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Comic Blog


Mittwoch, 13. Juni 2012

Canardo Sammelband 2

Filed under: Thriller — Michael um 19:32

Canardo - Sammelband 2Wer hätte gedacht, dass ein Schlächter wie Rasputin einst unter die Knute einer Menschenfrau geraten würde, unnachgiebiger und gnadenloser als er selbst. Emily mag keine Menschen. Sie hasst sie. In Rasputin, dem wieder unter die Lebenden Zurückgekehrten, findet sie ein perfektes Werkzeug für ihren Rachefeldzug, der sich einfach ohne Unterschied gegen jeden richtet. Canardo, der sich soeben noch als harter Brocken aufspielte, wird plötzlich ganz klein mit Hut. Bis er seine Angst im Griff hat, die völlig berechtigt ist, sieht er dem Tod noch auf andere Art ins Auge. Als er dann seiner persönlichen Schreckenskreatur, Rasputin, gegenüber tritt, stehen sich zwei ebenbürtige Feinde gegenüber.

Traurig und böse. Lässt Sokal mit Saat des Schreckens, der ersten Geschichte in diesem Sammelband, noch einen traurigen Unterton mitschwingen, sind die beiden folgenden Abenteuer von Canardo, betitelt mit Weiße Vögel sterben leise und Der weiße Cadillac, mit schwärzestem Humor erzählt.

Rasputin ist wieder da. Aber er wirkt auch weniger aggressiv, zurückhaltender. Seine Gehemmtheit ist angesichts der Wendungen der Geschichte, einer neuen Gefährtin, gar nicht einmal ungewöhnlich. Denn Emily ist eine Besonderheit. Ihre Fähigkeiten ermöglichen es ihr, andere Menschen zu beeinflussen. Diese Stärke lässt selbst einen Rasputin zurückschrecken und Angst empfinden, aber auch Zuneigung und Liebe, denn Emily ist zugleich eine höchst verletzliche Person, die unter ihren Fähigkeiten leidet, die sie Zeit ihres Lebens zur Außenseiterin verurteilt haben.

In Saat des Schreckens stellt Sokal Frauen in eine wichtige Rolle. Nicht immer sind sie im Zentrum des Geschehens, aber ihre Taten besitzen an wichtigen Punkten eine bestimmte Aussagekraft. Ob es nun Emily ist oder die junge Frau, die an der Grenze zurückbleiben muss. Oder jene Carmen, die einfach nur auf die Silhouette eines Mannes schießt, weil Krieg ist und er einfach da stand. Sokal lässt sich ohne Wenn und Aber auf schwarze Gedanken ein. Über eine Hommage an die Schwarze Serie Hollywoods ist er hier weit hinaus, denn gerade in der zweiten und dritten Episode des vorliegenden Sammelbandes werden der Wahnsinn totalitärer Regime und Krieg zu beherrschenden Themen.

Weiße Vögel sterben leise. Allein der Titel, sicherlich auch mit unterschwelligem Humor formuliert, ist rätselhaft, aber auch im Rückblick auf die Geschichte traurig. Ein Staat, unter der Knute von wer weiß wem (in einem im Bürgerkrieg versunkenen Land, in dem es müßig ist, sich den Namen des jeweiligen Präsidenten zu merken), wird zum Schauplatz einer Exkursion zu einer legendären Stätte, wo es die weißen Vögel geben soll. Jene Tiere, die niemals landen, immer in den Aufwinden treiben, sind eine Legende und wahrscheinlich die einzige gute Legende, die dieses Land noch zu bieten hat. Canardo gerät in Situationen, in dem ihm seine Sprüche manchesmal im Halse stecken bleiben.

Sokal zeichnet in diesen drei Abenteuern bereits wesentlich genauer, geradliniger, kaum noch skizzenhaft präsentiert er seine tierischen Figuren mit spitzer Feder und gibt insbesondere tragischen Gestalten ein besonderes Format und optische Schwere. Das Spiel mit den Anspielungen, den Symbolen liegt Sokal ganz einfach. So wirkt zum Beispiel Der weiße Cadillac wie ein außerirdisches Fahrzeug, pompös, immer fehl am Platz, ein Stück fahrende Zivilisation und Kultur, die dem vom Krieg erschütterten Land in jeder Sekunde mehr abgeht.

Diesem titelgebenden Fahrzeug widmet Sokal eine spezielle Aufmerksamkeit, stellt er es doch gerne kontrastreich in Positur, vor einen kahlen Wohnblock oder einen uralten Traktor. Und er lässt Canardo schließlich auch merken, welches Zeichen er damit in seiner Umgebung setzt. Vielleicht kleben ihm am Ende auch zu viele schlechte Erinnerungen an diesem Wagen.

Drei sehr feine Erzählungen, insbesondere mit den beiden letzten Episoden des vorliegenden Sammelbandes, immer noch mit schwarzem Humor, aber auch sehr melancholisch und einem Canardo, der (man muss ihn nicht in jeder Situation mögen) auch hinter das Geschehen zurücktreten kann. Intensiv, manchmal bedrückend. 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.

Montag, 11. Juni 2012

Zombies 0 – Tod und Agonie

Filed under: Mystery — Michael um 19:39

Zombies 0 - Tod und AgonieSerge Lapointe war mal wer. Zumindest hatte er sich einen Namen in Horrorfilmen gemacht, doch selbst diese für ihn große Zeit dämmert nun dahin. Das Selbstbewusstsein hat sich verabschiedet, Zigaretten und Alkohol, gekaufter Sex und die letzten russischen Fans halten Serge ein wenig aufrecht. Die Horrorfilm-Convention geht langsam vorüber und als Serge erwacht, aus dem Fenster sieht, dem Alptraum ins Auge blickt, dem er mit auf die Kinoleinwand verhalf, hilft zuerst nur der Griff zum Mobiltelefon. Doch sein Agent ist weit weg in den USA. Das Leben, eben noch kaum etwas mehr wert, erscheint nun doch erhaltenswürdig. Die Vorstellung, lebendig gefressen zu werden, ist nicht verlockend. Selbst für einen Horrorfilmdarsteller, der gerade noch an Lebensverdruss krankte, nicht.

Wie alles begann. Mit Zombiefilmen. Jemand drehte Horrorfilme über menschenfressende Untote. Da sollte es doch nur eine Frage der Zeit sein, bis die Wirklichkeit das Kintopp einholt. Olivier Peru beschreibt hier die Vorgeschichte der Reihe Zombies. Im Gegensatz zu anderen Horrorgestalten waren die Untoten dieser besonderen Art stets mehr im Hier und Jetzt, war der Horror eher blank und ohne Zauber. Seit einiger Zeit findet auch eine kleine Vermischung von Fiktion und Realität statt. In Tagebuchform oder einem dokumentarischen Stil wird von der Apokalypse erzählt. Hier ist es ein Schauspieler, der sich ausgerechnet zu einer Horror-Convention in Sankt Petersburg befindet und dort den Beginn der Seuche erleben muss.

Es ist ein Zusammenbruch, wie ihn der Genre-Fan kennt, aber Olivier Peru hat sich als Autor herausgestellt, der seine Genres nicht nur kennt, sondern auch mit ihnen zu spielen versteht. So ist es nicht nur ein Schauspieler, der sich mit dieser Katastrophe auseinandersetzt. Auch ein junger Filmemacher sinniert im Vorfeld über das Thema und wie er es angehen würde. Radikal sind die Maßnahmen der Behörden und der Armee gegen diesen untoten Feind. Radikal sind auch die Ansichten, die es dank Lucio Alberto Leoni zu sehen gibt.

Vollkommen in ABC-Schutzkleidung verpackt, rücken die Soldaten gegen die Zombies und solche, die kurz davor stehen, welche zu werden, vor. Es ufert zu einer mitleidlosen Vernichtung aus. Gegen Ende steht der Run auf das letzte zur Verfügung stehende Flugzeug für jene Überlebenden, die sich gegen ihre Mitmenschen durchsetzen können. Das ist optisch wie erzählerisch ein Blick in den absoluten Zusammenbruch, wie ihn der Film so noch nicht gezeigt hat (es wäre zu aufwendig für derlei Genreproduktionen) und bislang nur der Roman ähnliches zu Papier brachte.

Die Flucht: Kein Vertrauen auf irgendwen, einzig das eigene Leben zählt noch. Kurzfristige Allianzen werden früh beendet. Untote oder Militärs, manchmal auch schlicht Unglücke setzen einer Flucht ein schnelles Ende. In der einen oder anderen Szene wird der Genre-Fan vielleicht auch eine Ähnlichkeit zu Werken von Romero erkennen (was sicherlich auf die gesamte Geschichte zutrifft, gemeint sind hier jedoch Details). Lucio Alberto Leoni zeichnet mit sehr sauberen Linien. Der notwendige Realismus trifft auf jeder Seite ins Schwarze. Rund zehn, manchmal zwölf Bilder auf einer Seite schaffen ein dichtes Szenario, filmisch arrangiert, zuweilen mit harter Optik und völlig ohne Humor gezeigt und erzählt (nicht einmal schwarzer Humor ist hier zu finden).

Dunkel, dunkler, abgrundtief finster: Das Ende, die Vorgeschichte zur Zombies-Reihe gerät fast noch ausdrucksstärker als die eigentliche Serie. Für Horror-Fans im Medium Comic genau die richtige Lektüre, eindringlich illustriert von Lucio Alberto Leoni. 🙂

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Mittwoch, 06. Juni 2012

Die Druiden 6 – Dämmerung

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:27

Die Druiden 6 - DämmerungDie Pikten wirken wie einfache wilde Krieger, die nichts von Taktik verstehen. In Wahrheit wissen sie sich sehr gut gegen ihre Feinde, die Wikinger zu erwehren. Bald schon, nach einem ersten Geplänkel, schlagen sie los. Der Angriff ist schnell und forsch. In der Überraschung liegt ihr erster Vorteil, in ihrer Gnadenlosigkeit und ihrem Todesmut findet sich schließlich ihr Garant zum Sieg. Gwenc’hlan und sein Schüler Taran finden sich alsbald in Freiheit wieder. Ihre Aufgabe indes ist noch lange nicht erfüllt. In Wahrheit wird es für die beiden Druiden noch viel gefährlicher werden als jemals zuvor.

Druiden in der neuen Welt? Autor Thierry Jigourel geht dieser Frage gleich im Vorwort auf den Grund. Schließlich handelt es sich doch um eine realistische (wenn auch phantastische) Geschichte und nicht um Asterix (dessen Amerika-Aufenthalt er scherzhaft ins Felde führt). Moderne Feldarchäologie hat mit den Mitteln der Fortbewegung jener Zeit bestätigt, dass eine Reise über das Meer mit dem Ziel, wie es hier gezeigt wird, möglich gewesen wäre. Und was möglich ist …

Der sechste Band der Reihe schließt den ersten Zyklus ab. Der Titel Dämmerung bildet den Abschluss einer Auseinandersetzung zwischen dem alten und neuen Glauben, zwischen Druiden und Kirche. Feuer und Schwert sind die Mittel der Auseinandersetzung. Gnadenlos geht die Kirche mit ihren römischen Soldaten gegen die Druiden vor. Verhandlungen, friedliche Koexistenz sind keine Optionen mehr. Sehr drastisch schildern Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel die Kämpfe, an deren Ende nur die Ausrottung einer Partei stehen kann.

Wikinger gegen Pikten. Beide sind durch Unterhaltungsromane und Filme mit historischen Themen reichlich bekannt und für ihre Gnadenlosigkeit berüchtigt. Istin und Jigourel lassen diese beiden Volksstämme aufeinander prallen und enthüllen damit einen weiteren Abschnitt in der bisher langen Reise des Druiden Gwenc’hlan und seines Schülers Taran. Sind dies zu Beginn von Dämmerung eher gewaltreiche Abschnitte, erhält die Reise durch die Sequenz auf dem Schiff und die Passage durch das Nordmeer ein viel höheres und auch faszinierendes Gewicht.

Denn Jacques Lamontagne, der sich bislang in diesem Zyklus als Zauberer in Sachen Form und Farbe herausgestellt hat, kreiert neben der übrigen Begebenheiten dieses Abenteuers aus den Szenen im ewigen Eis etwas ganz Besonderes. Das Titelbild, Tarans Auseinandersetzung mit einem gewaltigen Eisbären, gibt schon einen Hinweis auf diese zentrale Szene der Eismeerreise. Leider fällt die Szene auch kurz aus, da Istin und Jigourel nicht nur den Standort des Szenarios wechseln, sondern auch die losen Enden der Handlungen zusammenführen. Schließlich muss noch der Intrigant hinter den Geschehnissen vor den Vorhang treten.

Ein besonderes Finale erfordert einen besonderen Ort. Optisch in das wilde Land von Jacques Lamontagne entführt, findet der Showdown an einem heiligen Ort statt, der einer natürlichen Kathedrale ähnelt, aber in seiner Gestaltung an eine kultische Totenstätte erinnert. Regen und Nässe sind in dieser Szenerie, die von weiteren, auch gruselig anmutenden Abschlüssen durchbrochen wird, fast spürbar. Dank Jacques Lamontagnes Gespür für Atmosphäre und großartiger Illustrationsfähigkeit gerät das Ende des Abenteuers überaus düster und schickt gleichzeitig noch eine Ankündigung auf den neuen Zyklus voraus.

Ein selbst für diese bemerkenswerte Reihe weiterer Höhepunkt. Dicht erzählt, grandios, fast filmisch illustriert von Jacques Lamontagne, bildet der sechste Teil die bisherige Spitze der Reihe aus Abenteuer und Historienkrimi. Für Fans von Abenteuern mit historischem Ambiente ein absoluter Tipp. Die Kenntnis der ersten Bände ist allerdings ein Muss. 🙂

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Sonntag, 03. Juni 2012

Cancer Woman – Eine wahre Geschichte

Filed under: Biographie — Michael um 18:24

Cancer Woman - Eine wahre GeschichteEin Comic über Krebs? Geht das? Darf man das? Der Comic als Ausdrucksform zu diesem sehr ernsten, schweren Thema funktioniert aus dem Erfahrungsschatz der Autorin und Zeichnerin Marisa Acocella Marchetto sehr gut. Plötzlich ist da ein Schmerz im Arm, wird ein Knoten in der Brust ertastet. Stoßgebete helfen nichts. Der Knoten verschwindet nicht von selbst. Marisa Acocella Marchetto nimmt die Leserin, den Leser von Anfang an bei der Hand, beantwortet Fragen, die sie selbst hatte. Wie ist der Ablauf der Diagnose, der Behandlung, der Heilung? Eine emotionale Achterbahnfahrt durch Marchettos Leben, die mitnimmt, auch zwischendurch aufmuntert, sogar Mut macht. Denn wie Marchetto ihr Comic-Ich dem Tod ins Gesicht schnauzen lässt: Ich tret dir in den Arsch …

Ein ganz normales Leben bis zur Diagnose. Plötzlich und auch langsam nehmen die Veränderungen immer mehr Platz ein. Wirre und klare Gedanken wechseln einander ab. Die junge Frau dieser wahren Geschichte gerät vom Leben einer Frau auf der Suche nach einem Platz, Jobs, einer Partnerschaft, Freundschaften plötzlich in eine Enge, die aus der Diagnose heraus entsteht. Gerade noch dachte sie, sie habe alles im Griff. Dann verändert sie sich, wird ängstlicher, forscht nach, holt weitere Ärztemeinungen ein. Was kann getan werden? Die Freunde wissen etwas. Sie wissen viel und nichts. Sie kennen jemanden mit Erfahrung. Die Mutter greift wieder in das Leben ein, nervt mit Ratschlägen und wird doch dankbar gebraucht.

Brustkrebs. Die Diagnose bedeutet nicht gleich das Ende des Lebens. Es gibt Chancen, auch das Leben will weitergelebt werden und es will auch, dass darum gekämpft wird. Marisa Acocella Marchetto lässt die Tücken in der Behandlung, im eigenen Umfeld außen vor und vergisst auch nicht das mangelhafte Versicherungssystem in den USA, in dem eine Krankenversicherung für den Einzelnen beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Marchetto beschreibt auch eine Frau voller Fragen, die nur natürlich sind in dieser Situation. Sie beschreibt aber auch ein Umfeld voller kurioser, wie auch naheliegender Vermutungen.

Woher kommt der Krebs? Liegt es an den ganzen Hühnern, die man sein Leben lang isst? Samt der ganzen Hormone, die man mit zu sich nimmt? Was ist mit der Hormonbelastung durch die Pille? Wie schädlich ist Mammographie? Chemotherapien und Bestrahlungen sollen den Krebs bekämpfen, schädigen aber auch den Rest des Körpers. Was sich hier durchweg ernst, auch düster liest, wird von Marisa Acocella Marchetto zeitweilig auch mit Humor berichtet. Galgenhumor, schwarzer Humor, auch solcher, den der Leser vielleicht eher in einer Sitcom vermuten würde und leichter, sehr menschlicher Humor, mit dem nicht nur erzählt wird, die Erzählerin auch ein Stück Sicherheit für sich selbst in ihrer Situation schafft.

Leichte Grafik. Dem sehr ernsten Thema setzt Marisa Acocella Marchetto leicht skizzierte, auch bonbonbunte Bilder gegenüber, deren Seitenaufbau stets variiert. Marchetto arbeitet manchmal sehr klein, stilisiert, abstrakt, in gewissem Sinne in Popart. Sie zeichnet das Leben, die Träume und Alpträume, dringt mit ihren Zeichnungen in Gedanken vor, entblößt die Bedeutungen hinter Gesprächen und entblättert Wunschvorstellungen. Da sind die Linien etwas krumm, krakelig, locker flockig dahin gezeichnet. Zeitweilig fühlte ich mich an die alte Zeichentrickserie Es war einmal der Mensch erinnert. Nicht ganz so rund sind Marchettos Figuren, aber sicherlich auch mit einer gewissen Knuffigkeit, die das Thema mit dem gleichen Humor der Erzählung etwas enternsten.

Marisa Acocella Marchetto weiß, wovon sie spricht und zeichnet. Sie selbst stellte sich in den Mittelpunkt des Comics und all den Erlebnissen und zeichnete ihren Krankheitsverlauf auf. Sie konnte den Kampf gegen den Krebs gewinnen (keine überraschende Neuigkeit, da sie schließlich diesen Comic über ihre Erfahrungen gemacht) und gibt so ihre Erfahrungen weiter. Außerdem fließt ein Teil der Einnahmen, die über den Verkauf von Cancer Woman zustande kommen, in einen Fond, der Mammographien zur Früherkennung von Brustkrebs finanziert.

Nah dran am Leben, warmherzig beschrieben, heiter, mitunter eindringlich im Cartoonstil gezeichnet, ohne dem Thema den nötigen Ernst zu entziehen. Sehr informativ, ohne plakativ oder respektlos zu sein, kein Wunder, da die Autorin über sich selbst schreibt, nichts beschönigt und anscheinend wenig verschweigt. Sehr gut. 🙂

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Freitag, 01. Juni 2012

Das Schwert 4 – Luft

Filed under: Mystery — Michael um 21:06

Das Schwert 4 - LuftDara Brighton hat den Kampf gegen den Beherrscher der Erde für sich entschieden. Ein Triumph bleibt ihr trotzdem verwehrt. Denn Malia, die letzte, noch verbliebene Göttin und Beherrscherin der Luft, zieht mit einem Trick ins Feld. Während Malia in Manhattan vor die Weltöffentlichkeit tritt und Spekulationen über die wahnwitzigen Aufnahmen, die in den letzten Tagen über die Kanäle gingen, ein Ende bereitet, müssen Dara und ihre Freunde einen Weg finden, um aus Mexiko in die USA zu kommen. In höchster Not gelingt ihnen die Kaperung eines kleinen Flugzeugs. Aber die amerikanische Luftwaffe ist nicht gewillt, die Frau mit dem Schwert einfach so gewähren zu lassen.

Luft. Eine überaus starke Macht, nicht weniger beeindruckend als die vorherigen Naturgewalten, die von den vier Göttergeschwistern beherrscht wurden. In der Gestalt einer attraktiven jungen Frau schwingt sich der letzte Feind von Dara Brighton in die Lüfte, bereit zum finalen Kampf, nachdem sie sich nun in der Position wähnt, das Duell für sich zu entscheiden.

Finale. Bei der vierten und abschließenden Folge von Das Schwert dürfte es sich um eine der spannendsten Finalfolgen handeln, die ich bislang lesen durfte. Schrieben und zeichneten die Gebrüder Luna mit den bisherigen drei Folgen schon Geschichten, die nur mit den Worten drastisch und dramatisch tituliert werden konnten, ist der letzte Kampf der Hauptfigur Dara Brighton mit der über die Luft gebietenden Malia nicht nur ein Höhepunkt des Fantasy-Comics, vielmehr des gesamten Genres. Man gewinnt den Eindruck, dass die Gebrüder Luna sich selbst keine Grenzen auferlegt haben. Ein Paradebeispiel hierfür ist der wirklich spektakuläre Ritt auf einem Harrier-Jagdflugzeug (den nicht einmal Eliza Dushku in True Lies hinbekommen hat).

Das Schwert ist häufiger eine zentrale Waffe in Mythen, in Comics, Filmen oder Romanen. Abgesehen vom sehr bekannten Excalibur ist das Schwert, eine spezielle Waffe, wie in diesem Fall, aber selten von solcher Bedeutung. Die Gebrüder Luna haben keine Schmuckwaffe entworfen, sondern in der Tat ein Werkzeug, das nur für den Zweck des Tötens geschaffen worden ist. Ein stabiler Griff, ein breiter Klingeneinsatz, eine lange Klinge mit leicht geschwungenem Blatt. Optisch ist es keine Waffe, die man in der Hand einer jungen Frau vermuten würde. Als Nahkampfwaffe und Instrument für grauenhafte Wunden wird es hier auch für Schockeffekte verwendet, die selbst in der sehr klaren, fast kühlen Optik treffen.

Aber diese Effekte stehen hinter der sehr abwechslungsreichen und voller Wendungen steckenden Handlung zurück. Allein die Findigkeit der Beteiligten, von A nach B zu kommen, obwohl ihnen die Mittel fehlen, ist für Überraschungen gut. Die Art und Weise, die Vergangenheit aller Hauptfiguren zu beleuchten, schafft die nötige Tiefe, bietet Erklärungen und sorgt in der letzten Folge für einen sehr großen Aha-Effekt. Dieser wird jedoch durch den Abschluss der Handlung übertroffen. Selten gingen Comic-Macher so gnadenlos mit ihrer Hauptfigur um und folgen doch der bisher aufgebauten Logik mit aller Konsequenz.

Ein Spiel mit den Medien. Falls ein Gott (auch ein Superheld oder eben ein Bösewicht, der einen Guten nur mimt) vorhaben sollte, eine wie auch immer geartete Machtergreifung (weltweit natürlich) durchzuführen, muss er vor allem eines hinter sich wissen, nämlich die Medien. Jedem scheint die Macht der verschiedenen Medientypen bewusst zu sein (insbesondere immer noch dem Fernsehen), aber in den seltensten Fällen gibt es eine sympathische Sicht auf die Medien, die in solchen Geschichten meist nur sensationslüsternen Journalismus abliefern. Hier wird diese gängige Darstellung noch durch den Live-Auftritt von Malia übertroffen. Sie bietet sich als rettender Engel an.

Ein wenig wie Schach. Mit Gewalt allein, auch nicht nur mit Mut ist der Gegner diesmal nicht zu besiegen. Aus einem leibhaftigen Duell wird so zeitweise ein Machtspiel, ein Psychoduell, bis die vierte Folge in einen wuchtigen Abschluss übergeht.

Ein im wahrsten Sinne des Wortes gigantisches Finale, ohne Übertreibung furios inszeniert, mit ungeheuer viel Gefühl, Respekt und Mitleid vor der Hauptfigur, aber letztlich auch ohne Gnade. Ein echter Hammer. 🙂

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Montag, 28. Mai 2012

Die Welten von Thorgal – Lupine 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:44

Die Welten von Thorgal - Lupine 1 - RaissaDer Pfeil trifft. Lupine beweist ihre Fertigkeiten mit Pfeil und Bogen, doch messen will sich mit ihr trotzdem keiner. Die Jungen lassen das Mädchen reden und ziehen von dannen. Im Sieg über ein Mädchen liegt keine Ehre, in der Niederlage erst recht nicht. Warum also ein Risiko eingehen? Allein streift Lupine über den Strand, so wie sie oft alleine umher wandert, seit ihr Vater Thorgal auf der Suche nach dem Bruder aufgebrochen ist. Am Strand findet sie ein Stück ungewöhnliches Metall und gerät sogleich in Streit mit einem Jungen aus dem Dorf, Mischa, der sie nicht leiden kann. Zu seinem Unglück hat Mischa nicht mit Lupines Drang gerechnet, sich nicht bestehlen lassen zu wollen.

Die Tochter von Thorgal ist nicht nur ein Wildfang. Sie vermisst ihren Vater. Die Mutter kann die Kleine nicht bändigen und eckt einmal mehr im Dorf an, wo sie ohne die Verteidigung Thorgals mehr geduldet als wirklich gemocht sind. Neugier und Tatendrang treiben Lupine an. Sie will ebenso gut mit Pfeil und Bogen umgehen wie die Jungen, vielleicht sogar besser. Sie vertritt ihre Meinung und legt sich auch mit jedem an, der ihre Ansichten von Anstand und Ehre nicht teilt, mit Kindern und Erwachsenen. Als Mischa, ein Junge aus dem Dorf, der ihr sowieso nicht wohl gesonnen ist, zusammen mit anderen eine Wölfin in einer Grube zu Tode quälen will, greift Lupine ein und gerät dabei selbst in Lebensgefahr.

Ein weiteres Kapitel aus der Welt von Thorgal. An der Seite Lupines werden neue Kapitel aufgeschlagen und eine mystische Welt aufgebaut. Autor Yann legt die Geschichte so an, dass selbst Leser ohne Vorkenntnisse der langen Serie mit Leichtigkeit in dieses Comic-Universum einsteigen können. Lupine ist auf ihre Art sehr emanzipiert, fast schon ein kleiner weiblicher Mowgli mit ihrer Fähigkeit, die Wölfe verstehen zu können. Aus dieser Fähigkeit entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, die allein schon tragend genug gewesen wäre, aber überleitet in einen noch phantastischeren Teil der Handlung.

Roman Surzhenko, Zeichner, arbeitet stilistisch klassisch realistisch, wie ein später Jean Giraud in seinen letzten Arbeiten zu Blueberry oder ein Derib (Buddy Longway), der aber kräftiger, intuitiver arbeitet. Surzhenkos Arbeiten sind zerbrechlicher und erzielen durch ihre viel kräftigere Kolorierung eine stärkere Wirkung, ein größeres Volumen und mehr Tiefe. Die genaue Planung der Seiten, die anhand der vielen Fertigungsskizzen im Anhang sehr schön veranschaulicht wird, mündet in eine Fantasy-Geschichte, in der besonders die titelgebende Figur der Lupine durch ihren besonders sorgsamen Entwurf begeistert.

Optisch, von der Handlung natürlich festgelegt, lässt sich der erste Band des Ablegerabenteuers in zwei Bereiche teilen. Die eigentliche Heimat Lupines, die Gegend um das Dorf, ist der erste Teil, die mythische Umgebung, eine Art Paradies ist der andere. Sind die Wälder und Landschaften in Lupines Zuhause möglichst naturgetreu gestaltet, wird der zweite Teil glorifiziert, göttlich strahlend gezeigt. Ist der erste Bereich schmutzig, kalt, auch düster, ist das Licht auf der anderen Seite am Tage golden und selbst die Nächte besitzen eine andere Dunkelheit, eher phosphoreszierend als von einem Mond erhellt.

Stimmungsvoll, märchenhaft erzählt und gestaltet, steht schließlich auch ein Kind im Mittelpunkt der Handlung. Yann, der sich besonders in lustigen Szenarien hervortat, beweist seine erzählerische Bandbreite und sein Einfühlungsvermögen in ein nicht von ihm geschaffenes Comic-Universum. Roman Surzhenko gibt als Zeichner einen stilsicheren und technisch einwandfreien Einstand. Schön. 🙂

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Donnerstag, 24. Mai 2012

Lanfeust von Troy 10

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:56

Lanfeust von Troy 10 - Cixis Geheimnis 2Das Leben im Luxus ist für Cixi eine Selbstverständlichkeit. Jemand wie sie darf gar nicht anders leben. Jedenfalls ist sie der Überzeugung, wie geschaffen für die Frau an der Seite von Thanos zu sein. Dieses Leben hat jedoch auch seine Schattenseiten. Denn für Thanos ist sie nur eine von vielen. Wenn sie seine Charakterzüge nicht teilt, ist sie verloren. Wenn sie das Leben anderer nicht ebenso gering schätzt wie er, ist ihres verwirkt. Den ersten Beweis, den sie für ihre Treue erbringen muss, die Tötung eines Menschen, liefert sie an der Seite von Thanos ab, gleichzeitig zerbricht etwas in ihr. Obwohl sie es sich zunächst nicht eingestehen will.

Ein Trost ist ihr die Stadt zu Füßen des Palastes. Immerhin kann sie wieder in der Umgebung sein, die sie liebte. Nur ist diese Stadt nicht mehr so, wie sie die Straßen, Gassen und Geschäfte wie auch die Bevölkerung in Erinnerung behalten hat. Langsam reift in Cixi ein Entschluss, etwas zu unternehmen. Doch wie geht man gegen einen Feind vor, dem Allmacht gegeben zu sein scheint?

Christophe Arleston lüftet im zweiten Teil um das Geheimnis von Cixi, wie die junge Frau nicht nur einen Sinneswandel durchlebt, sondern auch, wie sie ihren ganz eigenen Weg findet (wie sie das immer macht), um die Situation (halbwegs) unter Kontrolle zu bekommen. Die Dichte dieser Geschichte, die Verwebung von Action-Elementen mit der charakterlichen Entwicklung von Cixi (die Arleston später wieder etwas zurückdrängt), macht richtig Spaß. Denn gleichzeitig gibt Arleston dem Leser neue Seiten der Welt Troy zur Entdeckung preis, Kleinigkeiten, aber auch solche, den Gesamtrahmen beleuchten.

Spieglein, Spieglein an der Wand. Ein Spiegel weist Cixi den Weg. Das andere Ich dort auf der glänzenden Fläche nimmt kein Blatt vor den Mund, kennt das Innerste des sich spiegelnden Originals und, ob es Cixi schmeckt oder nicht, im Zwiegespräch entstehen Ideen zu einer, wenn auch kleinen Rebellion. Natürlich nimmt Arleston auch wieder kleine Anleihen bei anderen Genre-Publikationen vor. Wer die Gladiatorenszene im Verlauf der Handlung entdeckt und mit entsprechenden Interesse an SciFi und Fantasy ausgestattet ist, wird die Vorlage sogleich erkennen.

Olivier Vatine schafft mit seinen Bildern eine Mischung aus römischer Dekadenz, Weltuntergangsstimmung, Magie und Monstern. Zwischendurch gestaltet er aberwitzige Szenen, die von sehr feinem Humor sind. Der Leser darf sich einmal mehr auf die Trolle von Troy freuen, immer für Überraschungen gut, immer unberechenbar, selbst in Szenen, wie sie hier gezeigt werden. Mit seinen exakten, klaren Linien, die stets so ausschauen, als zeichnete ein anderer Künstler das jeweilige Bild mit mehr Strichen, beweist Olivier Vatine seine großartige Abstraktionsfähigkeit.

Mehr noch. Einfallsreich erschafft er neue Wesen (wie Cixis Römp, das der Leser schon in der ersten Folge von Cixis Geheimnis bestaunen durfte). Manchmal verniedlicht er seine Figuren, um kurz darauf mit sehr realistischen Außenszenen zu überraschen, Landschaftsansichten, die asiatisch inspiriert sind oder Stadtansichten, bei denen das Herz von Fantasy-Rollenspielern aufgehen muss.

Nach einem sehr schönen Finale, auch Dank der Kolorierung von Fred Besson, heißt es für den Leser wieder Warten. Doch zuvor kann noch einmal auf Entdeckungsreise gegangen werden, denn dank der durch die Bilder entstandenen starken Atmosphäre verliert diese (wie auch die vorherige) Episode nach der Lektüre nichts von ihrer Anziehungskraft.

Ein sehr feines Fantasy-Spektakel, nicht ganz ernst, aber immer spannend. Sehr schön von Olivier Vatine und Fred Besson gestaltet. Die Vorkenntnis von Teil 1 (Band 9 der Reihe) ist wünschenswert. 🙂

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Sonntag, 20. Mai 2012

Das Schwert 3 – Erde

Filed under: Mystery — Michael um 17:48

Das Schwert 3 - ErdeWie vernichtet man einen Gott? Für Dara Brighton stellt sich diese Frage nicht mehr. Sie hat es bereits einmal geschafft und sich fest vorgenommen, diese anstrengende Prozedur zu wiederholen. Rache ist das Motiv. Diese Götter töteten ihre Familie, doch das Vermächtnis ihres Vaters, ein lange im Verborgenen gehütetes Schwert, gibt ihr die Gelegenheit zur Rache an den Mördern. Die Verfolgung eines Gottes indes, von Land zu Land, ohne einen Cent in der Tasche zu haben, gestaltet sich zunächst viel schwieriger. Als Dara und ihre Freunde die Spur aufnehmen und in eine Szene geraten, von der sie nicht geglaubt hätten, ein Gott werde in ihr abtauchen, gerät nicht nur Dara in Gefahr.

Erde. Beherrschte der erste Gott das Element Feuer, der zweite von Dara getötete das Element Wasser, stellt sich die junge Frau mit dem Schwert nun einer Kreatur entgegen, die nicht nur tausende von Jahren alt ist, sondern die auch noch die Fähigkeit besitzt, durch reine Gedankenkraft jegliche Erdmaterie zu formen und auch als Waffe zu verwenden. War schon Wasser schwer zu besiegen, so wirkt dieser neue Kampf beinahe aussichtslos. Knossos ist ein Meister auf seine Art und könnte Großes vollbringen, würde er nicht seine Macht dazu missbrauchen, reinste Drogen aus der Erde zu gewinnen.

Die Brüder Joshua und Jonathan Luna bringen ihre Heldin Dara Brighton im dritten und vorletzten Teil dieser außergewöhnlichen Reihe, der sich in gewisser Weise an den vier Elementen orientiert, wieder einen Schritt weiter. Außergewöhnlich ist die Leichtigkeit der Erzählung, die Einbindung eines mythologischen Hintergrunds in die Neuzeit und die grandios umgesetzte Action, die man so allenfalls von neuen Kinofilmen oder aufwendig produzierten Fernsehserien her gewöhnt ist. Die Götter oder Abkömmlinge der Götter, allesamt Geschwister, sind nicht nur verrückt, sie sind auch berauscht von ihrer Macht und herrschten am liebsten über die Menschen, gäbe es nicht ein Hindernis.

Das Schwert ist die Waffe, die bereits bewiesen hat, wozu sie in der Lage ist. Sie kann nicht nur den Gott töten, sie kann seinen Träger auch vor den Angriffen des übermächtigen Feindes schützen und Verletzungen in kurzer Zeit heilen. Die Schmerzen jedoch verhindert es nicht. Dara, die durch das Schwert wieder gehen kann, da die Waffe auch andere gesundheitliche Schäden heilt (Dara war querschnittsgelähmt), muss leiden. Die Anblicke und Szenen, die sich dem Leser hierbei bieten, benötigen keine Worte und wirken einzig durch die Inszenierung.

Jonathan Luna, der die Aufgabe der Zeichnungen übernommen hat (eine Aufgabenteilung, die wechselseitig bei Projekten der beiden Brüder erfolgt), bringt die Action ebenso wie die Schockeffekte durch sehr klare Linien zum Ausdruck, Unschärfen sorgen für Tiefe und filmische Eindrücke. Der Blick liegt stets auf dem Vordergrund, die Kulisse ist vorhanden, aber zweitrangig und erhält allenfalls Bedeutung, um die Ausmaße von Zerstörung oder auch Macht zu zeigen. Zerstörung ist das Hauptanliegen dieses Gottes, der diesen Kampf nicht nur unbedingt gewinnen, sondern sich auch präsentieren will.

Auf verschiedenen Zeitebenen werden Geheimnisse gelüftet, solche der Götter, aber auch die Vergangenheit von Dara und ihrer Familie. Einige Zeitsprünge erfolgen weit hinein in die Vergangenheit der Menschheitsgeschichte, an exotische Orte, zu fast mystischen Zivilisationen. Es sind kleine, sehr kurze Momente der Ruhe in einer Geschichte, die zu drei Vierteln eine atemlose Achterbahnfahrt ist und von Jonathan Luna mit nahezu kühler Optik eingefangen wird.

Weiterhin vorbildlich, ein Reißer im besten Sinne des Wortes, der den Leser zu keinem Zeitpunkt loslässt. Die Vorgeschichte bis hierher ist ein absolutes Muss. Die Gebrüder Luna etablieren Leinwandsehgewohnheiten im Comic. Weiterhin nichts für Zartbesaitete, aber höllisch spannend. 🙂

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Freitag, 18. Mai 2012

NOSFERATU 1 – Si Vis Pacem

Filed under: Horror — Michael um 18:51

NOSFERATU 1 - Si Vis PacemNiemand hat diesen Fund in Indien erwartet, noch dachte jemand, der uralte Vampir würde jemals wieder auftauchen. Nachdem man ihn vernichtet glaubte, blieb er verschwunden. Jahrzehntelang. Doch mit der neuen Bedrohung durch dieses mächtige Wesen wächst auch die Angst. Vieles haben sich die Vampire in der Vergangenheit aufgebaut. Sie haben Reichtümer angehäuft und ihren Platz gefunden. Der alte Vampir könnte all die Errungenschaften an sich reißen oder auch zerstören, falls er mit ihnen nichts anzufangen weiß. Sein Auftauchen in Indien kann letztlich nur eines bedeuten: Krieg. Und so rüsten sich beide Seiten, denn Nosferatu ahnt den bevorstehenden Angriff.

Olivier Peru kennt das Horror-Genre, wie er mit Zombies unter Beweis stellen konnte. Hier zeigt er ein weiteres Mal, wie er bekannten Themen neue Seiten abgewinnen kann. Nosferatu, der Ur-Vampir, hier augenscheinlich zu Zeiten des Römischen Reiches aktiv an den Machtverstrickungen beteiligt, ist bereits einmal besiegt worden, weil er sich und seine Macht überschätzte. Ausgerechnet eines seiner Kinder hat ihn aus Rache zur Strecke gebracht. Oder besser: Liebe war der Grund.

Peru stattet seine Wiedergänger mit allen Leidenschaften aus, wie sie der Vampir-Fan heute bereits erwartet. Außerdem mag der Leser in der Ausgangssituation, nämlich der eines Vampirs, der sich in den Slums unter Ausgestoßenen neue Anhänger sucht, Parallelen zur Neuentwicklung eines Dr. Doom sehen, wie er bei den Ultimativen F4 die Comic-Welt neu erblickte. Am Ende steht hinter dem Ur-Vampir eine (noch überschaubare) Armee. Der Wechsel aus dem Indien der Neuzeit, einem kurzen Sprung in die jüngere Vergangenheit und besonders ins Rom des Kaisers Caligula macht die gesamte Handlung sehr reizvoll, da durch neue Informationen, den wohl überlegten Sprüngen in der Geschichte, die Handlung nicht unterbrochen wird, aber mit unerwarteten Wendungen aufwarten kann.

Stephano Martino, der hier seinen ersten Comic vorlegt, arbeitet mit präzisem Realismus, sehr atmosphärisch gezeichneten Charakteren und eindringlichen Kulissen. Die düstere Kolorierung der Digikore Studios zeigt die Welt der Vampire, in der Dunkelheit, Zwielicht, starke Kontraste und Dämmerung vorherrschend sind. Selbst in neuzeitlichen Umgebungen ist das Licht eher schwach. Das ist durchaus passend, da beide Szenarien, jenes in Indien und in Caligulas Rom (von einigen anders platzierten Sequenzen abgesehen), einen Ausblick auf das Ende der Welt geben, vielleicht auch das Ende der Zivilisation, dort, wo das Wasser über den Rand fließt.

Der römischen Pracht und der Dekadenz, auch der Ländlichkeit stehen optisch die indischen Slums gegenüber. Es folgen die Szenen rund um die Vampirjäger (ja, es gibt noch eine dritte Partei im Spiel) in einer verhaltenen Mischung aus Blade, Indiana Jones und auch kleinen Büros. Vorrang haben eindeutig die Handlungsstränge der Vampire. Vampire sind die Hauptakteure. Abgesehen davon scheint es auch fraglich, wie Menschen sich gegen diese Übermacht behaupten wollen. Olivier Peru lässt da keine Zweifel aufkommen und die Zeichnungen von Stephano Martino, die die Vampire mit einer enormen Gewalt verbildlichen, stützen diese Aussage.

Der Übervampir: Ur-Vampir, Nosferatu, Halbgott. Diese Kreatur steht selbstverständlich im Zentrum des Interesses und der Leser darf verschiedene Entwicklungsstadien dieses Vampirs miterleben, die Auskunft darüber geben, welche Zerstörung dieses Wesen über sich ergehen lassen kann. Greift man diese Tendenz auf, stellt sich augenblicklich der gute alte Dracula ein, der cineastisch in Form von Christopher Lee auch immer einen Weg zurückfand.

Ein Vampir-Kracher im besten Sinne, einfallsreich, dramatisch erzählt, optisch von Newcomer Stephano Martino mit sehr exakten, naturalistischen Zeichnungen umgesetzt. Für Fans des Genres empfehlenswert. 🙂

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Dienstag, 15. Mai 2012

Helldorado

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:57

HelldoradoSpanier (Europäer) und Syyanas, Konquistadoren und Indios. Weitab von Europa, auf einer idyllisch anmutenden Insel mit zauberhafter Vegetation und wunderschöner Tierwelt entbrennt ein gnadenloser Kampf, befeuert durch den Wahn eines Mannes, der als Ketzer verbrannt werden sollte. Und er ist nicht der einzige Feind. Denn auf beiden Seiten wütet eine Krankheit, aus Europa eingeschleppt, gegen die die Syyanas kaum eine Abwehrmöglichkeit haben. Ist der Kampf gegen die Invasoren wenigstens schnell vorüber, ist der Befall durch die Seuche fast eine Garant für langes und furchtbares Dahinvegetieren. Die Situation ist fatal. Da kommt ein Geheimnis ans Licht und alles ändert sich.

Jean-David Morvan ist in vielen Genres daheim. Science Fiction (Sillage), Cartoon (Spirou + Fantasio) oder Superhelden (Wolverine). Miroslav Dragan bewies mit Die Gilde seinen Hang zur Fantasy. Diese beiden Autoren haben sich zusammengetan und die hier zusammengefasste Historientrilogie Helldorado geschaffen und präsentieren eine Geschichte, die vor Intensität beinahe explodiert. Durch die sehr schön gestalteten Grafiken von Ignacio Noe, der auch den Blick auf das Grauen nicht scheut, dürfte der fiktive Kampf um ein Paradies auf Erden in seinem Genrebereich zu einem der gelungensten Umsetzungen der letzten Jahre gehören.

Die Insel, der Ort des Geschehens, wird nicht näher benannt. Die Parallelen zu wahren Geschehnissen auf dem südamerikanischen Kontinent oder karibischen Inseln liegen jedoch auf der Hand. Letztlich fassen die beiden Autoren einen langen Kampf Einheimischer gegen ihre Unterdrücker zusammen. Ein ehemaliger Ketzer, durch einen Zufall dem Scheiterhaufen entronnen, hat sich von einem Saulus zu einem äußerst fanatischen Paulus gewandelt. Sogar die spanische Kirche ist froh, diesen Wahnsinnigen in die neue Welt entsenden zu können, da man befürchtet, die Kontrolle über diesen Mann verlieren zu können.

Morvan und Dragan beschreiben den Gegensatz, die Indios, nicht als Waisenknaben. Es ist eine sehr aufgeteilte Gesellschaft, in der die ganz unten kaum einen Wert haben, Menschenopfer mit großer Brutalität dargebracht und als vollkommen normal betrachtet werden. Diese Gesellschaftsformen, die eine starke und völlig egoistische Führung als selbstverständlich ansehen, stehen sich nun in einer gnadenlosen Auseinandersetzung gegenüber, in der die Europäer durch ihre überlegenen Waffen die Oberhand gewinnen. Wäre da nicht noch die Seuche.

Die Bilder, mit wirklich tollem Talent und perfekter Technik zu Papier gebracht und sehr aufwendig koloriert, ziehen mit ihrem filmischen wie auch Bilderbuchcharakter den Leser sofort von der ersten bis zur letzten Seite in die Handlung hinein. Morvan und Dragan verlassen sich hier sehr auf ihren Künstler Ignacio Noe, dem es instinktiv zu gelingen scheint, die richtige Stimmung einzufangen. Im Wechsel zwischen Szenen, in denen Dialoge vorherrschen, und jenen, die gänzlich ohne Worte auskommen, wird diese Besonderheit noch deutlicher.

Gerade jene Sequenzen, in denen einzig Bilder die Handlung nicht nur voran treiben, sondern Noe auch noch die Emotionen, Freude wie Leid, mit sicherer Hand zeigt, Nuancen einfängt, wie man es nicht so oft zu sehen bekommt, sind ein Sahnhäubchen im weiten Feld der Comic-Publikationen. Die leichte Abstraktion der Charaktere, aber auch die Stilisierung der Volkszugehörigkeiten, all die vielen Unterschiede sorgen neben der Darstellung der Kulisse für eine hohe Dichte der Handlung. Das hat manchmal Zeichentrickcharakter (einer sehr teuren Produktion) oder erinnert an Darstellungen, die auch Vorlagen für Computerspiele sein könnten.

Grafisch großartig von Ignacio Noe gestaltet, nichts für schwache Nerven, da sich beide Seiten in dieser Geschichte nichts schenken. Die Erzählung der beiden Autoren steigert die Spannung stetig zu einem packenden Drama. Keine echte Historie, aber von dieser inspiriert. 🙂

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