Donnerstag, 18. September 2014
Joker hat die besseren Karten: Eine geheimnisvolle Feldermaus macht die Stadt unsicher. Die Menschen sprechen flüsternd vom Batman. Das Reporterduo, Alexander Knox und Vicki Vale, macht sich auf die Jagd nach Beweisen. Diese liegen so manchem Ganoven Gothams durch persönliche Begegnung mit der menschlichen Fledermaus bereits hinlänglich vor, nur führen sie darüber keine Akten. Commissioner Gordon muss dergleichen Unterlagen haben, rückt sie aber nicht heraus. Batman unterdessen hat ein ganz anderes Problem. Aus Jack Napier wurde nach einem Kampf in einer chemischen Fabrik durch einen Unfall ein neuer wahnsinniger Feind: Joker.
Der Auftakt der Hörspielserie um den dunklen Ritter aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts folgte im Kielwasser der Verfilmung von Tim Burton. Michael Keaton spielte den Mitternachtsdetektiven wie auch das bürgerliche Ich namens Bruce Wayne. So mag es im Hörspielauftakt nicht verwundern, wenn sich genau diese Geschichte des Kinofilms in vielen Belange gleicht. Das Hörspiel arbeitet mit neuen Sprechern, kürzt die Handlung des Films zwangsläufig ein und verzichtet auch auf Passagen, so etwa die Romanze zwischen Bruce Wayne und Vicki Vale.
Das war’s! Kauf dir ein Eis, Bats! In der zweiten Folge, Wer zuletzt lacht …, kehrt der Joker zurück. Zuerst scheint es nur ein Gerücht zu sein, doch tatsächlich hat der irre Clown den Sturz vom Turm der Kathedrale überlebt. Der Reporter Alexander Knox, der guten Gewissens Werbung für eine Kunstveranstaltung betreibt, ahnt nicht, dass er damit nur dem Irren in die Hände spielt. Schlimmer noch: der Joker entführt Vicki Vale, um seine ursprünglichen Pläne in die Tat umzusetzen und ein Druckmittel gegen den Mitternachtsdetektiven zu besitzen.
Der große Knall, eine Explosion, die einfach alles in die Luft jagt, was Batman alias Bruce Wayne lieb und teuer ist, mag dem Comic-Fan aus der einen oder anderen Geschichte um den dunklen Ritter her bekannt vorkommen. Nach der ersten Folge, die der Handlung des damals groß angekündigten Kinoereignisses von Tim Burton nachempfunden war, geht die Geschichte nun eigene Wege. Eine Romanze zwischen Bruce Wayne und Vicki Vale entwickelt sich zaghaft. Der Joker darf aus dem Füllhorn des Wahnsinns schöpfen. Und Bob, the Goon (der im besagten Film das Zeitliche segnete, von Jokers Hand persönlich) erhält eine deutlich gewichtigere Rolle als Jokers zuverlässiger Handlanger.
Peter Wenke als Joker ist ein echter Knaller. Hier hatte jemand Spaß daran, mit seiner Stimme in die höchsten Kicherhöhen vorzudringen und dem Joker ein perfektes Gesicht in diesem Hörspiel zu verleihen. Die Lacher, das Markenzeichen des wahnsinnigen Gangsters, sind so, wie man es sich bei Lektüre der Comics vorstellt, auch in neueren Ausgaben, die dem Erscheinungsbild eines Heath Ledger folgen.
Die Schüler des Verbrechens: In der dritten Folge agiert der Joker mit einer neuen Idee aus dem Hintergrund heraus. Seine rechte Hand, Bob, the Goon, wird Lehrer an einer Schule, die den Ganovennachwuchs ausbilden soll. Die bemerkenswerteste Szene hier (man kann sie sich kaum in den Comics oder im Film vorstellen) ist jene, in der ein gewisser Jason Batman die Vorderreifen des abgestellten Batmobils abmontiert und klaut. Bei all den technischen Spielereien, die das Fahrzeug aufzuweisen hat, ja, es kann sogar autonom fahren, gehört eine Diebstahlsicherung (auch der Schutzschild aus dem Film) nicht zur Ausrüstung. Der Sprecher von Batman, Nick Benjamin, ist hier sehr schön bei Batman angekommen. Im Zusammenspiel mit der Figur des Jason (Fans erraten schnell, dass es sich hierbei um Jason Todd handelt) findet sich szenische Tiefe. Batman kann in noch sechs weiteren Hörspielen den Joker bekämpfen, andere namhafte Gegner finden sich nicht.
Sicherlich eine eher kindgerechte Aufarbeitung, auch für heutige Verhältnisse bestimmt nicht ohne Nostalgiewert, andererseits nimmt die kleine Serie gut Fahrt auf, nicht zuletzt dank der Hauptsprecher Nick Benjamin und Peter Wenke, die zusehends mit Rollen verwachsen. Fein! 🙂
Sonntag, 14. September 2014
Die Gangster sind nicht dumm. Der Mann in Schwarz hat sich technische Spielzeuge zugelegt, die auch Batman gefährlich werden können. Aber warum das Risiko unnötig in die Höhe treiben? Wenn man auch per Jetpack frühzeitig entkommen kann? Aber die Farbe Schwarz? Warum? Die Antwort sollte Batman nicht erstaunen und doch wundert sie ihn ein wenig. Viel Zeit kann er trotzdem nicht auf die Analyse von feindlichen Beweggründen verwenden. In Gotham City ist der Teufel los, im übertragenen Sinne zwar, aber Gegner wie Scarecrow geben sich die größte Mühe dem Original so nahe wie möglich zu kommen.
Der Mann in Schwarz: Ein Wiederhören mit zwei Stimmen, die maßgeblich am Erfolg einer Serie hierzulande beteiligt waren. Die Serie hieß Miami Vice, die deutschen Synchronstimmen von Don Johnson und Philip Michael Thomas hießen Reent Reins und Lutz Mackensy. Beide markante Stimmen waren in der Vergangenheit immer wieder in Hörspielen zu hören, aber selten vereint. Reent Reins übernimmt hier die Rolle des Commissioner James Gordon, des direkten Kontakts zu Batman und tatsächlich hat die Stimme eine dunklere Färbung mit den Jahren bekommen, eine Klangfarbe, die zur väterlichen Ausfüllung des Charakters von Commissioner Gordon passt. Lutz Mackensy hingegen darf mit seiner scheinbar ewig jugendlichen Stimme den Wahnsinn eines gefährlichen Kriminellen erschallen lassen. Hier klingen Können und Spaß an der Arbeit durch.
Die erste Folge der Trilogie über den Gotham Knight etabliert diese düstere Megastadt als kriminelles Babel, aber auch als Touristenmagnet. Ausgerechnet auf einer Aussichtsplattform, die in Anspielung auf einen der bekanntesten Batman-Zeichner, Jim Aparo auf dem Aparo-Tower gelegen ist, darf der dunkle Ritter in beeindruckendem Hörkino erstmalig so richtig zeigen, was er drauf hat. Sascha Rotermund orientiert sich, wie die gesamte Trilogie, an der filmischen Neuinterpretation (mit Christian Bale) des Mitternachtsdetektivs. Rauchig gesprochen als maskierter Rächer, locker als Privatperson und Playboy Bruce Wayne. Letzterem hört man sehr gerne im Zusammenspiel mit Charakteren wie Commissioner Gordon oder dem erfindungsreichen Lucius Fox (gesprochen von Wolf Frass) zu.
Krieg: Der heimliche Held des Batman-Universums, jedenfalls in früheren Zeiten, Alfred Pennyworth, agiert hier ähnlich wie in der Batman-Trilogie mit Christian Bale. Gesprochen von Jürgen Thormann, der in den Filmen auch Michael Caine in der Rolle des Butlers synchronisiert, bekommt die Figur stets etwas sehr Vornehmes, auch Unnahbares sowie eine sehr professionelle Note. Erfrischend in dieser Episode ein ganz normales Bandenkrieg, dem Batman beikommen muss, ohne dass sein technisches Spielzeug noch seine Erscheinung besonders viel Eindruck hinterlässt.
Die beiden Polizisten Montoya und Allen bilden ein schönes Gegengewicht zur Arbeit des dunklen Ritters. Sie bieten einen großen Teil der Stimme des Menschen auf den Straßen Gothams, jene, die meist nur aus der Ferne einen Blick auf Batman werfen. Oder wie sie auf einen Schattenriss in der Türscheibe zu Commissioner Gordons Büro.
Monster: Wer tötet die Menschen nicht nur, sondern frisst sie zugleich auf? Batmans Suche nach diesem ungewöhnlichen Killer wird gruseliger, anstrengender. Nach der Jagd auf die normalsterbliche Unterwelt Gothams ist dieser Feind nur schwer auszumachen. Er hält sich im Dunkel und will nicht gejagt werden. Batman muss an Scarecrow vorbei, der nicht nur dieses seltsame Wesen geschaffen, viel schlimmer noch, eine große Schar Anhänger beeinflusst hat, gegen die sich Batman auch noch zur Wehr setzen muss.
Wurde das berühmt berüchtigte Arkham Asylum bisher hauptsächlich erwähnt (und nur kurz besucht), werden die Folgen jetzt offen sichtbar. Während Batman diese modern geschaffenen Dämonen verfolgt, stellt er sich auch seinen inneren Feinden, düsteren Erinnerungen, als er nach Wegen der Kontrolle über seine Ängste suchte. Die dritte Episode von Gotham Knight bietet eine spannende Doppelsicht auf den dunklen Ritter, in Gegenwart und Vergangenheit. Beide sind dramatisch, in beiden muss sich ein Mann beweisen. Im ersteren Fall das andere Ich, im letzteren Fall ein noch junger Bruce Wayne persönlich.
Ein Kaleidoskop aus Gotham City: Batman wird im Kopfkino dank einer tollen Interpretation durch Sascha Rotermund lebendig. Die Besetzung ist punktgenau und nimmt, nach einer Einführung in das Comic-Universum, besonders in der zweiten und dritten Episode Fahrt auf. Egal, auf welchem Weg der Fan zu Batman gefunden hat, über die Filme oder die Comics selbst, hier wird er auf jeden Fall mit neuen, sehr guten Abenteuern fündig. 🙂
Batman, Gotham Knight 1, Der Mann in Schwarz: Bei Amazon bestellen
Batman, Gotham Knight 2, Krieg: Bei Amazon bestellen
Batman, Gotham Knight 3, Monster: Bei Amazon bestellen
Links: Jürgen Thormann in Batman
Montag, 08. September 2014
Das ändert die Lage! Cixi gerät in Panik. So hatte sie es nicht geplant. Als geheimnisvoller Rächer macht sie die Nächte in Eckmül unsicher, darauf bedacht, die Macht des selbst ernannten Despoten zu schwächen. Leicht macht sie sich ihre Aufgabe nicht. Sie führt nicht nur ein gefährliches Doppelleben, sie ist seit neustem sozusagen ein Doppelleben, ein Umstand, der sie in andere Umstände bringt und damit im übertragenen Sinne in des Teufels Küche. Denn wer die Angelegenheiten des Herrschers, Thanos, stört, könnte sehr schnell Opfer jener Experimente werden, die in den weiten Kellergewölben auf seinen Befehl durchgeführt werden.
Adrien Floch, als Zeichner kein Unbekannter hierzulande, arbeitete er schon bei den Schiffbrüchigen von Ythag mit Autor Christophe Arleston zusammen. Olivier Vatine, bisher Stammzeichner von Cixis Geheimnis, begnügt sich nun mit dem Storyboard und überlässt Adrien Floch den Feinschliff. Was für eine düster dunkle Welt TROY doch geworden ist! Wenn eine Frau wie Cixi, die nicht gerade für ihre Sanftmut oder die Fähigkeit, besonders einfühlsam zu sein, Schwierigkeiten mit einem Mann hat, der die Welt zu verwüsten sucht und sie ihren Eigennutz hintenan stellt, dann muss in TROY einiges im Argen liegen.
Der Strich von Olivier Vatine und Adrien Floch harmoniert sehr gut miteinander. Sehr fein ausgeführte Linien, aus denen fragile Körperlichkeiten gleich welcher Art entstehen. Diese Feinheit macht in den seltener auftretenden Nebenfiguren und einigen besonderen Ideen am meisten Spaß für das Auge und somit den Leser, der in der Fantasy skurrile Einfälle zu schätzen weiß. Aber mehr noch reizen die Übersichten zum Hinschauen, zum Flanieren während des Blätterns, denn die Bilder, die auch einem Reiseführer über Eckmül gut zu Gesicht stehen würden, vermitteln schöne Stimmungen dieser Fantasy-Welt, die sicherlich sehr mittelalterlich ist, aber auch aus unterschiedlichen Stilen zusammengesetzt scheint.
Das mag an den sehr verschiedenen Einflüssen liegen, die von den verschiedensten Bürgern aus Winkeln TROYs in diese Weltstadt der Fantasy getragen werden. Säulen, Ornamente, Rundbögen und Spitzbögen, goldene Kuppeln und abgetakelte Holzbauten, schmale Gassen und weite Palastgänge, die zum Lustwandeln einladen. Es ist ein lebendige Stadt, die weder von Christophe Arlston noch seinen zeichnenden Künstlerkollegen jemals in ein enges Korsett gezwängt und mit einer allzu starken Stilistik erstickt wurde. Da Eckmül auch mit anderen Serien, die auf TROY handeln, wächst, ist es gut, dass die Stadt vor allem durch einige wenige herausragende Punkte einprägsam ist.
Verweigerung des Bekannten: Thanos, der Bösewicht, ist mächtig und gut aussehend. An anderer Stelle, in den sonst üblichen Geschichten mit fantastischem Einschlag wäre er der Gute, der Held, barbarisch vielleicht, aber äußerlich immerhin der Held. Es sterben Kinder, Alte und Tiere und selbst Cixi ist eigentlich nicht zur Heldin geboren. Zu arrogant ist die junge Frau, die selten aus Uneigennützigkeit handelt. Und trotzdem will man ihrer Geschichte folgen, weil Christophe Arleston seine Heldin zum Umdenken, zur Verhaltensänderung zwingt.
Enttarnung: Ja, der Finstere Schatten wird demaskiert. Aber wird Cixi auch enttarnt? Christophe Arleston hat sich ein kleines Kabinettstückchen einfallen lassen und beschreibt wie Cixi ihr Gesicht wahren kann. Es ist einer von zahlreichen gelungenen Einfällen.
Cixis Geheimnis ist nun abgeschlossen, die Reihe um Lanfeust von Troy, der in diesem Abschnitt nicht mitspielt, ist es nicht. Die Trilogie um Cixi zeigt treffend, wie stark selbst jene Charaktere werden können, die bislang nur Nebenrollen hatten. Sehr schön! 🙂
Lanfeust von Troy 11, Cixis Geheimnis, Teil 3: Bei Amazon bestellen
Dienstag, 02. September 2014
Zick kann es kaum fassen. Sein Vater lebt. Ein Problem gibt es dennoch. Der Vater hat einen hohen Preis für sein Leben als Bändiger von Monstern bezahlt. Als Däumling lebt er nun in einem eigens von seiner Frau dafür umgerüsteten Puppenhaus. Da Zick die Fähigkeiten seines Vaters geerbt zu haben scheint, war es zeitweilig sinnvoll, ihm die aufkeimenden Fähigkeiten zu verschweigen, damit sich der Junge nicht in ähnlich gefährliche Situationen bringt. Leider konnte seine Mutter nicht immer auf ihn aufpassen und so kam es, wie es kommen musste. Zick hat sich dem Dasein eines Bändigers auf seine Art genähert.
Aber das ist auch gut so, denn ansonsten wären die Chancen für die kommende Aufgabe denkbar schlecht. Nachforschungen ergeben eine Möglichkeit, die den Vater wieder zu normaler Größe wachsen lassen könnte. Natürlich ist der Weg, um das erforderliche Mittel aufzutreiben, alles andere als leicht, obwohl Zick das Abenteuer nicht alleine bestehen muss und seine Freundin Elena an seiner Seite hat, die immer besser in ihrer Rolle aufgeht. Obwohl ihr Zicks Talent fehlt, nämlich Monster sehen zu können.
Ja, die liebe Verwandtschaft! Nicht nur das plötzliche Auftauchen des Vaters ist eine Überraschung, auch darüber hinaus kann sich Zick in seiner näheren Umgebung auf einiges gefasst machen. Die Serie von Katja Centomo, Francesco Artibani, Alessandro Barbucci und Barbara Canepa beschert Zick, dem Helden mit der Monster Allergy, bessere und größere Fertigkeiten und bringt ihn gleichzeitig in schwieriger zu meisternde Szenarien. Hexen hexen hier nicht nur, sie haben auch ein kleines Hauptproblem. Sie verstehen es, sich zu tarnen, sie haben eine nicht unerhebliche Macht entwickelt und leben offen wie auch im Untergrund. Nur eines scheuen sie: Drachen!
Hexen und Drachen! Wer nun glaubt auf fantastischer Ebene dergleichen schon ausreichend gesehen zu haben und meint, etwas Neues könne ihn kaum überraschen, sieht sich hier sehr schnell getäuscht. Diese Hexen übertreffen selbst jene eines Roald Dahl und eine Bette Middler ist ein Waisenfräulein gegen sie. Faltenfreier als diese alten Damen, die so vollendet von einem Federico Nardo auf das Papier gebannt wurden, ist der Drache, der sich, obwohl im Hause Disney untergekommen, einer Verwandtschaft zu Eliott verweigert, mit Pusteln auf dem Rücken und Schwiegermutterfratze eher in die Nähe von Kreaturen aus dem Dunklen Kristall gerückt wird.
Gerade letzterer Film, obgleich ernsthafter als Monster Allergy, besitzt eine ähnliche Atmosphäre. Wer den erwähnten Schriftsteller Roald Dahl hinzuzieht (und dessen Werke wie Hexen hexen und James und der Riesenpfirsisch) wird in dieser italienischen Produktion eine gehörige Portion englischen Charme entdecken und Fantasieausbrüche, die sich gegen gängige Auswüchse von Kinderabenteuern unter dem Eindruck von HdR und Co. sträuben.
Nach einem deutlich überwiegenden familiären Anteil der Handlung rund um Zick, wird es zum Ende hin dramatischer, sogar nervenaufreibend, ein Schuss apokalyptischer Stimmung inklusive. Das rundet, zusammen mit ein paar persönlichen wie versöhnlichen Szenen, die vorliegenden Episoden 9-12 sehr schön ab.
Beste Monster-Unterhaltung mit spaßigen und spukigen Höhepunkten. Durchgehend klasse und einfallsreich illustriert. Alte Bekannte, die neue Seiten von sich zeigen, sorgen für viel Abwechslung. 🙂
Monster Allergy Gesamtausgabe 3: Bei Amazon bestellen
Donnerstag, 28. August 2014
Es gibt kleine Kinder, für die ist ein Leben als Vampir erstrebenswert und die Furcht vor den Jägern der Nacht geht ihnen völlig ab. Das ist nicht immer die beste Strategie, wenn man mit diesen Wesen zusammentrifft. Denn die Welt der Vampire ist sich äußerst uneins, was den Umgang mit Menschen anbelangt. Nosferatu hat seine Anhänger auf die nächtlichen Straßen befohlen, wo sie ein Blutbad unter den Menschen anrichten. Diese wehren sich nach Kräften, können aber gegen die Übermacht wie auch die gewaltigen Kräfte der untoten Blutsauger kaum bestehen. Die Vampiragentin Daffodil und ihre beiden Gefährtinnen heften sich auf die Spur von Nosferatu, der ein ganz besonderes Ziel zu verfolgen scheint.
Eine Agentin für die schwierigen Fälle. In einer Welt, gebaut auf Gothic Horror und Steam Punk, ist die Vampiragentin Daffodil, zerbrechlich wirkend, ein gefährlicher Gegner für ihre Feinde. Autor Brremaud und Zeichner Giovanni Rigano entwerfen ein gruseliges Ambiente, das nur vordergründig eine knuffige Komponente hat. Auf den sehr schnell folgenden zweiten Blick geht es handfest zur Sache. Beide Seiten, Menschen und Untote, schenken sich nichts. Nur ein toter Feind ist ein guter Feind. Über allem warten Daffodil und ihre Gefährtinnen mitleidslos den richtigen Moment ab.
Wenn Alf ein Vampir geworden wäre, hätte ihm ein Auftritt beschert werden können, wie ihn hier ein kleiner Vampir erlebt, immer zu Diensten seines Meisters. Angesiedelt zwischen Manga, Zeichentrickoptik und märchenhafter Grafik eines Don Bluth sind die ersten beiden Teile der drei hier zusammengefassten Geschichten ein Zuckerstückchen des Gruselgenres, das sich gleichzeitig eine Nische erobert hat. Hier sind die Monster wie sie in Anastasia und Taran und der Zauberkessel auftraten, aber sie haben, um bildlich zu bleiben, ihre Wanderung in Szenarien wie Buffy Dawn of the dead fortgesetzt. Hier wird putzig gestorben.
Das Zusammenspiel der beiden Comic-Künstler Giovanni Rigano (Zeichner) und dem Koloristen Paolo Lamanna ist in den ersten beiden Abenteuern Addio-Colonnello und Nosferatu großartig. Fast möchte man meinen, eine Miniaturwelt, gemessen an der Gestaltung ihrer Menschen und Vampire, in der alles etwas gedrungen ist, zwergenhaft mitunter. Das elfenhafte Gesicht Daffodils und ihrer Kolleginnen läuft den sonstigen Kreaturendesign entgegen und macht sie inmitten dieser auch grotesken Umgebung einzigartig.
Teil 3 – Das Monster: anders. Die Art der Zeichnungen wird in der abschließenden Geschichte surrealer, dunkler. Zusammen mit der Farbgebung fühlt man sich an eine Light-Version von der Comic-Vorlage von 30 days of night erinnert. Aber es gibt auch Parallelen zu Zeichnern wie Guy Davis. Will man ohne Vergleiche auskommen, wäre Anarchiestil ein passender Ausdruck. Giovanni Rigano lässt sich gehen, bricht im Gegensatz zur ersten Doppelfolge aus geordneten Strichen aus. Das ist insgesamt fragiler, wirkt etwas berauschter, unruhiger und wechselt nach der Atmosphäre der ersten Geschichten in eine Grundstimmung, die eher den Mythen eines Lovecraft entgegenkommt.
Vampire, die ihren eigenen Stil finden. Abseits der gängigen Blutsauger, die immer cooler dem Zeitgeist hinterher laufen, findet Daffodil ihren Weg, dunkel auf jeden Fall, verwunschen, manchmal im Grimmschen Geist erzählt, auf weiten Strecken vorbildlich illustriert. 🙂
Daffodil, Die Vampiragentin: Bei Amazon bestellen
Sonntag, 24. August 2014
Der Umstand, keine Wahl zu haben, zwingt einen Menschen zum Handeln. Die Wahl zu haben, so scheint es, macht orientierungslos und bringt manches Gemüt dazu, mit dem eigenen Schicksal zu hadern, aus der Spur zu geraten. Der Autor Thomas Cadene lässt seine ursprüngliche Kernfigur Mathilde, die in die glückliche Lage versetzt wurde, die Hälfte eines Multimillionengewinns zu erhalten, immer weiter aus ihrem ursprünglichen Leben abdriften.
Was wichtig war, ist zur Gänze in Frage gestellt. Was bleibt: nichts. So scheint es. Mathilde scheut es, mit ihrem Gewinn ein Ziel zu finden. Selbst ein Urlaub scheint nicht planbar. Ein Mann ist nur zum Sex gut. Dem anderen Mann, derjenige, den das Herz begehrt, will sie nicht über den Weg trauen. Langsam erwachen die inneren Dämonen hinter den geistigen Mauern zu Leben und beginnen mit ihren Einflüsterungen, wer und was gut für sie ist, nämlich nichts und niemand. Mathilde zieht sich immer weiter zurück.
Thomas Cadene lässt seine Mathilde nicht im Stich, versetzt sie aber zusehends an den Rand, denn im Kielwasser der Ereignisse um den Millionengewinn sind noch andere Situationen und Konstellationen entstanden, abseits von Gedanken ans liebe Geld. Eine der einprägsamsten, auch ausdrucksstärksten ist die Geschichte um Hippolyt und Faustine. Hier wird Müßiggang und Ziellosigkeit groß geschrieben. Der Lebensinhalt besteht in der Verdammung der anderen, gerne auch der eigenen Familie. Faustine ist langsam genervt vom Verhalten ihres Mannes. Ein einschneidendes Erlebnis (nennen wir es so, ohne zu viel verraten zu wollen) zwingt zur Verhaltensänderung und zum Umdenken.
Auch andere Charaktere erhalten einen derartigen Anstoß in ihrem Leben, weniger drastisch und dramatisch. Manchmal ist es nur ein kleiner Schubs, beim nächsten ein gemeiner Rempler. Wie sich das Leben, genauer das Zusammenleben von Mathildes Eltern verändert, ist anfangs nur ein schleichender Prozess gewesen, der nun deutlich an Fahrt gewinnt. Irene, die Mutter, ist in diesem Prozess diejenige, die sich vom Rest der Familie abnabelt, mit deutlichen Worten sogar. Und, aus Sicht des Lesers, aus mehr als einem verständlichem Grund. Es gibt also auch Sympathien zu verteilen.
Auch im zweiten Band hat sich eine Vielzahl von Zeichnern zusammengefunden, um das umfangreiche Projekt von Thomas Cadene zu unterstützen. Diesmal sind es sage und schreibe 18 Künstler. In der Bandbreite von Minimalismus über Skizze, verschiedenen Techniken mit Aquarell und Tusche, Buntstiftarbeiten und Graustufenabbildungen und anderen experimentierfreudigen Grafiken ragen ein paar Comic-Künstler heraus. Es sind jene, die dem eigentlichen Szenario, der Geschichte wie auch dem gesprochenen Text durch die bloße Inszenierung weitere Informationen mit scheinbar leichter Hand hinzufügen.
Philippe Scoffoni ist ein solcher Zeichner. Von ihm stammt auch das Titelbild des vorliegenden Bandes. Seine Episode birgt zwei Schlüsselszenen, besondere Begegnungen, mal heimlich, mal offen und direkt. Scoffoni gelingt es auf sehr intuitive Weise, die Gefühle seiner Figuren einzufangen. So wirkt es jedenfalls. Wie viel Arbeit und auch Testen nötig ist, wie lang der Weg zu diesem Ergebnis ist, lässt sich schlecht sagen. Eindringlicher gerät die Episode, die Manu-xyz gestaltet, reduzierter, mehr auf Karikatur hin ausgerichtet als bei Scoffoni, verspielter in den Graustufen. Ihre Bilder stützen die Tragik der Situation, die für den Leser nicht vorhersehbar war und einer Handlungslinie eine völlig neue Richtung geben.
Vincent Sorels Buntstiftbilder sind einfach knuffig zu nennen und es ist durchaus mutig von Thomas Cadene derart muntere, strahlende Grafiken den zuweilen düster anzuschauenden Passagen von Künstlerkollegen einander gegenüberzustellen. Tanxx zum Beispiel tuscht in harten Strichen und macht aus den Akteuren so etwas wie Verdächtige. Bandini taucht mit weichen Aquarellfarben alles in ein helles Licht, in eine dauerhafte Morgendämmerung. Die Bilder strahlen gleich viel mehr Hoffnung aus. Jemand wie The Black Frog meißelt die Szenen in harten Kontrasten auf das Papier, leuchtend zwar, aber streng konstruiert.
Es wird trauriger, noch ernsthafter. Thomas Cadene beschert seinen Figuren einige Schicksalsschläge unterschiedlicher Härte, von jedem anders getragen. Die Interpretationen der Comic-Künstler halten das Projekt frisch und optisch spannend. 🙂
Sechs aus 49, Band 2, Camille: Bei Amazon bestellen
Oder bei Schreiber und Leser.
Montag, 18. August 2014
Ein Überfall soll die gereizten Matrosen wieder besänftigen. Die Piraten unter dem Kommando des Roten Korsaren fassen einen riskanten Plan. Sie wollen die kleine Stadt Vera Cruz angreifen, plündern und zwar von der Landseite her. Mitten in der Nacht schlagen sie sich durch den Dschungel und allen Unkenrufen zum Trotz scheint das ungewöhnliche Unterfangen doch zu gelingen. Allerdings hat der Rote Korsar es nicht als seine erste Aufgabe angesehen, Vera Cruz zu überfallen. Durch einen Zufall, einen sehr mysteriösen noch dazu, war der Schwarze Falke, sein Segelschiff, im bitteren Sturm einem anderen Schiff begegnet.
Viele aus der Mannschaft des Roten Korsaren glauben an ein Geisterschiff, das geradewegs in den hoch gepeitschten Wellen auf sie zusteuert und einen Zusammenprall nicht scheut. Ein Ausweichen ist nicht möglich. Als der Rote Korsar das fremde Deck betritt, schnell und ohne zu zögern, da der alte Kahn, wie es sich nun herausstellt, zu sinken droht. Aber der Piratenkapitän lässt sich von der Unbill nicht beirren und dringt in die Kajüten vor, wo er eine unglaubliche Entdeckung macht.
Das Schiff der verlorenen Seelen bildet das Auftaktabenteuer des dritten Bandes der Gesamtausgabe aus der Reihe Der Rote Korsar. Von Jean-Michel Charlier ist Der Rote Korsar als Figur entworfen, der weder sein Leben noch das anderer scheut, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Wenn etwas durch Mut oder Widerstand erlangt werden kann, meist ein Schatz oder ein Sieg, dann kennt der Pirat mit der Augenklappe und dem feuerroten Bart kein Halten mehr. Wer nicht den gleichen Mut aufbringt, bleibt im besten Falle zurück.
Dem Korsaren gegenüber steht Rick, der Sohn des Piraten, eine getreue Seele, aber kein Halunke wie sein Vater. Niemals würde er den Pfad des Gesetzlosen einschlagen. Nur in einem sind sich die beiden Männer einig, der junge wie auch der alte, nämlich in ihrer unverbrüchlichen Treue zueinander. Ist einer von beiden in der Bredouille, wird der andere nicht zögern, ihm zur Hilfe zu eilen. Und es ist dieses Verhalten, warum der Leser den Roten Korsaren nicht in Bausch und Bogen verdammen kann, denn diese Treue, auch Liebe zum Sohn macht den ansonsten unnachgiebigen Kämpfer auf See überaus menschlich.
Aber Jean-Michel Charlier, der Tausendsassa des Comics, der allein von der Masse seiner Veröffentlichungen her nicht viele Nachfolger unter den Comic-Autoren hat, beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Beziehung der kleinen Familie untereinander. Mit dem zweiten Abenteuer Die Totenkopf-Insel, einer direkten Fortsetzung der ersten Geschichte im vorliegenden Sammelband, geht es auch in die nächste Runde um einen geheimnisvollen Schatz von Henry Morgan, einer der bekanntesten Freibeuter, die jemals die Meere befuhren.
Für die Helden ist dieser Pirat der Anstoß zu Spekulationen über die sagenhafte Größe eines versteckten Vermögens. Allerdings ist es auch gemäß des dunklen Ruhms dieses legendären Gauners an einer nicht gerade ungefährlichen Stelle verborgen. Das Meer ist eine finstere Geliebte, die einen Seemann nur zu gern in die Tiefe zieht. Und vor Feuerland ist diese Gefahr ganz besonders groß. Jean-Michel Charlier trumpft mit einem dichten Szenario auf, in dem sich nicht nur Piraten einander feindlich gegenüber stehen, sondern auch die Natur zur Obacht zwingt und das Auftauchen einer dritten Partei das Blatt erneut wendet.
Gerettet von einem Schurken! Welche Schande! Rick will eben das nicht sein, ein Schurke. Eine Nichte des spanischen Vizekönigs sieht das ein wenig anders. Die Falle der Spanier nimmt den Leser mit den Bildern eines großartig zeichnenden Victor Hubinon in die adeligen Kreise Spaniens. Man schickt sich an, sich auf einem Umweg am Roten Korsaren zu rächen. In dieser Episode, die auf ihre Art sehr stark an alte Piratenfilme, bei Hofe spielend, erinnert, kommt Hubinons grandiose Fähigkeit, individuelle Charaktere zu kreieren, voll zum Tragen.
Ein schöner redaktioneller Teil über den Menschen wie auch den Künstler Hubinon gibt feine Informationen zum Leben und Arbeiten des Comic-Künstlers in einer der Hochzeiten des Mediums. Die drei Geschichten liefern eine geballte Ladung Pulverdampf, über die sich Fans des Genres nur freuen können. Wer Piratenabenteuer lieber traditioneller mag, oder moderne Vermischungen neuerer Erzählkultur scheut, kann nicht am Roten Korsaren vorbei. 🙂
Der Rote Korsar, Gesamtausgabe 3: Bei Amazon bestellen
Freitag, 15. August 2014
Weiß alles, kann alles, mischt die bösen Buben auf. Ganz gleich welcher Kategorie. Spider-Mans Verhalten zeigt Auffälligkeiten. Diejenigen, die häufiger mit ihm zu tun haben, also eigentlich jeder New Yorker, kann sich die plötzliche Brutalität des Netzschwingers nicht erklären. Die Helden aus seinem näheren Umfeld, die Avengers, befürchten gar Schlimmes. Was wäre, wenn sich hinter der Maske des Spinnenmannes gar nicht mehr der verbirgt, den sie kennen? Es wäre nicht das erste Mal, dass Fremde, Außerirdische sogar, die Menschheit auf dieser Eben zu unterwandern suchen. Aus verständlichen Gründen weigert sich Spider-Man alias Peter Parker zunächst sich einem Test zu unterziehen.
Denn Peter Parker ist in Wahrheit nur noch eine bloße Erinnerung. Allerdings eine solche, die sich standhaft dagegen wehrt, irgendwo im Gehirn unterzugehen, über das nun Otto Octavius, der ehemalige Doctor Octopus, die Oberhand hat. Da bleiben Verhaltensänderungen nicht aus. Nachdem der frühere Feind Spider-Mans beschlossen hat, der beste Netzschwinger aller Zeiten zu werden und den Big Apple mit einem, im wahrsten Sinne des Wortes, Überwachungsnetz überzogen und somit die Effizienz Spider-Mans deutlich erhöht hat, steht ihm nur noch eines im Weg. Ein Fragment Peter Parkers will nicht sterben und zieht im tiefsten Unterbewusstsein gegen den alten Gegner zu Felde.
Dan Slott hat es als Autor des neuen, verbesserten Spider-Man nicht leicht. Einerseits will man als Leser sicherlich weiter mit der freundlichen Spinne von nebenan mitfiebern. Andererseits ist ein gestörter Charakter wie Otto Octavius kein Magnet für wirkliches Mitgefühl. Genau das weiß Dan Slott und so führt er den ehemaligen Kriminellen Doc Ock auf den Pfad derer, die wieder etwas Gefühl lernen. Mitgefühl an erster Stelle, aber auch so etwas wie Liebe. Für all jene, besonders jene, die den guten Doktor in der Schlussphase seines Schaffens als vielarmiger geistesgestörter Gangster erlebten, wird dieser Wandel bemerkenswert, erstaunlich und befremdlich sein.
Ein Kind sorgt dafür, dass Octavius einen bedeutsamen Schritt auf der Leiter zum Menschsein, oder auch menschlich sein, erklimmt. Ausgerechnet ein Gegner, den er zuvor in Unwissenheit manch wichtiger Einzelheiten bekämpfte, bringt ihn in die Lage, sich als echter Helfer zu beweisen. Und ein kleines Mädchen hat plötzlich einen neuen Freund, keinen rosafarbenen Pinguin mehr, sondern einen kleinen, mit Plüsch gefütterten Spider-Man. Comic-Künstler Humberto Ramos, der sich mit den Auftakt-Bänden zur Neuauflage des Spektakulären Spider-Man in die Herzen der Spider-Man-Fans zeichnete, nimmt sich auch beschriebener Episode um den Spinnenmann an.
Humberto Ramos beherrscht nicht nur einen sehr ausdrucksstarken Comic-Stil, seine Figuren können auch wunderbar Gefühle zeigen. In der zweiten Hälfte übernimmt Künstler Ryan Stegman den Zeichenstift. In der nicht minder emotionalen Episode um die, in gewissem Sinne virtuelle Auseinandersetzung zwischen Octavius und Peter Parker bleiben die rührenden Momente aus. Ryan Stegman, der sich stilistisch zwischen Marvel-Kollegen wie Alan Davis und Stuart Immonen verorten lässt, darf sich mit den vermehrt bösen Augenblicken des übermenschlichen Spider-Man beschäftigen.
Ein letzter Kampf. Es geht um alles. Die finale Schlacht zwischen den Erzfeinden, Doc Ock und Spidey, hat es in sich, ist optisch ein Schmankerl im Sinne einer traumartigen Sequenz im Sinne eines Films wie Inception.
Berauschende Fortsetzung des dunklen Spider-Man. Dan Slott versteht es, die richtigen Akzente zu setzen. Man erwartet zu jeder Zeit das Kartenhaus von Doc Ock zusammenbrechen zu sehen, doch der Gauner schafft es irgendwie. Wegschauen unmöglich, Spannung von der ersten bis zur letzten Seite garantiert. Schöne Charakterskizzierung, präsentiert von zwei tollen Marvel-Künstlern. 🙂
Spider-Man 2, Gestörter Geist: Bei Amazon bestellen
Mittwoch, 13. August 2014
Ein Lamborghini ist schnell, eine Waffe ist er jedoch nicht. In normalen Händen jedenfalls nicht. Sydney Savage ist keine normale Frau. Ihre aufreizende Kleidung besitzt alles andere als eine geschäftsmäßige Ausstrahlung, obwohl sie genau das ist. Die Gangster, die ihr auf der Spur sind, gehen mit geballter Feuerkraft gegen sie vor, am Boden und in der Luft. Sydney Savage hat anderen Frauen noch eine Kleinigkeit voraus. Sie ist gemäß ihres Trainings nicht einfach nur eine Agentin. Sie ist ein Danger Girl. Eigentlich hatten die Ganoven von Anfang an keine Chance.
Drei Zeichner, eine Geschichte. Andy Hartnell, neben J. Scott Campbell, einer der Erfinder von DANGER GIRL, instruiert gleich drei Comic-Künstler. Jeder nimmt sich eines der Danger Girls, die in Sachen Action unterwegs sind, an und schafft so gemeinsam mit den anderen einen cineastischen Kracher. In dem Thriller TRINITY führen drei Handlungsstränge nach einer rasanten Show schließlich zusammen. Die drei Grafiker, stilistisch unterschiedlich, modern, genau, bieten nicht nur ein irrsinnig gutes Comic-Erlebnis innerhalb des Abenteuer-Genres, sie legen gleichzeitig auch die Messlatte für Grafiken in Comics allgemein ziemlich hoch.
Zäumen wir mal das Pferd von hinten auf: Stephen Molnar beschäftigt sich mit dem jüngsten Mitglied der Danger Girls, Sonya Savage. Der Zeichner reiht sich in die Garde jener Künstler ein, die eine besonders klare Linie verfolgen. Wer Frank Cho oder Terry Dodson mag, also jene Zeichner, die nicht selten durch ihre Pin-Ups auf sich aufmerksam gemacht haben und den weiblichen Körper in die perfekte Perspektive setzen, der wird auch die Arbeit von Stephen Molnar mögen. Außerdem verfügt er über dieselbe Fähigkeit wie seine Kollegen, die Action aus den schier unmöglichsten Blickwinkeln zu inszenieren. Eine Hatz durch den Dschungel wird da zu einer Hommage an Die Jagd nach dem grünen Diamanten.
Mit diesen klaren Strichen, die Stephen Molnar hier schafft, gelingt es ihm von allen drei Zeichnern am besten, eine Spur Klamauk in der Handlung zu etablieren, ohne allzu albern zu wirken. In diesem Teil der Geschichte findet sich so das beste Pendant zu Indiana Jones und Konsorten.
Von Beginn des Comic-Bandes an betrachtet ist John Royle, verantwortlich für die Handlung rund um das Danger Girl Abbey Chase, jener Zeichner, der es am ehesten in die verwandtschaftliche Stilistik eines J. Scott Campbells schafft. Campbell war der erste Zeichner der Danger Girls und lässt es sich auch hier nicht nehmen, entsprechende Titelbilder abzuliefern. Ist ein Stephen Molnar für die sorgsam gestaltete Action zuständig, ist John Royle wilder. Seine Bilder springen den Leser regelrecht an. Wer allein die Eingangsszene auf einem stürmisch bewegten Schiff mitten auf dem Ozean betrachtet, wird diese Aussage bestätigt sehen. Cineasten werden sich in diesem stürmischen Geschehen bestimmt auch an Indiana Jones erinnert fühlen. Einerseits durch die Action selbst, andererseits durch den Auftritt eines Kapuzineräffchens.
Harvey Tolibao übernimmt das Danger Girl, das mit Lederlook und Peitsche aus kühnen Männerträumen entsprungen sein könnte. Ähnlich wie James Bond wird auch sie vom nächsten Auftrag im Bett bei einem Date überrascht. Harvey Tolibao verfolgt die grafische Linie eines Marc Silvestri oder Michael Turner, nämlich leicht übertriebenen Realismus, was die Figuren angeht. Dafür bleibt er bei allem andere höchst präzise, mit feinsten bis hin zu wahrhaft winzigen Strichen. Für eine Figur, die einer Black Widow als Schwester zur Seite stehen könnte, ergeben sich hier Bilder, die auch für den nächsten in London handelnden Thriller als Storyboard herhalten könnten.
Schwer zu sagen, welcher Zeichner den besten Job macht. Jede Stilistik ist toll anzuschauen. Auf jeden Fall lässt sich sagen, dass es sich lohnt nach Arbeiten von jedem der drei Ausschau zu halten. Jeder auf seine Art zeichnet mit einem Höchstmaß an Perfektion und einem guten Auge für den richtigen Blickwinkel.
Drei Handlungslinien, drei Male erste Klasse. Drei Spitzen-Comic-Künstler, toll miteinander vermischt. Ein Paradebeispiel für ein gelungenes Comic-Projekt von verschiedenen Zeichnern. Sehr gerne mehr davon! 🙂
Danger Girl, Trinity: Bei Amazon bestellen
Montag, 11. August 2014
Eine andere Erde. Die Menschen leiden. Eine Verbrecherorganisation, der sich keine Macht der Welt kraftvoll genug entgegenstellen kann, regiert mit aller zur Verfügung stehenden Gewalt. Selbst ein Widerwort kann den sofortigen Tod bedeuten. In dieser verdrehten Welt gibt ein Ultraman den Ton an und ein Owlman wie auch eine Superwoman folgen ihm. Aber so widerstandslos ist ihnen die Ausbeutung der Erde dann doch nicht gegönnt. Ein hoch intelligenter Alexander Luthor sucht nach einer Möglichkeit, eine Wende herbeizuführen.
Grant Morrison (Autor) und Frank Quitely (Zeichner) sind eines jener Comic-Künstlerduos, denen es gelungen ist, Comic-Geschichten zu schaffen, die aus der Vielfalt der Erscheinungen herausragen, weil sie es wagen, einmal alles auf den Kopf zu stellen. In All Star Superman erzählten sie kurzerhand das Ende des Stählernen. In JLA – ERDE 2 kreieren sie eine Variante der JLA in Form des Crime Syndicate of America, so dass jeglicher Spaß, den sich andere Finsterlinge mit der JLA erlaubten, daneben blass aussieht.
Sie sind böse, weil sie böse sein müssen. Manche Systeme dulden eben keine Veränderung, weil sie ganz einfach nicht möglich ist. Diese Grundrichtlinie steht dem ehrgeizigen Plan von Alexander Luthor entgegen, nämlich diese Erde jener Utopie anzugleichen, die der Leser längst an der Seite von so illustren Helden wie Superman und Wonderwoman kennengelernt hat. Natürlich gibt es ein Problem. Die Grundrichtlinie sagt es aus und damit fängt das Schlamassel für beide Seiten an. Denn ganz gleich wie viel Schaden die eine Seite der andere zufügen will, sie sind letztlich wie zwei Magneten, die einander abstoßen.
Frank Quitely zeichnet penibel, mit Strichen, die auf den Punkt genau angesetzt sind, ultrafein gezogen, hier und dort etwas karikierend, immer sehr ausdrucksstark, mit grundsätzlich sehr muskulösen Gestalten, manchmal sogar drall. Kinn ist Frank Quitely an einem Gesicht sehr wichtig, die Lippen zeitweilig auch wulstig zu nennen, fast schmollend, sehr auffallend bei einem Alexander Luthor. Die Besonderheit dieser Geschichte, die Variationen der uns bekannten Helden, sind in ihrer Andersartigkeit faszinierend, weil sie gerade in den Nebenrollen extra überzogen scheinen.
Ein dem Flash an muskulöser Statur in nichts nahestehender Johnny Quick ist drogensüchtig und wirkt noch operettenhafter als es die eigentlichen, klassischen Helden ohnehin sind. Die Nebenbösewichte gestatten sich gerne ein fieses Grinsen und könnten auf ihre Art auch in eine Reihe wie The Boys passen, sind sie doch ein gutes Stück aufmüpfiger als die Originalgauner der Erde 1. Wirken diese Nebenganoven überdreht, ist das Haupttrio eher titanisch, auf beiden Seiten des Spiegels.
Kampf gegen Brainiac. Hier wird das alte Thema neu aufgelegt, gruseliger in jedem Fall. Die Auflösung ist ebenfalls anders, dank eines Ultraman auch brutaler, obwohl sich auch bei DC in den vergangenen Jahren wie bei sämtlichen Comicschmieden viel in dieser Hinsicht verändert hat.
In der Tat ein moderner Klassiker im Bereich der Superheldencomics. Gut gegen Böse, spiegelbildlich, machtlos gegeneinander. Toll erzählt von Grant Morrison, in perfekt eigenem Stil gezeichnet von Frank Quitely, von dem man leider viel zu wenig hierzulande sieht. Für JLA-Fans unverzichtbar. 🙂
JLA, ERDE 2: Bei Amazon bestellen