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Comic Blog


Samstag, 26. Februar 2011

Die Schlümpfe 28

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 16:03

Die Schlümpfe 28 - Schlumpfine greift einPapa Schlumpf wird das Dorf für einige Zeit verlassen. Damit auch alles seinen ordentlichen Gang während seiner Abwesenheit nimmt, wird er diesmal einen Stellvertreter auswählen. Die Schlümpfe sind verdutzt über diese Ankündigung. Bisher übernahm niemand in Abwesenheit von Papa Schlumpf die Aufsicht. In der Nacht machen sich die Schlümpfe ihre Gedanken, wer wohl ausgewählt werden wird. Als Papa Schlumpf am nächsten Morgen seine Entscheidung verkündet, wollen sie ihren Ohren nicht trauen.

Die Schlümpfe dürfen nicht sterben: Wie bereits andere frankobelgische Erfolgskonzepte wird auch die Reihe der Schlümpfe ohne den ursprünglichen Zeichner (bzw. die Macher) fortgesetzt. Das Kreativduo Alain Jost und Thierry Culliford schreibt die Texte, während Zeichner Pascal Garray das Abenteuer um Schlumpfine greift ein gestaltet. Das Thema Emanzipation findet nicht zum ersten Mal Einzug in den Cartoon, aber sicherlich musste sich Schlumpfine bisher noch nicht so behaupten.

Folgen wir ihrer roten Mütze! (Nicht der Sandale.) Es dauert, bis Schlumpfine die gesammelte Schlumpfschar hinter sich verschlumpfen kann. Dummerweise ist sie gezwungen, sich zu behaupten, schließlich hat ihr Papa Schlumpf genau zu diesem Zweck das Zepter während seiner Abwesenheit überlassen. Jost und Culliford lassen nichts aus (was der moderne Mann hoffentlich längst gelernt haben mag). Eigentlich kann ein weiblicher Schlumpf nach Ansicht männlicher Schlümpfe nicht viel und so besteht Schlumpfines Überzeugungsarbeit darin, eine Aufgabe nach der anderen zu bestehen und ihre Mitschlümpfe zu überzeugen. Ihre größte Aufgabe wird auch gleich ihre gefährlichste.

Ein albenlanges Abenteuer: Zeichner Pascal Garray hat die Schlümpfe sehr vollendet verinnerlicht, vielleicht etwas rundlicher, noch putziger. Sie sind die Stars, ebenso wie Gargamel und seine Katze Azrael bekannte Nebenfiguren sind. Andere auftretende Charakter fallen hinter dieser Gestaltung zurück, aber ihre Auftritte sind auch recht kurz. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Schlümpfen, deren Alltagsleben fein gezeigt wird, mit all den Problemen, die dabei auch zu meistern sind (Staudammbau, ein Wildschwein im Dorf).

Die Linien sind fein und genau gesetzt. Selbst in der Verkleinerung, die zwangsläufig auftritt, wenn ein Schlumpf neben einem Normalgewachsenen wie Gargamel steht, wurde auf die nötigen Details geachtet. Hier kann sicherlich eine vergrößerte Ansicht per Computer hilfreich gewesen sein. Überraschungen in den Ansichten der Schlümpfe gibt es damals wie heute nicht: Schräg links, schräg rechts und seitlich. Eine Ansicht wie z.B. auf dem Titelbild von schräg hinten ist selten. Dafür gibt es deutlich mehr verschiedene Schlümpfe zu entdecken. Hierbei ist der Gärtnerschlumpf mit seiner Strohmütze und seinen Holzschuhen eine der schönsten Varianten.

Eine gelungene Fortführung, deutlich für ein gemischtaltriges Publikum geschaffen, für die Jüngeren wie auch die Junggebliebenen, mit einer guten Balance zwischen Textwitz und Situationskomik. 🙂

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Die Schlümpfe 1

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 11:31

Die Schlümpfe 1 - Blauschlümpfe und SchwarzschlümpfeDas schwarze Insekt sticht zu. Der gestochene Schlumpf wird von einem Schwindel erfasst, dann einen Farbwechsel und endlich große Wut. Fortan verspürt er den Wunsch, andere Schlümpfe zu beißen und zu Seinesgleichen zu machen. Und tatsächlich vermehren sich die Schwarzschlümpfe in Windeseile. Die Epidemie scheint kaum aufzuhalten, bis Papa Schlumpf eine Idee hat.

Schlumpfimumpf! Da sind sie wieder! Nachdem sogar Hollywood die Smurfs auf die große Leinwand holt, dreidimensional animiert und ebenso ausgestrahlt, darf sich der Fan klassischer Cartoons auch hierzulande an den Schlümpfen erfreuen. In dieser Hochzeit der Rückblicke auf Klassiker und erfolgreiche Serien beginnt die Neuauflage selbstverständlich mit der legendären Auseinandersetzung zwischen Blauschlümpfen und Schwarzschlümpfen. Während die einen schlumpfen, rufen die anderen nur GNAK!. Aus einem Insektenstich wird schließlich eine Kettenreaktion, die in eine merkwürdige Schlacht mündet, die das Ende der Blauschlümpfe bedeuten könnte.

Y. Delporte und Peyo beginnen mit einer ausgesprochenen Idylle. Die Welt der Schlümpfe ist strebsam, aber friedlich (weitestgehend). Mit dem Auftauchen der Schwarzschlümpfe ändert sich das auf amüsante Art. Papa Schlumpf, in diesen frühen Tagen optisch noch der einzige (bis auf den Brillenschlumpf), der in roter Mütze, roter Hose und Bart aus dem Rahmen fällt, muss sich anstrengen, will er ein Gegenmittel gegen die furchtbare Seuche Schwarz finden. Seite für Seite finden Delporte und Peyo neue humorige Szenen, um die Handlung zu beschleunigen.

Etwas gemächlicher geht es in der Folgegeschichte Der gefangene Schlumpf. Der Zauberer Gargamel, ein Feind der Schlümpfe der ersten Stunde, benötigt einen Schlumpf für einen Zaubertrank (das sind Rezepte!). Eine groß angelegte Rettungsaktion sorgt für Spannung, denn der Käfig, in dem Gargamel den Schlumpf gefangen hält, ist nicht eben leicht zu knacken. Der Titel Der fliegende Schlumpf spricht thematisch für sich. Aktion wird hier groß geschrieben, wenn der Schlumpf auf Biegen und Brechen versucht abzuheben.

Die Schlümpfe verkörpern ein perfektes Rezept für Spaß im Comic: Sie sind klein, knuffig und sie sind viele. Ihre weiteren Mutationen, Schlümpfe mit besonderem Aussehen und Fähigkeiten, sorgten für stets neue Ideen. Ihre Konstruktion, der Aufbau des Körpers (kleine Hände, große Füße, Stummelschwanz), der runde Kopf (mit Segelohren, großen Augen und Knubbelnase) mit der sockenförmigen Mütze obenauf, ist einfach, aber auch einfach gelungen. Wer vergleicht, frühere Darstellungen mit heutigen Zeichnungen, wird eine Modernisierung feststellen, leichte Verschiebungen in den Proportionen (das Verhältnis von Hand und Fuß fällt nicht mehr so unterschiedlich aus).

Die Kolorierung wie auch die Anlage der Hintergründe ist schlicht, traditionell sollte man sagen, denn mehr braucht es auch nicht, um die Geschichten zu erzählen. Was die Schlümpfe hier vormachen, findet sich mitunter heute noch modernen Cartoons. Die hier vorgestellte Erzählweise funktioniert noch immer, doch so schön schaffen es nur die wenigsten.

Spaß für die Jüngeren sollte Spaß für die ganze Familie sein. Und das ist es auch hier. Niedlich geschlumpft, seitenweise für Schlumpfer gut. 🙂

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Freitag, 25. Februar 2011

Valerian & Veronique Gesamtausgabe 1

Filed under: SciFi — Michael um 14:58

Valerian und Veronique Gesamtausgabe 11986. Die Natur erobert sich New York zurück. Die Straßen stehen meterhoch unter Wasser. Stürme peitschen die See unablässig gegen die Stadtgrenzen. Vögel nisten in Wolkenkratzern, Pflanzen wuchern aus zerbrochenen Fenstern. Valerian, der auf der Jagd nach einem unerlaubten Zeitspringer in dieser Epoche landet, ist schockiert. Damit hat er nicht gerechnet, auch hat ihn niemand vorgewarnt. Schlimmer noch: Kaum hat er sich einen Überblick verschafft, stürzt die Freiheitsstatue, auf der er steht, in sich zusammen. Valerian treibt in den Wellen, dem Tode durch Ertrinken nahe, als ein Schiff sich zu ihm heranarbeitet und die Besatzung ihn aus dem Wasser fischt.

Es beginnt in der Vergangenheit der Erde und endet weit draußen im All. Erfolgsgeschichten im Bereich Comic gibt es, in dieser Langlebigkeit sind sie selten. Nach Abschluss der Reihe liegt nun Band 1 der Gesamtausgabe vor, chronologisch sortiert. Zu Beginn war Valerian noch alleine auf seinen Missionen im Dienst des Raum-Zeit-Service unterwegs. Es gilt zu verhindern, dass Ganoven in den Zeitstrang eingreifen und Änderungen herbeiführen, gewollte wie ungewollte. Einem solchen Unhold folgt Valerian ins Jahr 1000.

Zu Beginn haben Jean-Claude Mezieres (Zeichner) und Pierre Christin (Autor) ihrer Geschichte deutlich lustigere Komponenten beigefügt. Der Auftakt war mehr funny, eher komödiantisch ausgelegt. Das Zusammentreffen von Zukunft und Mittelalter bot genügend Reibungspunkte, um frisch von Leber weg zu erzählen und für den Helden genügend Stolpersteine bereitzuhalten. Aber Valerian sollte nicht alleine bleiben. Ausgerechnet im Mittelalter trifft der Held auf Veronique, die ihn fortan begleiten sollte. Das leicht erzählte erste Abenteuer Schlechte Träume, war schön, machte Spaß, aber erst mit dem zweiten und dritten Band nahm die Reihe richtig Fahrt auf.

Die Stadt der tosenden Wasser vermischt Bekanntes (New York) mit apokalyptischer Szenerie (New York unter Wasser) und phantastischer Handlung. Nach wie vor ist Valerian dem Gauner aus der ersten Episode auf der Spur, die Handlung ist immer noch an ein jugendliches Publikum gerichtet und doch findet sich die in 60er und 70er Jahren mal mehr, mal weniger aufschäumende Weltuntergangsstimmung in der Geschichte. Den wirklichen Sprung zu wahrer Phantastik und vollendeter Eigenkreation schaffte die Serie mit dem dritten Band Im Reich der tausend Planeten. Ab diesem Band war alles möglich.

Hatte es bereits einen kleinen grafische Sprung von Band 1 zu Band 2 gegeben, so wurde die Verniedlichung der Charaktere im dritten Abenteuer noch weiter zurückgeschraubt. Diese, im Gegensatz, Verernstlichung tat der Serie unglaublich gut, im wahrsten Sinne des Wortes. Der leichte Strich von Jean-Claude Mezieres kreiert ein völlig unverkrampftes fremdes Universum, bunt, schnell, unheimlich, schön, bombastisch, rasant und einfallsreich. Was Mezieres hier zeigt, lag damals in dieser Masse noch nicht vor wie heute. Es war ein wenig mutig, die Fantasie so fließen zu lassen und Welten derart lebendig vor Augen zu führen und stellte auch einen Sprung weg von Abenteuern älterer Machart in dieser Richtung dar (so z.B. Flash Gordon).

Humor und Anspielungen sind Trumpf in der Reihe. Bereits in der zweiten Folge erinnert der Wissenschaftler Schroeder äußerlich an Jerry Lewis in seiner Rolle als verrückter Professor. Interessanterweise nahm die Reihe auch Ideen und Kostüme vorweg (wie das im redaktionellen Teil sehr schön ausgeführt wird), die später einem viel größeren Publikum im Rahmen einer Kintopp-Space-Opera bekannt wurden.

Ein Comic-Science-Fiction-Klassiker in einer Gesamtausgabe, immer noch jung und frisch, obwohl die Reihe zuallererst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgelegt wurde. Valerian und Veronique wurden mit großem Spaß am Erzählen zu Papier gebracht, ein Spaß, der sich komplett auf den Leser überträgt. Klasse! 🙂

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Mittwoch, 23. Februar 2011

Die Gefährten der Dämmerung 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:37

Die Gefährten der Dämmerung 3 - Das Fest der NarrenDas Mönchlein hat Mariottes Aufmerksamkeit geweckt, doch noch verweigert sich der junge Mann standhaft gegen die Verführungsattacken der nicht minder jungen, aber weitaus erfahrenen Frau. Es ist eine der wenigen heiteren Begebenheiten in diesen Tagen, in denen Wölfe ihr Unwesen treiben und die Menschen mit Furcht in die Nacht hinausblicken. Jacot hat seine Erfahrungen mit Wölfen. Er vertraut Mariotte eine Theorie an: Nicht nur Wölfe können dem Menschen gefährlich werden, sondern auch der menschgewordene Wolf. Der Werwolf. Nach einem furchtbaren Zwischenfall muss er Mariotte ein Versprechen abgeben, nämlich das Monster zu töten. Und Jacot, den das Schicksal so hart traf, willigt ein.

Man mag annehmen, Francois Bourgeon habe mit den beiden ersten Teilen der Trilogie lediglich Anlauf genommen, denn was er hier zeigt, ist eines der besten Mittelalterabenteuer und kann längst als Klassiker betrachtet werden. Mit satten 141 Seiten skizziert Bourgeon auf bombastische Weise ein mittelalterliches Abenteuer vor einer grandiosen Kulisse und zeigt die Epoche mit all ihren furchtbaren, schmutzigen, aber auch heiteren Facetten.

Wieder zieht Bourgeon Legenden hinzu, die Geschichten in dieser Geschichte, ein Form damaliger Unterhaltung, als aus Gerüchten schnell Mythen wurden. Der Ort der Handlung, das beschauliche Montroy, hat reichlich davon zu bieten, angefangen bei der alles überragenden Burg, deren felsiger Untergrund blutrot verfärbt ist. Ob nun vom Blute Hingerichteter oder vom Eisen, das den Berg durchzieht, mag der Betrachter für sich selbst entscheiden. Zu jener von Bourgeon geschilderten Zeit ist erstere Variante aber eher für gespannte Zuhörer geeignet, die fürchterliche Legende als Soap des Mittelalters.

Francois Bourgeon erschafft ein Miniaturabbild des Mittelalters mit weiteren kleinen Zellen und Szenen, die der gesamten Geschichte eine enorme Lebendigkeit verleihen. Straßenszenen, Belustigung, Häuser, Gassen, Klöster und Mönche, Gasthäuser, abendliches Treiben, ländliche Umgebung, Bären, sogar Werwölfe bereichern die Handlung, höchst dramatisch, anrührend und von Anfang bis Ende von einer sehr realistischen Gestaltung. Bourgeon entwirft seine Charaktere bis ins kleinste Detail. Klein ist hier auch wörtlich zu verstehen. Bourgeon nutzt einerseits den ihm zur Verfügung stehenden Platz mit vielen Einzelbildern auf einer Seite weitestgehend aus, während auf anderen Seiten (vornehmlich zu Beginn eines Kapitels oder zum Ende) fast eine seitenfüllende Darstellung gewählt wird.

Drama: Was wird aus dem Ritter, seinem Knappen und der jungen Begleiterin? Das Drama ist schleichend. Liebe entsteht und wächst. Verantwortungen, tragische Verwicklungen, Anicet, der Knappe, wächst sogar über sich hinaus. In diesem Mammut-Comic-Band, der auch die Bezeichnung Roman verdient, einen Vergleich von seiner Komplexität und Intensität mit Werken wie Der Name der Rose standhalten kann, knüpft Bourgeon all jene losen Ende zusammen, die er im ersten Band entwirrte und im zweiten Teil ein wenig außen vor ließ. Mit einem feinen Fingerspitzengefühl für Dramatik werden neue Charaktere eingeführt und finden Szenen statt, die bezeichnend für die Grobheit und Herzlosigkeit jener Tage waren.

Die Jahreszeit spielt mit: Im Herbst beginnt es mit all seiner Tristheit, um dann in die gnadenlose weiße und dunkle Kälte des Winters überzuwechseln. Das Spiel mit dem Winter, wenn der Schnee die Landschaft zudeckt und verformt, ist schon oft ein beliebtes Motiv von Künstlern gewesen, ist es doch ein natürliches Element der Verfremdung. Auch Francois Bourgeon weiß den Schnee elegant zu nutzen. Einerseits lässt er die Umgebung unheimlicher erscheinen, andererseits lassen sich vor dem Schnee Prachtgewänder und Rüstungen besser inszenieren, ist der Kontrast zu den warmen Farben der Innenräume größer. Trostlosigkeit wechselt sich mit Herrlichkeit ab.

Nicht nur ein Comic-Meisterwerk, auch ein gelungener und spannender Comic-Roman, vielschichtig, mit einem tiefen Einblick in mittelalterliches Leben und Alltag, Sitten und Gebräuche. Mit dem dritten Teil der Trilogie hat sich Francois Bourgeon selbst übertroffen. 🙂

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Dienstag, 22. Februar 2011

Die Gefährten der Dämmerung 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:52

Die Gefährten der Dämmerung 2 - Die drei Augen der Blaugrünen StadtDie drei Gefährten werden für Plünderer und Mörder gehalten. Für die Bauern, die schon sämtliches Übel über sich ergehen lassen mussten, ist das Ende der Geduld erreicht. Sie wollen sich wehren und verlangen Rache. Da kommen der Ritter, die junge Mariotte und der ebenso junge Knappe Anicet gerade recht. Man sucht das Weite. Leider sieht Anicet hier seine Gelegenheit gekommen, um Mariotte loszuwerden. Bevor sie hinter ihm aufsitzen kann, ist er schon hinter dem Ritter her. Als dieser merkt, was geschehen ist, ist es bereits zu spät. Mariotte ist in den Händen der wütenden Menge und muss um ihr Leben fürchten. Der Adelige, der sich die rachsüchtige Meute anhört und entscheiden soll, ist ihr leider keine Hilfe.

Ritterlich, verwunschene Zeit, wenn Epochen sich überlagern und Schicksale verschmelzen. Mitunter ist der Leser aufgefordert, aufzupassen, wenn Francois Bourgeon seine Gefährten der Dämmerung ins Abenteuer schickt, denn im Zwielicht wird die Fantasie geboren, wenn das Auge die Dinge nicht mehr richtig wahrnehmen kann und der Geist das Gesehen ergänzt. Dieser Eindruck zieht sich durch die gesamte Geschichte. Dyarden, Duhren, Duhrten, Dymannen … Die Unheimlichen, die zunächst nur mit Furcht in der Stimme genannt werden, haben viele Bezeichnungen. Doch ganz gleich wie sie genannt werden, mit ihnen hat Bourgeon Kreaturen in Szene gesetzt, die sich hinter einem Umhang verbergen und entgegen ihrer geringen Größe in hohem Maße gefährlich sind.

Die beiden Erzählebenen, jene des Mittelalters wie auch zur Zeit römischer Herrschaft (wie sich an einem Bild klar ersehen lässt), vermischen sich schließlich stark. Bourgeon erzählt, er erklärt nicht. So ist nicht jeder Sprung von Zeitebene zu Zeitebene sofort ersichtlich, zeitweilige Verwirrung kann folgen. Die drei Augen der Blaugrünen Stadt (ein wirklich rätselhafter Titel) gehört zu den Comics, die getrost mehrmals hintereinander gelesen werden können, bis sich alles erschließt. Die Handlung lebt sehr stark von ihrer Atmosphäre, auf die Bourgeon vielleicht mehr Wert gelegt hat, als auf eine schnellere Handlung. In die Handlung eintauchen ist hier beinahe wörtlich zu nehmen.

Optisch treten alte Bekannte auf: Kobolde. Nachdem sie in der ersten Folge der Trilogie den Teil darstellten, von dem nicht ersichtlich war, ob es sich um einen Traum handelte oder nicht (dem Leser war es am Ende klar), erscheinen die Kobolde hier so gleich als Freunde und Weggefährten. Die Dhuarden (eine weitere Schreibweise) sind ihr gruseliges Gegenstück, auch monströs, gierig, brutal, häßlich. Bourgeon lässt die drei Weggefährten, Mariotte, Anicet und den Ritter hier selbst zu Legenden werden, während sie noch die Legende erleben. Grafisch erschafft Bourgeon traumartige Gebilde und erzählt (besonders in der zweiten Hälfte) dazu eher ablenkend als unterstützend.

Die Bilder sind anfangs noch hell, später werden sie düsterer und dichter. Stets wirken sie zerbrechlich durch den feinen Strich, mit dem Bourgeon sehr klein arbeitet und bereits durch die Tusche sehr sorgfältige und schöne Bilder abliefert. Durch die aquarellartige Kolorierung kommen noch mehr Emotionen hinzu, anfangs freundlich, später ein graugrüner Alptraum, der schließlich rot platzt und sich in ein wieder freundliches, morgendliches Szenario wandelt.

Durch die Augen von Mariotte: Gerade ist sie noch auf der Flucht, da entdeckt sie das Meer mit großen, kindlich blickenden Augen. Mittels dieser Szene lässt sich der Rest der Geschichte besser verstehen, der sich am besten aus einer absolut neugierigen Perspektive schauen lässt. Denn hinter allem Grauen steckt auch ein Funke Schönheit, wie Bourgeon mit seiner Gestaltung der Blaugrünen Stadt beweist.

Keine leichte Kost, sehr düster, einfallsreich, angesichts des ersten und dritten Bandes mehr ein Übergang, der sehr stark auf Atmosphäre setzt. Für Fans unheimlicher Comics empfehlenswert, die Kenntnis des ersten Teils vorausgesetzt. 🙂

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Die weiße Tigerin 7

Filed under: Cartoon — Michael um 16:17

Die weiße Tigerin 7 - Paris sehen und sterbenDie Spur führt nach Paris. Während die normalen Bürger schlafen, solche, die nicht einer geheimdienstlichen Tätigkeit nachgehen, ist die Arbeit für Alix und ihren französischen Partner Rosseau in vollem Gange. Der Verfolgte lässt nichts unversucht, damit er und seine Unterlagen, die er in einer schlichten Aktentasche mit sich führt, entkommen können. An diesem Tag ist Alix das Glück nicht hold. Bei einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd durch das erwachende Paris geschieht das Unerwartete …

Dabei hatte drei Wochen zuvor in Tokio alles routiniert begonnen. Alix wurde in die Suche nach dem Kriegsschatz der Japaner eingebunden. Mit stoischer Ruhe nahm sie an den Ermittlungen der Amerikaner teil. Als sich schließlich eine handfeste Spur herauskristallisierte, machte sie sich zusammen mit Rousseau auf den Weg. Da begannen die Schwierigkeiten erst so richtig …

Conrad und Wilbur schließen die Reihe um die weiße Tigerin ab: Paris sehen und sterben. Die weiße Tigerin, Alix Yin Fu, hat nun endgültig das Ende ihrer Ausbildung erreicht. Mehrmals wurde ihr nach dem Leben getrachtet, sie wurde verraten und Freunde sind selten, lebende Freunde noch seltener, aber so ist nun einmal das Agentengeschäft in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Beide Comic-Macher haben diese Abschlussgeschichte zusammen entworfen. Dabei finden sie eine gelungene Mixtur aus Agentenhatz, Schatzjagd und ein wenig LOST.

Conrad und Wilbur nutzen die Technik eines Vorausblicks, um gleich darauf in die Vergangenheit zurückzueilen und zu zeigen, wie es dazu kommen konnte. Vom städtischen Flair eines Nachkriegs-Paris geht es in ein mit Trümmern übersätes Tokio und von dort auf eine Insel, wo sich der Aufenthalt von Alix und Rousseau zu einem wahren Alptraum auswächst. Hier haben sich die beiden Autoren einiges einfallen lassen. Wieder gilt: Man sollte sich von Conrads beschwingten cartoonähnlichen Bildern nicht täuschen lassen. Hier geht es beinhart zur Sache. Hinter den Kulissen ist es gewalttätig und manchmal auch pervers. Spannung, Spaß und leichter Grusel sind hier garantiert.

Je größer, je besser: Wenn Conrad sich so richtig auf einer Seite auslassen kann, kommen atmosphärische Schmuckstücke zum Vorschein. Seine ganzseitigen Bilder von Tokio und Shanghai wie auch der Insel sind perfekte Einstiege in die jeweiligen Handlungssequenzen. Der Tuschestrich ist schnell und organisch ausgeführt. Farbe durfte hier ein wenig laufen. Dadurch sind starke Bilder entstanden, aus alter Schule, als die Zeichner der Tusche noch erlaubten, auszureißen. Das findet sich nicht mehr so oft. Der Eindruck ist künstlerischer, offener. Diese Art zu zeichnen passt zur gezeigten Zeitperiode und zur Rasanz vieler Szenen, denn Conrad hat Verfolgungsjagden, Feuergefechte, Zweikämpfe zu gestalten.

Julien Lois folgt der kräftigen Strichführung mit einer ausgewogenen Farbmischung einer zurückhaltenden Palette und knalligen Farben. Rot und Orange ziehen beispielsweise die Aufmerksamkeit auf sich. Ein roter Citroen 15 CV, Alix in orangefarbener Kluft vor dschungelartiger Kulisse. Stets ist Alix ein Farbtupfer, ein Mittelpunkt des Geschehens. Es findet keine Überkolorierung statt, sondern immer nur so viel, wie es braucht, um filmisch zum nächsten Bild überzuwechseln.

Ein schöner und überaus spannender Serienabschluss. Für die weiße Tigerin, im Team mit dem dreifarbigen Drachen Rousseau würde man sich noch einen weiteren Zyklus wünschen. Doch so muss vorerst gesagt werden: Schade, dass es vorbei ist. 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.

Link: Die weiße Tigerin 1 online lesen

Montag, 21. Februar 2011

THE ROCKETEER

Filed under: Superhelden — Michael um 16:18

THE ROCKETEERDie Gangster haben es eilig. Das verschlossene Tor des Flughafens hält sie nicht auf. Ihr Wagen prescht hindurch. Viel Zeit bleibt ihnen nicht, um sich zu orientieren, denn die Polizei ist ihnen dicht auf den Fersen. Doch das Päckchen, das sie bei sich haben, dürfen die Cops auf keinen Fall finden. Das ausgesuchte Versteck ist allerdings alles andere als geschickt gewählt. Die Polizisten nehmen an, die Gangster hätten mittels des Flugzeugs fliehen wollen, aber in der Maschine, die einem jungen Piloten namens Cliff Secord gehört, wird lediglich ein Päckchen untergebracht. Cliff, der die Beute kurz darauf findet, denkt gar nicht daran, den rechtmäßigen Besitzer des Päckchens zu finden. Im Gegenteil: Sehr schnell erkennt er die Möglichkeiten und beschließt diese unverhoffte Gabe zu nutzen.

Dave Stevens hat eine wunderbare Comic-Arbeit hinterlassen. Einerseits eine feine Superheldengeschichte, die bis auf das letzte I-Tüpfelchen durchdacht und gestaltet ist, andererseits eine ebenso gleichwertige Hommage an die Abenteuer der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts. In dieser Zeitspanne ist vieles nicht mehr ganz so neu, aber immer noch aufregend. Autos und Flugzeuge haben einen bestimmten technischen Standard erreicht, so dass aus heutiger Sicht ein wenig verwunschen aussehen. Und so falsch ist dieser Eindruck nicht, denn mit dem Rocketeer setzt sich dieser Eindruck fort. Wirkt die Kleidung wie die modische Fortführung eines Cowboys, ist der Schutzhelm eine Verbeugung vor alten Rittertopfhelmen.

Diese sehr genauen Gestaltungen ziehen sich durch den kompletten Auftritt des Rocketeer (man bemerke auch die Parallele zum Musketeer). Jede einzelne Figur wie Cliff Secord (der Mann hinter dem Rocketeer), seine Freundin Betty, sein Kumpel Peevy bis hin zu den gemeinen Kerlen wie Marco oder später Jonas und Lothar haben ihr individuelles und unverwechselbares Äußeres erhalten. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Dave Stevens liebt die theatralische Einstellung, wie sie auch die Filme jener Zeit zeigten, schwarzweiß natürlich, immer noch inspiriert vom Stummfilm, als die Mimik stärker, die Augen größer und die Gestik ausgreifender war.

Der erste Teil des Rocketeer lässt sich nicht nur auf die einzelnen Kapitel, in die Dave Stevens seine Geschichte unterteilte, herunterbrechen. Vielmehr ist jede einzelne ähnlich penibel gestaltet und konstruiert, wie es auch die Bilder sind. Häufig findet sich mit dem letzten Bild einer Seite ein Mini-Cliffhanger oder wenigstens ein noch mehr Spannung versprechender Übergang: Ein Wagen schießt über einen Abhang, die Düse des Raketenrucksacks versagt mitten in der Luft oder die Gesichtsausdrücke der beiden Männer kurz vor dem berühmten WOW-Bild. Das sind nur ein paar wenige Beispiele für den durchgängig anziehenden Aufbau der Handlung, wie sie sich auch im zweiten Teil, nämlich Cliffs Abenteuer in New York. wiederfindet.

Dominieren in der ersten Hälfte Szenen auf dem Flughafen, in der Luft und ist das Szenario insgesamt heller, so ist das Abenteuer in New York dunkler. Dave Stevens entführt den Leser in Nachtclubs, Varietes und natürlich in die Luft. Das Szenario hier ist dichter, auch unheimlicher und durch die Einflüsse der Theaterszenerie auch amüsanter. Dank der neuen Farbgebung von Laura Martin strahlen die Bilder wie nach einer schönen Restaurierung. Angesichts der Perfektion, mit der Stevens seine Bilder bereits in Schwarzweiß anlegte, hätte ihn diese plastische Kolorierung vermutlich begeistern können. Der durchweg tolle Eindruck des Gesamtausgabe des Rocketeers wird durch die gesammelten Titelbilder zum Rocketeer und den redaktionellen Teil perfekt.

Ein Comic-Kleinod: Wunderschön illustriert, mit viel Sinn für Humor und Spannung im Stile rasanter Abenteuer der 30er und 40er Jahre erzählt. Perfekte Unterhaltung. 🙂

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Dienstag, 15. Februar 2011

Der tönerne Thron 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 14:09

Der tönerne Thron 1 - Der Ritter mit der AxtFrankreich ist in Gefahr. Burgund, verbündet mit dem englischen Thron, will das Reich an sich reißen. Die Truppen bestürmen Paris. Wenn die Burgunder den König wie auch den Thronfolger fangen können, wäre die Machtergreifung nur eine Frage der Zeit. Sehr kurzer Zeit. Denn der König von Frankreich ist psychisch erkrankt und häufig nicht mehr Herr seiner Sinne. Trotzdem sind tapfere Männer bereit, für diesen König, seinen Sohn und ihr Frankreich einzustehen, mit dem Leben, sollte es notwendig sein. Zu ihrem Leidwesen ist es notwendig. Sehr bald schon bestürmen die Burgunder Paris von allen Seiten und besetzen strategisch wichtige Punkte. Es bleibt nur die Flucht, doch der Feind ist nicht gewillt, auch nur einen königstreuen Mann aus Paris entkommen zu lassen. Ein wilder Kampf entbrennt.

Nicolas Jarry und France Richemond haben sich einer französischen Epoche angenommen, die aus heutiger Sicht von Kriegszügen, Intrigen und Schlachten nur so wimmelt. Es ist eine Art französischer Rosenkrieg, in dem England seine Hand nach Frankreich ausstreckt, in einer Zeit, in der die beiden Länder noch enger miteinander verbunden waren. Der Leser erlebt den Einstieg in die Handlung im Jahre 1418, als die Konflikte bereits seit Jahrzehnten andauern. Im Zentrum des geschilderten Geschehens steht Tanneguy du Chatel, ein dem Königshaus treu ergebener Ritter und Vogt von Paris.

Zu Beginn der Handlung zieht sich die Schlinge um Paris bereits zu. Zwei mögliche Thronfolger wurden bereits umgebracht. Charles, Sohn von Charles VI. ist als einziger übrig, der den mittlerweile dem Wahnsinn anheim gefallenen König beerben könnte. Theo, der Zeichner des vorliegenden Historienabenteuers, der sich mit diesem Werk in die erste Garde der Comic-Künstler malt, macht aus Tanneguy einen gestrengen und disziplinierten Recken, der in seinem Handwerk aufgeht.

Dieses Handwerk zeigt sich allzu bald in sorgfältig inszenierten, auch choreografierten Kämpfen innerhalb und außerhalb von Paris. Keiner vermag wohl zu sagen, was im Einzelnen in den Kriegswirren vonstatten ging, wer sich wann wie genau verhielt. Diese Lücken werden mit aller Dramatik gefüllt, die sich aus den historischen Vorgaben ergibt. Ein verzweifelter Ausfall, Verfolgungsjagden, ein Ablenkungsmanöver und vieles mehr werden so realistisch und hautnah bebildert, so dass ein sehr lebendiges Szenario entsteht. Stadtansichten und Landschaften, Rüstungen und intrigante Zusammenkünfte nehmen Motive alter Meister und setzen sie in einer Comicvisualisierung um. Theo zeichnet mit einer ungeheuren Brillanz und hohem technischen Geschick.

Farblich entsteht (trotz der tageszeitlichen Wechsel) der Eindruck, als stünde ein Sonnenuntergang nach einem heißen Tag kurz bevor. Kühle geben nur die Szenen innerhalb von Gewölben. Lorenzo Pieri verabreicht den Bildern von Theo eine leicht unirdische Atmosphäre, in der immer die richtigen Lichtverhältnisse zum dramatischen Szenario passen.

Ein tolles historisches Szenario, das alles bereithält, was ein Drama benötigt, ein Monumentalfilm auf Papier. Sehr schön erzählt, noch besser gezeichnet von Theo.

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Montag, 14. Februar 2011

Reisende im Wind 4

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:01

Reisende im Wind 4 - Die Stunde der SchlangeIsabeau de Marnaye muss sich nicht nur gegen die Männer in ihrer Begleitung behaupten. Eine Frau gilt in Afrika nicht viel und zu sagen hat sie gar nichts. Umso größer sind die Befürchtungen ihrer weißen Begleiter, Isabeau könnte bei dem bevorstehenden Besuch eines leibhaftigen Königs etwas Falsches sagen und so Katastrophe auslösen.

Francois Bourgeon erzählt vordergründig ein historisches Abenteuer. Mehr als nur zwischen den Zeilen ist gehörige Kritik an den damaligen Zuständen ablesbar. Der Sklavenhandel wäre nicht möglich gewesen, hätte es auf dem afrikanischen Kontinent nicht Formen des Besitzes von Menschen gegeben. Die Hierarchien waren steiler, als es der Europäer zu dieser Zeit noch kannte. Ein Menschenleben war dort wie auch später an Bord des Sklavenhändlerschiffes nichts wert. Menschen gingen verloren, sprangen aus Stolz lieber den Haien vor die Fänge. Andere wurden verschenkt und sind doch nur als Witz gegenüber dem Beschenkten gedacht, der eine alte, vollkommen unterernährte Frau bekommt.

In dieses Szenario schickt Francois Bourgeon eine junge, im besten Sinne emanzipierte Frau, den Männern um sie herum eher unschicklich, aber nicht zu bändigen. Isabeau de Marnaye ist nicht die einzige, die ungewöhnliche Situationen erlebt. Auch die Charaktere, die ihr zur Seite gestellt sind, können durchweg überzeugen. Spannende und abenteuerliche Szenen wie ein Schießwettstreit (auch thematisch bereits auf dem Titelbild zu erkennen), der Angriff eines Löwen lösen sich mit Absurditäten ab. Dieser entstammen entweder der vorherrschenden Kultur und sind von einem Europäer nicht zu begreifen oder es sind die Europäer selbst, die wie in hier an einem Duell anzusehen, durch blanken Wahnsinn in den Tod gehen.

Francois Bourgeon setzt seine Geschichte aus vielen Einzeldramen zusammen. Er schickt seinen Leser in ein Wechselbad der Gefühle. Er reißt mit, erweckt Mitleid, auch Abscheu, schafft Freude und ist ein im besten Sinne vorbildlicher Autor im Bereich Graphic Novel. Denn seine Bilder entstehen auf die gleiche penible Art. Jede Seite folgt einem durchdachten Aufbau. Es gibt keine Experimente. Der Leser soll der Handlung gut folgen können, mit der nötigen Geschwindigkeit der Handlung folgen. Die Gewichtung zwischen Handlung, Bild und Dialog stimmt einfach.

Bourgeon zeigt ein buntes Afrika, aber kein farbenprächtiges. Es ist kein Afrika, das mit einer Safari-Romantik aufwarten kann. Das Leben dort ist beschwerlich, die Wege sind beschwerlich, Natur, Tiere und der Mensch sorgen für ständige Gefahren. Die Schluchten sind tief, es ist heiß, auch dreckig, aber eines ebenfalls: Geheimnisvoll. Bourgeon zeigt die unangenehmen wie auch die unerklärlichen Seiten Afrikas jener Tage, jene Seiten, die Afrika aus europäischer Sicht so fremdartig machten. Grafisch macht er dies mit der ihm eigenen Perfektion, die sich nicht nur in der Ausstattung niederschlägt oder auch später den gezeigten Schiffen (für die er ein Faible zu haben scheint), er macht überdies Afrika zu einem Darsteller.

Zeitweilig arbeitet er je nach Bildanteil reduziert mit dieser leichten aquarellartigen Kolorierung, die durch den Tuschestrich eingezäunt wird. So führt er den Blick des Betrachters über das Bild und letztlich über die gesamte Seite.

Ein sehr schöner, weil spannender und interessanter Teil der Reihe, wunderbar gestaltet, mit einer sich zuspitzenden Handlung. Ein moderner Klassiker. 🙂

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Freitag, 11. Februar 2011

X-Men: First Class

Filed under: Comics im Film — Michael um 11:06

X-Men: First ClassEndlich gibt es wieder X-Men zu bestaunen. Nachdem Wolverine in die Vergangenheit vor die erste X-Men-Trilogie führte, geht es mit der Thematik der First Class ähnlich weit zurück. Alle dem Zuschauer bekannten Mutanten (das betrifft weniger den Comic-Leser) sind jünger, entsprechend neu besetzt. Es ist eine Zeit, als Charles Xavier und Erik Lehnsherr noch Freunde waren. Der spätere Professor X und Magneto werden in einer Zeit gezeigt, die aus heutiger Sicht eine Welt darstellt, die am Rande des Abgrunds, sprich des Atomkriegs stand. Die berühmten 13 Tage zwingen die X-Men zum Eingreifen.

Für den Comic-Fan bedeutet das aber auch, Mutanten wie Emma Frost, Beast und Havok auf der Leinwand zu sehen. Es gibt außerdem ein Wiedersehen mit Mystique und Bösewicht Sebastian Shaw (gespielt von Kevin Bacon) betritt die Bühne. Mit James McAvoy (als Xavier, Comic-Fans bekannt aus WANTED) und Michael Fassbender (als Lehnsherr, hier in Inglourious Basterds aufgefallen) sind die beiden späteren Gegenspieler charakterstark besetzt.

Die Action und die Tricktechnik scheinen bei all dem auch nicht zu kurz zu kommen. Der Trailer macht jedenfalls Lust auf mehr. Trailer: X-Men: First Class