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Comic Blog


Samstag, 15. August 2009

Die weiße Tigerin 4 – Raubkatze auf dem Dach

Filed under: Cartoon — Michael um 20:15

Die weiße Tigerin 4 - Raubkatze auf dem DachFür Alix Yin Fu, die einiges durchmachen musste, um eine weiße Tigerin zu werden, eine Agentin im Dienste ihres Volkes, hat sich so manches verändert. Kurz zuvor waren die Einteilungen noch völlig klar. Nun stehen sich im Reich der Mitte zwei rivalisierende Gruppen gegenüber. Auch Alix muss sich nun entscheiden. Folgt sie dem Weg von Mao oder reiht sie sich hinter Chiang Kai-chek ein. Der chinesische General Tai Li nimmt Alix mehr oder minder die Entscheidung ab. Sein Flugzeug fällt hoch über Shanghai einem Attentat zum Opfer. Aber ist der General wirklich tot?

An der Seite ihres Mentors fällt die Seitenwahl nicht schwer. Ihr Auftrag in Shanghai fällt unter jene Kategorie, in der sich Alix immer ein wenig sträubt: Eine andere weiße Tigerin hat versagt. Und für Versangen gibt es nur eine Strafe, nämlich den Tod. Alix macht sich auf zur Erfüllung ihres Auftrages. Plötzlich – es war nur eine Frage der Zeit, da einige Protagonisten zwar kaltschnäuzig sind, aber auch eine große Klappe haben – begegnet sie einem bereits tot geglaubten General.

Der Tiger aus dem fernen Land kann den heimischen Wurm nicht besiegen.

China, das Land der Sprücheklopfer, im positiven Sinn gesagt, dort, wo die Weisheit ihre Geburtsstätte hat, ist hinter den Kulissen zu einem Kampfplatz geworden. Nationalisten unter Chiang Kai-chek ringen mit den Kommunisten unter Mao Zedong um die Macht. Inmitten dieser Auseinandersetzungen geht Alix Yin Fu weiter ihrer Tätigkeit nach: Sie ist eine weiße Tigerin, eine Agentin und nur der Tigerin Oberin verpflichtet. Alix, eine Perle ihres Landes, führt außerdem ihre Ausbildung fort. An der Seite ihres Mentors, Ji Hui lernt sie den Einsatz der 99 erlesenen Druckpunkte.

Alix, deren Abenteuer hier von Wilbur getextet wird, schaut immer ein wenig neugierig in die Welt. Alles ist stets neu. Sie saugt die Erfahrungen auf, ist wissbegierig, aber nimmt sich auch zurück, besitzt trotzdem Stolz, Energie und Tatkraft. Sie ist, wenn man dieses und die bisherigen Abenteuer genau betrachtet, ein Werkzeug mit eigenem Willen. Bereits von Anfang an ist Alix als sehr ernste (und ernsthaft handelnde) junge Frau konzipiert. Diese Geschichte weicht nicht von diesem Pfad der Ernsthaftigkeit ab. Alix gestattet (das absolut passende Wort dafür) sich nur ein einziges Mal ein kleines Lächeln.

Wenn der Finger auf den Mond zeigt, betrachtet der Narr den Finger.

Wenn Alix die Vernünftige ist, dann ist die Welt um sie herum wahnsinnig. Wilbur setzt diesen Grundgedanken fort. Wirre Ränkespiele, Eifersüchteleien um die Macht, Morde aus Spaß oder Irrsinn oder beides, eine Tigerin Oberin, die … Sind diese Ränkespiele eher ein wenig ernst, bietet chinesische Weisheit und auch Kampfkunst einen Teil des Spaßes für den Leser. Wenn Alix den ersten Druckpunkt, den Punkt des Lotus bei Sturm aus allen Himmelsrichtungen, mag man sich alles nur Erdenkbare darunter vorstellen, jedenfalls alles, was Lust und Qual gleichermaßen sein kann, wie der Schrei des unglücklichen Übungsobjektes vermuten lässt. (Immerhin hat sich die nichtasiatische Langnase freiwillig für diese Lektionen zur Verfügung gestellt. Wenn auch unter der Annahme, Alix werde ihm auf etwas andere Art zu Diensten sein. Das Mitleid des Lesers darf sich also in Grenzen halten.)

Conrad zeichnet mit einem leichten satirischen Strich. Weniger ist mehr und so schafft er es mit besonderer Kunstfertigkeit den einzelnen (wichtigen) Charakteren ein individuelles Aussehen zu verschaffen. Ganz nebenbei, so entsteht der Eindruck erschafft er die Welt von einst wieder auf Papier, eine Art Bruchstelle zwischen Vergangenheit und Moderne. Die wohl schönste Szene, die Conrad zu zeichnen hat, ist die Heimsuchung von Kang Sheng durch all die armen (oder auch weniger bemitleidenswerten) Seelen. Es dürfte sich dabei um die coolste Reaktion handeln, die ein Böesewicht je in einer solchen Situation von sich gegeben hat.

Ein feines komödiantisches Agentenabenteuer mit einer Alix, der es gelingt, nicht zwischen die Fronten zu geraten. Das neue Duo, Conrad und Wilbur, macht nahtlos dort weiter, wo Conrad noch im Alleingang zuletzt aufhörte. Weiterhin beste Unterhaltung, ein Einstieg sollte jedoch von Anfang an erfolgen, ansonsten bleiben für den Leser ein paar Fragen offen. 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.

Freitag, 14. August 2009

Sleeper 3 – Die Gretchenfrage

Filed under: Thriller — Michael um 20:23

Sleeper 3 - Die GretchenfrageHolden Carver hatte sich etwas mehr von Gretchen erwartet. Nicht die große Liebe, das beileibe nicht. Aber Respekt wäre ein Anfang gewesen. Er hat nicht damit gerechnet, dass sie ihn in dieser Form bescheißt, mit einem Typen, der sich in einen Wolf verwandeln kann. Zu seiner Überraschung ist Carver von dieser kleinen Episode betroffen. Er hat gehofft, dass sich etwas mehr, etwas besseres daraus entwickelt. Er hat sich selber getäuscht. Das beschäftigt ihn am meisten. Was er nicht ahnt: Gretchen hat ähnliche Gedanken. Ihr ist die Nähe, die sie zugelassen hat, unerträglich. Nähe bedeutet Schwäche.

Es ergeben sich neue Schwierigkeiten, die zwar nichts mit Liebe zu tun haben, dafür aber mit Hass: Holdens erster Auftraggeber John Lynch ist wieder da. Seltsamerweise ist er aus dem Koma erwacht. Zur absoluten Unzeit versucht Lynch mit seinem alten Undercover-Agenten Kontakt aufzunehmen. Längst hat Holden versucht, sich mit seiner Situation zu arrangieren. Jetzt kämpft er an zwei Fronten und es gibt niemanden, dem er noch trauen kann. Vielleicht noch nicht einmal sich selbst.

Antreten zur dritten Runde bitte: Die Kontrahenten in den einzelnen Ecken sind allesamt schon ein wenig angeschlagen, sogar Tao, das Verbrechergenie ist davon nicht ausgenommen. Er ist wahrscheinlich der intelligenteste Mensch auf dem Planeten Erde, doch seine Herkunft nagt an ihm. Als Experiment entstanden zu sein, ist nicht die beste Ausgangssituation für einen gefestigten Charakter. Er will die Welt brennen sehen. Holden Carver, die Hauptfigur von Sleeper bewegt sich mitten durch die sinnbildlichen Flammen.

Ed Brubaker (Autor) schickt seinen Helden inzwischen mit einer solchen innerlichen Verzweiflung, Resignation und stoischen Professionalität in den Ring, dass man als Leser nichts anderes denken kann als: Du arme S..! Holden Carver wird nichts geschenkt. Wer nach diversen Kinoaufenthalten dachte, dass es schon ein Jason Bourne schwer hat, dann muss leider gesagt werden, dass es ein Holden Carver schwerer hat. Brubaker hat verschiedene Handlungsstränge mittlerweile derart geschickt miteinander verwoben und treibt diese voran, so dass man als Leser (ist man einmal gefangen) sich nur schwer davon lösen kann. Wer sich hin und wieder mal über Comics mit mangelnder Komplexität beschwert, wird vielleicht sogar überfordert.

In einer Welt, in der es nicht nur die üblichen Verbrechen gibt, sondern auch noch Superhelden und Supergangster ist nicht nur alles möglich, sondern auch etwas mehr. Neben der fortschreitenden Handlung wird auch die Vergangenheit beleuchtet. Eine Figur wie Tao (skrupellos bis in die Haarwurzeln und nur auf seinen Vorteil bedacht) ist nicht nur Täter sondern auch Opfer. In die Welt gesetzt von Wissenschaftlern, stellt er plötzlich in einer Toilette einer Tankstelle fest, dass der Tumor, an den er all die Jahre glaubte, gar kein Tumor ist, vielmehr ein Überwachungssender. Wie einst Arnold Schwarzenegger in Total Recall entfernt er das gute Stück durch das Nasenloch. Brubaker entwirft hinter den Kulissen nicht den üblichen Machtkampf. Es ist ein Kampf der Egos. Fehler sollen wieder gutgemacht und die eine oder andere Rechnung beglichen werden. Mit einem Wort: Rache. An diesem Punkt ist die Geschichte weit über eine Supergangsterterrorismusbekämpfung hinaus.

Ohne einen Zeichner wie Sean Philipps wäre Sleeper zwar auch machbar gewesen, aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr denkbar. Es ist sehr gut, dass Sleeper zu den Serien gehört, die einen Stammzeichner haben, der maßgeblich dazu beiträgt dieser phantastischen Agentengeschichte ein Gesicht und eine sehr tiefreichende Atmosphäre zu verschaffen. Philipps hat nicht nur einen sehr eigenen und erkennbaren grafischen Stil entwickelt. Seine Bilder wirken einfach und trotzdem gelingen ihm sehr individuelle Charaktere. Philipps lässt sich auch nicht auf einen Strich festlegen. Da steht die ultrafeine Linie neben dem fetten Tuscheklecks und erzeugt mitunter den Gerichtszeichner-Effekt, jenes Künstlers, der im Geiste dabei war, aber es musste angesichts der Handlung auch schnell gehen und deshalb wirkt manches (bei weitem nur solche, in denen es zur Sache geht) flüchtig.

Wer ein heiter helles Agentenszenario im Stile eines Bond erwartet, wird hier vollkommen enttäuscht. Sleeper ist hier noch düsterer als sonst. Das wenige gute Tageslicht in dieser Handlung lässt sich regelrecht suchen. Nicht, dass es keine Tagesszenen geben würde, aber diese sind meist diesig, neblig oder eisig. Wenn es hell wird, sind das Mündungsfeuer, mitunter sogar von sehr großkalibrigen Waffen oder elektrische Entladungen. Hell bedeutet hier fast immer den Tod. Dank der Farben gehen Erzählatmosphäre und optische Umsetzung perfekt und harmonisch ineinander über (soweit sich letzteres Wort mit einem Thriller in Verbindung setzen lässt).

Ein Kracher: Das lässt sich spätestens mit der Lektüre dieser dritten und vorletzten Ausgabe sagen. Sleeper ist nichts für zwischendurch. Ed Brubaker wächst hier zu einer Art Robert Ludlum oder Tom Clancy heran. Brubaker schafft mit dieser Arbeit eine große Neugier auf seine weiteren Veröffentlichungen. Sean Philipps passt mit seinen Bildern genial zur Serie. (Vielleicht passt die Reihe auch besonders zu ihm.) Ein Quereinstieg ist hier schlecht möglich, deshalb ist eine Lektüre der ersten beiden Bände Pflicht. 🙂

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Donnerstag, 13. August 2009

Das goldene Jahrhundert 1 – Alphonse

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:45

Das goldene Jahrhundert 1 - AlphonseAlphonse hat echte Probleme, weil sein Leben ein ziemlicher Trümmerhaufen ist. Er nimmt sich die Freiheit, keine Freiheit zu haben. Seine Frau ist ein Hausdrachen und seine einzige Freude findet er im Alkohol. An diesem Morgen, der ebenso grauenhaft für Alphonse ist wie alle anderen auch, macht er sich wieder auf seinen gewohnten Weg, hinaus zum Gut des Ritters und seiner Familie. Alphonse beneidet sie alle. Vor allem ist er an der Tochter des Ritters interessiert. Bislang dachte Alphonse immer, das Leben eines Ritters bedeute das höchste Glück (jedenfalls im Vergleich zu seinem Leben). Das ändert sich nun schlagartig.

Als Alphonse das Anwesen des Ritters erreicht, stellt er nach einem kurzen Blick fest, dass sich drei Halsabschneider im Haus befinden und den Ritter und seine Familie bedrohen. Leider (das kann angesichts der Wendungen gar nicht oft genug gesagt werden) nimmt es weder für den Ritter noch für Alphonse eine gute Wendung, denn kurz darauf befindet er sich auf der Flucht und nichts wird für ihn jemals wieder so sein, wie es war. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so.

Simon Andriveau, Erzähler und Zeichner in Personalunion, beginnt mit einem klassischen Auftakt im wahrsten Sinne des Wortes. Klassisch ist die Epoche, beginnend im Jahre 1666, als der Sonnenkönig Ludwig XIV. an der Macht war. Man könnte auch sagen: An der Macht spielte. Alphonse befindet sich in einem Lebensabschnitt, in dem er sein Leben auswändig kennt. Da gibt es kaum etwas, das die Monotonie durchbricht. Und plötzlich, bevor der Leser sich überhaupt an diese Monotonie gewöhnen kann, er sie nur aus der Einstellung von Alphonse heraus glauben muss, passiert der große Knall. Von Jetzt auf Gleich beweist Alphonse, dass nicht nur ein gutes Herz in ihm steckt, sondern auch ein mutiger Kerl.

Sobald das Adrenalin allerdings nachlässt, wird ihm die Gefährlichkeit seiner Situation drastisch vor Augen geführt. Er kommt bei der Flucht beinahe ums Leben und steht an einem vollkommenen Neubeginn. Simon Andriveau hat einen Helden, eine Hauptfigur ins Leben gerufen, die keinerlei Grund hat, dorthin zurückzuwollen, wo sie war. Fast ist er ein einzelner Stadtmusikant: Etwas Besseres als den Tod wird Alphonse überall finden. Und so sind ausgerechnet jene, die von der sogenannten Gesellschaft verachtet werden und ausgestoßen sind, zunächst eine neue Familie.

Abseits des offensichtlichen Abenteuers, mehr am Rande, aber nicht unwichtig, da hier die Ursachen für das neue Leben von Alphonse zu finden sind, wird eine Intrige gesponnen. Diese Art der Geheimnisse wird jenen vertraut sein, die sich mit den Geschichten von Alexandre Dumas (dem Älteren) einen schönen Leseabend gemacht haben. So zitiert Simon Andriveau hier ein wenig den Mann mit der eisernen Maske. Ein von Geheimnissen umgebener Mann darf sein Gesicht nicht zeigen, wird versteckt und bewacht, aber nicht grundsätzlich beschützt. Wie so oft in solchen Fällen (Geschichten) reichen die Geheimnisse bis in die höchsten Höhen der Monarchie und können eben diese bei einer Veröffentlichung stürzen.

Das ist auf jeder Ebene äußerst spannend, auch, da Andriveau einen sehr lebendigen Zeichenstil pflegt, seinen Protagonisten jeweils ein charakterstarkes Gesicht mit auf den Weg gibt. Charakterstark bedeutet aber auch, dass er Charaktere auf den ersten Blick erkennbar macht. Der Anführer der Halsabschneider, die durch ihr dilettantisches Vorgehen den Stein erst ins Rollen bringen, ist durch eine riesige Narbe quer durch das Gesicht gezeichnet. Paulo, einer der Roma, ist ein Baum von einem Mann, ein dunkelhaariger Gerard Depardieu. Nuzi ist gleich als Querulant erkennbar. Nicht nur seine Aussagen lassen darauf hindeuten, dass von ihm noch einmal Ärger ausgehen wird.

Andriveau zeichnet fett und fein. Er beherrscht den klobigen, bedeutsamen Strich in der Nahaufnahme ebenso wie die feine (bis sehr feine) Ausarbeitung in der Totalen. Der Künstler ist kein Mann der glatten Form. Da gleitet die Tusche schon ruppig über das Papier. Er ist kein Disneyist wie es ein Carlos Meglia war, eher arbeitet er im Stile eines Serge Pelle (Orbital) oder noch mehr wie eines Vincent (Albatros), ohne aber seine Figuren satirisch zu überspitzen.

Die Bilder leben von ihrer wunderbaren Ausarbeitung. Wer die Grafiken betrachtet, erkennt schnell, dass Andriveau nichts dem Zufall überlässt und auch keine Arbeit scheut. Durch das Beiwerk, vordergründige Beigaben und hintergründige Kulissen entstehen sehr tiefe Bilder. Besonders gelungen (also meistens, da hier viele Szenen spielen) sind die Begebenheiten in den Wälder und im Lager der Roma. Andriveau setzt auf matte Farben, um die wirklich leuchtenden Bestandteile wie ein kräftiges Grün der Bäume oder die knallige Mode noch besser herauszustellen.

Aufwändig und detailgetreu gestaltet, einfühlsam und mit Sinn für genau gesetzte Spannungspunkte erzählt entsteht durch Künstler und Autor Simon Andriveau ein sehr lebendiges Abenteuer in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Comic-Fans, denen es nach klassischen Erzählungen mit gut gestalteten Charakteren und einer ordentlichen Portion Action verlangt, werden hier sicher fündig. 🙂

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Space Craft – Episode 1 – Der erste Kontakt

Filed under: SciFi — Michael um 11:42

Space Craft – Episode 1 – Der erste KontaktFressen! Mehr will der gigantische Tausendfüßler nicht. Nur Fressen! Die monströse Kreatur schießt aus dem Boden vor den beiden Angliferianerinnen, die mit allem gerechnet haben, nur damit nicht. Die beiden Frauen, die sich eigentlich nur auf einer Rettungsmission befinden, sind ohne Vorwarnung in höchster Lebensgefahr. Sie müssen all ihr Können und Waffengeschick einsetzen, um lebend aus dieser Situation zu kommen. Doch das ist erst der Anfang.

Yukuleelee und Angela (Spitznamen: Yuka und Angy), elfengleich, schlank, weiblich, beruflich und privat ein Paar gehören zu einer Gruppe im endlosen All, die für Ordnung sorgt. Sie gehören keiner offiziell bestätigten Eingreiftruppe an. Ihr Volk, die Angliferianer, mischen sich ungefragt ein. Halboffiziell wird es allerdings, wenn sie wie in diesem Fall einen Notruf auffangen. Dann versteht sich Hilfe von selbst.

In bonbonbunten Bildern und einem knalligen Design schickt Konstantin Meyer seine Leser auf eine animeangehauchte Reise ins All. Alles ist irgendwie aerodynamisch, etwas vereinfacht und optisch von einer gewissen Leichtbauweise. Das Schillern einer Technisierung wie in Star Wars Episode I wurde hier noch einmal getoppt. Hier schillert alles. Meyer kann nicht verhehlen, dass er sich einer Flut von Farben und Formen in dicht gedrängter Ansammlung verschrieben hat. Meyer kleckert nicht, er klotzt. Das ist kein Nachteil, denn so ergibt sich ein regelrechtes Feuerwerk, das mit Bildern erzählen, das den (bestimmt recht jugendlichen) Leser hereinziehen will, der genauso etwas gewöhnt ist und auch erwartet.

Nach einer relativ kurzen Einführung geht es gleich zur Sache. Die beiden Heldinnen haben sich in ihre Arbeitskluft geworfen und jagen ihrem Ziel entgegen. Das hat nicht den Charme eines Captain Future, da leider die Figuren nicht ausreichend entwickelt werden (und einander auch äußerlich zu ähnlich sind), besitzt aber eine sehr aktionsgelandene Atmosphäre und steigert sich in Bahnen, die an ein Computerspiel erinnern. Aktion wird abgewechselt durch Rätsel und Hinweise, bis es schließlich wieder richtig kracht.

Nach einer kurzweiligen, weil sehr schnell ablaufenden (man könnte auch sagen: rasant) Suche im All, ist der Zielort erreicht und für die beiden Space-Elfen wird es noch gefährlicher. Eine fremde Vegetation wird zur hautnahen Bedrohung. Leider gibt es auf diesem Planeten Lebewesen, für die eine Angliferianerin nur eine kleine Zwischenmahlzeit ist.

Was ist machbar? Antwort: Alles. Die Formen, derer sich Konstantin Meyer bedient sind sehr einfach. Das zeigen die Körper, die Gesichter und sonstige Attribute. Würden Leute wie Spielberg oder Emmerich auf die Idee verfallen eine leichte SciFi-Serie für Kinder zu produzieren, könnte eine Geschichte und Optik wie Space Craft dabei herauskommen. Meyer arbeitet mit vielen Elementen und Funktionen, die der Rechner hergibt. Neben den leicht und beinahe zerbrechlich gestalteten Hauptfiguren sind andere Figuren zwar voluminöser, wirken aber wie in einem 3D-Programm zusammengesetzt. Weiche Farbverläufe und schattierte Texturen sorgen für ein sehr plastisches Empfinden beim Betrachten der Bilder.

Ein knuffig putziges, knallbuntes Pocporn-Zeichentrick-Abenteuer auf Papier. Wer sich in japanisch anmutenden Grafiken zu Hause fühlt (oder Kinder hat, die Spaß daran haben), der wird hier ein quietschvergnügtes Lesevergnügen vorfinden. 🙂

Samstag, 08. August 2009

Skydoll Spaceship Collection 1

Filed under: SciFi — Michael um 12:05

Skydoll Spaceship Collection 1Voodoo Zauber für jedermann. Oder besser: Jederfrau. Oder noch besser: Jederdoll. Das gibt es heutzutage zu kaufen. Eine Anleitung liegt bei. Das ist einfacher als kochen. Allerdings sind die Zutaten nicht ganz so einfach aufzutreiben. Und manchmal ist es sogar ein Ding der Unmöglichkeit. Aber warum soll es nicht trotzdem funktionieren? Ja, warum eigentlich? Also, frisch ans Werk und losgelegt! Bald zeigt sich: Die komplette Verwendung der Zutaten wäre doch sinnvoll gewesen.

Skydoll entführt in eine kalte, technisierte Welt, weitläufig angelegt, spaßiger und etwas spaciger als Blade Runner. Eine Skydoll ist ein Roboter, der mitunter sehr unterschiedlich agiert, fühlt und denkt. In der ersten Geschichte von Barbara Canepa übernimmt Matteo de Longis den Zeichenstift und kommt damit der Originalkonzeption von Alessandro Barbucci recht nahe.

De Longis’ Zeichnungen sind zuckersüß (ebenso wie Barbuccis), ein beinahe futuristischer Jugendstil, gepaart mit einer ordentlichen Portion halbpubertärer Erotik. Im Mittelpunkt der Handlung steht das Erwachen einer Gothloli, einer (wie sie selber glaubt) Puppe für den erotischen Heimbedarf. Die ersten Lebensabschnitte dieser Figur werden von einer sehr großen Naivität begleitet. Als Leser freut man sich fast mit diesem Charakter, der sein Schicksal in bestem Wollen annimmt, nur um …
Der Clou zum Schluss soll nicht verraten werden, aber er schildert in aller Kürze den Zwiespalt in dieser scheinbar sehr extrem angelegten Kultur.

De Longis versteht sich außerordentlich auf das Zeichnen von Girlies, aber er ist ebenfalls auf dem Gebiet der technischen Darstellung überaus versiert und peinlich genau. Eine grafische Verwandtschaft zum Manga lässt sich nicht leugnen, allerdings treibt de Longis die Grunddarstellung mangaesker Figuren in weitaus höhere Höhen, mit ein wenig Technik eines Terry Dodson darin und ein wenig Punk ist auch noch zu finden. Das hat insgesamt eine hundertprozentige Hochglanztrickfilmästhetik und besitzt (um auf Blade Runner zurückzukommen) den traurigen Charme einer Geschichte von Philip K. Dick.

Insgesamt sechs Geschichten und sechs Künstler begleiten den Lebensweg von Noa, einer Puppe. Noa bereitete die Gothloli auf ihre Zukunft vor (wenn man es so nennen mag). Es ist neoklassisch futuristisch, fast ein wenig übertrieben plastikähnlich wie Barbarella. Es besitzt Charme, aber auch viel Humor. Der Kampf gegen milchsaugende Kröten könnte auch der Ideenwerkstatt der Macher von Scooby Doo entschlüpft sein. Der grafische Stil dazu von Claudio Acciari ist gar nicht so weit davon entfernt.

Pierre-Mony Chan, der die Geschichte Voodoo Child illustriert, gehört zu den Künstlern, die nicht nur im Comic-Bereich ihren Einsatz finden können, sondern ebenso in der Entwicklung von Computerspielen und Trickfilmen. Er ist einer jener Grafiker, die sehr schlanke und drahtige Figuren zeichnen, sicherlich auch eine Anlehnung an Mangas. Seine Technik rangiert auf Augenhöhe mit einem de Lonigs, aber bestimmt auch neben einem Samwise Didier (Warcraft) oder einer Jan Duursema (Star Wars). Enstprechende Entwicklungszeichnungen aus letzterem Themenkomplex zeigen, dass er sofort in besagtem Universum mit der Arbeit anfangen könnte.

Mit Smoke on the water greift Alessandro Barbucci, der ursprüngliche Zeichner der Reihe, wieder zum Stift. Der Leser (also ich) hat zunächst ein wenig Schwierigkeiten, den Einstieg in diese zunächst etwas esoterisch anmutende Geschichte zu finden. Die grafische Umsetzung indes ist weitaus interessanter und auch aufwändiger, vielleicht auch ein wenig anzüglich zu nennen. (Das ist bestimmt eine der Grundstimmungen, doch hier und da ist diese Stimmung ein wenig ausgeprägter.) Rosa, Cyan und Gelb sorgen für eine klebrig süße Atmosphäre, die umso heftiger durch die Ansicht eines ausgetrockneten Leichnams durchbrochen wird. Die Überraschung ist ein erzählerisches Mittel, das von den beiden Autoren Barbucci (schreibt hier auch) und Canepa auf den Punkt genau eingesetzt wird.

SciFi, Erotik, Spannung, Spaß, prickelnder Humor, auf unterschiedlichste Weise von sehr guten, auch ungewöhnlich arbeitenden Zeichnern umgesetzt: Das ist Sky Doll. Das Konzept lässt ungeahnte Möglichkeiten zur Erzählung offen. Wer sich unter einer moderneren Barbarella-Variante oder einer Cool World in der Zukunft etwas vorstellen kann, sollte einen Blick riskieren.

Skydoll Spaceship Collection 1: Bei Amazon bestellen

Links:
www.kamenstudio.com/wordpress (Matteo de Longis Blog)
canepabarbara.blogspot.com (Barbara Canepa Blog)
alessandrobarbucci.blogspot.com (Alessandro Barbucci Blog)
pmchan.free.fr (Pierre-Mony Chan Homepage)

Freitag, 07. August 2009

Perry 136

Filed under: SciFi — Michael um 18:48

Perry 136Als die CREST II mit der Besatzung um Perry Rhodan an Bord auf Camelot landet, ist die Begrüßung herzlich und sehr zeremoniell. Die Menschen, Überlebende der Verfolgungen auf Terra, beginnen zu hoffen, dass sich auch auf dem Heimatplaneten etwas ändern wird. Aber Hoffnung ist wie immer trügerisch. Sobald Reginald Bull, der Großadministrator erfährt, welchen Passagier die CREST II noch transportiert, ist es vorbei mit herzlichen Wiedersehen unter Freunden.

Masken haben es schon immer in sich gehabt. Der Mann mit der eisernen Maske, Superhelden und Bösewichter, Zorro, Jason Vorhees und nun auch Alaska Saedelaere. Die Maske des einstigen Sicherheitschefs der Erde verbirgt ein Cappin-Fragment. Dieser Energierest entstammt einem Transmitter-Unfall und verunstaltete das Gesicht Alaskas nicht nur, es machte ihn auch zur Gefahr für alle anderen um ihn herum. Jeder, der das Capping-Fragment erblickt, wird in den Wahnsinn getrieben. Eine solche Figur hat es schwer, Freunde zu finden, zumal Alaska als früherer Sicherheitschef nicht gerade zimperlich mit Verfolgten umgegangen ist.

Camelot, der Planet, der zur neuen Heimat für flüchtige Terraner geworden ist, erwartet Perry Rhodan, der sich hier mit seiner Mannschaft endlich in Sicherheit wähnen kann. Nur hat er einen ungebetenen Gast mitgebracht …

Entscheidung auf Camelot erzählt in einer kleinen und auch feinen Geschichte das Schicksals eines millionenfachen Massenmörders, der zum Zeitpunkt seiner Taten ausnahmsweise wirklich nicht wusste, was er anrichtete. Mit der Herstellung eines normalen Gemütszustandes bricht Alaska unter seinen Erinnerungen und seinem schlechten Gewissen zusammen. Die Geschichte gibt sich ungewöhnlich ernst, so ernst, dass sogar die Freundschaft zwischen Perry Rhodan und Reginald Bull arg strapaziert wird. Im Sinne eines kurzen Abenteuers aus dem Rhodan-Universum gibt es nichts zu meckern. Kai Hirdt und Christian Hillmann drehen kontinuierlich an der Spannungsschraube. Angesichts der persönlichen Hintergründe der einzelnen Figuren hätte die Geschichte auch noch viel länger ausfallen können.

Das grafische Team mit Frank Freund (Vorzeichnungen), Rudi Martens (Tusche), Maikel Das, Holger Bommer (beide Vorkolorierung) und Carsten Dörr (Endkolorierung) liefert saubere Arbeit ab. Allein diese kleine Geschichte zeigt, was innerhalb des Comics in Deutschland möglich sein kann. Allerdings wird auf Experimente innerhalb der Bilder verzichtet. Es herrscht eine durchgehende gleichbleibende Beleuchtung. Eine besondere Effekthascherei wird vergebens gesucht, ist aber auch nicht nötig, dafür treiben die Ereignisse die Handlung zu schnell voran.

Wenn es um die Handlung in Exodus geht, bleibt es ernsthaft. Perry, durch seine Langlebigkeit schon gottgleich, muss sich zu einer Maskerade hinreißen lassen, um ein Volk zu retten. Leider …
Ein wenig erinnert das Thema an Es ist nicht leicht ein Gott zu sein und hier wie dort kann es nicht gut ausgehen. Die Bilder von Philip Schaufelberger sind mit ähnlichem Können gezeichnet wie jene von Freund. Eine dritte Geschichte, Gerettet, zeigt den Perry-Humor, ein wenig albern, das Genre auf den Arm nehmend. Ein gelungener kleiner Spaß auf nur wenigen Seiten.

Einige Erläuterungen, gesonderte Illustrationen (ich wusste gar nicht, dass Perry Rhodan aussieht wie James Brolin), weitere Geschichten (sehr gut: Gucky: Unser Biber im Hort) machen aus der vorliegenden Ausgabe eine runde Sache.

Ein sehr schönes Projekt mit vielen guten und (noch viel wichtiger) unterhaltsamen Ideen. Besonders die ernsthaften Geschichten sind rundum gelungen. In Sachen Humor dürfte für jeden (besonders natürlich für Perry-Rhodan-Fans) etwas dabei sein. 🙂

Perry 136, Entscheidung auf Camelot: Bei Amazon bestellen

Donnerstag, 06. August 2009

Yiu – Die Apokalypse 2

Filed under: SciFi — Michael um 11:19

Yiu - Die Apokalypse 2 - Das Versprechen, das ich dir gabDer riesige Transjordan-Express rast über die breite Autobahn. Es regnet in Strömen. Die Sicht wird in dieser grauenhaften Nacht durch dicht fallenden Wassermassen noch verschlechtert. Die Menschen an Bord des gigantischen Busses sind friedlich und wollen nichts anderes, als ihr Reiseziel erreichen. Der Mann, der die Brüstung der Aussichtsplattform erklimmt, hat etwas dagegen. Der Sprengstoffgürtel, den er um den Bauch gebunden hat und die Daumen auf den Knöpfen der Zünder machen deutlich, dass er kein einfacher Attentäter ist. Er ist bereit, sein Leben für diese Aufgabe zu geben. Er hat nicht damit gerechnet, dass Nonnen nicht mehr die friedfertigen Frauen sind, die sie einst waren. Früher verteidigte die Kirche sich mit Feuer und Schwert. In der Zeit der Apokalypse werden dazu großkalibrige Waffen verwendet.

Kann ein Auftragsmörder ein Herz für andere haben? Nicht selten haben sich schon Autoren in Romanen und Comics Gedanken über dieses Thema gemacht. Wenn es nicht Geld ist, das einen Killer antreibt, was ist es dann? Rache? Ein Sinn für Gerechtigkeit? Oder einfach eine gewisse Notwendigkeit? Yiu hat einen ganz besonderen Grund: Ihren kleinen Bruder. Tötet sie nicht für Geld, hat sie nicht die Möglichkeit ihren einzigen Verwandten am Leben und gesund zu erhalten, denn der Kleine ist auf medizinische Hilfe angewiesen, obwohl er sich nichts sehnlicher wünscht, als aus diesem kalten Krankenhaus herauszukommen.

Tehy, für das Szenario verantwortlich, hat sich eine neue Aufgabe gestellt: Es gilt nun, die Attentäterin dem Leser auch menschlich näher zu bringen. Wie sehr sie für ihren Beruf befähigt scheint, hat sie bereits in der ersten Episode von Yiu Die Apokalypse eindrucksvoll bewiesen. Das Versprechen, das ich dir gab ist für Yiu die einzig wirklich wichtige Motivation, den Kampf immer aufs Neue zu suchen und neue Aufträge anzunehmen. Das Versprechen ihrem Bruder gegenüber relativiert die Qual. Wenn er durchhält, so sagt sie es sich, dann hält auch sie durch.

Der Auftakt der vorliegenden Geschichte ist eine der typischen Hetzjagden, wie sie der Leser längst aus der Yiu-Reihe kennt. Einmal mehr erfahren wir ein wenig mehr über diese hochtechnisierte und kalte Welt und erleben in kurzen szenischen Abrissen, wie sehr sich das Bild der Religion verändert hat, wie wenig ein Leben wert ist, auf welche technische Art in dieser Zeit kommuniziert wird. Währenddessen jagt Yiu weiter. Ihr Ziel: Das Krankenhaus. Alles in dieser Zeit scheint irgendwie riesig zu sein, die Grenzen der Dimensionen, eine gewisse architektonische Demut ist vollkommen verschwunden. Damit folgt Tehy der Leitlinie so mancher anderer Science Fiction Autoren, die bereits vor Jahrzehnten ein Ausufern von Gebäudekomplexen vorhergesagt haben. (Und wie es aussieht, scheinen sie damit den richtigen Riecher gehabt zu haben.)

Guenet hat diesmal die Aufgaben Action und äußerst liebevolle Szenen zu zeichnen. Die Begegnung von Yiu mit ihrem kleinen Bruder Ji-A ist wunderbar gelungen. Sicherlich finden sich ähnliche Szenen auch in aktuellen Krankenhausserien, aber hier wurde die Grundeinstellung einer solchen Szene durch die Unpersönlichkeit des Krankenhauses noch gesteigert. Allein die Ansammlung von Kindern unter einer gläsernen Glocke, total abgeschirmt und nur von außen von Besuchern durch ein Paar klobige Handschuhe erreichbar zeigt den Wahnsinn dieser Gesellschaft in seinem Kern. Darum herum, auch das zeigen die Macher ausführlich, ist noch sehr viel mehr Platz für all die Auswüchse des Irrsinns.

Ab einem bestimmten Punkt, der Leser hätte es eigentlich kaum mehr erwartet, kippt die Handlung. Yiu bekommt wieder Arbeit. Und dachte man zu diesem Zeitpunkt, die titelgebende Apokalypse sei längst erfolgt, sieht man sich getäuscht: Die Apokalypse ist nicht vorüber, sie findet permanent statt.

Entsprechend kann Guenet wieder die sprichwörtliche Sau herauslassen, denn es wird nicht nur wieder sehr technisch, es wird auch außerordentlich gruselig, fast schon mystisch. Die Bilder, die sich hier ergeben, sind Heavy Metal. Gehören sie auch nicht in diese Reihe, reihen sie sich doch sehr gut in ähnliche Publikationen ein, allerdings könnte man von einer noch größeren Monströsität der bösen Viecher sprechen. Es brennt, trieft, tropft, blutet, es klafft auf. Guenet ist hier in seinem Element. Seine Zeichentechnik, die auch an die Arbeiten der Brüder Tim und Greg Hildebrandt erinnert, ist mit fettem Strich aufgetragen und wirkt in jedem Bild wie ein kleines Ölgemälde.

Yius Charakter steht im Mittelpunkt dieser Geschichte. Ihre Menschlichkeit zeigt sich in ihrer Beziehung zu ihrem Bruder, ihre Erschöpfung ist ein Thema. Ihre Erfinder gönnen ihr insgesamt nur eine kurze Verschnaufpause. Es ist abzusehen, dass sie bald wieder an die Arbeit muss, die noch schwieriger als im ersten Teil zu werden verspricht. 🙂

Yiu, Die Apokalypse 2, Das Versprechen, das ich dir gab: Bei Amazon bestellen

Links:
www.yiu.net (Blick hinter die Kulissen der Produktion von Yiu, frz.)
brothershildebrandt.com (Homepage der Gebrüder Hildebrandt)

Dienstag, 04. August 2009

Die Legende von Malemort 1

Filed under: Mystery — Michael um 17:10

Die Legende von Malemort 1 - Unter dem MondlichtLügner! Lieber sterbe ich! Anthea riskiert alles. Ihr Pferd reitet auf die marode Brücke zu. Es ist ein waghalsiger Sprung nötig, um die sichere andere Seite der Schlucht zu erreichen. Aber was wäre die Alternative? Hinter ihr hetzen die Häscher der Inquisition heran. Die junge Frau ist nicht bereit, den Versprechungen dieser Halsabschneider zu glauben. Ihr Pferd nimmt Anlauf, dann setzt es an zum Sprung, der entweder in Sicherheit oder ins Verderben führen wird.

Im 13. Jahrhundert lauert die Gefahr an jeder Ecke. Tagelöhner können schnell zu Vergewaltigern, Dieben und Mördern werden, Söldner arbeiten für die Inquisition, die sehr willkürlich vorgeht. In diese Zeit entsendet Eric Stalner seine Leser und rüttelt gleich auf der zweiten Seite das optisch vermeintlich romantische Idyll durch. Eine junge Frau, die Heldin dieser Geschichte, wird bei ihrer Arbeit das Opfer eines Übergriffs von zwei Taugenichtsen. Sie kann sich aber erfolgreich gegen diese Bauernlümmel zur Wehr setzen. Ein Spaß ist dieser Überfall trotz allem nicht. Gleich darauf kann Anthea die Folgen eines erfolgreichen Überfalls sehen. Der Fund eines verletzten Ritters wird sie in Teufels Küche bringen, eine Redewendung, die angesichts der Schergen der Heiligen Römischen Inquisition nicht aus der Luft gegriffen ist.

Eric Stalner beschäftigt sich zunächst mit den natürlichen Gegebenheiten dieser Epoche, in der Gewalt an der Tagesordnung war. Ausgerechnet Hilfe wird hier zum Verhängnis, denn die Schergen der Inquisition sind dem Ritter bereits auf der Spur. Bereits wenig später wird das Freudenhaus von Antheas Mutter zu einem Schlachtfeld. Stalner lüftet die Grundsätze dieser Zeit Schritt für Schritt. Ebenso verfährt er mit der Geschichte selbst. Dies ist weder eine klassische Gruselgeschichte, noch wandelt sich die Handlung in puren Horror. Zu diesem Zeitpunkt ist es eine Erzählung über Flucht, den falschen Weg und neue Bekannte, von denen Anthea nicht geglaubt hätte, dass diese überhaupt existieren.

In Geschichten machen sich häufig Gruppen oder auch Duos, bestehend aus sehr unterschiedlichen Charakteren sehr gut. Anthea wird hier zwar ein tapferer Mann zur Seite gestellt, allerdings auch ein sehr kleiner. Das kann bei einer Bedrohung von Nachteil sein, im Sinne des Überraschungseffektes ist es jedoch von Vorteil. Der Leser weiß mehr als Anthea, aber er erfährt auch nicht so viel, um gleich die ganze Spannung vorweg zu nehmen. Im Gegenteil:

Es ist nur sehr wenig, dass den Leser darauf hinweist, dass er es hier auch mit einer Geschichte über Vampire (genauer einen Vampir) zu tun hat. Natürlich ist das Titelbild verräterisch und die eine oder andere Stell im Verlauf der Handlung, doch Stalner überzieht den Bogen nicht. Vampirismus ist hier nicht an der Tagesordnung wie in manch anderen, vor allem moderneren Geschichten. Eric Stalner flechtet das Thema sehr sachte und dezent ein. Der Vampir mag durch sein Auftreten einem Dracula ähneln, ist aber weitaus vorsichtiger und bei weitem nicht von jener Triebhaftigkeit, die den Wesen der Nacht in mancher neueren Romanversion angedichtet werden. Stalner ist mit seiner Version dem Original eines Bram Stoker viel näher als vielleicht einer Weitererzählung von Kim Newman (Die Vampire).

Optisch erinnert der ganze Strich, die Aufarbeitung von Landschaft, Architektur und Figuren an die Arbeiten eines Francois Bourgeon, insbesondere an die Arbeiten zu Die Gefährten der Dämmerung. Der grafische Stil ist sehr aufgeräumt, sauber, inszeniert. Hier existiert kein Zufall, der Strich sitzt, die Perspektive wirkt getestet. Die Striche selbst sind meist sehr schmal, zuweilen auch sehr zahlreich, wie Stalner an Mauerwerken zeigt. Er liebt das Detail wie Holzmaserungen oder die Zusammensetzung von Bauwerken.

In Frauengesichtern hält er sich zurück, damit überflüssige Linien nicht die Jugendlichkeit der Figuren zerstören. Bei männlichen Figuren ist er schon mutiger. Hier fällt die Vielfalt der Gesichter auch deutlich größer aus. Der kleine Begleiter, den er für Anthea geschaffen hat, Anrnulf, wirkt wie eine Mischung aus Asterix und Obelix. Flink und schlau wie ein kleiner Gallier, aber mit einem überbordenden Appetit eines weitaus größeren Galliers gesegnet. Obwohl Arnulf eine Art Sidekick ist, lässt Stalner den kleinen Helden hier nie zur Witzfigur verkommen, auch optisch nicht. Seine Leistung ist durch den Kleinwuchs eher noch größer einzuschätzen und macht ihn mitsamt seines Verhaltens noch sympathischer für den Leser.

Eine feine und sehr schön gestaltete Gruselmähr aus dem 13. Jahrhundert. Eric Stalner, in schaurigen Geschichten durchaus bewandert (Das geheime Dreieck), lässt sich mit seiner Erzählung richtig viel Zeit. Im Zeitalter von Hauruckgeschichten, in denen die Handlung rennt, kann sich der Leser hier schön gemütlich zurücklehnen, in Ruhe lesen und genießen. Für Freunde des romantischen Grusels ist die Legende von Malemort genau richtig. 🙂

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Samstag, 01. August 2009

Die Blueberry Chroniken 13

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:05

Die Blueberry Chroniken 13 - Die Jugend von Blueberry - Terror an der GrenzeDer kleine Kavallerietrupp reitet gemächlich, aber nicht unaufmerksam den schmalen Pfad entlang. Alles wirkt friedlich. Die Sicht reicht weit, deshalb befürchtet keiner der Unionisten einen Hinterhalt. Die Nachlässigkeit wird sogleich bestraft. Ein Fehler im Krieg kann augenblicklich der letzte sein. Leutnant Blueberry versucht sich taktisch korrekt zu verhalten, doch das ist angesichts des Sperrfeuers der Konföderierten sehr schwierig. Wieder zurück im Fort muss er einen wenn schon nicht vernichtenden so doch demoralisierenden Schlag des Feindes melden.

In einer Zeit des Bürgerkriegs, die schon durch ihre offiziellen Kampfhandlungen schlimm genug war, griffen auch nicht uniformierte Bürger gegeneinander zu den Waffen. In gleich vier Abenteuern aus der Jugend von Blueberry wird diese besonders heiße Phase des US-amerikanischen Bürgerkriegs von Jean-Michel Charlier und Francois Corteggiani geschildert. Die Teufel von Missouri, Aufruhr in Kansas, Todesmission in Georgia und Gnadenlose Jagd gerät Leutnant Blueberry in einen Kleinkrieg zwischen dem nordstaatlich orientierten Senator Lane und dem wie ein Guerrillero taktierenden Föderalisten Quantrill.

Der Kampf findet nicht nur auf den Schlachtfeldern oder wenigstens militärischen Hinterhalten statt. Lane und Quantrill, die beiden Männer, die sich gegenseitig zum Erzfeind auserkoren haben, tragen den Krieg bis ihre jeweiligen Familien hinein. Ein eigenmächtiger Kleinkrieg kann jedoch nur zur Verschlechterung des Kriegsverlaufes beitragen, ganz gleich, welche so genannten Siege dabei errungen werden. Blueberry wird wieder einmal in Teufels Küche geschickt. Er soll Quantrills Versteck aufspüren, bevor Lane dieses Kunststück gelingt.

Aus einem vergleichsweise simplen Auftrag entsteht ein immer dichter werdendes Netz, aus dem es für den jungen Leutnant kein Entrinnen zu geben scheint. Abgesehen von seinem Kommandanten ist er nur von Feinden umgeben. Selbst Senator Lane, eigentlich Nordstaatler, wird zu Blueberrys Feind. Charlier und Corteggiani teilen sich notgedrungen die Autorenarbeit an dieser Saga. Charlier verstarb während der Arbeit am dritten Teil Todesmission in Georgia. Corteggiani übernahm die Geschichte und führte sie zu Ende. Dennoch ist das Ergebnis wie aus einem Guss. Im direkten Vergleich stehen sich die beiden Autoren in nichts nach, obwohl der Handlungsstrang auch eine deutliche Zweiteilung beinhaltet.

Während Blueberry in der ersten Hälfte in die Blutfehde zweier Männer gerät (was sicherlich kein militärischer Terminus für diese Situation ist), wird in der zweiten Hälfte in der Tat ein Himmelfahrtskommando durchgeführt, für das auch noch diverse Galgenstricke rekrutiert werden, die sich damit eine Entlassung aus dem Gefängnis verdienen können. Man kann von keiner der beiden Handlungslinien sagen, dass sie aktionsarm wären, allerdings ist die Richtung in der zweiten Hälfte gerader. Das kann schlicht und ergreifend am zentralen Fortbewegungsmittel liegen: Einem Zug. Interessant ist es, auf welch elegante Weise das Szenario aufbaut und erinnert damit an Thriller-Größen wie Alistair MacLean, der mit Geschichten wie Agenten sterben einsam vormachte, wie es geht. Sein Nevada Pass, ebenfalls angesiedelt auf einem Zug, besitzt eine ähnliche Kulisse, verwendet ähnliche dramaturgische Mittel, ist aber insgesamt mehr ein Kammerspiel.

Corteggiani hingegen bricht ab einem bestimmten Punkt aus dem Szenario aus. Blueberry ist nicht der Hansdampf in allen Gassen, soll heißen: Seine Mission schlägt fehl. Auf diese Art ist wieder alles offen und Corteggiani nutzt diese neue Konstellation auch weidlich aus, verwirrt den Leser aber auch für einen Moment, denn man fragt sich zuerst, wo Blueberry eigentlich bleibt. Aber er taucht noch auf, keine Bange.

Colin Wilson ist der geborene Nachfolger für Jean Giraud. Der Tuschestrich wie auch die kräftige und mitunter sehr bunte Farbgebung (wie ganz zu Beginn der Reihe) unterstützen die Dramatik der Handlung zu jeder Zeit. Wilsons Stärken liegen auf jeglicher Szenerie. Nahaufnahmen, Innenszenen allgemein, Außenbilder, Landstriche, Pferde, Fahrzeuge, sehr aktionsreiche Szenen mit reichlich Komparsen und vieles andere mehr, Wilson bringt das Rüstzeug mit, um sich gleich zurechtzufinden. Jede Seite ist technisch perfekt und eine Augenweide. Man könnte auch sagen: Perfektes Western-Gefühl.

Eine sehr dicht erzählte Sammlung von vier miteinander verwobenen Geschichten aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Blueberry, der Tausendsassa, wird sehr gefordert und das in einer Weise, die auf jeder Seite fesselt. Wer Western mag und noch nicht sicher ist, ob Blueberry ihm gefallen könnte, sollte hier einen Blick hineinwerfen. 🙂

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