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Comic Blog


Montag, 19. Dezember 2011

CÄSAR Gesamtausgabe

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 19:58

CÄSAR GesamtausgabeEine Putzfrau ist nicht leicht zu finden: Es gibt welche, die glauben, Cäsar sei als Arbeitgeber nicht gut genug, weil ihm eine gewisse Hochherrschaftlichkeit fehle. Und das Aussehen. Andere glauben ihre Zeit mit dem Rauchen von Zigarren verbringen zu können, da eine ausgedehnte Pause nun einmal dazu gehöre. Aber schließlich findet Cäsar Felicitas, eine wahre Perle. Auf ihre Art. Sie ist nicht weniger frech als die anderen, die sich vorgestellt haben. Doch immerhin kann Cäsar ihr etwas parieren. Es entsteht eine Beziehung mit sehr viel Reibung. Eine Zuneigung ist spürbar, nur scheint jeder der beiden bemüht, diese so gut es eben geht zu unterdrücken.

Heutzutage hätte Maurice Tillieux vielleicht noch einen weiteren Beruf als Autor für Comedy-Serien. Denn bei genauer Betrachtung ähnelt die Konzeption von Cäsar mit den wenigen Nebenfiguren jenen einer Comedy-Serie mit wiederkehrenden Charakteren. In lose verknüpften Episoden erzählt Maurice Tillieux aus dem Leben des Grafikers Cäsar. Dessen Leben könnte ein ruhiges sein, gäbe es nicht die Nachbarn, die ihre kleine Tochter Effi zu ihm schicken, damit er auf sie aufpasst. Cäsar, ein Pfeiferaucher, schlank zwar, aber nicht sportlich, eher gemütlich, muss erleben, wie es ein aufgewecktes Kind schafft, seine behagliche eingerichtete Welt in kürzester Zeit einzureißen.

Effis Vater, Polizist Knöllchen, versteht nicht viel Spaß. Beruflich versteht er keinen und wenn es Cäsar nicht gelingt, angemessen auf Effi aufzupassen, hört der nicht vorhandene Spaß sogar ganz auf. Ist Effi die findige, quirlige, aber liebe, ist Knöllchen der aufbrausende, sehr bodenständige Beamtentyp, fast eine französischbelgische Version des Münchners im Himmel (ohne zu frohlocken). Mehr Raum nimmt Felicitas ein, die eigentlich bei Cäsar sauber machen soll, aber eher geneigt ist, sich darüber zu beschweren, dass es bei ihm daheim so schmutzig ist.

Ohne Worte verbreitet Cäsars Auto einen gewissen Witz. Das Wetter im Urlaub (stets schlecht) ist ein Running Gag. Und gestaltet sich das Wetter gut, dann stimmt etwas anderes nicht. Als wäre das noch nicht genug Ungemach, gibt es noch die Vertreter, die Cäsar immer abzuwimmeln versucht, aber doch scheitert: Entweder wegen seiner Gutmütigkeit oder ihrer Hartnäckigkeit. Die mit leichter Hand getuschten Zeichnungen, in klassischer Schule, wie sie der Leser von Jeff Jordan, Lucky Luke oder Asterix her kennt, nehmen den Leser schnell für Cäsar ein.

Mögen die Spiele beginnen: Maurice Tillieux bringt seine Charaktere in Stellung und feilt an Witzen. Er setzt die Abschlusspointe oder lässt den Sketch komplett wirken, als kleine humorige Geschichte. Mehr als eine Seite stand ihm nie zur Verfügung. So erzählte er Variationen einer Geschichte, die auf die Leser der Zeitschrift, in der Cäsar erschien, wie eine Fortsetzung wirken konnte, ohne für Neulinge den Einstieg zu erschweren. Tillieux ist mit seinen Sketchen zu keiner Zeit gemein. Sicherlich erleichtert er Cäsar das Leben nicht gerade, doch das ist Cäsars Aufgabe. Allerdings kommt Cäsar meistens mit einem blauen Auge davon.

Großherzigkeit wird dem Grafiker manchmal regelrecht zum Verhängnis. Eines der besten Beispiele ist sein Verhältnis zu Wachtmeister Knöllchen. Im Wagen sitzend am Straßenrand hört sich Cäsar das Liebesleid von Knöllchen an, bis diesem auffällt, dass Cäsar im Halteverbot steht und somit eine Verwarnung fällig wird. Über allem Liebeskummer darf die berufliche Pflicht nicht vergessen werden. Wie alle Cartoon-Figuren ist Cäsar ein Stehaufmännchen von hoher Leidensfähigkeit. Im redaktionellen Teil wird über die Angst der Zeichner und Szenaristen berichtet, einfallslos vor einem leeren Blatt zu sitzen, während der Abgabetermin immer näher rückt. Davon ist bei Tillieux nichts zu spüren.

Die Variation eines Sketches mag zwar wie ein Weg wirken, eine ideenarme Zeit zu überbrücken, doch selbst diese (man beachte hier die kleine Reihe, in der Cäsar versucht, eine Geschichte im Radio bis zu ihrem Ende zu hören) sind so ausgefeilt, auch liebevoll und zeitlos erzählt, so dass Tillieux gleich morgen wieder ins Geschäft einsteigen könnte.

Ein Gag-Feuerwerk: Der pralle Band fasst sämtliche erschienenen Cäsar-Geschichten zusammen. So entsteht ein schönes Bild eines Cartoon-Lebens und zeigt ebenfalls das überdurchschnittliche Talent von Maurice Tillieux. Humor in vielen Variationen, immer intelligent, zeitlos, genau die richtigen Geschichten, um die kalte Jahreszeit zu überbrücken. 🙂

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Freitag, 16. Dezember 2011

KONUNGAR 1 – Invasionen

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:06

KONUNGAR 1 - InvasionenAlstavik, jene fast mystische Festungsstätte, hat seit langer Zeit keinen rechten Frieden mehr gesehen. Die Thronerben, zwei Brüder, entzweiten sich, spalteten das Reich durch ihren Zwist. Einzig ruht sich das Land noch auf dem Sieg über die Zentauren aus. Doch dieser alte Feind kehrt zurück, just als sich die Kelten an anderer Stelle zur Fehde sammeln. Ein Zufall? Berge durchziehen das Land. Urwüchsige Wälder bilden das Antlitz dieses Reiches. Alstavik selbst, die riesige Festung, ruht auf dem Astwerk des Weltenbaumes Yggdrasil. Nichts mag dieses Bollwerk, das sich so mächtig nach außen hin gibt, erschüttern. Doch der Zerfall droht aus dem Inneren. Der Familienstreit, die Uneinigkeit der Streitkräfte schwächt das Reich und so wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis äußere Feinde dieser Dynastie den Garaus machen.

Zentauren: Seltene Gäste im Bereich der Fantasy, eher bekannt aus der griechischen Mythologie, doch im näheren Umfeld der Wikinger, im hohen Norden, waren sie bislang kaum zu erwarten. Allgemein sind sie am Körperbau erkennbar: Ein menschlicher Oberkörper wächst an der Hüfte aus einem Pferdekörper, dort, wo ansonsten der Kopf des Tieres zu finden ist. Zentauren (oder auch: Kentauren, Centauren) sind allgemein eine sehr brutale und kriegerische Rasse. Sylvain Runberg hält sich an diese grundsätzlichen Eigenschaften und fügt noch ein paar ziemlich grobschlächtige Merkmale hinzu.

Eine komplette Seite gönnt Runberg seinem zeichnenden Kollegen Juzhen, um die Ansicht dieses Zentauren, man sollte meinen, einem Anführer, zu zelebrieren. Diese Figur wirkt weniger wie ein Mensch, der eine Verbindung mit einem Pferdekörper eingegangen ist, als vielmehr wie ein Ork, der es proportional betrachtet viel besser mit einem Pferd aufnehmen kann. Das Titelbild lässt den Leser außerdem einen Eindruck darüber gewinnen, wie sich ein Zentaur gegen einen Menschen ausnimmt. Zentauren sind bei Runberg und Juzhen halbe Riesen.

Runberg belässt es nicht bei diesen phantastischen Einflüssen. Anderes orientiert sich an nordischen Legenden und interpretiert gleichzeitig gängige, sehr populäre Erscheinungsformen neu. Dvergars, Zwerge, erinnern mehr an monströse kleine Fledermausmenschen, vage vampirisch sogar. Und der Waldauerochse ist in seiner gigantischen Konzeption ein Anblick, den ein an Fantasy interessierter Leser sicherlich lieben wird. Ansichten dieser nordischen Welt, dunkel, kalt, wie zwischen Herbst und Winter gefangen wirkend, komplettieren einen sehr schön aussehenden Gesamteindruck.

Juzhen, der hier seine erste Serie vorlegt, geht mit ungeheurer Perfektion ans Werk. Die Strichführung ist ungemein fein, fast wie mit der Nadel radiert. Figuren, Charaktere wirken, als habe er sie gemeißelt, in Wirklichkeit Standbilder entworfen, immer etwas schöner als die Wirklichkeit, selbst wenn sie hässlich oder gar verletzt sind. Juzhen sucht auf den Seiten stets das Idealbild, so hat es den Anschein. Die Inszenierung hat etwas von einer Bühne mit einem großartigen Bühnenbild und gelungener Beleuchtung. Die unabhängig vom phantastischen Hintergrund erzählten Handlung kann mit einem königlichen Bruderzwist aufwarten, den auch alten Dramen entlehnt sein könnte. Insofern passt die bildliche Darstellung einmal mehr wie die berühmte Faust aufs Auge.

Gerade diesem Streit misst Runberg großen Stellenwert bei, der kaum so zu erwarten wäre, legt doch das Titelbild einen anderen Schwerpunkt, der aber, so lassen es die diversen ausgelegten Stränge vermuten, sehr bald schon zum Tragen kommen wird, denn Runberg schließt alle Vorbereitungen zu einem neuerlichen Kampf gegen die Zentauren ab.

Bruderkampf: Rildrig und Sigvald treten vor dem König, ihrem Vater, in einer Arena gegeneinander an. Dieser mehrseitige Abschnitt der Geschichte wird mit mythologischem Gefühl erzählt, gerade so als handele es sich um eine wahre Sage. Es ist auch kühl, etwas unpersönlich, mit Abstand geschildert, als schaue man durch die Augen des Königs, der selbst einen inneren Abstand zum Geschehen wahrt und sehr nüchtern die Vorkommnisse betrachtet. Sobald der Hass der Brüder in der Arena explodiert, ist die Nähe umso stärker vorhanden.

Fantasy abseits bekannter Strömungen, mehr zum Ursprung, zu den nordischen Völkern, den Wikingern hin orientiert, ohne sich sklavisch an das Original zu halten. Phantastische Einfälle und eine fast von Shakespeare inspiriert wirkende Familiengeschichte komplettieren diesen schönen Serienauftakt. 🙂

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Das Schloss der stummen Schreie

Filed under: Mystery — Michael um 17:35

Das Schloss der stummen SchreieSarah weiß nicht, was sie von dieser Umgebung halten soll. Zwar hat die freundliche Ärztin ihr gesagt, dass ihr geholfen werden solle. Dennoch kann sie diese Freundlichkeit nicht mit dem in Einklang bringen, das sie im Keller vorfindet. Die anderen Kinder, denen sie begegnet, die sie in einem Versteck vorfindet, von dem kein Erwachsener dieser Einrichtung erfahren darf, haben ähnliche Erfahrungen wie sie gemacht. Auch ihnen begegnete ein Monster und veränderte ihr Leben. Auch sie sind nun infiziert. Doch die Tragweite dieses Zustandes ist ihnen allen noch nicht bewusst.

Monster gibt es! Nur wenige wissen darüber Bescheid, noch weniger, jene, die einen Zusammenstoß mit diesen Kreaturen überlebten, können darüber berichten. Einige haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Wesen endgültig vom Antlitz der Erde zu vertreiben, sie für alle Zeiten zu vernichten. Ihre Form ist vielfältig. Sie sind Vampire, Werwölfe, sie können fliegen oder haben die Gestalt von Minotauren. Im Schloss der stummen Schreie werden Kinder gefangen gehalten, die möglicherweise der Schlüssel zur Vernichtung dieser Wesen sind. Oder zur Kontrolle. Dieser Fraktion, die halbmilitärisch agiert, steht ein Verbund gegenüber, viel mächtiger noch, unter der Kontrolle eines uralten Wesens, das bereit ist, für seine Ziele ebenfalls über Leichen zu gehen.

Nacht über Europa: Im unheimlichen Thriller von David Munoz scheint Nacht, das Zwielicht vorzuherrschen. Munoz erzählt die Handlung aus der Sicht von Sarah, einem kleinen Mädchen, das beide Elternteile und die große Schwester durch den Angriff eines der besagten Monster verloren hat. Lange wähnt sie sich allein, bis sie auf Leidensgenossen trifft und sich die Wahrheit langsam enthüllt. Es sind kleine Einblicke, die Munoz in seine Geschichte einbaut. Die Puzzleteile setzen sich zunächst nur sehr ungenau zusammen. Das Schloss der stummen Schreie spielt mit den Stilmitteln alter Horrorfilme und neuerer Erzählungen, wie sie derzeit sehr populär sind. Dabei gelingt Munoz ein Mittelweg und erinnert etwas an die Vampirserie Crimson von Humberto Ramos und Brian Augustyn, die vor einigen Jahren erschien.

Der im Mittelpunkt der Geschichte stehenden Sarah kommt eine ganz besondere Rolle zu. Aber die Frage ist: Wird sie am Ende Erlöser oder Vernichter sein? Ähnlich wie der erwähnte Zeichner Humberto Ramos kann auch der hier arbeitende Künstler seine Nähe zu amerikanischen und japanischen Publikationen nicht abstreiten. In den Frauengesichtern finden sich Mangaeinflüsse. Ansichten wie jene der Vampire haben eine optische Nähe zu Figuren, wie sie mit dem Kinofilm Blade II eingeführt wurden. Mit dem Minotaurus und anderen Tierwesen wird der phantastische Aspekt der Handlung auf sehr schöne Weise verstärkt, denn letztlich sind es auch diese Wesen, die den Horror der Nachtgestalten nicht teilen können.

Der Zwiespalt der Figuren wird sehr schnell deutlich. Auf der einen Seite stehen solche Kreaturen, wie sie auch in Cabal (nach einer Geschichte von Clive Barker) zu sehen waren. Diesen Zwiespalt heben Munoz und Tirso gleich zu Beginn der zweiten Episode mit dem Titel Demian in dieser Gesamtausgabe hervor. Keine der hier agierenden Seiten ist vollends einig. Dennoch driftet alles auf eine abschließende Entscheidungsschlacht zu, der nicht nur diese Geschichte vorausgeht, sondern eine Jahrhunderte andauernde Auseinandersetzung zwischen Monstern und Druiden, die heute unter der Bezeichnung Wissenschaftler bekannt sind.

Je mehr sich die Geheimnisse enthüllen, umso dichter wird die Figur der Sarah, die an ihrem Schicksal wächst. Tirso, in Zusammenarbeit mit dem Koloristen Javi Montes, arbeitet mit filmischen Eindrücken, imitiert Geschwindigkeit, die Rasanz von Kämpfen, die Schnelligkeit der Vampire. Er holt in Großaufnahme die Gesichter der Monster heran und verschleiert jene Szenen, die sich der Leser besser vorstellt. Montes zieht den Einsatz einer farblichen Grundstimmung vor oder bedient sich des Gegensatzes, indem er zwei Farbspiele auf einer Seiten einander gegenüber stellt. Düsternis ist Grundtendenz, aber Montes gibt ihr auch stets eine gewisse Leuchtkraft mit, die eine unheimliche, magische Atmosphäre stützt.

Wenn es die einen gibt, muss es auch die anderen geben: David Munoz erzählt von einem geheimen Krieg hinter den Kulissen der wirklichen Welt. In dieser Geschichte, im Umfeld des Schlosses der stummen Schreie, kommt es nach Jahrhunderten zu letzten Schlacht. Er mischt klassische und moderne Einflüsse, spielt mit Erwartungshaltungen und kreiert so manche Überraschung in dieser Gesamtausgabe, die die Einzelepisoden Sarah, Demian und Simon zusammenfasst. Ein grafisch gekonnt umgesetzter Monsterthriller mit einer perfekten Farbgebung. 🙂

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Dienstag, 13. Dezember 2011

Zeit der Asche

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:29

Zeit der AscheFirfin ist nicht gerade derjenige, der einem Reisenden in den gefährlichen Gefilden des Landes Vertrauen einflößen kann. Dennoch sind die drei Zwerge auf Unterstützung angewiesen, so gaunerhaft sie auch daherkommen mag. Firfin kennt sich ein wenig auf dem Gebiet der Heilung aus. Damit kann er nicht nur sich selbst zum Vorteil gereichen, auch die drei Zwerge, die doch bloß einen königlichen Nachfolger nach Hause geleiten sollen, werden sehr auf seine Dienste angewiesen sein. Denn dieses Land wimmelt nur so von furchtbaren Überraschungen: Donnerritter! Und dann auch noch dieses Getier, das an jeder Ecke, in der Luft, auf dem Boden und im Wasser lauert, um zu töten und zu fressen. So hatten sich die ansonsten tapferen Krieger ihre Reise nicht vorgestellt! Dabei fängt sie gerade erst so richtig an.

Fantasy einmal ganz anders: Hier ist schon die Landschaft monströs und lebensfeindlich. Der Leser begegnet in dieser Welt nicht den feinen (natürlich auch unheimlichen) Gegenden, Kerkern und Schlachtfeldern. In dieser von Bruno Chevalier beschriebenen und von Thierry Segur gezeichneten düsteren Weite wirkt es, als habe sich ein H.R. Giger zusammen mit einem Terry Pratchett zusammen getan. Letzterer hätte jedoch seinen Humor vergessen. Firfin, der Gauner, der Zwerg Noren und Morkai, ein Akei (aus dem Süden, von denen man nicht mehr viele findet) sind ein Trio sehr unterschiedlicher Charaktere, die nur selten komische Momente vorfinden (und diese halten auch nicht lange vor). Chevalier und Segur schicken ihre Helden lieber in (scheinbar) auswegslose Situationen.

Ausweglos wirkt bereits die Landschaft: Mit Sumpfgelände mag der Fantasy-Fan vertraut sein, doch dieses vervollständigt einen Gesamteindruck, der sich mit einem Gelände fortsetzt, das wie ein gigantisches Knochengebilde aussieht. Steinerne, geradezu zerrissene Formationen wechseln sich ab mit einer üppigen Grünlandschaft, in der die Natur schier aus allen Nähten platzen will. Und sind es nicht Schnee, Eis und Meer, die weitere Kulissen bilden, so entführen die beiden Macher den Leser in traumartige Sequenzen, die, so könnte man sagen, jeden noch so phantastischen Einfall ausschöpfen, der für eine dramatische Fortführung der Handlung notwendig ist.

Der Einfallsreichtum, der hier gezeigt wird, legt sich keinerlei Grenzen auf. Zwar gibt es Zwerge zu sehen, der Akei mag so etwas wie ein Riese sein auf seine Art, aber darüber hinaus könnten sich für dieses hier geschilderte märchenhafte Reich neben den erwähnten Künstlern auch Lewis Carroll (allerdings mit einer noch abgedrehteren Phantasie als in Alice im Wunderland) und die Erfinder von Jason Vorhees eingefunden haben. Das mag sich merkwürdig und unvereinbar anhören. Wer aber den Donnerritter im Zweikampf mit Ewandor gesehen hat, der an eine ungewöhnliche Mischung aus Yoda und Raupe Absolem erinnert, wird sich vielleicht überzeugen lassen.

Grafisch setzt Thierry Segur auf sehr fein strukturierte Bilder: Zarte Linien, treffsicher gezogen und bereits nach wenigen Seiten zeigt sich, wie es ihm gelingt die Seiten mit unterschiedlichen Perspektiven zu komponieren. So vollführt er den Wechsel vom Beobachter, der heimlich zuschaut, zum Akteur, der sich mitten im Geschehen wiederfindet. Das Design ist sehr eigen und entzieht sich den gängigen Zeichnungen. Segur mag die märchenhafte Ansicht, Ansichten kleiner Wesen, die plötzlich in Massenszenen zu explodieren scheinen. Er setzt die Niedlichkeit der Figuren Ausbrüchen von Gewalt entgegen, die denen im Fantasy-Standard von HdR nicht nachstehen. Die Aquarelltechnik, mit der die Farben aufgetragen sind, in feinen Verläufen und nie wirklich richtig dunkel (selbst wenn es düster ist) verstärkt den Eindruck eines schönen Alptraums, dem man sich als Leser binnen kurzem nicht entziehen kann.

Ganz, ganz anders: Fantasy kann sich auch von gängigen Werken und Beschreibungen lösen. Bruno Chevalier und Thierry Segur machen es vor. Aufregend anders, phantastisch im wahrsten und besten Sinne des Wortes in dieser Gesamtausgabe. Fantasy-Fans sei der Band ans Herz gelegt. 🙂

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Sonntag, 11. Dezember 2011

Der kleine Spirou 15 – Halt dich gerade!

Filed under: Cartoon — Michael um 20:01

Der kleine Spirou 15 - Halt dich gerade!Quasigrodo sieht nicht so aus, aber er ist ein ganz schlauer Kerl. Er versteckt sich mit Eleganz und Wonne hinter seiner äußeren Erscheinung und gibt seinem Pfarrer den Quasigrodo, den dieser in der verirrten Seele sehen möchte. In Wahrheit aber nutzt Quasigrodo seine Situation gehörig aus und überrascht damit den kleinen Spirou, der ansonsten nie um eine Antwort verlegen ist und hier nun sprachlos auf das Ergebnis von Quaisgrodos Schläue blicken kann. Andere würden es vielleicht Durchtriebenheit nennen oder notwendiges Durchsetzungsvermögen. Gerade von letzterem herrscht in Spirous Familie allgemein kein Mangel. Der kleine Spirou selbst ist findig und seine Oma … nun, der kommt man besser nicht in die Quere, sollte man anderer Meinung als sie sein. Bei ihr gehen Tatkraft und Schlagkraft Hand in Hand.

Mit Zeichnern macht man keine Späße: Besonders dann nicht, wenn man als gezeichnete Figur in einer gewissen Abhängigkeit zu diesem Berufsstand steht. Für diese Kindereien, wie es im Vorfeld tatsächlich heißt, ist außer Janry (Autor) und Tome (Zeichner) noch Dan mitverantwortlich. Es macht schon einen großen Unterschied, auf welchem Papier eine Figur gezeichnet wird, wie sicher die Striche sitzen, wie gut getuscht und koloriert wird. Wenn die Figuren sich allerdings beschweren, wird ihnen kurzerhand das Wort entzogen. Doch der 15. Band der Reihe Der kleine Spirou bewegt sich mit seinen Geschichten meistens in der wirklichen Welt und weitaus weniger abstrakt.

Der kleine Spirou hält Charaktere bereit humorvoll sind, auch cholerisch wie Turnlehrer Jahn, skurril wie Quasigrodo, senil, aber vor allem in vielerlei Hinsicht auch herrlich normal. Zuletzt genannte Figur, Quasigrodo, leitet mit der Beschreibung seines Lebenslaufes den Band ein. Von der Schule bis zu seiner letzten Anstellung als Gehilfe in einer Kirchengemeinde begegnet der Leser der an die dramatische Figur des Quaismodo angelehnten Quasigrodo als Spross eines überaus kapitalistischen Systems, der schließlich zu Fall gebracht wird. Janry flechtet frech aktuelle Probleme der Weltwirtschaft ein, vermischt es mit Klamauk, während Tome es mit einem doppelten Augenzwinkern serviert.

Bereits der kleine Spirou hat Probleme oder auch Leidenschaften, die sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. Frauen sind bereits ein Thema. Ehrgeiz und Leistungsdruck, auch das Mogeln werden auf besondere Weise thematisiert und sei es nur, wenn das Geschäft auf dem Töpfchen zu ganz besonderen Höhenflügen reizt. Hier kommen der formulierte Witz von Janry wie auch die von Tome gezeichneten Ausdrücke zu einer hinreißenden Mixtur zusammen. All dies bewegt sich auch innerhalb der Pagenfamilie, so dass der Leser einen zusätzlichen Einblick in den Stammbaum des kleinen Spirou erlangt. Sofern er neben Lachen und Schmunzeln dazu kommt.

Tome gelingt in scheinbar gestauchten, verzerrten Figuren Ausdruck und Haltung zu vereinen, so dass bereits hier viel an Humor herauszulesen ist, ohne auch nur ein Wort aufgenommen zu haben. Gerade bei den Kinderfiguren zeigt sich Tomes Talent mit kleinen, präzisen wie intuitiven Strichen seinen Sketchaufbau Papier zu bringen. In manchen Sequenzen beweist er so auch den sehr menschlichen, sprachübergreifenden Humor, wenn Janry auf Dialoge oder Erklärungen verzichtet.

Als Antipathieträger sticht einmal mehr Turnlehrer Jahn hervor, eine Lehrerfigur, die sicherlich jeder einst (oder noch) in einer verwandten Form vorweisen kann. Großmäulig, der geborene Besserwisser, mehr Forderer als Förderer und neben seiner Tätigkeit als Lehrer kulinarischen Genüssen nicht abgeneigt. Das äußerst sich jedoch meistens in übermäßigem Trinken und Essen und wirkt alles andere als genießerisch. Janry verwendet Jahn gerne in slapstickhaften Situationen, so auch hier im Zoo, als übereifrigen Helfer (Thema: Besserwisser) oder als hilflosen Autofahrer vor einem Garagentor (Thema: Choleriker).

Ein Feuerwerk der Späße, ein besonders schönes diesmal, mit neuen Ideen, mit großer Spielfreude der Darsteller vorgeführt (was natürlich Tome zu verdanken ist, der hier zur Hochform aufläuft). Wer an trüben Wintertagen lachen will, liegt hier richtig. 🙂

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Freitag, 09. Dezember 2011

Kleines Wunder

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:05

Kleines WunderDer Erzbischof ist zu Besuch. Die Nonnen haben alles vorbereitet. Das Kloster sollte den gestrengen Blicken des Kirchenoberen standhalten. Die Nonnen haben sogar daran gedacht, ihr kleines Geheimnis gut zu verstecken. Allerdings hat dieses kleine Geheimnis, ein kleiner Junge, seinen eigenen Kopf und so verschafft er sich einen Ausblick auf das Geschehen und plant außerdem seine Flucht. Derlei Pläne kleiner Kinder können in eine Katastrophe münden, hier geraten sie völlig außer Kontrolle. Aus der Flucht wird ein Leben, wie es Frankreich nie erlebt hat, ein wahrer Mühlstein der Geschichte.

Die französische Revolution: Aus heutiger Sicht stand sie unter dem Motto Runter mit dem Kopf! Autorin Valerie Mangin lässt mit ihrem Zweiteiler Kleines Wunder, der hier in einem Band zusammengefasst ist, diese Zeitspanne wieder aufleben. Es ist ein Blick in eine Zeit, in der Hinrichtungen mit größtmöglicher Effektivität durchgeführt werden sollten. Bedeutet: Schneller, denn es gab viel zu tun.

Wer in der Französischen Revolution etwas bewandert ist, wird einiges entdecken können. Wer sich nicht auskennt, wird nicht weniger Spaß haben: Eine Nonne bereitet einen durch ein normales Beil hingerichteten Mann auf sein Begräbnis vor und erfährt dabei eine Art außereheliche Erfahrung. Ist dieser Akt schon höchst bemerkenswert, ist das folgende Ereignis, nämlich die Schwangerschaft der Guten, nicht weniger beeindruckend unter diesen Umständen. Das Kind, von dem man zunächst glaubt, es sei tot, lebt, obwohl der Kopf vom restlichen Körper getrennt ist. Beide Körperteile funktionieren dennoch gemeinsam, eben ein Kleines Wunder. Aber hatte hier wirklich Gott seine gnädige Hand im Spiel?

Ein kopfloses Kind: Schwer zu behaupten, es habe den Schalk im Nacken, aber tatsächlich ist der kleine Denis, so sein Name, ein aufgeweckter Junge, intelligent und vorwitzig. Der Zustand, bei Nonnen im Kloster aufzuwachsen, erweist sich für ihn zwar zunächst sinnvoll, ist für den Heranwachsenden jedoch äußerst langweilig. Widrige Umstände setzen dieser Langeweile bald ein Ende. Die Bekanntschaft mit Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (der den Spitznamen der hinkende Teufel trägt) und Joseph-Ignace Guillotin lenkt sein Leben in unvorhersehbare Bahnen.

Valerie Mangin lässt das Kind nicht nur wachsen, sie lässt es vor Rache und Zorn entbrennen. Plötzlich gibt es nur noch einen Gedanken: Sie sollen bezahlen! Wer? Alle! Nicht weniger als die Auslöschung der Menschen hat dieses Kleine Wunder im Sinn und obwohl es später unverhohlen diesen Weg beschreitet, findet es dennoch reichlich Anhänger, um zunächst Frankreich einen Kopf kürzer zu machen. Und später? Das soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Griffo (Werner Goelen) karikiert dieses Frankreich, führt es auf die Theaterbühne und zeichnet wunderbare Figuren, in dieser Geschichte, die auf einer Grenze zwischen der Komödie Molieres und den Dramen eines Shakespeares balanciert. Lediglich die Gesichter sind etwas überzeichnet. Alles andere wird akribisch dargestellt und sorgt für eine phantastische Atmosphäre, ein wahrhaftige Kostümparade und gleichzeitig ein Sittenbild einer Epoche, in der die Auslöschung des politischen Gegners eine schaurige Systematik erreichte.

Feine Linien, ein lasierender, aquarellartiger Farbauftrag lassen die Handlung auf den ersten Blick märchenhaft erscheinen. Griffo zeichnet mit dieser Geschichte den Blick hinter die Kulissen der Kulissen, die wahren Drahtzieher. Erwähnter Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, der Wendehals, dem es gelang die Revolution zu überleben, ist der heimliche Chronist dieser Geschichte. Der Leser darf den schlanken und schmalgesichtigen Büßer alt werden sehen. Das Lachen des jungen Talleyrand verschwindet schließlich für immer. Der hinkende Teufel wird zum wahrhaftigen Helfershelfer desselben. Und er weiß es. Nicht nur in dieser Figur beweist Griffo sein starkes Können für Mimiken und Charaktere.

Eine grandiose Geschichte, erzählt von Valerie Mangin, mit sicherer Hand und gutem Gespür für Figuren von Griffo illustriert. Was war der wahre Antrieb hinter den Umtrieben der Französischen Revolution? Hier findet sich eine spannende Antwort, toll mit den Fakten verwoben, sehr unterhaltsam und voll schwarzen Humors. 🙂

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Oder bei Finix Comics.

Donnerstag, 08. Dezember 2011

Kaplan & Masson 1 – Die Chaostheorie

Filed under: Thriller — Michael um 18:06

Kaplan & Masson 1 - Die ChaostheorieAls die Enola Gay, das amerikanische Bomberflugzeug, seine Atombome über der japanischen Stadt Hiroshima abwarf, war man sich der Zerstörung bewusst. Die Folgen dieser Explosion, auch jener des nachfolgenden Abwurfs über Nagasaki, haben einige wichtige Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kernphysik nachhaltig erschüttert. Niemals wollten sie Menschen durch ihre Arbeiten töten. So bildet sich ein Kern aus Wissenschaftlern heraus, die eine Initiative gegen diesen Wahnsinn ins Leben rufen wollen. Der Gedanke: Wenn sich einige der intelligentesten Köpfe zusammenfinden und ihre Standpunkte vor den politischen Vertretern dieser Welt darlegen, diese vielleicht sogar überzeugen können, könnte eine Wende eingeleitet werden, die aus dem Kalten Krieg herausführt.

Nathan Masson, selbst Physiker, erkennt die Brisanz dieses Plans erst, als ein Bekannter ihn nach dem Selbstmord des führenden Kopfes der Initiative, Alfred Bernstein, bittet, ihm zu helfen. Kurz darauf schaltet sich auch Etienne Kaplan, Colonel des französischen Geheimdienstes, in den Fall ein, denn als ein weiterer Anschlag geschieht, steht es außer Frage, dass im Falle Bernsteins von Selbstmord keine Rede mehr sein kann.

Didier Convard kennt sich als Autor mit kniffligen und rätselhaften Thrillern aus (Das geheime Dreieck). Zusammen mit Jean-Christophe Thibert (Zeichner) erzählt er eine Geschichte aus der Frühphase des Kalten Krieges. Convard bedient sich hierbei der realen Kulisse. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges werden übernommen. Ehemals real existierende Wissenschaftler werden nachgeahmt und sind durch ihre jeweilige Beschreibung erkennbar. So steht Alfred Bernstein für Albert Einstein (der allerdings ein vollkommen anderes Schicksal erlitt, als der hier gezeigte Atomphysiker).

Die 50er Jahre erwachen zu neuem Leben: Didier Convard bringt die Entschleunigung in den Thriller zurück. Ganz gleich ob Roman, Film, auch Comic, moderne Thriller nutzen die Geschwindigkeit der heutigen Zeit. Informationen jagen voran, Fahrzeuge brechen Geschwindigkeitsrekorde. Hoch spezialisierte Technik stellt den menschlichen Akteur zuweilen ins Abseits. Nathan Masson und Etienne Kaplan müssen planen, nachdenken, vorausschauen, manchmal sind sie auch den Ereignissen ausgeliefert. Es ist eine andere Zeit, in der Convard den Thriller wie ein Schachspiel anlegen und Zug um Zug erzählen kann.

Feine Hauptfiguren: Kaplan und Masson haben sicherlich ihren Charme, werden von Convard aber in der Balance zum Rest der Handlung gehalten. Schön ist die Herausarbeitung von Masson, dem es nicht gelingt, seiner Sekretärin zu widerstehen. Kaplan ist hingegen ein Lino Ventura in seiner Rolle als Polizist, sehr professionell, vielleicht besser aussehend. Jean-Christophe Thibert spielt als Illustrator mit dieser Epoche, mit all den wunderschönen Dingen, die diese Zeit zu bieten hatte.

Das Paris jener Tage ist bis heute beinahe zeitlos, die Ausstattung von Räumen (sehr liebevoll inszeniert), der Verkehr auf den Straßen: Polizisten, die mit der Isetta anrücken, eine halsbrecherische Fahrt auf einer Vespa mit Beiwagen. Ein Unternehmer mit Hypochondrie nimmt optisch eine Figur wie Dr. No vorweg (nur in einem anderem Zusammenhang). Thibert zeichnet mit einer exakten Linie, ahmt nichts nach. Wenn er einen Gegenstand zeichnet, dann hat dieser auch genauso ausgesehen. Mit dieser klaren Linie gelingen ihm sogar glänzende Charakterköpfe. Die Kolorierung kommt mit einer Schattierung aus, aber mehr braucht es für diesen haargenauen Aufbau auch nicht.

Ein richtig toller Thriller-Blick in die 50er Jahre: Eine spannende Geschichte, in der Didier Convard den Leser manchesmal etwas mehr wissen lässt als die Hauptfiguren. Eine phantastisch gelungene Illustration, sehr präzise, fast ein kleines Fenster in die Vergangenheit von Jean-Christophe Thibert. Aufregung und Charme, eine kleine Hommage an die Thriller eines großen französischen Kinos, eine große Hommage an eine Welt im Wandel. 🙂

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Montag, 05. Dezember 2011

Luc Orient Gesamtausgabe 4

Filed under: SciFi — Michael um 13:42

Luc Orient Gesamtausgabe 4Die Jabrakk durchkreuzt das All. Innerhalb des Sternenschiffes herrschen eigene Gesetze. Die Zeit verläuft anders. Für die Besatzung, darunter auch einige Menschen, ist der gigantische durchs All jagende Komplex wie ein Kokon. Leider haben sich die Dartz, jene humanoiden Raumfahrer aus einer weit entfernten Galaxis, allzu sehr auf ihre Computer verlassen. Eines Tages macht Professor Kala, der zusammen mit seinen Assistenten Luc Orient und Lora Jordan an Bord ist, die fürchterliche Entdeckung, dass sich die Wasservorräte dem Ende zuneigen. Neu produzierte Getränke entpuppen sich als pures Gift. Die Maschinen wehren sich gegen ihre Programmierer. Eine Ursache ist nicht erkennbar.

Damit das Problem zunächst umgangen werden kann, suchen die Raumfahrer fieberhaft nach einer Zwischenstation im All, wo sie gewissermaßen auftanken können. Doch das ist leichter gesagt, als getan, denn obwohl das Weltall eine unvorstellbare Weite besitzt, ist der Fund von Wasser doch nicht leicht. Der nächstgelegene Planet, der Abhilfe schaffen könnte, besitzt eine absolut lebensfeindliche Atmosphäre. Schlimmer noch: Die gewaltigen Stürme, die auf ihm toben, könnten auch die Jabrakk zerstören.

Zurück ins All mit neuen Freunden: Freunde? Kala, Orient und den anderen wird schnell bewusst, dass sie immer noch Gäste sind. Die Dartz haben das Sagen und verschleiern diesen Aspekt der Zusammenarbeit keineswegs. Mit über drei Millionen Dartz an Bord besteht allerdings auch kein Zweifel, wie die Gewichtung auf der Jabrakk aussieht. Die anderen menschlichen Begleiter, aus ihrer Zeit entführt, zwei Franzosen aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie zwei römische Legionäre, sehen in der Reise ein großes Abenteuer. Eine Rückkehr gibt es für sie nicht. In der Folge stellen sie sich jedoch als nicht unwichtige Begleiter heraus.

Ziel Terango: Zurück zu den Wurzeln. Obwohl sich mittlerweile andere, erdgebundene Abenteuer um Luc Orient abgespielt haben, konnten die beiden Comic-Macher Greg (Autor) und Eddy Paape (Zeichner und durchaus Mitautor) nicht ganz von den Wurzeln der Serie, dem Ort, wo sich das große Abenteuer herausbildete, lassen. Der Planet Terango, wo unter menschlicher Mithilfe ein Diktator besiegt worden war, soll eine Heimat für einen Neuanfang der Dartz werden.

Als die Frauen noch Schwänze hatten: Mag es jener Trash-Klassiker mit Senta Berger gewesen sein, der Eddy Paape zur Gestaltung der Amazonen inspirierte, die sich auf dem Titelbild des vierten Bandes der Gesamtausgabe befinden? Das kann nicht beantwortet werden. Zeitlich würde es hinkommen. Darüber hinaus allerdings hat die Handlung nichts jenem Film gemein. Vielmehr tobt sich Paape auf Terango aus und gestaltet einen neuen Teil jener wundersamen Welt. In seiner geradlinigen und einfallsreichen Art zu zeichnen könnte er sich nahtlos in die moderne Comic-Veröffentlichungen einreihen, obwohl die vorliegenden Arbeiten teilweise über 30 Jahre zurückliegen.

Ein alter Feind ermöglicht den Brückenschlag: Julius Argos, eine Art kriminelles Genie, entpuppt sich ausgerechnet als derjenige, der zur Rettung der Menschen beitragen könnte. In jedem Band ist es immer wieder faszinierend, wie Greg und Paape Haken schlagen und ihre Geschichten erzählen. Nichts ist unmöglich, ließe sich sagen vor den Eindrücken dieser bunten, prallen Science-Fiction-Opera, die nicht mit Einfällen geizt, sondern auch von Geschichte zu Geschichte zu überraschen versteht. So kann es sogar vorkommen, dass die Guten auch zu Bösen werden.

Erzählen mit Freude an den Charakteren, am Genre und am Medium: Das war Greg einerseits und das leistete Eddy Paape mit Luc Orient optisch. Ein pralles Lesevergnügen mit neuen außerirdischen Freunden, den Dartz, spannend und unterhaltsam von Anfang bis Ende. 🙂

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Alef-Thau Gesamtausgabe 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:40

Alef-Thau Gesamtausgabe 2Einiges hat sich für Alef-Thau verbessert. Für jemanden, der ohne Gliedmaßen auf die Welt kam, stellt die Situation, nur ein Bein und ein Auge zu vermissen, eine gehörige Verbesserung dar. Mehr noch, die Frau, die er liebt, ist endlich an seiner Seite. Nur der Weg für ein normales Zusammenleben ist immer noch nicht gefunden. Ein Problem ist zum Beispiel seine Angebetete selbst: Diamantha. Die junge Frau, die erneut erwachsen wird, ist unangreifbar. Leider wird jegliche Person, jeglicher Gegenstand, jegliches Element, das sie konkret bedroht, neutralisiert. Die Gefährten, die eben noch in einem Fluss schwimmen, in dem Diamantha zu ertrinken droht, müssen erleben wie das Wasser von einem Augenblick auf den anderen verschwindet.

Alejandro Jodorowsky erzählt mit der Legende um Alef-Thau seine märchenhafteste Geschichte. Und nicht nur das: Nach vielen anderen Publikationen dürfte es sich bei dem Abenteuer um Alef-Thau auch um die Geschichte Jodorowskys handeln, in der er die meiste Güte walten lässt. Viele Figuren sind liebenswert, selbst jene, die eigentlich notorische Quertreiber sind, wie der kleine Holibanum, dersich selbst als notwendiges Übel bezeichnet.

Anders betrachtet könnte man Alef-Thau auch als märchenhaftes Road-Movie bezeichnen. Das Ziel ist die Befreiung der Welt. Eine Wanderung von Abschnittsziel zu Abschnittsziel ist nötig und obwohl die beiden Hauptcharaktere Alef-Thau und seine Angebetete Diamantha über große Kräfte verfügen, kommen sie nicht ohne Hilfe aus. Im Gegenteil: Ihre starke Macht auf der einen Seite ist auch ihre Schwäche auf der anderen Seite. Also benötigt es Charaktere, die zur Komplettierung beitragen und diese finden sich später ausgerechnet in drei kleinen Männlein (ausgerechnet Holibanum ist einer davon).

Alejandro Jodorowsky lässt sich über acht Bände hin Zeit (auf zwei Gesamtausgaben aufgeteilt), seine Geschichte regelrecht zu entfalten. Zu keiner Zeit spürt man als Leser irgendwo einen Zeitdruck. Man merkt nicht, dass die Geschichte voranschreiten muss. So gibt es sogar Rückschritte, die zeigen, dass ein erreichtes Ziel doch nur eine Etappe markiert, mehr nicht. Am Ende übersteigert Jodorowsky die Handlung einmal mehr. Er kann eben nicht so einfach aus seiner Haut. In der Welt der Unsterblichen gipfelt die Suche in einem letzten Abenteuer.

Dort übernahm Covial den Zeichenstift, da der Zeichner der ersten sieben Abenteuer, Arno, im Alter von 35 Jahren verstarb und die Arbeit an der Reihe nicht vollenden konnte. Arno zeichnet auf den Punkt mit dünnen Außenlinien, die gerade so viel Halt geben, wie es nötig ist. So erinnern seine Strichführungen an einen Moebius, aber ohne ihn zu kopieren. Innerhalb der Abgrenzungen werden einfache Farbflächen gesetzt. Dennoch entsteht ein räumlicher Effekt durch die sorgsame Anlage der Ansichten. Hier stechen besonders die eher cineastisch wirkenden Bilder hervor, die dem Leser die Planetenoberfläche und ihre Bewohner zeigen.

Covial gelingt es beinahe gänzlich Arnos Zeichenstil zu kopieren, ist aber ein wenig härter, kantiger und wirkt nicht so leicht. Das Ende ist versöhnlich, sehr schön, auch da Covial nicht nur zeigt, mit welcher Brillanz er selbst stilistisch zu arbeiten vermag (mit Unterstützung der Koloristen), sondern auch da er seinem Freund Arno abschließend die Ehre erweist.

Eine der schönsten Arbeiten von Alejandro Jodorowsky, fein und liebevoll weiterhin erzählt, von der Leichtigkeit her vielleicht vergleichbar mit Die Braut des Prinzen: Eine Gute-Nacht-Geschichte, die eigentlich niemals enden darf. Einfach nur schön von Arno illustriert und zum guten Schluss hin von Covial. Traumhaft, im wahrsten Sinne des Wortes. 🙂

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Samstag, 03. Dezember 2011

BLACKJACK 2 – Laura

Filed under: Thriller — Michael um 16:23

BLACKJACK 2 - LauraDas Geld ist weg. Geklaut. Für ein paar kleine Jungen war es auch nicht die richtige Aufgabe. Kleine Jungen sollten kein Geld transportieren. Kein Wunder also, dass es geklaut wurde. Aber die kleinen Jungen in diesen Tagen, in den 1930er Jahren, wollen sich ihren Platz in dieser Welt auch erobern. Und so fassen sie einen Plan. Wenn dieses Geld verschwunden ist, dann müssen sie es sich woanders zurückholen, im Austausch sozusagen, damit ihnen Toto Moreno, der Gangster, der ihnen eine Chance gab, vergibt. Alfonso, der heimlich Anführer der kleinen Gruppe, beschafft sich sogar eine Pistole und bringt alle damit in Teufelsküche.

Steve Cuzor erzählt die Geschichte um Alfonso, Peanuts, Vitto und Kröte fort. Die Vereinigten Staaten sind im Wandel, Chicago ist ein Hort des Verbrechens. Der neue Präsident Herbert Hoover gibt seinem Chefermittler J. Edgar Hoover, dem Direktor des FBI, den Auftrag, Scarface zu schnappen. Der berüchtigte Gangster Al Capone wird zur Chefsache. Die Übersicht über diese Gangsterjagd haben die Jungen nicht. Sie wissen, dass die Welt, in der sie leben, gefährlich ist. Für ihr Problem suchen sie eine einfache Lösung. Leider schlittern sie dadurch noch tiefer in den Schlamassel.

Cuzor, der hier Autor und Zeichner gleichermaßen ist, zieht die unsichtbare Schlinge um seine vier kleinen Helden immer enger. Als Leser, der über alle Details Bescheid weiß, fühlt man mit, möchte zeitweilig warnen und natürlich entwickelt man eine Vorliebe für die eine oder andere Figur, allen voran Peanuts, der durch Ängstlichkeit und Ungeschicklichkeit stets vom Regen in die Traufe taumelt. In Cuzors Bildern werden die schwarzweißen Ansichten jener Tage lebendig, ein wenig mit dem Flair der Geschichten um Huckleberry Finn und Tom Sawyer..

Ovale Kindergesichter mit großen Augen und ausdrucksstarken Schneidezähnen, gekleidet wie kleine Erwachsene: Schwungvolle Striche bilden diese Figuren nach, sparsam gestrichelt in den Schattenflächen. Pausbäckig stehen sie vor dem Betrachter, mal ängstlich, mal energisch, mal nachdenklich. Die Erwachsenen, sicherlich individueller gestaltet, verblassen vor diesen Akteuren, von denen Steve Cuzor nicht nur mit viel Herz erzählt, sondern sie auch mit ebenso viel Energie zeichnet. Laura, der Untertitel der zweiten der vier Folgen der kleinen Reihe, ist die gleichaltrige Herzdame Alfonsos. Ihr Blick ist längst erwachsen. Als Charakter wird sie immer wieder getroffen, bis nichts, so scheint es, ihren über Jahre gewachsenen Panzer noch aufbrechen oder erschüttern kann.

BLACKJACK hat in keiner Weise etwas von einer lustigen Abenteuergeschichte. Da die Erwachsenen mit so großer Leichtigkeit in dieser Zeit sterben, die Polizei bei der Aufklärung der Morde machtlos zu sein scheint (oder bei entsprechender Bezahlung wegschaut), wissen die Jungen ganz genau, dass ihr Leben erst recht nichts gilt. Atmosphärisch finden sich Cineasten hier auf den Spuren eines Es war einmal in Amerika wieder. Einige Gangster stechen optisch hervor und fesseln den Leser, manche Szenen sind sehr dicht inszeniert und fast surreal ausgeleuchtet. Von Szene zu Szene entkernt Cuzor dieses alte Chicago, bis am Ende kein Erwachsener mehr schuldlos dasteht.

Wer Kriminalgeschichten mag, Jugendabenteuergeschichten, die sich nicht mit falscher Heiterkeit aufhalten oder suggerieren, dass doch noch alles gut wird, vor allem aber einen spannenden Blick in die Ära vor rund 80 Jahren werfen möchte, könnte hier mit dieser liebevoll erzählten und illustrierten Geschichte richtig liegen. 🙂

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