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Comic Blog


Sonntag, 13. Juli 2014

DIE SECHSTE WAFFE – Buch 1

Filed under: Mystery — Michael um 18:12

DIE SECHSTE WAFFE - Buch 1 - Kalte tote FingerSechs Waffen, vom Teufel geschaffen. In den falschen Händen bedeuten sie die Hölle auf Erden. Oliander Bedford Hume, ein ranghoher Südstaatenoffizier, war einer der wenigen Männer, die dank ihrer ungeheuren Brutalität und Menschenverachtung auf der Siegesstraße des Südens unterwegs waren. Doch dieser Bürgerkrieg war Hume nicht ausreichend. Ausgestattet mit einigen ganz besonders bösartigen Gefolgsleuten und sechs Faustfeuerwaffen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten galt es, einen eigenen Weg zu beschreiten, unabhängig von irgendwelchen irdischen Befehlshabern. Ein kurzer Weg für Hume, denn ein Mann Gottes machte kurzen Prozess mit ihm.

Doch ein Mann, der im Leben getreue Diener hatte, mit teuflischen Gaben gerüstet, für den werden die grausamen Gefolgsleute auch im Tod noch zur Verfügung stehen. Und so machen sie sich daran, das Grab des Generals zu finden und seinen Körper zu bergen. Western, Mystery, Gruselabenteuer, Horror, bunt vermischt mit dem Auftritt von Untoten und einem mächtigen Dämon ergeben Die Sechste Waffe, eine erzählerisch wie auch thematisch schöne Überraschung mit neuen Impulsen innerhalb des unheimlichen Genres. Cullen Bunn (Autor) schuf zusammen mit Zeichner Brian Hurtt diesen Mystery-Thriller, in dem aufgrund seines frischen Szenarios nichts vorhersagbar ist.

Den sechs unheimlichen Schlächtern stellt sich ein einfacheres Trio gegenüber. Einer, Drake Sinclair, war einst ein Gefolgsmann des Generals. Die Zweite, eine junge Frau namens Becky Montcrief, verlor ihren Vater, der Die Sechste Waffe vor dem General versteckt gehalten hatte. Der Dritte im Bunde, Billjohn O’Henry, ein Spieler und Kopfgeldjäger, muss sich fragen, warum er seinem Freund Drake den Gefallen tut und neben ihm in dieses Abenteuer stolpert, in dem kaum ein Moment zu vergehen scheint, in das eigene Leben nicht am seidenen Faden hängt.

Der erste Band der Reihe vereint die die ersten sechs Hefte und gleichzeitig in sich geschlossenen Zyklus über den Kampf um die merkwürdigen Waffen, die der Teufel unter die Menschen brachte. Jedes Heft, oder Kapitel, baut zielstrebig die Geschichte auf und beleuchtet in genau der richtigen Dosierung den aktuellen Ablauf wie auch die Hintergründe des Abenteuers. Besonders zu begeistern wissen die Bösewichter, eine dunkle Brut, ausgefallen im Auftreten und in ihrer Bewaffnung. Hier haben sich Cullen Bunn und Brian Hurtt einiges einfallen lassen und nutzen diese Ideen auch weidlich in fast episch zu nennenden Auseinandersetzungen.

Die Bilder von Brian Hurtt dürften gerade jenen Comic-Fans gefallen, die Zeichnungen von (eines frühen) Mike Mignola und Guy Davis mögen. Hurtts gruselige Ansichten tendieren zum Realismus, sie verweigern sich aber dem letzten Schliff, bleiben comic-artig. Volumen erhalten die Figuren durch ihre Kolorierung, stimmungsvoll, aber auch zurückhaltend. Die Kulisse gibt bei aller Phantastik dem Western den Vorzug, sei es in der Prärie oder im Saloon. Die Monster sind jene mit den teuflischen Waffen, also sehr menschenähnlich. Untote tauchen in verschiedenen Variationen auf.

Diese bieten neben den klassischen Wiedergängern auch Kreaturen, die mehr mit einem Golem gemein haben, aber auch Rückkehrer sind. Wer vielleicht zunächst (angesichts des Szenarios) Dämonen vermisst, wird mit der großen Schlacht, einem sehr langen Finale, eines Besseren belehrt werden.

Im Kino wäre dieser Comic ein Blockbuster. Auf Papier ist es ein sehr fantasievolles, fein illustriertes Horror-Grusel-Abenteuer. Hervorzuheben ist die für eine derartige Geschichte ungewöhnliche historische Kulisse, der Wilde Westen. Unterhält mit den besten Mitteln seines Genres (besser gesagt, beider Genres) von Anfang bis Ende hervorragend. Ein abgeschlossener Zyklus, dem ein weiterer auf dem Fuße folgt. 🙂

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Sonntag, 06. Juli 2014

Katzen! – Band 1: Katz-Cha-Cha

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 11:57

Katzen! - Band 1: Katz-Cha-ChaEigentlich hatte es ein Hund sei sollen. Nach einer halbjährigen Vorbereitungszeit haben sich die beiden Freundinnen Manou und Erika dazu entschlossen, einen Welpen anzuschaffen. Genauer gesagt, Erika hat ihre Freundin dazu gedrängt, sich einen Welpen anzuschaffen. Am Ziel ihrer Wünsche angekommen, bei Erikas Tante, deren Hündinnen einen quirligen Wurf Welpen schläfrig auf sich herum kletternd erduldet, wartet aber noch ein ganz anderes Jungtier: ein Kätzchen. Das Kleine treibt sich bei den Hunden herum und erobert das Herz von Manou im Sturm.

Kleine Katzen, kleine Hunde, kleine Tiere allgemein wecken den Beschützerinstinkt. Was Hunde und Katzen betrifft, haben die Menschen oft unterschiedliche Vorlieben. Manou dachte anfangs noch, dass ihr Hunde am besten gefallen. Pampelmuse ändert das. Es ist nicht gerade der schönste Name für eine Katze, aber sicherlich einprägsam. Fortan sind die beiden ein Herz und eine Seele. Wenn da nicht …

Brremaud beschreibt eine Liebe auf den ersten Blick. Nicht der Mensch findet das Tier, umgekehrt wird ein Schuh daraus. Und wer es bisher noch nicht wusste: Katzen können genauso viel Blödsinn anstellen wie Hunde. Diese Erfahrungen teilen Manou, ihre Freundin Erika und andere in kleineren bis längeren Episoden allzu gerne. Spieltrieb, Verfressenheit, Turnen, Kratzen, nicht von Wasser begeistert … Kurzum, mit Katzen gibt es Situationen, in denen es drunter und drüber geht.

Da verwundert es auch nicht, wenn ein Klopapierrolle zum spannenden Spielzeug wird und gleichzeitig eine der schönsten Kurzepisoden des vorliegenden ersten Bandes Katzen! ist. Paola Antista, die Zeichnerin, hat ein paar Manga-Stilistiken aufgeschnappt, bewegt sich aber ebenso auf dem optischen Terrain, auf dem dem auch ein W.I.T.C.H. zu finden ist. Das Arbeitsergebnis könnte auch unter Don Bluth (Feivel der Mauswanderer) entstanden sein. Insbesondere die Katzen stehen der Putzigkeit von Großproduktionen in nichts nach.

Die Episoden, durchaus einzeln lesbar, bauen letztlich aufeinander auf und münden in ein paar längere Szenarios. Das Geheimnis der verschwundenen Katzen behandelt das Thema Katzen nicht nur etwas ernsthafter, es wandelt auch noch stärker auf den Pfaden der großen Filmschmieden mit ihren kindgerechten Abenteuern, ob sie nun gezeichnet, animiert oder als Realfilm umgesetzt sind. Manou betätigt sich als Detektiven in dunkler Nacht und kommt einer Bande von Tierquälern auf die Spur. Es bleibt ein vereinzelter Ausflug. Denn das nächste Thema lautet schlicht: Katzenwerbung. Wer sich schon immer fragte, was hinter den Kulissen eines Katzenfutterwerbespots abläuft, erhält hier eine Antwort.

Eine technisch versierte und mit dem rechten Blick für Räumlichkeit aufgetragene Kolorierung von Cecilia Giumento gibt den Bildern von Paola Antista die passende Tiefe, so dass nicht nur die von den Katzen eroberte Umgebung, sondern auch das Dorf, in dem Manou lebt, prächtig vor den Augen ersteht. Einige Außenaufnahmen mehr wären toll gewesen, aber vielleicht kommt das noch, handelt es sich doch um Band 1.

Ein kurzweiliges Vergnügen, ganz bestimmt ein Spaß für Katzenliebhaber, die hier einige Abenteuer ihrer vierbeinigen Begleiter wiedererkennen werden. Jugendlich erzählt, kindgerecht modern illustriert. 🙂

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Samstag, 05. Juli 2014

KENYA 5 – Illusionen

Filed under: SciFi — Michael um 11:18

KENYA 5 - IllusionenNicht nur die Afrikaner halten den weißen Mann mit dem Bart für verrückt. Die Rückschau, die dieser lautstark hält, klingt wie ein abenteuerliches Märchen, das sich niemand so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, 1947, vorzustellen vermag. Da ist von Lebewesen die Rede, welche die Erde besuchten und, einem Kodex folgend, sich daran machten, Tiere zu retten, diese aber nicht von Erde entfernen durften und so an einem geheimen Ort konservierten. Der Vortrag, so hanebüchen er auch ist, genügt, um die weißen Gäste des Dorfes wie auch die schwarzen Krieger abzulenken. Kurz darauf erfolgt ein fürchterlicher Überfall.

Zum letzten Mal zurück in KENYA. Die Szenaristen Rodolphe und Leo nehmen den handelnden Figuren des Science Fiction Abenteuers jegliche Illusionen, so der Untertitel des Bandes, und liefern ihnen handfeste Beweise dafür, dass die Litanei des angeblich Verrückten eben kein Hirngespinst ist. Der Leser wusste es bereits, die verschiedenen Charaktere mussten erst mit der Nase darauf gestoßen werden. Zu sehr ist man in jenen Tagen mit den Anfängen des Kalten Krieges beschäftigt. Da passen UFOs kaum ins realistische Weltbild.

Man darf den fünften der Band der Reihe durchaus als eine Art Epilog der Handlung betrachten. Außerdem wird der Leser bereits auf möglich neue Abenteuer von Katherine Austin, der Hauptfigur, vorbereitet. Diese kehrt schließlich, das ist kein Geheimnis, in der Nachfolgeserie Namibia zurück. Das Szenario insgesamt wandelt auf den Pfaden klassischer Science Fiction wie sie sich auch ein H. G. Wells ausgedacht haben könnte und solcher Ideen, wie sie gerade in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts von Hollywood erdacht wurden.

Packend in diesem Band ist vor allem eine längere Sequenz, die sich mit dem Auftritt eines Relikts vergangener Tage befasst und deutliche Auswirkungen auf die Welt jener Tage (und heutzutage auch) zeigt. Neben den Tieren Afrikas, die dieser Kreatur nichts entgegenzusetzen haben, sind auch die Menschen leichte Beute und das Tier mit den archaischen Waffen der Buschbewohner kaum zu bezwingen. Die Sequenz lässt ganz besonders einen Charakter in einem neune Licht erscheinen und der Leser wird nicht anders können, als über diese Figur, die bislang eher ein Querulant war, etwas gnädiger zu denken.

Leo brilliert mit seinen geradlinigen, sauberen Zeichnungen und es ist schade, dass die Arbeit an der Nachfolgeserie für ihn ein anderer Künstler, , übernimmt, obwohl die einmal eingeführte Stilistik natürlich im Sinne einer optischen Kontinuität beibehalten wird. Mit seinen feinen Linien und der penibel ausgeführten Darstellungen könnte er mit weitaus technischer ausfallenden Szenarien punkten. Eine kurze Sequenz, in der britische Spitfire zum Einsatz kommen, beweist das grafisch treffend.

Afrika ist für spannende, frische und auch ergreifende Szenarien prädestiniert. Rodolphe und Leo zeigen, was möglich ist, wenn außerdem die Vergangenheit als Kulisse dient. KENYA ist eine schöne Geschichte für Fans klassischer Science Fiction Abenteuer. 🙂

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Donnerstag, 03. Juli 2014

Die Abenteuer von Blake und Mortimer 19

Filed under: Mystery — Michael um 11:47

Die Abenteuer von Blake und Mortimer 19 - Die Septimus-WelleColonel Olrik gefällt sich nicht in der Rolle des Opfers, war es doch meist so, dass er um die Oberhand rang. Aber der Colonel kann nicht vergessen, wie er vor einiger Zeit Opfer und Versuchskaninchen des berüchtigten Professor Septimus‘ war. Noch immer verfolgen ihn die Bilder von damals, bilden sich aus dem Dunst verdrängter Erinnerungen bedrohliche Gespenster und keiner kann sich erklären, wieso das so ist und warum es gerade jetzt geschieht. Derweil geht Professor Mortimer einer Erfindung, dem Telezephaloskop, des alten Feindes Septimus auf den Grund. Leider sind die Ergebnisse zu vernachlässigen. Ein Treffen mit seinem alten Freund Francis Blake könnte Rat bringen.

Das gelbe M wirft seinen langen Schatten. Eines der am besten in Erinnerung gebliebenen Abenteuer der beiden Helden Blake und Mortimer, Das Gelbe M, erlebt hier eine Art Epilog. Die Geschichte ist rätselhaft, eine Rückschau zu besagtem Klassiker nicht ausdrücklich notwendig. Die Atmosphäre schwankt zwischen dem Grusel einer Geschichte von Lovecraft und, moderner, den rästelhafteren Episoden der Serie Akte X.

Mysteriös. Männer tauchen auf, schleichen durch ein heruntergekommenes Viertel und sterben auf eine merkwürdige Art und Weise. Zuvor reden sie Sätze, die nach Anbetung klingen, seltsamer aber kaum sein könnten und kaum Rückschlüsse auf die Hintergründe zulassen. Erst die Identität der Männer eröffnet eine neue Spur, die Blake und Mortimer jedoch noch ratloser zurücklässt. Ein Komplott, wohl verborgen geschmiedet, wird vor dem wahren Geheimnis fast zur Nebensache.

Jean Dufaux kann als Comic-Autor auf eine große Bandbreite von Genres zurückblicken, in denen er seine Erzählungen gefunden hat. Piraten, Wikinger, Gangster, eine Spur Erotik sind zu finden, gerne historisch, gerne etwas fantastisch. Mit Blake und Mortimer nimmt er ein ordentliches Erbe in Empfang, an dem nicht nur E. P. Jacobs als Erfinder arbeitete, sondern auch ein Thriller-Spezialist wie Jean Van Hamme.

Jean Dufaux greift das Grundelement der Reihe, nennen wir es das außergewöhnliche Mysterium, auf und verschachtelt die einzelnen ungelösten Geheimnisse auf modern popkulturelle Art. Um beim Beispiel Akte X zu bleiben: Hinterher sind nicht unbedingt alle Fragen beantwortet, dafür bleibt man mit dem Wissen zurück, dass es für Blake und Mortimer noch sehr zu tun geben wird.

Die Grafiken, gezeichnet von Antoine Aubin und Etienne Schreder, weichen selbstverständlich nicht von der klassisch bekannten Form der Reihe ab. Hier gibt es keine Experimente. Was gut war, ist gut und soll nicht verfälscht werden. Es gibt nur wenige Serien mit wechselnden Zeichnern, die ihren Charakter dennoch über die vielen Jahre so toll erhalten haben. Etienne Schreder setzt seine Arbeit an der Reihe, begonnen unter Van Hamme, fort. Klare, präzise Formen, ergänzt mit einfachen Farbaufträgen, die allenfalls von etwas Wangenröte durchbrochen werden.

Schwarz gekleidete Männer mit Bowlern und Regenschirmen. Die Bedrohung durch gut konservativ gekleidete Herren ist keine Erfindung von Jean Dufaux. Zeitweilig mag man glauben, dass hier die grauen Herren nicht weit sind, oder jene, die einen Plan überwachen, den es einzuhalten gilt. Ein schönes Beispiel für eine Figur, die, tritt sie einzeln auf, harmlos scheint, aber schnell bedrohlich wird, wenn sie sich massenhaft in Szene setzt. Professor Septimus gibt es hier nicht zu knapp. Über den bekannten stechenden Blick hinaus ist er eines Gruselelemente dieses Abenteuers.

Jean Dufaux zieht die besonders dunklen Seiten der Serie in den Vordergrund. London wird zum Versteck eines Mysteriums, von dem niemand eine Ahnung hatte. Grafisch auf gewohntem Niveau ermitteln Blake und Mortimer auf ebenso gewohnt britische Weise. Fein. 🙂

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Mittwoch, 02. Juli 2014

Monster Allergy – Die Gesamtausgabe 1

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 18:12

Monster Allergy - Die Gesamtausgabe 1Zick geht in die Schule, aber darüber hinaus treibt sich kaum außerhalb seines Zuhauses herum, so wie andere Kinder seines Alters das eben tun. Denn daheim ist es schon turbulent genug, Allergie inklusive und mit einer sprechenden Katze an der Seite fällt es schwer, sich interessantere Vorkommnisse in der wirklichen Welt vorzustellen. Da Zick nicht zur wirklichen Welt kommt, kommt diese zu ihm in der Gestalt eines neuen Nachbarmädchens namens Elena Patata, die ebenfalls einen Kater mit Namen Bandito besitzt. Wenn es jemals zwei unterschiedliche Nachbarskinder und noch verschiedenartigere Katzen auf der Welt gab, dann treffen sie in Monster Allergy aufeinander.

Katja Centomo und Francesco Artibani brachten den Kindern liebe Monster im Comic, unerwartete Ereignisse, viele Katzen und ein ungewöhnliches Freundespaar. Lieb ist das Stichwort, denn liebevoll ist die Erzählung zu nennen, die sich langsam von einer nachbarschaftlichen Freundschaft zu einem Gruselabenteuer entwickelt. Neben Monstern gibt es auch Geister und Wächter, denen eine besondere Aufgabe zufällt. Zick, die männliche Hauptfigur, ist weniger verschroben, als ihn seine Umgebung beschreibt und auch weniger krank, als viele glauben. Elena ist jedoch so neugierig und hartnäckig, wie Zick sie einschätzt.

Bombo, ein Monster zum Knutschen. Rot, gefleckt, Kulleraugen, Riesenmaul, kugelrund und mit einem Sprachfehler versehen, ist es freundlich, friedlich, will sich lieber heraushalten, macht nicht alles richtig, hat aber manchmal im richtigen Moment die wirklich wichtige Information parat. Kurzum, Bombo ist der Begleiter, den ein modernes Kind sich nur wünschen kann. Das gilt über zehn Jahre nach Entstehung des ersten Comics immer noch. Die dazugehörige Optik ließ schon vermuten, wo es Monster Allergy hinzog. 2006 folgte die Zeichentrickserie.

Dünne Linien, manchmal betont kantige Formen, manchmal bewusst krumm und schnörkelig (bei Monstern), mit verspielten Proportionen und knalligen, zeichentrickartigen Gesichtausdrücken, die eine Verwandtschaft zum Anime nicht verleugnen können. Die italienische Disney-Schmiede hob dieses Projekt mit Zeichner Alessandro Barbucci aus der Taufe und schlug damit eine ähnliche Richtung wie mit W.I.T.C.H. ein, ein junges Konzept, das (ohne Magie) sich auch in Serien wie Kim Possible und anderen niederschlägt. Eine unverbrauchte Optik, die zunächst keine Rückschlüsse auf nordamerikanische Produktionen des Mutterkonzerns zulässt, weit weg von den klassischen Figuren mischt das Medium und das Genre auf.

Katzen, Katzen! Ein gutes Beispiel für diese optische Entfernung von der klassischen Gestaltung, wie sie sich über Jahrzehnte gehalten hat (im Sinne von putzigen Aristocats), sind die beiden (und noch ein paar mehr) Katzen von Zick und Elena. Bandito ist der typische überfressene und leicht blöde Kater (die es geben soll), während Timothy nicht nur sprechen kann, sondern obendrein auch noch ein arroganter Nacktkater ist. Hier ist der Gegensatz noch weitaus größer als zwischen den beiden menschlichen Hauptcharakteren. Aber gerade daraus ziehen viele gemeinsame Szenen der beiden einen starken Gewinn in Sachen Humor.

Monster? Ja, aber andere als üblich. Diese besitzen jenen anarchischen Charme, den auch die finsteren Kreaturen in Zeichentrickabenteuern der Ghostbusters besaßen oder jene Meereswesen, die in Pirates of the Caribbean ihren Auftritt hatten. Letzterer Vergleich wird offenbar, wenn gegen Ende der hier zusammengefassten ersten vier Teile der Comic-Reihe ein außergewöhnlicher Pirat namens Krausbart seinen Auftritt hat und stark an einen Davy Jones erinnert.

Schöne Kinderunterhaltung, modern gestaltet, spannend erzählt. Alessandro Barbucci hat einen stilistisch eigenen Mix kreiert, kindgerecht, überdreht hier und dort, vor über zehn Jahren schon mit schönem Blick dafür, was Kids heute automatisch erwarten. Unterhaltsam auch für Junggebliebene! 🙂

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Links: www.monsterallergy.com

Montag, 30. Juni 2014

Sechs aus 49 – Band 1 – Mathilde

Filed under: Biographie — Michael um 9:47

Sechs aus 49 - Band 1 - MathildeMathildes Vater ist kein Karl Marx, das System jedoch, das es einer Lottoanstalt ermöglicht mit einem Höchstgewinn von 60 Millionen Euro zu prahlen und den Menschen die Köpfe zu verdrehen, ist zu verachten. Mit seiner Denkweise stößt er regelmäßig bei Frau und Tochter an. Man könnte auch weniger freundlich sagen, er geht ihnen mit seinen Vorträgen über die Verderbtheit der Gesellschaft auf die Nerven. Mathilde hat derlei Phrasen, so nennt die Mutter die Wortspiele des Vaters, oft genug gehört, um nicht gleich von ihrem Gewinn zu erzählen, den sie gemacht hat. Denn die Hälfte der besagten 60 Millionen Euro gehören ihr.

Was wäre, wenn ein wildfremder Mensch einen Lottogewinn mit Dir teilt? Und nicht nur eine kleinere Summe, so ein Milliönchen, sondern einen richtigen Knaller: 60 Millionen. Und die Hälfte davon bekommst Du! Über die Grundidee, Millionär über Nacht und unerwartet, als Geschenk, grübelten bereits Nicolas Cage und Bridget Fonda in 2 Millionen Dollar Trinkgeld. Thomas Cadene geht noch einen Schritt weiter, holt die Supergewinne der Neuzeit in die Geschichte und knallt seinen beiden Gewinnern gleich 60 Millionen Euro um die Ohren. Die eine, Mathilde, weiß zunächst nicht, wie ihr geschieht. Der andere, Hippolyt, ist schon reich. Viel ändert sich für ihn nicht. Oder doch?

Und ob sich etwas ändert! Autor Thomas Cadene, der schnell erkannt hatte, dass ein Mammutprojekt dieser Art mit einem Zeichner allein nicht zu realisieren ist, arbeitet gleich mit mehreren Künstlern zusammen. Diese Änderung über die üblichen Duos oder Trios hinaus schafft einen besonderen Reiz, da jeder Zeichner seine optische Interpretation einbringt. Die Wirkung ist mal komödiantischer, mal tragischer, auch dramatischer, heiter oder düster, obwohl die Geschichte im Gleichklang forterzählt wird. Es ist ein gutes Beispiel, wie stark sich über die Optik die emotionale Reaktion des Lesers beeinflussen lässt.

Thomas Cadene beschreibt einen Millionengewinn. Nicht irgendeinen, nicht den höchsten, beileibe nicht den geringsten. Zuerst ist es ein Tagtraum, ein Unglauben, dann die Wahrheit, die Realität, der die Frage folgt: Was nun? Mit 30 Millionen Euro im Säckel muss doch nicht so, auf die bewährte Art und Weise weitergelebt werden? Und der Vater, der doch tatsächlich verlangt, das Geld zurückzugeben, der hat sie doch nicht mehr alle. Halbwegs freundlich formuliert. Das beantwortet jedoch nicht die elementare Frage: Was nun?

Mathilde beschreitet einen normalen Lebensweg, aus verantwortungsvollem Elternhaus, studiert, hat einen Freundeskreis. Dann schleicht sich mit dem Gewinn eine Veränderung ein, die zunehmend unheimlicher wird, da sie auch den Charakter angreift. Plötzlich lautet die Frage: Was muss ich mit 30 Millionen Euro überhaupt noch? Mathilde bewegt sich zuerst vorsichtig, später heimlich, schließt neue Bekanntschaften. Was zunächst nach einer, zugegeben, Seifenoper mit ungewöhnlichem Thema aussah, wird dank der französischen Sichtweise, auch der Art Geschichten zu erzählen, die auf frankophoner Seite der deutschen voraus ist, mit zunehmendem Tiefgang versehen.

Die Zeichner brillieren mit völlig gegensätzlicher Stilistik. Da findet sich eine bittersüße Art des Zeichnens, fast naiv zu nennen (Vincent Sorel). Zeichner wie Aseyn crashen das Szenario in einer Form der Selbstentblößung der Charaktere. Andere Zeichner wie Tanxxx finden eine sehr freundliche Annäherung mit für den unbedarften Comic-Leser sehr comic-artigen Figuren. Künstler wie Clotka warten mit einem verrutschtem Simpsons-Design auf. The Black Frog und Philippe Scoffoni treffen mit ihrer dokumentarisch, realistischen Stilistik für mich am meisten die optische Form einer Graphic Novel. Letzterer Zeichner bietet meiner Meinung nach auch die schönsten Interpretationen der Hauptdarsteller.

Die erwähnten Zeichner sind nur ein Ausschnitt der Bandbreite künstlerischen Schaffens, die hier zu finden ist. Jedes Kapitel, mit jedem Zeichnerwechsel also, enthält in Portraits vorangestellt die jeweils handelnden Akteure, damit der Leser trotz der optischen Veränderung sich schnell wieder einfindet.

Das können nur die Franzosen (immer noch meine Meinung) richtig gut! Thomas Cadene nimmt ein scheinbar leichtes Thema, offenbar eine Seifenoper und generiert aber viel tiefer reichend ein Zeitbild, bietet Komödie und Tragödie, leicht erzählt, interessant und unterhaltsam, sehr dicht. Wer auf der Suche nach einem im Comic wenig vertretenen Thema ist, Realismus in diesem Medium mag, sollte einen Blick riskieren. 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.

Links: Sechs aus 49 auf FAZ.NET

Samstag, 28. Juni 2014

plume – Band 1 – … wie eine Rauchwolke

Filed under: Mystery — Michael um 12:35

plume - Band 1 - ... wie eine RauchwolkeIm Wilden Westen ist die Art der Verteidigung jene mit der Feuerwaffe. Wer schnell schießt, überlebt länger. Vesper Grey gehört zu diesen Schützen. Außerdem, nebenbei gesagt, scheint sie einen gewissen Hang zum Töten entwickelt zu haben. Die junge Frau war, so hatte sie es selbst erkannt, in einem langweiligen Leben gefangen, unter der Fuchtel ihrer Tante. Diese versuchte die Haltung einer gut erzogenen jungen Dame beizubringen. Und eine Dame kann sich eben nicht alles erlauben. Eines Tages, sie selbst hatte wohl nicht mehr daran geglaubt, ändert sich ihr Leben radikal und für immer. Sie hätte sterben können, ertrinken, als plötzlich das Amulett um ihren Hals zu leuchten begann und ein Fremder in ihr Leben trat.

K. Lynn Smiths Comic hat einen ungewöhnlichen Weg genommen. Noch immer erscheint die Geschichte um Vesper Grey als Webcomic, aber so fein gestaltet, so spannend erzählt, so dass der Weg von der rein digitalen Variante hin zur gedruckten Version führte. Die Autorin und Zeichnerin (Koloristin natürlich auch) stellt ihrer Hauptfigur einen Beschützer der besonderen Art zur Seite und bearbeitet damit eine Grundidee, die bereits einige Geschichtenerzähler reizte. Man könnte sagen, Han Solo hatte Chewie, Aladdin hatte seinen Dschinni und Vesper Grey hat ihren Corrick.

Die Geister, die ich rief … Corrick ist kein einfacher Zeitgenosse und durchaus nicht willenlos, wie die Konstellation der beiden, junge Frau und die Seele, die diese Welt nicht verlassen darf, deutlich macht. Corrick hat seinen eigenen Willen, ist nicht Freund (freundlich schon), nur ein Diener. Mit seinen weißen Haaren, einer jahrhundertealten Höflichkeit, nicht immer zurückhaltend. Für ihn ist Vesper ein wenig zu albern, auch ein wenig zu naiv, waghalsig vielleicht, deshalb gibt es Warnungen gleich zu Beginn. Zu Recht, wie es sich bald herausstellt.

Vesper ist jung, abenteuerlustig, mit einem gesunden Querkopf ausgestattet, Selbstbewusstsein, auch im Angesicht einer vollkommen anderen Welt, als jener behüteten und abgeschotteten Ecke Amerikas, die sie von ihrer Tante her kennt. Ein großer Verlust führt zum großen Knall und damit zur endgültigen und unumkehrbaren Veränderung. Damit Vesper sich aber nicht vollends mit Corrick aufreibt, stellt K. Lynn Smith eine dritte Figur, eine ganz andere Art Frau, nämlich die Prostituierte Tegan, an die Seite des Abenteurerduos.

In einer dem Zeichentrick verwandten Stilistik setzt K. Lynn Smith ihre Figuren in den Vordergrund, ein wenig wie in einer Comic-Soap, was aber keine Kritik ist, sondern in diesem Fall eine schöne Technik, um den Leser nah an die Charaktere heranzuführen. Es ist, um es so zu übersetzen, monitortauglich, entsprechend des Webcomics. Die Adaption auf die Printseiten, ein fremdes Format, in dem nicht gescrollt werden muss, gelingt sehr gut (vielleicht dank vorausschauender Intuition.

Eine frische junge Erzählung, ein kräftiges Farbschema, mit Bildaufbauten, die ihre Vorbilder aus Trickfilmen nicht verleugnen können. K. Lynn Smith überrascht sehr schön mit dem ersten Band dieses Fantasy-Abenteuers. Eine Heldin im Wandel, ein Held, der immer mehr von seinen Fähigkeiten zeigen kann. Fein. 🙂

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Links: plumecomic.com

Dienstag, 24. Juni 2014

Half Past Danger

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:22

Half Past DangerDer Krieg im Pazifik stellt die Truppen der Amerikaner nach dem Krieg in Europa vor eine völlig neue Zerreißprobe. Allein auf sich gestellt bahnt sich ein kleiner Trupp Soldaten seinen Weg durch das Landesinnere einer tropischen Insel. Fremde Spuren deuten auf eine erste Überraschung hin. Deutsche Soldaten sollten sich in dieser Hemisphäre eigentlich nicht aufhalten. Die Amerikaner hatten mit Japanern gerechnet. Das feindliche Lager ist zu groß, um eine Konfrontation überhaupt nur in Erwägung zu ziehen. Der Aufklärungstrupp schlägt sich in die Büsche und stößt auf die nächste Gefahr. Größer. Gefährlicher. Unberechenbar.

Stephen Mooney hatte einen Traum. Er ist mit diesen Träumen zweifellos ein Kind der 80er Jahre, als Stephen Spielberg und George Lucas mit Indiana Jones das klassische Abenteuer mit Archäologie, Mystery und Nazis auf die Leinwand zurückbrachten. Comics wie Captain America hatten auf Stephen Mooney, den Autoren und Zeichner von Half Past Danger, ebenso ihren Einfluss wie der allseits beliebte Jurassic Park. Wir schreiben das Jahr 1943 und Irish, der sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hat, gerät in einer zwar gefährlichen, aber zunächst überschaubaren Mission in das Abenteuer seines Lebens.

Dinosaurier. Sie hätten eigentlich nicht überlebt haben sollen. Ihre Teilnahme an dieser Geschichte ist kein Geheimnis. Das Titelbild wie auch der Untertitel künden davon. Ihr erster Auftritt erfolgt zügig und lenkt zunächst vom Kriegshintergrund ab. Irish erhält sehr bald einen neuen Auftrag. Dieser schmeckt ihm zwar nicht, auch sind ihm seine Begleiter suspekt. Stephen Mooney zeichnet sich selbst in der Rolle des Irish. Das ist nicht außergewöhnlich. Dave Stevens zum Beispiel verfuhr in Rocketeer ebenso. Stephen Mooney lässt außerdem eine Mischung aus Alexander Skarsgard (True Blood) und Ron Ely (Doc Savage) in der Rolle des Amerikaners Captain John Noble auftreten, während die Agentin das Auftreten einer Mixtur aus Sydney Savage (Danger Girls) und Marlene Dietrich besitzt. Kurz und gut, Stephen Mooney zitiert reichlich und gerne aus der Popkultur, auch auf Ninjas muss nicht verzichtet werden.

Mit seiner grafischen Technik holt Stephen Mooney das Pin-Up vergangener Zeiten in den Comic zurück. Passend zu den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts ist Realismus Trumpf, manchmal etwas verklärt, auch etwas technisch, aber das gehört zum kühlen Ambiente dieses Abenteuer-Comics, gerade in der zweiten Hälfte, dazu. Denn über diesen Aspekt kommt auch der Humor. Streng und genau getuscht ist jede einzelne Seite. Wer die Bleistiftzeichnungen im ausführlichen Anhang betrachtet, wird die penible Vorarbeit sehen, die den Vergleich mit den bekannteren Comic-Künstlern der Branche nicht scheuen muss. Aufgefallen sein, können Mooneys Arbeiten dem Comic-Fan bereits an anderer Stelle, so zum Beispiel bei den Serien Angel, CSI oder A-Team.

Farben erzeugen Stimmungen, deshalb koloriert Jordie Bellaire mit starker Intuition, der Situation und der Tageszeit gemäß. So folgen die Farben weniger dem Realismus als der jeweiligen Aussage, der Stützung eines spannenden Abschnitts, der Unterstreichung eines Gefühls. Spannung gibt es nonstop, denn Mooney gönnt seinen Helden nicht viel Ruhe. Die Dinosaurier-Fans kommen im vorliegenden Band auf ihre Kosten, die des T-Rex sowieso, aber Mooney begeht nicht den Fehler, diese Kreaturen zuungunsten der Handlung über Gebühr auszupressen. So hat der Leser genügend Gelegenheit Seite an Seite mit den Hauptcharakteren die, im übertragenen Sinne, Achterbahnfahrt zu genießen. Und diese, so deutet es sich an, ist auch noch nicht zu Ende.

Wer Indiana Jones mochte, Cliffhanger-Serien vergangener Tage liebte, wer Dinosaurier eh für die besten Monster aller Zeiten hält, ist mit diesem spannenden Abenteuer bestens beraten. Stephen Mooney hat einen überaus fein gezeichneten Action-Kracher geschaffen, der durchweg toll unterhält! 🙂

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Links:
www.halfpastdanger.com (Website von Stephen Mooney zur Comic-Serie)
www.moondog-themoonblog.blogspot.de (Stephen Mooney Art Blog)

Montag, 23. Juni 2014

BLACKSAD 5 – Amarillo

Filed under: Thriller — Michael um 9:50

BLACKSAD 5 - AmarilloZwei Poeten auf der Suche nach Leben, seinem Kern, seinen Lehren, seiner Poesie. Abe und Chad leben das Extrem, genau gesagt, möchte Abe, dass auch Chad endlich mehr der Wirklichkeit verhaftet ist und sich nicht kränkelnd weinerlich hinter einem Stapel Papier versteckt. Poesie und Mumm lauten die Zauberwörter. Derweil hat John Blacksad andere, richtige Probleme. Das Geld ist der Neige zugegangen und ein Job, bei dem er niemanden zusammenschlagen oder erschießen muss, käme ihm nun sehr gelegen. Hauptsache, er muss nicht detektivisch tätig werden. Zu seinem Glück ist er eine ehrliche Haut und findet eine Brieftasche, die ihm als ehrlichen Finder eine Gelegenheit für eine ruhige Reise einbringt. Zunächst jedenfalls.

Is this the way to Amarillo? Mit starkem Lebensgefühl einer vergangenen Ära ist Blacksad, ein schwarzer Kater, zurück, kehrt am Flughafen von New Orleans noch die Scherben des letzten Falles auf, bevor es ihn in eine neue Geschichte wirft, die das Leben schreibt. In einem Cadillac Eldorado, lackiert in Kanarienvogelgelb, cruiset Blacksad nach Tulsa. Und kreuzt den Weg von zwei Poeten. Juan Diaz Canales hat mit treffsicherer Feder und einer Menge Fingerspitzengefühl verschiedene Tragödien zu einer verschmolzen und einen Krimi geschaffen, in dem sich einmal mehr die guten alten Zeiten eines Philip Marlowe und eines Mike Hammer wiederentdecken lassen.

Eine vorsätzliche und gewaltsame Handlung ist nie sinnlos. In neuen Verbrecherkreisen lernt Chad, ein junger Löwe, philosophische Grundhaltungen eines Gauners, angefeindet und bespottet durch die neuen Bekanntschaften und Abe, einem Bison, der ihn auf den, seiner Meinung nach, besten Weg eines Poeten bringen will. Wer sich für Texte bezahlen lassen will, kann es mit seiner Kunst nicht ernst meinen. Allein für diese Szene, den Auslöser für jedes weitere Geschehen dieser Kriminalhandlung, lohnt sich die Lektüre des Bandes. Für Juanjo Guarnido erschließt sich in der Folge nach einem normalen Gangsterszenario eine ungewöhnliche Kulisse. Blacksad macht einen Ausflug zum Zirkus.

Aber letztlich ist das auch nur eine Station, die überaus reizvoll in, für Comics, grandioser wie auch seltener Aquarelloptik illustriert ist. Die Reihe Blacksad lebt einerseits von der Wiederbelebung einer vergangenen Zeit, in der Gangsterballaden Hochkonjunktur hatten. Dies ist hier eindeutig gelungen, mit teil nostalgisch verklärtem Blick. Andererseits üben die Tiercharaktere einen starken Sog innerhalb der Serie aus, sozusagen das unübersehbare Geheimrezept. Juanjo Guarnido hat neben einer Unzahl an Figuren auch ein paar Nebencharaktere, die herausstechen und penibel für ihre jeweilige Rolle ausgesucht scheinen. Da gibt es durchaus Tierfiguren, die gegen den Strich besetzt scheinen und deshalb umso besser funktionieren.

Der Clown Elmore, ein Koala, legt einen poetischen Auftritt in der Manege hin und wirkt auf den ersten Blick, als könne er mit Chad, dem Löwen, auf einer Wellenlänge liegen. Doch sobald die Maskerade fällt, erinnert Elmores Auftreten an einen Edward G. Robinson in einer seiner zahlreichen Gangsterrollen. Guarnido beschert einem Koala den wohl bösesten Gesichtsausdruck, den jemals das Antlitz eines dieser Eukalytusbärchen zierte.

Eine Tragödie, ein Drama, ein Kriminalfall. Ein Fehler und ganz gleich, welchen Weg der eine Charakter einschlägt, er tappt fürderhin in eine schlimme Situation nach der anderen. Blacksad befindet sich auf der Jagd auf einen Mann, der eigentlich nichts Schlechtes mehr anstellen will und vom Unglück geradezu verfolgt wird. Beste Krimiunterhaltung im Stil der Schwarzen Serie Hollywoods. Klasse. 🙂

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Freitag, 20. Juni 2014

SEGMENTE 2 – VOLUPTIDA

Filed under: SciFi — Michael um 13:46

SEGMENTE 2 - VOLUPTIDADie Spur führt nach VOLUPTIDA. Die Menschheit steht vor ihrer völligen Auslöschung, falls nicht noch ein Wunder geschieht oder die beiden Flüchtlinge Loth Lungren und Jezreel Seth ein Lösung für diese Problem finden. Der Planet Voluptida ist das Zentrum im Sektor des Vergnügens, in dem sich all jene einzufinden haben, deren Veranlagungen sich rund um jeglichen körperlichen Zeitvertreib drehen, derer sich der Mensch nur hingeben kann. Maßloser Sex, Drogensucht, Völlerei sind hier so normal wie erwünscht. Jezreel Seth hatte sich einem zugewiesenen Leben in diesem Sektor verweigert und war prompt verurteilt worden. Nun ist sie an der Seite ihres Partners wieder hier, um eine Aufgabe zu erfüllen. Doch wie soll das funktionieren inmitten all dieser vergnügungssüchtigen Irren?

VOLUPTIDA. Wer vor dem Hintergrund einer solchen Welt, in der das Wörtchen vulgär allenfalls eine Schmeichelei darstellt, gezwungen ist, einen ganz bestimmten Informanten zu finden, hat es nicht leicht. Entsprechend riskieren die beiden Helden der Geschichte einiges, um an ihr Ziel zu gelangen. Richard Malka ist nach LEXIPOLIS, Band 1, auf dem nächsten Planeten angelangt. Obwohl es eine Vergnügungswelt ist, kommt sehr bald schon der Krieg nach Voluptida.

Die Geschichte enthüllt weitere Einzelheiten dieses verrückten Universums, das von Unsterblichen regiert wird. Wie konnten die Initiatoren dieses wahnwitzigen Konstrukts in die Lage gelangen, 3000 Jahre zu überdauern und den Tod scheinbar überlisten? Eine Antwort darauf gibt es weder hier, noch in der zweite Folge von SEGMENTE selbst. Wer der Handlung folgt, wird sich ein wenig zurückversetzt fühlen in jene leicht verrückten SciFi-Tage, als sich noch Barbarella und David Hasselhoff zwischen den Sternen herumtrieben. Durch die Kulisse von VOLUPTIDA entschwindet ein wenig der Ernsthaftigkeit, die Richard Malka (Autor) noch im ersten Teil aufbaute.

Der Rückblick hingegen, der Licht ins Dunkel der Vergangenheit bringt, könnte geradewegs einem klassischen Endzeitszenario entstammen. Hier, wie auch in der Sequenz, mit der der Tod auf dem Vergnügungsgestirn Einzug hält, ist Schluss mit lustig. Für den Leser sind es besonders diese Wendepunkte, die dank des genialen Grafikers Juan Gimenez ein Feuerwerk auf das Papier zaubern, wenn auch ein für die Akteure außerordentlich tödliches. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird aus einer SciFi-Soap-Opera ein kriegerisches Spektakel, bevor Richard Malka die Szenerie wieder auf Seiten der Hauptfiguren auf ein menschlicheres Maß absenkt. Die Gegner, jene bereits angesprochenen Unsterblichen, bleiben von der eingestreuten Heiterkeit unbeeindruckt.

Wenn Juan Gimenez Technik entwerfen darf, läuft er zur Höchstform auf. Zwar ist er hier weiterhin etwas zurückgenommen, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Wer genau hinschaut, was sich Gimenez fast so wie nebenbei einfallen lässt, kleine technische Tricks und riesige Apparaturen. Seine Variante einer Tripod-Technologie (aber auf vier Beinen) ist beeindruckend und man fühlt sich gleich gezwungen, sich diese auf einer Kinoleinwand vorzustellen. In Punkto kreativer Kraft gibt es nichts, mit dem sich Juan Gimenez hinter den Kreativen Hollywoods verstecken muss.

Das nächste Ziel der Reise innerhalb von SEGMENTE steht fest. Doch zuvor kann der SciFi-Fan die Nachforschungen auf Voluptida verfolgen, vordergründig spaßig und spannend, hintergründig äußerst geheimnisvoll und Rätseln, die noch lange nicht alle gelüftet sind. Optisch weiterhin ein Science Fiction Höhepunkt dank Juan Gimenez. 🙂

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