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Comic Blog


Montag, 21. Juli 2014

Danger Girl und die Armee der Finsternis

Filed under: Mystery — Michael um 10:29

Danger Girl und die Armee der FinsternisWenn ein Held sich die Zähne putzt, dann macht er das durchaus wie jeder andere Normalbürger auf diesem Planeten auch. Die wenigsten hingegen sehen dabei ihre Freundin im Spiegel, die sich ganz offensichtlich in eine gammelige Untote verwandelt hat und dem Helden ganz zwanglos ans Leben will. Andere Helden wiederum können nicht auf die Unterstützung von bewaffneten Drohnen zählen. Abbey Chase, in ausweglosen Situationen meist auf sich gestellt, hat mit ihrem Boss Deuce einen Mann mit Agentenvergangenheit in der Hinterhand, der sich abseits der üblichen Kanäle Vorteile verschaffen kann und diese auch für seine Danger Girls einzusetzen versteht.

Die Armee der Finsternis. Geschaffen zum Abschluss einer Horrorkomödientrilogie blieb ausgerechnet dieser Filmtitel den Genre-Fans am stärksten in Erinnerung. Und der Name von Schauspieler Bruce Campbell ist seither untrennbar mit der Rolle des Ash verbunden. Die Danger Girls, zu Beginn als eine Hommage und Persiflage auf das Agenten-Genre, den Abenteuerfilm gedacht, geht mit dieser Ausgabe mit dem Kult um die Armee der Finsternis zusammen. Das Necronomicon, ein finsteres Buch, zur Dämonenbeschwörung gedacht, gerät in die falschen Hände. Einmal benutzt, halluziniert Ash von dunklen Wesen, die sich überall um ihn herum zu manifestieren scheinen.

Das hauptsächliche Danger Girl Abbey Chase, in der besten Tradition einer Lara Croft stehend, wird zu seiner Weggefährtin während dieses Abenteuers. Mehr allerdings nicht, obwohl er das gerne hätte und der Charmeur sich alle Mühe gibt. Doch auch die Fertigkeit mit der Kettensäge ist nicht dazu angetan, dem turtelnden Ash zum Erfolg zu verhelfen. Andy Hartnell, Autor des vorliegenden Abenteuers, hat seine Hausaufgaben gemacht. Als Mit-Erfinder der Danger Girls kennt er sich natürlich aus, aber auch die Armee der Finsternis hat er schon anderweitig im Comic-Genre verewigt.

Da jeglicher Bestandteil dieses Abenteuers, genauer die Charaktere, gut, auch mit Rückblicken, vorgestellt werden, steht einem ungetrübten Comicgenuss, auch für Neuleser, nichts entgegen. Mit den Künstlern aus Chris Bolsom (Zeichner), Adrian Lucas (Farben) und Marcio Menyz (ebenfalls Farben) steht zur Umsetzung der Bilder ein Trio bereit, dass mit einem ordentlichen Realismus, einem sehr gut erkennbaren Bruce Campbell, knackigen Frauen und düsteren Gaunern, Untoten verschiedenster Ausprägung ein Abenteuer wie eine durchgehende Rutschpartie inszeniert. Agent Zero, eine bereits aus der Danger Girl Reihe bekannte Figur, bietet fast schon ein eigenes Crossover zwischen Ninja-Action und Zombie-Horror.

Chris Bolsom beschert ein optisches Intro, dem es weder an Action noch an Humor mangelt. Bis in den kleinsten Winkel ausgearbeitete Seiten, schöne Perspektiven, richtig (ebenfalls schön) eklige Monster, die sich Ash bei jeder (noch so unpassenden) Gelegenheit präsentieren. Herrlich gelungen sind auch jene Szenen, in denen sich die einzelnen Helden kameratauglich vorstellen und aufeinandertreffen. Ash und seine Begegnung mit Sydney Savage, einem weiteren Danger Girl, ist einer dieser Höhepunkte.

Neben der Tiefe der Grafiken haben es sich Adriano Lucas und Marcio Menyz zur Aufgabe gemacht, Abbey Chase strahlen zu lassen. Ob Tag, ob Nacht, diese Heldin strahlt, als stehe sie jederzeit im Rampenlicht, während die anderen Recken auch mit echten Lichteindrücken vorlieb nehmen müssen. Es ist ein netter Effekt, der auf den zweiten Blick auffällt und spätestens dann zurücksteht, wenn die Szenerie dank Ash zu einer Art Hackepeter wird.

Hier werden die Fans beider Serien bedient. Ash bürgt für solide Horror-Comedy. Die Danger Girls haben das Abenteuer im Blut. Beides zusammen ergibt eine Achterbahnfahrt, gekonnt in Szene gesetzt dank eines versierten Comic-Teams. 🙂

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Samstag, 19. Juli 2014

ASLAK 2 – Der Mittelmast

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:18

ASLAK 2 - Der MittelmastGefangen in einer anderen Welt, der Orientierung beraubt trägt das heruntergekommene kleine Drachenboot Aslak seine Besatzung in eine unewisse Richtung. Einzig der alte Osfrid vermag in dem großen Buch zu lesen, dessen Buch für jeden anderen an Bord nur leere Seiten parat hält. Immerhin sieht Osfrid eine Karte und diese weist ihnen den Weg zum Mittelmast. In eine endlos scheinende See ergießen sich Sturzbäche aus gigantischen Wolkengebirgen und irgendwo in dieser merkwürdigen Landschaft, die einge urwüchsige Landmassen zu bieten hat, ist der Rückweg, der Ausgang, aus dieser verwunschenen Welt voller Gefahren zu finden.

Die Flüchtigen sind nicht allein. Ein unnachgiebiger Verfolger ist ihnen auf den Fersen. Roald, ein Wikingerkapitän, schont weder sich noch seine Besatzung, ganz besonders nicht seine Besatzung. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich die Wege der unterschiedlichen Wikingermannschaften kreuzen werden. Doch bis dahin haben sie beide auf die Gefahren, die furchtbaren Völker dieser Region aufzupassen. Denn jede Gruppe für sich ist hoffnungslos unterlegen.

Hub und Fred Weytens, der auch die Dialoge schrieb, haben die Helden und Antihelden in eine jener nordischen Anderswelten versetzt, in denen alls möglich ist. So betrachtet, kann es zu jeder Zeit, in jeder Szene völlig unvorbereitet zu bedrohlichen Situationen kommen. Hub und Weytens überstrapazieren dieses Element nicht, aber sie nutzen es perfekt. So kann das Unerwartete für den Leser jederzeit zuschlagen. Manchmal überraschen sie nicht nur den Leser, sondern auch noch die Figuren. Am besten gelingt der Coup, wenn es eine schnelle Abfolge von Wendungen gibt.

Grafisch ist die Technik von Zeichner Emmanuel Michalak eher heiter zu nennen, am Realismus angelehnt und auch Verwandtschaftskurs zu einem Künstler wie Eric Herenguel (Die Geister von Troy). Das besitzt stilistisch eine gewisse Putzigkeit der Gesichter, wie sie auch von einem Albert Uderzo grafisch anhing, Michalak ist jedoch nicht in der körperlichen Knubbeligkeit seiner Figuren gefangen und gibt seinen Charakteren stets eine individuelle Note. Bei den Menschen arbeitet er meist zurückhaltend, ohne über Gebühr zu überzeichnen. Bei Kreaturen dieser seltsamen Sphäre, solche, die bei den Menschen Elfen und Trolle genannt werden, verfremdet er, was das Zeug hält.

Mit sehr dünnem Strich, instinktiv getuscht, auch mal etwas krumm, organisch entstehen Figuren, die sich durch einige wenige, aber sehr offensichtliche Merkmale auszeichnen. Da ist das Kinn ein kantiger Klotz, die Gestalt besonders gedrungen, eine Nase eher gurkig oder ein Bart fällt sehr struppig aus. Der Rest ist Kleinarbeit, wichtig ist, dass die Figuren auch in einer kleineren Ansicht schnell zu erkennen sind. Farblich arbeitet Sebastien Lamirand zusätzliches Volumen aus den Bildern heraus. Dies gelingt ihm am schönsten in Szenen, die an Bord spielen wie auch in ein paar Rückblicken, mit optisch abgesetzter Farbpalette, die einen geheimnisvollen roten Faden abbilden.

Ein Wikingerabenteuer mit gehörigem Fantasy-Anteil. Frisch illustriert und koloriert. Der Spannungsbogen wird durchweg gesteigert, bildhaft, durch mysteriöse Ereignisse. Hier ist ein außerordentlich gutes Comic-Team am Werk. 🙂

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Donnerstag, 17. Juli 2014

FRANKA 22 – Unterwelt

Filed under: Thriller — Michael um 18:28

FRANKA 22 - UnterweltAmsterdam. Leidener Platz. Es sollte ein ruhiger Abend werden. Doch nichts weniger als eine Entführung kommt Franka dazwischen. Schlecht für die Entführer, dass die entführte junge Frau ihre Handtasche verliert. Über das Mobiltelefon gelingt es Franka schnell eine Spur aufzunehmen. Der Abend wird turbulent. Franka, die ihre Hartnäckigkeit in vielen Abenteuern und Kriminalfällen bewiesen hat, lässt auch hier nicht locker und ist sich auch nicht zu schade, der Polizei rechtzeitig Bescheid zu geben, damit die Kavallerie auf den Punkt genau zur Stelle sein kann.

Henk Kuijpers schickt seine Heldin Franka in das 22. Abenteuer, mitten in Amsterdam. Gleichzeitig ist es auch eine Art Besichtigungstour, denn die Bilder, die Kuijpers dem Leser beschert, strotzen vor Einzelheiten. Eine Filmproduktion rund den Amsterdamer Muntplein gehört zu den grafischen Zuckerstücken, wird hier schließlich auch noch optisch ins Jahr 1958 zurückgesprungen. Aber auch an anderen Stellen könnten man Henk Kuijpers als den Fremdenführer unter den Comic-Machern bezeichnen. Ein Ausflug nach München ist so schön dargestellt, dass er direkt Reiselust weckt.

Aber Reisen hin oder her, Franka gerät wieder in Schwierigkeiten. Das 22. Abenteuer der Reihe heißt nicht umsonst Unterwelt. Aus einer Entführung wird eine Falle und ein Racheszenario, mittendrin natürlich Franka, im Zentrum des kriminellen Interesses. Die Technik wird zum rettenden Element, Recherche und Köpfchen helfen nach. Henk Kuijpers erzählt locker, flockig, könnte man sagen. Bis zum Ende der besagten Entführung zu Beginn entwickelt sich alles wie bei einer Kurzgeschichte und ist doch bei genauer Betrachtung ein langer Prolog. Das mag dem einen oder anderen Leser etwas abgehackt erscheinen, es hätte aber auch ein überlanges Abenteuer werden können, doppelbändig.

Von Amsterdam nach München. Grafisch kann Henk Kuijpers nicht nur in städtischen Kulissen aufgehen, sein Hang zu schönen Techniksymbolen, in den meisten Fällen sehr schönen Autos einer anderen Epoche, als dem Design der Fahrzeuge ein größerer Stellenwert zufiel und nicht zugunsten von Strömungswiderständen in einer Form aufging, ist unübersehbar. Spätestens wenn Franka einen amerikanischen Straßenkreuzer im Wirtschaftswunderwagen Museum abliefert, ist der Beweis für diese These erbracht. Auf der Rückseite des Albums, was nichts über die Geschichte verrät, schießt Franka sogar ein Selfie von sich und dem Auto.

Entdeckungsbilder. Fast so etwas wie Suchbilder präsentiert Henk Kuijpers, wenn er Anspielungen auf die Filmgeschichte gibt. Oder kleine Nebenhandlungen wie Frankas Hund, der mit Sof herumtollt, wenigstens fünfmal so groß, aber nicht weniger verspielt. Hier wird sogar ein Unfall zum Blickfang, hier kann und darf hingeschaut werden. Die sehr statische Zeichentechnik bietet die nötige Ruhe zur Betrachtung. Wäre seine Darstellung dynamischer, skizzenhafter, wäre die Detailhöhe kaum denkbar, noch wäre der Eindruck so perfekt und schön wie hier.

Ein Hingucker, ein feines Abenteuer, was sich fast wie nebenbei entwickelt und erst im letzten Viertel so richtig stark Fahrt aufnimmt. Henk Kuijpers ist weiterhin illustrationsstark, mit ganz eigener Stilistik. Nicht nur für Fans, aber auch für Einsteiger in die Serie geeignet. 🙂

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Montag, 14. Juli 2014

BÄRENZAHN 1 – Max

Filed under: Thriller — Michael um 18:39

BÄRENZAHN 1 - MaxMax, Werner und Hanna sind in die Fliegerei verliebt. Obwohl sie noch nicht selbst in die Lüfte aufsteigen können, ganz einfach weil sie zu jung dafür sind, verbringen sie viel Zeit damit, Modellsegelflugzeuge möglichst weit fliegen zu lassen und kleine Raketen in den Himmel zu schießen. In diesen Tagen, in Schlesien in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, sind die Vorboten eines nahenden Umschwungs erschreckend spürbar. Einen Krieg sehen weitaus weniger Menschen heraufziehen. Das Fliegen besitzt noch Unschuld, trotz der Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg. Voller Staunen beobachten die drei Kinder, engste Freunde, ein neu entwickeltes Segelflugzeug am Himmel und wünschen sich nichts sehnlicher, als selbst am Steuer einer solchen Maschine zu sitzen.

Jahre später. Die Freunde sind erwachsen. Und Max hat Schlesien rechtzeitig verlassen und ist in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Der Krieg hält die Welt in seinem Griff. Max ist Flieger geworden und schießt nun den Feind über dem Pazifik ab. Dummerweise gibt es ein Problem. Seine Ähnlichkeit mit seinem alten Schulfreund Werner bringt ihn in große Schwierigeiten, denn plötzlich hält man ihn für einen deutschen Spion.

Die Welt war noch kleiner geworden. Alte Freundschaften überbrückten tausende von Kilometern. Heimat und Loyalitäten verschoben sich. Am dramatischen Beispiel von Max Kurtzman erzählt der Comic-Veteran Yann (Yann le Pennetier) abseits seiner eher lustigen Szenarien ein Kriegsdrama, in dem die Fliegerei neben den drei erwähnten Freunden der vierte Hauptdarsteller ist. Alain Henriet, der bereits mit dem futuristischen Szenario Golden Cup sein Händchen für sehr technisch zu behandelnde Stoffe bewiesen hat, bildet die 30er und 40er Jahre, vor dem Krieg und während des Krieges, mit klaren Linien und größtmöglicher Akkuratesse ab.

Neben der Leidenschaft für Fliegerei beleuchtet Yann das Geflecht im Krieg, geheimdienstliche Aktionen, das Aufwachsen vor dem Krieg in einem nationalsozialistischen Regime, mit seinen Folgen für das tägliche Leben, die damit einhergehenden Bedrohungen. Einer der zentralen Punkte der Geschichte ist Hanna Reitsch, dem Vorbild einer historischen Figur nachempfunden. Schnell wird deutlich, wie sehr sie den Wunsch zu fliegen über alles andere stellt und sich auch nicht von der propagierten Überlegenheit der Männer gegenüber Frauen kleinkriegen lassen will. Beispielhaft sind Szenen, in denen sie gegen ihren Freund Werner im Wettkampf antritt oder später im Krieg die Me 163 in einem Versuch gegen die Alliierten führt.

Yann überlässt historische Genauigkeit den Gelehrten und erzählt frisch von der Leber weg und erstellt sich ein Szenario, ähnlich wie es ein Jack Higgins in Der Adler ist gelandet vollbrachte oder ein Alistair MacLean mit Agenten sterben einsam. In Sachen historischer Thriller befindet sich Yann in bester Gesellschaft und steht seinen Kollegen auch in nichts nach. Durch die geschilderte Freundschaft der drei, den frühzeitigen Einstieg in ihre Jugend, auch die erzählte Entzweiung durch die Judenverfolgungen, denen Max und sein Vater weichen, werden viele Motive der Figuren haarklein und überzeugend dargelegt.

Krieg über dem Pazifik. Max‘ zweites Leben, jenes fern des Geburtsorts, beginnt im Jahr 1944 mit der Attacke von japanischen Kamikazefliegern. In dramatischen Bildern inszeniert Alain Henriet den kurzen Luftkampf mit dem japanischen Feind, der nichts anderes erreichen will, als das eigene Flugzeug in die Rümpfe der amerikanischen Schiffe zu bohren. Der Leser erfährt so früh vom fliegerischen Geschick des Max Kurtzman und seiner Herkunft, die ihm wenig schmeichelhaft von seinen Kameraden vorgehalten wird. Wer glaubt, es gehe voller Action weiter, sieht sich schnell getäuscht. Die Darstellungen der einzelnen Charaktere und Lebenswendepunkte überwiegen. So verdichtet sich dieser Thrillers erst so richtig zur perfekten Mischung aus Drama und Fliegerabenteuer.

Spannender Auftakt! Yann begibt sich einmal mehr auf neue Pfade und vermag auch weit abseits von Funnys zu überzeugen. Dank der überaus exakten und fein kolorierten Bilder entsteht ein sezierender Einblick in jene Zeitspanne. 🙂

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Links: blog.alainhenriet.com

Sonntag, 13. Juli 2014

DIE SECHSTE WAFFE – Buch 1

Filed under: Mystery — Michael um 18:12

DIE SECHSTE WAFFE - Buch 1 - Kalte tote FingerSechs Waffen, vom Teufel geschaffen. In den falschen Händen bedeuten sie die Hölle auf Erden. Oliander Bedford Hume, ein ranghoher Südstaatenoffizier, war einer der wenigen Männer, die dank ihrer ungeheuren Brutalität und Menschenverachtung auf der Siegesstraße des Südens unterwegs waren. Doch dieser Bürgerkrieg war Hume nicht ausreichend. Ausgestattet mit einigen ganz besonders bösartigen Gefolgsleuten und sechs Faustfeuerwaffen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten galt es, einen eigenen Weg zu beschreiten, unabhängig von irgendwelchen irdischen Befehlshabern. Ein kurzer Weg für Hume, denn ein Mann Gottes machte kurzen Prozess mit ihm.

Doch ein Mann, der im Leben getreue Diener hatte, mit teuflischen Gaben gerüstet, für den werden die grausamen Gefolgsleute auch im Tod noch zur Verfügung stehen. Und so machen sie sich daran, das Grab des Generals zu finden und seinen Körper zu bergen. Western, Mystery, Gruselabenteuer, Horror, bunt vermischt mit dem Auftritt von Untoten und einem mächtigen Dämon ergeben Die Sechste Waffe, eine erzählerisch wie auch thematisch schöne Überraschung mit neuen Impulsen innerhalb des unheimlichen Genres. Cullen Bunn (Autor) schuf zusammen mit Zeichner Brian Hurtt diesen Mystery-Thriller, in dem aufgrund seines frischen Szenarios nichts vorhersagbar ist.

Den sechs unheimlichen Schlächtern stellt sich ein einfacheres Trio gegenüber. Einer, Drake Sinclair, war einst ein Gefolgsmann des Generals. Die Zweite, eine junge Frau namens Becky Montcrief, verlor ihren Vater, der Die Sechste Waffe vor dem General versteckt gehalten hatte. Der Dritte im Bunde, Billjohn O’Henry, ein Spieler und Kopfgeldjäger, muss sich fragen, warum er seinem Freund Drake den Gefallen tut und neben ihm in dieses Abenteuer stolpert, in dem kaum ein Moment zu vergehen scheint, in das eigene Leben nicht am seidenen Faden hängt.

Der erste Band der Reihe vereint die die ersten sechs Hefte und gleichzeitig in sich geschlossenen Zyklus über den Kampf um die merkwürdigen Waffen, die der Teufel unter die Menschen brachte. Jedes Heft, oder Kapitel, baut zielstrebig die Geschichte auf und beleuchtet in genau der richtigen Dosierung den aktuellen Ablauf wie auch die Hintergründe des Abenteuers. Besonders zu begeistern wissen die Bösewichter, eine dunkle Brut, ausgefallen im Auftreten und in ihrer Bewaffnung. Hier haben sich Cullen Bunn und Brian Hurtt einiges einfallen lassen und nutzen diese Ideen auch weidlich in fast episch zu nennenden Auseinandersetzungen.

Die Bilder von Brian Hurtt dürften gerade jenen Comic-Fans gefallen, die Zeichnungen von (eines frühen) Mike Mignola und Guy Davis mögen. Hurtts gruselige Ansichten tendieren zum Realismus, sie verweigern sich aber dem letzten Schliff, bleiben comic-artig. Volumen erhalten die Figuren durch ihre Kolorierung, stimmungsvoll, aber auch zurückhaltend. Die Kulisse gibt bei aller Phantastik dem Western den Vorzug, sei es in der Prärie oder im Saloon. Die Monster sind jene mit den teuflischen Waffen, also sehr menschenähnlich. Untote tauchen in verschiedenen Variationen auf.

Diese bieten neben den klassischen Wiedergängern auch Kreaturen, die mehr mit einem Golem gemein haben, aber auch Rückkehrer sind. Wer vielleicht zunächst (angesichts des Szenarios) Dämonen vermisst, wird mit der großen Schlacht, einem sehr langen Finale, eines Besseren belehrt werden.

Im Kino wäre dieser Comic ein Blockbuster. Auf Papier ist es ein sehr fantasievolles, fein illustriertes Horror-Grusel-Abenteuer. Hervorzuheben ist die für eine derartige Geschichte ungewöhnliche historische Kulisse, der Wilde Westen. Unterhält mit den besten Mitteln seines Genres (besser gesagt, beider Genres) von Anfang bis Ende hervorragend. Ein abgeschlossener Zyklus, dem ein weiterer auf dem Fuße folgt. 🙂

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Sonntag, 06. Juli 2014

Katzen! – Band 1: Katz-Cha-Cha

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 11:57

Katzen! - Band 1: Katz-Cha-ChaEigentlich hatte es ein Hund sei sollen. Nach einer halbjährigen Vorbereitungszeit haben sich die beiden Freundinnen Manou und Erika dazu entschlossen, einen Welpen anzuschaffen. Genauer gesagt, Erika hat ihre Freundin dazu gedrängt, sich einen Welpen anzuschaffen. Am Ziel ihrer Wünsche angekommen, bei Erikas Tante, deren Hündinnen einen quirligen Wurf Welpen schläfrig auf sich herum kletternd erduldet, wartet aber noch ein ganz anderes Jungtier: ein Kätzchen. Das Kleine treibt sich bei den Hunden herum und erobert das Herz von Manou im Sturm.

Kleine Katzen, kleine Hunde, kleine Tiere allgemein wecken den Beschützerinstinkt. Was Hunde und Katzen betrifft, haben die Menschen oft unterschiedliche Vorlieben. Manou dachte anfangs noch, dass ihr Hunde am besten gefallen. Pampelmuse ändert das. Es ist nicht gerade der schönste Name für eine Katze, aber sicherlich einprägsam. Fortan sind die beiden ein Herz und eine Seele. Wenn da nicht …

Brremaud beschreibt eine Liebe auf den ersten Blick. Nicht der Mensch findet das Tier, umgekehrt wird ein Schuh daraus. Und wer es bisher noch nicht wusste: Katzen können genauso viel Blödsinn anstellen wie Hunde. Diese Erfahrungen teilen Manou, ihre Freundin Erika und andere in kleineren bis längeren Episoden allzu gerne. Spieltrieb, Verfressenheit, Turnen, Kratzen, nicht von Wasser begeistert … Kurzum, mit Katzen gibt es Situationen, in denen es drunter und drüber geht.

Da verwundert es auch nicht, wenn ein Klopapierrolle zum spannenden Spielzeug wird und gleichzeitig eine der schönsten Kurzepisoden des vorliegenden ersten Bandes Katzen! ist. Paola Antista, die Zeichnerin, hat ein paar Manga-Stilistiken aufgeschnappt, bewegt sich aber ebenso auf dem optischen Terrain, auf dem dem auch ein W.I.T.C.H. zu finden ist. Das Arbeitsergebnis könnte auch unter Don Bluth (Feivel der Mauswanderer) entstanden sein. Insbesondere die Katzen stehen der Putzigkeit von Großproduktionen in nichts nach.

Die Episoden, durchaus einzeln lesbar, bauen letztlich aufeinander auf und münden in ein paar längere Szenarios. Das Geheimnis der verschwundenen Katzen behandelt das Thema Katzen nicht nur etwas ernsthafter, es wandelt auch noch stärker auf den Pfaden der großen Filmschmieden mit ihren kindgerechten Abenteuern, ob sie nun gezeichnet, animiert oder als Realfilm umgesetzt sind. Manou betätigt sich als Detektiven in dunkler Nacht und kommt einer Bande von Tierquälern auf die Spur. Es bleibt ein vereinzelter Ausflug. Denn das nächste Thema lautet schlicht: Katzenwerbung. Wer sich schon immer fragte, was hinter den Kulissen eines Katzenfutterwerbespots abläuft, erhält hier eine Antwort.

Eine technisch versierte und mit dem rechten Blick für Räumlichkeit aufgetragene Kolorierung von Cecilia Giumento gibt den Bildern von Paola Antista die passende Tiefe, so dass nicht nur die von den Katzen eroberte Umgebung, sondern auch das Dorf, in dem Manou lebt, prächtig vor den Augen ersteht. Einige Außenaufnahmen mehr wären toll gewesen, aber vielleicht kommt das noch, handelt es sich doch um Band 1.

Ein kurzweiliges Vergnügen, ganz bestimmt ein Spaß für Katzenliebhaber, die hier einige Abenteuer ihrer vierbeinigen Begleiter wiedererkennen werden. Jugendlich erzählt, kindgerecht modern illustriert. 🙂

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Samstag, 05. Juli 2014

KENYA 5 – Illusionen

Filed under: SciFi — Michael um 11:18

KENYA 5 - IllusionenNicht nur die Afrikaner halten den weißen Mann mit dem Bart für verrückt. Die Rückschau, die dieser lautstark hält, klingt wie ein abenteuerliches Märchen, das sich niemand so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, 1947, vorzustellen vermag. Da ist von Lebewesen die Rede, welche die Erde besuchten und, einem Kodex folgend, sich daran machten, Tiere zu retten, diese aber nicht von Erde entfernen durften und so an einem geheimen Ort konservierten. Der Vortrag, so hanebüchen er auch ist, genügt, um die weißen Gäste des Dorfes wie auch die schwarzen Krieger abzulenken. Kurz darauf erfolgt ein fürchterlicher Überfall.

Zum letzten Mal zurück in KENYA. Die Szenaristen Rodolphe und Leo nehmen den handelnden Figuren des Science Fiction Abenteuers jegliche Illusionen, so der Untertitel des Bandes, und liefern ihnen handfeste Beweise dafür, dass die Litanei des angeblich Verrückten eben kein Hirngespinst ist. Der Leser wusste es bereits, die verschiedenen Charaktere mussten erst mit der Nase darauf gestoßen werden. Zu sehr ist man in jenen Tagen mit den Anfängen des Kalten Krieges beschäftigt. Da passen UFOs kaum ins realistische Weltbild.

Man darf den fünften der Band der Reihe durchaus als eine Art Epilog der Handlung betrachten. Außerdem wird der Leser bereits auf möglich neue Abenteuer von Katherine Austin, der Hauptfigur, vorbereitet. Diese kehrt schließlich, das ist kein Geheimnis, in der Nachfolgeserie Namibia zurück. Das Szenario insgesamt wandelt auf den Pfaden klassischer Science Fiction wie sie sich auch ein H. G. Wells ausgedacht haben könnte und solcher Ideen, wie sie gerade in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts von Hollywood erdacht wurden.

Packend in diesem Band ist vor allem eine längere Sequenz, die sich mit dem Auftritt eines Relikts vergangener Tage befasst und deutliche Auswirkungen auf die Welt jener Tage (und heutzutage auch) zeigt. Neben den Tieren Afrikas, die dieser Kreatur nichts entgegenzusetzen haben, sind auch die Menschen leichte Beute und das Tier mit den archaischen Waffen der Buschbewohner kaum zu bezwingen. Die Sequenz lässt ganz besonders einen Charakter in einem neune Licht erscheinen und der Leser wird nicht anders können, als über diese Figur, die bislang eher ein Querulant war, etwas gnädiger zu denken.

Leo brilliert mit seinen geradlinigen, sauberen Zeichnungen und es ist schade, dass die Arbeit an der Nachfolgeserie für ihn ein anderer Künstler, , übernimmt, obwohl die einmal eingeführte Stilistik natürlich im Sinne einer optischen Kontinuität beibehalten wird. Mit seinen feinen Linien und der penibel ausgeführten Darstellungen könnte er mit weitaus technischer ausfallenden Szenarien punkten. Eine kurze Sequenz, in der britische Spitfire zum Einsatz kommen, beweist das grafisch treffend.

Afrika ist für spannende, frische und auch ergreifende Szenarien prädestiniert. Rodolphe und Leo zeigen, was möglich ist, wenn außerdem die Vergangenheit als Kulisse dient. KENYA ist eine schöne Geschichte für Fans klassischer Science Fiction Abenteuer. 🙂

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Donnerstag, 03. Juli 2014

Die Abenteuer von Blake und Mortimer 19

Filed under: Mystery — Michael um 11:47

Die Abenteuer von Blake und Mortimer 19 - Die Septimus-WelleColonel Olrik gefällt sich nicht in der Rolle des Opfers, war es doch meist so, dass er um die Oberhand rang. Aber der Colonel kann nicht vergessen, wie er vor einiger Zeit Opfer und Versuchskaninchen des berüchtigten Professor Septimus‘ war. Noch immer verfolgen ihn die Bilder von damals, bilden sich aus dem Dunst verdrängter Erinnerungen bedrohliche Gespenster und keiner kann sich erklären, wieso das so ist und warum es gerade jetzt geschieht. Derweil geht Professor Mortimer einer Erfindung, dem Telezephaloskop, des alten Feindes Septimus auf den Grund. Leider sind die Ergebnisse zu vernachlässigen. Ein Treffen mit seinem alten Freund Francis Blake könnte Rat bringen.

Das gelbe M wirft seinen langen Schatten. Eines der am besten in Erinnerung gebliebenen Abenteuer der beiden Helden Blake und Mortimer, Das Gelbe M, erlebt hier eine Art Epilog. Die Geschichte ist rätselhaft, eine Rückschau zu besagtem Klassiker nicht ausdrücklich notwendig. Die Atmosphäre schwankt zwischen dem Grusel einer Geschichte von Lovecraft und, moderner, den rästelhafteren Episoden der Serie Akte X.

Mysteriös. Männer tauchen auf, schleichen durch ein heruntergekommenes Viertel und sterben auf eine merkwürdige Art und Weise. Zuvor reden sie Sätze, die nach Anbetung klingen, seltsamer aber kaum sein könnten und kaum Rückschlüsse auf die Hintergründe zulassen. Erst die Identität der Männer eröffnet eine neue Spur, die Blake und Mortimer jedoch noch ratloser zurücklässt. Ein Komplott, wohl verborgen geschmiedet, wird vor dem wahren Geheimnis fast zur Nebensache.

Jean Dufaux kann als Comic-Autor auf eine große Bandbreite von Genres zurückblicken, in denen er seine Erzählungen gefunden hat. Piraten, Wikinger, Gangster, eine Spur Erotik sind zu finden, gerne historisch, gerne etwas fantastisch. Mit Blake und Mortimer nimmt er ein ordentliches Erbe in Empfang, an dem nicht nur E. P. Jacobs als Erfinder arbeitete, sondern auch ein Thriller-Spezialist wie Jean Van Hamme.

Jean Dufaux greift das Grundelement der Reihe, nennen wir es das außergewöhnliche Mysterium, auf und verschachtelt die einzelnen ungelösten Geheimnisse auf modern popkulturelle Art. Um beim Beispiel Akte X zu bleiben: Hinterher sind nicht unbedingt alle Fragen beantwortet, dafür bleibt man mit dem Wissen zurück, dass es für Blake und Mortimer noch sehr zu tun geben wird.

Die Grafiken, gezeichnet von Antoine Aubin und Etienne Schreder, weichen selbstverständlich nicht von der klassisch bekannten Form der Reihe ab. Hier gibt es keine Experimente. Was gut war, ist gut und soll nicht verfälscht werden. Es gibt nur wenige Serien mit wechselnden Zeichnern, die ihren Charakter dennoch über die vielen Jahre so toll erhalten haben. Etienne Schreder setzt seine Arbeit an der Reihe, begonnen unter Van Hamme, fort. Klare, präzise Formen, ergänzt mit einfachen Farbaufträgen, die allenfalls von etwas Wangenröte durchbrochen werden.

Schwarz gekleidete Männer mit Bowlern und Regenschirmen. Die Bedrohung durch gut konservativ gekleidete Herren ist keine Erfindung von Jean Dufaux. Zeitweilig mag man glauben, dass hier die grauen Herren nicht weit sind, oder jene, die einen Plan überwachen, den es einzuhalten gilt. Ein schönes Beispiel für eine Figur, die, tritt sie einzeln auf, harmlos scheint, aber schnell bedrohlich wird, wenn sie sich massenhaft in Szene setzt. Professor Septimus gibt es hier nicht zu knapp. Über den bekannten stechenden Blick hinaus ist er eines Gruselelemente dieses Abenteuers.

Jean Dufaux zieht die besonders dunklen Seiten der Serie in den Vordergrund. London wird zum Versteck eines Mysteriums, von dem niemand eine Ahnung hatte. Grafisch auf gewohntem Niveau ermitteln Blake und Mortimer auf ebenso gewohnt britische Weise. Fein. 🙂

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Mittwoch, 02. Juli 2014

Monster Allergy – Die Gesamtausgabe 1

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 18:12

Monster Allergy - Die Gesamtausgabe 1Zick geht in die Schule, aber darüber hinaus treibt sich kaum außerhalb seines Zuhauses herum, so wie andere Kinder seines Alters das eben tun. Denn daheim ist es schon turbulent genug, Allergie inklusive und mit einer sprechenden Katze an der Seite fällt es schwer, sich interessantere Vorkommnisse in der wirklichen Welt vorzustellen. Da Zick nicht zur wirklichen Welt kommt, kommt diese zu ihm in der Gestalt eines neuen Nachbarmädchens namens Elena Patata, die ebenfalls einen Kater mit Namen Bandito besitzt. Wenn es jemals zwei unterschiedliche Nachbarskinder und noch verschiedenartigere Katzen auf der Welt gab, dann treffen sie in Monster Allergy aufeinander.

Katja Centomo und Francesco Artibani brachten den Kindern liebe Monster im Comic, unerwartete Ereignisse, viele Katzen und ein ungewöhnliches Freundespaar. Lieb ist das Stichwort, denn liebevoll ist die Erzählung zu nennen, die sich langsam von einer nachbarschaftlichen Freundschaft zu einem Gruselabenteuer entwickelt. Neben Monstern gibt es auch Geister und Wächter, denen eine besondere Aufgabe zufällt. Zick, die männliche Hauptfigur, ist weniger verschroben, als ihn seine Umgebung beschreibt und auch weniger krank, als viele glauben. Elena ist jedoch so neugierig und hartnäckig, wie Zick sie einschätzt.

Bombo, ein Monster zum Knutschen. Rot, gefleckt, Kulleraugen, Riesenmaul, kugelrund und mit einem Sprachfehler versehen, ist es freundlich, friedlich, will sich lieber heraushalten, macht nicht alles richtig, hat aber manchmal im richtigen Moment die wirklich wichtige Information parat. Kurzum, Bombo ist der Begleiter, den ein modernes Kind sich nur wünschen kann. Das gilt über zehn Jahre nach Entstehung des ersten Comics immer noch. Die dazugehörige Optik ließ schon vermuten, wo es Monster Allergy hinzog. 2006 folgte die Zeichentrickserie.

Dünne Linien, manchmal betont kantige Formen, manchmal bewusst krumm und schnörkelig (bei Monstern), mit verspielten Proportionen und knalligen, zeichentrickartigen Gesichtausdrücken, die eine Verwandtschaft zum Anime nicht verleugnen können. Die italienische Disney-Schmiede hob dieses Projekt mit Zeichner Alessandro Barbucci aus der Taufe und schlug damit eine ähnliche Richtung wie mit W.I.T.C.H. ein, ein junges Konzept, das (ohne Magie) sich auch in Serien wie Kim Possible und anderen niederschlägt. Eine unverbrauchte Optik, die zunächst keine Rückschlüsse auf nordamerikanische Produktionen des Mutterkonzerns zulässt, weit weg von den klassischen Figuren mischt das Medium und das Genre auf.

Katzen, Katzen! Ein gutes Beispiel für diese optische Entfernung von der klassischen Gestaltung, wie sie sich über Jahrzehnte gehalten hat (im Sinne von putzigen Aristocats), sind die beiden (und noch ein paar mehr) Katzen von Zick und Elena. Bandito ist der typische überfressene und leicht blöde Kater (die es geben soll), während Timothy nicht nur sprechen kann, sondern obendrein auch noch ein arroganter Nacktkater ist. Hier ist der Gegensatz noch weitaus größer als zwischen den beiden menschlichen Hauptcharakteren. Aber gerade daraus ziehen viele gemeinsame Szenen der beiden einen starken Gewinn in Sachen Humor.

Monster? Ja, aber andere als üblich. Diese besitzen jenen anarchischen Charme, den auch die finsteren Kreaturen in Zeichentrickabenteuern der Ghostbusters besaßen oder jene Meereswesen, die in Pirates of the Caribbean ihren Auftritt hatten. Letzterer Vergleich wird offenbar, wenn gegen Ende der hier zusammengefassten ersten vier Teile der Comic-Reihe ein außergewöhnlicher Pirat namens Krausbart seinen Auftritt hat und stark an einen Davy Jones erinnert.

Schöne Kinderunterhaltung, modern gestaltet, spannend erzählt. Alessandro Barbucci hat einen stilistisch eigenen Mix kreiert, kindgerecht, überdreht hier und dort, vor über zehn Jahren schon mit schönem Blick dafür, was Kids heute automatisch erwarten. Unterhaltsam auch für Junggebliebene! 🙂

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Montag, 30. Juni 2014

Sechs aus 49 – Band 1 – Mathilde

Filed under: Biographie — Michael um 9:47

Sechs aus 49 - Band 1 - MathildeMathildes Vater ist kein Karl Marx, das System jedoch, das es einer Lottoanstalt ermöglicht mit einem Höchstgewinn von 60 Millionen Euro zu prahlen und den Menschen die Köpfe zu verdrehen, ist zu verachten. Mit seiner Denkweise stößt er regelmäßig bei Frau und Tochter an. Man könnte auch weniger freundlich sagen, er geht ihnen mit seinen Vorträgen über die Verderbtheit der Gesellschaft auf die Nerven. Mathilde hat derlei Phrasen, so nennt die Mutter die Wortspiele des Vaters, oft genug gehört, um nicht gleich von ihrem Gewinn zu erzählen, den sie gemacht hat. Denn die Hälfte der besagten 60 Millionen Euro gehören ihr.

Was wäre, wenn ein wildfremder Mensch einen Lottogewinn mit Dir teilt? Und nicht nur eine kleinere Summe, so ein Milliönchen, sondern einen richtigen Knaller: 60 Millionen. Und die Hälfte davon bekommst Du! Über die Grundidee, Millionär über Nacht und unerwartet, als Geschenk, grübelten bereits Nicolas Cage und Bridget Fonda in 2 Millionen Dollar Trinkgeld. Thomas Cadene geht noch einen Schritt weiter, holt die Supergewinne der Neuzeit in die Geschichte und knallt seinen beiden Gewinnern gleich 60 Millionen Euro um die Ohren. Die eine, Mathilde, weiß zunächst nicht, wie ihr geschieht. Der andere, Hippolyt, ist schon reich. Viel ändert sich für ihn nicht. Oder doch?

Und ob sich etwas ändert! Autor Thomas Cadene, der schnell erkannt hatte, dass ein Mammutprojekt dieser Art mit einem Zeichner allein nicht zu realisieren ist, arbeitet gleich mit mehreren Künstlern zusammen. Diese Änderung über die üblichen Duos oder Trios hinaus schafft einen besonderen Reiz, da jeder Zeichner seine optische Interpretation einbringt. Die Wirkung ist mal komödiantischer, mal tragischer, auch dramatischer, heiter oder düster, obwohl die Geschichte im Gleichklang forterzählt wird. Es ist ein gutes Beispiel, wie stark sich über die Optik die emotionale Reaktion des Lesers beeinflussen lässt.

Thomas Cadene beschreibt einen Millionengewinn. Nicht irgendeinen, nicht den höchsten, beileibe nicht den geringsten. Zuerst ist es ein Tagtraum, ein Unglauben, dann die Wahrheit, die Realität, der die Frage folgt: Was nun? Mit 30 Millionen Euro im Säckel muss doch nicht so, auf die bewährte Art und Weise weitergelebt werden? Und der Vater, der doch tatsächlich verlangt, das Geld zurückzugeben, der hat sie doch nicht mehr alle. Halbwegs freundlich formuliert. Das beantwortet jedoch nicht die elementare Frage: Was nun?

Mathilde beschreitet einen normalen Lebensweg, aus verantwortungsvollem Elternhaus, studiert, hat einen Freundeskreis. Dann schleicht sich mit dem Gewinn eine Veränderung ein, die zunehmend unheimlicher wird, da sie auch den Charakter angreift. Plötzlich lautet die Frage: Was muss ich mit 30 Millionen Euro überhaupt noch? Mathilde bewegt sich zuerst vorsichtig, später heimlich, schließt neue Bekanntschaften. Was zunächst nach einer, zugegeben, Seifenoper mit ungewöhnlichem Thema aussah, wird dank der französischen Sichtweise, auch der Art Geschichten zu erzählen, die auf frankophoner Seite der deutschen voraus ist, mit zunehmendem Tiefgang versehen.

Die Zeichner brillieren mit völlig gegensätzlicher Stilistik. Da findet sich eine bittersüße Art des Zeichnens, fast naiv zu nennen (Vincent Sorel). Zeichner wie Aseyn crashen das Szenario in einer Form der Selbstentblößung der Charaktere. Andere Zeichner wie Tanxxx finden eine sehr freundliche Annäherung mit für den unbedarften Comic-Leser sehr comic-artigen Figuren. Künstler wie Clotka warten mit einem verrutschtem Simpsons-Design auf. The Black Frog und Philippe Scoffoni treffen mit ihrer dokumentarisch, realistischen Stilistik für mich am meisten die optische Form einer Graphic Novel. Letzterer Zeichner bietet meiner Meinung nach auch die schönsten Interpretationen der Hauptdarsteller.

Die erwähnten Zeichner sind nur ein Ausschnitt der Bandbreite künstlerischen Schaffens, die hier zu finden ist. Jedes Kapitel, mit jedem Zeichnerwechsel also, enthält in Portraits vorangestellt die jeweils handelnden Akteure, damit der Leser trotz der optischen Veränderung sich schnell wieder einfindet.

Das können nur die Franzosen (immer noch meine Meinung) richtig gut! Thomas Cadene nimmt ein scheinbar leichtes Thema, offenbar eine Seifenoper und generiert aber viel tiefer reichend ein Zeitbild, bietet Komödie und Tragödie, leicht erzählt, interessant und unterhaltsam, sehr dicht. Wer auf der Suche nach einem im Comic wenig vertretenen Thema ist, Realismus in diesem Medium mag, sollte einen Blick riskieren. 🙂

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