Samstag, 24. Juli 2010
In der zweiten Hälfte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es eine ungewöhnliche Form des Spiels: Rubbelbilder. Das Konzept war einfach. Auf einem Satz vorgefertigter Hintergrundbilder wurden mittels der beiliegenden Rubbelbilder die entsprechenden Szenen zusammengestellt. Die kleinen Faltblätter mit bis zu drei Hintergrundbildern waren bereits für 50 Pfennig zu haben.
Es gab Reihen zur beliebten Zeichentrickserie Pinocchio ebenso wie zu Kung Fu, ebenfalls bekannt aus Fernsehen und Comic. Neben einigen Anbietern solcher Rubbelbilderabenteuer ragte Kalkitos heraus, der eine Vielzahl von Themen im Programm hatte. Neben historischen Themen wie Cäsar und Kleopatra, Die Wikinger, Ritter-Turnier konnten ebenso Szenen zu Fußball, Fallschirmsprung und Geheimagent aufgerubbelt werden.
Ein Themenkreis bestand aus, wie kann es anders sein, Comic-Vorlagen und Zeichentrick-Serien. Für die Kleineren standen Szenen aus Yogi Bär, Anschlag auf Popeye und Tweety und Sylvester bereit. Für die Größeren gab es Superman und Batman und Robin. Letztere, so konnten die Kinder in den mehrsprachigen Überschriften lernen, hießen in Schweden Läderlappen och Robin (irgendwie niedlich).
Kalkitos gab es in zwei Größen. Die kleinen Ausgaben mit bis zu drei Bildern waren relativ schnell gerubbelt. Die großen Ausgaben hingegen erforderten schon etwas Zeit und Muße. Hierbei handelte es häufig um Massenszenen. Über Themen wie Seeschlacht bei Lepanto, Pizarro bei den Incas oder auch Sir Francis Drake gab es gleichzeitig ein paar historische Anstöße.
Etwas besonderes hierbei war das Metropolis-Poster. Es setzte sich aus vier großen Ausgaben zusammen und zeigte am Ende einen Wolkenkratzer, um den es rund herum zur Sache ging. Klar, dass Superman hier fleißig zum Einsatz kam. Neben der Action im Bild selbst, wurden auf die Rückseite wissenswerte Kleinigkeiten zusammengetragen wie So kannst Du Verletzten helfen. Passend zum Wolkenkratzer im Comic-Bild erfuhren die Kinder auch etwas zur Geschichte der mehrere hundert Meter hohen Gebäude.
Es war eine etwas andere Begegnung mit Comics, die über das übliche Ausmalen hinausging (obwohl es bei den großen Kalkitos manchmal auch ein Ausmalbild auf einer der Rückseiten gab). Es gab etwas kreative Freiheit und schulte auch ein wenig das Verständnis zu erkennen, wohin welche Figur (oder Gegenstand) von ihrer Haltung her gehörte, denn bildliche Vorgaben existierten dazu nicht. Aber eines bedeutete das Konzept vor allem: Spaß. 🙂
Die weiße Tigerin lebt! Alix Yin Fu ist eine wenigen Überlebenden eines Massakers. Doch noch immer gibt es viele aus den Reihen der unterschiedlichen Parteien des Krieges hinter den Kulissen, die Alix töten wollen. Vorab ist Alix eine Zeit des Friedens und des Abschlusses gegönnt. Zurück aus den fernen Ländern der Imperialisten bettet Alix ihre ehemalige Meisterin Zizhu zusammen mit ihren Freunden auf dem Friedhof von Kowloon zur ewigen Ruhe.
Während sie noch ihre nächsten Schritte überlegen, zieht sich die Schlinge bereits enger um sie zu. Chinesen, Briten und Amerikaner, sie alle verfolgen ihre eigenen Interessen und ganz gleich, welches Ziel sie haben, immer stehen Alix und ihre Freunde dabei im Weg. Ganz besonders Alix.
Der muntere Cartoon-Stil der Reihe täuscht. In Die weiße Tigerin geht es oftmals nicht nur knallhart zur Sache, auch ernste Themen werden nicht ausgespart. Eigentlich ist das Agentengeschäft bereits eine ernste Angelegenheit. Aber die Welt rüstet zum Dritten Weltkrieg. Vor der Kulisse eines zerstörten Hiroshima (6.8.1945, erster Atombombenabwurf der USA über einer japanischen Stadt) unterhalten sich zwei amerikanische Agenten über das Ausmaß der Vernichtung.
Wenn wir weiter Atombomben abwerfen, sind wir bald die Herren einer Welt aus Ruinen.
Didier Conrad bleibt seinem lockeren Strich treu. Fans der Reihe dürfen sich neben Alix auch auf ein Wiedersehen mit dem Dreifarbigen Drachen Rousseau freuen, einem französischen Agenten, der immer noch ein Faible für den Kommunismus hat. Conrad hat hier eindeutig weniger Kulisse zu zeichnen als sonst. Die Szenen konzentrieren sich verstärkt auf die handelnden Personen und spielen in Zimmern oder Zellen. In vereinzelten Szenen zeigt Conrad sein atmosphärisches Können, wenn der Leser einen japanischen Garten, das zerstörte Hiroshima oder ein nächtliches Shanghai zu sehen bekommt.
Wilbur, der die Geschichte gemeinsam mit Conrad verfasst hat, macht den Umschwung in der Richtung, in der die Weiße Tigerin bisher lief, mit dieser Ausgabe noch deutlicher. (Wilbur stieg erst mit Band 4 in die Serie ein. Zuvor schrieb Yann am Manuskript von 1 und 2. Den dritten Band bewältigte Conrad allein.) Viele ernsthafte Szenen, manchmal mit einer gewissen Brutalität, stellen sich neben einen schwarzen Humor. Letzterer zeigt sich besonders, als ein Amerikaner nach dem Verbleib der Leiche eines Japaners sucht. Durch die Typisierung der einzelnen Figuren entsteht eine Mixtur aus Vernunft und Irrsinn. Alix und ihre Freunde tun ihr Übriges, damit die Waage nicht unkontrolliert zum Wahnsinn absinken kann.
Alix zwischen den Fronten. Jede Seite versucht sie inzwischen für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Nachdem ein wichtiges Kapitel im Leben von Alix beendet wurde, leitet diese Episode den nächsten Abschnitt ein. Durchweg spannend und mit guten Einfällen inszeniert, nur nicht mehr ganz so humorvoll wie zu Beginn der Reihe. 🙂
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Oder bei Schreiber und Leser.
Freitag, 23. Juli 2010
Berlin, Frühjahr 1945. Die Rote Armee überrennt die deutsche Hauptstadt. Das Dritte Reich liegt in Trümmern. Der Gegner musste endlich in die Knie gezwungen werden. Aber einigen Russen geht es um viel mehr als das. Als die Soldaten in unterirdische Hallen eindringen und auf sumerische Schriftzeichen stoßen, ist das Erstaunen groß. Die seltsame Statue, die sich ihnen kurz darauf präsentiert, vollendet die Verwunderung und setzt eine fürchterliche Odyssee in Gang.
Im Jahre 2029: Die USS Nebraska, ein modernes us-amerikanisches U-Boot, gelangt an den Ort, an dem das russische U-Boot auf seiner Suche nach den Artefakten verschwand. Selbst nach so vielen Jahren ist die unterseeische Umgebung immer noch lebensgefährlich. Bald schon nimmt das Verhängnis seinen Lauf.
Xavier Dorison ist der Mann für das Phantastische. Aber Hier bewegt er sich stilsicher auf den Spuren eines Michael Chrichton (Sphere), eines Stephen Spielberg (Unheimliche Begegnung der dritten Art), Stephen King (Tommyknockers) und Brian de Palma (Mission to Mars). Hinzu kommen diverse U-Boot-Abenteuer, eine Spur Alien-Atmosphäre, ein wenig Russen-Mystik aus dem Zweiten Weltkrieg und gigantische Artefakte, die an vergangene südamerikanische Kulturen erinnern.
Der Aufbau der Geschichte ist sicherlich hier und dort inspiriert durch den Film, aber er kann auch Ähnlichkeiten zu anderen Comics nicht verhehlen. Die Atmosphäre, das Geheimnisvolle, das Mystische erinnert an Publikationen wie Der Schimpansenkomplex. Die erste Folge von Heiligtum mit dem Untertitel USS Nebraska nimmt sich sehr viel Zeit mit der Einleitung der gesamten Handlung. Wie immer bei solchen Geschichten lautet die quälende Frage: Wann gibt es endlich etwas Außerirdisches zu sehen?
Lange muss der Leser nicht warten. Ein geschickt gesetzter Appetizer sorgt für Neugier, bevor es aus dem Prolog, angesiedelt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, in die Neuzeit geht und ein modernes U-Boot in Tiefen vorstößt, in die kaum ein Mensch zuvor gewesen ist. Langsam entspinnt sich eine leise Gruselstimmung, Paranoia, bis die sprichwörtliche Bombe schließlich platzt.
Christophe Bec besetzt gerne Schauspieler. Die Gesichter, die hier auftauchen, machen aus diesem Wunsch kein Geheimnis: Jürgen Prochnow (als U-Boot-Kommandant), Scott Glenn (als U-Boot-Kommandant), Beau Bridges (als Sonar-Offizier), Bruce Willis und Nicolas Cage, Johnny Depp, William Hurt (mit dunklen Haaren und jünger) und einige, bei denen die Zuordnung etwas schwerer fällt. Nicht imemr ist die Ähnlichkeit offensichtlich. Manchmal verrutscht die Perspektive auch etwas, vielleicht dann, wenn keine entsprechende Vorlage zur Verfügung stand.
Dabei scheint er im Vorspann noch vermehrt auf eigene Kreationen gesetzt zu haben. Hier sind die Ergebnisse besser, allerdings auch aufwendiger. Die Technik, mit Bildern von Schauspielern als Vorlagen zu arbeiten, haben bereits andere Künstler verwendet. Der Effekt wirkt nur kurz, wenn er nicht zur Gänze durchgehalten werden kann. Wo Christophe Bec in jedem Fall punktet, ist seine Arbeit mit Räumen, wie auch mit Licht und Schatten. Gerade in den Unterwasserszenen, die länger hätten ausfallen können, ist die Wirkung immens und regt sehr die Phantasie an, denn es entsteht die quälende Frage: Wann gibt es noch mehr davon zu sehen?
Eine solide Erzählung von Xavier Dorison, der mit W.E.S.T. und Prophet bereits makellose Arbeiten ablieferte. Insgesamt gut gezeichnet, nicht immer sind alle Protagonisten vorteilhaft getroffen (aber beschweren wird sich von denen bestimmt niemand). Auf jeden Fall macht der Auftakt neugierig auf die Fortsetzung. Für SciFi-Fans einen Blick wert. 🙂
Heiligtum 1, USS Nebraska: Bei Amazon bestellen
Ein neuer Zeichentrickfilm, BATMAN: Under the red hood, zeigt den dunklen Rächer einmal mehr unter Beschuss. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Film thematisiert die Comic-Geschichte um die Rückkehr von Jason Todd, einem ehemaligen Robin.
Der Trailer setzt auf Action und das Batman-Gesamtdesign, das sich mit dem Neustart der Filme mit Christian Bale erfolgreich durchgesetzt hat. Jason Todd, der einstige Sidekick, wird zum unerbittlichen Gegenspieler, nicht zum ersten Mal, vielleicht auch nicht zum letzten Mal.
Link: Trailer Batman: Under the red hood
THOR
Auf der aktuellen Comic-Con gibt es auch die ersten Bilder zu THOR zu bestaunen. Die Rächer wachsen, besser gesagt The Avengers. Thor, gespielt von Chris Hemsworth wird unter der Regie von Kenneth Branagh ins Leben gerufen. Einen Blick auf den Hammer konnten Marvel-Fans nach dem Abspann von Iron Man 2 bereits werfen. Die ersten Bilder lassen eine bombastische Verfilmung vermuten. Ray Stevenson ist nach dem Punisher bereits in der zweiten Marvel-Verfilmung dabei.
Da fehlt nur noch ein Mitglied der Rächer: CAPTAIN AMERICA. Für diese Verfilmung wie auch für The Avengers selbst, konnte Joss Whedon gewonnen werden. Der Erfinder und Macher von Buffy, Angel, Firefly und Dollhouse hat inzwischen einige Zeit im Comic-Sektor gearbeitet. Wie effektvoll er auch mit Kinofilmen umgehen kann, hat er mit Serenity bewiesen. Für den ersten Rächer CAPTAIN AMERICA schreibt er das Drehbuch, bei den Rächern führt er wahrscheinlich auch Regie.
Link: Concept Art von Thor und Captain America
Mittwoch, 21. Juli 2010
Nummer 717! Red Dust hat seine Selbstjustiz teuer bezahlt. Das Gefängnis hat ihn verändert. Dust nimmt das Leben nicht mehr in die eigene Hand, er erduldet es nur noch. Aber es naht der Tag der Freiheit. Dust kann die harte Fronarbeit hinter sich lassen und wieder nach Hause zurückkehren. Daheim, auf der Ranch von Comanche, seiner ehemaligen und neuen Chefin, hat sich vieles geändert. Es gibt reichlich Arbeit. Toby ist zum Vormann geworden. Fünfzig Mann sind auf der Triple Six beschäftigt. Eigentlich könnte alles wunderbar sein …
Damit Red Dust in Freiheit bleiben kann, muss er einige Auflagen erfüllen. Der Besitz einer Waffe ist nicht erlaubt. Alkohol und Glücksspiel sind ebenfalls nicht gestattet. An zwei Tagen in der Woche hat sich Dust beim Sheriff zu melden. Nach sechs Monaten wird eine Kommission entscheiden, ob Dust in Freiheit bleiben darf oder nicht.
Greg verfolgt den Lebensweg von Red Dust konsequent weiter. Es wird nichts beschönigt. Dust hat einen Mann erschossen, der zwar in vielerlei Hinsicht schuldig war, aber eigentlich vor Gericht gebracht gehört hätte. Eigentlich. Da ist die Einschränkung, denn Greg hatte zu diesem Zeitpunkt einen Handlungsfaden gespannt, der es Dust unmöglich machte, den Mann am Leben zu lassen. Und jeder Leser hatte an dieser Stelle der Geschichte (vermutlich) vollstes Verständnis für Dusts Handlungsweise.
Aus dem schnellen Schützen ist ein gebrochener Mann geworden. Greg nimmt seinen Helden, lässt ihn eine Grenze überschreiten. Greg zeigt deutlich, dass Dust diese Grenze überschreiten musste, aber auch, dass dem Vorzeige-Cowboy keineswegs gefällt, was dadurch aus ihm geworden ist. So nimmt er die Strafe für seine Taten klaglos an. Aber: Ähnlich, wie es andere Western zeigten, wird der Held nicht nur durch die Umstände gezwungen, wieder aktiv zu werden. Er wird auch um Hilfe gebeten.
Ein neuer Feind: Erschuf Greg zusammen mit dem Zeichner Hermann eine Bestie von einem Menschen, die zur Strecke gebracht wurde, ist es nun eine ganze Horde, die einer kleinen Stadt gegenüber steht. Hermann entwickelt sich. Man sieht feine Unterschiede zu seinen ersten Alben. Er wird hier im 5. Band von Comanche etwas genauer. Die Striche sind nicht mehr so flüchtig. Die Gesichter sind nicht mehr so experimentell, mehr haarklein gestaltet, wenngleich immer noch mehr als deutlich ist, dass diese Gesichter von Hermann stammen: Ovale Formen, breite Münder. Allerdings sind die Augen nicht so stark zusammengekniffen und deutlicher als zuvor. Und Gesichter spielen in dieser Geschichte eine große Rolle.
Regen! Mit dem Angriff der Mörderbande auf die kleine Stadt setzen Greg und Hermann eine regelrechte Weltuntergangsstimmung in Gang. Es regnet unaufhörlich. Die Straßen sind matschig. Die Gesichter sind verzerrt. Vor Angst, vor Wut. Manchmal sind sie voller Hohn und Kälte. Aus heutiger Sicht ist dieser Western hochmodern und ein Beispiel für eine gelungene Inszenierung erster Güte.
Packend, überzeugend von der ersten bis zur letzten Seite. Ein toller Western, von einem Meister seines Fachs gezeichnet. Das ist Comic-Unterhaltung. Außerdem für Fans: Man darf Augenzeuge der Jagd auf Palomino werden. 🙂
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Sonntag, 18. Juli 2010
In der Luft sind sie Könige: Tanguy und Laverdure beherrschen ihre Jets mit absoluter Perfektion. Am Boden jedoch … Tanguy ist und bleibt beherrscht und genau, ein Flieger, wie ihn sich jede Flugstaffel wünscht. Laverdure hingegen, am Steuerknüppel ein Himmelsgott, könnte am Boden kaum tollpatschiger sein. Die Fähigkeiten in der Luft sind es jedoch, die die beiden Flieger für ihre neue Aufgabe prädestinieren. Sie sollen im kleinen südamerikanischen Land Managua noch unerfahrene Piloten an der französischen Mirage ausbilden. Zuerst sieht es nach einem ungewöhnlichen, aber keinesfalls gefährlichen Auftrag aus. Das Blatt wendet sich allerdings schnell, als Tanguy und Laverdure vor Ort von der aktuellen politischen Lage erfahren. Beide sind geradewegs auf dem sprichwörtlichen Pulverfass gelandet.
Managuas Nachbarland San Martin wartet nur auf eine Gelegenheit, um in den anderen Staat einzufallen. Obwohl sich Tanguy und Laverdure bemühen, ihre Aufgabe zu erfüllen und jegliche Provokation ausklammern wollen, haben sie nicht mit der Dreistigkeit der Maßnahmen von San Martins Dikatator gerechnet. Sehr bald schon müssen sie alles unternehmen, damit ein Krieg noch einmal abgewendet werden kann.
Krieg und Atombombentests. Autor Jean-Michel Charlier und der Nachfolger von Albert Uderzo, der Zeichner Jije lassen kein heikles Thema ihrer Zeit aus. Augerechnet die beiden Piloten Tanguy und Laverdure werden nach Tahiti geschickt, zweitausend Kilometer von Mururoa entfernt, wo Frankreich Atombombentests stattfinden sollen.
Die Titelbilder, der in diesem Sammelband vereinten drei Geschichten nehmen Bezug auf die Fernsehserie um die beiden Piloten, deren Rollen von Jacques Santi (Tanguy) und Christian Marin (Laverdure) gespielt wurden. Die beiden Schauspieler sind besonders auf den Titelbildern der zweiten und dritten Geschichte, Zielort Pazifik und Bedrohung auf Mururoa in den Mittelpunkt gerückt. Insbesondere auf letzterem schießt, für Comic-Bände ein recht seltenes Motiv, ein Atompilz in die Höhe.
Ließ sich zu Beginn der Übernahme des Zeichenstifts durch Jije noch eine grafische Verwandtschaft zu seinem Vorgänger Uderzo feststellen, scheint dieses Erbe nun abgeschüttelt. Optisch rückt Jije mehr in die stilistische Nähe eines William Vance (u.a. Bob Morane, XIII, Bruno Brazil), ohne jedoch die Härte des Strichs zu besitzen. Jije gleitet immer noch ein wenig in die Verspieltheit ab, gönnt sich hier und da den Strich einer Karikatur. Insgesamt zeichnet er runder als sein Kollege Vance. Seine Figuren sind immer bestrebt Charaktere zu sein, während sich bei manchen Kollegen viele Gesichter nur mit anderen Frisuren oder Haarfarben häufig wiederfinden.
Geht es in der ersten Geschichte verstärkt in der Luft zur Sache, verlagert sich der Schwerpunkt in den beiden nachfolgenden Abenteuern deutlich hin zu Szenen, die atmosphärisch an Agententhriller erinnern. Charlier, der nie ein Geheimnis daraus gemacht hat, seine Inspiration auch dem Kino zu verdanken, könnte hier von Filmen wie James Bond jagt Dr. No und Feuerball in die richtige Richtung geführt worden sein. Zeitlich könnte es jedenfalls von den Veröffentlichungen her hinkommen.
Entsprechend wird alles ausgeschöpft, was die pazifische Region zu bieten hat. Strände, Dschungel, Meer, Haie, Tauchgänge, Tiefflüge über dem Wasser, Lagunen, schöne Frauen und natürlich: High Tech in Form von modernen Jagdflugzeugen (jedenfalls in der zweiten Hälfte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts). Jije hatte sehr viel Kleinarbeit mit diesen Geschichten, die noch das letzte Quäntchen Platz aus einer Seite herausholen und filmisch mitreißen.
Tolle Flieger-Unterhaltung mit zwei überaus sympathischen Helden, in dieser Zusammenfassung ein pralles Lesevergnügen für alle, die Action gepaart mit einer intelligenten Erzählung mögen. Und darüber hinaus ein vorbildlicher Klassiker. 🙂
Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure 4, Bedrohung auf Mururoa: Bei Amazon bestellen
Freitag, 16. Juli 2010
Cubitus, ein Gallier? Nun, die Schlüsselszenen der Historie sind Geschichten voller Missverständnisse. Warum schob Napoleon eigentlich immer eine Hand unter seine Weste? Und wie war das mit dem berühmten Schuss, den Wilhelm Tell auf den Apfel abgab? Cubitus und sein Herrchen Herr Bojenberg sind bekanntlich noch nie um Antworten verlegen gewesen. So ist ihre Interpretation besonderer Momente in der Geschichte der Menschheit (und der Hunde natürlich auch) eine ganz eigene, eine sehr humorvolle und natürlich immer mit einem Augenzwinkern versehen.
Nicht alles so ernst nehmen! Es wurde erfunden, belagert, gekämpft, gefahren, gefeiert, musiziert und marschiert, revolutioniert, gesungen, erobert und entdeckt. Und Cubitus war immer dabei. Oder anders: Was wäre gewesen, hätte Cubitus tatsächlich ein Wörtchen dabei mitzusprechen gehabt?
Dupa (oder mit bürgerlichem Namen Luc Dupanloup), Autor und Zeichner in Personalunion, hat sich vieler Szenen oder Begebenheiten aus der Geschichte der Menschheit und auch der Literatur angenommen. So erfahren wir auf fröhliche Weise, dass noch lange nicht jede Erfindung Leonardo da Vincis gleich auf Anhieb funktioniert hat (eigentlich keine so richtig, wie die vorliegende Lektüre zeigt). Auch den Weg zu finden, war gar nicht so einfach. Was wäre gewesen, hätte Christoph Kolumbus nach dem Weg fragen müssen?
In Einseitern widmet sich Dupa im Verlauf sehr stark der französischen Geschichte. Nachdem die Steinzeit überwunden ist, das Altertum hinter der Menschheit liegt, besticht Cubitus durch feine Auftritte in verschiedensten Rollen. Ob als Mönch, Minnesänger oder Musketier und vielen anderen Rollen, in zumeist acht, vier oder drei Bildern werden die Mächtigen zur Lachnummer, die Helden zu komischen Gestalten und die kleinen Leute zu einem wichtigen Rad im historischen Getriebe.
Bereits in diesem zweiten Band hat Dupa seine Cartoon-Kunst perfektioniert. Gesichtsausdrücke und Haltungen, häufig dem Leser zugewandt, wie auf einer Bühne positioniert. Die direkte Ansprache des Lesers mittels einer verdutzten Mimik funktioniert immer. Der fragende Blick, die leichte Erschütterung, das Erstaunen in den nun kreisrunden weißen Augen. Ein Staunen, das auch der Leser manchmal empfindet, wenn Dupa eine große Idee hat. Wenn etwas unter den Teppich gekehrt wird (im weitesten Sinne) oder der erste Weltraumzusammenstoß geschieht.
In herrlichen Blödeleien und Bildern, die denen seiner Cartoon-Kollegen in nichts nachstehen, darf mit und über Cubitus gelacht werden. Es kann nicht bewiesen werden, ob Michelangelo tatsächlich lieber Comics gezeichnet hätte, statt die Sixtinische Kapelle auszuschmücken, Dupa jedenfalls beweist hier einmal mehr seine hervorragende Qualität als Cartoonist. 🙂
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Mittwoch, 14. Juli 2010
Gruagach von Lough Leane ist eine gebrochene Kreatur. Seit langer Zeit wartet er nun auf eine Gelegenheit, sein altes Leben zurückzubekommen. Jetzt ist er nur ein Wesen in der Form eines Keilers. Aber er war einst ein mächtiger Krieger, ein Gestaltwandler, der es vermochte gegen Riesen zu kämpfen. Gruagach hat eine Hoffnung. Sollte die rote Königin wieder erwachen, könnte sie die Macht besitzen, ihn zu heilen. Es ist ein alter Mann, ein Unbekannter zudem, der Gruagach einen Kelch mit Blut überreicht. Gruagach leert das Gefäß in die Truhe mit den Überresten der Königin. Das Unfassbare geschieht …
Hellboy hatte sich auf einen ruhigen Aufenthalt gefreut. In Italien, in der Obhut zweier netter alter verstorbener Damen, Geister, fühlte er sich wohl. Doch die Post findet ihn auch dort. Das Siegel auf dem Umschlag spricht eine deutliche Sprache. Ob er will oder nicht: Hellboy ist einen knappen Tag später in England, um dem Osiris Club seine widerwillige Aufwartung zu machen.
Lücken schließen. Unglaublich, aber wahr, Hellboy bereichert die Comics bereits seit 20 Jahren. In all der Zeit kamen und gingen Figuren wie auch Verlage. Hellboy ist einer der wenigen Comic-Charaktere, die auf eine beispielhafte Erfolgsgeschichte zurückblicken können. Zuerst nur ein schwarzweißer Charakter, erreichte auch ihn die Farbe. Mehr noch: Mike Mignola, der mit Hellboy auch einen unverwechselbaren reduzierten Zeichenstil kreierte, legte mittlerweile den Zeichenstift beiseite und konzentrierte sich auf das Schreiben.
Im Laufe der Zeit wurden viele Rätsel gelüftet, doch fast noch mehr angerissen. Charaktere wurden vorgestellt, aber mehr oder minder ohne Hintergrund in das Umfeld von Hellboy geschickt. Und besonders wichtig: Wird Hellboy tatsächlich einmal für die Vernichtung der Welt verantwortlich sein?
Mike Mignola lässt diese Frage weiterhin offen. Immerhin weigert sich Hellboy beharrlich, sich auf diese Prophezeiung einzulassen. Er ist lieber der Held, der gegen das Böse antritt. Wie bei der Wilden Jagd, bei der gegen einen Trupp von Riesen aufmarschiert werden soll. Mignola nutzt diese Episode, um Hellboy an sich selber zweifeln zu lassen. In einer wunderbar parallel laufenden Erzählung, nach der alle Stränge perfekt zueinander finden, warten Selbstzweifel, Wunder, Kämpfe, Erstaunliches und eine überbordende Fantasie auf den Leser.
Duncan Fegredo hat den Zeichenstift übernommen, muss sich aber stets mit Mignola über Details abstimmen. Mignola gesteht in einem Interview, ein Kontrollfreak zu sein, der jedoch inzwischen gelernt hat Fegredo mehr Freiraum zu lassen. Stilistisch sind Fegredos Zeichnungen zwischen der Technik eines Mignola wie auch eines Sean Phillips (Sleeper) anzusiedeln. Die Kolorierung der Hellboy-Geschichten hat nichts daran geändert, dass die Abenteuer ebenso gut in Schwarzweiß funktionieren würden. Kantig, auf den ersten Blick grob getuscht, mit starken Schattenflächen versehen haben die Geschichten optisch ihre Grundausrichtung beibehalten.
Allerdings wirkten Mignolas Bilder leichter, detailärmer, während Fegredo ausgreifender malt und mit seinem Bildern einen höheren Wiedererkennungswert bietet. Eine gedeckte, fast schon kühl zu nennende Farbgebung durch Dave Stewart, einem altgedienten Mitstreiter am Hellboy-Universum, sorgt für das nötige Hellboy-Flair, nicht knallig pompös, dafür mystisch-düster.
Eine vollkommen in sich geschlossene Angelegenheit. Viele Fragen werden beantwortet, manche Türen geschlossen. Dafür öffnet Mike Mignola neue und ebnet den Weg für weitere mysteriöse Entwicklungen. Szenisch bestens bearbeitet durch Duncan Fegredo und Dave Stewart. Für Fans ein Muss, andere Leser sollten sich zuvor über vergangene Episoden einlesen. 🙂
Hellboy 10, Die wilde Jagd: Bei Amazon bestellen
Dr. Manning hat ein Problem. Er ist Leiter einer Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Ereignisse, aber er muss auch auf das Budget achten. Ein Umstand, der für Hellboy, den besten paranormalen Ermittler der Welt, keine Rolle spielt. Zwei Posten auf den Ausgabenlisten von Dr. Manning sind noch ungeklärt. Hellboy wird ins Büro zitiert.
Dr. Mannings Figur steht in einem wunderbaren Kontrast zu einem brummeligen und doch irgendwie immer gut gelauntem Hellboy. Ein wenig piepsig, ein wenig ungeduldig, etwas schrill, vielleicht hysterisch, so präsentiert sich Dr. Manning, vortrefflich gespielt von Klaus Dittmann. In einem Rückblick darf der Hörer noch einmal Gerd Samariter als Professor Broom erleben, den Ziehvater Hellboys. Als väterliche Stimme sorgt er für Atmosphäre. Es ist schade, dass Samariter in dieser Rolle (durch den Tod derselben) nicht mehr zu Einsatz kommen kann (es sei denn, es ergeben sich noch einmal Rückblicksmöglichkeiten).
König Vold: Eine mystische Kreatur, ein kopfloser Reiter, bewaffnet und von einer Horde von Jagdhunden begleitet. In der Nacht streift er durch das Land, immer auf der Suche nach ganz besonderer Beute. In der ersten Kurzgeschichte wird Hellboy ausgeliehen. Auf Wunsch von Broom soll er nach Norwegen reisen. Dort trifft der Welt bester paranormaler Ermittler auf Professor Rickman (Helmut Gentsch). Der Professor möchte dem König auflauern, um ihn zu studieren. Hellboy hilft, nicht ahnend, dass Rickman nur ein weiterer gieriger Wissenschaftler ist, dem es um alles andere als Wissensvermehrung geht.
Besonders beeindruckend, nur leider (da durch die Vorlage so vorgegeben) zu kurz, ist der Auftritt von König Vold (Jürgen Holdorf). Bombastisch ist die Begegnung Hellboys mit dem Hund von König Vold, ungeheuer plastisch und sehr gut mit dem Gespräch von Hellboy und Manning verwoben.
Gemäßigter, beinahe romantisch gruselig geht es in der nächsten Geschichte zu. Hellboy verteidigt vor Dr. Manning sein Weihnachten in der Unterwelt. Daraus entstehen einige wundervolle Szenen. Die alte Mrs. Hatch, sehr schön von Aranka Mamero-Jaenke gespielt, hält den 2,13 m großen Hellboy doch glatt für den Weihnachtsmann. Diese scheinbar harmlose, eigentlich liebenswerte Szene ist die berühmte Ruhe vor dem Sturm. In der Unterwelt, auf einem uralten Friedhof, trifft Hellboy auf die übrige Familie von Mrs. Hatch. Hier kippt die Stimmung in eine grandiose Inszenierung, als Vampire den Heiligen Abend in ein Schlachtfest verwandeln wollen.
Der Hörer kann sich hier an einem Klangerlebnis erfreuen, das nicht anders als mit dem treffenden Begriff Kino für die Ohren umschrieben werden kann. Damit die Szenerie nicht ganz so ernsthaft wird, trifft Tilo Schmitz als Hellboy genau den richtigen Ton, ein wenig schnodderig und natürlich immer cool. Hellboy ist nicht umsonst der Welt bester paranormaler Ermittler und kann sich einen Spruch locker erlauben.
Zwei atmosphärisch sehr dichte Geschichten aus dem Hellboy-Universum, hervorragend umgesetzt und durch das Gespräch von Hellboy und Dr. Manning elegant verbunden. Perfekte Comic-Adaption. 🙂
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Sonntag, 11. Juli 2010
Richard Drake, der Abenteurer, ist zurück in London. Doch eigentlich will er gleich wieder weg. Irgendwie sagen ihm die Salons und Festlichkeiten, die Riten der oberen Klasse nicht so recht zu. Aber was soll er machen? Denn hier findet er das Geld, um seine nächste Expedition zu finanzieren. Eher nebenbei findet der bärbeißige Mann auch noch die Liebe. Diese will jedoch erkämpft sein. Seine Auserwählte, die junge Catherine Lacombe, kann er zunächst nicht beeindrucken. Ihr Verhältnis ändert sich schlagartig, als ein Unbekannter in der Verkleidung eines Dieners Catherine pfählen will.
Die Geschichte des mit Hammer und Pfahl bewaffneten Mannes hört sich hanebüchen an: Er behauptet von sich, ein Vampirjäger zu sein. Eigentlich war Miss Lacombe nur nebensächlich. Das eigentliche Ziel war ein gewisser Lord Faureston, ein langhaariger blonder Dandy, der plötzlich in der Gesellschaft auftauchte und seither für allerhand Gesprächsstoff sorgt. Drake, der vieles von der Welt gesehen hat, aber noch nie einen leibhaftigen Vampir, hält den dürren Mann, der so kleinlaut ein Geständnis ablegt, für einen harmlosen Irren.
Das ist er natürlich nicht! Die beiden Macher von Garulfo, der Autor Alain Ayroles und der Zeichner Bruno Maiorana, sind zurück. Sie haben sich von den Märchen abgewandt und nehmen sich nun des Vampirthemas an. Es beginnt klassisch, viktorianisch, es wirkt vertraut und doch erkennt der Leser niemanden aus der originalen D-Geschichte wieder.
Wer Garulfo gelesen hat und auf den gleichen Humor hofft, wird leider enttäuscht. Natürlich gibt es auch humorvolle Stellen, nicht zuletzt durch einen verhinderten Vampirjäger, dessen bestechendes Charaktermerkmal eine ausgeprägte Schüchternheit ist. Man könnte sagen, dass Ayroles und Maiorana auf ihre Art Dracula neu erzählen.
Der Vampir, der ungebetene Gast. Lord Faureston, ein Mann, der auffällt und auch während des Tages gesichtet wird. Bruno Maiorana macht aus dem Vampir (leider ist es für den Leser kein Geheimnis, dass er einer ist) eine schmale, fast schon modellhafte Kreatur. Es ist eine sexuelle Figur, wenigstens für seine Opfer, und wird auch nur sehr behutsam eingesetzt. Lord Faureston ist die Bedrohung und bleibt, auch für den Leser, undurchsichtig. Der Gesamteindruck eines schleichenden Jägers ist sehr gelungen.
Sein Gegenspieler, Richard Drake, ist ein Held im Stile eines Sean Connery in seinen besten Jahren. Wo Faureston mit toter Leidenschaft lockt, ist Drake Leidenschaft in allem, was er macht. Ob er selber jagt, ob er liebt oder ganz einfach lebt. Maiorana und Ayroles schaffen einen Helden, der in der feinen Gesellschaft eingeht, der aus den Nähten platzen möchte, wenn er nur einatmet.
Für den Leser bedeuten die Figuren wie auch die gesamte Inszenierung eine hohe atmosphärische Dichte. Maioranas Bilder besitzen ihren ganz eigenen Stil aus Eckigkeit und Zerbrechlichkeit. Maiorana ist ein Charakterzeichner. Individuelles Aussehen seiner Figuren erhöht den Reiz der Handlung, äußerliche Gegensätze, wie hier der beiden Jäger und des späteren Sidekicks heben D aus der Masse anderer Vampir-Geschichten, ganz gleich aus welchem Medium, hervor.
Spannend, anders, wie zuletzt bei Garulfo, jenem Hauptwerk des Künstlerteams, allerdings müssen die Leser auf den Humor verzichten, dafür wurde der gruselige Kern der Handlung sehr gut herausgearbeitet. 🙂
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