpedo 3

Filed under: Thriller — Michael um 18:51

Torpedo 3Es war einmal ein kleiner Junge namens Luca Torelli. Er und sein Bruder Mario hatten eine schwere Kindheit in Italien. Der Vater war ein Säufer, die Mutter eine Heilige. Es kam, wie es kommen musste. Als Mario eines Tages seine Mutter gegen den prügelnden Vater verteidigen will, wird er von diesem tot geschlagen.
Luca ist noch kleiner als sein Bruder Mario. Er weiß, dass jegliches Aufbegehren auch ihn das Leben kosten würde. Also lässt er sich etwas anderes einfallen. Er lauert dem Sohn von Don Francesco auf, denn er weiß genau: Wenn dem Sohn Übles widerfährt, wird sich Don Franceso rächen. Vorzugsweise an Lucas Vater.

Warum behandelt Vittorio Torelli seine Söhne so? Enrique Sánchez Abuli geht mit der Kurzgeschichte Mit geballter Faust auf die Herkunft Lucas ein. Auf Sizilien im Jahre 1903 ist es auf dem Lande nicht eitel Sonnenschein. Carlo Torelli ist in Luciana verliebt, ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruht. Leider hat Lucianas Vater Cesare etwas dagegen. In einem krankhaften Besitzdenken will er seine Tochter für sich allein. Es kommt zum erzwungenen Inzest. Und nicht nur das. Cesare lauert mit einem Kumpanen dem jungen Carlo auf.

Das Rad der Blutrache beginnt sich zu drehen. Der örtliche Don hat andere Pläne!

1936 ist aus Luca Torelli ein skrupelloser Killer geworden.
Inzwischen hat er den großen Teich überquert. Zu seinen Aufträgen und auch eigenen Plänen gehören Mord, Entführung, Schutzgeldeintreibung und Lösegeldforderungen – und eigentlich alles, was einem Kriminellen, der sein Gewissen vollends verloren hat, Spaß machen kann.
Wenn man seiner Herkunftsgeschichte glauben darf, konnte aus Luca nur der legendäre Killer Torpedo werden. Allerdings ist Luca mit seinem Charakter in bester Gesellschaft im kriminellen Untergrund.

Torpedo (und ganz besonders diese Ausgabe) wurde von Abuli mit pechschwarzem Humor geschrieben. Politisch korrekt sucht der Leser hier vergebens. Sexuelle Vorlieben und Perversionen, Gewalt in allen Formen, gegen Mensch und Tier, Vorurteile gegen Volksgruppen, gegen Frauen, gegen Kinder – Lucas Leben in Sizilien und später in New York ist eine einzige Freakshow. In seiner Welt gibt es (so gut wie) keine normalen Menschen.

Wer zu zart besaitet ist und eine überspitzte Form von Hollywoods alter schwarzer Serie nicht vertragen kann, sollte einen Bogen um Torpedo machen. Anfänglich mag ein herkömmlicher Comic-Leser noch lachen, spätestens wenn auf die übelste Weise gemordet und vergewaltigt wird, bleibt das Lachen im Halse stecken – wenn man zart besaitet ist.
Ansonsten kann man über diesen Humor, der nicht aus dem Land des schwarzen Lächelns, England, stammt, nur herzhaft, wenn nicht sogar aus vollem Halse lachen. Allerdings gibt es auch Lacher, die erst auf den zweiten Blick zünden (nachdem man einmal geschluckt hat, weil damit nicht zu rechnen war). Das beste Beispiel dürfte Lucas Herkunft sein. Dieses letzte Bild setzt dem gesamten Band das wohl verdiente Krönchen auf.

Voll integriert ist Harry, Torpedos Sidekick. Der etwas zurückgebliebene kleine Gangster darf ein eigenes Abenteuer bestehen und versieht auch in anderen Kurzgeschichten wichtige Rollen – so auch als Geisel.
Interessanterweise hat Torpedo, was Harry anbelangt, ein wenig Herz entwickelt. Harry erhält zwar hin und wieder noch den einen oder anderen Schwinger, doch ist seine Position neben Torpedo deutlich gestärkt. Zeitweilig unterhalten sie sich wenigstens auf Augenhöhe.
Eine schöne Episode mit den beiden (in deren Verlauf natürlich ein Mordauftrag ausgeführt wird) findet in einem Kino statt. Während sie sich auf ihre Tat vorbereiten, sofern das nötig ist, läuft ein Tarzan-Film über die Leinwand. Ihre Schlüsse sind nicht hochtrabend. Ganz im Gegenteil, geht es hauptsächlich darum, ob Tarzan Jane nehmen wird oder nicht. Zwischendurch bekommt ihr Opfer immer wieder einen Ellenbogenstoß ab, denn ganz gleich was er sagt oder nicht sagt, es ist grundsätzlich falsch.

Torpedo wäre vielleicht niemals so gut, gäbe es nicht einen Zeichner wie Jordi Bernet, der den Figuren eine unglaublich gute Figur in reinem Schwarzweiß verleiht. Hager wie einst Clint Eastwood ist Luca Torelli eine Mensch gewordene Mischung aus Frettchen und Hyäne. Da es eine Figur ist, die bereits seit frühester Jugend die Verbrechen um sich herum kennt, ist sein Mienenspiel stark eingeschränkt. Erstaunen ist selten, selbst echte Wut gibt es kaum. Lucas Gesicht ist immer etwas mürrisch. Ausnahmen bestätigen die Regel, so in Augenblicken, wenn es ihm nichts ausmacht, einem Säugling die Muttermilch zu stehlen.
Die vorliegende Ausgabe könnte nicht bestehen, wenn Bernet nicht auch einen gewissen Spaß an seiner Arbeit gehabt hätte.

Ein herrlich düsterer Humor, abgrundtief gemein und meilenweit unter jeder Gürtellinie, brutal, perfekt gezeichnet und mit jeder Geschichte pointiert erzählt, so präsentieren Abuli und Bernet ein Gangsterszenario, in dem nichts fehlt: Entführung, Mord, Bandenkrieg, Rache, Pferderennen und einiges andere, um die sich ein handfester Gangster nicht schert. Wer es nicht pechschwarz mag, Finger weg, für alle anderen: Schlapplachen. 😀

Torpedo 3: Bei Amazon bestellen

Samstag, 29. September 2007

Green Manor – Mörder und Gentlemen

Filed under: Thriller — Michael um 21:11

Green Manor - Mörder und GentlemenEin Abend im Green Manor, im Club für Gentlemen, lädt immer zu Geschichten ein. So auch an diesem Abend, an dem sich die anwesenden Herrschaften darüber auslassen, ob es einen Mord ohne Mörder und ohne Opfer geben kann.
Das Rätsel ist schwer. Der alte Herr im Sessel, der die versammelten Gentlemen zur Lösung auffordert, mustert die Männer, die ihm gegenüberstehen und sich den Kopf zerbrechen. Insgeheim bereitet er sich schon auf die Botschaft vor, die er ihnen im Anschluss genüsslich unterbreiten wird.

Eifersucht heißt der Schlüssel zum Ziel in der nächsten Episode. Sir Montgomery ist von der Leistung Detective Johnsons nicht überzeugt, ganz im Gegenteil. Der Ruf dieses jungen Polizisten muss weidlich von der Zeitung übertrieben worden sein, da besteht gar kein Zweifel. Montgomery stellt dem Detective eine Aufgabe. Er werde die junge Mrs. Rowe ermorden. Johnson werde keine Chance haben, den Mord zu verhindern.

Ein Serienmörder treibt sein Unwesen in London. Inspector Gray steht kurz vor seiner Pensionierung und kann es sich nicht verzeihen, den Fall John Smith niemals gelöst zu haben. Dieser Mörder hat inzwischen sehr oft zugeschlagen. Leider lassen sich keine Parallelen zwischen den Fällen herstellen, da die Vorgehensweise wie auch die Gruppe der Mordopfer jedes Mal andere waren. Gray denkt noch einmal genauer darüber nach und endlich, nach so vielen Jahren hat er die Lösung.

Green Manor – Mörder und Gentlemen ist ein ungewöhnliches Lesevergnügen. Optisch sehr cartoony von Zeichner Denis Bodart angelegt, rangieren die Kurzkrimis von Fabien Vehlmann auf dem Erzähler-Niveau eines Roald Dahl. So kurz und knackig die Geschichten sind, so pointiert sind sie auch. Die Zeit, in der die Geschichten spielen, England kurz vor der Jahrhundertwende von 1900, ruft Erinnerungen an die großen Krimis aus jener Zeit wach – insbesondere Sherlock Holmes, der hier indirekt auch eine Rolle spielt.

Die Geschichten erschienen zuvor im guten neuen ZACK, ausgenommen die Geschichte Sutter 1801, die im Gegensatz zu den anderen Kriminalgeschichten einen melancholischen und auch tragischen Beigeschmack hat.
Der Fall um den Serienmörder John Smith
Modus Operandi erinnert in seiner Auflösung an den Kinofilm um den Mörder Zodiac. Die Auflösung ist hier weitaus bissiger und auch gelungener. Postscriptum erzählt von einem Polizisten, der sich in der Konsequenz extra abgesichert hat. Selbst wenn es noch nicht einmal zu einem Verbrechen kommt wie in 21 Hellebarden oder der Mord längst Geschichte ist wie in Sutter 1801, sitzen die Details an allen Ecken und Enden und lassen auch nicht den nötigen Humor vermissen.

Besonders zündend ist dieser Humor in 21 Hellebarden, wenn sich zwei Gentlemen daran geben, nicht nur ein perfektes Verbrechen, sondern ein ruhmvolles Verbrechen zu begehen. Dazu steigern sie sich immer weiter in ihre Phantasie hinein, bis der zu verübende Mordanschlag beinahe schon an Slapstick grenzt. Erst der berühmte Arthur Conan Doyle, seines Zeichens der Erfinder von Sherlock Holmes, bringt sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Rein optisch schwankt der Zeichenstil von Bodart zwischen Putzigkeit und Karikatur. Letztlich stellt zeichnet Bodart sie so, wie der Leser es sich auf Grund des Wissens um diese Zeit schon im Vorfeld vorstellen kann. Die Striche sind leicht, treffen die notwendigen Umrisse und vertiefen die Details nicht so sehr. Aber das ist hier auch bei weitem nicht nötig.

Green Manor – Mörder und Gentlemen ist ein total kurzweiliges Lesevergnügen, das mal verblüffen kann, mal zum Lachen bringt und durchgehend spannend ist. In all der Vielfalt der Comic-Welt ist dieser Band eine richtig wohltuende Überraschung. 😀

Green Manor – Mörder und Gentlemen: Bei Amazon bestellen

Die vierte Macht – Die grüne Hölle

Filed under: SciFi — Michael um 15:30

Die vierte Macht 3 - Die grüne HölleQB4 ist immer noch auf der Flucht. Die Frau, die aus einem Experiment der Krommioner hervorging und dazu ausersehen war, eine riesige Droidenarmee zu kontrollieren, springt zwischen den Welten. – Bis sie eines Tages durch einen dummen Zufall entdeckt wird.
Flor, eine Gewinnerin eines sensationellen Preisausschreibens, hat es geschafft. Sie schwebt tatsächlich im Weltraum. In einem mit allen Finessen ausgerüsteten Raumanzug hat sie aus ihrem Helm einen uneingeschränkten und grandiosen Blick auf den Saturn und seine Ringe. Canal Universum sendet live von diesem Ereignis und überträgt, was Flor sieht. Zu QB4s Pech sieht Flor rein zufällig ein verloren gegangenes Schiff, was die erkaltete Spur für ihre Verfolger wieder heiß werden lässt.

Nach einer kurzen Zeitspanne wünscht sich Flor, sie wäre nie auf dieses Schiff gestoßen. Die Übertragung ihres Funds, mit Milliarden von Zuschauern, hat auch die militärischen Stellen der Terraner und Krommioner erreicht. Beide senden in einer Werbeunterbrechung ein Team zur Bergung aus. Die Krommioner sind schneller.

QB4 und ihre Begleiterin haben andere Probleme. Die Energiewerte ihres Raumgleiters nähern sich dem Ende zu. Als sie von einem Patrouillenschiff der Union entdeckt werden, fassen sie einen gewagten Plan. Doch es gibt Tage im Leben, da sieht es nur so aus, als würde es gut laufen. In Wirklichkeit kommt man vom Regen in die Traufe. Diese Erfahrung muss auch QB4 machen. Wenig später finden sie sich in der Grünen Hölle wieder. Dieser Planet strotzt vor pflanzlichem und tierischem Leben, allerdings ist er für jede halbwegs intelligente Kreatur absolut lebensfeindlich.

In Die vierte Macht 3 – Die grüne Hölle schließt Juan Gimenez seine Trilogie um die junge Frau ab, die in einem furchtbaren Experiment zu einer Superwaffe gemacht worden war. Mag der beginn der Geschichte für viele SciFi-Fans schon sehr aufregend sein, ist er doch nichts zu der Achterbahnfahrt, die sich im zweiten Drittel der Handlung entwickelt und bis zum Schluss an Fahrt aufnimmt.

Ist es zu Beginn die pure Technik, die Gimenez geradezu zelebriert, treffen im Anschluss Maschinen und Waffen auf Vegetation. Die Technik, die großartig gezeigt wird, sei es im All oder in Stationen, Laboren oder Schiffen, ist nicht so einfach dahin gezeichnet. Gimenez gestaltet eine Raumfahrt, die aufwendig ist. Ein Raumanzug ist nicht in Nullkommanix angelegt, ein Klon züchtet sich nicht in einfachen Wassertanks, wie der Leser es vielleicht aus Star Wars her kennt. Hier wimmelt es in einem Klonlager vor High Tech.

Beeindruckend ist es zweifelsohne gleich zu Beginn. Die unglückselige Flor, die Gewinnerin jenes Preisausschreibens, das sie frei schwebend ins All brachte, hat einen Blick auf den Saturn, den Gimenez mit sehr großer Präzision in Szene setzt. Hier wird deutlich, wie sehr er sich in seine Bilder vergraben kann. Ganzseitig erhält der Leser einen Blick auf den Saturn mit seinen Ringen. Angesichts solcher Bilder kann es nicht abgeschätzt werden, wie viel Arbeit darin stecken mag.

Die erste Begegnung zwischen Technik und Vegetation, der Absturz, wandelt die vorherrschende Atmosphäre des Bandes. Die Tier- und Pflanzenwelt ist hier zu einhundert Prozent aggressiv und lebt mit einer Geschwindigkeit, die in der Realität Atem beraubend wäre. Die Absturzschneise ist sehr schnell wieder zugewuchert. QB4, die den Namen Gal bevorzugt, und ihre Freundin kämpfen nun erneut um ihr Überleben. – Auf zwei Ebenen. Jak, die Freundin, nimmt sich der äußerlichen Gefahren an, während Gal in Trance versinkt und sich mit ihren anderen Egos, die sie beherbergt auseinandersetzen muss. Mag der innere Kampf auch nicht so spektakulär sein, ist er doch ebenso folgenschwer wie der von Jak.
Die Verteidigung von Jak gegen die Kreaturen ist ebenso Nerven aufreibend wie der Zugriff eines militärischen Stoßtrupps. Gimenez hat sich allerhand einfallen lassen, um zu zeigen, mit welcher Effizienz die Natur gegen den Menschen vorgeht. Diese Szenen sind keinerlei Vergleich zu den Lebewesen in der Müll-Umgebung, die Giminez bereits einmal geschildert hat. Diese Natur scheint sich hier auf jede Situation einzustellen, bis wirklich jede Gegenwehr erlahmt.

Es glibbert, es flutscht, keimt, wächst, beißt, windet sich, fliegt, klammert, explodiert und rückt unerbittlich vor. Das ist von Gimenez nicht nur rasant gemalt, sondern auch äußerst brutal. Wer von Gewalt in Science Fiction nichts hält, sollte hier nicht reinlesen, denn Gimenez schreckt vor drastischen Darstellungen nicht zurück.
Doch Rasanz findet sich natürlich nicht nur in gewalttätigen Darstellungen, die für Gimenez nicht die Norm sind. Eine nette kleine Nebenszene in einer Kowallzucht sorgt schlicht und ergreifend für Action. Es hat etwas von einem Rodeo im All.

Ein rundum gelungener Abschluss, der mit viel Aufmerksamkeit gelesen werden muss (wie auch bei den Vorläufern), aber nicht anstrengend ist. Der Aufwand bei der Erstellung der Bilder ist enorm und besitzt einen hohen künstlerischen Faktor. Gimenez ist ein Ausnahmecomiczeichner, der sich durch die Komplexität der Geschichte und der kreierten Welt auch als Autor vor vielen anderen behauptet. 😀

Die vierte Macht 3 – Die grüne Hölle: Bei Amazon bestellen

Freitag, 28. September 2007

Star Wars 64

Filed under: SciFi — Michael um 14:22

Star Wars 64 - Dark TimesDass Jenir und sein Freund Bomo Greenbark haben die Verschleppten gefunden. Doch Bomos Familie befindet sich nicht darunter. Bomo ist dem Zusammenbruch nahe.
Zuallererst muss er erfahren, dass seine Frau getötet und seine Tochter weiterverkauft wurden. Bomo ist der Panik nahe. Trotz seiner geringen Größe fällt es seinen Begleitern schwer, Bomo zurückzuhalten. Dass, der ihm hilft, fühlt sich im höchsten Maße verantwortlich. Er sieht nur einen Ausweg.

Schweren Herzens entschließt sich Dass Jenir, die Eingesperrten zurückzulassen. Ihre Freilassung würde für zu viel Aufmerksamkeit sorgen. Der Jedi, der sich nicht traut, jemandem sein Geheimnis anzuvertrauen, will es wenigstens zuwege bringen, die Spur von Bomos Tochter wiederzufinden.
Dass Anliegen ist edel, sein Einsatz geht an die Grenzen seiner Konstitution – und seiner Ausbildung als Jedi. Bald schon steht er vor der Wahl, eine Grenze zu überschreiten, die ihn nur zur dunklen Seite führen kann.

Tarson legt sich mit einem vermummten Mann an, der mit einem Lichtschwert seinen Freund bedroht. Und er unterliegt.
Tarson ist dankbar dafür, dass er den Kämpfer kennt. Darca Nyl hätte sein Zuhause auch stärker verteidigen können. Der Mann mit den vielen Narben im Gesicht ist nicht erfreut, seinen alten Bekannten Tarson zu treffen.
Kaum formiert sich hier eine neue, wenn auch vollkommen ungleiche Gruppe, gerät sie auch schon in die erste gemeinsame Gefahr.

In Star Wars 64 wird die groß angelegte und dramatische Geschichte um den früheren Jedi Dass Jenir fortgesetzt. Die Autoren Welles Hartley und Mick Harrison schicken hier eine gequälte Seele ins Rennen. Dass stand einmal für die Republik in vorderster Front, nun lernt er das Flüchtlingsdasein am eigenen Leib kennen.

Dark Times ist einerseits eine Schilderung der Ereignisse, die gleich nach dem Zusammenbruch der Republik und der Machtübernahme durch den Imperator angesiedelt sind. Andererseits findet sich auch eine schleichende charakterliche Änderung von Dass, der nun langsam erfahren muss, wie sich die Möglichkeiten ändern, wenn man der Unterlegene ist.
Es ist ein aufregendes Gefühl, neuen Boden zu betreten, den Horizont zu erweitern, seine Grenzen zu überwinden, die Vergangenheit loszulassen.
Es ist mehr als das. Jenir zeigt durch sein riskantes Handeln, wie sehr ihn dieses neue Leben auch bestürzt. Er ist nicht nur ein Rebell. Er ist auf der Flucht und auf dem besten Wege dazu, ein Gesetzloser zu werden. – Selbst nach den Gesetzen der Republik.

Für den Leser ergibt sich daraus auch eine völlig neue Perspektive. Denn dieser Jenir agiert, wie von allen bösen Geistern besessen. Der Sturz von Jenir mitten auf ein riesiges Glasdach zu, ein ganzseitiges Bild von Zeichner Douglas Wheatley in umgesetzt und wunderbar von Ronda Pattison koloriert, ergibt zusammen mit dem Text eine tolle Szene.
An dieser Stelle kann Ronda Pattison kaum genug gelobt werden, denn sie liefert in nahezu jedem Bild eine ungeheuer detailreiche und plastische Arbeit ab. Ohne ihre Arbeit würden die Bilder nicht dieses gelungene Star Wars Gefühl vermitteln.

Pattisons Kollege Will Glass macht seine Sache in der Folgegeschichte Rebellion ebenfalls gut, aber die technische Vorgehensweise ist anders. Die Grafiken nach der zeichnrischen Vorlage von Rob Williams und Brandon Badeaux sehen wie überzeichnete Bilder nach einer Film- oder Fotovorlage aus. Der Kontrast zwischen den äußerst harten Kanten der Tuscheflächen und den doch sehr weichen Farbtönen ist sehr schön anzusehen.
Wie gut die Wirkung ist, zeigt sich besonders am letzten ganzseitigen Bild, auf dem wir Darth Vader in seiner ganzen Pracht bewundern dürfen.

Zwei sehr spannende Handlungsstränge, Dark Times wie auch Rebellion. Ersterer weiß ganz besonders wegen seiner sehr sympathischen und gut beschriebenen Hauptfiguren zu gefallen. Qualitativ hochwertige SciFi-Opera-Unterhaltung. 😀