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Comic Blog


Freitag, 22. Juli 2011

EXCALIBUR 6

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:55

EXCALIBUR 6 - Die Wächterinnen von BroceliandeMerlin hat schon viele Angriffe erlebt in seinem langen Leben (er ist immerhin einige tausend Jahre alt, so auch sein Bart, aber das nur Rande). Ein Bombardement aus Äpfeln, ziemlich treffsicher abgefeuert, besser gesagt, von einem hohen Baum geworfen, ist ein Angriff, der nicht so häufig dabei war. Dennoch hat Merlin nicht vor, sich diesen Angriff gefallen zu lassen, so harmlos er auch ist. Ein Zauberspruch und die werfenden Dryaden stehen im Freien da, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber nicht alle kommt so gut davon. Der kleine Fardet wird von einer Schlange gebissen. Ein Elixier sollte helfen, hat es bisher auch, nur bei ihm zeigt das Mittel eine ungewöhnliche Wirkung.

Merlin, ein alter Bock? Ansichtssache vermutlich, denn Gwynned, Nachfahrin des berühmten Ritters Galahad, hat sich mit den Gewohnheiten des alten Magiers arrangiert. Das ändert jedoch nichts an seinen Manieren, Charaktereigenschaften und Gepflogenheiten, die, freundlich formuliert, manchmal etwas exzentrisch sein können. An Mut fehlt es dem alten Mann, der in der falschen Zeit gelandet ist, nicht. Ein Wolf schreckt ihn nicht. Eine Wurfattacke mit Äpfeln kann einen Wutanfall auslösen, andererseits bringt er sogar Nonnen zum Feiern. Merlin ist also ein ganzer Kerl, etwas beleibt, erfahren, der einen abgezogenen Wolfskopf als Hut trägt. Nachdem er hunderte von Jahren nach seiner Hochzeit wieder aktiv wird und gegen das Christentum angehen will, muss er in der sechsten Folge der Reihe EXCALIBUR mit dem Titel Die Wächterinnen von Broceliande erkennen, dass es noch mächtigere Feinde gibt.

Am Hintern einer Dame knabbert man mit Feingefühl. Du machst ihn ja ganz kaputt.

Spaß! Die von Christophe Arleston und Melanyn erzählte Geschichte fasziniert vor allem durch Merlin, der auch mal einen frivolen Spruch auf den Lippen hat. Seien wir ehrlich: Artus und seine Ritter waren stets nett, aber der alte Mann im Hintergrund war immer das faszinierende Element. Seine Gehilfin Gwynned ist ein jugendliches Gegengewicht. Eigentlich sollte sie diejenige sein, die aufbegehrt, die rebelliert, die auch mal unvernünftig ist, aber als Trägerin von Excalibur, dem magischen Schwert, ist sie die strahlende Heldin, der allerdings nicht immer Glück beschert ist. Arleston und Melanyn gehen die Handlung deutlich komödiantisch an. Selten war ein Auftritt eines Dämonen so humorvoll und auch so respektlos. Und noch seltener wurde ein Dämon bisher durch Kitzeln in Schach gehalten.

Eric Hübsch, Zeichner von Excalibur, beherrscht den sehr feinen Strich und rangiert im Ausdruck zwischen Albert Uderzo (Asterix) und Adrien Floch (Ythag). Wald, Kloster, Stonehenge: Hier tummelt sich Merlin, der mitunter wie eine lebensfrohe Version von Miraculix wirkt. Die zerbrechlich ausschauenden Zeichnungen nutzen den Platz einer Seite vollständig aus, ohne einen überladenen Nebeneffekt zu erzielen. Es lohnt sich auch, genau hinzuschauen, damit einem Einzelheiten nicht entgehen. (Wer entdeckt das Schweizer Taschenmesser?)

Situationskomik: Arleston, Melanyn und Hübsch agieren Hand in Hand, indem sie ungeheuer leicht eine komische Situation nach der anderen aufbauen, Running Gags etablieren oder am Rande einmal ein kleinen (frivolen) Witz einflechten. Ein Werkzeug für diesen Humor ist neben Merlin selbst der kleine Wicht Fardet, der sich plötzlich sehr unleidlich gebärdet (in Hintern beißt) und damit einige ratlose Reaktionen auslöst (insbesondere bei Nonnen). Die Farbgebung, von Lebreton, ist einfach, kommt ohne viele Schattierungen aus (meist eine), arbeitet aber auch mit Verläufen und wird zumeist atmosphärisch eingesetzt. Die jeweilige Stimmung ist passend. Interessant ist es, wie kalt die Farben im Kloster werden und sich erst wieder erwärmen, wenn ein Dämon den Ort der Handlung betritt.

Ein gelungener Abschluss der Reihe, natürlich mit einem Kracher, viel Aktion, auch ist es eines der schönsten Enden von Arleston (und Melanyn). Dank der Hauptfiguren eine ungeheuer lustige Fantasy-Handlung. Wer die alten Legenden um Merlin mit einer gehörigen Portion Humor angereichert mag, sollte bedenkenlos zugreifen (die Kenntnis der bisherigen fünf Bände ist von Vorteil). 🙂

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Die Meisterkartographen 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:39

Die Meisterkartographen 3Ein Dieb muss geschickt sein. So wie Oliver, der in seinem jungen Leben eine ordentliche Karriere als Meisterdieb hingelegt hat. Allerdings ist er mitunter zu übermütig oder zu nachlässig. Falschspiel jedenfalls will gelernt sein und das Auftreten eines Falschspielers sollte so sein, dass nicht gleich auf dieses fragwürdige Talent hingewiesen wird. Das hat Oliver noch nicht so recht begriffen. Auch ist sein Charme nicht hinreißend genug, um ihn aus der Bredouille zu manövrieren. Aus einem gewinnbringenden Spielchen wird eine Flucht und am Ende wartet Käfig, wie auf alle Falschspieler. Wie gut, dass Oliver im Meisterkartographen Archim einen Freund hat, der ihn auch noch leiden kann, nach allem was beide erlebt haben.

Die Helden erreichen ihr Ziel. Aus dem anfänglichen unfreiwilligen Duo ist eine Gruppe geworden, noch ungewöhnlicher als das Heldenduo zu Beginn der in drei Teilen zusammengefassten Geschichte. Die Meisterkratographen, aus der Feder von Christophe Arleston, der sich einen Stammplatz im europäischen Comic-Geschehen erobert hat, gezeichnet von Paul Glaudel hat sich insgesamt eine Welt vor dem Leser geöffnet, die noch viele weitere Abenteuer auf und unter ihrer Oberfläche bereitgehalten hätte. Doch man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.

Archim, der Kartograph, und Oliver, der Dieb, haben einen Punkt erreicht, an dem sie beständig vom Abenteuer eingeholt werden. Die beiden Männer, die eigentlich Verbindungen locker handhaben, mit Frauen, mit Freunden, werden zu Bindungen gezwungen. Außerdem ist ihr Herz viel weicher, als sie es selbst wahrhaben wollen. Meister Denicales verschwindet mit seinem kleinen Sohn Jedrhim. Keiner weiß warum, noch wohin der alte Mann gegangen ist und welchen Plan er verfolgt. Archim und Oliver machen sich auf die Suche, nicht allein, sondern in Begleitung zwei Damen, die bisher ihre Abenteuer bereicherten, und des alten Carmerlot.

Christophe Arleston ist ein Autor, der durch unterschiedlichste Handlungsorte zu begeistern weiß. Gerade diese Welt, eine weltumspannende Stadt, lässt jede Idee, die Arleston nur einfallen mag, zu. In Der Schrei des Plouillon, der ersten Episode in diesem Band und zugleich die fünfte Folge der Meisterkartographen, geht es in die Lüfte. Doch bevor die Reisenden zu den Bewohnern der Wunderberge kommen, die sich ein ausgeklügeltes Transportsystem aus Fesselballons ausgedacht haben, gilt es erst einmal mannigfaltige Gefahren zu bestehen. Ein besonders netter Einfall von Arleston, auch ein drastischer, zeigt, wie man sich bei einem Angriff eines Vampirs auch verhalten kann. Es ist vielleicht nicht die sinnvollste Variante der Verteidigung, aber sicherlich eine für den Angreifer äußerst überraschende.

Paul Claudel zeichnet diese aktionsgeladene Handlung von Beginn an. Obwohl die grafische Linie sehr früh gefestigt worden ist, so ist auch hier eine kleine Entwicklung sichtbar. Claudels Figuren sind sicher im eigenen Stil zu Papier gebracht, während im ersten Band noch der Eindruck entstehen konnte, er hätte die Figuren noch nicht im Griff gehabt. Herausragendes Merkmal der Figuren sind ihre Köpfe und Gesichter. Sind die Körper relativ normal gelungen, sind die Köpfe entweder besonders rechteckig oder besonders rund. Augen, Nasen, Münder werden zu speziellen Ausdrucksmerkmalen. Bei Männern arbeitet Claudel mit ausdrucksstarken Unterkiefern. Schreie werden so optisch lauter, ein Grinsen noch schelmischer.

Die Welt, Dandalos, enthüllt hier ihre letzten Geheimnisse, solche, die sogar den Meisterkartographen bisher unbekannt waren. Einen der schönsten optischen Momente, besser gesagt die tollste Sequenz schaffen Arleston und Claudel mit der Ballonfahrt und der Vorstellung der Wunderberge, bevor es deutlich düsterer wird. Ein Killer wird auf die Abenteurer angesetzt. Die Zeichnungen, die manchmal einen Eindruck schaffen, als handele es sich bei der Leserschaft um Kinder, scheuen sich nicht, die ausbrechende Gewalt zu zeigen. Ist Dandalos auch durch die eng nebeneinander liegenden Reiche und Städte gedrungen, wirkt der Planet doch stets weit. In Die andere Welt wird es plötzlich dunkel, die Enge wird fassbar. Aus dem rustikalen, urbanen Umfeld wird eine Unterwelt. Außerdem drehen Arleston und Claudel die Geschwindigkeit gehörig auf. Die letzte Episode ist ein einziges Finale.

Was für ein Lauf: Die Auflösung der bisherigen Ereignisse in zwei Episoden mit einer besonders spannenden Folge zum Schluss. Sehr schöne und einfallsreiche Fantasy abseits der üblichen Schwerter und magischen Einfälle. 🙂

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Mittwoch, 20. Juli 2011

THE LAST DAYS OF AMERICAN CRIME

Filed under: Thriller — Michael um 9:53

THE LAST DAYS OF AMERICAN CRIMEWenn der Vater ein Verbrecher ist, wird nicht zwangsläufig auch aus dem Sohn ein Gangster. Aber die Chancen dafür stehen verdammt gut. Wenn die der Sohn Kevin ein Soziopath ist, der seinen Spaß aus den Qualen anderer bezieht, stehen die Chancen sogar noch viel besser. Wie irre dieser Mann ist, weiß Graham Bricke nicht, aber er ahnt es. Aber was ist mit der Frau, mit Shel? Was hat sie geplant? Spielt sie ihr eigenes Spiel? Hängt sie an Kevin? Oder will sie mit Graham flüchten? Letztlich kann Graham nur einem vertrauen: Sich selbst. Am Ende ist dies das Beste, was ein Gangster tun kann.

Man stelle sich vor: Der Regierung gelingt es, das Verbrechen, ganz gleich welcher Art, auszumerzen. Auf Knopfdruck. Für immer. Würde das System zusammenbrechen? Zumindest würden die Verbrecher, solche, die für gewöhnlich für ihre Taten verurteilt werden oder wenigstens einen Anwalt brauchen, in ziemliche Panik ausbrechen. Plötzlich müssten auch sie einer ehrlichen Arbeit nachgehen. Plötzlich würde das, was sie den Amerikanischen Traum nennen, ad acta gelegt. Plötzlich wäre das Land der Freiheit ein Amerikanischer Alptraum. Rick Remender, der Autor von THE LAST DAYS OF AMERICAN CRIME, lässt diese gesellschaftliche Umwälzung nicht ohne Vorwarnung auf die USA herniedergehen. Ein Countdown muss immerhin noch sein.

Was bleibt den Verbrechern zu tun? Noch einmal so richtig die Sau herauslassen? Noch einmal so richtig absahnen? Leichter gesagt, als getan, auch in diesen Vereinigten Staaten, die um ein Vielfaches drastischer geschildert werden, als es Kathryn Bigelow in Strange Days gelang, einem Film, der immerhin die letzten Stunden des letzten Jahrtausends zum Thema hatte. In dieser von Rick Remender entworfenen USA werden Menschen am nächsten Laternenmast aufgeknüpft und keiner schert sich darum. Es kommt sogar noch schlimmer: Die USA stellen ihren Geldverkehr vollkommen auf ein digitales Bezahlsystem um. Kein Bargeld mehr!

Chaos in Einzelschicksalen, Chaos im Land. Ein Mann plant den letzten Coup. Er weiß, er wird die Früchte dieses letzten Raubzugs auch nicht in den Staaten genießen können. So startet eine Flüchtlingswelle, wie sie sich sonst nur Hollywood ausdenken kann: Von den Vereinigten Staaten nach Kanada und Mexiko. Graham Bricke plant den perfekten und letzten Coup. Leider kann er ihn nicht alleine ausführen und da fangen in den meisten Kriminalfällen die Schwierigkeiten schon an. Gutes Personal ist in Gangsterkreisen meist schwer zu finden. Bricke rennt sehenden Auges in sein Verderben. Remender erzählt diese klassische Gangstergeschichte mit Elementen moderner Erzählkunst, sicherlich in der Schiene, die Pulp Fiction so populär und hoffähig gemacht hat.

Die Geschichte um den Gangster mit Herz funktioniert, weil Remender in Greg Tocchini einen Zeichner gefunden hat, der die Bilder in genialer Atmosphäre umzusetzen versteht. Durchaus dem Realismus verpflichtet, bringt Tocchini die kleine Spur Abstraktion in die Grafiken ein, die einem das Gefühl vermitteln, man schaue die Handlung durch eine Brille, die den Blick verschiebt und verfärbt. Tocchini gelingt der Blick in die Halbwelt. Ursprünglich und echt wirkt einzig der Trailer, in dem Brickes an Alzheimer erkrankte Mutter lebt.

Tocchini, der seine Bilder auch koloriert, spielt gerne mit Licht und farblicher Atmosphäre. Echtes Licht ist kalt. Neon und Blutrot finden sich im Gangstermilieu. Grau sind die Schatten. Im Tageslicht spielen sich furchtbare Szenen ab. man wünschte sich, auch hier würden die Schatten darüber liegen. Licht abstrahiert die Gewalt, die, wenn sie ausbricht, wie ein Orkan über die Szenerie kommt. Unnatürlich laut, sehr blutig und gänzlich ohne Spaß. Remender und Tocchini nehmen ihre Gangster verdammt ernst.

Verdammt hart, verdammt gut erzählt, verdammt toll illustriert: Hier stimmt die Mischung. Die Geschichte über die letzten Tage des amerikanischen Verbrechens ist ein Film im Comic-Format, für Freunde konsequenter Thriller genau richtig. 🙂

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Dienstag, 19. Juli 2011

Colby 3 – Bomber über Mexiko

Filed under: Thriller — Michael um 9:34

COLBY 3 - Bomber über MexikoEin neuer Auftrag: Nichts könnte der Privatdetektei um den ehemaligen Captain Colby gelegener kommen. Manchmal sind die alten Beziehungen zum Militär doch noch zu etwas gut. Der ehemalige Vorgesetzte der drei Detektive will sie persönlich über den neuen Auftrag in Kenntnis setzen. Als die Männer den zum General aufgestiegenen Offizier am Bahnhof abholen wollen, kommt alles ganz anders. Völlig unerwartet fallen Schüsse. In der Central Station in Manhattan entbrennt eine Verfolgungsjagd, aber der Mörder kann nicht gestellt werden. Nun sind Colby, Warson und Delaney noch mehr daran interessiert den neuen Fall aufzuklären, denn so sollten sie auch auf die Hintermänner des Anschlags auf den General stoßen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ändert sich für die ehemaligen Militärflieger Captain Colby und die Leutnants Warson und Delaney alles. Plötzlich ist wieder das Zivilleben angesagt. Der Krieg steckt ihnen noch in den Knochen. Und obwohl sie längst als Privatdetektive arbeiten, werden sie auf die eine oder andere Art von längst vergangenen Ereignissen eingeholt. So ist der Krieg der USA gegen Japan auch in Hollywood ein Thema. Colby und seine Freunde werden als Berater einerseits und ehemalige Flieger andererseits engagiert. Aus ehemaligen Feinden werden plötzlich Arbeitskollegen. Ein japanischer Pilot, vorbildhaft für andere Piloten seines Landes und einer überragenden Abschussquote gegnerischer Piloten, spielt nun mit Delaney Luftkampf nach Drehbuch. Aber da wäre auch noch der tatsächliche Auftrag, der die drei Männer an das Set nahe der mexikanischen Grenze verschlagen hat.

Greg und immer wieder Greg: Der Comic-Autor, bürgerlich Michel Regnier, der sich thematisch in keine Schublade einordnen ließ, liefert hier gemeinsam mit dem Zeichner Michel Blanc-Dumont den dritten und letzten Band der Nachkriegsabenteuer der drei ehemaligen Fliegerasse nach. Wer als Cineast nur ein wenig von den Filmen der Schwarzen Serie gesehen hat, als die Welt irgendwie düsterer schien, wird hier erkennen, wo Greg seine Inspiration hergeholt hat. Hier darf man(n) noch rauchen und trinken, ohne dass ihm Vorhaltungen gemacht werden. Hier werden Frauen zusehends tougher und sind nicht mehr bloße Staffage.

Die Kombination der drei Freunde wurde von Greg genau ausgerechnet. Colby ist nicht nur der ehemalig ranghöchste Offizier, er ist auch der besonnene Anführer. Leutnant Warson, Spitzname Warsow (Kriegssau), ist geradlinig, weder auf den Mund, noch auf die Fäuste gefallen. Leutnant Delaney ist der jugendliche Typ, ein gestandener Mann, der aber auch stets ein wenig bemuttert wird. Allesamt sind sie Kerle, durch den Krieg abgehärtet, doch es ist gerade in dieser Ausgabe interessant, wie Hollywood, genauer die so genannte Traumfabrik, auch solche Männer ein wenig verwirren kann. Ist Delaney noch erstaunt, dass der Hauptdarsteller des Films ihn anmacht, erkennen sie die Merkwürdigkeiten und Widersprüchlichkeiten am Set sehr schnell.

Greg nutzt die Gelegenheit natürlich, um die Atmosphäre bei den Dreharbeiten mit etwas Spott zu beobachten und fast möchte man meinen, er habe hier einer Szenerie, wie sie in Tropic Thunder zu sehen ist (freilich auf einen anderen Krieg gemünzt), einiges um viele Jahre vorweg genommen. Die Grafiken von Michel Blanc-Dumont fangen die Zeit mit all ihren Facetten nach Hollywood-Art ein. Diese Nachkriegszeit ist etwas idealisiert, aber auch nicht allzu sauber, nicht gestriegelt. Der feine Strich von Blanc-Dumont gibt jeder Figur ein eigenes Gesicht, das umso besser gelingt, je ausgefallener der Charakter ist. Neben den bereits bekannten Figuren der ersten beiden Episoden fällt hier besonders die Mannschaft am Filmset ins Gewicht: Hauptdarsteller (ein gelackter Beau, Marke Clark Gable), der Regisseur (gräflicher als so mancher echte Adelige, Marke David O. Selznick mit Glatze und Monokel) oder der zwielichtige Handwerker.

Ein klassisches Detektivabenteuer mit kernigen Detektiven vor interessanter Kulisse. Greg und Michel-Blanc-Dumont zelebrieren mit diesem Abschlussband der aus drei Bänden bestehenden Reihe eine Hommage auf die Schwarze Serie und das längst vergangene Hollywood der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts. Viel Nostalgie, schöne und technisch perfekte Zeichnungen erwecken diese Epoche zum Leben. Klasse. 🙂

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Freitag, 15. Juli 2011

LUC ORIENT Gesamtausgabe 1

Filed under: SciFi — Michael um 15:39

LUC ORIENT Gesamtausgabe 1Der Mann im Flugzeug hat starke Schmerzen. Er kennt die Symptome bereits, konnte sich aber nicht vor dem schützen, was er bei sich trägt. Immerhin kann er noch eine Warnung und einen Hinweis aussprechen. Das Päckchen, das er bei sich trägt, erreicht wohlbehalten Frankreich und wird Luc Orient beinahe zum Verhängnis. Der Inhalt des Päckchens jedoch, so gefährlich er auch sein mag, ist für die Physiker von großem Interesse. Mehr noch: In Afrika soll es noch mehr von diesem Element geben. Bereits verfolgt und nicht ahnend, was sie dort erwarten wird, machen sich Luc, Doktor Kala und seine Assistentin Lora auf den Weg und stolpern so in ein Abenteuer, das sie auf einem langen Weg ihres Lebens begleiten soll.

Kein Roger Moore! Der Zeichner Eddy Paape soll auf die Ähnlichkeit Luc Orients mit dem englischen Schauspieler angesprochen worden sein. Paape meinte jedoch stets, dass eine Ähnlichkeit rein zufällig sei. Er selbst habe weder The Saint noch James Bond gesehen. Die Serie Luc Orient startete als Album im Jahre 1969, zu früh also, um Moore im Kino zu entdecken. Ähnlichkeit hin oder her, die Spitzbübigkeit, das Verschmitzte, der Tausendsassa mit den blonden Haaren und dem kantigen Gesicht funktioniert auch im Science-Fiction-Comic.

Doch bevor es ins All geht, beginnt alles auf der Erde. Michel Regnier alias Greg wählt den afrikanischen Kontinent als Ausgangspunkt einer abenteuerlichen Reihe, die schließlich 18 Bände haben sollte. Mit dabei: Doktor Kala, älter als Luc Orient und ein Mann, der sich der Wissenschaft verschrieben hat. Außerdem ist Lora an Lucs Seite, der weibliche Faktor der Abenteuer und nicht nur dazu da, um gerettet zu werden. Mag Paape seinen James Bond auch nicht gesehen haben, Greg hat sicherlich die eine oder andere Episode gesehen, vielleicht sogar Goldfinger. Wo Helden sind, dürfen die Gauner nicht fehlen. Julius Argos und sein Gehilfe Toro ähneln in ihrem Auftreten dem Gespann Goldfinger/Oddjob.

Die Feuerdrachen: Eine Legende lockt nach Afrika, doch zugleich ist klar, dass es einen durchaus realistischen Ursprung dieser Mythen gibt. Vor Ort angelangt zeigen sich aber Risse in den bisherigen Theorien und die Akteure werden von den Legenden wieder eingeholt. Es gibt Ansätze außerirdischer Einflüsse, aber noch keine direkte Begegnung der dritten Art. Vielmehr spielt Greg noch mit der modernen Mär über die Götter aus dem All.

Sehr viel eindeutiger wird Greg bereits in der zweiten Epsiode Die gefrorenen Sonnen. Die Gestaltung humanoider Außerirdischer tänzelt manchmal an der Kante zur Komödie und Eddy Paape lässt sich gar nicht erst auf Spielchen ein. Schlank, reinweiß, schnörkellos präsentieren sich die Wesen vom fernen Planeten Terango. Paape, der aus der gleichen zeichnerischen Schule wie ein William Vance oder Coria kommen könnte, idealisiert seine Figuren gerne. Bei allem Realismus liegt auch etwas Puppenhaftes in ihrem Ausdruck. Gleichzeitig aber wird durch diesen Zeichenstil der jeweilige Charakterzug der Figur sehr gut eingefangen.

In Afrika musste sich Paape noch an die bekannte Fauna und Flora halten. Im Weltraum darf er seiner Fantasie freien Lauf lassen. Nicht jeder Comic-Zeichner hat in seiner Karriere die Möglichkeit fremde Welten zu gestalten. Terango heißt diese Welt. Im Gegensatz zu ihren sehr weißen Bewohnern ist die Natur von Terango bunt, poppig. Die Architektur ihres beherrschenden Volkes ist geradlinig, im Modernitätsgedanken der 60er und 70er Jahre gehalten, ein Spannungsbogen aus Ecken und Kurven.

Interessant wird es, wenn Paape die Vielfalt innerhalb der intelligenten Wesen auf Terango erhöht und es Drachenmänner und Vogelmenschen zu entdecken gibt. Brachial wirkende Muskelmänner treffen auf geflügelte Hummanoide, die noch ätherischer als die vorherrschende Spezies aussehen.

Ein Klassiker: Ein bunter Regenbogen an Einfällen und ausgefallenen Grafiken fern der Erde. Der erste Band fasst die ersten vier Abenteuer des Physikers Luc Orient zusammen, phantastisch, fantasiereich und stets überraschend. Auf Terango ist alles möglich. Sehr gut. 🙂

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Mittwoch, 13. Juli 2011

Die Herren von Cornwall 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:41

Die Herren von Cornwall 2 - Das Patenkind der FeenDie Bogenschützen des Schattens: Seit König Mark die Macht über Cornwall verloren hat, geraten seine Anhänger immer häufiger in Hinterhalte. Tückische Bogenschützen bringen die Eindringlinge und vermeintlichen Kollaborateure dazu, sich nie sicher zu fühlen. Allmählich werden die Angriffe zu einer Last, die auch bei Hofe diskutiert wird. Eine Lösung hingegen, wie man der gefährlichen Feinde habhaft werden kann, hat niemand parat. Selbst Gloredell, die Fee, die zuvor noch im Geheimen agierte, und nun offen mit ihrer Heerschar durch das Land reist, wird zum Ziel eines solchen Angriffs. Erfolgsverwöhnt wie der Schütze bislang war, muss er nun doch vor der Macht der Anderen Welt kapitulieren.

Die Jahre sind vergangen. Cornwall erträgt den neuen Herrscher, liebt ihn aber nicht. Bogenschütze ist außerdem nicht gleich Bogenschütze. Intriganten benutzen die moderne Legende von Rächern, um sich selbst einiger unliebsamer Gegner zu entledigen. Sylvain Cordurie beleuchtet eine verzweifelte Situation im Umfeld König Marks, in der die Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit regieren.

Eine Legende: Tristan und Isolde. Bei Liebenden denkt der Leser vielleicht sofort an die typischen Muster: Sie lieben sich, dürfen aber eigentlich nicht. Hier lieben sie sich nicht. Isolde, Tochter von König Duncan, ist ein eiskaltes Biest. Ihr erstes Aufeinandertreffen mit Tristan ist alles andere als von Herzlichkeit geprägt. Würde Tristan an dieser Stelle der Geschichte gestorben sein, so hätte sie ihm keine Träne nachgeweint.

Die großen Schlachten sind erst einmal vorüber. Das Menschliche steht im Vordergrund, Beziehungen werden ausgelotet. Leute wie König Mark erfreuen sich fortwährender Demütigungen und können sich nicht wehren. Die einzigen Kämpfe, die noch ausgetragen werden, finden sich allenfalls in Zweikämpfen, haben aber nicht weniger Bedeutungskraft als die großen Auseinandersetzungen. So kann sich Zeichner Alessio Lapo auf die Menschen konzentrieren. Verschiedene Gespräche und Szenen sind sehr wichtig für den weiteren Fortgang der Geschichte: Isolde als Braut von König Mark, der sich von ihr eher verspottet fühlt. Gloredelle, die König Mark mit der Aussicht auf die Andere Welt lockt und einen Anblick bietet, den kein Mensch zuvor sah.

Es wird etwas zauberhafter, menschlicher. Aber nicht romantischer. Obwohl Alessio Lapo, mit Unterstützung des Digikore Studios auch Kolorist hier tätig, dem Leser einen Blick in die Andere Welt gestattet, so ist selbst dieser Moment eine Bedrohung. Zwar hat ein Wechsel der Koloristen stattgefunden hat (Olivier Heban, Kolorist im ersten Teil, hat nur noch das Titelbild gestaltet), bemerkt man keinerlei Veränderung. Die optische Linie wird beibehalten. Besonders interessant wird es, wenn die Natur mitspielt. Der Leser wird diese Anmerkung verstehen. Es wäre schön gewesen, hätte Sylvain Cordurie noch mehr Szenen dieser Art eingefügt, allein um die Macht von Gloredell zu unterstreichen.

Letztlich zeigt sich aber auch, dass Hochmut der Macht innewohnt und sich so ein Möglichkeit des Sturzes ankündigt. Beharrlichkeit bietet schließlich den Ansatzpunkt zum Angriff, der zum Anfang des Endes wird. So wird das Finale des zweiten Bandes optisch rasant und dramatisch geschildert.

Langsam baut Sylvain Cordurie eine unheilvolle Stimmung auf. An dieser Stelle scheint es noch mehr als fraglich, wie Tristan und Isolde zueinander finden sollen. Dicht erzählt, schön gestaltet. Gutes Historienabenteuer und prima Sagenfutter. 🙂

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Dienstag, 12. Juli 2011

Die Herren von Cornwall 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:50

Die Herren von Cornwall 1 - Das Blut von LyonesseDie beiden Jungen sind noch klein. Trotzdem scheuen sie sich nicht, einen Wolf zu jagen. Das Raubtier indes glaubt den jungen Tristan, der sich als Köder angeboten hat, sicher zu haben. Jetzt kommt alles auf die Treffsicherheit von Tristans Bruder Gethelin an. Der Vater, Rivalen von Lyonesse, beschäftigt mit der Verteidigung des Landes seines Königs Mark von Cornwall, nimmt sich dennoch die wenige verbliebene Zeit, um sich stolz über die Taten seiner Söhne zu äußern. Und viel Zeit bleibt in der Tat nicht. Denn König Duncan von Hibernia weigert sich, seinen Traum von der Eroberung Cornwalls aufzugeben.

Wer sind die Herren von Cornwall? Es sind jedenfalls nicht die, die sich dafür halten. Der allseits bekannte und auch gefürchtete König Arthur Pendragon ist abgelenkt und so nehmen die Intrigen ungehindert ihren Lauf. Die Menschen sehen sich plötzlich mit einer überirdischen Macht konfrontiert, die sich nicht nur einmischt, sondern auch noch ihresgleichen ungerührt vernichtet. Gloredell hat sich dazu entschlossen, Britannien seinen Stempel aufzudrücken. Und was sollen die Menschen gegen eine Fee unternehmen, die dem Feuer gebietet, Drachen und Zyklopen befiehlt? Leider nichts, so sehr sie es sich auch wünschen.

Sylvain Cordurie verdammt die Menschen zu Spielbällen vor dem Machtstreben einer Fee aus der Anderen Welt. Zwar wähnt sich der machthungrige König Duncan ebenso mächtig wie die Fee. Das ist jedoch ein Irrglaube. Langsam versinken die Menschen immer mehr in dem Strudel, denn Gloredell in Gang gesetzt hat. Ein jeglicher Versuch, diesen Strudel aufzuhalten, wird zunichte gemacht. Sylvain Cordurie führt den Leser weit zurück in die Vorgeschichte von Tristan und Isolde, jenem Paar, dessen Liedesgeschichte in einer Tragödie endete.

Doch bevor es dazu kommt, ist Tristan in der ersten Episode von Die Herren von Cornwall mit dem Untertitel Das Blut von Lyonesse noch eine Randfigur. Er ist ein mutiger Junge, der in eine typische Dramasituation gerät, erst ein Spielball, später ein Rächer. Britannien ist in dieser Zeit noch ein mystisches Land. Nicht nur die Andere Welt ist mit der Insel verbunden. Auch die Menschen spüren die Anwesenheit einer fremden Macht. So sind die Erschütterungen durch Gloredells feigen Anschlag weiter zu bemerken, als sie selbst angenommen hätte. Sylvain Cordurie eröffnet verschiedenste Schauplätze, die sich langsam zu einer vielschichtigen Geschichte zusammenfügen.

Neben Gloredells feigem Verrat dürfen die Nachforschungen von Druiden nicht fehlen, die Ränkeschmiede der Fürsten nicht, der Aufmarsch menschlicher und nichtmenschlicher Krieger. Es liegt am Grundkonzept der klassischen Sagen und ihrer neu erzählten Vorgeschichten, dass immer etwas HdR mitschmeckt. Die Verbindung von Fee und Mensch, in Form einer Hochzeit, ist interessant und birgt in der Folge Potential für Unerwartetes.

Zeichner Alessio Lapo und Kolorist Olivier Heban schaffen zusammen einen Stil, der die Bilder von Jacques Lamontagne für die Reihe Die Druiden erinnert. Allerdings erreichen sie die Brillanz von Lamontagnes Bildern nicht. Mit der ihnen eigenen Technik erreichen sie jedoch eine an einen Trickfilm erinnernde Atmosphäre. Die Figuren sind weniger fein ausgeführt als die Hintergründe und heben sich so von ihnen ab.

Die Hintergründe sind ganz wunderbar gelungen. Wälder, Landschaften, auch die Niederlassungen nehmen den Leser über eine per Computer kolorierte, einer natürlichen Maltechnik nachgeahmte Bilderwelt mit in eine mittelalterliche wie auch verwunschen anmutende Welt. Einzelne Schlüsselszenen und Ansichten zeugen von entsprechend gut ausgeführten Vorplanungen. Die Gesichter selbst sind eher kantig in ihren Strukturen, einander auch ein wenig ähnlich. Die Körper sind weitaus realistischer gehalten, auch wurde hier starker Wert auf Ausstattung gelegt, insbesondere bei Rittern und Kriegern.

Ein dramatischer Auftakt, der eher einen Niedergang der menschlichen Vorherrschaft beschreibt: Keiner scheint der aufstrebenden Fee Gloredell gewachsen zu sein. Man darf gespannt sein, wie sich das Blatt hier noch wenden soll. 🙂

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DER LETZTE INCAL 1 – Die vier John Difool

Filed under: SciFi — Michael um 12:01

DER LETZTE INCAL 1 - Die vier John DifoolDer Untergang: Die Menschenhaben dem neuen Virus nichts entgegenzusetzen. Einmal befallen erfolgt die Auflösung des menschlichen Organismus in Rekordzeit. Blasenbildung, Deformierung, Verflüssigung. Bevor das Ende erreicht ist, eilen bereits Aasfresser zu Tisch. Inmitten dieser zukünftigen Apokalypse steckt John Difool und weiß von nichts. Die Polizei, Roboterdroiden, glauben aber, dass er etwas weiß und wollen genau dieses Wissen aufspüren. Auf ihre ruppige Art erreichen sie jedoch nichts. Wie es sich kurz darauf zeigt, hat noch eine andere Seite ein Interesse an John Difool, dem Tunichtgut. Aus einem Sturz in die Tiefe zu Beginn von Difools Eintritt in diese Geschichte wird alsbald eine halsbrecherische Flucht, in der es um Leben und tod geht.

Die vier John Difool: So mancher Charakter, der mit John Difool in der Originalgeschichte um den Incal in Berührung kam, hatte schon mit einem genug zu tun. Nun soll es derer gleich vier an der Zahl geben? Ja, tatsächlich, und selbst John Difool kommt mit sich auch nicht besonders gut zurecht. Alejandro Jodorowsky wirft mit der neuerlichen Trilogie Der letzte Incal einen neuerlichen Blick auf dieses seltsame, aber auch überaus amüsante und spannende Universum, das auch die Metabarone hervorbrachte.

Diese Vielschichtigkeit dürfte es Neulingen in diesem Universum schwer machen. Denn allzu vieles wird vorausgesetzt. Die Geschichte, die hier beginnt, dürfte für Leser mit Incal-Unkenntnis wie ein Sprung ins kalte Wasser sein. Darüber hinaus ist diese Science Fiction für denjenigen Leser vielleicht gewöhnungsbedürftig, der noch nie in Kontakt mit Werken von Jodorowsky kam. Die Herangehensweise des Autoren ist nicht unbedingt neu zu nennen, aber sie verweigert sich einer tiefgehenden Ernsthaftigkeit. Hier will nicht erleuchtet, sondern unterhalten werden, durch intelligent erzählt, aber auch mit mehr als nur einem Augenzwinkern.

Das Besondere an Jodorowskys Arbeit, hier speziell im Incal-Universum ist die ungewöhnliche Dichte an Einfällen, auch absurden Ideen, manchmal sogar wahnwitzig zu nennen. Das ist, will man einen Vergleich ziehen Barbarella zum Quadrat. Dafür braucht es einen Zeichner, der diesen Wahnwitz entsprechend umzusetzen versteht, auch mit der nötigen Ernsthaftigkeit, damit der Wahnwitz umso besser ins Schwarze trifft. Jose Ladrönn kann als künstlerischer Pedant bezeichnet werden. Der Zeichner überlässt nichts dem Zufall. Einzelheiten bildlich umzusetzen, ist hier Programm.

Die Spielfläche, die Jodorowsky ihm bietet, einerseits durch die Ursprungsserie John Difool vorgegeben, ist gigantisch. Und so verwundert es nicht, dass die Bilder besonders beeindruckend werden, wenn Ladrönn sich über die Planetenoberfläche ausbreiten und Massenszenen generieren kann. Gute Maschine gegen böse Maschine. So lautet die Überschrift im Hintergrund. Entsprechend sind die Bilder eine Pracht der Gegensätze: Metall gegen biologische Vielfalt. Und letzteres ist wörtlich zu verstehen. Ladrönn zeigt einen außergewöhnlichen Zusammenprall in seiner feinen, sehr diffizilen Zeichenweise, der erst wieder Luft zum Atmen lässt, wenn Jodorowsky die Handlung in mystische Realitäten lenkt und die vier John Difool sich treffen.

Tears of Gold: Eine Kurzgeschichte zum Schluss, klassisch erzählt von Jodorowsky, bildgewaltig von Ladrönn inszeniert, bietet einen gänzlich anderen Blick auf die Macher und ihre Fantasie: Südamerikanisch phantastisch, mit jenem melancholischen Flair, das sich manchmal auch in Geschichten eines Gabriel Garcia Marquez oder vergleichbaren Autoren wiederfindet.

Ein Leseerlebnis für Fans des INCAL wie auch für Freunde von außergewöhnlicher Science Fiction. Außerordentlich prächtig gestaltet. 🙂

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Freitag, 08. Juli 2011

CARTHAGO ADVENTURE – Bluff Creek

Filed under: Mystery — Michael um 11:47

CARTHAGO ADVENTURE - Bluff CreekLondon Donovan ist ein Abenteurer, der bereits viel gesehen hat auf der Welt. Sein neues Expeditionsziel, die Auffindung von Big Foot, der unheimlichen Kreatur, die verwackelten Filmen und Fotos auftaucht, scheint ihm doch etwas merkwürdig zu sein. Wolfgang Feiersinger jedoch, ein reicher alter Mann, der sich der Aufklärung jener Geheimnisse verschrieben hat, weiß den Abenteurer zu überzeugen, dass eine Nachforschung Erfolg haben könnte. Kurz darauf ist das Team am Werk. In Kalifornien, Willow Creek, in einer Gegend, die sich selbst auf die Fahne geschrieben hat, Big Foot Territorium zu sein, startet die Suche. Dort angekommen, sind die Einheimischen allerdings gar nichts begeistert von den Neuankömmlingen und die ersten Schwierigkeiten deuten darauf hin, dass sich dieses Verhalten auch nicht ändern wird.

Einzelbände finden sich seltener auf dem Albenmarkt. Ein so genanntes Spin-off hat es da schon leichter, besonders da die Ursprungsserie CARTHAGO Fragen offen lässt, die im Rahmen der Originalhandlung nicht beantwortet werden. Der Hundertjährige aus den Karpaten, ein mächtiger und reicher Industrieller, bei dem der Verdacht nahe liegt, dass er tatsächlich 100 Jahre alt ist (oder älter) hat sich der Erforschung von Geheimnissen unseres Planeten verschrieben. Im CARTHAGO ADVENTURE gilt es in der vorliegenden Episode Bluff Creek die Frage zu klären, ob es den mysteriösen Big Foot wirklich gibt oder gegeben hat.

Big Foot und Wendigo: Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, angesiedelt im Jahre 1924, beantwortet diese Frage für den Leser sehr schnell. Ob es den Akteuren gelingt, diese Frage zu klären, bleibt sehr lange offen. Die Geschichte passt gut in eine (kleine) Genrewelle, die mit den Jahren mal höher, mal niedriger verläuft. Nach Zeiten regelrechter Hysterien, was die großen Geheimnisse unserer Zeit anbelangt, finden sich in Film, Roman und Comic derlei Themen wieder etwas häufiger. Beispielhaft seien hier Troll Hunter oder auch Big Foot von Rob Zombie genannt. Obwohl thematisch ähnlich gelagert, lässt sich Zombies Herangehensweise nicht sehr mit Becs Erzählung vergleichen.

Christophe Bec setzt deutlich auf den geheimnisvollen Aspekt der Kreatur. Sicherlich gibt es Gewalt, doch diese wird cineastisch angeschnitten, sie geschieht schnell und meist stark aus dem Augenwinkel heraus. Ähnlich verhält es sich mit den Ansichten von Endresultaten solcher Ausbrüche. Dies darf entsprechend gut angerechnet werden, denn so bleibt es nicht nur spannend, sondern die eigene Fantasie dichtet sich ihren Teil dazu.

Christophe Bec entwickelt die Geschichte durch seine Charaktere, vor allem durch den eher ungewöhnlichen Hundertjährigen der Karpaten, der nicht unbedingt sympathisch, dafür aber sehr interessant ist. Seine Person lässt sich schon selbst in jene Rätsel einordnen, die er so gerne erforscht. Er besitzt ein einnehmendes Wesen, ein gewisses Charisma, ist hartnäckig und hat Geheimnisse, die er sorgsam vor seinen Angestellten, den Männern und Frauen, der von ihm bezahlten Expedition, verbirgt. Das ist die eine Seite der Medaille, die fast ausreichend wäre, um die Geschichte allein zu tragen. Aber Bec ist inzwischen derart versiert, dass er mit leichter Hand noch weitere Geheimnisse einstreut. Und nicht alle werden gelöst. Auch das ist eine Masche von ihm, aber keine schlechte.

Grafisch ist Realismus und bestes Handwerk angesagt: Der Zeichner und Kolorist Jaouen Salaün gibt dem Realismus in seinen Bildern den Vorzug und koloriert in einer Technik, die im Endergebnis an den Farbauftrag von Aquarell und Marker erinnert und einen Fotorealismus zu erreichen versucht. Die Bilder schaffen einen cineastischen Effekt oder wenigstens einer sehr gut gedrehten Fernsehserie. Vor einer Kulisse der Natur werden die Figuren stets bestens und atmosphärisch stimmig ausgeleuchtet. Nachts wird es unheimlich, sogar dämonisch. Tagsüber wird der Leser normale Natur erkennen, aber auch den Trick, mit dem es Jaouen Salaün etwas verwunschen aussehen lässt. Optisch legt der Zeichner die Messlatte derart hoch für eine Comic-Publikation, dass man sich mehr Arbeiten von ihm wünscht.

Ein abgeschlossener Band mit einem klassischen Mystery-Abenteuer, spannend von Christophe Bec erzählt, absolut hervorragend von Jaouen Salaün illustriert. 🙂

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Link: salaunjaouen.canalblog.com (Blog von Jaouen Salaün)

OGREGOD 1 – Die Schiffbrüchigen

Filed under: SciFi — Michael um 9:36

OGREGOD 1 - Die SchiffbrüchigenKinder, die sich nicht ausstehen können, befinden sich auf einer Reise, auf die sie keine rechte Lust haben. An Bord ein Angehöriger eines Volkes, der ihnen zu Diensten sein soll und ein Roboter, der zwar gute Ratschläge gibt, auf die aber keiner der hoch gestellten Sprösslinge hören will. Das kann nicht gut gehen. Stimmt. Aber eigentlich stimmen die Voraussetzungen. Das Raumschiff ist ein außerordentlich gutes, auch rasantes, nur ist die kleine Pilotin sehr übermütig (na, als Tochter des Diktators darf sie das vermutlich) und guten Ratschlägen (wie erwähnt) nicht zugänglich. Und so landen alle in einer Galaxie, die nicht zum Imperium gehört. Schlimmer noch: Vor Generalissimus Hizatte, dem Diktator, fürchtet sich dort niemand. Auch die Jugendlichen müssen sich schnellstens damit abfinden, dass vorerst niemand zu ihrer Rettung herbei eilt.

OGREGOD: Eine Macht, die sich bislang nur durch ihre Diener zeigt. Diese jedoch sind bereits derart stark und nicht weniger hochnäsig als der Diktator, so dass die Fronten nur verhärten können. Alejandro Jodorowsky ist ein Erzähler mit viel Humor, mal tiefschwarz, mal albern, mal sehr intelligent. Hier ist es eine Mixtur aus allem und auch ein sehr freundlicher Humor. Die Grundvoraussetzung (Kinder stranden weit entfernt und ohne Hilfe) erinnert an Zwei Jahre Ferien von Jules Verne. Andere Anleihen finden sich in der Gestaltung der Gesellschaftsstruktur: Der kleine Diktator könnte der kleine Bruder des großen Diktators sein, der so genial von Charlie Chaplin verkörpert wurde.

Zwei Klassen: Zweibeiner und Vierbeiner. Letztere sind ebenso mit zwei Armen gesegnet wie alle anderen. Doch zu allem Überfluss ist ihre Haut hellblau. So wird die Kennzeichnung der Andersartigkeit noch größer. Die Vierfüßler sind eine Arbeitskaste und ganz offensichtlich, so wie Jodorowsky sie schildert, die vernünftigen intelligenten Lebewesen dieses Planeten. Leider werden sie völlig unterdrückt.

Zoran Janjetov zeichnet diese Arbeiterkaste, in deren Hinterkopf bereits der Aufstand geprobt wird, äußerst realistisch (von den vier Beinen einmal angesehen), während die tatsächlich Herrschenden zu Karikaturen verkommen. Dekadenz, geistige Armut, Intoleranz, Herrschsucht, Völlerei und einige schlechte Eigenschaften mehr: Für nahezu jedes wird sich ein Gesicht in dieser Gesellschaft finden lassen. Der Hintergrund des Ganzen ist eine glatte, saubere Welt, formschön durchgestylt, allerdings nicht sehr farbenfroh, sondern auf gedeckte Farbtöne reduziert. Blickt man allerdings hinter die Kulissen wird es schmutzig. Dort wo die Arbeiter an Raumschiffen werkeln, Schlachtkreuzer, die nach Aussage des Diktators eine Länge von 50 Kilometern erreichen können, ist es rostig, matschig, unangenehm.

Der Planet, auf dem die Kinder schließlich stranden, ist eine scheinbar lebende Welt. Sie ist gefährlich, wenn sie es für notwendig hält, wenn sie die Kinder in eine für sie genehme Richtung steuern will. Es ist ein Parcours, der zur Zusammenarbeit und zum Erwachsenwerden einlädt. Natürlich hat keines dieser von Jodorowsky besonders hochnäsig entworfenen Kinder eines dieser Ziel nötig. Schneller, besser, mehr zu sein, war bisher die Prämisse ihrer Herkunft.

Schließlich stehen sich zwei Szenarien gegenüber: Die Kinder auf ihrem Planeten und die Eltern in der Heimat. Jähzorn steht einen wirklich langsam aufkeimenden Zusammenwachsen gegenüber. Dank der großzügig angelegten Bilder von Zoran Janjetov, die sich jeglicher Einengung verweigern, wird diese (manchmal etwas abgedrehte) Science-Fiction-Geschichte zu einem Erlebnis.

Im Bereich von Jodorowskys Comic-Schaffen im Science-Fiction-Genre ist OGREGOD bisher ein Höhepunkt. Sicherlich nicht nicht so dicht wie der INCAL, dafür klarer, strikter erzählt, sehr humorvoll ausgeschmückt und von Janjetov zu einer optischen Perle gemacht. Sehr schön. 🙂

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