Zum Inhalt springen


Comic Blog


Dienstag, 30. September 2008

Hellboy – Die goldene Armee

Filed under: Comics im Roman — Michael um 19:12

Hellboy - Die goldene ArmeeVor langer Zeit war alles in Ordnung. Vor langer Zeit, als die Menschen noch keine Macht besaßen, als sie wenige waren. Vor langer Zeit … Inzwischen haben die Menschen die Oberfläche erobert. Sie haben die alten Zeiten und die alten Wesen vergessen. Aber die anderen wissen sehr genau um die Menschen und ein paar, nicht viele, aber ein paar sind nicht länger bereit, die Macht den Menschen zu überlassen. Von all dem weiß Hellboy zu diesem Zeitpunkt nichts. Ehrlich gesagt will er sich darüber auch keine rechten Gedanken machen, denn er hat es geschafft – irgendwie jedenfalls. Er ist mit Liz zusammen. Endlich. Aber ob so ein roter Teufel mit einer Menschenfrau lange zusammen sein kann? Ob das gut geht?

Hellboy ist unordentlich, auch launisch, überall laufen Katzen herum. Dennoch sollte Liz nicht derart böse auf ihn sein. Oder ist da noch etwas anderes? Vielleicht aber hängen die Schwierigkeiten einfach damit zusammen, dass sie eine Frau ist. Wer weiß das schon? Da trifft es sich, dass ein neuer Einsatz ruft.
In einer Auktion der gehobenen Art wurden sämtliche Besucher massakriert. Die Täter scheinen keines natürlichen Ursprungs zu sein. Hellboy, Liz, Abe und einige Agenten der B.U.A.P., der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, machen sich an die Arbeit.

Hellboy hat einen zweiten Sprung auf die Leinwand geschafft. Wer es nicht erwarten kann, der kann sich mit dem Roman zum Film schon vorab ein Bild von der Geschichte machen. Wie erwähnt, wird Hellboy etwas gegönnt, die lang erwartete Beziehung, die sich im ersten Film anbahnte und nun um die ersten Schwierigkeiten herumschippern muss – damit ist dem rothäutigen Helden mehr gegönnt, als er auf diese Art je im Comic erleben durfte. Robert Greenberger hat die Drehbuchvorlage von Guillermo Del Toro zum Roman umgesetzt.

Der Einstieg erfolgt schnell und auch für neue Hellboy-Fans sehr verständlich. Greenberger, ein Mann vom Fach, wie seine Biographie ausweist, versteht sich auch eine flotte Erzählweise, dem Thema angemessen und ohne von seinen Lesern zu verlangen, dass sie erst einmal das Hellboy-Universum studiert haben müssen, um in der Geschichte voranzukommen – das dürfte entsprechend auch auf den Film zutreffen. Bereits im ersten Teil konnten die Zuschauer die Handlung ohne Vorkenntnisse genießen. Greenberger zeigt einen Hellboy, der immer noch staunend durch die Welt geht. Er entdeckt die Liebe und genießt – sehr zum Schrecken seines Vorgesetzten Manning – auch das Bad in der Öffentlichkeit. Hellboy, der im ersten Teil für die Presse nur ein verwaschenes Schemen auf unscharfen Photografien war, könnte der Welt kaum besser bestätigen, dass es ihn gibt.

Hellboy braucht einen Feind und er bekommt ihn. Die Figur des Prinzen Nuada, der die alte Ordnung herstellen möchte, ist selbst im Roman faszinierend dargestellt. Ein Kämpfer, ein Krieger, der für seine Ziele über jedwede Leichen geht, ganz gleich, ob sie Menschen sind oder dem Reich der Mythologie entstammen. Während des Einstiegs in diese fremde Welt, die Greenberger hier schildert, entstehen – sofern der Leser diese gesehen hat – Bilder aus Filmen wie Cabal – Die Brut der Nacht oder auch Pan’s Labyrinth, ebenfalls wie Hellboy II von Regisseur Del Toro geschrieben und in Szene gesetzt. Es funktioniert sehr bildlich auf unterschiedliche Arten. Die Kenntnis der einen oder anderen Mythologie mag hier auch hilfreich sein, vielleicht sogar des HdR, damit die Bilder im Kopf schneller bei der Hand sind.

Er hat eine Waffe in der Hand!
Das ist seine Hand!

Derlei Missverständnisse und kleine Szenen sorgen für den Hellboy-typischen Humor neben einem großen Angebot an Phantastik. Wie sehr und wie gut beides miteinander in Einklang gebracht werden kann, zeigt der Auftritt eines Neuen im Team: Johann Krauss. Von menschlicher Gestalt ist von ihm jedoch nicht mehr viel Menschliches vorhanden. Untergebracht in einem Schutzanzug, der ihn zusammenhält, beherbergt, soll er für eine bessere Disziplin im Team sorgen. Für Hellboy wird er damit zusätzlich zum roten Tuch. Johann Kraut ist bei Hellboy nicht sehr beliebt. Das fremdartige dieser neuen Figur kommt im Roman nicht so gut heraus, die Optik ist hier sehr viel maßgeblicher am Eindruck beteiligt, als die reine Beschreibung.

Überaus kurzweilig erzählt, für einen Filmroman auch sehr gut erzählt – vielleicht in einer Tradition mit Alan Dean Foster, Genre-Fans werden den Namen kennen – entfaltet sich hier ein zusätzliches Bild vor dem Leser. Gedankengänge, die im Kino entgehen, geben hier mehr Tiefe und Hintergrund. Für Fans lesenswert, wer sich die Spannung im Kino nicht verderben will, sollte noch ein wenig mit dem Lesen warten. 🙂

Hellboy – Die goldene Armee: Bei Amazon bestellen

Montag, 29. September 2008

Kai Falke 1 – Kai und die Pablitos

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:38

Kai Falke 1 - Kai und die PablitosKai Falke hat es geschafft. In Barcelona erfüllt sich für ihn der Traum so manches Spielers. Er ist der Neue bei Barca. Mannschaft und Trainer nehmen ihn herzlich auf. Alle? Nein, nicht alle. In seinem Mitspieler Stefan hat Kai mehr als nur einen Rivalen. Fast ist es ein Gegenspieler in der eigenen Mannschaft. Kai ist trotz der Aufregung über das neue Leben auch etwas bedrückt. Er ist allein in dieser großen weltoffenen Stadt. Bei einem Ausflug nach Tossa allerdings macht er die zufällige Bekanntschaft mit den Pablitos, einer Jungengruppe, die gerne Straßenfußball spielt und in der Mannschaft von Barca seine Helden hat. Der Profifußballer freundet sich mit den Jungen an. In dieser Umgebung, an einem familiären Tisch willkommen geheißen, hat er die Gelegenheit ein Stück Heimat zu finden.

Kai Falke ist wieder da. Ein Sport-, ein Fußballcomic, mit leichter Hand erzählt, freundlich, sehr ehrlich, einfach menschlich. Der Leser trifft mit Kai Falke einen Fußballspieler abseits aller Allüren und Werbeverträge. Hier sind Sport und Mensch im Mittelpunkt. Kai – im Original Eric Castel – bereitet sich hier auf eine Begegnung mit dem 1. FC Köln vor, eine Begegnung, die aus aktueller Sicht eher utopisch erscheint. Man könnte auch sagen, dass Barca sich um diesen Gegner nicht ganz so große Sorgen machen müsste, wie sie es in der Vergangenheit der 70er Jahre gemacht haben.

Als Kai kurz nach seiner Begegnung mit den Pablitos sein Debut als Barcelonista gibt, ist die Aufregung in Tossa natürlich groß. Raymond Reding und Francoise Hugues haben mit Kai eine Art großen Bruder erschaffen, ein Vorbild, sehr unaufdringlich und verantwortungsbewusst. Außerdem ist er ein Pechvogel, der sich das Los eines Kameraden sehr zu Herzen nimmt, besonders dann, wenn er glaubt, das Verschulden läge bei ihm.

Kai Falke fällt durch seine positive Erzählweise auf. Es ist ein Jugendcomic und mag hierzulande an Jugendtage mit Burg Schreckenstein, den Fünf Freunden, 3 Fragenzeichen und natürlich ZACK erinnern, in dem Kai Falke seinen Auftritt hatte. Nach all den vielen Jahren – oder besser Jahrzehnten – hat Kai Falke nichts von der Übertragung dieser positiven Lebenseinstellung und damit von seinem Charme verloren.

Grafisch lässt sich Kai Falke in Reihen wie Michel Vaillant oder Dan Cooper einordnen. Aus heutiger Sicht ist es die Zeit der alten Schule, die so nicht mehr umgesetzt wird und sich weiter entwickelt hat – nicht zuletzt wegen vieler neuer technischer Möglichkeiten. Die Bilder verpflichten sich dem Realismus, wirken ein wenig wie ein Fotoroman. Experimente gibt es nicht und braucht es auch nicht. Fußball lebt von Bewegung. Diese Bewegungen sind in Spiel und Training so gut umgesetzt, dass das Mitfiebern selbst beim Umblättern außerordentlich leicht fällt. Die Dramatik eines nervenaufreibenden Fußballspiels lässt sich hier ebenso ablesen wie in einem Sammelalbum, in dem Momentaufnahmen verschiedener Spiele abgebildet sind.

Eine einfache Kolorierung und präzise gesetzte Tuschestriche setzen nicht nur die Momentaufnahmen der Spiele perfekt in Szene, sondern beziehen auch Barcelona, diese prächtige und vor Leben strotzende Stadt, in die Geschichte mit ein.

Ist es zuviel verraten, wenn gesagt wird, dass alles gut ausgeht? Nein, aber bis es soweit ist, gelingt es Reding und Hugues ihre Hauptfigur höchst sympathisch werden zu lassen. Die Schnelligkeit, mit der das gelingt, trägt sehr zur dramatischen Erzählung um diesen Fußballhelden bei. Zusammen mit den Pablitos erlebt der Leser ein jung gebliebenes Fußballabenteuer – vielleicht aus besseren Fußballtagen – eines, das auch heute noch den Spaß und das Interesse am Fußball zu wecken vermag. 🙂

Kai Falke 1 – Kai und die Pablitos: Bei Amazon bestellen

Hoodoo Voodoo Buuhahaa

Filed under: Cartoon — Michael um 17:04

Bart Simpsons\' Horrorshow - Hoodoo Voodoo BuuhahaaEs waren einmal neun Gefährten, denen wurde eine höchst gefährliche Aufgabe auferlegt. Einen Ring sollten sie zerstören. Der Ringträger, ein Halbling, sollte von ihnen an sein Ziel begleitet werden, wo er endlich seine schwere Bürde in einen fürchterlichen Vulkan werfen könnte. – Aber der dunkle Herrscher und Saruman, der weiße Zauberer, warfen ihre schrecklichste Waffe ins Feld: Die Simpsons. – Häh? Was, wie? Die Simpsons? Geht’s noch? Ja, es geht noch, denn einige Autoren und Zeichner durften mal so richtig ins Halloween-Horn zur Attacke blasen.

Der Comic-Typ – wie kann es anders sein – geleitet durch diese Ausgabe, in der es von Nonsens und Anspielungen nur so kracht. Nichts und niemand bleibt verschont, am allerwenigsten die Simpsons. Planet der APUs, unter diesem Namen erspäht der Leser nur ein Filmplakat, ein kleiner Seitenhieb, der sofort eine ganze Geschichte erkennen lässt. Kurz darauf findet sich der Leser in einem verballhornten Herrn der Ringe wieder, ziemlich genial gemalt von Dan Brereton, den hierzulande so mancher von The Black Terror, den beiden Thrillkiller-Geschichten (Batman) oder auch The Last Battle her kennen mag. In letzterem Abenteuer begab er sich schon auf historisch phantastische Pfade zur Zeit der alten Römer. Nach den sehr exakt gezeichneten Abenteuern der Simpsons mag Breretons Aquarelltechnik zunächst verblüffen, aber sobald man sich auf dieses Wagnis einlässt, kommt ein stimmiges und spaßiges Leseerlebnis dabei heraus.

Der Comic-Typ – ja, der schon wieder – begegnet dem Leser mehrere Male in kleinen Zwischenspielen. Zahlreiche Events, Cons, wie der allzeitliche Fan es auf Neudeutsch sagt, locken, um sich einmal so richtig und so anders verkleiden zu können. Die bekannten jahreszeitlichen Höhepunkte wie Karneval oder Halloween reichen da nicht mehr aus. Und so schmeißt sich der Comic-Typ in die wahnwitzigsten Kostüme – mit der Betonung auf witzig. Selbst ohne die Titel des jeweiligen Kostüms ist es zumeist ein leichtes die Bedeutung zu verstehen. Das Zückerchen sind Verkleidungen wie der klingonische Batman oder als Raumschiff Enterprise.

Was zuerst als das Kraftwerk der Schmerzen betitelt wird, verwandelt sich bereits in der Einleitung in das Lexikon des lasterhaften Limericks. Alphabetisch sortiert geht es durch horrorhafte Situationen, mit Limericks unterlegt und aufs Schönste illustriert von Hilary Barta. Da bleibt nichts verschont, kein Monster aus der Lagune, kein Frankenstein oder Serienmörder, kein noch so blutiges oder schleimiges Film- oder Romanereignis. Dave Stewart, auf seine Art schon ein Phantastik-Veteran, ist für die Farbe in dieser köstlichen Episode verantwortlich.

Und so geschah es … In der Nacht der neunzehn Schreie sind die Simpsons doch tatsächlich verstorben und zurück bleibt der, von dem man es am wenigsten erwartet hätte: Opa. Aber es geht schließlich um Grusel, um Halloween, deshalb, sind die Simpsons nicht völlig weg, sondern geistern herum. – Es stellt sich die Frage, was besser ist: Ein lebender oder ein toter Simpson. Spaß machen sie beide. Nur Opa nicht, der plötzlich sehr einsam ist.

Illustrationen, die sich sehr gut als Poster machen würden – wie der Angriff des 20 Meter großen Bart-Riesenbabies – sind noch zusätzliche Schmankerl, die zur Auflockerung beitragen.

Ein gruseliger Spaß abseits der üblichen Normgrafiken. Hier durfte probiert und gemacht werden, Humor ohne Grenzen mit kleinem absurden Ekelfaktor, der dem Begriff Trash eine ganz neue Bedeutung gibt. Sehr gut. Für Simpsons-Fans wärmstens zu empfehlen. 🙂

Bart Simpsons’ Horrorshow – Hoodoo Voodoo Buuhahaa: Bei Amazon bestellen

Goofy – Eine komische Historie 4

Filed under: Cartoon — Michael um 14:45

Goofy - Eine komische Historie 4Eine Reise in 80 Tagen um die Welt? Unmöglich und ganz besonders für diesen Goofy Phileas Fogg, der doch in diesem Herrenclub nur den Tee serviert. So ist denn auch vor der Abreise erst noch Spülen angesagt, bevor der Koch ihn überaus ungern – und das ist harmlos ausgedrückt – gehen lässt. Die Abenteuer rund um den Globus wiegen die Startschwierigkeiten mehr als auf.

Fata Morganas als Rettung in höchster Not, fliegende Teppiche, eines der energiesparendsten Transportmittel überhaupt, und chinesische Raketen erweisen sich als perfekte Fahrzeuge ihrer Zeit und ihrer Hemisphäre. Am Ende … Ja, da wartet schon das nächste Abenteuer.

Goofy, einer der sympathischsten Charaktere im Universum von Walt Disney, brachte den damaligen Kids die Historie und Klassiker aus der Literatur auf seine ganze eigene und sehr besondere Art nahe. Stets mit einem Augenzwinkern, nicht immer sehr nahe an der Vorlage, ähnelt ein Ausflug mit Goofy einer humoristischen Achterbahnfahrt. Die Kenntnis der Vorlage kann hilfreich sein, ist aber – und das ist das Schöne – keine Pflicht. Im Gegenteil, wer hier nicht neugierig auf die Originale wird, die hier so liebevoll karikiert werden, ist selber schuld.

Von Jules Verne, der die Vorlage zu Reise um die Welt in 80 Tagen schrieb, geht es weiter zu einem anderen Vertreter der klassischen Phantastik: H.G. Wells. Sein Unsichtbarer geistert in der nächsten Geschichte herum. Bekleidungslos unsichtbar ist Goofy auf der Suche nach einer Lösung für sein Problem und stolpert dabei über eine sehr neugierige Hauswirtin. Die allseits beliebten Entkleidungsszenen sind hier gefragt. Wenn der letzte Kopfkissenbezug oder der letzte Verband fällt, ist der Gute weg.

Nach einem Ausflug zu Schillers Wilhelm Tell geht es 20.000 Meilen unter dem Meer weiter, um schließlich bei einer ur-amerikanischen Legende zu enden. P.T., Verzeihung, G.T. Barnum, Chef eines Zirkus, liebt die Show, nein, er lebt die Show, das Showbusiness. Goofy fügt sich hier wie in jede Geschichte gut ein, aber als ein Charakter, der unterhalten will, trifft er noch direkter als sonst wie die berühmte Faust aufs Auge. Sobald er das Kindermädchen von George Washington als Attraktion verpflichten kann – immerhin 160 Jahre alt, die Gute – bleibt kein Auge trocken.

Die Umsetzung der Geschichten erfolgt nicht in gewohnten Aufteilungen, sondern arbeitet mit passenden Verzierungen und Formen. Kreisrund, rahmenlos, Bilder in der Form einer Badewanne oder eines Bilderrahmens, Raketen nutzen eine ganze Seite und alles verbunden durch eine vollkommen klare Linienführung. Das Auge kann sich außerdem an unaufdringlichen, aber sehr kräftigen Farben erfreuen.
Die Sprechblasen, sonst häufig ein rein weißes Ärgernis auf farbigen Flächen, gehen hier durch eigene Kolorierung in den Grafiken richtig auf. Es entsteht ein kunterbunter Gesamteindruck, immer knuffig und sehr ausgewogen.

Klassiker im neuen Gewand, die schon selber Klassiker sind. Goofy ist zeitlos in der Zeit unterwegs, chaotisch und charmant, immer noch modern, jugendlich, jugendfrei und mit einem Humor versehen, der bei Alt und Jung zündet. Dazu noch mit einer exakten grafischen Darstellung versehen, die das Auge des Lesers sehr gut führt. 🙂

Goofy – Eine komische Historie 4: Bei Amazon bestellen

W.E.S.T. 3 – El Santero

Filed under: Abenteuer — Michael um 14:02

W.E.S.T. 3 - El SanteroDie weißen amerikanischen Eindringlinge haben keinen Glauben. Sie sehen die Resultate, aber sie wollen lieber nachforschen, ergründen, eine Lösung finden. Soldaten, die an Gelbfieber starben, dürfen nicht wieder aufstehen und als Zombies unter den Lebenden wandeln. Schlimmer noch: Sie scheinen unter dem Einfluss einer fremden Macht zu stehen, der sie gegen ihren Willen handeln lässt. Kuba will die Amerikaner nicht. Der Präsident sieht das anders. Er schickt W.E.S.T.: Das Weird Enforcement Special Team.

Am 7. Januar 1902 wird auf Kuba ein weiterer Tod festgestellt. Diesmal ist es kein Soldat, sondern ein Geschäftsmann, der am Gelbfieber gestorben ist. Edward Nash war Vorsitzender der United Fruit Company. Ein Mann in einer solchen Position stirbt nicht einfach so. Die Presse wittert eine große Geschichte. Obwohl der verantwortliche General Wood alles dementiert, machen schlimme Gerüchte und Vermutungen die Runde. Islero, ein für die Unabhängigkeit Kubas kämpfender Santero, soll für die Tat verantwortlich sein.

Kurz nach der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert bemühte sich die immer noch junge USA anderen Staaten ringsherum auf die demokratischen Beine zu helfen. Kuba ist für die Befreiung von den spanishen Herrschern allerdings nicht besonders dankbar. Aber den Kubanern fehlen auch die Mittel, angemessen zu reagieren. Während einige die Hilfe von außen suchen, greifen andere zu eher abergläubischen Mitteln: Santeria.

Im Kern des unheimlichen Widerstands steht die karibische Form des Voodoo. Diese geheimen Riten wirken nur leider für die amerikanischen Besatzer auch bei Ungläubigen. Das Team, das sich solcher Fälle annimmt, wurde entwickelt und geschrieben von Xavier Dorison und Fabien Nury. Anders als vergleichbare Gegner des Bösen und Löser unheimlicher Fälle wie die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, B.U.A.P. oder Mulder und Scully bewegt sich W.E.S.T. näher an der historischen Realität. Sind letztere Ermittler schon relativ normal, ist es das Team von W.E.S.T. erst recht. Neben einer unheimlichen Komponente besitzt die Geschichte die Kulisse eines Vorkriegsszenarios, in dem sich Geheimagenten und Intrigen die Klinke in die Hand drücken.

Bemerkenswert ist die Dichte der einzelnen Handlungsstränge, von denen jeder einzelne schon für eine eigene Geschichte ausreichen würde. Morton Chapel, der Chef des Teams, verfügt augenscheinlich über eine bewegte Vergangenheit. Eingangs wird der Leser bereits mit Chapels traumatisierter Tochter Megan konfrontiert. Sobald sie ihren Vater nur sieht, erwacht sie aus ihrer Starre und verfällt in einen hysterischen Schreiwahn. Szenen wie diese machen es dem Leser schwer mit Chapel zu fraternisieren.

Optisch ein gealteter Lex Barker, eine Mischung aus Abenteurertyp und Pinkerton-Agent, hoch aufgeschossen, hager, stets ernsthaft steht dieser Mann ansonsten sehr unterschiedlichen Charakteren vor, die ihre Aufgabe aber nicht weniger ernst nehmen. Bart Rumble, ein irisches Urgestein, ist der sympathischste der vier Teammitglieder. Er ist herzlich, leidenschaftlich, er kann einstecken und austeilen. Er ist ein Profi, der sich in gefährlichen Situationen sehr im Griff hat – was angesichts einiger Szenen ziemlich beeindruckend ist.

Christian Rossi, westernerprobt an der Seite von Jean Giraud bei Jim Cutlass, zeichnet ein Kraftpaket von einem Mann, der in einem Ringerkostüm auch auf einem Jahrmarkt auftreten könnte. Auch die beiden anderen Figuren, Doktor Lennox und Joey Bishop, haben Format und einen guten Wiedererkennungswert. Der grafische Stil besitzt, äußerst passend, eine dokumentarische Form. Wie ein Gerichtszeichner seziert Rossi die Zeit, den Ort, die handelnden Figuren mit scharfem Blick und sicherer Hand. Mit Ocker, Orange, aber auch kaltem Grau und Blau schafft er eine gespenstische Atmosphäre, die auf der Grenze zum Western wandelt und mit den Erinnerungen an bräunlich verblasste Fotografien der besagten Jahrhundertwende spielt.
Darüber hinaus arbeitet er mit ähnlich zerbrechlich anmutenden Darstellungen eines späteren Giraud, aber ohne allzu sehr in die Abstraktion oder zu große Einfachheit zu verfallen.

Eine Geschichte, die in der ins Abseits gedrängten Ecke der amerikanischen Geschichte spielt. In dieser frühen Kubakrise schaffen Dorison und Nury eine perfekt atmosphärische Gruseldämmerung mit überzeugenden Charakteren. Rossis grafische Umsetzung ist wie geschaffen für dieses Genre – wie er schon zuvor unter Beweis gestellt hat. Sobald W.E.S.T. Kuba erreicht, kann der Leser sich den Bildern nicht mehr entziehen. Wer sich Grusel und Freiheitskampf Seite an Seite in historischer Umgebung vorstellen kann und mag, wird hier sehr mitreißend und niveauvoll unterhalten. 🙂

W.E.S.T. 3 – El Santero: Bei Amazon bestellen

Sinbad 1 – Der Krater von Alexandria

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:27

Sinbad 1 - Der Krater von AlexandriaHüte dich vor dem, was du dir von einem Djinn wünschst! Aladin fand einst die Lampe, die sein Leben verändern sollte. Vieles hat sie ihm eingebracht. Nun ist er sogar der geliebte Kalif, dessen Geschichte sich das Volk auf den Straßen erzählt. Die Wahrheit jedoch ist vielschichtig. Aladin hat den Djinn aus der Lampe nicht so unter Kontrolle, wie er gerne hätte. Eine Frage bringt sein ganzes Leben durcheinander – um es vorsichtig auszudrücken. Aladin möchte seine Zukunft kennen. Die Antwort, sein Sohn werde ihn dereinst töten, gefällt ihm ganz und gar nicht. Leider hat der Djinn eine Lösung parat.

Viele Jahre später möchte ein inzwischen erwachsener junger Mann mehr über seine Herkunft herausfinden. Merkes, ein Seemann, hat ihn wie einen Sohn aufgezogen, nun zieht es Sinbad hinaus in die Welt. Nur ausgerüstet mit dem, was er am Leibe trägt und einem Beutel, in dem allerlei Zauberwerk versammelt ist, macht er sich auf die Suche nach einem Krater von Alexandria. Doch das ist viel leichter gedacht, als getan. Denn der Krater will nicht nur gefunden, sondern auch gefüllt werden, damit er seiner Bestimmung nachkommen kann.

Willkommen im Orient! Sinbad ist wieder da. Nicht wenige werden mit der putzigen Zeichentrickserie um den Seefahrer aufgewachsen sein. Manche werden sich an das Auge des Tigers erinnern und ein paar weniger kennen vielleicht noch Douglas Fairbanks jr. in der Rolle des dreisten und sympathischen Abenteurers. Sinbad – wie er hier genannt wird und nicht Sindbad – nimmt sich, was er braucht. Überleben ist auf den Straßen, zwischen den Basaren, Häfen und Händlern das A und O. Manchmal gilt es auch, sich eines zornigen Bruders zu erwehren, dessen Schwester Sinbad entehrt hat.

Christophe Arleston, der als Comic-Autor mittlerweile auf eine beachtlich große Anzahl von Alben zurückblicken kann, zeigt an besagter Szene sehr schön, dass Sinbad nicht nur ein kleiner Schaumschläger ist, sondern auch einer, der sich seiner Haut zu erwehren weiß. Im Kampf heiligt der Zweck, das Überleben, die Mittel.
Man wird als Leser schnell warm mit diesem Halunken, der nicht nur eine scharfe Klinge führt, denn mit Worten, spitz wie auch charmant, ist er ebenso gut.

Durch die Augen eines ehemaligen Disneyaners, Pierre Alary, erlebt er der Leser diese wundersame Märchenwelt. Äußerst interessant sind seine Entwicklungsstudien, die zuerst noch einen älteren reiferen Sinbad zeigen. Angekommen in der Endversion ist er ein junger Mann mit Bart, jemand, der seine Jugend hinter Barthaaren versteckt.

Obwohl Alary zehn Jahre als Animateur bei Disney verbracht hat, ist sein Zeichenstil sehr von der zuckersüßen Ausdrucksform der Disneyschen Welten entfernt. Und dort, wo man als Leser glauben könnte, dass er sich dieser Form annähert, führt er dieses Vorurteil ad absurdum. Denn je putziger hier jemand ausschaut, desto gefährlicher ist es, er oder sie. Der Leser sieht dies am Beispiel der Zauberin Turabah, die wie die minderjährige Schwester von Pocahontas wirkt. Auch der Djinn kann eine optische Verwandtschaft zum Djinni aus Aladdin, der Disney-Produktion von 1992, nicht leugnen. Sein Verhalten indes ist alles andere als komisch.

Es entsteht zuweilen der Eindruck, als zerpflücke Alary alte Vorbilder mit großem Genuss. Dafür arbeitet er aber auch sehr klassisch – und sehr gut – mit Vorzeichnung und Tusche. Die daraus entstehenden Grafiken haben zwangsläufig etwas weiches, abgerundetes, sehr lebendiges. Da schwingen die Linien, laufen sanft aus. Das Hinsehen macht hier richtig Spaß.

Die Kolorierung von Jean-Paul Fernandez verwendet alles, was das Grafikprogramm hergibt. Aber Fernandez passt sich auch den Zeichnungen an, arbeitet zurückhaltend und färbt den Grafiken von Alary nicht den Rang ab.

Ein sehr flüssiges Leseerlebnis, sehr gut von Arleston erzählt – das wird langsam zur Gewohnheit – dank der Abweichungen von bisherigen Erzählungen auch völlig unvorhersehbar. Alary und Fernandez liefern stimmige märchenhafte Grafiken, deren manchmal im Gegensatz zu der sehr erwachsenen Erzählweise steht. Für Freunde gepflegter Abenteuer sicher empfehlenswert. 🙂

Sinbad 1 – Der Krater von Alexandria: Bei Amazon bestellen

Samstag, 27. September 2008

Cosa Nostra 1 – Die Anfänge

Filed under: Thriller — Michael um 18:26

Cosa Nostra 1 - Die AnfängeLeonardo Teresi erzählt von seinem Leben und seiner Stadt. Bricks, so rufen sie ihn, schaut aus wie ein kleiner Ire. Mit seinen neun Jahren hat er schon viel gesehen und viel gehört. Dabei steht er immer nur an einer Ecke und wartet darauf, dass er gebraucht wird. Kleine Aufträge, die einen Laufburschen benötigen, fallen immer wieder einmal für Bricks an. Dazwischen wartet er, beobachtet und nimmt den Leser mit auf eine Reise in sein New York, so, wie er es erlebt hat.

Es ist eine große Zeit der Einwanderer. Viele freuen sich auf den Neuanfang, wissen um den Wert ihrer Chance in diesem jungen Land. Doch sie können auch nicht so schnell vergessen. Es bilden sich Enklaven. Stadtteile wie Little Italy oder China Town entstehen. Die Familienväter sind einem Leben ohne Aussicht entkommen, damit ihre Kinder es einmal besser haben.

Mancher Sohn sieht sein Heil nicht im Lernen und einem ehrlichen Job. Es gibt Geld, das leichter verdient werden kann, auch aufregender. Wo Geld zu holen ist, entstehen Rivalitäten. Unter Gangstern werden solche Rivalitäten auf die harte Tour ausgefochten. Es gibt Bosse, solche, die zur Nachfolge herangezogen werden und auch solche, die nicht länger die Opferlämmer sein wollen.

David Chauvel und Erwan Le Saec erzählen die Geschichten von einem Salvatore Lucania, der später als Lucky Luciano berühmt wurde. Wir erfahren von Frank Costello und Alfonso Caponi, dessen späterer Name Al Capone um die Welt ging. Schutzgelder werden erpresst, die ersten Drogen verkauft. Der Band fragt: Wie konnten jene berühmten Gangster zu dem werden, was von ihnen als historische Figur blieb?
Bricks’ Geschichten beginnen mit einer Erpressung. Durch einen geschickten Plan soll einem Einwanderer das ersparte Geld abgeknöpft werden. Doch die Alten haben die Rechnung ohne die Jungen gemacht.

Vor der unspektakulären, sehr abgeklärten Erzählweise von David Chauvel zeichnet Erwand Le Saec sehr fein linierte Bilder, fast ein wenig an naive Kunst angelehnt – ohne durch das Wort naiv den künstlerischen Wert des Comics schmälern zu wollen. Le Saec balanciert stilistisch auf einer Grenze von Naiv zu Pieter Bruegel, detailverliebt, exakt. Er zeichnet Wölfe, junge Wölfe in Menschengestalt, die sich zu neuen Rudeln zusammenschließen.

Kleidung, Möbel, Straßenzüge, Frisuren, Fahrzeuge, Uniformen und viele andere Kleinigkeiten ergeben zusammen mit dem zerbrechlich anmutenden Aufbau der Seiten kleine Fenster in die Vergangenheit.

Die eindringlichste Geschichte im vorliegenden Band ist sicherlich So starb Herman Rosenthal. Bricks erzählt über einen Abschnitt aus dem jüdischen Verbrechertum, das neben anderen Verbrecherinitiativen, allen voran der italienischen, in der Erinnerung verblasst – obwohl ein Name wie Bugsy Siegel in der Wahrnehmung vieler untrennbar mit Las Vegas verbunden ist.
Herman Rosenthal erlebt eine Zeitenwende des Verbrechens. Bit Tim ist krank. Andere wie Polizeileutnant Charles Becker sehen ihre Chance gekommen, um sich ihre Pfründe zu sichern. Jemand wie Rosenthal, ein Protegé von Big Tim, wehrt sich gegen den Wechsel, denn es geht auch um Ehre. Für andere wie Arnold Rothstein, ebenfalls ein Protegé, geht es nur um Geld. Entweder man hat es und lebt. Oder man ist tot.

Obwohl Rosenthal zu den, wenn auch harmloseren, Verbrechern gehört, zittert man mit ihm. Wie in einer Buchdokumentation muss man mit ansehen, wie Rosenthals Leben Stück für Stück den Bach runtergeht. Wenn Herman 500 Dollar angeboten werden mit der Aufforderung, New York zu verlassen und eine Weile unterzutauchen, bis die Luft wieder rein ist, packt man sich als Leser an den Kopf, weil er diesen Vorschlag ablehnt.
David Chauvel stellt die Ereignisse sehr intensiv und nachvollziehbar dar. Dort, wo historische Lücken und Fragen existieren, schließt und beantwortet er diese nicht freimütig, sondern überlässt dem Leser auch mal das Grübeln.

Ein packender Stück Geschichte, aufgezeigt an vielen Einzelschicksalen, Durch einen gelungenen Kniff sehr mitfühlend und dramatisch erzählt. Optisch stimmig und atmosphärisch belebt der Band über die Anfänge der Cosa Nostra auf sehr originelle Weise. Jene, die an alten Gangstergeschichten interessiert sind und historische Ausflüge in dieses Genre vermissen, werden hier ein schönes Leseziel finden. 🙂

Cosa Nostra 1 – Die Anfänge: Bei Amazon bestellen
Oder bei Schreiber & Leser.

Donnerstag, 18. September 2008

Torpedo 5

Filed under: Thriller — Michael um 18:01

Torpedo 5Ein Killer macht überall seine Arbeit. Nichts kann ihn aufhalten, nichts kann ihn ablenken oder schockieren. Luca Torelli ist auf Kuba. Zusammen mit seinem treuen Partner Rascal macht er sich ans Werk. Nackte Frauen und kubanische Stürme, nichts hält den Auftragsmörder von seinem Job ab … Na, etwas erschweren sie seine Arbeit schon. Ein bißchen. Aber nicht sehr. Denn so richtig wütend wird Torpedo doch nur, wenn ihm jemand sein Geld vorenthalten will. – Meistens jedenfalls.

Letzte Runde! Torpedo darf sich zum Abschluss der fünfteiligen Reihe noch einmal so richtig austoben. – Und nutzt jede Gelegenheit dazu. Mehr noch: Die Zeit für mancherlei Abrechnung scheint gekommen. Titel wie Geheiligte Vendetta oder Der Tag der Boshaftigkeit erzählen darüber Bände. Manchmal, ja, manchmal schlägt Torpedo sogar für seine Verhältnisse über die Stränge und das Grinsen im Gesicht des Lesers über seine Untaten versteinert schlagartig.

Zuallererst jedoch geht es für Torpedo ins Ausland, nach Kuba, zu jener Zeit, als die Stimmung zwischen den USA und Kuba noch in Ordnung war. Als Kuba nur die Bedeutung von Zuckerrohrschnaps, heißen Rhythmen und noch heißeren Bräuten hatte. Torpedo ist aber nicht zum Tanzen und Saufen nach Kuba gekommen, noch weniger zum Vergewaltigen, was er hin und wieder auch ganz gerne praktiziert, nein, er hat einen Job: Er soll jemanden umlegen.

Trotz aller Gewalt zelebrieren Jordi Bernet und Enrique Sánchez Abulí ein Spaßfest, das jedes noch so kleine Klischee über Latinos, Latinas, Kuba, Südamerika, südamerikanische Gangster, Revolución, Salsapartys ausgräbt. Daneben finden sich kleine Anleihen, Seitenhiebe und Verbeugungen vor den kleinen und großen Vorbildern. Einen großen Spaßfaktor bedeutet hier auch das Auftreten von Gangster-Drillingen, schön abgestuft groß, mit gleich geschnittenen Gesicht und mit den Namen Joe, Jack und Averell gesegnet. Die drei eifern einem Cartoon-Quartett nach und benehmen sich ein wenig wie eine Mischung aus den drei Stooges und den Marx Brothers.

Adieu Schönling heißt die Überschrift über das Ende eines Mannes, der sie alle haben kann. Mit alle sind natürlich die Frauen gemeint. Dieser Umstand lässt den unbändigen Jähzorn in Torpedo hoch kochen, ebenso wie in der Geschichte Pietro, einer Episode aus Torpedos Jugendjahren.
Letztere Geschichte gehört zu denen, die es ganz besonders in sich haben und nicht so recht zu begreifen sind. Mag die Geheiligte Vendetta besonders aus italienischer Sicht begreiflich sein, der Gewaltausbruch zur Normalität gehören, ist dies in der erwähnten Geschichte, in der Torpedo ein Ehepaar mit einem Bügeleisen zu Krüppeln schlägt nicht verständlich. – Na ja, einen schlechten Tag hat jeder mal, oder? So Torpedos abschließender Kommentar dieser Episode. Nur das Glucksen eines Säuglings, dem er bereits vor seiner Wiege mit erhobenen Bügeleisen gegenüber steht, hält ihn von einer weiteren unseligen Tat ab.

Spätestens jetzt sollte jedem Leser klar sein, dass Torpedo niemand ist, den man sonderlich leiden kann, der des Mitleids in irgendeiner Form würdig ist. Luca Torelli, so Torpedos bürgerlicher Name, kennt seit seiner Geburt nichts anderes als die Gewalt. Die verschiedenen Altersstationen, von denen auch hier wieder etwas zu bestaunen sind, werden von Jordi Bernet mit einem unglaublichen Geschick zu Papier gebracht.

Da ist der ständig strenge Blick Torpedos (ganz wie Clint Eastwood), das wahnhafte Gesicht, der ohnmächtige Zorn, das freche Grinsen und der relativ harmlose Großkotz. Hier ist alles auf dem richtigen Punkt. Da sitzt nichts schief, da passt die Perspektive, die Schatten betonen, was besonders gesehen werden soll. Bei merkwürdigen Gestalten wie den Drillingen (oder drei Brüdern) und den Jackson-Brüdern Chuck und Jock kann Bernet so richtig aufdrehen. Letzteren gönnt der den disneyschen Bösewicht-Look aus den frühen Zeichentricktagen, ein Aussehen, das manche Szene umso pikanter macht.

Gewalt, Sex und Abartigkeit sind noch einmal eine Stufe höher gestiegen in dieser letzten Ausgabe. Der Beigeschmack ist bitterer, sicherlich kann man lachen, sogar herausprusten, doch dafür muss man auch die verdammt bittere Pille in Kauf nehmen, die es zu schlucken gilt. So leicht lassen Bernet und Abulí den Leser diesmal nicht davon kommen. Glänzende Unterhaltung ist es trotzdem, da Abulí tolle Szenarien verfasst und diesen riskanten Gang über das Drahtseil gewagt hat. Wenn man auf der anderen Seite ankommt, muss man erst einmal tief durchatmen. 🙂

Torpedo 5: Bei Amazon bestellen

Der Feind 2 – Die Hexe

Filed under: Mystery — Michael um 11:57

Der Feind 2 - Die HexeDer alte Feind, der, der diesen Namen auch verdient, spinnt sein Netz und Yasmine Giggs scheint keine andere Möglichkeit zu haben, als mit großen Schritten hineinzutappen. In ihrer Erinnerung ist es nicht besser als in der Gegenwart. Nur von einer kleinen Puppe beschützt sieht sich die nur unwesentlich größere Yasmine ihrem Vater gegenüber, der einen riesigen Schatten über sie wirft. Überall ist Blut, alles ist rot. Die Ängste der jungen Frau sind nicht unbegründet, denn die Polizei glaubt, dass ihr Vater für Ritualmorde verantwortlich ist.

Die Spur führt nach Julesburgh in Texas. Dort haben weitere Ritualmorde stattgefunden. Ein Fernsehsender hat Aufnahmen gemacht, auf denen der Abtransport der Leichen durch die Behörden zu sehen ist. Außerdem – und das ist für Yasmine der weitaus wichtigere Teil – ist unter den erschütterten Schaulustigen ganz kurz Yasmines Mutter zu erkennen.

Wenig später trifft Yasmine in Julesburgh ein und wünscht sich bald, sie wäre nicht hergekommen.

Der alte Feind ist wieder da! In den letzten Jahren las und hörte der Leser und Zuschauer diesen Begriff eher selten. Werke über Satanismus, Ritualmorde und Besessenheit haben nicht den reißerischen Effekt, den Vampire haben und weswegen sie entsprechend beliebt sind. Interessante Werke zu Ritualmorden und Auftritten des Teufels waren Dust Devil oder auch Das Ritual, mit Martin Sheen glänzend besetzt. In Produktionen wie End Of Days fragt man sich unwillkürlich, warum der Teufel höchstpersönlich sich selbst so sehr ins Geschehen stürzen muss.

Der Feind, erzählt von Thierry Robberecht, verfährt weitaus eleganter. Der Feind ist der Gentleman im Hintergrund. Er ist ein Aufblitzen, ein Erkennen, ein Schattenriss, manchmal auch nur ein Befehl. Das Endresultat findet sich dann in Form von blutigen Lettern an der Wand.
Träume, Visionen, kurze Momente des Sehens verzerren für die Akteure die Realität, schaffen eine Art teuflischen Stasi, der allgegenwärtig zu sein scheint und von dem man auch als Leser nicht weiß, wer es eigentlich ist. Der Leser weiß mehr als Yasmine, aber er tappt in mancherlei Hinsicht auch im Dunkeln.

Mit Julesburgh hat Robberecht einen Ort in den USA geschaffen, der die uramerikanischen Eigenschaften besitzt, wie sie auch schon Rambo zu schaffen machten. Mit Misstrauen, Kleingeist und der Bereitschaft versehen, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen, ist Julesburgh der Alptraum für jeden, der sich auch nur das kleinste Vergehen zuschulden kommen lässt. – Sollte man meinen.
In Wahrheit brodelt es hinter den Fassaden. Bereits vor Unzeiten wurde eine Vorfahrin Yasmines wegen Hexerei in Julesburgh verbrannt. Ein furchtbarer Mord und ein Verdacht auf Inzest werfen zusätzlich Holz ins Feuer der Bürgerseele. Der Feind weiß, wie er das Volk aufzuwiegeln hat. Zusätzlich findet er immer neue Getreue.

Die Atmosphäre, dargestellt durch den Zeichner Alberto Pagliaro und den Koloristen Cosimo Lorenzo Pancini, ist in jedem Moment bedrohlich. Die gewählten Grundtöne bestehen aus dunkelgrau, braun, dunkelrot, manchmal durchschossen von einem Orange oder einem blassen Gelb. Hautfarbe, Haut überhaupt, repräsentiert stets die Versuchung, eine Abkehr vom Weg, ein Umstand, der in Yasmines Gedanken immer wiederkehrt.

Es schaut so aus, als seien die Zeichnungen komplett am Rechner eingefärbt worden. Die Tuschestriche müssten so ebenfalls in bewährten Grafikprogrammen entstanden sein, wie die Farbaufträge es sind. Manche Striche haben die typische Ausfransung und zuweilen leicht krumme Linienführung, ein Merkmal einer Arbeit mit dem Zeichentablett. Das stört nicht weiter und kann durchaus auch als kreativer Ausdruck verstanden werden.
Für die Kolorierung wurden sehr weich ineinander übergehende Farbtöne gewählt, manchmal auch verstärkt durch den einen oder anderen Filtereffekt eines Grafikprogramms (ich sag’ nicht welches, aber die Auswahl hierfür ist nicht allzu groß).

Insgesamt gehen die Geschichte und die Bilder sehr schön ineinander auf, bilden eine Einheit. Es entsteht der Eindruck eines Bausteingeflechts, der nicht zuletzt durch die kleinen Einschübe in die Haupthandlung verstärkt werden, die so wie Mosaiksteinchen wirken. Das Ziel der Geschichte ist kaum zu erkennen. Was Satan bezwecken mag, ist nur undeutlich zu erkennen. Längst hat der Feind die Fäden in der Hand. Im Verlauf dirigiert er so immer stärker, vehementer über mehr Leichen gehend, bis ein gemeiner Cliffhanger den Leser neugierig zurücklässt.

Der Teufel schlägt zu, nicht weit oben als Drahtzieher, sondern mitten unter den Menschen, in einer Kleinstadt. Des Teufels Pläne wirken wie ein Experiment, aber mit Bedacht ausgeführt. Thierry Robberecht zieht den Leser unmerklich hinein in den Wahn, der sich um die Hauptfigur Yasmine ausbreitet. Düster, auch makaber, ein wenig zynisch an manchen Stellen, etwas erotisierend – der Teufel kommt nicht ohne aus – und auf jeder Seite spannend. Wer Horrorgeschichten mag, die mit sehr viel Fingerspitzengefühl erzählt sind, kann Gefallen an dieser Fortsetzung finden. 🙂

Der Feind 2 – Die Hexe: Bei Amazon bestellen

Dienstag, 16. September 2008

Warhammer 40.000 – Tod und Verderben

Filed under: SciFi — Michael um 18:11

Warhammer 40.000 - Tod und VerderbenOrks und Kobolde können einem Krieger mit ihrer Taktik gehörig den Tag verderben. Irgendwie hat dieses grüne Pack keinerlei Spaß am Leben. Warum sonst würden sie sich gegenseitig bei der Erstürmung über den Haufen rennen? Warum sonst würden sie sich sogar in den Rücken schießen? – Gut, ihre Zielgenauigkeit ist nicht die beste, aber ein wenig Mühe könnten sie sich trotzdem geben. Ob schlecht in Kriegsführung oder nicht, es reicht aus die Festung auf Demaris Tertiary zu Fall zu bringen. Denn die Orks sind nicht nur vollkommen irre, sie sind auf ihre Art auch eine Art Urgewalt.

Außerdem sind sie dumm wie ein Stück nasses Brot. Oberst Izraell Honor Castillian vom 96sten Regiment überlebt durch einen Zufall und fällt in eine Grube mit Abfall und Exkrementen. Derart verunstaltet erinnert sein Aussehen an einen sehr schmächtigen Ork – jedenfalls sehen das die Orks so, die den überlebenden Soldaten finden und für ein kurioses dürres Ekelpaket halten. In einem Käfig sitzend, gehalten wie ein Haustier, muss der Oberst mit ansehen, wie das Leben der Orks seinen Lauf nimmt. Schließlich ist das Chaos so groß, dass ihm die Flucht gelingt. Oberst Izraell Honor Castillian sinnt auf Rache.

Mit Warhammer 40.000 – Tod und Verderben stehen die Orks im Mittelpunkt der Geschichte. Abgedreht, wahnsinnig, irrsinnig daher plappernd kämpfen sie, meucheln sie, metzeln sie gegen den Feind, untereinander, wenn es ihnen in den Sinn kommt (welcher Sinn?). Dan Abnett und Ian Edginton veranstalten ein Woodstock für Orks, ohne Musik, dafür mit umso mehr Schlamm.

Orks müssen dem Leser Spaß machen, ansonsten braucht er diese Ausgabe von Warhammer 40.000 gar nicht erst zur Hand zu nehmen. Die Dialogtexte wurden in orkischer Umgangssprache verfasst. Eine gefährliche Mixtur aus Kölsch, Rheinisch und Berlinerisch. Optisch schmeißen sich diese Wesen in die seltsamsten Rüstungen, tragen obendrein die abgeschlagenen Häupter ihrer Feinde als Trophäen spazieren und sitzen an den Steuern und Kanonen von den merkwürdigsten gepanzerten Fahrzeugen, die trotzdem über eine ordentliche Schlagkraft verfügen, die ihnen ihre Feinde, die Menschen, gar nicht zugetraut haben. – Im Spiel mögen die Menschen besser aussehen, aber Orks machen viel mehr Spaß!

Zeichner Daniel Lapham harmoniert in den ersten beiden Kapiteln mit dem Koloristenteam Aeronik (man weiß nie, wer sich hinter einem Farbstudio genau verbirgt) sehr gut. In der mittlerweile typischen Photoshop-Wischtechnik, die allerdings auch gekonnt sein will, werden die Zeichnungen eingefärbt. Es entstehen viel Tiefe, düstere Schatten, gute Kontraste. Kolorist Lads Helloven gibt sich nicht mehr ganz so viel Mühe und bleibt sehr oberflächlich, fast schon ein wenig eintönig.

Nach der Spaß-Attacke durch die Orks – wenn auch einer recht blutigen Attacka, Verzeihung, Attacke, aber so sind sie eben – folgen zwei weitaus ernsthaftere Kurzgeschichten aus menschlicher Sicht. Letztere Geschichte, Tod aus den Lüften, gezeichnet von Lui Antonio, koloriert von J.M. Ringuet weiß in allen technischen Punkten zu begeistern. Mit der gleichen Exaktheit, mit der Antonio bei den Zeichnungen zu Werke gegangen ist, führt Ringuet die Kolorierung aus. So ist eine grafisch schöne Episode entstanden, mit ein wenig Trickfilmflair, nur leider zu kurz.

Ein völlig anderer Band als sein Vorgänger aus dem Warhammer 40.000-Universum. Weniger ernsthaft, mit größerem Spaßfaktor, besonders für Fans des Strategiespiels zu empfehlen. Wer von jeher Ork-Fan ist, ganz gleich aus welchem Universum, und eine Verquickung (tolles Wort) mit SciFi mag, könnte sich mit diesem Band auch gut unterhalten. 🙂

Warhammer 40.000 – Tod und Verderben: Bei Amazon bestellen